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		<title>Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Paul_Verlaine_et_le_symbolisme_(réception_en_Autriche) nur im französischsprachigen Wiki]. &lt;br /&gt;
{{otherWiki|Paul_Verlaine_et_le_symbolisme_(réception_en_Autriche)}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Verlaine, Paul}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Hugo_von_Hofmannsthal&amp;diff=1236</id>
		<title>Hugo von Hofmannsthal</title>
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		<updated>2026-04-23T11:08:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Hofmannsthal.jpg||thumb|Hugo von Hofmannsthal (23.1.1929)]] Hugo von Hofmannsthal (i.e. Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, * 1.2.1874 in Wien, † 15.7.1929 in Rodaun bei Wien) war Dramatiker, Lyriker, Erzähler, Librettist, Theaterkritiker, Essayist, Übersetzer und Kulturvermittler. Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Wiener Moderne. Unter den vielen Lektüren und Einflüssen fremder Sprachen und Kulturen nimmt der Bezug zu Frankreich eine Sonderstellung ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hofmannsthals Annäherung an die französische Kultur==&lt;br /&gt;
Grundsätzlich zeichnet sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich durch große Vertrautheit, durch sympathetische Anverwandlung und ein kritisches Sich-Messen aus. Hofmannsthals tiefe Verbundenheit mit Frankreich ist zum einen durch das frankophile Ambiente in Familie und in der Stadt Wien bedingt, zum andern durch den Sprachunterricht am Akademischen Gymnasium in Wien mit dem ausgezeichneten Sprachenlehrer Gabriel Dubray, mit dem Hofmannsthal 1892 seine erste Reise nach Frankreich unternimmt und dem er seinen Aufsatz über &#039;&#039;Französische Redensarten&#039;&#039; (1897) widmet. Bereits als Gymnasiast beschäftigt sich Hofmannsthal viel mit (nicht nur) französischer Literatur. In einem Brief an [[Hermann Bahr]] schreibt er 1891: „ich habe MM. de la Rochefoucauld, de la Bruyère, de St.-Simon, de Montaigne, de Montesquieu, de Buffon, sowie die Herren Chamfort, Courier, Chateaubriand, Voltaire, La Mettrie, Louvet, Jean-Jacques, Diderot, Prévost, Gresset, Mably und (hélas) Volney auch gelesen.“ Nicht alle Lektüre-Erlebnisse zeitigen langfristige Nachwirkungen, nicht immer sind es nur die ‚großen‘ Namen, deren Einfluss von Bedeutung ist (etwa die Spuren der Operette &#039;&#039;L’ingénu libertin&#039;&#039; von Louis Artus&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd1115658220.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Claude Terrasse&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd129851574.html&amp;lt;/ref&amp;gt; auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem relativ rasch abgebrochenen Jus-Studium widmet sich Hofmannsthal dem Studium der Romanistik, das er mit einer Dissertation zum &#039;&#039;Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléiade&#039;&#039; beendet. Eine fertig gestellte Habilitationsschrift mit dem Titel &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; zieht er 1901 zurück. Trotz einiger skeptischer Anmerkungen zur Dichtergruppe des 16. Jahrhunderts (Brief vom Juni 1897 an [[Leopold von Andrian]]) mag in der Beschäftigung mit vor allem Ronsards&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602519.html&amp;lt;/ref&amp;gt; Gedichten ein Anstoß zum Griff zu ‚alten‘ Gedichtformen wie dem Sonett liegen. Allgemein vollzieht sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich auf allen Ebenen von Intertextualität und Interkulturalität: Sie reicht von der Übernahme einzelner Topoi und Motive über Gattungsfragen und Szenenführung bis zur grundsätzlichen Diskussion ästhetischer Fragen sowie der Reflexion über das Verhältnis von Dichter und Gesellschaft. Noch in der späten &#039;&#039;Vorrede zu St.-J. Perse „Anabasis“&#039;&#039; (1929) zollt er den Bemühungen der Dichter der Pléiade (wie jenen Mallarmés&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118576771.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u.a.) Tribut, die versuchen, die „lyrische Inspiration aus dem Innern der Sprache selbst zu erneuern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach der ersten Reise 1892 hält sich Hofmannsthal wiederholt in Frankreich, konkret in Paris, auf, wobei der längere Aufenthalt von 1900-1901 von besonderer Nachhaltigkeit ist. Hofmannsthal nutzt seinen Verbleib in Paris zu Theaterbesuchen, Besichtigungen von Museen und Galerien („Bei den Kunsthändlern und den Privaten werden mir die noch nicht sehr bekannten Maler geläufig: Cézanne, Gauguin, Toulouse-Lautrec, van Gogh“, Brief vom 24.3.1900 an H. Bahr) und dazu, Bekanntschaften zu schließen, die manchmal Freundschaft (mit Anatole France&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692445.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Maurice Maeterlinck]] u.a.) und Briefwechsel nach sich ziehen oder auch ganz konkrete berufliche Anstöße liefern (so die Bekanntschaft mit dem Theaterdirektor Aurélien-Marie Lugné-Poe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd11734138X.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Hofmannsthal den Roman &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; von Jules Renard und das Stück &#039;&#039;Venise sauvée&#039;&#039; des englischen Dramatikers Thomas Otway&amp;lt;ref&amp;gt;https://en.wikisource.org/wiki/Dictionary_of_National_Biography,_1885-1900/Otway,_Thomas_(1652-1685)&amp;lt;/ref&amp;gt; nahebringt, oder – später – die Zusammenarbeit mit Diaghilews&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119190907.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Ballets russes“, die zur &#039;&#039;Josephslegende&#039;&#039; führt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kreative Rezeption==&lt;br /&gt;
Hofmannsthals Beschäftigung mit Frankreich und der französischen Kultur ist jedoch nicht nur rezeptiv, sondern von Beginn an auch produktiv. Bereits 1891 erscheinen seine Kritiken zu Paul Bourget&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz145229.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118506684.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Henri-Frédéric Amiel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118648802.html&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie ein Nachruf auf Théodore de Banville&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119080389.html&amp;lt;/ref&amp;gt;; 1893 seine Besprechung von Marie Bashkirtseffs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653350.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Tagebuch eines jungen Mädchens&#039;&#039;. Hofmannsthals Rezensionen der französischen Neuerscheinungen der 1890er Jahre bezeugen zum einen sein Bemühen um eine Standortbestimmung zeitgenössischer ‚moderner‘ Literatur und zum andern seine eigene Form von Kritik, die eine Kritik der kritischen Anverwandlung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Analysen der Texte seiner Zeitgenossen sind Reflexionen über die Befindlichkeit junger Menschen seiner Generation mit ihrer instabilen Persönlichkeit, ihrer gesteigerten Sensibilität und allgemeinen Orientierungslosigkeit. „Je suis perdu dans le vagabondage, ne sachant où retrouver l’unité de ma vie“, zitiert er M. Barrès und scheint sich selbst mit zu meinen, wenn er von Barrès übergangslos zum „wir“ übergeht, zum „wir Menschen mit sehr entwickelten Nerven und geschwächtem Willen“, denen das Leben ein „Gewirre zusammenhangloser Erscheinungen“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirkungsmächtiger als die Lektüre der Zeitgenossen erweist sich die Vertiefung in die Literatur der Symbolisten und ihrer Vorläufer [[Charles Baudelaire]], [[Arthur Rimbaud]] und [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Paul Verlaine]], wenngleich es zu diesen Autoren keine großen, geschlossenen Arbeiten Hofmannsthals gibt. Nur indirekt – in einer Besprechung der Gedichte von Francis Vielé-Griffin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118804456&amp;lt;/ref&amp;gt; – spricht Hofmannsthal seine große Wertschätzung für die Musikalität der Verlaine’schen Verse aus, für den „Zauber“ von Verlaines „undefinierbarem Rhythmus“, dem wohl auch einige Jugendgedichte Hofmannsthals selbst (&#039;&#039;Vorfrühling&#039;&#039; z.B.) ihre Nähe zum Lied und ihre suggestive Stimmung verdanken. Ähnliches gilt für Rimbaud, mehr aber noch für Baudelaire, wo die Übereinstimmungen und Anregungen eher genereller und verstärkender Art sind. Baudelaires Auffassung von der Stellung des Dichters in der Gesellschaft entsprechen Hofmannsthals Zugang. Baudelaires Bild des Dichters als &#039;&#039;Albatros&#039;&#039;, der sich linkisch und hinkend auf den Schiffsplanken dahinschleppt, entspricht Hofmannsthals Vision des Künstlers als dem Heizer, der auf Deck „taumelnd und mit blöden Augen“ herumstolpert (&#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;). Und Baudelaires Verständnis des Dichters auch als Kritikers („il est impossible qu’un poète ne contienne pas un critique“, &#039;&#039;L’art romantique&#039;&#039;) findet seine Parallele in Hofmannsthals einfühlender Kritikertätigkeit. In den Aufzeichnungen notiert er: „Kunst und Kritik, die ergänzenden Hälften des künstlerischen Lebens“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sonderstellung nimmt das Werk von Maurice Maeterlinck ein. H. Bahr macht Hofmannsthal früh auf den belgischstämmigen Dichter aufmerksam, den Hofmannsthal 1900 persönlich kennenlernt und mit dem er später auch korrespondiert. Maeterlinck krempelt mit seiner &#039;&#039;Princesse Maleine&#039;&#039; (1890) das europäische Theater um. Kein junger, am Theater interessierter Autor konnte in den 1890er Jahren an Maeterlinck vorbei. Die Einflüsse Maeterlincks auf Hofmannsthal betreffen Stimmung, Szenerie, Figurengestaltung, Handlungsverlauf, Gesprächsführung und Todesthematik. Früh übersetzt Hofmannsthal den Maeterlinck’schen Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039;, der das Ausgeliefertsein des Menschen an das Schicksal thematisiert. Maeterlincks „tragique quotidien“ findet seinen Niederschlag in der Aussichts- und Ausweglosigkeit der Hofmannsthal’schen Protagonistinnen (&#039;&#039;Die Frau im Fenster&#039;&#039;, &#039;&#039;Idylle&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Hochzeit der Sobeide&#039;&#039;). Überhaupt sterben Frauen meist oder werden umgebracht (wie bei Maeterlinck auch). Im „Medusenhafte[n], daß man am Leben stirbt“, von dem in Hofmannsthals &#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039; die Rede ist, konzentriert sich die Essenz der Dramen Maeterlincks und ihrer Wirkung auf die Zeitgenossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder hat sich Hofmannsthal als Übersetzer oder Bearbeiter (freilich nicht nur französischer Literatur) betätigt. Von Maeterlincks Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039; über &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; von Jules Renard&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118788345.html&amp;lt;/ref&amp;gt;  bis zu den bedeutenden [[Molière]]-Neufassungen reicht die Palette seiner Übertragungen und Adaptationen. 1909 übersetzt er die Molière-Komödie &#039;&#039;Le Mariage forcé&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Heirat wider Willen&#039;&#039;), 1916 macht er aus &#039;&#039;Les Fâcheux&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Misanthrope&#039;&#039; das Fake-Stück &#039;&#039;Die Lästigen&#039;&#039;; die Beschäftigung mit &#039;&#039;Le Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; und &#039;&#039;Monsieur de Pourceaugnac&#039;&#039; wirkt weiter auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039; und auf &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039;; Spuren von &#039;&#039;Le Dépit amoureux&#039;&#039; und &#039;&#039;L’étourdi&#039;&#039; lassen sich bis zu &#039;&#039;Lucidor&#039;&#039; und &#039;&#039;Arabella&#039;&#039; nachzeichnen. Wie immer liegt die Besonderheit in der kreativen Anverwandlung der Vorlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt zum Teil auch für Hofmannsthals Beschäftigung mit französischer Malerei. Oft gehen von Bildwerken ganz konkrete, in der Umsetzung kaum mehr erkennbare Anstöße aus (so die Rolle des Gemäldes &#039;&#039;Le coucher de la mariée&#039;&#039; von Pierre-Antoine Baudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1073264335&amp;lt;/ref&amp;gt; für den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039;) und manchmal wird die Auseinandersetzung mit Malerei zum Anlass für grundlegende ästhetische Reflexion (so die Begegnung mit den Bildern von [[Vincent van Gogh|Van Gogh]] in den &#039;&#039;Briefen des Zurückgekehrten&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1900 nehmen ausführliche Aufsätze zu französischen Dichtern ab – mit Ausnahme von [[Victor Hugo]], [[Honoré de Balzac]] und [[Molière]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Gymnasium beginnt Hofmannsthals Beschäftigung mit V. Hugo, die in seiner Habilitationsschrift &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; ihren ausführlichsten Kommentar findet. Es ist eine Beschäftigung, die auf den ersten Blick überrascht, handelt es sich bei Hugo doch um keinen wesensverwandten Autor. Tatsächlich geht es in Hofmannsthals Studie um Aspekte in Hugos Leben und Werk, die auch für den jungen Hofmannsthal bei aller Verschiedenheit von Interesse sind&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ravy 1987&amp;lt;/ref&amp;gt;: So bildet das lange Leben des französischen „Olympiers“ Hugo (&#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039;) das Paradebeispiel, um über das Verhältnis des Dichters zu seiner Zeit zu reflektieren. Zudem bietet das umfangreiche Werk des französischen Nationaldichters dem Kosmopoliten Hofmannsthal eine Gelegenheit, sich dem spezifischen Charakter französischer Literatur und Kultur noch weiter anzunähern. Was aber unbestreitbar Hofmannsthal mit Hugo verbindet, ist die Wertschätzung des Worts. So bildet die Auseinandersetzung mit Hugo auch einen wichtigen Baustein in Hofmannsthals Ringen um seine eigene Ästhetik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches gilt für die jahrelange Beschäftigung mit Honoré de Balzac, die u.a. in drei gesonderten Texten ihren Niederschlag gefunden hat: in dem fiktiven &#039;&#039;Gespräch zwischen Balzac und Hammer-Purgstall in einem Döblinger Garten im Jahre 1842&#039;&#039; (mit dem Titel &#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;) aus dem Jahr 1902, in der Besprechung von &#039;&#039;Das Mädchen mit den Goldaugen&#039;&#039; (1905) und in der Einleitung Balzac zu einer deutschen Ausgabe der &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; (1908). Nicht aus einem einzelnen Band Balzacs sei die Essenz seiner vis poetica zu destillieren, sondern sie finde sich hingegossen in die Fülle seiner Romane und Novellen. Und weil sein großes Werk die Welt seiner Zeit in aller Disparatheit und Pluralität darzustellen beabsichtigt, müsse er, Balzac, Romane schreiben und nicht – wie von Hammer-Purgstall&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_von_Hammer-Purgstall&amp;lt;/ref&amp;gt; moniert – Theaterstücke. Es ist kein Zufall, dass die Auseinandersetzung mit Balzac in die Phase von Hofmannsthals Bemühen um das „Soziale“ fällt und dass er auf dem Umweg über Balzac zu seiner Form einer ‚neuen‘ Komödie als Ausdruck des „erreichten Sozialen“ findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Bestreben ist freilich auch ein anderer französischer Autor von eminenter Bedeutung: Molière. Von 1909 bis 1923&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Arlaud 2005&amp;lt;/ref&amp;gt; gilt Hofmannsthals besonderes Interesse dem französischen Dramatiker. In ihm sieht Hofmannsthal einen Höhepunkt versierter Dramentechnik einerseits und das umfassende Verständnis für das „Soziale“ andererseits verkörpert, das „Verstehen der Menschen, nicht so, wie einer bloß mit dem Kopfe versteht, sondern schon mit dem ganzen Ich und allen Eingeweiden“ (&#039;&#039;Worte zum Gedächtnis Molières&#039;&#039;). Von den konkreten Übersetzungen und Bearbeitungen Molières (siehe oben) reicht die Palette über das Bemühen um den &#039;&#039;Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; für die Oper &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039; bis zu einem kaum mehr dingfest zu machenden Weiterwirken Molière’scher Komödienkunst im &#039;&#039;Schwierigen&#039;&#039; und &#039;&#039;Unbestechlichen&#039;&#039;. Gerade das Beispiel Molières illustriert, worin die Spezifik von Hofmannsthals Begeisterung für Frankreich besteht: in der Verbundenheit der französischen Dichter mit ihrer Zeit und der Tradition, in der sie stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Hofmannsthal-Rezeption==&lt;br /&gt;
Die Rezeption Hofmannsthals in Frankreich schwankt zu seinen Lebzeiten zwischen Begeisterung (bei Charles Du Bos&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527673.html&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Henri Guilbeaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116921129.html&amp;lt;/ref&amp;gt; z.B.), freundschaftlicher Zur-Kenntnisnahme (so bei [[André Gide]] oder Paul Valéry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz129740.html&amp;lt;/ref&amp;gt;) und Unverständnis und Ablehnung bei manchen Kritikern (auch aufgrund fehlerhafter Übersetzungen). In jüngerer Zeit ist es, u.a., vor allem Pierre Deshusses&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd13252029X.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Jean-Yves Masson]] zu verdanken, dass Hofmannsthals wichtigste Werke in französischer Übersetzung zugänglich sind. Deshusses hat bei Payot &amp;amp; Rivages mehrere Texte herausgegeben, u.a. die &#039;&#039;Lettre de Lord Chandos&#039;&#039; mit einem Vorwort von Claudio Magris&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119130513.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; (2000), die Prosa unter dem Titel &#039;&#039;Chemins et rencontres&#039;&#039; (2002) und die Korrespondenz Hofmannsthals mit Rilke, &#039;&#039;Lettres à Rilke&#039;&#039; (2004); Masson ist für die Hofmannsthal-Rezeption als Übersetzer (z.B. &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039;, 1997, &#039;&#039;Le Livre des amis&#039;&#039;, 2015, Gestern / Hier, zweisprachige Ausgabe 2023) und Herausgeber (z.B. &#039;&#039;Œuvres en prose&#039;&#039; und &#039;&#039;Jedermann&#039;&#039;, beide 2010), sowie als Literaturwissenschaftler von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den französischen Bühnen ist Hofmannsthal in erster Linie als Librettist der Opern von Richard Strauss präsent. &#039;&#039;Le Chevalier à la rose&#039;&#039;, &#039;&#039;Électre&#039;&#039;, &#039;&#039;Ariane à Naxos&#039;&#039;, &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039; werden regelmäßig gespielt, die Internet-Plattform Les Archives du Spectacle&amp;lt;ref&amp;gt;https://lesarchivesduspectacle.net/&amp;lt;/ref&amp;gt; weist für den Zeitraum 1957–2024 65 verschiedene Produktionen auf. Im Sprechtheater sind in den letzten dreißig Jahren (seit 1992) mehrere Inszenierungen von Elektra / Électre zu verzeichnen, sowie die denkwürdigen Aufführungen von &#039;&#039;L’Homme difficile&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Schwierige&#039;&#039;, mis en scène de Jacques Lassalle, Théâtre de la Colline, 1996) und &#039;&#039;L’Incorruptible&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Unbestechliche&#039;&#039;, Philippe Adrien, Comédie-Française, 1999), beide in der Übersetzung von [[Jean-Yves Masson]]. Letzteres Stück stand auch im Programm der „Agrégation de Lettres modernes“, was für die Verbreitung des Werkes im schulischen Bereich von Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Bereich der literaturwissenschaftlichen Arbeiten seien neben Jean-Yves Massons &#039;&#039;Hofmannsthal, renoncement et métamorphose&#039;&#039; (Lagrasse: Verdier 2000) insbesondere [[Jacques Le Rider|Jacques Le Riders]] &#039;&#039;Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité&#039;&#039; (Paris: PUF 1995) und Pierre-Antoine Hurés &#039;&#039;Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après&#039;&#039; (Paris: Klincksieck 2004) erwähnt, ebenso wie die (unveröffentlichte) Dissertation von Audrey Giboux, &#039;&#039;Hugo von Hofmannsthal et la littérature française classique : enjeux d&#039;une réception créatrice&#039;&#039;, betreut von Jean-Yves Masson, Université Paris-Sorbonne, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Hrsg. von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt/Main: Fischer Verlag 1979–1980.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe in 40 Bänden. Hrsg. von Rudolf Hirsch [u.a.]. Frankfurt/Main: S. Fischer 1975–2022.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe I (1890–1901). Berlin: Fischer 1935.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe II (1900–1909) Wien: Bermann-Fischer 1937.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Austriaca 37 (1993) (Thema: „Modernité de Hofmannsthal“, mit Beiträgen von R. Bauer, J. Le Rider, J.-Y. Masson, G. Stieg, G. Ravy u.a.)&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (Thema: „Hofmannsthal und Frankreich“, mit Beiträgen von C. David, F. Derré, J.-M. Valentin, U. Weisstein, G. Ravy, D. Iehl, P. Por, A. Corbineau-Hoffmann, F. Claudon, J. Body, S. Bogosavljević, J. Stoupy) (1987).&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hrsg. von Mathias Mayer und Julian Werlitz. Stuttgart, Weimar: Metzler 2016.&lt;br /&gt;
*Arlaud, Sylvie: Hofmannsthal’s Return to Molière, 1909-23: The Conditions of Reception. In: Austrian Studies 13 (2005), S. 55–76.&lt;br /&gt;
*Bolterauer, Alice: Selbstvorstellung. Die literarische Selbstreflexion der Wiener Moderne. Freiburg i.Br.: Rombach 2003. &lt;br /&gt;
*Curtius, Ernst Robert: Hofmannsthal und die Romanität. In: Ders.: Kritische Essays zur europäischen Literatur. Bern, München: Francke 1963, S. 122–127.&lt;br /&gt;
*David, Claude: Hofmannsthal als Leser des französischen Schrifttums. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (1987), S. 9–18.&lt;br /&gt;
*Foldenauer, Karl: Hugo von Hofmannsthal und die französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Univ. Diss., Eberhard-Karls-Universität Tübingen 1958.&lt;br /&gt;
*Hellmann, Friedrich Wilhelm: Hofmannsthal und Frankreich: die Bedeutung Frankreichs für Hofmannsthals Wendung zum Sozialen. Univ. Diss., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. 1959.&lt;br /&gt;
*Hirsch, Rudolf: Hofmannsthal und Frankreich. Zwei Beiträge. In: Ders.: Beiträge zum Verständnis Hugo von Hofmannsthals. Frankfurt/Main: Fischer 1995, S. 304–315.&lt;br /&gt;
*Huré, Pierre-Antoine: Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après. Paris: Klincksieck 2004.&lt;br /&gt;
*Krabiel, Klaus-Dieter: „La traduction… une excellente pierre de touche“? Henri Guilbeaux und seine Übertragungen von Gedichten Hugo von Hofmannsthals. In: Marion Steinbach, Dorothee Risse (Hrsg.): „La poésie est dans la vie“. Flânerie durch die Lyrik beiderseits des Rheins. Bonn: Romanistischer Verlag 2000, S. 207–229.&lt;br /&gt;
*Le Rider, Jacques: Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité. Paris: PUF 1995.&lt;br /&gt;
*Masson, Jean-Yves: Hofmannsthal, renoncement et métamorphose. Lagrasse: Verdier 2000.&lt;br /&gt;
*Mayer, Mathias: Hugo von Hofmannsthal. Stuttgart, Weimar: Metzler 1993.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Hofmannsthal und Victor Hugo. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd 9 (1987), S. 103–116.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Regards sur la modernité de Hofmannsthal. In: Austriaca 37 (1993), S. 241–251.&lt;br /&gt;
*Rychner, Max: Hugo von Hofmannsthal. In: Der Monat, Jg. 5, H. 51 (1952), S. 322–328.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Alice Bolterauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(unter Mitwirkung von Marc Lacheny und Karl Zieger)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 24/02/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Hugo_von_Hofmannsthal}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Hofmannsthal, Hugo von}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Leihbibliotheken&amp;diff=1235</id>
		<title>Leihbibliotheken</title>
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		<updated>2026-04-23T11:08:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Nach dem Vorbild von Paris und London wurden auch in österreichischen Städten ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Leihbibliotheken eingerichtet, die maßgeblich an der Verbreitung des Lesens über den kleinen Kreis der Gebildeten und Begüterten hinaus beteiligt waren. Französische Literatur, auch in der Originalsprache, machte einen großen Teil, nicht selten bis zur Hälfte der Bücherbestände aus. Dieser Eintrag beschränkt sich auf die wichtigsten Wiener Betriebe, da die Lage in den anderen österreichischen Städten wenig erforscht ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Zeit der Pioniere==&lt;br /&gt;
1772 wurde von dem umtriebigen Jakob Bianchi&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jakob_Franz_Bianchi&amp;lt;/ref&amp;gt; (1732–1785) – ein Jahr zuvor hatte er das „Comptoir der Künste, Wissenschaften und Commerzien“ und die &#039;&#039;Wiener Realzeitung&#039;&#039; gegründet – das erste „LecturCabinet“ am Wiener Kohlmarkt eröffnet, 1773 folgte eine analoge Anstalt in Brno/Brünn. Die Bezeichnung verweist unverkennbar auf das französische Vorbild. 1776 wurde das Wiener Lekturkabinett von Karl von Zahlheim, der im Hauptberuf Professor für Agrikultur war, übernommen, 1777 von dem mächtigen Verleger und Buchhändler [[Johann Trattner|Johann Thomas von Trattner]]. Das Lesekabinett präsentierte sich ab 1776 als ein auch Fremden offen stehender Treffpunkt der Gesellschaft, an dem in erster Linie Zeitungen und Zeitschriften gelesen und Getränke gereicht wurden, auch Schachtische waren vorhanden. Hatte Bianchi die Förderung der Wissenschaft angestrebt, so entsprachen die Bestände nun eher den Bedürfnissen der „guten Gesellschaft“.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Jesinger 1928, 55&amp;lt;/ref&amp;gt; Für dieses Zielpublikum sprechen der Mitgliedsbeitrag von 2 Gulden pro Monat und der Umstand, dass 1776 das Angebot an Büchern und Periodika von ca. 1300 Bänden zur Hälfte aus Titeln in französischer Sprache bestand. Neben Sachliteratur fanden sich im Bereich Belletristik die Klassiker Racine und Molière, mit Diderot, Rousseau, Voltaire, Crébillon und Montesquieu, vor allem aber die von der Zensur zugelassenen Teile der Literatur der Aufklärung, darunter sogar Auszüge aus der &#039;&#039;Encyclopédie&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Verzeichniß 1776&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lesekabinette hatten von Anfang an mit der behördlichen Beschränkung der Lizenzen zu kämpfen, 1798 wurden sie, in Verdacht antimonarchistischer Umtriebe geraten, gänzlich aufgehoben, 1799 folgten die Leihbibliotheken im engeren Sinn. Erst 1810 wurden sie mit bestimmten Auflagen (unter anderem Unbescholtenheit und ein gewisses Vermögen des Betreibers, die Bestände mussten neben anderem die wichtigsten deutschen und französischen Klassiker enthalten) wieder zugelassen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Martino 1990, 38–43&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vom Aufschwung im 19. Jahrhundert bis zum 1. Weltkrieg==&lt;br /&gt;
In den Jahren nach der Wiederzulassung wurden drei Leseinstitute neu oder wieder begründet, nämlich jene der Buchhändler und Verleger Carl Armbruster&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/107343107X?term=Carl%20Armbruster&amp;lt;/ref&amp;gt;, Johann Tauer&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/142136034?term=Johann%20Tauer&amp;lt;/ref&amp;gt;, und [[Verlag Wallishausser|Johann Baptist Wallishausser]], dazu eine „Geistliche Leihbibliothek“. Später kamen noch zwei Musikalien-Leihanstalten hinzu. Boten die Leseanstalten anfänglich nur wenige tausend Werke an, so wuchsen die Bücherbestände in „Armbrusters Witwe &amp;amp; Friedrich Gerolds Leihbibliothek“ im Jahr 1848 auf 18.000 Werke an. In großer Anzahl von Bänden finden sich in ihrem Katalog die populären Romanciers Alexandre Dumas, Paul de Kock und Frédéric Soulié, und zwar sowohl in deutscher Übersetzung wie auch in der Originalsprache. Der &#039;&#039;Catalogue général des livres français, anglais, italiens et espagnols&#039;&#039; enthält nicht weniger als 4800 Bände französischer Werke, unter denen sich neben den genannten Autoren z.B. Laure Junot d’Abrantès, Balzac, Chateaubriand, Lamartine, [[George Sand]], Madame de Staël und Eugène Sue finden; auch englische Literatur wurde meist in französischer Übersetzung angeboten.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Martino 1990, 771–773&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1848, und noch mehr ab den 1860er Jahren, fand die Buchbranche in Österreich bessere Bedingungen in Form milderer Zensur und liberaler Lizenzierung vor, die Leihbibliotheken breiteten sich folglich aus; 1863 zählte man in Wien bereits zwölf Leihanstalten, 1870 zwanzig. Sie etablierten sich nun vermehrt in den Vorstädten, das Lesen breitete sich nun endgültig sozial nach ‚unten‘ aus. Das Publikum las überwiegend Romane. Unter den Erfolgsautor:innen des Zeitraums 1849–1888 finden sich zahlreiche Vertreter:innen der französischen Literatur. Aus der Übersetzungsliteratur ragen quantitativ die schon in die Jahre gekommenen Romane von Alexandre Dumas, Paul de Kock, Eugène Sue, George Sand, Xavier de Montépin, Fréderic Soulié und Balzac heraus. Bei den Werken in Originalsprache finden sich unter den Spitzenreitern – neben den für die Übersetzungen genannten Namen – Ponson du Terrail, die Comtesse Dash, Élie Berthet, Théodore Louis Auguste de Foudras, Émile Souvestre und Victor Hugo (vgl. Martino 1990: 802–804). In den Abteilungen für Sachliteratur taucht an der Spitze regelmäßig der liberale Historiker und Politiker Louis Adolphe Thiers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/adolphe-thiers&amp;lt;/ref&amp;gt; auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Jahrhundertwende machten die von Parteien, Vereinen und Kirchen gegründeten Volks- und Arbeiterbibliotheken, Volkslesehallen und katholischen Volksbüchereien den gewerblichen Leihbibliotheken Konkurrenz. So stagnierten die Geschäfte der kommerziellen Institute, obwohl sie sich zum Unterschied von den anderen Leihanstalten Novitäten leisten konnten. Martino&amp;lt;ref&amp;gt;1990, 811&amp;lt;/ref&amp;gt; nennt für die 1890er Jahre insgesamt nur 6000 Abonnent:innen in den nach wie vor zwanzig Wiener Leseanstalten, mit Abstand die größte war die von Albert Last&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/ID-0.3035892-1&amp;lt;/ref&amp;gt; 1847 gegründete Firma. Gegen Ende des Jahrhunderts besaß sie mehrere Filialen, unterhielt eine Versandabteilung und eine „Lesehalle“, die, wie schon in der Frühzeit die Lesekabinette, einen Treffpunkt der Gesellschaft darstellte. Zu den Besucher:innen zählten u.a. [[Franz Grillparzer]], Marie von Ebner-Eschenbach&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Marie_von_Ebner-Eschenbach&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Karl Kraus]] und [[Sigmund Freud]]. Die Kataloge von 1905 und 1915 enthielten knapp 30.000 respektive über 43.000 Bände, davon 25% bzw. 13% in französischer Sprache. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum 1889–1915 lagen in den Wiener Leihbibliotheken noch immer Alexandre Dumas und Paul de Kock voran, zusammen mit Jules Verne, [[Émile Zola]] und Georges Ohnet stellten sie die größte Zahl von übersetzten Romanbänden dar; nur im Mittelfeld fanden sich unter anderem Alphonse Daudet und Marcel Prévost. In den Rubriken fremdsprachiger Literatur dominierten in den Katalogen neben den oben Genannten Xavier de Montépin, George Sand und Ponson du Terrail – die Feuilletonromane der 1840er bis 1860er Jahre übten anscheinend noch immer große Anziehungskraft aus. Dazu gesellten sich aus der neueren Literatur Henri Gréville, Gyp, Hector Malot und Catulle Mendès. Georges Ohnet wird von Albert Last, der Listen viel gelesener Bücher herausgab, in der Kategorie „beliebteste Damenlektüre“ in den 1890er Jahren angeführt. Zola schaffte es mit &#039;&#039;Germinal&#039;&#039; unter die beliebten sozialen Romane.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Martino 1990: 840, 841 und 844&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erwähnten Volksbibliotheken rekrutierten ihre Bücherbestände zu einem großen Teil aus Bücherspenden. Das Publikum setzte sich mehrheitlich aus Arbeiter:innen, Handelsangestellten, Beamten und Studierenden zusammen. Wenn sich die volksnahen Bibliotheken auch der Bildung verschrieben, machten Belletristik und die entsprechenden Ausleihen zwischen 50% und 80% der Bestände aus. Fremdsprachliche Bücher fehlten in diesen Bibliotheken. Mit Dumas, Ohnet und Verne lagen dieselben Autoren wie in den gewerblichen Leihbibliotheken an der Spitze der Ausleihen; es folgten Alphonse Daudet, Octave Feuillet, Gréville, George Sand, Pierre Loti und Zola.&amp;lt;ref&amp;gt;Martino 1990, 873–876&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen entlegenen Sektor des literarischen Lebens betritt man mit den katholischen Volksbibliotheken, die einen eigenen Kanon vertraten. Nach der erwähnten, von Clemens Maria Hofbauer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Clemens_Maria_Hofbauer&amp;lt;/ref&amp;gt; 1817 errichteten „Geistlichen Leihbibliothek“ entstanden um die Mitte des 19. Jahrhunderts weitere gleichgesinnte Institute, z.B. die „Leihbibliothek des St. Severinus Vereines“ und die „Damen-Leihbibliothek für alle Stände in Wien“, die sich später in „Leihbibliothek für alle Stände des Vereins katholischer Damen“ umbenannte. In erster Linie sollte die verderbte gängige Belletristik durch eine eigene Auswahl ersetzt werden. Der Anteil französischsprachiger Werke betrug um die 50%. In dieser Abteilung begegnet man einer Mischung von Belletristik und Erbauungsliteratur, spezielles Augenmerk gilt Werken, die für Kinder und Jugendliche geeignet sind. Prominent vertreten sind etwa der Chevalier Artaud mit Geschichten der Päpste, der prominente Prediger des 18. Jahrhunderts Louis Bourdaloue&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118659529&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Romanschriftstellerin Mathilde Froment Bourdon, J. Chantrel mit kirchengeschichtlichen und fiktionalen Schriften, Henry (Hendrik) Conscience mit seinen gesammelten Werken, die Romancière Zénaïde de Fleuriot, der Erzähler und Abbé Marcel Navery, der Historiker und Kulturkritiker Alfred Nettement, Madame de Sévigné und die Comtesse de Ségur.&amp;lt;ref&amp;gt;Martino 1990, 892f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht dezidiert religiös argumentierende Beobachter des Leihbibliothekswesens, wie Theodor von Sosnosky 1899 in einem Zeitungsartikel, konstatierten einen moralischen Verfall der Lektüre, und insbesondere jener der Damen. Zola sei außer Kurs geraten, seit seine Romane keine Szenen expliziter Erotik mehr enthielten, stattdessen würden „von deutschen Frauen und Jungfrauen“, die „sich der guten alten deutschen Sitten gar sehr entfremdet haben“, jetzt Maupassant, Marcel Prévosts &#039;&#039;Demi-Vierges&#039;&#039; und Pierre Louÿs’ &#039;&#039;Aphrodite&#039;&#039; gelesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Sosnosky 1899, S. 3, ANNO, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1899-06-03&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Ende der kommerziellen Bibliotheken Mitte des 20. Jahrhunderts==&lt;br /&gt;
Für die Zwischenkriegszeit wie auch für die Zeit nach 1945 fehlt eine Gesamtdarstellung. Für die Zwischenkriegszeit sollen daher zwei Kataloge &#039;&#039;pars pro toto&#039;&#039; einen Einblick in die Bücherbestände geben. Die „Moderne Leihbibliothek Richard Seckler“ in der Josefstädter Straße führte mit Balzac, Dumas, Victor Hugo, Paul de Kock, Camille Lemonnier, Pierre Loti, Paul Bourget, Maupassant, Josephin Peladan, Georges Ohnet, Jules Verne und Zola die populären Romanciers des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende. Mit Colette, Anatole France, Marcel Prévost und [[Romain Rolland]] bot sie auch eine kleine Auswahl zeitgenössischer Erzählliteratur. Die „Moderne Leihbibliothek In der Burg“, mit nobler Adresse in der Passage der Hofburg, führte ebenfalls die bei Steckler genannten populären Romane, dazu aber eine größere Anzahl zeitgenössischer und zum Teil tatsächlich ‚moderner‘ Werke, etwa von Maurice Leblanc, P. und V. Marguerite, Henri Barbusse, François Mauriac, Roger Martin du Gard und Romain Rolland. Für exklusiveren Geschmack gab es hier auch Baudelaire und – in französischer Originalsprache – z.B. Flaubert, Rachilde, Marcel Proust und [[André Gide]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Nachkriegszeit soll ein Beispiel die Verhältnisse skizzieren. Das „Literatur-Institut Last &amp;amp; Co.“, wie es sich nun bezeichnete, war mit vier Geschäftslokalen in der Innenstadt die letzte große Leihbibliothek in Wien. Ihre Pforten schloss sie 1962: Die Verbesserung der Kaufkraft nach den Jahren des Wiederaufbaus, die Durchsetzung des Taschenbuchs und der Buchgemeinschaften, nicht zuletzt neue Unterhaltungsangebote wie das Fernsehen dürften für das Sinken der Nachfrage nach Leihbüchern gesorgt haben. Lasts Gesamtbestand zu diesem Zeitpunkt umfasste 177.000 Bände. Auswahlkataloge, die den Zeitraum 1945–1958 abdeckten, enthielten 5280 Titel. Sowohl die Kataloge wie auch die Aufzeichnungen über Entlehnungen des Jahres 1958 zeigen, dass das Interesse des Publikums ganz überwiegend dem Kriminalroman galt, der auf dem Buchmarkt gerade boomte. Nur 4% der Entlehnungen betrafen Klassiker und anspruchsvolle moderne Literatur. Französischsprachige Erzählliteratur machte nur noch 3% des Angebots aus. Meist in Übersetzung wurden neben populärer Belletristik immerhin auch Baudelaire, [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaine]], Simone de Beauvoir, Jean Anouilh, Louis Aragon, Jean Cocteau, Paul Claudel, Jean Giraudoux, André Malraux, Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Antoine de Saint-Exupéry und Alain Robbe-Grillet angeboten. Der einzige französische Titel unter den meistgelesenen Büchern des Jahres 1958 ist die Neuerscheinung &#039;&#039;In einem Monat – in einem Jahr&#039;&#039; von Françoise Sagan. In der Rubrik „wissenschaftliche Literatur“ stößt man unter den Spitzentiteln auf André Castelots &#039;&#039;Madame Royal. Das abenteuerliche Leben der Tochter Marie Antoinettes&#039;&#039;. Von der anspruchsvollen modernen Literatur schafften es nur Camus, Giraudoux und Proust mit 10 bis 20 Entlehnungen unter die vergleichsweise viel gelesenen Autoren. Als Ausnahme las eine Kundin, die als Beruf ‚Schriftstellerin‘ angab, neben leichter Unterhaltungsliteratur zweimal Camus, Simenon und Gide.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bachleitner 1986, 137f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das an die glorreiche Vergangenheit anknüpfende, an ein exklusives Publikum gerichtete breite Angebot wurde nur sehr selektiv angenommen. Wie auf dem Buchmarkt ist das auch bei den Leihbibliotheken eine durchgehende Tendenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Das Ende des ‚Königs aller deutschen Leihbibliotheken‘. Die Leser des Wiener ‚Literatur-Instituts‘ Last und ihre Lektüre im Jahre 1958. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 11 (1986), S. 115–148.&lt;br /&gt;
*Jesinger, Alois: Wiener Lekturkabinette. Wien: Berthold &amp;amp; Stempel 1928.&lt;br /&gt;
*Martino, Alberto: Die deutsche Leihbibliothek. Geschichte einer literarischen Institution (1756–1914). Wiesbaden: Harrassowitz 1990.&lt;br /&gt;
*Moderne Leihbibliothek Richard Steckler. O.O., o. V., 1927.&lt;br /&gt;
*Moderne Leihbibliothek In der Burg. Hauptkatalog, 3. Auflage. O.O., o.V., ca. 1930.&lt;br /&gt;
*Sosnosky, Theodor von: Publicum und Leihbibliothek. In: Neues Wiener Tagblatt, 3. Juni 1899, S. 1–3.&lt;br /&gt;
*Verzeichniß der im neuen LecturCabinet zur Lesung ausgestellten Bücher. Erstes Heft. In: Einrichtung des neuen LecturCabinets zu Wien im Jahre 1776. Wien: E. F. Bader 1776, S. 1–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 11/02/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Bibliothèques_de_prêt}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Peter_Altenberg&amp;diff=1234</id>
		<title>Peter Altenberg</title>
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		<updated>2026-04-23T11:08:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Altenberg.png|235px|thumb|Peter Altenberg]] Peter Altenberg (*9. März 1859, † 8. Januar 1919 in Wien) war wie die meisten Wiener Autoren um 1900 ein eifriger Rezipient französischer Literatur; durch die häufigen Erwähnungen französischer Autoren und Zitate aus ihren Werken in seinen frühen Skizzen trug er nicht unwesentlich auch zum kulturellen Transfer bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Richard Engländer, so Altenbergs bürgerlicher Name, 1859 in eine jüdische Wiener Kaufmannsfamilie geboren, studierte nach dem Gymnasium einige Semester Jus und Medizin. Nachdem ihm Ärzte bereits am Beginn der 1880er Jahre ein überempfindliches Nervensystem und die Unfähigkeit, ein bürgerliches Erwerbsleben zu führen, attestierten, verbrachte er seine Zeit vornehmlich in den Cafés Griensteidl und Central mit Freunden wie den Autoren des Jungen Wien, Egon Friedell&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Egon_Friedell&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Karl Kraus]] und [[Adolf Loos]]. Seine nervösen Störungen und seine Schlaflosigkeit versuchte er durch Alkohol- und Drogenkonsum zu bekämpfen, auch ließ er sich wiederholt in Nervenheilanstalten behandeln. 1919 starb er an den Folgen einer Lungenentzündung&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Biographie vgl. Barker 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Altenberg und die französische Literatur==&lt;br /&gt;
Von der Mitte der neunziger Jahre bis zu seinem Tod publizierte Altenberg elf Sammlungen von Prosaskizzen. Insbesondere sein Frühwerk weist zahlreiche Spuren französischer Literatur auf, deshalb stehen hier sein Erstling &#039;&#039;Wie ich es sehe&#039;&#039; (1896) und die ebenfalls frühe Sammlung &#039;&#039;Was der Tag mir zuträgt&#039;&#039; (1901) im Mittelpunkt. Dass er die Sprache gut beherrschte, zeigt sich daran, dass er eine Reihe seiner Skizzen auf Französisch verfasste. Französische Literatur war schon früh Teil seiner Lektüren. In autobiographischen Skizzen erwähnt er, dass sein Vater ein großer Bewunderer [[Victor Hugo|Victor Hugos]] war, vorwiegend französische Literatur las und die &#039;&#039;[[Revue des Deux Mondes]]&#039;&#039; abonniert hatte. Altenberg zitiert Hugos Romane &#039;&#039;Les Travailleurs de la mer&#039;&#039;, &#039;&#039;Les Misérables&#039;&#039; und &#039;&#039;Han d’Islande&#039;&#039;, spezielle Reverenz erweist er &#039;&#039;L’homme qui rit&#039;&#039;: Er benützt das durch durchtrennte Gesichtsnerven erzwungene Grinsen der Hauptfigur dieses Romans als Allegorie der sozialen Konventionen, und insbesondere der Maske gespielter Freundlichkeit&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1896, S. 94f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben bereits zu Klassikern erhobenen Autoren wie Victor Hugo beschäftigt man sich in den literarischen Kreisen Wiens um die Jahrhundertwende vor allem mit den zeitgenössischen Vertretern des Naturalismus und des Symbolismus. In Altenbergs Skizzen tauchen Bewunderer Maupassants&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118579207&amp;lt;/ref&amp;gt; auf, man geht ins Theater, um &#039;&#039;Fromont jeune et Risler aîné&#039;&#039; von Alphonse Daudet&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118523872&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sehen, oder man liest in Zolas &#039;&#039;Germinal&#039;&#039;. Mit dem Naturalismus verbindet Altenberg die möglichst exakte Beobachtung der Natur. Er betont diesen Aspekt, wenn er über die möglichen Lesarten des Titels Wie ich es sehe bemerkt, dass der Akzent nicht auf dem &#039;&#039;ich&#039;&#039; liege, sondern auf &#039;&#039;sehen&#039;&#039;. Der Naturalismus scheint für Altenberg ferner wegen seines Programms der vorurteilslosen empirischen Erforschung aller Lebensbereiche und Milieus von Interesse gewesen zu sein. Darauf deutet z.B. hin, daß &#039;&#039;Germinal&#039;&#039; laut Altenberg Einblick in den „Keller“ der Menschheit eröffnet&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1896, S. 92&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei aller Wertschätzung für den Naturalismus haben doch symbolistische und dekadente Autoren weit tiefere Spuren in seinen Schriften hinterlassen. [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Paul Verlaine]] wird von ihm beispielsweise als „‚Organismus gewordene‘ Welten-Freiheit“ glorifiziert&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1921, S. 78&amp;lt;/ref&amp;gt;. Großes Interesse zeigte Altenberg auch für Spielarten des Exotismus, er berichtete etwa 1894 begeistert von der Lektüre von Pierre Lotis&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118780522&amp;lt;/ref&amp;gt; Japan-Roman &#039;&#039;Madame Chrysanthème&#039;&#039;. Empfindungen und Sinneseindrücke beschreibt Altenberg, um sie bei den Lesenden auszulösen. Insofern entspricht seine Poetik der von Hermann Bahr im Anschluss an Ernst Mach verkündeten Nervenkunst. Ein Minimum an Worten soll ein Maximum an Atmosphäre erzeugen, die Leser:innen sollen den knappen Text in Gedanken weiterspinnen. Hier bestehen Ähnlichkeiten zu [[Maurice Maeterlinck]] und seinem in &#039;&#039;Le Trésor des humbles&#039;&#039; vertretenen Kult des Schweigens. Mit Maeterlinck, den er wiederholt in seinen Skizzen anspricht, teilt Altenberg auch die Unzahl von in die Texte eingefügten Gedankenstrichen, die Ausgespartes oder Unsagbares bzw. ganz allgemein Nachdenkpausen markieren. Die beiden Autoren, die in seinen Skizzen die tiefsten Spuren hinterlassen haben, sind aber zweifellos Huysmans&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118555111&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Charles Baudelaire|Baudelaire]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ich es sehe&#039;&#039; stellt der Verfasser ab der zweiten Auflage, möglicherweise angeregt durch eine Rezension [[Hermann Bahr|Hermann Bahrs]]&amp;lt;ref&amp;gt;Barker 1998, S. 108&amp;lt;/ref&amp;gt;, eine Passage aus Huysmans’ Roman &#039;&#039;À rebours&#039;&#039; voran. Die von Altenberg geringfügig gekürzte Passage stammt aus dem vierzehnten Kapitel und enthält einen Auszug aus Des Esseintes’ Ansichten über die zeitgenössische Literatur. Dessen bevorzugte Form ist das Prosagedicht, ein Roman, „&#039;&#039;concentré en quelques phrases qui contiendraient le suc de centaines de pages.&#039;&#039;“ Die Leser:innen könnten über die Bedeutung solcher Texte lange meditieren und ihren Sinn ausloten: „En un mot, le poème en prose représentait, ainsi composé, pour le duc le suc concret, l’osmazome de la littérature, l’huile essentielle de l’art, l’art bavard réduit en sobre silence, la mer de la prose réduite en une goutte de poésie!&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1922, S. IXf.&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prosagedicht, von dem Des Esseintes hier schwärmt, war eine Domäne [[Charles Baudelaire|Baudelaires]], für den passionierten Flaneur Altenberg mussten vor allem die Szenen des Lebens in der Großstadt aus &#039;&#039;Le Spleen de Paris&#039;&#039; vorbildlich sein. Enge Entsprechungen weisen etwa Altenbergs Skizze „Nächtliche Szene“ über ein von seinem Kutscher misshandeltes Fiakerpferd und Baudelaires Prosagedicht „Un Plaisant“ mit einem misshandelten Esel auf&amp;lt;ref&amp;gt;dazu Bachleitner 2001, S. 531–533&amp;lt;/ref&amp;gt;. Darüber hinaus wurden als wichtige, mit Altenberg vergleichbare &#039;&#039;poèmes en prose Gaspard de la Nuit&#039;&#039; von Aloysius Bertrand&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118656805&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Croquis Parisiens&#039;&#039; von Huysmans genannt&amp;lt;ref&amp;gt;Schoenberg 1989&amp;lt;/ref&amp;gt;, von ihnen fehlt in Altenbergs Werk aber jede konkrete Spur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altenbergs Skizzen oder Studien, wie er sie selbst nannte, sind im Grunde Prosagedichte, auch wenn sie nach französischem Verständnis nicht alle Kriterien der Gattung erfüllen&amp;lt;ref&amp;gt;so Couffon 1999, S. 37&amp;lt;/ref&amp;gt;. In &#039;&#039;Was der Tag mir zuträgt&#039;&#039; fügt Altenberg dem von Huysmans gelieferten Theoriebaustein den gerade Furore machenden Liebigschen Fleischextrakt hinzu. Seine Texte seien „Extracte des Lebens. Das Leben der Seele und des zufälligen Tages, in 2–3 Seiten eingedampft, vom Überflüssigen befreit wie das Rind im Liebig-Tiegel!“ Den Leser:innen bleibe es überlassen, „diese Extracte aus eigenen Kräften wieder aufzulösen, in geniessbare Bouillon zu verwandeln, aufkochen zu lassen im eigenen Geiste&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1921, S. 6&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Huysmans entlehnte Metapher des literarischen Extrakts wird hier mit Altenbergs diätetischem Reformeifer angereichert. In allen seinen Büchern predigte er die Lebensreform und trat insbesondere für gesunde Ernährung ein. Obwohl sein Lebensstil, nach allem, was man darüber weiß, eher dem von Des Esseintes ähnelte, wirbt er in seinen Texten für naturnahes Leben und gesunde Ernährung und interpretiert Décadence und Krankheit als Durchgangsstationen zu Gesundheit. Das Mittel zur Umkehr ist ebenfalls von Huysmans entlehnt, und zwar aus dessen Roman &#039;&#039;En route&#039;&#039;, der aus der Phase der Rückkehr des Autors zum Katholizismus stammt. Eine in dekadenter Selbstreflexion befangene junge Frau liest in dem Roman von der Heiligen Lidvine, die nach fünfunddreißig Jahren der Suche, nach Krankheit, Kasteiung und Leiden, zu Gott gefunden hat&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1896, S. 245f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die nervenkranke junge Frau wird dem Beispiel der Heiligen folgen. Die Szene erhält dadurch zusätzliches Gewicht, dass sie den Band beschließt. Auch wenn er ihn selbst nicht gegangen ist, beschreibt Altenberg hier den von vielen zeitgenössischen Autoren eingeschlagenen Weg, der von der Dekadenz zu Regeneration führt, sei es mit Hilfe der Religion, des Nationalismus oder eben der Rückkehr zur Natur. Ausführlich kehrt Altenberg in dem späteren Band &#039;&#039;Märchen des Lebens&#039;&#039; zu &#039;&#039;À rebours&#039;&#039; zurück. „Krankheit ist eine Gabe des Himmels; man erfährt es nämlich plötzlich, wie ungeschickt man in den gesunden Tagen gewirtschaftet habe!&amp;lt;ref&amp;gt;Altenberg 1919, S. 200&amp;lt;/ref&amp;gt;“ liest man dort. Man sollte nicht vergessen, dass auch in Huysmans’ ‚Bibel der Dekadenz‘ der Duc des Esseintes, auch wenn der Wandel vermutlich zu spät kommt, am Ende zu einem gesünderen Lebensstil gezwungen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Altenberg, Peter: Wie ich es sehe. Berlin: S. Fischer 1896. 16. bis 18. vermehrte Auflage. Berlin: S. Fischer 1922.&lt;br /&gt;
*Altenberg, Peter: Märchen des Lebens. 5. und 6. veränderte und vermehrte Auflage. Berlin: S. Fischer 1919.&lt;br /&gt;
*Altenberg, Peter: Was der Tag mir zuträgt. Fünfundsechzig neue Studien. 9. bis 11. Auflage. Berlin: S. Fischer 1921.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Peter Altenberg, la décadence et l’esthétique du poème en prose. In: Revue de littérature comparée 75 (2001), Nr. 4, S. 527–542.&lt;br /&gt;
*Barker, Andrew: Telegrammstil der Seele. Peter Altenberg – Eine Biographie. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1998.&lt;br /&gt;
*Couffon, Miguel: Peter Altenberg. Érotisme et vie de bohème à Vienne. Paris: Presses universitaires de France 1999.&lt;br /&gt;
*Schoenberg, Barbara Z.: The Influence of the French Prose Poem on Peter Altenberg. In: Modern Austrian Literature 22 (1989), Nr. 3–4, S. 15–32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 11/12/2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Peter_Altenberg}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Altenberg, Peter}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Hermann Bahr</title>
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		<updated>2026-04-23T11:07:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Hermann Bahr (Original-Zeichnung von Ferry Bératon).png|thumb|Hermann Bahr, Zeichnung von Ferry Bératon, 1893]]Hermann Bahr (Linz, 19. Juli 1863 – München, 15. Jänner 1934) zählt zu den bedeutendsten Vermittlern französischer Literatur im Österreich des späten 19. Jahrhunderts. Seine in der Universitätsbibliothek Salzburg erhaltene Privatbibliothek umfasst ca. 500 Bände französischer Werke.&amp;lt;ref&amp;gt;Messner 1987&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zahlreichen Notate in seinen Tagebüchern und die Publikationen, in denen er die zeitgenössische französische Literatur propagiert,&amp;lt;ref&amp;gt;verzeichnet in Müller 2014&amp;lt;/ref&amp;gt; enthalten an die zweihundert Namen von Autor:innen und Werktiteln. Sie stammen fast ausschließlich aus den Jahren um 1890 und mündeten in das Projekt, für das er noch immer einen Platz in der Literaturgeschichte einnimmt, nämlich die ‚Überwindung‘ des Naturalismus. Mit der Neuausrichtung der österreichischen, und speziell der Wiener Literatur auf Ästhetizismus und Symbolismus schuf sich Bahr den Ruf des Anführers der Gruppe des Jungen Wien um [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Richard Beer-Hofmann|Beer-Hofmann]], Felix Dörmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd119020874.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Felix Salten]] und [[Leopold von Andrian|Leopold Andrian]]. Die Franzosen sind für ihn in diesen Jahren schlicht der Inbegriff des Modernen, weshalb Bahr den Wiener Autoren als Ausweis ihrer Modernität jeweils französische Pendants gegenüberstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Dangel-Pelloquin, S. 41f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Einfluss wird manchmal überschätzt, von der Hand zu weisen ist er aber keinesfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pariser Erfahrungen: Vom Naturalismus zum Ästhetizismus==&lt;br /&gt;
Als ersten Autor rezipiert Bahr [[Émile Zola]]. 1882 begeistert er sich für die Dramatisierung des &#039;&#039;Assommoir&#039;&#039;, die im Wiener ‚Stadttheater‘ läuft. Auch in seinen Berliner Jahren beschäftigen ihn vorwiegend Zola und der dem Naturalismus zumindest nahestehende Alphonse Daudet&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118523872&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im Winter 1888 bricht er nach Paris auf. Trotz zunächst bescheidenen Kenntnissen der Sprache liest er eifrig Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem &#039;&#039;Le Figaro&#039;&#039;, &#039;&#039;Gil Blas&#039;&#039; und &#039;&#039;La vie parisienne&#039;&#039;, die über Literatur informieren und auch Erzählungen und Lyrik abdrucken. Darüber hinaus besucht er Theater und die Oper, in seinen Tagebuchnotaten tauchen [[Eugène Scribe|Scribe]], Halévy&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118832433&amp;lt;/ref&amp;gt;, Augier&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119493020&amp;lt;/ref&amp;gt; und Sardou&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118794566&amp;lt;/ref&amp;gt; auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Bahr 1994, S. 97 und 108&amp;lt;/ref&amp;gt; In Artikeln im &#039;&#039;Wiener Salonblatt&#039;&#039; berichtet er über seine kulturellen Erlebnisse und das soziale Leben in Paris. Für die Zeitschrift &#039;&#039;Deutsche Worte&#039;&#039; liefert er eine ausführliche kritische Erörterung der Theaterfassung des Romans &#039;&#039;Germinie Lacerteux&#039;&#039; der Brüder Goncourt&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/goncourt-edmond-et-jules-de/&amp;lt;/ref&amp;gt;. Noch immer ist der Naturalismus die dominante moderne Literaturströmung für ihn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ändert sich bald. Ein neuer Stern auf seinem Literaturhimmel ist der als Dandy auftretende Vielschreiber Catulle Mendès&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118783203&amp;lt;/ref&amp;gt;, den er auch persönlich besucht. In einer euphorischen Rezension für die &#039;&#039;Deutsche Zeitung&#039;&#039; bezeichnet er Mendès’ dramatisches Feenmärchen &#039;&#039;Isoline&#039;&#039; als „holde[n], berückende[n] Traum eines Opiumrausches“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. in Bachleitner 1998, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt; und überfälliges Gegenmodell zum Naturalismus. Die Gattung Feenmärchen rechtfertigt er mit Verweisen auf Théophile Gautier&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/11853789X&amp;lt;/ref&amp;gt;, Flaubert&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118533754&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Brüder Goncourt und Zola (!), indem er eine Bemerkung in &#039;&#039;Le naturalisme au théâtre&#039;&#039; kurzerhand aus dem Kontext reißt. Von Mendès liest er ferner die &#039;&#039;Légende du Parnasse contemporain&#039;&#039;, die Erinnerungen des Autors an seine Anfänge in der Gruppe der Parnassiens. Bahr rühmt sie als Virtuosen der raffinierten Form. Und wieder bürstet er Zola gegen den Strich, wenn er ihn mit der Aussage „une phrase bien faite est une bonne action“ geradezu als Verfechter der Parnassiens erscheinen lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;Bachleitner 1998, S. 150&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bemerkung stammt aus &#039;&#039;Le roman expérimental&#039;&#039;, und zwar aus dem Abschnitt über erotische Literatur, in der nicht der Inhalt, sondern allein die (mehr oder weniger) kunstvolle Formulierung über die Qualität entscheidet. Sie bedeutet also keinesfalls eine Apotheose der Form an sich. Auffällig ist, dass Bahr an Zola als Autorität in Fragen der Literaturtheorie auch um den Preis der Verfremdung festhält, ihn als Zeugen gegen die eigene naturalistische Theorie aufruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Décadence und Nervenkunst==&lt;br /&gt;
Die Form ist fortan Bahrs ästhetischer Leitbegriff. Anlässlich der Lektüre von Jules Lemaîtres&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118727338&amp;lt;/ref&amp;gt; gesammelten Kritiken schreibt er etwa: „Es ist nur die Form, nichts als die Form, einzig und allein die schöne Form. Die Form ist der Adel des Künstlers, der ihn von der übrigen Menschheit scheidet [...].“&amp;lt;ref&amp;gt;Bahr 1890, S. 255&amp;lt;/ref&amp;gt; Namen wie Villiers de l’Isle Adam&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118627058&amp;lt;/ref&amp;gt;, Armand Silvestre&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/117387290&amp;lt;/ref&amp;gt;, François Coppée&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118670042&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Paul Verlaine]] und [[Stéphane Mallarmé]] gehören nun bei ihm zum Fundus der französischen Moderne. Seine nächste Entdeckung ist [[Charles Baudelaire|Baudelaire]], auf den er über Théodore de Banvilles Erinnerungen und Charles Asselineaus Biographie stößt. Bahr bewundert an ihm insbesondere den rückhaltlosen Ästhetizismus und die damit einhergehende Verachtung jeden ökonomischen Kalküls. Noch wichtiger werden für Bahr Paul Bourgets&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz145229.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Essais de psychologie contemporaine&#039;&#039;, in denen dieser die Brücke zwischen den Romantikern und der Generation der 1880er Jahre herstellt; die Verbindung bildet in erster Linie die Vorliebe für intensive psychologische (Selbst-)Analyse. Wie Baudelaire in der Lyrik hat laut Bourget [[Stendhal]] für die Prosa die Beschäftigung mit den „états de l’âme“ eingeleitet. Bourgets Ausführungen entnimmt Bahr auch den künftigen Schlüsselbegriff &#039;&#039;décadence&#039;&#039;, auch kann er daraus den Terminus ‚Nervenkunst‘ ableiten, mit dem er bald in die Schlacht gegen den Naturalismus zieht. Einschlägige, ebenfalls von Bourget inspirierte Lektüren sind der &#039;&#039;Homme libre&#039;&#039; aus der Trilogie &#039;&#039;Le culte du moi&#039;&#039; von Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118506684.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, den Bourget regelrecht lancierte, und der Roman &#039;&#039;Adolphe&#039;&#039;, in dem Benjamin Constant&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118638475&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits 1816 die negativen Folgen übersteigerter Selbstreflexion dargestellt hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Bahr in dem Aufsatz „Die neue Psychologie“ (1891) darlegt, besteht die ‚Überwindung‘ des Naturalismus denn auch in der Zuwendung zur Psychologie, dem Aufsuchen der Empfindungen und ihrer Entstehung an der Wurzel, das heißt in den Nerven. Das Ich erweist sich bei diesen Analysen als instabil, ja als „unrettbar“ (Ernst Mach). Genau genommen vertritt Bahr somit eine Synthese von Naturalismus und Psychologie, er fordert die Anwendung naturalistischer Prinzipien auf die Darstellung der Seelenzustände. Mit Hilfe von Formen und Klängen soll Kunst nicht nur darstellen, sondern Sensationen und Stimmungen hervorrufen. Dem Credo der &#039;&#039;décadence&#039;&#039; folgend, sind derlei subtile Empfindungen nicht der Masse des Publikums zugänglich, sondern nur einer kleinen, sensiblen Minderheit. Die Beobachtung, dass der Naturalismus nicht gänzlich ausgedient hat, sondern nur neu orientiert werden soll, wird dadurch bestätigt, dass die von Bahr in seinen Schriften am häufigsten genannten Autoren und Theoretiker Zola und Bourget sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Abschluss des Projekts der Überwindung des Naturalismus verlor Bahr rasch das Interesse an französischer Literatur. Entsprechende Referenzen finden sich in seinen Artikeln und Rezensionen fortan nur noch sporadisch. Der ihm eigene Proteuscharakter verlangte nach Neuem, er wandte sich österreichischen Literaturtraditionen, der Mundart- und Heimatliteratur und dem Katholizismus zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bahr, Hermann: Zur Kritik der Moderne. In: Zur Kritik der Moderne. Zürich: Verlags-Magazin 1890, S. 248–255.&lt;br /&gt;
*Bahr, Hermann: Tagebücher, Skizzenbücher, Notizhefte. Bd. 1: 1885–1890. Hg. v. Moritz Csáky. Bearbeitet von Lottelis Moser und Helene Zand. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1994.&lt;br /&gt;
*Müller, Martin Anton: Hermann Bahr – Textverzeichnis. Bd. 1. Weimar: VDG Weimar 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Hermann Bahr und die französische Literatur in den Jahren 1889/90. In: Jahrbuch des Adalbert Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich 5 (1998), S. 145–159.&lt;br /&gt;
*Dangel-Pelloquin, Elsbeth: Der überwundene Überwinder. Hermann Bahrs Revokationen der Moderne. In: Tradition in der Literatur der Wiener Moderne. Hg. v. Wilhelm Hemecker, Cornelius Mitterer und David Österle unter Mitarbeit von Cornelia Nalepka und Gregor Schima. Berlin, Boston: de Gruyter 2017, S. 38–52.&lt;br /&gt;
*Messner, Dieter: Die Hermann-Bahr-Stiftung in Salzburg. In: „Der Herr aus Linz“. Hermann-Bahr-Symposion im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 1984. Linz: Linzer Veranstaltungsgesellschaft 1987, S. 185–189.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/09/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Hermann_Bahr}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Bahr, Hermann}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=%C3%89mile_Verhaeren,_vermittelt_durch_Stefan_Zweig&amp;diff=1232</id>
		<title>Émile Verhaeren, vermittelt durch Stefan Zweig</title>
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		<updated>2026-04-23T11:07:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Emile Verhaeren by Theo van Rysselberghe.jpg||thumb|Émile Verhaeren, Bleistiftzeichnung von Theo van Rysselberghe, 1907]]Die Rezeption der Werke von Émile Verhaeren ist sehr eng mit dem Namen [[Stefan Zweig]] verbunden. Zweig war der wichtigste zeitgenössische Vermittler Verhaerens im deutschsprachigen Raum. Schon während seiner Jahre im Gymnasium las er den belgischen Autor. Wenig später fragte er bei Verhaeren wegen des Übersetzungsrechts für die Gedichtsammlung &#039;&#039;Les Apparus dans mon chemin&#039;&#039; an. Zuvor hatte Zweig mit Camille Lemonnier&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118779389&amp;lt;/ref&amp;gt; und Charles van Lerberghe&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118865684&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits zwei andere belgische Autoren übersetzt bzw. propagiert. Im Sommer 1902 besuchte er Verhaeren erstmals, daraus ergab sich eine langjährige Freundschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Publikationen im Zeichen der Freundschaft mit Zweig==&lt;br /&gt;
[[File:Zweig Verhaeren1 1910 - Kopie.jpg|thumb|Émile Verhaeren, Stefan Zweig, Marthe Massin und Léon Laurent in Caillou-qui-bique, 1910]] 1904 erschien eine Sammlung Verhaerenscher Gedichte in Zweigs Übersetzung bei Schuster &amp;amp; Löffler in Berlin,&amp;lt;ref&amp;gt;Verhaeren 1904&amp;lt;/ref&amp;gt; der Verlag hatte bereits Zweigs erste Gedichtsammlung &#039;&#039;Silberne Saiten&#039;&#039; herausgebracht. Bei dem Treffen mit Verhaeren hatte Zweig das Konzept für den Übersetzungsband entworfen, der in drei Abschnitte unterteilt war: Unter dem Titel „Heimatswelt“ wurden Gedichte über Flandern vereinigt, „Eigenwelt“ versammelte Texte der Selbstreflexion, „Allwelt“ signalisierte die finale Öffnung für die Welt an sich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In seinem gleichzeitig für das &#039;&#039;Litterarische Echo&#039;&#039; verfassten Aufsatz über Verhaeren erläuterte Zweig, dass diese Abschnitte mit den poetologischen Entwicklungsphasen des Autors korrespondierten. Laut Zweig hatte dieser sich von der naturalistischen Wiedergabe der Natur und des prallen Lebens im ländlichen Flandern zur Darstellung der Psyche mit Hilfe symbolistischer Bilder bewegt. Religiöse Motive wie das Klosterleben, Gebet und Frömmigkeit, aber auch dekadente Traumbilder und gedankliche Ausschweifungen dominierten in dieser Phase. Die schließliche Rückkehr zur ‚Gesundheit‘ setzte mit der Exploration des Lebens in der modernen Großstadt, der Industrie und Technik, der Demokratie und des Sozialismus ein. Über den Pessimismus angesichts der Probleme in der modernen Welt fand Verhaeren zur Bejahung des Lebens zurück. Insgesamt präsentiert Zweig in dem Artikel Verhaeren als typischen Germanen, seine Weltanschauung sei „spezifisch germanisch“, er selbst „beinahe ein Deutscher“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1984, S. 9 und 18&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diesen rassistischen Zugang teilte er übrigens mit anderen Vermittlern belgischer Literatur wie Otto Hauser&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/124894321&amp;lt;/ref&amp;gt; und Johannes Schlaf&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118607871.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig ging in dem Aufsatz ferner davon aus, dass das Französische für Verhaeren eine Fremdsprache darstellte, die er „umhämmerte, bis sie sich seiner gedanklichen Wucht gefügig erwies und eigentlich eine fremde war“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1984, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Unter dem ‚Umhämmern‘ sind im Klartext Neologismen und ungewöhnliche Bilder und Fügungen zu verstehen. Zweig nennt eine Reihe von Beispielen, etwa die Verben „rauquer (&#039;&#039;mit heiserer Stimme sprechen&#039;&#039;)“ und „vacarmer (&#039;&#039;etwa ‚Heidenlärm schlagen‘&#039;&#039;)“, ferner Wendungen wie „les plumes majuscules (&#039;&#039;die großbuchstabigen Federn&#039;&#039;)“ oder „les gloires médusaires (&#039;&#039;die wie versteinerten Ruhmeslieder&#039;&#039;)“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1984, S. 152f.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Sicht auf Verhaerens Sprache unterstützte Zweigs Wahl der Übersetzungsmethode. Wie auch bei [[Charles Baudelaire|Baudelaire]] und [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaine]] entschied er sich für freie Nachdichtungen. Das führte nicht nur zu markanten Abweichungen, sondern auch zu mitunter erheblicher Vermehrung des Textumfangs. Laut Reisinger (1991) sind Zweigs bevorzugte Übersetzungsstrategien die Erweiterung und die Konkretisation, das heißt die Bewegung vom Allgemeinem zum Besonderen. Gerne wählt Zweig ausgefallenes Vokabular, hebt den Stil an, erweitert den Ausgangstext, kompliziert ihn auch, wenn er sich beispielsweise statt der naheliegenden für eine weniger geläufige Bedeutung von Wörtern entscheidet. Erkennbar ist durchgehend das Bestreben, Verhaeren einem möglichst breiten Publikum schmackhaft zu machen. In diese Richtung weist auch der Umstand, dass Zweig Verhaerens gelegentlich unverblümte Thematisierung von Sexualität und Kritik von Religion und ihren Vertretern abmildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vergleich Zweigs mit zwei anderen österreichischen Übersetzern Verhaerens zeigt, dass Richard Schaukal&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Richard_Schaukal&amp;lt;/ref&amp;gt; sich ebenfalls Freiheiten herausnahm und danach trachtete, eine – nach konventionellen Maßstäben – möglichst poetische Version der Ausgangstexte zu liefern. Rudolf Komadina, ein junger Grazer Nietzsche-Verehrer, der einige Verhaeren-Gedichte in der Zeitschrift &#039;&#039;Die Gesellschaft&#039;&#039; veröffentlichte, hielt sich dagegen, auch im Fall drastischer Formulierungen, sehr eng an den Ausgangstext und opferte der übersetzerischen Treue sogar den Reim.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bachleitner 2022, S. 153f. und 149f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verhaeren im Insel-Verlag==&lt;br /&gt;
Der Insel-Verlag sicherte sich die Übersetzungsrechte für Verhaerens Werke und wurde damit zu seinem akkreditierten deutschen Verlag. Dem Verlagsleiter Anton Kippenberg&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723081.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;, einem glühenden Vertreter des Pan-Germanismus, kam das von Zweig gezeichnete Bild Verhaerens ideologisch sehr entgegen. 1910 erschien die dreibändige Edition, die Verhaerens Ruhm im deutschsprachigen Raum endgültig absichern sollte. Sie bestand aus Zweigs ausführlicher Biographie, einem Band von ihm übersetzter Gedichte und drei Theaterstücken (&#039;&#039;Hélène de Sparte&#039;&#039; – im selben Jahr im Rahmen der Brüsseler Weltausstellung in Max Reinhardts Inszenierung aufgeführt –, &#039;&#039;Le cloître&#039;&#039; und &#039;&#039;Philippe II&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Thematisierungen der Religion trugen Verhaeren Schwierigkeiten mit der Theaterzensur ein. Als 1911 das Deutsche Volkstheater in Wien sein Stück &#039;&#039;Le cloître&#039;&#039; (Das Kloster) aufführte, verlangte sie Striche und Änderungen. In dem Drama deckt der Abt das Verbrechen eines Mönchs, der seinen Vater ermordet und sich in das katholische Kloster geflüchtet hatte. Der Stoff war an sich anstößig, zudem enthielt das Stück Szenen wie die Beichte des Mönchs, die auf der Wiener Bühne nicht – wie von Verhaeren vorgesehen –in der Kirche, sondern nur im Klosterhof stattfinden durfte. Auch die Spezifizierung ‚katholisch‘ musste vielfach unterbleiben. Zweig behauptete, die Aufführung durch seine mildernden Eingriffe in den Text ‚gerettet‘ zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vitalismus und Germanismus bildeten eine schroffe Gegenposition zum Ästhetizismus, tatsächlich handelte Zweig Verhaeren nicht zuletzt als Alternative zum ‚Jungen Wien‘, dessen Hang zu Ästhetizismus und Dekadenz ihm, wie zum Beispiel in &#039;&#039;Die Welt von Gestern&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 2002, 76&amp;lt;/ref&amp;gt; nachzulesen, zuwider war. Mit dieser Ausrichtung der Wiener Literatur mag zusammenhängen, dass Verhaeren in Wien zum Unterschied von Deutschland kaum nennenswertes Echo fand. 1912 organisierte Zweig eine Lesereise Verhaerens durch Deutschland und Österreich. In Wien hielt er einen Vortrag über seine Entwicklung von Weltverachtung zu Optimismus und Lebensfreude. In einem Brief an [[Romain Rolland]] beklagte Zweig, dass keiner der prominenten Wiener Autoren zu dem Vortrag in der Kunstgalerie des bekannten Buchhändlers Hugo Heller&amp;lt;ref&amp;gt; https://www.encyclopedia.com/psychology/dictionaries-thesauruses-pictures-and-press-releases/heller-hugo-1870-1923&amp;lt;/ref&amp;gt; erschienen war.&amp;lt;ref&amp;gt;zit. in Bachleitner 2022, S. 144&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls 1912 erschien die auf Verhaerens vitalistische und religiös inspirierte Lyrik fokussierende Sammlung &#039;&#039;Hymnen an das Leben&#039;&#039; in der populären Reihe der „Insel-Bücherei“ in einer Auflage von 30.000 Exemplaren. Im selben und dem darauf folgenden Jahr folgten die Porträts &#039;&#039;Rembrandt&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;Rubens&#039;&#039; in Zweigs Übersetzung. Sie blieben Zweigs letzte Verhaeren-Übersetzungen. Der Beginn des Ersten Weltkriegs entzweite die beiden Autoren, beide befürworteten (zumindest anfänglich) den Krieg und traten jeweils für ‚ihre‘ Kriegspartei ein. Zweig wandte sich von der Vermittlung Verhaerens, der ohnehin nur noch kurz zu leben hatte, ab und anderen literarischen Projekten zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie== &lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Emile Verhaeren. Frankfurt am Main: S. Fischer 1984.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Frankfurt/Main: S. Fischer 2002 (zuerst 1970).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Stefan Zweig as a Mediator and Translator of Emile Verhaeren’s Poetry. In: Brussels 1900 Vienna. Networks in Literature, Visual and Performing Arts, and other Cultural Practices. Hg. v. Piet Defraeye, Helga Mitterbauer, and Chris Reyns-Chikuma. Leiden, Boston: Brill 2022, S. 140–167.&lt;br /&gt;
*Reisinger, Roman: Stefan Zweig als Übersetzer Verhaerens: Zum Selbstverständnis eines ‚poète-traducteur‘ und zu seinen Übersetzungsverfahren im Bereich der lyrischen Bildwelt. In: Österreichische Dichter als Übersetzer. Salzburger komparatistische Analysen. Hg. v. Wolfgang Pöckl. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1991, S. 239–265. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Émile: Ausgewählte Gedichte. Berlin: Schuster &amp;amp; Löffler 1904.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/09/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Émile_Verhaeren_(le_rôle_de_médiateur_de_Stefan_Zweig)}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Verhaeren, Émile}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Stefan Zweig</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zweig1.png||thumb|Stefan Zweig (1881-1942)]]&lt;br /&gt;
Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942) unterhielt zahlreiche freundschaftliche, intellektuelle und berufliche Verbindungen mit Frankreich. Dank seines internationalen beruflichen Netzwerks und seiner Übersetzungstätigkeit hat sich dieser Wiener Autor jüdischer Herkunft sein Leben lang für den Kulturaustausch zwischen Frankreich und den deutschsprachigen Ländern eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Schon in der frühen Kindheit reist Stefan Zweig regelmäßig nach Paris, was sich durch seine Familienbande mit der französischen Hauptstadt ergibt, wo eine seiner Tanten namens Brettauer wohnhaft ist. Ab 1902 weilt er mehrmals dort, aber erst 1904, nach der Verteidigung seiner Doktorarbeit über Hippolyte Taine&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/hippolyte-taine&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Die Philosophie des Hippolyte Taine&#039;&#039;, 1904) lässt sich Stefan Zweig sechs Monate in Paris nieder, wo er an der Seite von Alphonse Lemerre&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb13517329w&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1912), [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaines]] französischem Verleger, seine ersten Schritte als Übersetzer macht. Zweig entwickelt so sein erstes literarisches Netz unter den Kreisen von Schriftstellern und Künstlern dieser Epoche und knüpft tiefe Freundschaften. In diesem Rahmen begegnet er insbesondere dem Übersetzer und Schriftsteller Léon Bazalgette&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb12119287f&amp;lt;/ref&amp;gt; (1873–1938), sowie Mitgliedern des Künstlerkreises „L’Abbaye de Créteil“&amp;lt;ref&amp;gt;https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_de_Cr%C3%A9teil&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem u.a. Jules Romains&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/jules-romains&amp;lt;/ref&amp;gt; (1885–1972), Pierre-Jean Jouve&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article114580&amp;lt;/ref&amp;gt; (1887–1938), René Arcos&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb121360491&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881–1959) oder Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; (1884–1966) angehören, aber auch der Maler Albert Gleizes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/albert-gleizes/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881–1953) oder der Komponist Albert Doyen&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb14844093q&amp;lt;/ref&amp;gt; (1882–1935). Der Kontakt mit diesen Künstlern lässt bei dem österreichischen Schriftsteller die Überzeugung heranwachsen, dass ein Netzwerk eine wesentliche Bereicherung der künstlerischen Tätigkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1917, während seines Aufenthalts in der Schweiz, sieht Zweig manche französischen Freunde wieder. So zum Beispiel Pierre-Jean Jouve, den der österreichische Schriftsteller während des Ersten Weltkriegs in Genf trifft und mit dem auch ein beruflicher Kontakt entsteht. Zusammen mit dem belgischen Graveur und Maler Frans Masereel&amp;lt;ref&amp;gt;http://masereel.org/fr/biographie-2/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1889–1972), einem anderen guten Freund Zweigs, kommt es zu einer gegenseitigen Kooperation. Die drei Freunde engagieren sich auch beim internationalen Roten Kreuz an der Seite des französischen Schriftstellers [[Romain Rolland]] (1866–1944), zu dieser Zeit Angelpunkt des Pazifismus in der Schweiz. Romain Rolland wird für Zweig zum wahren Lehrmeister, zumindest bis in die frühen dreißiger Jahre, als Rolland, ein Weggefährte des Kommunismus, sich weiterhin öffentlich zum stalinistischen Regime bekennt, was zu Spannungen mit Zweig führt. Bevor es zur ideologischen Entfernung zwischen den beiden Freunden kam, war Zweig darum bemüht, durch die Übersetzung von Werken seines Freunds aus Villeneuve die Ausstrahlung seiner Literatur zu fördern. Unter dem Titel &#039;&#039;Romain Rolland. Der Mann und das Werk&#039;&#039; (1921, französische Übersetzung von Odette Richez, 1929) widmet er ihm sogar eine Biographie, die sowohl sein literarisches Wirken als auch sein pazifistisches Engagement würdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Romain Rolland setzt Stefan Zweig sein pazifistisches Engagement nach dem Krieg weiter.  Letzteres konkretisiert sich nicht wie bei manchen französischen Freunden durch militante politische Aktion im Rahmen von Organisationen, sondern durch das Übersetzen von Literatur, das sich der Kulturvermittlung im europäischen Raum widmet. So entsteht in Zusammenarbeit mit dem Insel Verlag (Leipzig) das Projekt „&#039;&#039;Bibliotheca Mundi&#039;&#039;“, eine Reihe, die sich zum Ziel setzt, unter den Klassikern der europäischen Literatur ausgewählte Autoren zu veröffentlichen, unter ihnen [[Charles Baudelaire|Baudelaire]] für Frankreich. Die Absicht, die französische Literatur dem deutschsprachigen Publikum zu erschließen, ist eine Konstante bei Zweig, hatte er doch seit 1900 in der Literaturzeitschrift &#039;&#039;Die Gesellschaft&#039;&#039; Gedichte von Baudelaire und &#039;&#039;Sensations&#039;&#039; von [[Arthur Rimbaud|Rimbaud]] veröffentlicht. Zweig übersetzt auch mehrmals Gedichte von [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Paul Verlaine]], widmet ihm Essays, eine Anthologie, sowie eine Biographie. Zwischen 1913 und 1922 arbeitet er an der Veröffentlichung von Verlaines gesammelten Werken. 1908 verfasst Zweig einen Text über Balzac, der zunächst als Einleitung zur 15 Bände umfassenden Werkausgabe der &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; bei Insel dient, bevor er neben den Dickens und Dostojewski gewidmeten Essays im Sammelband &#039;&#039;Drei Dichter&#039;&#039; (&#039;&#039;Trois maîtres&#039;&#039;) erscheint. Er hoffte, dem französischen Schriftsteller eine umfassende Biographie zu widmen, nachdem er 1939 in Bath einen Entwurf verfasst hatte. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte Zweigs Ausreise in die Vereinigten Staaten ohne sein Manuskript dieses Projekt zunichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig setzt sich auch für deutschsprachige Autoren ein, die in Frankreich veröffentlicht werden wollen. Dank seines internationalen Netzwerks wird er zum Vermittler zwischen französischen Verlagshäusern und österreichischen Schriftstellern. Als Beispiel sei [[Joseph Roth]] (1894–1939) angeführt, der seinen Freund und Protektor immer wieder darum bittet, bei französischen Verlagen Vorschusszahlungen oder bessere Verträge auszuhandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Engagement für die deutsch-französische Kulturvermittlung zeigt sich auch in seiner eigenen literarischen Arbeit. Seit seiner Dissertation, bis zu seinem letzten unvollendeten, posthum (1942) fragmentarisch erschienenen, Montaigne gewidmeten Werk, säumen bedeutsame französische Künstler und Dichter Zweigs großartige literarische Laufbahn wie Meilensteine. Dadurch hat er zu deren Würdigung und Ruhm genauso stark beigetragen wie sie ihn in literarischer und philosophischer Hinsicht inspiriert und beeinflusst haben. Einen Tag vor seinem Selbstmord beginnt er im brasilianischen Exil einen Text über Montaigne. Ausgehend von seiner Lektüre der &#039;&#039;Essais&#039;&#039; (1533–1592), entwirft der österreichische Schriftsteller eine Biographie nach dem Modell der während der Exiljahre anderen Intellektuellen gewidmeten Werke (&#039;&#039;Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam&#039;&#039;, 1934, und &#039;&#039;Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt&#039;&#039;, 1936). Es geht nicht – wie bei Romain Rolland oder Verlaine – darum, Leben und Werk von Montaigne darzustellen, sondern – im Falle Montaignes – einen Aspekt seiner Philosophie hervorzuheben: Wie kann man bei einem Identifikationsprozess des Biographen mit der von ihm dargestellten Persönlichkeit seine innere Freiheit und sein Gewissen bewahren? Montaigne kommt somit exemplarische Bedeutung zu, genauso wie Erasmus und Castellio für Zweig den Kosmopolitismus und Humanismus verkörperten, und Rolland den Pazifismus und den Geist Europas darstellte. Alles Figuren, an die Zweig sich in einer Zeit großer Isolierung zu klammern versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig hat auch einige Aspekte der Geschichte Frankreichs untersucht, die seiner Ansicht nach epochale Meilensteine der Weltgeschichte darstellen, und die er in &#039;&#039;Sternstunden der Menschheit&#039;&#039; (1927, französische Übersetzung: &#039;&#039;Les Très Riches Heures de l’Humanité&#039;&#039;, 1929) romanesk behandelt. Unter den Augenblicken, die er als dezidierte Wende im Lauf der globalen Geschichte betrachtet, wählt der Autor die „Marseillaise“ und nimmt sich vor zu erzählen, wie die französische Nationalhymne geschrieben wurde („Das Genie einer Nacht“, « Le Génie d’une nuit : La Marseillaise, 25 avril 1792 »), und wie die Niederlage der napoleonischen Truppen in Waterloo verlief („Die Weltminute in Waterloo“, « La Minute mondiale de Waterloo : Napoléon, 18 juin 1815 »). Zweigs Konzeption der französischen Geschichte konzentriert sich somit wesentlich auf die Zeit der französischen Revolution und des 1. Kaiserreichs (Premier Empire), wie dies aus den Joseph Fouché&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.larousse.fr/encyclopedie/personnage/Joseph_Fouch%C3%A9/120009&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen&#039;&#039;, 1929) und Marie-Antoinette (&#039;&#039;Marie-Antoinette: Bildnis eines mittleren Charakters&#039;&#039;, 1932) gewidmeten Biographien hervorgeht. Dies trifft auch auf die meisten literarischen Persönlichkeiten zu, denen er biographische Essays widmet, sei es Balzac, Stendhal oder die Dichterin Marceline Desbordes-Valmore&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=449&amp;lt;/ref&amp;gt; (1786–1859).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über bestimmte Episoden und Figuren der französischen Geschichte schreiben erlaubte es, so Zweigs Ansicht, dem Diskurs der Nazipropaganda, die übrigens die „Ideen von 1789“ verwarf, die in Hitlers Augen für die Übel der Moderne und den Untergang der deutschen Nation verantwortlich seien, eine andere Konzeption entgegenzustellen. Frankreich und seine republikanische politische Tradition verkörpern so in Zweigs Schriften ein „Anti-Deutschland“. Als erstes Land, das deutschsprachige Exilanten zwischen 1933–1939 aufnimmt, wird Frankreich zu einer „geistigen Heimat“ (« patrie morale ») für zahlreiche deutsche Denker, die in der Philosophie der Aufklärung und in deren Erbe ein Denkmuster suchen, auf das sich eine ideelle Opposition gegenüber dem Naziregime stützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frankreich repräsentierte für Zweig, dessen Exilländer Großbritannien, die Vereinigten Staaten und schließlich Brasilien (1924–1942) waren, vor allem eine „Literaturheimat“ (« patrie littéraire »). Jedenfalls richtet er sich mehrmals im Lauf des Jahres 1940 an sein französisches Publikum, mit Vorträgen, Presseerklärungen und einer für Radio Paris aufgenommenen Ansprache. Es geht ihm einerseits darum, seine pazifistischen und europäischen Werte zu vermitteln, andererseits aber auch darum, all diejenigen zu unterstützen, „die nicht sprechen können“ wegen der Unterdrückung durch das Hitlerregime (« Pour ceux qui ne peuvent pas parler », Erstveröffentlichung unter dem Titel „Das große Schweigen“ in &#039;&#039;Das Neue Tage-Buch&#039;&#039;, Paris, 4. Mai 1940, Aufnahme am 24. April 1940 in den Studios von Radio Paris). Darin macht er eine Bestandsaufnahme der in Europa von Millionen Menschen erlittenen Schrecken und mahnt zugleich Frankreich, das gegen Nazideutschland Krieg führt, wachsam zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der interkulturelle Austausch repräsentierte für Stefan Zweig die beste Möglichkeit, dem Nationalismus entgegenzutreten, der seiner Meinung nach für die beiden Weltkriege verantwortlich war. Mit seinem Wunsch, dank Kultur und Kunst die Völker miteinander zu verbinden, trug der österreichische Schriftsteller, Biograph und Übersetzer unablässig dazu bei, in einer pazifistischen und europäischen Perspektive den kulturellen Dialog zwischen Frankreich und dem deutschsprachigen Raum zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibiliografie==&lt;br /&gt;
===Texte von Stefan Zweig===&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Paul Verlaine. In: Das Magazin für Literatur 1902.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Gedichte von Paul Verlaine. Eine Anthologie der besten Übertragungen. Berlin, Leipzig: Schuster &amp;amp; Loeffler 1902.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Verlaine. Berlin, Leipzig: Schuster &amp;amp; Loeffler 1905.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Balzac“. In : La Comédie humaine. 15 Bänden. Leipzig: Insel 1908.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Drei Meister: Balzac–Dickens–Dostojewski. Band 1. Leipzig: Insel 1920.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marceline Desbordes-Valmore. Das Lebensbild einer Dichterin. Leipzig: Insel 1920.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Der Mann und das Werk. Frankfurt am Main: Rütten und Leoning 1921.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Paul Verlaines Lebensbild“. In: Paul Verlaines Gesammelte Werke in zwei Bänden. Leipzig: Insel 1922.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Drei Dichter ihres Lebens. Casanova–Stendhal–Tolstoi. Band 3. Leipzig: Insel 1928.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen. Leipzig: Insel 1929.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marie-Antoinette: Bildnis eines mittleren Charakters. Leipzig: Insel 1932.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Das große Schweigen“. In : „Erst wenn die Nacht fällt“. Politische Essays und Rede. 1932-1942. Unbekannte Texte. Band 1. Krems an der Donau: Roesner 2016, S. 103–111.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Montaigne. In: Europäisches Erbe. Frankfurt am Main: Fischer 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ins Französische übersetzte Texte von Stefan Zweig===&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Sa vie. Son œuvre, übers. von Odette Richez. Paris: Éditions Pittoresques 1929.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Trois poètes de leur vie: Stendhal, Casanova, Tolstoï, übers. von Henri Bloch undAlzir Hella. Volume 3. Paris: Le Libre de Poche 2011 (Stock 1937).&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Trois Maîtres: Balzac, Dickens, Dostoïevski, übers. von Henri Bloch et Alzir Hella. Volume 3. Paris: Le Libre de Poche 2011 (Grasset 1949).&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Paul Verlaine, übers. von Corinne Gepner. Paris: Le Castor Astral 2015.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Montaigne, übers. von Corinne Gepner. Paris: Le Livre de Poche 2019.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marceline Desbordes-Valmore, übers. von Alzir Hella. Paris: Le Livre de Poche 2020.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Pour ceux qui ne peuvent pas parler“. In: L’esprit européen en exil: essais, discours, entretiens (1933–1942), übers. von Jacques Le Rider. Paris: Bartillat 2020, S. 337–343.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Joseph Fouché. Portrait d’un homme politique, übers. von Jean-Jacques Pollet. Paris: Les Belles Lettres 2021.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marie-Antoinette. Portrait d’une personne ordinaire, übers. von Jean-Jacques Pollet. Paris: Les Belles Lettres 2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Briefwechsel von Stefan Zweig===&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain et Zweig, Stefan: Correspondance: 1910–1919, übers. von Jean-Yves Brancy und Siegrun Barat. Paris: Albin Michel 2014.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain et Zweig, Stefan: Correspondance: 1920–1927, übers. von Jean-Yves Brancy und Siegrun Barat. Paris: Albin Michel 2015.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain et Zweig, Stefan: Correspondance : 1928–1940, übers. von Jean-Yves Brancy et Siegrun Barat. Paris: Albin Michel 2016. &lt;br /&gt;
*Roth, Joseph und Zweig, Stefan: „Jede Freundschaft mit mir ist verderblich“: Joseph Roth und Stefan Zweig. Briefwechsel 1927–1938. Zürich: Diogenes 2011. &lt;br /&gt;
*Roth, Joseph et Zweig, Stefan: Correspondance, 1927–1938, übers. von Pierre Deshusses. Paris: Payot &amp;amp; Rivages 2013.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Battiston, Régine und Renoldner, Klemens (Hrsg.): „Ich liebte Frankreich wie eine zweite Heimat.“ Neue Studien zu Stefan Zweig. Würzburg : Königshausen &amp;amp; Neumann 2011.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: „Verlaine, l’anti-démon ?“ In: Austriaca 91 (2020). Onlinestellung am 01. September 2022. Abgerufen am 24. Oktober 2024.&lt;br /&gt;
*Lecorchey, Virginie: „Montaigne“ In: Austriaca 91 (2020). Onlinestellung am 01. September 2022. Abgerufen am 24. Oktober 2024. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Marion Garot Puyau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 22/04/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Stefan_Zweig}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zweig, Stefan}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Georg_Trakl&amp;diff=1230</id>
		<title>Georg Trakl</title>
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		<updated>2026-04-23T11:06:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Trakl.jpg|250px|thumb|Georg Trakl]]&lt;br /&gt;
Trakl ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Lyrikern des Expressionismus, dem er in der Anthologie Menschheitsdämmerung von 1920 zugezählt wurde. Er hat sich selbst als Kaspar Hauser gesehen, als „Ungeborenen“, der niemandem zugehört. Doch in seinem „Kaspar Hauser Lied“ hört man den Nachklang von Verlaines „Gaspard Hauser chante“. Mit [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaine]], [[Charles Baudelaire|Baudelaire]] und vor allem [[Arthur Rimbaud|Rimbaud]] teilt Trakl die Imago des ‚poète maudit‘, eines drogenabhängigen inzestuösen Fremdlings in der bürgerlichen Gesellschaft. Heute zählt Trakl auch in Frankreich zu den großen Lyrikern neben Hölderlin, [[Rainer Maria Rilke|Rilke]], Baudelaire, Rimbaud und [[Paul Celan|Celan]]. Diese Anerkennung ist aber außergewöhnlich zögernd vor sich gegangen, vergleicht man sie mit dem Ruhm Rilkes oder Celans. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Trakl und Frankreich==&lt;br /&gt;
Laurent Cassagnau hat in der Trakl gewidmeten Nummer der Zeitschrift &#039;&#039;Europe&#039;&#039; (Nr. 984, 2011) detailliert diese zögernde Rezeption Trakls in Frankreich analysiert, die lange von den Übersetzungen durch Lyriker aus der Peripherie (Schweiz und Elsass) geprägt war. Wenn man von der &#039;&#039;Anthologie de la poésie allemande&#039;&#039; absieht, die während der deutschen Besatzung 1942 erschien und 12 Gedichte Trakls enthielt, war vor 1948 nur ein Gedicht („Psalm“) in der von Yvan Goll&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118540564&amp;lt;/ref&amp;gt; herausgegebenen Anthologie &#039;&#039;Les cinq continents. Anthologie mondiale de la poésie contemporaine&#039;&#039; aus dem Jahr 1920 auf Französisch erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1945 fanden sich in Zeitschriften verstreut ausgewählte Übersetzungen von Dichtern: Gustave Roud (1948 und 1964), Henri Stierlin (1956), Eugène Guillevic (1981). 1964 erschien Robert Rovinis&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb119230062&amp;lt;/ref&amp;gt; Anthologie in der Reihe „Poètes d’aujourd’hui“. Erst 1972 (zweite Auflage 1980) veröffentlichte der Verlag Gallimard Trakls &#039;&#039;Œuvres complètes&#039;&#039; in der Übersetzung von Marc Petit und Jean-Claude Schneider, die allerdings alles eher als vollständig war, aber durch ihre Taschenbuch-Ausgabe in der Reihe „Poésie/Gallimard“ (1990) unter dem Titel &#039;&#039;Crépuscule et déclin/Sébastien en rêve&#039;&#039;&#039; Trakl einen festen Platz im Pantheon der Lyrik sicherte. Mit dieser Übersetzung beginnt die wahre Anerkennung Trakls. Eine vollständige zweisprachige Ausgabe, geteilt in &#039;&#039;Poèmes majeurs&#039;&#039; (1993 und 2001 als &#039;&#039;Poèmes II&#039;&#039;) und &#039;&#039;Poèmes I&#039;&#039; (frühe Gedichte und zu Lebzeiten Unveröffentlichtes&amp;lt;ref&amp;gt;GF-Flammarion 1104-1105&amp;lt;/ref&amp;gt;, verdankt sich Jacques Legrand, der persönliche Kontakte zu Ludwig von Ficker&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118532871&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte, dem Herausgeber des &#039;&#039;Brenner&#039;&#039;, Trakls ‚Heimat‘, in dem seine wichtigsten Gedichte erschienen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trakls Position in Frankreich erklärt sich aus drei entscheidenden Faktoren. Der erste ist symbolisiert durch die Formel „der österreichische Rimbaud“ (Cysarz). Die Wirkung Rimbauds auf Trakl geht zurück auf seine Lektüre der ausgewählten Übersetzungen durch [[K.L. Ammer]] (1907) und das exaltierte Vorwort [[Stefan Zweig|Stefan Zweigs]], das auf Trakls eigene Imago eingewirkt hat. Der seit langem im Detail dokumentierte ‚Einfluss‘ Rimbauds kombiniert sich mit zwei anderen französischen poetischen Quellen: Verlaine und Baudelaire. Diese Verankerung in der französischen Lyrik geht einher mit dem Bild des sozialen Außenseiters. 1991 hat die ‚Maison de la poésie‘ eine Trakl-Ausstellung, in der auch das unheimliche Selbstporträt zu sehen war, veranstaltet. In diesem Rahmen spielte der Schauspieler Denis Lavant Trakl als gesellschaftliche Randexistenz, als Inkarnation des ‚poète maudit‘. Ein Sonderfall in der Rezeption ist Claude Louis-Combets&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/119400375&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Blesse, ronce noire&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Corti 1995, 3. Auflage 2004&amp;lt;/ref&amp;gt;, eine biographische Reduktion der Dichtung auf den Inzest mit der Schwester Gretl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Faktor steht im kontradiktorischen Gegensatz zur sozialen, psychologischen oder literaturhistorischen Deutung. Es handelt sich um die imperiale Inanspruchnahme des Dichters durch den Philosophen Martin Heidegger, der über Jahrzehnte das philosophische Feld in Frankreich beherrschte. Seine zwei Arbeiten über Trakl („Die Sprache“, 1950, und „Die Sprache im Gedicht. Eine Erörterung von Georg Trakls Gedicht“, 1952) waren 1958 in den Nummern 61 und 62 der &#039;&#039;NRF&#039;&#039; erschienen. Sie wurden u.a. von Jacques Derrida in &#039;&#039;De l’esprit&#039;&#039; (1987) kommentiert. Für Heidegger spricht nicht der Dichter, sondern die Sprache. Es geht ihm darum, den Ort von Trakls Gedicht zu bestimmen, den er in einem postmetaphysischen „Abendland“ sieht. Heideggers Deutung des Dichters, die unter Verachtung sämtlicher Fakten Trakls Gedichte als ein einziges Gedicht („Georg Trakls Gedicht“ und nicht „Gedichte“) ansah und das Recht auf Gewaltanwendung in der Deutung für sich reklamierte, scheute auch nicht vor etymologischen Manipulationen zurück, z.B. der Verwandlung des „Fremden“ in einen, der zur Philosophie Heideggers unterwegs ist. Das von Heidegger geschätzte Buch des Philosophen Jean-Michel Palmier&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/133988775&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;La situation de Georg Trakl&#039;&#039; (1972, Neuauflage unter dem Titel &#039;&#039;Georg Trakl&#039;&#039;, 1987) folgt einerseits dem Meister, aber im Widerspruch zu ihm hat Palmier versucht, die ‚Situation‘ Trakls auch in der persönlichen, historischen, politischen und intellektuellen Wirklichkeit zu verankern, ohne es mit den Fakten genau zu nehmen. Er parallelisiert den ontologischen „Verfall“ mit dem historischen Verfall (Untergang Österreich-Ungarns). Rémy Colombat&amp;lt;ref&amp;gt;„Heidegger, lecteur de Trakl“, Études Germaniques 68 (2013), S. 395–420&amp;lt;/ref&amp;gt; hat detailliert die Holzwege von Heideggers Lektüre analysiert. Doch durch Heidegger und Palmier war Trakl zu einer Figur philosophischer Diskussionen geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich hat die akademische Philologie entscheidend zur Kenntnis Trakls beigetragen. Es ist bezeichnend, dass dabei zunächst das Problem der Übersetzung im Zentrum stand. Im Anschluss an die Œuvres complètes von 1972, deren Übersetzer für eine distanzierte ‚objektive‘ Methode plädierten, widmete sich ein Straßburger Team (Finck, Giraud, Kniffke) der Übersetzungsfrage. Aus Straßburg kam auch die Pionierarbeit Adrien Fincks&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/12481686X&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Georg Trakl. Essai d’interprétation&#039;&#039; (1974). Ein philologisches Meisterstück war Rémy Colombats &#039;&#039;Rimbaud–Heym–Trakl. Essais de description comparée&#039;&#039; aus dem Jahr 1987. Die minuziösen Analysen der Intertextualität (auch der Mängel von Klammers Übersetzungen) führen zur Erkenntnis der Besonderheit Trakls im Vergleich zum französischen Vorbild und der expressionistischen Bewegung, die sich auf ihn beruft. Bei der Frage nach Trakls ‚Ort‘ in Frankreich darf eine Institution nicht vergessen werden: die Concours Agrégation und CAPES, durch die Aberhunderte von Lehramtskandidaten 1987 und 2007 mit Trakl vertraut wurden. Anlässlich der Concours fanden Kolloquien statt, die die Studenten mit dem internationalen Forschungsstand bekannt machen sollten. Der Band „&#039;&#039;Frühling der Seele&#039;&#039;“ (1995) hatte als Schwerpunkt Trakls Beziehungen zu seinen französischen Vorbildern Baudelaire, Verlaine, Rimbaud und [[Stéphane Mallarmé|Mallarmé]]. Der Beitrag „Celan als Leser Trakls“ demonstrierte, dass Trakl zu einem Ahnen geworden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Werke (Auswahl)===&lt;br /&gt;
*Trakl, Georg: Œuvres complètes. Traduites par Marc Petit et Jean-Claude Schneider. Paris: Gallimard 1972 (zweite Auflage 1980). &lt;br /&gt;
*Trakl, Georg: Poèmes majeurs. Gedichte, Sebastian im Traum, Veröffentlichungen im ‚Brenner‘. Édition bilingue. Traduction de Jacques Legrand. Réédité sous le titre Poèmes II. Paris: GF-Flammarion 1990.&lt;br /&gt;
*Trakl, Georg: Poèmes I. Paris: GF-Flammarion 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fachliteratur===&lt;br /&gt;
*Cassagnau, Laurent: Trakl en France. In: Europe 984 (2011), S. 106–124.&lt;br /&gt;
*Finck, Adrien, Giraud, Huguette et Frédéric Kniffke: Trakl en français. In: Revue d’Allemagne 5 (1973), S. 305–381.&lt;br /&gt;
*Colombat, Rémy: Rimbaud–Heym–Trakl. Essais de description comparée. Berne, etc.: Peter Lang 1987.&lt;br /&gt;
*Colombat, Rémy und Stieg, Gerald (Hg.): „Frühling der Seele“. Innsbruck: Haymon 1995.&lt;br /&gt;
*Finck, Adrien: Georg Trakl. Essai d’interprétation. Lille 1974.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Gerald Stieg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/10/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Georg_Trakl}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Trakl, Georg}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)</title>
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&lt;hr /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zuckerkandl.jpg||thumb|Berta Zuckerkandl-Szeps, fotografiert von [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (1908)]]Die österreichische Salonnière, Journalistin und Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl-Szeps (* 13. April 1864 in Wien, † 16. Oktober 1945 in Paris) hat zahlreiche Artikel über die französische Kunst der Moderne verfasst, die zwischen 1893 und 1914 in der österreichischen Presse veröffentlicht wurden. Dank ihrer guten Beziehungen in Paris konnte sie als Kunstvermittlerin zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich wirken: Durch ihre Artikel trug sie zur Verbreitung französischer Kunstwerke der Moderne bei und erreichte somit, dass französische Künstler sich an den internationalen Ausstellungen der [[Wiener Secession]] beteiligten, wobei ihr Salon zu einer Drehscheibe der österreichisch-französischen Verbindungen wurde, nicht nur für Kunst, sondern auch für Literatur, Musik, Theater und Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Salonnière und Kunstkritikerin==&lt;br /&gt;
Berta Szeps wurde am 13. April 1864 in Wien geboren und wuchs im kosmopolitischen, modern gesinnten Milieu der wohlhabenden jüdischen Bourgeoisie auf. Die Hauslehrer wurden vom Vater Moritz Szeps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Moritz_Szeps&amp;lt;/ref&amp;gt; (1835–1902) angestellt, der als Chefredakteur die liberale Zeitung &#039;&#039;Neues Wiener Tagblatt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Neues_Wiener_Tagblatt&amp;lt;/ref&amp;gt; leitete und besonderen Wert darauf legte, seinen fünf Kindern allumfassende Kenntnisse zuteil werden zu lassen, sowohl in Literatur und Fremdsprachen, als auch in Physik und Chemie. Theater, Musik und schöne Künste nahmen auch einen wichtigen Platz im Leben der Familie ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit achtzehn Jahren wird Berta Szeps Privatsekretärin ihres Vaters, der damals öfters nach Frankreich reist, um sich mit bedeutenden Persönlichkeiten der französischen Politik zu treffen, wie etwa Léon Gambetta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/leon-gambetta/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1882)und Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://musee-clemenceau.fr/clemenceau/biographie/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1841–1929). Bemüht, ein politisches Bündnis zwischen Österreich und Frankreich zu fördern, treffen sich Moritz Szeps und Clemenceau schon ab 1883 regelmäßig in Paris oder Wien,&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 23–25&amp;lt;/ref&amp;gt; manchmal in Anwesenheit von Berta und ihrer älteren Schwester Sophie (1862–1937), die am 22. Dezember 1886 Paul Clemenceau (1857–1946) heiratet. Berta Szeps heiratet ihrerseits am 15. April 1886 den Anatomen und Universitätsprofessor Emil Zuckerkandl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Emil_Zuckerkandl&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1910). Das einzige Kind, Fritz (1885–1983), wird am 30. Juli 1895 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps wird von ihrem Mentor Georges Clemenceau in den Bereich der Kunst eingeweiht. Sie hat zwar Kunstgeschichte studiert, er ist es aber, der sie in den Pariser Galerien mit dem Impressionismus und dem Jugendstil vertraut macht: es ist Zuckerkandl-Szeps’ erster Kontakt mit der Moderne. Ab 1887 besucht sie mit Clemenceau das Atelier von [[Auguste Rodin]] (1840–1917) und macht am Anfang der 90er Jahre die Bekanntschaft von Gustave Geffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/geffroy-gustave-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1855–1926) und Eugène Carrière&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.alsace-histoire.org/netdba/carriere-eugene/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1906). 1894 besucht sie auch mit Clemenceau die berühmte Pariser Salonnière Aline Ménard-Dorian&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article121594&amp;lt;/ref&amp;gt; (1850–1929).&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 53&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus diesen Erfahrungen erwächst bei Zuckerkandl-Szeps der Entschluss, Salonnière und Kunstkritikerin zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps beginnt 1893 ihre Laufbahn als Kunstkritikerin mit der Veröffentlichung eines Porträts von Geffroy im von ihrem Vater geleiteten &#039;&#039;Neuen Wiener Tagblatt&#039;&#039;. Von diesem Zeitpunkt an veröffentlicht sie jede Woche Porträts von Künstlern oder Ausstellungsrezensionen. 1894 wird sie von [[Hermann Bahr]] (1863–1934) aufgefordert, Redaktionsmitglied des Wochenblatts &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039; zu werden, für das sie bis 1898 vor allem Beiträge über die französische Kunst verfasst. Ihre Aufenthalte in Paris bilden dann jeweils den Hauptinhalt ihrer Rezensionen. Von 1898 bis 1922 schreibt sie die Kunstchroniken für die &#039;&#039;Wiener Allgemeine Zeitung&#039;&#039;. Parallel dazu arbeitet sie für österreichische und deutsche Kunstzeitschriften, z.B. &#039;&#039;Ver Sacrum&#039;&#039;, &#039;&#039;Wiener Rundschau&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Kunst für alle&#039;&#039;, &#039;&#039;Deutsche Kunst und Dekoration&#039;&#039; oder &#039;&#039;[[Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)|Kunst und Kunsthandwerk]]&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank ihrer Pariser Beziehungen gelingt es ihr schon ab 1896, das Interesse der Vorreiter der modernen österreichischen Kunst zu erwecken, namentlich von [[Gustav Klimt]] (1862–1918), [[Josef Hoffmann]] (1870–1956) und [[Koloman Moser]] (1868–1918), die im folgenden Jahr die Wiener Secession gründen. Sie bitten sie, ihr Sprachrohr zu werden, und das bleibt sie, bis Klimt 1905 aus der Vereinigung austritt. Sie gehört mit Bahr und [[Ludwig Hevesi]] (1843–1910) zu den Verteidigern der Wiener Secession und des Jugendstils, deren Arbeiten sie mit den revolutionärsten französischen Werken vergleicht, um die Bewegung zu legitimieren. So verteidigte sie insbesondere Klimt, als er von der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, indem sie meisterhaft seine Arbeit erklärte und ihn dabei mit Rodin verglich. Den Bildhauer lädt sie im Juni 1902 nach Wien ein, stellt ihn Klimt vor und führt ihn in ihren Salon ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 150–151&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Salon von Berta Zuckerkandl-Szeps, ursprünglich den Kollegen ihres Gatten vorenthalten, gewinnt schon Mitte der 90er Jahre an Bedeutung und wird immer mehr von Musikern und Schriftstellern der Avantgarde, dann von Künstlern der Wiener Secession besucht. Er entwickelt sich zum bedeutendsten Salon in Österreich-Ungarn, fünf Jahrzehnte lang verkehrt hier die fortschrittliche Wiener Intelligenzia, etwa [[Gustav Mahler]] (1860–1911), [[Max Burckhardt]] (1854–1912), [[Arthur Schnitzler]] (1862–1931), [[Hugo von Hofmannsthal]] (1874–1929), [[Stefan Zweig]] (1881–1942), [[Max Reinhardt]] (1873–1943), Ignaz Seipel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Seipel_Ignaz_1876_1932.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; (1876–1932) [[Egon Friedell]] (1878–1938)), oder, unter den französischen Berühmtheiten, die sich zeitweilig in Wien aufhalten, [[Maurice Ravel]] (1875–1937), Paul Poiret&amp;lt;ref&amp;gt;https://poiret.com/fr-row/brand/paul-poiret&amp;lt;/ref&amp;gt; (1879–1944), Paul Painlevé&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=110961&amp;lt;/ref&amp;gt; (1863–1933), [[Paul Géraldy]] (1885–1983) und [[Henri-René Lenormand]] (1882v–1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Doppeltätigkeit als Salonnière und Kunstkritikerin sichert Zuckerkandl-Szeps einen privilegierten Platz im Rahmen des künstlerischen, kulturellen und politischen Austausches, den sie zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich initiiert und etwa vierzig Jahre lang weiterentwickelt hat. In den 90er Jahren hat sie sich zum Hauptziel gesetzt, die französische Kunst der Moderne nach Wien zu importieren, um die Entstehung einer modernen österreichischen Kunst zu ermöglichen und dann die Künstler der Secession bei ihrer Entwicklung zum Jugendstil zu begleiten. Damit verbindet sie auch das Ziel, das dieser Entwicklung widerstrebende Publikum von der Notwendigkeit eines solchen Prozesses zu überzeugen und schließlich die österreichische Regierung anzuregen, die Modernität zu unterstützen und aus Wien eine vorrangige Kunsthauptstadt zu machen. In den ersten zehn Jahren würdigt sie vor allem die aus dem Jugendstil, dem Impressionismus und dem Post-Impressionismus hervorgegangenen Künstler. Sie schreibt auch Rezensionen über Ausstellungen, z.B. die Salons der Akademie der schönen Künste, die Weltausstellung 1900 und die Herbstsalons. Ab 1905 erweitert sie immer mehr das Feld der behandelten Themen und widmet sich sowohl der französischen Romantik als auch den neuen Tendenzen des Fauvismus und des Kubismus. Parallel dazu stellt sie der Secession ihr Pariser Netzwerk zur Verfügung, damit französische Künstler sich an den von der Vereinigung organisierten internationalen Ausstellungen beteiligen, insbesondere Rodin, Carrière, [[Claude Monet]] (1840–1926), Albert Besnard (1849–1934), sowie Hermann Paul (1864–1940).&amp;lt;ref&amp;gt;Weirich, 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Um 1911–1912 spielt sie eine vorrangige Rolle als Vermittlerin zwischen Paul Poiret und der [[Wiener Werkstätte]], bei der Poiret viele Stoffe kauft.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl 1970, 100–104&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihren verschiedenen Schriften versucht sie verstärkt zu zeigen, dass Frankreich in zahlreichen Bereichen besonders attraktiv ist und eine außerordentliche Antriebskraft für Österreich-Ungarn darstellen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Übersetzerin und literarische Vermittlerin==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Gebiet von Literatur und Theater setzt sich Berta Zuckerkandl ebenfalls für die gegenseitige Anerkennung der zeitgenössischen Schriftsteller in beiden Ländern ein, aber in diesem Bereich, wie übrigens auch in dem der Malerei, scheint der Transfer von Österreich nach Frankreich schwieriger gewesen zu sein als umgekehrt. Immerhin entdeckt dank ihrer Initiativen  das Wiener Publikum in den 20er und 30er Jahren manche französischen Dramatiker: mehrere heute in Vergessenheit geratene Erfolgsautoren (Denys Amiel, Léopold Marchand, Alfred Savoir), aber auch bekanntere Dramatiker wie z.B. Jean Anouilh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-anouilh/&amp;lt;/ref&amp;gt;, von dem sie &#039;&#039;Le Voyageur sans bagages&#039;&#039; übersetzt (1937, am 21. Dezember desselben Jahres im Deutschen Volkstheater in einer Inszenierung von Heinrich Schnitzler unter dem Titel &#039;&#039;Passagier ohne Gepäck&#039;&#039; aufgeführt), Jean Giraudoux, von dem sie zusammen mit Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;La Guerre de Troie n’aura pas lieu&#039;&#039; (1935) übersetzt, unter dem Titel &#039;&#039;Es kommt nicht zum Krieg&#039;&#039; (Theater in der Josefstadt, 6. November 1936), und Sacha Guitry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/sacha-guitry/&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Debureau&#039;&#039;, 3. März 1928 am Burgtheater). In quantitativer Hinsicht interessiert sie sich überwiegend für [[Paul Géraldy]] und [[Henri-René Lenormand]]. Von Géraldy übersetzt sie fünf Werke (&#039;&#039;Aimer&#039;&#039; [&#039;&#039;Aimée&#039;&#039;], 1924; &#039;&#039;Robert et Marianne&#039;&#039;, 1928; &#039;&#039;L’homme de joie&#039;&#039; [&#039;&#039;Liebling&#039;&#039;], 1929; &#039;&#039;Amour&#039;&#039; [&#039;&#039;So ist die Liebe&#039;&#039;], 1930 und &#039;&#039;Do-mi-sol-do&#039;&#039;, 1934), ebenso wie von Lenormand (&#039;&#039;Les Ratés&#039;&#039; [&#039;&#039;Die Namenlosen&#039;&#039;], 1922; &#039;&#039;L’Homme et ses fantômes&#039;&#039; [&#039;&#039;Stimmen aus dem Dunkel&#039;&#039;], 1925; &#039;&#039;Le Lâche&#039;&#039; [&#039;&#039;Der Feigling&#039;&#039;], 1928; &#039;&#039;L’Amour magicien&#039;&#039; [&#039;&#039;Magische Liebe&#039;&#039;], 1929 und &#039;&#039;Asie&#039;&#039; [&#039;&#039;Asien&#039;&#039;], 1933). Mehrere Theaterstücke von Géraldy und Lenormand erscheinen in Zuckerkandls Übersetzung bei Zsolnay (Berlin, Wien).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die andere Richtung scheitern allerdings die Bemühungen von Géraldy und Lenormand, auf Zuckerkandls Hofmannsthal und [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] auf die Pariser, bzw. französischen Bühnen zu bringen. Schnitzler gibt jedoch zu, dass Zuckerkandl, die er 1923 als Literaturagentin mit seinen Interessen in Frankreich betraut hat, ihm tatsächlich geholfen hat, einen Verlag, nämlich Stock, für einige seiner Prosawerke zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die politischen Verbindungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps interessiert sich auch für die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich, und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hört sie nie auf, zusammen mit Clemenceau nach Möglichkeiten zu suchen, eine diplomatische Verständigung zwischen beiden Ländern herbeizuführen. In der Zwischenkriegszeit sieht sie in Painlevé die Möglichkeit, diese Beziehungen wiederzubeleben, und lädt ihn nach Wien ein, damit er sich mit Bundeskanzler Ignaz Seipel und den politischen, in ihrem Salon verkehrenden Persönlichkeiten trifft. Da die künstlerische Tätigkeit stark nachgelassen und neue Wege eingeschlagen hat, an denen sie wenig Gefallen findet, wendet sich Zuckerkandl-Szeps schließlich dem politischen Journalismus zu. Liberal und pazifistisch gesinnt, und von jeder Partei unabhängig, unternimmt sie 1924 eine große Tour durch Europa, um die großen österreichischen, französischen, englischen, deutschen und russischen Politiker zu treffen, was ihr erlauben soll, ihre Leser über das internationale politische Spiel zu informieren.s&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 217–226&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie beginnt auch mit der Übersetzung politischer Artikel aus der französischen Presse und schreibt Berichte über die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreißig Tage nach Hitlers Einmarsch in Wien flieht Zuckerkandl-Szeps nach Paris, wo ihr Sohn seit 1935 arbeitet. 1940 muss sie wieder fliehen, diesmal nach Algier, wo ihr Sohn Zuflucht gefunden hat. In den folgenden fünf Jahren arbeitet sie für die algerische Zeitung &#039;&#039;TAM, l’hebdomadaire de l’empire&#039;&#039; (TAM, Tunesien, Algerien, Marokko, das Wochenblatt des Reichs) und wirkt bei Radiosendungen mit. Schwer erkrankt darf sie nach Paris zurückkehren, wo sie im September 1945 ins Krankenhaus eingeliefert wird. Am 16. Oktober stirbt sie in Paris. Ihre Urne befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Jahre 1938 hat Zuckerkandl-Szeps angefangen, ihre Autobiografie niederzuschreiben, &#039;&#039;Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte&#039;&#039;, deren englische, französische und niederländische Fassungen fast gleichzeitig erscheinen ([[Calmann-Lévy]]: Paris 1939, Übersetzung von Maurice Rémon unter dem Titel &#039;&#039;Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938&#039;&#039;). Die persönlichen Erinnerungen gewinnen dabei manchmal die Oberhand über die Fakten.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheichl, 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Zeitkunst Wien 1901–1907. Wien–Leipzig: Hugo Heller &amp;amp; Cie 1908.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte. Stockholm: Bermann-Fischer 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938. Paris: Calmann-Lévy 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berthe: Clemenceau tel que je l’ai connu. Alger: Éditions de la Revue Fontaine 1944.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Österreich Intim, Erinnerungen 1892–1942, hrsg. von Reinhardt Federmann. Frankfurt/Main–Wien: Propyläen 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Fetz, Bernhard (Hrsg.): Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne. Wien: Paul Zsolnay Verlag (Reihe „Profile“) 2018.&lt;br /&gt;
*Klugsberger, Theresia und Pleyer, Ruth: Flucht! Berta Zuckerkandl von Bourges nach Algier im Sommer 1940. Wien: Czernin Verlag 2013.&lt;br /&gt;
*Redl, Renate: Berta Zuckerkandl und die Wiener Gesellschaft. Ein Beitrag zur österreichischen Kunst- und Gesellschaftskritik. Dissertation: Universität Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Scheichl, Sigurd Paul: Eine Autobiographie mit zwei Funktionen. Bertha Zuckerkandls Lebensgeschichte – für Franzosen und für Emigranten. In Michaela Enderle-Ristori (Hrsg.): Traduire l’exil. Das Exil übersetzen. Tours: Presses Universitaires François-Rabelais 2012 (Reihe „Traductions dans l’Histoire“), S. 103–122.&lt;br /&gt;
*Weirich, Armelle: Berta Zuckerkandl. De Klimt à Rodin, une salonnière et critique d’art entre Vienne et Paris. Rennes: PUR 2023.&lt;br /&gt;
*Zieger, Karl: Berta Zuckerkandl, Akteurin des „Imports“ französischen Theaters auf Wiener Bühnen. In Julia Danielczyk et al. (Hrsg.): Zurück in die Zukunft – digitale Medien, historische Buchforschung und andere komparatistische Abenteur. Festschrift für Norbert Bachleitner. Wiesbaden: Harrassowitz 2016, S. 145–156.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armelle Weirich, unter Mitarbeit von Karl Zieger für den literarischen Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Berta_Zuckerkandl-Szeps}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zuckerkandl-Szeps, Berta}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Berta_Zuckerkandl-Szeps&amp;diff=1227</id>
		<title>Berta Zuckerkandl-Szeps</title>
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		<updated>2026-04-14T07:14:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Die politischen Bindungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zuckerkandl.jpg||thumb|Berta Zuckerkandl-Szeps, fotografiert von [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (1908)]]Die österreichische Salonnière, Journalistin und Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl-Szeps (* 13. April 1864 in Wien, † 16. Oktober 1945 in Paris) hat zahlreiche Artikel über die französische Kunst der Moderne verfasst, die zwischen 1893 und 1914 in der österreichischen Presse veröffentlicht wurden. Dank ihrer guten Beziehungen in Paris konnte sie als Kunstvermittlerin zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich wirken: Durch ihre Artikel trug sie zur Verbreitung französischer Kunstwerke der Moderne bei und erreichte somit, dass französische Künstler sich an den internationalen Ausstellungen der [[Wiener Secession]] beteiligten, wobei ihr Salon zu einer Drehscheibe der österreichisch-französischen Verbindungen wurde, nicht nur für Kunst, sondern auch für Literatur, Musik, Theater und Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Salonnière und Kunstkritikerin==&lt;br /&gt;
Berta Szeps wurde am 13. April 1864 in Wien geboren und wuchs im kosmopolitischen, modern gesinnten Milieu der wohlhabenden jüdischen Bourgeoisie auf. Die Hauslehrer wurden vom Vater Moritz Szeps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Moritz_Szeps&amp;lt;/ref&amp;gt; (1835–1902) angestellt, der als Chefredakteur die liberale Zeitung &#039;&#039;Neues Wiener Tagblatt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Neues_Wiener_Tagblatt&amp;lt;/ref&amp;gt; leitete und besonderen Wert darauf legte, seinen fünf Kindern allumfassende Kenntnisse zuteil werden zu lassen, sowohl in Literatur und Fremdsprachen, als auch in Physik und Chemie. Theater, Musik und schöne Künste nahmen auch einen wichtigen Platz im Leben der Familie ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit achtzehn Jahren wird Berta Szeps Privatsekretärin ihres Vaters, der damals öfters nach Frankreich reist, um sich mit bedeutenden Persönlichkeiten der französischen Politik zu treffen, wie etwa Léon Gambetta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/leon-gambetta/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1882) (1838-1882) und Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://musee-clemenceau.fr/clemenceau/biographie/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1841–1929). Bemüht, ein politisches Bündnis zwischen Österreich und Frankreich zu fördern, treffen sich Moritz Szeps und Clemenceau schon ab 1883 regelmäßig in Paris oder Wien,&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 23-25&amp;lt;/ref&amp;gt; manchmal in Anwesenheit von Berta und ihrer älteren Schwester Sophie (1862–1937), die am 22. Dezember 1886 Paul Clemenceau (1857–1946) heiratet. Berta Szeps heiratet ihrerseits am 15. April 1886 den Anatomen und Universitätsprofessor Emil Zuckerkandl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Emil_Zuckerkandl&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1910). Das einzige Kind, Fritz (1885–1983), wird am 30. Juli 1895 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps wird von ihrem Mentor Georges Clemenceau in den Bereich der Kunst eingeweiht. Sie hat zwar Kunstgeschichte studiert, er ist es aber, der sie in den Pariser Galerien mit dem Impressionismus und dem Jugendstil vertraut macht: es ist Zuckerkandl-Szeps’ erster Kontakt mit der Moderne. Ab 1887 besucht sie mit Clemenceau das Atelier von [[Auguste Rodin]] (1840–1917) und macht am Anfang der 90er Jahre die Bekanntschaft von Gustave Geffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/geffroy-gustave-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1855–1926) und Eugène Carrière&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.alsace-histoire.org/netdba/carriere-eugene/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1906). 1894 besucht sie auch mit Clemenceau die berühmte Pariser Salonnière Aline Ménard-Dorian&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article121594&amp;lt;/ref&amp;gt; (1850–1929).&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 53&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus diesen Erfahrungen erwächst bei Zuckerkandl-Szeps der Entschluss, Salonnière und Kunstkritikerin zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps beginnt 1893 ihre Laufbahn als Kunstkritikerin mit der Veröffentlichung eines Porträts von Geffroy im von ihrem Vater geleiteten &#039;&#039;Neuen Wiener Tagblatt&#039;&#039;. Von diesem Zeitpunkt an veröffentlicht sie jede Woche Porträts von Künstlern oder Ausstellungsrezensionen. 1894 wird sie von [[Hermann Bahr]] (1863–1934) aufgefordert, Redaktionsmitglied des Wochenblatts &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039; zu werden, für das sie bis 1898 vor allem Beiträge über die französische Kunst verfasst. Ihre Aufenthalte in Paris bilden dann jeweils den Hauptinhalt ihrer Rezensionen. Von 1898 bis 1922 schreibt sie die Kunstchroniken für die &#039;&#039;Wiener Allgemeine Zeitung&#039;&#039;. Parallel dazu arbeitet sie für österreichische und deutsche Kunstzeitschriften, z.B. &#039;&#039;Ver Sacrum&#039;&#039;, &#039;&#039;Wiener Rundschau&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Kunst für alle&#039;&#039;, &#039;&#039;Deutsche Kunst und Dekoration&#039;&#039; oder &#039;&#039;[[Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)|Kunst und Kunsthandwerk]]&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank ihrer Pariser Beziehungen gelingt es ihr schon ab 1896, das Interesse der Vorreiter der modernen österreichischen Kunst zu erwecken, namentlich von [[Gustav Klimt]] (1862–1918), [[Josef Hoffmann]] (1870–1956) und [[Koloman Moser]] (1868–1918), die im folgenden Jahr die Wiener Secession gründen. Sie bitten sie, ihr Sprachrohr zu werden, und das bleibt sie, bis Klimt 1905 aus der Vereinigung austritt. Sie gehört mit Bahr und [[Ludwig Hevesi]] (1843–1910) zu den Verteidigern der Wiener Secession und des Jugendstils, deren Arbeiten sie mit den revolutionärsten französischen Werken vergleicht, um die Bewegung zu legitimieren. So verteidigte sie insbesondere Klimt, als er von der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, indem sie meisterhaft seine Arbeit erklärte und ihn dabei mit Rodin verglich. Den Bildhauer lädt sie im Juni 1902 nach Wien ein, stellt ihn Klimt vor und führt ihn in ihren Salon ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 150-151&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Salon von Berta Zuckerkandl-Szeps, ursprünglich den Kollegen ihres Gatten vorenthalten, gewinnt schon Mitte der 90er Jahre an Bedeutung und wird immer mehr von Musikern und Schriftstellern der Avantgarde, dann von Künstlern der Wiener Secession besucht. Er entwickelt sich zum bedeutendsten Salon in Österreich-Ungarn, fünf Jahrzehnte lang verkehrt hier die fortschrittliche Wiener Intelligenzia, etwa [[Gustav Mahler]] (1860-1911), [[Max Burckhardt]] (1854-1912), [[Arthur Schnitzler]] (1862-1931), [[Hugo von Hofmannsthal]] (1874-1929), [[Stefan Zweig]] (1881-1942), [[Max Reinhardt]] (1873-1943), Ignaz Seipel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Seipel_Ignaz_1876_1932.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; (1876-1932) [[Egon Friedell]] (1878-1938)), oder, unter den französischen Berühmtheiten, die sich zeitweilig in Wien aufhalten, [[Maurice Ravel]] (1875-1937), Paul Poiret&amp;lt;ref&amp;gt;https://poiret.com/fr-row/brand/paul-poiret&amp;lt;/ref&amp;gt; (1879-1944), Paul Painlevé&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=110961&amp;lt;/ref&amp;gt; (1863-1933), [[Paul Géraldy]] (1885-1983) und [[Henri-René Lenormand]] (1882-1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Doppeltätigkeit als Salonnière und Kunstkritikerin sichert Zuckerkandl-Szeps einen privilegierten Platz im Rahmen des künstlerischen, kulturellen und politischen Austausches, den sie zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich initiiert und etwa vierzig Jahre lang weiterentwickelt hat. In den 90er Jahren hat sie sich zum Hauptziel gesetzt, die französische Kunst der Moderne nach Wien zu importieren, um die Entstehung einer modernen österreichischen Kunst zu ermöglichen und dann die Künstler der Secession bei ihrer Entwicklung zum Jugendstil zu begleiten. Damit verbindet sie auch das Ziel, das dieser Entwicklung widerstrebende Publikum von der Notwendigkeit eines solchen Prozesses zu überzeugen und schließlich die österreichische Regierung anzuregen, die Modernität zu unterstützen und aus Wien eine vorrangige Kunsthauptstadt zu machen. In den ersten zehn Jahren würdigt sie vor allem die aus dem Jugendstil, dem Impressionismus und dem Post-Impressionismus hervorgegangenen Künstler. Sie schreibt auch Rezensionen über Ausstellungen, z.B. die Salons der Akademie der schönen Künste, die Weltausstellung 1900 und die Herbstsalons. Ab 1905 erweitert sie immer mehr das Feld der behandelten Themen und widmet sich sowohl der französischen Romantik als auch den neuen Tendenzen des Fauvismus und des Kubismus. Parallel dazu stellt sie der Secession ihr Pariser Netzwerk zur Verfügung, damit französische Künstler sich an den von der Vereinigung organisierten internationalen Ausstellungen beteiligen, insbesondere Rodin, Carrière, [[Claude Monet]] (1840–1926), Albert Besnard (1849–1934), sowie Hermann Paul (1864–1940).&amp;lt;ref&amp;gt;Weirich, 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Um 1911–1912 spielt sie eine vorrangige Rolle als Vermittlerin zwischen Paul Poiret und der [[Wiener Werkstätte]], bei der Poiret viele Stoffe kauft.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl 1970, 100-104&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihren verschiedenen Schriften versucht sie verstärkt zu zeigen, dass Frankreich in zahlreichen Bereichen besonders attraktiv ist und eine außerordentliche Antriebskraft für Österreich-Ungarn darstellen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Übersetzerin und literarische Vermittlerin==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Gebiet von Literatur und Theater setzt sich Berta Zuckerkandl ebenfalls für die gegenseitige Anerkennung der zeitgenössischen Schriftsteller in beiden Ländern ein, aber in diesem Bereich, wie übrigens auch in dem der Malerei, scheint der Transfer von Österreich nach Frankreich schwieriger gewesen zu sein als umgekehrt. Immerhin entdeckt dank ihrer Initiativen  das Wiener Publikum in den 20er und 30er Jahren manche französischen Dramatiker: mehrere heute in Vergessenheit geratene Erfolgsautoren (Denys Amiel, Léopold Marchand, Alfred Savoir), aber auch bekanntere Dramatiker wie z.B. Jean Anouilh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-anouilh/&amp;lt;/ref&amp;gt;, von dem sie &#039;&#039;Le Voyageur sans bagages&#039;&#039; übersetzt (1937, am 21. Dezember desselben Jahres im Deutschen Volkstheater in einer Inszenierung von Heinrich Schnitzler unter dem Titel &#039;&#039;Passagier ohne Gepäck&#039;&#039; aufgeführt), Jean Giraudoux, von dem sie zusammen mit Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;La Guerre de Troie n’aura pas lieu&#039;&#039; (1935) übersetzt, unter dem Titel &#039;&#039;Es kommt nicht zum Krieg&#039;&#039; (Theater in der Josefstadt, 6. November 1936), und Sacha Guitry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/sacha-guitry/&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Debureau&#039;&#039;, 3. März 1928 am Burgtheater). In quantitativer Hinsicht interessiert sie sich überwiegend für [[Paul Géraldy]] und [[Henri-René Lenormand]]. Von Géraldy übersetzt sie fünf Werke (&#039;&#039;Aimer&#039;&#039; [&#039;&#039;Aimée&#039;&#039;], 1924; &#039;&#039;Robert et Marianne&#039;&#039;, 1928; &#039;&#039;L’homme de joie&#039;&#039; [&#039;&#039;Liebling&#039;&#039;], 1929; &#039;&#039;Amour&#039;&#039; [&#039;&#039;So ist die Liebe&#039;&#039;], 1930 und &#039;&#039;Do-mi-sol-do&#039;&#039;, 1934), ebenso wie von Lenormand (&#039;&#039;Les Ratés&#039;&#039; [&#039;&#039;Die Namenlosen&#039;&#039;], 1922; &#039;&#039;L’Homme et ses fantômes&#039;&#039; [&#039;&#039;Stimmen aus dem Dunkel&#039;&#039;], 1925; &#039;&#039;Le Lâche&#039;&#039; [&#039;&#039;Der Feigling&#039;&#039;], 1928; &#039;&#039;L’Amour magicien&#039;&#039; [&#039;&#039;Magische Liebe&#039;&#039;], 1929 und &#039;&#039;Asie&#039;&#039; [&#039;&#039;Asien&#039;&#039;], 1933). Mehrere Theaterstücke von Géraldy und Lenormand erscheinen in Zuckerkandls Übersetzung bei Zsolnay (Berlin, Wien).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die andere Richtung scheitern allerdings die Bemühungen von Géraldy und Lenormand, auf Zuckerkandls Hofmannsthal und [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] auf die Pariser, bzw. französischen Bühnen zu bringen. Schnitzler gibt jedoch zu, dass Zuckerkandl, die er 1923 als Literaturagentin mit seinen Interessen in Frankreich betraut hat, ihm tatsächlich geholfen hat, einen Verlag, nämlich Stock, für einige seiner Prosawerke zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die politischen Verbindungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps interessiert sich auch für die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich, und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hört sie nie auf, zusammen mit Clemenceau nach Möglichkeiten zu suchen, eine diplomatische Verständigung zwischen beiden Ländern herbeizuführen. In der Zwischenkriegszeit sieht sie in Painlevé die Möglichkeit, diese Beziehungen wiederzubeleben, und lädt ihn nach Wien ein, damit er sich mit Bundeskanzler Ignaz Seipel und den politischen, in ihrem Salon verkehrenden Persönlichkeiten trifft. Da die künstlerische Tätigkeit stark nachgelassen und neue Wege eingeschlagen hat, an denen sie wenig Gefallen findet, wendet sich Zuckerkandl-Szeps schließlich dem politischen Journalismus zu. Liberal und pazifistisch gesinnt, und von jeder Partei unabhängig, unternimmt sie 1924 eine große Tour durch Europa, um die großen österreichischen, französischen, englischen, deutschen und russischen Politiker zu treffen, was ihr erlauben soll, ihre Leser über das internationale politische Spiel zu informieren.s&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 217-226&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie beginnt auch mit der Übersetzung politischer Artikel aus der französischen Presse und schreibt Berichte über die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreißig Tage nach Hitlers Einmarsch in Wien flieht Zuckerkandl-Szeps nach Paris, wo ihr Sohn seit 1935 arbeitet. 1940 muss sie wieder fliehen, diesmal nach Algier, wo ihr Sohn Zuflucht gefunden hat. In den folgenden fünf Jahren arbeitet sie für die algerische Zeitung &#039;&#039;TAM, l’hebdomadaire de l’empire&#039;&#039; (TAM, Tunesien, Algerien, Marokko, das Wochenblatt des Reichs) und wirkt bei Radiosendungen mit. Schwer erkrankt darf sie nach Paris zurückkehren, wo sie im September 1945 ins Krankenhaus eingeliefert wird. Am 16. Oktober stirbt sie in Paris. Ihre Urne befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Jahre 1938 hat Zuckerkandl-Szeps angefangen, ihre Autobiografie niederzuschreiben, &#039;&#039;Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte&#039;&#039;, deren englische, französische und niederländische Fassungen fast gleichzeitig erscheinen ([[Calmann-Lévy]]: Paris 1939, Übersetzung von Maurice Rémon unter dem Titel &#039;&#039;Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938&#039;&#039;). Die persönlichen Erinnerungen gewinnen dabei manchmal die Oberhand über die Fakten.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheichl, 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Zeitkunst Wien 1901–1907. Wien–Leipzig: Hugo Heller &amp;amp; Cie 1908.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte. Stockholm: Bermann-Fischer 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938. Paris: Calmann-Lévy 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berthe: Clemenceau tel que je l’ai connu. Alger: Éditions de la Revue Fontaine 1944.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Österreich Intim, Erinnerungen 1892–1942, hrsg. von Reinhardt Federmann. Frankfurt/Main–Wien: Propyläen 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Fetz, Bernhard (Hrsg.): Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne. Wien: Paul Zsolnay Verlag (Reihe „Profile“) 2018.&lt;br /&gt;
*Klugsberger, Theresia und Pleyer, Ruth: Flucht! Berta Zuckerkandl von Bourges nach Algier im Sommer 1940. Wien: Czernin Verlag 2013.&lt;br /&gt;
*Redl, Renate: Berta Zuckerkandl und die Wiener Gesellschaft. Ein Beitrag zur österreichischen Kunst- und Gesellschaftskritik. Dissertation: Universität Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Scheichl, Sigurd Paul: Eine Autobiographie mit zwei Funktionen. Bertha Zuckerkandls Lebensgeschichte – für Franzosen und für Emigranten. In Michaela Enderle-Ristori (Hrsg.): Traduire l’exil. Das Exil übersetzen. Tours: Presses Universitaires François-Rabelais 2012 (Reihe „Traductions dans l’Histoire“), S. 103–122.&lt;br /&gt;
*Weirich, Armelle: Berta Zuckerkandl. De Klimt à Rodin, une salonnière et critique d’art entre Vienne et Paris. Rennes: PUR 2023.&lt;br /&gt;
*Zieger, Karl: Berta Zuckerkandl, Akteurin des „Imports“ französischen Theaters auf Wiener Bühnen. In Julia Danielczyk et al. (Hrsg.): Zurück in die Zukunft – digitale Medien, historische Buchforschung und andere komparatistische Abenteur. Festschrift für Norbert Bachleitner. Wiesbaden: Harrassowitz 2016, S. 145–156.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armelle Weirich, unter Mitarbeit von Karl Zieger für den literarischen Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Berta_Zuckerkandl-Szeps}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zuckerkandl-Szeps, Berta}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Berta_Zuckerkandl-Szeps&amp;diff=1226</id>
		<title>Berta Zuckerkandl-Szeps</title>
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		<updated>2026-04-13T09:56:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zuckerkandl.jpg||thumb|Berta Zuckerkandl-Szeps, fotografiert von [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (1908)]]Die österreichische Salonnière, Journalistin und Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl-Szeps (* 13. April 1864 in Wien, † 16. Oktober 1945 in Paris) hat zahlreiche Artikel über die französische Kunst der Moderne verfasst, die zwischen 1893 und 1914 in der österreichischen Presse veröffentlicht wurden. Dank ihrer guten Beziehungen in Paris konnte sie als Kunstvermittlerin zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich wirken: Durch ihre Artikel trug sie zur Verbreitung französischer Kunstwerke der Moderne bei und erreichte somit, dass französische Künstler sich an den internationalen Ausstellungen der [[Wiener Secession]] beteiligten, wobei ihr Salon zu einer Drehscheibe der österreichisch-französischen Verbindungen wurde, nicht nur für Kunst, sondern auch für Literatur, Musik, Theater und Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Salonnière und Kunstkritikerin==&lt;br /&gt;
Berta Szeps wurde am 13. April 1864 in Wien geboren und wuchs im kosmopolitischen, modern gesinnten Milieu der wohlhabenden jüdischen Bourgeoisie auf. Die Hauslehrer wurden vom Vater Moritz Szeps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Moritz_Szeps&amp;lt;/ref&amp;gt; (1835–1902) angestellt, der als Chefredakteur die liberale Zeitung &#039;&#039;Neues Wiener Tagblatt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Neues_Wiener_Tagblatt&amp;lt;/ref&amp;gt; leitete und besonderen Wert darauf legte, seinen fünf Kindern allumfassende Kenntnisse zuteil werden zu lassen, sowohl in Literatur und Fremdsprachen, als auch in Physik und Chemie. Theater, Musik und schöne Künste nahmen auch einen wichtigen Platz im Leben der Familie ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit achtzehn Jahren wird Berta Szeps Privatsekretärin ihres Vaters, der damals öfters nach Frankreich reist, um sich mit bedeutenden Persönlichkeiten der französischen Politik zu treffen, wie etwa Léon Gambetta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/leon-gambetta/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1882) (1838-1882) und Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://musee-clemenceau.fr/clemenceau/biographie/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1841–1929). Bemüht, ein politisches Bündnis zwischen Österreich und Frankreich zu fördern, treffen sich Moritz Szeps und Clemenceau schon ab 1883 regelmäßig in Paris oder Wien,&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 23-25&amp;lt;/ref&amp;gt; manchmal in Anwesenheit von Berta und ihrer älteren Schwester Sophie (1862–1937), die am 22. Dezember 1886 Paul Clemenceau (1857–1946) heiratet. Berta Szeps heiratet ihrerseits am 15. April 1886 den Anatomen und Universitätsprofessor Emil Zuckerkandl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Emil_Zuckerkandl&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1910). Das einzige Kind, Fritz (1885–1983), wird am 30. Juli 1895 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps wird von ihrem Mentor Georges Clemenceau in den Bereich der Kunst eingeweiht. Sie hat zwar Kunstgeschichte studiert, er ist es aber, der sie in den Pariser Galerien mit dem Impressionismus und dem Jugendstil vertraut macht: es ist Zuckerkandl-Szeps’ erster Kontakt mit der Moderne. Ab 1887 besucht sie mit Clemenceau das Atelier von [[Auguste Rodin]] (1840–1917) und macht am Anfang der 90er Jahre die Bekanntschaft von Gustave Geffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/geffroy-gustave-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1855–1926) und Eugène Carrière&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.alsace-histoire.org/netdba/carriere-eugene/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1906). 1894 besucht sie auch mit Clemenceau die berühmte Pariser Salonnière Aline Ménard-Dorian&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article121594&amp;lt;/ref&amp;gt; (1850–1929).&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 53&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus diesen Erfahrungen erwächst bei Zuckerkandl-Szeps der Entschluss, Salonnière und Kunstkritikerin zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps beginnt 1893 ihre Laufbahn als Kunstkritikerin mit der Veröffentlichung eines Porträts von Geffroy im von ihrem Vater geleiteten &#039;&#039;Neuen Wiener Tagblatt&#039;&#039;. Von diesem Zeitpunkt an veröffentlicht sie jede Woche Porträts von Künstlern oder Ausstellungsrezensionen. 1894 wird sie von [[Hermann Bahr]] (1863–1934) aufgefordert, Redaktionsmitglied des Wochenblatts &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039; zu werden, für das sie bis 1898 vor allem Beiträge über die französische Kunst verfasst. Ihre Aufenthalte in Paris bilden dann jeweils den Hauptinhalt ihrer Rezensionen. Von 1898 bis 1922 schreibt sie die Kunstchroniken für die &#039;&#039;Wiener Allgemeine Zeitung&#039;&#039;. Parallel dazu arbeitet sie für österreichische und deutsche Kunstzeitschriften, z.B. &#039;&#039;Ver Sacrum&#039;&#039;, &#039;&#039;Wiener Rundschau&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Kunst für alle&#039;&#039;, &#039;&#039;Deutsche Kunst und Dekoration&#039;&#039; oder &#039;&#039;[[Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)|Kunst und Kunsthandwerk]]&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank ihrer Pariser Beziehungen gelingt es ihr schon ab 1896, das Interesse der Vorreiter der modernen österreichischen Kunst zu erwecken, namentlich von [[Gustav Klimt]] (1862–1918), [[Josef Hoffmann]] (1870–1956) und [[Koloman Moser]] (1868–1918), die im folgenden Jahr die Wiener Secession gründen. Sie bitten sie, ihr Sprachrohr zu werden, und das bleibt sie, bis Klimt 1905 aus der Vereinigung austritt. Sie gehört mit Bahr und [[Ludwig Hevesi]] (1843–1910) zu den Verteidigern der Wiener Secession und des Jugendstils, deren Arbeiten sie mit den revolutionärsten französischen Werken vergleicht, um die Bewegung zu legitimieren. So verteidigte sie insbesondere Klimt, als er von der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, indem sie meisterhaft seine Arbeit erklärte und ihn dabei mit Rodin verglich. Den Bildhauer lädt sie im Juni 1902 nach Wien ein, stellt ihn Klimt vor und führt ihn in ihren Salon ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 150-151&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Salon von Berta Zuckerkandl-Szeps, ursprünglich den Kollegen ihres Gatten vorenthalten, gewinnt schon Mitte der 90er Jahre an Bedeutung und wird immer mehr von Musikern und Schriftstellern der Avantgarde, dann von Künstlern der Wiener Secession besucht. Er entwickelt sich zum bedeutendsten Salon in Österreich-Ungarn, fünf Jahrzehnte lang verkehrt hier die fortschrittliche Wiener Intelligenzia, etwa [[Gustav Mahler]] (1860-1911), [[Max Burckhardt]] (1854-1912), [[Arthur Schnitzler]] (1862-1931), [[Hugo von Hofmannsthal]] (1874-1929), [[Stefan Zweig]] (1881-1942), [[Max Reinhardt]] (1873-1943), Ignaz Seipel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Seipel_Ignaz_1876_1932.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; (1876-1932) [[Egon Friedell]] (1878-1938)), oder, unter den französischen Berühmtheiten, die sich zeitweilig in Wien aufhalten, [[Maurice Ravel]] (1875-1937), Paul Poiret&amp;lt;ref&amp;gt;https://poiret.com/fr-row/brand/paul-poiret&amp;lt;/ref&amp;gt; (1879-1944), Paul Painlevé&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=110961&amp;lt;/ref&amp;gt; (1863-1933), [[Paul Géraldy]] (1885-1983) und [[Henri-René Lenormand]] (1882-1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Doppeltätigkeit als Salonnière und Kunstkritikerin sichert Zuckerkandl-Szeps einen privilegierten Platz im Rahmen des künstlerischen, kulturellen und politischen Austausches, den sie zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich initiiert und etwa vierzig Jahre lang weiterentwickelt hat. In den 90er Jahren hat sie sich zum Hauptziel gesetzt, die französische Kunst der Moderne nach Wien zu importieren, um die Entstehung einer modernen österreichischen Kunst zu ermöglichen und dann die Künstler der Secession bei ihrer Entwicklung zum Jugendstil zu begleiten. Damit verbindet sie auch das Ziel, das dieser Entwicklung widerstrebende Publikum von der Notwendigkeit eines solchen Prozesses zu überzeugen und schließlich die österreichische Regierung anzuregen, die Modernität zu unterstützen und aus Wien eine vorrangige Kunsthauptstadt zu machen. In den ersten zehn Jahren würdigt sie vor allem die aus dem Jugendstil, dem Impressionismus und dem Post-Impressionismus hervorgegangenen Künstler. Sie schreibt auch Rezensionen über Ausstellungen, z.B. die Salons der Akademie der schönen Künste, die Weltausstellung 1900 und die Herbstsalons. Ab 1905 erweitert sie immer mehr das Feld der behandelten Themen und widmet sich sowohl der französischen Romantik als auch den neuen Tendenzen des Fauvismus und des Kubismus. Parallel dazu stellt sie der Secession ihr Pariser Netzwerk zur Verfügung, damit französische Künstler sich an den von der Vereinigung organisierten internationalen Ausstellungen beteiligen, insbesondere Rodin, Carrière, [[Claude Monet]] (1840–1926), Albert Besnard (1849–1934), sowie Hermann Paul (1864–1940).&amp;lt;ref&amp;gt;Weirich, 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Um 1911–1912 spielt sie eine vorrangige Rolle als Vermittlerin zwischen Paul Poiret und der [[Wiener Werkstätte]], bei der Poiret viele Stoffe kauft.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl 1970, 100-104&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihren verschiedenen Schriften versucht sie verstärkt zu zeigen, dass Frankreich in zahlreichen Bereichen besonders attraktiv ist und eine außerordentliche Antriebskraft für Österreich-Ungarn darstellen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Übersetzerin und literarische Vermittlerin==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Gebiet von Literatur und Theater setzt sich Berta Zuckerkandl ebenfalls für die gegenseitige Anerkennung der zeitgenössischen Schriftsteller in beiden Ländern ein, aber in diesem Bereich, wie übrigens auch in dem der Malerei, scheint der Transfer von Österreich nach Frankreich schwieriger gewesen zu sein als umgekehrt. Immerhin entdeckt dank ihrer Initiativen  das Wiener Publikum in den 20er und 30er Jahren manche französischen Dramatiker: mehrere heute in Vergessenheit geratene Erfolgsautoren (Denys Amiel, Léopold Marchand, Alfred Savoir), aber auch bekanntere Dramatiker wie z.B. Jean Anouilh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-anouilh/&amp;lt;/ref&amp;gt;, von dem sie &#039;&#039;Le Voyageur sans bagages&#039;&#039; übersetzt (1937, am 21. Dezember desselben Jahres im Deutschen Volkstheater in einer Inszenierung von Heinrich Schnitzler unter dem Titel &#039;&#039;Passagier ohne Gepäck&#039;&#039; aufgeführt), Jean Giraudoux, von dem sie zusammen mit Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;La Guerre de Troie n’aura pas lieu&#039;&#039; (1935) übersetzt, unter dem Titel &#039;&#039;Es kommt nicht zum Krieg&#039;&#039; (Theater in der Josefstadt, 6. November 1936), und Sacha Guitry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/sacha-guitry/&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Debureau&#039;&#039;, 3. März 1928 am Burgtheater). In quantitativer Hinsicht interessiert sie sich überwiegend für [[Paul Géraldy]] und [[Henri-René Lenormand]]. Von Géraldy übersetzt sie fünf Werke (&#039;&#039;Aimer&#039;&#039; [&#039;&#039;Aimée&#039;&#039;], 1924; &#039;&#039;Robert et Marianne&#039;&#039;, 1928; &#039;&#039;L’homme de joie&#039;&#039; [&#039;&#039;Liebling&#039;&#039;], 1929; &#039;&#039;Amour&#039;&#039; [&#039;&#039;So ist die Liebe&#039;&#039;], 1930 und &#039;&#039;Do-mi-sol-do&#039;&#039;, 1934), ebenso wie von Lenormand (&#039;&#039;Les Ratés&#039;&#039; [&#039;&#039;Die Namenlosen&#039;&#039;], 1922; &#039;&#039;L’Homme et ses fantômes&#039;&#039; [&#039;&#039;Stimmen aus dem Dunkel&#039;&#039;], 1925; &#039;&#039;Le Lâche&#039;&#039; [&#039;&#039;Der Feigling&#039;&#039;], 1928; &#039;&#039;L’Amour magicien&#039;&#039; [&#039;&#039;Magische Liebe&#039;&#039;], 1929 und &#039;&#039;Asie&#039;&#039; [&#039;&#039;Asien&#039;&#039;], 1933). Mehrere Theaterstücke von Géraldy und Lenormand erscheinen in Zuckerkandls Übersetzung bei Zsolnay (Berlin, Wien).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die andere Richtung scheitern allerdings die Bemühungen von Géraldy und Lenormand, auf Zuckerkandls Hofmannsthal und [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] auf die Pariser, bzw. französischen Bühnen zu bringen. Schnitzler gibt jedoch zu, dass Zuckerkandl, die er 1923 als Literaturagentin mit seinen Interessen in Frankreich betraut hat, ihm tatsächlich geholfen hat, einen Verlag, nämlich Stock, für einige seiner Prosawerke zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die politischen Bindungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps interessiert sich auch für die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich, und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hört sie nie auf, zusammen mit Clemenceau nach Möglichkeiten zu suchen, eine diplomatische Verständigung zwischen beiden Ländern herbeizuführen. In der Zwischenkriegszeit sieht sie in Painlevé die Möglichkeit, diese Beziehungen wiederzubeleben, und lädt ihn nach Wien ein, damit er sich mit Bundeskanzler Ignaz Seipel und den politischen, in ihrem Salon verkehrenden Persönlichkeiten trifft. Da die künstlerische Tätigkeit stark nachgelassen und neue Wege eingeschlagen hat, an denen sie wenig Gefallen findet, wendet sich Zuckerkandl-Szeps schließlich dem politischen Journalismus zu. Liberal und pazifistisch gesinnt, und von jeder Partei unabhängig, unternimmt sie 1924 eine große Tour durch Europa, um die großen österreichischen, französischen, englischen, deutschen und russischen Politiker zu treffen, was ihr erlauben soll, ihre Leser über das internationale politische Spiel zu informieren.s&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 217-226&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie beginnt auch mit der Übersetzung politischer Artikel aus der französischen Presse und schreibt Berichte über die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreißig Tage nach Hitlers Einmarsch in Wien flieht Zuckerkandl-Szeps nach Paris, wo ihr Sohn seit 1935 arbeitet. 1940 muss sie wieder fliehen, diesmal nach Algier, wo ihr Sohn Zuflucht gefunden hat. In den folgenden fünf Jahren arbeitet sie für die algerische Zeitung &#039;&#039;TAM, l’hebdomadaire de l’empire&#039;&#039; (TAM, Tunesien, Algerien, Marokko, das Wochenblatt des Reichs) und wirkt bei Radiosendungen mit. Schwer erkrankt darf sie nach Paris zurückkehren, wo sie im September 1945 ins Krankenhaus eingeliefert wird. Am 16. Oktober stirbt sie in Paris. Ihre Urne befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Jahre 1938 hat Zuckerkandl-Szeps angefangen, ihre Autobiografie niederzuschreiben, &#039;&#039;Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte&#039;&#039;, deren englische, französische und niederländische Fassungen fast gleichzeitig erscheinen ([[Calmann-Lévy]]: Paris 1939, Übersetzung von Maurice Rémon unter dem Titel &#039;&#039;Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938&#039;&#039;). Die persönlichen Erinnerungen gewinnen dabei manchmal die Oberhand über die Fakten.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheichl, 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Zeitkunst Wien 1901–1907. Wien–Leipzig: Hugo Heller &amp;amp; Cie 1908.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte. Stockholm: Bermann-Fischer 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938. Paris: Calmann-Lévy 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berthe: Clemenceau tel que je l’ai connu. Alger: Éditions de la Revue Fontaine 1944.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Österreich Intim, Erinnerungen 1892–1942, hrsg. von Reinhardt Federmann. Frankfurt/Main–Wien: Propyläen 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Fetz, Bernhard (Hrsg.): Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne. Wien: Paul Zsolnay Verlag (Reihe „Profile“) 2018.&lt;br /&gt;
*Klugsberger, Theresia und Pleyer, Ruth: Flucht! Berta Zuckerkandl von Bourges nach Algier im Sommer 1940. Wien: Czernin Verlag 2013.&lt;br /&gt;
*Redl, Renate: Berta Zuckerkandl und die Wiener Gesellschaft. Ein Beitrag zur österreichischen Kunst- und Gesellschaftskritik. Dissertation: Universität Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Scheichl, Sigurd Paul: Eine Autobiographie mit zwei Funktionen. Bertha Zuckerkandls Lebensgeschichte – für Franzosen und für Emigranten. In Michaela Enderle-Ristori (Hrsg.): Traduire l’exil. Das Exil übersetzen. Tours: Presses Universitaires François-Rabelais 2012 (Reihe „Traductions dans l’Histoire“), S. 103–122.&lt;br /&gt;
*Weirich, Armelle: Berta Zuckerkandl. De Klimt à Rodin, une salonnière et critique d’art entre Vienne et Paris. Rennes: PUR 2023.&lt;br /&gt;
*Zieger, Karl: Berta Zuckerkandl, Akteurin des „Imports“ französischen Theaters auf Wiener Bühnen. In Julia Danielczyk et al. (Hrsg.): Zurück in die Zukunft – digitale Medien, historische Buchforschung und andere komparatistische Abenteur. Festschrift für Norbert Bachleitner. Wiesbaden: Harrassowitz 2016, S. 145–156.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armelle Weirich, unter Mitarbeit von Karl Zieger für den literarischen Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Berta_Zuckerkandl-Szeps}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zuckerkandl-Szeps, Berta}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Berta_Zuckerkandl-Szeps&amp;diff=1225</id>
		<title>Berta Zuckerkandl-Szeps</title>
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		<updated>2026-04-13T09:55:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zuckerkandl.jpg||thumb|Berta Zuckerkandl-Szeps, fotografiert von [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (1908)]]Die österreichische Salonnière, Journalistin und Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl-Szeps (* 13. April 1864 in Wien, † 16. Oktober 1945 in Paris) hat zahlreiche Artikel über die französische Kunst der Moderne verfasst, die zwischen 1893 und 1914 in der österreichischen Presse veröffentlicht wurden. Dank ihrer guten Beziehungen in Paris konnte sie als Kunstvermittlerin zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich wirken: Durch ihre Artikel trug sie zur Verbreitung französischer Kunstwerke der Moderne bei und erreichte somit, dass französische Künstler sich an den internationalen Ausstellungen der [[Wiener Secession]] beteiligten, wobei ihr Salon zu einer Drehscheibe der österreichisch-französischen Verbindungen wurde, nicht nur für Kunst, sondern auch für Literatur, Musik, Theater und Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Salonnière und Kunstkritikerin==&lt;br /&gt;
Berta Szeps wurde am 13. April 1864 in Wien geboren und wuchs im kosmopolitischen, modern gesinnten Milieu der wohlhabenden jüdischen Bourgeoisie auf. Die Hauslehrer wurden vom Vater Moritz Szeps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Moritz_Szeps&amp;lt;/ref&amp;gt; (1835–1902) angestellt, der als Chefredakteur die liberale Zeitung &#039;&#039;Neues Wiener Tagblatt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Neues_Wiener_Tagblatt&amp;lt;/ref&amp;gt; leitete und besonderen Wert darauf legte, seinen fünf Kindern allumfassende Kenntnisse zuteil werden zu lassen, sowohl in Literatur und Fremdsprachen, als auch in Physik und Chemie. Theater, Musik und schöne Künste nahmen auch einen wichtigen Platz im Leben der Familie ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit achtzehn Jahren wird Berta Szeps Privatsekretärin ihres Vaters, der damals öfters nach Frankreich reist, um sich mit bedeutenden Persönlichkeiten der französischen Politik zu treffen, wie etwa Léon Gambetta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/leon-gambetta/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1882) (1838-1882) und Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://musee-clemenceau.fr/clemenceau/biographie/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1841–1929). Bemüht, ein politisches Bündnis zwischen Österreich und Frankreich zu fördern, treffen sich Moritz Szeps und Clemenceau schon ab 1883 regelmäßig in Paris oder Wien,&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 23-25&amp;lt;/ref&amp;gt; manchmal in Anwesenheit von Berta und ihrer älteren Schwester Sophie (1862–1937), die am 22. Dezember 1886 Paul Clemenceau (1857–1946) heiratet. Berta Szeps heiratet ihrerseits am 15. April 1886 den Anatomen und Universitätsprofessor Emil Zuckerkandl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Emil_Zuckerkandl&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1910). Das einzige Kind, Fritz (1885–1983), wird am 30. Juli 1895 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps wird von ihrem Mentor Georges Clemenceau in den Bereich der Kunst eingeweiht. Sie hat zwar Kunstgeschichte studiert, er ist es aber, der sie in den Pariser Galerien mit dem Impressionismus und dem Jugendstil vertraut macht: es ist Zuckerkandl-Szeps’ erster Kontakt mit der Moderne. Ab 1887 besucht sie mit Clemenceau das Atelier von [[Auguste Rodin]] (1840–1917) und macht am Anfang der 90er Jahre die Bekanntschaft von Gustave Geffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/geffroy-gustave-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1855–1926) und Eugène Carrière&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.alsace-histoire.org/netdba/carriere-eugene/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1906). 1894 besucht sie auch mit Clemenceau die berühmte Pariser Salonnière Aline Ménard-Dorian&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article121594&amp;lt;/ref&amp;gt; (1850–1929).&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 53&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus diesen Erfahrungen erwächst bei Zuckerkandl-Szeps der Entschluss, Salonnière und Kunstkritikerin zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps beginnt 1893 ihre Laufbahn als Kunstkritikerin mit der Veröffentlichung eines Porträts von Geffroy im von ihrem Vater geleiteten &#039;&#039;Neuen Wiener Tagblatt&#039;&#039;. Von diesem Zeitpunkt an veröffentlicht sie jede Woche Porträts von Künstlern oder Ausstellungsrezensionen. 1894 wird sie von [[Hermann Bahr]] (1863–1934) aufgefordert, Redaktionsmitglied des Wochenblatts &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039; zu werden, für das sie bis 1898 vor allem Beiträge über die französische Kunst verfasst. Ihre Aufenthalte in Paris bilden dann jeweils den Hauptinhalt ihrer Rezensionen. Von 1898 bis 1922 schreibt sie die Kunstchroniken für die &#039;&#039;Wiener Allgemeine Zeitung&#039;&#039;. Parallel dazu arbeitet sie für österreichische und deutsche Kunstzeitschriften, z.B. &#039;&#039;Ver Sacrum&#039;&#039;, &#039;&#039;Wiener Rundschau&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Kunst für alle&#039;&#039;, &#039;&#039;Deutsche Kunst und Dekoration&#039;&#039; oder &#039;&#039;[[Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)|Kunst und Kunsthandwerk]]&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank ihrer Pariser Beziehungen gelingt es ihr schon ab 1896, das Interesse der Vorreiter der modernen österreichischen Kunst zu erwecken, namentlich von [[Gustav Klimt]] (1862–1918), [[Josef Hoffmann]] (1870–1956) und [[Koloman Moser]] (1868–1918), die im folgenden Jahr die Wiener Secession gründen. Sie bitten sie, ihr Sprachrohr zu werden, und das bleibt sie, bis Klimt 1905 aus der Vereinigung austritt. Sie gehört mit Bahr und [[Ludwig Hevesi]] (1843–1910) zu den Verteidigern der Wiener Secession und des Jugendstils, deren Arbeiten sie mit den revolutionärsten französischen Werken vergleicht, um die Bewegung zu legitimieren. So verteidigte sie insbesondere Klimt, als er von der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, indem sie meisterhaft seine Arbeit erklärte und ihn dabei mit Rodin verglich. Den Bildhauer lädt sie im Juni 1902 nach Wien ein, stellt ihn Klimt vor und führt ihn in ihren Salon ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 150-151&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Salon von Berta Zuckerkandl-Szeps, ursprünglich den Kollegen ihres Gatten vorenthalten, gewinnt schon Mitte der 90er Jahre an Bedeutung und wird immer mehr von Musikern und Schriftstellern der Avantgarde, dann von Künstlern der Wiener Secession besucht. Er entwickelt sich zum bedeutendsten Salon in Österreich-Ungarn, fünf Jahrzehnte lang verkehrt hier die fortschrittliche Wiener Intelligenzia, etwa [[Gustav Mahler]] (1860-1911), [[Max Burckhardt]] (1854-1912), [[Arthur Schnitzler]] (1862-1931), [[Hugo von Hofmannsthal]] (1874-1929), [[Stefan Zweig]] (1881-1942), [[Max Reinhardt]] (1873-1943), Ignaz Seipel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Seipel_Ignaz_1876_1932.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; (1876-1932) [[Egon Friedell]] (1878-1938)), oder, unter den französischen Berühmtheiten, die sich zeitweilig in Wien aufhalten, [[Maurice Ravel]] (1875-1937), Paul Poiret&amp;lt;ref&amp;gt;https://poiret.com/fr-row/brand/paul-poiret&amp;lt;/ref&amp;gt; (1879-1944), Paul Painlevé&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=110961&amp;lt;/ref&amp;gt; (1863-1933), [[Paul Géraldy]] (1885-1983) und [[Henri-René Lenormand]] (1882-1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Doppeltätigkeit als Salonnière und Kunstkritikerin sichert Zuckerkandl-Szeps einen privilegierten Platz im Rahmen des künstlerischen, kulturellen und politischen Austausches, den sie zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich initiiert und etwa vierzig Jahre lang weiterentwickelt hat. In den 90er Jahren hat sie sich zum Hauptziel gesetzt, die französische Kunst der Moderne nach Wien zu importieren, um die Entstehung einer modernen österreichischen Kunst zu ermöglichen und dann die Künstler der Secession bei ihrer Entwicklung zum Jugendstil zu begleiten. Damit verbindet sie auch das Ziel, das dieser Entwicklung widerstrebende Publikum von der Notwendigkeit eines solchen Prozesses zu überzeugen und schließlich die österreichische Regierung anzuregen, die Modernität zu unterstützen und aus Wien eine vorrangige Kunsthauptstadt zu machen. In den ersten zehn Jahren würdigt sie vor allem die aus dem Jugendstil, dem Impressionismus und dem Post-Impressionismus hervorgegangenen Künstler. Sie schreibt auch Rezensionen über Ausstellungen, z.B. die Salons der Akademie der schönen Künste, die Weltausstellung 1900 und die Herbstsalons. Ab 1905 erweitert sie immer mehr das Feld der behandelten Themen und widmet sich sowohl der französischen Romantik als auch den neuen Tendenzen des Fauvismus und des Kubismus. Parallel dazu stellt sie der Secession ihr Pariser Netzwerk zur Verfügung, damit französische Künstler sich an den von der Vereinigung organisierten internationalen Ausstellungen beteiligen, insbesondere Rodin, Carrière, [[Claude Monet]] (1840–1926), Albert Besnard (1849–1934), sowie Hermann Paul (1864–1940).&amp;lt;ref&amp;gt;Weirich, 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Um 1911–1912 spielt sie eine vorrangige Rolle als Vermittlerin zwischen Paul Poiret und der [[Wiener Werkstätte]], bei der Poiret viele Stoffe kauft.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl 1970, 100-104&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihren verschiedenen Schriften versucht sie verstärkt zu zeigen, dass Frankreich in zahlreichen Bereichen besonders attraktiv ist und eine außerordentliche Antriebskraft für Österreich-Ungarn darstellen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Übersetzerin und literarische Vermittlerin==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Gebiet von Literatur und Theater setzt sich Berta Zuckerkandl ebenfalls für die gegenseitige Anerkennung der zeitgenössischen Schriftsteller in beiden Ländern ein, aber in diesem Bereich, wie übrigens auch in dem der Malerei, scheint der Transfer von Österreich nach Frankreich schwieriger gewesen zu sein als umgekehrt. Immerhin entdeckt dank ihrer Initiativen  das Wiener Publikum in den 20er und 30er Jahren manche französischen Dramatiker: mehrere heute in Vergessenheit geratene Erfolgsautoren (Denys Amiel, Léopold Marchand, Alfred Savoir), aber auch bekanntere Dramatiker wie z.B. Jean Anouilh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-anouilh/&amp;lt;/ref&amp;gt;, von dem sie &#039;&#039;Le Voyageur sans bagages&#039;&#039; übersetzt (1937, am 21. Dezember desselben Jahres im Deutschen Volkstheater in einer Inszenierung von Heinrich Schnitzler unter dem Titel &#039;&#039;Passagier ohne Gepäck&#039;&#039; aufgeführt), Jean Giraudoux, von dem sie zusammen mit Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;La Guerre de Troie n’aura pas lieu&#039;&#039; (1935) übersetzt, unter dem Titel &#039;&#039;Es kommt nicht zum Krieg&#039;&#039; (Theater in der Josefstadt, 6. November 1936), und Sacha Guitry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/sacha-guitry/&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Debureau&#039;&#039;, 3. März 1928 am Burgtheater). In quantitativer Hinsicht interessiert sie sich überwiegend für [[Paul Géraldy]] und [[Henri-René Lenormand]]. Von Géraldy übersetzt sie fünf Werke (&#039;&#039;Aimer&#039;&#039; [&#039;&#039;Aimée&#039;&#039;], 1924; &#039;&#039;Robert et Marianne&#039;&#039;, 1928; &#039;&#039;L’homme de joie&#039;&#039; [&#039;&#039;Liebling&#039;&#039;], 1929; &#039;&#039;Amour&#039;&#039; [&#039;&#039;So ist die Liebe&#039;&#039;], 1930 und &#039;&#039;Do-mi-sol-do&#039;&#039;, 1934), ebenso wie von Lenormand (&#039;&#039;Les Ratés&#039;&#039; [&#039;&#039;Die Namenlosen&#039;&#039;], 1922; &#039;&#039;L’Homme et ses fantômes&#039;&#039; [&#039;&#039;Stimmen aus dem Dunkel&#039;&#039;], 1925; &#039;&#039;Le Lâche&#039;&#039; [&#039;&#039;Der Feigling&#039;&#039;], 1928; &#039;&#039;L’Amour magicien&#039;&#039; [&#039;&#039;Magische Liebe&#039;&#039;], 1929 und &#039;&#039;Asie&#039;&#039; [&#039;&#039;Asien&#039;&#039;], 1933). Mehrere Theaterstücke von Géraldy und Lenormand erscheinen in Zuckerkandls Übersetzung bei Zsolnay (Berlin, Wien).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die andere Richtung scheitern allerdings die Bemühungen von Géraldy und Lenormand, auf Zuckerkandls Hofmannsthal und [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] auf die Pariser, bzw. französischen Bühnen zu bringen. Schnitzler gibt jedoch zu, dass Zuckerkandl, die er 1923 als Literaturagentin mit seinen Interessen in Frankreich betraut hat, ihm tatsächlich geholfen hat, einen Verlag, nämlich Stock, für einige seiner Prosawerke zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die politischen Bindungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps interessiert sich auch für die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich, und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hört sie nie auf, zusammen mit Clemenceau nach Möglichkeiten zu suchen, eine diplomatische Verständigung zwischen beiden Ländern herbeizuführen. In der Zwischenkriegszeit sieht sie in Painlevé die Möglichkeit, diese Beziehungen wiederzubeleben, und lädt ihn nach Wien ein, damit er sich mit Bundeskanzler Ignaz Seipel und den politischen, in ihrem Salon verkehrenden Persönlichkeiten trifft. Da die künstlerische Tätigkeit stark nachgelassen und neue Wege eingeschlagen hat, an denen sie wenig Gefallen findet, wendet sich Zuckerkandl-Szeps schließlich dem politischen Journalismus zu. Liberal und pazifistisch gesinnt, und von jeder Partei unabhängig, unternimmt sie 1924 eine große Tour durch Europa, um die großen österreichischen, französischen, englischen, deutschen und russischen Politiker zu treffen, was ihr erlauben soll, ihre Leser über das internationale politische Spiel zu informieren.s&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 217-226&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie beginnt auch mit der Übersetzung politischer Artikel aus der französischen Presse und schreibt Berichte über die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreißig Tage nach Hitlers Einmarsch in Wien flieht Zuckerkandl-Szeps nach Paris, wo ihr Sohn seit 1935 arbeitet. 1940 muss sie wieder fliehen, diesmal nach Algier, wo ihr Sohn Zuflucht gefunden hat. In den folgenden fünf Jahren arbeitet sie für die algerische Zeitung &#039;&#039;TAM, l’hebdomadaire de l’empire&#039;&#039; (TAM, Tunesien, Algerien, Marokko, das Wochenblatt des Reichs) und wirkt bei Radiosendungen mit. Schwer erkrankt darf sie nach Paris zurückkehren, wo sie im September 1945 ins Krankenhaus eingeliefert wird. Am 16. Oktober stirbt sie in Paris. Ihre Urne befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Jahre 1938 hat Zuckerkandl-Szeps angefangen, ihre Autobiografie niederzuschreiben, &#039;&#039;Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte&#039;&#039;, deren englische, französische und niederländische Fassungen fast gleichzeitig erscheinen ([[Calmann-Lévy]]: Paris 1939, Übersetzung von Maurice Rémon unter dem Titel &#039;&#039;Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938&#039;&#039;). Die persönlichen Erinnerungen gewinnen dabei manchmal die Oberhand über die Fakten.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheichl, 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Zeitkunst Wien 1901–1907. Wien–Leipzig: Hugo Heller &amp;amp; Cie 1908.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte. Stockholm: Bermann-Fischer 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938. Paris: Calmann-Lévy 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berthe: Clemenceau tel que je l’ai connu. Alger: Éditions de la Revue Fontaine 1944.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Österreich Intim, Erinnerungen 1892–1942, hrsg. von Reinhardt Federmann. Frankfurt/Main–Wien: Propyläen 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Fetz, Bernhard (Hrsg.): Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne. Wien: Paul Zsolnay Verlag (Reihe „Profile“) 2018.&lt;br /&gt;
*Klugsberger, Theresia und Pleyer, Ruth: Flucht! Berta Zuckerkandl von Bourges nach Algier im Sommer 1940. Wien: Czernin Verlag 2013.&lt;br /&gt;
*Redl, Renate: Berta Zuckerkandl und die Wiener Gesellschaft. Ein Beitrag zur österreichischen Kunst- und Gesellschaftskritik. Dissertation: Universität Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Scheichl, Sigurd Paul: Eine Autobiographie mit zwei Funktionen. Bertha Zuckerkandls Lebensgeschichte – für Franzosen und für Emigranten. In Michaela Enderle-Ristori (Hrsg.): Traduire l’exil. Das Exil übersetzen. Tours: Presses Universitaires François-Rabelais 2012 (Reihe „Traductions dans l’Histoire“), S. 103–122.&lt;br /&gt;
*Weirich, Armelle: Berta Zuckerkandl. De Klimt à Rodin, une salonnière et critique d’art entre Vienne et Paris. Rennes: PUR 2023.&lt;br /&gt;
*Zieger, Karl: Berta Zuckerkandl, Akteurin des „Imports“ französischen Theaters auf Wiener Bühnen. In Julia Danielczyk et al. (Hrsg.): Zurück in die Zukunft – digitale Medien, historische Buchforschung und andere komparatistische Abenteur. Festschrift für Norbert Bachleitner. Wiesbaden: Harrassowitz 2016, S. 145–156.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Armelle Weirich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armelle Weirich, unter Mitarbeit von Karl Zieger für den literarischen Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Berta_Zuckerkandl-Szeps}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zuckerkandl-Szeps, Berta}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Berta Zuckerkandl-Szeps (1908) Photographiée par Madame D&amp;#039;Ora 

ÖNB https://data.onb.ac.at/rep/BAG_10278967.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Berta Zuckerkandl-Szeps (1908) Photographiée par Madame D&#039;Ora &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ÖNB https://data.onb.ac.at/rep/BAG_10278967.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die im Jahr 1898 unter dem Impuls des damaligen Museumsdirektors Arthur von Scala&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s144823.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; (1845–1909) aus den „Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie” („Monatsschrift für Kunst und Gewerbe“, 1865–1897) hervorgegangene Kunstzeitschrift dokumentiert die Wandlungen der Beziehungen des Museums für Kunst und Industrie und seiner Kunstgewerbeschule zu ausländischen, darunter auch französischen Institutionen (Musée des Arts décoratifs&amp;lt;ref&amp;gt;https://madparis.fr/Les-Arts-Decoratifs&amp;lt;/ref&amp;gt;, Musée de Cluny&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musee-moyenage.fr/lieu/la-creation-du-musee.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Manufacture de Sèvres&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.sevresciteceramique.fr/manufacture/une-manufacture-d-exception.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a.), Zeitschriften ([[Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)|&#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, &#039;&#039;L’Art décoratif&#039;&#039;, &#039;&#039;La Revue des Arts décoratifs&#039;&#039; u. a.)]], Wissenschaftlern und zeitgenössischen Künstlern (Eugène Grasset&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021884/2007-07-17/&amp;lt;/ref&amp;gt;, Jean-Baptiste Claude Odiot&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/ark:/12148/cb132814614&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Auguste Rodin]], René Lalique&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.laliquemuseum.nl/de/jetzt-zu-sehen/ueber-rene-lalique/&amp;lt;/ref&amp;gt;, Saint-André de Lignereux). Aus der kosmopolitischen Grundintention der Zeitschrift erwachsen neue Vernetzungen mit Beitragenden und Korrespondenten, die zumeist an besondere Anlässe (z. B. Weltausstellungen, Pariser Ausstellungsberichte) und Vermittlungsintentionen gebunden sind. Anhand der in der Zeitschrift vertretenen Korrespondenten ([[Auguste Marguillier]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/marguillier-auguste-inha&amp;lt;/ref&amp;gt;, Eugène Müntz, Robert Forrer) und ihrer Beziehungen zu den am Museum angestellten Kunsthistorikern (z.B. [[Alois Riegl]], von 1885 bis 1897 Custode der Textiliensammlung, und [[Hubert Janitschek]], von 1876 bis 1879 Custode der Möbel-Sammlung) lässt sich die Rolle des Museums in der Entwicklung einer „deutsch-französischen“ Kunstgeschichte&amp;lt;ref&amp;gt;Espagne 2011, 26–27&amp;lt;/ref&amp;gt; nachzeichnen. Dies liegt nicht zuletzt am angesprochenen Publikum, das sich aus den „Gebildeten aller Klassen“&amp;lt;ref&amp;gt;von Scala 1898, 1&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammensetzen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Internationalisierung des französischen Transfers==&lt;br /&gt;
Anders als Julius Meier-Graefes 1897 entstandene Zeitschrift &#039;&#039;Dekorative Kunst&#039;&#039;, die von 1898 bis 1903 ein Pendant in Paris unter dem Titel [[Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)|&#039;&#039;L’Art décoratif. Revue internationale d’art industriel et de décoration&#039;&#039;]], bzw. ab 1900 &#039;&#039;Revue mensuelle d’art contemporain&#039;&#039; veröffentlicht, ist Kunst und Kunsthandwerk ursprünglich keine internationale Zeitschrift. Und doch ist der Bezug zum Ausland und zu Auslandsberichterstattern bereits in den ersten Nummern zentral. Der Hauptfokus der Zeitschrift liegt auf der Vermittlung der institutionell geförderten Kunstproduktion des Vielvölkerstaates. Artikel über ausländische Künstler und Kunsthandwerker – darunter auch viele aus Frankreich – haben einen erbauenden, die eigene Produktion dynamisierenden Charakter. Sie stehen im Rahmen der Förderung der „Heimatkünste“ und der Bildung des österreichischen Publikums (i.e. Absatzmarktes) sowie der Wirkung und Rezeption der Künstler, Kunstprodukte und Kunst-Institutionen im Ausland. Bezeichnend für die in der Zeitschrift veröffentlichten Artikel über oder aus Frankreich ist ein komplexes Transfer-Verhältnis. Französisches Kunsthandwerk wird stets über einen internationalen Kontext wahrgenommen: Vergleiche mit Österreich-Ungarn, Großbritannien, dem Deutschen Kaiserreich und später mit den Vereinigten Staaten gehören zu jedem Bericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Vorgeschichte der Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die Gründe für das komplexe Transfer-Verhältnis der Zeitschrift liegen im geopolitischen Kontext sowie in der Vorgeschichte des Museums. Das [[Museum für Kunst und Industrie]] entsteht 1863 aus den Erkenntnissen des ersten Kunsthistorikers an der Universität Wien (1852), [[Rudolf von Eitelberger]] (1817–1885) während seiner Aufenthalte in London und Paris anlässlich der Weltausstellungen von 1855&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1855&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1862. Eitelbergers Blick auf Frankreichs Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien ist ein wichtiges Fundament seiner eigenen Reformbemühungen&amp;lt;ref&amp;gt;Espagne 2011, 20&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich in der ab 1867/1868 dem Museum zugehörenden [[Kunstgewerbeschule]] verwirklichen und Theorie und Praxis zusammendenken. Seine Verbindungen zu Frankreich – besonders als Kommissionsmitglied während der Weltausstellungen – spiegeln sich in seinen Schriften, den Schenkungen und Ankäufen des Museums sowie in der weiteren Entwicklung der Institution und seiner Zeitschrift wider. Nach 1866 und 1871 verknüpft Eitelberger die Hebung des „nationalen Geschmacks“ und der nationalen Kunstqualität mit dem internationalen Weltmarkt. Die Öffnung gegenüber dem französischen und angelsächsischen Ausland versteht sich zwischen den Zeilen als Möglichkeit, Österreich-Ungarn im Verhältnis zum Deutschen Kaiserreich auf dem kunstgewerblichen Feld zu stärken&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1879, 333&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der betont kosmopolitische Ansatz, die Entwicklung der Kunstgewerbeschule als Vereinigung von Wissen (Kunstgeschichte) und Kunstfertigkeit, wobei die Aufwertung des Handwerks als Kunst als französisches Vermächtnis verstanden wird&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1879, 226&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der reformpädagogische Anspruch des Museums manifestieren sich in dessen Organ und seinen französischen Vernetzungen. Durch Eitelberger wird das Museum zu einem praktischen Ausbildungs- und Ausstellungsplatz und einem wichtigen Zentrum der Wiener Schule der Kunstgeschichte, das zahlreiche Verbindungen zu französischen Institutionen (&#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, &#039;&#039;französisches Unterrichtsministerium&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.inrp.fr/edition-electronique/lodel/dictionnaire-ferdinand-buisson/document.php?id=3196 &amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;[[École des Beaux-Arts]]&#039;&#039; etc.) pflegt und sich ab 1898, unter der Führung Arthur von Scalas, mit der Secession ([[Felician von Myrbach]], [[Koloman Moser]], [[Alfred Roller]]) entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die ab 1865 herausgegebenen &#039;&#039;Mittheilungen&#039;&#039; berichten über interne Angelegenheiten des Museums: Ernennungen, Wettbewerbe, Vortragsprogramme, Veröffentlichungen, Besucherzahlen und Ausstellungen. Sie sind von Anfang an als „Correspondenzblatt zwischen dem Museum und dem Publikum“&amp;lt;ref&amp;gt;Fabiankowitsch 2000, 176&amp;lt;/ref&amp;gt; angelegt und kombinieren „Forschung und Öffentlichkeitsarbeit“&amp;lt;ref&amp;gt;Pirsig-Marshall 2000, 39&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit der Gründung der „illustrierten Fachzeitschrift“ &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;von Scala 1899, 4&amp;lt;/ref&amp;gt; wird der institutionelle Teil durch lange Artikel mit Bildungsanspruch und „kleine Nachrichten“ mit Berichten aus Österreich-Ungarn und dem Ausland ergänzt. Auch Umfang und Gestaltung der im Wiener Verlag Artaria &amp;amp; Co. erscheinenden Zeitschrift können sich nun mit anderen internationalen Kunstzeitschriften wie &#039;&#039;The Studio&#039;&#039; oder &#039;&#039;La Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039; messen lassen, was besonders der Bildteil und die Einband-Illustration des Grafikers und Bühnenkünstlers Heinrich Lefler (1863–1919&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116856246.html#ndbcontent &amp;lt;/ref&amp;gt;) über die Symbiose von Kunst und Kunsthandwerk symbolisiert. Eitelbergers kunstgeschichtlicher Anspruch der Gründungszeit findet sich als Erbe in der Liste der Beitragenden (Müntz, Forrer, Marguillier) sowie in der bibliographischen Rubrik („Literatur des Kunstgewerbes“) wieder, die über sämtliche Werke und Artikel zum Kunstgewerbe in Europa berichtet. Die 1879 von Eitelberger betonte Vormachtstellung des französischen Kunsthandwerks zeigt sich noch zwanzig Jahre später im Anteil französischer Veröffentlichungen in der Literaturliste, der neben dem deutschsprachigen der weitverbreitetste ist: Gut ein Viertel der aufgelisteten Artikel und Publikationen stammt aus dem französischsprachigen Raum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frankreich-Bezüge in der Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die ersten Beiträge über Frankreich aus dem Jahr 1898 können als programmatisch betrachtet werden: Sie stehen in engem Zusammenhang mit den zeitgenössischen, sozial engagierten Jugendstil-Bewegungen, ohne dabei das kunstgeschichtlich ambitionierte Programm Eitelbergers zu vernachlässigen. 1898 entsteht gleichzeitig das Organ der Secession, &#039;&#039;[[Ver Sacrum]]&#039;&#039; und viele der Beitragenden – darunter besonders Ludwig Hevesi, der regelmäßig über die Museumsausstellungen der Kunstgewerbeschule in seiner Chronik „Aus dem Wiener Kunstleben“ berichtet – veröffentlichen in beiden Zeitschriften. Die Verbindung ist zudem institutionell verankert: mehrere Secessionisten unterrichten an der Kunstgewerbeschule oder werden dort ausgebildet&amp;lt;ref&amp;gt;Arlaud 2002, 148-149&amp;lt;/ref&amp;gt;, darunter ihr neuer Direktor, der Maler und Zeichner [[Felician von Myrbach]] (1853–1940), der nach fast fünfzehn Jahren in Paris nach Wien (1881–1897) zurückgekehrt ist. So stehen beide vom Schweizer Architekten, Kunsttheoretiker und Maler Hans-Eduard Berlepsch&amp;lt;ref&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Eduard_von_Berlepsch-Valendas&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1921) im Jahr 1898 signierten Artikel im Zeichen der Secession und eines klar kosmopolitischen Standpunkts. In der ersten Nummer der Zeitschrift widmet er sich Myrbachs in Amerika veröffentlichten Buchillustrationen zu &#039;&#039;The Life of [[Napoleon]]&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Berlepsch 1898 I/1, 20-41&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 4 bringt seine lange Studie über den Schweizer Bildhauer, Illustrator und Maler Eugène Grasset (1845–1917), der, wie Berlepsch auch, den sozialen und künstlerischen Reformbewegungen im Sinne der Arts and Crafts nahestand. Der aus Lausanne stammende Grasset gehört in Paris zu den späteren Mitbegründern der Société des artistes décorateurs (1901 mit Hector Guimard&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/accueil/fr/html/hector-guimard-architecte-de-lart-nouveau&amp;lt;/ref&amp;gt;), der Société de l’art décoratif français (1909 mit René Lalique) sowie der Société internationale de l’art populaire et d’hygiène (1903 mit Jean Lahor) und zählt zu den 49 nichtösterreichischen Mitgliedern der Vereinigung und Zeitschrift &#039;&#039;[[Ver Sacrum]]&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die beiden 1898 vertretenen französischsprachigen Beiträger wird ebenfalls die Verbindung zu den französischen Institutionen und Verlagsorganen gepflegt. [[Eugène Müntz]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/5302e269-d7ad-4a3f-baa1-c0c8647ed475 &amp;lt;/ref&amp;gt;(1845–1902) ist Kunsthistoriker und Bibliothekar an der École des Beaux-Arts in Paris. Sein Bericht über die „Corvinus-Bestände in den französischen Museen“&amp;lt;ref&amp;gt;Müntz 1898 I/11-12, 380–384&amp;lt;/ref&amp;gt; steht ganz im Zeichen einer Transferstudie. Auguste Marguillier  (1862–1945), der Kunsthistoriker, Redakteur der &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, der &#039;&#039;Chronique des Arts&#039;&#039; und Herausgeber der &#039;&#039;Bibliothèque d’histoire de l’art&#039;&#039;, liefert 1899 einen Artikel über „Französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert“&amp;lt;ref&amp;gt;1899, II/1, 23–30&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1900 seine umfangreiche Rodin-Studie&amp;lt;ref&amp;gt;1900, III/6, S. 237–262&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine Artikel für französische Zeitschriften sowie Müntz’ kunstgeschichtliche Studien sind stets im bibliographischen Teil vertreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1900 bildet mit der [[Pariser Weltausstellung]] einen klaren Höhepunkt. Von den 27 veröffentlichten Langartikeln widmet sich ein Drittel Frankreich-bezogenen Themen, die, ausgenommen eine Studie über den Empire-Juwelierkünstler Jean Baptiste Claude Odiot&amp;lt;ref&amp;gt;Modern 1900 III/4, 164–166&amp;lt;/ref&amp;gt;, direkt an die Pariser Weltausstellung und an das zeitgenössische Kunsthandwerk gebunden sind. Drei Artikel befassen sich mit französischen Künstlern (Auguste Rodin, Saint-André de Lignereux, René Lalique) und fünf mit Kunsthandwerksprodukten (Architektur, Interieur und Möbel, Metallindustrie, Glas und Keramik) sowie mit der Rezeption der Wiener Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1900 III/3, 112–122&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem finden sich jeden Monat kurze Weltausstellungsberichte aus Paris in den „Kleinen Nachrichten“ wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1901 sind nur noch drei Frankreich-Artikel zu finden: zwei lange Artikel über die Weltausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Pliwa 1901 IV/4, 145–174; Minkus 1901 IV/3, 109–132)&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein Artikel über die Wiener Edmond-Lachenal&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/sevre_1169-2537_1995_num_4_1_1327&amp;lt;/ref&amp;gt;-Ausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Minkus 1901 IV/9, 390–397&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1902 gibt es keinen einzigen auf Frankreich spezialisierten Langartikel. Hingegen behandeln neun der 21 veröffentlichten Artikel das Kunsthandwerk aus oder in England, Schottland und Amerika. Das von Scala bevorzugte angelsächsische Kunsthandwerk behauptet sich in den zahlreichen Artikeln und Ausstellungsberichten. Bis 1909 beschränken sich die Beiträge über das französische Kunsthandwerk auf die „kurzen Nachrichten“ und auf zwei längere Artikel: Marguillers 1904 veröffentlichte Studie&amp;lt;ref&amp;gt;Marguillier 1904 VII/1, 1–17&amp;lt;/ref&amp;gt; über Jean Dampt&amp;lt;ref&amp;gt;https://musees.dijon.fr/exposition/exposition-temporaire-jean-dampt/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1854–1945) und [[Ludwig Hevesi|Ludwig Hevesis]] Artikel über das Spielkartenwerk des Arsenal-Bibliothekars und Paläographen, Henry-René d’Allemagne&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/d-allemagne-henry-inha &amp;lt;/ref&amp;gt; (1863–1950)&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1906 IX/12, 718–730&amp;lt;/ref&amp;gt;, hinzu kommt Hevesis Berichterstattung über die Impressionisten-Ausstellung der [[Wiener Secession]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1903 VI/2–3, 101–103&amp;lt;/ref&amp;gt; und über die [[Honoré Daumier|Daumier]]-Ausstellung in der [[Galerie Miethke]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1908 XI/12, S. 662–663&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Graph1.png|500px|thumb|Überblick der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; zwischen 1898 und 1921]]Nach dem Rücktritt Scalas im Jahre 1909 und bis zum Kriegsausbruch finden sich wieder vermehrt Berichte über französische Ausstellungen und Künstler: eine Studie von Berlepsch über den „Mont Saint Michel“&amp;lt;ref&amp;gt;Berlepsch 1910, 279–319&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein Bericht von Karl Kuzmany über die [[Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung]] in der Galerie Miethke im Jahr 1911&amp;lt;ref&amp;gt;Kuzmany 1911 XIII/3&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein zweiter Höhepunkt der Frankreich-Berichterstattung findet sich in den Jahren 1911–1914. Den Hauptteil der Frankreich-Beiträge übernimmt zum ersten Mal eine Beiträgerin, [[Thilda de Kulmer]]. Sie veröffentlicht fast jeden Monat Pariser Ausstellungschroniken in den „Kleinen Nachrichten“, worunter sich mitunter umfangreiche und illustrierte Ausstellungsberichte finden&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1912 XIV/4, 234–240; 1912 XV/8–9, S. 472–480; 1913 XVI/5, S. 314–327&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese enge und direkte Anbindung an das französische Kunstleben bei gleichzeitiger Monopolstellung bleibt eine Ausnahme in der Geschichte der Zeitschrift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ersten Weltkriegs reduziert die Zeitschrift ihren Umfang und verengt ihren Fokus auf die heimische Kriegs- und Grabkunst. Nach der Gründung der Republik und bis zur Auflösung der Zeitschrift bleibt der Frankreichanteil gering, abgesehen von zwei umfangreichen Artikeln über die Gobelin-Ausstellung im Belvedere&amp;lt;ref&amp;gt;Trenkwald 1920 XXIII/7–10, 143–162 und 1921 XXIV/1–4, 32–45&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich aber nicht ausschließlich mit der französischen Gobelin-Manufaktur befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tabelle bietet einen Überblick der Entwicklung Frankreich-bezogener Artikel innerhalb der Zeitschrift zwischen 1898 und 1921, wobei zwischen den längeren Studien und den Ausstellungs- und Weltausstellungsberichten unterschieden wird. Es sind unschwer zwei Hauptphasen der Rezeption zu erkennen: das Jahr 1900–1901 mit der Pariser-Weltausstellung und die Jahre 1911 bis 1914 mit 28 Pariser Ausstellungsberichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption der Zeitschrift in Frankreich==&lt;br /&gt;
Die Vernetzung des Museums mit französischen Institutionen und Beiträgern ist auch für die Verbreitung der Zeitschrift wichtig. Dabei spielt Auguste Marguillier als Redakteur der &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039; eine bedeutende Rolle, der im Juni 1898 in der „Bibliographie des ouvrages publiés en France et à l’étranger“ neben &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; auch die Gründung &#039;&#039;Ver Sacrums&#039;&#039; ankündigt&amp;lt;ref&amp;gt;1898/06, 528&amp;lt;/ref&amp;gt;. Später finden sich Kommentare zu &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; in &#039;&#039;La Revue des revues&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;1907/1&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Chacun des fascicules de cette intéressante revue est complété par une chronique de M. L. Hevesi sur la vie artistique à Vienne, et par des nouvelles des musées de cette ville, notamment du Musée autrichien d’art industriel.“ Rückverweise auf spezifische Studien in den Chroniken verdeutlichen die damaligen Transfermechanismen. Neben dem Interesse für innovative und exportierbare Erfolgsrezepte im Bereich des Kunsthandwerks werden vor allem Frankreich-bezogene Artikel rezipiert, wie Hevesis Artikel über Henry-René d’Allemagnes Spielkartenwerk in der Zugabe zur &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, „La Chronique des arts et de la curiosité“&amp;lt;ref&amp;gt;1908, 101&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der französisch-österreichische Kultur-Transfer und seine Vermittler:innen==&lt;br /&gt;
Wie kommt es, dass die in den Artikeln und in der Bibliographie der Zeitschrift dokumentierte Vorreiterrolle der französischen Kunstgeschichte, ihrer Institutionen und des französischen Kunsthandwerks sich nicht im (relativ geringen) Umfang der Frankreich-Artikel wiederfindet? Festzuhalten ist, dass die Frankreich-Artikel an besondere Anlässe gebunden sind: Eine führende Rolle spielen die [[Pariser Weltausstellung]] im Jahr 1900 (fünf der elf Artikel stammen von W. Fred, d.h. Alfred Wechsler, 1879–1922), die Ausstellungen in der [[Galerie Miehtke]] und diejenigen der Société des Artistes Décorateurs (zwei Artikel) sowie die 28 Pariser Ausstellungsberichte Thilda von Kulmers (1911–1914).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bindung an den zeitgenössischen Ausstellungsmarkt erklärt den überwältigenden Anteil von Artikeln, die sich reformpädagogisch engagierten Künstler und Künstlerinnen aus einer auffällig kosmopolitischen und emanzipatorischen Perspektive heraus widmen. Das soziale Engagement steht darin in direkter Verbindung zur Förderung des Kunsthandwerks als Kunst und mündet in ein komplexes Transferverhältnis in vielen Artikeln, die Scalas „Arts and Crafts“-Nähe aufnehmen. Berlepschs eigene Nähe zum Gedankengut William Morris‘ findet sich sowohl in seinem Bericht über Myrbachs Napoleon-Illustrationen für einen New Yorker Verleger als auch in der Schilderung von Grassets reformpädagogischen Bemühungen wieder. Auch Beiträger wie Marguillier stehen diesem sozialen Kunstfeld nahe oder sind, wie der Elsässer Eugène Müntz und der Schweizer Robert Forrer (1866–1947), Teil der sich entwickelnden deutsch-französischen Kunstgeschichte. Müntz steht seit 1879 in Verbindung mit [[Hubert Janitschek]], der von Wien nach Prag und dann 1881 nach Straßburg wechselt&amp;lt;ref&amp;gt;Passini 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Graph2.png|500px|thumb|Tabelle zu den Verfasser:innen der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; (1898–1921)]]Bezeichnend ist, dass viele Autor:innen, die Artikel über französisches Kunsthandwerk in österreichischen Zeitschriften veröffentlichen, auch in Frankreich über österreichische Künstler:innen und Institutionen berichten, wie etwa Marguillier, der 1913 eine Broschur über das Wiener Kunsthistorische Museum veröffentlicht. Auch die Baronin [[Klothilde von Kulmer]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/f1bf20bc-ee0e-4582-a503-0010167408a5&amp;lt;/ref&amp;gt; (1877–1953) ist eine interessante Vertreterin des österreichisch-französischen Transfers: zwischen 1912 und 1914 ist sie Sonderberichterstatterin aus Paris für &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; und aus Österreich-Ungarn für &#039;&#039;L’Art décoratif&#039;&#039;, gleichzeitig bemüht sie sich um Zugang zum &#039;&#039;New Yorker Century Illustrated Monthly Magazine&#039;&#039;. Hervorzuheben ist, dass sie in ihren Berichten die Arbeiten von Künstlerinnen hervorhebt&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1912 XIV/4, 238–239&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie ihr umfangreicher Artikel über die 1913 vom „Comité des Dames“ kuratierte Ausstellung über Frauenkunst („Travaux d’art féminin“) aus Frankreich und aus Österreich-Ungarn im &#039;&#039;Musée des arts décoratifs&#039;&#039; zeigt&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1913 XVI/5, S. 314–327&amp;lt;/ref&amp;gt;, und sich für die Errungenschaften der „Union des femmes peintres et sculpteurs“&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb34428772r/date&amp;lt;/ref&amp;gt; begeistert und gleichzeitig die noch begrenzten Ausstellungsmöglichkeiten für Künstlerinnen dokumentiert&amp;lt;ref&amp;gt;1914 XV/3, 167&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tabelle der Beitragenden zu französischzentrierten Themen zeigt ein paradoxes Gender-Gefälle sowie eine Übermacht der deutschsprachigen im Vergleich zu den französischsprachigen Beiträger:innen. Die zentrale Rolle Thilda von Kulmers als Vermittlerin zwischen Frankreich und Österreich-Ungarn auf dem Gebiet des Kunsthandwerks und der Frauenkunst bleibt noch zu erforschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Quellen===&lt;br /&gt;
*Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Wien: Artaria &amp;amp; Co, 1898–1921: &amp;lt;br&amp;gt;https://hauspublikationen.mak.at/viewer/toc/1351679243468/1/- (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Rudolf von Eitelberger: Briefe über die moderne Kunst Frankreichs, bei Gelegenheit der Pariser Weltausstellung 1855. Wien: k. und k. Staatsdruckerei 1858.&lt;br /&gt;
*Rudolf von Eitelbeger: Der deutsch-französische Krieg und sein Einfluss auf die Kunst-Industrie Österreichs [1870]. In: Rudolf von Eitelberger: Gesammelte kunsthistorische Schriften II. Wien: Braumüller 1879, S. 316–342, hier S. 333. &lt;br /&gt;
*Arthur von Scala: Einleitung. In: Kunst und Kunsthandwerk [1897]. 1898, I/1, S.1–2.&lt;br /&gt;
*Arthur von Scala: Jahresbericht des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie für das Jahr 1898. Wien: Verlag des Museums 1899.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Umfangreiche Artikel zu Frankreich-zentrierten Themen in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
(Der Titel der Zeitschrift wird in den folgenden Angaben nicht wiederholt): &lt;br /&gt;
====1889====&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard Berlepsch: Felician von Myrbach. 1898 I/1, S. 20–41.&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard Berlepsch: Eugène Grasset. 1898, I/4-5, S. 129–155.&lt;br /&gt;
*Eugène Müntz: Gegenstände aus dem Besitze des Königs Matthias Corvinus in den Pariser Sammlungen. 1898, I/11–12, 380–384.&lt;br /&gt;
====1899====&lt;br /&gt;
*Auguste Marguiller: Die französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert 1899, II/1, S. 23–30.&lt;br /&gt;
====1900====&lt;br /&gt;
*Hans Macht: Saint-Andrés Lederplastik. 1900, III/2, S. 80–82.&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Die Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/3, S. 112–122.&lt;br /&gt;
*Heinrich Modern: Jean Baptiste Claude Odiot. 1900, III /4, S. 164–166.&lt;br /&gt;
*Auguste Marguillier: Auguste Rodin. 1900, III/6, S. 237–262.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Architektur und Aussendecoration auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/7, S. 290–309.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Interieurs und Möbel auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/8, S. 331–352.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Glas und Keramik auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/9, S. 379–400.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]:  Bemerkungen über die Metallindustrien auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/10, S. 427–434.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Kleine Nachrichten: Die Weltausstellung. Ausstellung von J. Ginskey. 1900 III/10, S. 439.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Die Juwelierkunst auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/12, S. 485–503.&lt;br /&gt;
====1901====&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Die Edelschmiedekunst auf der Pariser Weltausstellung. 1901 IV/3, S. 109–132.&lt;br /&gt;
*Ernst Pliwa: Die österreichischen kunstgewerblichen Anstalten auf der Pariser Weltausstellung. 1901, IV/4, S. 145–174.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Edmond Lachenal. 1901, IV/9, S. 390–397.&lt;br /&gt;
====1903====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Aus dem Wiener Kunstleben. 1903 VI/2-3, S. 101–103.&lt;br /&gt;
====1904====&lt;br /&gt;
*Auguste Marguiller: Jean Dampt. 1904 VII/1, S. 1–17.&lt;br /&gt;
====1906====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Das Spielkartenwerk von H.-R. d’Allemagne. 1906 IX/12, S. 718–730.&lt;br /&gt;
====1908====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Die Daumier-Ausstellung in der Galerie Miethke. 1908 XI/12, S. 662–663.&lt;br /&gt;
====1910====&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard von Berlepsch-Valendas: Der Mont Saint-Michel. 1910, XIII/5, S. 279–319. &lt;br /&gt;
====1911====&lt;br /&gt;
*Karl. M. Kuzmany: Aus dem Wiener Kunstleben: Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung. 1911 XIV/3, S. 196–198.&lt;br /&gt;
====Oktober 1911–September 1914: Thilda de Kulmers Pariser Ausstellungsberichte in Kunst und Kunsthandwerk====&lt;br /&gt;
====1911====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer [Klothilde von Kulmer]: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/10, S. 554–555.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1911 XIV/11, S. 606–609.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/12, S. 686–690.&lt;br /&gt;
====1912====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/1, S. 69–70.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/2, S. 131–133.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/3, S. 185–187.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Die Ausstellung der modernen dekorativen Künste im Musée des Arts décoratifs zu Paris. 1912 XV/4, S. 234–240.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/4, S. 248–250.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/5, S. 323–325.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/6–7, S. 391–400.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/8–9, S. 472–480.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/ S. 645–648.&lt;br /&gt;
====1913====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/1, S. 76–77.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/2, S. 139–142.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/3, S. 208–213.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/4, S. 274–276.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/5, S. 314–327.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/6–7, S. 415–417.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/8–9, S. 494–497.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/11, S. 604–606.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/12, S. 654–656.&lt;br /&gt;
====1914====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Moderne Wohnungseinrichtungen im Pariser Herbstsalon. 1914 XVII/1, S. 24–30.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/1, S. 59–61. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/ 2, S. 104–107.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/3, S. 165–168. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/4, S. 210–212.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/5, S. 280–284. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1914 XVII/6–7, S. 361–364.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/8–9, S. 431–435.&lt;br /&gt;
====1920====&lt;br /&gt;
*Hermann Trenkwald: Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1920 XXIII/7–10, S. 143–162.&lt;br /&gt;
====1921====&lt;br /&gt;
*Hermann Trenkwald: II. Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1921 XXIV/1–4, S. 32–45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Sylvie Arlaud: Kunst und Kunsthandwerk: une revue entre modernité viennoise et politique culturelle. In: Revue d&#039;Allemagne et des pays de langue allemande 2002, 34/2, S. 139–160. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/reval_0035-0974_2002_num_34_2_5689 (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Michel Espagne: Rudolf Eitelberger von Edelberg (1817–1885) et les débuts de l’école viennoise. In: Austriaca. L’école viennoise d’histoire de l’art 2011, 72, S. 17–32. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_2011_num_72_1_4922 (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Gabriele Fabiankowitsch: Das Vermittlungsprogramm des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 176–192.&lt;br /&gt;
*Alix de La Chapelle: Un Art nouveau pour le peuple. De « l’art dans tout » à « l’art pour tous ». In: Histoire de l&#039;art 1995/31, S. 59–68.&lt;br /&gt;
*Michela Passini : Correspondance allemande d’Eugène Müntz. Aux origines de l’institutionnalisation de l’histoire de l’art. Paris: Armand Colin 2012. &lt;br /&gt;
*Tanja Pirsig-Marshall: London-Wien. Einfluß und Wirkung der englischen Idee. Das Vorbild South Kensington Museum. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 30–40.&lt;br /&gt;
*Mary Patricia May Sekler: Le Corbusier und das Museum als eine Stätte des Lernens. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 252–270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Sylvie Arlaud&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 08/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Kunst_und_Kunsthandwerk_(Monatsschrift_des_k._k._Österreichischen_Museums_für_Kunst_und_Industrie,_1898–1921)}}&lt;br /&gt;
[[Category:Zeitschrift]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Richard_Thieberger&amp;diff=1222</id>
		<title>Richard Thieberger</title>
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		<updated>2026-04-09T10:37:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Kulturelle Vermittlung zwischen Frankreich und Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Richard Thieberger (* 3. März 1913 in Wien, † 16. Juni 2013 in Nizza) ist ein Wissenschaftler österreichischer Herkunft, der 1938 die französische Staatsbürgerschaft annahm. Seine doppelte Ausbildung als Germanist und Romanist sowie die historischen Umstände, die ihn dazu zwangen, vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich ins Exil zu gehen, machten ihn zu einer zentralen Figur im kulturellen Austausch zwischen Frankreich, Deutschland und Österreich und zu einem unermüdlichen Förderer der österreichischen Kultur und Literatur in Frankreich – sowohl durch sein institutionelles Engagement, als auch durch sein kritisches und übersetzerisches Werk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Richard Thieberger besuchte das Reform-Real-Gymnasium in Wien, bevor er an der Universität ein dreifaches Studium der Germanistik, Romanistik und Psychologie absolvierte, unter anderem bei Karl Bühler (1879–1963), dem berühmten Sprachtheoretiker. Die Vielfalt seiner Interessen sollte sich in den zahlreichen Tätigkeitsbereichen widerspiegeln, die seine reichhaltige akademische Laufbahn prägen. 1935 verteidigt er an der Universität Wien eine Dissertation über die Gattung Hörspiel. Schon in jungen Jahren lernt er Oskar Jellinek kennen, einen in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller, dessen Werk er in Frankreich durch kritische Studien und Übersetzungen bekannt macht. Richard Thieberger zeigt schon sehr früh Interesse an Sprache und theoretischen Überlegungen im Zusammenhang mit dem Erlernen von Fremdsprachen im Hochschulbereich,&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1979&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Theater und mit Literatur – drei Bereiche, die sowohl im Mittelpunkt seiner Lehr- als auch seiner Forschungstätigkeit stehen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1934 kommt er im Rahmen eines französisch-österreichischen Austauschprogramms mit seiner Frau Jenny, geborene Weiss, nach Paris und erhält eine Stelle als Deutschassistent am Lycée de garçons in Reims. Von 1936 bis 1939 ist er Dozent an der Universität Caen. Nach dem Anschluss beantragen Jenny und Richard Thieberger die französische Staatsbürgerschaft, die ihnen im Dezember 1938 gewährt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nivelle 1982: 9&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihre erste Tochter, Annie Eveline, wird 1939 geboren. Aufgrund seiner Einbürgerung wird er ab September 1939 zum Militärdienst in der französischen Armee einberufen. Seine Frau Jenny und ihre Tochter fliehen aus Caen. Nach zwei Jahren im Militärdienst (1939–1940) kehrt er zu seiner Familie in die freie Zone nach Poitiers zurück, wo er im August 1940 aus dem Dienst entlassen wird. Von Dezember 1940 bis März 1944 ist Thieberger Lektor für Deutsch an der Universität Toulouse, einer Stadt, in der seine Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den deutschen Besatzern und dem Vichy-Regime bedroht ist. Dank des Mutes mehrerer Menschen und nach einer Reihe abenteuerlicher Ereignisse entgeht die Familie Thieberger nur knapp der Verhaftung. Am 3. März 1944, dem Tag seines einunddreißigsten Geburtstags, dringt die Gestapo in das Gebäude ein, in dem die Thiebergers in Toulouse wohnen, und klopft an die Tür von Dr. Diego Diaz, ihrem Nachbarn, einem spanischen Flüchtling, der im Widerstand aktiv ist. Dieser tut so, als verstehe er nichts, und nutzt dann den Moment, in dem die Beamten die Hausmeisterin befragen, um hinaufzugehen und Jenny Thieberger zu warnen, die mit ihren Kindern allein zurückgeblieben ist. Auf seinen Rat hin versteckt sie sich in einer Mansarde im fünften Stock. Als die Gestapo zurückkehrt und die Wohnung der Thiebergers durchsucht, während sie Diego Diaz mit einem Gewehr bedroht, ist diese leer . Die Kinder werden daraufhin zu ihrer eigenen Sicherheit getrennt: Die kleine Jacqueline, 1944 in Toulouse geboren und somit noch ein Säugling, wird Carmen Diaz anvertraut, während Annie auf Wunsch von Diego Diaz&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Diego-Diaz-3838.html&amp;lt;/ref&amp;gt; von Jean Boyer&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Boyer-Jean-3836.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, einem Deutschprofessor an der Universität Toulouse, und seiner Frau Louise aufgenommen wird. Jenny Thieberger gelingt es, ihren Mann zu warnen, bevor er nach Hause zurückkommt. Am selben Tag nehmen Louise und Jean Boyer Kontakt zu Erzbischof Jules Saliège von Toulouse auf, der in enger Zusammenarbeit mit dem Rektor des Katholischen Instituts von Toulouse, Mgr. de Solages, für die Familie Thieberger bis zum Abzug der deutschen Truppen im August 1944 Verstecke findet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Befreiung Frankreichs kehrt Richard Thieberger nach Toulouse zurück, wo er seine Stelle als Dozent an der Universität wieder aufnimmt. Dort ist er auch aktiv an der Gründung der ,Abenduniversität’ beteiligt, einer Initiative, die darauf abzielte, den Zugang zu Kultur und Hochschulbildung zu erweitern; in dieser neuen Einrichtung leitet er die Abteilung für ausländische Kulturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab August 1945 tritt Thieberger in den Dienst der französischen Kulturarbeit in Deutschland, zunächst in Freudenstadt, wo er für die Aufsicht über das öffentliche Bildungswesen in Württemberg zuständig ist, dann in Tübingen, wo er bis 1952 als Kulturoffizier tätig ist. Nach dem Erwerb der Agrégation für Deutsch im Jahr 1951 wird er an die französische Botschaft in Mainz versetzt und bekleidet dort bis 1958 das Amt des Leiters des Büros für Verlagswesen und Literatur. Anschließend lehrt er (1958–1964) am Institut für Dolmetschen in Germersheim, das der Universität Mainz angegliedert ist, wo er für den Unterricht in französischer Landeskunde sowie für den Bereich des Simultan- und Konsekutivdolmetschens verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Jahr als Deutschlehrer am Lycée Fustel de Coulanges in Straßburg (1964–1965) wird Thieberger &#039;&#039;Maître-assistant&#039;&#039; am Institut für Germanistik der Universität Straßburg, bevor er 1967 an die Universität Nizza wechselt, zunächst als Lehrbeauftragter, dann ab 1970 bis zu seiner Emeritierung 1982 als Universitätsprofessor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kulturelle Vermittlung zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Während seiner gesamten erfolgreichen Laufbahn als Diplomat und Wissenschaftler spielt Richard Thieberger eine führende Rolle bei der Verbreitung der österreichischen Literatur und Kultur in Frankreich. Zunächst durch seine Tätigkeit als Theaterübersetzer, insbesondere von drei Stücken von Fritz Hochwälder: &#039;&#039;Das heilige Experiment&#039;&#039; (&#039;&#039;Sur la terre comme au ciel&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1952&amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;Der öffentliche Ankläger&#039;&#039; (&#039;&#039;L’Accusateur public&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1965&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Donadieu. Die Herberge&#039;&#039; (&#039;&#039;Donadieu ou La Grâce d’Alès&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie von &#039;&#039;Die Geburt Homers&#039;&#039; (&#039;&#039;La Naissance d’Homère&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Jellinek 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; von Oskar Jellinek, einem in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller – zwei Autoren, mit denen er befreundet ist und denen er auch mehrere kritische Studien widmen sollte. Dann durch seine Rolle bei der Institutionalisierung der Österreichstudien in Frankreich. Als früher Weggefährte von [[Felix Kreissler]] ist er ab 1973 an der Gründung des Centre d’études et de recherches autrichiennes (CERA) der Universität Rouen beteiligt, später am Redaktionskomitee der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039;, deren Gründungsmitglied er 1975 ist. Thieberger verdanken wir neben zahlreichen Kolumnen und Rezensionen zu Werken der österreichischen Literatur und Kultur in den Spalten der Zeitschrift auch die Herausgabe von zwei Themenheften, eines zum Thema „Der Roman im 20. Jahrhundert. Traditionen und Übergänge“ (1977)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1977_num_4_1&amp;lt;/ref&amp;gt;, das andere zum Thema „Nach Frankreich emigrierte österreichische Schriftsteller“ (1984)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1984_num_19_1&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Universität Nizza trägt er als Direktor des Instituts für Deutsche und Österreichische Studien sowie des Zentrums für Österreichische Forschung der Universität Nizza (C.R.A.N.), gemeinsam mit einer anderen Österreich-Germanistin, Gertrude Stolwitzer, zur Strukturierung des Fachgebiets ,Austriazistik’ in Frankreich bei. In Nizza veranstaltet Thieberger im April 1979 eine große internationale Tagung zu [[Hermann Broch]], deren Tagungsband er im folgenden Jahr herausgibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1980&amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich ist er Autor einer Vielzahl kritischer Studien, die in renommierten Zeitschriften veröffentlicht werden und sich mit österreichischen Autoren wie [[Franz Grillparzer|Grillparzer]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Franz Kafka|Kafka]], [[Stefan Zweig|Zweig]] und Urzidil&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen – ein Engagement, das ihn ganz natürlich dazu veranlasste, sich mit der Definition der österreichischen Literatur und ihren Besonderheiten auseinanderzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1984&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Frage durchzieht sein gesamtes kritisches Werk, was auch seine 1968 an der Sorbonne verteidigte Habilitationsschrift über das Genre der Novelle bestätigt. Diese befasst sich zwar unter anderem mit Goethe, Kleist und Thomas Mann, räumt aber auch [[Robert Musil]], Franz Kafka und Oskar Jellinek einen besonderen Stellenwert ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Le genre de la nouvelle dans la littérature allemande, par Richard Thieberger. Paris: Minard (Publications de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice; 2) 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbreitung der französischen Literatur im deutschsprachigen Raum==&lt;br /&gt;
Neben seiner Tätigkeit als Germanist hat sich Thieberger unermüdlich dafür eingesetzt, die französische Literatur im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Auch in diesem Bereich verfolgen seine Forschungen einen entschieden komparatistischen Ansatz, der sich auf die Textanalyse und die Rezeptionspsychologie, die Übersetzungswissenschaft (insbesondere im Bereich des Theaters), die Stilistik und die Funktion der literarischen Sprache konzentriert. So hat er eine zusammenfassende Einführung in das Werk von Albert Camus&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1961&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Deutsch vorgelegt sowie in Mitherausgabe zwei Ausgaben der Zeitschrift &#039;&#039;La revue des lettres modernes&#039;&#039; mit dem Titel &#039;&#039;Configuration critique d’Albert Camus&#039;&#039;, deren zweiter Teil dem Thema „Camus angesichts der deutschsprachigen Kritik“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger/Matthews 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das breite Spektrum seiner Forschungsinteressen veranlasste ihn auch, seine theoretischen Überlegungen zur Stellung der Stilistik als junge Disziplin innerhalb der Sprach- und Literaturwissenschaft zu systematisieren. In diesem Bereich stützen sich seine Ansätze sowohl auf Camus’ &#039;&#039;La Peste&#039;&#039;, als auch auf die Lyrik von Paul Valéry, Balzacs &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; oder den Nouveau roman, wie beispielsweise &#039;&#039;Les Gommes&#039;&#039; von Alain Robbe-Grillet.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1966&amp;lt;/ref&amp;gt; Giraudoux, Sartre, Anouilh und Beckett sind die weiteren bedeutenden Persönlichkeiten der französischsprachigen Literatur, zu denen ihn seine hervorragende Kenntnis des Theaters und sein lebhaftes Interesse an der Bühne führten. Auch seine Studien zur Rezeption der französischen Literatur widmen sich zum großen Teil der Stilistik, der Übersetzung und der Werkrezeption, und zwar aus einer komparatistischen Perspektive, die von der &#039;&#039;Sprachtheorie&#039;&#039; seines Mentors Bühler inspiriert ist, in der dieser die „repräsentative Funktion der Sprache“ als „Organon“ entwickelt, das seiner Ansicht nach dem Menschen eigen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Bühler 1934&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil auch durch seine Einordnung in diese Wiener Tradition hat Thieberger eine originelle Reflexion über die Rolle des Stils und über die spezifischen Schwierigkeiten der Übersetzung entwickelt, insbesondere der Theaterübersetzung, die sowohl als sprachlicher als auch als kultureller Anpassungsprozess betrachtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1991 https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Erfahrung als Übersetzer österreichischer Theaterstücke nährt eine pragmatische Reflexion über die Grenzen der sprachlichen und kulturellen Übertragung, insbesondere was die Sprachebenen und die Suche nach geeigneten Lösungen anbelangt, um die Eigenschaften, die die Oralität des Textes ausmachen, im übersetzten Text beizubehalten. Getreu seiner Rolle als Vermittler zwischen Sprachen und Kulturen nimmt Thieberger auch hier fast immer einen vergleichenden Standpunkt ein, der sich auf seine perfekte Kenntnis der Wiener Theatertradition und der französischen Literatur stützt. Der Kern seines Standpunkts lässt sich in folgenden Worten zusammenfassen:  „Ein Boulevardstück ins Deutsche zu übersetzen ist eine unlösbare Aufgabe. Die Ebene des ,Boulevard’-Stils ist wegen der dominanten Stellung von Paris nationalisiert, zentralisiert und einzigartig in Frankreich. Vielleicht spielte Wien in der alten österreichisch-ungarischen Monarchie eine ähnliche Rolle. Aber für sämtliche deutschsprachigen Länder kann im 20. Jahrhundert keine Metropole ein solches Übergewicht für sich beanspruchen. Daher gibt es auf der ,Boulevard’-Ebene keine gemeinsame Sprache. Sobald man unter einen bestimmten literarischen Stil fällt, muss man den Kontakt zu einer bestimmten Region oder Stadt suchen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1972: 79&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die zahlreichen Facetten seiner Arbeit erscheint Richard Thieberger daher als eine wichtige und originelle Persönlichkeit der Vermittlung zwischen der französischen und österreichischen Kultur, die nachhaltig zum Austausch von Werken, Ideen und Methoden zwischen diesen beiden Räumen beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. [Das Organon-Modell]. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1934.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Albert Camus. Eine Einführung in sein dichterisches Werk. Frankfurt/M., Bonn: Verlag Moritz Diesterweg 1961.&lt;br /&gt;
*Thieberger Richard/Matthews J.H. (Hrsg.): Configuration critique d’Albert Camus, Bd. 2, Camus devant la critique de langue allemande. Paris: Minard, La Revue des lettres modernes 7 (1963). &lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: À propos des stylistiques. In: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Bd. 76, H. 2/4 (1966), S. 246–263 ; https://www.jstor.org/stable/40616148&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Kafka, Camus et la sémantique historique : Réflexions méthodologiques sur la recherche littéraire. In: Comparative literature studies (Urbana, University of Maryland), 1967-01, Bd. 4 (3), S. 319–326.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: La traduction. In: Langages 28 (Dezember 1972), S. 75–84.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Les langues vivantes dans l’enseignement supérieur : études didactiques. Paris: Les Belles Lettres (Annales de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice, 36) 1979.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Hermann Broch und seine Zeit. Akten des Internationalen Broch-Symposiums Nice. Bern u.a.: Peter Lang (Jahrbuch für internationale Germanistik. Reihe A, Kongressberichte; 6) 1980.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Überlegungen zum Begriff des ‚österreichischen Dichters‘. In: Modern Austrian Literature, Bd. 17, Nr. 3/4, Special Issue: Perspectives on the Question of Austrian Literature (1984), S. 17–27. https://www.jstor.org/stable/24647314&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: L’écrit et l’oral. Réflexions sur la langue au théâtre. In: Cahiers d’études germaniques 1991, Bd. 20 (1), S. 49–53.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Nivelle, Armand: À propos de Richard Thieberger. In: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982, S. 9–12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen===&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu, suivi de L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: La table Ronde 1955.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz : Sur la terre comme au ciel, trad. par Richard Thieberger. Paris: La Table ronde 1952; Paris: Seuil 1964.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: L’Avant-Scène 1965.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu ou La Grâce d’Alès, suivi de L’Auberge Donadieu, trad. par Richard Thieberger. Rouen: Publications de l’université de Rouen 1982.&lt;br /&gt;
*Jellinek, Oskar: La Naissance d’Homère, trad. par Richard Rhieberger. Paris: M. J. Minard 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 09/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Richard_Thieberger}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Thieberger, Richard}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Richard_Thieberger&amp;diff=1221</id>
		<title>Richard Thieberger</title>
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		<updated>2026-04-09T10:37:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Kulturelle Vermittlung zwischen Frankreich und Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Richard Thieberger (* 3. März 1913 in Wien, † 16. Juni 2013 in Nizza) ist ein Wissenschaftler österreichischer Herkunft, der 1938 die französische Staatsbürgerschaft annahm. Seine doppelte Ausbildung als Germanist und Romanist sowie die historischen Umstände, die ihn dazu zwangen, vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich ins Exil zu gehen, machten ihn zu einer zentralen Figur im kulturellen Austausch zwischen Frankreich, Deutschland und Österreich und zu einem unermüdlichen Förderer der österreichischen Kultur und Literatur in Frankreich – sowohl durch sein institutionelles Engagement, als auch durch sein kritisches und übersetzerisches Werk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Richard Thieberger besuchte das Reform-Real-Gymnasium in Wien, bevor er an der Universität ein dreifaches Studium der Germanistik, Romanistik und Psychologie absolvierte, unter anderem bei Karl Bühler (1879–1963), dem berühmten Sprachtheoretiker. Die Vielfalt seiner Interessen sollte sich in den zahlreichen Tätigkeitsbereichen widerspiegeln, die seine reichhaltige akademische Laufbahn prägen. 1935 verteidigt er an der Universität Wien eine Dissertation über die Gattung Hörspiel. Schon in jungen Jahren lernt er Oskar Jellinek kennen, einen in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller, dessen Werk er in Frankreich durch kritische Studien und Übersetzungen bekannt macht. Richard Thieberger zeigt schon sehr früh Interesse an Sprache und theoretischen Überlegungen im Zusammenhang mit dem Erlernen von Fremdsprachen im Hochschulbereich,&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1979&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Theater und mit Literatur – drei Bereiche, die sowohl im Mittelpunkt seiner Lehr- als auch seiner Forschungstätigkeit stehen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1934 kommt er im Rahmen eines französisch-österreichischen Austauschprogramms mit seiner Frau Jenny, geborene Weiss, nach Paris und erhält eine Stelle als Deutschassistent am Lycée de garçons in Reims. Von 1936 bis 1939 ist er Dozent an der Universität Caen. Nach dem Anschluss beantragen Jenny und Richard Thieberger die französische Staatsbürgerschaft, die ihnen im Dezember 1938 gewährt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nivelle 1982: 9&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihre erste Tochter, Annie Eveline, wird 1939 geboren. Aufgrund seiner Einbürgerung wird er ab September 1939 zum Militärdienst in der französischen Armee einberufen. Seine Frau Jenny und ihre Tochter fliehen aus Caen. Nach zwei Jahren im Militärdienst (1939–1940) kehrt er zu seiner Familie in die freie Zone nach Poitiers zurück, wo er im August 1940 aus dem Dienst entlassen wird. Von Dezember 1940 bis März 1944 ist Thieberger Lektor für Deutsch an der Universität Toulouse, einer Stadt, in der seine Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den deutschen Besatzern und dem Vichy-Regime bedroht ist. Dank des Mutes mehrerer Menschen und nach einer Reihe abenteuerlicher Ereignisse entgeht die Familie Thieberger nur knapp der Verhaftung. Am 3. März 1944, dem Tag seines einunddreißigsten Geburtstags, dringt die Gestapo in das Gebäude ein, in dem die Thiebergers in Toulouse wohnen, und klopft an die Tür von Dr. Diego Diaz, ihrem Nachbarn, einem spanischen Flüchtling, der im Widerstand aktiv ist. Dieser tut so, als verstehe er nichts, und nutzt dann den Moment, in dem die Beamten die Hausmeisterin befragen, um hinaufzugehen und Jenny Thieberger zu warnen, die mit ihren Kindern allein zurückgeblieben ist. Auf seinen Rat hin versteckt sie sich in einer Mansarde im fünften Stock. Als die Gestapo zurückkehrt und die Wohnung der Thiebergers durchsucht, während sie Diego Diaz mit einem Gewehr bedroht, ist diese leer . Die Kinder werden daraufhin zu ihrer eigenen Sicherheit getrennt: Die kleine Jacqueline, 1944 in Toulouse geboren und somit noch ein Säugling, wird Carmen Diaz anvertraut, während Annie auf Wunsch von Diego Diaz&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Diego-Diaz-3838.html&amp;lt;/ref&amp;gt; von Jean Boyer&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Boyer-Jean-3836.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, einem Deutschprofessor an der Universität Toulouse, und seiner Frau Louise aufgenommen wird. Jenny Thieberger gelingt es, ihren Mann zu warnen, bevor er nach Hause zurückkommt. Am selben Tag nehmen Louise und Jean Boyer Kontakt zu Erzbischof Jules Saliège von Toulouse auf, der in enger Zusammenarbeit mit dem Rektor des Katholischen Instituts von Toulouse, Mgr. de Solages, für die Familie Thieberger bis zum Abzug der deutschen Truppen im August 1944 Verstecke findet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Befreiung Frankreichs kehrt Richard Thieberger nach Toulouse zurück, wo er seine Stelle als Dozent an der Universität wieder aufnimmt. Dort ist er auch aktiv an der Gründung der ,Abenduniversität’ beteiligt, einer Initiative, die darauf abzielte, den Zugang zu Kultur und Hochschulbildung zu erweitern; in dieser neuen Einrichtung leitet er die Abteilung für ausländische Kulturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab August 1945 tritt Thieberger in den Dienst der französischen Kulturarbeit in Deutschland, zunächst in Freudenstadt, wo er für die Aufsicht über das öffentliche Bildungswesen in Württemberg zuständig ist, dann in Tübingen, wo er bis 1952 als Kulturoffizier tätig ist. Nach dem Erwerb der Agrégation für Deutsch im Jahr 1951 wird er an die französische Botschaft in Mainz versetzt und bekleidet dort bis 1958 das Amt des Leiters des Büros für Verlagswesen und Literatur. Anschließend lehrt er (1958–1964) am Institut für Dolmetschen in Germersheim, das der Universität Mainz angegliedert ist, wo er für den Unterricht in französischer Landeskunde sowie für den Bereich des Simultan- und Konsekutivdolmetschens verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Jahr als Deutschlehrer am Lycée Fustel de Coulanges in Straßburg (1964–1965) wird Thieberger &#039;&#039;Maître-assistant&#039;&#039; am Institut für Germanistik der Universität Straßburg, bevor er 1967 an die Universität Nizza wechselt, zunächst als Lehrbeauftragter, dann ab 1970 bis zu seiner Emeritierung 1982 als Universitätsprofessor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kulturelle Vermittlung zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Während seiner gesamten erfolgreichen Laufbahn als Diplomat und Wissenschaftler spielt Richard Thieberger eine führende Rolle bei der Verbreitung der österreichischen Literatur und Kultur in Frankreich. Zunächst durch seine Tätigkeit als Theaterübersetzer, insbesondere von drei Stücken von Fritz Hochwälder: &#039;&#039;Das heilige Experiment&#039;&#039; (&#039;&#039;Sur la terre comme au ciel&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1952&amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;Der öffentliche Ankläger&#039;&#039; (&#039;&#039;L’Accusateur public&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1965&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Donadieu. Die Herberge&#039;&#039; (&#039;&#039;Donadieu ou La Grâce d’Alès&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie von &#039;&#039;Die Geburt Homers&#039;&#039; (&#039;&#039;La Naissance d’Homère&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Jellinek 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; von Oskar Jellinek, einem in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller – zwei Autoren, mit denen er befreundet ist und denen er auch mehrere kritische Studien widmen sollte. Dann durch seine Rolle bei der Institutionalisierung der Österreichstudien in Frankreich. Als früher Weggefährte von [[Felix Kreissler]] ist er ab 1973 an der Gründung des Centre d’études et de recherches autrichiennes (CERA) der Universität Rouen beteiligt, später am Redaktionskomitee der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039;, deren Gründungsmitglied er 1975 ist. Thieberger verdanken wir neben zahlreichen Kolumnen und Rezensionen zu Werken der österreichischen Literatur und Kultur in den Spalten der Zeitschrift auch die Herausgabe von zwei Themenheften, eines zum Thema „Der Roman im 20. Jahrhundert. Traditionen und Übergänge“ (1977)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1977_num_4_1&amp;lt;/ref&amp;gt;, das andere zum Thema „Nach Frankreich emigrierte österreichische Schriftsteller“ (1984)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1984_num_19_1&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Universität Nizza trägt er als Direktor des Instituts für Deutsche und Österreichische Studien sowie des Zentrums für Österreichische Forschung der Universität Nizza (C.R.A.N.), gemeinsam mit einer anderen Österreich-Germanistin, Gertrude Stolwitzer, zur Strukturierung des Fachgebiets ,Austriazistik’ in Frankreich bei. In Nizza veranstaltet Thieberger im April 1979 eine große internationale Tagung zu [[Hermann Broch]], deren Tagungsband er im folgenden Jahr herausgibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1980&amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich ist er Autor einer Vielzahl kritischer Studien, die in renommierten Zeitschriften veröffentlicht werden und sich mit österreichischen Autoren wie [[Franz Grillparzer|Grillparzer]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Franz Kafka|Kafka]], [[Stefan Zweig|Zweig]] und Urzidil&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen – ein Engagement, das ihn ganz natürlich dazu veranlasste, sich mit der Definition der österreichischen Literatur und ihren Besonderheiten auseinanderzusetzen&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1984&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Frage durchzieht sein gesamtes kritisches Werk, was auch seine 1968 an der Sorbonne verteidigte Habilitationsschrift über das Genre der Novelle bestätigt. Diese befasst sich zwar unter anderem mit Goethe, Kleist und Thomas Mann, räumt aber auch [[Robert Musil]], Franz Kafka und Oskar Jellinek einen besonderen Stellenwert ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Le genre de la nouvelle dans la littérature allemande, par Richard Thieberger. Paris: Minard (Publications de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice; 2) 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbreitung der französischen Literatur im deutschsprachigen Raum==&lt;br /&gt;
Neben seiner Tätigkeit als Germanist hat sich Thieberger unermüdlich dafür eingesetzt, die französische Literatur im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Auch in diesem Bereich verfolgen seine Forschungen einen entschieden komparatistischen Ansatz, der sich auf die Textanalyse und die Rezeptionspsychologie, die Übersetzungswissenschaft (insbesondere im Bereich des Theaters), die Stilistik und die Funktion der literarischen Sprache konzentriert. So hat er eine zusammenfassende Einführung in das Werk von Albert Camus&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1961&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Deutsch vorgelegt sowie in Mitherausgabe zwei Ausgaben der Zeitschrift &#039;&#039;La revue des lettres modernes&#039;&#039; mit dem Titel &#039;&#039;Configuration critique d’Albert Camus&#039;&#039;, deren zweiter Teil dem Thema „Camus angesichts der deutschsprachigen Kritik“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger/Matthews 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das breite Spektrum seiner Forschungsinteressen veranlasste ihn auch, seine theoretischen Überlegungen zur Stellung der Stilistik als junge Disziplin innerhalb der Sprach- und Literaturwissenschaft zu systematisieren. In diesem Bereich stützen sich seine Ansätze sowohl auf Camus’ &#039;&#039;La Peste&#039;&#039;, als auch auf die Lyrik von Paul Valéry, Balzacs &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; oder den Nouveau roman, wie beispielsweise &#039;&#039;Les Gommes&#039;&#039; von Alain Robbe-Grillet.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1966&amp;lt;/ref&amp;gt; Giraudoux, Sartre, Anouilh und Beckett sind die weiteren bedeutenden Persönlichkeiten der französischsprachigen Literatur, zu denen ihn seine hervorragende Kenntnis des Theaters und sein lebhaftes Interesse an der Bühne führten. Auch seine Studien zur Rezeption der französischen Literatur widmen sich zum großen Teil der Stilistik, der Übersetzung und der Werkrezeption, und zwar aus einer komparatistischen Perspektive, die von der &#039;&#039;Sprachtheorie&#039;&#039; seines Mentors Bühler inspiriert ist, in der dieser die „repräsentative Funktion der Sprache“ als „Organon“ entwickelt, das seiner Ansicht nach dem Menschen eigen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Bühler 1934&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil auch durch seine Einordnung in diese Wiener Tradition hat Thieberger eine originelle Reflexion über die Rolle des Stils und über die spezifischen Schwierigkeiten der Übersetzung entwickelt, insbesondere der Theaterübersetzung, die sowohl als sprachlicher als auch als kultureller Anpassungsprozess betrachtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1991 https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Erfahrung als Übersetzer österreichischer Theaterstücke nährt eine pragmatische Reflexion über die Grenzen der sprachlichen und kulturellen Übertragung, insbesondere was die Sprachebenen und die Suche nach geeigneten Lösungen anbelangt, um die Eigenschaften, die die Oralität des Textes ausmachen, im übersetzten Text beizubehalten. Getreu seiner Rolle als Vermittler zwischen Sprachen und Kulturen nimmt Thieberger auch hier fast immer einen vergleichenden Standpunkt ein, der sich auf seine perfekte Kenntnis der Wiener Theatertradition und der französischen Literatur stützt. Der Kern seines Standpunkts lässt sich in folgenden Worten zusammenfassen:  „Ein Boulevardstück ins Deutsche zu übersetzen ist eine unlösbare Aufgabe. Die Ebene des ,Boulevard’-Stils ist wegen der dominanten Stellung von Paris nationalisiert, zentralisiert und einzigartig in Frankreich. Vielleicht spielte Wien in der alten österreichisch-ungarischen Monarchie eine ähnliche Rolle. Aber für sämtliche deutschsprachigen Länder kann im 20. Jahrhundert keine Metropole ein solches Übergewicht für sich beanspruchen. Daher gibt es auf der ,Boulevard’-Ebene keine gemeinsame Sprache. Sobald man unter einen bestimmten literarischen Stil fällt, muss man den Kontakt zu einer bestimmten Region oder Stadt suchen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1972: 79&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die zahlreichen Facetten seiner Arbeit erscheint Richard Thieberger daher als eine wichtige und originelle Persönlichkeit der Vermittlung zwischen der französischen und österreichischen Kultur, die nachhaltig zum Austausch von Werken, Ideen und Methoden zwischen diesen beiden Räumen beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. [Das Organon-Modell]. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1934.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Albert Camus. Eine Einführung in sein dichterisches Werk. Frankfurt/M., Bonn: Verlag Moritz Diesterweg 1961.&lt;br /&gt;
*Thieberger Richard/Matthews J.H. (Hrsg.): Configuration critique d’Albert Camus, Bd. 2, Camus devant la critique de langue allemande. Paris: Minard, La Revue des lettres modernes 7 (1963). &lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: À propos des stylistiques. In: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Bd. 76, H. 2/4 (1966), S. 246–263 ; https://www.jstor.org/stable/40616148&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Kafka, Camus et la sémantique historique : Réflexions méthodologiques sur la recherche littéraire. In: Comparative literature studies (Urbana, University of Maryland), 1967-01, Bd. 4 (3), S. 319–326.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: La traduction. In: Langages 28 (Dezember 1972), S. 75–84.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Les langues vivantes dans l’enseignement supérieur : études didactiques. Paris: Les Belles Lettres (Annales de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice, 36) 1979.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Hermann Broch und seine Zeit. Akten des Internationalen Broch-Symposiums Nice. Bern u.a.: Peter Lang (Jahrbuch für internationale Germanistik. Reihe A, Kongressberichte; 6) 1980.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Überlegungen zum Begriff des ‚österreichischen Dichters‘. In: Modern Austrian Literature, Bd. 17, Nr. 3/4, Special Issue: Perspectives on the Question of Austrian Literature (1984), S. 17–27. https://www.jstor.org/stable/24647314&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: L’écrit et l’oral. Réflexions sur la langue au théâtre. In: Cahiers d’études germaniques 1991, Bd. 20 (1), S. 49–53.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Nivelle, Armand: À propos de Richard Thieberger. In: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982, S. 9–12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen===&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu, suivi de L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: La table Ronde 1955.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz : Sur la terre comme au ciel, trad. par Richard Thieberger. Paris: La Table ronde 1952; Paris: Seuil 1964.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: L’Avant-Scène 1965.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu ou La Grâce d’Alès, suivi de L’Auberge Donadieu, trad. par Richard Thieberger. Rouen: Publications de l’université de Rouen 1982.&lt;br /&gt;
*Jellinek, Oskar: La Naissance d’Homère, trad. par Richard Rhieberger. Paris: M. J. Minard 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 09/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Richard_Thieberger}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Thieberger, Richard}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Die_franz%C3%B6siche_Besetzung_von_Wien_1805/1806_und_1809&amp;diff=1220</id>
		<title>Die französiche Besetzung von Wien 1805/1806 und 1809</title>
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		<updated>2026-04-09T10:24:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Während der Zeit der Napoleonischen Kriege besetzten französische Truppen zweimal, in den Jahren 1805 und 1809, die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt Wien. [[Napoleon]] schlug dabei sein Quartier im Schloss Schönbrunn auf, das auch Schauplatz eines misslungenen Anschlages auf sein Leben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1805/1806==&lt;br /&gt;
Der Beitritt Österreichs zum englisch-russisch-schwedischen Bündnis gegen Frankreich im Rahmen des Dritten Koalitionskrieges am 9. August 1805 veranlasste Frankreich, der Habsburgermonarchie am 23. September den Krieg zu erklären. Am 20. Oktober wurde die kaiserliche Armee unter Feldmarschallleutnant Karl Mack von Leiberich&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/mack-von-leiberich&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Ulm zur Kapitulation und zum Rückzug entlang der Donau gezwungen, dicht gefolgt von den Franzosen. Da die aus Italien und Tirol zurückbeorderten kaiserlichen Truppen zu spät kamen, um Napoleon am Vorstoß über Linz nach Wien zu hindern, begann sich die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt, auf eine Besetzung vorzubereiten. Kaiser Franz II. (I.)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_II._(I.)&amp;lt;/ref&amp;gt; (nach der Annahme des Titels eines erblichen Kaisers von Österreich 1804 und der Niederlegung der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 regierte Franz als Kaiser Franz I. von Österreich) verließ die Stadt gemeinsam mit seiner Familie und zahlreichen Adeligen in Richtung Ungarn, um sich vor den herannahenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:2 Wien Museum Online Sammlung 1428 1-2.jpg|Johann Andreas Ziegler, Einzug der Franzosen in Wien am 13. November 1805&lt;br /&gt;
Datei:3 Wien Museum Online Sammlung 32723.jpg|Unbekannt, Entrée Triomphale de la Grande Armée Française ..., 1805&lt;br /&gt;
Datei:1 François PigeotK.jpg|François Pigeot, Einzug der französischen Truppen in Wien am 14. November 1805&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Wien Museum Online Sammlung 30293 1-2.jpg|left|thumb|Unbekannt, Die Franzosen in Wien 1805: Die Besetzung der Taborbrücke, 1805]]Nach kleineren Gefechten auf dem Vormarsch erreichten die ersten französischen Truppen unter Marschall Joachim Murat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz37268.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits am 12. November die Vororte Wiens und besetzten die Stadt am folgenden Tag, ohne auf Gegenwehr zu stoßen, nachdem sie sich unter Vortäuschung eines Waffenstillstandes kampflos der Taborbrücke bemächtigt hatten. Die Feindseligkeit der Wiener Bevölkerung schlug spontan in Neugier – bisweilen sogar in Sympathie – um; tausende Wiener wohnten dem Einzug der Franzosen bei und bildeten ein dichtes Spalier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon traf am 14. November in Wien ein und begab sich nach Schloss Schönbrunn, um dort für kurze Zeit Quartier zu beziehen. Dort empfing er auch eine aus Vertretern der Stände und des Wiener Magistrats unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stephan_von_Wohlleben&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammengesetzte Delegation.&lt;br /&gt;
[[Datei:5 Wien Museum Online Sammlung 87186.jpg|thumb|Pierre Adrien Le Beau (Kupferstecher), Thomas Charles Naudet (Zeichner), Prise de Vienne par la Grande Armée Française sous le Commandement de Napoléon ... (mit Stephansdom), 1805]]General Henry Jacques Clarke&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116530278&amp;lt;/ref&amp;gt;, der spätere Kriegsminister – er residierte in der Wiener Hofburg –, wurde zum Generalgouverneur Österreichs proklamiert, General Pierre Augustin Hulin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1032277858&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Stadtkommandanten von Wien. Im Wiener Rathaus wurden das Verpflegsdepartement der französischen Armee und das Kriegsdepartement der bewaffneten Bürgermiliz untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar schlug die Stimmung innerhalb der Wiener Bevölkerung aufgrund der Belastungen durch die Einquartierungen, Requisitionen (vor allem von Lebensmitteln) und Kontributionen bald in Ablehnung um, aber im Großen und Ganzen verlief das Zusammenleben der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht weitgehend friedlich; Exzesse vonseiten der französischen Soldaten wurden hart bestraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon beließ sowohl die von Kaiser Franz eingesetzte Hofkommission unter dem Grafen Rudolf von Wrbna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolf_von_Wrbna&amp;lt;/ref&amp;gt; als auch die Wiener Bürgermiliz – ein 10.000 Mann starkes bewaffnetes Korps –, die nach dem Abmarsch der Franzosen Richtung Austerlitz den Ordnungsdienst übernahm. Die in Wien verbliebenen Gelder der Stadtkasse, der Bankozettel-Hauptkasse und der kaiserlichen Kassen sowie die Bestände des Kaiserlichen Zeughauses, vor allem die Artillerie, wurden von den Franzosen ebenso requiriert wie 150.000 Paar Schuhe, 6.000 Sättel, Verbandsmaterial sowie Pulver- und Munitionsvorräte, die Richtung Norden abtransportiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6 Empire-Dekorationsteller.jpg|left|250px|thumb|Übergabe der Schlüssel der Stadt Wien an Napoleon I. im Jahr 1805]]In der (Drei-Kaiser-)Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember feierte Napoleon einen entscheidenden Sieg über die verbündeten Russen und Österreicher und zwang die Russen zum sofortigen Abzug. Die Verletzten beider Seiten wurden nach dem Ende der Schlacht nach Wien gebracht, wo sie – egal ob Freund oder Feind – von österreichischen und französischen Ärzten behandelt und mit Verbandsmaterial, das von der Wiener Bevölkerung in großer Zahl abgegeben wurde, versorgt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon selbst bezog während der Friedensverhandlungen von 12. bis 27. Dezember erneut Quartier in Schönbrunn und schloss dort am 15. Dezember 1805 einen „Freundschaftsvertrag“ mit dem neutral gebliebenen Preußen (vertreten durch den preußischen Diplomaten Christian Haugwitz), das nun außenpolitisch isoliert war; dieser wurde mit einem Konzert im Schlosstheater gebührend gefeiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthaltes in Wien hielt er in Anwesenheit zahlreicher schaulustiger Wiener eine Musterung der Division St. Hilaire sowie diverse Paraden und Revuen in Schönbrunn ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zwischen Franz II. und Napoleon geschlossenen Frieden von Pressburg, der zu großen Gebietsverlusten Österreichs (u.a. Tirol und Vorarlberg an Bayern, italienische Gebiete an das Königreich Italien) führte, wurde der Dritte Koalitionskrieg beendet. Napoleon verabschiedete sich am 28. Dezember mit einer Proklamation an die Wiener, am 13. Jänner 1806 verließen die französischen Truppen Wien. Kaiser Franz kehrte am 16. Jänner nach Wien zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1809==&lt;br /&gt;
[[Datei:7 Wien Museum Online Sammlung 32471.jpg|thumb|Benedikt Piringer (Kupferstecher), Beschießung Wiens durch die Franzosen in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1809, 1809]]Im Jahr 1809 versuchte Österreich (gemeinsam mit Großbritannien, dessen Truppen die Franzosen auf der Iberischen Halbinsel bekämpften), in einem neuerlichen Krieg (Fünfter Koalitionskrieg) die französische Hegemonie durch Entfachung einer „nationalen Erhebung“ in den deutschsprachigen Gebieten zu beenden. Damit verbunden war auch die Aufstellung einer „Landwehr“, eine Art „Volksbewaffnung“ nach französischem Vorbild, die in die militärischen Planungen miteinbezogen werden sollte. Darunter befanden sich auch sechs Bataillone der Wiener Landwehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10 Andrieu Medaille RS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Avers)]][[Datei:11 Andrieu Medaille VS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Revers)]]Vor allem der Minister des Äußeren Johann Philipp Graf Stadion&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Philipp_Karl_Stadion_von_Warthausen&amp;lt;/ref&amp;gt; beabsichtigte, den Krieg als einen „Vergeltungskrieg“ hochzustilisieren, und setzte eine Reihe von Initiativen, die den Patriotismus der Österreicher entfachen sollte; vor allem die Bewohner Wiens wurden von einer Welle patriotischer Begeisterung erfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das am 27. März 1809 publizierte „Österreichische Kriegsmanifest“, in dem die deutschen Staaten zum Befreiungskrieg gegen Frankreich aufgerufen wurden, fand allerdings keine Resonanz; Österreich blieb nur der Alleingang. Am 9. April erklärte die Habsburgermonarchie Frankreich den Krieg und begann umgehend mit dem Vormarsch nach Bayern, der allerdings langsam und schleppend verlief. Es fiel Napoleon daher nicht schwer, die Initiative an sich zu reißen und mit lokalen Schwergewichten und raschen Vorstößen die österreichische Hauptarmee bei Regensburg zu zersprengen. Die österreichischen Truppen gerieten nach heftigen Gefechten mit hohen Verlusten in die Defensive. Auf dem Rückzug fügten die Österreicher den Franzosen zwar bei Ebelsberg am 3. Mai erhebliche Verluste zu, wobei sich Wiener Freiwilligenbataillone unter Oberstleutnant Küffel durch besondere Tapferkeit auszeichneten, doch konnten sie deren Vormarsch nach Wien nicht aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20 Wien Museum Online Sammlung 212893 1-2.jpg|thumb|Emil Hütter, Das Burgtor nach der Sprengung durch die Franzosen 1809, 1809]]Wien bereitete sich daher neuerlich auf eine Besetzung vor. Diesmal hatte allerdings der zum Stadtkommandanten ernannte Erzherzog Maximilian d’Este&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_6/168.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; im Namen des Kaisers den überraschenden Befehl ausgegeben, die Stadt Wien zu verteidigen. Aufgrund der Zeitknappheit wurde nur der Hauptwall in Verteidigungszustand versetzt, Geschütze auf den Basteien in Stellung gebracht und wichtige Donaubrücken abgerissen. Die kaiserliche Familie floh gemeinsam mit der Staatsspitze erneut aus der Stadt; große Teile der kaiserlichen Sammlungen, Archive und Staatskassen wurden wie schon 1805 mit Schiffen nach Ungarn verbracht. Während der Wiener Magistrat unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben und die niederösterreichischen Stände sich gegen eine Verteidigung der Stadt aussprachen und auf offenkundige Versäumnisse hinwiesen, etwa in Bezug auf die (mangelnde) Versorgung Wiens mit Lebensmitteln, rüsteten sich die Wiener mit Hamsterkäufen für eine potenzielle länger andauernde Belagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gefecht bei Ebelsberg näherten sich die französischen Truppen rasch der Stadt Wien und standen am 8. Mai bereits vor deren Toren. In der Stadt befanden sich 16.000 verteidigungsbereite Mann – Linientruppen, Landwehr, Bürgermiliz – sowie 1.000 Studenten, einer davon war der Schriftsteller [[Franz Grillparzer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem eine Kapitulationsaufforderung der Franzosen abgelehnt und der im Auftrag von Marschall Lannes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jean_Lannes&amp;lt;/ref&amp;gt; als Parlamentär vor das Burgtor geschickte Stabsoffizier Lagrange von ungarischen Husaren verwundet und gefangen genommen worden war, kam es in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai zur Beschießung der Stadt mit französischen Feldgeschützen von den kaiserlichen Stallungen (heute Museumsquartier, 7. Wiener Gemeindebezirk) aus. 20 Tote und 100 Verletzte waren die Folge. Einige Palais und Häuser gingen in Flammen auf, da man es verabsäumt hatte, brennbares Material von den Dachböden zu entfernen. Der Stephansdom und die Marienstatue am Platz Am Hof wurden durch Granatsplitter beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:16 Wien Museum Online Sammlung 33326.jpg|P. Gross &amp;amp; Jakob Gauermann, Les Habitans de Vienne distribuent des secours aux blessés Français qui reviennent par la Land-Strasse, 1809 – 1823&lt;br /&gt;
Datei:17_Wien_Museum_Online_Sammlung_31715_1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Billet de lit a l&#039;Hospital Militaire de Vienne&amp;quot; (für) Antonio Viela, 1809&lt;br /&gt;
Datei:18 Wien Museum Online Sammlung 45855 1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Verwundete Franzosen bei der Menage ...&amp;quot;, 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als französische Truppen die Stadt umgingen, die Praterauen besetzten und in die Leopoldstadt (heute 2. Wiener Gemeindebezirk) vordrangen, begann Erzherzog Maximilian, nachdem man seiner eindringlichen Bitte um Verstärkung nicht nachgekommen war, aus Furcht davor, abgeschnitten zu werden, am frühen Morgen des 12. mit seinen Soldaten mit dem Rückzug auf die linke Seite der Donau und brannte die Taborbrücke hinter sich ab. Das Stadtkommando übernahm nun General Andreas Graf O’Reilly&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11773&amp;amp;page=90&amp;amp;scale=3.33&amp;amp;viewmode=fullscreen&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon war in der Zwischenzeit am 10. Mai in Wien angekommen und hatte wie schon 1805 im Schloss Schönbrunn Quartier bezogen. Am 12. begab sich eine Delegation aus Wiener Honoratioren, unter ihnen Bürgermeister Stephan Edler von Wohlleben und Fürsterzbischof Sigismund Anton von Hohenwart&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/hohenwart&amp;lt;/ref&amp;gt;, und Vertretern der niederösterreichischen Stände zu Napoleon, um mit ihm die Bedingungen für die Übergabe der Stadt auszuhandeln. Noch in der folgenden Nacht wurde die Kapitulation unterzeichnet, und zum zweiten Mal nach 1805 zogen am Morgen des 13. Mai französische Truppen in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der niederösterreichischen Regierung unter ihrem Präsidenten Ferdinand Ernst Graf von Bissingen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/88.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden sofort nach dem Einmarsch sämtliche Kompetenzen entzogen. Die in Wien verbliebenen Polizeibeamten sollten weiterhin Polizeiaufgaben wahrnehmen und die Bürgermiliz den Ordnungsdienst versehen und beruhigend auf das Volk einwirken, unterstanden aber der französischen Besatzung und waren auf deren Wohlwollen und Anordnungen angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
General Antoine-François Andréossy&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116309784&amp;lt;/ref&amp;gt;, der von Napoleon zum Generalgouverneur von Wien und Niederösterreich ernannt worden war, befahl die Entwaffnung und Gefangennahme der restlichen österreichischen Besatzung – viele Soldaten waren zuvor mit Zivilkleidern versorgt worden und konnten sich so der Gefangenschaft entziehen – und die Einquartierung der französischen Truppen (Stand am 22. Juli: 42.588 Mann und 9.310 Pferde). Die französische Generalität wurde in den Wiener Adelspalais oder in der Hofburg untergebracht. Die „standesgemäße“ Einquartierung und die Versorgung der Franzosen führten wie schon 1805 angesichts des allgemeinen Mangels an Lebensmitteln und einer damit verbundenen großen Preissteigerung häufig zu Konflikten zwischen Besatzern und der Bevölkerung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:8 Wien Museum Online Sammlung 58757 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten nach Mariahilf, ausgestellt am 22. Juli 1809&lt;br /&gt;
Datei:9 Wien Museum Online Sammlung 53191 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten in die Vorstadt Wieden, ausgestellt am 1. August 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der zahlreichen Klagen über die übertriebenen Forderungen der Franzosen wurde am 19. Juni eine Kundmachung mit der Anordnung des französischen Platz- und Stadtkommandanten Auguste François Mériage (Marriage)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archives18.fr/espace-culturel-et-pedagogique/expositions-virtuelles/xixe-siecle/1814-1827--a-madame-la-baronne-de-meriage-au-chateau-de-la-maisonfort-pres-vierzon&amp;lt;/ref&amp;gt; betreffend die Verpflegung der einquartierten Truppen veröffentlicht. So erging etwa in der Folge an alle Wiener Bäcker der Befehl, täglich 200 Laib Brot für die Besatzungstruppen zu backen, was diese vor eine enorme Herausforderung stellte und zur Vernachlässigung und mangelnden Versorgung der Wiener Bevölkerung führte. Nach Gewichts- und Qualitätseinbußen kam es bald zu einem regelrechten Mehl- und Brotmangel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die durch den Mangel an Lebensmitteln hervorgerufenen Preistreibereien zu unterbinden, wurden die Preise für Grundnahrungsmittel, Bier, Kerzen und Seifen amtlich festgelegt. Dennoch blühte bald, vor allem aber im Sommer, der Schwarzhandel auf dem Stephansplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach dem Einmarsch requirierten französische Kommissäre die städtische Oberkammeramtskassa mit 500.000 Gulden Konventionsmünze und – vermutlich aufgrund einer Denunziation – vier Millionen Gulden (andere Quellen sprechen von zwei bis 14 Millionen) in Bankozetteln, die im Rathaus verwahrt worden waren, ebenso wie die Kassa des Hofkriegsrates mit fünf Millionen Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das französische Oberkommando damit beschäftigt war, sich einen Übergang über die Donau zu erkämpfen, nachdem die Österreicher bei ihrem Rückzug die Brücken über die Donau zerstört hatten, kehrte wenige Tage nach der Kapitulation bereits wieder der Alltag in Wien ein. In den Wiener Theatern wurde wieder gespielt, die Gasthäuser, Cafés und Tanzlokale waren gut besucht – die Cafébetreiber und Gastwirte hatten allerdings dafür zu sorgen, dass von den Gästen keine franzosenfeindlichen Äußerungen kamen. Im Juni wurde vom Franzosen Chretien auf der Burgbastei sogar ein französisches Restaurant eröffnet, das regen Zuspruch unter den Wienern fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 16. Mai empfing der Komponist [[Joseph Haydn]] als letzten Gast vor seinem Tod am 31. Mai in seinem Haus, das Napoleon unter Schutz gestellt hatte, den französischen Husarenhauptmann Clément Soulémy, der ihm eine Arie aus der „Schöpfung“ vorsang. Bei der Trauerfeier zu seinem Gedenken am 15. Juni fanden sich abgesehen von den tausenden Schaulustigen auch prominente französische Besucher wie der Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118727834&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/denon-dominique-vivant-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der Schottenkirche ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor Napoleon den Donauübergang mit seiner Armee abgeschlossen hatte, erlitt er am 21./22. Mai 1809 bei Aspern und Essling (heute 22. Wiener Gemeindebezirk) eine Niederlage gegen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Carl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_von_%C3%96sterreich-Teschen&amp;lt;/ref&amp;gt;. Tausende Verwundete wurden in die Stadt gebracht. Die Kasernen und Spitäler reichten allerdings nicht aus, um alle zu versorgen, obwohl die Wiener Bürger tatkräftig mithalfen. Die Franzosen erhielten in den Spitälern bevorzugte Behandlung. Als die Zahl der französischen Kranken und Blessierten auf 17 bis 18.000 stieg, was nach Aussage französischer Oberärzte auch auf die zahlreichen venerisch und an Diarrhoe erkrankten Franzosen zurückzuführen war, wurden die kranken Österreicher kurzerhand ausquartiert und in schlechter ausgestattete Gebäude verlegt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:13 Johann Peter Krafft Erzherzog Carl.jpg|Johann Peter Krafft (1780 –1856): Erzherzog Carl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern, 1809 (1819)&lt;br /&gt;
Datei:14 Wilhelm Richter Kampf um den Kirchhof.jpg|Wilhelm Richter (1824 – 1892): Kampf um den Kirchhof von Aspern 1809&lt;br /&gt;
Datei:15 O. Meixner Angriff französischer leichter Kavallerie.jpg|O. Meixner, Angriff französischer leichter Kavallerie auf österreichische Infanterie in der Schlacht bei Aspern 1809, (1813)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der taktischen Niederlage bei Aspern bereitete Napoleon seine Truppen auf der Insel Lobau östlich von Wien für einen zweiten Angriff vor. In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 besiegten die durch die Italienarmee unter Eugène de Beauharnais verstärkten Truppen Napoleons die österreichische Armee. Nach diesem Sieg ordnete Napoleon die neuerliche Befestigung Wiens an – zusätzliche Palisaden und Schutzwälle wurden errichtet, 100 Geschütze auf den Stadtmauern aufgestellt und eine Garnison von 6.000 Mann abgestellt. Die Zahl der in Wien befindlichen kranken und verwundeten Soldaten – Franzosen wie Österreicher – stieg auf 36.000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12 Wien Museum Online Sammlung 13510 1-2.jpg||thumb|Unbekannt, Plan der Lobau mit den französischen Verschanzungen, 1809]]Am 10. und 11. Juli 1809 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Znaim, die mit dem Waffenstillstand vom 22. Juli das Ende des Fünften Koalitionskrieges einleitete. Während seines erneuten Aufenthaltes in Wien hielt Napoleon vormittags des Öfteren in Schönbrunn oder auf der Schmelz (einem Parade- und Exerzierplatz, heute 15. Wiener Gemeindebezirk) Paraden seiner Truppen ab, für die Wiener Bevölkerung stets Spektakel, die zahlreiche Schaulustige anlockten. Bei einer dieser Paraden am 12. Oktober 1809 verübte der 17-jährige Lehrling Friedrich Staps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_Staps&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Pastorensohn aus Erfurt, einen Attentatsversuch auf Napoleon – er wollte ihn mit einem im Wams versteckten Küchenmesser auf der Ehrenhofstiege des Schlosses Schönbrunn ermorden. Durch die Wachsamkeit eines französischen Offiziers konnte das Attentat verhindert werden. Staps soll daraufhin von Napoleon persönlich verhört worden sein und wurde schließlich durch ein Erschießungskommando der württembergischen Infanterie standrechtlich hingerichtet.&lt;br /&gt;
Napoleon, dessen Vorliebe für italienische Opern bekannt war, besuchte mehrmals Opernaufführungen und Konzerte im Schönbrunner Schlosstheater, zu denen auch geladene Gäste Zutritt hatten, darunter die Schriftstellerin und Salonnière [[Caroline Pichler]]. Meist wurde allerdings nur ein Akt aufgeführt, gefolgt von einem Ballett. Die Akteure wurden von ihm stets reichlich beschenkt, auch wenn ihm ein Stück nicht gefiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits erwähnte Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon, war im Auftrag Napoleons nach Wien gekommen, um eine Auswahl von Gemälden aus der kaiserlichen Bildergalerie im Belvedere und aus adeligen Kollektionen sowie von Manuskripten und Büchern aus der Hofbibliothek vorzunehmen, die Napoleon dann nach Paris verbringen ließ. Das Kaiserliche Zeughaus wurde zum zweiten Mal Opfer einer organisierten Plünderung – 140, zum Teil sehr wertvolle, Harnische wurden abtransportiert –, nur ein kleiner Teil wurde nach 1815 retourniert. 1809 wurde aber auch das Bürgerliche Zeughaus geplündert und verlor fast den gesamten Artilleriebestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. August wurde der 40. Geburtstag Napoleons zu einem großen Ereignis. Um 9 Uhr fand eine große Parade in Schönbrunn statt; gleichzeitig wurden von den Stadtmauern 60 Kanonenschüsse abgegeben und alle Glocken geläutet.  Generalmajor Ferdinand Graf von Bubna und Littitz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/122.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; überbrachte als Abgesandter des Kaisers die Glückwünsche Kaiser Franzʼ I. Gegen 16 Uhr fand in dem mit historischen Gobelins geschmückten Stephansdom eine feierliche Messe statt, an der Napoleon allerdings nicht persönlich teilnahm und stattdessen seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais entsandte. Um 17 Uhr gab Gouverneur Andréossy ein Bankett für 200 Personen in der Hofburg, zu dem neben den französischen Marschällen und Generälen auch österreichische Adelige und die Honoratioren der Stadt sowie die österreichischen Friedensunterhändler eingeladen waren. Die Bürger wurden mittels öffentlichem Anschlag (Befehl des Generalgouverneurs) aufgefordert, ihre Häuser am Abend des 15. zu beleuchten. Im Augarten (historischer Garten aus dem 17. und 18. Jahrhundert im heutigen zweiten Wiener Gemeindebezirk) wurden Tische und Bänke für die Ausspeisung von rund 1.000 französischen Soldaten aufgestellt. Feuerwerke und Konzerte machten das Geburtstagsfest zu einem Spektakel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 brachte neuerlich weitreichende Gebietsverluste für Österreich. Die von Napoleon geforderte Kriegsentschädigung wurde mit 85 Millionen Francs festgesetzt, was die Habsburgermonarchie letztlich 1813 in den Staatsbankrott treiben sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am folgenden Tag reiste Napoleon von Schönbrunn ab. Seine Truppen verblieben noch bis Mitte November in Wien. Wenige Wochen vor ihrem Abzug sprengten die Franzosen noch einen Teil der Wiener Stadtbefestigungen, von denen 1816/1817 nur die Mölker-, Löwel- und Augustinerbastei wiederaufgebaut wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. November rückten die österreichischen Truppen wieder in Wien ein, einen Tag später zog Kaiser Franz, unter dem Jubel der Wiener Bevölkerung und in Begleitung der Bürgerkavallerie, feierlich in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bled, Jean-Paul: Wien. Residenz – Metropole – Hauptstadt. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2002, S. 85–91.&lt;br /&gt;
*Ma, Klaralinda: Wien 1809. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien, 2009 (Wiener Geschichtsblätter Beiheft 2).&lt;br /&gt;
*Öhlinger, Walter: Wien im Aufbruch zur Moderne. Wien: Pichler1999, S. 9–17.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: „Vive lʼempereur, weilʼs sein muß“. Geschichte in Quellen und Zeitzeugenberichten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 1999.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Napoleon vor Wien. Quellen und Augenzeugenberichte, mit Dokumenten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 2000.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Gott erhalte! Wendepunkt 1809 – Österreichs Sieg über Napoleon. Augenzeugen berichten die wahre Geschichte von 1805 bis 1815. Wien: Stöhr 2009.&lt;br /&gt;
*Sachslehner, Johannes: Napoleon in Wien. Fakten und Legenden. Wien-Graz-Klagenfurt: Pichler 2008. &lt;br /&gt;
*Schembor, Friedrich Wilhelm: Franzosen in Wien: Einwanderer und Besatzer. Französische Revolution und napoleonische Besatzung in den österreichischen Polizeiakten. Bochum: Dieter Winkler 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Claudia Reichl-Ham&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 18/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|L’occupation_française_de_Vienne_en_1805/1806_et_1809}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Richard_Thieberger&amp;diff=1219</id>
		<title>Richard Thieberger</title>
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		<updated>2026-04-09T09:27:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Primärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Richard Thieberger (* 3. März 1913 in Wien, † 16. Juni 2013 in Nizza) ist ein Wissenschaftler österreichischer Herkunft, der 1938 die französische Staatsbürgerschaft annahm. Seine doppelte Ausbildung als Germanist und Romanist sowie die historischen Umstände, die ihn dazu zwangen, vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich ins Exil zu gehen, machten ihn zu einer zentralen Figur im kulturellen Austausch zwischen Frankreich, Deutschland und Österreich und zu einem unermüdlichen Förderer der österreichischen Kultur und Literatur in Frankreich – sowohl durch sein institutionelles Engagement, als auch durch sein kritisches und übersetzerisches Werk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Richard Thieberger besuchte das Reform-Real-Gymnasium in Wien, bevor er an der Universität ein dreifaches Studium der Germanistik, Romanistik und Psychologie absolvierte, unter anderem bei Karl Bühler (1879–1963), dem berühmten Sprachtheoretiker. Die Vielfalt seiner Interessen sollte sich in den zahlreichen Tätigkeitsbereichen widerspiegeln, die seine reichhaltige akademische Laufbahn prägen. 1935 verteidigt er an der Universität Wien eine Dissertation über die Gattung Hörspiel. Schon in jungen Jahren lernt er Oskar Jellinek kennen, einen in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller, dessen Werk er in Frankreich durch kritische Studien und Übersetzungen bekannt macht. Richard Thieberger zeigt schon sehr früh Interesse an Sprache und theoretischen Überlegungen im Zusammenhang mit dem Erlernen von Fremdsprachen im Hochschulbereich,&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1979&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Theater und mit Literatur – drei Bereiche, die sowohl im Mittelpunkt seiner Lehr- als auch seiner Forschungstätigkeit stehen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1934 kommt er im Rahmen eines französisch-österreichischen Austauschprogramms mit seiner Frau Jenny, geborene Weiss, nach Paris und erhält eine Stelle als Deutschassistent am Lycée de garçons in Reims. Von 1936 bis 1939 ist er Dozent an der Universität Caen. Nach dem Anschluss beantragen Jenny und Richard Thieberger die französische Staatsbürgerschaft, die ihnen im Dezember 1938 gewährt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nivelle 1982: 9&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihre erste Tochter, Annie Eveline, wird 1939 geboren. Aufgrund seiner Einbürgerung wird er ab September 1939 zum Militärdienst in der französischen Armee einberufen. Seine Frau Jenny und ihre Tochter fliehen aus Caen. Nach zwei Jahren im Militärdienst (1939–1940) kehrt er zu seiner Familie in die freie Zone nach Poitiers zurück, wo er im August 1940 aus dem Dienst entlassen wird. Von Dezember 1940 bis März 1944 ist Thieberger Lektor für Deutsch an der Universität Toulouse, einer Stadt, in der seine Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den deutschen Besatzern und dem Vichy-Regime bedroht ist. Dank des Mutes mehrerer Menschen und nach einer Reihe abenteuerlicher Ereignisse entgeht die Familie Thieberger nur knapp der Verhaftung. Am 3. März 1944, dem Tag seines einunddreißigsten Geburtstags, dringt die Gestapo in das Gebäude ein, in dem die Thiebergers in Toulouse wohnen, und klopft an die Tür von Dr. Diego Diaz, ihrem Nachbarn, einem spanischen Flüchtling, der im Widerstand aktiv ist. Dieser tut so, als verstehe er nichts, und nutzt dann den Moment, in dem die Beamten die Hausmeisterin befragen, um hinaufzugehen und Jenny Thieberger zu warnen, die mit ihren Kindern allein zurückgeblieben ist. Auf seinen Rat hin versteckt sie sich in einer Mansarde im fünften Stock. Als die Gestapo zurückkehrt und die Wohnung der Thiebergers durchsucht, während sie Diego Diaz mit einem Gewehr bedroht, ist diese leer . Die Kinder werden daraufhin zu ihrer eigenen Sicherheit getrennt: Die kleine Jacqueline, 1944 in Toulouse geboren und somit noch ein Säugling, wird Carmen Diaz anvertraut, während Annie auf Wunsch von Diego Diaz&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Diego-Diaz-3838.html&amp;lt;/ref&amp;gt; von Jean Boyer&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Boyer-Jean-3836.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, einem Deutschprofessor an der Universität Toulouse, und seiner Frau Louise aufgenommen wird. Jenny Thieberger gelingt es, ihren Mann zu warnen, bevor er nach Hause zurückkommt. Am selben Tag nehmen Louise und Jean Boyer Kontakt zu Erzbischof Jules Saliège von Toulouse auf, der in enger Zusammenarbeit mit dem Rektor des Katholischen Instituts von Toulouse, Mgr. de Solages, für die Familie Thieberger bis zum Abzug der deutschen Truppen im August 1944 Verstecke findet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Befreiung Frankreichs kehrt Richard Thieberger nach Toulouse zurück, wo er seine Stelle als Dozent an der Universität wieder aufnimmt. Dort ist er auch aktiv an der Gründung der ,Abenduniversität’ beteiligt, einer Initiative, die darauf abzielte, den Zugang zu Kultur und Hochschulbildung zu erweitern; in dieser neuen Einrichtung leitet er die Abteilung für ausländische Kulturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab August 1945 tritt Thieberger in den Dienst der französischen Kulturarbeit in Deutschland, zunächst in Freudenstadt, wo er für die Aufsicht über das öffentliche Bildungswesen in Württemberg zuständig ist, dann in Tübingen, wo er bis 1952 als Kulturoffizier tätig ist. Nach dem Erwerb der Agrégation für Deutsch im Jahr 1951 wird er an die französische Botschaft in Mainz versetzt und bekleidet dort bis 1958 das Amt des Leiters des Büros für Verlagswesen und Literatur. Anschließend lehrt er (1958–1964) am Institut für Dolmetschen in Germersheim, das der Universität Mainz angegliedert ist, wo er für den Unterricht in französischer Landeskunde sowie für den Bereich des Simultan- und Konsekutivdolmetschens verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Jahr als Deutschlehrer am Lycée Fustel de Coulanges in Straßburg (1964–1965) wird Thieberger &#039;&#039;Maître-assistant&#039;&#039; am Institut für Germanistik der Universität Straßburg, bevor er 1967 an die Universität Nizza wechselt, zunächst als Lehrbeauftragter, dann ab 1970 bis zu seiner Emeritierung 1982 als Universitätsprofessor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kulturelle Vermittlung zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Während seiner gesamten erfolgreichen Laufbahn als Diplomat und Wissenschaftler spielt Richard Thieberger eine führende Rolle bei der Verbreitung der österreichischen Literatur und Kultur in Frankreich. Zunächst durch seine Tätigkeit als Theaterübersetzer, insbesondere von drei Stücken von Fritz Hochwälder: &#039;&#039;Das heilige Experiment&#039;&#039; (&#039;&#039;Sur la terre comme au ciel&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1952&amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;Der öffentliche Ankläger&#039;&#039; (&#039;&#039;L’Accusateur public&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1965&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Donadieu. Die Herberge&#039;&#039; (&#039;&#039;Donadieu ou La Grâce d’Alès&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie von &#039;&#039;Die Geburt Homers&#039;&#039; (&#039;&#039;La Naissance d’Homère&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Jellinek 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; von Oskar Jellinek, einem in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller – zwei Autoren, mit denen er befreundet ist und denen er auch mehrere kritische Studien widmen sollte. Dann durch seine Rolle bei der Institutionalisierung der Österreichstudien in Frankreich. Als früher Weggefährte von [[Felix Kreissler]] ist er ab 1973 an der Gründung des Centre d’études et de recherches autrichiennes (CERA) der Universität Rouen beteiligt, später am Redaktionskomitee der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039;, deren Gründungsmitglied er 1975 ist. Thieberger verdanken wir neben zahlreichen Kolumnen und Rezensionen zu Werken der österreichischen Literatur und Kultur in den Spalten der Zeitschrift auch die Herausgabe von zwei Themenheften, eines zum Thema „Der Roman im 20. Jahrhundert. Traditionen und Übergänge“ (1977)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1977_num_4_1&amp;lt;/ref&amp;gt;, das andere zum Thema „Nach Frankreich emigrierte österreichische Schriftsteller“ (1984)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1984_num_19_1&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Universität Nizza trägt er als Direktor des Instituts für Deutsche und Österreichische Studien sowie des Zentrums für Österreichische Forschung der Universität Nizza (C.R.A.N.), gemeinsam mit einer anderen Österreich-Germanistin, Gertrude Stolwitzer, zur Strukturierung des Fachgebiets ,Austriazistik’ in Frankreich bei. In Nizza veranstaltet Thieberger im April 1979 eine große internationale Tagung zu [[Hermann Broch]], deren Tagungsband er im folgenden Jahr herausgibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1980&amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich ist er Autor einer Vielzahl kritischer Studien, die in renommierten Zeitschriften veröffentlicht werden und sich mit österreichischen Autoren wie [[Franz Grillparzer|Grillparzer]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Franz Kafka|Kafka]], [[Stefan Zweig|Zweig]] und Urzidil&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen – ein Engagement, das ihn ganz natürlich dazu veranlasste, sich mit der Definition der österreichischen Literatur und ihren Besonderheiten auseinanderzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1984&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Frage durchzieht sein gesamtes kritisches Werk, was auch seine 1968 an der Sorbonne verteidigte Habilitationsschrift über das Genre der Novelle bestätigt. Diese befasst sich zwar unter anderem mit Goethe, Kleist und Thomas Mann, räumt aber auch [[Robert Musil]], Franz Kafka und Oskar Jellinek einen besonderen Stellenwert ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Le genre de la nouvelle dans la littérature allemande, par Richard Thieberger. Paris: Minard (Publications de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice; 2) 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbreitung der französischen Literatur im deutschsprachigen Raum==&lt;br /&gt;
Neben seiner Tätigkeit als Germanist hat sich Thieberger unermüdlich dafür eingesetzt, die französische Literatur im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Auch in diesem Bereich verfolgen seine Forschungen einen entschieden komparatistischen Ansatz, der sich auf die Textanalyse und die Rezeptionspsychologie, die Übersetzungswissenschaft (insbesondere im Bereich des Theaters), die Stilistik und die Funktion der literarischen Sprache konzentriert. So hat er eine zusammenfassende Einführung in das Werk von Albert Camus&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1961&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Deutsch vorgelegt sowie in Mitherausgabe zwei Ausgaben der Zeitschrift &#039;&#039;La revue des lettres modernes&#039;&#039; mit dem Titel &#039;&#039;Configuration critique d’Albert Camus&#039;&#039;, deren zweiter Teil dem Thema „Camus angesichts der deutschsprachigen Kritik“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger/Matthews 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das breite Spektrum seiner Forschungsinteressen veranlasste ihn auch, seine theoretischen Überlegungen zur Stellung der Stilistik als junge Disziplin innerhalb der Sprach- und Literaturwissenschaft zu systematisieren. In diesem Bereich stützen sich seine Ansätze sowohl auf Camus’ &#039;&#039;La Peste&#039;&#039;, als auch auf die Lyrik von Paul Valéry, Balzacs &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; oder den Nouveau roman, wie beispielsweise &#039;&#039;Les Gommes&#039;&#039; von Alain Robbe-Grillet.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1966&amp;lt;/ref&amp;gt; Giraudoux, Sartre, Anouilh und Beckett sind die weiteren bedeutenden Persönlichkeiten der französischsprachigen Literatur, zu denen ihn seine hervorragende Kenntnis des Theaters und sein lebhaftes Interesse an der Bühne führten. Auch seine Studien zur Rezeption der französischen Literatur widmen sich zum großen Teil der Stilistik, der Übersetzung und der Werkrezeption, und zwar aus einer komparatistischen Perspektive, die von der &#039;&#039;Sprachtheorie&#039;&#039; seines Mentors Bühler inspiriert ist, in der dieser die „repräsentative Funktion der Sprache“ als „Organon“ entwickelt, das seiner Ansicht nach dem Menschen eigen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Bühler 1934&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil auch durch seine Einordnung in diese Wiener Tradition hat Thieberger eine originelle Reflexion über die Rolle des Stils und über die spezifischen Schwierigkeiten der Übersetzung entwickelt, insbesondere der Theaterübersetzung, die sowohl als sprachlicher als auch als kultureller Anpassungsprozess betrachtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1991 https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Erfahrung als Übersetzer österreichischer Theaterstücke nährt eine pragmatische Reflexion über die Grenzen der sprachlichen und kulturellen Übertragung, insbesondere was die Sprachebenen und die Suche nach geeigneten Lösungen anbelangt, um die Eigenschaften, die die Oralität des Textes ausmachen, im übersetzten Text beizubehalten. Getreu seiner Rolle als Vermittler zwischen Sprachen und Kulturen nimmt Thieberger auch hier fast immer einen vergleichenden Standpunkt ein, der sich auf seine perfekte Kenntnis der Wiener Theatertradition und der französischen Literatur stützt. Der Kern seines Standpunkts lässt sich in folgenden Worten zusammenfassen:  „Ein Boulevardstück ins Deutsche zu übersetzen ist eine unlösbare Aufgabe. Die Ebene des ,Boulevard’-Stils ist wegen der dominanten Stellung von Paris nationalisiert, zentralisiert und einzigartig in Frankreich. Vielleicht spielte Wien in der alten österreichisch-ungarischen Monarchie eine ähnliche Rolle. Aber für sämtliche deutschsprachigen Länder kann im 20. Jahrhundert keine Metropole ein solches Übergewicht für sich beanspruchen. Daher gibt es auf der ,Boulevard’-Ebene keine gemeinsame Sprache. Sobald man unter einen bestimmten literarischen Stil fällt, muss man den Kontakt zu einer bestimmten Region oder Stadt suchen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1972: 79&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die zahlreichen Facetten seiner Arbeit erscheint Richard Thieberger daher als eine wichtige und originelle Persönlichkeit der Vermittlung zwischen der französischen und österreichischen Kultur, die nachhaltig zum Austausch von Werken, Ideen und Methoden zwischen diesen beiden Räumen beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. [Das Organon-Modell]. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1934.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Albert Camus. Eine Einführung in sein dichterisches Werk. Frankfurt/M., Bonn: Verlag Moritz Diesterweg 1961.&lt;br /&gt;
*Thieberger Richard/Matthews J.H. (Hrsg.): Configuration critique d’Albert Camus, Bd. 2, Camus devant la critique de langue allemande. Paris: Minard, La Revue des lettres modernes 7 (1963). &lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: À propos des stylistiques. In: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Bd. 76, H. 2/4 (1966), S. 246–263 ; https://www.jstor.org/stable/40616148&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Kafka, Camus et la sémantique historique : Réflexions méthodologiques sur la recherche littéraire. In: Comparative literature studies (Urbana, University of Maryland), 1967-01, Bd. 4 (3), S. 319–326.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: La traduction. In: Langages 28 (Dezember 1972), S. 75–84.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Les langues vivantes dans l’enseignement supérieur : études didactiques. Paris: Les Belles Lettres (Annales de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice, 36) 1979.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Hermann Broch und seine Zeit. Akten des Internationalen Broch-Symposiums Nice. Bern u.a.: Peter Lang (Jahrbuch für internationale Germanistik. Reihe A, Kongressberichte; 6) 1980.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Überlegungen zum Begriff des ‚österreichischen Dichters‘. In: Modern Austrian Literature, Bd. 17, Nr. 3/4, Special Issue: Perspectives on the Question of Austrian Literature (1984), S. 17–27. https://www.jstor.org/stable/24647314&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: L’écrit et l’oral. Réflexions sur la langue au théâtre. In: Cahiers d’études germaniques 1991, Bd. 20 (1), S. 49–53.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Nivelle, Armand: À propos de Richard Thieberger. In: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982, S. 9–12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen===&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu, suivi de L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: La table Ronde 1955.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz : Sur la terre comme au ciel, trad. par Richard Thieberger. Paris: La Table ronde 1952; Paris: Seuil 1964.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: L’Avant-Scène 1965.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu ou La Grâce d’Alès, suivi de L’Auberge Donadieu, trad. par Richard Thieberger. Rouen: Publications de l’université de Rouen 1982.&lt;br /&gt;
*Jellinek, Oskar: La Naissance d’Homère, trad. par Richard Rhieberger. Paris: M. J. Minard 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 09/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Richard_Thieberger}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Thieberger, Richard}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Richard Thieberger</title>
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		<updated>2026-04-09T09:27:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Richard Thieberger (* 3. März 1913 in Wien, † 16. Juni 2013 in Nizza) ist ein Wissenschaftler österreichischer Herkunft, der 1938 die französische Staatsbürgerschaft annahm. Seine doppelte Ausbildung als Germanist und Romanist sowie die historischen Umstände, die ihn dazu zwangen, vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich ins Exil zu gehen, machten ihn zu einer zentralen Figur im kulturellen Austausch zwischen Frankreich, Deutschland und Österreich und zu einem unermüdlichen Förderer der österreichischen Kultur und Literatur in Frankreich – sowohl durch sein institutionelles Engagement, als auch durch sein kritisches und übersetzerisches Werk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Richard Thieberger besuchte das Reform-Real-Gymnasium in Wien, bevor er an der Universität ein dreifaches Studium der Germanistik, Romanistik und Psychologie absolvierte, unter anderem bei Karl Bühler (1879–1963), dem berühmten Sprachtheoretiker. Die Vielfalt seiner Interessen sollte sich in den zahlreichen Tätigkeitsbereichen widerspiegeln, die seine reichhaltige akademische Laufbahn prägen. 1935 verteidigt er an der Universität Wien eine Dissertation über die Gattung Hörspiel. Schon in jungen Jahren lernt er Oskar Jellinek kennen, einen in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller, dessen Werk er in Frankreich durch kritische Studien und Übersetzungen bekannt macht. Richard Thieberger zeigt schon sehr früh Interesse an Sprache und theoretischen Überlegungen im Zusammenhang mit dem Erlernen von Fremdsprachen im Hochschulbereich,&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1979&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Theater und mit Literatur – drei Bereiche, die sowohl im Mittelpunkt seiner Lehr- als auch seiner Forschungstätigkeit stehen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1934 kommt er im Rahmen eines französisch-österreichischen Austauschprogramms mit seiner Frau Jenny, geborene Weiss, nach Paris und erhält eine Stelle als Deutschassistent am Lycée de garçons in Reims. Von 1936 bis 1939 ist er Dozent an der Universität Caen. Nach dem Anschluss beantragen Jenny und Richard Thieberger die französische Staatsbürgerschaft, die ihnen im Dezember 1938 gewährt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nivelle 1982: 9&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihre erste Tochter, Annie Eveline, wird 1939 geboren. Aufgrund seiner Einbürgerung wird er ab September 1939 zum Militärdienst in der französischen Armee einberufen. Seine Frau Jenny und ihre Tochter fliehen aus Caen. Nach zwei Jahren im Militärdienst (1939–1940) kehrt er zu seiner Familie in die freie Zone nach Poitiers zurück, wo er im August 1940 aus dem Dienst entlassen wird. Von Dezember 1940 bis März 1944 ist Thieberger Lektor für Deutsch an der Universität Toulouse, einer Stadt, in der seine Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den deutschen Besatzern und dem Vichy-Regime bedroht ist. Dank des Mutes mehrerer Menschen und nach einer Reihe abenteuerlicher Ereignisse entgeht die Familie Thieberger nur knapp der Verhaftung. Am 3. März 1944, dem Tag seines einunddreißigsten Geburtstags, dringt die Gestapo in das Gebäude ein, in dem die Thiebergers in Toulouse wohnen, und klopft an die Tür von Dr. Diego Diaz, ihrem Nachbarn, einem spanischen Flüchtling, der im Widerstand aktiv ist. Dieser tut so, als verstehe er nichts, und nutzt dann den Moment, in dem die Beamten die Hausmeisterin befragen, um hinaufzugehen und Jenny Thieberger zu warnen, die mit ihren Kindern allein zurückgeblieben ist. Auf seinen Rat hin versteckt sie sich in einer Mansarde im fünften Stock. Als die Gestapo zurückkehrt und die Wohnung der Thiebergers durchsucht, während sie Diego Diaz mit einem Gewehr bedroht, ist diese leer . Die Kinder werden daraufhin zu ihrer eigenen Sicherheit getrennt: Die kleine Jacqueline, 1944 in Toulouse geboren und somit noch ein Säugling, wird Carmen Diaz anvertraut, während Annie auf Wunsch von Diego Diaz&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Diego-Diaz-3838.html&amp;lt;/ref&amp;gt; von Jean Boyer&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.ajpn.org/juste-Boyer-Jean-3836.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, einem Deutschprofessor an der Universität Toulouse, und seiner Frau Louise aufgenommen wird. Jenny Thieberger gelingt es, ihren Mann zu warnen, bevor er nach Hause zurückkommt. Am selben Tag nehmen Louise und Jean Boyer Kontakt zu Erzbischof Jules Saliège von Toulouse auf, der in enger Zusammenarbeit mit dem Rektor des Katholischen Instituts von Toulouse, Mgr. de Solages, für die Familie Thieberger bis zum Abzug der deutschen Truppen im August 1944 Verstecke findet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Befreiung Frankreichs kehrt Richard Thieberger nach Toulouse zurück, wo er seine Stelle als Dozent an der Universität wieder aufnimmt. Dort ist er auch aktiv an der Gründung der ,Abenduniversität’ beteiligt, einer Initiative, die darauf abzielte, den Zugang zu Kultur und Hochschulbildung zu erweitern; in dieser neuen Einrichtung leitet er die Abteilung für ausländische Kulturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab August 1945 tritt Thieberger in den Dienst der französischen Kulturarbeit in Deutschland, zunächst in Freudenstadt, wo er für die Aufsicht über das öffentliche Bildungswesen in Württemberg zuständig ist, dann in Tübingen, wo er bis 1952 als Kulturoffizier tätig ist. Nach dem Erwerb der Agrégation für Deutsch im Jahr 1951 wird er an die französische Botschaft in Mainz versetzt und bekleidet dort bis 1958 das Amt des Leiters des Büros für Verlagswesen und Literatur. Anschließend lehrt er (1958–1964) am Institut für Dolmetschen in Germersheim, das der Universität Mainz angegliedert ist, wo er für den Unterricht in französischer Landeskunde sowie für den Bereich des Simultan- und Konsekutivdolmetschens verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Jahr als Deutschlehrer am Lycée Fustel de Coulanges in Straßburg (1964–1965) wird Thieberger &#039;&#039;Maître-assistant&#039;&#039; am Institut für Germanistik der Universität Straßburg, bevor er 1967 an die Universität Nizza wechselt, zunächst als Lehrbeauftragter, dann ab 1970 bis zu seiner Emeritierung 1982 als Universitätsprofessor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kulturelle Vermittlung zwischen Frankreich und Österreich==&lt;br /&gt;
Während seiner gesamten erfolgreichen Laufbahn als Diplomat und Wissenschaftler spielt Richard Thieberger eine führende Rolle bei der Verbreitung der österreichischen Literatur und Kultur in Frankreich. Zunächst durch seine Tätigkeit als Theaterübersetzer, insbesondere von drei Stücken von Fritz Hochwälder: &#039;&#039;Das heilige Experiment&#039;&#039; (&#039;&#039;Sur la terre comme au ciel&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1952&amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;Der öffentliche Ankläger&#039;&#039; (&#039;&#039;L’Accusateur public&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1965&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Donadieu. Die Herberge&#039;&#039; (&#039;&#039;Donadieu ou La Grâce d’Alès&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Hochwälder 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie von &#039;&#039;Die Geburt Homers&#039;&#039; (&#039;&#039;La Naissance d’Homère&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Jellinek 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; von Oskar Jellinek, einem in Brünn (Tschechoslowakei) geborenen österreichischen jüdischen Schriftsteller – zwei Autoren, mit denen er befreundet ist und denen er auch mehrere kritische Studien widmen sollte. Dann durch seine Rolle bei der Institutionalisierung der Österreichstudien in Frankreich. Als früher Weggefährte von [[Felix Kreissler]] ist er ab 1973 an der Gründung des Centre d’études et de recherches autrichiennes (CERA) der Universität Rouen beteiligt, später am Redaktionskomitee der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039;, deren Gründungsmitglied er 1975 ist. Thieberger verdanken wir neben zahlreichen Kolumnen und Rezensionen zu Werken der österreichischen Literatur und Kultur in den Spalten der Zeitschrift auch die Herausgabe von zwei Themenheften, eines zum Thema „Der Roman im 20. Jahrhundert. Traditionen und Übergänge“ (1977)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1977_num_4_1&amp;lt;/ref&amp;gt;, das andere zum Thema „Nach Frankreich emigrierte österreichische Schriftsteller“ (1984)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/issue/austr_0396-4590_1984_num_19_1&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Universität Nizza trägt er als Direktor des Instituts für Deutsche und Österreichische Studien sowie des Zentrums für Österreichische Forschung der Universität Nizza (C.R.A.N.), gemeinsam mit einer anderen Österreich-Germanistin, Gertrude Stolwitzer, zur Strukturierung des Fachgebiets ,Austriazistik’ in Frankreich bei. In Nizza veranstaltet Thieberger im April 1979 eine große internationale Tagung zu [[Hermann Broch]], deren Tagungsband er im folgenden Jahr herausgibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1980&amp;lt;/ref&amp;gt; Schließlich ist er Autor einer Vielzahl kritischer Studien, die in renommierten Zeitschriften veröffentlicht werden und sich mit österreichischen Autoren wie [[Franz Grillparzer|Grillparzer]], [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Hermann Broch|Broch]], [[Franz Kafka|Kafka]], [[Stefan Zweig|Zweig]] und Urzidil&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1982&amp;lt;/ref&amp;gt; befassen – ein Engagement, das ihn ganz natürlich dazu veranlasste, sich mit der Definition der österreichischen Literatur und ihren Besonderheiten auseinanderzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1984&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Frage durchzieht sein gesamtes kritisches Werk, was auch seine 1968 an der Sorbonne verteidigte Habilitationsschrift über das Genre der Novelle bestätigt. Diese befasst sich zwar unter anderem mit Goethe, Kleist und Thomas Mann, räumt aber auch [[Robert Musil]], Franz Kafka und Oskar Jellinek einen besonderen Stellenwert ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Le genre de la nouvelle dans la littérature allemande, par Richard Thieberger. Paris: Minard (Publications de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice; 2) 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbreitung der französischen Literatur im deutschsprachigen Raum==&lt;br /&gt;
Neben seiner Tätigkeit als Germanist hat sich Thieberger unermüdlich dafür eingesetzt, die französische Literatur im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen. Auch in diesem Bereich verfolgen seine Forschungen einen entschieden komparatistischen Ansatz, der sich auf die Textanalyse und die Rezeptionspsychologie, die Übersetzungswissenschaft (insbesondere im Bereich des Theaters), die Stilistik und die Funktion der literarischen Sprache konzentriert. So hat er eine zusammenfassende Einführung in das Werk von Albert Camus&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1961&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Deutsch vorgelegt sowie in Mitherausgabe zwei Ausgaben der Zeitschrift &#039;&#039;La revue des lettres modernes&#039;&#039; mit dem Titel &#039;&#039;Configuration critique d’Albert Camus&#039;&#039;, deren zweiter Teil dem Thema „Camus angesichts der deutschsprachigen Kritik“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger/Matthews 1963&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das breite Spektrum seiner Forschungsinteressen veranlasste ihn auch, seine theoretischen Überlegungen zur Stellung der Stilistik als junge Disziplin innerhalb der Sprach- und Literaturwissenschaft zu systematisieren. In diesem Bereich stützen sich seine Ansätze sowohl auf Camus’ &#039;&#039;La Peste&#039;&#039;, als auch auf die Lyrik von Paul Valéry, Balzacs &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; oder den Nouveau roman, wie beispielsweise &#039;&#039;Les Gommes&#039;&#039; von Alain Robbe-Grillet.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1966&amp;lt;/ref&amp;gt; Giraudoux, Sartre, Anouilh und Beckett sind die weiteren bedeutenden Persönlichkeiten der französischsprachigen Literatur, zu denen ihn seine hervorragende Kenntnis des Theaters und sein lebhaftes Interesse an der Bühne führten. Auch seine Studien zur Rezeption der französischen Literatur widmen sich zum großen Teil der Stilistik, der Übersetzung und der Werkrezeption, und zwar aus einer komparatistischen Perspektive, die von der &#039;&#039;Sprachtheorie&#039;&#039; seines Mentors Bühler inspiriert ist, in der dieser die „repräsentative Funktion der Sprache“ als „Organon“ entwickelt, das seiner Ansicht nach dem Menschen eigen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Bühler 1934&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil auch durch seine Einordnung in diese Wiener Tradition hat Thieberger eine originelle Reflexion über die Rolle des Stils und über die spezifischen Schwierigkeiten der Übersetzung entwickelt, insbesondere der Theaterübersetzung, die sowohl als sprachlicher als auch als kultureller Anpassungsprozess betrachtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1991 https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Erfahrung als Übersetzer österreichischer Theaterstücke nährt eine pragmatische Reflexion über die Grenzen der sprachlichen und kulturellen Übertragung, insbesondere was die Sprachebenen und die Suche nach geeigneten Lösungen anbelangt, um die Eigenschaften, die die Oralität des Textes ausmachen, im übersetzten Text beizubehalten. Getreu seiner Rolle als Vermittler zwischen Sprachen und Kulturen nimmt Thieberger auch hier fast immer einen vergleichenden Standpunkt ein, der sich auf seine perfekte Kenntnis der Wiener Theatertradition und der französischen Literatur stützt. Der Kern seines Standpunkts lässt sich in folgenden Worten zusammenfassen:  „Ein Boulevardstück ins Deutsche zu übersetzen ist eine unlösbare Aufgabe. Die Ebene des ,Boulevard’-Stils ist wegen der dominanten Stellung von Paris nationalisiert, zentralisiert und einzigartig in Frankreich. Vielleicht spielte Wien in der alten österreichisch-ungarischen Monarchie eine ähnliche Rolle. Aber für sämtliche deutschsprachigen Länder kann im 20. Jahrhundert keine Metropole ein solches Übergewicht für sich beanspruchen. Daher gibt es auf der ,Boulevard’-Ebene keine gemeinsame Sprache. Sobald man unter einen bestimmten literarischen Stil fällt, muss man den Kontakt zu einer bestimmten Region oder Stadt suchen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thieberger 1972: 79&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die zahlreichen Facetten seiner Arbeit erscheint Richard Thieberger daher als eine wichtige und originelle Persönlichkeit der Vermittlung zwischen der französischen und österreichischen Kultur, die nachhaltig zum Austausch von Werken, Ideen und Methoden zwischen diesen beiden Räumen beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. [Das Organon-Modell]. Jena: Verlag von Gustav Fischer 1934.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Albert Camus. Eine Einführung in sein dichterisches Werk. Frankfurt/M., Bonn: Verlag Moritz Diesterweg 1961.&lt;br /&gt;
*Thieberger Richard/Matthews J.H. (Hrsg.): Configuration critique d’Albert Camus, Bd. 2, Camus devant la critique de langue allemande. Paris: Minard, La Revue des lettres modernes 7 (1963). &lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: À propos des stylistiques. In: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, Bd. 76, H. 2/4 (1966), S. 246–263 ; https://www.jstor.org/stable/40616148&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Kafka, Camus et la sémantique historique : Réflexions méthodologiques sur la recherche littéraire. In: Comparative literature studies (Urbana, University of Maryland), 1967-01, Bd. 4 (3), S. 319–326.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: La traduction. In: Langages 28 (Dezember 1972), S. 75–84.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Les langues vivantes dans l’enseignement supérieur : études didactiques. Paris: Les Belles Lettres (Annales de la Faculté des lettres et sciences humaines de Nice, 36) 1979.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard (Hrsg.): Hermann Broch und seine Zeit. Akten des Internationalen Broch-Symposiums Nice. Bern u.a.: Peter Lang (Jahrbuch für internationale Germanistik. Reihe A, Kongressberichte; 6) 1980.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982.&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: Überlegungen zum Begriff des ‚österreichischen Dichters‘. In: Modern Austrian Literature, Bd. 17, Nr. 3/4, Special Issue: Perspectives on the Question of Austrian Literature (1984), S. 17–27. https://www.jstor.org/stable/24647314&lt;br /&gt;
*Thieberger, Richard: L’écrit et l’oral. Réflexions sur la langue au théâtre. In: Cahiers d’études germaniques 1991, Bd. 20 (1), S. 49–53. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/cetge_0751-4239_1991_num_20_1_1139&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Nivelle, Armand: À propos de Richard Thieberger. In: Gedanken über Dichter und Dichtungen. Les textes et les auteurs. 50 années de réflexion sur la littérature. Hrsg. von Alain Faure, Yvon Flesch und Armand Nivelle. Bern u.a.: Peter Lang 1982, S. 9–12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen===&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu, suivi de L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: La table Ronde 1955.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz : Sur la terre comme au ciel, trad. par Richard Thieberger. Paris: La Table ronde 1952; Paris: Seuil 1964.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: L’Accusateur public, trad. par Richard Thieberger. Paris: L’Avant-Scène 1965.&lt;br /&gt;
*Hochwälder, Fritz: Donadieu ou La Grâce d’Alès, suivi de L’Auberge Donadieu, trad. par Richard Thieberger. Rouen: Publications de l’université de Rouen 1982.&lt;br /&gt;
*Jellinek, Oskar: La Naissance d’Homère, trad. par Richard Rhieberger. Paris: M. J. Minard 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 09/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Richard_Thieberger}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Thieberger, Richard}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Kunst_und_Kunsthandwerk_(Monatsschrift_des_k._k._%C3%96sterreichischen_Museums_f%C3%BCr_Kunst_und_Industrie,_1898%E2%80%931921)&amp;diff=1217"/>
		<updated>2026-04-09T08:32:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Frankreich-Bezüge in der Zeitschrift */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die im Jahr 1898 unter dem Impuls des damaligen Museumsdirektors Arthur von Scala&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s144823.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; (1845–1909) aus den „Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie” („Monatsschrift für Kunst und Gewerbe“, 1865–1897) hervorgegangene Kunstzeitschrift dokumentiert die Wandlungen der Beziehungen des Museums für Kunst und Industrie und seiner Kunstgewerbeschule zu ausländischen, darunter auch französischen Institutionen (Musée des Arts décoratifs&amp;lt;ref&amp;gt;https://madparis.fr/Les-Arts-Decoratifs&amp;lt;/ref&amp;gt;, Musée de Cluny&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musee-moyenage.fr/lieu/la-creation-du-musee.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Manufacture de Sèvres&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.sevresciteceramique.fr/manufacture/une-manufacture-d-exception.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a.), Zeitschriften ([[Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)|&#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, &#039;&#039;L’Art décoratif&#039;&#039;, &#039;&#039;La Revue des Arts décoratifs&#039;&#039; u. a.)]], Wissenschaftlern und zeitgenössischen Künstlern (Eugène Grasset&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021884/2007-07-17/&amp;lt;/ref&amp;gt;, Jean-Baptiste Claude Odiot&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/ark:/12148/cb132814614&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Auguste Rodin]], René Lalique&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.laliquemuseum.nl/de/jetzt-zu-sehen/ueber-rene-lalique/&amp;lt;/ref&amp;gt;, Saint-André de Lignereux). Aus der kosmopolitischen Grundintention der Zeitschrift erwachsen neue Vernetzungen mit Beitragenden und Korrespondenten, die zumeist an besondere Anlässe (z. B. Weltausstellungen, Pariser Ausstellungsberichte) und Vermittlungsintentionen gebunden sind. Anhand der in der Zeitschrift vertretenen Korrespondenten ([[Auguste Marguillier]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/marguillier-auguste-inha&amp;lt;/ref&amp;gt;, Eugène Müntz, Robert Forrer) und ihrer Beziehungen zu den am Museum angestellten Kunsthistorikern (z.B. [[Alois Riegl]], von 1885 bis 1897 Custode der Textiliensammlung, und [[Hubert Janitschek]], von 1876 bis 1879 Custode der Möbel-Sammlung) lässt sich die Rolle des Museums in der Entwicklung einer „deutsch-französischen“ Kunstgeschichte&amp;lt;ref&amp;gt;Espagne 2011, 26–27&amp;lt;/ref&amp;gt; nachzeichnen. Dies liegt nicht zuletzt am angesprochenen Publikum, das sich aus den „Gebildeten aller Klassen“&amp;lt;ref&amp;gt;von Scala 1898, 1&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammensetzen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Internationalisierung des französischen Transfers==&lt;br /&gt;
Anders als Julius Meier-Graefes 1897 entstandene Zeitschrift &#039;&#039;Dekorative Kunst&#039;&#039;, die von 1898 bis 1903 ein Pendant in Paris unter dem Titel [[Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)|&#039;&#039;L’Art décoratif. Revue internationale d’art industriel et de décoration&#039;&#039;]], bzw. ab 1900 &#039;&#039;Revue mensuelle d’art contemporain&#039;&#039; veröffentlicht, ist Kunst und Kunsthandwerk ursprünglich keine internationale Zeitschrift. Und doch ist der Bezug zum Ausland und zu Auslandsberichterstattern bereits in den ersten Nummern zentral. Der Hauptfokus der Zeitschrift liegt auf der Vermittlung der institutionell geförderten Kunstproduktion des Vielvölkerstaates. Artikel über ausländische Künstler und Kunsthandwerker – darunter auch viele aus Frankreich – haben einen erbauenden, die eigene Produktion dynamisierenden Charakter. Sie stehen im Rahmen der Förderung der „Heimatkünste“ und der Bildung des österreichischen Publikums (i.e. Absatzmarktes) sowie der Wirkung und Rezeption der Künstler, Kunstprodukte und Kunst-Institutionen im Ausland. Bezeichnend für die in der Zeitschrift veröffentlichten Artikel über oder aus Frankreich ist ein komplexes Transfer-Verhältnis. Französisches Kunsthandwerk wird stets über einen internationalen Kontext wahrgenommen: Vergleiche mit Österreich-Ungarn, Großbritannien, dem Deutschen Kaiserreich und später mit den Vereinigten Staaten gehören zu jedem Bericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Vorgeschichte der Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die Gründe für das komplexe Transfer-Verhältnis der Zeitschrift liegen im geopolitischen Kontext sowie in der Vorgeschichte des Museums. Das [[Museum für Kunst und Industrie]] entsteht 1863 aus den Erkenntnissen des ersten Kunsthistorikers an der Universität Wien (1852), [[Rudolf von Eitelberger]] (1817–1885) während seiner Aufenthalte in London und Paris anlässlich der Weltausstellungen von 1855&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1855&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1862. Eitelbergers Blick auf Frankreichs Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien ist ein wichtiges Fundament seiner eigenen Reformbemühungen&amp;lt;ref&amp;gt;Espagne 2011, 20&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich in der ab 1867/1868 dem Museum zugehörenden [[Kunstgewerbeschule]] verwirklichen und Theorie und Praxis zusammendenken. Seine Verbindungen zu Frankreich – besonders als Kommissionsmitglied während der Weltausstellungen – spiegeln sich in seinen Schriften, den Schenkungen und Ankäufen des Museums sowie in der weiteren Entwicklung der Institution und seiner Zeitschrift wider. Nach 1866 und 1871 verknüpft Eitelberger die Hebung des „nationalen Geschmacks“ und der nationalen Kunstqualität mit dem internationalen Weltmarkt. Die Öffnung gegenüber dem französischen und angelsächsischen Ausland versteht sich zwischen den Zeilen als Möglichkeit, Österreich-Ungarn im Verhältnis zum Deutschen Kaiserreich auf dem kunstgewerblichen Feld zu stärken&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1879, 333&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der betont kosmopolitische Ansatz, die Entwicklung der Kunstgewerbeschule als Vereinigung von Wissen (Kunstgeschichte) und Kunstfertigkeit, wobei die Aufwertung des Handwerks als Kunst als französisches Vermächtnis verstanden wird&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1879, 226&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der reformpädagogische Anspruch des Museums manifestieren sich in dessen Organ und seinen französischen Vernetzungen. Durch Eitelberger wird das Museum zu einem praktischen Ausbildungs- und Ausstellungsplatz und einem wichtigen Zentrum der Wiener Schule der Kunstgeschichte, das zahlreiche Verbindungen zu französischen Institutionen (&#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, &#039;&#039;französisches Unterrichtsministerium&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.inrp.fr/edition-electronique/lodel/dictionnaire-ferdinand-buisson/document.php?id=3196 &amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;[[École des Beaux-Arts]]&#039;&#039; etc.) pflegt und sich ab 1898, unter der Führung Arthur von Scalas, mit der Secession ([[Felician von Myrbach]], [[Koloman Moser]], [[Alfred Roller]]) entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die ab 1865 herausgegebenen &#039;&#039;Mittheilungen&#039;&#039; berichten über interne Angelegenheiten des Museums: Ernennungen, Wettbewerbe, Vortragsprogramme, Veröffentlichungen, Besucherzahlen und Ausstellungen. Sie sind von Anfang an als „Correspondenzblatt zwischen dem Museum und dem Publikum“&amp;lt;ref&amp;gt;Fabiankowitsch 2000, 176&amp;lt;/ref&amp;gt; angelegt und kombinieren „Forschung und Öffentlichkeitsarbeit“&amp;lt;ref&amp;gt;Pirsig-Marshall 2000, 39&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit der Gründung der „illustrierten Fachzeitschrift“ &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;von Scala 1899, 4&amp;lt;/ref&amp;gt; wird der institutionelle Teil durch lange Artikel mit Bildungsanspruch und „kleine Nachrichten“ mit Berichten aus Österreich-Ungarn und dem Ausland ergänzt. Auch Umfang und Gestaltung der im Wiener Verlag Artaria &amp;amp; Co. erscheinenden Zeitschrift können sich nun mit anderen internationalen Kunstzeitschriften wie &#039;&#039;The Studio&#039;&#039; oder &#039;&#039;La Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039; messen lassen, was besonders der Bildteil und die Einband-Illustration des Grafikers und Bühnenkünstlers Heinrich Lefler (1863–1919&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116856246.html#ndbcontent &amp;lt;/ref&amp;gt;) über die Symbiose von Kunst und Kunsthandwerk symbolisiert. Eitelbergers kunstgeschichtlicher Anspruch der Gründungszeit findet sich als Erbe in der Liste der Beitragenden (Müntz, Forrer, Marguillier) sowie in der bibliographischen Rubrik („Literatur des Kunstgewerbes“) wieder, die über sämtliche Werke und Artikel zum Kunstgewerbe in Europa berichtet. Die 1879 von Eitelberger betonte Vormachtstellung des französischen Kunsthandwerks zeigt sich noch zwanzig Jahre später im Anteil französischer Veröffentlichungen in der Literaturliste, der neben dem deutschsprachigen der weitverbreitetste ist: Gut ein Viertel der aufgelisteten Artikel und Publikationen stammt aus dem französischsprachigen Raum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frankreich-Bezüge in der Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die ersten Beiträge über Frankreich aus dem Jahr 1898 können als programmatisch betrachtet werden: Sie stehen in engem Zusammenhang mit den zeitgenössischen, sozial engagierten Jugendstil-Bewegungen, ohne dabei das kunstgeschichtlich ambitionierte Programm Eitelbergers zu vernachlässigen. 1898 entsteht gleichzeitig das Organ der Secession, &#039;&#039;[[Ver Sacrum]]&#039;&#039; und viele der Beitragenden – darunter besonders Ludwig Hevesi, der regelmäßig über die Museumsausstellungen der Kunstgewerbeschule in seiner Chronik „Aus dem Wiener Kunstleben“ berichtet – veröffentlichen in beiden Zeitschriften. Die Verbindung ist zudem institutionell verankert: mehrere Secessionisten unterrichten an der Kunstgewerbeschule oder werden dort ausgebildet&amp;lt;ref&amp;gt;Arlaud 2002, 148-149&amp;lt;/ref&amp;gt;, darunter ihr neuer Direktor, der Maler und Zeichner [[Felician von Myrbach]] (1853–1940), der nach fast fünfzehn Jahren in Paris nach Wien (1881–1897) zurückgekehrt ist. So stehen beide vom Schweizer Architekten, Kunsttheoretiker und Maler Hans-Eduard Berlepsch&amp;lt;ref&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Eduard_von_Berlepsch-Valendas&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1921) im Jahr 1898 signierten Artikel im Zeichen der Secession und eines klar kosmopolitischen Standpunkts. In der ersten Nummer der Zeitschrift widmet er sich Myrbachs in Amerika veröffentlichten Buchillustrationen zu &#039;&#039;The Life of [[Napoleon]]&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Berlepsch 1898 I/1, 20-41&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 4 bringt seine lange Studie über den Schweizer Bildhauer, Illustrator und Maler Eugène Grasset (1845–1917), der, wie Berlepsch auch, den sozialen und künstlerischen Reformbewegungen im Sinne der Arts and Crafts nahestand. Der aus Lausanne stammende Grasset gehört in Paris zu den späteren Mitbegründern der Société des artistes décorateurs (1901 mit Hector Guimard&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/accueil/fr/html/hector-guimard-architecte-de-lart-nouveau&amp;lt;/ref&amp;gt;), der Société de l’art décoratif français (1909 mit René Lalique) sowie der Société internationale de l’art populaire et d’hygiène (1903 mit Jean Lahor) und zählt zu den 49 nichtösterreichischen Mitgliedern der Vereinigung und Zeitschrift &#039;&#039;[[Ver Sacrum]]&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die beiden 1898 vertretenen französischsprachigen Beiträger wird ebenfalls die Verbindung zu den französischen Institutionen und Verlagsorganen gepflegt. [[Eugène Müntz]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/5302e269-d7ad-4a3f-baa1-c0c8647ed475 &amp;lt;/ref&amp;gt;(1845–1902) ist Kunsthistoriker und Bibliothekar an der École des Beaux-Arts in Paris. Sein Bericht über die „Corvinus-Bestände in den französischen Museen“&amp;lt;ref&amp;gt;Müntz 1898 I/11-12, 380–384&amp;lt;/ref&amp;gt; steht ganz im Zeichen einer Transferstudie. Auguste Marguillier  (1862–1945), der Kunsthistoriker, Redakteur der &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, der &#039;&#039;Chronique des Arts&#039;&#039; und Herausgeber der &#039;&#039;Bibliothèque d’histoire de l’art&#039;&#039;, liefert 1899 einen Artikel über „Französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert“&amp;lt;ref&amp;gt;1899, II/1, 23–30&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1900 seine umfangreiche Rodin-Studie&amp;lt;ref&amp;gt;1900, III/6, S. 237–262&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine Artikel für französische Zeitschriften sowie Müntz’ kunstgeschichtliche Studien sind stets im bibliographischen Teil vertreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1900 bildet mit der [[Pariser Weltausstellung]] einen klaren Höhepunkt. Von den 27 veröffentlichten Langartikeln widmet sich ein Drittel Frankreich-bezogenen Themen, die, ausgenommen eine Studie über den Empire-Juwelierkünstler Jean Baptiste Claude Odiot&amp;lt;ref&amp;gt;Modern 1900 III/4, 164–166&amp;lt;/ref&amp;gt;, direkt an die Pariser Weltausstellung und an das zeitgenössische Kunsthandwerk gebunden sind. Drei Artikel befassen sich mit französischen Künstlern (Auguste Rodin, Saint-André de Lignereux, René Lalique) und fünf mit Kunsthandwerksprodukten (Architektur, Interieur und Möbel, Metallindustrie, Glas und Keramik) sowie mit der Rezeption der Wiener Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1900 III/3, 112–122&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem finden sich jeden Monat kurze Weltausstellungsberichte aus Paris in den „Kleinen Nachrichten“ wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1901 sind nur noch drei Frankreich-Artikel zu finden: zwei lange Artikel über die Weltausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Pliwa 1901 IV/4, 145–174; Minkus 1901 IV/3, 109–132)&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein Artikel über die Wiener Edmond-Lachenal&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/sevre_1169-2537_1995_num_4_1_1327&amp;lt;/ref&amp;gt;-Ausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Minkus 1901 IV/9, 390–397&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1902 gibt es keinen einzigen auf Frankreich spezialisierten Langartikel. Hingegen behandeln neun der 21 veröffentlichten Artikel das Kunsthandwerk aus oder in England, Schottland und Amerika. Das von Scala bevorzugte angelsächsische Kunsthandwerk behauptet sich in den zahlreichen Artikeln und Ausstellungsberichten. Bis 1909 beschränken sich die Beiträge über das französische Kunsthandwerk auf die „kurzen Nachrichten“ und auf zwei längere Artikel: Marguillers 1904 veröffentlichte Studie&amp;lt;ref&amp;gt;Marguillier 1904 VII/1, 1–17&amp;lt;/ref&amp;gt; über Jean Dampt&amp;lt;ref&amp;gt;https://musees.dijon.fr/exposition/exposition-temporaire-jean-dampt/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1854–1945) und [[Ludwig Hevesi|Ludwig Hevesis]] Artikel über das Spielkartenwerk des Arsenal-Bibliothekars und Paläographen, Henry-René d’Allemagne&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/d-allemagne-henry-inha &amp;lt;/ref&amp;gt; (1863–1950)&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1906 IX/12, 718–730&amp;lt;/ref&amp;gt;, hinzu kommt Hevesis Berichterstattung über die Impressionisten-Ausstellung der [[Wiener Secession]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1903 VI/2–3, 101–103&amp;lt;/ref&amp;gt; und über die [[Honoré Daumier|Daumier]]-Ausstellung in der [[Galerie Miethke]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1908 XI/12, S. 662–663&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Graph1.png|500px|thumb|Überblick der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; zwischen 1898 und 1921]]Nach dem Rücktritt Scalas im Jahre 1909 und bis zum Kriegsausbruch finden sich wieder vermehrt Berichte über französische Ausstellungen und Künstler: eine Studie von Berlepsch über den „Mont Saint Michel“&amp;lt;ref&amp;gt;Berlepsch 1910, 279–319&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein Bericht von Karl Kuzmany über die [[Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung]] in der Galerie Miethke im Jahr 1911&amp;lt;ref&amp;gt;Kuzmany 1911 XIII/3&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein zweiter Höhepunkt der Frankreich-Berichterstattung findet sich in den Jahren 1911–1914. Den Hauptteil der Frankreich-Beiträge übernimmt zum ersten Mal eine Beiträgerin, [[Thilda de Kulmer]]. Sie veröffentlicht fast jeden Monat Pariser Ausstellungschroniken in den „Kleinen Nachrichten“, worunter sich mitunter umfangreiche und illustrierte Ausstellungsberichte finden&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1912 XIV/4, 234–240; 1912 XV/8–9, S. 472–480; 1913 XVI/5, S. 314–327&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese enge und direkte Anbindung an das französische Kunstleben bei gleichzeitiger Monopolstellung bleibt eine Ausnahme in der Geschichte der Zeitschrift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Ersten Weltkriegs reduziert die Zeitschrift ihren Umfang und verengt ihren Fokus auf die heimische Kriegs- und Grabkunst. Nach der Gründung der Republik und bis zur Auflösung der Zeitschrift bleibt der Frankreichanteil gering, abgesehen von zwei umfangreichen Artikeln über die Gobelin-Ausstellung im Belvedere&amp;lt;ref&amp;gt;Trenkwald 1920 XXIII/7–10, 143–162 und 1921 XXIV/1–4, 32–45&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich aber nicht ausschließlich mit der französischen Gobelin-Manufaktur befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tabelle bietet einen Überblick der Entwicklung Frankreich-bezogener Artikel innerhalb der Zeitschrift zwischen 1898 und 1921, wobei zwischen den längeren Studien und den Ausstellungs- und Weltausstellungsberichten unterschieden wird. Es sind unschwer zwei Hauptphasen der Rezeption zu erkennen: das Jahr 1900–1901 mit der Pariser-Weltausstellung und die Jahre 1911 bis 1914 mit 28 Pariser Ausstellungsberichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption der Zeitschrift in Frankreich==&lt;br /&gt;
Die Vernetzung des Museums mit französischen Institutionen und Beiträgern ist auch für die Verbreitung der Zeitschrift wichtig. Dabei spielt Auguste Marguillier als Redakteur der &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039; eine bedeutende Rolle, der im Juni 1898 in der „Bibliographie des ouvrages publiés en France et à l’étranger“ neben &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; auch die Gründung &#039;&#039;Ver Sacrums&#039;&#039; ankündigt&amp;lt;ref&amp;gt;1898/06, 528&amp;lt;/ref&amp;gt;. Später finden sich Kommentare zu &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; in &#039;&#039;La Revue des revues&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;1907/1&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Chacun des fascicules de cette intéressante revue est complété par une chronique de M. L. Hevesi sur la vie artistique à Vienne, et par des nouvelles des musées de cette ville, notamment du Musée autrichien d’art industriel.“ Rückverweise auf spezifische Studien in den Chroniken verdeutlichen die damaligen Transfermechanismen. Neben dem Interesse für innovative und exportierbare Erfolgsrezepte im Bereich des Kunsthandwerks werden vor allem Frankreich-bezogene Artikel rezipiert, wie Hevesis Artikel über Henry-René d’Allemagnes Spielkartenwerk in der Zugabe zur &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, „La Chronique des arts et de la curiosité“&amp;lt;ref&amp;gt;1908, 101&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der französisch-österreichische Kultur-Transfer und seine Vermittler:innen==&lt;br /&gt;
Wie kommt es, dass die in den Artikeln und in der Bibliographie der Zeitschrift dokumentierte Vorreiterrolle der französischen Kunstgeschichte, ihrer Institutionen und des französischen Kunsthandwerks sich nicht im (relativ geringen) Umfang der Frankreich-Artikel wiederfindet? Festzuhalten ist, dass die Frankreich-Artikel an besondere Anlässe gebunden sind: Eine führende Rolle spielen die [[Pariser Weltausstellung]] im Jahr 1900 (fünf der elf Artikel stammen von W. Fred, d.h. Alfred Wechsler, 1879–1922), die Ausstellungen in der [[Galerie Miehtke]] und diejenigen der Société des Artistes Décorateurs (zwei Artikel) sowie die 28 Pariser Ausstellungsberichte Thilda von Kulmers (1911–1914).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bindung an den zeitgenössischen Ausstellungsmarkt erklärt den überwältigenden Anteil von Artikeln, die sich reformpädagogisch engagierten Künstler und Künstlerinnen aus einer auffällig kosmopolitischen und emanzipatorischen Perspektive heraus widmen. Das soziale Engagement steht darin in direkter Verbindung zur Förderung des Kunsthandwerks als Kunst und mündet in ein komplexes Transferverhältnis in vielen Artikeln, die Scalas „Arts and Crafts“-Nähe aufnehmen. Berlepschs eigene Nähe zum Gedankengut William Morris‘ findet sich sowohl in seinem Bericht über Myrbachs Napoleon-Illustrationen für einen New Yorker Verleger als auch in der Schilderung von Grassets reformpädagogischen Bemühungen wieder. Auch Beiträger wie Marguillier stehen diesem sozialen Kunstfeld nahe oder sind, wie der Elsässer Eugène Müntz und der Schweizer Robert Forrer (1866–1947), Teil der sich entwickelnden deutsch-französischen Kunstgeschichte. Müntz steht seit 1879 in Verbindung mit [[Hubert Janitschek]], der von Wien nach Prag und dann 1881 nach Straßburg wechselt&amp;lt;ref&amp;gt;Passini 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Graph2.png|500px|thumb|Tabelle zu den Verfasser:innen der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; (1898–1921)]]Bezeichnend ist, dass viele Autor:innen, die Artikel über französisches Kunsthandwerk in österreichischen Zeitschriften veröffentlichen, auch in Frankreich über österreichische Künstler:innen und Institutionen berichten, wie etwa Marguillier, der 1913 eine Broschur über das Wiener Kunsthistorische Museum veröffentlicht. Auch die Baronin [[Klothilde von Kulmer]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/f1bf20bc-ee0e-4582-a503-0010167408a5&amp;lt;/ref&amp;gt; (1877–1953) ist eine interessante Vertreterin des österreichisch-französischen Transfers: zwischen 1912 und 1914 ist sie Sonderberichterstatterin aus Paris für &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; und aus Österreich-Ungarn für &#039;&#039;L’Art décoratif&#039;&#039;, gleichzeitig bemüht sie sich um Zugang zum &#039;&#039;New Yorker Century Illustrated Monthly Magazine&#039;&#039;. Hervorzuheben ist, dass sie in ihren Berichten die Arbeiten von Künstlerinnen hervorhebt&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1912 XIV/4, 238–239&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie ihr umfangreicher Artikel über die 1913 vom „Comité des Dames“ kuratierte Ausstellung über Frauenkunst („Travaux d’art féminin“) aus Frankreich und aus Österreich-Ungarn im &#039;&#039;Musée des arts décoratifs&#039;&#039; zeigt&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1913 XVI/5, S. 314–327&amp;lt;/ref&amp;gt;, und sich für die Errungenschaften der „Union des femmes peintres et sculpteurs“&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb34428772r/date&amp;lt;/ref&amp;gt; begeistert und gleichzeitig die noch begrenzten Ausstellungsmöglichkeiten für Künstlerinnen dokumentiert&amp;lt;ref&amp;gt;1914 XV/3, 167&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tabelle der Beitragenden zu französischzentrierten Themen zeigt ein paradoxes Gender-Gefälle sowie eine Übermacht der deutschsprachigen im Vergleich zu den französischsprachigen Beiträger:innen. Die zentrale Rolle Thilda von Kulmers als Vermittlerin zwischen Frankreich und Österreich-Ungarn auf dem Gebiet des Kunsthandwerks und der Frauenkunst bleibt noch zu erforschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Quellen===&lt;br /&gt;
*Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Wien: Artaria &amp;amp; Co, 1898–1921: &amp;lt;br&amp;gt;https://hauspublikationen.mak.at/viewer/toc/1351679243468/1/- (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Rudolf von Eitelberger: Briefe über die moderne Kunst Frankreichs, bei Gelegenheit der Pariser Weltausstellung 1855. Wien: k. und k. Staatsdruckerei 1858.&lt;br /&gt;
*Rudolf von Eitelbeger: Der deutsch-französische Krieg und sein Einfluss auf die Kunst-Industrie Österreichs [1870]. In: Rudolf von Eitelberger: Gesammelte kunsthistorische Schriften II. Wien: Braumüller 1879, S. 316–342, hier S. 333. &lt;br /&gt;
*Arthur von Scala: Einleitung. In: Kunst und Kunsthandwerk [1897]. 1898, I/1, S.1–2.&lt;br /&gt;
*Arthur von Scala: Jahresbericht des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie für das Jahr 1898. Wien: Verlag des Museums 1899.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Umfangreiche Artikel zu Frankreich-zentrierten Themen in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
(Der Titel der Zeitschrift wird in den folgenden Angaben nicht wiederholt): &lt;br /&gt;
====1889====&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard Berlepsch: Felician von Myrbach. 1898 I/1, S. 20–41.&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard Berlepsch: Eugène Grasset. 1898, I/4-5, S. 129–155.&lt;br /&gt;
*Eugène Müntz: Gegenstände aus dem Besitze des Königs Matthias Corvinus in den Pariser Sammlungen. 1898, I/11–12, 380–384.&lt;br /&gt;
====1899====&lt;br /&gt;
*Auguste Marguiller: Die französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert 1899, II/1, S. 23–30.&lt;br /&gt;
====1900====&lt;br /&gt;
*Hans Macht: Saint-Andrés Lederplastik. 1900, III/2, S. 80–82.&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Die Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/3, S. 112–122.&lt;br /&gt;
*Heinrich Modern: Jean Baptiste Claude Odiot. 1900, III /4, S. 164–166.&lt;br /&gt;
*Auguste Marguillier: Auguste Rodin. 1900, III/6, S. 237–262.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Architektur und Aussendecoration auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/7, S. 290–309.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Interieurs und Möbel auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/8, S. 331–352.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Glas und Keramik auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/9, S. 379–400.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]:  Bemerkungen über die Metallindustrien auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/10, S. 427–434.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Kleine Nachrichten: Die Weltausstellung. Ausstellung von J. Ginskey. 1900 III/10, S. 439.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Die Juwelierkunst auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/12, S. 485–503.&lt;br /&gt;
====1901====&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Die Edelschmiedekunst auf der Pariser Weltausstellung. 1901 IV/3, S. 109–132.&lt;br /&gt;
*Ernst Pliwa: Die österreichischen kunstgewerblichen Anstalten auf der Pariser Weltausstellung. 1901, IV/4, S. 145–174.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Edmond Lachenal. 1901, IV/9, S. 390–397.&lt;br /&gt;
====1903====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Aus dem Wiener Kunstleben. 1903 VI/2-3, S. 101–103.&lt;br /&gt;
====1904====&lt;br /&gt;
*Auguste Marguiller: Jean Dampt. 1904 VII/1, S. 1–17.&lt;br /&gt;
====1906====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Das Spielkartenwerk von H.-R. d’Allemagne. 1906 IX/12, S. 718–730.&lt;br /&gt;
====1908====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Die Daumier-Ausstellung in der Galerie Miethke. 1908 XI/12, S. 662–663.&lt;br /&gt;
====1910====&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard von Berlepsch-Valendas: Der Mont Saint-Michel. 1910, XIII/5, S. 279–319. &lt;br /&gt;
====1911====&lt;br /&gt;
*Karl. M. Kuzmany: Aus dem Wiener Kunstleben: Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung. 1911 XIV/3, S. 196–198.&lt;br /&gt;
====Oktober 1911–September 1914: Thilda de Kulmers Pariser Ausstellungsberichte in Kunst und Kunsthandwerk====&lt;br /&gt;
====1911====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer [Klothilde von Kulmer]: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/10, S. 554–555.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1911 XIV/11, S. 606–609.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/12, S. 686–690.&lt;br /&gt;
====1912====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/1, S. 69–70.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/2, S. 131–133.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/3, S. 185–187.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Die Ausstellung der modernen dekorativen Künste im Musée des Arts décoratifs zu Paris. 1912 XV/4, S. 234–240.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/4, S. 248–250.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/5, S. 323–325.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/6–7, S. 391–400.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/8–9, S. 472–480.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/ S. 645–648.&lt;br /&gt;
====1913====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/1, S. 76–77.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/2, S. 139–142.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/3, S. 208–213.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/4, S. 274–276.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/5, S. 314–327.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/6–7, S. 415–417.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/8–9, S. 494–497.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/11, S. 604–606.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/12, S. 654–656.&lt;br /&gt;
====1914====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Moderne Wohnungseinrichtungen im Pariser Herbstsalon. 1914 XVII/1, S. 24–30.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/1, S. 59–61. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/ 2, S. 104–107.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/3, S. 165–168. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/4, S. 210–212.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/5, S. 280–284. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1914 XVII/6–7, S. 361–364.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/8–9, S. 431–435.&lt;br /&gt;
====1920====&lt;br /&gt;
*Hermann Trenkwald: Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1920 XXIII/7–10, S. 143–162.&lt;br /&gt;
====1921====&lt;br /&gt;
*Hermann Trenkwald: II. Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1921 XXIV/1–4, S. 32–45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Sylvie Arlaud: Kunst und Kunsthandwerk: une revue entre modernité viennoise et politique culturelle. In: Revue d&#039;Allemagne et des pays de langue allemande 2002, 34/2, S. 139–160. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/reval_0035-0974_2002_num_34_2_5689 (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Michel Espagne: Rudolf Eitelberger von Edelberg (1817–1885) et les débuts de l’école viennoise. In: Austriaca. L’école viennoise d’histoire de l’art 2011, 72, S. 17–32. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_2011_num_72_1_4922 (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Gabriele Fabiankowitsch: Das Vermittlungsprogramm des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 176–192.&lt;br /&gt;
*Alix de La Chapelle: Un Art nouveau pour le peuple. De « l’art dans tout » à « l’art pour tous ». In: Histoire de l&#039;art 1995/31, S. 59–68.&lt;br /&gt;
*Michela Passini : Correspondance allemande d’Eugène Müntz. Aux origines de l’institutionnalisation de l’histoire de l’art. Paris: Armand Colin 2012. &lt;br /&gt;
*Tanja Pirsig-Marshall: London-Wien. Einfluß und Wirkung der englischen Idee. Das Vorbild South Kensington Museum. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 30–40.&lt;br /&gt;
*Mary Patricia May Sekler: Le Corbusier und das Museum als eine Stätte des Lernens. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 252–270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Sylvie Arlaud&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 08/04/2026&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)</title>
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		<updated>2026-04-08T09:56:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Die im Jahr 1898 unter dem Impuls des damaligen Museumsdirektors Arthur von Scala&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s144823.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; (1845–1909) aus den „Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie” („Monatsschrift für Kunst und Gewerbe“, 1865–1897) hervorgegangene Kunstzeitschrift dokumentiert die Wandlungen der Beziehungen des Museums für Kunst und Industrie und seiner Kunstgewerbeschule zu ausländi…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die im Jahr 1898 unter dem Impuls des damaligen Museumsdirektors Arthur von Scala&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s144823.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; (1845–1909) aus den „Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie” („Monatsschrift für Kunst und Gewerbe“, 1865–1897) hervorgegangene Kunstzeitschrift dokumentiert die Wandlungen der Beziehungen des Museums für Kunst und Industrie und seiner Kunstgewerbeschule zu ausländischen, darunter auch französischen Institutionen (Musée des Arts décoratifs&amp;lt;ref&amp;gt;https://madparis.fr/Les-Arts-Decoratifs&amp;lt;/ref&amp;gt;, Musée de Cluny&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musee-moyenage.fr/lieu/la-creation-du-musee.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Manufacture de Sèvres&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.sevresciteceramique.fr/manufacture/une-manufacture-d-exception.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u. a.), Zeitschriften ([[Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)|&#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, &#039;&#039;L’Art décoratif&#039;&#039;, &#039;&#039;La Revue des Arts décoratifs&#039;&#039; u. a.)]], Wissenschaftlern und zeitgenössischen Künstlern (Eugène Grasset&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021884/2007-07-17/&amp;lt;/ref&amp;gt;, Jean-Baptiste Claude Odiot&amp;lt;ref&amp;gt;https://data.bnf.fr/ark:/12148/cb132814614&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Auguste Rodin]], René Lalique&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.laliquemuseum.nl/de/jetzt-zu-sehen/ueber-rene-lalique/&amp;lt;/ref&amp;gt;, Saint-André de Lignereux). Aus der kosmopolitischen Grundintention der Zeitschrift erwachsen neue Vernetzungen mit Beitragenden und Korrespondenten, die zumeist an besondere Anlässe (z. B. Weltausstellungen, Pariser Ausstellungsberichte) und Vermittlungsintentionen gebunden sind. Anhand der in der Zeitschrift vertretenen Korrespondenten ([[Auguste Marguillier]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/marguillier-auguste-inha&amp;lt;/ref&amp;gt;, Eugène Müntz, Robert Forrer) und ihrer Beziehungen zu den am Museum angestellten Kunsthistorikern (z.B. [[Alois Riegl]], von 1885 bis 1897 Custode der Textiliensammlung, und [[Hubert Janitschek]], von 1876 bis 1879 Custode der Möbel-Sammlung) lässt sich die Rolle des Museums in der Entwicklung einer „deutsch-französischen“ Kunstgeschichte&amp;lt;ref&amp;gt;Espagne 2011, 26–27&amp;lt;/ref&amp;gt; nachzeichnen. Dies liegt nicht zuletzt am angesprochenen Publikum, das sich aus den „Gebildeten aller Klassen“&amp;lt;ref&amp;gt;von Scala 1898, 1&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammensetzen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Internationalisierung des französischen Transfers==&lt;br /&gt;
Anders als Julius Meier-Graefes 1897 entstandene Zeitschrift &#039;&#039;Dekorative Kunst&#039;&#039;, die von 1898 bis 1903 ein Pendant in Paris unter dem Titel [[Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)|&#039;&#039;L’Art décoratif. Revue internationale d’art industriel et de décoration&#039;&#039;]], bzw. ab 1900 &#039;&#039;Revue mensuelle d’art contemporain&#039;&#039; veröffentlicht, ist Kunst und Kunsthandwerk ursprünglich keine internationale Zeitschrift. Und doch ist der Bezug zum Ausland und zu Auslandsberichterstattern bereits in den ersten Nummern zentral. Der Hauptfokus der Zeitschrift liegt auf der Vermittlung der institutionell geförderten Kunstproduktion des Vielvölkerstaates. Artikel über ausländische Künstler und Kunsthandwerker – darunter auch viele aus Frankreich – haben einen erbauenden, die eigene Produktion dynamisierenden Charakter. Sie stehen im Rahmen der Förderung der „Heimatkünste“ und der Bildung des österreichischen Publikums (i.e. Absatzmarktes) sowie der Wirkung und Rezeption der Künstler, Kunstprodukte und Kunst-Institutionen im Ausland. Bezeichnend für die in der Zeitschrift veröffentlichten Artikel über oder aus Frankreich ist ein komplexes Transfer-Verhältnis. Französisches Kunsthandwerk wird stets über einen internationalen Kontext wahrgenommen: Vergleiche mit Österreich-Ungarn, Großbritannien, dem Deutschen Kaiserreich und später mit den Vereinigten Staaten gehören zu jedem Bericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Vorgeschichte der Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die Gründe für das komplexe Transfer-Verhältnis der Zeitschrift liegen im geopolitischen Kontext sowie in der Vorgeschichte des Museums. Das [[Museum für Kunst und Industrie]] entsteht 1863 aus den Erkenntnissen des ersten Kunsthistorikers an der Universität Wien (1852), [[Rudolf von Eitelberger]] (1817–1885) während seiner Aufenthalte in London und Paris anlässlich der Weltausstellungen von 1855&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1855&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1862. Eitelbergers Blick auf Frankreichs Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien ist ein wichtiges Fundament seiner eigenen Reformbemühungen&amp;lt;ref&amp;gt;Espagne 2011, 20&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich in der ab 1867/1868 dem Museum zugehörenden [[Kunstgewerbeschule]] verwirklichen und Theorie und Praxis zusammendenken. Seine Verbindungen zu Frankreich – besonders als Kommissionsmitglied während der Weltausstellungen – spiegeln sich in seinen Schriften, den Schenkungen und Ankäufen des Museums sowie in der weiteren Entwicklung der Institution und seiner Zeitschrift wider. Nach 1866 und 1871 verknüpft Eitelberger die Hebung des „nationalen Geschmacks“ und der nationalen Kunstqualität mit dem internationalen Weltmarkt. Die Öffnung gegenüber dem französischen und angelsächsischen Ausland versteht sich zwischen den Zeilen als Möglichkeit, Österreich-Ungarn im Verhältnis zum Deutschen Kaiserreich auf dem kunstgewerblichen Feld zu stärken&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1879, 333&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der betont kosmopolitische Ansatz, die Entwicklung der Kunstgewerbeschule als Vereinigung von Wissen (Kunstgeschichte) und Kunstfertigkeit, wobei die Aufwertung des Handwerks als Kunst als französisches Vermächtnis verstanden wird&amp;lt;ref&amp;gt;Eitelberger 1879, 226&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der reformpädagogische Anspruch des Museums manifestieren sich in dessen Organ und seinen französischen Vernetzungen. Durch Eitelberger wird das Museum zu einem praktischen Ausbildungs- und Ausstellungsplatz und einem wichtigen Zentrum der Wiener Schule der Kunstgeschichte, das zahlreiche Verbindungen zu französischen Institutionen (&#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, &#039;&#039;französisches Unterrichtsministerium&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.inrp.fr/edition-electronique/lodel/dictionnaire-ferdinand-buisson/document.php?id=3196 &amp;lt;/ref&amp;gt;, &#039;&#039;[[École des Beaux-Arts]]&#039;&#039; etc.) pflegt und sich ab 1898, unter der Führung Arthur von Scalas, mit der Secession ([[Felician von Myrbach]], [[Koloman Moser]], [[Alfred Roller]]) entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die ab 1865 herausgegebenen &#039;&#039;Mittheilungen&#039;&#039; berichten über interne Angelegenheiten des Museums: Ernennungen, Wettbewerbe, Vortragsprogramme, Veröffentlichungen, Besucherzahlen und Ausstellungen. Sie sind von Anfang an als „Correspondenzblatt zwischen dem Museum und dem Publikum“&amp;lt;ref&amp;gt;Fabiankowitsch 2000, 176&amp;lt;/ref&amp;gt; angelegt und kombinieren „Forschung und Öffentlichkeitsarbeit“&amp;lt;ref&amp;gt;Pirsig-Marshall 2000, 39&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit der Gründung der „illustrierten Fachzeitschrift“ &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;von Scala 1899, 4&amp;lt;/ref&amp;gt; wird der institutionelle Teil durch lange Artikel mit Bildungsanspruch und „kleine Nachrichten“ mit Berichten aus Österreich-Ungarn und dem Ausland ergänzt. Auch Umfang und Gestaltung der im Wiener Verlag Artaria &amp;amp; Co. erscheinenden Zeitschrift können sich nun mit anderen internationalen Kunstzeitschriften wie &#039;&#039;The Studio&#039;&#039; oder &#039;&#039;La Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039; messen lassen, was besonders der Bildteil und die Einband-Illustration des Grafikers und Bühnenkünstlers Heinrich Lefler (1863–1919&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd116856246.html#ndbcontent &amp;lt;/ref&amp;gt;) über die Symbiose von Kunst und Kunsthandwerk symbolisiert. Eitelbergers kunstgeschichtlicher Anspruch der Gründungszeit findet sich als Erbe in der Liste der Beitragenden (Müntz, Forrer, Marguillier) sowie in der bibliographischen Rubrik („Literatur des Kunstgewerbes“) wieder, die über sämtliche Werke und Artikel zum Kunstgewerbe in Europa berichtet. Die 1879 von Eitelberger betonte Vormachtstellung des französischen Kunsthandwerks zeigt sich noch zwanzig Jahre später im Anteil französischer Veröffentlichungen in der Literaturliste, der neben dem deutschsprachigen der weitverbreitetste ist: Gut ein Viertel der aufgelisteten Artikel und Publikationen stammt aus dem französischsprachigen Raum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frankreich-Bezüge in der Zeitschrift==&lt;br /&gt;
Die ersten Beiträge über Frankreich aus dem Jahr 1898 können als programmatisch betrachtet werden: Sie stehen in engem Zusammenhang mit den zeitgenössischen, sozial engagierten Jugendstil-Bewegungen, ohne dabei das kunstgeschichtlich ambitionierte Programm Eitelbergers zu vernachlässigen. 1898 entsteht gleichzeitig das Organ der Secession, &#039;&#039;[[Ver Sacrum]]&#039;&#039; und viele der Beitragenden – darunter besonders Ludwig Hevesi, der regelmäßig über die Museumsausstellungen der Kunstgewerbeschule in seiner Chronik „Aus dem Wiener Kunstleben“ berichtet – veröffentlichen in beiden Zeitschriften. Die Verbindung ist zudem institutionell verankert: mehrere Secessionisten unterrichten an der Kunstgewerbeschule oder werden dort ausgebildet&amp;lt;ref&amp;gt;Arlaud 2002, 148-149&amp;lt;/ref&amp;gt;, darunter ihr neuer Direktor, der Maler und Zeichner [[Felician von Myrbach]] (1853–1940), der nach fast fünfzehn Jahren in Paris nach Wien (1881–1897) zurückgekehrt ist. So stehen beide vom Schweizer Architekten, Kunsttheoretiker und Maler Hans-Eduard Berlepsch&amp;lt;ref&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Eduard_von_Berlepsch-Valendas&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1921) im Jahr 1898 signierten Artikel im Zeichen der Secession und eines klar kosmopolitischen Standpunkts. In der ersten Nummer der Zeitschrift widmet er sich Myrbachs in Amerika veröffentlichten Buchillustrationen zu &#039;&#039;The Life of [[Napoleon]]&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Berlepsch 1898 I/1, 20-41&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heft 4 bringt seine lange Studie über den Schweizer Bildhauer, Illustrator und Maler Eugène Grasset (1845–1917), der, wie Berlepsch auch, den sozialen und künstlerischen Reformbewegungen im Sinne der Arts and Crafts nahestand. Der aus Lausanne stammende Grasset gehört in Paris zu den späteren Mitbegründern der Société des artistes décorateurs (1901 mit Hector Guimard&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/accueil/fr/html/hector-guimard-architecte-de-lart-nouveau&amp;lt;/ref&amp;gt;), der Société de l’art décoratif français (1909 mit René Lalique) sowie der Société internationale de l’art populaire et d’hygiène (1903 mit Jean Lahor) und zählt zu den 49 nichtösterreichischen Mitgliedern der Vereinigung und Zeitschrift &#039;&#039;[[Ver Sacrum]]&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die beiden 1898 vertretenen französischsprachigen Beiträger wird ebenfalls die Verbindung zu den französischen Institutionen und Verlagsorganen gepflegt. [[Eugène Müntz]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/5302e269-d7ad-4a3f-baa1-c0c8647ed475 &amp;lt;/ref&amp;gt;(1845–1902) ist Kunsthistoriker und Bibliothekar an der École des Beaux-Arts in Paris. Sein Bericht über die „Corvinus-Bestände in den französischen Museen“&amp;lt;ref&amp;gt;Müntz 1898 I/11-12, 380–384&amp;lt;/ref&amp;gt; steht ganz im Zeichen einer Transferstudie. Auguste Marguillier  (1862–1945), der Kunsthistoriker, Redakteur der &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, der &#039;&#039;Chronique des Arts&#039;&#039; und Herausgeber der &#039;&#039;Bibliothèque d’histoire de l’art&#039;&#039;, liefert 1899 einen Artikel über „Französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert“&amp;lt;ref&amp;gt;1899, II/1, 23–30&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1900 seine umfangreiche Rodin-Studie&amp;lt;ref&amp;gt;1900, III/6, S. 237–262&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine Artikel für französische Zeitschriften sowie Müntz’ kunstgeschichtliche Studien sind stets im bibliographischen Teil vertreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1900 bildet mit der [[Pariser Weltausstellung]] einen klaren Höhepunkt. Von den 27 veröffentlichten Langartikeln widmet sich ein Drittel Frankreich-bezogenen Themen, die, ausgenommen eine Studie über den Empire-Juwelierkünstler Jean Baptiste Claude Odiot&amp;lt;ref&amp;gt;Modern 1900 III/4, 164–166&amp;lt;/ref&amp;gt;, direkt an die Pariser Weltausstellung und an das zeitgenössische Kunsthandwerk gebunden sind. Drei Artikel befassen sich mit französischen Künstlern (Auguste Rodin, Saint-André de Lignereux, René Lalique) und fünf mit Kunsthandwerksprodukten (Architektur, Interieur und Möbel, Metallindustrie, Glas und Keramik) sowie mit der Rezeption der Wiener Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1900 III/3, 112–122&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem finden sich jeden Monat kurze Weltausstellungsberichte aus Paris in den „Kleinen Nachrichten“ wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1901 sind nur noch drei Frankreich-Artikel zu finden: zwei lange Artikel über die Weltausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Pliwa 1901 IV/4, 145–174; Minkus 1901 IV/3, 109–132)&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein Artikel über die Wiener Edmond-Lachenal&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/sevre_1169-2537_1995_num_4_1_1327&amp;lt;/ref&amp;gt;-Ausstellung&amp;lt;ref&amp;gt;Minkus 1901 IV/9, 390–397&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1902 gibt es keinen einzigen auf Frankreich spezialisierten Langartikel. Hingegen behandeln neun der 21 veröffentlichten Artikel das Kunsthandwerk aus oder in England, Schottland und Amerika. Das von Scala bevorzugte angelsächsische Kunsthandwerk behauptet sich in den zahlreichen Artikeln und Ausstellungsberichten. Bis 1909 beschränken sich die Beiträge über das französische Kunsthandwerk auf die „kurzen Nachrichten“ und auf zwei längere Artikel: Marguillers 1904 veröffentlichte Studie&amp;lt;ref&amp;gt;Marguillier 1904 VII/1, 1–17&amp;lt;/ref&amp;gt; über Jean Dampt&amp;lt;ref&amp;gt;https://musees.dijon.fr/exposition/exposition-temporaire-jean-dampt/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1854–1945) und [[Ludwig Hevesi|Ludwig Hevesis]] Artikel über das Spielkartenwerk des Arsenal-Bibliothekars und Paläographen, Henry-René d’Allemagne&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/d-allemagne-henry-inha &amp;lt;/ref&amp;gt; (1863–1950)&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1906 IX/12, 718–730&amp;lt;/ref&amp;gt;, hinzu kommt Hevesis Berichterstattung über die Impressionisten-Ausstellung der [[Wiener Secession]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1903 VI/2–3, 101–103&amp;lt;/ref&amp;gt; und über die [[Honoré Daumier|Daumier]]-Ausstellung in der [[Galerie Miethke]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hevesi 1908 XI/12, S. 662–663&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Rücktritt Scalas im Jahre 1909 und bis zum Kriegsausbruch finden sich wieder vermehrt Berichte über französische Ausstellungen und Künstler: eine Studie von Berlepsch über den „Mont Saint Michel“&amp;lt;ref&amp;gt;Berlepsch 1910, 279–319&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein Bericht von Karl Kuzmany über die [[Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung]] in der Galerie Miethke im Jahr 1911&amp;lt;ref&amp;gt;Kuzmany 1911 XIII/3&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein zweiter Höhepunkt der Frankreich-Berichterstattung findet sich in den Jahren 1911–1914. Den Hauptteil der Frankreich-Beiträge übernimmt zum ersten Mal eine Beiträgerin, [[Thilda de Kulmer]]. Sie veröffentlicht fast jeden Monat Pariser Ausstellungschroniken in den „Kleinen Nachrichten“, worunter sich mitunter umfangreiche und illustrierte Ausstellungsberichte finden&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1912 XIV/4, 234–240; 1912 XV/8–9, S. 472–480; 1913 XVI/5, S. 314–327&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese enge und direkte Anbindung an das französische Kunstleben bei gleichzeitiger Monopolstellung bleibt eine Ausnahme in der Geschichte der Zeitschrift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Graph1.png|500px|thumb|Überblick der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; zwischen 1898 und 1921]]Während des Ersten Weltkriegs reduziert die Zeitschrift ihren Umfang und verengt ihren Fokus auf die heimische Kriegs- und Grabkunst. Nach der Gründung der Republik und bis zur Auflösung der Zeitschrift bleibt der Frankreichanteil gering, abgesehen von zwei umfangreichen Artikeln über die Gobelin-Ausstellung im Belvedere&amp;lt;ref&amp;gt;Trenkwald 1920 XXIII/7–10, 143–162 und 1921 XXIV/1–4, 32–45&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich aber nicht ausschließlich mit der französischen Gobelin-Manufaktur befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tabelle bietet einen Überblick der Entwicklung Frankreich-bezogener Artikel innerhalb der Zeitschrift zwischen 1898 und 1921, wobei zwischen den längeren Studien und den Ausstellungs- und Weltausstellungsberichten unterschieden wird. Es sind unschwer zwei Hauptphasen der Rezeption zu erkennen: das Jahr 1900–1901 mit der Pariser-Weltausstellung und die Jahre 1911 bis 1914 mit 28 Pariser Ausstellungsberichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption der Zeitschrift in Frankreich==&lt;br /&gt;
Die Vernetzung des Museums mit französischen Institutionen und Beiträgern ist auch für die Verbreitung der Zeitschrift wichtig. Dabei spielt Auguste Marguillier als Redakteur der &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039; eine bedeutende Rolle, der im Juni 1898 in der „Bibliographie des ouvrages publiés en France et à l’étranger“ neben &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; auch die Gründung &#039;&#039;Ver Sacrums&#039;&#039; ankündigt&amp;lt;ref&amp;gt;1898/06, 528&amp;lt;/ref&amp;gt;. Später finden sich Kommentare zu &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; in &#039;&#039;La Revue des revues&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;1907/1&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Chacun des fascicules de cette intéressante revue est complété par une chronique de M. L. Hevesi sur la vie artistique à Vienne, et par des nouvelles des musées de cette ville, notamment du Musée autrichien d’art industriel.“ Rückverweise auf spezifische Studien in den Chroniken verdeutlichen die damaligen Transfermechanismen. Neben dem Interesse für innovative und exportierbare Erfolgsrezepte im Bereich des Kunsthandwerks werden vor allem Frankreich-bezogene Artikel rezipiert, wie Hevesis Artikel über Henry-René d’Allemagnes Spielkartenwerk in der Zugabe zur &#039;&#039;Gazette des Beaux-Arts&#039;&#039;, „La Chronique des arts et de la curiosité“&amp;lt;ref&amp;gt;1908, 101&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der französisch-österreichische Kultur-Transfer und seine Vermittler:innen==&lt;br /&gt;
Wie kommt es, dass die in den Artikeln und in der Bibliographie der Zeitschrift dokumentierte Vorreiterrolle der französischen Kunstgeschichte, ihrer Institutionen und des französischen Kunsthandwerks sich nicht im (relativ geringen) Umfang der Frankreich-Artikel wiederfindet? Festzuhalten ist, dass die Frankreich-Artikel an besondere Anlässe gebunden sind: Eine führende Rolle spielen die [[Pariser Weltausstellung]] im Jahr 1900 (fünf der elf Artikel stammen von W. Fred, d.h. Alfred Wechsler, 1879–1922), die Ausstellungen in der [[Galerie Miehtke]] und diejenigen der Société des Artistes Décorateurs (zwei Artikel) sowie die 28 Pariser Ausstellungsberichte Thilda von Kulmers (1911–1914).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bindung an den zeitgenössischen Ausstellungsmarkt erklärt den überwältigenden Anteil von Artikeln, die sich reformpädagogisch engagierten Künstler und Künstlerinnen aus einer auffällig kosmopolitischen und emanzipatorischen Perspektive heraus widmen. Das soziale Engagement steht darin in direkter Verbindung zur Förderung des Kunsthandwerks als Kunst und mündet in ein komplexes Transferverhältnis in vielen Artikeln, die Scalas „Arts and Crafts“-Nähe aufnehmen. Berlepschs eigene Nähe zum Gedankengut William Morris‘ findet sich sowohl in seinem Bericht über Myrbachs Napoleon-Illustrationen für einen New Yorker Verleger als auch in der Schilderung von Grassets reformpädagogischen Bemühungen wieder. Auch Beiträger wie Marguillier stehen diesem sozialen Kunstfeld nahe oder sind, wie der Elsässer Eugène Müntz und der Schweizer Robert Forrer (1866–1947), Teil der sich entwickelnden deutsch-französischen Kunstgeschichte. Müntz steht seit 1879 in Verbindung mit [[Hubert Janitschek]], der von Wien nach Prag und dann 1881 nach Straßburg wechselt&amp;lt;ref&amp;gt;Passini 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Graph2.png|500px|thumb|Tabelle zu den Verfasser:innen der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; (1898–1921)]]Bezeichnend ist, dass viele Autor:innen, die Artikel über französisches Kunsthandwerk in österreichischen Zeitschriften veröffentlichen, auch in Frankreich über österreichische Künstler:innen und Institutionen berichten, wie etwa Marguillier, der 1913 eine Broschur über das Wiener Kunsthistorische Museum veröffentlicht. Auch die Baronin [[Klothilde von Kulmer]]&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/f1bf20bc-ee0e-4582-a503-0010167408a5&amp;lt;/ref&amp;gt; (1877–1953) ist eine interessante Vertreterin des österreichisch-französischen Transfers: zwischen 1912 und 1914 ist sie Sonderberichterstatterin aus Paris für &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; und aus Österreich-Ungarn für &#039;&#039;L’Art décoratif&#039;&#039;, gleichzeitig bemüht sie sich um Zugang zum &#039;&#039;New Yorker Century Illustrated Monthly Magazine&#039;&#039;. Hervorzuheben ist, dass sie in ihren Berichten die Arbeiten von Künstlerinnen hervorhebt&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1912 XIV/4, 238–239&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie ihr umfangreicher Artikel über die 1913 vom „Comité des Dames“ kuratierte Ausstellung über Frauenkunst („Travaux d’art féminin“) aus Frankreich und aus Österreich-Ungarn im &#039;&#039;Musée des arts décoratifs&#039;&#039; zeigt&amp;lt;ref&amp;gt;Kulmer 1913 XVI/5, S. 314–327&amp;lt;/ref&amp;gt;, und sich für die Errungenschaften der „Union des femmes peintres et sculpteurs“&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb34428772r/date&amp;lt;/ref&amp;gt; begeistert und gleichzeitig die noch begrenzten Ausstellungsmöglichkeiten für Künstlerinnen dokumentiert&amp;lt;ref&amp;gt;1914 XV/3, 167&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tabelle der Beitragenden zu französischzentrierten Themen zeigt ein paradoxes Gender-Gefälle sowie eine Übermacht der deutschsprachigen im Vergleich zu den französischsprachigen Beiträger:innen. Die zentrale Rolle Thilda von Kulmers als Vermittlerin zwischen Frankreich und Österreich-Ungarn auf dem Gebiet des Kunsthandwerks und der Frauenkunst bleibt noch zu erforschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Quellen===&lt;br /&gt;
*Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Wien: Artaria &amp;amp; Co, 1898–1921: &amp;lt;br&amp;gt;https://hauspublikationen.mak.at/viewer/toc/1351679243468/1/- (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Rudolf von Eitelberger: Briefe über die moderne Kunst Frankreichs, bei Gelegenheit der Pariser Weltausstellung 1855. Wien: k. und k. Staatsdruckerei 1858.&lt;br /&gt;
*Rudolf von Eitelbeger: Der deutsch-französische Krieg und sein Einfluss auf die Kunst-Industrie Österreichs [1870]. In: Rudolf von Eitelberger: Gesammelte kunsthistorische Schriften II. Wien: Braumüller 1879, S. 316–342, hier S. 333. &lt;br /&gt;
*Arthur von Scala: Einleitung. In: Kunst und Kunsthandwerk [1897]. 1898, I/1, S.1–2.&lt;br /&gt;
*Arthur von Scala: Jahresbericht des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie für das Jahr 1898. Wien: Verlag des Museums 1899.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Umfangreiche Artikel zu Frankreich-zentrierten Themen in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
(Der Titel der Zeitschrift wird in den folgenden Angaben nicht wiederholt): &lt;br /&gt;
====1889====&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard Berlepsch: Felician von Myrbach. 1898 I/1, S. 20–41.&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard Berlepsch: Eugène Grasset. 1898, I/4-5, S. 129–155.&lt;br /&gt;
*Eugène Müntz: Gegenstände aus dem Besitze des Königs Matthias Corvinus in den Pariser Sammlungen. 1898, I/11–12, 380–384.&lt;br /&gt;
====1899====&lt;br /&gt;
*Auguste Marguiller: Die französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert 1899, II/1, S. 23–30.&lt;br /&gt;
====1900====&lt;br /&gt;
*Hans Macht: Saint-Andrés Lederplastik. 1900, III/2, S. 80–82.&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Die Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/3, S. 112–122.&lt;br /&gt;
*Heinrich Modern: Jean Baptiste Claude Odiot. 1900, III /4, S. 164–166.&lt;br /&gt;
*Auguste Marguillier: Auguste Rodin. 1900, III/6, S. 237–262.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Architektur und Aussendecoration auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/7, S. 290–309.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Interieurs und Möbel auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/8, S. 331–352.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]: Glas und Keramik auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/9, S. 379–400.&lt;br /&gt;
*Fred W. [Alfred Wechsler]:  Bemerkungen über die Metallindustrien auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/10, S. 427–434.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Kleine Nachrichten: Die Weltausstellung. Ausstellung von J. Ginskey. 1900 III/10, S. 439.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Die Juwelierkunst auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/12, S. 485–503.&lt;br /&gt;
====1901====&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Die Edelschmiedekunst auf der Pariser Weltausstellung. 1901 IV/3, S. 109–132.&lt;br /&gt;
*Ernst Pliwa: Die österreichischen kunstgewerblichen Anstalten auf der Pariser Weltausstellung. 1901, IV/4, S. 145–174.&lt;br /&gt;
*Fritz Minkus: Edmond Lachenal. 1901, IV/9, S. 390–397.&lt;br /&gt;
====1903====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Aus dem Wiener Kunstleben. 1903 VI/2-3, S. 101–103.&lt;br /&gt;
====1904====&lt;br /&gt;
*Auguste Marguiller: Jean Dampt. 1904 VII/1, S. 1–17.&lt;br /&gt;
====1906====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Das Spielkartenwerk von H.-R. d’Allemagne. 1906 IX/12, S. 718–730.&lt;br /&gt;
====1908====&lt;br /&gt;
*Ludwig Hevesi: Die Daumier-Ausstellung in der Galerie Miethke. 1908 XI/12, S. 662–663.&lt;br /&gt;
====1910====&lt;br /&gt;
*Hans-Eduard von Berlepsch-Valendas: Der Mont Saint-Michel. 1910, XIII/5, S. 279–319. &lt;br /&gt;
====1911====&lt;br /&gt;
*Karl. M. Kuzmany: Aus dem Wiener Kunstleben: Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung. 1911 XIV/3, S. 196–198.&lt;br /&gt;
====Oktober 1911–September 1914: Thilda de Kulmers Pariser Ausstellungsberichte in Kunst und Kunsthandwerk====&lt;br /&gt;
====1911====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer [Klothilde von Kulmer]: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/10, S. 554–555.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1911 XIV/11, S. 606–609.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/12, S. 686–690.&lt;br /&gt;
====1912====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/1, S. 69–70.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/2, S. 131–133.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/3, S. 185–187.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Die Ausstellung der modernen dekorativen Künste im Musée des Arts décoratifs zu Paris. 1912 XV/4, S. 234–240.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/4, S. 248–250.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/5, S. 323–325.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/6–7, S. 391–400.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/8–9, S. 472–480.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/ S. 645–648.&lt;br /&gt;
====1913====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/1, S. 76–77.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/2, S. 139–142.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/3, S. 208–213.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/4, S. 274–276.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/5, S. 314–327.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/6–7, S. 415–417.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/8–9, S. 494–497.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/11, S. 604–606.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/12, S. 654–656.&lt;br /&gt;
====1914====&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Moderne Wohnungseinrichtungen im Pariser Herbstsalon. 1914 XVII/1, S. 24–30.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/1, S. 59–61. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/ 2, S. 104–107.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/3, S. 165–168. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/4, S. 210–212.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/5, S. 280–284. &lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1914 XVII/6–7, S. 361–364.&lt;br /&gt;
*Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/8–9, S. 431–435.&lt;br /&gt;
====1920====&lt;br /&gt;
*Hermann Trenkwald: Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1920 XXIII/7–10, S. 143–162.&lt;br /&gt;
====1921====&lt;br /&gt;
*Hermann Trenkwald: II. Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1921 XXIV/1–4, S. 32–45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Sylvie Arlaud: Kunst und Kunsthandwerk: une revue entre modernité viennoise et politique culturelle. In: Revue d&#039;Allemagne et des pays de langue allemande 2002, 34/2, S. 139–160. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/reval_0035-0974_2002_num_34_2_5689 (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Michel Espagne: Rudolf Eitelberger von Edelberg (1817–1885) et les débuts de l’école viennoise. In: Austriaca. L’école viennoise d’histoire de l’art 2011, 72, S. 17–32. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_2011_num_72_1_4922 (letzter Zugriff am 8. November 2025).&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Gabriele Fabiankowitsch: Das Vermittlungsprogramm des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 176–192.&lt;br /&gt;
*Alix de La Chapelle: Un Art nouveau pour le peuple. De « l’art dans tout » à « l’art pour tous ». In: Histoire de l&#039;art 1995/31, S. 59–68.&lt;br /&gt;
*Michela Passini : Correspondance allemande d’Eugène Müntz. Aux origines de l’institutionnalisation de l’histoire de l’art. Paris: Armand Colin 2012. &lt;br /&gt;
*Tanja Pirsig-Marshall: London-Wien. Einfluß und Wirkung der englischen Idee. Das Vorbild South Kensington Museum. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 30–40.&lt;br /&gt;
*Mary Patricia May Sekler: Le Corbusier und das Museum als eine Stätte des Lernens. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 252–270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Sylvie Arlaud&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 08/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Kunst_und_Kunsthandwerk_(Monatsschrift_des_k._k._Österreichischen_Museums_für_Kunst_und_Industrie,_1898–1921)}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Tabelle zu den Verfasser:innen der Frankreich-bezogenen Artikel in Kunst und Kunsthandwerk (1898-1921)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Tabelle zu den Verfasser:innen der Frankreich-bezogenen Artikel in Kunst und Kunsthandwerk (1898-1921)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<updated>2026-04-08T09:41:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Überblick der Frankreich-bezogenen Artikel in &amp;#039;&amp;#039;Kunst und Kunsthandwerk&amp;#039;&amp;#039; zwischen 1898 und 1921&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Überblick der Frankreich-bezogenen Artikel in &#039;&#039;Kunst und Kunsthandwerk&#039;&#039; zwischen 1898 und 1921&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Elisabeth Freundlich</title>
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		<updated>2026-04-07T09:52:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Elisabeth Freundlich</title>
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		<updated>2026-04-07T09:50:51Z</updated>

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		<title>Arthur-Augustin Taponier</title>
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		<updated>2026-04-02T09:26:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Arthur-Augustin Taponier (*24. Juni 1845 in Genf, †27. September 1901 in Carouge) hat durch ein an ein französisches Publikum gerichtetes Reisebuch von 1892 weniger über Tirol informiert denn dieses katholisch-konservative Land dem aufgeklärt-republikanisch-revolutionären Frankreich und dem protestantischen Preußen als ideales Gegenbild gegenübergestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Taponier, Sohn eines Genfer Kaufmanns, studierte zunächst Ius in Paris – wo er möglicher Weise die Kommune miterlebte – und wandte sich im Alter von 26 Jahren dem Studium der katholischen Theologie zu, zunächst, ab Herbst 1871, an der sehr konservativen theologischen Fakultät in Innsbruck. Er blieb insgesamt 7 Semester in Innsbruck, wo in diesen Jahren der Kulturkampf gegen die Bildung einer evangelischen Gemeinde tobte. Nach dem Doktorat war er Pfarrer und „archiprêtre“ in Carouge, einem bis 1816 savoyischen, also katholischen Vorort von Genf, war in vielen katholischen Vereinigungen der Westschweiz aktiv und publizierte Predigten und Vorträge, eine Broschüre &#039;&#039;Voltaire et Frédéric-le-Grand&#039;&#039; (1895) und eine weitere über den deutschen Zentrumspolitiker Windthorst&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118633678.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein wohl nicht sonderlich erfolgreiches Reisebuch &#039;&#039;Bavière et Tyrol. Notes sur l’Allemagne du Sud&#039;&#039; (1892) ist wie diese Broschüren in katholischen Verlagen erschienen, bei Lethielleux in Paris und in der Librairie de l’Université in Fribourg; die Verlagswahl zeigt, welches Publikum Taponier erreichen wollte. Er verschweigt in diesem Buch, dass er Priester war, wohl um seine Urteile über den Tiroler Katholizismus objektiver erscheinen zu lassen. Auch als Schweizer gibt er sich nicht zu erkennen, er wendet sich eindeutig an französische Leser*innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Hälfte dieses literarisch ziemlich anspruchslosen, nicht immer ganz genauen Reiseberichts von 364 Seiten behandelt Bayern (auch Nürnberg und Bayreuth), die zweite Tirol, mit einem Kapitel über Salzburg. Trotz seiner Unterscheidung zwischen liebenswürdigen (katholischen und konservativen) Süddeutschen und abstoßenden (protestantischen und liberalen) Preußen ordnet Taponier Salzburg und Tirol durchgehend ‚Süddeutschland&#039; zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Beschreibungen von Landschaften und Orten sind nicht recht geglückt; für den besonderen Charakter der Tiroler Städte hat Taponier wenig Sinn, Barock und Rokoko schätzt er nicht besonders. Hingegen beeindrucken ihn die Berge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtiger als geografische Beobachtungen sind dem Autor politische und gesellschaftliche Wertungen; durchgehend betont er die antipreußische und antiprotestantische sowie selbstverständlich antirevolutionäre Einstellung der Tiroler und Österreicher. Am Schluss plädiert er ausdrücklich für eine gegen das deutsche Übergewicht nötige Zusammenarbeit Frankreichs nicht mit Russland, sondern mit der österreichischen Monarchie: „La véritable alliance de l’avenir est là, et non pas ailleurs.&amp;lt;ref&amp;gt;S. 364&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Begründet wird dieses politische Plädoyer durch die Darstellung der schlichten, ganz in ihren Traditionen lebenden, zutiefst katholischen, jedwede Modernisierung ablehnenden&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. S. 295&amp;lt;/ref&amp;gt;, selbstverständlich kaisertreuen&amp;lt;ref&amp;gt;vgl.S. 338&amp;lt;/ref&amp;gt; Tiroler*innen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für die Haltung des Autors ist die Ablehnung des „esprit juif et protestant&amp;lt;ref&amp;gt;S. 81, im Nürnberg-Abschnitt&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Im Salzburg-Kapitel (das vor allem ein Mozart-Kapitel ist) schwächt er Mozarts Freimaurertum dadurch ab, dass dieses damals ja von der Kirche noch nicht formell verdammt worden sei&amp;lt;ref&amp;gt;S. 182&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es ist nicht erstaunlich, dass Taponier Andreas Hofer&amp;lt;ref&amp;gt;S. 297-333&amp;lt;/ref&amp;gt; und den Tiroler Aufstand von 1809 in einem eigenen Abschnitt ausführlich behandelt und sehr positiv beurteilt, auch als Ausdruck des Widerstands gegen den Josephinismus, Er betont an diesem Beispiel, wohl gegen kulturkämpferische Argumentationen, dass die Tiroler 1809 gezeigt hätten, dass der Katholizismus keineswegs die Vaterlandsliebe unterdrücke&amp;lt;ref&amp;gt;S. 332&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu erwähnen ist noch der Abschnitt über den Besuch des damaligen Wallfahrtsorts Judenstein&amp;lt;ref&amp;gt;S. 226-246&amp;lt;/ref&amp;gt;; der Verfasser schließt an die Nacherzählung der judenfeindlichen Legende damals gängige kritische Gedanken über das Judentum an, distanziert sich aber immerhin aus Gründen der Menschlichkeit vom aggressiven Antisemitismus Drumonts&amp;lt;ref&amp;gt;S. 237&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Taponier wendet sich pauschal gegen die Moderne, gegen Aufklärung und Liberalismus, gegen den Protestantismus, gegen die moderne Presse, wohl auch gegen Demokratie und Republik. Ein konkretes Feindbild ist Preußen bzw. das preußisch dominierte Deutsche Reich. Dem wird das idealisierte idyllische katholische ‚alte‘ Leben Tirols gegenübergestellt; Taponier kommt es auf dieses Ideal an, nicht auf das reale „Tirol.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*F. Bouchardy: &#039;&#039;Arthur-A. Taponier&#039;&#039;. Carouge-Genève: Deshusses 1942.&lt;br /&gt;
*Scheichl, Sigurd Paul: „Tirol – Paradiesgärtlein der Reaktion. Die Tiroler Reise des Abbé Taponier im Jahre 1886“. In: &#039;&#039;Das Fenster&#039;&#039; (Innsbruck), Heft 10, 1972, S. 914-917.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Sigurd Paul Scheichl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/06/2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Richard Thieberger</title>
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		<updated>2026-04-01T10:38:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
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		<updated>2026-04-01T10:37:59Z</updated>

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		<updated>2026-04-01T10:37:46Z</updated>

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		<title>Xavier Marmier</title>
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		<updated>2026-04-01T09:45:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Xavier Marmier (* 22. Juni 1808 in Pontarlier, † 11. Oktober 1892 in Paris) gilt für das 19. Jahrhundert als eines der besten Beispiele für Vermittler und Brückenbauer zwischen Frankreich und dem Ausland, vor allem zwischen Frankreich und den „Ländern des Nordens“, wie man sie damals nannte. Xavier Marmier wurde 1808 in Pontarlier im Departement Doubs geboren und wurde schon früh Journalist, bevor er in den 1830er Jahren eine Reihe von Reisen i…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Xavier Marmier (* 22. Juni 1808 in Pontarlier, † 11. Oktober 1892 in Paris) gilt für das 19. Jahrhundert als eines der besten Beispiele für Vermittler und Brückenbauer zwischen Frankreich und dem Ausland, vor allem zwischen Frankreich und den „Ländern des Nordens“, wie man sie damals nannte. Xavier Marmier wurde 1808 in Pontarlier im Departement Doubs geboren und wurde schon früh Journalist, bevor er in den 1830er Jahren eine Reihe von Reisen in die Regionen Nordeuropas unternahm – in die skandinavischen Länder, nach Polen, Russland, nach Kanada und in den Nahen Osten, aber auch nach Deutschland und Österreich. Als Konservator der Bibliothèque Sainte-Geneviève in Paris wurde er später auch Chefredakteur der &#039;&#039;Revue Germanique&#039;&#039;. Als unermüdlicher Schriftsteller bemühte sich Xavier Marmier, seine Erfahrungen aus fremden Ländern durch seine Veröffentlichungen in verschiedenen Medien weiterzugeben: Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Romane und sogar Gedichte, was ihm die Wahl in die Académie Française einbrachte. Er starb 1892. Als vielseitiger Schriftsteller aus der Peripherie machte ihn diese Herkunft empfänglich für fremde Kulturen und ermöglichte es ihm, durch seine Beiträge zu zahlreichen Zeitschriften eine Rolle des Entdeckers und Vermittlers zu spielen, insbesondere gegenüber dem deutschsprachigen Raum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Xavier Marmier und Österreich==&lt;br /&gt;
Auch wenn er die von Germaine de Staël auferlegte geografische und kulturelle Dichotomie zwischen Nord und Süd übernimmt, interessiert sich Xavier Marmier auch für Österreich, zunächst in seinen Reiseberichten, dann durch die Übersetzung eines Theaterstücks, &#039;&#039;Die Ahnfrau&#039;&#039; (1816/17) von [[Franz Grillparzer]], die 1835 veröffentlicht wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild Österreichs in seinen Reiseberichten entspricht dem, das die meisten Reisenden jener Zeit zeichnen: Es ist vor allem das Land der Kontinuität, des Stillstands, der starken polizeilichen und militärischen Präsenz, der Achtung vor Traditionen, der Musik und der schönen Künste.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe insbesondere Marmier 1846: 15–98 und 1859: 323–354&amp;lt;/ref&amp;gt; Marmier unternahm drei Reisen nach Österreich: die erste 1834, die zweite 1846 und die letzte 1853. Er besuchte Wien „unter der Schirmherrschaft von Herrn von Hammer“, d. h. Joseph von Hammer-Purgstall (1774–1856)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_H/Hammer-Purgstall_Joseph_1774_1856.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;; dort verkehrte er folglich in intellektuellen Kreisen, in denen kulturelle Offenheit, Austausch und Vermittlung eine vorrangige Rolle spielten und die unter anderem dem Orient zugewandt waren, auch wenn sie konservativ waren. So konnte er die Netzwerke seiner Bekannten ausnutzen, um die Künstler und Autoren jener Zeit zu treffen, insbesondere Franz Grillparzer.&amp;lt;ref&amp;gt;Er führte mit Grillparzer „lange und freundschaftliche Gespräche“ während seines Aufenthalts in Wien, vgl. Marmier 1867: 112&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xavier Marmier machte in Frankreich eine bis dahin wenig bekannte literarische Welt bekannt. Als unermüdlicher Vermittler verankerte er in den 1830er- und 1840er-Jahren die Literatur Deutschlands, aber auch Österreichs in Frankreich, ohne jedoch aufgrund seiner konservativen politischen Überzeugungen die erklärten Gegner des herrschenden Regimes in den Vordergrund zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Einleitung zur ersten Ausgabe der &#039;&#039;Revue Germanique&#039;&#039; im Jahr 1835 schreibt er:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot; style=&amp;quot;padding-left: 30px;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:88%&amp;quot;&amp;gt;In Österreich haben sich zwei große Dichter hervorgetan: Grillparzer, der mit seinen großzügigen Gedanken und der Zensur ringt wie Galileo unter dem Blick der Inquisition, und der Graf von Ansberg, der sich nicht scheut, seiner Leier eine bronzerne Saite hinzuzufügen und sie gegen die Unterdrücker seines Landes zum Schwingen zu bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Revue Germanique 1835: 11&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dann bietet er in „Théâtre européen. Nouvelle collection des chefs-d’œuvre allemand, anglais, etc.“ die Übersetzung nicht eines der großen Namen der klassischen deutschen Literatur an, sondern gerade eines jungen, erfolgreichen österreichischen Autors vom Beginn des Jahrhunderts: Franz Grillparzer, der, trotz seines Rufs in Österreich und darüber hinaus in den deutschsprachigen Ländern, in Frankreich noch unbekannt war. Das Stück war zwar schon alt, die Uraufführung hatte am 31. Januar 1817 in Wien stattgefunden. Jules Lefèvre schreibt in seiner Einleitung:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot; style=&amp;quot;padding-left: 30px;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:88%&amp;quot;&amp;gt;Geschrieben in einer Zeit, die noch ganz im Zeichen der Inspirationen von Werner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/zacharias-werner/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Müllner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118737775.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; stand, ist &#039;&#039;Die Ahnfrau&#039;&#039; stark von jener Art Fatalismus geprägt, der &#039;&#039;Der 24.&#039;&#039; und &#039;&#039;29. Februar&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Söhne des Thals&#039;&#039; und &#039;&#039;Die Schuld&#039;&#039; bestimmt hat. Dieser Fatalismus, der aus den Dämpfen des Mittelalters hervorgegangen ist, gleicht in keiner Weise dem der Alten. Anstelle des Schicksals ist es ein Orakel des Fluchs, das die Menschen beherrscht, und ihre Handlungen bewegen sich und folgen aufeinander unter dem unausweichlichen Einfluss einiger geheimnisvoller Worte, einiger rachsüchtiger Prophezeiungen. Dieses Dogma der sühnenhaften Notwendigkeit, das im Schmelztiegel der Alchemisten neu geschmiedet wurde […], hat einen zu großen Einfluss auf die deutsche Literatur dieses Jahrhunderts ausgeübt, als dass wir nicht darauf zurückkommen brauchen […]. &amp;lt;ref&amp;gt;Théâtre Européen 1835: 18&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Jules Lefèvre ordnet Grillparzer somit in eine literarische Chronologie und ein bestimmtes Genre („Schicksalsdrama“) ein. Er schließt mit den Worten: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot; style=&amp;quot;padding-left: 30px;&amp;quot;|&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-size:88%&amp;quot;&amp;gt;Trotz der geringen Anzahl seiner Schriften genießt Grillparzer in Deutschland hohes Ansehen, und man zögert nicht, ihn an die Spitze der Dichter seiner Zeit zu stellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Théâtre Européen 1835: 20&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung von literarischem Drama und Boulevardtheater, die das Stück zu erreichen versuchte – man erinnere sich, dass Grillparzer ein begeisterter Besucher der Wiener Vorstadtbühnen war und einen Teil des Repertoires dieser Gattung in sein „Theater von oben“ integrierte –, scheint nicht der Situation des damaligen Pariser Theaters entsprochen zu haben und könnte erklären, warum die Übersetzung des Stücks bei den Theaterleuten jener Zeit keinen Anklang fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xavier Marmiers Übersetzungstätigkeit ist im Bereich der österreichischen Literatur letztlich begrenzt. Seine Übersetzung von Grillparzers erstem Stück, obwohl relativ getreu, wird so zu einem quasi illustrativen Text eines bestimmten Genres, der dadurch die Besonderheiten des Stils des Autors und die sprachlichen Mittel, die er einsetzt, außer Acht lässt. Dennoch muss man Xavier Marmier zugutehalten, dass er versucht hat, ein Stück eines besonderen Genres und einen dem französischen Publikum noch relativ unbekannten Autor bekannt zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Marmier Xavier: Du Rhin au Nil, Bd. I. Paris: Arthus Bertrand 1846, S. 15–98. &lt;br /&gt;
*Marmier Xavier: Voyage pittoresque en Allemagne : partie méridionale. Paris: Morizot (Bd. 1) 1859. &lt;br /&gt;
*Marmier Xavier: Souvenirs d’un voyageur. Paris: Didier 1867. &lt;br /&gt;
*Marmier Xavier: Journal (1848-1890), hrsg. von Eldon Kaye. Genf: Droz (2 Bde.) 1968.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Espagne, Michel: La fonction de la traduction dans les transferts culturels franco-allemands aux XVIIIe et XIXe siècles. Le problème des traducteurs germanophones. In : Revue d’histoire littéraire de la France 97e année, Nr. 3 (1997), S. 413–427. &lt;br /&gt;
*Estignard, Alexandre: Xavier Marmier. Sa vie et ses œuvres. Paris: H. Champion 1893. &lt;br /&gt;
*Leroy du Cardonnoy, Éric: Les traductions françaises de L’Aïeule de Franz Grillparzer au 19ème siècle : une forme particulière de passage à l’acte. In: Corona Schmiele und Éric Leroy du Cardonnoy (Hrsg.): Le théâtre dans tous ses états. Paris: Indigo 2009, S. 86–97. &lt;br /&gt;
*Leroy du Cardonnoy, Éric: Un médiateur hors-pair : Xavier Marmier et la littérature autrichienne. In: Irène Cagneau, Sylvie Grimm-Hamen und Marc Lacheny (Hrsg.): Les traducteurs, passeurs culturels entre la France et l’Autriche. Berlin: Frank &amp;amp; Timme 2020, S. 41–58.&lt;br /&gt;
*Mercer Wendy S.: The Life and Travels of Xavier Marmier (1808-1892). Bringing World Literature to France. Oxford: Oxford University Press (British Academy Postdoctoral Fellowship Monographs) 2007. &lt;br /&gt;
*Théâtre européen : nouvelle collection des chefs-d’œuvre des théâtres allemand, anglais, espagnol, danois, français, hollandais, italien, polonais, russe, suédois, etc. Paris : E. Guérin 1835. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Éric Leroy du Cardonnoy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/04(2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Xavier_Marmier}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Marmier, Xavier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Franz_Werfel&amp;diff=1206</id>
		<title>Franz Werfel</title>
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		<updated>2026-03-26T10:40:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Franz_Werfel nur im französischsprachigen Wiki]. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Gerald_Stieg&amp;diff=1205</id>
		<title>Gerald Stieg</title>
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		<updated>2026-03-26T10:38:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Stieg.jpg||thumb|Gerald Stieg]]Gerald Stieg, der am 25. Mai 1941 in Salzburg geboren wurde und „in einer Atmosphäre aufwuchs, in der Nationalsozialismus und Katholizismus eine explosive Mischung bildeten&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 2013: 24&amp;lt;/ref&amp;gt;“, ist ein österreichisch-französischer Germanist und Philologe, der durch seine wissenschaftliche und editorische Tätigkeit als Chefredakteur der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; eine wesentliche Rolle bei der Förderung der österreichischen Kultur und Literatur in Frankreich sowie beim Kulturaustausch zwischen Frankreich und Österreich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografische Angaben==&lt;br /&gt;
Nach der Matura, die er 1959 am Stiftsgymnasium der Benediktiner in Admont, etwa eineinhalb Stunden von seinem kleinen Dorf Irdning in der Steiermark entfernt, ablegte, studierte G. Stieg Theologie, Philosophie, Altphilologie und Germanistik an den Universitäten Graz und Innsbruck. An der letztgenannten Universität unterrichtete er vier Jahre lang als Assistent, bevor er nach Frankreich zog, wo er als Lektor, Assistent, Oberassistent, Dozent und schließlich von 1988 bis 2009 als Professor für deutsche und österreichische Literatur und Landeskunde am Institut d’allemand d’Asnières (Universität Paris 3) tätig war. Nachdem er 1976 die agrégation d’allemand erhalten und seine von Pierre Bertaux betreute Dissertation den Wechselwirkungen zwischen dem &#039;&#039;Brenner&#039;&#039; und der &#039;&#039;Fackel&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 1976&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet hatte, habilitierte er sich neun Jahre später an der Universität Nancy (Betreuer: Jean-Marie Valentin) mit einer innovativen Studie über  &#039;&#039;Früchte des Feuers: Canetti, Doderer, Kraus und der Justizpalastbrand&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 1989, 1990&amp;lt;/ref&amp;gt;, die an der Schnittstelle zwischen Literatur und Landeskunde stand. Gegen Ende seiner akademischen Laufbahn leitete G. Stieg als Nachfolger von Hansgerd Schulte&amp;lt;ref&amp;gt;https://shs.cairn.info/revue-allemagne-d-aujourd-hui-2020-1-page-153?lang=fr&amp;lt;/ref&amp;gt; das &#039;&#039;Institut d’allemand d’Asnières&#039;&#039; (2001–2005) und die Équipe d’accueil 182 („Centre de recherches sur les sociétés et cultures des pays de langue allemande aux XIX&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt;, XX&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt; et XXI&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt; siècles“), sowie die École Doctorale 385 („Espace européen contemporain“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Lieblingsautoren und wissenschaftliche Betreuertätigkeit==&lt;br /&gt;
Wenn man sich sowohl mit der Lehre&amp;lt;ref&amp;gt;Lacheny / Laplénie 2009&amp;lt;/ref&amp;gt; als auch mit den Forschungsarbeiten von Gerald Stieg&amp;lt;ref&amp;gt;Lacheny 2008&amp;lt;/ref&amp;gt; beschäftigt, stellt man sofort fest, dass er sich weitgehend auf Österreich konzentriert hat – nicht unbedingt als Selbstzweck, sondern eher als Zugang zu allgemeineren Fragestellungen der Literaturgeschichte, der Formen- und Gattungsforschung oder auch der Geistesgeschichte, die hier in einem breiten und undogmatischen Sinne verstanden wird. Unter dem Einfluss des Germanisten und Résistant Pierre Bertaux, der darauf abzielte, neben der Vorherrschaft der Literatur in der französischen Germanistik auch der Landeskunde den ihr gebührenden Platz einzuräumen, hat sich G. Stieg stets bemüht, die Verflechtung von Literatur und Landeskunde aufzuzeigen, wobei er die Analyse der Literatur in ihren historischen, sozialen und politischen Kontext stellte und so „cultural studies“ &#039;&#039;avant la lettre&#039;&#039; betrieb&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 2013: 32&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aus G. Stiegs Publikationen am deutlichsten hervorgeht, ist die große Aufmerksamkeit, die er den bedeutenden Schriftstellern widmet:  [[Elias Canetti|Canetti]], Goethe, [[Karl Kraus|Kraus]], [[Robert Musil|Musil]], [[Rainer Maria Rilke|Rilke]] und [[Georg Trakl|Trakl]]. Innerhalb dieser nicht vollständigen Liste nehmen Kraus und Canetti eine Schlüsselstellung ein: Gerald Stieg, der sich von dem nationalsozialistischen Denken losreissen musste, das auch das Denken seines Vaters war, welcher „hartnäckig seinem gefallenen Ideal treu blieb&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.: 26&amp;lt;/ref&amp;gt;“, entdeckte &#039;&#039;Dritte Walpurgisnacht&#039;&#039; und &#039;&#039;Die Blendung&#039;&#039; fast gleichzeitig, als er als Assistent an der Universität Innsbruck tätig war. Über &#039;&#039;Dritte Walpurgisnacht&#039;&#039; schreibt er rückblickend: „„Der Schock dieser Lektüre war unglaublich: Ich hielt die beste, tiefste, klarste Analyse des Nationalsozialismus in den Händen, die nicht nach der Katastrophe, sondern schon zu Beginn seiner Herrschaft verfasst wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.: 29&amp;lt;/ref&amp;gt;“ und betrachtet Canettis Werk als „eine Entdeckung, die sehr wichtige Konsequenzen für mich haben würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.: 31&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Der eminente Germanist Wendelin Schmidt-Dengler&amp;lt;ref&amp;gt;https://shs.cairn.info/revue-etudes-germaniques-2010-2-page-161?lang=fr&amp;lt;/ref&amp;gt;, sein Kollege und Freund an der Universität Wien, verlieh ihm den Ehrentitel „Canettologe“. G. Stieg leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kenntnis von Kraus’ und Canettis Werk in Frankreich durch internationale Tagungen und Zeitschriftenausgaben, aber auch durch die Mitarbeit an Ausstellungen (wie der im Centre Pompidou 1986) oder Radiosendungen. Als Beispiele seien hier die Nummer 11 von &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; zu Ehren von [[Elias Canetti]], die große Tagung „Elias Canetti (1905– 1994)“ in der Bibliothèque nationale de France (&#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; Nr. 61, 2005), die Nummer 49 (1999) von &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; zur Aktualität von [[Karl Kraus]] oder auch die Nummer 35/36 („Les guerres de Karl Kraus“, 2006) der Zeitschrift &#039;&#039;Agone&#039;&#039; genannt, die das Ergebnis einer Tagung ist, die am Collège de France mit [[Jacques Bouveresse]] veranstaltet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Priorität G. Stiegs war es immer, die Initiativen junger Forscher*innen zu fördern&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.: 243&amp;lt;/ref&amp;gt;. Wenn man die Liste der von G. Stieg betreuten Dissertationen liest&amp;lt;ref&amp;gt;Lacheny 2009: 283–288&amp;lt;/ref&amp;gt;, fällt einem der singuläre und zugleich mutige Charakter der behandelten Themen auf: Thematische Studien und Monographien sind zwar vertreten, doch werden sie oft unter ganz bestimmten Schwerpunkten (Politik, Poetik, Poetologie) angegangen und existieren neben Projekten, die Kulturräume, Autoren und Ansätze kombinieren. Die Vielfalt der daraus entstandenen Arbeiten zeugt sowohl von den Persönlichkeiten und Vorlieben der einzelnen Doktorand*innen, als auch von dem Vertrauen, das G. Stieg den Student*innen entgegenbrachte, die sich an ihn wandten. Hinter dieser Vielfalt lassen sich große Konstanten erkennen, wie die Fülle an komparatistischen oder genetischen Arbeiten, aber auch an Rezeptionsstudien. Darüber hinaus spiegelt der hohe Stellenwert, der den wichtigen Autor*innen ([[Robert Musil|Musil]], [[Elias Canetti|Canetti]], [[Ingeborg Bachmann|Bachmann]], [[Paul Celan|Celan]], [[Thomas Bernhard|Bernhard]], [[Rainer Maria Rilke|Rilke]]) eingeräumt wird, eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung der deutschsprachigen – und insbesondere der österreichischen – Literatur innerhalb der europäischen Tradition&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg / Valentin 1997&amp;lt;/ref&amp;gt;. Um nur einen Eindruck vom Spektrum und von der Ausrichtung der Forschungsthemen der Doktorand*innen von G. Stieg zu vermitteln, genügen einige Beispiele: die „Aufzeichnungen“ von [[Elias Canetti]] / Canetti als Leser von Cervantes, Gogol und Stendhal / Religion in Canettis Denken; die &#039;&#039;Duineser Elegien&#039;&#039; / bildende Kunst und poetische Reflexion bei Rilke / [[Franz Kafka|Kafka]], Rilke und Pessoa; [[Manès Sperber]]; [[Ingeborg Bachmann]] und Marguerite Duras; [[Robert Musil]] und die anthropologische Frage / der Status von Grenzüberschreitungen in Musils Werk; [[Ilse Aichinger]]; die Poetik von [[Franz Werfel]]; die Rezeption von [[Thomas Bernhard]] in der französischen Presse / Bernhard und Tschechow; [[Paul Celan]] und Anselm Kiefer / die Celan-Rezeption in Frankreich; die Rezeption der Psychoanalyse in den deutschsprachigen Literaturkreisen von 1900 bis 1930; die französische Rezeption von [[Peter Handke]]; die Rezeption des Werkes von [[Johann Nestroy]] durch [[Karl Kraus]]; die französischen Übersetzungen des Theaters von [[Elfriede Jelinek]]; die Sexualitätsdiskurse in Wien und Berlin (1900–1914). In dieser Liste, die die Forschungsschwerpunkte von G. Stieg widerspiegelt, dominieren eindeutig österreichische Autoren, allen voran [[Karl Kraus]], [[Elias Canetti]], [[Robert Musil]] und [[Rainer Maria Rilke]], dessen poetische Werke G. Stieg in der „Bibliothèque de la Pléiade&amp;lt;ref&amp;gt;Rilke 1997&amp;lt;/ref&amp;gt;“ herausgegeben hat. Zu diesen Autoren müssen das Wiener Vorstadttheater ([[Ferdinand Raimund|Raimund]] und vor allem [[Johann Nestroy|Nestroy]]) und landeskundliche Studien&amp;lt;ref&amp;gt;Lacheny 2008&amp;lt;/ref&amp;gt; hinzugefügt werden. Schließlich ist noch die Musik zu nennen, die G. Stiegs Lehre und Leben durchzieht: In Mozart „verwirklichte sich für mich eine einzigartige Verschmelzung der Volkskultur des Landes mit einer universellen Vision der Menschheit.&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 2013: 30&amp;lt;/ref&amp;gt;“ G. Stieg veröffentlichte außerdem in &#039;&#039;Le Monde de la musique&#039;&#039; vom 11. Oktober 1990 einen Text über das Streichquartett unter dem an Canetti gemahnenden Titel „Le cœur secret de l’Europe“ (&#039;&#039;Das Geheimherz Europas&#039;&#039;). Dieser Aufsatz, der das Ergebnis langer Reflexionen war, die auf seiner Zusammenarbeit mit Georges Zeisel&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb119296332&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem Gründer des Verbandes ProQuartet, beruhten, wurde im Jahr 2000 in dem Band &#039;&#039;Europes: de l’Antiquité au XX&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt; siècle : anthologie critique et commentée&#039;&#039;, herausgegeben von Yves Hersant und Fabienne Durand-Bogaert (Paris: R. Laffont, „Bouquins“, 2000), neu veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein kritischer Vermittler zwischen Österreich und Frankreich==&lt;br /&gt;
Zusammen mit seinem Freund und Kollegen [[Felix Kreissler]] war Gerald Stieg 1975 eines der Gründungsmitglieder der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca. Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche]]&#039;&#039;, deren Chefredakteur er (zusammen mit [[Gilbert Ravy]]) über zwanzig Jahre lang, von 1982 bis 2004, war, ehe er die Leitung der Zeitschrift an [[Jacques Lajarrige]] abgab. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Zeitschrift gab G. Stieg allein oder zu zweit zehn Ausgaben heraus, die wiederum die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeiten illustrieren, darunter zwei Nummern zu [[Elias Canetti|Canetti]] (Nr. 11, 61), zwei zu [[Karl Kraus|Kraus]] (Nr. 22, 49) und eine zu [[Georg Trakl]] (Nr. 65–66), sowie zahlreiche Aufsätze und Rezensionen zu seinen Forschungsschwerpunkten&amp;lt;ref&amp;gt;Lacheny 2008&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit, die Gerald Stieg für die Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; leistete, ist zugleich Ausdruck und Spiegelbild eines unermüdlichen, aber nicht unkritischen Einsatzes als Vermittler zwischen Frankreich und Österreich. In der Tat schreckte G. Stieg nie davor zurück, kompromisslose politische Positionen zu vertreten. So bezog er öffentlich Stellung gegen Jörg Haider&amp;lt;ref&amp;gt;https://biographien.ac.at/ID-184.6192681877674-1&amp;lt;/ref&amp;gt; und seinen rechtsextremen Populismus und er bekämpfte die Politik der ÖVP-FPÖ-Koalition im Jahre 2000, über der in seinen Augen „der Schatten des Nationalsozialismus und des Pangermanismus&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 2013: 35&amp;lt;/ref&amp;gt;“ schwebte, weshalb er für einige Zeit in offiziellen österreichischen Kreisen als Persona non grata galt. G. Stieg ging im Namen des Redaktionskomitees von &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; sogar so weit, dass er jegliche Verbindung mit den damaligen österreichischen Regierungsbehörden abbrach und jegliche Subvention des österreichischen Staates für &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; ablehnte. Die Ablehnung dieser Subventionen wird in einem Brief an die damalige österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Benita_Ferrero-Waldner&amp;lt;/ref&amp;gt; vom 14. Mai 2000 deutlich begründet: „Diese Haltung wird für uns dadurch bestimmt, dass es moralisch nicht vertretbar ist, Geld von einem Spender anzunehmen, den man offen bekämpft. Dieser Akt ist nicht gegen Österreich gerichtet, ganz im Gegenteil, er will ein Symbol für politische und moralische Opposition sein&amp;lt;ref&amp;gt;Abdruck des Briefes in: Austriaca Nr. 50, 2000: 9–11, hier: 10&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Und während der Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) 2000 in Wien stattfand, also einige Monate nach der Bildung einer schwarz-blauen Koalitionsregierung, nahm G. Stieg zusammen mit [[Jacques Bouveresse]], [[Jacques Le Rider]] und Heinz Wismann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/141838035.html&amp;lt;/ref&amp;gt; an einer parallelen Protestaktion mit dem vielsagenden Titel „Die Germanistik, eine politische Wissenschaft?“ teil, die im Jüdischen Museum Wien veranstaltet wurde. Als G. Stieg schließlich im Jahr 2000 gemeinsam mit [[Felix Kreissler]] eine „Société franco-autrichienne“ (Französisch-Österreichische Gesellschaft) gründete, nahm er „an einem Kampf teil, dessen Ziel es war, die österreichische Kulturpolitik in Frankreich zu delegitimieren“, da er das Gefühl hatte, „dass die österreichische Regierung auf unverantwortliche Weise mit den Grundlagen der Republik und ihrem internationalen Kredit spielte.&amp;lt;ref&amp;gt;Stieg 2013: 36&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Dies ist ein Beispiel für die intellektuelle Integrität von Gerald Stieg, der stets eine österreichische Identität unter der musikalischen Ägide von Mozart und der literarischen Ägide von Nestroy, Kraus, Canetti, Rilke und Trakl gegen die verhängnisvollen Auswirkungen der nationalsozialistischen und pangermanisten Vergangenheit Österreichs verteidigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Lacheny, Marc: Travaux et publications de Gerald Stieg. In: Kerstin Hausbei und Alain Lattard (Hrsg.): Identité(s) multiple(s). Paris: Presses Sorbonne Nouvelle 2008, S. 249–264.&lt;br /&gt;
*Lacheny, Marc und Laplénie, Jean-François (Hrsg.): « Au nom de Goethe ! » Hommage à Gerald Stieg. Paris: L’Harmattan 2009.&lt;br /&gt;
*Lacheny, Marc: Travaux de recherche dirigés par Gerald Stieg. In: Marc Lacheny et Jean-François Laplénie (Hrsg.): « Au nom de Goethe ! » Hommage à Gerald Stieg. Paris: L’Harmattan 2009, S. 283–288. &lt;br /&gt;
*Rilke, Rainer Maria: Œuvres poétiques, hrsg. von Gerald Stieg. Paris: Gallimard 1997.&lt;br /&gt;
*Stieg, Gerald: Der Brenner und die Fackel. Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte von Karl Kraus. Salzburg: Otto Müller 1976.&lt;br /&gt;
*Stieg, Gerald: « Fruits du feu ». L’incendie du Palais de justice de Vienne en 1927 et ses conséquences dans la littérature autrichienne. Rouen: PURH 1989.&lt;br /&gt;
*Stieg, Gerald: Frucht des Feuers. Canetti, Doderer, Kraus und der Justizpalastbrand. Wien: Edition Falter im ÖBV 1990.  &lt;br /&gt;
*Stieg, Gerald und Valentin, Jean-Marie (Hrsg.): „Ein Dichter braucht Ahnen“. Elias Canetti und die europäische Tradition. Bern: Peter Lang 1997.&lt;br /&gt;
*Stieg, Gerald: L’Autriche : une nation chimérique ? Cabris: Sulliver 2013.&lt;br /&gt;
*Stieg, Gerald: Sein oder Schein. Die Österreich-Idee von Maria Theresia bis zum Anschluss. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2016. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Gerald_Stieg}}&lt;br /&gt;
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[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Franz_Werfel nur im französischsprachigen Wiki].  {{otherWiki|Franz_Werfel}}“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Franz_Werfel nur im französischsprachigen Wiki]. &lt;br /&gt;
{{otherWiki|Franz_Werfel}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Wiener Verlag</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der „Wiener Verlag“ war einer der wenigen österreichischen Verlage, die um 1900 in bemerkenswertem Umfang Belletristik herausbrachten; unter dieser Rubrik spielte die französische Literatur naturgemäß eine führende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Verlages==&lt;br /&gt;
Die Vorgängerfirma des „Wiener Verlags“ war der Verlag von Leopold Rosner, der bedeutende österreichische Autorinnen und Autoren der Zeit (Anzengruber, Bauernfeld, Ebner-Eschenbach, Kürnberger u.a.) verlegte, sich aber vor allem durch eine äußerst umfangreiche Publikation von Theatertexten einen Namen machte. Im Verlagskatalog von 1880 umfasst Rosners Reihe „Neues Wiener Theater“ bereits 104 Titel, von denen mehr als ein Fünftel Übersetzungen aus bzw. Bearbeitungen nach dem Französischen waren.&lt;br /&gt;
Die prominentesten Namen in Rosners Katalog sind Alexandre Dumas fils, Théodore de Banville, Victorien Sardou, Alphonse Daudet und das Duo Millaud-Offenbach&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Verlagskatalog L. Rosner 1880&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1885 verkaufte Rosner wegen finanzieller Schwierigkeiten die Reihe an die Wallishaussersche Hofbuchhandlung. 1899 ging das gesamte Unternehmen in den Besitz von Oskar Friedmann und Carl Wilhelm Stern über und wurde auf „Wiener Verlag“ umbenannt, ehe 1903 Fritz Freund die Leitung der Firma übernahm. Er vervielfachte die Buchproduktion, druckte für die Zeit exorbitant hohe Auflagen, arbeitete mit prominenten Buchillustratoren wie Berthold Löffler, Heinrich Vogeler oder Emil Orlik zusammen, bezahlte ansehnliche Honorare und investierte großzügig in die Werbung. Der spekulative Verlagsstil ging schief, Freund verschuldete sich durch seine groß angelegten Unternehmungen dermaßen, dass er 1908 Bankrott machte. Die Geschäfte kamen zum Stillstand, nur auf dem Papier existierte die Firma noch bis 1929.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Verlagsprogramm finden sich zahlreiche renommierte österreichische Autoren und Autorinnen, darunter zum Beispiel [[Robert Musil]] (&#039;&#039;Die Verwirrungen des Zöglings Törless&#039;&#039;), [[Artur Schnitzler]] (&#039;&#039;Reigen&#039;&#039;), [[Hugo von Hofmannsthal]] und [[Ferdinand von Saar]]. Komplementär dazu begründete Freund 1903 eine „Bibliothek berühmter Autoren“, die ausschließlich Übersetzungen aus der französischen, englischen, skandinavischen, polnischen und russischen Literatur herausbrachte. In dieser „Bibliothek“ finden sich Autoren der Weltliteratur wie Dostojewski, Strindberg, Tolstoi, Tschechow, Mark Twain und Oscar Wilde. Der Schwerpunkt lag aber auf der französischen Literatur, die mit Balzac, Barbey d’Aurevilly, Paul Bourget, Georges Courteline, Huysmans, Pierre Louys, Maupassant, Catulle Mendès, Octave Mirbeau, Édouard Rod und den Belgiern Camille Lemonnier und Georges Rodenbach vertreten ist&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Reyhani 1971&amp;lt;/ref&amp;gt;. Innerhalb von zwei Jahren erschienen 50 Bände zu dem sehr billigen Preis von 50 Pfennig für jeden der – allerdings meist schmalen – Bände&amp;lt;ref&amp;gt;Hall 1985, S. 88&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die für ein solches Produktionsvolumen nötige rasche Arbeit führte dazu, dass die Qualität der Übersetzungen, wie Stichproben zeigen, äußerst dürftig ausfiel&amp;lt;ref&amp;gt;siehe Bachleitner 2001, S.399–401&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Provokation und Skandal gehörten offensichtlich zum Verlagskonzept, klar erkennbar ist eine Vorliebe für sozialkritische, antiklerikale und erotische Literatur. In dieses Programm fügten sich Octave Mirbeaus Werke perfekt ein. Der Naturalist ist mit sechs Titeln der im „Wiener Verlag“ am häufigsten vertretene französische Autor. Die ‚Pikanterien‘ des &#039;&#039;Journal d’une femme de chambre&#039;&#039;, übersetzt als &#039;&#039;Tagebuch einer Kammerjungfer&#039;&#039; (1901), die in &#039;&#039;Bauernmoral&#039;&#039; (1902) sowie in &#039;&#039;Laster und andere Geschichten&#039;&#039; (1903) gesammelten Erzählungen und der antiklerikale Grundton von &#039;&#039;Der Abbé&#039;&#039; (1903) und &#039;&#039;Der Herr Pfarrer und andere Geschichten&#039;&#039; (1904) waren offensichtlich geeignet, ein gutbürgerliches Publikum zu provozieren, sie riefen aber auch die Zensurbehörden auf den Plan. Fritz Freund musste wegen Handels mit pornographischer Literatur wiederholt vor Gericht erscheinen. Zudem wurden so manche Titel des „Wiener Verlags“ in Deutschland und Österreich verboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War der „Wiener Verlag“ in der Vermittlung Mirbeaus in deutscher Sprache führend, so zeigte auch der Verlag [[Gustav Grimm]] in Budapest – übrigens im Gefolge einer deutschen Gesamtausgabe von [[Émile Zola|Zolas]] &#039;&#039;Rougon-Macquart&#039;&#039;-Zyklus – mit drei Mirbeau-Titeln auffallendes Interesse an dem anrüchigen Autor. Unter anderem produzierte Grimm eine Konkurrenzübersetzung des &#039;&#039;Journal d’une femme de chambre&#039;&#039;. Zum Unterschied von Grimm, der sich über urheberrechtliche Aspekte hinwegsetzte und die in Ungarn herrschende relative Großzügigkeit in Zensurfragen ausnützte, hatte der „Wiener Verlag“, wie es der Vertrag zwischen Frankreich und Österreich von 1866 vorsah, die Autorisation des französischen Verlegers eingeholt&amp;lt;ref&amp;gt;dazu Bachleitner 2001, S. 397f.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den in Österreich verbotenen Titeln fand sich auch das &#039;&#039;Tagebuch einer Kammerjungfer&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;siehe Junker 1902, S. 22&amp;lt;/ref&amp;gt;. In seinen Werbetexten wies Freund darauf hin, dass das Buch zwar verboten, aber dennoch auf den vom Berliner &#039;&#039;Literarischen Echo&#039;&#039; zusammengestellten Listen der meistgelesenen Bücher der Saison 1900/1901 vertreten war. Wie dies Verlage häufig taten, deutete er das Verbot zu einem Qualitätsmerkmal um. Der Roman wurde nach § 516 des österreichischen Strafgesetzbuches verboten, der „gröbliches Ärgernis verursachende Verletzung der Sittlichkeit“ sanktionierte. Österreichische Literatur-Verbote wurden in der Wiener Zeitung und in der &#039;&#039;Österreichischen Buchhändler-Korrespondenz&#039;&#039; veröffentlicht, dabei wurde meist auf die das Verbot begründenden Textpassagen hingewiesen. Im Fall von Mirbeaus &#039;&#039;Tagebuch einer Kammerjungfer&#039;&#039; handelt es sich um mehr als zwanzig Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;siehe Amtsblatt zur Wiener Zeitung 1901&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Großteil dieser Passagen enthielt Beschreibungen sexueller Aktivitäten, aber auch die Religion wurde in Schutz genommen. So wurde die Stelle als unzumutbar erachtet, an der Célestine in einem ihrer vielen inneren Monologe durchblicken lässt, dass von einem Dienstmädchen ganz allgemein sexuelle Dienstleistungen erwartet werden. Auch sie selbst habe sich dieser eingeführten Praxis nicht immer zu entziehen vermocht, aber stets Trost in der Religion gefunden, durch die sie sich von ihren Sünden losgesprochen fühlte. Die Religion betrachtet sie geradezu als eine Art Versicherung, die sie in ihrem Lebenswandel bestärkt und davor bewahrt habe, zur Prostituierten abzusinken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ach, wenn man die Religion nicht hätte! Nicht das stille Beten in den Kirchen An den Abenden, an denen man gerade arg in der Tunke sitzt und moralisch niedergeschlagen ist ..., wenn man sich da nicht zur Mutter Gottes flüchten könnte und zum heiligen Antonius von Padua und zum ganzen übrigen Kalender, da wäre man noch weit übler daran ... Das steht fest! ... Und was dann aus einem würde, bis wohin man sinken könnte, das weiß nur der Teufel!&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Mirbeau 1901, S. 12&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1918 mussten österreichische Verlage mit Verboten ihrer Produkte rechnen. Zweifellos hatte der „Wiener Verlag“ aber, bevor das Verbot in Kraft trat, bereits eine erkleckliche Anzahl von Exemplaren abgesetzt. Sein Stammpublikum wusste um die Gefahr und hatte sicher rasch zugegriffen, ganz abgesehen davon, dass die Zensur im großen Deutschen Reich weniger streng vorging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Amtsblatt zur Wiener Zeitung und Central-Anzeiger für Handel und Gewerbe, Nr. 163, 18.7.1901.&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Traduction et censure de Mirbeau en Autriche. In: Cahiers Octave Mirbeau 8 (2001), S. 396–403.&lt;br /&gt;
*Hall, Murray G.: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Bd. 1: Geschichte des österreichischen Verlagswesens. Wien, Köln, Graz: Böhlau 1985.&lt;br /&gt;
*Junker, Carl: Catalogus Librorum in Austria Prohibitorum. Supplementum I. Verzeichnis der in Oesterreich von Ende 1895 bis Ende 1901 für den Buchhandel wichtigen Verbotenen Druckschriften mit Ausschluss derjenigen in den slavischen Sprachen. Wien 1902.&lt;br /&gt;
*Mirbeau, Octave: Tagebuch einer Kammerjungfer. Wien: Wiener Verlag 1901.&lt;br /&gt;
*Reyhani, Brigitte: Das literarische Profil des Wiener Verlages von 1899. Diss. masch. Graz 1971.&lt;br /&gt;
*Verlagskatalog von L. Rosner in Wien. Wien, 20. October 1880.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onelinstellung: 30/09/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_viennoises}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Verlag_Wallishausser&amp;diff=1202</id>
		<title>Verlag Wallishausser</title>
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		<updated>2026-03-16T10:30:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Haus_und_Buchdruckerey_des_Herrn_Wallishauser.jpg|170px|thumb|Ansicht der Buchdruckerei Wallishauser auf dem Josefstädter Glacis, um 1830]]Der Verlag Wallishausser (1784–1943) war mit dem Druck und der Verbreitung großer Teile des Wiener Theaterrepertoires während des ‚langen‘ 19. Jahrhunderts ein wesentlicher Vermittler der französischen Dramatik wie auch französischer Opern und Operetten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Firmengeschichte==&lt;br /&gt;
Aus Bayern zugewandert, eröffnete Johann Baptist Wallishausser (1858–1810) im Jahr 1784 eine Verlagsbuchhandlung, bald auch ein Lesekabinett, 1800 zusätzlich eine Druckerei. Mit dem Titel „Hof-Theatral-Drucker“ bzw. „k.k. Hoftheater-Buchdrucker“ dekoriert, produzierte er die Theaterzettel für die beiden Hoftheater und wurde bald zum führenden Wiener Theaterverlag. Neben den Hoftheatern bezog Wallishausser insbesondere das Repertoire des Leopoldstädter Theaters und des Theaters an der Wien in seine Produktion ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betreffend die zahlreichen Besitzerwechsel (dazu Seemann und Wallishauser) sei bloß erwähnt, dass die Firma 1815 von Johann Baptist II. (1790–1831), 1833 von dessen Witwe, 1856 von Joseph Klemm&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Josef_Klemm&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1882 von Adolph Wenzel Künast&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/140334718&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen wurde. 1885 wurde der Theaterverlag Leopold Rosners&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116628472&amp;lt;/ref&amp;gt; aufgekauft, der bereits zuvor für Wallishausser gearbeitet und später in seinem eigenen Verlag prominente österreichische Autor:innen wie [[Anzengruber]] und [[Ebner-Eschenbach]] verlegt hatte; 1939 wurde die Firma arisiert. Die Verlagsaktivitäten waren bereits um die Jahrhundertwende stark ausgedünnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dramentexte erschienen in umfangreichen Reihen mit Titeln wie „Neueste Theaterbibliothek“, „Wiener Theater-Repertoir“, „Neues Wiener Theater“ u.ä. 1854 umfasste sein Theaterkatalog (Vollständiges Verzeichniß 1854) bereits weit über 1000 Titel, darüber hinaus hielt Wallishausser in seinem Lager auch fremdverlegte und antiquarische Theatertexte bereit. Der Buchhandelshistoriker Karl Friedrich Pfau&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/130106844&amp;lt;/ref&amp;gt; schrieb 1890: „Das Archiv und das reiche antiquarische Lager aller seit mehr als 100 Jahren zur Aufführung gelangten und im Druck erschienenen Theaterstücke umfaßt mehr als 30000 Nummern und bildet eine Nachschlage- und Fundquelle für alle Theaterkreise in unerreichter Vollständigkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;zit. bei Seemann und Wallishauser, sub Verlagskatalog, 1885&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1793 an war Wallishausser offiziell beauftragter Drucker der an den Hoftheatern gespielten Stücke. Seine Dramentexte wurden in den Buchhandlungen, aber auch an den Theaterkassen verkauft. Jeder in broschierter Heftform erscheinende Text kostete 17 kr., wenn man für ein Jahr subskribierte nur 12 kr. Noch 1854 kosteten seine Ausgaben durchschnittlich nicht mehr als 20 kr. Theaterenthusiasten konnten ferner auch für ein Quartal oder ein ganzes Jahr auf die täglich erscheinenden Theaterzettel subskribieren. Mit dieser Politik wohlfeiler Ausgaben sicherte sich der Verlag die größtmögliche Verbreitung. Zusätzlich konnten Wallishaussers sämtliche Dramentexte im Lesekabinett gelesen und ausgeliehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Präsenz im Katalog==&lt;br /&gt;
Neben den Klassikern Shakespeare, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, [[Franz Grillparzer|Grillparzer]] und [[Johann Nestroy|Nestroy]] (mit vielen Erstausgaben), später Bauernfeld, Anzengruber und Ebner-Eschenbach findet sich bei Wallishausser mehrheitlich populäre deutsche und österreichische Unterhaltungsdramatik (&#039;&#039;pars pro toto&#039;&#039; seien A. W. Iffland, A. Kotzebue, [[Ignaz Franz Castelli|I. F. Castelli]], J. A. Gleich, Fr. Kaiser und J. Haffner genannt). Bekanntlich enthielt das Wiener Theaterrepertoire während des gesamten ‚langen‘ 19. Jahrhunderts und darüber hinaus einen hohen Anteil französischer Stücke. Auch von den bei Wallishausser vertretenen französischen Autor:innen kann nur eine Auswahl, die entweder qualitativ oder quantitativ hervorragte, erwähnt werden. In den Anfängen des Verlags begegnet man z.B. L.-S. Mercier, L. B. Picard und P.-A. Caron de Beaumarchais, in späteren Jahrzehnten E. Dupaty, C. Delavigne, A. Dumas fils, O. Feuillet, E. Augier, [[Victorian Sardou|V. Sardou]], A. de Musset, Th. de Banville, F. Coppée, F. Ponsard und A. Daudet. Pauschal formuliert dominierten die Komödien und Vaudevilles, später die Gesellschaftsstücke. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die unter dem Namen der französischen Originalautor:innen herausgebrachten Texte hinaus findet sich eine große Zahl von Bearbeitungen, die mitunter durch die Formel „nach XY“ gekennzeichnet sind, sich aber oft auch stillschweigend bei Vorlagen bedienten. Wie bekannt, sind weite Teile des Wiener ‚Volkstheaters‘ (inklusive der Stücke von Johann Nestroy) nach französischen Vorbildern verfasst. Erinnert sei an dieser Stelle lediglich an I. F. Castelli und A. Kotzebue, die unermüdlich eigene Stücke, daneben aber ebenso zahlreiche Bearbeitungen produzierten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wallishausser deckte nicht nur das Sprech-, sondern auch das Musiktheater ab. Daher finden sich auch weite Teile des Wiener Opern- und Operettenrepertoires in seinem Programm. Haydn, Mozart oder Beethoven finden sich hier, aus dem französischen Musiktheater ragen G. Bizet und H. Berlioz heraus. Im Bereich der populären Oper begegnet man einer Reihe ausgesprochener Erfolgstitel, etwa den Opern D.-F.-E. Aubers und G. Meyerbeers. Um ein Beispiel zu geben: F. Halévys Oper &#039;&#039;La juive&#039;&#039; nach [[Eugène Scribe|Eugène Scribes]] Libretto machte auf ihrer Erfolgstour durch Europa auch in Wien immer wieder halt. Trotz zahlreicher Konkurrenzausgaben in Wien (bei Pichler), Leipzig und Berlin weist Wallishaussers Verlagskatalog bis zum Ende des Jahrhunderts zumindest neun verschiedene Ausgaben bzw. Auflagen der Oper nach. Die niedrigen Preise beförderten zweifellos die Verbreitung, auch &#039;&#039;La juive&#039;&#039; kostete nur 20 kr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wallishausser geriet als Nachdrucker ins Gerede, wobei der Nachdruck vorgängiger, in deutschen Staaten erschienener Ausgaben eine in Österreich bis in die 1830er Jahre weit verbreitete Praxis darstellte. Ob bzw. inwiefern der Nachdruck auch die Übersetzungen französischer Dramatik betrifft, wäre noch zu untersuchen. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass Wallishaussers Texte oft die auf den Wiener Bühnen tatsächlich gesprochenen Texte wiedergeben, was meist eigens auf den Titelblättern vermerkt ist und gegen Nachdruck spricht. Da sie die Spieltexte konservieren, sind Wallishaussers Dramendrucke nicht nur wichtige Medien des Kulturtransfers, sondern auch für Detailfragen der Theatergeschichte von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Frank, Peter R. und Frimmel, Johannes: Buchwesen in Wien 1750–1850. Kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Wiesbaden: Harrassowitz 2008.&lt;br /&gt;
*Seemann, Otmar und Wallishauser, Martha: Die Verlagsbuchhandlung Johann Baptist Wallishausser, 1784-1964 (http://www.donjuanarchiv.at/seemann/wallishausser).&lt;br /&gt;
*Vollständiges Verzeichniß von Theaterstücken aus dem Verlage von J.B. Wallishausser. Wien: J. B. Wallishausser’s k.k. Hoftheater-Buchdruckerei 1854.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Wallishausser}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Verlag_Schr%C3%A4mbl&amp;diff=1201</id>
		<title>Verlag Schrämbl</title>
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		<updated>2026-03-16T10:30:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Produktion des Verlags Schrämbl (1787–1839) wurde wiederholt als eine der umfangreichsten im Wien seiner Zeit bezeichnet&amp;lt;ref&amp;gt;Frank und Frimmel 2008, S. 176&amp;lt;/ref&amp;gt;. Umso bemerkenswerter ist der Umstand, dass mehr als ein Viertel des Verlags französischsprachige Bücher umfasste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Verlags==&lt;br /&gt;
Der Verlagsgründer Franz Anton Schrämbl (1751–1803) erhielt in Wien laut Wurzbach&amp;lt;ref&amp;gt;1876, S. 254&amp;lt;/ref&amp;gt; „eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung“, ehe er 1776 zum Direktor der k.k. Normalschule, einer Musterschule, die zugleich der Lehrerausbildung diente, nach Troppau in Österreichisch Schlesien berufen wurde. Neben der Schultätigkeit sammelte er erste Erfahrungen im Buchhandel bei dem Troppauer Verleger Georg Trassler. In diesen Jahren fühlte sich Schrämbl aber eher zur Schriftstellerei berufen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen ein Drama mit dem Titel &#039;&#039;Edwin und Emma&#039;&#039; (1779), das es mit 17 Aufführungen sogar zu Burgtheaterehren brachte, und eine Übersetzung von Voltaires &#039;&#039;Henriade&#039;&#039; (1782/83). Diese Übersetzung sollte Friedrichs II. berühmte, in &#039;&#039;De la littérature allemande&#039;&#039; geäußerte Skepsis gegen Literatur in deutscher Sprache widerlegen. Vor allem aber weist sie den Übersetzer als Verehrer Josephs II. aus, der in der Widmung als ähnlich weiser und toleranter Herrscher wie Heinrich IV. apostrophiert wird. Erstaunlich forsch wird dagegen der Papst attackiert, der sich zu dieser Zeit mit dem Kaiser im Streit um die Oberhoheit über die Kirche in Österreich befand. Auch wird Jacques Clément, der Mörder Heinrichs III., in einer von Schrämbl eingefügten Fußnote als übelste Ausgeburt mönchischen Obskurantismus apostrophiert. Der Bezug zu Josephs Kirchenpolitik und der Schließung der Klöster in Österreich ist in dieser Übersetzung jedenfalls offensichtlich&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bachleitner 2020, S. 70–72&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Schrämbls Hexametern spießte die Kritik kleine Irrtümer und stilistische Schnitzer auf, dies verhinderte aber nicht die Neuauflage des Texts im Jahr 1810.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schrämbls schriftstellerische Ambitionen verflüchtigten sich bald. 1787 kehrte er nach Wien zurück und gründete seinen eigenen Verlag, wobei er von Trassler die Rechte auf den kürzlich begonnenen &#039;&#039;Allgemeinen Großen Atlass&#039;&#039; mitnahm. Dieses kartographische Pionierwerk sollte auch seinen verlegerischen Ruhm begründen, während seine übrige umfangreiche Verlagsproduktion zu einem erheblichen Teil aus zunehmend anrüchigen Nachdrucken von in deutschen Staaten erschienenen Werken bestand. Aus seinen Nachdrucken deutscher Belletristik ragen die &#039;&#039;Sammlung von Werken deutscher Dichter und Prosaisten sowie eine Wieland-Werkausgabe hervor. Ein Verbot des Nachdrucks im Deutschen Bund&#039;&#039; wurde seit dessen Gründung diskutiert, aber erst 1835 beschlossen. Es ist sicher kein Zufall, dass der Verlag ab diesem Jahr rasch seinem Ende entgegen ging. Auch die hier gegenständliche Produktion von Büchern in französischer Sprache war selbstredend Nachdruck. Zum Unterschied vom Nachdruck von Büchern aus deutschen Staaten erregte der Nachdruck französischer Bücher aber kaum Anstoß. Erst 1866 wurde ein bilateraler Vertrag geschlossen, der unautorisierte Nachdrucke und Übersetzungen zwischen Österreich und Frankreich unterband. Schrämbl behauptete, dass ihn Joseph II. zum Nachdruck französischer und englischer Bücher regelrecht aufgefordert habe, das ist aber wenig wahrscheinlich. Auch setzte Schrämbls Produktion französischer Bücher erst 1810 ein. Die zwei Jahrzehnte zuvor waren von beinahe permanenten Kriegen gegen Frankreich geprägt, zudem hemmte die strenge [[Bücherzensur|Zensur]] in der postrevolutionären und Napoleonischen Zeit die Buchproduktion. Die Monate der Napoleonischen Besatzung 1809 nützten viele Wiener Verlage, um bis dahin verbotene Literatur zu drucken und zu verbreiten. Auch Schrämbl startete seine Produktion französischer Literatur mit einer zweisprachigen Auswahl von [[Voltaire|Voltaires]] Werken (1810, 39 Bde); besonders anstößige Titel wie &#039;&#039;La Pucelle d’Orléans&#039;&#039; fehlten in dieser Ausgabe aber trotz Zensurlockerungen. 1812 folgte eine &#039;&#039;Bibliothèque portative ou édition des meilleurs auteurs français en petit format de poche, ornée des gravures&#039;&#039;, die Werke von Le Sage, La Rochefoucauld, Florian und einigen anderen enthielt. Ein eher klein dimensioniertes Projekt war auch die Werkausgabe von Madame Cottin (1816, 12 Bde), während die Ausgaben der Werke von Madame de Genlis (1813–1832, 83 Bde) und die &#039;&#039;Bibliothèque instructive et amusante, ou collection des ouvrages les plus nouveaux et les plus intéressants de la littérature française&#039;&#039; (1817–1830, 61 Bde) mit – unter anderem – Werken von Chateaubriand, Madame de Staël, Le Sage und Bernardin de Saint-Pierre langfristig angelegt waren. Gleichzeitig lief auch eine Reihe mit dem Titel &#039;&#039;Recueil des Romans&#039;&#039; (1817–1825, 32 Bde), die Werke von Sophie Gay, Madame de Montolieu, Benjamin Constant, Madame de Genlis und anderen präsentierte. Einige französische Titel enthielt auch die &#039;&#039;Ausgewählte Sammlung Classischer Romane, Erzählungen und romantischer Dichtungen des In- und Auslandes&#039;&#039; (1825–1828, 44 Bde) mit einer Übersetzung von Bernardin de Saint-Pierres &#039;&#039;Paul und Virginie&#039;&#039;, die laut Titelblatt ausnahmsweise eine Original-Übersetzung von einem gewissen P. Orientalis darstellte. Der Hintergedanke der Reihenwerke bestand darin, Abonnenten anzulocken, die die Kalkulation eines solche Unternehmens bedeutend erleichterten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selten waren in Schrämbls Verlagskatalog französische wissenschaftliche Abhandlungen, ein Beispiel sind zwei vielbändige Werke von Buffon (&#039;&#039;Naturgeschichte der vierfüßigen Thiere&#039;&#039;, 1787–1804, und Naturgeschichte der Vögel, 1787–1806). Vergleichsweise umfangreich war dagegen das Angebot an Sprachlehrbüchern. Ein Longseller und allem Anschein nach geradezu das österreichische Französisch-Lehrbuch schlechthin war Jean-Baptiste Machats Neue französische Sprachlehre. Sie erschien bei Schrämbl erstmals 1822 und ging 1839 bereits in die zwölfte Auflage; nach Auflösung des Schrämbl-Verlags übernahm der Wiener Verlag Michael Lechner das Buch und brachte es 1880 in 45. Auflage mit dem Vermerk 134.–136. Tausend heraus. Von Machat existierten auch eine &#039;&#039;Kleine französische Sprachlehre&#039;&#039; (1832), ein &#039;&#039;Handbuch zu Machat’s französischer Sprachlehre&#039;&#039; (1834) und eine &#039;&#039;Erinnerung an Machat’s Sprachlehren&#039;&#039; (o.J.). Dazu kamen mehrere französische Konversationslehrbücher, Briefsteller und Wörterbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ambitionierte Unternehmen des Transfers französischer Literatur und Sprache hat zweifellos sein Publikum in der österreichischen Monarchie und auch darüber hinaus gefunden – französische Drucke, die deutsche Verleger nicht schädigten, wurden sicher auch in den deutschen Staaten verbreitet. Der Verlag Schrämbl hat somit zweifellos Verdienste um den Kulturtransfer zwischen Frankreich und Österreich gesammelt. Finanziell lukrativ waren seine Unternehmungen aber anscheinend nicht. 1803, kurz vor seinem Tod, musste Franz Anton Schrämbl Konkurs anmelden – die Firma wurde von seiner Witwe dennoch weitergeführt; und auch der Nachlass des letzten Geschäftsführers der Firma weist nur geringe Aktivposten aus&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Kohlmaier 2001, Anhang&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: An On/Off Affair: Voltaire in Eighteenth-Century Vienna. In: N. B., Achim Hölter und John McCarthy (Hg.): Taking Stock – Twenty-Five Years of Comparative Literary Research. Leiden, Boston: Brill 2020, S. 48–89.&lt;br /&gt;
*Frank, Peter R. und Johannes Frimmel: Buchwesen in Wien 1750–1850. Kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Wiesbaden: Harrassowitz 2008.&lt;br /&gt;
*Kohlmaier, Ursula: Der Verlag Franz Anton Schrämbl. Diss. Univ. Wien 2001 (https://www.wienbibliothek.at/sites/default/files/files/buchforschung/kohlmaier-ursula-franz-schrämbl.pdf; zuletzt eingesehen am 30. September 2023)).&lt;br /&gt;
*Wurzbach, Constant von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Bd. 31. Wien: Zamarski 1876.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onelinstellung: 02/07/2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Schrämbl}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Verlag_Schr%C3%A4mbl&amp;diff=1200</id>
		<title>Verlag Schrämbl</title>
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		<updated>2026-03-16T10:30:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Produktion des Verlags Schrämbl (1787–1839) wurde wiederholt als eine der umfangreichsten im Wien seiner Zeit bezeichnet&amp;lt;ref&amp;gt;Frank und Frimmel 2008, S. 176&amp;lt;/ref&amp;gt;. Umso bemerkenswerter ist der Umstand, dass mehr als ein Viertel des Verlags französischsprachige Bücher umfasste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Verlags==&lt;br /&gt;
Der Verlagsgründer Franz Anton Schrämbl (1751–1803) erhielt in Wien laut Wurzbach&amp;lt;ref&amp;gt;1876, S. 254&amp;lt;/ref&amp;gt; „eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung“, ehe er 1776 zum Direktor der k.k. Normalschule, einer Musterschule, die zugleich der Lehrerausbildung diente, nach Troppau in Österreichisch Schlesien berufen wurde. Neben der Schultätigkeit sammelte er erste Erfahrungen im Buchhandel bei dem Troppauer Verleger Georg Trassler. In diesen Jahren fühlte sich Schrämbl aber eher zur Schriftstellerei berufen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen ein Drama mit dem Titel &#039;&#039;Edwin und Emma&#039;&#039; (1779), das es mit 17 Aufführungen sogar zu Burgtheaterehren brachte, und eine Übersetzung von Voltaires &#039;&#039;Henriade&#039;&#039; (1782/83). Diese Übersetzung sollte Friedrichs II. berühmte, in &#039;&#039;De la littérature allemande&#039;&#039; geäußerte Skepsis gegen Literatur in deutscher Sprache widerlegen. Vor allem aber weist sie den Übersetzer als Verehrer Josephs II. aus, der in der Widmung als ähnlich weiser und toleranter Herrscher wie Heinrich IV. apostrophiert wird. Erstaunlich forsch wird dagegen der Papst attackiert, der sich zu dieser Zeit mit dem Kaiser im Streit um die Oberhoheit über die Kirche in Österreich befand. Auch wird Jacques Clément, der Mörder Heinrichs III., in einer von Schrämbl eingefügten Fußnote als übelste Ausgeburt mönchischen Obskurantismus apostrophiert. Der Bezug zu Josephs Kirchenpolitik und der Schließung der Klöster in Österreich ist in dieser Übersetzung jedenfalls offensichtlich&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bachleitner 2020, S. 70–72&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Schrämbls Hexametern spießte die Kritik kleine Irrtümer und stilistische Schnitzer auf, dies verhinderte aber nicht die Neuauflage des Texts im Jahr 1810.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schrämbls schriftstellerische Ambitionen verflüchtigten sich bald. 1787 kehrte er nach Wien zurück und gründete seinen eigenen Verlag, wobei er von Trassler die Rechte auf den kürzlich begonnenen &#039;&#039;Allgemeinen Großen Atlass&#039;&#039; mitnahm. Dieses kartographische Pionierwerk sollte auch seinen verlegerischen Ruhm begründen, während seine übrige umfangreiche Verlagsproduktion zu einem erheblichen Teil aus zunehmend anrüchigen Nachdrucken von in deutschen Staaten erschienenen Werken bestand. Aus seinen Nachdrucken deutscher Belletristik ragen die &#039;&#039;Sammlung von Werken deutscher Dichter und Prosaisten sowie eine Wieland-Werkausgabe hervor. Ein Verbot des Nachdrucks im Deutschen Bund&#039;&#039; wurde seit dessen Gründung diskutiert, aber erst 1835 beschlossen. Es ist sicher kein Zufall, dass der Verlag ab diesem Jahr rasch seinem Ende entgegen ging. Auch die hier gegenständliche Produktion von Büchern in französischer Sprache war selbstredend Nachdruck. Zum Unterschied vom Nachdruck von Büchern aus deutschen Staaten erregte der Nachdruck französischer Bücher aber kaum Anstoß. Erst 1866 wurde ein bilateraler Vertrag geschlossen, der unautorisierte Nachdrucke und Übersetzungen zwischen Österreich und Frankreich unterband. Schrämbl behauptete, dass ihn Joseph II. zum Nachdruck französischer und englischer Bücher regelrecht aufgefordert habe, das ist aber wenig wahrscheinlich. Auch setzte Schrämbls Produktion französischer Bücher erst 1810 ein. Die zwei Jahrzehnte zuvor waren von beinahe permanenten Kriegen gegen Frankreich geprägt, zudem hemmte die strenge [[Bücherzensur|Zensur]] in der postrevolutionären und Napoleonischen Zeit die Buchproduktion. Die Monate der Napoleonischen Besatzung 1809 nützten viele Wiener Verlage, um bis dahin verbotene Literatur zu drucken und zu verbreiten. Auch Schrämbl startete seine Produktion französischer Literatur mit einer zweisprachigen Auswahl von [[Voltaire|Voltaires]] Werken (1810, 39 Bde); besonders anstößige Titel wie &#039;&#039;La Pucelle d’Orléans&#039;&#039; fehlten in dieser Ausgabe aber trotz Zensurlockerungen. 1812 folgte eine &#039;&#039;Bibliothèque portative ou édition des meilleurs auteurs français en petit format de poche, ornée des gravures&#039;&#039;, die Werke von Le Sage, La Rochefoucauld, Florian und einigen anderen enthielt. Ein eher klein dimensioniertes Projekt war auch die Werkausgabe von Madame Cottin (1816, 12 Bde), während die Ausgaben der Werke von Madame de Genlis (1813–1832, 83 Bde) und die &#039;&#039;Bibliothèque instructive et amusante, ou collection des ouvrages les plus nouveaux et les plus intéressants de la littérature française&#039;&#039; (1817–1830, 61 Bde) mit – unter anderem – Werken von Chateaubriand, Madame de Staël, Le Sage und Bernardin de Saint-Pierre langfristig angelegt waren. Gleichzeitig lief auch eine Reihe mit dem Titel &#039;&#039;Recueil des Romans&#039;&#039; (1817–1825, 32 Bde), die Werke von Sophie Gay, Madame de Montolieu, Benjamin Constant, Madame de Genlis und anderen präsentierte. Einige französische Titel enthielt auch die &#039;&#039;Ausgewählte Sammlung Classischer Romane, Erzählungen und romantischer Dichtungen des In- und Auslandes&#039;&#039; (1825–1828, 44 Bde) mit einer Übersetzung von Bernardin de Saint-Pierres &#039;&#039;Paul und Virginie&#039;&#039;, die laut Titelblatt ausnahmsweise eine Original-Übersetzung von einem gewissen P. Orientalis darstellte. Der Hintergedanke der Reihenwerke bestand darin, Abonnenten anzulocken, die die Kalkulation eines solche Unternehmens bedeutend erleichterten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selten waren in Schrämbls Verlagskatalog französische wissenschaftliche Abhandlungen, ein Beispiel sind zwei vielbändige Werke von Buffon (&#039;&#039;Naturgeschichte der vierfüßigen Thiere&#039;&#039;, 1787–1804, und Naturgeschichte der Vögel, 1787–1806). Vergleichsweise umfangreich war dagegen das Angebot an Sprachlehrbüchern. Ein Longseller und allem Anschein nach geradezu das österreichische Französisch-Lehrbuch schlechthin war Jean-Baptiste Machats Neue französische Sprachlehre. Sie erschien bei Schrämbl erstmals 1822 und ging 1839 bereits in die zwölfte Auflage; nach Auflösung des Schrämbl-Verlags übernahm der Wiener Verlag Michael Lechner das Buch und brachte es 1880 in 45. Auflage mit dem Vermerk 134.–136. Tausend heraus. Von Machat existierten auch eine &#039;&#039;Kleine französische Sprachlehre&#039;&#039; (1832), ein &#039;&#039;Handbuch zu Machat’s französischer Sprachlehre&#039;&#039; (1834) und eine &#039;&#039;Erinnerung an Machat’s Sprachlehren&#039;&#039; (o.J.). Dazu kamen mehrere französische Konversationslehrbücher, Briefsteller und Wörterbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ambitionierte Unternehmen des Transfers französischer Literatur und Sprache hat zweifellos sein Publikum in der österreichischen Monarchie und auch darüber hinaus gefunden – französische Drucke, die deutsche Verleger nicht schädigten, wurden sicher auch in den deutschen Staaten verbreitet. Der Verlag Schrämbl hat somit zweifellos Verdienste um den Kulturtransfer zwischen Frankreich und Österreich gesammelt. Finanziell lukrativ waren seine Unternehmungen aber anscheinend nicht. 1803, kurz vor seinem Tod, musste Franz Anton Schrämbl Konkurs anmelden – die Firma wurde von seiner Witwe dennoch weitergeführt; und auch der Nachlass des letzten Geschäftsführers der Firma weist nur geringe Aktivposten aus&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Kohlmaier 2001, Anhang&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: An On/Off Affair: Voltaire in Eighteenth-Century Vienna. In: N. B., Achim Hölter und John McCarthy (Hg.): Taking Stock – Twenty-Five Years of Comparative Literary Research. Leiden, Boston: Brill 2020, S. 48–89.&lt;br /&gt;
*Frank, Peter R. und Johannes Frimmel: Buchwesen in Wien 1750–1850. Kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Wiesbaden: Harrassowitz 2008.&lt;br /&gt;
*Kohlmaier, Ursula: Der Verlag Franz Anton Schrämbl. Diss. Univ. Wien 2001 (https://www.wienbibliothek.at/sites/default/files/files/buchforschung/kohlmaier-ursula-franz-schrämbl.pdf; zuletzt eingesehen am 30. September 2023)).&lt;br /&gt;
*Wurzbach, Constant von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Bd. 31. Wien: Zamarski 1876.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onelinstellung: 02/07/2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Schrämbl}}&lt;br /&gt;
[[Category:Organisation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Verlag Hartleben</title>
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		<updated>2026-03-16T10:30:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Verlag Hartleben (1803–) war, was die Produktion von Übersetzungen betrifft, unter den österreichischen Verlagen quantitativ mit großem Abstand führend. Bei Hartleben erschienen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hunderte Übersetzungen populärer Romane aus dem Französischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Verlags==&lt;br /&gt;
Der Verlagsgründer Conrad Adolf Hartleben (1778–1863) stammte aus einer deutschen Juristenfamilie. 1803 eröffnete er in Pest eine Sortiments- und Verlagsbuchhandlung, deren Produktion in den Bereichen Geschichte, Völkerkunde, Geographie, Jus, Linguistik, Naturwissenschaften und nicht zuletzt Belletristik sie schon bald unter die wichtigsten österreichischen Verlage aufsteigen ließ. 1844 wurde der Hauptsitz der Firma nach Wien verlegt, ferner schien auf den Titelblättern ihrer Verlagswerke fortan auch Leipzig als Standort auf, was wohl den lebenswichtigen Zugang zum deutschen Markt öffnen sollte. Zudem war die sächsische Zensur vor 1848 bei weitem großzügiger als die österreichische, was nicht zuletzt für die Veröffentlichung französischer Romanliteratur günstigere Voraussetzungen schuf. Nach dem Tod C. A. Hartlebens übernahm sein Großneffe Adolf die Firma, dieser bestellte aber mit Eugen Marx einen äußerst betriebsamen Geschäftsführer, der – seit 1892 auch als Inhaber – die Firma bis 1918 führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1840er Jahren boomte das Übersetzen von Romanliteratur in den deutschen Staaten, in Österreich wurde der Aufschwung des Übersetzungswesens in stark verkleinertem Maßstab mitvollzogen. Neben der Behinderung durch die [[Bücherzensur|Zensur]] war das für den nun um sich greifenden spekulativen Buchhandel nötige Kapital knapp. Bis 1835 hatte man in Österreich gewohnheitsmäßig in den deutschen Staaten erschienene Übersetzungen nachgedruckt. Diese Faktoren hatten die Entstehung eines florierenden Übersetzungsbetriebs verhindert. Das Lesepublikum und die Nachfrage waren dennoch vorhanden. So sprach Constant von Wurzbach, der Bibliothekar des Innenministeriums, in einem statistischen Bericht über die österreichische Buchproduktion des Jahres 1854 von einer „grosse[n] lesende[n] Masse“ (Wurzbach 1856, 124), von der er befürchtete, dass sie durch die Lektüre französischer Romane moralisch und politisch verdorben würde. Der überwiegende Teil der 179 Übersetzungsbände und Lieferungen in dem von Wurzbach ausgewerteten Jahrgang, von denen 154 Übertragungen aus dem Französischen darstellten, stammte aus Hartlebens Produktion&amp;lt;ref&amp;gt;Wurzbach 1856, S. 468&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bis zur Jahrhundertwende blieb Hartleben jedoch eine Ausnahmeerscheinung im lahmenden österreichischen Übersetzungsbetrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1846 begann der Verlag eine Publikationsreihe mit dem Titel &#039;&#039;Belletristisches Lesecabinet der neuesten und besten Romane aller Nationen in sorgfältigen Uebersetzungen&#039;&#039; (mit leichten Variationen der Bezeichnung), in der bis zu ihrem Ende im Jahr 1879 1008 Bände in 3039 Lieferungen erschienen. Die Lieferungen eigneten sich für den Vertrieb auf dem Weg der Kolportage, zu der auch der moderate Preis von 21 Kreuzern je Lieferung passte. Für Hartleben arbeiteten sowohl aus Österreich – z. B. Josef Alois Moshamer oder Anton Langer – als auch aus deutschen Staaten stammende Übersetzer:innen – z. B. August Diezmann und August Kretzschmar. Die beiden zuletzt Genannten betrieben das Übersetzerhandwerk in großem Stil: Angesichts des enormen Umfangs der unter ihrem Namen erschienenen Produktion kann man davon ausgehen, dass sie mit Hilfskräften zusammenarbeiteten.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Neben dem &#039;&#039;Belletristischen Lesecabinet&#039;&#039; brachte der Verlag 1868–1873 Paul de Kocks &#039;&#039;Gesammelte neuere humoristische Romane&#039;&#039; in 130 Bänden, denen 1875–1877 &#039;&#039;Ältere humoristische Romane&#039;&#039; in 31 Bänden folgten, und 1869–1874 Alexandre Dumas’ &#039;&#039;Romantische Meisterwerke&#039;&#039; in 93 Bänden heraus. Auch unter den im &#039;&#039;Belletristischen Lesecabinet&#039;&#039; übersetzten Autor:innen ragen quantitativ Dumas père und Paul de Kock heraus. Stark vertreten sind ferner die übrigen Stars des französischen Feuilletonromans, namentlich Eugène Sue, Xavier de Montépin, Paul Féval, der Marquis de Foudras und [[George Sand]]&amp;lt;ref&amp;gt;dazu Bruny 1995, S. 86–92&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nur ausnahmsweise finden sich in der Reihe später kanonisierte Autoren wie Théophile Gautier und Gustave Flaubert. Zu den genannten Ausgaben und Reihen gesellte sich schließlich eine Gesamtausgabe der Romane Jules Vernes in 55 Bänden (1874–1889, fortgesetzt in diversen anderen Ausgaben bis 1910). Zum Unterschied von dem &#039;&#039;Belletristischen Lesecabinet&#039;&#039; wurden Vernes Werke in einer illustrierten Prachtausgabe und weit billigeren Volks- und Familienausgaben (unter anderem in der ‚Collection Verne‘, 1887–1910) aufgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Texte der Übersetzungen enthalten durchgehend Anzeichen von flüchtiger Arbeit und Fehler, vor allem aber fällt auf, dass die Ausgangstexte teilweise für ein zart besaitetes Publikum bearbeitet wurden – naheliegend ist, dass insbesondere in Österreich Verbote zu befürchten waren. Die Vorzensur war seit 1848 zwar abgeschafft, aber politisch oder moralisch missliebige und religionskritische Passagen, die gegen Paragraphen des Strafgesetzes verstießen, konnten zu Anklage, Prozess und gegebenenfalls Beschlagnahme führen. Verlage, Herausgeber und Übersetzer:innen versuchten dem durch vorauseilende Selbstzensur gegenzusteuern. So fehlen in der Übersetzung von Flauberts &#039;&#039;Madame Bovary&#039;&#039; (1858) Passagen, in denen der Abbé Bournisien sich als gar nicht vorbildlicher Geistlicher, sondern schlicht als grober Klotz erweist. Auch seine Debatten mit dem Apotheker Homais über die katholische Religion, die jeder Vernunft widerspreche und mit ihren Ritualen dem Theater ähnle, wurden ersatzlos gestrichen. Ebenso wurden so manche Szenen aus dem Eheleben der Bovarys, in denen Charles keine gute Figur macht, entschärft. Vermeintlich Häßliches und Geschmackloses fanden die Bearbeiter:innen offenbar ebenfalls als unzumutbar, kurzum: &#039;&#039;Madame Bovary&#039;&#039; wurde &#039;&#039;ad usum delphini&#039;&#039; verunstaltet&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres bei Bachleitner 1993&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jules Verne-Übersetzungen weisen ebenfalls diverse Mängel auf&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Bachleitner 2000, S. 332–334&amp;lt;/ref&amp;gt;. Von Interesse ist aber vor allem, dass sie in die Jahrzehnte fielen, in denen aufgrund zwischenstaatlicher Verträge – in diesem Fall zwischen Frankreich und den deutschen Staaten, etwa mit Sachsen 1856 bzw. dem Deutschen Reich und mit Österreich 1866 – Übersetzungen autorisiert werden mussten. Sie waren dafür im Gegenzug auf zehn Jahre gegen Konkurrenzübersetzungen geschützt, aber ihre Herstellung verteuerte sich. Nach und nach stellten die ‚Übersetzungsfabriken‘, so das abfällige Schlagwort der Kritik, die das rein kommerziell orientierte und massenhafte Übersetzen vornehmlich aus dem Französischen aufs Korn nahm, ihren Betrieb ein. Auch Hartleben beendete sein &#039;&#039;Belletristisches Lesecabinet&#039;&#039; im Jahr 1879. Die Rechte für die Jules Verne-Übersetzungen hatten Hartleben 100.000 Francs gekostet, nach Ablauf der Zehnjahresfrist machte ihm der Leipziger Verleger Unflad Konkurrenz mit einer billigen Neuausgabe, bald darauf auch der Verlag Weichert in Berlin, mehrere andere Verlage folgten. Diese Konkurrenten übten starken Preisdruck aus, daher war trotz (oder wegen der) Autorisierung ab den 1880er Jahren mit Erst-Übersetzungen kaum noch Gewinn zu machen. Dies dürfte der Hauptgrund für Hartlebens Rückzug aus dem Geschäft mit Belletristik gewesen sein, die bei ihm vorwiegend aus Übersetzungen bestanden hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: „Wurstartig gedrehte Teufelchen“. Bemerkungen zur ersten deutschen Übersetzung von Flauberts Madame Bovary. In: Literatur ohne Grenzen. Festschrift für Erika Kanduth. Unter Mitarbeit von Monika Pauer hg. v. Siegfried Loewe, Alberto Martino, Alfred Noe. Frankfurt/Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien: Peter Lang 1993, S. 1–19.&lt;br /&gt;
*Bachleitner, Norbert: Übersetzungsfabrik C. A. Hartleben. Eine Inspektion. In: Klaus Amann, Hubert Lengauer, Karl Wagner (Hg.): Literarisches Leben in Österreich 1848–1890. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2000, S. 319–339.&lt;br /&gt;
*Bruny, Martin: Die Verlagsbuchhandlung A. Hartleben. Eine Monographie. Diplomarbeit Univ. Wien 1995.&lt;br /&gt;
*Madame Bovary, oder: Eine Französin in der Provinz. Aus dem Französischen des Gustav Flaubert. Deutsch von Dr. Legné. 3 Teile. Pest, Wien und Leipzig: Hartleben’s Verlags-Expedition 1858. &lt;br /&gt;
*Wurzbach von Tannenberg, Constant: Bibliographisch-statistische Übersicht der Literattur des österreichischen Kaiserstaates vom 1. Jänner bis 31. December 1854. Zweiter Bericht erstattet im hohen Auftrage seiner Excellenz des Herrn Ministers des Innern Alexander Freiherrn von Bach. Zweite vermehrte Auflage. Wien: K. K. Hof- und Staatsdruckerei 1856.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onelinstellung: 02/07/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Hartleben}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Hagenbund</title>
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		<updated>2026-03-16T10:29:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Wiener Künstlerbund &#039;&#039;&#039;Hagen&#039;&#039;&#039; (&#039;&#039;Hagenbund&#039;&#039;) zeigte 1902–12 und 1920–38 in seinem Haus regelmäßig Ausstellungen von Mitgliedern und geladenen Gästen sowie Themenausstellungen und Präsentationen anderer Veranstalter. Dabei war moderne Kunst und Architektur vorwiegend aus Zentraleuropa, aber auch aus frankophonen Ländern zu sehen. Viele der über 200 Mitglieder des Hagenbundes unternahmen Studienreisen nach Frankreich oder lebten dort und rezipierten die moderne Kunst aus Paris. Gemeinsam mit der &#039;&#039;[[Secession]]&#039;&#039;, der [[Galerie Miethke]], der Kunstschau&amp;lt;ref&amp;gt;https://digitale-bibliothek.belvedere.at/viewer/browse/DC:kunstschau/-/1/-/-/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Neuen Galerie&amp;lt;ref&amp;gt;https://kallirresearch.org/history/&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem [[Museum für Kunst und Industrie|Kunstgewerbemuseum (MAK)]] in Wien, dem [[Französisches Kulturinstitut Innsbruck (Institut Français d’Innsbruck)|Institut Français in Innsbruck]] und der &#039;&#039;Grazer Secession&#039;&#039; zählte der Hagenbund zu den wichtigsten österreichischen Plattformen des Austauschs an bildender Kunst mit Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Bundes==&lt;br /&gt;
[[File:LeRireMichl.jpeg||thumb|Illustration von Ferdinand Michl, &#039;&#039;Le Rire&#039;&#039; vom 15. Juni 1907]]&lt;br /&gt;
Die Lebensreformbewegung hatte um 1900 auch Wien erfasst. Die Begeisterung für junge Kunst und die Avantgarde ließ viele neue Kunstgalerien entstehen. Junge und avantgardistische Künstlerinnen und Künstler sahen Chancen auf ihren eigenen Zugang zu einem rasch wachsenden Markt. Dieses künstlerisch-ökonomische Motiv führte in München, Berlin, Wien und anderen zentraleuropäischen Städten zu Abspaltungen („Sezessionen“) von traditionellen Künstlerorganisationen. So wollten die Kunstrebellen den Verkauf ihrer Werke selbst kontrollieren. Ein weiteres Ziel der neuen Vereinigungen war die internationale Vernetzung mit Vorbildern und Gleichgesinnten, besonders aus Paris, dem damaligen Zentrum moderner Kunst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wien folgte auf die Gründung der &#039;&#039;Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession&#039;&#039; 1897 als weitere Abspaltung von der etablierten &#039;&#039;Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens&#039;&#039; am 3. Februar 1900 die Gründung des &#039;&#039;Künstlerbundes Hagen&#039;&#039; durch den Architekten Joseph Urban&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_Urban&amp;lt;/ref&amp;gt;, den Maler Heinrich Lefler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Heinrich_Lefler&amp;lt;/ref&amp;gt; und 20 weitere Künstler. Er benannte sich nach dem Wirt Josef Haagen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Haagengesellschaft&amp;lt;/ref&amp;gt;, in dessen Lokal die Treffen der Gründer stattfanden. Die erste Ausstellung des bald so genannten &#039;&#039;Hagenbundes&#039;&#039; fand noch im Künstlerhaus statt. Darauf folgten Präsentationen in Brünn, in München und in der Wiener Avantgarde-[[Galerie Miethke]]. 1901 stellte die Stadt Wien der Vereinigung einen Teil der 1874 als Markthalle errichteten &#039;&#039;Zedlitzhalle&#039;&#039; in der Wiener Innenstadt zur Verfügung. Joseph Urban adaptierte die Eisenkonstruktion in einem secessionistischen Stil für einen Ausstellungssaal sowie Büros und zwei kleine Veranstaltungsräume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederpolitik und das Ausstellungsprogramm des Hagenbundes waren betont undogmatisch, weltoffen und liberal. Im Gegensatz zur Secession wurden auch Frauen aufgenommen. Man fungierte zudem häufig als Plattform für andere Künstlervereinigungen – etwa für die tschechische Vereinigung &#039;&#039;Mánes&#039;&#039;, die polnische &#039;&#039;Sztuka&#039;&#039; oder die Wiener Neukunstgruppe um [[Egon Schiele]]. Schließlich stellte der Hagenbund seine Räume mehrmals internationalen Wanderausstellungen zur Verfügung, auch solchen aus Frankreich. Nach anderweitiger Verwendung der Zedlitzhalle 1912–19 wurde dieses Programm wieder aufgenommen. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland im März 1938 wurden die Aktivitäten sämtlicher Vereine untersagt. Auch wegen seiner zahlreichen jüdischen Mitglieder wurde der Hagenbund vom NS-Stillhaltekommissar Albert Hoffmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/123555760&amp;lt;/ref&amp;gt; am 29. September 1938 aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim austrofranzösischen künstlerischen Austausch im Hagenbund dominierte vor dem Ersten Weltkrieg die persönliche Exploration der Pariser Moderne. So rezipierten die international orientierten Mitglieder in Reisen, längeren Paris-Aufenthalten und Studien an den dortigen privaten Kunstschulen fast alle aktuellen Kunstströmungen. Die Bildhauerin Elsa Kövesházi-Kalmár&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musee-orsay.fr/fr/ressources/repertoire-artistes-personnalites/elza-koveshazi-kalmar-15607&amp;lt;/ref&amp;gt; bewunderte bereits 1900 die Kunst [[Auguste Rodin|Auguste Rodins]] in Paris und lebte 1912–14 dort. Ludwig Ferdinand Graf&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ludwig_Ferdinand_Graf&amp;lt;/ref&amp;gt; (1892–94 in Paris) orientierte sich am Impressionismus und den Nabis&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/2074197-2&amp;lt;/ref&amp;gt;, Ferdinand Michl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musee-orsay.fr/fr/ressources/repertoire-artistes-personnalites/ferdinand-michl-128554&amp;lt;/ref&amp;gt; (1904–09 in Paris) am Art Nouveau, Felix Albrecht Harta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Felix_Albrecht_Harta&amp;lt;/ref&amp;gt; (1908, 1912/13 und 1926/27 in Paris) am [[Fauvismus]] und [[Kubismus]], [[Georg Merkel]] (1905–08 und 1909–14 in Paris) und seine Frau Louise Merkel-Romée&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Louise_Merkel-Romée&amp;lt;/ref&amp;gt; an [[Paul Cézanne|Cézanne]]. Michl illustrierte Pariser Zeitschriften  und Harta stellte 1908 im Salon d’automne aus. Vermittelt durch den Prager Kunsthistoriker Vincenc Kramář&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/12225869X&amp;lt;/ref&amp;gt; pflegten die tschechischen Hagenbund-Mitglieder Emil Filla&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118969161&amp;lt;/ref&amp;gt; und Otto Gutfreund&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118877240&amp;lt;/ref&amp;gt; auch persönliche Beziehungen zu Picasso&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb11919660r&amp;lt;/ref&amp;gt; und Braque&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb120557687&amp;lt;/ref&amp;gt;. Weitere ordentliche und korrespondierende Hagenbund-&lt;br /&gt;
Mitglieder, die vor dem Ersten Weltkrieg für Studien- und Arbeitsaufenthalte längere Zeit in Frankreich verbrachten, waren Arthur Oskar Alexander, Beni Ferenczy, Raimund Germela, Leopold Gottlieb, Gustav Gurschner, Wilhelm Hejda, Robert Kloss, Ludvík Kuba, Karl Mediz, Emilie Mediz-Pelikan, Rudolf Schiff und Kazimierz Sichulski.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Ausstellungen des Hagenbundes vor 1912 in Wien waren an französischer Kunst Werke von Jules Pascin&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/3d7f9c0a-ef54-423c-971b-e9064b520b0f&amp;lt;/ref&amp;gt; und Charlotte Chauchet-Guilleré&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musee-orsay.fr/fr/ressources/repertoire-artistes-personnalites/charlotte-chauchet-guillere-8032&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sehen. Deutliche französische Inspirationen durch die Kunst Cézannes, [[Paul Gauguin|Gauguins]] und van Goghs präsentierte die Sonderausstellung Malerei und Plastik 1911. Die Neukunstgruppe mit [[Oskar Kokoschka]], Albert Paris Gütersloh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Albert_Paris_G%C3%BCtersloh&amp;lt;/ref&amp;gt;, Anton Kolig&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Anton_Kolig&amp;lt;/ref&amp;gt; und Anton Faistauer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Anton_Faistauer&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigte hier farbintensive frühexpressionistische Bilder als Weiterentwicklung der Malerei der Nabis und des Fauvismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Eu Plastik.jpg||thumb|&#039;&#039;Europäische Plastik - Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Felix Albrecht Harta (1884-1967), 1931]]&lt;br /&gt;
In der Zwischenkriegszeit verstärkte sich die Rezeption der französischen Moderne im Schaffen österreichischer Künstlerinnen und Künstler. Erneut lebten und arbeiteten mehrere Hagenbund-Mitglieder in Frankreich. Der Aufenthalt litt jedoch immer stärker unter den politischen Entwicklungen. Jüdische Künstler wie Josef Floch&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.centrepompidou.fr/fr/ressources/personne/cezjMy7&amp;lt;/ref&amp;gt; (1925-41 in Paris), der in der angesehenen Galerie Berthe Weill&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/139902112&amp;lt;/ref&amp;gt; ausstellte, mussten ab 1940 vor der deutschen Besatzung flüchten. Floch ging nach Amerika. Sein Freund [[Willy Eisenschitz]] hatte schon 1912–14 in Paris studiert und lebte ab 1921 bis zu seinem Tod 1974 immer wieder in der Provence und in Paris. 1942–44 versteckte er sich in Dieulefit (Auvergne-Rhône-Alpes). Auch Viktor Tischler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Viktor_Tischler&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte vor 1914 Studienreisen nach Frankreich unternommen und lebte ab 1928 gänzlich dort, bevor er 1941 in die USA floh. Floch, Eisenschitz und Tischler kultivierten lyrisch-mediterrane Formen der expressiven Malerei. Der Grazer Maler Ernst Paar&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Paar&amp;lt;/ref&amp;gt; lebte 1930–33 in Paris und wurde dort zu einem der engagiertesten österreichischen Kubisten. Georg Pevetz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Georg_Pevetz&amp;lt;/ref&amp;gt; malte in einer farbintensiven Variante des Fauvismus und des Kubismus (Bekanntschaft mit Vlaminck&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118768808&amp;lt;/ref&amp;gt; und Matisse&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb11915136j&amp;lt;/ref&amp;gt;), seit er sich 1929 und erneut 1941–44 (als Besatzungsoffizier) in Frankreich aufhielt. Albert Reuss&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1021136506&amp;lt;/ref&amp;gt; verbrachte 1930 ein Jahr in Cannes und malte expressiv-kubistische Bilder. Die expressionistische Malerin [[Lilly Steiner]], die auch Marc Chagall&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb118958588&amp;lt;/ref&amp;gt; rezipierte, lebte von 1927 bis zu ihrem Tod 1961 in Paris. Die deutsche Besatzung hatte sie im Versteck überlebt. [[Adolf Loos]] hatte 1910 für sie und ihren Ehemann, den Textilfabrikanten Hugo Steiner, ein wegweisendes Einfamilienhaus in Wien sowie 1927 die Pariser Filiale des Wiener Herrenausstatters Kniže geplant, die Steiner führte. Auch die begabte junge Emailkünstlerin und Malerin Franziska Zach&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1052682251&amp;lt;/ref&amp;gt; bezog 1930 ein Atelier in Paris. Sie arbeitete an einer Einzelausstellung, als sie im gleichen Jahr an einem Magenleiden starb. Ihre Bilder zeigen eine sachliche Fortentwicklung des Kubismus in einer reduzierten Palette an Braun- und Blautönen. Zwischen 1918 und 1938 verbrachten auch Theo Fried, Karl Josef Gunsam&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_Gunsam&amp;lt;/ref&amp;gt;, Theodor Kern, Robert Kohl, Viktor Planckh, Frieda Salvendy, Otto Rudolf Schatz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Otto_Rudolf_Schatz&amp;lt;/ref&amp;gt;, Ferdinand Stransky&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ferdinand_Stransky&amp;lt;/ref&amp;gt; und Fritz Schwarz-Waldegg&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Fritz_Schwarz-Waldegg&amp;lt;/ref&amp;gt; längere Zeit in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Hagenbund_Frz_Architektur.jpg|280px|thumb|&#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart im Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Lois Pregartbauer (1899-1971), 1934]]&lt;br /&gt;
1920-1938 waren zahlreiche Werke französischer Künstlerinnen und Künstler in drei vom Hagenbund in Kooperation mit Museen und Händlern veranstalteten Themenausstellungen und in einer übernommenen Wanderschau zu sehen. So wollte der Künstlerbund den österreichischen Kunstbetrieb – wie auch der Kunsthistoriker Hans Tietze&amp;lt;ref&amp;gt;https://geschichte.univie.ac.at/en/persons/hans-tietze&amp;lt;/ref&amp;gt; mit seiner einflussreichen &#039;&#039;Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst&#039;&#039; – weiter öffnen und international vernetzen. Die 38. Hagenbund-Ausstellung 1921 präsentierte mittels Beständen der Albertina moderne Grafik aus Frankreich mit Werken von Cézanne, Gauguin, Matisse, Picasso, Rodin und Signac. 1927 folgte die 55. Hagenbund-Ausstellung mit der Schau &#039;&#039;Graphique française&#039;&#039;. Französische Künstler wurden hier direkt zur Beteiligung eingeladen oder über Kunsthändler rekrutiert. Die Wiener Kritik reagierte erstmals positiv auf die Werke von Braque, Chagall, Delaunay, Derain, Dufresne, Dufy, Dunoyer de Segonzac, Le Fauconnier, Gromaire, Laurencin, Matisse, Pascin, Picasso, Quenneville, Rouault und Vlaminck. Auch in der Ausstellung &#039;&#039;Europäische Plastik&#039;&#039;, die 1931 in der Zedlitzhalle in Kooperation mit Otto Kallirs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Otto_Kallir&amp;lt;/ref&amp;gt; Neuer Galerie gezeigt wurde, waren zahlreiche bedeutende frankophone Künstler vertreten, darunter Barye, Carpeaux , Degas, Gauguin, Géricault, Lipchitz, Maillol, Meunier, Minne, Picasso, Renoir, Rodin und Zadkine. Kallir betrieb nach seiner Flucht aus Wien 1938/39 die Galerie St. Etienne in Paris. Ein Sonderfall war der deutsch-französische Maler Edgar Jené aus Saarbrücken, der 1924–28 in Paris studiert hatte. Wegen der NS-Kunstpolitik in Deutschland zog er 1935 nach Wien und beteiligte sich 1937 an der 74. Hagenbund-Ausstellung. Als Pionier des Surrealismus in Österreich spielte er nach 1945 eine wichtige Rolle im austrofranzösischen Kunstaustausch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein letzter Höhepunkt des austrofranzösischen Kunstaustauschs im Hagenbund war 1934 die Präsentation der Wanderausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;. Sie wurde von der &#039;&#039;Association française d’expansion et d’échanges artistiques&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://shs.cairn.info/histoires-de-la-diplomatie-culturelle-francaise--9782494649040-page-33&amp;lt;/ref&amp;gt; und der &#039;&#039;Société d’architectes diplômés par le gouvernement&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.paris-belleville.archi.fr/publication/la-s-a-d-g-histoire-dune-societe-darchitectes-premiere-partie-1877-1940/&amp;lt;/ref&amp;gt; organisiert. Einflussreiche nichtfranzösische Avantgarde-Architekten wie [[Le Corbusier]] und Mallet-Stevens&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118781456&amp;lt;/ref&amp;gt;, die in Paris arbeiteten, blieben jedoch ausgeschlossen. Zu sehen waren unter anderem Projekte von Perret&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118740024&amp;lt;/ref&amp;gt; und Sauvage&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118957422&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das österreichisch-französische Kulturabkommen vom 2. April 1936, das von der Zweiten Republik am 15. März 1947 erneuert und ausgebaut wurde, institutionalisierte den Kulturaustausch auf zwischenstaatlicher Ebene. Im Hagenbund führte dies allerdings vor dem „Anschluss“ an NS-Deutschland 1938 zu keinen einschlägigen Projekten mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Die verlorene Moderne. Der Künstlerbund Hagen 1900–1938&#039;&#039;. Ausstellungskatalog, Schloss Halbturn. Wien: Österreichische Galerie 1993.&lt;br /&gt;
*Peter Chrastek: Frankreich und der Hagenbund. Eine Fallstudie, in: Agnes-Husslein-Arco (Hg.), Wien-Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne, Ausstellungskatalog, Wien: Belvedere 2007&lt;br /&gt;
*Agnes Husslein-Arco, Matthias Boeckl, Harald Krejci (Hg.): &#039;&#039;Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk der Moderne&#039;&#039;. Ausstellungskatalog. Wien: Belvedere 2014.&lt;br /&gt;
*Peter Chrastek (Hg.): &#039;&#039;Expressiv, Neusachlich, Verboten – Hagenbund und seine Künstler, Wien 1900–1938&#039;&#039;. Wien: Wien Museum 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Matthias Boeckl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onelinestellung : 22/08/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Hagenbund}}&lt;br /&gt;
[[Category:Organisation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Franz%C3%B6sisches_Kulturinstitut_Innsbruck_(Institut_Fran%C3%A7ais_d%E2%80%99Innsbruck)&amp;diff=1197</id>
		<title>Französisches Kulturinstitut Innsbruck (Institut Français d’Innsbruck)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Franz%C3%B6sisches_Kulturinstitut_Innsbruck_(Institut_Fran%C3%A7ais_d%E2%80%99Innsbruck)&amp;diff=1197"/>
		<updated>2026-03-16T10:29:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Ins-bild institut-franais 900x906.jpg||thumb|Das Institut Français d’Innsbruck in der Karl-Kapferer-Straße.]]Am Montag, den 8. Juli 1946, eröffnet Frankreich in der Karl-Kapfererstrasse in Innsbruck ein Institut français,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bulletin d’information et de documentation&#039;&#039; [&#039;&#039;BID&#039;&#039;], Nr. 14 – August–September 1946, S. 47ff.)&amp;lt;/ref&amp;gt; zwei Jahre vor der Wiedereröffnung des 1928 gegründeten und während des Kriegs geschlossenen Wiener Instituts. Der Botschafter Louis de Monticault als politischer Repräsentant der Französischen Republik in Österreich und [[Marie Émile Antoine Béthouart|General Béthouart]] als Kommandant der in Tirol und Vorarlberg stationierten französischen Truppen eröffnen feierlich das für Tirol und Vorarlberg zuständige Institut, wobei auch Vertreter der lokalen Behörden zugegen sind, wie etwa der Präfekt Pierre Voizard als Chef der französischen Zivilverwaltung und Leiter der französischen Kontrollmission in Österreich,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; vom 3.9.1953&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie [[Eugène Susini]], der die beiden Leiter des Instituts vorstellt, [[Maurice Besset]] und Marcel Decombis&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/1069405159&amp;lt;/ref&amp;gt;, letzterer bis 1948. Dabei wird insbesondere auf die Organisation einer Ausstellung hingewiesen, die „namentlich“ Werken von Henri Matisse&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118578847&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pierre Bonnard&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118513281&amp;lt;/ref&amp;gt;, Raoul Dufy&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118681125&amp;lt;/ref&amp;gt;, Suzanne Valadon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/suzanne-valadon/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Maurice Denis&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118671464&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;BID&#039;&#039; Nr. 14, s.o.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zielsetzungen des Instituts unter Maurice Besset==&lt;br /&gt;
[[File:Ausstellungsraum 1800x1080.jpg|left|thumb|Der Ausstellungsraum des Institut Français d’Innsbruck.]]Dieser offizielle Einweihungsakt in Anwesenheit aller Tiroler Behörden zeugt von der Bedeutung des Instituts für die Besatzungsmacht. Das Institut français hat die zweifache Aufgabe, einerseits den Kontakt mit der Universität von Innsbruck herzustellen, indem es deren Wiedereröffnung fördert, andererseits ein „kulturelles“ Projekt zu entwickeln, das sich an ein junges Publikum und an Künstler als vorrangige Zielgruppe richtet. Der Schwerpunkt liegt zuerst auf künstlerischen Aktivitäten, die ein positives Bild von Frankreich entstehen lassen sollen. Laut der bei jedem offiziellen Treffen von General Béthouart verwendeten Formulierung ist Österreich ein „befreundetes Land“ und als solches der ideale Partner, um dieses Ziel zu erreichen. Maurice Besset, der ab 1948 das Institut leitet, setzt diese Politik in die Praxis um. Nach seiner Ernennung zum Leiter des Institut français organisiert er jedes Jahr vier Ausstellungen und lässt berühmte Schriftsteller nach Innsbruck kommen, z.B. Raymond Queneau&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118597302&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pierre Emmanuel&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118530143&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie auch Jean Cocteau&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118521349&amp;lt;/ref&amp;gt;, der am 2. Mai 1952 ein Gespräch mit Journalisten führt, sowie bekannte Intellektuelle wie Gabriel Marcel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.spektrum.de/lexikon/philosophen/marcel-gabriel/217&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Raymond Aron&amp;lt;ref&amp;gt;https://agso.uni-graz.at/archive/lexikon/klassiker/aron/03bio.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, bzw. Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kunst, etwa Tristan Tzara&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046853/2014-01-07/&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Le Corbusier]], oder zahlreiche Künstler aus der Welt der Musik, zum Beispiel Ginette Neveu&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ginette-neveu/&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Alfred Cortot&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119351064&amp;lt;/ref&amp;gt;, der selbst schon vor dem Krieg mehrmals gekommen war. Manche Filmregisseure (z.B. Marcel Carné&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118668455&amp;lt;/ref&amp;gt; und Jacques Becker&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119149893&amp;lt;/ref&amp;gt;) kommen nach Innsbruck, um ihre Filme vorzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Arbeit des Instituts siehe Barbara Porpaczy, &#039;&#039;Frankreich–Österreich – 1945–1960&#039;&#039;, Innsbruck, 2002&amp;lt;/ref&amp;gt; Maurice Besset organisiert auch Jugendlager und die „Hochschulwochen“ in Pertisau am Achensee, wo [[André Gide]] einen Vortrag hält, und in St. Christoph/Arlberg. Er knüpft Verbindungen mit zahlreichen österreichischen Künstlern und ermöglicht ihnen, zum ersten Mal nach Frankreich zu reisen. Dazu zählen u.a. [[Gerhild Diesner]], [[Paul Flora]], [[Wilfried Kirschl]], [[Franz Lettner]], [[Max Weiler]], und der Fotograf [[Rudolf Purner]], dessen Fotos, die seinen Aufenthalt in Paris dokumentieren, anlässlich des 50-Jahr Jubiläums des Instituts 1996 erneut ausgestellt werden. Maurice Besset verlässt Innsbruck im Jahre 1958, nachdem er die Grundlage für eine enge Kooperation mit seinen auf lokaler Ebene gewählten Mitarbeitern gefestigt hat, insbesondere mit der Kunsthistorikerin, Dichterin und Übersetzerin [[Lilly von Sauter]] und mit  Renate Lichtfuss, die bis 1988 als Assistentin der verschiedenen Institutsleiter wirkt. Seine Nachfolger sind François Léger (1958-1964), Pierre Würms (1964-1968), François Fillard (1968-1973), Jean-José Daugas (1973-1978), Francis Olivier (1978-1981), Dominique Paillarse (1981-1985), Jean-Luc Bredel (1985-1986), Line Sourbier-Pinter (1987-1991), Jean-Marc Terrasse (1991-1997), Catherine Roth (1997-2000). Einige unter ihnen sind Germanisten, manche unterrichten an der Universität und / oder stammen aus der französischen Kulturwelt, in die sie nach ihrer Innsbrucker Zeit zurückkehren. Ihre Arbeitsmethoden hängen sowohl von den Anweisungen der jeweils zuständigen Ministerien, ab als auch von den Schlussfolgerungen ab, die sie, je nach Temperament, daraus ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Ende der französischen Besatzung 1955 ist der Grenzverkehr von Gästen und Werken in beide Richtungen dank des Entgegenkommens der Militärbehörden relativ einfach, was die Organisation von Veranstaltungen erleichtert. Im selben Jahr zieht das Institut in neue Räumlichkeiten am Rennweg Nr. 17-19, am Ufer des Inns, um; das französische Konsulat hat damals seinen Sitz im Nachbarhaus, Nr. 21-23. In diesen vom Land Tirol Frankreich geschenkten vier Häusern waren (nach dem Anschluss) deutsche, dann (seit 1945) französische Truppen einquartiert. Das Ganze bildet damals eine Art „kleines Frankreich“, so die Formulierung von M. Burki, dem letzten Konsul. Das weiträumige Institut bietet zahlreiche Französischkurse an und verfügt über eine imposante Bibliothek mit einem Bestand von ca. 10 000 Büchern und Zeitschriften. Es werden freundschaftliche Beziehungen mit den Tiroler Behörden gepflegt; das Institut wird in der Region als offizielle Einrichtung betrachtet und besitzt ein treues Stammpublikum. Die Presse berichtet über die dort stattfindenden Veranstaltungen, und der jeweilige Leiter ist als anerkannte Persönlichkeit bei jeder kulturellen, akademischen und politischen Zeremonie in Tirol und Vorarlberg zugegen. Von 1948 an genießt das Institut ungefähr zehn Jahre lang eine quasi hegemonische Stellung als internationales Kulturforum. In Innsbruck ist zum Beispiel das einzige Kino der Kinosaal des Instituts. Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 verändert sich die Konjunktur allmählich, der wirtschaftliche Aufschwung ist im Gange und es gilt jetzt professionelle Regeln zu beachten.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Katalog der Ausstellung &#039;&#039;Tirol-Frankreich&#039;&#039; im Tiroler Landesmuseum 1991&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach Ende der französischen Besatzung==&lt;br /&gt;
Nachdem Maurice Besset sich von Innsbruck verabschiedet hat, entwickeln sich in den 1960er und 70er Jahren die Prioritäten des Institut français in diesem veränderten Kontext, in welchem nun neue Akteure des kulturellen Bereichs eine Rolle in der Tiroler Szene spielen. Der Besatzungszeit hat das Institut seine nach wie vor sehr gute finanzielle Lage zu verdanken. Das lokale Personal besteht aus fünf bis sieben Personen (Hausmeister, Sekretärinnen, Buchhalter, Bibliothekar), und Frankreich entsendet zwei sogenannte „détachés“: einen Generaldirektor und einen Generalsekretär, der die pädagogische Abteilung leitet. In dieselbe Richtung entwickeln sich auch die Instituts français in Deutschland. Die Anweisungen des Außenministeriums müssen befolgt werden, der Botschafter und der Kulturattaché in Wien sollen dafür bürgen und sind zu diesem Zweck an einem auf „Frankreichs Identität“ und auf der deutsch-französischen Versöhnung gründenden Projekt beteiligt (die österreichische Sonderstellung wird nicht berücksichtigt). Das Projekt dreht sich um vier Achsen (offiziell „Säulen“ genannt): 1. Förderung der französischen Sprache 2. Herstellung bzw. Festigung der Kooperation mit der Universität 3. Fortsetzung einer aktiven Kulturpolitik 4. Schaffung einer Bibliothek – in den 80er Jahren in „Mediathek“ umbenannt.  Die verschiedenen Außenminister – bzw. ihre Kabinette – privilegierten jeweils die eine oder die andere Säule. In den 70er und 80er Jahren wird der Akzent auf die Sprache gelegt und es werden immer mehr Französischkurse angeboten. Es gibt bald bis zu zwölf Französischlehrer, alle vor Ort rekrutiert. Ab 1981 wird auf Anregung des französischen Kulturministers Jack Lang die Kulturarbeit wieder zum Schwerpunkt des Projekts, wobei die Sprachkurse keineswegs vernachlässigt werden, denn sie sind die einzig lukrative Tätigkeit. 1982 übernimmt die Schriftstellerin Catherine Clément&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119354411&amp;lt;/ref&amp;gt; die Leitung der AFAA (Association française d’action artistique), die 1922 zur Förderung der Austausche zwischen Frankreich und dem Ausland gegründet worden war, und setzt sich zur Aufgabe, die Kulturpolitik der Instituts français zu unterstützen. Somit bekommt das Innsbrucker Institut français eine zweifache Unterstützung: Kompetenz und finanzielle Mittel. Die französischen Institute sind bestimmten Zonen zugeordnet. Österreich gehört zur „deutschen“ Zone. Die Ausstellungen pendeln zwischen den Instituten einer selben Zone hin und her. Auf einer 1991 von Günther Dankl im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum organisierten Ausstellung werden mit großem Erfolg dieselben Werke gezeigt wie 1946 bei der Ausstellung anlässlich der Einweihung des Instituts, womit an die Tradition der Kunstpflege wieder angeknüpft wird. Parallel zu diesem künstlerischen Programm wird die Politik des Austausches und der Einladungen von französischen Persönlichkeiten weitergeführt; als Beispiele seien nur die Lesungen von Erik Orsenna&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/121899764&amp;lt;/ref&amp;gt; (1992) und Alain Finkielkraut&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/_/00/000022876&amp;lt;/ref&amp;gt; (1996) erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In all diesen Jahren bleiben die Gebäude der Institute nach wie vor sehr wichtig für die französische Politik, vor allem in Innsbruck, genauso wie in Wien. Allmählich entwickeln sich andere Arbeitsmethoden, die stärker an den Beziehungen mit den lokalen Kunst- und Kulturträgern orientiert sind (Tiroler Landestheater, Galerie Sankt Barbara [Hall in Tirol], Festwoche der Alten Musik… usw..): &#039;&#039;Le Guêpier&#039;&#039;, eine in französischer Sprache spielende Theatertruppe des Instituts für Romanistik der Universität Innsbruck arbeitet mit dem Institut français zusammen, um in den 90er Jahren, mehrere Spielzeiten in Folge, ein Theaterprogramm in französischer Sprache anzubieten. Während das Kino des Instituts geschlossen wird, bekommen die lokalen Kinos eine finanzielle Unterstützung (insbesondere das Filmkunstkino „Cinematograph“ und das 1992 gegründete „Internationale Filmfestival Innsbruck [IFFI]“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1995 tritt Österreich der Europäischen Gemeinschaft bei. Die vier Kulturinstitute (Wien, Innsbruck und die Nebenstellen in Salzburg und Graz) werden der Zone „Osteuropa“ zugeteilt. Diese Verbindung ist für Innsbruck nicht so selbstverständlich wie für Wien. Das schon durch die neuen Orientierungen des Ministeriums in Frage gestellte Institut ist keine Priorität mehr, zumal das Konsulat geschlossen wird und das Institut, nachdem Frankreich seine Räumlichkeiten verkauft hat, völlig isoliert ist. Am 5. September 1995 leitet Frankreich eine Serie von sechs Atomtests auf Mururoa ein, was eine starke Reaktion auf lokaler Ebene hervorruft, und zur Folge hat, dass sogar Freunde und Mäzene sich vom Institut abwenden. Die Sprachkurse werden nicht mehr besucht. Das Institut hat sich lange Zeit von einem gewissen Bild Frankreichs genährt, eines befreundeten, von den lokalen Institutionen unterstützten Lands. Das nahe Italien übernimmt nun bald die Rolle des bestmöglichen Partners. Umso mehr als die Studenten aus Südtirol (der zweisprachigen Region mit Deutsch und Italienisch) sich an der Universität Innsbruck immatrikulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1996 begeht das Institut sein fünfzigjähriges Jubiläum. Ein wichtiges Kolloquium zelebriert dieses Jubiläum:  Österreichische und französische Historiker analysieren diese Jahre der Kooperation; zahlreiche kulturelle Veranstaltungen begleiten diesen Anlass, ein Buch mit einem Vorwort des Tiroler Landeshauptmanns Wendelin Weingartner&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/122210743&amp;lt;/ref&amp;gt; wird veröffentlicht (&#039;&#039;das institut français ist 50 jahre alt&#039;&#039;). 2004 verkauft Frankreich nun auch die Häuser am Rennweg Nr. 17-19, und das Institut, dessen finanzielle Lage immer schwieriger wird, bezieht kleine Büroräume im Stadtzentrum. Der gesamte Bestand der Mediathek wird zerstreut, ein interdisziplinärer Pol für Frankreichkunde wird an der Universität Innsbruck eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2015 wird das Institut français von Innsbruck in ein „Institut franco-tyrolien d’Innsbruck“ mit dem Statut eines gemeinnützigen Vereins verwandelt, dem Professor Franz Pegger&amp;lt;ref&amp;gt;http://franco-tyrolien.at/wordpress/verein/vorstand/&amp;lt;/ref&amp;gt; vorsitzt, in Verbindung mit dem in Wien angesiedelten Institut français d’Autriche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Besset, Maurice: Eine Erinnerung. In: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Hrsg.): Tirol-Frankreich 1946–1960. Spurensicherung einer Begegnung. Innsbruck 1991, S. 11–16.&lt;br /&gt;
*Dankl, Günther: Tirol-Frankreich. Ein Dialog. In: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Hrsg.): Tirol-Frankreich 1946–1960. Spurensicherung einer Begegnung. Innsbruck 1991, S. 49–59.&lt;br /&gt;
*Institut français d’Innsbruck (Hrsg.): das institut français ist 50 jahre alt. Innsbruck, Institut français d’Innsbruck, September 1997, (= Actes du colloque du 25 octobre 1996). ISBN: 3-901891-00-5.&lt;br /&gt;
*Porpaczy, Barbara: Frankreich-Österreich 1945–1960. Kulturpolitik und Identität. Innsbruck: Studienverlag 2002 (= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Bd. 18), bes. S. 75–87.&lt;br /&gt;
*Porpaczy, Barbara: Von der Selbstdarstellung zum Kulturaustausch: Die französischen Kulturinstitute in Wien und Innsbruck. In: Thomas Angerer, Jacques Le Rider (Hrsg.): „Ein Frühling, dem kein Sommer folgte“? Französisch-österreichische Kulturtransfers seit 1945. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1999, S. 119–136.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jean-Marc Terrasse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 15/10/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Institut_français_d’Innsbruck}}&lt;br /&gt;
[[Category:Organisation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Wiener Kreis</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Cercle_de_Vienne nur im französischsprachigen Wiki].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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[[Category:Organisation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Theater_an_der_Wien&amp;diff=1195</id>
		<title>Theater an der Wien</title>
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		<updated>2026-03-16T10:29:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Theater an der Wien 1831.jpg|400px|thumb|Theater an der Wien, verschiedene Außenansichten und eine Innenansicht, 1831]]Das Theater an der Wien erweist sich als ein Ort des Kulturaustauschs zwischen Österreich und Frankreich, der von sehr widersprüchlichen Facetten geprägt ist: Erstens in Bezug auf die im 19. Jahrhundert notorische Adaption französischsprachiger Spielliteratur. Zweitens in Bezug auf die politische Dimension des theatralen Kulturkontakts, die allerdings durch die Zensurbestimmungen unterdrückt wurde. Drittens in Bezug auf die kulturelle Repräsentation, die von Gastspielen französischer Ensembles ausging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption von Spielvorlagen zwischen Adaption und Aneignung==&lt;br /&gt;
Die Impulse aus Paris waren in allen Theatermetropolen und damit auch in Wien dominant; die Orientierung an neuen Genres, Texten und Ideen aus diesem kulturellen Zentrum der Moderne kam einer Selbstverständlichkeit gleich. Das Repertoire des Theater an der Wien basierte im 19. Jahrhundert und darüber hinaus zu einem großen Teil auf Bearbeitungen aus dem Französischen. Die nationalkulturelle Perspektive war dabei unerheblich, vielmehr bestimmten pragmatische Logiken die Repertoireentscheidungen: die Konkurrenzsituation in Wien, die adäquate Beschäftigung der Publikumslieblinge mit ihren besonderen Fähigkeiten sowie die Suche nach Neuigkeiten gaben den Ausschlag im spekulativen Kampf um Erfolg. Die Vorlagen wurden dabei nicht selten mit einem so starken Lokalkolorit überzogen, dass von der französischen Herkunft nichts mehr spürbar war, in gegenteiligen Fällen sollte die Pariser Lebensart mit einem Schuss Pikanterie das Wiener Publikum absichtsvoll kitzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, die bezüglich Interessen und Fähigkeiten von sehr unterschiedlichen Personen dominiert wurde, profilierten sich Joseph Ritter von Seyfried&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz80130.html#adbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie [[Ignaz Franz Castelli]] als Bearbeiter französischer Vorlagen. Ersterer verantwortete etwa Libretti zu drei buffonesken Opern, zu denen Étienne-Nicolas Méhul die Musik komponiert hatte, nämlich &#039;&#039;Die beiden Füchse&#039;&#039; (24.05.1803), &#039;&#039;Die Temperamente&#039;&#039; (09.07.1803) und &#039;&#039;Der Schatzgräber&#039;&#039; (07.08.1803). Castelli brachte ein wegweisendes Pariser Genre nach Wien, nämlich das von René-Charles Guilbert de Pixérécourt&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118792458&amp;lt;/ref&amp;gt; entwickelte Melodram. Seine erste, noch nicht unter seinem Namen firmierende Bearbeitung von &#039;&#039;Coelina ou L’enfant du mystère&#039;&#039; gelangte unter dem Titel &#039;&#039;Die Mühle in den Arpennenfelsen&#039;&#039; (14.10.1802) zur Aufführung, und 15 Monate nach der Pariser Uraufführung war 1815 in Wien auch das legendäre Ritterstück &#039;&#039;Der Hund des Aubri-de-Mont-Didier, oder: Der Wald bei Bondy&#039;&#039; (26.09.1815) zu sehen. Die Kritik attestierte Castelli eine „getreue“ Übersetzung und stellte fest, dass das Stück „dem Bearbeiter Stoff zu pikanten Verwicklungen, rührenden Schilderungen und zerschmetternden Theaterschlägen (Coups)“ liefere. Die Rezensenten haderten mit einer Wirkungslogik, die „das Herz ergreift“ jedoch „die Einwendungen des Verstandes“ zurückstoße (&#039;&#039;Der Sammler&#039;&#039;, 03.10.1815), aber sie verzichteten darauf, das Melodram diskursiv zu instrumentalisieren, um die französischsprachige Theaterpraxis gegen die deutschsprachige abzugrenzen. Als fünf Jahre später Pixerécourts &#039;&#039;Gaston von Malines, oder: Der Rache Wechselkampf&#039;&#039; nach &#039;&#039;Charles le téméraire, ou le siége de Nancy&#039;&#039; (04.06.1820) aufgeführt wurde, rechnete das Fazit mit ein, „dass der Geschmack des Publikums für solche Schaugerichte seit längerer Zeit abgestumpft“ sei (&#039;&#039;Der Sammler&#039;&#039;, 10.06.1820).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue und länger anhaltende Konjunktur hatte gerade begonnen, nämlich die Rezeption der Werke von [[Eugène Scribe]], an der, angesichts der vielen Genres, die dieser Autor zusammen mit seinen jeweiligen Partnern zu bedienen wusste, alle Wiener Bühnen ihren Anteil hatten. Am Theater an der Wien standen zwischen 1820 und 1850 vor allem kürzere Stücke mit Musik und Gesang auf dem Spielplan, die im Französischen Vaudevilles genannt wurden. Die deutschsprachige Terminologie und ihre Abgrenzungen – Vaudeville, Liederspiel, Singspiel, Operette – war ein wiederkehrendes Thema in Fachdiskursen der Zeit. 1820 standen &#039;&#039;Die Nachtwandlerin&#039;&#039; nach &#039;&#039;La Somnambule&#039;&#039;. &#039;&#039;Comédie-Vaudeville en deux actes&#039;&#039; (10.06.1820) sowie &#039;&#039;Der Bär und der Bassa nach L’ours et le Pacha. Folie-Vaudeville en un acte&#039;&#039; (05.08.1820) auf dem Programm. Die zurückhaltende Würdigung eines Kritikers gibt Einblick in eine zentrale Verfahrensweise der Adaption Scrib’scher Vaudevilles, wenn er das „Vokal-Quartett“ und das „Tyrolerlied“ lobte, das dem Bassa am Ende dargebracht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wiener allgemeine Theaterzeitung&#039;&#039;, 12.08.1820&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Vaudeville zu bearbeiten bedeutete vor allem, Melodien bekannter Lieder festzulegen, auf die die übersetzten Reime zu singen sind. Und damit war in Wien die Anreicherung der Pariser Vorlagen mit lokalen Liedern vorgegeben. Die im Umfeld von Scribe immer wiederkehrende Formel „nach“ bzw. „aus dem Französischen“ konnte so unterschiedliche Bedeutungen annehmen – am Theater an der Wien wurden damit kaum österreichisch-französische Beziehungen bearbeitet, vielmehr wurde so der Ausgangspunkt benannt, wo die Suche nach dem großen Bedarf an vergnüglicher Unterhaltung ihren Anfang genommen hatte. Auch [[Johann Nestroy]] debütierte am Theater an der Wien in einem Scribe-Stück, nämlich am 30.08.1831 in &#039;&#039;Der Gang ins Irrenhaus&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Theaterzeitung&#039;&#039;, 08.09.1831&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Marie Geistinger.jpg|left|thumb|Marie Geistinger als Schöne Helena, 1865]]Ende der 1850er Jahre und bis in die 1870er Jahre hinein waren die Pariser Neuigkeiten von [[Jacques Offenbach]] das zentrale Ferment, das den Spielstätten, die auf musikalische und parodistische Wirkungsstrategien setzen, Auftrieb gab. Im Gegensatz zur Scribe-Rezeption, bei der sich alle Theater in einem Repertoire-Segment bedienen konnten, ohne in Konkurrenz zu geraten, war bei Offenbach der Wettbewerbsdruck enorm. [[Carl Treumann]] und Johann Nestroy hatten sich einen zeitlichen Vorsprung verschafft und brachten mit &#039;&#039;Hochzeit bei Laternenschein&#039;&#039; (16.10.58) die erste deutschsprachige Offenbach-Produktion am Carl-Theater heraus, wobei der Kapellmeister Carl Binder nach dem Klavierauszug die Orchesterpartien selbst komponierte. Offenbach, der wiederholt in Wien weilte, dirigierte und mit anderen Theaterdirektoren Absprachen traf, verstand es, seinen Absatzmarkt in Wien zu vergrößern. Mit Friedrich Strampfer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_S/Strampfer_Friedrich.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, der ab 1862 für sieben Jahre das Theater an der Wien leitete, einigte er sich auf die deutsche Erstaufführung von kleineren Werken wie &#039;&#039;Der Brasilianer&#039;&#039; (08.10.1863), &#039;&#039;Die Kunstreiterin&#039;&#039; (15.02.1864) und &#039;&#039;Ritter Eisenfraß der letzte der Paladine&#039;&#039; (01.10.1864), die jeweils zusammen mit anderen Einaktern und Tänzen zum Theaterabend ausgebaut wurden. Als „Bluetten“ bezeichnete die Kritik diese kleinen Bühnenwerke inzwischen gewohnheitsmäßig. Dann vermochte Strampfer aber auch abendfüllende Werke an sein Theater zu binden, &#039;&#039;Die schöne Helena&#039;&#039; geriet am 17.03.1865 zu einem Triumph beim Publikum. Die ersten drei Abende stand Offenbach am Dirigentenpult, und die angeblich von ihm vermittelte Sängerin Marie Geistinger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_G/Geistinger_Marie.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; überzeugte als Helena selbst Kritiker des Werks. Mit diesem Stück wurde dem Theater an der Wien attestiert, beim Versuch, „die Operette einzuführen, sehr glücklich“ agiert zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Blätter für Theater, Musik und Kunst&#039;&#039;, 21.03.1865&amp;lt;/ref&amp;gt; Es folgten u. a. &#039;&#039;Blaubart&#039;&#039; (21.09.1866), ein wegen seiner aufwändigen Ausstattung gefeierter &#039;&#039;Orpheus in der Unterwelt&#039;&#039; (05.01.1867), &#039;&#039;Die Großherzogin von Gerolstein&#039;&#039; (13.05.1867) und &#039;&#039;König Carotte&#039;&#039; (23.12.1876). Verzauberung, Spott und die fatalistische Beurteilung moderner Zeiten trieben bei der Beurteilung der Wiener Offenbachiaden reiche Blüten. Provokativ bemerkte etwa ein Kritiker zum &#039;&#039;König Carotte&#039;&#039;: „Man nimmt ja gegenwärtig in Paris die Dummheit wo man sie findet, und macht Operettentexte daraus, da wenigstens das deutsche Publikum keine operettistische Dummheit, die aus Frankreich kommt, zurückzuweisen wagt“.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Humoristisches Wochenblatt&#039;&#039;, 30.12.1876&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Offenbach-Rezeption in Wien setze vor allem Paris und Wien in ein Verhältnis, scheinbar unabhängig vom Grad der Übertragung auf Wiener Verhältnisse konnten hier Publikum und Kritik nach Belieben Ähnlichkeiten und Differenzen erkennen. Geistinger avancierte ab 1869 zusammen mit Maximilian Steiner zur ersten Direktorin des Theater an der Wien. Während der Phase der intensiven Offenbachpflege hatten sich Komponisten wie Franz von Suppè&amp;lt;ref&amp;gt;https://musiklexikon.ac.at/ml/musik_S/Suppe_Familie.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, Carl Millöcker&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_M/Milloecker_Carl.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; und Johann Strauß (Sohn)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Strauss_(Sohn)&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Operetten hervorgetan, die französischen Vorbildern Entscheidendes verdankten, aber in der Folge als „Wiener Operetten“ den Spielplan des Theater an der Wien bestimmten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische Umbrüche und Wiener Theater==&lt;br /&gt;
Politischen Entwicklungen in Frankreich betrafen seit der Revolution 1789 die Donaumonarchie und ihr Zentrum; zuweilen waren die Auswirkungen in Wien sehr konkret zu spüren. Und sie waren je nach sozialer Zugehörigkeit, Bildungsstand und politischen Standpunkten mit Bewunderung, Begeisterung, Hoffnungen, Abscheu oder Ängsten verknüpft. Aber für den zensurierten Theaterbetrieb war das österreichisch-französische Verhältnis in politischer Hinsicht tabu. Diese Unterdrückung des Politischen lenkt den Blick auf den zensurfreien Revolutionssommer 1848 im Theater an der Wien, als dort durch Aufführungen nach französischen Vorlagen aktuelle soziale Konflikte aufgegriffen wurden: Erstens eine zweiteilige Adaption des Romans &#039;&#039;Le Juif errant&#039;&#039; von Eugène Sue&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118619861&amp;lt;/ref&amp;gt; mit dem Titel &#039;&#039;Der ewige Jude&#039;&#039;, die um 1845 der Schauspieler Carlschmidt ausgearbeitet hatte; und zweitens eine Adaption des Stücks &#039;&#039;Der Lumpensammler&#039;&#039; von Félix Pyat&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/117706868&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Bearbeitung des Romans von Sue stellte die „Arbeiter-Frage“ in den Mittelpunkt, indem ausbeuterische Verhältnisse hinsichtlich Entlohnung und Arbeitszeit mit einem sozial agierenden Fabrikanten kontrastiert werden, der seine Arbeiterschaft auch mit Wohnungen und Essen versorgt und sie zudem am Gewinn beteiligt. Auf der Bühne wurde gezeigt, wie Jesuiten ihrerseits Arbeiter aufwiegelten, um genau diesen Musterbetrieb zu stürmen und zu zerstören. Pyat nutzte in &#039;&#039;Le chiffonier de Paris&#039;&#039; die auf starke Kontraste angelegten Mittel des Melodrams, um das soziologische Helldunkel von Aristokratie und Proletariat zu schildern, wobei Mord, Betrug und Romantik ihren Anteil nehmen und im glücklichen Ende der Mörder seiner Strafe zugeführt wird. Die beiden Teile von Carlschmidts Sue-Adaption erreichten ab dem 24.06.1848 zusammen sieben Aufführungen, der von Joseph Kupelwieser bearbeitete &#039;&#039;Lumpensammler&#039;&#039; brachte es am 26.07.1848 auf eine einzige. Die theatrale Evokation sozialer Missstände, die mit der Botschaft aufwartete, dass gesellschaftliche Verhältnisse veränderbar sind, hatte also auch im Revolutionsjahr einen eklatanten Misserfolg. Ein Kritiker berichtete zwar, dass es „viel Gejohle und Beifall von dem ungebildeten und unberechenbaren Teil des spärlichen Publikums“ gegeben habe, aber die Journalisten nutzten diese Aufführungen vor allem, um Künste und Politik in Frankreich bzw. der „Metropole des Luxus“ zu geißeln, und eine klare Abgrenzung zwischen der „Barbarei des Geschmacks“ samt Zerfall von Politik und Gesellschaft in Frankreich gegen die „kräftigen, noch unverdorbenen Sinne der Deutschen“ abzugrenzen. „Sue hat mit seinen Werken den Samen der europäischen Revolutionen ausgestreut. Er hat schon Früchte getragen, blutige Früchte, und wird sie wohl noch tragen“, stand zu &#039;&#039;Der ewige Jude&#039;&#039; am 3. Juli im &#039;&#039;Österreichischen Courier&#039;&#039;. Zu Pyat fiel die Reaktion am 28.07. noch grundsätzlicher aus. „Ähnliche Stücke treten die eigentliche Bedeutung der Bühne zu Boden, sie veredeln den Menschen nicht, sondern vielmehr sie entedeln ihn, sie zeigen ihm nicht Lichtseiten des menschlichen Lebens, sondern grauenhafte, verzerrte Nachtbilder, voll Verzweiflung, Kummer und Elend.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Niederschlagung der Revolution war an solche Theaterversuche nicht mehr zu denken. Der Hof kündigte seine Loge im Theater an der Wien und beklagte in Franz Pokornys&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_P/Pokorny_Familie.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; Repertoire „Piecen in radicaler und socialer Richtung, die in der Regel die Parteileidenschaften unter dem Publikum rege machen“. Aber auch die Rezensenten trauten sich nicht mehr so abschätzig über Pariser Theater zu schreiben. Durch die Förderung des Nationalgefühls, an dem sich die in diesen Jahren als „National-Theater an der Wien“ bezeichnete Spielstätte aktiv beteiligte, blieb aber die abwertende Kontrastierung französischen und deutschsprachigen Theaters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein fixer Topos des journalistischen Theaterdiskurses. „Sinnlichkeit“ und „Frivolität“ wird dem französisch inspirierten Repertoire unterstellt, ein pädagogisches Volkstheater mit moralischer Wirkung ist demgegenüber der Maßstab, an dem die zahllosen Charakter- und Sittenbilder gemessen wurden, die sich als genuin deutschsprachige Kultur verstanden wissen wollten. Das „Original-Volksstück“ &#039;&#039;Zaunschlupferl&#039;&#039; von Alois Berla&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_B/Berla_Alois.xml&amp;lt;/ref&amp;gt;, das 1857 im Theater an der Wien aufgeführt wurde, wählte in diesem Sinne mit erheblicher Verzögerung die Besetzung Wiens durch die Franzosen 1809 als Erzählrahmen, um die patriotische Allianz der Landbevölkerung mit der Armee zu feiern und die französischen „Feinde“ lächerlich zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pariser Gastspiele für die beste Gesellschaft==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen sehr unterschiedlichen Reflexionsraum zur bewussten Vermessung des kulturell „Eigenen“ und „Anderen“ oder zur Einsicht in die kulturelle Verwobenheit von Paris und Wien eröffneten Gastspiele französischer Truppen, die in einer auffallenden Häufung in den Jahren 1856–1858 erfolgten. Vom 26.03.1856 bis zum 21.04.1856 gastierten Pierre Levassor&amp;lt;ref&amp;gt;https://lesarchivesduspectacle.net/p/68758-Pierre-Levassor&amp;lt;/ref&amp;gt;, angekündigt als der „erste Komiker des Theaters Palais Royal“, und „Mademoielle Teisseire“ vom Théâtre du Gymnase in Paris mit einer Truppe am Carl-Theater. Vom 16.01.1857 bis zum 27.03.1857 spielte die französische Schauspieltruppe von „Brindeau et de Chapiseau“ am Theater an der Wien. Édouard Brindeau&amp;lt;ref&amp;gt;https://lesarchivesduspectacle.net/p/68880-Edouard-Brindeau&amp;lt;/ref&amp;gt;, 1842 bis 1854 als Schauspieler an der Comédie Française beschäftigt, tourte mit rund 15 Personen durch Europa und repräsentierte das Pariser Theater auch in Wien. Schon im Folgejahr fand sich vom 02.01.1858 bis zum 26.02.1858 die personell noch etwas größere Truppe des „Mr. Briol“ dort ein. Die Aufführungen richteten sich offensichtlich an eine vermögende und kulturell mit der französischen Kultur und Sprache verbundene Schicht des Adels sowie des Besitz- und Bildungsbürgertums. Der Rezensent der &#039;&#039;Wiener Vorstadt-Zeitung&#039;&#039; gab zu Protokoll, dass alles, was „Wien an Vornehmheit besitzt“, im Theater zugegen war und „den süßen Lauten der französischen Sprache mit einem Entzücken wunderbarer Art lauschte“. Zudem wurde selbst auf „den Sitzen im Parterre von uns Wienern nur Französisch gesprochen“. Seinen Bericht über das Gastspiel von Brindeau bettete er in eine allgemeine Betrachtung zum „Übergewicht, welches Frankreich über Europa gewonnen, den Einfluss, den es auf alle transrhenanischen Menschenkinder ausübt“, ein.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Wiener Vorstadt-Zeitung&#039;&#039;, 19.01.1857&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Höhepunkte wurden die Dramen von Alexandre Dumas dem Jüngeren&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/essentiels/dumas-fils&amp;lt;/ref&amp;gt; gefeiert, 1857 kam &#039;&#039;Le Demi-Monde&#039;&#039; die größte Aufmerksamkeit zu, 1858 &#039;&#039;La Dame aux Camélias&#039;&#039;. Die Kritik begleitete die Gastspiele sehr engagiert und keinesfalls unkritisch. Insgesamt luden die Gastspiele dazu ein, die Adaptionsleistungen der Wiener Bühnen rückwirkend zu bewerten und die Stärken und Schwächen des Wiener und Pariser Theaters zu reflektieren. Und an den moralischen Fragen, die durch die Stücke von Dumas aufgeworfen wurden, gab es ein großes Ergötzen, das aber meist in die Konklusion mündete, dass die Verhältnisse in der Hauptstadt der Demi-Monde eben doch nicht mit Wien zu vergleichen seien. Der Modus der Rezeption war dem bewussten und direkten Kulturkontakt verpflichtet, was andere Sichtweisen stimulierte als jene, die im Hinblick auf Übersetzungen und Adaptionen üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gastspiele aus Frankreich waren im Theater an der Wien in seiner Funktion als Festspielhaus der Wiener Festwochen ab 1962 wieder präsent, wobei sich in den Einladungen sowie der Art und Weise, wie sie in Wien anmoderiert wurden, jeweils der Zeitgeist des Festivals manifestierte. 1965 wurde dem vor zehn Jahren geschlossenen Staatsvertrag gedacht, wofür die Wiener Festwochen das programmatische Motto „Kunst in Freiheit“ ausgaben. Eingeladen wurden repräsentative Theaterproduktionen aus den vier ehemaligen Besatzungsmächten. Aus Paris reiste das Ensemble des Théâtre de France unter der Direktion von Jean-Louis Barrault&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118506676&amp;lt;/ref&amp;gt; und Madeleine Renaud&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119206757&amp;lt;/ref&amp;gt; an; sie zeigten &#039;&#039;Le mariage du Figaro&#039;&#039; von Pierre A. Beaumarchais&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118507850&amp;lt;/ref&amp;gt; in Kostümen von Yves Saint-Laurent, &#039;&#039;Rhinocéros&#039;&#039; von Eugène Ionesco&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118555707&amp;lt;/ref&amp;gt;. Barrault hatte in beiden Produktionen Regie geführt und er spielte mit. In der dritten Produktion mit Renaud und Barrault in den Hauptrollen, Samuel Becketts&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118508172&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Oh! Les beaux jours&#039;&#039;, hatte Roger Blin&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119079003&amp;lt;/ref&amp;gt; die Regie übernommen. Im Juni 1974 war mit &#039;&#039;Phèdre&#039;&#039; von Jean Racine&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/jean-racine&amp;lt;/ref&amp;gt; in der Inszenierung von Antoine Boursellier&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/135819857&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Produktion des Théâtre de Gymnase aus Marseille zu Gast. Die Wahl wurde im Zusammenhang mit der Dezentralisierung der Künste in Frankreich im Programmheft begründet. Im Juni 1981 erreichte mit Jérôme Savary&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118814281&amp;lt;/ref&amp;gt; und seinem Grand Magic Circus der Geist der 1968er-Jahre das Theater an der Wien, wo die Truppe [[Molière|Molières]] &#039;&#039;Le bourgeois gentilhomme&#039;&#039; interpretierte. Wenn alle diese Einladungen auf der Basis unterschiedlicher Werthaltungen besonders repräsentative Theaterkunst in den historischen Theaterraum führten, so saßen sich Ende Mai 2018 vor allem Zuschauende sonst getrennt existierender Fangruppen gegenüber, wodurch sich das Interieur zeitweilig verfremdete. Für &#039;&#039;Stadium&#039;&#039; versammelte Mohamed El Khatib&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/1123096392?term=El%20Khatib,%20Mohamed&amp;amp;rows=25&amp;amp;pos=1&amp;lt;/ref&amp;gt; Anhänger und Anhängerinnen des RC Lens in Nordfrankreich auf der Bühne, die dort erzählten, was ihnen ihre treue Anhängerschaft zu diesem Fußballverein bedeutet. Und für die Festwochenproduktion wurden sie mit Fans des SK Rapid Wien zusammengeführt, die dasselbe taten. Gegenüber saßen im Parket, den Logen und den Rängen die Theaterfans, wodurch sich – teils in französischer, teils in deutscher Sprache – eine kulturelle Begegnung der besonderen Art ereignete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Pyat, Felix: „Der Lumpensammler von Paris. Drama in fünf Acten nebst einem Vorspiele (Zwölf Tableaux). Nach dem Französischen von Heinrich Smidt“, in: Both, L. W. [i.e. Schneider, Louis]: Bühnen-Repertoir des Auslandes. Frankreichs, Englands, Italiens, Spaniens. Band XVII, Nr. 130, Berlin: A. W. Hayn, 1848, S. 1–29.&lt;br /&gt;
*Sue, Eugène: Der ewige Jude. Dramatisches Gemälde in 5 Abtheilungen. Nach dem Französischen des Eugène Sue für die deutsche Bühne bearbeitet von Carlschmidt. Leipzig: Sturm und Koppe, ca. 1846.&lt;br /&gt;
*Sue, Eugène. Der ewige Jude, zweiter Theil. Dramatisches Gemälde in fünf Abtheilungen und einem Epilog. Nach dem Französischen des Eugène Sue für die deutsche Bühne bearbeitet von Carlschmidt. Leipzig: Sturm und Koppe, ca. 1846.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Anno. Historische Zeitungen und Zeitschriften.&amp;lt;br&amp;gt;https://anno.onb.ac.at&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Hein, Jürgen: „‚Die Handlung ist dem Französischen nachgebildet‘. Johann Nestroy und seine Vorlagen im Spiegel der neuen Historisch-kritischen Ausgabe“, in: Austriaca 75, 2012, S. 15–39.&lt;br /&gt;
*Hirsch, Andreas J.: Das Theater an der Wien. Verwandlungen eines Musiktheaters. Salzburg, Wien: Residenz Verlag, 2024.&lt;br /&gt;
*Holtei, Karl Eduard von: „Flüchtige Betrachtungen über Vaudeville und Liederspiel“, in: Holtei, Karl Eduard von (Hg): Beiträge zur Geschichte dramatischer Kunst und Literatur. Band 1, Heft 1. Berlin: Haude und Spenersche Buchhandlung, 1827, S. 32–58.&lt;br /&gt;
*Láng, Attila E.: 200 Jahre Theater an der Wien. „Spectacles müssen seyn“. Wien: Holzhausen, 2001.&lt;br /&gt;
*Laube, Heinrich: „Eugène Scribe und unser Lustspiel“ [1843], in: Laube, Heinrich: Schriften über Theater. Berlin: Henschelverlag, 1959, S. 712–718.&lt;br /&gt;
*Linhardt, Marion: „Offenbach und die französische Operette im Spiegel der zeitgenössischen Wiener Presse“, in: Schmierer, Elisabeth (Hg.): Jacques Offenbach und seine Zeit. Laaber: Laaber Verlag, 2009, S. 261–280.&lt;br /&gt;
*Mailer, Franz: „Jacques Offenbach. Ein Pariser in Wien“, in: Österreichische Musikzeitschrift, Böhlau Verlag Wien, Jg, 12, 1972, Band 27, S. 246–262.&lt;br /&gt;
*Mosel, Ignaz Franz von: „Vaudeville, Liederspiel, Singspiel, Oper“, in: Allgemeine Musikalische Zeitung, mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat, Nr. 86, 25. Oktober 1820, S. 681–685.&lt;br /&gt;
*Münzmay, Andreas: „‚Paris et Scribe pour eux c’est tout un‘. Le rôle de Scribe dans les répertoires théâtraux allemands“, in: Bara, Olivier; Yon, Jean-Claude (Ed.): Eugène Scribe. Un maître de la scène théâtrale et lyrique du XIXe siècle. Rennes: Presses universitaires de Rennes, 2016, S. 203–219.&lt;br /&gt;
*Obermaier, Walter: „Der Einfluß des französischen Theaters auf den Spielplan der Wiener Vorstadtbühnen in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, insbesondere die Offenbachrezeption Nestroys“, in: Valentin, Jean-Marie: Das österreichische Volkstheater im europäischen Zusammenhang, 1830–1880. Bern et al.: Lang, 1988, S. 133–153.&lt;br /&gt;
*Ruprecht, Hans-Georg: Eugène Scribes Theaterstücke auf den Bühnen in Wien, Leipzig, Weimar und Berlin. Eine geschmackssoziologische Studie über den Erfolg der Scribschen Theaterstücke in den deutschsprachigen Bearbeitungen des 19. Jahrhunderts. Diss. Universität des Saarlandes. Saarbrücken 1965.&lt;br /&gt;
*Senelick, Laurence: Jacques Offenbach and the Making of Modern Culture. Cambridge: University Press, 2017, S. 84–97.&lt;br /&gt;
*Treitschke, Friedrich: „Über Vaudevilles und Vaudevillespiele“, in: Allgemeine Musikalische Zeitung, mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat, Nr. 46 und 47, 13. und 20. November 1817, S. 389–393 und 397–401.&lt;br /&gt;
*Wiener Festwochen. Programmbuch-Archiv 1951–2025. &amp;lt;br&amp;gt;https://www.festwochen.at/programmbuecher&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stefan Hulfeld&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 20/01/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Theater_an_der_Wien}}&lt;br /&gt;
[[Category:Organisation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Österreichische Kunst in französischen Kunstzeitschriften (1890–1945)</title>
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		<title>Recherches germaniques</title>
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		<title>Moderne Dichtung/Moderne Rundschau</title>
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		<title>L’Architecture d’aujourd’hui</title>
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		<title>LITTERall Littératures de Langue Allemande</title>
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		<title>Cahiers d&#039;Études Germaniques</title>
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