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	<title>decaf-de - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<title>Kurt Weber</title>
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		<updated>2026-10-12T07:31:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:01 Kurt Weber 1940er Jahre.jpg|thumb|Kurt Weber, Wien, 1940er Jahre]]&lt;br /&gt;
Der Maler und Kosmopolit Kurt Weber war eine Schlüsselfigur der Internationalisierung des österreichischen Kunstbetriebs vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1926 wirkte er in der Grazer Sezession im Mittelpunkt der dortigen künstlerischen Avantgarde. Innerhalb Österreichs wurden hier die Pariser Entwicklungen des Kubismus, des Orphismus und der Konkreten Kunst am konsequentesten rezipiert. Zudem war die Grazer Avantgarde-Szene vor 1938 mit Künstlern wie Axl Leskoschek (1889–1976)&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/Biographien/Leskoschek%2C_Axl&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Herbert Eichholzer]] (1903–1943) und Kurt Weber markant antifaschistisch ausgerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Weber durch sein Lehramt an der Technischen Hochschule Graz Generationen von Studierenden mit internationalen Kunstentwicklungen vertraut. So konnten diese jungen Künstler:innen insbesondere auf Basis der klassischen Moderne aus Paris erneut eine überregional angesehene Grazer Avantgardeszene aufbauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Jugend und Ausbildung==&lt;br /&gt;
Kurt Weber entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus der oststeirischen Stadt Weiz. Nach Besuch der Oberrealschule in Graz und Ingenieurschule in Weimar-Altenburg zog er nach Berlin, bevor er 1914–1918 Kriegsdienst u.a. an der Südfront leistete. 1918–1921 lebte er als kaufmännischer Vertreter für Motorfahrzeuge erneut in der deutschen Hauptstadt. Im Freundeskreis machte er sich dort mit der Novembergruppe und avantgardistischen Künstlerkreisen vertraut. Nachhaltige Eindrücke schufen die Werke von Wassily Kandinsky&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Wassily_Kandinsky&amp;lt;/ref&amp;gt; und Paul Klee&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118562827.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Kubisten und Konstruktivisten sowie der Expressionisten im Kreis um Herwarth Waldens Zeitschrift &#039;&#039;Der Sturm&#039;&#039;. Zeittypisch ist auch Webers beginnende Begeisterung für den Buddhismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Kunststudium begann er 1921–1924 in der Landeskunstschule in Graz bei Daniel Pauluzzi und in der Privatschule von Heinrich Knirr in München. 1924–1927 nahm er in Graz weiteren Unterricht bei Alfred Wickenburg (1885–1978), der 1904–1909 an privaten Kunstschulen in Paris studiert hatte, sowie bei Wilhelm Thöny&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/Biographien/Th%C3%B6ny%2C_Wilhelm&amp;lt;/ref&amp;gt; (1888–1949). 1926 trat Weber der Grazer Sezession bei, die seit ihrer Gründung 1923 klar an der Pariser Avantgarde orientiert war. Mit Hanns Wagula (1894–1964), Erich Hönig (1894–1945), [[Ernst Paa]]r&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Paar&amp;lt;/ref&amp;gt; (1906–1986) und Hans Stockbauer (1910–1982), bildete sich in der Vereinigung um Weber bald eine Gruppe junger Kubisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inspirationen in Frankreich==&lt;br /&gt;
[[File:02 Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935 © Joanneum, Graz.jpg|left|400px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Platz in Paris, Eiffelturm&#039;&#039;, um 1935 ]]&lt;br /&gt;
Eine Erbschaft ermöglichte es Kurt Weber 1927, gemeinsam mit Hans Wagula, eine erste Reise ins Mekka der Moderne nach Paris zu unternehmen. 1929 folgten Wilhelm Thöny und Hans Stockbauer sowie der Architekt Herbert Eichholzer, der drei Monate im Atelier von [[Le Corbusier]] arbeitete. Ein Jahr später trafen schließlich Anny Dollschein (1893–1946) und Ernst Paar in Paris ein. Kurt Weber ließ sich bei seinem ersten Paris-Aufenthalt vom klassischen Kubismus inspirieren, aber auch vom Fauvismus der befreundeten Malerin Lou Albert-Lasard&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.lematrimoine.fr/lou-albert-lazard/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1885–1969). Prägend war Robert Delaunays Orphismus in Gestalt der Malerei von Hannah Kossnick-Kloss&amp;lt;ref&amp;gt;https://awarewomenartists.com/artiste/jeanne-kosnick-kloss/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1892–1966), der Lebensgefährtin des deutsch-jüdischen expressionistischen Bildhauers Otto Freundlich (1878–1943). Dessen bekannte Skulptur &#039;&#039;Der neue Mensch&#039;&#039; sollte 1937 am Cover der NS-Propaganda-Schau &#039;&#039;Entartete Kunst&#039;&#039; erscheinen. Freundlich wurde 1943 in der Shoa ermordet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1927–1934 lebte Weber wieder in Graz als einer der begabtesten avantgardistischen Maler Österreichs. Bei Ausstellungen der Grazer Sezession in München (1930) und in Berlin bei der Künstlervereinigung Porza (1931) schrieb die Presse vor allem über seine Orientierung an Frankreich: So lobte etwa die Münchner Abendzeitung vom 21.5.1930 „die von französischem ‚Esprit‘ und Pariserischer prickelnder und temperamentvoller Eleganz erfüllten Aquarelle Kurt Webers“. 1933 stellte Weber auch in der adriatischen Küstenstadt Split im damaligen Jugoslawien aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1934 zog Weber vor dem Hintergrund der Februarkämpfe und der Errichtung der christlich-sozialen Kanzlerdiktatur in Österreich gemeinsam mit seiner Frau Gertrude (geb. Doser) erneut nach Frankreich. Den Sommer 1934 verbrachte man in Bandol, einem der zahlreichen Malerdörfer an der Côte d’Azur, in denen französische, internationale und österreichische Künstler lebten. In Toulon stellte Weber einige Bilder aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:03 Kurt Weber, Figur am Strand, um 1935, Privatbesitz.jpg|300px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Figur am Strand&#039;&#039;, um 1935]]&lt;br /&gt;
Von Herbst 1934 bis Frühjahr 1936 lebte Weber mit seiner Frau wieder in Paris und setzte seine Studien fort. Eine der bekanntesten privaten Kunstschulen dort war die 1904 gegründete &#039;&#039;Académie de la Grande-Chaumière&#039;&#039;, die bis 1944 von Martha Stettler und Alice Dannenberg an der namensgebenden Adresse 14, rue de la Grande-Chaumière am Montparnasse betrieben wurde. An diesem Institut studierten vor 1945 etwa auch Heinrich Sussmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Heinrich_Sussmann&amp;lt;/ref&amp;gt; (1904–1986), [[Edgar Jené]] (1904–1984) und [[Gerhild Diesner]] (1915–1995). Nach 1945 lernten hier beim Bildhauer Ossip Zadkine u.a. die Österreicher Josef Pillhofer (1921–2010) und Marc Adrian (1940–2008). Kurt Weber studierte an der &#039;&#039;Grande-Chaumière&#039;&#039; 1934–1936 bei Robert Delaunay und Fernand Léger. Zusätzlich unterrichtete ihn Otto Freundlich, mit dem er weiterhin eng verbunden blieb, in Webers kleiner Pariser Wohnung. Den Sommer 1935 verbrachte das Ehepaar Weber gemeinsam mit Otto Freundlich und Hannah Kossnick-Kloss in Étretat in der Normandie, wo einst [[Claude Monet]] gearbeitet hatte. Im Frühjahr 1936 zog Kurt Weber nach Mallorca, während seine Frau zur Geburt des gemeinsamen Kindes zurück nach Graz ging. Der Maler verkehrte in der Exilkünstlerkolonie von Palma de Mallorca und bestritt dort eine Ausstellung. Nach dem Beginn des spanischen Bürgerkrieges flüchtete Weber im November 1936 zurück nach Graz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Avantgardemalerei im Verborgenen==&lt;br /&gt;
[[File:04 Kurt Weber, Stierkampf, um 1937, Privatbesitz.JPG|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Stierkampf&#039;&#039;, um 1937]]&lt;br /&gt;
[[File:04 Kurt Weber, Sitzender Akt, um 1937, Privatbesitz.jpg|left|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Kauernder Akt&#039;&#039;, um 1937]]&lt;br /&gt;
Von 1936 bis zum Kriegsende 1945 lebte Weber als freischaffender Künstler in Graz. Während der christlich-sozialen Kanzlerdiktatur (1934–1938) konnte er seine kubistisch-orphistische Malerei nur mehr in wenigen Ausstellungsbeteiligungen präsentieren. Die westliche Avantgarde stieß in Österreich auf Gegenwind: Das &#039;&#039;Linzer Volksblatt&#039;&#039; etwa schrieb am 18.5.1937 über Weber: „Die Bilder (...) sind im Katalog mit ‚Mutterschaft‘ und ‚Stierkampf‘ bezeichnet ... Das ist in diesem Fall wichtig, denn so würde man nicht draufkommen. Das ist jüngster Import aus Paris, sozusagen der letzte Schrei der jüngsten Kunst, in Wirklichkeit ist diese Periode in der Welt glücklicherweise längst überwunden.“ Die Finanzlage der Webers war in jenen Jahren prekär – der Maler lebte und arbeitete in seinem Atelier, während Frau und Kind bei den Eltern von Gertrude wohnten. Enge künstlerische Kontakte pflegte Weber zu Thomas Ring (1892–1983)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.bbkl.de/index.php/frontend/autor?id=3364&amp;lt;/ref&amp;gt; und Margret Bilger (1904–1971)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_B/Bilger_Margret_1904_1971.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:05 Kurt Weber, o.T. (Abstraktion), um 1938.jpg|thumb|Kurt Weber, o.T. (Abstraktion), um 1938]]&lt;br /&gt;
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland 1938 wurde die Mitgliedschaft in der gleichgeschalteten &#039;&#039;Reichskammer der bildenden Künste&#039;&#039; zur Bedingung für die Teilnahme an Ausstellungen, für öffentliche Aufträge und bald auch für den Bezug von Malmaterial. Webers Mitgliedschaft ist bislang nicht bekannt. Nach dem Kriegsbeginn 1939 blieb Weber der Wehrdienst wegen seines Alters und wegen einer Schulterluxation erspart. Ein ungewöhnlicher Weg, weiterhin seine künstlerische Praxis aufrechtzuerhalten, war 1941 die Aufnahme eines Bühnenbild-Studiums an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Der mittlerweile 48-jährige Maler studierte in der Meisterschule von Emil Pirchan (1884–1957) und avancierte dort bald zum Assistenten. An der Akademie lernte Weber Künstler:innen kennen, die sich ebenfalls der NS-Kunstdoktrin verweigerten. Vor allem entstand eine Freundschaft mit dem gleichaltrigen [[Herbert Boeckl]] (1894–1966), der an der Akademie 1935–1939 eine Meisterschule für Malerei innegehabt hatte. 1939 hatte er sich jedoch auf die Leitung des &#039;&#039;Abendakts&#039;&#039; zurückgezogen, einer Pflichtlehrveranstaltung für alle Akademiestudierenden.  Weber und Boeckl blieben auch nach 1945 befreundet. An der Akademie studierte während des Krieges auch [[Maria Lassnig]] (1919–2014), die ebenfalls zum Kreis um Boeckl gehörte. Nach 1945 durchlief sie rasch die Lehren der klassischen Moderne, bevor sie zur bekannten Pionierin der informellen Malerei in Österreich avancierte. 1945 versteckte sich Weber mit seiner Familie in einem Haus nahe der oststeirischen Weizklamm, um dem Einzug zum Volkssturm zu entgehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Proliferation der Pariser Avantgarden==&lt;br /&gt;
[[File:06 Kurt Weber, Stadt, um 1945.jpg|left|400px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Stadt&#039;&#039;, um 1945]]&lt;br /&gt;
Österreichs Befreiung vom NS-Regime 1945 brachte Weber schließlich die offizielle Anerkennung und die langersehnte Möglichkeit, an der „Synchronisierung“ des österreichischen Kunstbetriebs mit westlichen Standards mitzuwirken. Im Herbst 1945 erhielt er einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Graz für Zeichnen und Malen sowie Bühnengestaltung, der später in „Künstlerische Gestaltung“ umbenannt wurde. Zusätzlich lehrte er gelegentlich an der Philosophischen Fakultät der Universität Graz und hielt Aktzeichenkurse im Volksbildungshaus Urania. Besonders die Lehre an der Technischen Hochschule erwies sich als folgenreich. Sein Vorbild beeindruckte mehrere Architekturstudenten so intensiv, dass sie die Baukunst aufgaben und Maler wurden. Zu dieser Gruppe der steirischen Nachkriegs-Avantgarde gehörten u.a. Hans Bischoffshausen (1927–1987), Gerhard Lojen (1935–2005), Hartmut Urban (1941–1997) und Jorrit Tornquist (1938–2023). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber errang in den Nachkriegsjahren erste öffentliche Aufträge, etwa für Wandbilder im öffentlichen Raum und für Bühnenbilder der Grazer Oper. Auch seine Ausstellungstätigkeit nahm wieder Fahrt auf und brachte unter anderem eine Personale in der Wiener Galerie Nebehay (die 1918–1931 auch Herbert Boeckl unter Vertrag hatte) sowie regelmäßige Beteiligungen an den Präsentationen der Grazer Sezession. Dort setzte er sich intensiv für die moderne Kunst aus Frankreich ein, zeigte Filme von [[Jean Cocteau]] und hielt einen Vortrag über [[Henri Matisse]]. Seine engsten Mitstreiter in der Sezession waren Fritz Aduatz (1907–1994), Rudolf Pointner (1907–1991), Franz Rogler (1921–1994) und Mario Decleva (1930–1979). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:07 Kurt Weber, Figuration, 1958, Neue Galerie am Joanneum, Graz.jpg|400px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Figuration&#039;&#039;, 1958]]&lt;br /&gt;
Weitere Aktivitäten im Sinne der klassischen französischen Avantgarden entfaltete Weber auch durch seine Mitarbeit in dem 1947 gegründeten Wiener Art Club. Dass er zeitlebens offen und interessiert für die neuesten Strömungen war, beweisen auch seine Kontakte zu den österreichischen Surrealisten nach 1945. Weber pflegte freundschaftlichen Umgang mit Max Hölzer (1915–1984), dem Herausgeber der &#039;&#039;Surrealistischen Publikationen&#039;&#039;, und mit dem damals Dichter [[Paul Celan]] (1920–1970), der nach seiner kurzen Zeit in Wien (1947/48) in Paris lebte und bei gelegentlichen Besuchen in Graz bei Weber wohnte. Engen Austausch pflegte Weber auch mit der steirisch-amerikanischen Malerin Vevean Oviette (Emma Juliana Schwarzbauer, 1902–1986), die 1934 nach New York emigriert war und 1951–1954 sowie 1962 bis zu ihrem Tod in Graz lebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber blieb auch in seinem sechsten und siebenten Lebensjahrzehnt stets an aktuellen Entwicklungen interessiert. Dafür reiste er erneut nach Paris und immer wieder zur Kunstbiennale nach Venedig. Seine späten Arbeiten rezipieren deutlich das Pariser Informel, aber auch die postsurrealistischen Positionen von Jean Dubuffet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fonds-culturel-leclerc.fr/actualit%C3%A9s-jean-dubuffet-893-17-0-0.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Jackson Pollock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Eisenhut, Günter: Kurt Weber. In: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933–1945. Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum 2001, S. 484–493. &lt;br /&gt;
*Fanninger, Rita: Kurt Weber (1893–1964): Biographie und Werkverzeichnis, Diplomarbeit. Universität Salzburg, 1987&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Kurt Weber: 1893–1964&#039;&#039;, Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum  Joanneum 1965&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Kurt Weber: Werk und Wirkung&#039;&#039;, Ausstellungskatalog. Graz: Stadtmuseum 1986&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Kurt Weber (1893–1964)&#039;&#039;, Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum  Joanneum 1993&lt;br /&gt;
*Rubinig, Richard: Kurt Weber (1893–1964), Ausstellungskatalog. Wien: Galerie Hubert Winter 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==  &lt;br /&gt;
Matthias Boeckl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 30/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Kurt_Weber}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Weber, Kurt}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Kurt Weber</title>
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		<updated>2026-10-12T07:24:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Kurt Weber, Wien, 1940er Jahre Der Maler und Kosmopolit Kurt Weber war eine Schlüsselfigur der Internationalisierung des österreichischen Kunstbetriebs vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1926 wirkte er in der Grazer Sezession im Mittelpunkt der dortigen künstlerischen Avantgarde. Innerhalb Österreichs wurden hier die Pariser Entwicklungen des Kubismus, des Orphismus und der Konkreten Kunst am konsequen…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:01 Kurt Weber 1940er Jahre.jpg|thumb|Kurt Weber, Wien, 1940er Jahre]]&lt;br /&gt;
Der Maler und Kosmopolit Kurt Weber war eine Schlüsselfigur der Internationalisierung des österreichischen Kunstbetriebs vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1926 wirkte er in der Grazer Sezession im Mittelpunkt der dortigen künstlerischen Avantgarde. Innerhalb Österreichs wurden hier die Pariser Entwicklungen des Kubismus, des Orphismus und der Konkreten Kunst am konsequentesten rezipiert. Zudem war die Grazer Avantgarde-Szene vor 1938 mit Künstlern wie Axl Leskoschek (1889–1976)&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/Biographien/Leskoschek%2C_Axl&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Herbert Eichholzer]] (1903–1943) und Kurt Weber markant antifaschistisch ausgerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Weber durch sein Lehramt an der Technischen Hochschule Graz Generationen von Studierenden mit internationalen Kunstentwicklungen vertraut. So konnten diese jungen Künstler:innen insbesondere auf Basis der klassischen Moderne aus Paris erneut eine überregional angesehene Grazer Avantgardeszene aufbauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Jugend und Ausbildung==&lt;br /&gt;
Kurt Weber entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus der oststeirischen Stadt Weiz. Nach Besuch der Oberrealschule in Graz und Ingenieurschule in Weimar-Altenburg zog er nach Berlin, bevor er 1914–1918 Kriegsdienst u.a. an der Südfront leistete. 1918–1921 lebte er als kaufmännischer Vertreter für Motorfahrzeuge erneut in der deutschen Hauptstadt. Im Freundeskreis machte er sich dort mit der Novembergruppe und avantgardistischen Künstlerkreisen vertraut. Nachhaltige Eindrücke schufen die Werke von Wassily Kandinsky&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Wassily_Kandinsky&amp;lt;/ref&amp;gt; und Paul Klee&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118562827.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Kubisten und Konstruktivisten sowie der Expressionisten im Kreis um Herwarth Waldens Zeitschrift &#039;&#039;Der Sturm&#039;&#039;. Zeittypisch ist auch Webers beginnende Begeisterung für den Buddhismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Kunststudium begann er 1921–1924 in der Landeskunstschule in Graz bei Daniel Pauluzzi und in der Privatschule von Heinrich Knirr in München. 1924–1927 nahm er in Graz weiteren Unterricht bei Alfred Wickenburg (1885–1978), der 1904–1909 an privaten Kunstschulen in Paris studiert hatte, sowie bei Wilhelm Thöny&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/Biographien/Th%C3%B6ny%2C_Wilhelm&amp;lt;/ref&amp;gt; (1888–1949). 1926 trat Weber der Grazer Sezession bei, die seit ihrer Gründung 1923 klar an der Pariser Avantgarde orientiert war. Mit Hanns Wagula (1894–1964), Erich Hönig (1894–1945), [[Ernst Paa]]r&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Paar&amp;lt;/ref&amp;gt; (1906–1986) und Hans Stockbauer (1910–1982), bildete sich in der Vereinigung um Weber bald eine Gruppe junger Kubisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inspirationen in Frankreich==&lt;br /&gt;
[[File:02 Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935 © Joanneum, Graz.jpg|left|400px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Platz in Paris, Eiffelturm&#039;&#039;, um 1935 ]]&lt;br /&gt;
Eine Erbschaft ermöglichte es Kurt Weber 1927, gemeinsam mit Hans Wagula, eine erste Reise ins Mekka der Moderne nach Paris zu unternehmen. 1929 folgten Wilhelm Thöny und Hans Stockbauer sowie der Architekt Herbert Eichholzer, der drei Monate im Atelier von [[Le Corbusier]] arbeitete. Ein Jahr später trafen schließlich Anny Dollschein (1893–1946) und Ernst Paar in Paris ein. Kurt Weber ließ sich bei seinem ersten Paris-Aufenthalt vom klassischen Kubismus inspirieren, aber auch vom Fauvismus der befreundeten Malerin Lou Albert-Lasard&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.lematrimoine.fr/lou-albert-lazard/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1885–1969). Prägend war Robert Delaunays Orphismus in Gestalt der Malerei von Hannah Kossnick-Kloss&amp;lt;ref&amp;gt;https://awarewomenartists.com/artiste/jeanne-kosnick-kloss/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1892–1966), der Lebensgefährtin des deutsch-jüdischen expressionistischen Bildhauers Otto Freundlich (1878–1943). Dessen bekannte Skulptur &#039;&#039;Der neue Mensch&#039;&#039; sollte 1937 am Cover der NS-Propaganda-Schau &#039;&#039;Entartete Kunst&#039;&#039; erscheinen. Freundlich wurde 1943 in der Shoa ermordet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1927–1934 lebte Weber wieder in Graz als einer der begabtesten avantgardistischen Maler Österreichs. Bei Ausstellungen der Grazer Sezession in München (1930) und in Berlin bei der Künstlervereinigung Porza (1931) schrieb die Presse vor allem über seine Orientierung an Frankreich: So lobte etwa die Münchner Abendzeitung vom 21.5.1930 „die von französischem ‚Esprit‘ und Pariserischer prickelnder und temperamentvoller Eleganz erfüllten Aquarelle Kurt Webers“. 1933 stellte Weber auch in der adriatischen Küstenstadt Split im damaligen Jugoslawien aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1934 zog Weber vor dem Hintergrund der Februarkämpfe und der Errichtung der christlich-sozialen Kanzlerdiktatur in Österreich gemeinsam mit seiner Frau Gertrude (geb. Doser) erneut nach Frankreich. Den Sommer 1934 verbrachte man in Bandol, einem der zahlreichen Malerdörfer an der Côte d’Azur, in denen französische, internationale und österreichische Künstler lebten. In Toulon stellte Weber einige Bilder aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:03 Kurt Weber, Figur am Strand, um 1935, Privatbesitz.jpg|300px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Figur am Strand&#039;&#039;, um 1935]]&lt;br /&gt;
Von Herbst 1934 bis Frühjahr 1936 lebte Weber mit seiner Frau wieder in Paris und setzte seine Studien fort. Eine der bekanntesten privaten Kunstschulen dort war die 1904 gegründete &#039;&#039;Académie de la Grande-Chaumière&#039;&#039;, die bis 1944 von Martha Stettler und Alice Dannenberg an der namensgebenden Adresse 14, rue de la Grande-Chaumière am Montparnasse betrieben wurde. An diesem Institut studierten vor 1945 etwa auch Heinrich Sussmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Heinrich_Sussmann&amp;lt;/ref&amp;gt; (1904–1986), [[Edgar Jené]] (1904–1984) und [[Gerhild Diesner]] (1915–1995). Nach 1945 lernten hier beim Bildhauer Ossip Zadkine u.a. die Österreicher Josef Pillhofer (1921–2010) und Marc Adrian (1940–2008). Kurt Weber studierte an der &#039;&#039;Grande-Chaumière&#039;&#039; 1934–1936 bei Robert Delaunay und Fernand Léger. Zusätzlich unterrichtete ihn Otto Freundlich, mit dem er weiterhin eng verbunden blieb, in Webers kleiner Pariser Wohnung. Den Sommer 1935 verbrachte das Ehepaar Weber gemeinsam mit Otto Freundlich und Hannah Kossnick-Kloss in Étretat in der Normandie, wo einst [[Claude Monet]] gearbeitet hatte. Im Frühjahr 1936 zog Kurt Weber nach Mallorca, während seine Frau zur Geburt des gemeinsamen Kindes zurück nach Graz ging. Der Maler verkehrte in der Exilkünstlerkolonie von Palma de Mallorca und bestritt dort eine Ausstellung. Nach dem Beginn des spanischen Bürgerkrieges flüchtete Weber im November 1936 zurück nach Graz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Avantgardemalerei im Verborgenen==&lt;br /&gt;
[[File:04 Kurt Weber, Stierkampf, um 1937, Privatbesitz.JPG|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Stierkampf&#039;&#039;, um 1937]]&lt;br /&gt;
[[File:04 Kurt Weber, Sitzender Akt, um 1937, Privatbesitz.jpg|left|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Sitzender Akt&#039;&#039;, um 1937]]&lt;br /&gt;
Von 1936 bis zum Kriegsende 1945 lebte Weber als freischaffender Künstler in Graz. Während der christlich-sozialen Kanzlerdiktatur (1934–1938) konnte er seine kubistisch-orphistische Malerei nur mehr in wenigen Ausstellungsbeteiligungen präsentieren. Die westliche Avantgarde stieß in Österreich auf Gegenwind: Das &#039;&#039;Linzer Volksblatt&#039;&#039; etwa schrieb am 18.5.1937 über Weber: „Die Bilder (...) sind im Katalog mit ‚Mutterschaft‘ und ‚Stierkampf‘ bezeichnet ... Das ist in diesem Fall wichtig, denn so würde man nicht draufkommen. Das ist jüngster Import aus Paris, sozusagen der letzte Schrei der jüngsten Kunst, in Wirklichkeit ist diese Periode in der Welt glücklicherweise längst überwunden.“ Die Finanzlage der Webers war in jenen Jahren prekär – der Maler lebte und arbeitete in seinem Atelier, während Frau und Kind bei den Eltern von Gertrude wohnten. Enge künstlerische Kontakte pflegte Weber zu Thomas Ring (1892–1983)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.bbkl.de/index.php/frontend/autor?id=3364&amp;lt;/ref&amp;gt; und Margret Bilger (1904–1971)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_B/Bilger_Margret_1904_1971.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:05 Kurt Weber, o.T. (Abstraktion), um 1938.jpg|thumb|Kurt Weber, o.T. (Abstraktion), um 1938]]&lt;br /&gt;
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland 1938 wurde die Mitgliedschaft in der gleichgeschalteten &#039;&#039;Reichskammer der bildenden Künste&#039;&#039; zur Bedingung für die Teilnahme an Ausstellungen, für öffentliche Aufträge und bald auch für den Bezug von Malmaterial. Webers Mitgliedschaft ist bislang nicht bekannt. Nach dem Kriegsbeginn 1939 blieb Weber der Wehrdienst wegen seines Alters und wegen einer Schulterluxation erspart. Ein ungewöhnlicher Weg, weiterhin seine künstlerische Praxis aufrechtzuerhalten, war 1941 die Aufnahme eines Bühnenbild-Studiums an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Der mittlerweile 48-jährige Maler studierte in der Meisterschule von Emil Pirchan (1884–1957) und avancierte dort bald zum Assistenten. An der Akademie lernte Weber Künstler:innen kennen, die sich ebenfalls der NS-Kunstdoktrin verweigerten. Vor allem entstand eine Freundschaft mit dem gleichaltrigen [[Herbert Boeckl]] (1894–1966), der an der Akademie 1935–1939 eine Meisterschule für Malerei innegehabt hatte. 1939 hatte er sich jedoch auf die Leitung des &#039;&#039;Abendakts&#039;&#039; zurückgezogen, einer Pflichtlehrveranstaltung für alle Akademiestudierenden.  Weber und Boeckl blieben auch nach 1945 befreundet. An der Akademie studierte während des Krieges auch [[Maria Lassnig]] (1919–2014), die ebenfalls zum Kreis um Boeckl gehörte. Nach 1945 durchlief sie rasch die Lehren der klassischen Moderne, bevor sie zur bekannten Pionierin der informellen Malerei in Österreich avancierte. 1945 versteckte sich Weber mit seiner Familie in einem Haus nahe der oststeirischen Weizklamm, um dem Einzug zum Volkssturm zu entgehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Proliferation der Pariser Avantgarden==&lt;br /&gt;
[[File:06 Kurt Weber, Stadt, um 1945.jpg|left|400px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Stadt&#039;&#039;, um 1945]]&lt;br /&gt;
Österreichs Befreiung vom NS-Regime 1945 brachte Weber schließlich die offizielle Anerkennung und die langersehnte Möglichkeit, an der „Synchronisierung“ des österreichischen Kunstbetriebs mit westlichen Standards mitzuwirken. Im Herbst 1945 erhielt er einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Graz für Zeichnen und Malen sowie Bühnengestaltung, der später in „Künstlerische Gestaltung“ umbenannt wurde. Zusätzlich lehrte er gelegentlich an der Philosophischen Fakultät der Universität Graz und hielt Aktzeichenkurse im Volksbildungshaus Urania. Besonders die Lehre an der Technischen Hochschule erwies sich als folgenreich. Sein Vorbild beeindruckte mehrere Architekturstudenten so intensiv, dass sie die Baukunst aufgaben und Maler wurden. Zu dieser Gruppe der steirischen Nachkriegs-Avantgarde gehörten u.a. Hans Bischoffshausen (1927–1987), Gerhard Lojen (1935–2005), Hartmut Urban (1941–1997) und Jorrit Tornquist (1938–2023). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber errang in den Nachkriegsjahren erste öffentliche Aufträge, etwa für Wandbilder im öffentlichen Raum und für Bühnenbilder der Grazer Oper. Auch seine Ausstellungstätigkeit nahm wieder Fahrt auf und brachte unter anderem eine Personale in der Wiener Galerie Nebehay (die 1918–1931 auch Herbert Boeckl unter Vertrag hatte) sowie regelmäßige Beteiligungen an den Präsentationen der Grazer Sezession. Dort setzte er sich intensiv für die moderne Kunst aus Frankreich ein, zeigte Filme von [[Jean Cocteau]] und hielt einen Vortrag über [[Henri Matisse]]. Seine engsten Mitstreiter in der Sezession waren Fritz Aduatz (1907–1994), Rudolf Pointner (1907–1991), Franz Rogler (1921–1994) und Mario Decleva (1930–1979). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:07 Kurt Weber, Figuration, 1958, Neue Galerie am Joanneum, Graz.jpg|400px|thumb|Kurt Weber, &#039;&#039;Figuration&#039;&#039;, 1958]]&lt;br /&gt;
Weitere Aktivitäten im Sinne der klassischen französischen Avantgarden entfaltete Weber auch durch seine Mitarbeit in dem 1947 gegründeten Wiener Art Club. Dass er zeitlebens offen und interessiert für die neuesten Strömungen war, beweisen auch seine Kontakte zu den österreichischen Surrealisten nach 1945. Weber pflegte freundschaftlichen Umgang mit Max Hölzer (1915–1984), dem Herausgeber der &#039;&#039;Surrealistischen Publikationen&#039;&#039;, und mit dem damals Dichter [[Paul Celan]] (1920–1970), der nach seiner kurzen Zeit in Wien (1947/48) in Paris lebte und bei gelegentlichen Besuchen in Graz bei Weber wohnte. Engen Austausch pflegte Weber auch mit der steirisch-amerikanischen Malerin Vevean Oviette (Emma Juliana Schwarzbauer, 1902–1986), die 1934 nach New York emigriert war und 1951–1954 sowie 1962 bis zu ihrem Tod in Graz lebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber blieb auch in seinem sechsten und siebenten Lebensjahrzehnt stets an aktuellen Entwicklungen interessiert. Dafür reiste er erneut nach Paris und immer wieder zur Kunstbiennale nach Venedig. Seine späten Arbeiten rezipieren deutlich das Pariser Informel, aber auch die postsurrealistischen Positionen von Jean Dubuffet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fonds-culturel-leclerc.fr/actualit%C3%A9s-jean-dubuffet-893-17-0-0.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Jackson Pollock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Eisenhut, Günter: Kurt Weber. In: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933–1945. Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum 2001, S. 484–493. &lt;br /&gt;
*Fanninger, Rita: Kurt Weber (1893–1964): Biographie und Werkverzeichnis, Diplomarbeit. Universität Salzburg, 1987&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Kurt Weber: 1893–1964&#039;&#039;, Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum  Joanneum 1965&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Kurt Weber: Werk und Wirkung&#039;&#039;, Ausstellungskatalog. Graz: Stadtmuseum 1986&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Kurt Weber (1893–1964)&#039;&#039;, Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum  Joanneum 1993&lt;br /&gt;
*Rubinig, Richard: Kurt Weber (1893–1964), Ausstellungskatalog. Wien: Galerie Hubert Winter 1982&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==  &lt;br /&gt;
Matthias Boeckl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 30/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Kurt_Weber}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Weber, Kurt}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Die_Rezeption_Stefan_Zweigs_in_Frankreich&amp;diff=1598</id>
		<title>Die Rezeption Stefan Zweigs in Frankreich</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/La_réception_de_Stefan_Zweig_en_France nur im französischsprachigen Wiki]. &lt;br /&gt;
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[[Category:Sachartikel]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Die_franz%C3%B6siche_Besetzung_von_Wien_1805/1806_und_1809&amp;diff=1597</id>
		<title>Die französiche Besetzung von Wien 1805/1806 und 1809</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Während der Zeit der Napoleonischen Kriege besetzten französische Truppen zweimal, in den Jahren 1805 und 1809, die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt Wien. [[Napoleon]] schlug dabei sein Quartier im Schloss Schönbrunn auf, das auch Schauplatz eines misslungenen Anschlages auf sein Leben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1805/1806==&lt;br /&gt;
Der Beitritt Österreichs zum englisch-russisch-schwedischen Bündnis gegen Frankreich im Rahmen des Dritten Koalitionskrieges am 9. August 1805 veranlasste Frankreich, der Habsburgermonarchie am 23. September den Krieg zu erklären. Am 20. Oktober wurde die kaiserliche Armee unter Feldmarschallleutnant Karl Mack von Leiberich&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/mack-von-leiberich&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Ulm zur Kapitulation und zum Rückzug entlang der Donau gezwungen, dicht gefolgt von den Franzosen. Da die aus Italien und Tirol zurückbeorderten kaiserlichen Truppen zu spät kamen, um Napoleon am Vorstoß über Linz nach Wien zu hindern, begann sich die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt, auf eine Besetzung vorzubereiten. Kaiser Franz II. (I.)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_II._(I.)&amp;lt;/ref&amp;gt; (nach der Annahme des Titels eines erblichen Kaisers von Österreich 1804 und der Niederlegung der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 regierte Franz als Kaiser Franz I. von Österreich) verließ die Stadt gemeinsam mit seiner Familie und zahlreichen Adeligen in Richtung Ungarn, um sich vor den herannahenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:2 Wien Museum Online Sammlung 1428 1-2.jpg|Johann Andreas Ziegler, Einzug der Franzosen in Wien am 13. November 1805&lt;br /&gt;
Datei:3 Wien Museum Online Sammlung 32723.jpg|Unbekannt, Entrée Triomphale de la Grande Armée Française ..., 1805&lt;br /&gt;
Datei:1 François PigeotK.jpg|François Pigeot, Einzug der französischen Truppen in Wien am 14. November 1805&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Wien Museum Online Sammlung 30293 1-2.jpg|left|thumb|Unbekannt, Die Franzosen in Wien 1805: Die Besetzung der Taborbrücke, 1805]]Nach kleineren Gefechten auf dem Vormarsch erreichten die ersten französischen Truppen unter Marschall Joachim Murat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz37268.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits am 12. November die Vororte Wiens und besetzten die Stadt am folgenden Tag, ohne auf Gegenwehr zu stoßen, nachdem sie sich unter Vortäuschung eines Waffenstillstandes kampflos der Taborbrücke bemächtigt hatten. Die Feindseligkeit der Wiener Bevölkerung schlug spontan in Neugier – bisweilen sogar in Sympathie – um; tausende Wiener wohnten dem Einzug der Franzosen bei und bildeten ein dichtes Spalier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon traf am 14. November in Wien ein und begab sich nach Schloss Schönbrunn, um dort für kurze Zeit Quartier zu beziehen. Dort empfing er auch eine aus Vertretern der Stände und des Wiener Magistrats unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stephan_von_Wohlleben&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammengesetzte Delegation.&lt;br /&gt;
[[Datei:5 Wien Museum Online Sammlung 87186.jpg|thumb|Pierre Adrien Le Beau (Kupferstecher), Thomas Charles Naudet (Zeichner), Prise de Vienne par la Grande Armée Française sous le Commandement de Napoléon ... (mit Stephansdom), 1805]]General Henry Jacques Clarke&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116530278&amp;lt;/ref&amp;gt;, der spätere Kriegsminister – er residierte in der Wiener Hofburg –, wurde zum Generalgouverneur Österreichs proklamiert, General Pierre Augustin Hulin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1032277858&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Stadtkommandanten von Wien. Im Wiener Rathaus wurden das Verpflegsdepartement der französischen Armee und das Kriegsdepartement der bewaffneten Bürgermiliz untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar schlug die Stimmung innerhalb der Wiener Bevölkerung aufgrund der Belastungen durch die Einquartierungen, Requisitionen (vor allem von Lebensmitteln) und Kontributionen bald in Ablehnung um, aber im Großen und Ganzen verlief das Zusammenleben der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht weitgehend friedlich; Exzesse vonseiten der französischen Soldaten wurden hart bestraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon beließ sowohl die von Kaiser Franz eingesetzte Hofkommission unter dem Grafen Rudolf von Wrbna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolf_von_Wrbna&amp;lt;/ref&amp;gt; als auch die Wiener Bürgermiliz – ein 10.000 Mann starkes bewaffnetes Korps –, die nach dem Abmarsch der Franzosen Richtung Austerlitz den Ordnungsdienst übernahm. Die in Wien verbliebenen Gelder der Stadtkasse, der Bankozettel-Hauptkasse und der kaiserlichen Kassen sowie die Bestände des Kaiserlichen Zeughauses, vor allem die Artillerie, wurden von den Franzosen ebenso requiriert wie 150.000 Paar Schuhe, 6.000 Sättel, Verbandsmaterial sowie Pulver- und Munitionsvorräte, die Richtung Norden abtransportiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6 Empire-Dekorationsteller.jpg|left|250px|thumb|Übergabe der Schlüssel der Stadt Wien an Napoleon I. im Jahr 1805]]In der (Drei-Kaiser-)Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember feierte Napoleon einen entscheidenden Sieg über die verbündeten Russen und Österreicher und zwang die Russen zum sofortigen Abzug. Die Verletzten beider Seiten wurden nach dem Ende der Schlacht nach Wien gebracht, wo sie – egal ob Freund oder Feind – von österreichischen und französischen Ärzten behandelt und mit Verbandsmaterial, das von der Wiener Bevölkerung in großer Zahl abgegeben wurde, versorgt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon selbst bezog während der Friedensverhandlungen von 12. bis 27. Dezember erneut Quartier in Schönbrunn und schloss dort am 15. Dezember 1805 einen „Freundschaftsvertrag“ mit dem neutral gebliebenen Preußen (vertreten durch den preußischen Diplomaten Christian Haugwitz), das nun außenpolitisch isoliert war; dieser wurde mit einem Konzert im Schlosstheater gebührend gefeiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthaltes in Wien hielt er in Anwesenheit zahlreicher schaulustiger Wiener eine Musterung der Division St. Hilaire sowie diverse Paraden und Revuen in Schönbrunn ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zwischen Franz II. und Napoleon geschlossenen Frieden von Pressburg, der zu großen Gebietsverlusten Österreichs (u.a. Tirol und Vorarlberg an Bayern, italienische Gebiete an das Königreich Italien) führte, wurde der Dritte Koalitionskrieg beendet. Napoleon verabschiedete sich am 28. Dezember mit einer Proklamation an die Wiener, am 13. Jänner 1806 verließen die französischen Truppen Wien. Kaiser Franz kehrte am 16. Jänner nach Wien zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1809==&lt;br /&gt;
[[Datei:7 Wien Museum Online Sammlung 32471.jpg|thumb|Benedikt Piringer (Kupferstecher), Beschießung Wiens durch die Franzosen in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1809, 1809]]Im Jahr 1809 versuchte Österreich (gemeinsam mit Großbritannien, dessen Truppen die Franzosen auf der Iberischen Halbinsel bekämpften), in einem neuerlichen Krieg (Fünfter Koalitionskrieg) die französische Hegemonie durch Entfachung einer „nationalen Erhebung“ in den deutschsprachigen Gebieten zu beenden. Damit verbunden war auch die Aufstellung einer „Landwehr“, eine Art „Volksbewaffnung“ nach französischem Vorbild, die in die militärischen Planungen miteinbezogen werden sollte. Darunter befanden sich auch sechs Bataillone der Wiener Landwehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10 Andrieu Medaille RS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Avers)]][[Datei:11 Andrieu Medaille VS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Revers)]]Vor allem der Minister des Äußeren Johann Philipp Graf Stadion&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Philipp_Karl_Stadion_von_Warthausen&amp;lt;/ref&amp;gt; beabsichtigte, den Krieg als einen „Vergeltungskrieg“ hochzustilisieren, und setzte eine Reihe von Initiativen, die den Patriotismus der Österreicher entfachen sollte; vor allem die Bewohner Wiens wurden von einer Welle patriotischer Begeisterung erfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das am 27. März 1809 publizierte „Österreichische Kriegsmanifest“, in dem die deutschen Staaten zum Befreiungskrieg gegen Frankreich aufgerufen wurden, fand allerdings keine Resonanz; Österreich blieb nur der Alleingang. Am 9. April erklärte die Habsburgermonarchie Frankreich den Krieg und begann umgehend mit dem Vormarsch nach Bayern, der allerdings langsam und schleppend verlief. Es fiel Napoleon daher nicht schwer, die Initiative an sich zu reißen und mit lokalen Schwergewichten und raschen Vorstößen die österreichische Hauptarmee bei Regensburg zu zersprengen. Die österreichischen Truppen gerieten nach heftigen Gefechten mit hohen Verlusten in die Defensive. Auf dem Rückzug fügten die Österreicher den Franzosen zwar bei Ebelsberg am 3. Mai erhebliche Verluste zu, wobei sich Wiener Freiwilligenbataillone unter Oberstleutnant Küffel durch besondere Tapferkeit auszeichneten, doch konnten sie deren Vormarsch nach Wien nicht aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20 Wien Museum Online Sammlung 212893 1-2.jpg|thumb|Emil Hütter, Das Burgtor nach der Sprengung durch die Franzosen 1809, 1809]]Wien bereitete sich daher neuerlich auf eine Besetzung vor. Diesmal hatte allerdings der zum Stadtkommandanten ernannte Erzherzog Maximilian d’Este&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_6/168.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; im Namen des Kaisers den überraschenden Befehl ausgegeben, die Stadt Wien zu verteidigen. Aufgrund der Zeitknappheit wurde nur der Hauptwall in Verteidigungszustand versetzt, Geschütze auf den Basteien in Stellung gebracht und wichtige Donaubrücken abgerissen. Die kaiserliche Familie floh gemeinsam mit der Staatsspitze erneut aus der Stadt; große Teile der kaiserlichen Sammlungen, Archive und Staatskassen wurden wie schon 1805 mit Schiffen nach Ungarn verbracht. Während der Wiener Magistrat unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben und die niederösterreichischen Stände sich gegen eine Verteidigung der Stadt aussprachen und auf offenkundige Versäumnisse hinwiesen, etwa in Bezug auf die (mangelnde) Versorgung Wiens mit Lebensmitteln, rüsteten sich die Wiener mit Hamsterkäufen für eine potenzielle länger andauernde Belagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gefecht bei Ebelsberg näherten sich die französischen Truppen rasch der Stadt Wien und standen am 8. Mai bereits vor deren Toren. In der Stadt befanden sich 16.000 verteidigungsbereite Mann – Linientruppen, Landwehr, Bürgermiliz – sowie 1.000 Studenten, einer davon war der Schriftsteller [[Franz Grillparzer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem eine Kapitulationsaufforderung der Franzosen abgelehnt und der im Auftrag von Marschall Lannes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jean_Lannes&amp;lt;/ref&amp;gt; als Parlamentär vor das Burgtor geschickte Stabsoffizier Lagrange von ungarischen Husaren verwundet und gefangen genommen worden war, kam es in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai zur Beschießung der Stadt mit französischen Feldgeschützen von den kaiserlichen Stallungen (heute Museumsquartier, 7. Wiener Gemeindebezirk) aus. 20 Tote und 100 Verletzte waren die Folge. Einige Palais und Häuser gingen in Flammen auf, da man es verabsäumt hatte, brennbares Material von den Dachböden zu entfernen. Der Stephansdom und die Marienstatue am Platz Am Hof wurden durch Granatsplitter beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:16 Wien Museum Online Sammlung 33326.jpg|P. Gross &amp;amp; Jakob Gauermann, Les Habitans de Vienne distribuent des secours aux blessés Français qui reviennent par la Land-Strasse, 1809 – 1823&lt;br /&gt;
Datei:17_Wien_Museum_Online_Sammlung_31715_1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Billet de lit a l&#039;Hospital Militaire de Vienne&amp;quot; (für) Antonio Viela, 1809&lt;br /&gt;
Datei:18 Wien Museum Online Sammlung 45855 1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Verwundete Franzosen bei der Menage ...&amp;quot;, 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als französische Truppen die Stadt umgingen, die Praterauen besetzten und in die Leopoldstadt (heute 2. Wiener Gemeindebezirk) vordrangen, begann Erzherzog Maximilian, nachdem man seiner eindringlichen Bitte um Verstärkung nicht nachgekommen war, aus Furcht davor, abgeschnitten zu werden, am frühen Morgen des 12. mit seinen Soldaten mit dem Rückzug auf die linke Seite der Donau und brannte die Taborbrücke hinter sich ab. Das Stadtkommando übernahm nun General Andreas Graf O’Reilly&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11773&amp;amp;page=90&amp;amp;scale=3.33&amp;amp;viewmode=fullscreen&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon war in der Zwischenzeit am 10. Mai in Wien angekommen und hatte wie schon 1805 im Schloss Schönbrunn Quartier bezogen. Am 12. begab sich eine Delegation aus Wiener Honoratioren, unter ihnen Bürgermeister Stephan Edler von Wohlleben und Fürsterzbischof Sigismund Anton von Hohenwart&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/hohenwart&amp;lt;/ref&amp;gt;, und Vertretern der niederösterreichischen Stände zu Napoleon, um mit ihm die Bedingungen für die Übergabe der Stadt auszuhandeln. Noch in der folgenden Nacht wurde die Kapitulation unterzeichnet, und zum zweiten Mal nach 1805 zogen am Morgen des 13. Mai französische Truppen in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der niederösterreichischen Regierung unter ihrem Präsidenten Ferdinand Ernst Graf von Bissingen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/88.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden sofort nach dem Einmarsch sämtliche Kompetenzen entzogen. Die in Wien verbliebenen Polizeibeamten sollten weiterhin Polizeiaufgaben wahrnehmen und die Bürgermiliz den Ordnungsdienst versehen und beruhigend auf das Volk einwirken, unterstanden aber der französischen Besatzung und waren auf deren Wohlwollen und Anordnungen angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
General Antoine-François Andréossy&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116309784&amp;lt;/ref&amp;gt;, der von Napoleon zum Generalgouverneur von Wien und Niederösterreich ernannt worden war, befahl die Entwaffnung und Gefangennahme der restlichen österreichischen Besatzung – viele Soldaten waren zuvor mit Zivilkleidern versorgt worden und konnten sich so der Gefangenschaft entziehen – und die Einquartierung der französischen Truppen (Stand am 22. Juli: 42.588 Mann und 9.310 Pferde). Die französische Generalität wurde in den Wiener Adelspalais oder in der Hofburg untergebracht. Die „standesgemäße“ Einquartierung und die Versorgung der Franzosen führten wie schon 1805 angesichts des allgemeinen Mangels an Lebensmitteln und einer damit verbundenen großen Preissteigerung häufig zu Konflikten zwischen Besatzern und der Bevölkerung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:8 Wien Museum Online Sammlung 58757 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten nach Mariahilf, ausgestellt am 22. Juli 1809&lt;br /&gt;
Datei:9 Wien Museum Online Sammlung 53191 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten in die Vorstadt Wieden, ausgestellt am 1. August 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der zahlreichen Klagen über die übertriebenen Forderungen der Franzosen wurde am 19. Juni eine Kundmachung mit der Anordnung des französischen Platz- und Stadtkommandanten Auguste François Mériage (Marriage)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archives18.fr/espace-culturel-et-pedagogique/expositions-virtuelles/xixe-siecle/1814-1827--a-madame-la-baronne-de-meriage-au-chateau-de-la-maisonfort-pres-vierzon&amp;lt;/ref&amp;gt; betreffend die Verpflegung der einquartierten Truppen veröffentlicht. So erging etwa in der Folge an alle Wiener Bäcker der Befehl, täglich 200 Laib Brot für die Besatzungstruppen zu backen, was diese vor eine enorme Herausforderung stellte und zur Vernachlässigung und mangelnden Versorgung der Wiener Bevölkerung führte. Nach Gewichts- und Qualitätseinbußen kam es bald zu einem regelrechten Mehl- und Brotmangel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die durch den Mangel an Lebensmitteln hervorgerufenen Preistreibereien zu unterbinden, wurden die Preise für Grundnahrungsmittel, Bier, Kerzen und Seifen amtlich festgelegt. Dennoch blühte bald, vor allem aber im Sommer, der Schwarzhandel auf dem Stephansplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach dem Einmarsch requirierten französische Kommissäre die städtische Oberkammeramtskassa mit 500.000 Gulden Konventionsmünze und – vermutlich aufgrund einer Denunziation – vier Millionen Gulden (andere Quellen sprechen von zwei bis 14 Millionen) in Bankozetteln, die im Rathaus verwahrt worden waren, ebenso wie die Kassa des Hofkriegsrates mit fünf Millionen Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das französische Oberkommando damit beschäftigt war, sich einen Übergang über die Donau zu erkämpfen, nachdem die Österreicher bei ihrem Rückzug die Brücken über die Donau zerstört hatten, kehrte wenige Tage nach der Kapitulation bereits wieder der Alltag in Wien ein. In den Wiener Theatern wurde wieder gespielt, die Gasthäuser, Cafés und Tanzlokale waren gut besucht – die Cafébetreiber und Gastwirte hatten allerdings dafür zu sorgen, dass von den Gästen keine franzosenfeindlichen Äußerungen kamen. Im Juni wurde vom Franzosen Chretien auf der Burgbastei sogar ein französisches Restaurant eröffnet, das regen Zuspruch unter den Wienern fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 16. Mai empfing der Komponist [[Joseph Haydn]] als letzten Gast vor seinem Tod am 31. Mai in seinem Haus, das Napoleon unter Schutz gestellt hatte, den französischen Husarenhauptmann Clément Soulémy, der ihm eine Arie aus der „Schöpfung“ vorsang. Bei der Trauerfeier zu seinem Gedenken am 15. Juni fanden sich abgesehen von den tausenden Schaulustigen auch prominente französische Besucher wie der Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118727834&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/denon-dominique-vivant-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der Schottenkirche ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor Napoleon den Donauübergang mit seiner Armee abgeschlossen hatte, erlitt er am 21./22. Mai 1809 bei Aspern und Essling (heute 22. Wiener Gemeindebezirk) eine Niederlage gegen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Carl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_von_%C3%96sterreich-Teschen&amp;lt;/ref&amp;gt;. Tausende Verwundete wurden in die Stadt gebracht. Die Kasernen und Spitäler reichten allerdings nicht aus, um alle zu versorgen, obwohl die Wiener Bürger tatkräftig mithalfen. Die Franzosen erhielten in den Spitälern bevorzugte Behandlung. Als die Zahl der französischen Kranken und Blessierten auf 17 bis 18.000 stieg, was nach Aussage französischer Oberärzte auch auf die zahlreichen venerisch und an Diarrhoe erkrankten Franzosen zurückzuführen war, wurden die kranken Österreicher kurzerhand ausquartiert und in schlechter ausgestattete Gebäude verlegt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:13 Johann Peter Krafft Erzherzog Carl.jpg|Johann Peter Krafft (1780 –1856): Erzherzog Carl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern, 1809 (1819)&lt;br /&gt;
Datei:14 Wilhelm Richter Kampf um den Kirchhof.jpg|Wilhelm Richter (1824 – 1892): Kampf um den Kirchhof von Aspern 1809&lt;br /&gt;
Datei:15 O. Meixner Angriff französischer leichter Kavallerie.jpg|O. Meixner, Angriff französischer leichter Kavallerie auf österreichische Infanterie in der Schlacht bei Aspern 1809, (1813)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der taktischen Niederlage bei Aspern bereitete Napoleon seine Truppen auf der Insel Lobau östlich von Wien für einen zweiten Angriff vor. In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 besiegten die durch die Italienarmee unter Eugène de Beauharnais verstärkten Truppen Napoleons die österreichische Armee. Nach diesem Sieg ordnete Napoleon die neuerliche Befestigung Wiens an – zusätzliche Palisaden und Schutzwälle wurden errichtet, 100 Geschütze auf den Stadtmauern aufgestellt und eine Garnison von 6.000 Mann abgestellt. Die Zahl der in Wien befindlichen kranken und verwundeten Soldaten – Franzosen wie Österreicher – stieg auf 36.000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12 Wien Museum Online Sammlung 13510 1-2.jpg||thumb|Unbekannt, Plan der Lobau mit den französischen Verschanzungen, 1809]]Am 10. und 11. Juli 1809 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Znaim, die mit dem Waffenstillstand vom 22. Juli das Ende des Fünften Koalitionskrieges einleitete. Während seines erneuten Aufenthaltes in Wien hielt Napoleon vormittags des Öfteren in Schönbrunn oder auf der Schmelz (einem Parade- und Exerzierplatz, heute 15. Wiener Gemeindebezirk) Paraden seiner Truppen ab, für die Wiener Bevölkerung stets Spektakel, die zahlreiche Schaulustige anlockten. Bei einer dieser Paraden am 12. Oktober 1809 verübte der 17-jährige Lehrling Friedrich Staps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_Staps&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Pastorensohn aus Erfurt, einen Attentatsversuch auf Napoleon – er wollte ihn mit einem im Wams versteckten Küchenmesser auf der Ehrenhofstiege des Schlosses Schönbrunn ermorden. Durch die Wachsamkeit eines französischen Offiziers konnte das Attentat verhindert werden. Staps soll daraufhin von Napoleon persönlich verhört worden sein und wurde schließlich durch ein Erschießungskommando der württembergischen Infanterie standrechtlich hingerichtet.&lt;br /&gt;
Napoleon, dessen Vorliebe für italienische Opern bekannt war, besuchte mehrmals Opernaufführungen und Konzerte im Schönbrunner Schlosstheater, zu denen auch geladene Gäste Zutritt hatten, darunter die Schriftstellerin und Salonnière [[Caroline Pichler]]. Meist wurde allerdings nur ein Akt aufgeführt, gefolgt von einem Ballett. Die Akteure wurden von ihm stets reichlich beschenkt, auch wenn ihm ein Stück nicht gefiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits erwähnte Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon, war im Auftrag Napoleons nach Wien gekommen, um eine Auswahl von Gemälden aus der kaiserlichen Bildergalerie im Belvedere und aus adeligen Kollektionen sowie von Manuskripten und Büchern aus der Hofbibliothek vorzunehmen, die Napoleon dann nach Paris verbringen ließ. Das Kaiserliche Zeughaus wurde zum zweiten Mal Opfer einer organisierten Plünderung – 140, zum Teil sehr wertvolle, Harnische wurden abtransportiert –, nur ein kleiner Teil wurde nach 1815 retourniert. 1809 wurde aber auch das Bürgerliche Zeughaus geplündert und verlor fast den gesamten Artilleriebestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. August wurde der 40. Geburtstag Napoleons zu einem großen Ereignis. Um 9 Uhr fand eine große Parade in Schönbrunn statt; gleichzeitig wurden von den Stadtmauern 60 Kanonenschüsse abgegeben und alle Glocken geläutet.  Generalmajor Ferdinand Graf von Bubna und Littitz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/122.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; überbrachte als Abgesandter des Kaisers die Glückwünsche Kaiser Franzʼ I. Gegen 16 Uhr fand in dem mit historischen Gobelins geschmückten Stephansdom eine feierliche Messe statt, an der Napoleon allerdings nicht persönlich teilnahm und stattdessen seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais entsandte. Um 17 Uhr gab Gouverneur Andréossy ein Bankett für 200 Personen in der Hofburg, zu dem neben den französischen Marschällen und Generälen auch österreichische Adelige und die Honoratioren der Stadt sowie die österreichischen Friedensunterhändler eingeladen waren. Die Bürger wurden mittels öffentlichem Anschlag (Befehl des Generalgouverneurs) aufgefordert, ihre Häuser am Abend des 15. zu beleuchten. Im Augarten (historischer Garten aus dem 17. und 18. Jahrhundert im heutigen zweiten Wiener Gemeindebezirk) wurden Tische und Bänke für die Ausspeisung von rund 1.000 französischen Soldaten aufgestellt. Feuerwerke und Konzerte machten das Geburtstagsfest zu einem Spektakel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 brachte neuerlich weitreichende Gebietsverluste für Österreich. Die von Napoleon geforderte Kriegsentschädigung wurde mit 85 Millionen Francs festgesetzt, was die Habsburgermonarchie letztlich 1813 in den Staatsbankrott treiben sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am folgenden Tag reiste Napoleon von Schönbrunn ab. Seine Truppen verblieben noch bis Mitte November in Wien. Wenige Wochen vor ihrem Abzug sprengten die Franzosen noch einen Teil der Wiener Stadtbefestigungen, von denen 1816/1817 nur die Mölker-, Löwel- und Augustinerbastei wiederaufgebaut wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. November rückten die österreichischen Truppen wieder in Wien ein, einen Tag später zog Kaiser Franz, unter dem Jubel der Wiener Bevölkerung und in Begleitung der Bürgerkavallerie, feierlich in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bled, Jean-Paul: Wien. Residenz – Metropole – Hauptstadt. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2002, S. 85–91.&lt;br /&gt;
*Ma, Klaralinda: Wien 1809. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien, 2009 (Wiener Geschichtsblätter Beiheft 2).&lt;br /&gt;
*Öhlinger, Walter: Wien im Aufbruch zur Moderne. Wien: Pichler1999, S. 9–17.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: „Vive lʼempereur, weilʼs sein muß“. Geschichte in Quellen und Zeitzeugenberichten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 1999.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Napoleon vor Wien. Quellen und Augenzeugenberichte, mit Dokumenten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 2000.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Gott erhalte! Wendepunkt 1809 – Österreichs Sieg über Napoleon. Augenzeugen berichten die wahre Geschichte von 1805 bis 1815. Wien: Stöhr 2009.&lt;br /&gt;
*Sachslehner, Johannes: Napoleon in Wien. Fakten und Legenden. Wien-Graz-Klagenfurt: Pichler 2008. &lt;br /&gt;
*Schembor, Friedrich Wilhelm: Franzosen in Wien: Einwanderer und Besatzer. Französische Revolution und napoleonische Besatzung in den österreichischen Polizeiakten. Bochum: Dieter Winkler 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Claudia Reichl-Ham&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 18/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|L’occupation_française_de_Vienne_en_1805/1806_et_1809}}&lt;br /&gt;
[[Category:Sachartikel]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/L’Architecture_d’aujourd’hui im französischsprachigen Wiki.]&lt;br /&gt;
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[[Category:Zeitschrift]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Die Wiener Honoré-Daumier-Ausstellung von 1936</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Im Jahr 1936 befand sich Österreich infolge der Auflösung des Parlaments drei Jahre zuvor unter einem katholisch-autoritären Regime. In seinen Erinnerungen über die Zusammenarbeit mit [[Ernst Kris]] hielt [[Ernst Gombrich|E.H. Gombrich]] fest: „[Kris] knew that time was running out and used his diplomatic skill to make contacts abroad. Thus he arranged a Daumier exhibition in Vienna to help us with our researches, but also to have the pleasure of displaying subversive cartoons and to collaborate with French colleagues.”&amp;lt;ref&amp;gt;Gombrich 1984, 230&amp;lt;/ref&amp;gt; Keine andere Ausstellung hatte zuvor so viele der Werke des französischen Künstlers [[Honoré Daumier]] an einem Ort versammelt. Zu einer Zeit, in der republikanische Politik durch die österreichische Regierung unterdrückt wurde, verlieh die von Kris konzipierte Ausstellung dem Fortbestehen der republikanischen Kultur Ausdruck. Daumier nahm die Funktion ihres Botschafters ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Rose 2016&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daumier-Ausstellung fand vom 21. November bis zum 21. Dezember 1936 an der [[Albertina]] statt. Es handelte sich dabei nicht um die erste Ausstellung, die Kris rund um das Werk eines französischen Karikaturisten organisierte. 1933 hatte er am Kunsthistorischen Museum eine kleine Ausstellung der Karikatur-Skulpturen von Jean-Pierre Dantan durchgeführt, der sein Gewerbe während der bourgeoisen Monarchie von Louis-Philippe ausgeübt hatte. Wie Kris im Ausstellungskatalog ausführte, hatte Dantan sich von der Politik ferngehalten und seine Motive aus der Welt der Literatur und der Bühne ausgewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kris 1933, 3–4&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Karikaturen spiegelten das Ideal der liberalen Monarchie des 19. Jahrhunderts wider; ein Ideal, das Kris für sich später durch den Republikanismus von Daumier ersetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Menschen in ihrer physischen und psychischen Wirklichkeit“ bei Daumier==&lt;br /&gt;
[[File:2048px-Actualités n°226 Nouveau joujou dédié par Ratapoil aux enfans des Décembristes, G.2864(1).jpg|thumb|Honoré Daumier: &#039;&#039;Nouveau joujou dédié par Ratapoil aux enfans des Décembristes&#039;&#039; (Ratapoils neuestes Spielzeug für die Kinder der Dezembristen), 1851]]Die gemäßigten Republikaner im Frankreich der 1930er Jahre hatten dazu geneigt, Daumier als Maler zu zelebrieren; die linken Republikaner hingegen schätzten Daumier als Karikaturisten und Druckgrafiker.&amp;lt;ref&amp;gt;Melot 1999, 60–69&amp;lt;/ref&amp;gt;  Mit 269 Zeichnungen, Aquarellmalereien, Skulpturen und Lithographien – ein Bestand, fast doppelt so umfangreich wie bei der Daumier-Retrospektive, die ein Jahrzehnt zuvor in Berlin stattgefunden hatte – zeigte Kris‘ Ausstellung in Wiens Albertina die ganze Bandbreite von Daumiers Kunst und deckte das Spektrum der sozialen und politischen Themen seines Werks ab. In der Albertina standen Daumiers Bilder von bourgeoiser Selbstgefälligkeit und Gleichmut in krassem Gegensatz zu seinen Darstellungen der Gefühle von Isolation und Verzweiflung der Armen. Wie Kris in der Einleitung zum Ausstellungskatalog beschrieb, war die Karikatur für Daumier ein Mittel zum Abbild der „physischen und psychischen Wirklichkeit“, die [[Honoré de Balzac|Balzac]] bereits literarisch in &#039;&#039;La Comédie humaine&#039;&#039; dargestellt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kris 1936, 9&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Zusammenbruch der Zweiten Französischen Republik veranschaulichte &#039;&#039;Ratapoil&#039;&#039;, eine der berühmtesten Figuren Daumiers, den Verlust des republikanischen Geistes in der Politik und die Einführung bonapartistischer Überheblichkeit und Manipulation unter Louis Napoleon. In seiner Einleitung und mithilfe der ausgestellten Bilder betonte Kris, dass die Regierung und &#039;&#039;haute bourgeoisie&#039;&#039; des Zweiten Kaiserreichs sich den Krieg und die Aufrüstungsproduktion zunutze gemacht hatten, um ihre zunehmend ausgehöhlte und damit umso gefährlichere politische und soziale Autorität aufrechtzuerhalten. Von der bourgeoisen Monarchie bis hin zu Louis Napoleons Zweitem Kaiserreich zeichnete Daumiers Werk ein Bild der unaufhörlichen, erdrückenden Belastungen, denen einfache Bürger*innen ausgesetzt waren und lieferte somit ein Zeugnis für deren körperliches, geistiges und politisches Durchhaltevermögen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der österreichische Kunsthistoriker und Kurator an der Albertina [[Otto Benesch]] hatte Kris dabei unterstützt, den Ausstellungsraum für Daumiers Werk zu gewinnen. Ein ehrenamtliches Komitee fungierte als offizieller Sponsor der Ausstellung. Teil des Komitees war der französische Botschafter für Österreich, Gabriel Puaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/124997872.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der dabei behilflich war, die Leihgabe von Objekten aus Pariser Museen in die Wege zu leiten. Der Name von Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg stand ebenfalls auf der Liste der Komiteemitglieder. Schuschnigg hatte sich Hitler gegenüber kurz zuvor verpflichtet, Österreichs Außenpolitik an die Linie Deutschlands anzupassen, im Austausch für Österreichs Unabhängigkeit bei innenpolitischen Angelegenheiten. Dies hatte zur Folge, dass Schuschnigg einerseits bewilligte, in den Zusammenhang mit der Einfuhr von Daumiers Werken von Frankreich nach Österreich gebracht zu werden, während er zugleich zuließ, dass zunehmend Nazi-Propaganda aus Deutschland verbreitet wurde. Daumiers Reise von Paris nach Wien fand zu einem Moment statt, an dem die Gelegenheit für eine Ausstellung dieser Art zunehmend schwand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Kris, Ernst: Die Karikaturen des Dantan: Paris-London, 1831-1839, Ausstellung im Corps de Logis der neuen Hofburg, Herbst, 1933, Kunsthistorisches Museum, Sammlungen für Plastik und Kunstgewerbe. Wien: J. Wiener 1933.&lt;br /&gt;
*Kris, Ernst: “Honoré Daumier” (1936) in Honoré Daumier: Zeichnungen, Aquarelle, Lithographien, Kleinplastikin. Ausstellung, 21 November-21 Dezember 1936. Wien: J. Weiner, 1936.&lt;br /&gt;
*Gombrich, E. H.: “The Study of Art and the Study of Man (1967)”. In: Tributes: Interpreters of Our Cultural Tradition. Ithaca, N. Y.: Cornell University Press 1984.&lt;br /&gt;
*Melot, Marcel: “Daumier, Art, and Politics”. In: Daumier 1808-1879, exhibition organized by the National Gallery of Canada, Ottawa, the Réunion des Musées Nationaux/Musée d’Orsay, Paris, and the Phillips Collection, Washington. Ottawa: National Gallery of Canada 1999, 60-69.&lt;br /&gt;
*Puaux, Gabriel, Mort et Transfiguration de l’Autriche 1933-1955. Paris: Librairie Plon 1966.&lt;br /&gt;
*Rose, Louis: Psychology, Art, and Antifascism: Ernst Kris, E.H. Gombrich, and the Politics of Caricature. New Haven: Yale University Press 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Louis Rose&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Englischen übersetzt von Hannah Puchelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 28/08/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|L’exposition_«_Honoré_Daumier_»_à_Vienne_(1936)}}&lt;br /&gt;
[[Category:Veranstaltung]]&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Wiener}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Beschreibung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kurt Weber, Wien, 1940er Jahre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: &lt;br /&gt;
Günter Eisenhut: Kurt Weber. In: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933–1945. Ausstellungskatalog. Graz: Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum 2001, S. 484–493, hier S. 488. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit freundlicher Genehmigung von Ronald Weber&lt;/div&gt;</summary>
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&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kurt Weber, Figuration, 1958, Neue Galerie am Joanneum, Graz&lt;/div&gt;</summary>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kurt Weber, Sitzender Akt, um 1937, Privatbesitz&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-09-30T09:36:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Kurt Weber, Figur am Strand, um 1935, Privatbesitz&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kurt Weber, Figur am Strand, um 1935, Privatbesitz&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-09-30T09:36:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935 © Joanneum, Graz&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935 © Joanneum, Graz&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-09-30T09:36:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Kurt Weber, Wien, 1940er Jahre

Aus: 
Günter Eisenhut: Kurt Weber. In: Günther Eisenhut und Peter Weibel (Hg.), Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948, Droschl: Graz, 2001, S. 484-493, hier S. 488. 

Mit freundlicher Genehmigung von Ronald Weber&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Kurt Weber, Wien, 1940er Jahre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: &lt;br /&gt;
Günter Eisenhut: Kurt Weber. In: Günther Eisenhut und Peter Weibel (Hg.), Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948, Droschl: Graz, 2001, S. 484-493, hier S. 488. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit freundlicher Genehmigung von Ronald Weber&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Verlag_Hartleben&amp;diff=1585</id>
		<title>Verlag Hartleben</title>
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		<updated>2026-09-30T09:13:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Geschichte des Verlags */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Verlag Hartleben (1803–) war, was die Produktion von Übersetzungen betrifft, unter den österreichischen Verlagen quantitativ mit großem Abstand führend. Bei Hartleben erschienen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hunderte Übersetzungen populärer Romane aus dem Französischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Verlags==&lt;br /&gt;
Der Verlagsgründer Conrad Adolf Hartleben (1778–1863) stammte aus einer deutschen Juristenfamilie. 1803 eröffnete er in Pest eine Sortiments- und Verlagsbuchhandlung, deren Produktion in den Bereichen Geschichte, Völkerkunde, Geographie, Jus, Linguistik, Naturwissenschaften und nicht zuletzt Belletristik sie schon bald unter die wichtigsten österreichischen Verlage aufsteigen ließ. 1844 wurde der Hauptsitz der Firma nach Wien verlegt, ferner schien auf den Titelblättern ihrer Verlagswerke fortan auch Leipzig als Standort auf, was wohl den lebenswichtigen Zugang zum deutschen Markt öffnen sollte. Zudem war die sächsische Zensur vor 1848 bei weitem großzügiger als die österreichische, was nicht zuletzt für die Veröffentlichung französischer Romanliteratur günstigere Voraussetzungen schuf. Nach dem Tod C. A. Hartlebens übernahm sein Großneffe Adolf die Firma, dieser bestellte aber mit Eugen Marx einen äußerst betriebsamen Geschäftsführer, der – seit 1892 auch als Inhaber – die Firma bis 1918 führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1840er Jahren boomte das Übersetzen von Romanliteratur in den deutschen Staaten, in Österreich wurde der Aufschwung des Übersetzungswesens in stark verkleinertem Maßstab mitvollzogen. Neben der Behinderung durch die [[Bücherzensur|Zensur]] war das für den nun um sich greifenden spekulativen Buchhandel nötige Kapital knapp. Bis 1835 hatte man in Österreich gewohnheitsmäßig in den deutschen Staaten erschienene Übersetzungen nachgedruckt. Diese Faktoren hatten die Entstehung eines florierenden Übersetzungsbetriebs verhindert. Das Lesepublikum und die Nachfrage waren dennoch vorhanden. So sprach Constant von Wurzbach, der Bibliothekar des Innenministeriums, in einem statistischen Bericht über die österreichische Buchproduktion des Jahres 1854 von einer „grosse[n] lesende[n] Masse“&amp;lt;ref&amp;gt;Wurzbach 1856, 124&amp;lt;/ref&amp;gt;, von der er befürchtete, dass sie durch die Lektüre französischer Romane moralisch und politisch verdorben würde. Der überwiegende Teil der 179 Übersetzungsbände und Lieferungen in dem von Wurzbach ausgewerteten Jahrgang, von denen 154 Übertragungen aus dem Französischen darstellten, stammte aus Hartlebens Produktion&amp;lt;ref&amp;gt;Wurzbach 1856, S. 468&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bis zur Jahrhundertwende blieb Hartleben jedoch eine Ausnahmeerscheinung im lahmenden österreichischen Übersetzungsbetrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1846 begann der Verlag eine Publikationsreihe mit dem Titel &#039;&#039;Belletristisches Lesecabinet der neuesten und besten Romane aller Nationen in sorgfältigen Uebersetzungen&#039;&#039; (mit leichten Variationen der Bezeichnung), in der bis zu ihrem Ende im Jahr 1879 1008 Bände in 3039 Lieferungen erschienen. Die Lieferungen eigneten sich für den Vertrieb auf dem Weg der Kolportage, zu der auch der moderate Preis von 21 Kreuzern je Lieferung passte. Für Hartleben arbeiteten sowohl aus Österreich – z. B. Josef Alois Moshamer oder Anton Langer – als auch aus deutschen Staaten stammende Übersetzer:innen – z. B. August Diezmann und August Kretzschmar. Die beiden zuletzt Genannten betrieben das Übersetzerhandwerk in großem Stil: Angesichts des enormen Umfangs der unter ihrem Namen erschienenen Produktion kann man davon ausgehen, dass sie mit Hilfskräften zusammenarbeiteten.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Neben dem &#039;&#039;Belletristischen Lesecabinet&#039;&#039; brachte der Verlag 1868–1873 Paul de Kocks &#039;&#039;Gesammelte neuere humoristische Romane&#039;&#039; in 130 Bänden, denen 1875–1877 &#039;&#039;Ältere humoristische Romane&#039;&#039; in 31 Bänden folgten, und 1869–1874 Alexandre Dumas’ &#039;&#039;Romantische Meisterwerke&#039;&#039; in 93 Bänden heraus. Auch unter den im &#039;&#039;Belletristischen Lesecabinet&#039;&#039; übersetzten Autor:innen ragen quantitativ Dumas père und Paul de Kock heraus. Stark vertreten sind ferner die übrigen Stars des französischen Feuilletonromans, namentlich Eugène Sue, Xavier de Montépin, Paul Féval, der Marquis de Foudras und [[George Sand]]&amp;lt;ref&amp;gt;dazu Bruny 1995, S. 86–92&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nur ausnahmsweise finden sich in der Reihe später kanonisierte Autoren wie Théophile Gautier und Gustave Flaubert. Zu den genannten Ausgaben und Reihen gesellte sich schließlich eine Gesamtausgabe der Romane Jules Vernes in 55 Bänden (1874–1889, fortgesetzt in diversen anderen Ausgaben bis 1910). Zum Unterschied von dem &#039;&#039;Belletristischen Lesecabinet&#039;&#039; wurden Vernes Werke in einer illustrierten Prachtausgabe und weit billigeren Volks- und Familienausgaben (unter anderem in der ‚Collection Verne‘, 1887–1910) aufgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Texte der Übersetzungen enthalten durchgehend Anzeichen von flüchtiger Arbeit und Fehler, vor allem aber fällt auf, dass die Ausgangstexte teilweise für ein zart besaitetes Publikum bearbeitet wurden – naheliegend ist, dass insbesondere in Österreich Verbote zu befürchten waren. Die Vorzensur war seit 1848 zwar abgeschafft, aber politisch oder moralisch missliebige und religionskritische Passagen, die gegen Paragraphen des Strafgesetzes verstießen, konnten zu Anklage, Prozess und gegebenenfalls Beschlagnahme führen. Verlage, Herausgeber und Übersetzer:innen versuchten dem durch vorauseilende Selbstzensur gegenzusteuern. So fehlen in der Übersetzung von Flauberts &#039;&#039;Madame Bovary&#039;&#039; (1858) Passagen, in denen der Abbé Bournisien sich als gar nicht vorbildlicher Geistlicher, sondern schlicht als grober Klotz erweist. Auch seine Debatten mit dem Apotheker Homais über die katholische Religion, die jeder Vernunft widerspreche und mit ihren Ritualen dem Theater ähnle, wurden ersatzlos gestrichen. Ebenso wurden so manche Szenen aus dem Eheleben der Bovarys, in denen Charles keine gute Figur macht, entschärft. Vermeintlich Häßliches und Geschmackloses fanden die Bearbeiter:innen offenbar ebenfalls als unzumutbar, kurzum: &#039;&#039;Madame Bovary&#039;&#039; wurde &#039;&#039;ad usum delphini&#039;&#039; verunstaltet&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres bei Bachleitner 1993&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jules Verne-Übersetzungen weisen ebenfalls diverse Mängel auf&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bachleitner 2000, S. 332–334&amp;lt;/ref&amp;gt;. Von Interesse ist aber vor allem, dass sie in die Jahrzehnte fielen, in denen aufgrund zwischenstaatlicher Verträge – in diesem Fall zwischen Frankreich und den deutschen Staaten, etwa mit Sachsen 1856 bzw. dem Deutschen Reich und mit Österreich 1866 – Übersetzungen autorisiert werden mussten. Sie waren dafür im Gegenzug auf zehn Jahre gegen Konkurrenzübersetzungen geschützt, aber ihre Herstellung verteuerte sich. Nach und nach stellten die ‚Übersetzungsfabriken‘, so das abfällige Schlagwort der Kritik, die das rein kommerziell orientierte und massenhafte Übersetzen vornehmlich aus dem Französischen aufs Korn nahm, ihren Betrieb ein. Auch Hartleben beendete sein &#039;&#039;Belletristisches Lesecabinet&#039;&#039; im Jahr 1879. Die Rechte für die Jules Verne-Übersetzungen hatten Hartleben 100.000 Francs gekostet, nach Ablauf der Zehnjahresfrist machte ihm der Leipziger Verleger Unflad Konkurrenz mit einer billigen Neuausgabe, bald darauf auch der Verlag Weichert in Berlin, mehrere andere Verlage folgten. Diese Konkurrenten übten starken Preisdruck aus, daher war trotz (oder wegen der) Autorisierung ab den 1880er Jahren mit Erst-Übersetzungen kaum noch Gewinn zu machen. Dies dürfte der Hauptgrund für Hartlebens Rückzug aus dem Geschäft mit Belletristik gewesen sein, die bei ihm vorwiegend aus Übersetzungen bestanden hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: „Wurstartig gedrehte Teufelchen“. Bemerkungen zur ersten deutschen Übersetzung von Flauberts Madame Bovary. In: Literatur ohne Grenzen. Festschrift für Erika Kanduth. Unter Mitarbeit von Monika Pauer hg. v. Siegfried Loewe, Alberto Martino, Alfred Noe. Frankfurt/Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien: Peter Lang 1993, S. 1–19.&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Übersetzungsfabrik C. A. Hartleben. Eine Inspektion. In: Klaus Amann, Hubert Lengauer, Karl Wagner (Hg.): Literarisches Leben in Österreich 1848–1890. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2000, S. 319–339.&lt;br /&gt;
*Bruny, Martin: Die Verlagsbuchhandlung A. Hartleben. Eine Monographie. Diplomarbeit Univ. Wien 1995.&lt;br /&gt;
*Madame Bovary, oder: Eine Französin in der Provinz. Aus dem Französischen des Gustav Flaubert. Deutsch von Dr. Legné. 3 Teile. Pest, Wien und Leipzig: Hartleben’s Verlags-Expedition 1858. &lt;br /&gt;
*Wurzbach von Tannenberg, Constant: Bibliographisch-statistische Übersicht der Literattur des österreichischen Kaiserstaates vom 1. Jänner bis 31. December 1854. Zweiter Bericht erstattet im hohen Auftrage seiner Excellenz des Herrn Ministers des Innern Alexander Freiherrn von Bach. Zweite vermehrte Auflage. Wien: K. K. Hof- und Staatsdruckerei 1856.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onelinstellung: 02/07/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Hartleben}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1584</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T13:34:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Paul nadar eder 1887.JPG|thumb|Paul Nadar: Josef Maria Eder, 1887, Albumin]]&lt;br /&gt;
Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
[[File:Foto2002 49.jpeg|left|thumb|Pierre-Jules-César Janssen: Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885, Albumin]]&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_w/Weiss_Edmund_1837_1917.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100408&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 2763.jpeg|left|thumb|Étienne-Jules Marey: Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn, um 1894, Gelatine-Auskopierpapier]]&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys&amp;lt;ref&amp;gt;https://cbehblog.wordpress.com/personnages-beaunois-m/etienne-jules-marey-beaune-1830-paris-1904/&amp;lt;/ref&amp;gt; inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biomecanique.org/fr/les-pionniers-sdb/444-londe&amp;lt;/ref&amp;gt; verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118745743.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_V/Valenta_Eduard_1857_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;385px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Wassertropfen.png|thumb|Philipp von Lenard: Fallender Wassertropfen, vor 1894. Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der &#039;&#039;Revue suisse de photographie&#039;&#039; 1894 &lt;br /&gt;
File:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg|thumb|Josef Maria Eder und Hans Lenhard: Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890, Lichtdruck als Beilage in &#039;&#039;Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
File:FotoGLV2000 20294 15.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Eduard Valente: Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896, Heliogravure &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 7547.jpeg|thumb|Adrien Guébhard: Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898, Cyanotypie]]&lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=102286&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 14176 9.jpeg|thumb|left|Eduard Valenta: Sonnenspektrum, 1893, Interferenz-Farbfotografie]]&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100410&amp;lt;/ref&amp;gt; in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 11098.jpeg|thumb|Anonym: Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888, Silbergelatine]]&lt;br /&gt;
[[File:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png|left|thumb|Ernst und Ludwig Mach: Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892, Lichtdruck]]&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre &#039;&#039;und&#039;&#039; der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118575767.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und Peter Salcher&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd124872034.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116319542.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 8411.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Franz von Reisinger: Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890, Silbergelatinepapier&amp;lt;ref&amp;gt;„Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1891, Seite 50)“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 1966.jpeg|left|thumb|Alphonse Bertillon: Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9.10.1894, Albumin auf Registrierkartenkarton]]&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon&amp;lt;ref&amp;gt;https://francearchives.gouv.fr/pages_histoire/39094&amp;lt;/ref&amp;gt; besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von Georges Potonnié&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/de/ark:/12148/cb12174515f&amp;lt;/ref&amp;gt;, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Josef_Maria_Eder}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Eder, Josef Maria}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1583</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T13:23:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Paul nadar eder 1887.JPG|thumb|Paul Nadar: Josef Maria Eder, 1887, Albumin]]&lt;br /&gt;
Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
[[File:Foto2002 49.jpeg|left|thumb|Pierre-Jules-César Janssen: Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885, Albumin]]&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_w/Weiss_Edmund_1837_1917.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100408&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 2763.jpeg|left|thumb|Étienne-Jules Marey: Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn, um 1894, Gelatine-Auskopierpapier]]&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys&amp;lt;ref&amp;gt;https://cbehblog.wordpress.com/personnages-beaunois-m/etienne-jules-marey-beaune-1830-paris-1904/&amp;lt;/ref&amp;gt; inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biomecanique.org/fr/les-pionniers-sdb/444-londe&amp;lt;/ref&amp;gt; verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118745743.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_V/Valenta_Eduard_1857_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;385px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Wassertropfen.png|thumb|Philipp von Lenard: Fallender Wassertropfen, vor 1894. Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der &#039;&#039;Revue suisse de photographie&#039;&#039; 1894 &lt;br /&gt;
File:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg|thumb|Josef Maria Eder und Hans Lenhard: Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890, Lichtdruck als Beilage in &#039;&#039;Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
File:FotoGLV2000 20294 15.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Eduard Valente: Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896, Heliogravure &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 7547.jpeg|thumb|Adrien Guébhard: Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898, Cyanotypie]]&lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=102286&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 14176 9.jpeg|thumb|left|Eduard Valenta: Sonnenspektrum, 1893, Interferenz-Farbfotografie]]&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100410&amp;lt;/ref&amp;gt; in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 11098.jpeg|thumb|Anonym: Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888, Silbergelatine]]&lt;br /&gt;
[[File:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png|left|thumb|Ernst und Ludwig Mach: Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892, Lichtdruck]]&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre &#039;&#039;und&#039;&#039; der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118575767.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und Peter Salcher&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd124872034.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116319542.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 8411.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Franz von Reisinger: Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890, Silbergelatinepapier&amp;lt;ref&amp;gt;„Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1891, Seite 50)“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 1966.jpeg|left|thumb|Alphonse Bertillon: Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9.10.1894, Albumin auf Registrierkartenkarton]]&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon&amp;lt;ref&amp;gt;https://francearchives.gouv.fr/pages_histoire/39094&amp;lt;/ref&amp;gt; besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von Georges Potonnié&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/de/ark:/12148/cb12174515f&amp;lt;/ref&amp;gt;, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Josef_Maria_Eder}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1582</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T13:22:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Hannah verschob die Seite Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik (Josef Maria Eder) nach Josef Maria Eder, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Paul nadar eder 1887.JPG|thumb|Paul Nadar: Josef Maria Eder, 1887, Albumin]]&lt;br /&gt;
Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
[[File:Foto2002 49.jpeg|left|thumb|Pierre-Jules-César Janssen: Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885, Albumin]]&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_w/Weiss_Edmund_1837_1917.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100408&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 2763.jpeg|left|thumb|Étienne-Jules Marey: Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn, um 1894, Gelatine-Auskopierpapier]]&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys&amp;lt;ref&amp;gt;https://cbehblog.wordpress.com/personnages-beaunois-m/etienne-jules-marey-beaune-1830-paris-1904/&amp;lt;/ref&amp;gt; inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biomecanique.org/fr/les-pionniers-sdb/444-londe&amp;lt;/ref&amp;gt; verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118745743.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_V/Valenta_Eduard_1857_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;385px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Wassertropfen.png|thumb|Philipp von Lenard: Fallender Wassertropfen, vor 1894. Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der &#039;&#039;Revue suisse de photographie&#039;&#039; 1894 &lt;br /&gt;
File:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg|thumb|Josef Maria Eder und Hans Lenhard: Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890, Lichtdruck als Beilage in &#039;&#039;Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
File:FotoGLV2000 20294 15.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Eduard Valente: Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896, Heliogravure &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 7547.jpeg|thumb|Adrien Guébhard: Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898, Cyanotypie]]&lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=102286&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 14176 9.jpeg|thumb|left|Eduard Valenta: Sonnenspektrum, 1893, Interferenz-Farbfotografie]]&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100410&amp;lt;/ref&amp;gt; in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 11098.jpeg|thumb|Anonym: Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888, Silbergelatine]]&lt;br /&gt;
[[File:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png|left|thumb|Ernst und Ludwig Mach: Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892, Lichtdruck]]&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre &#039;&#039;und&#039;&#039; der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118575767.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und Peter Salcher&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd124872034.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116319542.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 8411.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Franz von Reisinger: Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890, Silbergelatinepapier&amp;lt;ref&amp;gt;„Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1891, Seite 50)“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 1966.jpeg|left|thumb|Alphonse Bertillon: Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9.10.1894, Albumin auf Registrierkartenkarton]]&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon&amp;lt;ref&amp;gt;https://francearchives.gouv.fr/pages_histoire/39094&amp;lt;/ref&amp;gt; besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von Georges Potonnié&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/de/ark:/12148/cb12174515f&amp;lt;/ref&amp;gt;, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Jahrbuch_für_Photographie_und_Reproductionstechnik_(Josef_Maria_Eder)}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1581</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T13:21:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Paul nadar eder 1887.JPG|thumb|Paul Nadar: Josef Maria Eder, 1887, Albumin]]&lt;br /&gt;
Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
[[File:Foto2002 49.jpeg|left|thumb|Pierre-Jules-César Janssen: Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885, Albumin]]&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_w/Weiss_Edmund_1837_1917.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100408&amp;lt;/ref&amp;gt;, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 2763.jpeg|left|thumb|Étienne-Jules Marey: Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn, um 1894, Gelatine-Auskopierpapier]]&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys&amp;lt;ref&amp;gt;https://cbehblog.wordpress.com/personnages-beaunois-m/etienne-jules-marey-beaune-1830-paris-1904/&amp;lt;/ref&amp;gt; inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biomecanique.org/fr/les-pionniers-sdb/444-londe&amp;lt;/ref&amp;gt; verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118745743.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_V/Valenta_Eduard_1857_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;385px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Wassertropfen.png|thumb|Philipp von Lenard: Fallender Wassertropfen, vor 1894. Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der &#039;&#039;Revue suisse de photographie&#039;&#039; 1894 &lt;br /&gt;
File:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg|thumb|Josef Maria Eder und Hans Lenhard: Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890, Lichtdruck als Beilage in &#039;&#039;Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
File:FotoGLV2000 20294 15.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Eduard Valente: Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896, Heliogravure &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 7547.jpeg|thumb|Adrien Guébhard: Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898, Cyanotypie]]&lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=102286&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 14176 9.jpeg|thumb|left|Eduard Valenta: Sonnenspektrum, 1893, Interferenz-Farbfotografie]]&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=100410&amp;lt;/ref&amp;gt; in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 11098.jpeg|thumb|Anonym: Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888, Silbergelatine]]&lt;br /&gt;
[[File:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png|left|thumb|Ernst und Ludwig Mach: Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892, Lichtdruck]]&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre &#039;&#039;und&#039;&#039; der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118575767.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und Peter Salcher&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd124872034.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116319542.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 8411.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Franz von Reisinger: Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890, Silbergelatinepapier&amp;lt;ref&amp;gt;„Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1891, Seite 50)“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 1966.jpeg|left|thumb|Alphonse Bertillon: Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9.10.1894, Albumin auf Registrierkartenkarton]]&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon&amp;lt;ref&amp;gt;https://francearchives.gouv.fr/pages_histoire/39094&amp;lt;/ref&amp;gt; besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von Georges Potonnié&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/de/ark:/12148/cb12174515f&amp;lt;/ref&amp;gt;, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Jahrbuch_für_Photographie_und_Reproductionstechnik_(Josef_Maria_Eder)}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1580</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1580"/>
		<updated>2026-09-29T13:08:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Paul nadar eder 1887.JPG|thumb|Paul Nadar: Josef Maria Eder, 1887, Albumin]]&lt;br /&gt;
Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
[[File:Foto2002 49.jpeg|left|thumb|Pierre-Jules-César Janssen: Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885, Albumin]]&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 2763.jpeg|left|thumb|Étienne-Jules Marey: Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn, um 1894, Gelatine-Auskopierpapier]]&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;385px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Wassertropfen.png|thumb|Philipp von Lenard: Fallender Wassertropfen, vor 1894. Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der &#039;&#039;Revue suisse de photographie&#039;&#039; 1894 &lt;br /&gt;
File:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg|thumb|Josef Maria Eder und Hans Lenhard: Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890, Lichtdruck als Beilage in &#039;&#039;Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
File:FotoGLV2000 20294 15.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Eduard Valente: Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896, Heliogravure &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 7547.jpeg|thumb|Adrien Guébhard: Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898, Cyanotypie]]&lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 14176 9.jpeg|thumb|left|Eduard Valenta: Sonnenspektrum, 1893, Interferenz-Farbfotografie]]&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 11098.jpeg|thumb|Anonym: Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888, Silbergelatine]]&lt;br /&gt;
[[File:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png|left|thumb|Ernst und Ludwig Mach: Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892, Lichtdruck]]&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre und der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach und Peter Salcher an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 8411.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Franz von Reisinger: Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890, Silbergelatinepapier&amp;lt;ref&amp;gt;„Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1891, Seite 50)“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 1966.jpeg|left|thumb|Alphonse Bertillon: Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9.10.1894, Albumin auf Registrierkartenkarton]]&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von George Potonnié, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Jahrbuch_für_Photographie_und_Reproductionstechnik_(Josef_Maria_Eder)}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1579</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T13:07:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Paul nadar eder 1887.JPG|thumb|Paul Nadar: Josef Maria Eder, 1887, Albumin]]&lt;br /&gt;
Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
[[File:Foto2002 49.jpeg|thumb|Pierre-Jules-César Janssen: Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885, Albumin]]&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 2763.jpeg|left|thumb|Étienne-Jules Marey: Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn, um 1894, Gelatine-Auskopierpapier]]&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;385px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
File:Wassertropfen.png|thumb|Philipp von Lenard: Fallender Wassertropfen, vor 1894. Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der &#039;&#039;Revue suisse de photographie&#039;&#039; 1894 &lt;br /&gt;
File:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg|thumb|Josef Maria Eder und Hans Lenhard: Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890, Lichtdruck als Beilage in &#039;&#039;Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
File:FotoGLV2000 20294 15.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Eduard Valente: Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896, Heliogravure &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 7547.jpeg|thumb|Adrien Guébhard: Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898, Cyanotypie]]&lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 14176 9.jpeg|thumb|left|Eduard Valenta: Sonnenspektrum, 1893, Interferenz-Farbfotografie]]&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 11098.jpeg|thumb|Anonym: Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888, Silbergelatine]]&lt;br /&gt;
[[File:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png|left|thumb|Ernst und Ludwig Mach: Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892, Lichtdruck]]&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre und der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach und Peter Salcher an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 8411.jpeg|thumb|Josef Maria Eder und Franz von Reisinger: Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890, Silbergelatinepapier&amp;lt;ref&amp;gt;„Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1891, Seite 50)“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[File:FotoGLV2000 1966.jpeg|left|thumb|Alphonse Bertillon: Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9.10.1894, Albumin auf Registrierkartenkarton]]&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von George Potonnié, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Jahrbuch_für_Photographie_und_Reproductionstechnik_(Josef_Maria_Eder)}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Josef_Maria_Eder&amp;diff=1578</id>
		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T12:41:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Bibliografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre und der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach und Peter Salcher an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von George Potonnié, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
*Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Josef Maria Eder</title>
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		<updated>2026-09-29T12:41:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &amp;#039;&amp;#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&amp;#039;&amp;#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forsch…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der rasante Fortschritt in der Fotografie und deren wissenschaftlichen Anwendungen während der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verdankte sich zahlreichen Entdeckungen und Experimenten, die an unterschiedlichsten Orten stattfanden. Als Herausgeber des &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039; war Josef Maria Eder zugleich Empfänger wie Verteiler von Nachrichten über diese Innovationen. Insbesondere mit französischen Forschern war der rege Ideenaustausch von wechselseitiger Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Fotografie im Dienst der Himmelskartierung==&lt;br /&gt;
1887 fand in Paris die erste internationale Konferenz für Astronomie mit großer internationaler Beteiligung statt. Das Ziel der Tagung war nichts Geringeres als die Erstellung einer Himmelskarte – also einer Vermessung und Kartographierung des gesamten sichtbaren Alls. Dazu war ein koordiniertes Zusammenwirken von Sternwarten möglichst auf dem ganzen Globus nötig. An diesem Treffen nahmen nicht nur Astronomen teil, sondern auch Fotoexperten und Hersteller optischer Geräte: Ohne präzise Teleskope, kombiniert mit speziellen Kameras und hochsensiblen Negativplatten, wäre es unmöglich gewesen, an ein solches Vorhaben zu denken.&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 120&amp;lt;/ref&amp;gt; Von österreichischer Seite nahmen Edmund Weiss, Direktor der Universitätssternwarte in Wien, und der Fotochemiker Josef Maria Eder teil, der eben die Gründung der „K. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vorbereitete, eines Instituts, das sowohl praktischen Unterricht erteilen als auch Grundlagenforschung betreiben sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015&amp;lt;/ref&amp;gt; Eders eigene Beiträge zur Verbesserung der Verfahren zur Entwicklung der lichtempfindlichen Schicht von Negativen waren zu diesem Zeitpunkt in Paris bereits publiziert und weithin anerkannt worden. Der bei der Tagung ebenfalls anwesende Jules Janssen, Direktor des astrophysikalischen Instituts in Meudon, bezeichnete damals die Fotografie als „wahre Netzhaut des Wissenschaftlers“, sie könne auch sehen, was dem menschlichen Auge entgehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann 2001: 22–23&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine in der Folge der Konferenz 1892 gemachte Beobachtung beschreibt, was gemeint war: Im Sternbild des Schwanes waren nach einstündiger Belichtung 52.000 Sterne auf der Aufnahme sichtbar, nach drei Stunden 108.000 und nach dreizehnstündiger Belichtung 197.000 Sterne.&amp;lt;ref&amp;gt;Spitaler 1893: 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Josef Maria Eder als Vermittler fotografischen Wissens==&lt;br /&gt;
Aber nicht nur der Erweiterung und Vertiefung des Wissens, der ‚objektiven‘ (sich ohne Einwirkung der menschlichen Hand vollziehenden) Aufzeichnung der Sicht durch optische Geräte, sollte die Fotografie dienen, sondern auch der Verbreitung dieses Wissens: Was im speziellen Feld der Astronomie das &#039;&#039;Bulletin du Comité international permanent pour l’Exécution Photographique de la Carte du Ciel&#039;&#039; Ziel war, nämlich einen möglichst großen Kreis von Astronomen über die ständigen Neuerungen zu informieren,&amp;lt;ref&amp;gt;Lamy 2009: 121–123&amp;lt;/ref&amp;gt; betrieb Josef Maria Eder als praxisorientierter Forscher und unermüdlicher Vermittler mit Hilfe seines &#039;&#039;Jahrbuchs für Photographie und Reproduktionstechnik&#039;&#039;, das ebenfalls im Jahr 1887 erstmals erschien und Aufsätze über ein breiteres Themenspektrum publizierte, exzerpierte, rezensierte und mit Abbildungen veranschaulichte. Er konnte nicht nur einige Teilnehmer der Tagung dafür gewinnen, regelmäßig Beiträge oder Nachrichten im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; zu veröffentlichen, sondern baute über die Jahre ein ganzes Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern auf, das ihn mit Informationen über neue Erfindungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Laufenden hielt, die er wiederum an seine Leserschaft weitergab. Persönliche Besuche, wie gleichfalls 1887 im „Photochemischen Laboratorium“ in Berlin, erweiterten den Kreis seiner Verbindungen. Von Mexiko bis Moskau reichten seine Briefpartnerschaften, stammte das Bild- und Textmaterial für die Veröffentlichungen, das dann in die Sammlungen der 1887/1888 dann tatsächlich eröffneten „K.k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ einging und sich heute als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Andererseits diente das Jahrbuch als Informationsquelle weit über den deutschen Sprachraum hinaus, zahlreiche dort erstmals erschienene Aufsätze wurden übersetzt und in ausländischen Fachzeitschriften nachgedruckt, in Frankreich etwa im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;, im &#039;&#039;Moniteur de la Photographie&#039;&#039; oder in &#039;&#039;Paris-Photographe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vielfältige Forschungsfelder==&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, geboren 1855 in Krems, studierte ab 1872 Physik und Chemie an der Universität Wien. Seine Habilitationsschrift von 1880 &#039;&#039;Die chemischen Wirkungen des farbigen Lichts&#039;&#039; wurde im nächsten Jahr in französischer Sprache veröffentlicht (Eder 1881). Seine ersten Aufsätze waren allerdings schon 1875 erschienen, 1876 auch im &#039;&#039;Bulletin de la Société française de la photographie&#039;&#039;. Dabei ist die frühe – und bis zuletzt praktizierte – ‚Mehrgleisigkeit‘ seiner Studien erstaunlich: Neben chemischen Verbesserungen (etwa der sogenannten Trockenplatte) interessierte er sich stets für die optischen und mechanischen Voraussetzungen des Lichtbildes (und suchte nach immer neuen Möglichkeiten, seine Ergebnisse mit unterschiedlichen Methoden zu überprüfen – etwa seit 1880 schon mit Hilfe der Spektralanalyse). Die erste Publikation, in der er chemische, optische und mechanische Bedingungen für eine bestimmte Anwendung zusammenfasste, war das 1884 erschienene Büchlein über die &#039;&#039;Momentphotographie&#039;&#039;, das unter anderem von den Leistungen Étienne-Jules Mareys inspiriert war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; Der reich illustrierte Band zeigte die nun mögliche drastische Verkürzung der Belichtungszeit sowohl auf wissenschaftliche als auch auf ‚alltägliche‘ Bereiche angewandt. Zugleich stellte er die neuesten Erkenntnisse vor, die diese kurze Verschlusszeit ermöglichten. Eine erweiterte Neuausgabe kam 1888 auch auf Französisch heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1888&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Marey und dessen Freund Albert Londe verband ihn nicht nur eine langjährige Korrespondenz und der regelmäßige Austausch von Fotografien, sondern auch eine vielfältige Zusammenarbeit. Als heute etwas kurios wirkendes Beispiel sei hier die Jury eines Wettbewerbs „zur Feststellung der genauen Form eines Wassertropfens“ in Genf erwähnt, die Eder und Marey gemeinsam übernahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Demole 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder berichtete über Mareys Arbeit in dessen an das Collège de France angeschlossenen Laboratorium ebenso wie über Londes Anwendung der Kamera im Krankenhaus Salpêtrière,&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1889&amp;lt;/ref&amp;gt; initiierte aber auch seinerseits fotografische Aufnahmen von Patientinnen in der Psychiatrischen Klinik in Kierling bei Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym 1890&amp;lt;/ref&amp;gt; Londes spätere intensive Beschäftigung mit Röntgenfotografie wiederum war von Eders Versuchen mit derselben angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;Londe 1898&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser hatte bereits im Dezember 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen dessen allererste mit Hilfe der später nach ihm benannten Strahlen entstandenen Bilder mitsamt einer Beschreibung zu ihrer Herstellung erhalten und publizierte gemeinsam mit Eduard Valenta wenige Wochen später eine Mappe mit Beispielen in einer drastisch verbesserten Technik.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder/Valenta 1896&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Anwendungsbereich der Entdeckung noch längst nicht klar umschrieben. Das Röntgen-Portfolio von 1896 enthielt daher Bilder einer ganzen Palette unterschiedlicher Gegenstände: Neben durchleuchteten Händen und Füßen finden wir hier Kaninchen und Ratten, Schlangen und Eidechsen, aber auch Kameen und Leder, Flintglas und Silberblech. Die beiden österreichischen Fotografen begannen damit sozusagen ein Referenzwerk aller durchleuchtbaren Stoffe, ein Unternehmen, das allerdings rasch von diversen Röntgen-Atlanten ärztlicher Kompetenz abgelöst wurde, die sämtliche Arten von Krankheiten, die sich in Knochenveränderungen manifestieren, quasi enzyklopädisch vorzuführen versuchten: Fotografisch weniger perfekt waren diese Bilder, dafür umso effizienter in ihrer Anwendbarkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik&#039;&#039;== &lt;br /&gt;
Solche Referenzwerke bzw. ihre Exzerpte im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; waren deshalb so wichtig, weil das Publikum hier mit Bildern konfrontiert wurde, für die das menschliche Auge keine Präzedenzien hatte. Ambitionierte Bemühungen, die Wirkungsweise der unsichtbaren Strahlen auf sichtbares Material – auch bei einzelnen Wissenschaftlern noch umstritten – plausibel physikalisch zu erklären, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Es war anscheinend viel einfacher (und wurde in erstaunlich fantasievoller Weise betrieben), ungeübte Betrachter mit solchen Aufnahmen zu täuschen. Rasch wurden die Bilder beliebte ‚Beweisstücke‘ der Kunst von Geistersehern und Medien: Wenn die normalerweise nicht sichtbaren Knochen sich durch bestimmte Strahlen selbst abbilden konnten, warum sollte dasselbe nicht auch für okkulte Emanationen gelten? Der französische Arzt Adrien Guébhard, Pragmatiker wie Eder und mit diesem im regelmäßigen Austausch über Eigenschaften von Entwicklungsflüssigkeiten (Eder 1896), stellte Experimente an, die die Tricks der ‚Geisterfotografen‘ entlarvten und sandte Beispiele davon nach Wien – in das &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; fanden sie allerdings keinen Eingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Faber 2003: 152&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Eder gesammelten Texte zu praktischen Anwendungen der Fotografie veranschaulichen die Technologie als Resultat einer höchst theoretischen Auseinandersetzung mit optischen Phänomenen und den Ergebnissen chemischer Experimente: Immer wieder ging es um die grundlegende Frage nach den Eigenschaften – und damit der Natur – des Lichtes, einer damals noch völlig rätselhaften Erscheinung. Die Gesetzmäßigkeiten der Lichtbrechung durch geschliffenes Glas – etwa die Optik der Kamera – mussten präzise errechnet und durch Formeln dargestellt, die Wirkungsweisen bestimmter Chemikalien bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft werden. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Gabriel Lippmann in Paris. Persönlichen Mitteilungen über dessen Experimente mit Farbfotografie widmete Eder höchste Aufmerksamkeit, waren die Wirkungen farbigen Lichts ja bereits Thema seiner Habilitation gewesen. Er machte gemeinsam mit Eduard Valenta eigene Versuche mit dem beschriebenen Verfahren, das auf Interferenz von Lichtstrahlen beruhte, und übermittelte Lippmann Verbesserungsvorschläge mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Valenta 1894&amp;lt;/ref&amp;gt; Lippmann erhielt für die „Interferenz-Fotografien“ 1908 den Nobelpreis, weil mit seinen Versuchen der erste Nachweis der Wellenstruktur des Lichtes gelungen war. Auch die geheimnisvolle Frage, was denn nun die Zersetzung der Silbersalze unter Sonneneinstrahlung bewirke, wurde im &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039; über die Jahre mehrfach angesprochen und einander widersprechende Theorien darüber aufgestellt. Welcher Stoff bei der ‚Schwärzung‘ des Chlorsilbers genau entstand, wurde überhaupt erst um 1930 erklärt. Josef Maria Eder hat diesem Kapitel der Fotogeschichte in seinem berühmtesten Werk, seiner &#039;&#039;Geschichte der Fotografie&#039;&#039; von 1932, breiten Raum gewidmet.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1932&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren==&lt;br /&gt;
Die von Eder initiierte und von ihm 1888 bis 1923 geleitete „K. k. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ diente ausdrücklich der Lehre und der Forschung. Innerhalb weniger Jahre verfügte sie über eine umfangreiche und höchst moderne Ausstattung. Sie wirkte als „modèle tout complet“&amp;lt;ref&amp;gt;Vidal 1900: 173&amp;lt;/ref&amp;gt; international beispielgebend von Leipzig (Fachschule für photomechanische Vervielfältigungsverfahren) über Paris (École Estienne) bis Washington.&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 49&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einrichtung ermöglichte es Eder, seine eigenen Forschungen weiter zu betreiben, gemeinsam mit Fachleuten aus anderen Gebieten an Projekten zu arbeiten und was ihm an neuesten Nachrichten zugetragen wurde, nicht nur zu überprüfen, sondern – wie im Falle Lippmanns und Röntgens – manchmal auch zu verbessern. So wurden die von Ernst Mach und Peter Salcher an der k. k. Marineakademie in Fiume (heute Rijeka in Kroatien) begonnenen Versuche mit Geschossen im Flug 1889 an der „Graphischen“ fortgesetzt. 1890 führte man in einer komplizierten Versuchsanordnung des Physiologen Sigmund Exner Tests zur Wahrnehmungsfähigkeit des Käferauges durch. Für die Akademie der Wissenschaften in Wien schufen Eder und Valenta in jahrelangen Versuchsreihen fotografische Aufzeichnungen von Spektralanalysen einzelner Elemente, die 1911 als Atlas publiziert wurden. Später stellte Eder auch Versuche mit dem infraroten Bereich des Lichts und radioaktiven Strahlen an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eders Einfluss auf die Einführung und Anwendung der Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen des öffentlichen Lebens in Österreich ist unübersehbar: Als Berater war er an der Gründung von Fotoateliers an Museen, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Anstalten etc. beteiligt. Durch seine Schüler, die als schon ausgebildete Fachleute ‚berufsbegleitend‘ an der „Graphischen“ studierten, reichte dieser Einfluss jedoch zeitlich und räumlich weit über seinen eigenen Wirkungsbereich hinaus. Schülerinnen waren bis 1908 nur zu den künstlerischen Studiengängen zugelassen,&amp;lt;ref&amp;gt;Matzer 2015: 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt; Eder ließ aber auch Ausnahmen zu, wie etwa im Fall von [[Dora Kallmus]], deren besonderes Talent er früh erkannte und förderte. Ein wiederum von Frankreich inspiriertes Beispiel für Eders Beratungstätigkeit war das erste Fotoatelier in der neu errichteten Polizeidirektion in Wien. 1894 hatte Eder Alphonse Bertillon besucht und dessen Methode, mit Hilfe von nach bestimmten Parametern hergestellten Fotografien „Steckbriefe“ herzustellen, studiert – auch von Eder wurde damals ein solcher angefertigt. Noch im selben Jahr hatte er die Übersetzung von dessen &#039;&#039;Identification anthropométrique&#039;&#039; ins Deutsche veranlasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Bertillon 1895&amp;lt;/ref&amp;gt; 1898 unterstützte er nun die Polizei nicht nur bei der Einrichtung des Ateliers, sondern schlug erfolgreich einen der Assistenten an der „Graphischen“, Emil Wrbata, als ersten Leiter vor. Wrbata setzte sein fotografisches Können allerdings nicht nur im Erkennungsdienst ein. Auch bei der Dokumentation von Tatorten war ihm seine Ausbildung bei Eder dienlich:&amp;lt;ref&amp;gt;Schneck 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier konnte er sein an der „Graphischen“ erworbenes Wissen um den (damals noch gefahrvollen) Gebrauch des Magnesiumblitzes anwenden, ein weiteres Thema, zu dem Eder ein Grundlagenwerk publizierte, das ins Französische übersetzt wurde und das wiederum Beiträge Londes und Erwähnungen Guébhards enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1890&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923, nach Eders Pensionierung an der „Graphischen“, verlor die „Versuchsanstalt“ innerhalb der Schule rasch an Bedeutung; es wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Eder führte seine publizistische Tätigkeit (inklusive der exzessiven Korrespondenz) von seinem Ruhesitz in Kitzbühel aus weiter. Noch 1925 rezensierte er die &#039;&#039;Histoire de la découverte de la photographie&#039;&#039; von George Potonnié, die im selben Jahr publiziert worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Eder 1925&amp;lt;/ref&amp;gt; 1931 erschien das letzte &#039;&#039;Jahrbuch&#039;&#039;, 1932 beendete er die Arbeit an der vierten Auflage seines mehrbändigen Werkes zu allen Aspekten der fotografischen Techniken und Anwendungen sowie ihrer historischen Entwicklung. Josef Maria Eder starb 1944 in Kitzbühel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
Eine umfassende (aber für die ins Französische übersetzten Werke von Eder nicht vollständige) Bibliografie Josef Maria Eders ist in der von Timm Starl initiierten BioBibliografischen Datenbank zur Geschichte der Fotografie in Österreich über die Webseite der Albertina abrufbar:&amp;lt;br&amp;gt;https://digitalepublikationen.albertina.at/search/Josef%20Maria%20Eder&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bertillon, Alphonse: Die gerichtliche Photographie: mit einem Anhange über die anthropometrische Classification und Identificirung. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1895.&lt;br /&gt;
Demole, Eugène: Die photographische Wiedergabe eines fallenden Wassertropfens. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 118–122.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Des actions chimiques de la lumière colorée et de la photographie en couleurs naturelles. Gand: Annoot-Braeckman 1881.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Die Momentphotographie. Ein Vortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien am 2. Jänner 1884. Wien: Verlag der Photographischen Correspondenz 1884.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie instantanée, son application aux arts et aux sciences, Traduction française de la 2e édition allemande. Paris: Gauthier-Villars et fils 1888.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Ein Besuch im photographischen Atelier des Hôpital de la Salpêtrière in Paris. In: Photographische Correspondenz, 1888, S. 6–11; Auszug in: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1889. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 66– 67.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: La photographie à la Lumière du magnésium. Paris: Gauthier-Villars et fils 1890 (Bibliothèque photographique). &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Jahresbericht über die Fortschritte der Photographie und Reproduktionstechnik. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1896, S. 237–594.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria / Valenta, Eduard: Versuche über Photographie mittelst der Röntgenschen Strahlen, Hrsg. mit Genehmigung der k.k. Lehr- und Versuchs-Anstalt für Photographie und Reproductions-Verfahren in Wien. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, Wien: R. Lechner (W. Müller) 1896.&lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Zur Geschichte der Photographie - George Potonnié. Histoire de la découverte de la photographie. In: Die Kinotechnik, Nr. 13, 1925, S. 320–321. &lt;br /&gt;
*Eder, Josef Maria: Geschichte der Photographie, 2 Bde. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1932.&lt;br /&gt;
*Faber, Monika: Josef Maria Eder und die wissenschaftliche Fotografie 1855 – 1918. In: Monika Faber und Klaus Albrecht Schröder, in Zusammenarbeit mit Gilles Mora (Hg.): Das Auge und der Apparat. Eine Geschichte der Fotografie aus den Sammlungen der Albertina. Paris: Éditions du Seuil 2003, S. 142–154.&lt;br /&gt;
*Hoffmann, Christoph: Zwei Schichten. Netzhaut und Fotografie. 1860/1890. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 81, 2001, S. 21–38.&lt;br /&gt;
*Lamy, Jerôme: The Role of the Conferences and the Bulletin in the Modification of the Practices of the Carte du Ciel Project at the End of the Nineteenth Century. In: Journal of Astronomical Research, 12. Jg., Heft 2, 2001, S. 119–124.&lt;br /&gt;
*Anonym [Lenhard, Hans]: Momentphotographie in der Irrenanstalt in Kierling-Gugging bei Wien. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1890, Beilage.&lt;br /&gt;
*Londe, Albert Londe: La photographie médicale: Application aux sciences médicales et physiologiques. Paris: Gauthier-Villars et fils.1898.&lt;br /&gt;
*Matzer, Ulrike: ‘Le modèle tout complet‘ – Vienna’s Graphische Lehr- und Versuchsanstalt as Study Center for Visual Communication. In: Maren Gröning (Hg.): Frame and Focus. Photography as a Schooling Issue. Salzburg: Edition Fotohof 2015, S. 28–56.&lt;br /&gt;
*Schneck, Hanna: Blitzlicht in der Unterwelt. Emil Wrbata fotografiert Erdställe und Tatorte, 1895-1930. Salzburg: Edition Fotohof 2020.&lt;br /&gt;
*Spitaler, Rudolf: Die Arbeiten und Fortschritte in der Astrophotographie im Jahre 1892. In: Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik für das Jahr 1893. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp, S. 268–274.&lt;br /&gt;
*Valenta, Eduard: Die Photographie in natürlichen Farben mit besonderer Berücksichtigung des Lippmann‘schen Verfahrens. Halle an der Saale: Wilhelm Knapp 1894 (Encyklopädie der Photographie, H. 2). &lt;br /&gt;
*Vidal, Léon: L’École Impériale-Royale des Arts graphiques de Vienne (Autriche) à l’Exposition Universelle. In: Le Moniteur de la Photographie, Bd. VII, 1900, S. 171–173.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Monika Faber&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-09-29T12:40:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Alphonse Bertillon

Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9. 10. 1894

Albumin auf Registrierkartenkarton

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Alphonse Bertillon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, erkennungsdienstliche Aufnahme enface und profil, 9. 10. 1894&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albumin auf Registrierkartenkarton&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-09-29T12:40:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Josef Maria Eder und Franz von Reisinger 

Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890

Silbergelatinepapier

&amp;quot;Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses um…&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder und Franz von Reisinger &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkte Fotografie des Netzhautbildes im Auge des Leuchtkäfers, 1890&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Silbergelatinepapier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Direkte Photographie des Netzhautbildes im Auge / des Leuchtkäfers / Das vom Wiener Universitätsprofessor Sigmund Exner für seine wissenschaftliche Abhandlung (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 1889) hergestellte Präparat des Facettenauges eines Lampyris wurde mittels Glycerin auf ein Glimmerblättchen und dann vor ein Mikroskop gebracht, dieses umgelegt und gegen ein hell erleuchtetes Fenster gerichtet. Dieses 1mm hinter dem Käferauge entfernte Lichtbildchen (Netzhautbild) wurde von J. M. Eder im Jahre 1890 mit hundertfacher Vergrößerung photographiert; durch das Fenster, auf dem ein Papierausschnitt den Buchstaben R zeigt, erblickt man die Umrisse der Schottenfelder Kirche. Das Bild gibt eine Vorstellung von der Sehschärfe des Insectes (nach: Eders &#039;Jahrbuch&#039;, 1891, Seite 50)&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:Screenshot_2026-09-26_at_17-21-47_Geschossfotografien.png&amp;diff=1574</id>
		<title>Datei:Screenshot 2026-09-26 at 17-21-47 Geschossfotografien.png</title>
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		<updated>2026-09-29T12:39:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Ernst und Ludwig Mach

Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892

Lichtdruck

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Ernst und Ludwig Mach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschossfotografien mit einem Stahlmantelprojektil bei unterschiedlicher Lufttemperatur bzw. -strömung, 1892&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lichtdruck&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:FotoGLV2000_11098.jpeg&amp;diff=1573</id>
		<title>Datei:FotoGLV2000 11098.jpeg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:38:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Anonym

Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der  k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888

Silbergelatine

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Anonym&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Schüler und Schülerinnen der fotografischen Abteilung unter Professor Hans Lenhard an der  k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien, 1887-1888&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Silbergelatine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:FotoGLV2000_14176_9.jpeg&amp;diff=1572</id>
		<title>Datei:FotoGLV2000 14176 9.jpeg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:38:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Eduard Valenta

Sonnenspektrum, 1893

Interferenz-Farbfotografie 

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Eduard Valenta&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonnenspektrum, 1893&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interferenz-Farbfotografie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:FotoGLV2000_7547.jpeg&amp;diff=1571</id>
		<title>Datei:FotoGLV2000 7547.jpeg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:37:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Adrien Guébhard

Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898

Cyanotypie

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Adrien Guébhard&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die angeblichen Lebensenergieerscheinungen des Herrn Dr. Baraduc, um 1897-1898&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cyanotypie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Datei:FotoGLV2000 20294 15.jpeg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:37:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Josef Maria Eder und Eduard Valente 

Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896

Heliogravure 

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder und Eduard Valente &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle der Durchlässigkeit von verschiedenen Substanzen, 1896&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heliogravure &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:SKM_C25826092818491_ausschnitt.jpg&amp;diff=1569</id>
		<title>Datei:SKM C25826092818491 ausschnitt.jpg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:36:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Josef Maria Eder und Hans Lenhard

Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890

Lichtdruck als Beilage des Photographie und Reproductionstechnik, 1890

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder und Hans Lenhard&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studie einer Patientin von Primararzt Dr. Krajatsch an der Psychiatrischen Klinik in Kierling, vor 1890&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lichtdruck als Beilage des Photographie und Reproductionstechnik, 1890&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:Wassertropfen.png&amp;diff=1568</id>
		<title>Datei:Wassertropfen.png</title>
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		<updated>2026-09-29T12:36:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Philipp von Lenard, Fallender Wassertropfen, vor 1894
Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der Revue suisse de photographie 1894
Nach Abbildung im Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik, 1896, S. 119

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Philipp von Lenard, Fallender Wassertropfen, vor 1894&lt;br /&gt;
Preisgekrönte Einreichung im Wettberwerb der Revue suisse de photographie 1894&lt;br /&gt;
Nach Abbildung im Jahrbuch für Photographie und Reproductionstechnik, 1896, S. 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:FotoGLV2000_2763.jpeg&amp;diff=1567</id>
		<title>Datei:FotoGLV2000 2763.jpeg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:35:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Étienne-Jules Marey

Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn,

um 1894

Gelatine-Auskopierpapier


Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Étienne-Jules Marey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragment eines chronometrischen Filmstreifens mit einem an einer Schnur laufenden Huhn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um 1894&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelatine-Auskopierpapier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:Foto2002_49.jpeg&amp;diff=1566</id>
		<title>Datei:Foto2002 49.jpeg</title>
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		<updated>2026-09-29T12:35:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Pierre-Jules-César Janssen 

Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885

Albumin 

Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Pierre-Jules-César Janssen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oberfläche der Sonne, aufgenommen vom Observatorium für physikalische Astronomie in Meudon bei Paris, 1885&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albumin &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:Paul_nadar_eder_1887.JPG&amp;diff=1565</id>
		<title>Datei:Paul nadar eder 1887.JPG</title>
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		<updated>2026-09-29T12:34:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt

Paul Nadar
Josef Maria Eder, 1887
Albumin&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Albertina Wien/ Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Nadar&lt;br /&gt;
Josef Maria Eder, 1887&lt;br /&gt;
Albumin&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Kurt_Absolon&amp;diff=1564</id>
		<title>Kurt Absolon</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Kurt_Absolon&amp;diff=1564"/>
		<updated>2026-09-29T12:05:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Leben und Werk */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Kurt Absolon, um 1950 (©Privatbesitz, Wien).jpg|240px|thumb|Kurt Absolon, um 1950]]Der jung verstorbene Wiener Maler Kurt Absolon (geb. 28. Februar 1925 in Wien, verunglückt bei Wulkaprodersdorf im Burgenland am 26. April 1958) wird von Sammlern und Kunsthandel wie von Kritik und Kunsthistorikern für seine subtile, oft literarisch inspirierte Zeichenkunst besonders geschätzt. Wie viele junge Künstlerinnen und Künstler der unmittelbaren Nachkriegszeit verarbeitete er ab 1945 zentrale Errungenschaften der westlichen Moderne und der französischen Avantgarde. Nach der weitgehenden Isolation des österreichischen Kunstbetriebs in der NS-Zeit von den internationalen Strömungen zählte dies zu den ersten Aufgaben der jungen Nachkriegskunst. So zeigt Absolons Œuvre zahlreiche direkte und indirekte Einflüsse der Pariser Moderne, aber auch viele literarische Inspirationen sowie eine aktive persönliche Beteiligung am austrofranzösischen Kunstaustausch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Werk==&lt;br /&gt;
[[File:Stadtlandschaft, 1949 (©Sammlung Hainz, Wien).jpg|270px|left|thumb|&#039;&#039;Stadtlandschaft&#039;&#039;, 1949]]Nach der Rückkehr vom Kriegsdienst nahm Absolon im Herbst 1945 sein Studium in der Meisterschule des soeben an die Wiener Akademie der bildenden Künste berufenen Malers [[Robin Christian Andersen]] auf. Andersens Malerei war spätfauvistisch und expressionistisch geprägt. Zudem vertrat an der Wiener Akademie schon seit 1935 [[Herbert Boeckl]], der dort ab 1938 den verbindlichen allabendlichen Aktkurs für alle Studierenden leitete, mit seinem farbintensiven expressiven Realismus eine weitere einflussreiche Position der Moderne. Albert Paris Gütersloh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Albert_Paris_G%C3%BCtersloh&amp;lt;/ref&amp;gt; konnte von seiner Pariser Erfahrung um 1911 berichten. Schließlich entwickelte auch der 1945 aus dem Schweizer Exil berufene Bildhauer [[Fritz Wotruba]] mit seiner Interpretation des Kubismus und seiner prestigeträchtigen Einzelausstellung im &#039;&#039;Musée national d’art moderne&#039;&#039; im Palais de Tokyo 1948 die Wiener Akademie erstmals zu einer progressiven Ausbildungsstätte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Kurt Absolon, Stillleben mit Stierschädel und Raubtierschädeln, 1956 © Museum der Moderne Salzburg.jpg|270px|thumb|&#039;&#039;Stillleben mit Tierschädel und Raubtierschädeln&#039;&#039;, 1956]][[File:Zyklusbild Baudelaire.jpg|270px|thumb|Zyklusbild &#039;&#039;Le Jardin du Mal&#039;&#039; nach Charles Baudelaire, 1951]]Absolon empfing zudem – wie die meisten anderen Malerinnen und Maler seiner Generation – auch starke Impulse von den kulturpolitischen Aktivitäten der französischen Besatzungsmacht in Wien. Neben vielen kleineren Projekten konfrontierten insbesondere die Ausstellungen [[Ausstellung des Salons d’Automne „Paris in Wien“|&#039;&#039;250 Artistes du Salon d’Automne – Paris in Wien&#039;&#039; (1946)]] und &#039;&#039;Moderne französische Gobelins&#039;&#039; (1949), die im [[Museum für Kunst und Industrie|Kunstgewerbemuseum]] (heute: MAK) veranstaltet wurden, die junge Künstlerschaft eindrucksvoll mit Werken von Picasso, Matisse, Lurçat, [[Le Corbusier]], Rouault und vielen anderen Helden der Pariser Moderne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Akademiestudiums bis Sommer 1949 setzte sich Absolon mit der französischen und internationalen Moderne in einer individualistischen Rekombination von deren Elementen auseinander. Seine frühen Selbstporträts und Stadtlandschaften zeigen etwa Errungenschaften des Postimpressionismus wie den flächigen Auftrag von Primärfarben und kräftige Konturen der Bildelemente, aber auch die offenen Pinselstrich-Strukturen des Fauvismus sowie Überlagerungen mit zeichnerischen Elementen in der Art des Surrealismus. Im Sommer 1947 konnte er sich auch in dem von der US-Besatzung und der Harvard University veranstalteten Salzburg Seminar im Schloss Leopoldskron gemeinsam mit Kurt Moldovan, Wander Bertoni und Leopold Rosenmayr auf den aktuellen Stand der internationalen Debatte um die Moderne bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Vertiefung seiner eigenständigen Aneignung der westlichen Moderne brachte Absolons Mitgliedschaft in der &#039;&#039;Gruppe 50&#039;&#039; des Schriftstellers Hans Weigel im Wiener Café Raimund. Hier setzten sich die jungen Literaten und Künstler:innen besonders mit der französischen Literatur auseinander. Man las Rimbaud und Baudelaire, aber auch zeitgenössische Existentialisten wie Sartre und Camus. Weigel gab in Anthologien Texte der jungen Autorinnen und Autoren heraus und publizierte dazu einige freie Illustrationen von Absolon. Die literarische Inspiration (etwa von Lautréamonts 1868 erschienenen &#039;&#039;Gesängen des Maldoror&#039;&#039;) war seit jeher ein zentrales Element der surrealistischen Kunst gewesen. So fungierten die vielen neuen Kunst- und Literaturzeitschriften auch in Österreich als natürliches Habitat des Surrealismus. An zwei Medien wirkte der deutsche Maler [[Edgar Jené]] entscheidend mit. Jené lebte 1935–50 in Wien und veröffentlichte gemeinsam mit [[Otto Basil]] in dessen Zeitschrift [[PLAN]] (erschienen 1938 und 1945–48) und mit [[Max Hölzer]] in den &#039;&#039;Surrealistischen Publikationen&#039;&#039; (1950–54) zahlreiche Werke aus dem Künstlerkreis André Bretons sowie von jungen österreichischen Surrealisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Kurt Absolon, Pariser Nachtcafé, 1957 © Peter Infeld Privatstiftung.jpg|left|thumb|&#039;&#039;Pariser Nachtcafé&#039;&#039;, 1957]]Auch Absolon verfolgte eine Reihe von Illustrationsprojekten für klassische und zeitgenössische literarische Werke. Unabhängig vom tatsächlichen Erscheinen im Druck entstanden freie Serien an Tuschzeichnungen mit Gouache in einem Stil, den viele Autoren im Umfeld des französischen Surrealismus verorteten. Neben mehreren deutsch- und englischsprachigen Werken bearbeitete Absolon auch die französische Literatur, etwa in Bildfolgen zur Lyrik von [[Arthur Rimbaud]] und [[Charles Baudelaire]]. Einige dieser Werke zeigte [[Maurice Besset]] 1951 in der Ausstellung Malerei, Graphik, Plastik aus Frankreich, Italien, Österreich in seinem einflussreichen [[Französisches Kulturinstitut Innsbruck (Institut Français d’Innsbruck)|Institut Français]] in Innsbruck. Absolon variierte in diesen Zeichnungen den originalen Titel von Baudelaires Gedichtband &#039;&#039;Les Fleurs du Mal&#039;&#039; zu &#039;&#039;Le Jardin du Mal&#039;&#039;. Erst 1957, im Jahr vor seinem vorzeitigen Tod, begab sich Absolon schließlich auf eine Studienreise nach Frankreich. Dort suchte er nicht den direkten persönlichen Kontakt zu bekannten modernen Künstlern, sondern zeichnete vorwiegend Stadtlandschaften in Paris und Arles sowie Szenen aus Cafés.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Kurt Absolon Symposium. Wien: art edition, Verlag Bibliothek der Provinz 2026.&lt;br /&gt;
*Hainz, Bernhard/Üner, Stefan (Hg.): Kurt Absolon. Monografie und Werkverzeichnis. Wien: art edition, Verlag Bibliothek der Provinz 2021.&lt;br /&gt;
*https://www.absolon.at&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Matthias Boeckl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/02/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Kurt_Absolon}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Absolon, Kurt}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Thomas_Bernhard&amp;diff=1563</id>
		<title>Thomas Bernhard</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Thomas_Bernhard&amp;diff=1563"/>
		<updated>2026-09-29T10:50:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Bernhard.jpg||thumb|Thomas Bernhard (ca. 1983)]]Seit den 1980er Jahren ist Thomas Bernhard (* 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande, † 12. Februar 1989 in Gmunden, Oberösterreich) neben Peter Handke in Frankreich einer der bekanntesten Schriftsteller der österreichischen Literatur nach 1945. Die französischen Übersetzungen seiner Werke folgen seit den 1960er Jahren zeitnah den deutschsprachigen Veröffentlichungen, die Prosa bei Gallimard seit 1967, die Stücke seit 1974 bei dem Verlag L’Arche. Die Geschichte der französischen Rezeption ist jedoch nicht nur eine literarische, sondern die Aufnahme seines Werks und die Wahrnehmung der Person des Schriftstellers sind eng mit der Entwicklung des Österreichbildes in Frankreich verbunden. Bernhards Werk und Persönlichkeit tragen dazu bei, ein bestimmtes Bild der politischen und sozialen Kultur Österreichs zu vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Der Romancier und Dramatiker Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 als unehelicher Sohn einer österreichischen Mutter in Heerlen (Niederlande) geboren. Er wird in seiner Kindheit vor allem von seinen Großeltern mütterlicherseits in Österreich erzogen; der Großvater, ein verkannter Schriftsteller, Vorbild und Lehrer für den jungen Bernhard, spielt eine entscheidende Rolle in dessen intellektueller Bildung. Als rebellischer und gedemütigter Jugendlicher brach Bernhard 1947 seine Schulausbildung ab und wurde Kaufmannslehrling in einem Vorort von Salzburg, wo er sich eine fast tödliche Brustfellentzündung zuzog. Als junger Mann lässt er sich zum Sänger ausbilden und nimmt Schauspielunterricht. In den 1950er Jahren arbeitete er als Gerichtsreporter in Salzburg, gab sein literarisches Debüt als Autor von avantgardistischen Libretti in einem besonderen künstlerischen Milieu in der österreichischen Provinz (dem Tonhof in Kärnten), und veröffentlichte seine ersten literarischen Texte, vor allem Gedichte. Der Erfolg des ersten Romans &#039;&#039;Frost&#039;&#039; (1963) – in einer sehr neuen und originellen, von nun ab für Bernhard charakteristischen Schreibweise – ermöglichte es ihm, von seiner Feder zu leben. Das literarische Werk – Prosa und Theater – ist geprägt von den Erfahrungen des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit, von früher Einsamkeit, materieller Not und Krankheit und gleichzeitig von der radikalen Kunsterziehung „in die entgegengesetzte Richtung“ durch den Großvater und der Hassliebe zu seinem Land Österreich. Der schwarze Humor und die beißende Ironie der Texte werden spät und nur selten erfasst werden. Der mit Preisen überhäufte und weltberühmte, aber auch skandalumwitterte und umstrittene Schriftsteller starb am 12. Februar 1989 in Gmunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich nach dem Erscheinen von Frost in Deutschland schreibt die Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; (12. November 1963): „Der Tag wird kommen, an dem Thomas Bernhard, einzigartig und explosiv, so bekannt sein wird wie [[Rainer Maria Rilke|Rilke]] und [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]] zu ihrer Zeit“. Während der ersten Rezeptionsphase (zwischen 1967 und 1981 erschienen Frost, Verstörung, Kalkwerk, Korrektur, Ja in französischer Sprache) wurde diese neue Prosa aus einer ästhetisch-literarischen, ja sogar philosophischen Perspektive wahrgenommen&amp;lt;ref&amp;gt; Nicole Casanova, « &#039;&#039;Corrections&#039;&#039; », &#039;&#039;Esprit&#039;&#039;, Mai 1978: „Gewiss, wir haben Derrida, und Computer, die Leibniz’ Forschungen über die Universalsprache fortsetzen, die Algorithmen oder Gedanken ohne Sprache schaffen. In diese Richtung gehen auch die Österreicher, allerdings außerhalb jeglichen Labors: Sie leben ihr philosophisches Abenteuer. Sie schreiben keine Abhandlungen oder mathematischen Formeln, sondern Romane und Gedichte.“&amp;lt;/ref&amp;gt; . Das zyklische, repetitive und musikalische Schreiben wurde als adäquater Ausdruck der in radikaler Opposition zu den gesellschaftlichen Normen stehenden Bernhardschen Erzähler und Antihelden für ihre obsessive Untersuchung von existenziellen Fragen betrachtet. Im Gegensatz zu anderen österreichischen Schriftstellern, die häufig der deutschen Literatur zugerechnet werden, sieht die Literaturkritik in Thomas Bernhard von Anfang an einen österreichischen Autor, der in Österreich und seinem literarischen und kulturellen Erbe verankert ist. Sie bezeichnet ihn aufgrund seiner Sprachkritik, der metaphysischen Leere und der Ablehnung ideologischer Konstrukte als „geistigen Sohn Wittgensteins“, wobei die negative Topografie Österreichs als Ausdruck eines in innere Konflikte verstrickten Schriftstellers ausgelegt wird. Ab Mitte der 1970er Jahre interessierte sich ein kleiner Kreis von französischen Übersetzern und Regisseuren für den Dramatiker Bernhard, doch die ersten beiden Produktionen von Der Ignorant und der Wahnsinnige und Der Präsident wurden nach nur wenigen Aufführungen wieder vom Spielplan genommen. Die ästhetische Distanz zwischen Bernhards Theater und den Erwartungen des Publikums in Frankreich ist zu groß, in einer Zeit des engagierten kollektiven Theaters (Théâtre du Soleil, Grand Cirque magique) und der naturalistisch-psychologischen Inszenierungen, während sich das von Antonin Artaud&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.deutsche-biographie.de/118504495.html&amp;lt;/ref&amp;gt; beeinflusste post-brechtsche Theater, das Bernhards Dramaturgie näher steht, erst allmählich seinen Weg bahnt. Bernhards Theater wird zunächst unverstanden bleiben („mal vu et mal entendu)&amp;lt;ref&amp;gt;Porcell 1986, S. 123-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1982 und 1985 erschienen &#039;&#039;Der Imitator&#039;&#039;, &#039;&#039;Wittgensteins Neffe&#039;&#039; und die fünf autobiografischen Texte in französischer Übersetzung, die als Schlüsseltexte für die Genese des Schriftstellers und für die Interpretation des Werks gelesen werden. Bernhards Persönlichkeit und sein von Krankheit gezeichneter Weg „in die entgegengesetzte Richtung“ fesseln Leser und Kritiker. In den Rezensionen häufen sich Atem-Metaphern, das atemraubende, ja keuchende Schreiben sei Ausdruck des verletzten Atems, sei ein Leitmotiv für das gesamte Werk und Leben des Schriftstellers. Nach und nach werden die literarisch-ästhetischen von psychologischen und soziokulturellen Kriterien verdrängt und ergänzt. Im Zuge des wachsenden Interesses an der Kultur des Wiener Fin-de-siècle wird der „geistige Sohn Wittgensteins“ zum „Erben des goldenen österreichischen Zeitalters“ oder zum „Samuel Beckett Mitteleuropas“. Diese Wahrnehmung bleibt jedoch auf die positive Perspektive von Wien 1900 beschränkt: Das kulturelle, historische und sogar politische&amp;lt;ref&amp;gt; Auf politischer Ebene wurde das „österreichischen Modell“ mit Bundeskanzler Bruno Kreisky (als international geschätzter und belesener Politiker), und damit der österreichische Staat, auch als politisches Vorbild betrachtet.&amp;lt;/ref&amp;gt; Österreich wird in Frankreich so sehr bewundert, dass man sogar von „Viennomanie“ spricht, wobei jedoch ein großer Teil der Literatur und der Realität dieses Landes außerhalb des Blickfelds bleibt. Bernhards scharfe Kritik an Österreich in den autobiografischen Erzählungen wird als Teil der nihilistischen Tradition Mitteleuropas gesehen, die eng mit der Psyche des Autors verbunden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rezeption des dramatischen Werks von Thomas Bernhard wurde während der 1980er Jahre durch die Mode des deutschsprachigen Theaters auf französischen Bühnen unterstützt. Bezeichnenderweise war die erste erfolgreiche Inszenierung im Jahr 1982 die von &#039;&#039;Vor dem Ruhestand&#039;&#039;, dem wohl politischsten Stück über die Banalität des Bösen im Nationalsozialismus. Das umfassende Dossier „Thomas Bernhard“ in &#039;&#039;Théâtre/Public&#039;&#039; im März/April 1983 lieferte substanzielle Texte über Bernhards Theater, die von der wachsenden Anerkennung des Dramatikers zeugten und die zahlreichen Inszenierungen seiner Stücke in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ankündigten. Seine Bekanntheit bei einem breiteren französischen, wie übrigens auch deutschsprachigen, Publikum ist letztendlich größtenteils auf die kritische Haltung Bernhards gegenüber seinem eigenen Land und auf seinen Ruf als Skandalautor in Österreich zurückzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bernhards Glanzzeit in Frankreich (1986–1991) fällt mit dem Moment zusammen, in dem die Bewunderung und Begeisterung für die österreichische Kunst und Literatur durch eine negative Wahrnehmung Österreichs aufgrund der „Waldheim-Affäre“, die die ambivalente Einstellung Österreichs zu seiner nationalsozialistischen Vergangenheit offenbart, abgelöst werden: In Frankreich geht Bernhards Stern zur gleichen Zeit auf, als sich das Image seines Landes verdüstert. Lobeshymnen begleiten jede Veröffentlichung von Prosatexten, &#039;&#039;Alte Meister&#039;&#039; erhält 1988 den Prix Médicis étranger, renommierte Regisseure (Jean-Pierre Vincent&amp;lt;ref&amp;gt; https://d-nb.info/gnd/1246727439&amp;lt;/ref&amp;gt;, André Engel &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.deutsche-biographie.de/pnd14255183X.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt;, Jorge Lavelli &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.deutsche-biographie.de/pnd120013924.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt;) nehmen sich seiner Stücke an. Zwischen 1988 und 1991 war Bernhard der meistgespielte ausländische zeitgenössische Autor auf französischen Bühnen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die erhöhte französische Aufmerksamkeit in Bezug auf die sozio-politischen Ereignisse in Österreich strukturiert nun die Bernhard-Rezeption und rückt die konfliktreiche Beziehung zwischen dem österreichischen Schriftsteller und seinem Land in den Mittelpunkt. Einerseits dringt das soziopolitische Geschehen in Österreich in die Theaterberichte und -kritiken ein, andererseits werden die Bernhardschen Österreich-Beschimpfungen – es handelt sich um Zitate aus literarischen Werken – wörtlich genommen und außerhalb der literarischen Rubrik zur Veranschaulichung der politischen Ereignisse in Österreich herangezogen. Der Schriftsteller war (neben anderen österreichischen Künstlern) einer der wenigen positiven Imageträger und verkörperte gewissermaßen das schlechte Gewissen seines Landes. Bernhards Tod im Februar 1989 fällt in eine Periode großer Medienpräsenz. In keinem Land außerhalb des deutschen Sprachraums wurde über den [[Heldenplatz / Place des héros (Thomas Bernhard)|Heldenplatz-Skandal]] in Österreich so ausführlich berichtet wie in Frankreich. Im Herbst 1988 erschienen &#039;&#039;Ave Vergil&#039;&#039; und der Roman &#039;&#039;Alte Meister&#039;&#039;, vier Theaterstücke wurden im Rahmen des Festival d’Automne in Paris aufgeführt. Im Februar 1989 wurde eine neue Übersetzung von &#039;&#039;Verstörung&#039;&#039; veröffentlicht. Unter den zahlreichen huldigenden Nachrufen zögern einige nicht, den Tod des Schriftstellers in einen kausalen Zusammenhang mit dem „Heldenplatz-Skandal“ zu setzen. Dass diese Lesart die universelle Bedeutung von Bernhards Werk nicht wahrnimmt, entlarvte der spanische Schriftsteller Fernando Arrabal &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/11850441X.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits im Oktober 1989 in dem in &#039;&#039;L’Idiot International&#039;&#039; erschienenen Artikel „Insulte à la France“ (Beleidigung Frankreichs), indem er Zitate aus &#039;&#039;Heldenplatz&#039;&#039; und Bernhards testamentarische Verfügungen in einen französischen Rahmen übertrug und systematisch alle österreichischen Bezüge durch französische ersetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den zwei Jahren nach Bernhards Tod überschwemmten förmlich Theaterstücke und dramatische Bearbeitungen von Prosatexten und Interviews die französischen Bühnen. In der Theatersaison 1990/91 wurden sieben Produktionen in Paris und zwanzig verschiedene Inszenierungen in ganz Frankreich aufgeführt. Wie bei deutschen und österreichischen Verlagen ersetzen kritische Werke, akademische Analysen und Bücher über/um Bernhard in gewisser Weise den Mangel an Originaltexten. Eine produktive Rezeption zeigt den Einfluss Bernhards auf die französischsprachige Literatur: So stellt Nicolas Stakhovitchs Roman &#039;&#039;Les Aphorismes de Gralph&#039;&#039; (1991) ein derart gelungenes Pastiche dar, dass der Verleger Maurice Nadeau &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/118996290.html&amp;lt;/ref&amp;gt; glaubte, es handle sich um einen Text des österreichischen Schriftstellers. Zum Beispiel [[Joël Jouanneau]] in seiner musikalischen und kreisenden Schreibweise (&#039;&#039;La nuit d’orage sur Gaza&#039;&#039; oder &#039;&#039;Conjuration Opus 8&#039;&#039;) oder Hervé Guibert &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.deutsche-biographie.de/pnd118997637.html&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem Roman &#039;&#039;L’ami qui ne m’a pas sauvé la vie&#039;&#039; berufen sich ausdrücklich auf Bernhard.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Mitte der 1990er Jahre hat Thomas Bernhard den Status eines „modernen Klassikers“ erlangt. Die großen Prosatexte erscheinen als Taschenbuch und die Stücke werden an bedeutenden Bühnen, sowie Comédie Française und Odéon – Théâtre de l’Europe gespielt. Über die österreichische Verankerung des Werks und eine zu enge ,österreichische‘ Lesart seiner scharfen Sozialkritik hinaus, schätzt die französische Kritik von nun an die Universalität und den Humor bei Bernhard. Es scheint so, dass in Frankreich die Faszination bei Leserschaft und Publikum für den „Zustand der permanenten Opposition“, ein dem Werk und der Persönlichkeit innewohnendes Merkmal, und für den „unter allen anderen erkennbaren“ Schreibstil Bernhards weiterhin anhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Éditions Gallimard (Prosa): https://www.gallimard.fr/auteurs/thomas-bernhard&lt;br /&gt;
*Éditions de L’Arche (Theater): https://www.arche-editeur.com/auteur/bernhard-thomas-266&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur (kleine Auswahl)===&lt;br /&gt;
*Hornig, Dieter und Weinmann, Ute (Hrsg.): Thomas Bernhard. Cahier de l’Herne 132. Paris: Éditions de l’Herne 2021.&lt;br /&gt;
*Huguet, Louis: Thomas Bernhard ou le silence du sphinx. Recherches biographiques bernhardiennes. Cahiers de l’Université de Perpignan 11 (2. Semester 1991).&lt;br /&gt;
*Lenormand, Hervé und Wögerbauer, Werner (Hrsg.): Thomas Bernhard. Cahiers l’Envers du miroir: Arcane 17 (1987).&lt;br /&gt;
*Porcell, Claude : « Mal vu, mal entendu. Le théâtre de Thomas Bernhard dans la presse française ». In: France Autriche 1970-1986. Positions et relations culturelles. Université d’Orléans, 12.-13. Mai 1986, S. 123–145.&lt;br /&gt;
*Porcell, Claude (Hrsg.): Thomas Bernhard. Ténèbres. Paris: Maurice Nadeau éditeur 1989.&lt;br /&gt;
*Porcell, Claude: Thomas Bernhard. Encyclopaedia Universalis: corpus 4, 1995.&lt;br /&gt;
*Weinmann, Ute: Thomas Bernhard, l’Autriche et la France. Histoire d’une réception littéraire. Paris: L’Harmattan (Reihe « La Philosophie en commun ») 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Digitale Projekte===&lt;br /&gt;
*GlobalBernhard – Thomas Bernhards internationales Echo&amp;lt;br&amp;gt;https://globalbernhard.univie.ac.at/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;thomas bernhard in translation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;https://thomas-bernhard-translation.acdh.oeaw.ac.at/de&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Ute Weinmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 30/01/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Thomas_Bernhard}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Bernhard, Thomas}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Bernhard.jpg||thumb|Thomas Bernhard (ca. 1983)]]Seit den 1980er Jahren ist Thomas Bernhard (* 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande, † 12. Februar 1989 in Gmunden, Oberösterreich) neben Peter Handke in Frankreich einer der bekanntesten Schriftsteller der österreichischen Literatur nach 1945. Die französischen Übersetzungen seiner Werke folgen seit den 1960er Jahren zeitnah den deutschsprachigen Veröffentlichungen, die Prosa bei Gallimard seit 1967, die Stücke seit 1974 bei dem Verlag L’Arche. Die Geschichte der französischen Rezeption ist jedoch nicht nur eine literarische, sondern die Aufnahme seines Werks und die Wahrnehmung der Person des Schriftstellers sind eng mit der Entwicklung des Österreichbildes in Frankreich verbunden. Bernhards Werk und Persönlichkeit tragen dazu bei, ein bestimmtes Bild der politischen und sozialen Kultur Österreichs zu vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Der Romancier und Dramatiker Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 als unehelicher Sohn einer österreichischen Mutter in Heerlen (Niederlande) geboren. Er wird in seiner Kindheit vor allem von seinen Großeltern mütterlicherseits in Österreich erzogen; der Großvater, ein verkannter Schriftsteller, Vorbild und Lehrer für den jungen Bernhard, spielt eine entscheidende Rolle in dessen intellektueller Bildung. Als rebellischer und gedemütigter Jugendlicher brach Bernhard 1947 seine Schulausbildung ab und wurde Kaufmannslehrling in einem Vorort von Salzburg, wo er sich eine fast tödliche Brustfellentzündung zuzog. Als junger Mann lässt er sich zum Sänger ausbilden und nimmt Schauspielunterricht. In den 1950er Jahren arbeitete er als Gerichtsreporter in Salzburg, gab sein literarisches Debüt als Autor von avantgardistischen Libretti in einem besonderen künstlerischen Milieu in der österreichischen Provinz (dem Tonhof in Kärnten), und veröffentlichte seine ersten literarischen Texte, vor allem Gedichte. Der Erfolg des ersten Romans &#039;&#039;Frost&#039;&#039; (1963) – in einer sehr neuen und originellen, von nun ab für Bernhard charakteristischen Schreibweise – ermöglichte es ihm, von seiner Feder zu leben. Das literarische Werk – Prosa und Theater – ist geprägt von den Erfahrungen des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit, von früher Einsamkeit, materieller Not und Krankheit und gleichzeitig von der radikalen Kunsterziehung „in die entgegengesetzte Richtung“ durch den Großvater und der Hassliebe zu seinem Land Österreich. Der schwarze Humor und die beißende Ironie der Texte werden spät und nur selten erfasst werden. Der mit Preisen überhäufte und weltberühmte, aber auch skandalumwitterte und umstrittene Schriftsteller starb am 12. Februar 1989 in Gmunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich nach dem Erscheinen von Frost in Deutschland schreibt die Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; (12. November 1963): „Der Tag wird kommen, an dem Thomas Bernhard, einzigartig und explosiv, so bekannt sein wird wie [[Rainer Maria Rilke|Rilke]] und [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]] zu ihrer Zeit“. Während der ersten Rezeptionsphase (zwischen 1967 und 1981 erschienen Frost, Verstörung, Kalkwerk, Korrektur, Ja in französischer Sprache) wurde diese neue Prosa aus einer ästhetisch-literarischen, ja sogar philosophischen Perspektive wahrgenommen&amp;lt;ref&amp;gt; Nicole Casanova, « &#039;&#039;Corrections&#039;&#039; », &#039;&#039;Esprit&#039;&#039;, Mai 1978: „Gewiss, wir haben Derrida, und Computer, die Leibniz’ Forschungen über die Universalsprache fortsetzen, die Algorithmen oder Gedanken ohne Sprache schaffen. In diese Richtung gehen auch die Österreicher, allerdings außerhalb jeglichen Labors: Sie leben ihr philosophisches Abenteuer. Sie schreiben keine Abhandlungen oder mathematischen Formeln, sondern Romane und Gedichte.“&amp;lt;/ref&amp;gt; . Das zyklische, repetitive und musikalische Schreiben wurde als adäquater Ausdruck der in radikaler Opposition zu den gesellschaftlichen Normen stehenden Bernhardschen Erzähler und Antihelden für ihre obsessive Untersuchung von existenziellen Fragen betrachtet. Im Gegensatz zu anderen österreichischen Schriftstellern, die häufig der deutschen Literatur zugerechnet werden, sieht die Literaturkritik in Thomas Bernhard von Anfang an einen österreichischen Autor, der in Österreich und seinem literarischen und kulturellen Erbe verankert ist. Sie bezeichnet ihn aufgrund seiner Sprachkritik, der metaphysischen Leere und der Ablehnung ideologischer Konstrukte als „geistigen Sohn Wittgensteins“, wobei die negative Topografie Österreichs als Ausdruck eines in innere Konflikte verstrickten Schriftstellers ausgelegt wird. Ab Mitte der 1970er Jahre interessierte sich ein kleiner Kreis von französischen Übersetzern und Regisseuren für den Dramatiker Bernhard, doch die ersten beiden Produktionen von Der Ignorant und der Wahnsinnige und Der Präsident wurden nach nur wenigen Aufführungen wieder vom Spielplan genommen. Die ästhetische Distanz zwischen Bernhards Theater und den Erwartungen des Publikums in Frankreich ist zu groß, in einer Zeit des engagierten kollektiven Theaters (Théâtre du Soleil, Grand Cirque magique) und der naturalistisch-psychologischen Inszenierungen, während sich das von Antonin Artaud&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.deutsche-biographie.de/118504495.html&amp;lt;/ref&amp;gt; beeinflusste post-brechtsche Theater, das Bernhards Dramaturgie näher steht, erst allmählich seinen Weg bahnt. Bernhards Theater wird zunächst unverstanden bleiben („mal vu et mal entendu)&amp;lt;ref&amp;gt;Porcell 1986, S. 123-145.&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1982 und 1985 erschienen Der Imitator, Wittgensteins Neffe und die fünf autobiografischen Texte in französischer Übersetzung, die als Schlüsseltexte für die Genese des Schriftstellers und für die Interpretation des Werks gelesen werden. Bernhards Persönlichkeit und sein von Krankheit gezeichneter Weg „in die entgegengesetzte Richtung“ fesseln Leser und Kritiker. In den Rezensionen häufen sich Atem-Metaphern, das atemraubende, ja keuchende Schreiben sei Ausdruck des verletzten Atems, sei ein Leitmotiv für das gesamte Werk und Leben des Schriftstellers. Nach und nach werden die literarisch-ästhetischen von psychologischen und soziokulturellen Kriterien verdrängt und ergänzt. Im Zuge des wachsenden Interesses an der Kultur des Wiener Fin-de-siècle wird der „geistige Sohn Wittgensteins“ zum „Erben des goldenen österreichischen Zeitalters“ oder zum „Samuel Beckett Mitteleuropas“. Diese Wahrnehmung bleibt jedoch auf die positive Perspektive von Wien 1900 beschränkt: Das kulturelle, historische und sogar politische&amp;lt;ref&amp;gt; Auf politischer Ebene wurde das „österreichischen Modell“ mit Bundeskanzler Bruno Kreisky (als international geschätzter und belesener Politiker), und damit der österreichische Staat, auch als politisches Vorbild betrachtet.&amp;lt;/ref&amp;gt; Österreich wird in Frankreich so sehr bewundert, dass man sogar von „Viennomanie“ spricht, wobei jedoch ein großer Teil der Literatur und der Realität dieses Landes außerhalb des Blickfelds bleibt. Bernhards scharfe Kritik an Österreich in den autobiografischen Erzählungen wird als Teil der nihilistischen Tradition Mitteleuropas gesehen, die eng mit der Psyche des Autors verbunden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rezeption des dramatischen Werks von Thomas Bernhard wurde während der 1980er Jahre durch die Mode des deutschsprachigen Theaters auf französischen Bühnen unterstützt. Bezeichnenderweise war die erste erfolgreiche Inszenierung im Jahr 1982 die von &#039;&#039;Vor dem Ruhestand&#039;&#039;, dem wohl politischsten Stück über die Banalität des Bösen im Nationalsozialismus. Das umfassende Dossier „Thomas Bernhard“ in &#039;&#039;Théâtre/Public&#039;&#039; im März/April 1983 lieferte substanzielle Texte über Bernhards Theater, die von der wachsenden Anerkennung des Dramatikers zeugten und die zahlreichen Inszenierungen seiner Stücke in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ankündigten. Seine Bekanntheit bei einem breiteren französischen, wie übrigens auch deutschsprachigen, Publikum ist letztendlich größtenteils auf die kritische Haltung Bernhards gegenüber seinem eigenen Land und auf seinen Ruf als Skandalautor in Österreich zurückzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bernhards Glanzzeit in Frankreich (1986–1991) fällt mit dem Moment zusammen, in dem die Bewunderung und Begeisterung für die österreichische Kunst und Literatur durch eine negative Wahrnehmung Österreichs aufgrund der „Waldheim-Affäre“, die die ambivalente Einstellung Österreichs zu seiner nationalsozialistischen Vergangenheit offenbart, abgelöst werden: In Frankreich geht Bernhards Stern zur gleichen Zeit auf, als sich das Image seines Landes verdüstert. Lobeshymnen begleiten jede Veröffentlichung von Prosatexten, &#039;&#039;Alte Meister&#039;&#039; erhält 1988 den Prix Médicis étranger, renommierte Regisseure (Jean-Pierre Vincent&amp;lt;ref&amp;gt; https://d-nb.info/gnd/1246727439&amp;lt;/ref&amp;gt;, André Engel &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.deutsche-biographie.de/pnd14255183X.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt;, Jorge Lavelli &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.deutsche-biographie.de/pnd120013924.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt;) nehmen sich seiner Stücke an. Zwischen 1988 und 1991 war Bernhard der meistgespielte ausländische zeitgenössische Autor auf französischen Bühnen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die erhöhte französische Aufmerksamkeit in Bezug auf die sozio-politischen Ereignisse in Österreich strukturiert nun die Bernhard-Rezeption und rückt die konfliktreiche Beziehung zwischen dem österreichischen Schriftsteller und seinem Land in den Mittelpunkt. Einerseits dringt das soziopolitische Geschehen in Österreich in die Theaterberichte und -kritiken ein, andererseits werden die Bernhardschen Österreich-Beschimpfungen – es handelt sich um Zitate aus literarischen Werken – wörtlich genommen und außerhalb der literarischen Rubrik zur Veranschaulichung der politischen Ereignisse in Österreich herangezogen. Der Schriftsteller war (neben anderen österreichischen Künstlern) einer der wenigen positiven Imageträger und verkörperte gewissermaßen das schlechte Gewissen seines Landes. Bernhards Tod im Februar 1989 fällt in eine Periode großer Medienpräsenz. In keinem Land außerhalb des deutschen Sprachraums wurde über den [[Heldenplatz / Place des héros (Thomas Bernhard)|Heldenplatz-Skandal]] in Österreich so ausführlich berichtet wie in Frankreich. Im Herbst 1988 erschienen &#039;&#039;Ave Vergil&#039;&#039; und der Roman &#039;&#039;Alte Meister&#039;&#039;, vier Theaterstücke wurden im Rahmen des Festival d’Automne in Paris aufgeführt. Im Februar 1989 wurde eine neue Übersetzung von &#039;&#039;Verstörung&#039;&#039; veröffentlicht. Unter den zahlreichen huldigenden Nachrufen zögern einige nicht, den Tod des Schriftstellers in einen kausalen Zusammenhang mit dem „Heldenplatz-Skandal“ zu setzen. Dass diese Lesart die universelle Bedeutung von Bernhards Werk nicht wahrnimmt, entlarvte der spanische Schriftsteller Fernando Arrabal &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/11850441X.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits im Oktober 1989 in dem in &#039;&#039;L’Idiot International&#039;&#039; erschienenen Artikel „Insulte à la France“ (Beleidigung Frankreichs), indem er Zitate aus &#039;&#039;Heldenplatz&#039;&#039; und Bernhards testamentarische Verfügungen in einen französischen Rahmen übertrug und systematisch alle österreichischen Bezüge durch französische ersetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den zwei Jahren nach Bernhards Tod überschwemmten förmlich Theaterstücke und dramatische Bearbeitungen von Prosatexten und Interviews die französischen Bühnen. In der Theatersaison 1990/91 wurden sieben Produktionen in Paris und zwanzig verschiedene Inszenierungen in ganz Frankreich aufgeführt. Wie bei deutschen und österreichischen Verlagen ersetzen kritische Werke, akademische Analysen und Bücher über/um Bernhard in gewisser Weise den Mangel an Originaltexten. Eine produktive Rezeption zeigt den Einfluss Bernhards auf die französischsprachige Literatur: So stellt Nicolas Stakhovitchs Roman &#039;&#039;Les Aphorismes de Gralph&#039;&#039; (1991) ein derart gelungenes Pastiche dar, dass der Verleger Maurice Nadeau &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/118996290.html&amp;lt;/ref&amp;gt; glaubte, es handle sich um einen Text des österreichischen Schriftstellers. Zum Beispiel [[Joël Jouanneau]] in seiner musikalischen und kreisenden Schreibweise (&#039;&#039;La nuit d’orage sur Gaza&#039;&#039; oder &#039;&#039;Conjuration Opus 8&#039;&#039;) oder Hervé Guibert &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.deutsche-biographie.de/pnd118997637.html&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem Roman &#039;&#039;L’ami qui ne m’a pas sauvé la vie&#039;&#039; berufen sich ausdrücklich auf Bernhard.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Mitte der 1990er Jahre hat Thomas Bernhard den Status eines „modernen Klassikers“ erlangt. Die großen Prosatexte erscheinen als Taschenbuch und die Stücke werden an bedeutenden Bühnen, sowie Comédie Française und Odéon – Théâtre de l’Europe gespielt. Über die österreichische Verankerung des Werks und eine zu enge ,österreichische‘ Lesart seiner scharfen Sozialkritik hinaus, schätzt die französische Kritik von nun an die Universalität und den Humor bei Bernhard. Es scheint so, dass in Frankreich die Faszination bei Leserschaft und Publikum für den „Zustand der permanenten Opposition“, ein dem Werk und der Persönlichkeit innewohnendes Merkmal, und für den „unter allen anderen erkennbaren“ Schreibstil Bernhards weiterhin anhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Éditions Gallimard (Prosa): https://www.gallimard.fr/auteurs/thomas-bernhard&lt;br /&gt;
*Éditions de L’Arche (Theater): https://www.arche-editeur.com/auteur/bernhard-thomas-266&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur (kleine Auswahl)===&lt;br /&gt;
*Hornig, Dieter und Weinmann, Ute (Hrsg.): Thomas Bernhard. Cahier de l’Herne 132. Paris: Éditions de l’Herne 2021.&lt;br /&gt;
*Huguet, Louis: Thomas Bernhard ou le silence du sphinx. Recherches biographiques bernhardiennes. Cahiers de l’Université de Perpignan 11 (2. Semester 1991).&lt;br /&gt;
*Lenormand, Hervé und Wögerbauer, Werner (Hrsg.): Thomas Bernhard. Cahiers l’Envers du miroir: Arcane 17 (1987).&lt;br /&gt;
*Porcell, Claude : « Mal vu, mal entendu. Le théâtre de Thomas Bernhard dans la presse française ». In: France Autriche 1970-1986. Positions et relations culturelles. Université d’Orléans, 12.-13. Mai 1986, S. 123–145.&lt;br /&gt;
*Porcell, Claude (Hrsg.): Thomas Bernhard. Ténèbres. Paris: Maurice Nadeau éditeur 1989.&lt;br /&gt;
*Porcell, Claude: Thomas Bernhard. Encyclopaedia Universalis: corpus 4, 1995.&lt;br /&gt;
*Weinmann, Ute: Thomas Bernhard, l’Autriche et la France. Histoire d’une réception littéraire. Paris: L’Harmattan (Reihe « La Philosophie en commun ») 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Digitale Projekte===&lt;br /&gt;
*GlobalBernhard – Thomas Bernhards internationales Echo&amp;lt;br&amp;gt;https://globalbernhard.univie.ac.at/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;thomas bernhard in translation&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;https://thomas-bernhard-translation.acdh.oeaw.ac.at/de&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Ute Weinmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 30/01/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Thomas_Bernhard}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Bernhard, Thomas}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Hugo_von_Hofmannsthal&amp;diff=1561</id>
		<title>Hugo von Hofmannsthal</title>
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		<updated>2026-09-29T10:49:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Französische Hofmannsthal-Rezeption */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Hofmannsthal.jpg||thumb|Hugo von Hofmannsthal (23.1.1929)]] Hugo von Hofmannsthal (i.e. Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, * 1.2.1874 in Wien, † 15.7.1929 in Rodaun bei Wien) war Dramatiker, Lyriker, Erzähler, Librettist, Theaterkritiker, Essayist, Übersetzer und Kulturvermittler. Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Wiener Moderne. Unter den vielen Lektüren und Einflüssen fremder Sprachen und Kulturen nimmt der Bezug zu Frankreich eine Sonderstellung ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hofmannsthals Annäherung an die französische Kultur==&lt;br /&gt;
Grundsätzlich zeichnet sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich durch große Vertrautheit, durch sympathetische Anverwandlung und ein kritisches Sich-Messen aus. Hofmannsthals tiefe Verbundenheit mit Frankreich ist zum einen durch das frankophile Ambiente in Familie und in der Stadt Wien bedingt, zum andern durch den Sprachunterricht am Akademischen Gymnasium in Wien mit dem ausgezeichneten Sprachenlehrer Gabriel Dubray, mit dem Hofmannsthal 1892 seine erste Reise nach Frankreich unternimmt und dem er seinen Aufsatz über &#039;&#039;Französische Redensarten&#039;&#039; (1897) widmet. Bereits als Gymnasiast beschäftigt sich Hofmannsthal viel mit (nicht nur) französischer Literatur. In einem Brief an [[Hermann Bahr]] schreibt er 1891: „ich habe MM. de la Rochefoucauld, de la Bruyère, de St.-Simon, de Montaigne, de Montesquieu, de Buffon, sowie die Herren Chamfort, Courier, Chateaubriand, Voltaire, La Mettrie, Louvet, Jean-Jacques, Diderot, Prévost, Gresset, Mably und (hélas) Volney auch gelesen.“ Nicht alle Lektüre-Erlebnisse zeitigen langfristige Nachwirkungen, nicht immer sind es nur die ‚großen‘ Namen, deren Einfluss von Bedeutung ist (etwa die Spuren der Operette &#039;&#039;L’ingénu libertin&#039;&#039; von Louis Artus&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd1115658220.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Claude Terrasse&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd129851574.html&amp;lt;/ref&amp;gt; auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem relativ rasch abgebrochenen Jus-Studium widmet sich Hofmannsthal dem Studium der Romanistik, das er mit einer Dissertation zum &#039;&#039;Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléiade&#039;&#039; beendet. Eine fertig gestellte Habilitationsschrift mit dem Titel &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; zieht er 1901 zurück. Trotz einiger skeptischer Anmerkungen zur Dichtergruppe des 16. Jahrhunderts (Brief vom Juni 1897 an [[Leopold von Andrian]]) mag in der Beschäftigung mit vor allem Ronsards&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602519.html&amp;lt;/ref&amp;gt; Gedichten ein Anstoß zum Griff zu ‚alten‘ Gedichtformen wie dem Sonett liegen. Allgemein vollzieht sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich auf allen Ebenen von Intertextualität und Interkulturalität: Sie reicht von der Übernahme einzelner Topoi und Motive über Gattungsfragen und Szenenführung bis zur grundsätzlichen Diskussion ästhetischer Fragen sowie der Reflexion über das Verhältnis von Dichter und Gesellschaft. Noch in der späten &#039;&#039;Vorrede zu St.-J. Perse „Anabasis“&#039;&#039; (1929) zollt er den Bemühungen der Dichter der Pléiade (wie jenen Mallarmés&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118576771.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u.a.) Tribut, die versuchen, die „lyrische Inspiration aus dem Innern der Sprache selbst zu erneuern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach der ersten Reise 1892 hält sich Hofmannsthal wiederholt in Frankreich, konkret in Paris, auf, wobei der längere Aufenthalt von 1900-1901 von besonderer Nachhaltigkeit ist. Hofmannsthal nutzt seinen Verbleib in Paris zu Theaterbesuchen, Besichtigungen von Museen und Galerien („Bei den Kunsthändlern und den Privaten werden mir die noch nicht sehr bekannten Maler geläufig: Cézanne, Gauguin, Toulouse-Lautrec, van Gogh“, Brief vom 24.3.1900 an H. Bahr) und dazu, Bekanntschaften zu schließen, die manchmal Freundschaft (mit Anatole France&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692445.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Maurice Maeterlinck]] u.a.) und Briefwechsel nach sich ziehen oder auch ganz konkrete berufliche Anstöße liefern (so die Bekanntschaft mit dem Theaterdirektor Aurélien-Marie Lugné-Poe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd11734138X.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Hofmannsthal den Roman &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; von Jules Renard und das Stück &#039;&#039;Venise sauvée&#039;&#039; des englischen Dramatikers Thomas Otway&amp;lt;ref&amp;gt;https://en.wikisource.org/wiki/Dictionary_of_National_Biography,_1885-1900/Otway,_Thomas_(1652-1685)&amp;lt;/ref&amp;gt; nahebringt, oder – später – die Zusammenarbeit mit Diaghilews&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119190907.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Ballets russes“, die zur &#039;&#039;Josephslegende&#039;&#039; führt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kreative Rezeption==&lt;br /&gt;
Hofmannsthals Beschäftigung mit Frankreich und der französischen Kultur ist jedoch nicht nur rezeptiv, sondern von Beginn an auch produktiv. Bereits 1891 erscheinen seine Kritiken zu Paul Bourget&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz145229.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118506684.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Henri-Frédéric Amiel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118648802.html&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie ein Nachruf auf Théodore de Banville&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119080389.html&amp;lt;/ref&amp;gt;; 1893 seine Besprechung von Marie Bashkirtseffs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653350.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Tagebuch eines jungen Mädchens&#039;&#039;. Hofmannsthals Rezensionen der französischen Neuerscheinungen der 1890er Jahre bezeugen zum einen sein Bemühen um eine Standortbestimmung zeitgenössischer ‚moderner‘ Literatur und zum andern seine eigene Form von Kritik, die eine Kritik der kritischen Anverwandlung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Analysen der Texte seiner Zeitgenossen sind Reflexionen über die Befindlichkeit junger Menschen seiner Generation mit ihrer instabilen Persönlichkeit, ihrer gesteigerten Sensibilität und allgemeinen Orientierungslosigkeit. „Je suis perdu dans le vagabondage, ne sachant où retrouver l’unité de ma vie“, zitiert er M. Barrès und scheint sich selbst mit zu meinen, wenn er von Barrès übergangslos zum „wir“ übergeht, zum „wir Menschen mit sehr entwickelten Nerven und geschwächtem Willen“, denen das Leben ein „Gewirre zusammenhangloser Erscheinungen“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirkungsmächtiger als die Lektüre der Zeitgenossen erweist sich die Vertiefung in die Literatur der Symbolisten und ihrer Vorläufer [[Charles Baudelaire]], [[Arthur Rimbaud]] und [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Paul Verlaine]], wenngleich es zu diesen Autoren keine großen, geschlossenen Arbeiten Hofmannsthals gibt. Nur indirekt – in einer Besprechung der Gedichte von Francis Vielé-Griffin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118804456&amp;lt;/ref&amp;gt; – spricht Hofmannsthal seine große Wertschätzung für die Musikalität der Verlaine’schen Verse aus, für den „Zauber“ von Verlaines „undefinierbarem Rhythmus“, dem wohl auch einige Jugendgedichte Hofmannsthals selbst (&#039;&#039;Vorfrühling&#039;&#039; z.B.) ihre Nähe zum Lied und ihre suggestive Stimmung verdanken. Ähnliches gilt für Rimbaud, mehr aber noch für Baudelaire, wo die Übereinstimmungen und Anregungen eher genereller und verstärkender Art sind. Baudelaires Auffassung von der Stellung des Dichters in der Gesellschaft entsprechen Hofmannsthals Zugang. Baudelaires Bild des Dichters als &#039;&#039;Albatros&#039;&#039;, der sich linkisch und hinkend auf den Schiffsplanken dahinschleppt, entspricht Hofmannsthals Vision des Künstlers als dem Heizer, der auf Deck „taumelnd und mit blöden Augen“ herumstolpert (&#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;). Und Baudelaires Verständnis des Dichters auch als Kritikers („il est impossible qu’un poète ne contienne pas un critique“, &#039;&#039;L’art romantique&#039;&#039;) findet seine Parallele in Hofmannsthals einfühlender Kritikertätigkeit. In den Aufzeichnungen notiert er: „Kunst und Kritik, die ergänzenden Hälften des künstlerischen Lebens“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sonderstellung nimmt das Werk von Maurice Maeterlinck ein. H. Bahr macht Hofmannsthal früh auf den belgischstämmigen Dichter aufmerksam, den Hofmannsthal 1900 persönlich kennenlernt und mit dem er später auch korrespondiert. Maeterlinck krempelt mit seiner &#039;&#039;Princesse Maleine&#039;&#039; (1890) das europäische Theater um. Kein junger, am Theater interessierter Autor konnte in den 1890er Jahren an Maeterlinck vorbei. Die Einflüsse Maeterlincks auf Hofmannsthal betreffen Stimmung, Szenerie, Figurengestaltung, Handlungsverlauf, Gesprächsführung und Todesthematik. Früh übersetzt Hofmannsthal den Maeterlinck’schen Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039;, der das Ausgeliefertsein des Menschen an das Schicksal thematisiert. Maeterlincks „tragique quotidien“ findet seinen Niederschlag in der Aussichts- und Ausweglosigkeit der Hofmannsthal’schen Protagonistinnen (&#039;&#039;Die Frau im Fenster&#039;&#039;, &#039;&#039;Idylle&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Hochzeit der Sobeide&#039;&#039;). Überhaupt sterben Frauen meist oder werden umgebracht (wie bei Maeterlinck auch). Im „Medusenhafte[n], daß man am Leben stirbt“, von dem in Hofmannsthals &#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039; die Rede ist, konzentriert sich die Essenz der Dramen Maeterlincks und ihrer Wirkung auf die Zeitgenossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder hat sich Hofmannsthal als Übersetzer oder Bearbeiter (freilich nicht nur französischer Literatur) betätigt. Von Maeterlincks Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039; über &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; von Jules Renard&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118788345.html&amp;lt;/ref&amp;gt;  bis zu den bedeutenden [[Molière]]-Neufassungen reicht die Palette seiner Übertragungen und Adaptationen. 1909 übersetzt er die Molière-Komödie &#039;&#039;Le Mariage forcé&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Heirat wider Willen&#039;&#039;), 1916 macht er aus &#039;&#039;Les Fâcheux&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Misanthrope&#039;&#039; das Fake-Stück &#039;&#039;Die Lästigen&#039;&#039;; die Beschäftigung mit &#039;&#039;Le Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; und &#039;&#039;Monsieur de Pourceaugnac&#039;&#039; wirkt weiter auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039; und auf &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039;; Spuren von &#039;&#039;Le Dépit amoureux&#039;&#039; und &#039;&#039;L’étourdi&#039;&#039; lassen sich bis zu &#039;&#039;Lucidor&#039;&#039; und &#039;&#039;Arabella&#039;&#039; nachzeichnen. Wie immer liegt die Besonderheit in der kreativen Anverwandlung der Vorlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt zum Teil auch für Hofmannsthals Beschäftigung mit französischer Malerei. Oft gehen von Bildwerken ganz konkrete, in der Umsetzung kaum mehr erkennbare Anstöße aus (so die Rolle des Gemäldes &#039;&#039;Le coucher de la mariée&#039;&#039; von Pierre-Antoine Baudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1073264335&amp;lt;/ref&amp;gt; für den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039;) und manchmal wird die Auseinandersetzung mit Malerei zum Anlass für grundlegende ästhetische Reflexion (so die Begegnung mit den Bildern von [[Vincent van Gogh|Van Gogh]] in den &#039;&#039;Briefen des Zurückgekehrten&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1900 nehmen ausführliche Aufsätze zu französischen Dichtern ab – mit Ausnahme von [[Victor Hugo]], [[Honoré de Balzac]] und [[Molière]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Gymnasium beginnt Hofmannsthals Beschäftigung mit V. Hugo, die in seiner Habilitationsschrift &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; ihren ausführlichsten Kommentar findet. Es ist eine Beschäftigung, die auf den ersten Blick überrascht, handelt es sich bei Hugo doch um keinen wesensverwandten Autor. Tatsächlich geht es in Hofmannsthals Studie um Aspekte in Hugos Leben und Werk, die auch für den jungen Hofmannsthal bei aller Verschiedenheit von Interesse sind&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ravy 1987&amp;lt;/ref&amp;gt;: So bildet das lange Leben des französischen „Olympiers“ Hugo (&#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039;) das Paradebeispiel, um über das Verhältnis des Dichters zu seiner Zeit zu reflektieren. Zudem bietet das umfangreiche Werk des französischen Nationaldichters dem Kosmopoliten Hofmannsthal eine Gelegenheit, sich dem spezifischen Charakter französischer Literatur und Kultur noch weiter anzunähern. Was aber unbestreitbar Hofmannsthal mit Hugo verbindet, ist die Wertschätzung des Worts. So bildet die Auseinandersetzung mit Hugo auch einen wichtigen Baustein in Hofmannsthals Ringen um seine eigene Ästhetik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches gilt für die jahrelange Beschäftigung mit Honoré de Balzac, die u.a. in drei gesonderten Texten ihren Niederschlag gefunden hat: in dem fiktiven &#039;&#039;Gespräch zwischen Balzac und Hammer-Purgstall in einem Döblinger Garten im Jahre 1842&#039;&#039; (mit dem Titel &#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;) aus dem Jahr 1902, in der Besprechung von &#039;&#039;Das Mädchen mit den Goldaugen&#039;&#039; (1905) und in der Einleitung Balzac zu einer deutschen Ausgabe der &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; (1908). Nicht aus einem einzelnen Band Balzacs sei die Essenz seiner vis poetica zu destillieren, sondern sie finde sich hingegossen in die Fülle seiner Romane und Novellen. Und weil sein großes Werk die Welt seiner Zeit in aller Disparatheit und Pluralität darzustellen beabsichtigt, müsse er, Balzac, Romane schreiben und nicht – wie von Hammer-Purgstall&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_von_Hammer-Purgstall&amp;lt;/ref&amp;gt; moniert – Theaterstücke. Es ist kein Zufall, dass die Auseinandersetzung mit Balzac in die Phase von Hofmannsthals Bemühen um das „Soziale“ fällt und dass er auf dem Umweg über Balzac zu seiner Form einer ‚neuen‘ Komödie als Ausdruck des „erreichten Sozialen“ findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Bestreben ist freilich auch ein anderer französischer Autor von eminenter Bedeutung: Molière. Von 1909 bis 1923&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Arlaud 2005&amp;lt;/ref&amp;gt; gilt Hofmannsthals besonderes Interesse dem französischen Dramatiker. In ihm sieht Hofmannsthal einen Höhepunkt versierter Dramentechnik einerseits und das umfassende Verständnis für das „Soziale“ andererseits verkörpert, das „Verstehen der Menschen, nicht so, wie einer bloß mit dem Kopfe versteht, sondern schon mit dem ganzen Ich und allen Eingeweiden“ (&#039;&#039;Worte zum Gedächtnis Molières&#039;&#039;). Von den konkreten Übersetzungen und Bearbeitungen Molières (siehe oben) reicht die Palette über das Bemühen um den &#039;&#039;Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; für die Oper &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039; bis zu einem kaum mehr dingfest zu machenden Weiterwirken Molière’scher Komödienkunst im &#039;&#039;Schwierigen&#039;&#039; und &#039;&#039;Unbestechlichen&#039;&#039;. Gerade das Beispiel Molières illustriert, worin die Spezifik von Hofmannsthals Begeisterung für Frankreich besteht: in der Verbundenheit der französischen Dichter mit ihrer Zeit und der Tradition, in der sie stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Hofmannsthal-Rezeption==&lt;br /&gt;
Die Rezeption Hofmannsthals in Frankreich schwankt zu seinen Lebzeiten zwischen Begeisterung (bei Charles Du Bos&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527673.html&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Henri Guilbeaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116921129.html&amp;lt;/ref&amp;gt; z.B.), freundschaftlicher Zur-Kenntnisnahme (so bei [[André Gide]] oder Paul Valéry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz129740.html&amp;lt;/ref&amp;gt;) und Unverständnis und Ablehnung bei manchen Kritikern (auch aufgrund fehlerhafter Übersetzungen). In jüngerer Zeit ist es, u.a., vor allem Pierre Deshusses&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd13252029X.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Jean-Yves Masson]] zu verdanken, dass Hofmannsthals wichtigste Werke in französischer Übersetzung zugänglich sind. Deshusses hat bei Payot &amp;amp; Rivages mehrere Texte herausgegeben, u.a. die &#039;&#039;Lettre de Lord Chandos&#039;&#039; mit einem Vorwort von Claudio Magris&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119130513.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; (2000), die Prosa unter dem Titel &#039;&#039;Chemins et rencontres&#039;&#039; (2002) und die Korrespondenz Hofmannsthals mit [[Rainer Maria Rilke|Rilke]], &#039;&#039;Lettres à Rilke&#039;&#039; (2004); Masson ist für die Hofmannsthal-Rezeption als Übersetzer (z.B. &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039;, 1997, &#039;&#039;Le Livre des amis&#039;&#039;, 2015, Gestern / Hier, zweisprachige Ausgabe 2023) und Herausgeber (z.B. &#039;&#039;Œuvres en prose&#039;&#039; und &#039;&#039;Jedermann&#039;&#039;, beide 2010), sowie als Literaturwissenschaftler von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den französischen Bühnen ist Hofmannsthal in erster Linie als Librettist der Opern von Richard Strauss präsent. &#039;&#039;Le Chevalier à la rose&#039;&#039;, &#039;&#039;Électre&#039;&#039;, &#039;&#039;Ariane à Naxos&#039;&#039;, &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039; werden regelmäßig gespielt, die Internet-Plattform Les Archives du Spectacle&amp;lt;ref&amp;gt;https://lesarchivesduspectacle.net/&amp;lt;/ref&amp;gt; weist für den Zeitraum 1957–2024 65 verschiedene Produktionen auf. Im Sprechtheater sind in den letzten dreißig Jahren (seit 1992) mehrere Inszenierungen von Elektra / Électre zu verzeichnen, sowie die denkwürdigen Aufführungen von &#039;&#039;L’Homme difficile&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Schwierige&#039;&#039;, mis en scène de Jacques Lassalle, Théâtre de la Colline, 1996) und &#039;&#039;L’Incorruptible&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Unbestechliche&#039;&#039;, Philippe Adrien, Comédie-Française, 1999), beide in der Übersetzung von [[Jean-Yves Masson]]. Letzteres Stück stand auch im Programm der „Agrégation de Lettres modernes“, was für die Verbreitung des Werkes im schulischen Bereich von Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Bereich der literaturwissenschaftlichen Arbeiten seien neben Jean-Yves Massons &#039;&#039;Hofmannsthal, renoncement et métamorphose&#039;&#039; (Lagrasse: Verdier 2000) insbesondere [[Jacques Le Rider|Jacques Le Riders]] &#039;&#039;Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité&#039;&#039; (Paris: PUF 1995) und Pierre-Antoine Hurés &#039;&#039;Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après&#039;&#039; (Paris: Klincksieck 2004) erwähnt, ebenso wie die (unveröffentlichte) Dissertation von Audrey Giboux, &#039;&#039;Hugo von Hofmannsthal et la littérature française classique : enjeux d&#039;une réception créatrice&#039;&#039;, betreut von Jean-Yves Masson, Université Paris-Sorbonne, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Hrsg. von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt/Main: Fischer Verlag 1979–1980.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe in 40 Bänden. Hrsg. von Rudolf Hirsch [u.a.]. Frankfurt/Main: S. Fischer 1975–2022.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe I (1890–1901). Berlin: Fischer 1935.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe II (1900–1909) Wien: Bermann-Fischer 1937.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Austriaca 37 (1993) (Thema: „Modernité de Hofmannsthal“, mit Beiträgen von R. Bauer, J. Le Rider, J.-Y. Masson, G. Stieg, G. Ravy u.a.)&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (Thema: „Hofmannsthal und Frankreich“, mit Beiträgen von C. David, F. Derré, J.-M. Valentin, U. Weisstein, G. Ravy, D. Iehl, P. Por, A. Corbineau-Hoffmann, F. Claudon, J. Body, S. Bogosavljević, J. Stoupy) (1987).&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hrsg. von Mathias Mayer und Julian Werlitz. Stuttgart, Weimar: Metzler 2016.&lt;br /&gt;
*Arlaud, Sylvie: Hofmannsthal’s Return to Molière, 1909-23: The Conditions of Reception. In: Austrian Studies 13 (2005), S. 55–76.&lt;br /&gt;
*Bolterauer, Alice: Selbstvorstellung. Die literarische Selbstreflexion der Wiener Moderne. Freiburg i.Br.: Rombach 2003. &lt;br /&gt;
*Curtius, Ernst Robert: Hofmannsthal und die Romanität. In: Ders.: Kritische Essays zur europäischen Literatur. Bern, München: Francke 1963, S. 122–127.&lt;br /&gt;
*David, Claude: Hofmannsthal als Leser des französischen Schrifttums. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (1987), S. 9–18.&lt;br /&gt;
*Foldenauer, Karl: Hugo von Hofmannsthal und die französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Univ. Diss., Eberhard-Karls-Universität Tübingen 1958.&lt;br /&gt;
*Hellmann, Friedrich Wilhelm: Hofmannsthal und Frankreich: die Bedeutung Frankreichs für Hofmannsthals Wendung zum Sozialen. Univ. Diss., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. 1959.&lt;br /&gt;
*Hirsch, Rudolf: Hofmannsthal und Frankreich. Zwei Beiträge. In: Ders.: Beiträge zum Verständnis Hugo von Hofmannsthals. Frankfurt/Main: Fischer 1995, S. 304–315.&lt;br /&gt;
*Huré, Pierre-Antoine: Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après. Paris: Klincksieck 2004.&lt;br /&gt;
*Krabiel, Klaus-Dieter: „La traduction… une excellente pierre de touche“? Henri Guilbeaux und seine Übertragungen von Gedichten Hugo von Hofmannsthals. In: Marion Steinbach, Dorothee Risse (Hrsg.): „La poésie est dans la vie“. Flânerie durch die Lyrik beiderseits des Rheins. Bonn: Romanistischer Verlag 2000, S. 207–229.&lt;br /&gt;
*Le Rider, Jacques: Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité. Paris: PUF 1995.&lt;br /&gt;
*Masson, Jean-Yves: Hofmannsthal, renoncement et métamorphose. Lagrasse: Verdier 2000.&lt;br /&gt;
*Mayer, Mathias: Hugo von Hofmannsthal. Stuttgart, Weimar: Metzler 1993.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Hofmannsthal und Victor Hugo. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd 9 (1987), S. 103–116.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Regards sur la modernité de Hofmannsthal. In: Austriaca 37 (1993), S. 241–251.&lt;br /&gt;
*Rychner, Max: Hugo von Hofmannsthal. In: Der Monat, Jg. 5, H. 51 (1952), S. 322–328.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Alice Bolterauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(unter Mitwirkung von Marc Lacheny und Karl Zieger)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 24/02/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Hugo_von_Hofmannsthal}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Hofmannsthal, Hugo von}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Romain Rolland</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Rollands Beziehungen zu Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Romain Rolland-1914.jpg|thumb|Romain Rolland, 1914]]&lt;br /&gt;
Als französischer Schriftsteller, Musikologe, Musikkritiker, Pazifist wurde Romain Rolland (29. Januar 1866 in Clamecy – 30. Dezember 1944 in Vézelay) 1915 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er spielte besonders in den (und teilweise nach den) Kriegsjahren 1914–1918 eine wichtige Rolle in der pazifistischen Bewegung in Europa und hatte, vermittelnd zwischen Kulturen, Auffassungen und ideologischen Positionen, auch auf österreichische Intellektuelle einen großen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Rolland entstammte einer bürgerlichen Familie, die 1880 nach Paris zog. Hier studierte er bis 1889 an der École normale supérieure Geschichte und Literatur; 1889–1991 bereitete er seine Doktorarbeit (thèse) in Musikgeschichte in Rom vor, wo er im Salon von Malwida von Meysenburg verkehrte und Wagners Musik kennenlernte; er besuchte auch Bayreuth. 1895 verteidigte er seine Thèse, war danach Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der ENS, danach ab 1904 für Musikgeschichte an der Sorbonne. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg reiste er viel in Europa, schrieb Essays, Kritiken, kunst- und musikhistorische Texte, Erzähltexte und Biographien über Beethoven, Michelangelo, Tolstoi, Händel. Er schrieb auch mehrere Dramen, von denen als erstes &#039;&#039;Les Loups&#039;&#039; (1898) aufgeführt wurde. Zwischen 1904–1912 schrieb er seinen „roman-fleuve“ &#039;&#039;Jean-Christophe&#039;&#039;, der zu einem großen (internationalen) Erfolg wurde und ihm 1915 den Nobelpreis für Literatur bescherte. Seine späteren Werke, Romane (&#039;&#039;Colas Breugnon&#039;&#039;, &#039;&#039;Clérembault&#039;&#039;, &#039;&#039;Pierre et Luce&#039;&#039;, &#039;&#039;L’âme enchantée&#039;&#039;) wurden auch in viele Sprachen übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Rolland in der Schweiz,&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Kemp 1962: 127–130&amp;lt;/ref&amp;gt;, er blieb in Genf und arbeitete bei der &#039;&#039;Internationalen Zweigstelle für Kriegsgefangene&#039;&#039; (Oktober 1914–Juli 1915), im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039; veröffentlichte er eine Reihe von pazifistischen Texten, die auch als Buch erschienen (&#039;&#039;Au-dessus de la mêlée&#039;&#039; [1915]; &#039;&#039;Aux peuples assassinés&#039;&#039; [1917]), in denen er die kriegsführenden Länder kritisierte und eine über den Parteien stehende Position einnahm, sowie unter ihnen zu vermitteln versuchte. In der Schweiz kam er mit vielen Intellektuellen auch aus Deutschland und Österreich in Kontakt (u.a. Andreas Latzko&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd120739755.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Stefan Zweig, Leonhard Frank, Harry Graf Kessler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118561685.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt;, René Schickele&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11860743X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;). Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Rolland eine zeitlang in der Schweiz, näherte sich sozialistisch-revolutionären Ansichten an und sympathisierte mit der Oktoberrevolution bzw. der Sowjetunion (die er 1935 sogar besuchte). Nachdem er in den 1920er Jahren noch an einem Pazifismus ohne irgendeine Gewaltanwendung festhielt (teilweise unter Einfluss von Gandhi), nimmt er angesichts der politischen Entwicklungen der 1930er Jahre allmählich eine kämpferische, Gewalt und Revolution, sogar Krieg (gegen den aufkommenden Faschismus) akzeptierende Haltung ein, wodurch sich viele Freunde von ihm entfernten;&amp;lt;ref&amp;gt;Duchatelet 2010: 15–18&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs resigniert er, zieht sich zurück, versucht immerhin seine Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben: Dass er das erlebt, wird durch seinen Tod im Dezember 1944 verhindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rollands Beziehungen zu Österreich==&lt;br /&gt;
Rollands erste Beziehungen zu Österreich gehen auf sein Interesse und sein Studium der Musik zurück: Er bewundert Mozart und Beethoven, besucht Salzburg und Wien. Erst um 1910 lernt er österreichische Intellektuelle, Literaten kennen. Als Stefan Zweig ab 1908 sich öfter in Paris aufhält, sucht er Rolland auf und macht ihn auch mit anderen Künstlern (u.a. mit [[Rainer Maria Rilke|Rilke]]) bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Baum 2009: 74–80; Cheval 1964: 115–116&amp;lt;/ref&amp;gt; Zweig vermittelt auch Rollands &#039;&#039;Jean-Christophe&#039;&#039; nach Österreich, regt eine deutsche Übersetzung an, die Otto Grautoff übernimmt. Zweig schreibt auch eine positive Kritik über Rolland, beginnt mit ihm einen Briefwechsel, der die wechselvollen Jahre fast bis zum Tod überdauert (1910–1940). Rolland kann sich durch Zweig über die österreichische Literatur informieren, „[i]hm ist es zu verdanken, daß [[Hermann Bahr|Bahr]] und Rilke, [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] und [[Sigmund Freud|Freud]], [[Franz Werfel|Werfel]] und [[Georg Trakl|Trakl]], Petzold&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Alfons_Petzold&amp;lt;/ref&amp;gt; und Latzko in den Gesichtskreis Rollands treten“ &amp;lt;ref&amp;gt;Cheval 1968: 11&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rolland und Zweig==&lt;br /&gt;
Die Beziehung von Rolland und Zweig ist besonders hervorzuheben als Beispiel für eine freundschaftliche Auseinandersetzung zweier Intellektuellen mit den Fragen von Krieg, Nationalismus, Pazifismus, Europäertum und als eine beispielhafte kulturelle Vermittlung über politische und sprachliche Grenzen hinaus. Kulminationspunkt ist der Erste Weltkrieg, bei dessen Ausbruch Rolland in seinen kriegskritischen Veröffentlichungen (u.a. &#039;&#039;Au-dessus de la mêlée&#039;&#039;) im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039; entschieden gegen den Krieg Stellung nimmt; dagegen äußert sich Zweig – im Gegensatz zu seiner erst rückblickend entstandenen, postum publizierten Autobiographie &#039;&#039;Die Welt von Gestern&#039;&#039; – bei Kriegsausbruch widersprüchlich, so u.a. im Essay &#039;&#039;An die Freunde im Fremdland&#039;&#039; im September 1914 und in seinem Tagebuch, in dem er auch kriegsakzeptierende und nationalistisch-patriotische (immerhin ambivalente) Ansichten zeigt, außerdem leistet er Kriegsdienst, zwar nicht mit der Waffe, sondern in der Propagandaabteilung des KPQ in Wien. Erst unter dem Einfluss von Rollands Beharren auf ihrer Freundschaft („Je suis plus fidèle que vous à notre Europe, cher Stefan Zweig, et je ne dis adieu à aucun de mes amis“&amp;lt;ref&amp;gt;Rolland/Zweig 2014: 76&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie des in ihrem Briefwechsel fortgesetzten Dialogs kommt Zweig allmählich zu einem entschieden pazifistischen Standpunkt: Er schreibt sein Drama &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (1917), das, das biblische Thema aktualisierend, eine eindeutige Einstellung gegen den Krieg zum Ausdruck bringt. Nachdem Zweig zur Aufführung des Dramas in die Schweiz fahren darf und sich dort aufhält (ab November 1917 bis März 1919), kommt es zu einem intensiven und auch persönlichen Austausch mit Rolland; Zweigt kann dadurch und auch im Dialog mit anderen in die Schweiz geflüchteten Intellektuellen verschiedener Nationen seine pazifistische Gesinnung begründen und festigen. Rolland hilft – auf Anregung Zweigs – Rilke und Schnitzler&amp;lt;ref&amp;gt;Cheval 1968: 13–14&amp;lt;/ref&amp;gt;: Er setzt sich für Rilke ein und kann mit Hilfe von [[André Gide|Gide]] und Copeau einen Teil von Rilkes versteigerten Büchern, Manuskripten, Möbeln retten. Rolland vermittelt Schnitzler in der „Verleumdungsaffäre“, als diesem in einem (anonymen) fiktiven Interview abschätzende Aussagen über die Literatur und Kultur von Österreichs Kriegsgegner zugeschrieben werden: Rolland übersetzt und veröffentlicht Schnitzlers Erklärung im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039;, in der er die Anschuldigungen dementiert. Zweig bemüht sich seinerseits um Aufführungen von Rollands &#039;&#039;Les Loups&#039;&#039; in Wien, schreibt an einem Buch über Rolland (1921), übersetzt auch Rollands &#039;&#039;Clérembault&#039;&#039; und &#039;&#039;Liluli&#039;&#039; und regt Freunde zu Übersetzungen weiterer Werke Rollands an. 1926 setzt er sich für eine Festschrift zum 60. Geburtstag Rollands ein: das &#039;&#039;Liber Amicorum&#039;&#039; erscheint in Zürich beim Rotapfel-Verlag mit 130 Einträgen, darunter von Österreichern wie [[Paul Amann|Amann]], Bahr, Freud, Latzko, Schnitzler und Zweig selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig und Rolland setzen ihren Briefwechsel nach dem Ersten Weltkrieg fort, beide nehmen an verschiedenen pazifistischen Bewegungen und Organisationen teil; ihre Meinungen gehen aber Schritt für Schritt in andere Richtungen: Rolland orientiert sich sozialistisch gesinnt und sympathisiert allmählich mit der Revolution und der Sowjetunion, Zweig dagegen bewahrt seine Skepsis und konservative Haltung – immerhin bleiben beide ihrer europäisch-pazifistischen Gesinnung treu –, bis das Aufkommen des Faschismus, der „Anschluss“ und der Zweite Weltkrieg – auch wegen Zweigs Exil in England und Brasilien – kaum überwindbare Hürden darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präsenz Rollands „im öffentlichen Bewußtsein“&amp;lt;ref&amp;gt;Hertrampf 2018: 10&amp;lt;/ref&amp;gt; nimmt in Frankreich seit den 2010er Jahren zu, in Deutschland war Rollands Rezeption in der BRD und der DDR ziemlich ungleich, erst in den letzten zehn Jahren wird Rolland und seinen deutsch-österreichischen Beziehungen wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Immerhin bleibt es weiterhin ein Wunsch, ihn in der Forschung sichtbarer zu machen, neu zu bewerten und neue Forschungsperspektiven zu öffnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hertrampf 2018: 13–14&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Romain, Rolland: Au-dessus de la mêlée. Paris: Payot 2019.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain: Jean-Christophe. Paris: Albin Michel 1967.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain: Das Gewissen Europas. Tagebuch der Kriegsjahre 1914–1919. Aufzeichnungen zur Moralgeschichte Europas in jener Zeit, Band I, II, III. Aus d. Franz. übersetzt v. Cornelia Lehmann, mit einem Vorwort von Gerhard Schewe. Berlin: Rütten &amp;amp; Loening 21983.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 1: 1910–1919. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2014.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 2: 1920–1927. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2015.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 3: 1928–1940. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2016.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan – Rolland Romain: Von Welt zu Welt: Briefe einer Freundschaft 1914–1918. Berlin: Aufbau Verlag 2014.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Der Mann und das Werk. Frankfurt/Main: Rütten &amp;amp; Loening 1921.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Tagebücher, hrsg. von Knut Beck. Frankfurt/Main: S. Fischer 1984.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Frankfurt/Main: S. Fischer 1917.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Battiston, Régine et al. (Hg.): „Ich liebte Frankreich wie eine zweite Heimat“. Neue Studien zu Stefan Zweig – „J’aimais la France comme ma seconde patrie“: actualité[s] de Stefan Zweig. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2011.&lt;br /&gt;
*Baum, Wilhelm: Paris und die Kultur der Moderne in Österreich. Österreichisch-französische Kulturbeziehungen 1880–1970. Klagenfurt – Wien: kitab-Verlag 2009.&lt;br /&gt;
*Cheval, René: Romain Rolland, l’Allemagne et la guerre. Paris: PUF 1963.&lt;br /&gt;
*Cheval, René: Romain Rollands Begegnungen mit Österreich. Innsbruck: Universitätsverlag 1968.&lt;br /&gt;
*Duchatelet, Bernard (Hg.): Romain Rolland, une œuvre de paix. Paris: Publications de la Sorbonne 2010.&lt;br /&gt;
*Hertrampf, Marina Ortrud (Hg.): Romain Rolland und die deutschsprachigen Länder. Verbindungen – Wahrnehmung – Rezeption. Berlin: Frank &amp;amp; Timme, 2018.&lt;br /&gt;
*Hertrampf, Marina Ortrud (Hg.): Frieden! Pazifistische Gedanken im Umkreis von Romain Rolland. München: Akademische Verlagsgesellschaft 2022.&lt;br /&gt;
*Kemp, Marcelle: Romain Rolland et l’Allemagne. Paris: Debresse 1963.&lt;br /&gt;
*Klepsch, Michael: Romain Rolland im Ersten Weltkrieg. Ein Intellektueller auf verlorenem Posten. Stuttgart u.a.: Kohlhammer 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin== &lt;br /&gt;
Magdolna Orosz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 28/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Romain_Rolland}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Rolland, Romain}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Rainer_Maria_Rilke nur im französischsprachigen Wiki].  {{otherWiki|Rainer_Maria_Rilke}} {{DEFAULTSORT: Rilke, Rainer Maria}} Category:Mensch“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Rainer_Maria_Rilke nur im französischsprachigen Wiki]. &lt;br /&gt;
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[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Doderer.jpg|230px|thumb|Heimito von Doderer (1966)]] Heimito von Doderer (* 5. September 1896 in Hadersdorf-Weidlingau, † 23. Dezember 1966 in Wien) galt vielleicht als „österreichischster Dichter Österreichs&amp;lt;ref&amp;gt;Torberg in Schaffgotsch 1972, S. 167&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Seine großen Romane &#039;&#039;Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre&#039;&#039; (1951) und &#039;&#039;Die Dämonen. Nach dem Sektionsrat Geyrenhoff&#039;&#039; (1956) spielen im Wien der 1920er Jahre während der 1. Republik und haben indirekt zur Stärkung einer österreichischen Identität in der 2. Republik beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Doch dieses scheinbar angeborene Österreichertum ist in Wirklichkeit erst das Ergebnis einer persönlichen Entwicklung in einem in geographischer und ideologischer Hinsicht bewegten Leben. Doderers Familie stammte aus Deutschland (Heilbronn), und Heimito wurde wie die anderen fünf Kinder evangelisch getauft. Als Kriegsgefangener blieb Doderer von 1916 bis 1920 in mehreren russischen Lagern, wo er zu schreiben begann. Die russische Gefangenschaft wirkte wie eine Befreiung von den „bürgerlichen“ Erwartungen der Familie: Doderer behielt sein Leben lang ein sehr positives Bild von Russlands Landschaften und Menschen, das sich u.a. in seinem ersten Roman &#039;&#039;Das Geheimnis des Reichs&#039;&#039; (1930) und in seinem letzten (unvollendeten) &#039;&#039;Der Grenzwald&#039;&#039; (1967, posthum) niederschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Russland wurde aber auch Deutschland in den 1930er Jahren zu einem neuen Leitbild: Der Beitritt zur österreichischen NSDAP am 1. April 1933 und die Arbeit am antisemitisch ausgerichteten Roman &#039;&#039;Die Dämonen der Ostmark&#039;&#039; bis 1936 zeigt, wie der deutschnationale familiäre Hintergrund hier nun bestimmend wurde. Der Roman sollte den vermeintlichen Einfluss „der Juden“ im privaten Leben, in Presse und Wirtschaft in Wien anprangern. Doch nachdem Doderer in Deutschland (von 1936 bis 1938 wohnte er in Dachau) keinen Verleger für seinen Roman fand, distanzierte er sich allmählich vom Nationalsozialismus und konvertierte im April 1940 zum Katholizismus. Während des 2. Weltkriegs erfolgten eine ähnliche Bekehrung zu Österreich und seiner Literatur (er entdeckte am Anfang der 1940er Jahre [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]] und [[Franz Grillparzer|Grillparzer]] neu) und eine Abwendung von allem „Reichsdeutschen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lehrjahre des Schriftstellers im Zeichen des französischen Realismus und Naturalismus==&lt;br /&gt;
Doch eine dritte Kultur hat Doderers literarischen Werdegang begleitet: Über die in einer großbürgerlichen Familie üblichen Französischkenntnisse hinaus haben französische Autoren und Frankreich eine dauerhafte und für seine Romanauffassung wichtige Rolle gespielt. Obwohl Doderer nach der Rückkehr aus Russland vor allem Geschichte an der Wiener Universität studierte (aber auch „Französisch um 1500“ bei Elise Richter im Sommersemester 1922), enthalten seine frühen Tagebücher ab 1920 viele Hinweise auf seine Lektüren: Eindrücke von gelesenen Büchern oder programmatische Listen. Darunter sind französische Romanschriftsteller stark vertreten, besonders Realisten und Naturalisten. So beeindruckte ihn Balzacs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz148392.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Eugénie Grandet&#039;&#039; noch mehr als Dostojewskis &#039;&#039;Schuld und Sühne&#039;&#039;: „Was mir hier zumeist auffiel, ist die edle Sachlichkeit der Darstellung (fast in der Art eines Berichtes), der große &#039;&#039;Wirklichkeitssinn&#039;&#039; des Autor’s, was beides das Fehlen jeder schlechten Sentimentalität zur Folge hat&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1996, [1921], S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Damit werden sehr früh zwei technisch-ästhetische Aspekte benannt, die Doderer immer wieder vereinigen möchte: Realismus und Ausdrucksstärke. In Balzac sieht Doderer den „&#039;&#039;eigentlichen&#039;&#039; Geschichtsschreiber seiner Zeit“, wie in Stendhal&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1925], S. 277&amp;lt;/ref&amp;gt;, wobei er letzterem seine „trockene Art“ und „unfruchtbare Härte“ vorwirft&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1934], S. 636 &amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch die „Härte“ der Schreibweise ist beim eigentlichen Vorbild [[Émile Zola]] durch und durch positiv, wie das frühe Lob auf dessen &#039;&#039;Pot-Bouille&#039;&#039; zeigt: „Dies ist großartig; die Technik eine sehr sparsame und anspruchslose&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1924], S. 256–257 &amp;lt;/ref&amp;gt;“. Für Doderer ist der Naturalismus längst nicht überwunden, indem sich „eine neue Rechtfertigung für den alten Naturalismus eröffnet: nämlich eine hervorragende Rolle bei der &#039;&#039;Wiedergewinnung der Anschaulichkeit&#039;&#039; zu spielen&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1943], S. 1256, aus einem Brief an Lu Laporte, Lektorin bei C.H. Beck.&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Noch kurz vor der Veröffentlichung der &#039;&#039;Strudlhofstiege&#039;&#039; empfindet Doderer den Naturalismus à la Zola als Gegengift gegen die verfälschende Sprache aller lebensfeindlichen Privatideologien: „Warum sollte man es nicht wagen, versuchsweise ein Zolaist zu werden?! Als Therapie!&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1964 [1950], S. 786&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Zola ist aber ein Lyriker sein noch größeres Vorbild – [[Baudelaire]], wobei es ihm weniger um Literatur als um den geistigen und „männlichen“ Charakter geht: „Er ist für mich fast wie ein Bruder geworden – ironisch, scharf, klar, durchaus gelüftet und un-verdrängt, ein Mannsbild, das sich nicht geniert&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1996 [1939], S. 1157&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Baudelaire wird meist aus dem posthum erschienenen Band &#039;&#039;Mon cœur mis à nu&#039;&#039; zitiert und verkörpert das Ideal des freien Künstlertums, weg von den Massen und den bürgerlichen Konventionen, sowie die Autonomie des Autors, dessen Biographie keine Bedeutung haben darf: „der Künstler geht nie aus sich heraus&amp;lt;ref&amp;gt;„l’artiste ne sort jamais de lui-même“ Ebd. [1939] S. 1169&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Baudelaire fungiert somit als Mentor, der ihn „durch das geschriebene Wort […] zur Ordnung&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1938], S. 1134&amp;lt;/ref&amp;gt;“ ruft. Als Doderer im Frühjahr 1958 kurz nach Paris kommt, besucht er auch das Grab Baudelaires&amp;lt;ref&amp;gt;Fleischer 1996, S. 461&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Als Offizier der Wehrmacht in Frankreich==&lt;br /&gt;
Doderer war aber schon mehr als 15 Jahre zuvor und für längere Zeit in Frankreich gewesen: Als Offizier der deutschen Luftwaffe wurde er vom 23. August 1940 bis zum 17. April 1942 stationiert – d.h. immer wieder von einem Ort zu einem anderen versetzt, zunächst vorwiegend in der Normandie, ab Anfang 1941 in Südwestfrankreich, in Bordeaux, Biarritz und besonders Mont-de-Marsan. Seine Aufgaben bestanden in Verwaltungsarbeit für das Bodenpersonal auf Fliegerhorsten&amp;lt;ref&amp;gt;Fleischer 1996, S. 301-310 ; Kleinlercher 2011, S. 99-102&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aus &#039;&#039;Tangenten&#039;&#039;, der von Doderer selbst getroffenen Auswahl aus seinen Tagebüchern von 1940 bis 1950, erfährt man sehr wenig Konkretes über diese Zeit. Doch sowohl sein Kurzaufenthalt in Paris bei seiner Ankunft (er wohnte im Hotel Saint-Malo, 2 rue d’Odessa) als auch das angenehme Leben in mehreren anderen Städten sind ihm in guter Erinnerung geblieben. Vor allem waren diese anderthalb Jahre in Frankreich eine Zeit, in der Doderer zum Schreiben zurückfand, nachdem sein großes Romanprojekt der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; gescheitert war und es ihm erst mit weniger anspruchsvollen Formen wie dem Kriminalroman (&#039;&#039;Ein Mord den jeder begeht&#039;&#039;, 1938) und dem historischen Roman (&#039;&#039;Ein Umweg&#039;&#039;, 1940) gelungen war, seine Texte bei C.H. Beck zu veröffentlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Frankreich begann Doderer den reflektierenden und abrechnenden „Epilog auf den Sektionsrat Geyrenhoff“ zu schreiben, der die Unterbrechung der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; thematisiert. In Mont-de-Marsan wurden Erinnerungen an Wien wach, die die Grundlage für die Wiederaufnahme von Kulisse und Personal der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; unter anderen, entpolitisierten Vorzeichen bildeten: Die drei „französischen“ Einträge stehen tatsächlich am Anfang vom „Weg zur Strudlhofstiege&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1964, S. 101&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Insofern spielte Frankreich für den Offizier der Besatzungsarmee von 1940 bis 1942 eine vergleichbare Rolle wie Russland für den Gefangenen von 1916 bis 1920: eine von außen auferlegte Pause in seinem Leben, die ihm einen schriftstellerischen Neuanfang ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konkurrenz mit der französischen Literatur==&lt;br /&gt;
Bei Doderers Rückkehr nach Paris 1958 war er inzwischen ein international bekannter Autor geworden, der ein Jahr zuvor den Großen Österreichischen Staatspreis erhalten hatte und sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen worden war. Als weiteres Zeichen dieser Anerkennung hielt Doderer am 22. März 1958 in der Sorbonne den Vortrag „Grundlagen und Funktion des Romans“ vor der Société des Études Germaniques, die um dieselbe Zeit Ernst Schönwiese zu einem Vortrag über „Die österreichische Lyrik der Gegenwart“ eingeladen hatte. In „Grundlagen und Funktion des Romans“ erwähnt Doderer Baudelaires Lob auf die „Mechanik des Geistes“ und unterstreicht die „Bedeutung des Gedächtnisses“ bei Proust&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz116026.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, da der an sich passive Epiker erst aus der Distanz der Erinnerung einen Stoff bearbeiten könne, seinen eigenen „Stand“ wie Jeanne d’Arc aufgeben müsse. Die Bezüge auf die französische Literatur und Kultur sind hier z.T. durch die französischen Adressaten bedingt, doch der Schlussteil des Vortrages enthält eine vernichtende Antwort auf die (für Doderer bloß intellektualistisch eingebildete) „Krise des Romans“: „der Salzburger Schnürlregen der Assoziationen bei James Joyce, die im Essayismus erstickende fadendünne Handlung bei [[Robert Musil|Musil]], und die geradezu gewaltige Dynamik der Langeweile bei Marcel Proust“ sind bloß Symptome einer persönlichen Krise der Autoren selbst. Waren in den 1920er und 1930er Jahren französische Romanciers aus dem 19. Jahrhundert für den jungen, sich literarisch vortastenden Doderer noch Vorbilder, so steht nun Proust als prominentes Beispiel für eine anachronistische Verirrung des Romans in den Augen eines selbstbewussten Autors, der sich selbst als künstlerisch avancierter wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die französische Literatur spielt ein letztes Mal in seinem letzten, unvollendeten Roman eine Rolle. Bei der Arbeit am &#039;&#039;Grenzwald&#039;&#039; verwendete Doderer für seinen aus seiner Sicht neuen Schreibstil einen französischen Ausdruck: „Der ,roman muet‘, die schweigende gestaltweise Erzählung, stellt den äußersten Gegensatz dar zum Schreiben über irgendetwas – sei’s im Essay oder im ,Sachbuch‘ – auf welch’ letztere Weise Sprache heute nicht mehr möglich ist, ohne journalistisch zu werden&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1986 [1965], S. 465&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Es ist zum einen eine Abwandlung der alten, an Balzac und Zola geübten Forderung nach Sachlichkeit und Sparsamkeit, zum anderen aber eine thematische Annäherung an den französischen Nouveau Roman seit der Mitte der 1950er Jahre: „Die Unwissenheit der Figuren wird im Roman Nouveau nicht größer sein wie in meinem Roman Muet&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1967 [1966], S. 268&amp;lt;/ref&amp;gt;“. In den Tagebüchern werden nirgends Vertreter dieser Strömung erwähnt (etwa Robbe-Grillet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz133301.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Sarraute&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz133302.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Butor&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118518135.html&amp;lt;/ref&amp;gt;), aber Doderer scheint wichtig zu sein, dass er mit der jüngeren ästhetischen Entwicklung Schritt hält, schon durch die Ähnlichkeit der französischen Selbstbezeichnung – und dass er der Konkurrenz wohl wieder überlegen ist, wie der nächste Satz aus demselben Eintrag zeigt: „Nur fehlt im ersteren [dem französischen Nouveau Roman] ihre Ortung im fatologischen Gewebe“. Trotz einer möglichen Gemeinsamkeit in Bezug auf die Beschreibung und Funktion von Gegenständen im französischen Nouveau Roman und bei Doderer fehlt es wohl in seinen Augen an einer (realistisch-naturalistischen) Verankerung einer echten Handlung in einer konkreten, historischen, datierbaren Wirklichkeit. Dafür entgeht Doderer die experimentelle und spielerische Dimension des Nouveau Roman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinen ersten literarischen Versuchen bis zu wenigen Monaten vor seinem Tod blieben so französische Autoren eine wenig sichtbare, doch unterschwellig wichtige Größe in Doderers Romanästhetik, ob man von ihnen lernte oder sie verwarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption von Doderers Texten in Frankreich==&lt;br /&gt;
Doderers Rezeption in Frankreich ist zunächst und vor allem durch Übersetzungen bestimmt: Ein Umweg wurde schon 1943 vom Schweizer Blaise Briod&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/116521473.html&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1981) als &#039;&#039;Sursis&#039;&#039; übersetzt und in Paris bei Plon veröffentlicht. Wahrscheinlich war die treibende Kraft der Lektor des Beck-Verlages, Horst Wiemer, der in der Besatzungszeit auch kommissarischer Leiter vom Verlag Hachette in Paris war&amp;lt;ref&amp;gt;Sommer 2020, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch deutschsprachige Literatur war nicht überraschend um diese Zeit und nach dem Krieg wenig gefragt, und diese frühe Berührung mit Frankreich blieb folgenlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1965 erschien ein anderer Roman Doderers in französischer Übersetzung, der aber das Zeichen seines neuen internationalen Stellenwerts war: Für Gallimard übersetzte Robert Rovini&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Robert-Rovini/190452&amp;lt;/ref&amp;gt; (1926–1968) mit &#039;&#039;Les Démons&#039;&#039; gleich das Hauptwerk (dessen englische Übersetzung 1962 erfolgt war). Rovini hatte im selben Jahr „Grundlagen und Funktion des Romans“ übersetzt (in der Zeitschrift &#039;&#039;Les Temps modernes&#039;&#039; 21/234) und 1964 in &#039;&#039;Cahiers du sud&#039;&#039; 51/380 seinen eigenen Aufsatz „Styles et Démons“ veröffentlicht. Dieses Heft enthielt außerdem die französische Fassung vom Vortrag „Von der Wiederkehr Österreichs“ („Le renouveau autrichien“), die Doderer am 8. Mai 1964 in Athen auf Französisch gehalten hatte, sowie den Aufsatz von Ernst Erich Noth&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.deutsche-biographie.de/10998689X.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Heimito von Doderer“ – es sind die ersten Ansätze einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Doderer in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte der 1980er Jahre übersetzte Pierre Deshusses mehrere Bücher bei Rivages: &#039;&#039;Un meurtre que tout le monde commet&#039;&#039; (1986), &#039;&#039;Les Chutes de Slunj&#039;&#039; (1987), &#039;&#039;Les Fenêtres éclairées&#039;&#039; (1990), &#039;&#039;Divertimenti&#039;&#039; (1996). Der Schweizer Raymond Voyat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Raymond-Voyat/189750&amp;lt;/ref&amp;gt; übersetzte Kurz- und Kürzestgeschichten, &#039;&#039;Histoires brèves et ultra-brèves&#039;&#039; (Périple, 1998). Erst 2020 wurde von Rachel Bouyssou und Herbert Bruch &#039;&#039;Die Strudlhofstiege&#039;&#039; übersetzt, die Doderers Ruhm zunächst in Österreich begründet hatte: &#039;&#039;L’Escalier du Strudlhof ou Melzer et la profondeur des ans&#039;&#039; (bei Carte Blanche, Montréal).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Tangenten. Tagebuch eines Schriftstellers. Wien: Luckmann 1964.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Der Grenzwald. München: Biederstein 1967.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Commentarii 1957–1966. Tagebücher aus dem Nachlaß, Bd. 2. München: Biederstein 1986.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Tagebücher 1920–1939 (2 Bände). Hrsg. v. Wendelin Schmidt-Dengler, Martin Loew-Cadonna und Gerald Sommer. München: Beck 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Chevrel, Éric: Les romans de Heimito von Doderer. L’ordre des choses, du temps et de la langue. Berne et al.: Peter Lang 2008. &lt;br /&gt;
*Fleischer, Wolfgang: Das verleugnete Leben. Die Biographie des Heimito von Doderer. Wien: Kremayr &amp;amp; Scheriau 1996.&lt;br /&gt;
*Kleinlercher, Alexandra: Zwischen Wahrheit und Dichtung. Antisemitismus und Nationalsozialismus bei Heimito von Doderer. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2011.&lt;br /&gt;
*Schaffgotsch, Xaver (Hrsg.): Erinnerungen an Heimito von Doderer. München: Biederstein 1972.&lt;br /&gt;
*Sommer, Gerald: Das Werk Heimito von Doderers, übersetzt in 30 Sprachen – eine Bilanz. In: Norbert Bachleitner (Hrsg.): Literary Translation, reception and Transfer. Berlin: De Gruyter 2020, S. 41–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Éric Chevrel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 04/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Heimito_von_Doderer}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Doderer, Heimito von}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Franz_Grillparzer nur im französischsprachigen Wiki].  {{otherWiki|Franz_Grillparzer}}  {{DEFAULTSORT: Grillparzer, Franz}} Category:Mensch“&lt;/p&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Austriaca</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Beispiele für den Beitrag der Zeitschrift zur Erforschung des kulturellen Austausches zwischen Frankreich und Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Fachzeitschrift &#039;&#039;Austriaca, Cahiers universtaires d’information sur l’Autriche&#039;&#039;, wurde 1975 an der Universität Rouen von [[Felix Kreissler]] (1917–2004) gegründet; Kreissler war ein Wiener Jude, der 1937 aufgrund der politischen Situation in seinem Herkunftsland und aufgrund seines Engagements gegen den Austrofaschismus nach Frankreich geflohen war, sich während der « Occupation » der französischen « Résistance » angeschlossen hat und nach Folterungen im Gestapo-Kerker des Gefängnisses von Montluc&amp;lt;ref&amp;gt;Françoise Kreissler 2018 und 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Buchenwald deportiert worden ist. Die Gründung der Zeitschrift erfolgt nur zwei Jahre nach jener des Centre d’Études et de Recherches autrichiennes (CERA), aus dem sie hervorgegangen ist. Die Besonderheit von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; besteht darin, dass sie auch heute noch die einzige französische universitäre Fachzeitschrift ist, die ausschließlich Österreich gewidmet ist. Im Rahmen einer einzigartigen Struktur ergänzt sie zwei Sammlungen, nämlich « France-Autriche »&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.purh-ed.fr/collection/?collection_ID=343&amp;lt;/ref&amp;gt; und « Études autrichiennes »&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.purh-ed.fr/collection/?collection_ID=341&amp;lt;/ref&amp;gt;, die institutionell ebenfalls zu den Presses de l’Université de Rouen (jetzt Presses universitaires de Rouen et du Havre) gehören. Von Beginn an erscheinen pro Jahr zwei thematische Nummern, die auch eine Sektion &#039;&#039;Varia&#039;&#039;, sowie regelmäßige Chroniken zur politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Aktualität in Österreich enthalten; die Zeitschrift erfüllt damit die Vermittlerrolle zwischen den beiden Ländern, wie sie von ihrem Gründer beabsichtigt wurde und von den Mitgliedern des Redaktionskomitees getragen wird, die so gemeinsam ein Organ geschaffen haben, das einem weiten französischen Publikum erlaubt, die verschiedenen Facetten des österreichischen Lebens, sowie seiner künstlerischen und literarischen Schöpfungen zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Anfänge==&lt;br /&gt;
Von Anfang an machte die Zeitschrift allein schon durch ihren Untertitel « &#039;&#039;Cahiers universitaires d&#039;information sur l’Autriche&#039;&#039; » ihren Anspruch deutlich, ein Organ der « Information und Forschung über Österreich in einem interdisziplinären, wissenschaftlichen und offenen Geist »&amp;lt;ref&amp;gt;Autriche. Bilan 75, « Préface »: 10&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sein. Was im Rückblick als selbstverständlich erscheint, war in einer Zeit, in der die französische Germanistik noch fast ausschließlich auf die deutsche Realität ausgerichtet war und in der es zu allererst darum ging, für die Anerkennung einer österreichischen Besonderheit innerhalb des Faches&amp;lt;ref&amp;gt;Ravy 1998: 187&amp;lt;/ref&amp;gt; zu wirken, alles andere als selbstverständlich. Die Erkenntnis dieses Defizits, dieser Unklarheit, hat einige französische Wissenschaftler, darunter manche österreichischer Herkunft wie [[Richard Thieberger]], Gertrude Stolwitzer und [[Gerald Stieg]], veranlasst, das von [[Felix Kreissler]] initiierte Projekt begleitend zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab der Nummer 15 (1982) übernahmen zwei Redaktionssekretäre die Nachfolge von Felix Kreissler, nämlich Gerald Stieg und [[Gilbert Ravy]]. Letzterem folgte im Jahr 2000 Paul Pasteur&amp;lt;ref&amp;gt;https://grhis.univ-rouen.fr/grhis/?page_id=654&amp;lt;/ref&amp;gt;, der dann ein Tandem mit [[Jacques Lajarrige]] bildete; dieser formte in der Folge ein Team mit Ute Weinmann und schließlich mit Jean-Numa Ducange als Co-Chefredakteure. Jacques Lajarrige ist außerdem seit 2004 « &#039;&#039;Directeur de la publication&#039;&#039; ».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Aufgabe der Redaktionskomitees war es, eine möglichst genaue Bestandsaufnahme der Forschungsthematiken zu erheben, die in den französischen Universitäten dem Thema Österreich bereits gewidmet wurden, um so Kontakte mit betroffenen Personen (Kolleginnen und Kollegen) knüpfen zu können, in der Hoffnung, in ihnen wirksame Multiplikatoren und mögliche zukünftige Mitarbeiter der Zeitschrift zu finden. Sehr früh fand &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; auch Unterstützung von zahlreichen österreichischen Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wissenschaft; diese unterstützten klar die vielfachen Ziele, die darin bestanden, der Österreich-Forschung in Frankreich entscheidende Impulse zu geben, eine neue Sichtweise der Geschichte Österreichs anzubieten, wobei es vor allem darum ging, die Idee der Existenz einer österreichischen Nation durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Castellan 1975: 12&amp;lt;/ref&amp;gt; Über den plakativen Effekt hinaus kann man den historischen Sinn einer militanten Unternehmung wie &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; nicht verstehen, wenn man die unerschütterliche Überzeugung ausser Acht lässt, dass Österreich sehr wohl als politische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit existiert und als demokratisches Projekt lebensfähig ist, das von einer « nationalen Gemeinschaft »&amp;lt;ref&amp;gt;Autriche. Bilan 75, « Préface »: 7&amp;lt;/ref&amp;gt; geteilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Basis erhebt die Zeitschrift den Anspruch, ein Ort der Auseinandersetzung und der Analyse der österreichich-französischen Beziehungen sowie der Geschichte des Kulturtransfers zwischen den beiden Ländern zu sein. Dazu gehört auch die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, die besonders in der Organisation von internationalen Tagungen ihren Ausdruck findet, die wiederum Gegenstand von « Sondernummern » der Zeitschrift sind, die sich durch ihren roten Umschlag klar vom Grün der normalen Reihe unterscheiden. Diese Sondernummern fanden ein beachtliches Echo, wie zum Beispiel die drei Bände des ehrgeizigen Projekts &#039;&#039;Deux fois l’Autriche. Après 1918 et après 1945&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1978–1979&amp;lt;/ref&amp;gt;, die ein breites Spektrum behandeln, wobei die Themen von der (inneren und äusseren) politischen Geschichte über Literatur, Kunst, Widerstand, Antifaschismus und Tourismus bis zu den österreichisch-französischen Beziehungen reichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der unmittelbaren Aktualität großer Raum gewidmet wird, so ist den Verantwortlichen der Zeitschrift doch auch daran gelegen, eine weite chronologische und thematische Spannweite abzudecken mit wissenschaftlichen Originalbeiträgen in französischer und deutscher Sprache (gelegentlich auch in Englisch), die sich sowohl mit der Literaturgeschichte, als auch mit der (politischen, wirtschaftlichen und juridischen) Ideen- und Kulturgeschichte dieses Landes beschäftigen; dabei wird Österreich in seinen verschiedenen, aufeinanderfolgenden territorialen, politischen und historischen Dimensionen verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Interesse an der Beständigkeit der intellektuellen Bande, die Frankreich und Österreich über die Wirren der Geschichte hinaus verbinden, und der damit verbundene Kulturtransfer zwischen den beiden Ländern, gehört zur DNA der Zeitschrift; sie widmet sich diesen Herausforderungen auf vielfache Weise und nach verschiedenen Ansatzpunkten, wobei auf eine ständige Aktualisierung der Methoden geachtet wird, die sowohl dank der thematischen Vielfalt, als auch durch die Form der Beiträge und die Verschiedenheit der internationalen Beiträger gewährleistet ist. Dies lässt sich konkret anhand einer langen historischen Periode illustrieren, für die die von Felix Kreissler in Rouen organisierte Tagung (29. Februar – 2. März 1984) über die &#039;&#039;Relations franco-autrichiennes 1870-1970&#039;&#039;, deren Beiträge in einer Sondernummer&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1986&amp;lt;/ref&amp;gt; veröffentlicht wurden, ein gutes Beispiel ist. Das gilt aber auch für einen kleineren Maßstab und enger gefasste Perioden wie zum Beispiel das Engagement von Österreichern in der französischen &#039;&#039;Résistance&#039;&#039; (&#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; Nr. 17), für das Thema der Entwurzelung, unter der die nach Frankreich emigrierten österreichischen Schriftsteller leiden (Nr. 19), oder auch für die Auswirkungen des Exils und der Rückkehr aus dem Exil auf das literarische Schaffen (Nr. 56).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beispiele für den Beitrag der Zeitschrift zur Erforschung des kulturellen Austausches zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Die zahlreichen Beziehungen, die die österreichischen Schriftsteller mit der französischen Kultur verbinden, werden in der Zeitschrift mehrfach behandelt. Erwähnt seien hier die dem Verhältnis [[Johann Nestroy|Nestroys]] zu Frankreich gewidmete Nummer 75 (&#039;&#039;Les relations de Johann Nestroy avec la France&#039;&#039;), oder die Nummer 91, die den besonderen Platz vor allem französischer Künstlerfiguren im Werk von [[Stefan Zweig]] beleuchtet, der unter anderen [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaine]], Rimbaud, und Baudelaire übersetzt und ihnen auch Essays gewidmet hat, oder im Bereich der Ideengeschichte die Aufnahme der Französischen Revolution in Österreich, die treffend zu den 200-Jahr-Feiern 1989 in der Nummer 29 behandelt wurde. Die Wahl dieser Themen spiegelt den Willen wider, die Zeitschrift nicht nur zu einem unumgänglichen Ort der Begegnung zu machen, sondern auch ihrerseits aktiv sur Entwicklung dieser Transfers und ihrer historischen Einordnung beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bereich der Literatur erfüllt die Zeitschrift vollauf ihre Rolle als Informationsquelle und Organ der Verbreitung österreichischer Kultur in Frankreich, indem sie regelmäßig den großen Schriftstellern ([[Adalbert Stifter|Stifter]], [[Karl Kraus|Kraus]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Robert Musil|Musil]], [[Joseph Roth|Roth]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Elias Canetti|Canetti]], Rezzori&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Gregor-von-Rezzori/173482&amp;lt;/ref&amp;gt;, etc.) eigene Nummern widmet. In diesem Zusammenhang kann nicht genug betont werden, dass es von Anfang an das vorrangige Bemühen war, in den französischen Köpfen die Idee der Existenz und der Besonderheit einer österreichischen Literatur im Vergleich zur deutschen Literatur zu verankern, sie in ihrer historischen Dimension zu erfassen und dabei den jüngsten zeitgenössischen Entwicklungen den gebührenden Raum zu geben, wie das bei [[Ingeborg Bachmann|Bachmann]] und Fried, bei [[Peter Hankde|Handke]] und [[Elfriede Jelinek|Jelinek]], die seither beide mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ähnlicher Weise konnte auch die Rolle der Agenten der Rezeption französischer Literatur in Österreich anhand einer ganzen literarischen Strömung untersucht werden, wie zum Beispiel in der Nummer 86 (&#039;&#039;Le naturalisme en Autriche&#039;&#039;), die aufgrund neuer Erkenntnisse das Problem der Existenz, innerhalb der österreichischen Literatur, eines von französischen Vorbildern inspirierten Naturalismus aufgreift und dabei die bisher vorherrschende Meinung, derzufolge die österreichische Literatur nur wenig mit dieser europäischen literarischen Strömung gemein hätte, in Frage stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nummer 49 (1999), &#039;&#039;Actualité de Karl Kraus&#039;&#039;, ist aus einer von [[Jacques Bouveresse]] und [[Gerald Stieg]] anlässlich des hundertsten Geburtstags der &#039;&#039;Fackel&#039;&#039; organisierten Tagung hervorgegangen und erlaubte ebenfalls der Forschung neue Impulse und Orientierungen zu geben. Ihre Novität und ihre Tragweite hinsichtlich der Rezeption liegen auch darin begründet, dass sie ein fruchtbares Unterfangen war, eine Verbindung zwischen den Arbeiten von Pierre Bourdieu&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article17557&amp;lt;/ref&amp;gt; über das Funktionieren der (Massen-)Medien und Kraus’ Kampf herzustellen, mit dem er den öffentlichen Diskurs seiner Zeit demaskiert hat. Der komparatistische Ansatz erlaubte es hier, eine Parallele herzustellen mit der Gründung des Verlags &#039;&#039;Raisons d’agir&#039;&#039; durch Bourdieu und mit dessen Arbeiten über die Presse, insbesondere mit den Essays &#039;&#039;Sur la télévision&#039;&#039; und &#039;&#039;L’emprise du journalisme&#039;&#039;, die eine Schule der Resistenz gegen die Allmacht der Medien darstellen und gerade wegen ihrer Verwandtschaft zur &#039;&#039;Fackel&#039;&#039; die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine andere bewusste Nahverbindung besteht zu &#039;&#039;Prodiges et vertiges de l’analogie&#039;&#039; (1999) von Jacques Bouveresse, wobei der Einfluss von Kraus klar herausgearbeitet und auch anerkannt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es hier nicht möglich ist, eine vollständige Darstellung der Beiträge der Zeitschrift zu den österreichisch-französischen Kulturtransfers zu bieten, mögen einige Beispiele genügen, um ihren großen Umfang und ihre Vielfalt zu zeigen. Der Wille, keinen Aspekt der Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu vernachlässigen und sich nicht nur auf die Bereiche von Kunst und Literatur zu beschränken, spiegelt sich im Untertitel der Nummer 63 wider: &#039;&#039;Autriche / France. Transferts d’idées – histoires parallèles ? Sciences – Philosophie – Droit – Politique&#039;&#039;, wobei das Fragezeichen suggeriert, dass diese Fragestellung es verdient, nicht von vorneherein als Selbstverständlichkeit abgetan zu werden, die man nicht mehr zu hinterfragen bräuchte. Von der Feststellung eines Ungleichgewichts zugunsten Frankreichs in Sachen Transfer ausgehend, nimmt diese Nummer zur Kenntnis, dass die bisherigen Arbeiten in &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; zum Transfer Österreichs in Richtung Frankreich zahlreicher sind als in der anderen Richtung und dass sie sich bisher vorwiegend auf die Künste und die Literatur konzentriert haben. Die Bestandsaufnahme hat sich in dieser Nummer also logischerweise auf die Bereiche Wissenschaften, Philosophie, Wirtschafts- und Rechtstheorie und auf die Politik von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum historischen Bruch von 1938 konzentriert. Die verschiedenen Beiträge behandeln nicht nur das Entstehen, in Österreich, von Konzepten und Praktiken, sondern verfolgen auch die Spuren ihrer produktiven Rezeption in den erwähnten Disziplinen in Frankreich; derart bilden sie eine Kontinuität mit der internationalen Forschung (Johnston, Magris, [[Jacques Le Rider|Le Rider]], Schorske) zu « Wien 1900 » als Wiege der Moderne. Um die Phänomene des Transfers verständlich zu machen, ist es notwendig die Prozesse der Vermittlung, ihre Akteure und Zielrichtungen in den Mittelpunkt zu stellen, ebenso wie die Voraussetzungen der möglichen Übernahme der untersuchten Konzepte von einem Bezugssystem in ein anderes, von einer wissenschaftlichen Gemeinschaft in eine andere. Es ist das große Verdienst dieser Nummer, transformatorische und schöpferische Dynamiken aufgedeckt zu haben, die im Kontext des Empfängerlandes etappenweise zu einem Prozess der Adpatierung, der Aneignung von Konzepten und schließlich zum Entstehen neuer, autonomer Theorien führen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wenn sich der Dialog nicht auf Anhieb einstellt, kann er manchmal auch über Umwege und durch das Eingreifen anderer Akteure zustandekommen, zum Beispiel mit solchen aus den angelsächsischen Ländern. Das ist mit den Ideen von Ludwig Boltzmann der Fall, die [[Jacques Bouveresse]] für den Bereich der theoretischen Physik analysiert. Das gilt auch für die erste, ambivalente, Rezeption von [[Ludwig Wittgenstein|Wittgenstein]] in Frankreich, die anhand von zwei konkreten Beispielen dargestellt wird, nämlich der Lektüren von Gilles-Gaston Granger und Pierre Hadot; diese hatten, trotz des guten Willens ihrer Autoren, zur Folge, dass dieser Philosoph von der Wiener analytischen Tradition, der er viel verdankt, abgekoppelt wurde, ebenso wie von dem, was in seinem Denken als « österreichisch » angesehen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von der Zeitschift geleistete Vermittlungsarbeit erweist sich in einer nicht unbedeutenden Zahl von Fällen als umso wertvoller, als manchmal das Fehlen von verlässlichen Übersetzungen und folglich ein Mangel an dem französischen Publikum zugänglichen Texten zumindest zum Teil eine zögernde, deformierende Rezeption von ganzen Teilen der Ideengeschichte erklären, wozu dann auch noch die relative Unkenntnis des historischen österreichischen Kontextes kommt. Das ist besonders der Fall des Austromarxismus&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1982–1983&amp;lt;/ref&amp;gt;, der österreichischen Schule der Nationalökonomie oder auch der « Wiener Kreise » der Zwischenkriegszeit, Bereiche, in denen &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; vollauf seine Vermittlerrolle gespielt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Beispiele, die nur einen sehr geringen Teil des Beitrags von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; zu einem besseren Verständnis der sich kreuzenden Verbindungen zwischen den beiden Ländern darstellen, zeugen vom Willen der Zeitschrift und ihrer Mitarbeiter ihrerseits aktive, engagierte Akteure im Transfer zwischen Frankreich und Österreich und, im umgekehrten Sinn, zwischen Österreich und Frankreich zu sein und damit Forschern verschiedener Herkunft und verschiedener Disziplinen einen Ort der Begegnung zu bieten, wo Arbeitsmittel, Methoden, Hypothesen und Resultate ausgetauscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Rolle als Bindeglied zwischen den beiden Ländern hat die Zeitschrift &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; im Laufe ihrer Geschichte auch beständig in den Bereichen des künstlerischen Schaffens, inklusive der zeitgenössischen Kunst (Architektur, Musik, Malerei, Film, Photographie, etc.) gespielt; sie hat es aber auch verstanden, die frankophonen Leser mit den politischen Strukturen, Theorien und Akteuren vertraut zu machen, vor allem was die Zeit nach 1945 betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei markante Fakten, die von der intellektuellen Ausstrahlung und der fruchtbaren Wirkung über den alleinigen Kreis der Austriazisten hinaus zeugen, sollen am Schluss noch hervorgehoben werden. Der erste hat mit der großen, 1986 am Centre Pompidou organisierten Ausstellung &#039;&#039;Vienne, Naissance d’un siècle, 1880-1938&#039;&#039; (Februar – Mai 1986) zu tun, in deren Konzeption und Organisation mehrere Mitglieder des CERA und von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; involviert waren. Der Ausstellungskatalog [[Ausstellung „Vienne, 1880–1938. L’apocalypse joyeuse“|&#039;&#039;L’Apocalypse joyeuse&#039;&#039;]]&amp;lt;ref&amp;gt;Clair 1986&amp;lt;/ref&amp;gt; beinhaltet zahlreiche Beiträge von Mitarbeitern der Zeitschrift. Dass [[Jacques Bouveresse]] in das Redaktionskomitee eintrat, ist den Vorgesprächen zur Ausstellung zu verdanken. Diese Tatsache wiederum steht im Zusammenhang mit einer anderen wichtigen Leistung der Zeitschrift: Dank der Wirkung von Bouveresse und seiner Arbeiten auf dem entsprechenden Gebiet, konnte die Zeitschrift in Fachkreisen die Idee von der Existenz einer österreichischen Philosophie durchsetzen, indem sie in nicht weniger als fünf Nummern (28, 44, 76, 78 und 94) nach und nach den Beweis von der Spezifizität der österreichischen gegenüber der deutschen Philosophie lieferte, mit der diese lange identifiziert worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese großzügige Polyphonie ist Ausdruck einer gemeinsamen Zielsetzung im Dienste einer besseren Kenntnis der Realitäten des vergangenen und gegenwärtigen Österreich, eines anspruchsvollen Dialogs und eines nie verlorenen Willens der wissenschaftlichen und kulturellen Vermittlung zwischen den beiden Ländern, die in dieser Intensität und Regelmäßigkeit in der Geschichte der österreichisch-französischen Beziehungen ihresgleichen suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Castellan, Georges: « Idée autrichienne et nation autrichienne ». In : Austriaca 1 (Dezember 1975), « Autriche. Bilan 75 ». Rouen : Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1975, S. 11–22.&lt;br /&gt;
*Clair, Jean (Hrsg.): Vienne 1880–1938. L’Apocalypse joyeuse. Paris: Éditions du Centre Pompidou 1986.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): Deux fois l’Autriche. Après 1918 et après 1945. Actes du colloque de Rouen (9–12. November 1977), Spezialausgabe. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA), Nr. 1, Juli 1978; Nr. 2, Februar 1979; Nr. 3, November 1979.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): L’Austromarxisme – Nostalgie et/ou renaissance ? Actes du colloque de Paris (25–27. Februar 1982), Austriaca 15 (Nr. 2), November 1982. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1982.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): Relations franco-autrichiennes. 1870-1970. Actes du colloque de Rouen (29. Februar – 2. März 1984), Austriaca, Spezialausgabe. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA), Juni 1986.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Françoise: « Zur Biographie eines Illegalen im französischen Exil: Felix Kreissler (1917–2004) ». In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 29 (2018) / 3, S. 215–227.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Françoise: « Als das kurze Leben des Henri Lebrun in der Biographie von Felix Kreissler (1917-2004) abhanden kam ». In: Konstantin Kaiser, Irene Nawrocka, Corina Prochazka und Marianne Windsperger (Hg.): Zwischenwelt. Lebensspuren: Autobiografik von Exil, Widerstand, Verfolgung und Lagererfahrung. Wien: Theodor Kramer Gesellschaft u. Klagenfurt: Drava Verlag 2020, S. 309–329.&lt;br /&gt;
*« Préface ». In: Austriaca 1 (Dezember 1975), « Autriche ? Bilan 75 ». Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1975, S. 7–10.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: « Félix Kreissler, fondateur du Centre d’Études et de recherches Autrichiennes de l’Université de Rouen ». In: Identité et Résistance. Mélanges pour Felix Kreissler, réunis par Georg Jankovic et Gerald Stieg. Paris: Annales de l’Institut culturel autrichien (Nr. II) 1998, S. 187–191.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung: Karl Zieger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Austriaca}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Austriaca&amp;diff=1555</id>
		<title>Austriaca</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Austriaca&amp;diff=1555"/>
		<updated>2026-09-29T09:10:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Die Anfänge */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Fachzeitschrift &#039;&#039;Austriaca, Cahiers universtaires d’information sur l’Autriche&#039;&#039;, wurde 1975 an der Universität Rouen von [[Felix Kreissler]] (1917–2004) gegründet; Kreissler war ein Wiener Jude, der 1937 aufgrund der politischen Situation in seinem Herkunftsland und aufgrund seines Engagements gegen den Austrofaschismus nach Frankreich geflohen war, sich während der « Occupation » der französischen « Résistance » angeschlossen hat und nach Folterungen im Gestapo-Kerker des Gefängnisses von Montluc&amp;lt;ref&amp;gt;Françoise Kreissler 2018 und 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Buchenwald deportiert worden ist. Die Gründung der Zeitschrift erfolgt nur zwei Jahre nach jener des Centre d’Études et de Recherches autrichiennes (CERA), aus dem sie hervorgegangen ist. Die Besonderheit von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; besteht darin, dass sie auch heute noch die einzige französische universitäre Fachzeitschrift ist, die ausschließlich Österreich gewidmet ist. Im Rahmen einer einzigartigen Struktur ergänzt sie zwei Sammlungen, nämlich « France-Autriche »&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.purh-ed.fr/collection/?collection_ID=343&amp;lt;/ref&amp;gt; und « Études autrichiennes »&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.purh-ed.fr/collection/?collection_ID=341&amp;lt;/ref&amp;gt;, die institutionell ebenfalls zu den Presses de l’Université de Rouen (jetzt Presses universitaires de Rouen et du Havre) gehören. Von Beginn an erscheinen pro Jahr zwei thematische Nummern, die auch eine Sektion &#039;&#039;Varia&#039;&#039;, sowie regelmäßige Chroniken zur politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Aktualität in Österreich enthalten; die Zeitschrift erfüllt damit die Vermittlerrolle zwischen den beiden Ländern, wie sie von ihrem Gründer beabsichtigt wurde und von den Mitgliedern des Redaktionskomitees getragen wird, die so gemeinsam ein Organ geschaffen haben, das einem weiten französischen Publikum erlaubt, die verschiedenen Facetten des österreichischen Lebens, sowie seiner künstlerischen und literarischen Schöpfungen zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Anfänge==&lt;br /&gt;
Von Anfang an machte die Zeitschrift allein schon durch ihren Untertitel « &#039;&#039;Cahiers universitaires d&#039;information sur l’Autriche&#039;&#039; » ihren Anspruch deutlich, ein Organ der « Information und Forschung über Österreich in einem interdisziplinären, wissenschaftlichen und offenen Geist »&amp;lt;ref&amp;gt;Autriche. Bilan 75, « Préface »: 10&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sein. Was im Rückblick als selbstverständlich erscheint, war in einer Zeit, in der die französische Germanistik noch fast ausschließlich auf die deutsche Realität ausgerichtet war und in der es zu allererst darum ging, für die Anerkennung einer österreichischen Besonderheit innerhalb des Faches&amp;lt;ref&amp;gt;Ravy 1998: 187&amp;lt;/ref&amp;gt; zu wirken, alles andere als selbstverständlich. Die Erkenntnis dieses Defizits, dieser Unklarheit, hat einige französische Wissenschaftler, darunter manche österreichischer Herkunft wie [[Richard Thieberger]], Gertrude Stolwitzer und [[Gerald Stieg]], veranlasst, das von [[Felix Kreissler]] initiierte Projekt begleitend zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab der Nummer 15 (1982) übernahmen zwei Redaktionssekretäre die Nachfolge von Felix Kreissler, nämlich Gerald Stieg und [[Gilbert Ravy]]. Letzterem folgte im Jahr 2000 Paul Pasteur&amp;lt;ref&amp;gt;https://grhis.univ-rouen.fr/grhis/?page_id=654&amp;lt;/ref&amp;gt;, der dann ein Tandem mit [[Jacques Lajarrige]] bildete; dieser formte in der Folge ein Team mit Ute Weinmann und schließlich mit Jean-Numa Ducange als Co-Chefredakteure. Jacques Lajarrige ist außerdem seit 2004 « &#039;&#039;Directeur de la publication&#039;&#039; ».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Aufgabe der Redaktionskomitees war es, eine möglichst genaue Bestandsaufnahme der Forschungsthematiken zu erheben, die in den französischen Universitäten dem Thema Österreich bereits gewidmet wurden, um so Kontakte mit betroffenen Personen (Kolleginnen und Kollegen) knüpfen zu können, in der Hoffnung, in ihnen wirksame Multiplikatoren und mögliche zukünftige Mitarbeiter der Zeitschrift zu finden. Sehr früh fand &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; auch Unterstützung von zahlreichen österreichischen Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wissenschaft; diese unterstützten klar die vielfachen Ziele, die darin bestanden, der Österreich-Forschung in Frankreich entscheidende Impulse zu geben, eine neue Sichtweise der Geschichte Österreichs anzubieten, wobei es vor allem darum ging, die Idee der Existenz einer österreichischen Nation durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Castellan 1975: 12&amp;lt;/ref&amp;gt; Über den plakativen Effekt hinaus kann man den historischen Sinn einer militanten Unternehmung wie &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; nicht verstehen, wenn man die unerschütterliche Überzeugung ausser Acht lässt, dass Österreich sehr wohl als politische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit existiert und als demokratisches Projekt lebensfähig ist, das von einer « nationalen Gemeinschaft »&amp;lt;ref&amp;gt;Autriche. Bilan 75, « Préface »: 7&amp;lt;/ref&amp;gt; geteilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Basis erhebt die Zeitschrift den Anspruch, ein Ort der Auseinandersetzung und der Analyse der österreichich-französischen Beziehungen sowie der Geschichte des Kulturtransfers zwischen den beiden Ländern zu sein. Dazu gehört auch die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, die besonders in der Organisation von internationalen Tagungen ihren Ausdruck findet, die wiederum Gegenstand von « Sondernummern » der Zeitschrift sind, die sich durch ihren roten Umschlag klar vom Grün der normalen Reihe unterscheiden. Diese Sondernummern fanden ein beachtliches Echo, wie zum Beispiel die drei Bände des ehrgeizigen Projekts &#039;&#039;Deux fois l’Autriche. Après 1918 et après 1945&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1978–1979&amp;lt;/ref&amp;gt;, die ein breites Spektrum behandeln, wobei die Themen von der (inneren und äusseren) politischen Geschichte über Literatur, Kunst, Widerstand, Antifaschismus und Tourismus bis zu den österreichisch-französischen Beziehungen reichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der unmittelbaren Aktualität großer Raum gewidmet wird, so ist den Verantwortlichen der Zeitschrift doch auch daran gelegen, eine weite chronologische und thematische Spannweite abzudecken mit wissenschaftlichen Originalbeiträgen in französischer und deutscher Sprache (gelegentlich auch in Englisch), die sich sowohl mit der Literaturgeschichte, als auch mit der (politischen, wirtschaftlichen und juridischen) Ideen- und Kulturgeschichte dieses Landes beschäftigen; dabei wird Österreich in seinen verschiedenen, aufeinanderfolgenden territorialen, politischen und historischen Dimensionen verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Interesse an der Beständigkeit der intellektuellen Bande, die Frankreich und Österreich über die Wirren der Geschichte hinaus verbinden, und der damit verbundene Kulturtransfer zwischen den beiden Ländern, gehört zur DNA der Zeitschrift; sie widmet sich diesen Herausforderungen auf vielfache Weise und nach verschiedenen Ansatzpunkten, wobei auf eine ständige Aktualisierung der Methoden geachtet wird, die sowohl dank der thematischen Vielfalt, als auch durch die Form der Beiträge und die Verschiedenheit der internationalen Beiträger gewährleistet ist. Dies lässt sich konkret anhand einer langen historischen Periode illustrieren, für die die von Felix Kreissler in Rouen organisierte Tagung (29. Februar – 2. März 1984) über die &#039;&#039;Relations franco-autrichiennes 1870-1970&#039;&#039;, deren Beiträge in einer Sondernummer&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1986&amp;lt;/ref&amp;gt; veröffentlicht wurden, ein gutes Beispiel ist. Das gilt aber auch für einen kleineren Maßstab und enger gefasste Perioden wie zum Beispiel das Engagement von Österreichern in der französischen &#039;&#039;Résistance&#039;&#039; (&#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; Nr. 17), für das Thema der Entwurzelung, unter der die nach Frankreich emigrierten österreichischen Schriftsteller leiden (Nr. 19), oder auch für die Auswirkungen des Exils und der Rückkehr aus dem Exil auf das literarische Schaffen (Nr. 56).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beispiele für den Beitrag der Zeitschrift zur Erforschung des kulturellen Austausches zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Die zahlreichen Beziehungen, die die österreichischen Schriftsteller mit der französischen Kultur verbinden, werden in der Zeitschrift mehrfach behandelt. Erwähnt seien hier die dem Verhältnis [[Johann Nestroy|Nestroys]] zu Frankreich gewidmete Nummer 75 (&#039;&#039;Les relations de Johann Nestroy avec la France&#039;&#039;), oder die Nummer 91, die den besonderen Platz vor allem französischer Künstlerfiguren im Werk von [[Stefan Zweig]] beleuchtet, der unter anderen [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaine]], Rimbaud, und Baudelaire übersetzt und ihnen auch Essays gewidmet hat, oder im Bereich der Ideengeschichte die Aufnahme der Französischen Revolution in Österreich, die treffend zu den 200-Jahr-Feiern 1989 in der Nummer 29 behandelt wurde. Die Wahl dieser Themen spiegelt den Willen wider, die Zeitschrift nicht nur zu einem unumgänglichen Ort der Begegnung zu machen, sondern auch ihrerseits aktiv sur Entwicklung dieser Transfers und ihrer historischen Einordnung beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bereich der Literatur erfüllt die Zeitschrift vollauf ihre Rolle als Informationsquelle und Organ der Verbreitung österreichischer Kultur in Frankreich, indem sie regelmäßig den großen Schriftstellern ([[Adalbert Stifter|Stifter]], [[Karl Kraus|Kraus]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Robert Musil|Musil]], [[Joseph Roth|Roth]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Elias Canetti|Canetti]], Rezzori&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Gregor-von-Rezzori/173482&amp;lt;/ref&amp;gt;, etc.) eigene Nummern widmet. In diesem Zusammenhang kann nicht genug betont werden, dass es von Anfang an das vorrangige Bemühen war, in den französischen Köpfen die Idee der Existenz und der Besonderheit einer österreichischen Literatur im Vergleich zur deutschen Literatur zu verankern, sie in ihrer historischen Dimension zu erfassen und dabei den jüngsten zeitgenössischen Entwicklungen den gebührenden Raum zu geben, wie das bei [[Ingeborg Bachmann|Bachmann]] und Fried, bei [[Peter Hankde|Handke]] und [[Elfriede Jelinek|Jelinek]], die seither beide mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ähnlicher Weise konnte auch die Rolle der Agenten der Rezeption französischer Literatur in Österreich anhand einer ganzen literarischen Strömung untersucht werden, wie zum Beispiel in der Nummer 86 (&#039;&#039;Le naturalisme en Autriche&#039;&#039;), die aufgrund neuer Erkenntnisse das Problem der Existenz, innerhalb der österreichischen Literatur, eines von französischen Vorbildern inspirierten Naturalismus aufgreift und dabei die bisher vorherrschende Meinung, derzufolge die österreichische Literatur nur wenig mit dieser europäischen literarischen Strömung gemein hätte, in Frage stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nummer 49 (1999), &#039;&#039;Actualité de Karl Kraus&#039;&#039;, ist aus einer von [[Jacques Bouveresse]] und [[Gerald Stieg]] anlässlich des hundertsten Geburtstags der &#039;&#039;Fackel&#039;&#039; organisierten Tagung hervorgegangen und erlaubte ebenfalls der Forschung neue Impulse und Orientierungen zu geben. Ihre Novität und ihre Tragweite hinsichtlich der Rezeption liegen auch darin begründet, dass sie ein fruchtbares Unterfangen war, eine Verbindung zwischen den Arbeiten von Pierre Bourdieu&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article17557&amp;lt;/ref&amp;gt; über das Funktionieren der (Massen-)Medien und Kraus’ Kampf herzustellen, mit dem er den öffentlichen Diskurs seiner Zeit demaskiert hat. Der komparatistische Ansatz erlaubte es hier, eine Parallele herzustellen mit der Gründung des Verlags &#039;&#039;Raisons d’agir&#039;&#039; durch Bourdieu und mit dessen Arbeiten über die Presse, insbesondere mit den Essays &#039;&#039;Sur la télévision&#039;&#039; und &#039;&#039;L’emprise du journalisme&#039;&#039;, die eine Schule der Resistenz gegen die Allmacht der Medien darstellen und gerade wegen ihrer Verwandtschaft zur &#039;&#039;Fackel&#039;&#039; die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine andere bewusste Nahverbindung besteht zu &#039;&#039;Prodiges et vertiges de l’analogie&#039;&#039; (1999) von Jacques Bouveresse, wobei der Einfluss von Kraus klar herausgearbeitet und auch anerkannt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es hier nicht möglich ist, eine vollständige Darstellung der Beiträge der Zeitschrift zu den österreichisch-französischen Kulturtransfers zu bieten, mögen einige Beispiele genügen, um ihren großen Umfang und ihre Vielfalt zu zeigen. Der Wille, keinen Aspekt der Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu vernachlässigen und sich nicht nur auf die Bereiche von Kunst und Literatur zu beschränken, spiegelt sich im Untertitel der Nummer 63 wider: &#039;&#039;Autriche / France. Transferts d’idées – histoires parallèles ? Sciences – Philosophie – Droit – Politique&#039;&#039;, wobei das Fragezeichen suggeriert, dass diese Fragestellung es verdient, nicht von vorneherein als Selbstverständlichkeit abgetan zu werden, die man nicht mehr zu hinterfragen bräuchte. Von der Feststellung eines Ungleichgewichts zugunsten Frankreichs in Sachen Transfer ausgehend, nimmt diese Nummer zur Kenntnis, dass die bisherigen Arbeiten in &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; zum Transfer Österreichs in Richtung Frankreich zahlreicher sind als in der anderen Richtung und dass sie sich bisher vorwiegend auf die Künste und die Literatur konzentriert haben. Die Bestandsaufnahme hat sich in dieser Nummer also logischerweise auf die Bereiche Wissenschaften, Philosophie, Wirtschafts- und Rechtstheorie und auf die Politik von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum historischen Bruch von 1938 konzentriert. Die verschiedenen Beiträge behandeln nicht nur das Entstehen, in Österreich, von Konzepten und Praktiken, sondern verfolgen auch die Spuren ihrer produktiven Rezeption in den erwähnten Disziplinen in Frankreich; derart bilden sie eine Kontinuität mit der internationalen Forschung (Johnston, Magris, [[Jacques Le Rider|Le Rider]], Schorske) zu « Wien 1900 » als Wiege der Moderne. Um die Phänomene des Transfers verständlich zu machen, ist es notwendig die Prozesse der Vermittlung, ihre Akteure und Zielrichtungen in den Mittelpunkt zu stellen, ebenso wie die Voraussetzungen der möglichen Übernahme der untersuchten Konzepte von einem Bezugssystem in ein anderes, von einer wissenschaftlichen Gemeinschaft in eine andere. Es ist das große Verdienst dieser Nummer, transformatorische und schöpferische Dynamiken aufgedeckt zu haben, die im Kontext des Empfängerlandes etappenweise zu einem Prozess der Adpatierung, der Aneignung von Konzepten und schließlich zum Entstehen neuer, autonomer Theorien führen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wenn sich der Dialog nicht auf Anhieb einstellt, kann er manchmal auch über Umwege und durch das Eingreifen anderer Akteure zustandekommen, zum Beispiel mit solchen aus den angelsächsischen Ländern. Das ist mit den Ideen von Ludwig Boltzmann der Fall, die [[Jacques Bouveresse]] für den Bereich der theoretischen Physik analysiert. Das gilt auch für die erste, ambivalente, Rezeption von [[Ludwig Wittgenstein|Wittgenstein]] in Frankreich, die anhand von zwei konkreten Beispielen dargestellt wird, nämlich der Lektüren von Gilles-Gaston Granger und Pierre Hadot; diese hatten, trotz des guten Willens ihrer Autoren, zur Folge, dass dieser Philosoph von der Wiener analytischen Tradition, der er viel verdankt, abgekoppelt wurde, ebenso wie von dem, was in seinem Denken als « österreichisch » angesehen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von der Zeitschift geleistete Vermittlungsarbeit erweist sich in einer nicht unbedeutenden Zahl von Fällen als umso wertvoller, als manchmal das Fehlen von verlässlichen Übersetzungen und folglich ein Mangel an dem französischen Publikum zugänglichen Texten zumindest zum Teil eine zögernde, deformierende Rezeption von ganzen Teilen der Ideengeschichte erklären, wozu dann auch noch die relative Unkenntnis des historischen österreichischen Kontextes kommt. Das ist besonders der Fall des Austromarxismus&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1982–1983&amp;lt;/ref&amp;gt;, der österreichischen Schule der Nationalökonomie oder auch der « Wiener Kreise » der Zwischenkriegszeit, Bereiche, in denen &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; vollauf seine Vermittlerrolle gespielt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Beispiele, die nur einen sehr geringen Teil des Beitrags von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; zu einem besseren Verständnis der sich kreuzenden Verbindungen zwischen den beiden Ländern darstellen, zeugen vom Willen der Zeitschrift und ihrer Mitarbeiter ihrerseits aktive, engagierte Akteure im Transfer zwischen Frankreich und Österreich und, im umgekehrten Sinn, zwischen Österreich und Frankreich zu sein und damit Forschern verschiedener Herkunft und verschiedener Disziplinen einen Ort der Begegnung zu bieten, wo Arbeitsmittel, Methoden, Hypothesen und Resultate ausgetauscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Rolle als Bindeglied zwischen den beiden Ländern hat die Zeitschrift &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; im Laufe ihrer Geschichte auch beständig in den Bereichen des künstlerischen Schaffens, inklusive der zeitgenössischen Kunst (Architektur, Musik, Malerei, Film, Photographie, etc.) gespielt; sie hat es aber auch verstanden, die frankophonen Leser mit den politischen Strukturen, Theorien und Akteuren vertraut zu machen, vor allem was die Zeit nach 1945 betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei markante Fakten, die von der intellektuellen Ausstrahlung und der fruchtbaren Wirkung über den alleinigen Kreis der Austriazisten hinaus zeugen, sollen am Schluss noch hervorgehoben werden. Der erste hat mit der großen, 1986 am Centre Pompidou organisierten Ausstellung &#039;&#039;Vienne, Naissance d’un siècle, 1880-1938&#039;&#039; (Februar – Mai 1986) zu tun, in deren Konzeption und Organisation mehrere Mitglieder des CERA und von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; involviert waren. Der Ausstellungskatalog [[Ausstellung „Vienne, 1880–1938. L’apocalypse joyeuse“|&#039;&#039;L’Apocalypse joyeuse&#039;&#039;]]  beinhaltet zahlreiche Beiträge von Mitarbeitern der Zeitschrift. Dass [[Jacques Bouveresse]] in das Redaktionskomitee eintrat, ist den Vorgesprächen zur Ausstellung zu verdanken. Diese Tatsache wiederum steht im Zusammenhang mit einer anderen wichtigen Leistung der Zeitschrift: Dank der Wirkung von Bouveresse und seiner Arbeiten auf dem entsprechenden Gebiet, konnte die Zeitschrift in Fachkreisen die Idee von der Existenz einer österreichischen Philosophie durchsetzen, indem sie in nicht weniger als fünf Nummern (28, 44, 76, 78 und 94) nach und nach den Beweis von der Spezifizität der österreichischen gegenüber der deutschen Philosophie lieferte, mit der diese lange identifiziert worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese großzügige Polyphonie ist Ausdruck einer gemeinsamen Zielsetzung im Dienste einer besseren Kenntnis der Realitäten des vergangenen und gegenwärtigen Österreich, eines anspruchsvollen Dialogs und eines nie verlorenen Willens der wissenschaftlichen und kulturellen Vermittlung zwischen den beiden Ländern, die in dieser Intensität und Regelmäßigkeit in der Geschichte der österreichisch-französischen Beziehungen ihresgleichen suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Castellan, Georges: « Idée autrichienne et nation autrichienne ». In : Austriaca 1 (Dezember 1975), « Autriche. Bilan 75 ». Rouen : Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1975, S. 11–22.&lt;br /&gt;
*Clair, Jean (Hrsg.): Vienne 1880–1938. L’Apocalypse joyeuse. Paris: Éditions du Centre Pompidou 1986.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): Deux fois l’Autriche. Après 1918 et après 1945. Actes du colloque de Rouen (9–12. November 1977), Spezialausgabe. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA), Nr. 1, Juli 1978; Nr. 2, Februar 1979; Nr. 3, November 1979.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): L’Austromarxisme – Nostalgie et/ou renaissance ? Actes du colloque de Paris (25–27. Februar 1982), Austriaca 15 (Nr. 2), November 1982. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1982.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): Relations franco-autrichiennes. 1870-1970. Actes du colloque de Rouen (29. Februar – 2. März 1984), Austriaca, Spezialausgabe. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA), Juni 1986.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Françoise: « Zur Biographie eines Illegalen im französischen Exil: Felix Kreissler (1917–2004) ». In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 29 (2018) / 3, S. 215–227.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Françoise: « Als das kurze Leben des Henri Lebrun in der Biographie von Felix Kreissler (1917-2004) abhanden kam ». In: Konstantin Kaiser, Irene Nawrocka, Corina Prochazka und Marianne Windsperger (Hg.): Zwischenwelt. Lebensspuren: Autobiografik von Exil, Widerstand, Verfolgung und Lagererfahrung. Wien: Theodor Kramer Gesellschaft u. Klagenfurt: Drava Verlag 2020, S. 309–329.&lt;br /&gt;
*« Préface ». In: Austriaca 1 (Dezember 1975), « Autriche ? Bilan 75 ». Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1975, S. 7–10.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: « Félix Kreissler, fondateur du Centre d’Études et de recherches Autrichiennes de l’Université de Rouen ». In: Identité et Résistance. Mélanges pour Felix Kreissler, réunis par Georg Jankovic et Gerald Stieg. Paris: Annales de l’Institut culturel autrichien (Nr. II) 1998, S. 187–191.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung: Karl Zieger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Austriaca}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Austriaca</title>
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		<updated>2026-09-29T09:09:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Fachzeitschrift &#039;&#039;Austriaca, Cahiers universtaires d’information sur l’Autriche&#039;&#039;, wurde 1975 an der Universität Rouen von [[Felix Kreissler]] (1917–2004) gegründet; Kreissler war ein Wiener Jude, der 1937 aufgrund der politischen Situation in seinem Herkunftsland und aufgrund seines Engagements gegen den Austrofaschismus nach Frankreich geflohen war, sich während der « Occupation » der französischen « Résistance » angeschlossen hat und nach Folterungen im Gestapo-Kerker des Gefängnisses von Montluc&amp;lt;ref&amp;gt;Françoise Kreissler 2018 und 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Buchenwald deportiert worden ist. Die Gründung der Zeitschrift erfolgt nur zwei Jahre nach jener des Centre d’Études et de Recherches autrichiennes (CERA), aus dem sie hervorgegangen ist. Die Besonderheit von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; besteht darin, dass sie auch heute noch die einzige französische universitäre Fachzeitschrift ist, die ausschließlich Österreich gewidmet ist. Im Rahmen einer einzigartigen Struktur ergänzt sie zwei Sammlungen, nämlich « France-Autriche »&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.purh-ed.fr/collection/?collection_ID=343&amp;lt;/ref&amp;gt; und « Études autrichiennes »&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.purh-ed.fr/collection/?collection_ID=341&amp;lt;/ref&amp;gt;, die institutionell ebenfalls zu den Presses de l’Université de Rouen (jetzt Presses universitaires de Rouen et du Havre) gehören. Von Beginn an erscheinen pro Jahr zwei thematische Nummern, die auch eine Sektion &#039;&#039;Varia&#039;&#039;, sowie regelmäßige Chroniken zur politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Aktualität in Österreich enthalten; die Zeitschrift erfüllt damit die Vermittlerrolle zwischen den beiden Ländern, wie sie von ihrem Gründer beabsichtigt wurde und von den Mitgliedern des Redaktionskomitees getragen wird, die so gemeinsam ein Organ geschaffen haben, das einem weiten französischen Publikum erlaubt, die verschiedenen Facetten des österreichischen Lebens, sowie seiner künstlerischen und literarischen Schöpfungen zu entdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Anfänge==&lt;br /&gt;
Von Anfang an machte die Zeitschrift allein schon durch ihren Untertitel « &#039;&#039;Cahiers universitaires d&#039;information sur l’Autriche&#039;&#039; » ihren Anspruch deutlich, ein Organ der « Information und Forschung über Österreich in einem interdisziplinären, wissenschaftlichen und offenen Geist »&amp;lt;ref&amp;gt;Autriche. Bilan 75, « Préface »: 10&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sein. Was im Rückblick als selbstverständlich erscheint, war in einer Zeit, in der die französische Germanistik noch fast ausschließlich auf die deutsche Realität ausgerichtet war und in der es zu allererst darum ging, für die Anerkennung einer österreichischen Besonderheit innerhalb des Faches&amp;lt;ref&amp;gt;Ravy 1998: 187&amp;lt;/ref&amp;gt; zu wirken, alles andere als selbstverständlich. Die Erkenntnis dieses Defizits, dieser Unklarheit, hat einige französische Wissenschaftler, darunter manche österreichischer Herkunft wie [[Richard Thieberger]], Gertrude Stolwitzer und [[Gerald Stieg]], veranlasst, das von [[Felix Kreissler]] initiierte Projekt begleitend zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab der Nummer 15 (1982) übernahmen zwei Redaktionssekretäre die Nachfolge von Felix Kreissler, nämlich Gerald Stieg und [[Gilbert Ravy]]. Letzterem folgte im Jahr 2000 Paul Pasteur&amp;lt;ref&amp;gt;https://grhis.univ-rouen.fr/grhis/?page_id=654&amp;lt;/ref&amp;gt;, der dann ein Tandem mit [[Jacques Lajarrige]] bildete; dieser formte in der Folge ein Team mit Ute Weinmann und schließlich mit Jean-Numa Ducange als Co-Chefredakteure. Jacques Lajarrige ist außerdem seit 2004 « &#039;&#039;Directeur de la publication&#039;&#039; ».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Aufgabe der Redaktionskomitees war es, eine möglichst genaue Bestandsaufnahme der Forschungsthematiken zu erheben, die in den französischen Universitäten dem Thema Österreich bereits gewidmet wurden, um so Kontakte mit betroffenen Personen (Kolleginnen und Kollegen) knüpfen zu können, in der Hoffnung, in ihnen wirksame Multiplikatoren und mögliche zukünftige Mitarbeiter der Zeitschrift zu finden. Sehr früh fand &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; auch Unterstützung von zahlreichen österreichischen Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wissenschaft; diese unterstützten klar die vielfachen Ziele, die darin bestanden, der Österreich-Forschung in Frankreich entscheidende Impulse zu geben, eine neue Sichtweise der Geschichte Österreichs anzubieten, wobei es vor allem darum ging, die Idee der Existenz einer österreichischen Nation durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Castellan 1975: 12&amp;lt;/ref&amp;gt; Über den plakativen Effekt hinaus kann man den historischen Sinn einer militanten Unternehmung wie &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; nicht verstehen, wenn man die unerschütterliche Überzeugung ausser Acht lässt, dass Österreich sehr wohl als politische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit existiert und als demokratisches Projekt lebensfähig ist, das von einer « nationalen Gemeinschaft »&amp;lt;ref&amp;gt;Autriche. Bilan 75, « Préface »: 7&amp;lt;/ref geteilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Basis erhebt die Zeitschrift den Anspruch, ein Ort der Auseinandersetzung und der Analyse der österreichich-französischen Beziehungen sowie der Geschichte des Kulturtransfers zwischen den beiden Ländern zu sein. Dazu gehört auch die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, die besonders in der Organisation von internationalen Tagungen ihren Ausdruck findet, die wiederum Gegenstand von « Sondernummern » der Zeitschrift sind, die sich durch ihren roten Umschlag klar vom Grün der normalen Reihe unterscheiden. Diese Sondernummern fanden ein beachtliches Echo, wie zum Beispiel die drei Bände des ehrgeizigen Projekts &#039;&#039;Deux fois l’Autriche. Après 1918 et après 1945&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1978–1979&amp;lt;/ref&amp;gt;, die ein breites Spektrum behandeln, wobei die Themen von der (inneren und äusseren) politischen Geschichte über Literatur, Kunst, Widerstand, Antifaschismus und Tourismus bis zu den österreichisch-französischen Beziehungen reichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der unmittelbaren Aktualität großer Raum gewidmet wird, so ist den Verantwortlichen der Zeitschrift doch auch daran gelegen, eine weite chronologische und thematische Spannweite abzudecken mit wissenschaftlichen Originalbeiträgen in französischer und deutscher Sprache (gelegentlich auch in Englisch), die sich sowohl mit der Literaturgeschichte, als auch mit der (politischen, wirtschaftlichen und juridischen) Ideen- und Kulturgeschichte dieses Landes beschäftigen; dabei wird Österreich in seinen verschiedenen, aufeinanderfolgenden territorialen, politischen und historischen Dimensionen verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Interesse an der Beständigkeit der intellektuellen Bande, die Frankreich und Österreich über die Wirren der Geschichte hinaus verbinden, und der damit verbundene Kulturtransfer zwischen den beiden Ländern, gehört zur DNA der Zeitschrift; sie widmet sich diesen Herausforderungen auf vielfache Weise und nach verschiedenen Ansatzpunkten, wobei auf eine ständige Aktualisierung der Methoden geachtet wird, die sowohl dank der thematischen Vielfalt, als auch durch die Form der Beiträge und die Verschiedenheit der internationalen Beiträger gewährleistet ist. Dies lässt sich konkret anhand einer langen historischen Periode illustrieren, für die die von Felix Kreissler in Rouen organisierte Tagung (29. Februar – 2. März 1984) über die &#039;&#039;Relations franco-autrichiennes 1870-1970&#039;&#039;, deren Beiträge in einer Sondernummer&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1986&amp;lt;/ref&amp;gt; veröffentlicht wurden, ein gutes Beispiel ist. Das gilt aber auch für einen kleineren Maßstab und enger gefasste Perioden wie zum Beispiel das Engagement von Österreichern in der französischen &#039;&#039;Résistance&#039;&#039; (&#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; Nr. 17), für das Thema der Entwurzelung, unter der die nach Frankreich emigrierten österreichischen Schriftsteller leiden (Nr. 19), oder auch für die Auswirkungen des Exils und der Rückkehr aus dem Exil auf das literarische Schaffen (Nr. 56).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beispiele für den Beitrag der Zeitschrift zur Erforschung des kulturellen Austausches zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Die zahlreichen Beziehungen, die die österreichischen Schriftsteller mit der französischen Kultur verbinden, werden in der Zeitschrift mehrfach behandelt. Erwähnt seien hier die dem Verhältnis [[Johann Nestroy|Nestroys]] zu Frankreich gewidmete Nummer 75 (&#039;&#039;Les relations de Johann Nestroy avec la France&#039;&#039;), oder die Nummer 91, die den besonderen Platz vor allem französischer Künstlerfiguren im Werk von [[Stefan Zweig]] beleuchtet, der unter anderen [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaine]], Rimbaud, und Baudelaire übersetzt und ihnen auch Essays gewidmet hat, oder im Bereich der Ideengeschichte die Aufnahme der Französischen Revolution in Österreich, die treffend zu den 200-Jahr-Feiern 1989 in der Nummer 29 behandelt wurde. Die Wahl dieser Themen spiegelt den Willen wider, die Zeitschrift nicht nur zu einem unumgänglichen Ort der Begegnung zu machen, sondern auch ihrerseits aktiv sur Entwicklung dieser Transfers und ihrer historischen Einordnung beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bereich der Literatur erfüllt die Zeitschrift vollauf ihre Rolle als Informationsquelle und Organ der Verbreitung österreichischer Kultur in Frankreich, indem sie regelmäßig den großen Schriftstellern ([[Adalbert Stifter|Stifter]], [[Karl Kraus|Kraus]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Robert Musil|Musil]], [[Joseph Roth|Roth]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Elias Canetti|Canetti]], Rezzori&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Gregor-von-Rezzori/173482&amp;lt;/ref&amp;gt;, etc.) eigene Nummern widmet. In diesem Zusammenhang kann nicht genug betont werden, dass es von Anfang an das vorrangige Bemühen war, in den französischen Köpfen die Idee der Existenz und der Besonderheit einer österreichischen Literatur im Vergleich zur deutschen Literatur zu verankern, sie in ihrer historischen Dimension zu erfassen und dabei den jüngsten zeitgenössischen Entwicklungen den gebührenden Raum zu geben, wie das bei [[Ingeborg Bachmann|Bachmann]] und Fried, bei [[Peter Hankde|Handke]] und [[Elfriede Jelinek|Jelinek]], die seither beide mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ähnlicher Weise konnte auch die Rolle der Agenten der Rezeption französischer Literatur in Österreich anhand einer ganzen literarischen Strömung untersucht werden, wie zum Beispiel in der Nummer 86 (&#039;&#039;Le naturalisme en Autriche&#039;&#039;), die aufgrund neuer Erkenntnisse das Problem der Existenz, innerhalb der österreichischen Literatur, eines von französischen Vorbildern inspirierten Naturalismus aufgreift und dabei die bisher vorherrschende Meinung, derzufolge die österreichische Literatur nur wenig mit dieser europäischen literarischen Strömung gemein hätte, in Frage stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nummer 49 (1999), &#039;&#039;Actualité de Karl Kraus&#039;&#039;, ist aus einer von [[Jacques Bouveresse]] und [[Gerald Stieg]] anlässlich des hundertsten Geburtstags der &#039;&#039;Fackel&#039;&#039; organisierten Tagung hervorgegangen und erlaubte ebenfalls der Forschung neue Impulse und Orientierungen zu geben. Ihre Novität und ihre Tragweite hinsichtlich der Rezeption liegen auch darin begründet, dass sie ein fruchtbares Unterfangen war, eine Verbindung zwischen den Arbeiten von Pierre Bourdieu&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article17557&amp;lt;/ref&amp;gt; über das Funktionieren der (Massen-)Medien und Kraus’ Kampf herzustellen, mit dem er den öffentlichen Diskurs seiner Zeit demaskiert hat. Der komparatistische Ansatz erlaubte es hier, eine Parallele herzustellen mit der Gründung des Verlags &#039;&#039;Raisons d’agir&#039;&#039; durch Bourdieu und mit dessen Arbeiten über die Presse, insbesondere mit den Essays &#039;&#039;Sur la télévision&#039;&#039; und &#039;&#039;L’emprise du journalisme&#039;&#039;, die eine Schule der Resistenz gegen die Allmacht der Medien darstellen und gerade wegen ihrer Verwandtschaft zur &#039;&#039;Fackel&#039;&#039; die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine andere bewusste Nahverbindung besteht zu &#039;&#039;Prodiges et vertiges de l’analogie&#039;&#039; (1999) von Jacques Bouveresse, wobei der Einfluss von Kraus klar herausgearbeitet und auch anerkannt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn es hier nicht möglich ist, eine vollständige Darstellung der Beiträge der Zeitschrift zu den österreichisch-französischen Kulturtransfers zu bieten, mögen einige Beispiele genügen, um ihren großen Umfang und ihre Vielfalt zu zeigen. Der Wille, keinen Aspekt der Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu vernachlässigen und sich nicht nur auf die Bereiche von Kunst und Literatur zu beschränken, spiegelt sich im Untertitel der Nummer 63 wider: &#039;&#039;Autriche / France. Transferts d’idées – histoires parallèles ? Sciences – Philosophie – Droit – Politique&#039;&#039;, wobei das Fragezeichen suggeriert, dass diese Fragestellung es verdient, nicht von vorneherein als Selbstverständlichkeit abgetan zu werden, die man nicht mehr zu hinterfragen bräuchte. Von der Feststellung eines Ungleichgewichts zugunsten Frankreichs in Sachen Transfer ausgehend, nimmt diese Nummer zur Kenntnis, dass die bisherigen Arbeiten in &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; zum Transfer Österreichs in Richtung Frankreich zahlreicher sind als in der anderen Richtung und dass sie sich bisher vorwiegend auf die Künste und die Literatur konzentriert haben. Die Bestandsaufnahme hat sich in dieser Nummer also logischerweise auf die Bereiche Wissenschaften, Philosophie, Wirtschafts- und Rechtstheorie und auf die Politik von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum historischen Bruch von 1938 konzentriert. Die verschiedenen Beiträge behandeln nicht nur das Entstehen, in Österreich, von Konzepten und Praktiken, sondern verfolgen auch die Spuren ihrer produktiven Rezeption in den erwähnten Disziplinen in Frankreich; derart bilden sie eine Kontinuität mit der internationalen Forschung (Johnston, Magris, [[Jacques Le Rider|Le Rider]], Schorske) zu « Wien 1900 » als Wiege der Moderne. Um die Phänomene des Transfers verständlich zu machen, ist es notwendig die Prozesse der Vermittlung, ihre Akteure und Zielrichtungen in den Mittelpunkt zu stellen, ebenso wie die Voraussetzungen der möglichen Übernahme der untersuchten Konzepte von einem Bezugssystem in ein anderes, von einer wissenschaftlichen Gemeinschaft in eine andere. Es ist das große Verdienst dieser Nummer, transformatorische und schöpferische Dynamiken aufgedeckt zu haben, die im Kontext des Empfängerlandes etappenweise zu einem Prozess der Adpatierung, der Aneignung von Konzepten und schließlich zum Entstehen neuer, autonomer Theorien führen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wenn sich der Dialog nicht auf Anhieb einstellt, kann er manchmal auch über Umwege und durch das Eingreifen anderer Akteure zustandekommen, zum Beispiel mit solchen aus den angelsächsischen Ländern. Das ist mit den Ideen von Ludwig Boltzmann der Fall, die [[Jacques Bouveresse]] für den Bereich der theoretischen Physik analysiert. Das gilt auch für die erste, ambivalente, Rezeption von [[Ludwig Wittgenstein|Wittgenstein]] in Frankreich, die anhand von zwei konkreten Beispielen dargestellt wird, nämlich der Lektüren von Gilles-Gaston Granger und Pierre Hadot; diese hatten, trotz des guten Willens ihrer Autoren, zur Folge, dass dieser Philosoph von der Wiener analytischen Tradition, der er viel verdankt, abgekoppelt wurde, ebenso wie von dem, was in seinem Denken als « österreichisch » angesehen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von der Zeitschift geleistete Vermittlungsarbeit erweist sich in einer nicht unbedeutenden Zahl von Fällen als umso wertvoller, als manchmal das Fehlen von verlässlichen Übersetzungen und folglich ein Mangel an dem französischen Publikum zugänglichen Texten zumindest zum Teil eine zögernde, deformierende Rezeption von ganzen Teilen der Ideengeschichte erklären, wozu dann auch noch die relative Unkenntnis des historischen österreichischen Kontextes kommt. Das ist besonders der Fall des Austromarxismus&amp;lt;ref&amp;gt;Kreissler 1982–1983&amp;lt;/ref&amp;gt;, der österreichischen Schule der Nationalökonomie oder auch der « Wiener Kreise » der Zwischenkriegszeit, Bereiche, in denen &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; vollauf seine Vermittlerrolle gespielt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Beispiele, die nur einen sehr geringen Teil des Beitrags von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; zu einem besseren Verständnis der sich kreuzenden Verbindungen zwischen den beiden Ländern darstellen, zeugen vom Willen der Zeitschrift und ihrer Mitarbeiter ihrerseits aktive, engagierte Akteure im Transfer zwischen Frankreich und Österreich und, im umgekehrten Sinn, zwischen Österreich und Frankreich zu sein und damit Forschern verschiedener Herkunft und verschiedener Disziplinen einen Ort der Begegnung zu bieten, wo Arbeitsmittel, Methoden, Hypothesen und Resultate ausgetauscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Rolle als Bindeglied zwischen den beiden Ländern hat die Zeitschrift &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; im Laufe ihrer Geschichte auch beständig in den Bereichen des künstlerischen Schaffens, inklusive der zeitgenössischen Kunst (Architektur, Musik, Malerei, Film, Photographie, etc.) gespielt; sie hat es aber auch verstanden, die frankophonen Leser mit den politischen Strukturen, Theorien und Akteuren vertraut zu machen, vor allem was die Zeit nach 1945 betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei markante Fakten, die von der intellektuellen Ausstrahlung und der fruchtbaren Wirkung über den alleinigen Kreis der Austriazisten hinaus zeugen, sollen am Schluss noch hervorgehoben werden. Der erste hat mit der großen, 1986 am Centre Pompidou organisierten Ausstellung &#039;&#039;Vienne, Naissance d’un siècle, 1880-1938&#039;&#039; (Februar – Mai 1986) zu tun, in deren Konzeption und Organisation mehrere Mitglieder des CERA und von &#039;&#039;Austriaca&#039;&#039; involviert waren. Der Ausstellungskatalog [[Ausstellung „Vienne, 1880–1938. L’apocalypse joyeuse“|&#039;&#039;L’Apocalypse joyeuse&#039;&#039;]]  beinhaltet zahlreiche Beiträge von Mitarbeitern der Zeitschrift. Dass [[Jacques Bouveresse]] in das Redaktionskomitee eintrat, ist den Vorgesprächen zur Ausstellung zu verdanken. Diese Tatsache wiederum steht im Zusammenhang mit einer anderen wichtigen Leistung der Zeitschrift: Dank der Wirkung von Bouveresse und seiner Arbeiten auf dem entsprechenden Gebiet, konnte die Zeitschrift in Fachkreisen die Idee von der Existenz einer österreichischen Philosophie durchsetzen, indem sie in nicht weniger als fünf Nummern (28, 44, 76, 78 und 94) nach und nach den Beweis von der Spezifizität der österreichischen gegenüber der deutschen Philosophie lieferte, mit der diese lange identifiziert worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese großzügige Polyphonie ist Ausdruck einer gemeinsamen Zielsetzung im Dienste einer besseren Kenntnis der Realitäten des vergangenen und gegenwärtigen Österreich, eines anspruchsvollen Dialogs und eines nie verlorenen Willens der wissenschaftlichen und kulturellen Vermittlung zwischen den beiden Ländern, die in dieser Intensität und Regelmäßigkeit in der Geschichte der österreichisch-französischen Beziehungen ihresgleichen suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Castellan, Georges: « Idée autrichienne et nation autrichienne ». In : Austriaca 1 (Dezember 1975), « Autriche. Bilan 75 ». Rouen : Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1975, S. 11–22.&lt;br /&gt;
*Clair, Jean (Hrsg.): Vienne 1880–1938. L’Apocalypse joyeuse. Paris: Éditions du Centre Pompidou 1986.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): Deux fois l’Autriche. Après 1918 et après 1945. Actes du colloque de Rouen (9–12. November 1977), Spezialausgabe. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA), Nr. 1, Juli 1978; Nr. 2, Februar 1979; Nr. 3, November 1979.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): L’Austromarxisme – Nostalgie et/ou renaissance ? Actes du colloque de Paris (25–27. Februar 1982), Austriaca 15 (Nr. 2), November 1982. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1982.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Félix (Hrsg.): Relations franco-autrichiennes. 1870-1970. Actes du colloque de Rouen (29. Februar – 2. März 1984), Austriaca, Spezialausgabe. Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA), Juni 1986.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Françoise: « Zur Biographie eines Illegalen im französischen Exil: Felix Kreissler (1917–2004) ». In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 29 (2018) / 3, S. 215–227.&lt;br /&gt;
*Kreissler, Françoise: « Als das kurze Leben des Henri Lebrun in der Biographie von Felix Kreissler (1917-2004) abhanden kam ». In: Konstantin Kaiser, Irene Nawrocka, Corina Prochazka und Marianne Windsperger (Hg.): Zwischenwelt. Lebensspuren: Autobiografik von Exil, Widerstand, Verfolgung und Lagererfahrung. Wien: Theodor Kramer Gesellschaft u. Klagenfurt: Drava Verlag 2020, S. 309–329.&lt;br /&gt;
*« Préface ». In: Austriaca 1 (Dezember 1975), « Autriche ? Bilan 75 ». Rouen: Publications de l’Université de Rouen (CERA) 1975, S. 7–10.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: « Félix Kreissler, fondateur du Centre d’Études et de recherches Autrichiennes de l’Université de Rouen ». In: Identité et Résistance. Mélanges pour Felix Kreissler, réunis par Georg Jankovic et Gerald Stieg. Paris: Annales de l’Institut culturel autrichien (Nr. II) 1998, S. 187–191.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung: Karl Zieger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 29/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Austriaca}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Romain_Rolland&amp;diff=1553</id>
		<title>Romain Rolland</title>
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		<updated>2026-09-28T13:44:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Romain Rolland-1914.jpg|thumb|Romain Rolland, 1914]]&lt;br /&gt;
Als französischer Schriftsteller, Musikologe, Musikkritiker, Pazifist wurde Romain Rolland (29. Januar 1866 in Clamecy – 30. Dezember 1944 in Vézelay) 1915 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er spielte besonders in den (und teilweise nach den) Kriegsjahren 1914–1918 eine wichtige Rolle in der pazifistischen Bewegung in Europa und hatte, vermittelnd zwischen Kulturen, Auffassungen und ideologischen Positionen, auch auf österreichische Intellektuelle einen großen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Rolland entstammte einer bürgerlichen Familie, die 1880 nach Paris zog. Hier studierte er bis 1889 an der École normale supérieure Geschichte und Literatur; 1889–1991 bereitete er seine Doktorarbeit (thèse) in Musikgeschichte in Rom vor, wo er im Salon von Malwida von Meysenburg verkehrte und Wagners Musik kennenlernte; er besuchte auch Bayreuth. 1895 verteidigte er seine Thèse, war danach Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der ENS, danach ab 1904 für Musikgeschichte an der Sorbonne. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg reiste er viel in Europa, schrieb Essays, Kritiken, kunst- und musikhistorische Texte, Erzähltexte und Biographien über Beethoven, Michelangelo, Tolstoi, Händel. Er schrieb auch mehrere Dramen, von denen als erstes &#039;&#039;Les Loups&#039;&#039; (1898) aufgeführt wurde. Zwischen 1904–1912 schrieb er seinen „roman-fleuve“ &#039;&#039;Jean-Christophe&#039;&#039;, der zu einem großen (internationalen) Erfolg wurde und ihm 1915 den Nobelpreis für Literatur bescherte. Seine späteren Werke, Romane (&#039;&#039;Colas Breugnon&#039;&#039;, &#039;&#039;Clérembault&#039;&#039;, &#039;&#039;Pierre et Luce&#039;&#039;, &#039;&#039;L’âme enchantée&#039;&#039;) wurden auch in viele Sprachen übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Rolland in der Schweiz,&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Kemp 1962: 127–130&amp;lt;/ref&amp;gt;, er blieb in Genf und arbeitete bei der &#039;&#039;Internationalen Zweigstelle für Kriegsgefangene&#039;&#039; (Oktober 1914–Juli 1915), im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039; veröffentlichte er eine Reihe von pazifistischen Texten, die auch als Buch erschienen (&#039;&#039;Au-dessus de la mêlée&#039;&#039; [1915]; &#039;&#039;Aux peuples assassinés&#039;&#039; [1917]), in denen er die kriegsführenden Länder kritisierte und eine über den Parteien stehende Position einnahm, sowie unter ihnen zu vermitteln versuchte. In der Schweiz kam er mit vielen Intellektuellen auch aus Deutschland und Österreich in Kontakt (u.a. Andreas Latzko&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd120739755.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Stefan Zweig, Leonhard Frank, Harry Graf Kessler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118561685.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt;, René Schickele&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11860743X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;). Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Rolland eine zeitlang in der Schweiz, näherte sich sozialistisch-revolutionären Ansichten an und sympathisierte mit der Oktoberrevolution bzw. der Sowjetunion (die er 1935 sogar besuchte). Nachdem er in den 1920er Jahren noch an einem Pazifismus ohne irgendeine Gewaltanwendung festhielt (teilweise unter Einfluss von Gandhi), nimmt er angesichts der politischen Entwicklungen der 1930er Jahre allmählich eine kämpferische, Gewalt und Revolution, sogar Krieg (gegen den aufkommenden Faschismus) akzeptierende Haltung ein, wodurch sich viele Freunde von ihm entfernten;&amp;lt;ref&amp;gt;Duchatelet 2010: 15–18&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs resigniert er, zieht sich zurück, versucht immerhin seine Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben: Dass er das erlebt, wird durch seinen Tod im Dezember 1944 verhindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rollands Beziehungen zu Österreich==&lt;br /&gt;
Rollands erste Beziehungen zu Österreich gehen auf sein Interesse und sein Studium der Musik zurück: Er bewundert Mozart und Beethoven, besucht Salzburg und Wien. Erst um 1910 lernt er österreichische Intellektuelle, Literaten kennen. Als Stefan Zweig ab 1908 sich öfter in Paris aufhält, sucht er Rolland auf und macht ihn auch mit anderen Künstlern (u.a. mit [[Rainer Maria Rilke&amp;lt;Rilke]]) bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Baum 2009: 74–80; Cheval 1964: 115–116&amp;lt;/ref&amp;gt; Zweig vermittelt auch Rollands &#039;&#039;Jean-Christophe&#039;&#039; nach Österreich, regt eine deutsche Übersetzung an, die Otto Grautoff übernimmt. Zweig schreibt auch eine positive Kritik über Rolland, beginnt mit ihm einen Briefwechsel, der die wechselvollen Jahre fast bis zum Tod überdauert (1910–1940). Rolland kann sich durch Zweig über die österreichische Literatur informieren, „[i]hm ist es zu verdanken, daß [[Hermann Bahr|Bahr]] und Rilke, [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] und [[Sigmund Freud|Freud]], [[Franz Werfel|Werfel]] und [[Georg Trakl|Trakl]], Petzold&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Alfons_Petzold&amp;lt;/ref&amp;gt; und Latzko in den Gesichtskreis Rollands treten“ &amp;lt;ref&amp;gt;Cheval 1968: 11&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rolland und Zweig==&lt;br /&gt;
Die Beziehung von Rolland und Zweig ist besonders hervorzuheben als Beispiel für eine freundschaftliche Auseinandersetzung zweier Intellektuellen mit den Fragen von Krieg, Nationalismus, Pazifismus, Europäertum und als eine beispielhafte kulturelle Vermittlung über politische und sprachliche Grenzen hinaus. Kulminationspunkt ist der Erste Weltkrieg, bei dessen Ausbruch Rolland in seinen kriegskritischen Veröffentlichungen (u.a. &#039;&#039;Au-dessus de la mêlée&#039;&#039;) im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039; entschieden gegen den Krieg Stellung nimmt; dagegen äußert sich Zweig – im Gegensatz zu seiner erst rückblickend entstandenen, postum publizierten Autobiographie &#039;&#039;Die Welt von Gestern&#039;&#039; – bei Kriegsausbruch widersprüchlich, so u.a. im Essay &#039;&#039;An die Freunde im Fremdland&#039;&#039; im September 1914 und in seinem Tagebuch, in dem er auch kriegsakzeptierende und nationalistisch-patriotische (immerhin ambivalente) Ansichten zeigt, außerdem leistet er Kriegsdienst, zwar nicht mit der Waffe, sondern in der Propagandaabteilung des KPQ in Wien. Erst unter dem Einfluss von Rollands Beharren auf ihrer Freundschaft („Je suis plus fidèle que vous à notre Europe, cher Stefan Zweig, et je ne dis adieu à aucun de mes amis“&amp;lt;ref&amp;gt;Rolland/Zweig 2014: 76&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie des in ihrem Briefwechsel fortgesetzten Dialogs kommt Zweig allmählich zu einem entschieden pazifistischen Standpunkt: Er schreibt sein Drama &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (1917), das, das biblische Thema aktualisierend, eine eindeutige Einstellung gegen den Krieg zum Ausdruck bringt. Nachdem Zweig zur Aufführung des Dramas in die Schweiz fahren darf und sich dort aufhält (ab November 1917 bis März 1919), kommt es zu einem intensiven und auch persönlichen Austausch mit Rolland; Zweigt kann dadurch und auch im Dialog mit anderen in die Schweiz geflüchteten Intellektuellen verschiedener Nationen seine pazifistische Gesinnung begründen und festigen. Rolland hilft – auf Anregung Zweigs – Rilke und Schnitzler&amp;lt;ref&amp;gt;Cheval 1968: 13–14&amp;lt;/ref&amp;gt;: Er setzt sich für Rilke ein und kann mit Hilfe von [[André Gide|Gide]] und Copeau einen Teil von Rilkes versteigerten Büchern, Manuskripten, Möbeln retten. Rolland vermittelt Schnitzler in der „Verleumdungsaffäre“, als diesem in einem (anonymen) fiktiven Interview abschätzende Aussagen über die Literatur und Kultur von Österreichs Kriegsgegner zugeschrieben werden: Rolland übersetzt und veröffentlicht Schnitzlers Erklärung im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039;, in der er die Anschuldigungen dementiert. Zweig bemüht sich seinerseits um Aufführungen von Rollands &#039;&#039;Les Loups&#039;&#039; in Wien, schreibt an einem Buch über Rolland (1921), übersetzt auch Rollands &#039;&#039;Clérembault&#039;&#039; und &#039;&#039;Liluli&#039;&#039; und regt Freunde zu Übersetzungen weiterer Werke Rollands an. 1926 setzt er sich für eine Festschrift zum 60. Geburtstag Rollands ein: das &#039;&#039;Liber Amicorum&#039;&#039; erscheint in Zürich beim Rotapfel-Verlag mit 130 Einträgen, darunter von Österreichern wie [[Paul Amann|Amann]], Bahr, Freud, Latzko, Schnitzler und Zweig selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig und Rolland setzen ihren Briefwechsel nach dem Ersten Weltkrieg fort, beide nehmen an verschiedenen pazifistischen Bewegungen und Organisationen teil; ihre Meinungen gehen aber Schritt für Schritt in andere Richtungen: Rolland orientiert sich sozialistisch gesinnt und sympathisiert allmählich mit der Revolution und der Sowjetunion, Zweig dagegen bewahrt seine Skepsis und konservative Haltung – immerhin bleiben beide ihrer europäisch-pazifistischen Gesinnung treu –, bis das Aufkommen des Faschismus, der „Anschluss“ und der Zweite Weltkrieg – auch wegen Zweigs Exil in England und Brasilien – kaum überwindbare Hürden darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präsenz Rollands „im öffentlichen Bewußtsein“&amp;lt;ref&amp;gt;Hertrampf 2018: 10&amp;lt;/ref&amp;gt; nimmt in Frankreich seit den 2010er Jahren zu, in Deutschland war Rollands Rezeption in der BRD und der DDR ziemlich ungleich, erst in den letzten zehn Jahren wird Rolland und seinen deutsch-österreichischen Beziehungen wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Immerhin bleibt es weiterhin ein Wunsch, ihn in der Forschung sichtbarer zu machen, neu zu bewerten und neue Forschungsperspektiven zu öffnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hertrampf 2018: 13–14&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Romain, Rolland: Au-dessus de la mêlée. Paris: Payot 2019.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain: Jean-Christophe. Paris: Albin Michel 1967.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain: Das Gewissen Europas. Tagebuch der Kriegsjahre 1914–1919. Aufzeichnungen zur Moralgeschichte Europas in jener Zeit, Band I, II, III. Aus d. Franz. übersetzt v. Cornelia Lehmann, mit einem Vorwort von Gerhard Schewe. Berlin: Rütten &amp;amp; Loening 21983.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 1: 1910–1919. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2014.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 2: 1920–1927. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2015.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 3: 1928–1940. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2016.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan – Rolland Romain: Von Welt zu Welt: Briefe einer Freundschaft 1914–1918. Berlin: Aufbau Verlag 2014.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Der Mann und das Werk. Frankfurt/Main: Rütten &amp;amp; Loening 1921.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Tagebücher, hrsg. von Knut Beck. Frankfurt/Main: S. Fischer 1984.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Frankfurt/Main: S. Fischer 1917.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Battiston, Régine et al. (Hg.): „Ich liebte Frankreich wie eine zweite Heimat“. Neue Studien zu Stefan Zweig – „J’aimais la France comme ma seconde patrie“: actualité[s] de Stefan Zweig. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2011.&lt;br /&gt;
*Baum, Wilhelm: Paris und die Kultur der Moderne in Österreich. Österreichisch-französische Kulturbeziehungen 1880–1970. Klagenfurt – Wien: kitab-Verlag 2009.&lt;br /&gt;
*Cheval, René: Romain Rolland, l’Allemagne et la guerre. Paris: PUF 1963.&lt;br /&gt;
*Cheval, René: Romain Rollands Begegnungen mit Österreich. Innsbruck: Universitätsverlag 1968.&lt;br /&gt;
*Duchatelet, Bernard (Hg.): Romain Rolland, une œuvre de paix. Paris: Publications de la Sorbonne 2010.&lt;br /&gt;
*Hertrampf, Marina Ortrud (Hg.): Romain Rolland und die deutschsprachigen Länder. Verbindungen – Wahrnehmung – Rezeption. Berlin: Frank &amp;amp; Timme, 2018.&lt;br /&gt;
*Hertrampf, Marina Ortrud (Hg.): Frieden! Pazifistische Gedanken im Umkreis von Romain Rolland. München: Akademische Verlagsgesellschaft 2022.&lt;br /&gt;
*Kemp, Marcelle: Romain Rolland et l’Allemagne. Paris: Debresse 1963.&lt;br /&gt;
*Klepsch, Michael: Romain Rolland im Ersten Weltkrieg. Ein Intellektueller auf verlorenem Posten. Stuttgart u.a.: Kohlhammer 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin== &lt;br /&gt;
Magdolna Orosz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 28/09/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Romain_Rolland}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Rolland, Romain}}&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Romain Rolland, 1914 Als französischer Schriftsteller, Musikologe, Musikkritiker, Pazifist wurde Romain Rolland (29. Januar 1866 in Clamecy – 30. Dezember 1944 in Vézelay) 1915 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er spielte besonders in den (und teilweise nach den) Kriegsjahren 1914–1918 eine wichtige Rolle in der pazifistischen Bewegung in Europa und hatte, vermittelnd zwischen Kulturen, Auffassun…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Romain Rolland-1914.jpg|thumb|Romain Rolland, 1914]]&lt;br /&gt;
Als französischer Schriftsteller, Musikologe, Musikkritiker, Pazifist wurde Romain Rolland (29. Januar 1866 in Clamecy – 30. Dezember 1944 in Vézelay) 1915 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er spielte besonders in den (und teilweise nach den) Kriegsjahren 1914–1918 eine wichtige Rolle in der pazifistischen Bewegung in Europa und hatte, vermittelnd zwischen Kulturen, Auffassungen und ideologischen Positionen, auch auf österreichische Intellektuelle einen großen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Rolland entstammte einer bürgerlichen Familie, die 1880 nach Paris zog. Hier studierte er bis 1889 an der École normale supérieure Geschichte und Literatur; 1889–1991 bereitete er seine Doktorarbeit (thèse) in Musikgeschichte in Rom vor, wo er im Salon von Malwida von Meysenburg verkehrte und Wagners Musik kennenlernte; er besuchte auch Bayreuth. 1895 verteidigte er seine Thèse, war danach Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der ENS, danach ab 1904 für Musikgeschichte an der Sorbonne. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg reiste er viel in Europa, schrieb Essays, Kritiken, kunst- und musikhistorische Texte, Erzähltexte und Biographien über Beethoven, Michelangelo, Tolstoi, Händel. Er schrieb auch mehrere Dramen, von denen als erstes &#039;&#039;Les Loups&#039;&#039; (1898) aufgeführt wurde. Zwischen 1904–1912 schrieb er seinen „roman-fleuve“ &#039;&#039;Jean-Christophe&#039;&#039;, der zu einem großen (internationalen) Erfolg wurde und ihm 1915 den Nobelpreis für Literatur bescherte. Seine späteren Werke, Romane (&#039;&#039;Colas Breugnon&#039;&#039;, &#039;&#039;Clérembault&#039;&#039;, &#039;&#039;Pierre et Luce&#039;&#039;, &#039;&#039;L’âme enchantée&#039;&#039;) wurden auch in viele Sprachen übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Rolland in der Schweiz,&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Kemp 1962: 127–130&amp;lt;/ref&amp;gt;, er blieb in Genf und arbeitete bei der &#039;&#039;Internationalen Zweigstelle für Kriegsgefangene&#039;&#039; (Oktober 1914–Juli 1915), im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039; veröffentlichte er eine Reihe von pazifistischen Texten, die auch als Buch erschienen (&#039;&#039;Au-dessus de la mêlée&#039;&#039; [1915]; &#039;&#039;Aux peuples assassinés&#039;&#039; [1917]), in denen er die kriegsführenden Länder kritisierte und eine über den Parteien stehende Position einnahm, sowie unter ihnen zu vermitteln versuchte. In der Schweiz kam er mit vielen Intellektuellen auch aus Deutschland und Österreich in Kontakt (u.a. Andreas Latzko&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd120739755.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Stefan Zweig, Leonhard Frank, Harry Graf Kessler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118561685.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt;, René Schickele&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11860743X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;). Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Rolland eine zeitlang in der Schweiz, näherte sich sozialistisch-revolutionären Ansichten an und sympathisierte mit der Oktoberrevolution bzw. der Sowjetunion (die er 1935 sogar besuchte). Nachdem er in den 1920er Jahren noch an einem Pazifismus ohne irgendeine Gewaltanwendung festhielt (teilweise unter Einfluss von Gandhi), nimmt er angesichts der politischen Entwicklungen der 1930er Jahre allmählich eine kämpferische, Gewalt und Revolution, sogar Krieg (gegen den aufkommenden Faschismus) akzeptierende Haltung ein, wodurch sich viele Freunde von ihm entfernten;&amp;lt;ref&amp;gt;Duchatelet 2010: 15–18&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs resigniert er, zieht sich zurück, versucht immerhin seine Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben: Dass er das erlebt, wird durch seinen Tod im Dezember 1944 verhindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rollands Beziehungen zu Österreich==&lt;br /&gt;
Rollands erste Beziehungen zu Österreich gehen auf sein Interesse und sein Studium der Musik zurück: Er bewundert Mozart und Beethoven, besucht Salzburg und Wien. Erst um 1910 lernt er österreichische Intellektuelle, Literaten kennen. Als Stefan Zweig ab 1908 sich öfter in Paris aufhält, sucht er Rolland auf und macht ihn auch mit anderen Künstlern (u.a. mit [[Rainer Maria Rilke&amp;lt;Rilke]]) bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Baum 2009: 74–80; Cheval 1964: 115–116&amp;lt;/ref&amp;gt; Zweig vermittelt auch Rollands &#039;&#039;Jean-Christophe&#039;&#039; nach Österreich, regt eine deutsche Übersetzung an, die Otto Grautoff übernimmt. Zweig schreibt auch eine positive Kritik über Rolland, beginnt mit ihm einen Briefwechsel, der die wechselvollen Jahre fast bis zum Tod überdauert (1910–1940). Rolland kann sich durch Zweig über die österreichische Literatur informieren, „[i]hm ist es zu verdanken, daß [[Hermann Bahr|Bahr]] und Rilke, [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] und [[Sigmund Freud|Freud]], [[Franz Werfel|Werfel]] und [[Georg Trakl|Trakl]], Petzold&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Alfons_Petzold&amp;lt;/ref&amp;gt; und Latzko in den Gesichtskreis Rollands treten“ &amp;lt;ref&amp;gt;Cheval 1968: 11&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rolland und Zweig==&lt;br /&gt;
Die Beziehung von Rolland und Zweig ist besonders hervorzuheben als Beispiel für eine freundschaftliche Auseinandersetzung zweier Intellektuellen mit den Fragen von Krieg, Nationalismus, Pazifismus, Europäertum und als eine beispielhafte kulturelle Vermittlung über politische und sprachliche Grenzen hinaus. Kulminationspunkt ist der Erste Weltkrieg, bei dessen Ausbruch Rolland in seinen kriegskritischen Veröffentlichungen (u.a. &#039;&#039;Au-dessus de la mêlée&#039;&#039;) im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039; entschieden gegen den Krieg Stellung nimmt; dagegen äußert sich Zweig – im Gegensatz zu seiner erst rückblickend entstandenen, postum publizierten Autobiographie &#039;&#039;Die Welt von Gestern&#039;&#039; – bei Kriegsausbruch widersprüchlich, so u.a. im Essay &#039;&#039;An die Freunde im Fremdland&#039;&#039; im September 1914 und in seinem Tagebuch, in dem er auch kriegsakzeptierende und nationalistisch-patriotische (immerhin ambivalente) Ansichten zeigt, außerdem leistet er Kriegsdienst, zwar nicht mit der Waffe, sondern in der Propagandaabteilung des KPQ in Wien. Erst unter dem Einfluss von Rollands Beharren auf ihrer Freundschaft („Je suis plus fidèle que vous à notre Europe, cher Stefan Zweig, et je ne dis adieu à aucun de mes amis“&amp;lt;ref&amp;gt;Rolland/Zweig 2014: 76&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie des in ihrem Briefwechsel fortgesetzten Dialogs kommt Zweig allmählich zu einem entschieden pazifistischen Standpunkt: Er schreibt sein Drama &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (1917), das, das biblische Thema aktualisierend, eine eindeutige Einstellung gegen den Krieg zum Ausdruck bringt. Nachdem Zweig zur Aufführung des Dramas in die Schweiz fahren darf und sich dort aufhält (ab November 1917 bis März 1919), kommt es zu einem intensiven und auch persönlichen Austausch mit Rolland; Zweigt kann dadurch und auch im Dialog mit anderen in die Schweiz geflüchteten Intellektuellen verschiedener Nationen seine pazifistische Gesinnung begründen und festigen. Rolland hilft – auf Anregung Zweigs – Rilke und Schnitzler&amp;lt;ref&amp;gt;Cheval 1968: 13–14&amp;lt;/ref&amp;gt;: Er setzt sich für Rilke ein und kann mit Hilfe von [[André Gide|Gide]] und Copeau einen Teil von Rilkes versteigerten Büchern, Manuskripten, Möbeln retten. Rolland vermittelt Schnitzler in der „Verleumdungsaffäre“, als diesem in einem (anonymen) fiktiven Interview abschätzende Aussagen über die Literatur und Kultur von Österreichs Kriegsgegner zugeschrieben werden: Rolland übersetzt und veröffentlicht Schnitzlers Erklärung im &#039;&#039;Journal de Genève&#039;&#039;, in der er die Anschuldigungen dementiert. Zweig bemüht sich seinerseits um Aufführungen von Rollands &#039;&#039;Les Loups&#039;&#039; in Wien, schreibt an einem Buch über Rolland (1921), übersetzt auch Rollands &#039;&#039;Clérembault&#039;&#039; und &#039;&#039;Liluli&#039;&#039; und regt Freunde zu Übersetzungen weiterer Werke Rollands an. 1926 setzt er sich für eine Festschrift zum 60. Geburtstag Rollands ein: das &#039;&#039;Liber Amicorum&#039;&#039; erscheint in Zürich beim Rotapfel-Verlag mit 130 Einträgen, darunter von Österreichern wie [[Paul Amann|Amann]], Bahr, Freud, Latzko, Schnitzler und Zweig selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig und Rolland setzen ihren Briefwechsel nach dem Ersten Weltkrieg fort, beide nehmen an verschiedenen pazifistischen Bewegungen und Organisationen teil; ihre Meinungen gehen aber Schritt für Schritt in andere Richtungen: Rolland orientiert sich sozialistisch gesinnt und sympathisiert allmählich mit der Revolution und der Sowjetunion, Zweig dagegen bewahrt seine Skepsis und konservative Haltung – immerhin bleiben beide ihrer europäisch-pazifistischen Gesinnung treu –, bis das Aufkommen des Faschismus, der „Anschluss“ und der Zweite Weltkrieg – auch wegen Zweigs Exil in England und Brasilien – kaum überwindbare Hürden darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präsenz Rollands „im öffentlichen Bewußtsein“&amp;lt;ref&amp;gt;Hertrampf 2018: 10&amp;lt;/ref&amp;gt; nimmt in Frankreich seit den 2010er Jahren zu, in Deutschland war Rollands Rezeption in der BRD und der DDR ziemlich ungleich, erst in den letzten zehn Jahren wird Rolland und seinen deutsch-österreichischen Beziehungen wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Immerhin bleibt es weiterhin ein Wunsch, ihn in der Forschung sichtbarer zu machen, neu zu bewerten und neue Forschungsperspektiven zu öffnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hertrampf 2018: 13–14&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Romain, Rolland: Au-dessus de la mêlée. Paris: Payot 2019.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain: Jean-Christophe. Paris: Albin Michel 1967.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain: Das Gewissen Europas. Tagebuch der Kriegsjahre 1914–1919. Aufzeichnungen zur Moralgeschichte Europas in jener Zeit, Band I, II, III. Aus d. Franz. übersetzt v. Cornelia Lehmann, mit einem Vorwort von Gerhard Schewe. Berlin: Rütten &amp;amp; Loening 21983.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 1: 1910–1919. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2014.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 2: 1920–1927. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2015.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain – Zweig, Stefan: Correspondance 3: 1928–1940. Éd. Jean-Yves Brancy. Paris: Albin Michel 2016.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan – Rolland Romain: Von Welt zu Welt: Briefe einer Freundschaft 1914–1918. Berlin: Aufbau Verlag 2014.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Der Mann und das Werk. Frankfurt/Main: Rütten &amp;amp; Loening 1921.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Tagebücher, hrsg. von Knut Beck. Frankfurt/Main: S. Fischer 1984.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Frankfurt/Main: S. Fischer 1917.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Battiston, Régine et al. (Hg.): „Ich liebte Frankreich wie eine zweite Heimat“. Neue Studien zu Stefan Zweig – „J’aimais la France comme ma seconde patrie“: actualité[s] de Stefan Zweig. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2011.&lt;br /&gt;
*Baum, Wilhelm: Paris und die Kultur der Moderne in Österreich. Österreichisch-französische Kulturbeziehungen 1880–1970. Klagenfurt – Wien: kitab-Verlag 2009.&lt;br /&gt;
*Cheval, René: Romain Rolland, l’Allemagne et la guerre. Paris: PUF 1963.&lt;br /&gt;
*Cheval, René: Romain Rollands Begegnungen mit Österreich. Innsbruck: Universitätsverlag 1968.&lt;br /&gt;
*Duchatelet, Bernard (Hg.): Romain Rolland, une œuvre de paix. Paris: Publications de la Sorbonne 2010.&lt;br /&gt;
*Hertrampf, Marina Ortrud (Hg.): Romain Rolland und die deutschsprachigen Länder. Verbindungen – Wahrnehmung – Rezeption. Berlin: Frank &amp;amp; Timme, 2018.&lt;br /&gt;
*Hertrampf, Marina Ortrud (Hg.): Frieden! Pazifistische Gedanken im Umkreis von Romain Rolland. München: Akademische Verlagsgesellschaft 2022.&lt;br /&gt;
*Kemp, Marcelle: Romain Rolland et l’Allemagne. Paris: Debresse 1963.&lt;br /&gt;
*Klepsch, Michael: Romain Rolland im Ersten Weltkrieg. Ein Intellektueller auf verlorenem Posten. Stuttgart u.a.: Kohlhammer 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin== &lt;br /&gt;
Magdolna Orosz&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-09-28T13:42:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Romain Rolland, 1914, Agence de presse Meurisse  

Bibliothèque nationale de France: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b9042316x/

Public domain via Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Romain_Rolland-1914.jpg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Romain Rolland, 1914, Agence de presse Meurisse  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bibliothèque nationale de France: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b9042316x/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Public domain via Wikimedia Commons&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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