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	<title>decaf-de - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-06-13T00:33:37Z</updated>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Le_Corbusier&amp;diff=1389</id>
		<title>Le Corbusier</title>
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		<updated>2026-06-12T10:43:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Ausbildung in der Schweiz und Aufenthalt in Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Schweizer Architekt Le Corbusier – eigentlich: Charles-Édouard Jeanneret – plante nie für Auftraggeber in Österreich. Er hatte, abgesehen von seiner Bewunderung für [[Adolf Loos]], auch kein besonderes Naheverhältnis zu diesem Land, ungleich enger war seine Beziehung zu Deutschland, aber auch zur Tschechoslowakei als Nachfolgestaat der österreichisch-ungarischen Monarchie. Umgekehrt wurden jedoch seit den frühen 1920er Jahren seine Arbeiten und Schriften von zahlreichen österreichischen Architekt:innen, auf jeweils ganz unterschiedliche Weise, diskutiert und rezipiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausbildung in der Schweiz und Aufenthalt in Österreich==&lt;br /&gt;
[[File:L&#039;Esprit Nouveau 1, 1920.jpg|thumb|&#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;, erste Ausgabe von 1920]]Ab 1900 studierte Charles-Édouard Jeanneret an der Kunstgewerbeschule (&#039;&#039;École d’arts appliqués&#039;&#039;) in La Chaux-de-Fonds. Auf Anregung seines wichtigsten Lehrers, des Malers Charles L’Eplattenier&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021909/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der sein Talent für die Architektur erkannt hatte, unternahm er 1907/08 als zwanzigjähriger Student eine erste, mehrmonatige Bildungsreise ins Ausland, die ihn nach Italien, Ungarn und Österreich führte. Im November 1907 kam er in Wien an, wo er mehrere Monate verbrachte. Auch 1911 war er wieder für einige Tage in der österreichischen Hauptstadt, um am Beginn seiner &#039;&#039;Voyage d’Orient&#039;&#039; mit einem Freund ein Schiff nach Budapest und weiter nach Belgrad zu besteigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem ersten Aufenthalt hatte Jeanneret Bekanntschaft mit dem Architekten [[Josef Hoffmann]], Mitbegründer der [[Wiener Secession]] und der [[Wiener Werkstätte]], gemacht. Auf der Suche nach Inspirationen verbrachte er viel Zeit im k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie mit Zeichnen (z.B. das „Arabische Zimmer“ und gotische Möbelstücke). Er besuchte die Secessionsausstellung &#039;&#039;Jung-Wien&#039;&#039; und moderne Schlüsselbauten wie [[Otto Wagner|Otto Wagners]] Postsparkasse (1904–06) und die Kirche am Steinhof (1904–07), sowie die Handelsakademie von Julius und Wunibald Deininger (1905–08). Damals noch stark von John Ruskin geprägt, zeigte er sich irritiert vom kalten Sanitärstil dieser Bauten, die ihn an „une cuisine hollandaise, ou un W.C. modèle“ erinnerten. Erst zwei Jahrzehnte später sprach er anerkennend davon, dass „Otto Wagner in Wien, in einem Lande ohne starke Tradition eine neue Aestheik gewagt“&amp;lt;ref&amp;gt;Le Corbusier 1960, 16&amp;lt;/ref&amp;gt; habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Kunstgewerbe der österreichisch-ungarischen Monarchie vor 1918 äußerte sich Le Corbusier, wie sich Jeanneret seit 1920 nannte, eher abschätzig. Zumindest aber gab er 1916 Max Eislers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_E/Eisler_Max_1881_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; damals gerade erschienenes, vom Österreichischen Werkbund herausgegebenes Überblickswerk &#039;&#039;Österreichische Werkkultur&#039;&#039; als Vorbild für das Layout eines (jedoch nicht publizierten) Buchs an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Bedeutung für Le Corbusier hatte später hingegen der Architekt [[Adolf Loos]]. Eine Zeichnung des Herrenmodegeschäfts Kniže am Graben in Wien von 1911 ist seine erste nachweisbare Beschäftigung mit einem von dessen Entwürfen. 1920 lernte er Loos in Paris persönlich kennen, noch bevor dieser für mehrere Jahre nach Frankreich zog. Loos’ Aufsatz &#039;&#039;Ornament und Verbrechen&#039;&#039; war bereits 1913 ins Französische übersetzt und in den &#039;&#039;Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; publiziert worden. Im November 1920 erschien der Text dann auch in der von Le Corbusier gemeinsam mit Amédée Ozenfant&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118789155&amp;lt;/ref&amp;gt; herausgegebenen Zeitschrift &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;. Loos wurde dabei als „un des premiers à avoir pressenti la grandeur de l’industrie et ses apports dans l’esthétique“&amp;lt;ref&amp;gt;L’Esprit nouveau 2/1920&amp;lt;/ref&amp;gt; vorgestellt. Umgekehrt hatte Loos, der Architektur im kulturellen Kontext verankert sah, ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Le Corbusier und distanzierte sich von dessen Tendenz zu Technisierung, Standardisierung und ideologischer Radikalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption in Österreich==&lt;br /&gt;
[[File:1920px-Pavillon L&#039;Esprit Nouveau.jpg|thumb|&#039;&#039;Pavillon de l’Esprit nouveau&#039;&#039; bei der &#039;&#039;Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes&#039;&#039; von 1925]]Ab den 1920er Jahren etablierte sich Le Corbusier international als Leitfigur der Architekturmoderne, wozu vor allem auch &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039; beitrug. Die deutschsprachigen Übersetzungen von Le Corbusiers Büchern erleichterten zusätzlich deren Rezeption: &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039; erschien 1926 als &#039;&#039;Kommende Baukunst, Urbanisme&#039;&#039; dann 1929 als &#039;&#039;Städtebau&#039;&#039;. In Österreich wurden seine Bauten, die er meist gemeinsam mit seinem Cousin Pierre Jeanneret&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043068/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1967) realisierte, und seine Schriften in der Folge nicht nur in Expert:innenkreisen, an den Architekturschulen in Wien und Graz und in verschiedenen Fachzeitschriften rezipiert (so berichtete die Kunsthistorikerin Else Hoffmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://fraueninbewegung.onb.ac.at/node/1535&amp;lt;/ref&amp;gt; 1927 im Zusammenhang mit der Stuttgarter Weißenhofsiedlung in der &#039;&#039;Zeitschrift der Baumeister Oesterreichs&#039;&#039; ausführlich über diese), sondern waren auch bereits einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Einen besonderen Impuls gab auch die Pariser [[Exposition internationale des arts décoratifs et industriels moderne à Paris (1925)|&#039;&#039;Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes&#039;&#039;]] von 1925. Ein Besuch von Le Corbusiers &#039;&#039;Pavillon de l’Esprit nouveau&#039;&#039; regte den Kunstpublizisten Max Ermers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Max_Ermers&amp;lt;/ref&amp;gt; zu einem längeren Text über Jungfranzösische Baukunst in der Zeitschrift &#039;&#039;Österreichs Bau- und Werkkunst&#039;&#039; an, in dem er Le Corbusier als „starke[n] geistige[n] Führer der bauenden Jugend Frankreichs“&amp;lt;ref&amp;gt;Ermers 1925, 259&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Le Corbusiers Städtebaupläne für eine Dreimillionenstadt waren in Wien erstmals 1926 in der Ausstellung &#039;&#039;Französische Kunst der Gegenwart&#039;&#039; im Künstlerhaus ausgestellt. Besonders beeindruckten die rationale Beschäftigung mit den Verkehrsproblemen der Großstadt und die Wolkenkratzer in Wohngebieten mit ausgedehnten Grünräumen, eine Vorstellung, die jener der zeitgleichen Wohnbaustrategien des ‚Roten Wiens‘ diametral entgegenstand. In der von der französischen &#039;&#039;Société des architectes diplômés par le gouvernement&#039;&#039; organisierten [[Hagenbund]]-Ausstellung von 1934 war Le Corbusier hingegen als Schweizer Staatsbürger nicht vertreten. In den Auseinandersetzungen ging es damals oft auch um die Frage nach nationalen Vorstellungen und Stereotypen des ‚Französischen‘ und des ‚Schweizerischen‘, des ‚Deutschen‘ und des ‚Österreichischen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige österreichische Architekten standen in der Zwischenkriegszeit in persönlichem Kontakt mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret: Während Josef Frank&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/146.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; Le Corbusier höchst kritisch gegenüberstand, ließen sich einige jüngere, um 1900 geborene Architekten, die sich noch am Beginn ihrer Laufbahn befanden, von diesem deutlich inspirieren. Der Grazer [[Herbert Eichholzer]] absolvierte 1929 einige Monate lang ein Praktikum bei Le Corbusier in dessen gemeinsam mit Pierre Jeanneret geführten Pariser Büro. Auch Ernst Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Oswald Haerdtl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/200.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; waren von diesem beeindruckt, besuchten, unabhängig voneinander, dessen Atelier und besichtigten einige Bauten. [[Margarete Schütte-Lihotzky]] hatte 1921 über Loos von Le Corbusiers Arbeiten erfahren und lernte diesen 1929 auf der [[Congrès Internationaux d&#039;Architecture Moderne|CIAM]]-Tagung in Frankfurt kennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Paris Rue du Chevaleret Armée du salut 001.jpg|left|thumb|Le Corbusier, &#039;&#039;Cité de Refuge&#039;&#039;, Aufnahme von 2003]] Nach dem Zweitem Weltkrieg förderte die französische Besatzungsmacht im Zuge der Maßnahmen zur Entnazifizierung und Stärkung der österreichischen Identität besonders die Kultur. 1948 wurde im Auftrag des Hochkommissars der Französischen Republik in Österreich im [[Kunstgewerbemuseum]] (heute: MAK) in Wien die [[Ausstellung „Architektur und Städtebau“|&#039;&#039;Französische Ausstellung. Architektur und Städtebau&#039;&#039;]] über den Wiederaufbau der zerstörten Städte in Frankreich und Übersee gezeigt. Anlässlich der Eröffnung hielt Le Corbusier einen medial viel beachteten Vortrag und wurde vom Wiener Bürgermeister Theodor Körner empfangen, „von den Maßgeblichen der Bauwelt“ wurde er jedoch, so Hermann Czech 1965, „eher als Verrückter angesehen“. Zu sehen waren seine Cité de refuge (1929–33) und der Schweizer Pavillon in der Pariser Cité universitaire (1930–33) sowie die gerade in Bau befindliche Unité d’habitation (Cité radieuse) in Marseille (1947–52). Eine eigene Ausstellungsabteilung erhielt die von Le Corbusier 1943 ausformulierte, auf dem CIAM-Kongress von 1933 basierende &#039;&#039;Charta von Athen&#039;&#039;, die mit ihrem Fokus auf strikte städtische Funktionstrennung in der Wiederaufbauzeit international enormen Einfluss auf den Städte- und Wohnbau hatte. Eine deutsche Übersetzung des Textes erschien 1948 anlässlich der Wiener Ausstellung in der Zeitschrift &#039;&#039;Europäische Rundschau&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Kloster la Tourette von Westen. 1997.jpg|thumb|Le Corbusier, Kloster La Tourette, Aufnahme von 1997]]Die ältere Wiener Professorengeneration, aber auch der jüngere Architekt Roland Rainer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/1393.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso wie die Vertreter der Wiener Stadtplanung standen in den Nachkriegsjahren Le Corbusiers städtebaulichen Ansätzen höchst kritisch, ja ablehnend gegenüber. Im Gegensatz dazu vermittelten an der Technischen Hochschule Graz ab 1945/46 die Professoren Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Karl Raimund Lorenz&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1121141684&amp;lt;/ref&amp;gt; ihren Studierenden Le Corbusiers Ideen. Sein &#039;&#039;Modulor&#039;&#039; (1948/55) wurde gelesen und als Maßsystem angewendet. Die Unité d’habitation in Marseille, das Kloster La Tourette und die Kirche in Ronchamp, aber auch dessen Pariser Atelier wurden zum Ziel von Grazer Studierendenexkursionen, die geradezu den Charakter architektonischer Pilgerfahrten annahmen. Einflüsse zeigten sich noch Jahre später, etwa am Wohnprojekt Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.werkgruppe-graz.at/&amp;lt;/ref&amp;gt; (Eugen Gross, Friedrich Groß-Ransbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler). Schließlich lernten auch die jungen Wiener Architekten das Werk von Le Corbusier näher kennen. So unternahm 1956 die &#039;&#039;arbeitsgruppe 4&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/AEIOU/Arbeitsgruppe_4&amp;lt;/ref&amp;gt; (Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer, Johannes Spalt) eine Reise zu dessen Bauten in Vevey, Marseille und Ronchamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte Le Corbusier im Nachkriegsösterreich zunächst polarisiert, so wurde die Beschäftigung mit ihm ab Mitte der 1950er Jahre quasi gesellschaftsfähig. Nun wurde er von vielen als wichtigster Neuerer, als Schlüsselfigur eines Aufbruchs in Architektur und Städtebau wahrgenommen, während seine problematische Rolle im Vichy Regime unerwähnt blieb. In einem Nachruf 1965 bezeichnete ihn der österreichische Architekturkritiker Friedrich Achleitner als „überragendste und umfassendste Persönlichkeit der Moderne“&amp;lt;ref&amp;gt;Achleitner 1965&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1957 waren in Innsbruck und Linz Le Corbusier-Ausstellungen zu sehen. Die letzte Schau in Österreich zu Le Corbusiers Lebzeiten war eine große Ausstellung zum nun schon ikonisch gewordenen Gesamtwerk, die 1957/58 in der Akademie der bildenden Künste in Wien gezeigt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Kommende Baukunst. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1926.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Städtebau. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1929.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Der Modulor. Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Maßes im menschlichen Maßstab, Stuttgart: J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger 1953&lt;br /&gt;
*Le Corbusier, Einleitung zur ersten Auflage, in: Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960, 14-16, hier 16.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Lettres à ses maîtres II. Lettres à Charles L’Eplattenier. Hg. v. Marie-Jeanne Dumont. Paris: Éditions du Linteau 2006.&lt;br /&gt;
*Hilpert, Thilo (Hg.): Le Corbusiers &amp;quot;Charta von Athen&amp;quot;. Texte und Dokumente. Kritische Neuausgabe.  Braunschweig: Vieweg 1984&lt;br /&gt;
===Fachliteratur und Presse===&lt;br /&gt;
*Achleitner, Friedrich: Das wahre Genie der Architektur. Zum Tod von Charles Le Corbusier, in: Die Presse, 30. August 1965&lt;br /&gt;
*Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960&lt;br /&gt;
*Moos, Stanislaus von: Le Corbusier und Loos, in: Tilmann Buddensieg/Elisabeth Liskar (Hg.): Wien und die Architektur des 20. Jahrhunderts, Wien–Köln–Graz: Böhlau 1986, 137–150.&lt;br /&gt;
*Platzer, Monika: Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945. Zürich: Park Books 2019.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 03/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Le_Corbusier}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Friedensreich_Hundertwasser&amp;diff=1388</id>
		<title>Friedensreich Hundertwasser</title>
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		<updated>2026-06-11T12:11:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:HundertwasserFachetti.jpeg|thumb|Hundertwasser vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Studio Facchetti, Paris, 1954 (Foto: Augustin Dumage) © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien]]&lt;br /&gt;
Das Werk von Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt (geb. 15. Dezember 1928 in Wien, † 19. Februar 2000 an Bord der &#039;&#039;Queen Elizabeth 2&#039;&#039;), Künstlername von Friedrich Stowasser, ist facettenreich. Als emblematischer Künstler Österreichs im 20. Jahrhundert, als Maler mit einem einzigartigen Stil, der auf lebendigen Farben und auf der Form der Spirale beruht, setzt er sich für den Natur- und Umweltschutz ein. Er entwickelt visionäre Konzepte und setzt diese in seiner humanistischen Architektur um. Seine zahlreichen Schriften (Lyrik, Prosa, theoretische Texte, Pamphlete, Manifeste usw.) begleiten seine Werke. Seine kreative Dynamik wurzelt in seinen Verbindungen mit französischen Künstlern und Avantgardisten sowie in seinen regelmäßigen Aufenthalten in Frankreich, insbesondere in seinem kleinen Bauernhaus in La Picaudière bei Nogent-le-Rotrou (Perche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
[[File:HundertwasserDumage.png|left|thumb|Hundertwasser mit seinen Werken vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Studio Facchetti, Paris, 1954 (Foto: Augustin Dumage) © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1948, als Student an der Akademie der bildenden Künste Wien, sagte Hundertwasser seinem Kommilitonen Ernst Fuchs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Fuchs_(Maler)&amp;lt;/ref&amp;gt;] (1930–2015): „[…] Ja, ja, wir müssen unbedingt nach Paris, weißt du, dort wird man uns verstehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Koschatzky et al., 1974, 23–24&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er unterbricht seine Ausbildung und unternimmt eine Reise nach Italien, die in mehrfacher Hinsicht wegweisend ist, denn neben den künstlerischen Entdeckungen kommt es 1949 zu einer für ihn entscheidenden Begegnung: „Ich war nur ein unbedeutender kleiner Österreicher, als ich Brô, Micheline und Bernard in der Toskana traf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1996&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Künstler bemerkt, dass sie „sich absolut von allen anderen Sterblichen unterschieden […]“. Ihr Aussehen „hatte an sich nichts vom malerischen Bohème-Leben, sondern die Ernsthaftigkeit der Pioniere einer besseren, unendlich schöneren und gerechteren Welt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst 2002, 165&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine sehr starke Freundschaft verbindet Hundertwasser und René Brault, genannt Brô&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/120400367&amp;lt;/ref&amp;gt; (1930–1986), von Anfang an. Dieser französische Maler mit „einem Reichtum an kreativer, modischer, malerischer, philosophischer und literarischer Phantasie sowie [mit] menschlichen Leistungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; übt einen beträchtlichen Einfluss auf Hundertwassers Lebensphilosophie aus. Dies manifestiert sich insbesondere in dem sparsamen Einsatz der verwendeten Materialien und in seinem Bekenntnis zu einem bescheidenen Lebensstil. Dieser Einfluss erstreckt sich auch auf seine Kunst: „Denn in diesem Augenblick hat mein Leben erst richtig begonnen. Ihnen verdanke ich meine Geburt als Maler.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1996&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hundertwasser entscheidet sich dann für seinen Künstlernamen und folgt seinem neuen Freund nach Paris. Sieben Jahre lang beherbergt die Familie Dumage, mit Brô befreundet, Hundertwasser kostenlos auf ihrem Grundstück in Saint-Mandé-sur-Seine. Unter dem Einfluss der in der Toskana bewunderten Fresken schaffen die beiden Freunde dort gemeinsam zwei große Wandgemälde. 1955 malt Hundertwasser dort sein emblematisches Werk &#039;&#039;Der große Weg&#039;&#039; (Österreichische Galerie, [[Belvedere]], Wien). Er arbeitet auch im Atelier von Brô in der Impasse des Sureaux in Saint-Maurice. Um zu den Kunstgalerien zu gelangen, leiht sich Hundertwasser ein Fahrrad von den Dumages: „Ich mag Fahrräder, denn in Paris bin ich vier Jahre lang überall mit dem Fahrrad herumgefahren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1983, 103&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Fortbewegungsmittel wird seine ästhetisch-philosophischen Überlegungen anregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit sorgt Hundertwasser in den Avantgarde-Kreisen von Saint-Germain-des-Prés für großes Aufsehen und feiert in den großen Galerien unbestreitbare Erfolge. Für den Katalog seiner Ausstellung im Studio Facchetti&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/129708534&amp;lt;/ref&amp;gt; (1954) verfasst er, im Anschluss an die Fahrrad-Metapher, ein Manifest, dessen Thematik als Eckpfeiler seines Werks betrachtet werden kann: Die gerade Linie führt zum Zusammenbruch.&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1983, 64–65&amp;lt;/ref&amp;gt; 1954 lernt er zusammen mit Brô und Yves Klein&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118562967&amp;lt;/ref&amp;gt; (1928–1962) Pierre Restany&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119175142&amp;lt;/ref&amp;gt; (1930–2003) kennen, Kritiker und Theoretiker des „Neuen Realismus“. Dieser leitet 1957 den Katalog zu seiner Ausstellung in der Galerie Kamer, bevor er später mehrere Standardwerke über Hundertwasser veröffentlicht. Die Beziehung des Künstlers zu seinem „lieben Restany“&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Hundertwasser an Pierre Restany, 1990&amp;lt;/ref&amp;gt; hält bis über die 1990er Jahre hinaus an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Picaudiere1.jpeg||thumb|La Picaudière © Foto von Marie-Hélène Hérault Bibault, 31. Juli 2012]]&lt;br /&gt;
[[File:Picaudiere2.jpeg||thumb|La Picaudière © Foto von Marie-Hélène Hérault Bibault, 31. Juli 2012]]&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1957, durch seine ersten Erfolge gestärkt, insbesondere in der Galerie Kamer, erwirbt Hundertwasser gemeinsam mit Brô „La Picaudière“ in Saint-Jean-de-la-Forêt (Orne). Bald wird er alleiniger Eigentümer dieses abgelegenen, einfachen Bauernhäuschens aus Stein, das er seinen Überzeugungen gemäß nicht renoviert. Er trennt sich nie davon und kehrt regelmäßig dorthin zurück, da es mit seiner Lebensphilosophie im Einklang steht: „Nach Jahren habe ich wieder mehrere Monate in La Picaudière verbracht – innerhalb der dicken Mauern des alten Bauernhauses, am Holzofen und am Kamin. Ein Hohlweg inmitten der Kastanien, Eichen und Hainbuchen führt vom Haus meines Nachbarn Goudet zu meinem Haus. Über die Felder gelangt man bis zum Dorf Saint-Jean-de-la-Forêt, um frische Milch zu holen, die man dort auch heute noch in einem Milchkännchen bekommt. Ein Frankreich ist es, wie es eines vielleicht nirgendwo sonst mehr gibt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Pessey-Lux 2001, 5&amp;lt;/ref&amp;gt; La Picaudière ist eng mit Hundertwassers Kreativität verbunden: Er malt dort 114 Werke, verfasst Manifeste und organisiert Aktionen zum Schutz der Umwelt. Er testet dort, wenn schon nicht die „Baummieter“, so doch zumindest begrünte Dächer. In seiner Abwesenheit kümmern sich seine Nachbarn, die Goudets, seine „französische Familie“, um die 10.000 Bäume, die er dort gepflanzt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1957 verfassen Yves Klein und Hundertwasser gemeinsam das Manifest „Gegen den Stil“. Sie betreiben gleichzeitig ihre Forschungen als Koloristen. Yves Klein entdeckt 1960 sein berühmtes &#039;&#039;International Klein Blue (IKB)&#039;&#039;, während er mit Brô und Hundertwasser zusammenarbeitet. Letzterer ist die treibende Kraft, da er ihm die Lehren aus seinem „Lieblingsbuch“ vermittelt: &#039;&#039;Malmaterial und seine Verwendung im Bilde&#039;&#039; des deutschen Malers Max Doerner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd129825425.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1870–1939).&amp;lt;ref&amp;gt;Biografie von Brô [o.D.]&amp;lt;/ref&amp;gt; So widmen sich die Künstler der Zerkleinerung reiner Pigmente, die sie im Laden des industriellen Drogisten Carbonel gegenüber von Notre-Dame&amp;lt;ref&amp;gt;Fleck 2005, 53, 76, 99&amp;lt;/ref&amp;gt; kaufen. Die wichtigsten Schriftsteller der &#039;&#039;Beat Generation&#039;&#039; lassen sich bald in Paris nieder und diskutieren 1958 mit dem Dichter, Schriftsteller und Maler Henri Michaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118582089?term=118582089&amp;amp;rows=25&amp;amp;pos=1&amp;lt;/ref&amp;gt; (1899–1984) über die Auswirkungen von Meskalin auf die Psyche. Parallel dazu versuchen Neuropsychiater des Hôpital Sainte-Anne, die kreativen Prozesse zu erforschen, indem sie an Malern mit Psilocybin, einer neuen therapeutischen Substanz, experimentieren. Hundertwasser ist nicht offiziell eingeladen, aber Alain Jouffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118989723&amp;lt;/ref&amp;gt; (1928–2015), ein Dichter und Avantgarde-Autor, schlägt ihm vor, unter dem Einfluss des Produkts zu malen. Das Experiment soll in dem Krankenhaus stattfinden, in dem der Psychiater, Regisseur und Drehbuchautor Enrico Fulchignoni&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb119037235&amp;lt;/ref&amp;gt; (1913–1988) 1950 &#039;&#039;Bilder des Wahnsinns&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.canal-u.tv/chaines/cerimes/images-de-la-folie&amp;lt;/ref&amp;gt; dreht. Ende 1952 erlebt der Künstler an der Universität Wien die Offenbarung der Spirale, als er diesen Dokumentarfilm sieht, der ihn auf sich selbst und auf das Universum verweist. Das ist zweifellos der Grund, warum er darauf eingeht: „Er würde dann eine Ausstellung mit Gemälden berühmter Maler veranstalten, die unter dem Einfluss dieser neuen Droge entstanden wären – unter anderem von Michaux, Picasso und mir. Ich willigte ein, da dies unter ärztlicher Aufsicht stattfinden sollte, und er brachte mich sofort ins Krankenhaus Sainte Anne (dort, wo Fulchignoni den Film über die Spirale gedreht hatte, der mich so sehr beeinflusst hat).“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst, 2002, 371&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Künstler schafft während dieses Experiments, das ihm in schlechter Erinnerung bleiben sollte, zwei Aquarelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1960 laden der bildende Künstler und Schriftsteller Jean-Jacques Lebel&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/11899851X&amp;lt;/ref&amp;gt; (*1936) und Jouffroy im Rahmen des „Antiprocès“ Hundertwasser ein, gegen den Algerienkrieg und Folter zu demonstrieren. In der Galerie des Quatre Saisons veranstaltet der Künstler unter rund fünfzig Malern und Schriftstellern ein Happening, bei dem er seine Theorien darlegt und dabei seine berühmte Brennnesselsuppe verteilt. Georges Pompidou&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118792792&amp;lt;/ref&amp;gt; (1911–1974), ein großer Liebhaber zeitgenössischer Kunst, interessiert sich für sein Werk: „Raymond Cordier, mein Pariser Kunsthändler, hatte zwei Gemälde an Georges Pompidou verkauft, noch bevor dieser Premierminister wurde. […] Mit dem Erlös aus dem Weiterverkauf eines Werks [kauften die Pompidous] ein Landgut im Departement Lot, wohin ich eingeladen wurde.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst 2002, 420&amp;lt;/ref&amp;gt; Pompidou empfängt ihn später „im Präsidentenpalast, [wo] zu den Kunstwerken noch Künstler wie Hundertwasser hinzukamen, der mit seinem sehr ‚ökologischen Künstler’-Aussehen die Elysée-Wachbeamten ein wenig erschreckte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Autour d’une collection 1994, 25&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch wenn Hundertwasser danach zahlreiche Reisen um die Welt unternimmt, verbringt er den Sommer 1980 auf der Insel Porquerolles mit Malen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hundertwasser, der durch einen französischen Maler zu sich selbst gefunden hat, freut sich darüber, dass seine Kunst in der Pariser Kunstszene Anerkennung findet. Seine Verbundenheit mit Frankreich zeigt sich in seinen regelmäßigen Besuchen und seinen treuen Freundschaften. Sie spiegelt sich auch in seiner Beherrschung der französischen Sprache wider: in Texten, Werktiteln und Interviews. Das Interesse ist gegenseitig: 1975 ist das Musée d’art moderne de la Ville de Paris die erste Station seiner Weltwandermuseumsausstellung &#039;&#039;Österreich zeigt den Kontinenten Hundertwasser&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Littérature primaire===&lt;br /&gt;
*Fürst, Andrea Christa: Hundertwasser – Werkverzeichnis – Catalogue Raisonné, Bd. II. Köln, London, Madrid, New York, Paris, Tokyo: Taschen Verlag 2002.&lt;br /&gt;
*Hundertwasser, Brô, 1996, abgerufen am 11.03.2018:&amp;lt;br&amp;gt;http://hundertwasser.com/de/haeute/identitaet/55-kuenstler-freunde-und-weggefaehrten/128-bro&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Hundertwasser, Friedensreich: Hundertwasser – Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben, 35 Tage Schweden (1964), Walter Schurian (Hrsg.), München: dtv-kunst 1983.&lt;br /&gt;
*Lettre de Hundertwasser à Pierre Restany au sujet de l’exposition de Séoul, 1990, Archives de la critique d’art (ACA, Rennes), Fonds RESTANY XVII-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*«  Autour d’une collection » - Le Président et Madame Georges Pompidou - à l’occasion de la commémoration du XX&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt; anniversaire de la mort du Président Georges Pompidou, Maison des arts Georges Pompidou, Cajarc/Lot, juillet–août 1994.&lt;br /&gt;
*Biographie de Brô, [o.D.], abgerufen am 10.06.2024:&amp;lt;br&amp;gt;http://bro.chez-alice.fr/Biographie.htm.&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Fleck, Robert: Hundertwassers malerische Aktualität. In: Ingeborg Flagge (Hrsg.): Friedensreich Hundertwasser: ein Sonntagsarchitekt: gebaute Träume und Sehnsüchte. Frankfurt am Main: Die Galerie, Deutsches Architekturmuseum 2005, S. 98–99.&lt;br /&gt;
*Koschatzky, Walter, Fuchs, Ernst, Brauer, Erich: Friedrich Stowasser, 1943–1949. Wien, Stuttgart, Albertina: Cicero 1974.&lt;br /&gt;
*Pessey-Lux, Audrey: Hommage à Hundertwasser 1928–2000, Joram Harel (Hrsg.). Alençon: Éditions du Musée des beaux-arts et de la dentelle d’Alençon 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Marie-Hélène Hérault Bibault &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 11/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friedensreich_Hundertwasser}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Hundertwasser, Friedensreich}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Friedensreich_Hundertwasser&amp;diff=1387</id>
		<title>Friedensreich Hundertwasser</title>
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		<updated>2026-06-11T12:09:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:HundertwasserFachetti.jpeg|thumb|Hundertwasser vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Studio Facchetti, Paris, 1954 (Foto: Augustin Dumage) © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien]]&lt;br /&gt;
Das Werk von Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt (geb. 15. Dezember 1928 in Wien, † 19. Februar 2000 an Bord der &#039;&#039;Queen Elizabeth 2&#039;&#039;), Künstlername von Friedrich Stowasser, ist facettenreich. Als emblematischer Künstler Österreichs im 20. Jahrhundert, als Maler mit einem einzigartigen Stil, der auf lebendigen Farben und auf der Form der Spirale beruht, setzt er sich für den Natur- und Umweltschutz ein. Er entwickelt visionäre Konzepte und setzt diese in seiner humanistischen Architektur um. Seine zahlreichen Schriften (Lyrik, Prosa, theoretische Texte, Pamphlete, Manifeste usw.) begleiten seine Werke. Seine kreative Dynamik wurzelt in seinen Verbindungen mit französischen Künstlern und Avantgardisten sowie in seinen regelmäßigen Aufenthalten in Frankreich, insbesondere in seinem kleinen Bauernhaus in La Picaudière bei Nogent-le-Rotrou (Perche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
[[File:HundertwasserDumage.png|left|thumb|Hundertwasser mit seinen Werken vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Studio Facchetti, Paris, 1954 (Foto: Augustin Dumage) © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1948, als Student an der Akademie der bildenden Künste Wien, sagte Hundertwasser seinem Kommilitonen Ernst Fuchs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Fuchs_(Maler)&amp;lt;/ref&amp;gt;] (1930–2015): „[…] Ja, ja, wir müssen unbedingt nach Paris, weißt du, dort wird man uns verstehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Koschatzky et al., 1974, 23–24&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er unterbricht seine Ausbildung und unternimmt eine Reise nach Italien, die in mehrfacher Hinsicht wegweisend ist, denn neben den künstlerischen Entdeckungen kommt es 1949 zu einer für ihn entscheidenden Begegnung: „Ich war nur ein unbedeutender kleiner Österreicher, als ich Brô, Micheline und Bernard in der Toskana traf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1996&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Künstler bemerkt, dass sie „sich absolut von allen anderen Sterblichen unterschieden […]“. Ihr Aussehen „hatte an sich nichts vom malerischen Bohème-Leben, sondern die Ernsthaftigkeit der Pioniere einer besseren, unendlich schöneren und gerechteren Welt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst 2002, 165&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine sehr starke Freundschaft verbindet Hundertwasser und René Brault, genannt Brô&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/120400367&amp;lt;/ref&amp;gt; (1930–1986), von Anfang an. Dieser französische Maler mit „einem Reichtum an kreativer, modischer, malerischer, philosophischer und literarischer Phantasie sowie [mit] menschlichen Leistungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; übt einen beträchtlichen Einfluss auf Hundertwassers Lebensphilosophie aus. Dies manifestiert sich insbesondere in dem sparsamen Einsatz der verwendeten Materialien und in seinem Bekenntnis zu einem bescheidenen Lebensstil. Dieser Einfluss erstreckt sich auch auf seine Kunst: „Denn in diesem Augenblick hat mein Leben erst richtig begonnen. Ihnen verdanke ich meine Geburt als Maler.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1996&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hundertwasser entscheidet sich dann für seinen Künstlernamen und folgt seinem neuen Freund nach Paris. Sieben Jahre lang beherbergt die Familie Dumage, mit Brô befreundet, Hundertwasser kostenlos auf ihrem Grundstück in Saint-Mandé-sur-Seine. Unter dem Einfluss der in der Toskana bewunderten Fresken schaffen die beiden Freunde dort gemeinsam zwei große Wandgemälde. 1955 malt Hundertwasser dort sein emblematisches Werk &#039;&#039;Der große Weg&#039;&#039; (Österreichische Galerie, [[Belvedere]], Wien). Er arbeitet auch im Atelier von Brô in der Impasse des Sureaux in Saint-Maurice. Um zu den Kunstgalerien zu gelangen, leiht sich Hundertwasser ein Fahrrad von den Dumages: „Ich mag Fahrräder, denn in Paris bin ich vier Jahre lang überall mit dem Fahrrad herumgefahren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1983, 103&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Fortbewegungsmittel wird seine ästhetisch-philosophischen Überlegungen anregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit sorgt Hundertwasser in den Avantgarde-Kreisen von Saint-Germain-des-Prés für großes Aufsehen und feiert in den großen Galerien unbestreitbare Erfolge. Für den Katalog seiner Ausstellung im Studio Facchetti&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/129708534&amp;lt;/ref&amp;gt; (1954) verfasst er, im Anschluss an die Fahrrad-Metapher, ein Manifest, dessen Thematik als Eckpfeiler seines Werks betrachtet werden kann: Die gerade Linie führt zum Zusammenbruch.&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1983, 64–65&amp;lt;/ref&amp;gt; 1954 lernt er zusammen mit Brô und Yves Klein&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118562967&amp;lt;/ref&amp;gt; (1928–1962) Pierre Restany&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119175142&amp;lt;/ref&amp;gt; (1930–2003) kennen, Kritiker und Theoretiker des „Neuen Realismus“. Dieser leitet 1957 den Katalog zu seiner Ausstellung in der Galerie Kamer, bevor er später mehrere Standardwerke über Hundertwasser veröffentlicht. Die Beziehung des Künstlers zu seinem „lieben Restany“&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Hundertwasser an Pierre Restany, 1990&amp;lt;/ref&amp;gt; hält bis über die 1990er Jahre hinaus an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Picaudiere1.jpeg||thumb|La Picaudière © Foto von Marie-Hélène Hérault Bibault, 31. Juli 2012]]&lt;br /&gt;
[[File:Picaudiere2.jpeg||thumb|La Picaudière © Foto von Marie-Hélène Hérault Bibault, 31. Juli 2012]]&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1957, durch seine ersten Erfolge gestärkt, insbesondere in der Galerie Kamer, erwirbt Hundertwasser gemeinsam mit Brô „La Picaudière“ in Saint-Jean-de-la-Forêt (Orne). Bald wird er alleiniger Eigentümer dieses abgelegenen, einfachen Bauernhäuschens aus Stein, das er seinen Überzeugungen gemäß nicht renoviert. Er trennt sich nie davon und kehrt regelmäßig dorthin zurück, da es mit seiner Lebensphilosophie im Einklang steht: „Nach Jahren habe ich wieder mehrere Monate in La Picaudière verbracht – innerhalb der dicken Mauern des alten Bauernhauses, am Holzofen und am Kamin. Ein Hohlweg inmitten der Kastanien, Eichen und Hainbuchen führt vom Haus meines Nachbarn Goudet zu meinem Haus. Über die Felder gelangt man bis zum Dorf Saint-Jean-de-la-Forêt, um frische Milch zu holen, die man dort auch heute noch in einem Milchkännchen bekommt. Ein Frankreich ist es, wie es eines vielleicht nirgendwo sonst mehr gibt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Pessey-Lux 2001, 5&amp;lt;/ref&amp;gt; La Picaudière ist eng mit Hundertwassers Kreativität verbunden: Er malt dort 114 Werke, verfasst Manifeste und organisiert Aktionen zum Schutz der Umwelt. Er testet dort, wenn schon nicht die „Baummieter“, so doch zumindest begrünte Dächer. In seiner Abwesenheit kümmern sich seine Nachbarn, die Goudets, seine „französische Familie“, um die 10.000 Bäume, die er dort gepflanzt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1957 verfassen Yves Klein und Hundertwasser gemeinsam das Manifest „Gegen den Stil“. Sie betreiben gleichzeitig ihre Forschungen als Koloristen. Yves Klein entdeckt 1960 sein berühmtes &#039;&#039;International Klein Blue (IKB)&#039;&#039;, während er mit Brô und Hundertwasser zusammenarbeitet. Letzterer ist die treibende Kraft, da er ihm die Lehren aus seinem „Lieblingsbuch“ vermittelt: &#039;&#039;Malmaterial und seine Verwendung im Bilde&#039;&#039; des deutschen Malers Max Doerner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd129825425.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1870–1939).&amp;lt;ref&amp;gt;Biografie von Brô [o.D.]&amp;lt;/ref&amp;gt; So widmen sich die Künstler der Zerkleinerung reiner Pigmente, die sie im Laden des industriellen Drogisten Carbonel gegenüber von Notre-Dame&amp;lt;ref&amp;gt;Fleck 2005, 53, 76, 99&amp;lt;/ref&amp;gt; kaufen. Die wichtigsten Schriftsteller der &#039;&#039;Beat Generation&#039;&#039; lassen sich bald in Paris nieder und diskutieren 1958 mit dem Dichter, Schriftsteller und Maler Henri Michaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118582089?term=118582089&amp;amp;rows=25&amp;amp;pos=1&amp;lt;/ref&amp;gt; (1899–1984) über die Auswirkungen von Meskalin auf die Psyche. Parallel dazu versuchen Neuropsychiater des Hôpital Sainte-Anne, die kreativen Prozesse zu erforschen, indem sie an Malern mit Psilocybin, einer neuen therapeutischen Substanz, experimentieren. Hundertwasser ist nicht offiziell eingeladen, aber Alain Jouffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118989723&amp;lt;/ref&amp;gt; (1928–2015), ein Dichter und Avantgarde-Autor, schlägt ihm vor, unter dem Einfluss des Produkts zu malen. Das Experiment soll in dem Krankenhaus stattfinden, in dem der Psychiater, Regisseur und Drehbuchautor Enrico Fulchignoni&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb119037235&amp;lt;/ref&amp;gt; (1913–1988) 1950 &#039;&#039;Bilder des Wahnsinns&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.canal-u.tv/chaines/cerimes/images-de-la-folie&amp;lt;/ref&amp;gt; dreht. Ende 1952 erlebt der Künstler an der Universität Wien die Offenbarung der Spirale, als er diesen Dokumentarfilm sieht, der ihn auf sich selbst und auf das Universum verweist. Das ist zweifellos der Grund, warum er darauf eingeht: „Er würde dann eine Ausstellung mit Gemälden berühmter Maler veranstalten, die unter dem Einfluss dieser neuen Droge entstanden wären – unter anderem von Michaux, Picasso und mir. Ich willigte ein, da dies unter ärztlicher Aufsicht stattfinden sollte, und er brachte mich sofort ins Krankenhaus Sainte Anne (dort, wo Fulchignoni den Film über die Spirale gedreht hatte, der mich so sehr beeinflusst hat).“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst, 2002, 371&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Künstler schafft während dieses Experiments, das ihm in schlechter Erinnerung bleiben sollte, zwei Aquarelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1960 laden der bildende Künstler und Schriftsteller Jean-Jacques Lebel&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/11899851X&amp;lt;/ref&amp;gt; (*1936) und Jouffroy im Rahmen des „Antiprocès“ Hundertwasser ein, gegen den Algerienkrieg und Folter zu demonstrieren. In der Galerie des Quatre Saisons veranstaltet der Künstler unter rund fünfzig Malern und Schriftstellern ein Happening, bei dem er seine Theorien darlegt und dabei seine berühmte Brennnesselsuppe verteilt. Georges Pompidou&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118792792&amp;lt;/ref&amp;gt; (1911–1974), ein großer Liebhaber zeitgenössischer Kunst, interessiert sich für sein Werk: „Raymond Cordier, mein Pariser Kunsthändler, hatte zwei Gemälde an Georges Pompidou verkauft, noch bevor dieser Premierminister wurde. […] Mit dem Erlös aus dem Weiterverkauf eines Werks [kauften die Pompidous] ein Landgut im Departement Lot, wohin ich eingeladen wurde.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst 2002, 420&amp;lt;/ref&amp;gt; Pompidou empfängt ihn später „im Präsidentenpalast, [wo] zu den Kunstwerken noch Künstler wie Hundertwasser hinzukamen, der mit seinem sehr ‚ökologischen Künstler’-Aussehen die Elysée-Wachbeamten ein wenig erschreckte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Autour d’une collection 1994, 25&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch wenn Hundertwasser danach zahlreiche Reisen um die Welt unternimmt, verbringt er den Sommer 1980 auf der Insel Porquerolles mit Malen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hundertwasser, der durch einen französischen Maler zu sich selbst gefunden hat, freut sich darüber, dass seine Kunst in der Pariser Kunstszene Anerkennung findet. Seine Verbundenheit mit Frankreich zeigt sich in seinen regelmäßigen Besuchen und seinen treuen Freundschaften. Sie spiegelt sich auch in seiner Beherrschung der französischen Sprache wider: in Texten, Werktiteln und Interviews. Das Interesse ist gegenseitig: 1975 ist das Musée d’art moderne de la Ville de Paris die erste Station seiner Weltwandermuseumsausstellung &#039;&#039;Österreich zeigt den Kontinenten Hundertwasser&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Littérature primaire===&lt;br /&gt;
*Fürst, Andrea Christa: Hundertwasser – Werkverzeichnis – Catalogue Raisonné, Bd. II. Köln, London, Madrid, New York, Paris, Tokyo: Taschen Verlag 2002.&lt;br /&gt;
*Hundertwasser, Brô, 1996, abgerufen am 11.03.2018:&amp;lt;br&amp;gt;http://hundertwasser.com/de/haeute/identitaet/55-kuenstler-freunde-und-weggefaehrten/128-bro&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Hundertwasser, Friedensreich: Hundertwasser – Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben, 35 Tage Schweden (1964), Walter Schurian (Hrsg.), München: dtv-kunst 1983.&lt;br /&gt;
*Lettre de Hundertwasser à Pierre Restany au sujet de l’exposition de Séoul, 1990, Archives de la critique d’art (ACA, Rennes), Fonds RESTANY XVII-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*«  Autour d’une collection » - Le Président et Madame Georges Pompidou - à l’occasion de la commémoration du XX&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt; anniversaire de la mort du Président Georges Pompidou, Maison des arts Georges Pompidou, Cajarc/Lot, juillet-août 1994.&lt;br /&gt;
*Biographie de Brô, [o.D.], abgerufen am 10.06.2024:&amp;lt;br&amp;gt;http://bro.chez-alice.fr/Biographie.htm.&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Fleck, Robert : Hundertwassers malerische Aktualität. In : Ingeborg Flagge (dir.) : &#039;&#039;Friedensreich Hundertwasser : ein Sonntagsarchitekt : gebaute Träume und Sehnsüchte&#039;&#039;. Frankfurt am Main : Die Galerie, Deutsches Architekturmuseum 2005, p. 98-99.&lt;br /&gt;
*Koschatzky, Walter, Fuchs, Ernst, Brauer, Erich: Friedrich Stowasser, 1943-1949. Wien, Stuttgart, Albertina: Cicero 1974.&lt;br /&gt;
*Pessey-Lux, Audrey: Hommage à Hundertwasser 1928-2000, Joram Harel (Hrsg.). Alençon: Éditions du Musée des beaux-arts et de la dentelle d’Alençon 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Marie-Hélène Hérault Bibault &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 11/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friedensreich_Hundertwasser}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Hundertwasser, Friedensreich}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Friedensreich Hundertwasser</title>
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		<updated>2026-06-11T12:07:30Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:HundertwasserFachetti.jpeg|thumb|Hundertwasser vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Studio Facchetti, Paris, 1954 (Foto: Augustin Dumage) © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien]]&lt;br /&gt;
Das Werk von Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt (geb. 15. Dezember 1928 in Wien, † 19. Februar 2000 an Bord der &#039;&#039;Queen Elizabeth 2&#039;&#039;), Künstlername von Friedrich Stowasser, ist facettenreich. Als emblematischer Künstler Österreichs im 20. Jahrhundert, als Maler mit einem einzigartigen Stil, der auf lebendigen Farben und auf der Form der Spirale beruht, setzt er sich für den Natur- und Umweltschutz ein. Er entwickelt visionäre Konzepte und setzt diese in seiner humanistischen Architektur um. Seine zahlreichen Schriften (Lyrik, Prosa, theoretische Texte, Pamphlete, Manifeste usw.) begleiten seine Werke. Seine kreative Dynamik wurzelt in seinen Verbindungen mit französischen Künstlern und Avantgardisten sowie in seinen regelmäßigen Aufenthalten in Frankreich, insbesondere in seinem kleinen Bauernhaus in La Picaudière bei Nogent-le-Rotrou (Perche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
[[File:HundertwasserDumage.png|left|thumb|Hundertwasser mit seinen Werken vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Studio Facchetti, Paris, 1954 (Foto: Augustin Dumage) © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1948, als Student an der Akademie der bildenden Künste Wien, sagte Hundertwasser seinem Kommilitonen Ernst Fuchs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ernst_Fuchs_(Maler)&amp;lt;/ref&amp;gt;] (1930–2015): „[…] Ja, ja, wir müssen unbedingt nach Paris, weißt du, dort wird man uns verstehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Koschatzky et al., 1974, 23-24&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er unterbricht seine Ausbildung und unternimmt eine Reise nach Italien, die in mehrfacher Hinsicht wegweisend ist, denn neben den künstlerischen Entdeckungen kommt es 1949 zu einer für ihn entscheidenden Begegnung: „Ich war nur ein unbedeutender kleiner Österreicher, als ich Brô, Micheline und Bernard in der Toskana traf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1996&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Künstler bemerkt, dass sie „sich absolut von allen anderen Sterblichen unterschieden […]“. Ihr Aussehen „hatte an sich nichts vom malerischen Bohème-Leben, sondern die Ernsthaftigkeit der Pioniere einer besseren, unendlich schöneren und gerechteren Welt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst 2002, 165&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine sehr starke Freundschaft verbindet Hundertwasser und René Brault, genannt Brô&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/120400367&amp;lt;/ref&amp;gt; (1930–1986), von Anfang an. Dieser französische Maler mit „einem Reichtum an kreativer, modischer, malerischer, philosophischer und literarischer Phantasie sowie [mit] menschlichen Leistungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; übt einen beträchtlichen Einfluss auf Hundertwassers Lebensphilosophie aus. Dies manifestiert sich insbesondere in dem sparsamen Einsatz der verwendeten Materialien und in seinem Bekenntnis zu einem bescheidenen Lebensstil. Dieser Einfluss erstreckt sich auch auf seine Kunst: „Denn in diesem Augenblick hat mein Leben erst richtig begonnen. Ihnen verdanke ich meine Geburt als Maler.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1996&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hundertwasser entscheidet sich dann für seinen Künstlernamen und folgt seinem neuen Freund nach Paris. Sieben Jahre lang beherbergt die Familie Dumage, mit Brô befreundet, Hundertwasser kostenlos auf ihrem Grundstück in Saint-Mandé-sur-Seine. Unter dem Einfluss der in der Toskana bewunderten Fresken schaffen die beiden Freunde dort gemeinsam zwei große Wandgemälde. 1955 malt Hundertwasser dort sein emblematisches Werk &#039;&#039;Der große Weg&#039;&#039; (Österreichische Galerie, [[Belvedere]], Wien). Er arbeitet auch im Atelier von Brô in der Impasse des Sureaux in Saint-Maurice. Um zu den Kunstgalerien zu gelangen, leiht sich Hundertwasser ein Fahrrad von den Dumages: „Ich mag Fahrräder, denn in Paris bin ich vier Jahre lang überall mit dem Fahrrad herumgefahren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1983, 103&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Fortbewegungsmittel wird seine ästhetisch-philosophischen Überlegungen anregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit sorgt Hundertwasser in den Avantgarde-Kreisen von Saint-Germain-des-Prés für großes Aufsehen und feiert in den großen Galerien unbestreitbare Erfolge. Für den Katalog seiner Ausstellung im Studio Facchetti&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/129708534&amp;lt;/ref&amp;gt; (1954) verfasst er, im Anschluss an die Fahrrad-Metapher, ein Manifest, dessen Thematik als Eckpfeiler seines Werks betrachtet werden kann: Die gerade Linie führt zum Zusammenbruch.&amp;lt;ref&amp;gt;Hundertwasser 1983, 64-65&amp;lt;/ref&amp;gt; 1954 lernt er zusammen mit Brô und Yves Klein&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118562967&amp;lt;/ref&amp;gt; (1928–1962) Pierre Restany&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119175142&amp;lt;/ref&amp;gt; (1930–2003) kennen, Kritiker und Theoretiker des „Neuen Realismus“. Dieser leitet 1957 den Katalog zu seiner Ausstellung in der Galerie Kamer, bevor er später mehrere Standardwerke über Hundertwasser veröffentlicht. Die Beziehung des Künstlers zu seinem „lieben Restany“&amp;lt;ref&amp;gt;Brief von Hundertwasser an Pierre Restany, 1990&amp;lt;/ref&amp;gt; hält bis über die 1990er Jahre hinaus an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Picaudiere1.jpeg||thumb|La Picaudière © Foto von Marie-Hélène Hérault Bibault, 31. Juli 2012]]&lt;br /&gt;
[[File:Picaudiere2.jpeg||thumb|La Picaudière © Foto von Marie-Hélène Hérault Bibault, 31. Juli 2012]]&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1957, durch seine ersten Erfolge gestärkt, insbesondere in der Galerie Kamer, erwirbt Hundertwasser gemeinsam mit Brô „La Picaudière“ in Saint-Jean-de-la-Forêt (Orne). Bald wird er alleiniger Eigentümer dieses abgelegenen, einfachen Bauernhäuschens aus Stein, das er seinen Überzeugungen gemäß nicht renoviert. Er trennt sich nie davon und kehrt regelmäßig dorthin zurück, da es mit seiner Lebensphilosophie im Einklang steht: „Nach Jahren habe ich wieder mehrere Monate in La Picaudière verbracht – innerhalb der dicken Mauern des alten Bauernhauses, am Holzofen und am Kamin. Ein Hohlweg inmitten der Kastanien, Eichen und Hainbuchen führt vom Haus meines Nachbarn Goudet zu meinem Haus. Über die Felder gelangt man bis zum Dorf Saint-Jean-de-la-Forêt, um frische Milch zu holen, die man dort auch heute noch in einem Milchkännchen bekommt. Ein Frankreich ist es, wie es eines vielleicht nirgendwo sonst mehr gibt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Pessey-Lux 2001, 5&amp;lt;/ref&amp;gt; La Picaudière ist eng mit Hundertwassers Kreativität verbunden: Er malt dort 114 Werke, verfasst Manifeste und organisiert Aktionen zum Schutz der Umwelt. Er testet dort, wenn schon nicht die „Baummieter“, so doch zumindest begrünte Dächer. In seiner Abwesenheit kümmern sich seine Nachbarn, die Goudets, seine „französische Familie“, um die 10.000 Bäume, die er dort gepflanzt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1957 verfassen Yves Klein und Hundertwasser gemeinsam das Manifest „Gegen den Stil“. Sie betreiben gleichzeitig ihre Forschungen als Koloristen. Yves Klein entdeckt 1960 sein berühmtes &#039;&#039;International Klein Blue (IKB)&#039;&#039;, während er mit Brô und Hundertwasser zusammenarbeitet. Letzterer ist die treibende Kraft, da er ihm die Lehren aus seinem „Lieblingsbuch“ vermittelt: &#039;&#039;Malmaterial und seine Verwendung im Bilde&#039;&#039; des deutschen Malers Max Doerner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd129825425.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1870–1939).&amp;lt;ref&amp;gt;Biografie von Brô [o.D.]&amp;lt;/ref&amp;gt; So widmen sich die Künstler der Zerkleinerung reiner Pigmente, die sie im Laden des industriellen Drogisten Carbonel gegenüber von Notre-Dame&amp;lt;ref&amp;gt;Fleck 2005, 53, 76, 99&amp;lt;/ref&amp;gt; kaufen. Die wichtigsten Schriftsteller der &#039;&#039;Beat Generation&#039;&#039; lassen sich bald in Paris nieder und diskutieren 1958 mit dem Dichter, Schriftsteller und Maler Henri Michaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118582089?term=118582089&amp;amp;rows=25&amp;amp;pos=1&amp;lt;/ref&amp;gt; (1899–1984) über die Auswirkungen von Meskalin auf die Psyche. Parallel dazu versuchen Neuropsychiater des Hôpital Sainte-Anne, die kreativen Prozesse zu erforschen, indem sie an Malern mit Psilocybin, einer neuen therapeutischen Substanz, experimentieren. Hundertwasser ist nicht offiziell eingeladen, aber Alain Jouffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118989723&amp;lt;/ref&amp;gt; (1928–2015), ein Dichter und Avantgarde-Autor, schlägt ihm vor, unter dem Einfluss des Produkts zu malen. Das Experiment soll in dem Krankenhaus stattfinden, in dem der Psychiater, Regisseur und Drehbuchautor Enrico Fulchignoni&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb119037235&amp;lt;/ref&amp;gt; (1913–1988) 1950 &#039;&#039;Bilder des Wahnsinns&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.canal-u.tv/chaines/cerimes/images-de-la-folie&amp;lt;/ref&amp;gt; dreht. Ende 1952 erlebt der Künstler an der Universität Wien die Offenbarung der Spirale, als er diesen Dokumentarfilm sieht, der ihn auf sich selbst und auf das Universum verweist. Das ist zweifellos der Grund, warum er darauf eingeht: „Er würde dann eine Ausstellung mit Gemälden berühmter Maler veranstalten, die unter dem Einfluss dieser neuen Droge entstanden wären – unter anderem von Michaux, Picasso und mir. Ich willigte ein, da dies unter ärztlicher Aufsicht stattfinden sollte, und er brachte mich sofort ins Krankenhaus Sainte Anne (dort, wo Fulchignoni den Film über die Spirale gedreht hatte, der mich so sehr beeinflusst hat).“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst, 2002, 371&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Künstler schafft während dieses Experiments, das ihm in schlechter Erinnerung bleiben sollte, zwei Aquarelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1960 laden der bildende Künstler und Schriftsteller Jean-Jacques Lebel&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/11899851X&amp;lt;/ref&amp;gt; (*1936) und Jouffroy im Rahmen des „Antiprocès“ Hundertwasser ein, gegen den Algerienkrieg und Folter zu demonstrieren. In der Galerie des Quatre Saisons veranstaltet der Künstler unter rund fünfzig Malern und Schriftstellern ein Happening, bei dem er seine Theorien darlegt und dabei seine berühmte Brennnesselsuppe verteilt. Georges Pompidou&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118792792&amp;lt;/ref&amp;gt; (1911–1974), ein großer Liebhaber zeitgenössischer Kunst, interessiert sich für sein Werk: „Raymond Cordier, mein Pariser Kunsthändler, hatte zwei Gemälde an Georges Pompidou verkauft, noch bevor dieser Premierminister wurde. […] Mit dem Erlös aus dem Weiterverkauf eines Werks [kauften die Pompidous] ein Landgut im Departement Lot, wohin ich eingeladen wurde.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fürst 2002, 420&amp;lt;/ref&amp;gt; Pompidou empfängt ihn später „im Präsidentenpalast, [wo] zu den Kunstwerken noch Künstler wie Hundertwasser hinzukamen, der mit seinem sehr ‚ökologischen Künstler’-Aussehen die Elysée-Wachbeamten ein wenig erschreckte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Autour d’une collection 1994, [25]&amp;lt;/ref&amp;gt;  Auch wenn Hundertwasser danach zahlreiche Reisen um die Welt unternimmt, verbringt er den Sommer 1980 auf der Insel Porquerolles mit Malen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hundertwasser, der durch einen französischen Maler zu sich selbst gefunden hat, freut sich darüber, dass seine Kunst in der Pariser Kunstszene Anerkennung findet. Seine Verbundenheit mit Frankreich zeigt sich in seinen regelmäßigen Besuchen und seinen treuen Freundschaften. Sie spiegelt sich auch in seiner Beherrschung der französischen Sprache wider: in Texten, Werktiteln und Interviews. Das Interesse ist gegenseitig: 1975 ist das Musée d’art moderne de la Ville de Paris die erste Station seiner Weltwandermuseumsausstellung &#039;&#039;Österreich zeigt den Kontinenten Hundertwasser&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Littérature primaire===&lt;br /&gt;
*Fürst, Andrea Christa: Hundertwasser – Werkverzeichnis – Catalogue Raisonné, Bd. II. Köln, London, Madrid, New York, Paris, Tokyo: Taschen Verlag 2002.&lt;br /&gt;
*Hundertwasser, Brô, 1996, abgerufen am 11.03.2018:&amp;lt;br&amp;gt;http://hundertwasser.com/de/haeute/identitaet/55-kuenstler-freunde-und-weggefaehrten/128-bro&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Hundertwasser, Friedensreich: Hundertwasser – Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben, 35 Tage Schweden (1964), Walter Schurian (Hrsg.), München: dtv-kunst 1983.&lt;br /&gt;
*Lettre de Hundertwasser à Pierre Restany au sujet de l’exposition de Séoul, 1990, Archives de la critique d’art (ACA, Rennes), Fonds RESTANY XVII-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*«  Autour d’une collection » - Le Président et Madame Georges Pompidou - à l’occasion de la commémoration du XX&amp;lt;sup&amp;gt;e&amp;lt;/sup&amp;gt; anniversaire de la mort du Président Georges Pompidou, Maison des arts Georges Pompidou, Cajarc/Lot, juillet-août 1994.&lt;br /&gt;
*Biographie de Brô, [o.D.], abgerufen am 10.06.2024:&amp;lt;br&amp;gt;http://bro.chez-alice.fr/Biographie.htm.&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Fleck, Robert : Hundertwassers malerische Aktualität. In : Ingeborg Flagge (dir.) : &#039;&#039;Friedensreich Hundertwasser : ein Sonntagsarchitekt : gebaute Träume und Sehnsüchte&#039;&#039;. Frankfurt am Main : Die Galerie, Deutsches Architekturmuseum 2005, p. 98-99.&lt;br /&gt;
*Koschatzky, Walter, Fuchs, Ernst, Brauer, Erich: Friedrich Stowasser, 1943-1949. Wien, Stuttgart, Albertina: Cicero 1974.&lt;br /&gt;
*Pessey-Lux, Audrey: Hommage à Hundertwasser 1928-2000, Joram Harel (Hrsg.). Alençon: Éditions du Musée des beaux-arts et de la dentelle d’Alençon 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Marie-Hélène Hérault Bibault &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 11/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friedensreich_Hundertwasser}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Hundertwasser, Friedensreich}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Photographie prise par Marie-Hélène Hérault Bibault le 31 juillet 2012&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Hundertwasser avant l&amp;#039;ouverture de son exposition au Studio Facchetti, Paris, 1954 © 2024 Hundertwasser Archiv, Wien Foto: Augustin Dumage.&lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Photo_Jacques_Lajarrige.jpg|170px|thumb|Jacques Lajarrige (2024)]] Der französische Germanist Jacques Lajarrige, 1960 in Angers geboren, spielt dank seiner wissenschaftlichen Tätigkeit und Forschungsleitung, seiner redaktionellen Arbeit als Direktor und Chefredakteur der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; sowie seiner Übersetzungstätigkeit eine führende Rolle bei der Vermittlung der österreichischen Literatur und Kultur in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografische Angaben==&lt;br /&gt;
Nach einem Studium der Germanistik an den Universitäten Nantes, Paris IV-Sorbonne und Lille bestand Jacques Lajarrige 1982 das CAPES externe d’allemand und 1984 die Agrégation externe d’allemand. Vier Jahre später, 1988, verteidigte er an der Universität Lille unter der Leitung von Erika Tunner eine Thèse nouveau régime über [[Hans Carl Artmann]]: &#039;&#039;Hans Carl Artmann. Tradition littéraire et exercices de style&#039;&#039; (diese Arbeit wurde unter demselben Titel 1992 im Hans-Dieter Heinz-Verlag in Stuttgart veröffentlicht). 1994 habilitierte sich J. Lajarrige an der Universität Paris 12 (Betreuerin: Erika Tunner) mit einer Studie mit dem Titel: &#039;&#039;Entre mythe et réalité sociale. Exercices de style dans les littératures allemande et autrichienne contemporaines&#039;&#039;. Jacques Lajarrige war zunächst Dozent (Maître de conférences) an der Universität Blaise Pascal – Clermont 2 (1989-1994), er wurde dann Professor für deutschsprachige Literatur an der Universität Orléans (1994-1997), an der Universität Blaise Pascal – Clermont 2 (1997-2001), an der Universität Paris 3 (2001-2011) und schließlich an der Universität Toulouse 2 – Jean Jaurès (seit 2011). An dieser Universität leitete er das Centre de recherches et d’études germaniques (CREG) von 2012 bis 2022 und war von 2012 bis 2020 für den Forschungsmaster in Germanistik verantwortlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsschwerpunkte und wissenschaftliche Betreuertätigkeit==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarriges Forschungsschwerpunkte sind: Literatur und Kulturgeschichte Österreichs vom 19. bis zum 21. Jahrhundert; moderne und zeitgenössische Lyrik&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. insbesondere Lajarrige 2000&amp;lt;/ref&amp;gt;; Mitteleuropa – Geschichte eines transnationalen Diskurses und deutschsprachige Literaturen des mitteleuropäischen Raums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was J. Lajarriges Studien zur österreichischen Literatur betrifft, so decken sie einen breiten Zeitraum vom 19. Jahrhundert ([[Franz Grillparzer]], Eduard von Bauernfeld) bis zur Gegenwart ab (insbesondere die Wiener Gruppe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Lajarrige 1996&amp;lt;/ref&amp;gt;: Hans Carl Artmann, Gerhard Rühm&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.deutsche-biographie.de/118603930.html&amp;lt;/ref&amp;gt;; [[Ernst Jandl]] und [[Friederike Mayröcker]]; der Wiener Aktionismus mit Günter Brus&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/gunter-brus/&amp;lt;/ref&amp;gt;; [[Ilse Aichinger]], [[Ingeborg Bachmann]], Milo Dor&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/104594896.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Marlen Haushofer]], [[Joseph Roth]], [[Elfriede Jelinek]], Evelyn Schlag&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/119559099.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Christoph Ransmayr&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/christoph-ransmayr/&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Peter Handke]]; [[Rose Ausländer]], Oskar Pastior&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.engeler.de/pastior.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Heimrad Bäcker&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.onb.ac.at/sammlungen/literaturarchiv/bestaende/personen/baecker-heimrad-1925-2003/&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die Vielfalt der behandelten Autor*innen und der Untersuchungsfelder sowie die Fülle der Veröffentlichungen von J. Lajarrige sind beeindruckend. In seinen Publikationen untersucht er mit großem Feingefühl die Brüche und Kontinuitäten, die die österreichische Literatur durchziehen, insbesondere die Frage der Trauerarbeit und des Schreibens über den Holocaust&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2001&amp;lt;/ref&amp;gt; oder die Position der Schriftsteller*innen zur österreichischen Nazi-Vergangenheit&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2016&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine zahlreichen Aufsätze zur zeitgenössischen österreichischen Lyrik&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigen, wie sehr „sie eine lange Tradition der kritischen Reflexion über Sprache fortsetzt, die sowohl bei Wittgenstein als auch bei Karl Kraus Ausdruck findet&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.: 202&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Geht man aber bis zu Grillparzer zurück, ist der Beitrag von J. Lajarrige ebenso bedeutsam: Er hat nicht nur eine sehr umfangreiche Darstellung Grillparzers für den von Jean-Claude Polet herausgegebenen Band &#039;&#039;Patrimoine littéraire européen&#039;&#039; (Brüssel: De Boeck 1999, Bd. XI, S. 860-869) verfasst, sondern hat auch die Reisetagebücher des Autors, in denen sich der historische Ansatz und die reflexive Dimension des viatischen Schreibens als eng miteinander verbunden erweisen&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2006&amp;lt;/ref&amp;gt;, Grillparzers Position zur Frage der Nationalitäten&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2006–2007&amp;lt;/ref&amp;gt;, Grillparzers Platz in der Literaturgeschichtsschreibung in Österreich&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2011&amp;lt;/ref&amp;gt; eingehend analysiert; dabei vernachlässigte er nicht das – auch politische – literarische Nachleben des Autors&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2021&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die neuesten von J. Lajarrige herausgegebenen Sammelbände betrifft, so seien hier als Beispiele genannt : &#039;&#039;Modernité du mythe et violence de l’altérité: La Toison d’or&#039;&#039; de Franz Grillparzer (hrsg. mit Marc Lacheny und Éric Leroy du Cardonnoy), das 2016 bei den Presses Universitaires de Rouen et du Havre in der Reihe „Études autrichiennes“ (Bd. 15) erschien, und &#039;&#039;Dekonstruktion der symbolischen Ordnung bei Marlen Haushofer&#039;&#039;: &#039;&#039;Die Wand und Die Mansarde&#039;&#039; (hrsg. mit Sylvie Arlaud, Marc Lacheny und Éric Leroy du Cardonnoy), erschienen 2019 bei Frank &amp;amp; Timme in der Reihe „Forum: Österreich“ (Bd. 9) im Rahmen der Vorbereitung auf das CAPES und die Agrégation d’allemand; hinzu kommen &#039;&#039;Irreführung der Dämonen&#039;&#039;. &#039;&#039;Acht Essays zu Gregor von Rezzori&#039;&#039; (zusammen mit Andrei Corbea-Hoisie), erschienen 2015 im Parthenon Verlag in Kaiserslautern; &#039;&#039;Gregor von Rezzoris „Tanz mit dem Jahrhundert“&#039;&#039; (zusammen mit Fred Nielsen), erschienen 2018 bei Frank &amp;amp; Timme in der Reihe „Forum: Österreich“ (Bd. 7); &#039;&#039;Literaturbeziehungen im Kalten Krieg – Österreich und die DDR&#039;&#039; (hrsg. mit Alfred Prédhumeau), das 2025 auch bei Frank &amp;amp; Timme in der Reihe „Forum: Österreich“ (Bd. 21) erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus hat Jacques Lajarrige zahlreiche Dissertationen mit Bezug zu Österreich betreut. Um einen Eindruck vom Forschungsspektrum seiner Doktorand*innen zu vermitteln, genügen einige Beispiele: écritures du corps in den Werken von Evelyn Schlag und [[Elfriede Jelinek]]; écritures de soi in den Werken von Gregor von Rezzori; &#039;&#039;Hylé I&#039;&#039; und &#039;&#039;Hylé II&#039;&#039; von [[Raoul Hausmann]]; der Umgang mit Zitaten in den &#039;&#039;Letzten Tagen der Menschheit&#039;&#039; von [[Karl Kraus]]; das extime Schreiben in den fiktionalen Werken von [[Peter Handke]] (2002-2011); die Analyse des Skeptizismus und seiner visuellen Formen in drei Erzählungen von [[Arthur Schnitzler]]; Rilkes Dichtung im Kontext seiner Übersetzungen aus dem Französischen und Dänischen; Das Haus am Ring: Bau und Wiederaufbau der [[Wiener Staatsoper]]; [[Joseph Roth]] und [[Stefan Zweig]] angesichts der Umwälzungen in der Zwischenkriegszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Editorische Tätigkeit: &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039;, die Reihe « Études autrichiennes » und Frank &amp;amp; Timme (« Forum: Österreich »)==&lt;br /&gt;
Seit 2004 ist Jacques Lajarrige Direktor und Chefredakteur der Zeitschrift &#039;&#039;[[Austriaca. Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche]]&#039;&#039;. In dieser Funktion hat er als Nachfolger von [[Felix Kreissler]], [[Gilbert Ravy]] und [[Gerald Stieg]] die Zeitschrift weiter für junge Forscher*innen, für Kolleg*innen mit unterschiedlichen Hintergründen geöffnet. Es wurden neue Sektionen geschaffen („Neueste Veröffentlichungen über Österreich“, zusammengestellt von J. Lajarrige), andere wie „Ideen und Fakten“ wieder eingeführt, und das Redaktionskomitee wurde größtenteils erneuert. Als deutliches Indiz für Modernisierung erhielt die Zeitschrift 2018 auch Zugang zum Online-Portal Open Edition Journals, und seit August 2024 sind die Ausgaben 1 bis 84–85 auf der Plattform &#039;&#039;Persée&#039;&#039; verfügbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur gab J. Lajarrige allein oder gemeinsam mit anderen Kolleg*innen zahlreiche Nummern von &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; im Zusammenhang mit seinen Forschungsschwerpunkten heraus, wie z.B. Österreichische Lyrik seit 1945 (Nr. 45), Gregor von Rezzori (Nr. 54), Elfriede Jelinek (Nr. 59), Reiseliteratur. Österreichische Blicke auf die Welt (Nr. 62); Das österreichisch-ungarische Kaiserreich: die Herausforderungen der deutschen Präsenz in Mitteleuropa (1867–1918) (Nr. 73); Peter Handke und die Autonomie der Literatur (Nr. 92).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Lajarrige ist außerdem gemeinsam mit Jean-Numa Ducange für die Reihe „Études autrichiennes“ bei den Presses universitaires de Rouen et du Havre verantwortlich – eine Reihe, die die neuesten Forschungsergebnisse zur österreichischen Kultur bekannt machen und verbreiten soll. Bisher sind 16 Ausgaben erschienen, die sich sowohl mit Geschichte, Literatur und Kunst, als auch mit gesellschaftlichen Fragen befassen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich hat J. Lajarrige gemeinsam mit Helga Mitterbauer, Professorin an der Freien Universität Brüssel, die Reihe „Forum: Österreich“ beim Verlag Frank &amp;amp; Timme in Berlin gegründet, deren Mitherausgeber er ist. Diese Reihe, die seit ihrem Start im Jahr 2014 bereits an die 20 Titel publiziert hat, will Monografien und Sammelbände zu Österreich im weiteren Sinne aus den Bereichen Literatur, Kultur- und Politikgeschichte veröffentlichen. So erschienen bisher Bücher über Andreas Latzko&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd120739755.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Richard Beer-Hofmann]], [[Vicky Baum]], Marlen Haushofer, Gregor von Rezzori, [[Raoul Schrott]], Franz Blei, [[Joseph Roth]], Soma Morgenstern&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz65444.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Franz Kafka]], sowie über die Rolle der Übersetzer*innen (&#039;&#039;Les traducteurs, passeurs culturels entre la France et l’Autriche&#039;&#039;) oder die gegenseitige französisch-österreichische Imagologie (&#039;&#039;Französische Österreichbilder – Österreichische Frankreichbilder&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
==Übersetzungstätigkeit==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarriges reiche wissenschaftliche und editorische Tätigkeit darf auch nicht seine Tätigkeit als Übersetzer im Dienste der Autoren und Werke, die ihm am Herzen liegen, vergessen lassen. Hier ist zunächst seine Übersetzung von Grillparzers berühmter Novelle &#039;&#039;Der arme Spielmann&#039;&#039; zu nennen, die 1991 unter dem Titel &#039;&#039;Le pauvre musicien&#039;&#039; im Verlag Jacqueline Chambon (Nîmes) erschien. J. Lajarrige übersetzte auch Hans Carl Artmann (eine Auswahl von Gedichten, erschienen in &#039;&#039;[[Austriaca]]&#039;&#039; Nr. 27, S. 153–161, &#039;&#039;Le message viride. 90 rêves&#039;&#039;, 1991, auch bei Jacqueline Chambon, sowie &#039;&#039;Le Soleil était un œuf vert&#039;&#039; im Verlag Grèges, Montpellier, 2011), Friederike Mayröcker (&#039;&#039;ziemlich Gedichtkopfkissen / presque oreiller-poème&#039;&#039;. Paris/Mainz: Despalles 1994), Milo Dor (&#039;&#039;Mitteleuropa. Mythe ou réalité ?&#039;&#039; Paris: Fayard 1999) – siehe auch Lajarrige 2004 –, &#039;&#039;Vienne et moi&#039;&#039; von Günter Brus, einer wichtigen Figur des Wiener Aktionismus (Nancy: Absalon 2009), Evelyn Schlag (&#039;&#039;L’Ordre divin des désirs&#039;&#039;. Paris: Métailié 2002) und vor allem Gregor von Rezzori: &#039;&#039;Le cygne und Murmures d’un vieillard&#039;&#039; (Paris-Monaco: Éditions du Rocher 2006 und 2008), &#039;&#039;Les morts à leur place. Journal d’un tournage&#039;&#039; (Paris: Le serpent à plumes 2009), &#039;&#039;Une hermine à Tchernopol&#039;&#039;, mit Catherine Mazellier-Lajarrige (Paris: éditions de l’Olivier 2011).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese intensive Praxis der literarischen Übersetzung hat übrigens ihre pädagogische Fortsetzung in dem Buch &#039;&#039;Pratique de la version allemande&#039;&#039; gefunden, das ebenfalls mit Catherine Mazellier-Lajarrige bei den Presses universitaires du Midi (Toulouse) im Jahr 2015 veröffentlicht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch alle seine Aktivitäten (Forschung, Edition, Übersetzung) erscheint Jacques Lajarrige als ein bedeutender kultureller Vermittler zwischen Frankreich und Österreich und als ein unermüdlicher Förderer der österreichischen Literatur in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Benay, Jeanne und Lajarrige, Jacques (Hrsg.): Littérature de voyage. Regards autrichiens sur le monde, Austriaca n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;62 (2006).&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Des héritiers de la tradition aux héritiers de l’avant-garde. La poésie autrichienne depuis 1945. In: Dieter Hornig, Georg Jankovic und Klaus Zeyringer (Hrsg.): Continuités et ruptures dans la littérature autrichienne. Nîmes: Annales de l’Institut Cuturel Autrichien, Bd. I / Éditions Jacqueline Chambon 1996, S. 199–230. &lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques (Hrsg.): La poésie autrichienne depuis 1945, Austriaca n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;45 (1997).&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Routes et déroutes exotiques dans la poésie de Hans Carl Artmann. In: Austriaca n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;45 (1997), S. 119–136.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques (Hrsg.): Vom Gedicht zum Zyklus. Vom Zyklus zum Werk. Strategien der Kontinuität in der modernen und zeitgenössischen deutschsprachigen Lyrik. Innsbruck et al.: Studienverlag 2000.&lt;br /&gt;
*Lecerf, Christine / Lajarrige, Jacques / Masson, Jean-Yves (Hrsg.): Littérature d’Autriche. In: Europe n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;866–867 (Juni-Juli 2001).&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: « La citation au service de la mémoire. Nachschrift de Heimrad Bäcker » und « Exiger du sens. Où va la poésie autrichienne ? ». In: Littérature d’Autriche, ebd., S. 134–146 und 187–202.  &lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques (Hrsg.): Milo Dor – Budapest – Belgrad – Wien: Wege eines österreichischen Schriftstellers. Salzburg: Otto Müller 2004. &lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Grillparzer, voyageur malgré lui. In: Austriaca n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;62 (2006), S. 85–111.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Franz Grillparzer et la question des nationalités. In: Chroniques allemandes n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;11 (2006–2007), S. 127–145. &lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: &#039;&#039;Worin unterscheiden sich die österreichischen Dichter von den übrigen?&#039;&#039; Franz Grillparzer et l’historiographie littéraire en Autriche ». In: Le texte et l’idée n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;25 (2011), S. 93–117.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: &#039;&#039;Die Leiche im Keller&#039;&#039;. Les écrivains face au passé nazi de l’Autriche. In: Austriaca n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;82 (2016), S. 29–50.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Trois portraits de Grillparzer : Hofmannsthal, Musil, Roth. Les enjeux politiques d’une postérité féconde. In: Anne Feler, Raymond Heitz und Roland Krebs (Hrsg.): Études sur le monde germanique. Littérature, civilisation, arts. Choix de conférences (2005–2020) organisées par la Société Goethe de France (Bd. II). Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2021, S. 171–191.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Elisabeth Freundlich</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Die Wiener Lehrjahre */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Bibliothekarin Elisabeth Freundlich (Pseudonym Elisabeth Lanzer, 21.7.1906 in Wien – 25.1.2001 in Wien) spielte eine wesentliche Rolle bei der Organisation des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Frankreich, insbesondere in Paris und im Südwesten Frankreichs,&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2018&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie ab 1940 in den Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Elisabeth Freundlich wurde in eine Familie des jüdischen Großbürgertums hineingeboren. In Wien wuchs sie in einem behüteten Umfeld auf, das in doppelter Hinsicht zu ihrer politischen und künstlerischen Prägung beitrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Wiener Lehrjahre==&lt;br /&gt;
Ihr Vater, Jakob Freundlich, ist ein führender sozialdemokratischer Aktivist und steht Viktor Adler nahe. Als Rechtsanwalt und später als Mitglied des Bundesverfassungsgerichts zählt er zu den Gründern der Arbeiter-Zentralbank, deren Leitung er später übernimmt. Ihre Mutter Olga, deren Familie aus Mähren stammt, absolviert eine Ausbildung als Musikerin und Sängerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu ihrem Studium der Germanistik, der Theaterwissenschaft und der Kunstgeschichte arbeitete Elisabeth Freundlich als Dramaturgin und Regisseurin am Neuen Wiener Schauspielhaus unter dem Pseudonym Elisabeth Lanzer, dem Geburtsnamen ihrer Mutter. Als erstes konkretes Zeichen für ihr Interesse an Politik tritt sie dem Verband Sozialistischer Studenten Österreichs bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1932–1933 arbeitet sie für die Zeitschrift &#039;&#039;Die Wiener Weltbühne&#039;&#039; und verbringt anschließend mehrere Aufenthalte in Paris, wo sie Vorlesungen an der Sorbonne und eine Lesung von Egon Erwin Kisch zugunsten der spanischen Republikaner besucht. Diese wiederholten Begegnungen mit der französischen Sprache und politischen Kultur sollten für die Zeit ihres Exils entscheidend sein. Die Verhaftung ihres Vaters im Jahr 1934, der ohne Beweise und ohne Grundlage der Veruntreuung beschuldigt, daraufhin mit einem Arbeitsverbot belegt und unter Hausarrest gestellt wird, beendet eine Zeit der Unbeschwertheit und Harmonie. Durch die Verhaftung wird ihr Interesse an der politischen Aktualität geschärft und das antisemitische Klima, das den österreichischen Ständestaat unterminiert, hautnah für sie spürbar. Eben auf diesen Zeitpunkt datiert sie in ihrer Autobiografie &#039;&#039;Die fahrenden Jahre&#039;&#039; (1992) auch den Beginn ihrer eigenen Politisierung und ihrer antifaschistischen Aktivitäten,&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 69&amp;lt;/ref&amp;gt; die ihr Interesse an der Literatur für eine Weile in den Hintergrund drängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1937 engagiert sich Elisabeth Freundlich in Komitees zur Unterstützung der spanischen Republikaner, deren wenig beneidenswertes Schicksal – verschärft durch die Politik der Nichteinmischung Frankreichs – sie zutiefst erschüttert.&amp;lt;ref&amp;gt;Alge 1983 : 33&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Erfahrung wird sie später als entscheidend für ihren weiteren Lebensweg und ihr künftiges Engagement bezeichnen und sie davon überzeugen, dass das Leben nur dann einen Sinn hat, wenn es von konkreten Taten der Solidarität geleitet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1984: 40&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Mitgefühl, das sich in konkreten Taten äußert, prägt später auch die Figuren ihrer Fiktionswerke, die danach streben, ihre Ideen und Handlungen in Einklang zu bringen. Bereits zu dieser Zeit unterhält sie Kontakte zum Schutzverband deutscher Schriftsteller im Ausland, der in Paris von Schriftstellern neu gegründet worden war, die nach der Gleichschaltung des Schutzverbands deutscher Schriftsteller im Jahr 1933 nach Frankreich emigriert waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Exil in Frankreich==&lt;br /&gt;
Die Ereignisse vom März 1938 in Wien markieren sowohl für sie als auch für ihre Eltern einen neuen Wendepunkt. Das Bewusstsein für die Gefahr veranlasst sie, unverzüglich ins Exil zu gehen. Bereits am 11. März 1938 gelingt es ihnen, aus Wien zu fliehen und über die Schweiz nach Paris zu gelangen. Die Befürchtung, dass die Schweiz, obwohl sie neutral ist, nicht völlig vor der nationalsozialistischen Bedrohung sicher sei, und die Hoffnung, in Frankreich bei den sozialistischen Genossen wohlwollende Unterstützung zu finden, erklären diese Entscheidung. Der Titel des Kapitels in ihrer Autobiografie, das dem französischen Exil gewidmet ist, „Rettung und Hoffnung“, fasst ihre damalige Einstellung zusammen. Der erste Schritt, den sie gemeinsam mit ihren Eltern bei den französischen Behörden unternimmt, besteht darin, sich als „Ex-Österreicher“ zu melden, als Protest gegen die Abschaffung des Begriffs „Österreich“, der nach dem Willen der Nazis nach dem Anschluss durch den Begriff „Ostmark“ ersetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 82&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Paris knüpft Elisabeth Freundlich rasch Kontakte zu anderen österreichischen Intellektuellen im Exil, die ebenso wie sie bestrebt sind, die französische Öffentlichkeit auf die Situation in Österreich aufmerksam zu machen. Allen ist bewusst, dass dies nicht ohne die Hilfe renommierter Schriftsteller gelingen kann, die der französischen Öffentlichkeit bereits gut bekannt sind. So beteiligt sie sich an der Gründung der &#039;&#039;Fédération des émigrés autrichiens&#039;&#039; und anschließend der &#039;&#039;Ligue de l’Autriche vivante&#039;&#039; zusammen mit Conrad H. Lester, Arpad Haas und Emil Alphons Reinhardt, einem österreichischen Schriftsteller, der seit 1928 an der Côte d’Azur lebt und historische Biografien über Napoleon III., Joséphine de Beauharnais und Heinrich IV. verfasst hat. Reinhardt, der im französischen Widerstand aktiv war, wird in seinem Haus in Le Lavandou verhaftet, von den italienischen Besatzungstruppen an die Gestapo ausgeliefert und anschließend nach Dachau deportiert werden. An diesem Vorhaben, den österreichischen Widerstand in Frankreich zu strukturieren und sichtbar zu machen, werden sich unter anderem [[Joseph Roth]], [[Alfred Polgar]], [[Gina Kaus]] und [[Franz Werfel]] beteiligen, der später Vizepräsident der &#039;&#039;Ligue de l’Autriche vivante&#039;&#039; wird. Die inoffizielle Geburtsstunde der &#039;&#039;Liga&#039;&#039; war übrigens eine öffentliche Lesung von Franz Werfel, dessen Bekanntheit in Frankreich Elisabeth Freundlich als geeignet erschien, Kräfte zu bündeln und führende französische Persönlichkeiten für die österreichische Sache zu gewinnen. In ihrer Autobiografie erinnert sie sich dankbar an Benjamin Crémieux, an Albert Dauzat, an Paul Jules Perrin, den Vorsitzenden des von der Regierung Léon Blums eingesetzten Beratenden Ausschusses für deutsche Flüchtlinge, der die Frage der seit 1933 aus Nazideutschland geflohenen Flüchtlinge regeln sollte, und der seit 1935 Generalsekretär des Internationalen Büros für die Achtung des Asylrechts und die Hilfe für politische Flüchtlinge war. Hinzu kommen André Cotton, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der ehemalige Außenminister Yves Delbos sowie der Schriftsteller Jean-Richard Bloch.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 85 et Kreissler 1983&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Autobiografie zeichnet zudem die eigentliche Gründungssitzung der &#039;&#039;Liga&#039;&#039; in den Salons des Hôtel Lutétia am Boulevard Raspail in Anwesenheit von Joseph Roth, [[Siegfried Trebitsch]], Alfred Polgar, Walter Tritsch und E. A. Reinhardt nach und stellt die Beisetzung von Roth, an der Elisabeth Freundlich in ihrer Eigenschaft als Delegierte teilnahm, als dessen letzten öffentlichen Auftritt dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Kriegserklärung arbeitet sie kurzzeitig an Radiosendungen im Rahmen der deutschen Programme des französischen Rundfunks unter der Leitung von Rudolf Leonhard&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige, Mazellier-Lajarrige 2020: 7&amp;lt;/ref&amp;gt; mit, für den sie mehrere Berichte über die Lage in Österreich verfasst. Sie steht dem Journalisten Otto Heller nahe, dem ehemaligen Leiter der &#039;&#039;Berliner Welt am Abend&#039;&#039; und Chefredakteur der Monatszeitschrift &#039;&#039;Nouvelles d’Autriche&#039;&#039;, den sie ebenfalls in Paris kennengelernt hatte, und schließt sich dessen Redaktion an, bis diese mit der Kriegserklärung ihr Ende findet.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 91&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einmarsch der deutschen Armee in Belgien und Holland stellte eine neue Bedrohung dar, die kurz darauf durch die Kapitulation Frankreichs und die Unterzeichnung des Waffenstillstands vom 22. Juni 1940 mit dem Dritten Reich in Rethondes noch verschärft wurde; eine Klausel dieses Abkommens sah die Auslieferung aller antifaschistischen Aktivisten vor. Um der Gefahr zuvorzukommen, begibt sich Elisabeth Freundlich am 10. Mai 1940 mit ihren Eltern nach Montauban, überquert am 22. Mai in Port-Bou die spanische Grenze und erreicht schließlich am 28. November 1940 über Portugal New York. Die Wahl von Montauban ist kein Zufall, denn dank der Aktivitäten der Auslandsvertretung österreichischer Sozialisten (AVÖS) und der Hilfe von Léon Blum war die Stadt als wichtiges Zentrum des österreichischen Exils bekannt, wo fast 200 Flüchtlinge und ihre Familien Zuflucht und Unterstützung gefunden hatten. Die AVÖS, die Ende März 1938 von [[Otto Bauer]], Joseph Buttinger&amp;lt;ref&amp;gt;https://dasrotewien.at/seite/buttinger-joseph&amp;lt;/ref&amp;gt; und Friedrich Adler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/dbo001429.html?language=de#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gegründet worden war, war die einzige von der Zweiten Internationalen anerkannte Vertretung der Interessen der österreichischen Sozialdemokratie. Ursprünglich in Brüssel (1938), dann in Paris (1939/1940) ansässig, war ihr Sitz angesichts des Vormarsches der deutschen Truppen auf französischem Gebiet kurzzeitig nach Montauban (Tarn-et-Garonne) verlegt worden, schließlich dann nach New York. So konnte Elisabeth Freundlich dem Schicksal vieler Österreicher und Deutscher entgehen, die von den französischen Behörden ausgeliefert wurden. Dies verdankt sie auch dem großzügigen Eingreifen von Joseph Buttinger, der die Familie Freundlich zwar nur vom Hörensagen kannte, die Schriftstellerin und ihre Eltern jedoch auf die Prioritätenliste der ExilantInnen setzte, denen ein Notfallvisum (&#039;&#039;Emergency Rescue Visa&#039;&#039;) ausgestellt werden sollte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Exil in den USA==&lt;br /&gt;
In den Vereinigten Staaten muss Elisabeth Freundlich schnell einen Weg finden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dort absolviert sie eine Ausbildung als Bibliothekarin an der &#039;&#039;Columbia University&#039;&#039;, arbeitet anschließend im &#039;&#039;Metropolitan Museum&#039;&#039;, unterrichtet eine Zeit lang Deutsch an der &#039;&#039;Princeton University&#039;&#039; (New Jersey) und wird unter dem Geburtsnamen ihrer Mutter, Lanzer, Leiterin der Literaturbeilage der New Yorker Zeitschrift &#039;&#039;Austro American Tribune&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;Hertling 1992 und Hertling 1997: 107&amp;lt;/ref&amp;gt; die 1942 unter dem Namen &#039;&#039;Freiheit für Österreich&#039;&#039; gegründet worden war. Die Idee zu dieser Beilage war aus Gesprächen zwischen Elisabeth Freundlich, Wilhelm Gründorfer, dem damaligen Herausgeber, und Bertolt Brecht entstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Alge 1983: 36&amp;lt;/ref&amp;gt;. In ihren Spalten sollte nach 1945 der Aufruf von Viktor Matejka an die österreichischen Emigranten erscheinen, in ihre Heimat zurückzukehren. Diese Publikation, für die sie wertvolle Beiträge österreichischer AutorInnen wie Ferdinand Bruckner oder Berthold Viertel gewinnen konnte, bot ihr die Möglichkeit, die in Paris begonnene und viel zu früh abgebrochene Arbeit an den &#039;&#039;Nouvelles d’Autriche&#039;&#039; fortzusetzen und einen Sammelpunkt für all jene zu schaffen, die für die Unabhängigkeit Österreichs kämpften und sich für die Verbreitung seiner Kultur einsetzen wollten. Ernst Waldinger, Theodor Kramer, Alfred Polgar, Günther Anders, [[Raoul Auernheimer]], Ernst Lothar, Franz Theodor Csokor und [[Stefan Zweig]] gehören zu den Autoren, die Elisabeth Freundlichs Aufruf folgten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Erfolg schlägt eine Brücke zwischen der französischen und der amerikanischen Schaffensphase der Autorin. In diesem Zusammenhang ist unter den literarischen Sensationen, die man ihr zuschreiben kann, die Vorabveröffentlichung einer Szene aus dem damals noch unveröffentlichten Stück von Franz Werfel, &#039;&#039;Jakobowsky und der Oberst&#039;&#039;, zu erwähnen, die kurz nach dem Erfolg der englischen Uraufführung in Boston zwei Monate zuvor erfolgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Hertling 1997: 109&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise gelingt es ihr, die Verbindung zu Werfel wiederherzustellen, dessen Lesung am 14. Jänner 1939 in Paris die Gründung der Liga für das lebendige Österreich angekündigt hatte. Die Existenz der &#039;&#039;Austro American Tribune&#039;&#039; (1942–1949), die angesichts der politischen Umstände ungewöhnlich lang war, sowie Freundlichs unermüdliches Engagement für die Sache der Exilanten trugen dazu bei, das Bewusstsein für die österreichische Identität auf amerikanischem Boden aufrechtzuerhalten, aber auch das Bewusstsein aller, die in Österreich geblieben waren, da die Zeitung dort ab 1947 von den alliierten Besatzungsmächten zugelassen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die literarische Auseinandersetzung mit dem Exil vor dem Hintergrund einer schwierigen Rückkehr nach Wien==&lt;br /&gt;
Seit 1945 mit dem österreichischen Philosophen Günther Anders verheiratet (von dem sie sich 1955 scheiden ließ), kehrt Elisabeth Freundlich 1950 mit ihm nach Wien zurück, ohne dort ihre literarischen Werke veröffentlichen zu können. Wie viele ihrer Leidensgenossen verspürt sie das schmerzhafte Gefühl, dass die Rückkehr der Exilanten in ein ausgeblutetes und ideologisch tief von den Spaltungen des Kalten Krieges gezeichnetes Österreich weder erwartet noch wirklich gewünscht ist&amp;lt;ref&amp;gt;Beckermann 1989&amp;lt;/ref&amp;gt; und dass ihr politisches Engagement während der Jahre der Diktatur ein zusätzliches Hindernis für ihre Wiedereingliederung darstellt – neben den zahlreichen anderen Hindernissen, mit denen all jene konfrontiert waren, die aus ihrem Land hatten fliehen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Fleck 2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr literarisches Werk, das in Österreich erst sehr spät veröffentlicht wurde, ist durch und durch von ihrem Schicksal als Emigrantin und Opfer des Nationalsozialismus geprägt. Ein erster Versuch, ihrer Erfahrung des Exils literarische Gestalt zu verleihen, stammt aus ihrer Zeit in den USA, erscheint in Deutschland unter dem Namen Elisabeth Lanzer und trägt bezeichnenderweise einen englischen Titel: &#039;&#039;Invasion Day&#039;&#039; (1948). Elisabeth Freundlich zeichnet darin den Lebensweg von Leni nach, einer österreichischen Fotografin, die ihre Wanderschaft zwischen Wien, Brüssel, Paris und New York schildert. Geprägt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus beschließt sie jedoch, nicht über ihr Leben zu schreiben und nach Europa zurückzukehren, als sie die Nachricht von der Landung der Alliierten in der Normandie erfährt. Bezeichnenderweise thematisiert die Erzählung die Schwierigkeit, eine traumatische Erfahrung erzählerisch in Worte zu fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Roman, der die Geschichte ihrer jüdischen Familie nachzeichnet, &#039;&#039;Der Seelenvogel&#039;&#039;, ebenfalls 1948 in den Vereinigten Staaten begonnen, wurde von mehreren österreichischen Verlagen abgelehnt und konnte erst 1986 erscheinen. Er zeichnet ein Porträt ihrer Familienmitglieder und versucht vom amerikanischen Exil aus, die Geschichte ihrer jüdischen Familie, ihren sozialen Aufstieg und ihr politisches Engagement vor dem Vergessen zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese anhaltenden Schwierigkeiten, in ihrem Heimatland als Schriftstellerin anerkannt zu werden, veranlassten Elisabeth Freundlich dazu, sich der Übersetzung und dem Journalismus zuzuwenden. So übersetzte sie amerikanische Literatur sowie mehrere Theaterstücke des irischen Dramatikers Sean O’Casey, darunter &#039;&#039;The Silver Tassie&#039;&#039; (1929), ein pazifistisches Werk, auf das Brecht sie aufmerksam gemacht hatte. Parallel dazu arbeitet sie von 1953 bis 1978 für die Tageszeitung &#039;&#039;Mannheimer Morgen&#039;&#039; und berichtet in verschiedenen österreichischen und deutschen Presse- und Rundfunkmedien über die Prozesse gegen Nazi-Verbrecher. Sie schreibt auch für die &#039;&#039;Frankfurter Hefte&#039;&#039; und für die in Bonn erscheinende Zeitung &#039;&#039;Vorwärts&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch trotz aller Widrigkeiten gab sie nie den Gedanken auf, als Schriftstellerin und Zeitzeugin einer Erfahrung anerkannt zu werden, von der sie sich voll und ganz bewusst war, dass sie über ihren eigenen Lebensweg hinausging. Die Hommage, die Erich Hackl ihr widmet, zeigt im Übrigen, wie sehr ihr politisches Engagement das historische Bewusstsein der Schriftsteller der nachfolgenden Generation geprägt hat. So berichten auch die Erzählungen des Bandes &#039;&#039;Finstere Zeiten&#039;&#039; (1986) anhand von vier Emigrantenschicksalen sowohl vom Untergrundwiderstand gegen den Nationalsozialismus in Frankreich als auch vom Exil. Eine dieser Erzählungen, &#039;&#039;Statt einer Ehrensalve&#039;&#039;, schildert das Schicksal der Emigranten in Frankreich, die wachsenden Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert waren, ihre Einbindung in die Widerstandsnetze sowohl in der besetzten als auch in der freien Zone, ohne dabei die Ressentiments zu vergessen, denen sie bei ihrer Rückkehr nach Österreich nach 1945 ausgesetzt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau. NS-Vernichtungspolitik in Polen 1939–1945&#039;&#039; (1986), einem beeindruckenden dokumentarischen Werk, das das Schicksal der Juden in Galizien nachzeichnet, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in Polen in der Region Iwano-Frankiwsk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Autobiografie, die erst 1992 unter dem Titel &#039;&#039;Die fahrenden Jahre&#039;&#039; erschien, geht über ihren eigenen Werdegang hinaus und zeichnet mit Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen ein lebendiges und klares Bild der verschiedenen Facetten des österreichischen Widerstands in Frankreich und später in den Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Invasion Day (Pseudonym Elisabeth Lanzer). Eine Erzählung. Überlingen am Bodensee: Werner Wulff Verlag 1948.&lt;br /&gt;
*Der eherne Reiter. Frankfurt am Main: Insel 1982.&lt;br /&gt;
*Warnen und Warten. In: Franz Richard Reiter (Hrsg.): Unser Kampf: in Frankreich für Österreich. Interviews mit Widerstandskämpfern. Wien: Böhlau 1984, S. 19–40.&lt;br /&gt;
*Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau. NS-Vernichtungspolitik in Polen 1939–1945. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1986, Neuauflage Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2016.&lt;br /&gt;
*Finstere Zeiten. Vier Erzählungen. Mannheim: Persona Verlag 1986.&lt;br /&gt;
*Die fahrenden Jahre. Erinnerungen. Salzburg: Otto Müller Verlag 1992.&lt;br /&gt;
*Wir waren ja wahnsinnig, damals. Mit einem Vorwort von Andreas F. Kelletat. Mannheim: Persona Verlag 2022 (Neuauflage von Invasion Day).&lt;br /&gt;
*Der Onkel aus Triest. Erzählungen und Betrachtungen. Wien, St. Wolfgang: Edition Art Science 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Alge, Susanne: Elisabeth Freundlich: Die Vertrautheit des Fremdseins. In: Elisabeth Reichart (Hrsg.): Österreichische Dichterinnen. Salzburg, Wien: Otto Müller 1983, S. 31–49.&lt;br /&gt;
*Beckermann, Ruth: Unzugehörig: Österreicher und Juden nach 1945. Wien: Löcker 1989.&lt;br /&gt;
*Fleck, Christian: Réflexions prosopographiques sur le retour d’exil en Autriche. In: Austriaca 56 (2003) = Exils et retours d’exil, S. 65–74.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_2003_num_56_1_4414&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Hackl, Erich: Die Namen der Dinge. Salut für Elisabeth Freundlich. In: Literatur und Kritik 301/302 (2001), S. 52–63.&lt;br /&gt;
*Hertling, Viktoria: ,… irgendwie doch einen Erfolg gehabt.‘ Die Austro-American Tribune in New York (1942-1945). In: Dieter Sevin (Hrsg.): Die Resonanz des Exils. Gelungene und mißlungene Rezeption deutschsprachiger Exilautoren. Amsterdam: Rodopi 1992, S. 34–50.&lt;br /&gt;
*Hertling, Viktoria: Exil und Post-Exil: Elisabeth Freundlichs Erinnerungsbuch „Die fahrenden Jahre“. In: Modern Austrian Literature 30, Nr. 1 (1997), S. 102–116.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.jstor.org/stable/24648544&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Kreissler, Felix : L’apport des exilés-résistants autrichiens à la prise de conscience nationale dans certains pays occupés et dans les camps de prisonniers de guerre en Union soviétique. In: Austriaca : Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche 17 (1983) = La résistance autrichienne, S. 53–63.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_1983_num_17_1_1986&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Elisabeth Freundlich. In: Hélène Leclerc (Hrsg.): Le Sud-Ouest de la France et les Pyrénées dans la mémoire des pays de langue allemande au XXe siècle. Dictionnaire et anthologie. Toulouse: Le Pérégrinateur 2018, S. 64–65.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques, Mazellier-Lajarrige, Catherine: Avant-propos. In: Rudolf Leonhard: Le Feu aux barbelés. Textes traduits, présentés et annotés par Catherine Mazellier-Lajarrige et Jacques Lajarrige. Toulouse: Le Pérégrinateur 2020, S. 7–14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 09/06/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Elisabeth_Freundlich}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Freundlich, Elisabeth}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Elisabeth_Freundlich&amp;diff=1378</id>
		<title>Elisabeth Freundlich</title>
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		<updated>2026-06-09T13:09:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Bibliothekarin Elisabeth Freundlich (Pseudonym Elisabeth Lanzer, 21.7.1906 in Wien – 25.1.2001 in Wien) spielte eine wesentliche Rolle bei der Organisation des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Frankreich, insbesondere in Paris und im Südwesten Frankreichs,&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige 2018&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie ab 1940 in den Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Elisabeth Freundlich wurde in eine Familie des jüdischen Großbürgertums hineingeboren. In Wien wuchs sie in einem behüteten Umfeld auf, das in doppelter Hinsicht zu ihrer politischen und künstlerischen Prägung beitrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Wiener Lehrjahre==&lt;br /&gt;
Ihr Vater, Jakob Freundlich, ist ein führender sozialdemokratischer Aktivist und steht Viktor Adler nahe. Als Rechtsanwalt und später als Mitglied des Bundesverfassungsgerichts zählt er zu den Gründern der Arbeiter-Zentralbank, deren Leitung er später übernimmt. Ihre Mutter Olga, deren Familie aus Mähren stammt, absolviert eine Ausbildung als Musikerin und Sängerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu ihrem Studium der Germanistik, der Theaterwissenschaft und der Kunstgeschichte arbeitete Elisabeth Freundlich als Dramaturgin und Regisseurin am Neuen Wiener Schauspielhaus unter dem Pseudonym Elisabeth Lanzer, dem Geburtsnamen ihrer Mutter. Als erstes konkretes Zeichen für ihr Interesse an Politik tritt sie dem Verband Sozialistischer Studenten Österreichs bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1932–1933 arbeitet sie für die Zeitschrift &#039;&#039;Die Wiener Weltbühne&#039;&#039; und verbringt anschließend mehrere Aufenthalte in Paris, wo sie Vorlesungen an der Sorbonne und eine Lesung von Egon Erwin Kisch zugunsten der spanischen Republikaner besucht. Diese wiederholten Begegnungen mit der französischen Sprache und politischen Kultur sollten für die Zeit ihres Exils entscheidend sein. Die Verhaftung ihres Vaters im Jahr 1934, der ohne Beweise und ohne Grundlage der Veruntreuung beschuldigt, daraufhin mit einem Arbeitsverbot belegt und unter Hausarrest gestellt wird, beendet eine Zeit der Unbeschwertheit und Harmonie. Durch die Verhaftung wird ihr Interesse an der politischen Aktualität geschärft und das antisemitische Klima, das den österreichischen Ständestaat unterminiert, hautnah für sie spürbar. Eben auf diesen Zeitpunkt datiert sie in ihrer Autobiografie &#039;&#039;Die fahrenden Jahre&#039;&#039; (1992) auch den Beginn ihrer eigenen Politisierung und ihrer antifaschistischen Aktivitäten,&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 69&amp;lt;/ref&amp;gt; die ihr Interesse an der Literatur für eine Weile in den Hintergrund drängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1937 engagiert sich Elisabeth Freundlich in Komitees zur Unterstützung der spanischen Republikaner, deren wenig beneidenswertes Schicksal – verschärft durch die Politik der Nichteinmischung Frankreichs – sie zutiefst erschüttert.&amp;lt;ref&amp;gt;Alge 1983 : 33&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Erfahrung wird sie später als entscheidend für ihren weiteren Lebensweg und ihr künftiges Engagement bezeichnen und sie davon überzeugen, dass das Leben nur dann einen Sinn hat, wenn es von konkreten Taten der Solidarität geleitet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1984: 40&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Mitgefühl, das sich in konkreten Taten äußert, prägt später auch die Figuren ihrer Fiktionswerke, die danach streben, ihre Ideen und Handlungen in Einklang zu bringen. Bereits zu dieser Zeit unterhält sie Kontakte zum Schutzverband deutscher Schriftsteller im Ausland, der in Paris von Schriftstellern neu gegründet worden war, die nach der Gleichschaltung des Schutzverbands deutscher Schriftsteller im Jahr 1933 nach Frankreich emigriert waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dès 1937, Elisabeth Freundlich s’engage dans les comités de soutien aux républicains espagnols, dont le sort peu enviable, aggravé par la politique de non-intervention de la France, la bouleverse&amp;lt;ref&amp;gt;Alge 1983 : 33&amp;lt;/ref&amp;gt;. C’est là une expérience qu’elle présentera comme décisive pour la suite de son parcours et ses engagements futurs, et qui la convainc que la vie n’a de sens que si elle est guidée par des actions concrètes de solidarité&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1984 : 40&amp;lt;/ref&amp;gt;. Cette empathie, qui se traduit par des actions concrètes, caractérisera plus tard également les personnages de ses œuvres de fiction qui cherchent à mettre en accord leurs idées et leurs actes. À cette époque déjà, elle entretient des contacts avec le &#039;&#039;Schutzverband deutscher Schriftsteller im Ausland&#039;&#039;, l’Association de défense des écrivains allemands à l’étranger, qui avait été refondée à Paris par des écrivains ayant émigré en France après la mise au pas en 1933 du &#039;&#039;Schutzverband deutscher Schriftsteller&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Exil in Frankreich==&lt;br /&gt;
Die Ereignisse vom März 1938 in Wien markieren sowohl für sie als auch für ihre Eltern einen neuen Wendepunkt. Das Bewusstsein für die Gefahr veranlasst sie, unverzüglich ins Exil zu gehen. Bereits am 11. März 1938 gelingt es ihnen, aus Wien zu fliehen und über die Schweiz nach Paris zu gelangen. Die Befürchtung, dass die Schweiz, obwohl sie neutral ist, nicht völlig vor der nationalsozialistischen Bedrohung sicher sei, und die Hoffnung, in Frankreich bei den sozialistischen Genossen wohlwollende Unterstützung zu finden, erklären diese Entscheidung. Der Titel des Kapitels in ihrer Autobiografie, das dem französischen Exil gewidmet ist, „Rettung und Hoffnung“, fasst ihre damalige Einstellung zusammen. Der erste Schritt, den sie gemeinsam mit ihren Eltern bei den französischen Behörden unternimmt, besteht darin, sich als „Ex-Österreicher“ zu melden, als Protest gegen die Abschaffung des Begriffs „Österreich“, der nach dem Willen der Nazis nach dem Anschluss durch den Begriff „Ostmark“ ersetzt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 82&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Paris knüpft Elisabeth Freundlich rasch Kontakte zu anderen österreichischen Intellektuellen im Exil, die ebenso wie sie bestrebt sind, die französische Öffentlichkeit auf die Situation in Österreich aufmerksam zu machen. Allen ist bewusst, dass dies nicht ohne die Hilfe renommierter Schriftsteller gelingen kann, die der französischen Öffentlichkeit bereits gut bekannt sind. So beteiligt sie sich an der Gründung der &#039;&#039;Fédération des émigrés autrichiens&#039;&#039; und anschließend der &#039;&#039;Ligue de l’Autriche vivante&#039;&#039; zusammen mit Conrad H. Lester, Arpad Haas und Emil Alphons Reinhardt, einem österreichischen Schriftsteller, der seit 1928 an der Côte d’Azur lebt und historische Biografien über Napoleon III., Joséphine de Beauharnais und Heinrich IV. verfasst hat. Reinhardt, der im französischen Widerstand aktiv war, wird in seinem Haus in Le Lavandou verhaftet, von den italienischen Besatzungstruppen an die Gestapo ausgeliefert und anschließend nach Dachau deportiert werden. An diesem Vorhaben, den österreichischen Widerstand in Frankreich zu strukturieren und sichtbar zu machen, werden sich unter anderem [[Joseph Roth]], [[Alfred Polgar]], [[Gina Kaus]] und [[Franz Werfel]] beteiligen, der später Vizepräsident der &#039;&#039;Ligue de l’Autriche vivante&#039;&#039; wird. Die inoffizielle Geburtsstunde der &#039;&#039;Liga&#039;&#039; war übrigens eine öffentliche Lesung von Franz Werfel, dessen Bekanntheit in Frankreich Elisabeth Freundlich als geeignet erschien, Kräfte zu bündeln und führende französische Persönlichkeiten für die österreichische Sache zu gewinnen. In ihrer Autobiografie erinnert sie sich dankbar an Benjamin Crémieux, an Albert Dauzat, an Paul Jules Perrin, den Vorsitzenden des von der Regierung Léon Blums eingesetzten Beratenden Ausschusses für deutsche Flüchtlinge, der die Frage der seit 1933 aus Nazideutschland geflohenen Flüchtlinge regeln sollte, und der seit 1935 Generalsekretär des Internationalen Büros für die Achtung des Asylrechts und die Hilfe für politische Flüchtlinge war. Hinzu kommen André Cotton, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der ehemalige Außenminister Yves Delbos sowie der Schriftsteller Jean-Richard Bloch.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 85 et Kreissler 1983&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Autobiografie zeichnet zudem die eigentliche Gründungssitzung der &#039;&#039;Liga&#039;&#039; in den Salons des Hôtel Lutétia am Boulevard Raspail in Anwesenheit von Joseph Roth, [[Siegfried Trebitsch]], Alfred Polgar, Walter Tritsch und E. A. Reinhardt nach und stellt die Beisetzung von Roth, an der Elisabeth Freundlich in ihrer Eigenschaft als Delegierte teilnahm, als dessen letzten öffentlichen Auftritt dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Kriegserklärung arbeitet sie kurzzeitig an Radiosendungen im Rahmen der deutschen Programme des französischen Rundfunks unter der Leitung von Rudolf Leonhard&amp;lt;ref&amp;gt;Lajarrige, Mazellier-Lajarrige 2020: 7&amp;lt;/ref&amp;gt; mit, für den sie mehrere Berichte über die Lage in Österreich verfasst. Sie steht dem Journalisten Otto Heller nahe, dem ehemaligen Leiter der &#039;&#039;Berliner Welt am Abend&#039;&#039; und Chefredakteur der Monatszeitschrift &#039;&#039;Nouvelles d’Autriche&#039;&#039;, den sie ebenfalls in Paris kennengelernt hatte, und schließt sich dessen Redaktion an, bis diese mit der Kriegserklärung ihr Ende findet.&amp;lt;ref&amp;gt;Freundlich 1992: 91&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einmarsch der deutschen Armee in Belgien und Holland stellte eine neue Bedrohung dar, die kurz darauf durch die Kapitulation Frankreichs und die Unterzeichnung des Waffenstillstands vom 22. Juni 1940 mit dem Dritten Reich in Rethondes noch verschärft wurde; eine Klausel dieses Abkommens sah die Auslieferung aller antifaschistischen Aktivisten vor. Um der Gefahr zuvorzukommen, begibt sich Elisabeth Freundlich am 10. Mai 1940 mit ihren Eltern nach Montauban, überquert am 22. Mai in Port-Bou die spanische Grenze und erreicht schließlich am 28. November 1940 über Portugal New York. Die Wahl von Montauban ist kein Zufall, denn dank der Aktivitäten der Auslandsvertretung österreichischer Sozialisten (AVÖS) und der Hilfe von Léon Blum war die Stadt als wichtiges Zentrum des österreichischen Exils bekannt, wo fast 200 Flüchtlinge und ihre Familien Zuflucht und Unterstützung gefunden hatten. Die AVÖS, die Ende März 1938 von [[Otto Bauer]], Joseph Buttinger&amp;lt;ref&amp;gt;https://dasrotewien.at/seite/buttinger-joseph&amp;lt;/ref&amp;gt; und Friedrich Adler&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/dbo001429.html?language=de#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gegründet worden war, war die einzige von der Zweiten Internationalen anerkannte Vertretung der Interessen der österreichischen Sozialdemokratie. Ursprünglich in Brüssel (1938), dann in Paris (1939/1940) ansässig, war ihr Sitz angesichts des Vormarsches der deutschen Truppen auf französischem Gebiet kurzzeitig nach Montauban (Tarn-et-Garonne) verlegt worden, schließlich dann nach New York. So konnte Elisabeth Freundlich dem Schicksal vieler Österreicher und Deutscher entgehen, die von den französischen Behörden ausgeliefert wurden. Dies verdankt sie auch dem großzügigen Eingreifen von Joseph Buttinger, der die Familie Freundlich zwar nur vom Hörensagen kannte, die Schriftstellerin und ihre Eltern jedoch auf die Prioritätenliste der ExilantInnen setzte, denen ein Notfallvisum (&#039;&#039;Emergency Rescue Visa&#039;&#039;) ausgestellt werden sollte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Exil in den USA==&lt;br /&gt;
In den Vereinigten Staaten muss Elisabeth Freundlich schnell einen Weg finden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dort absolviert sie eine Ausbildung als Bibliothekarin an der &#039;&#039;Columbia University&#039;&#039;, arbeitet anschließend im &#039;&#039;Metropolitan Museum&#039;&#039;, unterrichtet eine Zeit lang Deutsch an der &#039;&#039;Princeton University&#039;&#039; (New Jersey) und wird unter dem Geburtsnamen ihrer Mutter, Lanzer, Leiterin der Literaturbeilage der New Yorker Zeitschrift &#039;&#039;Austro American Tribune&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;Hertling 1992 und Hertling 1997: 107&amp;lt;/ref&amp;gt; die 1942 unter dem Namen &#039;&#039;Freiheit für Österreich&#039;&#039; gegründet worden war. Die Idee zu dieser Beilage war aus Gesprächen zwischen Elisabeth Freundlich, Wilhelm Gründorfer, dem damaligen Herausgeber, und Bertolt Brecht entstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Alge 1983: 36&amp;lt;/ref&amp;gt;. In ihren Spalten sollte nach 1945 der Aufruf von Viktor Matejka an die österreichischen Emigranten erscheinen, in ihre Heimat zurückzukehren. Diese Publikation, für die sie wertvolle Beiträge österreichischer AutorInnen wie Ferdinand Bruckner oder Berthold Viertel gewinnen konnte, bot ihr die Möglichkeit, die in Paris begonnene und viel zu früh abgebrochene Arbeit an den &#039;&#039;Nouvelles d’Autriche&#039;&#039; fortzusetzen und einen Sammelpunkt für all jene zu schaffen, die für die Unabhängigkeit Österreichs kämpften und sich für die Verbreitung seiner Kultur einsetzen wollten. Ernst Waldinger, Theodor Kramer, Alfred Polgar, Günther Anders, [[Raoul Auernheimer]], Ernst Lothar, Franz Theodor Csokor und [[Stefan Zweig]] gehören zu den Autoren, die Elisabeth Freundlichs Aufruf folgten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Erfolg schlägt eine Brücke zwischen der französischen und der amerikanischen Schaffensphase der Autorin. In diesem Zusammenhang ist unter den literarischen Sensationen, die man ihr zuschreiben kann, die Vorabveröffentlichung einer Szene aus dem damals noch unveröffentlichten Stück von Franz Werfel, &#039;&#039;Jakobowsky und der Oberst&#039;&#039;, zu erwähnen, die kurz nach dem Erfolg der englischen Uraufführung in Boston zwei Monate zuvor erfolgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Hertling 1997: 109&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise gelingt es ihr, die Verbindung zu Werfel wiederherzustellen, dessen Lesung am 14. Jänner 1939 in Paris die Gründung der Liga für das lebendige Österreich angekündigt hatte. Die Existenz der &#039;&#039;Austro American Tribune&#039;&#039; (1942–1949), die angesichts der politischen Umstände ungewöhnlich lang war, sowie Freundlichs unermüdliches Engagement für die Sache der Exilanten trugen dazu bei, das Bewusstsein für die österreichische Identität auf amerikanischem Boden aufrechtzuerhalten, aber auch das Bewusstsein aller, die in Österreich geblieben waren, da die Zeitung dort ab 1947 von den alliierten Besatzungsmächten zugelassen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die literarische Auseinandersetzung mit dem Exil vor dem Hintergrund einer schwierigen Rückkehr nach Wien==&lt;br /&gt;
Seit 1945 mit dem österreichischen Philosophen Günther Anders verheiratet (von dem sie sich 1955 scheiden ließ), kehrt Elisabeth Freundlich 1950 mit ihm nach Wien zurück, ohne dort ihre literarischen Werke veröffentlichen zu können. Wie viele ihrer Leidensgenossen verspürt sie das schmerzhafte Gefühl, dass die Rückkehr der Exilanten in ein ausgeblutetes und ideologisch tief von den Spaltungen des Kalten Krieges gezeichnetes Österreich weder erwartet noch wirklich gewünscht ist&amp;lt;ref&amp;gt;Beckermann 1989&amp;lt;/ref&amp;gt; und dass ihr politisches Engagement während der Jahre der Diktatur ein zusätzliches Hindernis für ihre Wiedereingliederung darstellt – neben den zahlreichen anderen Hindernissen, mit denen all jene konfrontiert waren, die aus ihrem Land hatten fliehen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Fleck 2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr literarisches Werk, das in Österreich erst sehr spät veröffentlicht wurde, ist durch und durch von ihrem Schicksal als Emigrantin und Opfer des Nationalsozialismus geprägt. Ein erster Versuch, ihrer Erfahrung des Exils literarische Gestalt zu verleihen, stammt aus ihrer Zeit in den USA, erscheint in Deutschland unter dem Namen Elisabeth Lanzer und trägt bezeichnenderweise einen englischen Titel: &#039;&#039;Invasion Day&#039;&#039; (1948). Elisabeth Freundlich zeichnet darin den Lebensweg von Leni nach, einer österreichischen Fotografin, die ihre Wanderschaft zwischen Wien, Brüssel, Paris und New York schildert. Geprägt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus beschließt sie jedoch, nicht über ihr Leben zu schreiben und nach Europa zurückzukehren, als sie die Nachricht von der Landung der Alliierten in der Normandie erfährt. Bezeichnenderweise thematisiert die Erzählung die Schwierigkeit, eine traumatische Erfahrung erzählerisch in Worte zu fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Roman, der die Geschichte ihrer jüdischen Familie nachzeichnet, &#039;&#039;Der Seelenvogel&#039;&#039;, ebenfalls 1948 in den Vereinigten Staaten begonnen, wurde von mehreren österreichischen Verlagen abgelehnt und konnte erst 1986 erscheinen. Er zeichnet ein Porträt ihrer Familienmitglieder und versucht vom amerikanischen Exil aus, die Geschichte ihrer jüdischen Familie, ihren sozialen Aufstieg und ihr politisches Engagement vor dem Vergessen zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese anhaltenden Schwierigkeiten, in ihrem Heimatland als Schriftstellerin anerkannt zu werden, veranlassten Elisabeth Freundlich dazu, sich der Übersetzung und dem Journalismus zuzuwenden. So übersetzte sie amerikanische Literatur sowie mehrere Theaterstücke des irischen Dramatikers Sean O’Casey, darunter &#039;&#039;The Silver Tassie&#039;&#039; (1929), ein pazifistisches Werk, auf das Brecht sie aufmerksam gemacht hatte. Parallel dazu arbeitet sie von 1953 bis 1978 für die Tageszeitung &#039;&#039;Mannheimer Morgen&#039;&#039; und berichtet in verschiedenen österreichischen und deutschen Presse- und Rundfunkmedien über die Prozesse gegen Nazi-Verbrecher. Sie schreibt auch für die &#039;&#039;Frankfurter Hefte&#039;&#039; und für die in Bonn erscheinende Zeitung &#039;&#039;Vorwärts&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch trotz aller Widrigkeiten gab sie nie den Gedanken auf, als Schriftstellerin und Zeitzeugin einer Erfahrung anerkannt zu werden, von der sie sich voll und ganz bewusst war, dass sie über ihren eigenen Lebensweg hinausging. Die Hommage, die Erich Hackl ihr widmet, zeigt im Übrigen, wie sehr ihr politisches Engagement das historische Bewusstsein der Schriftsteller der nachfolgenden Generation geprägt hat. So berichten auch die Erzählungen des Bandes &#039;&#039;Finstere Zeiten&#039;&#039; (1986) anhand von vier Emigrantenschicksalen sowohl vom Untergrundwiderstand gegen den Nationalsozialismus in Frankreich als auch vom Exil. Eine dieser Erzählungen, &#039;&#039;Statt einer Ehrensalve&#039;&#039;, schildert das Schicksal der Emigranten in Frankreich, die wachsenden Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert waren, ihre Einbindung in die Widerstandsnetze sowohl in der besetzten als auch in der freien Zone, ohne dabei die Ressentiments zu vergessen, denen sie bei ihrer Rückkehr nach Österreich nach 1945 ausgesetzt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau. NS-Vernichtungspolitik in Polen 1939–1945&#039;&#039; (1986), einem beeindruckenden dokumentarischen Werk, das das Schicksal der Juden in Galizien nachzeichnet, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in Polen in der Region Iwano-Frankiwsk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Autobiografie, die erst 1992 unter dem Titel &#039;&#039;Die fahrenden Jahre&#039;&#039; erschien, geht über ihren eigenen Werdegang hinaus und zeichnet mit Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen ein lebendiges und klares Bild der verschiedenen Facetten des österreichischen Widerstands in Frankreich und später in den Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Invasion Day (Pseudonym Elisabeth Lanzer). Eine Erzählung. Überlingen am Bodensee: Werner Wulff Verlag 1948.&lt;br /&gt;
*Der eherne Reiter. Frankfurt am Main: Insel 1982.&lt;br /&gt;
*Warnen und Warten. In: Franz Richard Reiter (Hrsg.): Unser Kampf: in Frankreich für Österreich. Interviews mit Widerstandskämpfern. Wien: Böhlau 1984, S. 19–40.&lt;br /&gt;
*Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau. NS-Vernichtungspolitik in Polen 1939–1945. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1986, Neuauflage Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2016.&lt;br /&gt;
*Finstere Zeiten. Vier Erzählungen. Mannheim: Persona Verlag 1986.&lt;br /&gt;
*Die fahrenden Jahre. Erinnerungen. Salzburg: Otto Müller Verlag 1992.&lt;br /&gt;
*Wir waren ja wahnsinnig, damals. Mit einem Vorwort von Andreas F. Kelletat. Mannheim: Persona Verlag 2022 (Neuauflage von Invasion Day).&lt;br /&gt;
*Der Onkel aus Triest. Erzählungen und Betrachtungen. Wien, St. Wolfgang: Edition Art Science 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Alge, Susanne: Elisabeth Freundlich: Die Vertrautheit des Fremdseins. In: Elisabeth Reichart (Hrsg.): Österreichische Dichterinnen. Salzburg, Wien: Otto Müller 1983, S. 31–49.&lt;br /&gt;
*Beckermann, Ruth: Unzugehörig: Österreicher und Juden nach 1945. Wien: Löcker 1989.&lt;br /&gt;
*Fleck, Christian: Réflexions prosopographiques sur le retour d’exil en Autriche. In: Austriaca 56 (2003) = Exils et retours d’exil, S. 65–74.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_2003_num_56_1_4414&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Hackl, Erich: Die Namen der Dinge. Salut für Elisabeth Freundlich. In: Literatur und Kritik 301/302 (2001), S. 52–63.&lt;br /&gt;
*Hertling, Viktoria: ,… irgendwie doch einen Erfolg gehabt.‘ Die Austro-American Tribune in New York (1942-1945). In: Dieter Sevin (Hrsg.): Die Resonanz des Exils. Gelungene und mißlungene Rezeption deutschsprachiger Exilautoren. Amsterdam: Rodopi 1992, S. 34–50.&lt;br /&gt;
*Hertling, Viktoria: Exil und Post-Exil: Elisabeth Freundlichs Erinnerungsbuch „Die fahrenden Jahre“. In: Modern Austrian Literature 30, Nr. 1 (1997), S. 102–116.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.jstor.org/stable/24648544&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Kreissler, Felix : L’apport des exilés-résistants autrichiens à la prise de conscience nationale dans certains pays occupés et dans les camps de prisonniers de guerre en Union soviétique. In: Austriaca : Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche 17 (1983) = La résistance autrichienne, S. 53–63.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_1983_num_17_1_1986&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: Elisabeth Freundlich. In: Hélène Leclerc (Hrsg.): Le Sud-Ouest de la France et les Pyrénées dans la mémoire des pays de langue allemande au XXe siècle. Dictionnaire et anthologie. Toulouse: Le Pérégrinateur 2018, S. 64–65.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques, Mazellier-Lajarrige, Catherine: Avant-propos. In: Rudolf Leonhard: Le Feu aux barbelés. Textes traduits, présentés et annotés par Catherine Mazellier-Lajarrige et Jacques Lajarrige. Toulouse: Le Pérégrinateur 2020, S. 7–14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Lajarrige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen: Marc Lacheny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 09/06/2026&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Rezeption in Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Schweizer Architekt Le Corbusier – eigentlich: Charles-Édouard Jeanneret – plante nie für Auftraggeber in Österreich. Er hatte, abgesehen von seiner Bewunderung für [[Adolf Loos]], auch kein besonderes Naheverhältnis zu diesem Land, ungleich enger war seine Beziehung zu Deutschland, aber auch zur Tschechoslowakei als Nachfolgestaat der österreichisch-ungarischen Monarchie. Umgekehrt wurden jedoch seit den frühen 1920er Jahren seine Arbeiten und Schriften von zahlreichen österreichischen Architekt:innen, auf jeweils ganz unterschiedliche Weise, diskutiert und rezipiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausbildung in der Schweiz und Aufenthalt in Österreich==&lt;br /&gt;
[[File:L&#039;Esprit Nouveau 1, 1920.jpg|thumb|&#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;, erste Ausgabe von 1920]]Ab 1900 studierte Charles-Édouard Jeanneret an der Kunstgewerbeschule (&#039;&#039;École d’arts appliqués&#039;&#039;) in La Chaux-de-Fonds. Auf Anregung seines wichtigsten Lehrers, des Malers Charles L’Eplattenier&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021909/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der sein Talent für die Architektur erkannt hatte, unternahm er 1907/08 als zwanzigjähriger Student eine erste, mehrmonatige Bildungsreise ins Ausland, die ihn nach Italien, Ungarn und Österreich führte. Im November 1907 kam er in Wien an, wo er mehrere Monate verbrachte. Auch 1911 war er wieder für einige Tage in der österreichischen Hauptstadt, um am Beginn seiner &#039;&#039;Voyage d’Orient&#039;&#039; mit einem Freund ein Schiff nach Budapest und weiter nach Belgrad zu besteigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem ersten Aufenthalt hatte Jeanneret Bekanntschaft mit dem Architekten [[Josef Hoffmann]], Mitbegründer der [[Wiener Secession]] und der [[Wiener Werkstätte]], gemacht. Auf der Suche nach Inspirationen verbrachte er viel Zeit im k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie mit Zeichnen (z.B. das „Arabische Zimmer“ und gotische Möbelstücke). Er besuchte die Secessionsausstellung &#039;&#039;Jung-Wien&#039;&#039; und moderne Schlüsselbauten wie [[Otto Wagner|Otto Wagners]] Postsparkasse (1904–06) und die Kirche am Steinhof (1904–07), sowie die Handelsakademie von Julius und Willibald Deininger (1905–08). Damals noch stark von John Ruskin geprägt, zeigte er sich irritiert vom kalten Sanitärstil dieser Bauten, die ihn an „une cuisine hollandaise, ou un W.C. modèle“ erinnerten. Erst zwei Jahrzehnte später sprach er anerkennend davon, dass „Otto Wagner in Wien, in einem Lande ohne starke Tradition eine neue Aestheik gewagt“&amp;lt;ref&amp;gt;Le Corbusier 1960, 16&amp;lt;/ref&amp;gt; habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Kunstgewerbe der österreichisch-ungarischen Monarchie vor 1918 äußerte sich Le Corbusier, wie sich Jeanneret seit 1920 nannte, eher abschätzig. Zumindest aber gab er 1916 Max Eislers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_E/Eisler_Max_1881_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; damals gerade erschienenes, vom Österreichischen Werkbund herausgegebenes Überblickswerk &#039;&#039;Österreichische Werkkultur&#039;&#039; als Vorbild für das Layout eines (jedoch nicht publizierten) Buchs an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Bedeutung für Le Corbusier hatte später hingegen der Architekt [[Adolf Loos]]. Eine Zeichnung des Herrenmodegeschäfts Kniže am Graben in Wien von 1911 ist seine erste nachweisbare Beschäftigung mit einem von dessen Entwürfen. 1920 lernte er Loos in Paris persönlich kennen, noch bevor dieser für mehrere Jahre nach Frankreich zog. Loos’ Aufsatz &#039;&#039;Ornament und Verbrechen&#039;&#039; war bereits 1913 ins Französische übersetzt und in den &#039;&#039;Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; publiziert worden. Im November 1920 erschien der Text dann auch in der von Le Corbusier gemeinsam mit Amédée Ozenfant&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118789155&amp;lt;/ref&amp;gt; herausgegebenen Zeitschrift &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;. Loos wurde dabei als „un des premiers à avoir pressenti la grandeur de l’industrie et ses apports dans l’esthétique“&amp;lt;ref&amp;gt;L’Esprit nouveau 2/1920&amp;lt;/ref&amp;gt; vorgestellt. Umgekehrt hatte Loos, der Architektur im kulturellen Kontext verankert sah, ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Le Corbusier und distanzierte sich von dessen Tendenz zu Technisierung, Standardisierung und ideologischer Radikalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption in Österreich==&lt;br /&gt;
[[File:1920px-Pavillon L&#039;Esprit Nouveau.jpg|thumb|&#039;&#039;Pavillon de l’Esprit nouveau&#039;&#039; bei der &#039;&#039;Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes&#039;&#039; von 1925]]Ab den 1920er Jahren etablierte sich Le Corbusier international als Leitfigur der Architekturmoderne, wozu vor allem auch &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039; beitrug. Die deutschsprachigen Übersetzungen von Le Corbusiers Büchern erleichterten zusätzlich deren Rezeption: &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039; erschien 1926 als &#039;&#039;Kommende Baukunst, Urbanisme&#039;&#039; dann 1929 als &#039;&#039;Städtebau&#039;&#039;. In Österreich wurden seine Bauten, die er meist gemeinsam mit seinem Cousin Pierre Jeanneret&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043068/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1967) realisierte, und seine Schriften in der Folge nicht nur in Expert:innenkreisen, an den Architekturschulen in Wien und Graz und in verschiedenen Fachzeitschriften rezipiert (so berichtete die Kunsthistorikerin Else Hoffmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://fraueninbewegung.onb.ac.at/node/1535&amp;lt;/ref&amp;gt; 1927 im Zusammenhang mit der Stuttgarter Weißenhofsiedlung in der &#039;&#039;Zeitschrift der Baumeister Oesterreichs&#039;&#039; ausführlich über diese), sondern waren auch bereits einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Einen besonderen Impuls gab auch die Pariser [[Exposition internationale des arts décoratifs et industriels moderne à Paris (1925)|&#039;&#039;Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes&#039;&#039;]] von 1925. Ein Besuch von Le Corbusiers &#039;&#039;Pavillon de l’Esprit nouveau&#039;&#039; regte den Kunstpublizisten Max Ermers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Max_Ermers&amp;lt;/ref&amp;gt; zu einem längeren Text über Jungfranzösische Baukunst in der Zeitschrift &#039;&#039;Österreichs Bau- und Werkkunst&#039;&#039; an, in dem er Le Corbusier als „starke[n] geistige[n] Führer der bauenden Jugend Frankreichs“&amp;lt;ref&amp;gt;Ermers 1925, 259&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Le Corbusiers Städtebaupläne für eine Dreimillionenstadt waren in Wien erstmals 1926 in der Ausstellung &#039;&#039;Französische Kunst der Gegenwart&#039;&#039; im Künstlerhaus ausgestellt. Besonders beeindruckten die rationale Beschäftigung mit den Verkehrsproblemen der Großstadt und die Wolkenkratzer in Wohngebieten mit ausgedehnten Grünräumen, eine Vorstellung, die jener der zeitgleichen Wohnbaustrategien des ‚Roten Wiens‘ diametral entgegenstand. In der von der französischen &#039;&#039;Société des architectes diplômés par le gouvernement&#039;&#039; organisierten [[Hagenbund]]-Ausstellung von 1934 war Le Corbusier hingegen als Schweizer Staatsbürger nicht vertreten. In den Auseinandersetzungen ging es damals oft auch um die Frage nach nationalen Vorstellungen und Stereotypen des ‚Französischen‘ und des ‚Schweizerischen‘, des ‚Deutschen‘ und des ‚Österreichischen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige österreichische Architekten standen in der Zwischenkriegszeit in persönlichem Kontakt mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret: Während Josef Frank&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/146.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; Le Corbusier höchst kritisch gegenüberstand, ließen sich einige jüngere, um 1900 geborene Architekten, die sich noch am Beginn ihrer Laufbahn befanden, von diesem deutlich inspirieren. Der Grazer [[Herbert Eichholzer]] absolvierte 1929 einige Monate lang ein Praktikum bei Le Corbusier in dessen gemeinsam mit Pierre Jeanneret geführten Pariser Büro. Auch Ernst Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Oswald Haerdtl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/200.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; waren von diesem beeindruckt, besuchten, unabhängig voneinander, dessen Atelier und besichtigten einige Bauten. [[Margarete Schütte-Lihotzky]] hatte 1921 über Loos von Le Corbusiers Arbeiten erfahren und lernte diesen 1929 auf der [[Congrès Internationaux d&#039;Architecture Moderne|CIAM]]-Tagung in Frankfurt kennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Paris Rue du Chevaleret Armée du salut 001.jpg|left|thumb|Le Corbusier, &#039;&#039;Cité de Refuge&#039;&#039;, Aufnahme von 2003]] Nach dem Zweitem Weltkrieg förderte die französische Besatzungsmacht im Zuge der Maßnahmen zur Entnazifizierung und Stärkung der österreichischen Identität besonders die Kultur. 1948 wurde im Auftrag des Hochkommissars der Französischen Republik in Österreich im [[Kunstgewerbemuseum]] (heute: MAK) in Wien die [[Ausstellung „Architektur und Städtebau“|&#039;&#039;Französische Ausstellung. Architektur und Städtebau&#039;&#039;]] über den Wiederaufbau der zerstörten Städte in Frankreich und Übersee gezeigt. Anlässlich der Eröffnung hielt Le Corbusier einen medial viel beachteten Vortrag und wurde vom Wiener Bürgermeister Theodor Körner empfangen, „von den Maßgeblichen der Bauwelt“ wurde er jedoch, so Hermann Czech 1965, „eher als Verrückter angesehen“. Zu sehen waren seine Cité de refuge (1929–33) und der Schweizer Pavillon in der Pariser Cité universitaire (1930–33) sowie die gerade in Bau befindliche Unité d’habitation (Cité radieuse) in Marseille (1947–52). Eine eigene Ausstellungsabteilung erhielt die von Le Corbusier 1943 ausformulierte, auf dem CIAM-Kongress von 1933 basierende &#039;&#039;Charta von Athen&#039;&#039;, die mit ihrem Fokus auf strikte städtische Funktionstrennung in der Wiederaufbauzeit international enormen Einfluss auf den Städte- und Wohnbau hatte. Eine deutsche Übersetzung des Textes erschien 1948 anlässlich der Wiener Ausstellung in der Zeitschrift &#039;&#039;Europäische Rundschau&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Kloster la Tourette von Westen. 1997.jpg|thumb|Le Corbusier, Kloster La Tourette, Aufnahme von 1997]]Die ältere Wiener Professorengeneration, aber auch der jüngere Architekt Roland Rainer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/1393.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso wie die Vertreter der Wiener Stadtplanung standen in den Nachkriegsjahren Le Corbusiers städtebaulichen Ansätzen höchst kritisch, ja ablehnend gegenüber. Im Gegensatz dazu vermittelten an der Technischen Hochschule Graz ab 1945/46 die Professoren Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Karl Raimund Lorenz&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1121141684&amp;lt;/ref&amp;gt; ihren Studierenden Le Corbusiers Ideen. Sein &#039;&#039;Modulor&#039;&#039; (1948/55) wurde gelesen und als Maßsystem angewendet. Die Unité d’habitation in Marseille, das Kloster La Tourette und die Kirche in Ronchamp, aber auch dessen Pariser Atelier wurden zum Ziel von Grazer Studierendenexkursionen, die geradezu den Charakter architektonischer Pilgerfahrten annahmen. Einflüsse zeigten sich noch Jahre später, etwa am Wohnprojekt Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.werkgruppe-graz.at/&amp;lt;/ref&amp;gt; (Eugen Gross, Friedrich Groß-Ransbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler). Schließlich lernten auch die jungen Wiener Architekten das Werk von Le Corbusier näher kennen. So unternahm 1956 die &#039;&#039;arbeitsgruppe 4&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/AEIOU/Arbeitsgruppe_4&amp;lt;/ref&amp;gt; (Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer, Johannes Spalt) eine Reise zu dessen Bauten in Vevey, Marseille und Ronchamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte Le Corbusier im Nachkriegsösterreich zunächst polarisiert, so wurde die Beschäftigung mit ihm ab Mitte der 1950er Jahre quasi gesellschaftsfähig. Nun wurde er von vielen als wichtigster Neuerer, als Schlüsselfigur eines Aufbruchs in Architektur und Städtebau wahrgenommen, während seine problematische Rolle im Vichy Regime unerwähnt blieb. In einem Nachruf 1965 bezeichnete ihn der österreichische Architekturkritiker Friedrich Achleitner als „überragendste und umfassendste Persönlichkeit der Moderne“&amp;lt;ref&amp;gt;Achleitner 1965&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1957 waren in Innsbruck und Linz Le Corbusier-Ausstellungen zu sehen. Die letzte Schau in Österreich zu Le Corbusiers Lebzeiten war eine große Ausstellung zum nun schon ikonisch gewordenen Gesamtwerk, die 1957/58 in der Akademie der bildenden Künste in Wien gezeigt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Kommende Baukunst. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1926.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Städtebau. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1929.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Der Modulor. Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Maßes im menschlichen Maßstab, Stuttgart: J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger 1953&lt;br /&gt;
*Le Corbusier, Einleitung zur ersten Auflage, in: Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960, 14-16, hier 16.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Lettres à ses maîtres II. Lettres à Charles L’Eplattenier. Hg. v. Marie-Jeanne Dumont. Paris: Éditions du Linteau 2006.&lt;br /&gt;
*Hilpert, Thilo (Hg.): Le Corbusiers &amp;quot;Charta von Athen&amp;quot;. Texte und Dokumente. Kritische Neuausgabe.  Braunschweig: Vieweg 1984&lt;br /&gt;
===Fachliteratur und Presse===&lt;br /&gt;
*Achleitner, Friedrich: Das wahre Genie der Architektur. Zum Tod von Charles Le Corbusier, in: Die Presse, 30. August 1965&lt;br /&gt;
*Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960&lt;br /&gt;
*Moos, Stanislaus von: Le Corbusier und Loos, in: Tilmann Buddensieg/Elisabeth Liskar (Hg.): Wien und die Architektur des 20. Jahrhunderts, Wien–Köln–Graz: Böhlau 1986, 137–150.&lt;br /&gt;
*Platzer, Monika: Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945. Zürich: Park Books 2019.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 03/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Le_Corbusier}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Le Corbusier</title>
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		<updated>2026-06-03T14:42:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Ausbildung in der Schweiz und Aufenthalt in Österreich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Schweizer Architekt Le Corbusier – eigentlich: Charles-Édouard Jeanneret – plante nie für Auftraggeber in Österreich. Er hatte, abgesehen von seiner Bewunderung für [[Adolf Loos]], auch kein besonderes Naheverhältnis zu diesem Land, ungleich enger war seine Beziehung zu Deutschland, aber auch zur Tschechoslowakei als Nachfolgestaat der österreichisch-ungarischen Monarchie. Umgekehrt wurden jedoch seit den frühen 1920er Jahren seine Arbeiten und Schriften von zahlreichen österreichischen Architekt:innen, auf jeweils ganz unterschiedliche Weise, diskutiert und rezipiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausbildung in der Schweiz und Aufenthalt in Österreich==&lt;br /&gt;
[[File:L&#039;Esprit Nouveau 1, 1920.jpg|thumb|&#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;, erste Ausgabe von 1920]]Ab 1900 studierte Charles-Édouard Jeanneret an der Kunstgewerbeschule (&#039;&#039;École d’arts appliqués&#039;&#039;) in La Chaux-de-Fonds. Auf Anregung seines wichtigsten Lehrers, des Malers Charles L’Eplattenier&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021909/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der sein Talent für die Architektur erkannt hatte, unternahm er 1907/08 als zwanzigjähriger Student eine erste, mehrmonatige Bildungsreise ins Ausland, die ihn nach Italien, Ungarn und Österreich führte. Im November 1907 kam er in Wien an, wo er mehrere Monate verbrachte. Auch 1911 war er wieder für einige Tage in der österreichischen Hauptstadt, um am Beginn seiner &#039;&#039;Voyage d’Orient&#039;&#039; mit einem Freund ein Schiff nach Budapest und weiter nach Belgrad zu besteigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem ersten Aufenthalt hatte Jeanneret Bekanntschaft mit dem Architekten [[Josef Hoffmann]], Mitbegründer der [[Wiener Secession]] und der [[Wiener Werkstätte]], gemacht. Auf der Suche nach Inspirationen verbrachte er viel Zeit im k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie mit Zeichnen (z.B. das „Arabische Zimmer“ und gotische Möbelstücke). Er besuchte die Secessionsausstellung &#039;&#039;Jung-Wien&#039;&#039; und moderne Schlüsselbauten wie [[Otto Wagner|Otto Wagners]] Postsparkasse (1904–06) und die Kirche am Steinhof (1904–07), sowie die Handelsakademie von Julius und Willibald Deininger (1905–08). Damals noch stark von John Ruskin geprägt, zeigte er sich irritiert vom kalten Sanitärstil dieser Bauten, die ihn an „une cuisine hollandaise, ou un W.C. modèle“ erinnerten. Erst zwei Jahrzehnte später sprach er anerkennend davon, dass „Otto Wagner in Wien, in einem Lande ohne starke Tradition eine neue Aestheik gewagt“&amp;lt;ref&amp;gt;Le Corbusier 1960, 16&amp;lt;/ref&amp;gt; habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Kunstgewerbe der österreichisch-ungarischen Monarchie vor 1918 äußerte sich Le Corbusier, wie sich Jeanneret seit 1920 nannte, eher abschätzig. Zumindest aber gab er 1916 Max Eislers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_E/Eisler_Max_1881_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; damals gerade erschienenes, vom Österreichischen Werkbund herausgegebenes Überblickswerk &#039;&#039;Österreichische Werkkultur&#039;&#039; als Vorbild für das Layout eines (jedoch nicht publizierten) Buchs an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Bedeutung für Le Corbusier hatte später hingegen der Architekt [[Adolf Loos]]. Eine Zeichnung des Herrenmodegeschäfts Kniže am Graben in Wien von 1911 ist seine erste nachweisbare Beschäftigung mit einem von dessen Entwürfen. 1920 lernte er Loos in Paris persönlich kennen, noch bevor dieser für mehrere Jahre nach Frankreich zog. Loos’ Aufsatz &#039;&#039;Ornament und Verbrechen&#039;&#039; war bereits 1913 ins Französische übersetzt und in den &#039;&#039;Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; publiziert worden. Im November 1920 erschien der Text dann auch in der von Le Corbusier gemeinsam mit Amédée Ozenfant&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118789155&amp;lt;/ref&amp;gt; herausgegebenen Zeitschrift &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;. Loos wurde dabei als „un des premiers à avoir pressenti la grandeur de l’industrie et ses apports dans l’esthétique“&amp;lt;ref&amp;gt;L’Esprit nouveau 2/1920&amp;lt;/ref&amp;gt; vorgestellt. Umgekehrt hatte Loos, der Architektur im kulturellen Kontext verankert sah, ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Le Corbusier und distanzierte sich von dessen Tendenz zu Technisierung, Standardisierung und ideologischer Radikalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption in Österreich==&lt;br /&gt;
Ab den 1920er Jahren etablierte sich Le Corbusier international als Leitfigur der Architekturmoderne, wozu vor allem auch &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039; beitrug. Die deutschsprachigen Übersetzungen von Le Corbusiers Büchern erleichterten zusätzlich deren Rezeption: &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039; erschien 1926 als &#039;&#039;Kommende Baukunst, Urbanisme&#039;&#039; dann 1929 als &#039;&#039;Städtebau&#039;&#039;. In Österreich wurden seine Bauten, die er meist gemeinsam mit seinem Cousin Pierre Jeanneret&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043068/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1967) realisierte, und seine Schriften in der Folge nicht nur in Expert:innenkreisen, an den Architekturschulen in Wien und Graz und in verschiedenen Fachzeitschriften rezipiert (so berichtete die Kunsthistorikerin Else Hoffmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://fraueninbewegung.onb.ac.at/node/1535&amp;lt;/ref&amp;gt; 1927 im Zusammenhang mit der Stuttgarter Weißenhofsiedlung in der &#039;&#039;Zeitschrift der Baumeister Oesterreichs&#039;&#039; ausführlich über diese), sondern waren auch bereits einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Einen besonderen Impuls gab auch die Pariser [[Exposition internationale des arts décoratifs et industriels moderne à Paris (1925)|&#039;&#039;Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes&#039;&#039;]] von 1925. Ein Besuch von Le Corbusiers &#039;&#039;Pavillon de l’Esprit nouveau&#039;&#039; regte den Kunstpublizisten Max Ermers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Max_Ermers&amp;lt;/ref&amp;gt; zu einem längeren Text über Jungfranzösische Baukunst in der Zeitschrift &#039;&#039;Österreichs Bau- und Werkkunst&#039;&#039; an, in dem er Le Corbusier als „starke[n] geistige[n] Führer der bauenden Jugend Frankreichs“&amp;lt;ref&amp;gt;Ermers 1925, 259&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Le Corbusiers Städtebaupläne für eine Dreimillionenstadt waren in Wien erstmals 1926 in der Ausstellung &#039;&#039;Französische Kunst der Gegenwart&#039;&#039; im Künstlerhaus ausgestellt. Besonders beeindruckten die rationale Beschäftigung mit den Verkehrsproblemen der Großstadt und die Wolkenkratzer in Wohngebieten mit ausgedehnten Grünräumen, eine Vorstellung, die jener der zeitgleichen Wohnbaustrategien des ‚Roten Wiens‘ diametral entgegenstand. In der von der französischen &#039;&#039;Société des architectes diplômés par le gouvernement&#039;&#039; organisierten [[Hagenbund]]-Ausstellung von 1934 war Le Corbusier hingegen als Schweizer Staatsbürger nicht vertreten. In den Auseinandersetzungen ging es damals oft auch um die Frage nach nationalen Vorstellungen und Stereotypen des ‚Französischen‘ und des ‚Schweizerischen‘, des ‚Deutschen‘ und des ‚Österreichischen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige österreichische Architekten standen in der Zwischenkriegszeit in persönlichem Kontakt mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret: Während Josef Frank&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/146.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; Le Corbusier höchst kritisch gegenüberstand, ließen sich einige jüngere, um 1900 geborene Architekten, die sich noch am Beginn ihrer Laufbahn befanden, von diesem deutlich inspirieren. Der Grazer [[Herbert Eichholzer]] absolvierte 1929 einige Monate lang ein Praktikum bei Le Corbusier in dessen gemeinsam mit Pierre Jeanneret geführten Pariser Büro. Auch Ernst Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Oswald Haerdtl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/200.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; waren von diesem beeindruckt, besuchten, unabhängig voneinander, dessen Atelier und besichtigten einige Bauten. [[Margarete Schütte-Lihotzky]] hatte 1921 über Loos von Le Corbusiers Arbeiten erfahren und lernte diesen 1929 auf der [[Congrès Internationaux d&#039;Architecture Moderne|CIAM]]-Tagung in Frankfurt kennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zweitem Weltkrieg förderte die französische Besatzungsmacht im Zuge der Maßnahmen zur Entnazifizierung und Stärkung der österreichischen Identität besonders die Kultur. 1948 wurde im Auftrag des Hochkommissars der Französischen Republik in Österreich im [[Kunstgewerbemuseum]] (heute: MAK) in Wien die [[Ausstellung „Architektur und Städtebau“|&#039;&#039;Französische Ausstellung. Architektur und Städtebau&#039;&#039;]] über den Wiederaufbau der zerstörten Städte in Frankreich und Übersee gezeigt. Anlässlich der Eröffnung hielt Le Corbusier einen medial viel beachteten Vortrag und wurde vom Wiener Bürgermeister Theodor Körner empfangen, „von den Maßgeblichen der Bauwelt“ wurde er jedoch, so Hermann Czech 1965, „eher als Verrückter angesehen“. Zu sehen waren seine Cité de refuge (1929–33) und der Schweizer Pavillon in der Pariser Cité universitaire (1930–33) sowie die gerade in Bau befindliche Unité d’habitation (Cité radieuse) in Marseille (1947–52). Eine eigene Ausstellungsabteilung erhielt die von Le Corbusier 1943 ausformulierte, auf dem CIAM-Kongress von 1933 basierende &#039;&#039;Charta von Athen&#039;&#039;, die mit ihrem Fokus auf strikte städtische Funktionstrennung in der Wiederaufbauzeit international enormen Einfluss auf den Städte- und Wohnbau hatte. Eine deutsche Übersetzung des Textes erschien 1948 anlässlich der Wiener Ausstellung in der Zeitschrift &#039;&#039;Europäische Rundschau&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ältere Wiener Professorengeneration, aber auch der jüngere Architekt Roland Rainer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/1393.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso wie die Vertreter der Wiener Stadtplanung standen in den Nachkriegsjahren Le Corbusiers städtebaulichen Ansätzen höchst kritisch, ja ablehnend gegenüber. Im Gegensatz dazu vermittelten an der Technischen Hochschule Graz ab 1945/46 die Professoren Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Karl Raimund Lorenz&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1121141684&amp;lt;/ref&amp;gt; ihren Studierenden Le Corbusiers Ideen. Sein &#039;&#039;Modulor&#039;&#039; (1948/55) wurde gelesen und als Maßsystem angewendet. Die Unité d’habitation in Marseille, das Kloster La Tourette und die Kirche in Ronchamp, aber auch dessen Pariser Atelier wurden zum Ziel von Grazer Studierendenexkursionen, die geradezu den Charakter architektonischer Pilgerfahrten annahmen. Einflüsse zeigten sich noch Jahre später, etwa am Wohnprojekt Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.werkgruppe-graz.at/&amp;lt;/ref&amp;gt; (Eugen Gross, Friedrich Groß-Ransbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler). Schließlich lernten auch die jungen Wiener Architekten das Werk von Le Corbusier näher kennen. So unternahm 1956 die &#039;&#039;arbeitsgruppe 4&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/AEIOU/Arbeitsgruppe_4&amp;lt;/ref&amp;gt; (Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer, Johannes Spalt) eine Reise zu dessen Bauten in Vevey, Marseille und Ronchamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte Le Corbusier im Nachkriegsösterreich zunächst polarisiert, so wurde die Beschäftigung mit ihm ab Mitte der 1950er Jahre quasi gesellschaftsfähig. Nun wurde er von vielen als wichtigster Neuerer, als Schlüsselfigur eines Aufbruchs in Architektur und Städtebau wahrgenommen, während seine problematische Rolle im Vichy Regime unerwähnt blieb. In einem Nachruf 1965 bezeichnete ihn der österreichische Architekturkritiker Friedrich Achleitner als „überragendste und umfassendste Persönlichkeit der Moderne“&amp;lt;ref&amp;gt;Achleitner 1965&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1957 waren in Innsbruck und Linz Le Corbusier-Ausstellungen zu sehen. Die letzte Schau in Österreich zu Le Corbusiers Lebzeiten war eine große Ausstellung zum nun schon ikonisch gewordenen Gesamtwerk, die 1957/58 in der Akademie der bildenden Künste in Wien gezeigt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Kommende Baukunst. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1926.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Städtebau. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1929.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Der Modulor. Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Maßes im menschlichen Maßstab, Stuttgart: J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger 1953&lt;br /&gt;
*Le Corbusier, Einleitung zur ersten Auflage, in: Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960, 14-16, hier 16.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Lettres à ses maîtres II. Lettres à Charles L’Eplattenier. Hg. v. Marie-Jeanne Dumont. Paris: Éditions du Linteau 2006.&lt;br /&gt;
*Hilpert, Thilo (Hg.): Le Corbusiers &amp;quot;Charta von Athen&amp;quot;. Texte und Dokumente. Kritische Neuausgabe.  Braunschweig: Vieweg 1984&lt;br /&gt;
===Fachliteratur und Presse===&lt;br /&gt;
*Achleitner, Friedrich: Das wahre Genie der Architektur. Zum Tod von Charles Le Corbusier, in: Die Presse, 30. August 1965&lt;br /&gt;
*Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960&lt;br /&gt;
*Moos, Stanislaus von: Le Corbusier und Loos, in: Tilmann Buddensieg/Elisabeth Liskar (Hg.): Wien und die Architektur des 20. Jahrhunderts, Wien–Köln–Graz: Böhlau 1986, 137–150.&lt;br /&gt;
*Platzer, Monika: Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945. Zürich: Park Books 2019.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 03/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Le Corbusier Cité de Refuge, Aufnahme von 2003

Urheber: Rory Hyde

Public Domain via Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paris_Rue_du_Chevaleret_Arm%C3%A9e_du_salut_001.jpg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Le Corbusier Cité de Refuge, Aufnahme von 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urheber: Rory Hyde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Public Domain via Wikimedia Commons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: L&amp;#039;Esprit Nouveau, erste Ausgabe von 1920.

Public Domain via Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:L%27Esprit_Nouveau_1,_1920.jpg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
L&#039;Esprit Nouveau, erste Ausgabe von 1920.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Public Domain via Wikimedia Commons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Urheber: Peter Riemann

Die Datei wurde unter der Lizenz
„Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“
in Version 4.0 (abgekürzt „CC-by-sa 4.0“) veröffentlicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kloster_la_Tourette_von_Westen._1997.jpg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Urheber: Peter Riemann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Datei wurde unter der Lizenz&lt;br /&gt;
„Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“&lt;br /&gt;
in Version 4.0 (abgekürzt „CC-by-sa 4.0“) veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<updated>2026-06-03T14:36:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Pavillon L&amp;#039;Esprit Nouveau at the International Exhibition of Modern Decorative and Industrial Arts in Paris in 1925. The pavilion was designed by Le Corbusier and Pierre Jeanneret. The pavilion also included several cubist sculptures by Jacques Lipchitz, one of which was placed on the grass in front of the building. 

published more than 70 years ago without a public claim of authorship in the EU

Via Wikipedia

https://en.wikipedia.org/wiki/File:Pavillon_L%27Esprit_Nouveau.jpg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Pavillon L&#039;Esprit Nouveau at the International Exhibition of Modern Decorative and Industrial Arts in Paris in 1925. The pavilion was designed by Le Corbusier and Pierre Jeanneret. The pavilion also included several cubist sculptures by Jacques Lipchitz, one of which was placed on the grass in front of the building. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
published more than 70 years ago without a public claim of authorship in the EU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Via Wikipedia&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
https://en.wikipedia.org/wiki/File:Pavillon_L%27Esprit_Nouveau.jpg&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Le Corbusier</title>
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		<updated>2026-06-03T13:50:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Die Seite wurde neu angelegt: „Der Schweizer Architekt Le Corbusier – eigentlich: Charles-Édouard Jeanneret – plante nie für Auftraggeber in Österreich. Er hatte, abgesehen von seiner Bewunderung für Adolf Loos, auch kein besonderes Naheverhältnis zu diesem Land, ungleich enger war seine Beziehung zu Deutschland, aber auch zur Tschechoslowakei als Nachfolgestaat der österreichisch-ungarischen Monarchie. Umgekehrt wurden jedoch seit den frühen 1920er Jahren seine Arbeiten…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Schweizer Architekt Le Corbusier – eigentlich: Charles-Édouard Jeanneret – plante nie für Auftraggeber in Österreich. Er hatte, abgesehen von seiner Bewunderung für [[Adolf Loos]], auch kein besonderes Naheverhältnis zu diesem Land, ungleich enger war seine Beziehung zu Deutschland, aber auch zur Tschechoslowakei als Nachfolgestaat der österreichisch-ungarischen Monarchie. Umgekehrt wurden jedoch seit den frühen 1920er Jahren seine Arbeiten und Schriften von zahlreichen österreichischen Architekt:innen, auf jeweils ganz unterschiedliche Weise, diskutiert und rezipiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ausbildung in der Schweiz und Aufenthalt in Österreich==&lt;br /&gt;
Ab 1900 studierte Charles-Édouard Jeanneret an der Kunstgewerbeschule (&#039;&#039;École d’arts appliqués&#039;&#039;) in La Chaux-de-Fonds. Auf Anregung seines wichtigsten Lehrers, des Malers Charles L’Eplattenier&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021909/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der sein Talent für die Architektur erkannt hatte, unternahm er 1907/08 als zwanzigjähriger Student eine erste, mehrmonatige Bildungsreise ins Ausland, die ihn nach Italien, Ungarn und Österreich führte. Im November 1907 kam er in Wien an, wo er mehrere Monate verbrachte. Auch 1911 war er wieder für einige Tage in der österreichischen Hauptstadt, um am Beginn seiner &#039;&#039;Voyage d’Orient&#039;&#039; mit einem Freund ein Schiff nach Budapest und weiter nach Belgrad zu besteigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem ersten Aufenthalt hatte Jeanneret Bekanntschaft mit dem Architekten [[Josef Hoffmann]], Mitbegründer der [[Wiener Secession]] und der [[Wiener Werkstätte]], gemacht. Auf der Suche nach Inspirationen verbrachte er viel Zeit im k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie mit Zeichnen (z.B. das „Arabische Zimmer“ und gotische Möbelstücke). Er besuchte die Secessionsausstellung &#039;&#039;Jung-Wien&#039;&#039; und moderne Schlüsselbauten wie [[Otto Wagner|Otto Wagners]] Postsparkasse (1904–06) und die Kirche am Steinhof (1904–07), sowie die Handelsakademie von Julius und Willibald Deininger (1905–08). Damals noch stark von John Ruskin geprägt, zeigte er sich irritiert vom kalten Sanitärstil dieser Bauten, die ihn an „une cuisine hollandaise, ou un W.C. modèle“ erinnerten. Erst zwei Jahrzehnte später sprach er anerkennend davon, dass „Otto Wagner in Wien, in einem Lande ohne starke Tradition eine neue Aestheik gewagt“&amp;lt;ref&amp;gt;Le Corbusier 1960, 16&amp;lt;/ref&amp;gt; habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Kunstgewerbe der österreichisch-ungarischen Monarchie vor 1918 äußerte sich Le Corbusier, wie sich Jeanneret seit 1920 nannte, eher abschätzig. Zumindest aber gab er 1916 Max Eislers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_E/Eisler_Max_1881_1937.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; damals gerade erschienenes, vom Österreichischen Werkbund herausgegebenes Überblickswerk &#039;&#039;Österreichische Werkkultur&#039;&#039; als Vorbild für das Layout eines (jedoch nicht publizierten) Buchs an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Bedeutung für Le Corbusier hatte später hingegen der Architekt [[Adolf Loos]]. Eine Zeichnung des Herrenmodegeschäfts Kniže am Graben in Wien von 1911 ist seine erste nachweisbare Beschäftigung mit einem von dessen Entwürfen. 1920 lernte er Loos in Paris persönlich kennen, noch bevor dieser für mehrere Jahre nach Frankreich zog. Loos’ Aufsatz &#039;&#039;Ornament und Verbrechen&#039;&#039; war bereits 1913 ins Französische übersetzt und in den &#039;&#039;Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; publiziert worden. Im November 1920 erschien der Text dann auch in der von Le Corbusier gemeinsam mit Amédée Ozenfant&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118789155&amp;lt;/ref&amp;gt; herausgegebenen Zeitschrift &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039;. Loos wurde dabei als „un des premiers à avoir pressenti la grandeur de l’industrie et ses apports dans l’esthétique“&amp;lt;ref&amp;gt;L’Esprit nouveau 2/1920&amp;lt;/ref&amp;gt; vorgestellt. Umgekehrt hatte Loos, der Architektur im kulturellen Kontext verankert sah, ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Le Corbusier und distanzierte sich von dessen Tendenz zu Technisierung, Standardisierung und ideologischer Radikalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption in Österreich==&lt;br /&gt;
Ab den 1920er Jahren etablierte sich Le Corbusier international als Leitfigur der Architekturmoderne, wozu vor allem auch &#039;&#039;L’Esprit Nouveau&#039;&#039; beitrug. Die deutschsprachigen Übersetzungen von Le Corbusiers Büchern erleichterten zusätzlich deren Rezeption: &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039; erschien 1926 als &#039;&#039;Kommende Baukunst, Urbanisme&#039;&#039; dann 1929 als &#039;&#039;Städtebau&#039;&#039;. In Österreich wurden seine Bauten, die er meist gemeinsam mit seinem Cousin Pierre Jeanneret&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043068/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1967) realisierte, und seine Schriften in der Folge nicht nur in Expert:innenkreisen, an den Architekturschulen in Wien und Graz und in verschiedenen Fachzeitschriften rezipiert (so berichtete die Kunsthistorikerin Else Hoffmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://fraueninbewegung.onb.ac.at/node/1535&amp;lt;/ref&amp;gt; 1927 im Zusammenhang mit der Stuttgarter Weißenhofsiedlung in der &#039;&#039;Zeitschrift der Baumeister Oesterreichs&#039;&#039; ausführlich über diese), sondern waren auch bereits einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Einen besonderen Impuls gab auch die Pariser [[Exposition internationale des arts décoratifs et industriels moderne à Paris (1925)|&#039;&#039;Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes&#039;&#039;]] von 1925. Ein Besuch von Le Corbusiers &#039;&#039;Pavillon de l’Esprit nouveau&#039;&#039; regte den Kunstpublizisten Max Ermers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Max_Ermers&amp;lt;/ref&amp;gt; zu einem längeren Text über Jungfranzösische Baukunst in der Zeitschrift &#039;&#039;Österreichs Bau- und Werkkunst&#039;&#039; an, in dem er Le Corbusier als „starke[n] geistige[n] Führer der bauenden Jugend Frankreichs“&amp;lt;ref&amp;gt;Ermers 1925, 259&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Le Corbusiers Städtebaupläne für eine Dreimillionenstadt waren in Wien erstmals 1926 in der Ausstellung &#039;&#039;Französische Kunst der Gegenwart&#039;&#039; im Künstlerhaus ausgestellt. Besonders beeindruckten die rationale Beschäftigung mit den Verkehrsproblemen der Großstadt und die Wolkenkratzer in Wohngebieten mit ausgedehnten Grünräumen, eine Vorstellung, die jener der zeitgleichen Wohnbaustrategien des ‚Roten Wiens‘ diametral entgegenstand. In der von der französischen &#039;&#039;Société des architectes diplômés par le gouvernement&#039;&#039; organisierten [[Hagenbund]]-Ausstellung von 1934 war Le Corbusier hingegen als Schweizer Staatsbürger nicht vertreten. In den Auseinandersetzungen ging es damals oft auch um die Frage nach nationalen Vorstellungen und Stereotypen des ‚Französischen‘ und des ‚Schweizerischen‘, des ‚Deutschen‘ und des ‚Österreichischen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige österreichische Architekten standen in der Zwischenkriegszeit in persönlichem Kontakt mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret: Während Josef Frank&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/146.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; Le Corbusier höchst kritisch gegenüberstand, ließen sich einige jüngere, um 1900 geborene Architekten, die sich noch am Beginn ihrer Laufbahn befanden, von diesem deutlich inspirieren. Der Grazer [[Herbert Eichholzer]] absolvierte 1929 einige Monate lang ein Praktikum bei Le Corbusier in dessen gemeinsam mit Pierre Jeanneret geführten Pariser Büro. Auch Ernst Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Oswald Haerdtl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/200.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; waren von diesem beeindruckt, besuchten, unabhängig voneinander, dessen Atelier und besichtigten einige Bauten. [[Margarete Schütte-Lihotzky]] hatte 1921 über Loos von Le Corbusiers Arbeiten erfahren und lernte diesen 1929 auf der [[Congrès Internationaux d&#039;Architecture Moderne|CIAM]]-Tagung in Frankfurt kennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zweitem Weltkrieg förderte die französische Besatzungsmacht im Zuge der Maßnahmen zur Entnazifizierung und Stärkung der österreichischen Identität besonders die Kultur. 1948 wurde im Auftrag des Hochkommissars der Französischen Republik in Österreich im [[Kunstgewerbemuseum]] (heute: MAK) in Wien die [[Ausstellung „Architektur und Städtebau“|&#039;&#039;Französische Ausstellung. Architektur und Städtebau&#039;&#039;]] über den Wiederaufbau der zerstörten Städte in Frankreich und Übersee gezeigt. Anlässlich der Eröffnung hielt Le Corbusier einen medial viel beachteten Vortrag und wurde vom Wiener Bürgermeister Theodor Körner empfangen, „von den Maßgeblichen der Bauwelt“ wurde er jedoch, so Hermann Czech 1965, „eher als Verrückter angesehen“. Zu sehen waren seine Cité de refuge (1929–33) und der Schweizer Pavillon in der Pariser Cité universitaire (1930–33) sowie die gerade in Bau befindliche Unité d’habitation (Cité radieuse) in Marseille (1947–52). Eine eigene Ausstellungsabteilung erhielt die von Le Corbusier 1943 ausformulierte, auf dem CIAM-Kongress von 1933 basierende &#039;&#039;Charta von Athen&#039;&#039;, die mit ihrem Fokus auf strikte städtische Funktionstrennung in der Wiederaufbauzeit international enormen Einfluss auf den Städte- und Wohnbau hatte. Eine deutsche Übersetzung des Textes erschien 1948 anlässlich der Wiener Ausstellung in der Zeitschrift &#039;&#039;Europäische Rundschau&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ältere Wiener Professorengeneration, aber auch der jüngere Architekt Roland Rainer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.architektenlexikon.at/de/1393.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso wie die Vertreter der Wiener Stadtplanung standen in den Nachkriegsjahren Le Corbusiers städtebaulichen Ansätzen höchst kritisch, ja ablehnend gegenüber. Im Gegensatz dazu vermittelten an der Technischen Hochschule Graz ab 1945/46 die Professoren Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; und Karl Raimund Lorenz&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1121141684&amp;lt;/ref&amp;gt; ihren Studierenden Le Corbusiers Ideen. Sein &#039;&#039;Modulor&#039;&#039; (1948/55) wurde gelesen und als Maßsystem angewendet. Die Unité d’habitation in Marseille, das Kloster La Tourette und die Kirche in Ronchamp, aber auch dessen Pariser Atelier wurden zum Ziel von Grazer Studierendenexkursionen, die geradezu den Charakter architektonischer Pilgerfahrten annahmen. Einflüsse zeigten sich noch Jahre später, etwa am Wohnprojekt Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.werkgruppe-graz.at/&amp;lt;/ref&amp;gt; (Eugen Gross, Friedrich Groß-Ransbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler). Schließlich lernten auch die jungen Wiener Architekten das Werk von Le Corbusier näher kennen. So unternahm 1956 die &#039;&#039;arbeitsgruppe 4&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://austria-forum.org/af/AEIOU/Arbeitsgruppe_4&amp;lt;/ref&amp;gt; (Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer, Johannes Spalt) eine Reise zu dessen Bauten in Vevey, Marseille und Ronchamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte Le Corbusier im Nachkriegsösterreich zunächst polarisiert, so wurde die Beschäftigung mit ihm ab Mitte der 1950er Jahre quasi gesellschaftsfähig. Nun wurde er von vielen als wichtigster Neuerer, als Schlüsselfigur eines Aufbruchs in Architektur und Städtebau wahrgenommen, während seine problematische Rolle im Vichy Regime unerwähnt blieb. In einem Nachruf 1965 bezeichnete ihn der österreichische Architekturkritiker Friedrich Achleitner als „überragendste und umfassendste Persönlichkeit der Moderne“&amp;lt;ref&amp;gt;Achleitner 1965&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1957 waren in Innsbruck und Linz Le Corbusier-Ausstellungen zu sehen. Die letzte Schau in Österreich zu Le Corbusiers Lebzeiten war eine große Ausstellung zum nun schon ikonisch gewordenen Gesamtwerk, die 1957/58 in der Akademie der bildenden Künste in Wien gezeigt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Kommende Baukunst. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1926.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Städtebau. Hg. v. Hans Hildebrandt. Stuttgart–Berlin–Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt 1929.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Der Modulor. Darstellung eines in Architektur und Technik allgemein anwendbaren harmonischen Maßes im menschlichen Maßstab, Stuttgart: J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger 1953&lt;br /&gt;
*Le Corbusier, Einleitung zur ersten Auflage, in: Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960, 14-16, hier 16.&lt;br /&gt;
*Le Corbusier: Lettres à ses maîtres II. Lettres à Charles L’Eplattenier. Hg. v. Marie-Jeanne Dumont. Paris: Éditions du Linteau 2006.&lt;br /&gt;
*Hilpert, Thilo (Hg.): Le Corbusiers &amp;quot;Charta von Athen&amp;quot;. Texte und Dokumente. Kritische Neuausgabe.  Braunschweig: Vieweg 1984&lt;br /&gt;
===Fachliteratur und Presse===&lt;br /&gt;
*Achleitner, Friedrich: Das wahre Genie der Architektur. Zum Tod von Charles Le Corbusier, in: Die Presse, 30. August 1965&lt;br /&gt;
*Boesiger, Willy (Hg.): Le Corbusier et Pierre Jeanneret. Œuvre complète 1910-1929. Zürich: Les Éditions Girsberger, 7. Aufl.  1960&lt;br /&gt;
*Moos, Stanislaus von: Le Corbusier und Loos, in: Tilmann Buddensieg/Elisabeth Liskar (Hg.): Wien und die Architektur des 20. Jahrhunderts, Wien–Köln–Graz: Böhlau 1986, 137–150.&lt;br /&gt;
*Platzer, Monika: Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945. Zürich: Park Books 2019.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 03/06/2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Le_Corbusier}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Verlag_Wallishausser&amp;diff=1368</id>
		<title>Verlag Wallishausser</title>
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		<updated>2026-06-03T10:52:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Firmengeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Haus_und_Buchdruckerey_des_Herrn_Wallishauser.jpg|170px|thumb|Ansicht der Buchdruckerei Wallishauser auf dem Josefstädter Glacis, um 1830]]Der Verlag Wallishausser (1784–1943) war mit dem Druck und der Verbreitung großer Teile des Wiener Theaterrepertoires während des ‚langen‘ 19. Jahrhunderts ein wesentlicher Vermittler der französischen Dramatik wie auch französischer Opern und Operetten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Firmengeschichte==&lt;br /&gt;
Aus Bayern zugewandert, eröffnete Johann Baptist Wallishausser (1858–1810) im Jahr 1784 eine Verlagsbuchhandlung, bald auch ein Lesekabinett, 1800 zusätzlich eine Druckerei. Mit dem Titel „Hof-Theatral-Drucker“ bzw. „k.k. Hoftheater-Buchdrucker“ dekoriert, produzierte er die Theaterzettel für die beiden Hoftheater und wurde bald zum führenden Wiener Theaterverlag. Neben den Hoftheatern bezog Wallishausser insbesondere das Repertoire des Leopoldstädter Theaters und des [[Theater an der Wien|Theaters an der Wien]] in seine Produktion ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betreffend die zahlreichen Besitzerwechsel (dazu Seemann und Wallishauser) sei bloß erwähnt, dass die Firma 1815 von Johann Baptist II. (1790–1831), 1833 von dessen Witwe, 1856 von Joseph Klemm&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Josef_Klemm&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1882 von Adolph Wenzel Künast&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/140334718&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen wurde. 1885 wurde der Theaterverlag Leopold Rosners&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_R/Rosner_Leopold_1838_1903.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; aufgekauft, der bereits zuvor für Wallishausser gearbeitet und später in seinem eigenen Verlag prominente österreichische Autor:innen wie [[Anzengruber]] und [[Ebner-Eschenbach]] verlegt hatte; 1939 wurde die Firma arisiert. Die Verlagsaktivitäten waren bereits um die Jahrhundertwende stark ausgedünnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dramentexte erschienen in umfangreichen Reihen mit Titeln wie „Neueste Theaterbibliothek“, „Wiener Theater-Repertoir“, „Neues Wiener Theater“ u.ä. 1854 umfasste sein Theaterkatalog (Vollständiges Verzeichniß 1854) bereits weit über 1000 Titel, darüber hinaus hielt Wallishausser in seinem Lager auch fremdverlegte und antiquarische Theatertexte bereit. Der Buchhandelshistoriker Karl Friedrich Pfau&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/130106844&amp;lt;/ref&amp;gt; schrieb 1890: „Das Archiv und das reiche antiquarische Lager aller seit mehr als 100 Jahren zur Aufführung gelangten und im Druck erschienenen Theaterstücke umfaßt mehr als 30000 Nummern und bildet eine Nachschlage- und Fundquelle für alle Theaterkreise in unerreichter Vollständigkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;zit. bei Seemann und Wallishauser, sub Verlagskatalog, 1885&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1793 an war Wallishausser offiziell beauftragter Drucker der an den Hoftheatern gespielten Stücke. Seine Dramentexte wurden in den Buchhandlungen, aber auch an den Theaterkassen verkauft. Jeder in broschierter Heftform erscheinende Text kostete 17 kr., wenn man für ein Jahr subskribierte nur 12 kr. Noch 1854 kosteten seine Ausgaben durchschnittlich nicht mehr als 20 kr. Theaterenthusiasten konnten ferner auch für ein Quartal oder ein ganzes Jahr auf die täglich erscheinenden Theaterzettel subskribieren. Mit dieser Politik wohlfeiler Ausgaben sicherte sich der Verlag die größtmögliche Verbreitung. Zusätzlich konnten Wallishaussers sämtliche Dramentexte im Lesekabinett gelesen und ausgeliehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Präsenz im Katalog==&lt;br /&gt;
Neben den Klassikern Shakespeare, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, [[Franz Grillparzer|Grillparzer]] und [[Johann Nestroy|Nestroy]] (mit vielen Erstausgaben), später Bauernfeld, Anzengruber und Ebner-Eschenbach findet sich bei Wallishausser mehrheitlich populäre deutsche und österreichische Unterhaltungsdramatik (&#039;&#039;pars pro toto&#039;&#039; seien A. W. Iffland, A. Kotzebue, [[Ignaz Franz Castelli|I. F. Castelli]], J. A. Gleich, Fr. Kaiser und J. Haffner genannt). Bekanntlich enthielt das Wiener Theaterrepertoire während des gesamten ‚langen‘ 19. Jahrhunderts und darüber hinaus einen hohen Anteil französischer Stücke. Auch von den bei Wallishausser vertretenen französischen Autor:innen kann nur eine Auswahl, die entweder qualitativ oder quantitativ hervorragte, erwähnt werden. In den Anfängen des Verlags begegnet man z.B. L.-S. Mercier, L. B. Picard und P.-A. Caron de Beaumarchais, in späteren Jahrzehnten E. Dupaty, C. Delavigne, A. Dumas fils, O. Feuillet, E. Augier, [[Victorian Sardou|V. Sardou]], A. de Musset, Th. de Banville, F. Coppée, F. Ponsard und A. Daudet. Pauschal formuliert dominierten die Komödien und Vaudevilles, später die Gesellschaftsstücke. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die unter dem Namen der französischen Originalautor:innen herausgebrachten Texte hinaus findet sich eine große Zahl von Bearbeitungen, die mitunter durch die Formel „nach XY“ gekennzeichnet sind, sich aber oft auch stillschweigend bei Vorlagen bedienten. Wie bekannt, sind weite Teile des Wiener ‚Volkstheaters‘ (inklusive der Stücke von Johann Nestroy) nach französischen Vorbildern verfasst. Erinnert sei an dieser Stelle lediglich an I. F. Castelli und A. Kotzebue, die unermüdlich eigene Stücke, daneben aber ebenso zahlreiche Bearbeitungen produzierten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wallishausser deckte nicht nur das Sprech-, sondern auch das Musiktheater ab. Daher finden sich auch weite Teile des Wiener Opern- und Operettenrepertoires in seinem Programm. Haydn, Mozart oder Beethoven finden sich hier, aus dem französischen Musiktheater ragen G. Bizet und H. Berlioz heraus. Im Bereich der populären Oper begegnet man einer Reihe ausgesprochener Erfolgstitel, etwa den Opern D.-F.-E. Aubers und G. Meyerbeers. Um ein Beispiel zu geben: F. Halévys Oper &#039;&#039;La juive&#039;&#039; nach [[Eugène Scribe|Eugène Scribes]] Libretto machte auf ihrer Erfolgstour durch Europa auch in Wien immer wieder halt. Trotz zahlreicher Konkurrenzausgaben in Wien (bei Pichler), Leipzig und Berlin weist Wallishaussers Verlagskatalog bis zum Ende des Jahrhunderts zumindest neun verschiedene Ausgaben bzw. Auflagen der Oper nach. Die niedrigen Preise beförderten zweifellos die Verbreitung, auch &#039;&#039;La juive&#039;&#039; kostete nur 20 kr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wallishausser geriet als Nachdrucker ins Gerede, wobei der Nachdruck vorgängiger, in deutschen Staaten erschienener Ausgaben eine in Österreich bis in die 1830er Jahre weit verbreitete Praxis darstellte. Ob bzw. inwiefern der Nachdruck auch die Übersetzungen französischer Dramatik betrifft, wäre noch zu untersuchen. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass Wallishaussers Texte oft die auf den Wiener Bühnen tatsächlich gesprochenen Texte wiedergeben, was meist eigens auf den Titelblättern vermerkt ist und gegen Nachdruck spricht. Da sie die Spieltexte konservieren, sind Wallishaussers Dramendrucke nicht nur wichtige Medien des Kulturtransfers, sondern auch für Detailfragen der Theatergeschichte von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Frank, Peter R. und Frimmel, Johannes: Buchwesen in Wien 1750–1850. Kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Wiesbaden: Harrassowitz 2008.&lt;br /&gt;
*Seemann, Otmar und Wallishauser, Martha: Die Verlagsbuchhandlung Johann Baptist Wallishausser, 1784-1964 (http://www.donjuanarchiv.at/seemann/wallishausser).&lt;br /&gt;
*Vollständiges Verzeichniß von Theaterstücken aus dem Verlage von J.B. Wallishausser. Wien: J. B. Wallishausser’s k.k. Hoftheater-Buchdruckerei 1854.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Wallishausser}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Verlag_Wallishausser&amp;diff=1367</id>
		<title>Verlag Wallishausser</title>
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		<updated>2026-06-03T10:49:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Haus_und_Buchdruckerey_des_Herrn_Wallishauser.jpg|170px|thumb|Ansicht der Buchdruckerei Wallishauser auf dem Josefstädter Glacis, um 1830]]Der Verlag Wallishausser (1784–1943) war mit dem Druck und der Verbreitung großer Teile des Wiener Theaterrepertoires während des ‚langen‘ 19. Jahrhunderts ein wesentlicher Vermittler der französischen Dramatik wie auch französischer Opern und Operetten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Firmengeschichte==&lt;br /&gt;
Aus Bayern zugewandert, eröffnete Johann Baptist Wallishausser (1858–1810) im Jahr 1784 eine Verlagsbuchhandlung, bald auch ein Lesekabinett, 1800 zusätzlich eine Druckerei. Mit dem Titel „Hof-Theatral-Drucker“ bzw. „k.k. Hoftheater-Buchdrucker“ dekoriert, produzierte er die Theaterzettel für die beiden Hoftheater und wurde bald zum führenden Wiener Theaterverlag. Neben den Hoftheatern bezog Wallishausser insbesondere das Repertoire des Leopoldstädter Theaters und des [[Theater an der Wien|Theaters an der Wien]] in seine Produktion ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betreffend die zahlreichen Besitzerwechsel (dazu Seemann und Wallishauser) sei bloß erwähnt, dass die Firma 1815 von Johann Baptist II. (1790–1831), 1833 von dessen Witwe, 1856 von Joseph Klemm&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Josef_Klemm&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1882 von Adolph Wenzel Künast&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/140334718&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen wurde. 1885 wurde der Theaterverlag Leopold Rosners&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116628472&amp;lt;/ref&amp;gt; aufgekauft, der bereits zuvor für Wallishausser gearbeitet und später in seinem eigenen Verlag prominente österreichische Autor:innen wie [[Anzengruber]] und [[Ebner-Eschenbach]] verlegt hatte; 1939 wurde die Firma arisiert. Die Verlagsaktivitäten waren bereits um die Jahrhundertwende stark ausgedünnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dramentexte erschienen in umfangreichen Reihen mit Titeln wie „Neueste Theaterbibliothek“, „Wiener Theater-Repertoir“, „Neues Wiener Theater“ u.ä. 1854 umfasste sein Theaterkatalog (Vollständiges Verzeichniß 1854) bereits weit über 1000 Titel, darüber hinaus hielt Wallishausser in seinem Lager auch fremdverlegte und antiquarische Theatertexte bereit. Der Buchhandelshistoriker Karl Friedrich Pfau&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/130106844&amp;lt;/ref&amp;gt; schrieb 1890: „Das Archiv und das reiche antiquarische Lager aller seit mehr als 100 Jahren zur Aufführung gelangten und im Druck erschienenen Theaterstücke umfaßt mehr als 30000 Nummern und bildet eine Nachschlage- und Fundquelle für alle Theaterkreise in unerreichter Vollständigkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;zit. bei Seemann und Wallishauser, sub Verlagskatalog, 1885&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1793 an war Wallishausser offiziell beauftragter Drucker der an den Hoftheatern gespielten Stücke. Seine Dramentexte wurden in den Buchhandlungen, aber auch an den Theaterkassen verkauft. Jeder in broschierter Heftform erscheinende Text kostete 17 kr., wenn man für ein Jahr subskribierte nur 12 kr. Noch 1854 kosteten seine Ausgaben durchschnittlich nicht mehr als 20 kr. Theaterenthusiasten konnten ferner auch für ein Quartal oder ein ganzes Jahr auf die täglich erscheinenden Theaterzettel subskribieren. Mit dieser Politik wohlfeiler Ausgaben sicherte sich der Verlag die größtmögliche Verbreitung. Zusätzlich konnten Wallishaussers sämtliche Dramentexte im Lesekabinett gelesen und ausgeliehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Präsenz im Katalog==&lt;br /&gt;
Neben den Klassikern Shakespeare, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, [[Franz Grillparzer|Grillparzer]] und [[Johann Nestroy|Nestroy]] (mit vielen Erstausgaben), später Bauernfeld, Anzengruber und Ebner-Eschenbach findet sich bei Wallishausser mehrheitlich populäre deutsche und österreichische Unterhaltungsdramatik (&#039;&#039;pars pro toto&#039;&#039; seien A. W. Iffland, A. Kotzebue, [[Ignaz Franz Castelli|I. F. Castelli]], J. A. Gleich, Fr. Kaiser und J. Haffner genannt). Bekanntlich enthielt das Wiener Theaterrepertoire während des gesamten ‚langen‘ 19. Jahrhunderts und darüber hinaus einen hohen Anteil französischer Stücke. Auch von den bei Wallishausser vertretenen französischen Autor:innen kann nur eine Auswahl, die entweder qualitativ oder quantitativ hervorragte, erwähnt werden. In den Anfängen des Verlags begegnet man z.B. L.-S. Mercier, L. B. Picard und P.-A. Caron de Beaumarchais, in späteren Jahrzehnten E. Dupaty, C. Delavigne, A. Dumas fils, O. Feuillet, E. Augier, [[Victorian Sardou|V. Sardou]], A. de Musset, Th. de Banville, F. Coppée, F. Ponsard und A. Daudet. Pauschal formuliert dominierten die Komödien und Vaudevilles, später die Gesellschaftsstücke. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die unter dem Namen der französischen Originalautor:innen herausgebrachten Texte hinaus findet sich eine große Zahl von Bearbeitungen, die mitunter durch die Formel „nach XY“ gekennzeichnet sind, sich aber oft auch stillschweigend bei Vorlagen bedienten. Wie bekannt, sind weite Teile des Wiener ‚Volkstheaters‘ (inklusive der Stücke von Johann Nestroy) nach französischen Vorbildern verfasst. Erinnert sei an dieser Stelle lediglich an I. F. Castelli und A. Kotzebue, die unermüdlich eigene Stücke, daneben aber ebenso zahlreiche Bearbeitungen produzierten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wallishausser deckte nicht nur das Sprech-, sondern auch das Musiktheater ab. Daher finden sich auch weite Teile des Wiener Opern- und Operettenrepertoires in seinem Programm. Haydn, Mozart oder Beethoven finden sich hier, aus dem französischen Musiktheater ragen G. Bizet und H. Berlioz heraus. Im Bereich der populären Oper begegnet man einer Reihe ausgesprochener Erfolgstitel, etwa den Opern D.-F.-E. Aubers und G. Meyerbeers. Um ein Beispiel zu geben: F. Halévys Oper &#039;&#039;La juive&#039;&#039; nach [[Eugène Scribe|Eugène Scribes]] Libretto machte auf ihrer Erfolgstour durch Europa auch in Wien immer wieder halt. Trotz zahlreicher Konkurrenzausgaben in Wien (bei Pichler), Leipzig und Berlin weist Wallishaussers Verlagskatalog bis zum Ende des Jahrhunderts zumindest neun verschiedene Ausgaben bzw. Auflagen der Oper nach. Die niedrigen Preise beförderten zweifellos die Verbreitung, auch &#039;&#039;La juive&#039;&#039; kostete nur 20 kr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wallishausser geriet als Nachdrucker ins Gerede, wobei der Nachdruck vorgängiger, in deutschen Staaten erschienener Ausgaben eine in Österreich bis in die 1830er Jahre weit verbreitete Praxis darstellte. Ob bzw. inwiefern der Nachdruck auch die Übersetzungen französischer Dramatik betrifft, wäre noch zu untersuchen. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass Wallishaussers Texte oft die auf den Wiener Bühnen tatsächlich gesprochenen Texte wiedergeben, was meist eigens auf den Titelblättern vermerkt ist und gegen Nachdruck spricht. Da sie die Spieltexte konservieren, sind Wallishaussers Dramendrucke nicht nur wichtige Medien des Kulturtransfers, sondern auch für Detailfragen der Theatergeschichte von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Frank, Peter R. und Frimmel, Johannes: Buchwesen in Wien 1750–1850. Kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Wiesbaden: Harrassowitz 2008.&lt;br /&gt;
*Seemann, Otmar und Wallishauser, Martha: Die Verlagsbuchhandlung Johann Baptist Wallishausser, 1784-1964 (http://www.donjuanarchiv.at/seemann/wallishausser).&lt;br /&gt;
*Vollständiges Verzeichniß von Theaterstücken aus dem Verlage von J.B. Wallishausser. Wien: J. B. Wallishausser’s k.k. Hoftheater-Buchdruckerei 1854.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Norbert Bachleitner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Éditions_Wallishausser}}&lt;br /&gt;
[[Category:Verlag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Auktion_%E2%80%9EL%E2%80%99Art_autrichien_%C3%A0_Paris%E2%80%9C_(6.%E2%80%937._M%C3%A4rz_1989)&amp;diff=1366</id>
		<title>Auktion „L’Art autrichien à Paris“ (6.–7. März 1989)</title>
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		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T13:17:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (&#039;&#039;3096 Tage&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (&#039;&#039;Der versiegelte Zug&#039;&#039;), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Olivier_Mannoni&amp;diff=1364</id>
		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T13:02:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (&#039;&#039;3096 Tage&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (&#039;&#039;Der versiegelte Zug&#039;&#039;), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Olivier_Mannoni&amp;diff=1363</id>
		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T13:02:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (&#039;&#039;3096 Tage&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T13:01:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, &#039;&#039;Hitler übersetzen&#039;&#039;) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, &#039;&#039;Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat&#039;&#039;) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (&#039;&#039;3096 Tage&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Olivier_Mannoni&amp;diff=1361</id>
		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T13:00:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, &#039;&#039;Hitler übersetzen&#039;&#039;) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, &#039;&#039;Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat&#039;&#039;) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (3096 Tage).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Theodor_Herzl&amp;diff=1360</id>
		<title>Theodor Herzl</title>
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		<updated>2026-06-01T12:56:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herzl.jpg|250px|thumb|Theodor Herzl (1860-1904)]] 1878 zieht die Familie nach Wien, wo Theodor Herzl (* 2. Mai 1860 in Pest, Königreich Ungarn; † 3. Juli 1904 in Edlach an der Rax, Niederösterreich sein Studium der Rechtswissenschaft absolviert, den Titel eines Dr. iur. erwirbt und versucht, sich als Dramaturg einen Platz zu machen. Dank seines Talents als Feuilletonist wird er bei der berühmtesten Tageszeitung, der &#039;&#039;[[Neue Freie Presse|Neuen Freien Presse]]&#039;&#039; (NFP) angestellt, zuerst als Korrespondent in Paris, wo er von Anfang Oktober 1891 bis Ende Juli 1895 lebt. In diesen Jahren informieren Theodor Herzls Chroniken die NFP-Leser über die französischen Geschehnisse, sowohl im politischen und kulturellen als auch im wirtschaftlich-sozialen Bereich. Sein erster Beitrag am 11.Oktober 1891 ist eine Darstellung des wegen eines Komplottes gegen den Staat angeklagten Général Boulanger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.larousse.fr/encyclopedie/personnage/Georges_Boulanger/109702&amp;lt;/ref&amp;gt;, der sich erst ein paar Tage zuvor, am 30. September, am Grab seiner Geliebten das Leben genommen hat. Am 5. Januar 1895 liefert er in der Abendausgabe der &#039;&#039;NFP&#039;&#039; einen Bericht über die Degradierung von Hauptmann Dreyfus&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118527460&amp;lt;/ref&amp;gt; am Morgen desselben Tages im Hof der École militaire. Herzls Reportagen und Chroniken trugen dazu bei, in Wien und in Österreich ein bestimmtes Bild des damaligen Frankreichs zu vermitteln, dem er zwar Sympathie entgegenbrachte, das er aber auch mit kritischer Distanz beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzl und Frankreich==&lt;br /&gt;
Herzl nimmt die von einigen der schwersten Krisen in der Geschichte der Dritten Republik erschütterte französische Gesellschaft unter die Lupe und behandelt dabei immer wieder die sogenannte „Judenfrage“, für ihn die Gelegenheit, seine Kenntnis der österreichischen und mitteleuropäischen Verhältnisse im Licht des vom Panamaskandal und von der Dreyfus-Affäre geschürten Aufflammens des Antisemitismus zu erweitern. „In Paris, schreibt Herzl am Anfang seines Zionistischen Tagebuchs, [kam ich] in ein freieres und höheres Verhältniss zum Antisemitismus, von dem ich wenigstens nicht unmittelbar zu leiden hatte&amp;lt;ref&amp;gt;Zionistisches Tagebuch 1983, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Nicht von ungefähr konzipiert er in Paris an Pfingsten 1895 und in den folgenden Tagen das in &#039;&#039;Der Judenstaat&#039;&#039; (1896) dargelegte zionistische Projekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinem literarischen Talent verdankt Herzl seine  Anstellung bei der &#039;&#039;NFP&#039;&#039;. Seine im September 1891 in der &#039;&#039;NFP&#039;&#039; veröffentlichten Reisebilder aus den französischen Pyrenäen (Beiträge über Luz, Lourdes und Biarritz) waren ein großer Erfolg. Vor seiner Ankunft in Paris am 6. Oktober 1891 hatte er sich noch nie wirklich für das politische, wirtschaftliche und soziale Leben interessiert. Er war vor allem bemüht gewesen, im Wiener Literaturleben Fuß zu fassen. Während er in den Pariser Jahren gewissenhaft den Pflichten eines mit allen Bereichen des französischen Geschehens beauftragten Journalisten nachging, hörte er nie auf, regelmäßig ins Theater zu gehen, und sein politisches Denken wurde ständig von der Literatur genährt. Laut Clemens Peck sollte Herzls zionistisches Projekt auf der Grundlage eines „Austauschprozesses zwischen literarischer Imagination und Politik“ Form annehmen&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2012, S. 61&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem regelmäßigen Zuschauer der parlamentarischen Debatten im Palais Bourbon kommt die Abgeordnetenkammer vor wie eine Bühne, auf der Theaterstücke – manchmal Possen – gespielt werden. Sein Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/maurice-barres/&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeter Artikel über „den Feind der Gesetze“, der zuerst als Beitrag im Feuilleton der &#039;&#039;NFP&#039;&#039; vom 17.  März 1894 veröffentlicht wurde&amp;lt;ref&amp;gt;„Das Palais Bourbon. III – Der Feind der Gesetze », S. 1-4&amp;lt;/ref&amp;gt;, ist einer der brillantesten der Sammlung Der Palais Bourbon. Bilder des französischen parlamentarischen Lebens. So der Anfang: „Ein Theaterstück ist verboten worden“, und so die abschließende Feststellung: „Er sieht die hundert verschiedenen Masken der Politiker und das Geflimmer ihres Durcheinanderlaufens nicht.“ Herzl spottet nicht nur über Barrès als Boulanger-Anhänger, der zwischen 1889 und 1893 als Abgeordneter der Stadt Nancy fungierte, und nicht über das geringste Rednertalent verfügt habe, sondern auch über den Autor eines schlechten Theaterstücks, &#039;&#039;Une journée parlementaire&#039;&#039; (&#039;&#039;Ein Tag im Parlament&#039;&#039;), das Ende Januar 1894 wegen seines zügellosen Antiparlamentarismus von der Zensur verboten wurde. Diese chargierte Darstellung von Barrès bietet ein kontrastierendes Gegenstück zum begeisterten, 1891 von [[Hugo von Hofmannsthal]] der Trilogie &#039;&#039;Le Culte du moi&#039;&#039; (&#039;&#039;Kult des Ich&#039;&#039;) gewidmeten Essay.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ab 1892 pflegt Herzl regelmäßige Beziehungen mit Alphonse Daudet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/alphonse-daudet/&amp;lt;/ref&amp;gt; und macht bei ihm die Bekanntschaft von Édouard Drumont&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/edouard-drumont/&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem Autor des antisemitischen Pamphlets &#039;&#039;La France juive&#039;&#039; (&#039;&#039;Das jüdische Frankreich&#039;&#039;), der im April 1892 die ebenso stark antisemitische Tageszeitung gründet, &#039;&#039;La libre parole&#039;&#039; (&#039;&#039;Das freie Wort&#039;&#039;). Drumont bewirkt bei Herzl eine eigenartige Mischung aus Bewunderung für den Künstler und Entsetzen angesichts des antisemitischen Agitators. In seinem Bericht des von Auguste Burdeau, dem Vizepräsidenten des Parlaments, gegen Drumont eingeleiteten Verleumdungsprozesses, der  ihn der Bestechung durch die Rothschild-Bank bezichtigt hatte, zitiert und betont Herzl Drumonts Worte: „Meine Künstlerphantasie verleitet mich manchmal, ein Detail zu erfinden, das die Aufmerksamkeit erregen soll&amp;lt;ref&amp;gt;Prozeß Burdeau gegen Drumont, NFP, 16. Juni 1892, S. 8&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Am 12. Juni 1895 trägt Herzl Folgendes in sein Tagebuch ein: „Drumont verdanke ich viel von der jetzigen Freiheit meiner Auffassung, weil er ein Künstler ist&amp;lt;ref&amp;gt;Zionistisches Tagebuch, 1983, S. 127&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Drumont hat seinerseits in einer Besprechung über &#039;&#039;Der Judenstaat&#039;&#039; Herzls zionistisches Projekt begrüßt&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung &#039;&#039;L’État juif. Essai d’une solution de la question juive&#039;&#039; in der &#039;&#039;Nouvelle Revue internationale&#039;&#039;, 1896, Nr. 2, S. 842-860 ; 1897, Nr. 1, S. 19-40&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Titel seines Artikels lautet &#039;&#039;Une solution de la question juive&#039;&#039; (&#039;&#039;Eine Lösung der Judenfrage&#039;&#039;, &#039;&#039;La Libre Parole&#039;&#039;, 16. Januar 1897), etwas später begrüßt er den Kongress von Basel mit einer zynischen Formulierung : „Die Juden machen ihr Glück, indem sie unseres machen&amp;lt;ref&amp;gt;Der Baseler Kongress. Der Zionismus, &#039;&#039;Das freie Wort&#039;&#039;, 30. August 1897&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Herzls Pariser Beiträgen für die NFP wird der französische Antisemitismus gerne als weniger aggressiv dargestellt als der weiter im östlichen Europas grassierende Judenhass. In seinem Bericht über den Tod des Hauptmanns Antoine Mayer am 23. Juni 1892 in einem Duell gegen den Édouard Drumont nahestehenden Marquis von Morès, dessen Ursprung eine Kampagne der &#039;&#039;Libre Parole&#039;&#039; gegen die Anwesenheit von Israeliten in der französischen Armee gewesen war, meint Herzl, die großen Erinnerungen an die Revolution, […] haben Frankreich nicht davor behütet, daß nach hundert Jahren die häßliche Fratze des Antisemitismus auch im Lande Voltaire’s auftauchte&amp;lt;ref&amp;gt;„Der Tod des Hauptmannes Mayer“, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 28. Juni 1892, Nr. 2&amp;lt;/ref&amp;gt;. Herzl betont jedoch die imponirende Entschiedenheit, mit welcher in Frankreich den antisemitischen Angriffen auf die Armee entgegengetreten wird, ibid. , diesem Beispiel, schreibt er, sollte man im deutschen Reich folgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Darstellung der „französischen Antisemiten“ im September 1892 behauptet Herzl zuerst, der Antisemitismus hatte in Frankreich bis in die jüngste Zeit etwas Gutartiges&amp;lt;ref&amp;gt;„Französische Antisemiten“, NFP, 3. September 1892, S. 1-2, Zitat S. 1&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auch wenn der Antisemitismus seit dem Ende des Boulangismus mutiert hat, setzt er fort, werden die Juden [hier] nicht dem Pöbel hingeworfen&amp;lt;ref&amp;gt;ibid, S. 2&amp;lt;/ref&amp;gt;. Herzl zitiert dann auf Französisch einen Satz aus dem Buch von Mermeix (dies war das Pseudonym von Gabriel Terrail, einem boulangistischen Journalisten und Abgeordneten, der im September 1891 aus der boulangistischen Bewegung ausgeschlossen worden war), &#039;&#039;Les Antisémites en France. Notice sur un fait contemporain&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Paris : E. Dentu 1892, Die Antisemiten in Frankreich. Bemerkung zu einem zeitgenössischen Tatbestand&amp;lt;/ref&amp;gt; : „Die nationale Masse ist den patriotischen Alarmrufen der Antisemiten gleichgültig geblieben“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Jahre später sollte Herzl einen ganz anderen Standpunkt vertreten: „Tod den Juden! heulte die Menge, als man dem Hauptmanne seine Tressen vom Waffenrock riß. […] Das Volk, wenigstens ein sehr großer Teil davon, will nicht mehr die Menschenrechte für die Juden. […] Zum Zionisten hat mich […] der Prozeß Dreyfus gemacht. Nicht der jetzige in Rennes, sondern der ursprüngliche in Paris, dessen Zeuge ich 1894 war&amp;lt;ref&amp;gt;Theodor Herzl, Zionismus, aus: North American Review, 1899, in: Herzl 1920, S. 255-266, Zitat S. 257 sq.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesen Zeilen gestaltet Herzl seinen autobiographischen Mythos. Vor Pfingsten 1895 ist er kein Zionist, zum Dreyfusard wird er erst später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer im Feuilleton der &#039;&#039;NFP&#039;&#039;-Ausgabe vom 17. Oktober 1894&amp;lt;ref&amp;gt;S. 1-4&amp;lt;/ref&amp;gt; erschienenen Theaterrezension mit dem Titel Pariser Theater. Ältere Stücke erwähnte er ein paar Wochen vor Anfang der Affäre eine neue Inszenierung von &#039;&#039;La femme de Claude&#039;&#039; (&#039;&#039;Claudes Frau&#039;&#039;) von Alexandre Dumas dem Jüngeren&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/essentiels/dumas-fils&amp;lt;/ref&amp;gt; im Théâtre du Gymnase und kommentierte die Passage, II. Akt, 1. Szene, in der Daniel, ein jüdischer Freund von Claude, Folgendes erklärt: „Wir wollen nicht mehr eine Gruppe sein, wir wollen ein Volk sein, mehr als ein Volk, eine Nation […] Eine definitive, territoriale Heimat ist für uns wieder notwendig“; so : „Daniel weiß, daß den Juden mit ihrer historischen Heimat nicht mehr gedient wäre. […] Und wenn die Juden wirklich „heimkehrten“, so würden sie am anderen Tage entdecken, daß sie längst nicht mehr zusammengehören. Sie wurzeln seit Jahrhunderten in neuen Heimaten, nationalisirt, von einander verschieden, in einer Charakter-Ähnlichkeit nur durch den sie überall umgebenden Druck erhalten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 1. November 1894 meldet unter dem Titel „Verrat“ die &#039;&#039;Libre Parole&#039;&#039; von Drumont die Festnahme eines jüdischen Offiziers, und schon am 17. November veröffentlicht Bernard Lazare in der (von Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118676407&amp;lt;/ref&amp;gt; geleiteten) Zeitung &#039;&#039;La Justice&#039;&#039; einen &#039;&#039;Das neue Ghetto&#039;&#039; betitelten Artikel, der erst ein paar Tage erscheint, nachdem Herzl die ursprüngliche Fassung seines Theaterstücks &#039;&#039;Das neue Ghetto&#039;&#039; abgeschlossen hat (in der jegliche Spur des zionistischen Denkens fehlt). In diesem Artikel erwägt Lazare die Möglichkeit, dass die gegen Hauptmann Dreyfus erhobene Anschuldigung eine Folge der nun in Frankreich herrschenden „antisemitischen Gesinnung“ sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzl erkennt nicht sofort die entscheidende Rolle des Antisemitismus in Dreyfus‘ Verurteilung. Er wohnt am 19. Dezember 1894 der Eröffnung des Prozesses gegen Dreyfus bei, doch in seinen ersten Artikeln&amp;lt;ref&amp;gt;Process Dreyfus, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 20. Dezember 1894, S. 10; Fortsetzung mit dem gleichen Titel, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 22. Dezember 1894, S. 9&amp;lt;/ref&amp;gt; wird nicht angedeutet, dass die Spionage-Anschuldigung eine Auswirkung des Antisemitismus sein könnte. Nach dem am 22. Dezember verkündeten Urteil hängt er seinem Beitrag ein Postskriptum an: Das Extrablatt der Morès’schen “Terre de France” knüpft an die Meldung von der Verurtheilung Dreyfus’ heftige antisemitische Ausfälle&amp;lt;ref&amp;gt;„Proceß Dreyfus“, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 23. Dezember 1894, S. 8&amp;lt;/ref&amp;gt;. In seiner Bilanz des politischen Geschehens in Frankreich Ende Dezember, unterstreicht er, dass die Verurteilung von Dreyfus mehrfach von den Antisemiten vereinnahmt wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Politische Übersicht, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 27. Dezember 1894, S. 1&amp;lt;/ref&amp;gt;, zitiert aber als einziges Beispiel die Haltung von Jean Jaurès (am 24. Dezember 1894 ist in der Abgeordnetenkammer über das System der vom Kodex der Militärjustiz vorgesehenen Strafen debattiert worden. An diesem Tag ist Jaurès der Meinung, dass Dreyfus schuldig ist und dass man über seinen Verrat die Todesstrafe hätte verhängen können. Er meint, die Tatsache, dass Dreyfus der Todesstrafe entkommen ist, lasse sich allein durch „ein fantastisches Engagement der jüdischen Macht, um einen ihrer Angehörigen zu retten“ erklären – so seine Worte in &#039;&#039;L’Ébranlement&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;La Dépêche&#039;&#039;, Toulouse, 26. Dezember 1894, S. 1&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Degradierung von Hauptmann Dreyfus am 5. Januar 1895 schickt Herzl seiner Redaktion eine erste Depesche, worin der Antisemitismus unerwähnt bleibt&amp;lt;ref&amp;gt;„Die Degradation des Capitäns Dreyfus“, NFP, 5. Januar 1895, Abendblatt, S. 1-2&amp;lt;/ref&amp;gt;, dann zur Ergänzung eine präzisere Kurznotiz: Die Menge draußen […] stieß wiederholt die Rufe aus: „Zu Tode mit dem Verräther!&amp;lt;ref&amp;gt;Die Degradation des Capitäns Dreyfus », &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 6. Januar 1895, Morgenblatt, S. 9&amp;lt;/ref&amp;gt;”. Axel Bein schreibt, es habe in Herzls Depesche „Zu Tode mit den Juden“, geheißen, die &#039;&#039;NFP&#039;&#039;-Redaktion habe Herzls Text korrigiert&amp;lt;ref&amp;gt;Bein, 1983, S. 91&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzl war sich nicht sofort der historischen Bedeutung der Dreyfus-Affäre bewusst. In der in Paris verfassten und auf Pfingsten 1895 (d.h. auf den 2. Juni) datierten Einleitung zu seinem Zionistischen Tagebuch wird Dreyfus nicht erwähnt. Und als er am 27. Juli 1895 Paris verlässt, hat Herzl zwar den ersten Teil der Strecke auf dem Weg zum politischen Zionismus hinter sich, aber er ahnt noch nicht das gesamte Ausmaß der Affäre. Bis zum letzten Tag seiner Tätigkeit als Pressekorrespondent hat er den NFP-Lesern ein eher beruhigendes Bild der französischen Gesellschaft vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bein, Alex : Theodor Herzl. Biographie. Franfurt/Main – Berlin – Wien: Ullstein 1983 (Ullstein-Materialien, Nr. 35163), vom Autor durchgesehene Neuauflage (Erstveröffentlichung: Wien: Fiba-Verlag, 1934).&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Briefe und Tagebücher, éd. par Alex Bein, Hermann Greive, Moshe Schaerf, Julius H. Schoeps, vol. 1 : Briefe und autobiographische Notizen 1866-1895 ; vol. 2 : Zionistisches Tagebuch 1895-1899. Berlin – Frankfurt/Main - Wien : Propyläen 1983 (Journal 1895-1904. Le fondateur du sionisme parle, morceaux choisis, trad. Paul Kessler, Paris : Calmann-Lévy 1990).&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Das Palais Bourbon. Bilder aus dem französischen Parlamentsleben. Leipzig : Duncker &amp;amp; Humblot 1895 (Le Palais-Bourbon. Tableaux de la vie parlementaire française, trad. Paul Kessler. La Tour d’Aigues (Vaucluse) : éditions de l’aube 1995).&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Feuilletons. Berlin : Benjamin Harz 1903.&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Zionistische Schriften, éd. par Leon Kellner. Berlin : Jüdischer Verlag 11905, 2 vol., 1920 (en un vol.).&lt;br /&gt;
*Pawel, Ernst : Theodor Herzl ou Le Labyrinthe de l’exil, trad. Françoise Adelstain. Paris : Seuil 1992 (The Labyrinth of Exile. A Life of Theodor Herzl. New York : Farrar, Straus &amp;amp; Giroux 1989).&lt;br /&gt;
*Peck, Clemens : Im Labor der Utopie. Theodor Herzl und das „Altneuland“-Projekt. Berlin : Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 2012.&lt;br /&gt;
*Schoeps, Julius H. : Theodor Herzl und die Dreyfus-Affäre. Wien: Picus (Wiener Vorlesungen, vol. 34) 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Le Rider&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Theodor_Herzl}}&lt;br /&gt;
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[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Olivier Mannoni</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (3096 Tage).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Berta Zuckerkandl-Szeps</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zuckerkandl.jpg||thumb|Berta Zuckerkandl-Szeps, fotografiert von [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (1908)]]Die österreichische Salonnière, Journalistin und Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl-Szeps (* 13. April 1864 in Wien, † 16. Oktober 1945 in Paris) hat zahlreiche Artikel über die französische Kunst der Moderne verfasst, die zwischen 1893 und 1914 in der österreichischen Presse veröffentlicht wurden. Dank ihrer guten Beziehungen in Paris konnte sie als Kunstvermittlerin zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich wirken: Durch ihre Artikel trug sie zur Verbreitung französischer Kunstwerke der Moderne bei und erreichte somit, dass französische Künstler sich an den internationalen Ausstellungen der [[Wiener Secession]] beteiligten, wobei ihr Salon zu einer Drehscheibe der österreichisch-französischen Verbindungen wurde, nicht nur für Kunst, sondern auch für Literatur, Musik, Theater und Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Salonnière und Kunstkritikerin==&lt;br /&gt;
Berta Szeps wurde am 13. April 1864 in Wien geboren und wuchs im kosmopolitischen, modern gesinnten Milieu der wohlhabenden jüdischen Bourgeoisie auf. Die Hauslehrer wurden vom Vater Moritz Szeps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Moritz_Szeps&amp;lt;/ref&amp;gt; (1835–1902) angestellt, der als Chefredakteur die liberale Zeitung &#039;&#039;Neues Wiener Tagblatt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Neues_Wiener_Tagblatt&amp;lt;/ref&amp;gt; leitete und besonderen Wert darauf legte, seinen fünf Kindern allumfassende Kenntnisse zuteil werden zu lassen, sowohl in Literatur und Fremdsprachen, als auch in Physik und Chemie. Theater, Musik und schöne Künste nahmen auch einen wichtigen Platz im Leben der Familie ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit achtzehn Jahren wird Berta Szeps Privatsekretärin ihres Vaters, der damals öfters nach Frankreich reist, um sich mit bedeutenden Persönlichkeiten der französischen Politik zu treffen, wie etwa Léon Gambetta&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/leon-gambetta/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1882)und Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://musee-clemenceau.fr/clemenceau/biographie/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1841–1929). Bemüht, ein politisches Bündnis zwischen Österreich und Frankreich zu fördern, treffen sich Moritz Szeps und Clemenceau schon ab 1883 regelmäßig in Paris oder Wien,&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 23–25&amp;lt;/ref&amp;gt; manchmal in Anwesenheit von Berta und ihrer älteren Schwester Sophie (1862–1937), die am 22. Dezember 1886 Paul Clemenceau (1857–1946) heiratet. Berta Szeps heiratet ihrerseits am 15. April 1886 den Anatomen und Universitätsprofessor Emil Zuckerkandl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Emil_Zuckerkandl&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1910). Das einzige Kind, Fritz (1885–1983), wird am 30. Juli 1895 geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps wird von ihrem Mentor Georges Clemenceau in den Bereich der Kunst eingeweiht. Sie hat zwar Kunstgeschichte studiert, er ist es aber, der sie in den Pariser Galerien mit dem Impressionismus und dem Jugendstil vertraut macht: es ist Zuckerkandl-Szeps’ erster Kontakt mit der Moderne. Ab 1887 besucht sie mit Clemenceau das Atelier von [[Auguste Rodin]] (1840–1917) und macht am Anfang der 90er Jahre die Bekanntschaft von Gustave Geffroy&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/geffroy-gustave-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1855–1926) und Eugène Carrière&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.alsace-histoire.org/netdba/carriere-eugene/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1849–1906). 1894 besucht sie auch mit Clemenceau die berühmte Pariser Salonnière Aline Ménard-Dorian&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article121594&amp;lt;/ref&amp;gt; (1850–1929).&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1944, 53&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus diesen Erfahrungen erwächst bei Zuckerkandl-Szeps der Entschluss, Salonnière und Kunstkritikerin zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps beginnt 1893 ihre Laufbahn als Kunstkritikerin mit der Veröffentlichung eines Porträts von Geffroy im von ihrem Vater geleiteten &#039;&#039;Neuen Wiener Tagblatt&#039;&#039;. Von diesem Zeitpunkt an veröffentlicht sie jede Woche Porträts von Künstlern oder Ausstellungsrezensionen. 1894 wird sie von [[Hermann Bahr]] (1863–1934) aufgefordert, Redaktionsmitglied des Wochenblatts &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039; zu werden, für das sie bis 1898 vor allem Beiträge über die französische Kunst verfasst. Ihre Aufenthalte in Paris bilden dann jeweils den Hauptinhalt ihrer Rezensionen. Von 1898 bis 1922 schreibt sie die Kunstchroniken für die &#039;&#039;Wiener Allgemeine Zeitung&#039;&#039;. Parallel dazu arbeitet sie für österreichische und deutsche Kunstzeitschriften, z.B. &#039;&#039;Ver Sacrum&#039;&#039;, &#039;&#039;Wiener Rundschau&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Kunst für alle&#039;&#039;, &#039;&#039;Deutsche Kunst und Dekoration&#039;&#039; oder &#039;&#039;[[Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)|Kunst und Kunsthandwerk]]&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank ihrer Pariser Beziehungen gelingt es ihr schon ab 1896, das Interesse der Vorreiter der modernen österreichischen Kunst zu erwecken, namentlich von [[Gustav Klimt]] (1862–1918), [[Josef Hoffmann]] (1870–1956) und [[Koloman Moser]] (1868–1918), die im folgenden Jahr die Wiener Secession gründen. Sie bitten sie, ihr Sprachrohr zu werden, und das bleibt sie, bis Klimt 1905 aus der Vereinigung austritt. Sie gehört mit Bahr und [[Ludwig Hevesi]] (1843–1910) zu den Verteidigern der Wiener Secession und des Jugendstils, deren Arbeiten sie mit den revolutionärsten französischen Werken vergleicht, um die Bewegung zu legitimieren. So verteidigte sie insbesondere Klimt, als er von der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, indem sie meisterhaft seine Arbeit erklärte und ihn dabei mit Rodin verglich. Den Bildhauer lädt sie im Juni 1902 nach Wien ein, stellt ihn Klimt vor und führt ihn in ihren Salon ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 150–151&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Salon von Berta Zuckerkandl-Szeps, ursprünglich den Kollegen ihres Gatten vorenthalten, gewinnt schon Mitte der 90er Jahre an Bedeutung und wird immer mehr von Musikern und Schriftstellern der Avantgarde, dann von Künstlern der Wiener Secession besucht. Er entwickelt sich zum bedeutendsten Salon in Österreich-Ungarn, fünf Jahrzehnte lang verkehrt hier die fortschrittliche Wiener Intelligenzia, etwa [[Gustav Mahler]] (1860–1911), [[Max Burckhardt]] (1854–1912), [[Arthur Schnitzler]] (1862–1931), [[Hugo von Hofmannsthal]] (1874–1929), [[Stefan Zweig]] (1881–1942), [[Max Reinhardt]] (1873–1943), Ignaz Seipel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Seipel_Ignaz_1876_1932.xml&amp;lt;/ref&amp;gt; (1876–1932) [[Egon Friedell]] (1878–1938)), oder, unter den französischen Berühmtheiten, die sich zeitweilig in Wien aufhalten, [[Maurice Ravel]] (1875–1937), Paul Poiret&amp;lt;ref&amp;gt;https://poiret.com/fr-row/brand/paul-poiret&amp;lt;/ref&amp;gt; (1879–1944), Paul Painlevé&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=110961&amp;lt;/ref&amp;gt; (1863–1933), [[Paul Géraldy]] (1885–1983) und [[Henri-René Lenormand]] (1882v–1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Doppeltätigkeit als Salonnière und Kunstkritikerin sichert Zuckerkandl-Szeps einen privilegierten Platz im Rahmen des künstlerischen, kulturellen und politischen Austausches, den sie zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich initiiert und etwa vierzig Jahre lang weiterentwickelt hat. In den 90er Jahren hat sie sich zum Hauptziel gesetzt, die französische Kunst der Moderne nach Wien zu importieren, um die Entstehung einer modernen österreichischen Kunst zu ermöglichen und dann die Künstler der Secession bei ihrer Entwicklung zum Jugendstil zu begleiten. Damit verbindet sie auch das Ziel, das dieser Entwicklung widerstrebende Publikum von der Notwendigkeit eines solchen Prozesses zu überzeugen und schließlich die österreichische Regierung anzuregen, die Modernität zu unterstützen und aus Wien eine vorrangige Kunsthauptstadt zu machen. In den ersten zehn Jahren würdigt sie vor allem die aus dem Jugendstil, dem Impressionismus und dem Post-Impressionismus hervorgegangenen Künstler. Sie schreibt auch Rezensionen über Ausstellungen, z.B. die Salons der Akademie der schönen Künste, die Weltausstellung 1900 und die Herbstsalons. Ab 1905 erweitert sie immer mehr das Feld der behandelten Themen und widmet sich sowohl der französischen Romantik als auch den neuen Tendenzen des Fauvismus und des Kubismus. Parallel dazu stellt sie der Secession ihr Pariser Netzwerk zur Verfügung, damit französische Künstler sich an den von der Vereinigung organisierten internationalen Ausstellungen beteiligen, insbesondere Rodin, Carrière, [[Claude Monet]] (1840–1926), Albert Besnard (1849–1934), sowie Hermann Paul (1864–1940).&amp;lt;ref&amp;gt;Weirich, 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Um 1911–1912 spielt sie eine vorrangige Rolle als Vermittlerin zwischen Paul Poiret und der [[Wiener Werkstätte]], bei der Poiret viele Stoffe kauft.&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl 1970, 100–104&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihren verschiedenen Schriften versucht sie verstärkt zu zeigen, dass Frankreich in zahlreichen Bereichen besonders attraktiv ist und eine außerordentliche Antriebskraft für Österreich-Ungarn darstellen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Übersetzerin und literarische Vermittlerin==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Gebiet von Literatur und Theater setzt sich Berta Zuckerkandl ebenfalls für die gegenseitige Anerkennung der zeitgenössischen Schriftsteller in beiden Ländern ein, aber in diesem Bereich, wie übrigens auch in dem der Malerei, scheint der Transfer von Österreich nach Frankreich schwieriger gewesen zu sein als umgekehrt. Immerhin entdeckt dank ihrer Initiativen  das Wiener Publikum in den 20er und 30er Jahren manche französischen Dramatiker: mehrere heute in Vergessenheit geratene Erfolgsautoren (Denys Amiel, Léopold Marchand, Alfred Savoir), aber auch bekanntere Dramatiker wie z.B. Jean Anouilh&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-anouilh/&amp;lt;/ref&amp;gt;, von dem sie &#039;&#039;Le Voyageur sans bagages&#039;&#039; übersetzt (1937, am 21. Dezember desselben Jahres im Deutschen Volkstheater in einer Inszenierung von Heinrich Schnitzler unter dem Titel &#039;&#039;Passagier ohne Gepäck&#039;&#039; aufgeführt), Jean Giraudoux, von dem sie zusammen mit Annette Kolb&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-annette-kolb&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;La Guerre de Troie n’aura pas lieu&#039;&#039; (1935) übersetzt, unter dem Titel &#039;&#039;Es kommt nicht zum Krieg&#039;&#039; (Theater in der Josefstadt, 6. November 1936), und Sacha Guitry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/sacha-guitry/&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Debureau&#039;&#039;, 3. März 1928 am Burgtheater). In quantitativer Hinsicht interessiert sie sich überwiegend für [[Paul Géraldy]] und [[Henri-René Lenormand]]. Von Géraldy übersetzt sie fünf Werke (&#039;&#039;Aimer&#039;&#039; [&#039;&#039;Aimée&#039;&#039;], 1924; &#039;&#039;Robert et Marianne&#039;&#039;, 1928; &#039;&#039;L’homme de joie&#039;&#039; [&#039;&#039;Liebling&#039;&#039;], 1929; &#039;&#039;Amour&#039;&#039; [&#039;&#039;So ist die Liebe&#039;&#039;], 1930 und &#039;&#039;Do-mi-sol-do&#039;&#039;, 1934), ebenso wie von Lenormand (&#039;&#039;Les Ratés&#039;&#039; [&#039;&#039;Die Namenlosen&#039;&#039;], 1922; &#039;&#039;L’Homme et ses fantômes&#039;&#039; [&#039;&#039;Stimmen aus dem Dunkel&#039;&#039;], 1925; &#039;&#039;Le Lâche&#039;&#039; [&#039;&#039;Der Feigling&#039;&#039;], 1928; &#039;&#039;L’Amour magicien&#039;&#039; [&#039;&#039;Magische Liebe&#039;&#039;], 1929 und &#039;&#039;Asie&#039;&#039; [&#039;&#039;Asien&#039;&#039;], 1933). Mehrere Theaterstücke von Géraldy und Lenormand erscheinen in Zuckerkandls Übersetzung bei Zsolnay (Berlin, Wien).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die andere Richtung scheitern allerdings die Bemühungen von Géraldy und Lenormand, auf Zuckerkandls Hofmannsthal und [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]] auf die Pariser, bzw. französischen Bühnen zu bringen. Schnitzler gibt jedoch zu, dass Zuckerkandl, die er 1923 als Literaturagentin mit seinen Interessen in Frankreich betraut hat, ihm tatsächlich geholfen hat, einen Verlag, nämlich Stock, für einige seiner Prosawerke zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die politischen Verbindungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuckerkandl-Szeps interessiert sich auch für die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich, und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hört sie nie auf, zusammen mit Clemenceau nach Möglichkeiten zu suchen, eine diplomatische Verständigung zwischen beiden Ländern herbeizuführen. In der Zwischenkriegszeit sieht sie in Painlevé die Möglichkeit, diese Beziehungen wiederzubeleben, und lädt ihn nach Wien ein, damit er sich mit Bundeskanzler Ignaz Seipel und den politischen, in ihrem Salon verkehrenden Persönlichkeiten trifft. Da die künstlerische Tätigkeit stark nachgelassen und neue Wege eingeschlagen hat, an denen sie wenig Gefallen findet, wendet sich Zuckerkandl-Szeps schließlich dem politischen Journalismus zu. Liberal und pazifistisch gesinnt, und von jeder Partei unabhängig, unternimmt sie 1924 eine große Tour durch Europa, um die großen österreichischen, französischen, englischen, deutschen und russischen Politiker zu treffen, was ihr erlauben soll, ihre Leser über das internationale politische Spiel zu informieren.s&amp;lt;ref&amp;gt;Zuckerkandl-Szeps 1939, 217–226&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie beginnt auch mit der Übersetzung politischer Artikel aus der französischen Presse und schreibt Berichte über die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreißig Tage nach Hitlers Einmarsch in Wien flieht Zuckerkandl-Szeps nach Paris, wo ihr Sohn seit 1935 arbeitet. 1940 muss sie wieder fliehen, diesmal nach Algier, wo ihr Sohn Zuflucht gefunden hat. In den folgenden fünf Jahren arbeitet sie für die algerische Zeitung &#039;&#039;TAM, l’hebdomadaire de l’empire&#039;&#039; (TAM, Tunesien, Algerien, Marokko, das Wochenblatt des Reichs) und wirkt bei Radiosendungen mit. Schwer erkrankt darf sie nach Paris zurückkehren, wo sie im September 1945 ins Krankenhaus eingeliefert wird. Am 16. Oktober stirbt sie in Paris. Ihre Urne befindet sich auf dem Friedhof Père Lachaise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon im Jahre 1938 hat Zuckerkandl-Szeps angefangen, ihre Autobiografie niederzuschreiben, &#039;&#039;Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte&#039;&#039;, deren englische, französische und niederländische Fassungen fast gleichzeitig erscheinen ([[Calmann-Lévy]]: Paris 1939, Übersetzung von Maurice Rémon unter dem Titel &#039;&#039;Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938&#039;&#039;). Die persönlichen Erinnerungen gewinnen dabei manchmal die Oberhand über die Fakten.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheichl, 2012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Zeitkunst Wien 1901–1907. Wien–Leipzig: Hugo Heller &amp;amp; Cie 1908.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Ich erlebte fünfzig Jahre Weltgeschichte. Stockholm: Bermann-Fischer 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berta: Souvenirs d’un monde disparu, Autriche 1878–1938. Paris: Calmann-Lévy 1939.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl-Szeps, Berthe: Clemenceau tel que je l’ai connu. Alger: Éditions de la Revue Fontaine 1944.&lt;br /&gt;
*Zuckerkandl, Berta: Österreich Intim, Erinnerungen 1892–1942, hrsg. von Reinhardt Federmann. Frankfurt/Main–Wien: Propyläen 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Fetz, Bernhard (Hrsg.): Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl. Zentralfiguren der Wiener Moderne. Wien: Paul Zsolnay Verlag (Reihe „Profile“) 2018.&lt;br /&gt;
*Klugsberger, Theresia und Pleyer, Ruth: Flucht! Berta Zuckerkandl von Bourges nach Algier im Sommer 1940. Wien: Czernin Verlag 2013.&lt;br /&gt;
*Redl, Renate: Berta Zuckerkandl und die Wiener Gesellschaft. Ein Beitrag zur österreichischen Kunst- und Gesellschaftskritik. Dissertation: Universität Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Scheichl, Sigurd Paul: Eine Autobiographie mit zwei Funktionen. Bertha Zuckerkandls Lebensgeschichte – für Franzosen und für Emigranten. In Michaela Enderle-Ristori (Hrsg.): Traduire l’exil. Das Exil übersetzen. Tours: Presses Universitaires François-Rabelais 2012 (Reihe „Traductions dans l’Histoire“), S. 103–122.&lt;br /&gt;
*Weirich, Armelle: Berta Zuckerkandl. De Klimt à Rodin, une salonnière et critique d’art entre Vienne et Paris. Rennes: PUR 2023.&lt;br /&gt;
*Zieger, Karl: Berta Zuckerkandl, Akteurin des „Imports“ französischen Theaters auf Wiener Bühnen. In Julia Danielczyk et al. (Hrsg.): Zurück in die Zukunft – digitale Medien, historische Buchforschung und andere komparatistische Abenteur. Festschrift für Norbert Bachleitner. Wiesbaden: Harrassowitz 2016, S. 145–156.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armelle Weirich, unter Mitarbeit von Karl Zieger für den literarischen Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/04/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Berta_Zuckerkandl-Szeps}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zuckerkandl-Szeps, Berta}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Stefan Zweig</title>
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		<updated>2026-06-01T12:55:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Zweig1.png||thumb|Stefan Zweig (1881-1942)]]&lt;br /&gt;
Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942) unterhielt zahlreiche freundschaftliche, intellektuelle und berufliche Verbindungen mit Frankreich. Dank seines internationalen beruflichen Netzwerks und seiner Übersetzungstätigkeit hat sich dieser Wiener Autor jüdischer Herkunft sein Leben lang für den Kulturaustausch zwischen Frankreich und den deutschsprachigen Ländern eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Schon in der frühen Kindheit reist Stefan Zweig regelmäßig nach Paris, was sich durch seine Familienbande mit der französischen Hauptstadt ergibt, wo eine seiner Tanten namens Brettauer wohnhaft ist. Ab 1902 weilt er mehrmals dort, aber erst 1904, nach der Verteidigung seiner Doktorarbeit über Hippolyte Taine&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/hippolyte-taine&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Die Philosophie des Hippolyte Taine&#039;&#039;, 1904) lässt sich Stefan Zweig sechs Monate in Paris nieder, wo er an der Seite von Alphonse Lemerre&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb13517329w&amp;lt;/ref&amp;gt; (1838–1912), [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Verlaines]] französischem Verleger, seine ersten Schritte als Übersetzer macht. Zweig entwickelt so sein erstes literarisches Netz unter den Kreisen von Schriftstellern und Künstlern dieser Epoche und knüpft tiefe Freundschaften. In diesem Rahmen begegnet er insbesondere dem Übersetzer und Schriftsteller Léon Bazalgette&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb12119287f&amp;lt;/ref&amp;gt; (1873–1938), sowie Mitgliedern des Künstlerkreises „L’Abbaye de Créteil“&amp;lt;ref&amp;gt;https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_de_Cr%C3%A9teil&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem u.a. Jules Romains&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/jules-romains&amp;lt;/ref&amp;gt; (1885–1972), Pierre-Jean Jouve&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article114580&amp;lt;/ref&amp;gt; (1887–1938), René Arcos&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb121360491&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881–1959) oder Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; (1884–1966) angehören, aber auch der Maler Albert Gleizes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/albert-gleizes/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881–1953) oder der Komponist Albert Doyen&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb14844093q&amp;lt;/ref&amp;gt; (1882–1935). Der Kontakt mit diesen Künstlern lässt bei dem österreichischen Schriftsteller die Überzeugung heranwachsen, dass ein Netzwerk eine wesentliche Bereicherung der künstlerischen Tätigkeit bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1917, während seines Aufenthalts in der Schweiz, sieht Zweig manche französischen Freunde wieder. So zum Beispiel Pierre-Jean Jouve, den der österreichische Schriftsteller während des Ersten Weltkriegs in Genf trifft und mit dem auch ein beruflicher Kontakt entsteht. Zusammen mit dem belgischen Graveur und Maler Frans Masereel&amp;lt;ref&amp;gt;http://masereel.org/fr/biographie-2/&amp;lt;/ref&amp;gt; (1889–1972), einem anderen guten Freund Zweigs, kommt es zu einer gegenseitigen Kooperation. Die drei Freunde engagieren sich auch beim internationalen Roten Kreuz an der Seite des französischen Schriftstellers [[Romain Rolland]] (1866–1944), zu dieser Zeit Angelpunkt des Pazifismus in der Schweiz. Romain Rolland wird für Zweig zum wahren Lehrmeister, zumindest bis in die frühen dreißiger Jahre, als Rolland, ein Weggefährte des Kommunismus, sich weiterhin öffentlich zum stalinistischen Regime bekennt, was zu Spannungen mit Zweig führt. Bevor es zur ideologischen Entfernung zwischen den beiden Freunden kam, war Zweig darum bemüht, durch die Übersetzung von Werken seines Freunds aus Villeneuve die Ausstrahlung seiner Literatur zu fördern. Unter dem Titel &#039;&#039;Romain Rolland. Der Mann und das Werk&#039;&#039; (1921, französische Übersetzung von Odette Richez, 1929) widmet er ihm sogar eine Biographie, die sowohl sein literarisches Wirken als auch sein pazifistisches Engagement würdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Romain Rolland setzt Stefan Zweig sein pazifistisches Engagement nach dem Krieg weiter.  Letzteres konkretisiert sich nicht wie bei manchen französischen Freunden durch militante politische Aktion im Rahmen von Organisationen, sondern durch das Übersetzen von Literatur, das sich der Kulturvermittlung im europäischen Raum widmet. So entsteht in Zusammenarbeit mit dem Insel Verlag (Leipzig) das Projekt „&#039;&#039;Bibliotheca Mundi&#039;&#039;“, eine Reihe, die sich zum Ziel setzt, unter den Klassikern der europäischen Literatur ausgewählte Autoren zu veröffentlichen, unter ihnen [[Charles Baudelaire|Baudelaire]] für Frankreich. Die Absicht, die französische Literatur dem deutschsprachigen Publikum zu erschließen, ist eine Konstante bei Zweig, hatte er doch seit 1900 in der Literaturzeitschrift &#039;&#039;Die Gesellschaft&#039;&#039; Gedichte von Baudelaire und &#039;&#039;Sensations&#039;&#039; von [[Arthur Rimbaud|Rimbaud]] veröffentlicht. Zweig übersetzt auch mehrmals Gedichte von [[Paul Verlaine und der Symbolismus (Rezeption in Österreich)|Paul Verlaine]], widmet ihm Essays, eine Anthologie, sowie eine Biographie. Zwischen 1913 und 1922 arbeitet er an der Veröffentlichung von Verlaines gesammelten Werken. 1908 verfasst Zweig einen Text über Balzac, der zunächst als Einleitung zur 15 Bände umfassenden Werkausgabe der &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; bei Insel dient, bevor er neben den Dickens und Dostojewski gewidmeten Essays im Sammelband &#039;&#039;Drei Dichter&#039;&#039; (&#039;&#039;Trois maîtres&#039;&#039;) erscheint. Er hoffte, dem französischen Schriftsteller eine umfassende Biographie zu widmen, nachdem er 1939 in Bath einen Entwurf verfasst hatte. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte Zweigs Ausreise in die Vereinigten Staaten ohne sein Manuskript dieses Projekt zunichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig setzt sich auch für deutschsprachige Autoren ein, die in Frankreich veröffentlicht werden wollen. Dank seines internationalen Netzwerks wird er zum Vermittler zwischen französischen Verlagshäusern und österreichischen Schriftstellern. Als Beispiel sei [[Joseph Roth]] (1894–1939) angeführt, der seinen Freund und Protektor immer wieder darum bittet, bei französischen Verlagen Vorschusszahlungen oder bessere Verträge auszuhandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Engagement für die deutsch-französische Kulturvermittlung zeigt sich auch in seiner eigenen literarischen Arbeit. Seit seiner Dissertation, bis zu seinem letzten unvollendeten, posthum (1942) fragmentarisch erschienenen, Montaigne gewidmeten Werk, säumen bedeutsame französische Künstler und Dichter Zweigs großartige literarische Laufbahn wie Meilensteine. Dadurch hat er zu deren Würdigung und Ruhm genauso stark beigetragen wie sie ihn in literarischer und philosophischer Hinsicht inspiriert und beeinflusst haben. Einen Tag vor seinem Selbstmord beginnt er im brasilianischen Exil einen Text über Montaigne. Ausgehend von seiner Lektüre der &#039;&#039;Essais&#039;&#039; (1533–1592), entwirft der österreichische Schriftsteller eine Biographie nach dem Modell der während der Exiljahre anderen Intellektuellen gewidmeten Werke (&#039;&#039;Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam&#039;&#039;, 1934, und &#039;&#039;Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt&#039;&#039;, 1936). Es geht nicht – wie bei Romain Rolland oder Verlaine – darum, Leben und Werk von Montaigne darzustellen, sondern – im Falle Montaignes – einen Aspekt seiner Philosophie hervorzuheben: Wie kann man bei einem Identifikationsprozess des Biographen mit der von ihm dargestellten Persönlichkeit seine innere Freiheit und sein Gewissen bewahren? Montaigne kommt somit exemplarische Bedeutung zu, genauso wie Erasmus und Castellio für Zweig den Kosmopolitismus und Humanismus verkörperten, und Rolland den Pazifismus und den Geist Europas darstellte. Alles Figuren, an die Zweig sich in einer Zeit großer Isolierung zu klammern versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweig hat auch einige Aspekte der Geschichte Frankreichs untersucht, die seiner Ansicht nach epochale Meilensteine der Weltgeschichte darstellen, und die er in &#039;&#039;Sternstunden der Menschheit&#039;&#039; (1927, französische Übersetzung: &#039;&#039;Les Très Riches Heures de l’Humanité&#039;&#039;, 1929) romanesk behandelt. Unter den Augenblicken, die er als dezidierte Wende im Lauf der globalen Geschichte betrachtet, wählt der Autor die „Marseillaise“ und nimmt sich vor zu erzählen, wie die französische Nationalhymne geschrieben wurde („Das Genie einer Nacht“, « Le Génie d’une nuit : La Marseillaise, 25 avril 1792 »), und wie die Niederlage der napoleonischen Truppen in Waterloo verlief („Die Weltminute in Waterloo“, « La Minute mondiale de Waterloo : Napoléon, 18 juin 1815 »). Zweigs Konzeption der französischen Geschichte konzentriert sich somit wesentlich auf die Zeit der französischen Revolution und des 1. Kaiserreichs (Premier Empire), wie dies aus den Joseph Fouché&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.larousse.fr/encyclopedie/personnage/Joseph_Fouch%C3%A9/120009&amp;lt;/ref&amp;gt; (&#039;&#039;Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen&#039;&#039;, 1929) und Marie-Antoinette (&#039;&#039;Marie-Antoinette: Bildnis eines mittleren Charakters&#039;&#039;, 1932) gewidmeten Biographien hervorgeht. Dies trifft auch auf die meisten literarischen Persönlichkeiten zu, denen er biographische Essays widmet, sei es Balzac, Stendhal oder die Dichterin Marceline Desbordes-Valmore&amp;lt;ref&amp;gt;https://cths.fr/an/savant.php?id=449&amp;lt;/ref&amp;gt; (1786–1859).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über bestimmte Episoden und Figuren der französischen Geschichte schreiben erlaubte es, so Zweigs Ansicht, dem Diskurs der Nazipropaganda, die übrigens die „Ideen von 1789“ verwarf, die in Hitlers Augen für die Übel der Moderne und den Untergang der deutschen Nation verantwortlich seien, eine andere Konzeption entgegenzustellen. Frankreich und seine republikanische politische Tradition verkörpern so in Zweigs Schriften ein „Anti-Deutschland“. Als erstes Land, das deutschsprachige Exilanten zwischen 1933–1939 aufnimmt, wird Frankreich zu einer „geistigen Heimat“ (« patrie morale ») für zahlreiche deutsche Denker, die in der Philosophie der Aufklärung und in deren Erbe ein Denkmuster suchen, auf das sich eine ideelle Opposition gegenüber dem Naziregime stützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frankreich repräsentierte für Zweig, dessen Exilländer Großbritannien, die Vereinigten Staaten und schließlich Brasilien (1924–1942) waren, vor allem eine „Literaturheimat“ (« patrie littéraire »). Jedenfalls richtet er sich mehrmals im Lauf des Jahres 1940 an sein französisches Publikum, mit Vorträgen, Presseerklärungen und einer für Radio Paris aufgenommenen Ansprache. Es geht ihm einerseits darum, seine pazifistischen und europäischen Werte zu vermitteln, andererseits aber auch darum, all diejenigen zu unterstützen, „die nicht sprechen können“ wegen der Unterdrückung durch das Hitlerregime (« Pour ceux qui ne peuvent pas parler », Erstveröffentlichung unter dem Titel „Das große Schweigen“ in &#039;&#039;Das Neue Tage-Buch&#039;&#039;, Paris, 4. Mai 1940, Aufnahme am 24. April 1940 in den Studios von Radio Paris). Darin macht er eine Bestandsaufnahme der in Europa von Millionen Menschen erlittenen Schrecken und mahnt zugleich Frankreich, das gegen Nazideutschland Krieg führt, wachsam zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der interkulturelle Austausch repräsentierte für Stefan Zweig die beste Möglichkeit, dem Nationalismus entgegenzutreten, der seiner Meinung nach für die beiden Weltkriege verantwortlich war. Mit seinem Wunsch, dank Kultur und Kunst die Völker miteinander zu verbinden, trug der österreichische Schriftsteller, Biograph und Übersetzer unablässig dazu bei, in einer pazifistischen und europäischen Perspektive den kulturellen Dialog zwischen Frankreich und dem deutschsprachigen Raum zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibiliografie==&lt;br /&gt;
===Texte von Stefan Zweig===&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Paul Verlaine. In: Das Magazin für Literatur 1902.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Gedichte von Paul Verlaine. Eine Anthologie der besten Übertragungen. Berlin, Leipzig: Schuster &amp;amp; Loeffler 1902.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Verlaine. Berlin, Leipzig: Schuster &amp;amp; Loeffler 1905.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Balzac“. In : La Comédie humaine. 15 Bänden. Leipzig: Insel 1908.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Drei Meister: Balzac–Dickens–Dostojewski. Band 1. Leipzig: Insel 1920.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marceline Desbordes-Valmore. Das Lebensbild einer Dichterin. Leipzig: Insel 1920.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Der Mann und das Werk. Frankfurt am Main: Rütten und Leoning 1921.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Paul Verlaines Lebensbild“. In: Paul Verlaines Gesammelte Werke in zwei Bänden. Leipzig: Insel 1922.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Drei Dichter ihres Lebens. Casanova–Stendhal–Tolstoi. Band 3. Leipzig: Insel 1928.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen. Leipzig: Insel 1929.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marie-Antoinette: Bildnis eines mittleren Charakters. Leipzig: Insel 1932.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Das große Schweigen“. In : „Erst wenn die Nacht fällt“. Politische Essays und Rede. 1932-1942. Unbekannte Texte. Band 1. Krems an der Donau: Roesner 2016, S. 103–111.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Montaigne. In: Europäisches Erbe. Frankfurt am Main: Fischer 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ins Französische übersetzte Texte von Stefan Zweig===&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Romain Rolland. Sa vie. Son œuvre, übers. von Odette Richez. Paris: Éditions Pittoresques 1929.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Trois poètes de leur vie: Stendhal, Casanova, Tolstoï, übers. von Henri Bloch undAlzir Hella. Volume 3. Paris: Le Libre de Poche 2011 (Stock 1937).&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Trois Maîtres: Balzac, Dickens, Dostoïevski, übers. von Henri Bloch et Alzir Hella. Volume 3. Paris: Le Libre de Poche 2011 (Grasset 1949).&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Paul Verlaine, übers. von Corinne Gepner. Paris: Le Castor Astral 2015.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Montaigne, übers. von Corinne Gepner. Paris: Le Livre de Poche 2019.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marceline Desbordes-Valmore, übers. von Alzir Hella. Paris: Le Livre de Poche 2020.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: „Pour ceux qui ne peuvent pas parler“. In: L’esprit européen en exil: essais, discours, entretiens (1933–1942), übers. von Jacques Le Rider. Paris: Bartillat 2020, S. 337–343.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Joseph Fouché. Portrait d’un homme politique, übers. von Jean-Jacques Pollet. Paris: Les Belles Lettres 2021.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan: Marie-Antoinette. Portrait d’une personne ordinaire, übers. von Jean-Jacques Pollet. Paris: Les Belles Lettres 2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Briefwechsel von Stefan Zweig===&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain et Zweig, Stefan: Correspondance: 1910–1919, übers. von Jean-Yves Brancy und Siegrun Barat. Paris: Albin Michel 2014.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain et Zweig, Stefan: Correspondance: 1920–1927, übers. von Jean-Yves Brancy und Siegrun Barat. Paris: Albin Michel 2015.&lt;br /&gt;
*Rolland, Romain et Zweig, Stefan: Correspondance : 1928–1940, übers. von Jean-Yves Brancy et Siegrun Barat. Paris: Albin Michel 2016. &lt;br /&gt;
*Roth, Joseph und Zweig, Stefan: „Jede Freundschaft mit mir ist verderblich“: Joseph Roth und Stefan Zweig. Briefwechsel 1927–1938. Zürich: Diogenes 2011. &lt;br /&gt;
*Roth, Joseph et Zweig, Stefan: Correspondance, 1927–1938, übers. von Pierre Deshusses. Paris: Payot &amp;amp; Rivages 2013.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Battiston, Régine und Renoldner, Klemens (Hrsg.): „Ich liebte Frankreich wie eine zweite Heimat.“ Neue Studien zu Stefan Zweig. Würzburg : Königshausen &amp;amp; Neumann 2011.&lt;br /&gt;
*Lajarrige, Jacques: „Verlaine, l’anti-démon ?“ In: Austriaca 91 (2020). Onlinestellung am 01. September 2022. Abgerufen am 24. Oktober 2024.&lt;br /&gt;
*Lecorchey, Virginie: „Montaigne“ In: Austriaca 91 (2020). Onlinestellung am 01. September 2022. Abgerufen am 24. Oktober 2024. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Marion Garot Puyau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 22/04/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Stefan_Zweig}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Zweig, Stefan}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Adolf Loos</title>
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		<updated>2026-06-01T12:55:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Loos.jpg||thumb|Adolf Loos (um 1920)]] Adolf Loos (* 10. Dezember 1870 in Brünn, † 23. August 1933 in Kalksburg bei Wien, heute Teil von Wien) ist vor allem als Wiener bzw. Prager Architekt bekannt, dabei vergisst die Historiographie die mit Frankreich geknüpften Verbindungen, insbesondere mit Paris, wo er sich zwischen 1923 und 1931 aufgehalten hat. Diese Pariser Periode, die laut dem Historiker Panayotis Tournikiotis&amp;lt;ref&amp;gt;Tournikiotis 2002, 293&amp;lt;/ref&amp;gt; „den wahren Traum seines Lebens“ darstellt, hat lange seine Laufbahn geprägt, sowie die der Menschen, mit denen er dort in Kontakt stand. Sie repräsentiert die Zeit, in der seine Theorien über die Architektur im Dialog mit den damals in der französischen Hauptstadt innovativ schaffenden Künstlerkreisen internationale Bedeutung gewannen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Der 1870 in Brno (Brünn), einer tschechischen Stadt des österreich-ungarischen Reichs, geborene Adolf Loos ist als Architekt und Theoretiker berühmt: auch wenn der bedeutendste Teil seines Werks in den Wiener Jahren zwischen 1899 und 1923 entstanden ist, schreibt er bis zu seinem Lebensende zahlreiche Essays. Nach dem Zusammenbruch des österreichisch-ungarischen Reichs verlässt er Wien und hält sich in Frankreich und in Prag auf, wo er 1928 die Villa Müller erbaut, die damals in Bezug auf Raumplanung und Wohnkultur als vollendeter Ausdruck seines Denkens betrachtet wurde. &lt;br /&gt;
Seine gerne polemischen, weit verbreiteten Schriften haben das Denken in der Welt der Architektur des 20. Jahrhunderts stark geprägt: bald wird er als einer der Gründer der modernen Architektur, bald als der erste postmoderne Architekt betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:17 Adolf Loos, Wohnhaus Tristan Tzara, 15, Avenue Junot, Paris, 1925-26.JPG|thumb|left|Adolf Loos, Villa Tzara, 1925-1926]]Dass Loos sich 1923 in Paris niederlässt, entspricht einer gewissen Kontinuität im Werdegang dieses überzeugten Europäers, der Reisen als Anregung zu Neuentdeckungen und als Inspirationsquelle betrachtet – das erinnert an die im 18. Jahrhundert initiierte „Grand Tour“ der Künstlereliten. Anlässlich kurzer Reisen im ersten Jahrzehnt der 1900er Jahre hatte sich Loos schon in Südfrankreich und in den französischen Kolonien Nordafrikas aufgehalten: in seinen ersten Schriften kommt Frankreich exemplarische Bedeutung zu, ebenso wie England und den Vereinigten Staaten, im Gegensatz zu Österreich und dessen Hauptstadt, die er für altmodisch und provinziell hält. Entscheidend für den Entschluss, Wien im Alter von schon fünfzig Jahren zu verlassen, sind jedoch vielmehr seine Begegnungen mit französischen Kollegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1912 macht er die Bekanntschaft des französischen Germanisten [[Marcel Ray]], der so wie er selbst an der von Eugenie Schwarzwald&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Eugenie_Schwarzwald&amp;lt;/ref&amp;gt;, einer engen Freundin Adolf Loos‘, geleiteten Mädchenschule unterrichtet. Loos unterrichtet dort Kunstgeschichte und benutzt die Räume der Schule für seinen eigenen Architekturunterricht, während Ray seinerseits Kurse für französische Literatur erteilt. Fast unmittelbar nach ihrer ersten Begegnung beschließt Ray, Adolf Loos für &#039;&#039;Les Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; zu übersetzen, eine den zeitgenössischen Denkern gewidmete, deutlich international orientierte französische Zeitschrift: „Er ist der ‚modernste‘ Architekt in Europa. Er hat eine Menge interessante Ideen und Theorien (…)“, schreibt er seinem Freund Georges Besson&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article16607&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem Chefredakteur der Zeitschrift. Die zwei ersten von Ray übersetzten Texte sind praktisch unveröffentlicht: 1912 „Stil und moderne Architektur“, 1910 nur zum Teil in der Berliner Zeitschrift &#039;&#039;Der Sturm&#039;&#039; veröffentlicht, aber vor allem 1913 „Ornament und Verbrechen“, bislang nur in der Form von in Wien, Prag, Berlin und München gehaltenen Vorträgen vorliegend. Diese beiden Texte sind heute immer noch Loos‘ berühmteste Schriften. „Ornament und Verbrechen“ gehört zu den großen „Klassikern“ der modernen Architektur, denn die Veröffentlichung hat zahlreiche Polemiken über die Architektur ausgelöst, die weit über den französischen Rahmen hinausgingen. Die Veröffentlichungen dieses Essays von Adolf Loos in französischen Architekturzeitschriften belegen seine Bedeutung: L’Esprit nouveau, die von [[Le Corbusier]] geleitete Zeitschrift, nimmt 1920 diesen Artikel wieder auf, sowie 1926 &#039;&#039;L’Architecture vivante&#039;&#039;, dann 1930 &#039;&#039;[[L&#039;Architecture d&#039;aujourd&#039;hui]]&#039;&#039;. 1931 interessieren Loos’ Texte auch die Germanistin [[Germaine Goblot]], die sie übersetzt und ein Porträt des Architekten für die Zeitschrift &#039;&#039;Allemagne d’aujourd’hui&#039;&#039; verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Publikationen und die in Wien geknüpften Verbindungen besitzt Loos ein gutes Netzwerk in Frankreich, so dass logischerweise das Projekt in ihm heranreift, sich in Frankreich niederzulassen, umso mehr als er zutiefst unter dem Mangel an offizieller Anerkennung leidet, und dies in einer Schaffensphase, in der seine beruflichen Beziehungen sich immer mehr verschlechtern. Diese Spannungen sind nichts Neues und reichen in die Zeit seiner Heimkehr aus den Vereinigten Staaten im Jahre 1897 zurück. Obwohl Loos in der österreichischen Hauptstadt viel erbaut hat (beinahe 70 Aufträge zwischen 1897 und 1918), wurden die von ihm realisierten Werke in der Öffentlichkeit oft negativ bewertet, so etwa 1910 die Fassade des gegenüber der Hofburg gelegenen Wohnhauses mit dem Geschäft Goldmann &amp;amp; Salatsch im Erdgeschoss, oder das abgestufte Flachdach der als Terrassenhaus konzipierten Villa Scheu. Und das Wichtigste: obwohl Loos zwischen 1918 und 1922 als Chefarchitekt für die Wiener Sozialwohnungen fungiert, gelingt es ihm nicht, eine Bewilligung zu erhalten für das Modell der Gartensiedlungen, das er entwickeln möchte, denn die Behörden entscheiden sich für den Bau von Wohnensembles gemäß dem Prinzip der dichten Besiedlung: da fasst der Architekt die Entscheidung zu kündigen und das Land zu verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:18 Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 146, Avenue des Champs-Élysées, Paris, 1927-28 © Wien Museum.jpg|thumb||Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 1927-1928]]Sowohl die Freundschaftsbande mit Ray als auch das Interesse, das ihm die Gruppe um die &#039;&#039;Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; entgegenbringt, machen ihm den Anfang in Paris relativ leicht, und er wird sogar schon bei seiner Ankunft eingeladen, sich an der Ausstellung des „Salon d’automne“ zu beteiligen. Er wird offiziell von Francis Jourdain&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article88131&amp;lt;/ref&amp;gt; unterstützt, dem Sohn des Initiators des „Salon d’automne“, der ihn 1924 zum Sekretär ernennen lässt, und 1926 bekommt er wieder die Möglichkeit, sein Werk dort auszustellen, insbesondere das Modell eines Projekts für Josephine Baker&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article169473&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese französischen Ausstellungen, die ersten seiner Laufbahn, repräsentieren mächtige Verbreitungsmedien für das Denken von Adolf Loos. Die Rezeption ist geteilt und erinnert an die Polemiken, die schon die Veröffentlichung von Ornament und Verbrechen begleitet hatten: die einen kritisieren sein „Germanentum“ und seine internationalistische Dimension, die anderen loben seine Modernität und die Bereicherung für die junge französische Architektengeneration, z.B. Jourdain, Robert Mallet-Stevens&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.mallet-stevens.paris/bio/&amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch [[Gabriel Guévrékian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den Ausstellungen wird Loos auch aufgefordert, Vorträge zu halten, was seinen Status als Theoretiker bestätigt: so wird er 1926 von der Gesellschaft für die Fremdsprachenförderung in Frankreich (SPLEF, &#039;&#039;Société pour la propagation des langues étrangères en France&#039;&#039;) in die Sorbonne eingeladen. Dort greift er eine Konferenz wieder auf, die er schon mehrere Male im alten Kaiserreich gehalten hatte, „Der Mensch mit den modernen Nerven“: mit dieser Apologie der amerikanischen Modernität erntet er einen großen Erfolg innerhalb der Gemeinschaft der ausländischen Künstler und Intellektuellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Ausstellungen, Vorträge und Publikationen Loos‘ Aufenthalt in Frankreich wie Meilensteine markieren und eine Tribüne zur Verbreitung seiner Theorien darstellen, bleiben die Aufträge spärlich. Loos erbaut in den Jahren 1926-1927 das Haus des Dichters [[Tristan Tzara]] und der Malerin Greta Knutson, Nr. 15 der avenue Junot im 18. Pariser Arrondissement&amp;lt;ref&amp;gt;https://pop.culture.gouv.fr/notice/memoire/AP56K001720&amp;lt;/ref&amp;gt;, und 1928 gestaltet er für das Ehepaar Hugo und [[Lilly Steiner]], schon in Wien seine Auftraggeber, das Haus für Herrenmode Knize auf den Champs-Elysées. Während das Modehaus auf zahlreichen von großen Fotografen realisierten Covers abgebildet wird, etwa Man Ray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.centrepompidou.fr/fr/ressources/archive/yTdldhc&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Thérèse Bonnet&amp;lt;ref&amp;gt;https://bibliotheques-specialisees.paris.fr/collections-numerisees/recemment-numerise/therese-bonney-photographe-de-la-modernite&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;https://pop.culture.gouv.fr/notice/memoire/APBNN001909&amp;lt;/ref&amp;gt;, scheint die Villa die öffentliche Meinung zu spalten: Greta Knutson klagt über den Mangel an Komfort in ihrem Haus, und manche Freunde des Ehepaars bedauern, dass es so streng und düster wirkt. Die anderen Projekte, die uns von Ausstellungsmodellen oder Zeichnungen bekannt sind, gehen nicht über den Rahmen der Papierarchitektur hinaus: so das Haus von Josephine Baker, wobei man nicht weiß, ob diesem ein Auftrag zugrunde gelegen hat. Die geringe Zahl an Aufträgen erlaubt es Loos nicht, dauerhaft in Paris Fuß zu fassen, sodass er weiterhin in Wien und Prag als Architekt arbeiten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines nur von kurzen Besuchen in Österreich und der Tschechoslowakei unterbrochenen Aufenthalts in Paris verkehrt Loos mit den osteuropäischen Künstlerkolonien und knüpft an die Gewohnheiten des Wiener gesellschaftlichen Lebens wieder an, indem er viel Zeit in den Cafés verbringt, zum Beispiel in Montparnasse (Dôme, Coupole, Bal Bullier), wo er die Kontakte mit seinen früheren Freunden, Beschützern und Anhängern wiederaufnimmt. Zu ihnen zählen [[Gabriel Guévrékian]], [[Jean Welz]], Zlatko Neumann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.voglhofer.at/_rtf-voglhofer/CMS_fg49ba0c892c97c_orig_1016.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;https://pop.culture.gouv.fr/notice/memoire/AP72L002514&amp;lt;/ref&amp;gt;, Robert Mallet-Stevens oder auch [[Otto Bauer]], fünf Architekten, von denen der eine oder der andere in Wien gelebt hat, bevor er in Paris zu schaffen begann: ihre Arbeiten zeugen von Loos‘ Einfluss, insbesondere wenn es darum geht, den sogenannten &#039;&#039;Raumplan&#039;&#039; in ihrem Werk umzusetzen. Andere Architekten wie [[Le Corbusier]] und Francis Jourdain entdecken das Werk von Adolf Loos durch seine in Frankreich übersetzten Schriften und integrieren sein Denken in ihre Werke: so zum Beispiel Jourdains Sessel in Form eines Kommas (Fauteuil „Virgule“), eine Variation des „Knieschwimmers“, eines von Loos‘ Lieblingssesseln, den man in fast allen seinen Innenräumen sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet dieser Anerkennung und der Internationalisierung seines Denkens während der Pariser Periode kann Loos in Paris, materiell gesehen, kaum überleben, obwohl er auf die Unterstützung seiner tschechoslowakischen Kontakte aus Brno und Prag zählen kann. 1924-1925 arbeitet er in Frankreich als Handelsvertreter für die in Brno ansässige Möbelfirma UP Zavody (uměleckoprůmyslové závody, kunstgewerbliche Ateliers) und als Herausgeber der zweisprachigen (tschechisch-deutsch) Zeitschrift Bytová Kultura (Wohnkultur), die Texte von – vor allem französischen – Autoren wie Le Corbusier, Marie Dormoy&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/16678264-26d1-44e8-ab66-9681ed50c97c&amp;lt;/ref&amp;gt; oder [[André Lurçat]] veröffentlicht. In diesem Sinne bedeutet Frankreich für Loos einen Einschnitt zwischen seiner ausschließlich in Wien verlaufenden Karriere vor dem Krieg und seinen letzten tschechoslowakischen Arbeiten am Anfang der 30er Jahre: er erreicht damit internationale Berühmtheit und wird für die junge Generation französischer – und tschechoslowakischer – Architekten zum unumgänglichen Theoretiker der Architektur der Moderne. So formuliert es schon 1913 Le Corbusier in einem Brief an Auguste Perret&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academiedesbeauxarts.fr/auguste-perret&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Ich werde mich von nun an oft hinter Loos verstecken, wenn ich einen Boten mit der Überbringung meines Evangeliums beauftrage.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Goblot, Germaine : « Adolf Loos ». In : Revue d’Allemagne, n° 49, 15 novembre 1931, p. 991–999.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « L’architecture et le style moderne ». In : Les Cahiers d’aujourd’hui, n° 2, décembre 1912, p. 82–92. &lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Ornement et crime ». In : Les Cahiers d’aujourd’hui, n° 5, juin 1913, p. 247–256. &lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Ornement et crime ». In : L’Esprit nouveau, n° 2, novembre 1920, p. 159–168.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Histoire d’un pauvre homme riche ». In : Les Cahiers d’aujourd’hui, n° 8, janvier 1922, p. 62–66.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « L’Inhumaine : Histoire féerique ». In : Neue Freie Presse, 29 juillet 1924, p. 9.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Ornement et crime ». In : L’Architecture vivante, printemps-été 1926.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Règles pour celui qui construit dans la montagne » et « Céramique ». In : Revue d’Allemagne, 15 novembre 1931, p. 1000–1009.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Brunhammer, Yvonne : « Les années parisiennes d’Adolf Loos, 1922–1928 ». In : Vienne 1880–1938 : L’apocalypse joyeuse, sous la direction de Jean Clair. Paris : Centre Georges Pompidou 1986, p. 586–593.&lt;br /&gt;
*Meder, Iris : « Lilly Steiner und der Loos-Kreis in Paris ». In : Moderne auf der Flucht: Österreichische Künstler (und Künstlerinnen) in Frankreich 1938–1945, sous la direction d’Andrea Winklbauer. Vienne : Turia &amp;amp; Kant 2008, p. 113–127.&lt;br /&gt;
*Ottillinger, Eva : « Loos, Paris und die Jungen ». In : Wien-Paris: Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne, 1880–1960, sous la direction d’Agnes Husslein-Arco. Vienne : Christian Brandstätter 2007, p. 319–327.&lt;br /&gt;
*Poulot, Cécile : « La migration artistique d’Adolf Loos à Paris : la recherche d’une nouvelle reconnaissance dans un foyer artistique cosmopolite ». In : Artistic Migration and Identity in Paris, 1870-1940, sous la direction de Federico Lazzaro et Steven Huebner. New York : Peter Lang 2020, p. 61–77.&lt;br /&gt;
*Poulot, Cécile : Adolf Loos, un architecte au carrefour de l’Europe. Paris : Hermann, 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Cécile Poulot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 14/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Adolf_Loos}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Loos, Adolf}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Französisches Kulturinstitut Innsbruck (Institut Français d’Innsbruck)</title>
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		<updated>2026-06-01T12:55:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Ins-bild institut-franais 900x906.jpg||thumb|Das Institut Français d’Innsbruck in der Karl-Kapferer-Straße.]]Am Montag, den 8. Juli 1946, eröffnet Frankreich in der Karl-Kapfererstrasse in Innsbruck ein Institut français,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Bulletin d’information et de documentation&#039;&#039; [&#039;&#039;BID&#039;&#039;], Nr. 14 – August–September 1946, S. 47ff.)&amp;lt;/ref&amp;gt; zwei Jahre vor der Wiedereröffnung des 1928 gegründeten und während des Kriegs geschlossenen Wiener Instituts. Der Botschafter Louis de Monticault als politischer Repräsentant der Französischen Republik in Österreich und [[Marie Émile Antoine Béthouart|General Béthouart]] als Kommandant der in Tirol und Vorarlberg stationierten französischen Truppen eröffnen feierlich das für Tirol und Vorarlberg zuständige Institut, wobei auch Vertreter der lokalen Behörden zugegen sind, wie etwa der Präfekt Pierre Voizard als Chef der französischen Zivilverwaltung und Leiter der französischen Kontrollmission in Österreich,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; vom 3.9.1953&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie [[Eugène Susini]], der die beiden Leiter des Instituts vorstellt, [[Maurice Besset]] und Marcel Decombis&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/1069405159&amp;lt;/ref&amp;gt;, letzterer bis 1948. Dabei wird insbesondere auf die Organisation einer Ausstellung hingewiesen, die „namentlich“ Werken von Henri Matisse&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118578847&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pierre Bonnard&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118513281&amp;lt;/ref&amp;gt;, Raoul Dufy&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118681125&amp;lt;/ref&amp;gt;, Suzanne Valadon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/suzanne-valadon/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Maurice Denis&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118671464&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;BID&#039;&#039; Nr. 14, s.o.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zielsetzungen des Instituts unter Maurice Besset==&lt;br /&gt;
[[File:Ausstellungsraum 1800x1080.jpg|left|thumb|Der Ausstellungsraum des Institut Français d’Innsbruck.]]Dieser offizielle Einweihungsakt in Anwesenheit aller Tiroler Behörden zeugt von der Bedeutung des Instituts für die Besatzungsmacht. Das Institut français hat die zweifache Aufgabe, einerseits den Kontakt mit der Universität von Innsbruck herzustellen, indem es deren Wiedereröffnung fördert, andererseits ein „kulturelles“ Projekt zu entwickeln, das sich an ein junges Publikum und an Künstler als vorrangige Zielgruppe richtet. Der Schwerpunkt liegt zuerst auf künstlerischen Aktivitäten, die ein positives Bild von Frankreich entstehen lassen sollen. Laut der bei jedem offiziellen Treffen von General Béthouart verwendeten Formulierung ist Österreich ein „befreundetes Land“ und als solches der ideale Partner, um dieses Ziel zu erreichen. Maurice Besset, der ab 1948 das Institut leitet, setzt diese Politik in die Praxis um. Nach seiner Ernennung zum Leiter des Institut français organisiert er jedes Jahr vier Ausstellungen und lässt berühmte Schriftsteller nach Innsbruck kommen, z.B. Raymond Queneau&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118597302&amp;lt;/ref&amp;gt;, Pierre Emmanuel&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118530143&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie auch Jean Cocteau&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118521349&amp;lt;/ref&amp;gt;, der am 2. Mai 1952 ein Gespräch mit Journalisten führt, sowie bekannte Intellektuelle wie Gabriel Marcel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.spektrum.de/lexikon/philosophen/marcel-gabriel/217&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Raymond Aron&amp;lt;ref&amp;gt;https://agso.uni-graz.at/archive/lexikon/klassiker/aron/03bio.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, bzw. Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kunst, etwa Tristan Tzara&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046853/2014-01-07/&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Le Corbusier]], oder zahlreiche Künstler aus der Welt der Musik, zum Beispiel Ginette Neveu&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ginette-neveu/&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Alfred Cortot&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119351064&amp;lt;/ref&amp;gt;, der selbst schon vor dem Krieg mehrmals gekommen war. Manche Filmregisseure (z.B. Marcel Carné&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118668455&amp;lt;/ref&amp;gt; und Jacques Becker&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119149893&amp;lt;/ref&amp;gt;) kommen nach Innsbruck, um ihre Filme vorzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Arbeit des Instituts siehe Barbara Porpaczy, &#039;&#039;Frankreich–Österreich – 1945–1960&#039;&#039;, Innsbruck, 2002&amp;lt;/ref&amp;gt; Maurice Besset organisiert auch Jugendlager und die „Hochschulwochen“ in Pertisau am Achensee, wo [[André Gide]] einen Vortrag hält, und in St. Christoph/Arlberg. Er knüpft Verbindungen mit zahlreichen österreichischen Künstlern und ermöglicht ihnen, zum ersten Mal nach Frankreich zu reisen. Dazu zählen u.a. [[Gerhild Diesner]], [[Paul Flora]], [[Wilfried Kirschl]], [[Franz Lettner]], [[Max Weiler]], und der Fotograf [[Rudolf Purner]], dessen Fotos, die seinen Aufenthalt in Paris dokumentieren, anlässlich des 50-Jahr Jubiläums des Instituts 1996 erneut ausgestellt werden. Maurice Besset verlässt Innsbruck im Jahre 1958, nachdem er die Grundlage für eine enge Kooperation mit seinen auf lokaler Ebene gewählten Mitarbeitern gefestigt hat, insbesondere mit der Kunsthistorikerin, Dichterin und Übersetzerin [[Lilly von Sauter]] und mit  Renate Lichtfuss, die bis 1988 als Assistentin der verschiedenen Institutsleiter wirkt. Seine Nachfolger sind François Léger (1958-1964), Pierre Würms (1964-1968), François Fillard (1968-1973), Jean-José Daugas (1973-1978), Francis Olivier (1978-1981), Dominique Paillarse (1981-1985), Jean-Luc Bredel (1985-1986), Line Sourbier-Pinter (1987-1991), Jean-Marc Terrasse (1991-1997), Catherine Roth (1997-2000). Einige unter ihnen sind Germanisten, manche unterrichten an der Universität und / oder stammen aus der französischen Kulturwelt, in die sie nach ihrer Innsbrucker Zeit zurückkehren. Ihre Arbeitsmethoden hängen sowohl von den Anweisungen der jeweils zuständigen Ministerien, ab als auch von den Schlussfolgerungen ab, die sie, je nach Temperament, daraus ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Ende der französischen Besatzung 1955 ist der Grenzverkehr von Gästen und Werken in beide Richtungen dank des Entgegenkommens der Militärbehörden relativ einfach, was die Organisation von Veranstaltungen erleichtert. Im selben Jahr zieht das Institut in neue Räumlichkeiten am Rennweg Nr. 17-19, am Ufer des Inns, um; das französische Konsulat hat damals seinen Sitz im Nachbarhaus, Nr. 21-23. In diesen vom Land Tirol Frankreich geschenkten vier Häusern waren (nach dem Anschluss) deutsche, dann (seit 1945) französische Truppen einquartiert. Das Ganze bildet damals eine Art „kleines Frankreich“, so die Formulierung von M. Burki, dem letzten Konsul. Das weiträumige Institut bietet zahlreiche Französischkurse an und verfügt über eine imposante Bibliothek mit einem Bestand von ca. 10 000 Büchern und Zeitschriften. Es werden freundschaftliche Beziehungen mit den Tiroler Behörden gepflegt; das Institut wird in der Region als offizielle Einrichtung betrachtet und besitzt ein treues Stammpublikum. Die Presse berichtet über die dort stattfindenden Veranstaltungen, und der jeweilige Leiter ist als anerkannte Persönlichkeit bei jeder kulturellen, akademischen und politischen Zeremonie in Tirol und Vorarlberg zugegen. Von 1948 an genießt das Institut ungefähr zehn Jahre lang eine quasi hegemonische Stellung als internationales Kulturforum. In Innsbruck ist zum Beispiel das einzige Kino der Kinosaal des Instituts. Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 verändert sich die Konjunktur allmählich, der wirtschaftliche Aufschwung ist im Gange und es gilt jetzt professionelle Regeln zu beachten.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Katalog der Ausstellung &#039;&#039;Tirol-Frankreich&#039;&#039; im Tiroler Landesmuseum 1991&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nach Ende der französischen Besatzung==&lt;br /&gt;
Nachdem Maurice Besset sich von Innsbruck verabschiedet hat, entwickeln sich in den 1960er und 70er Jahren die Prioritäten des Institut français in diesem veränderten Kontext, in welchem nun neue Akteure des kulturellen Bereichs eine Rolle in der Tiroler Szene spielen. Der Besatzungszeit hat das Institut seine nach wie vor sehr gute finanzielle Lage zu verdanken. Das lokale Personal besteht aus fünf bis sieben Personen (Hausmeister, Sekretärinnen, Buchhalter, Bibliothekar), und Frankreich entsendet zwei sogenannte „détachés“: einen Generaldirektor und einen Generalsekretär, der die pädagogische Abteilung leitet. In dieselbe Richtung entwickeln sich auch die Instituts français in Deutschland. Die Anweisungen des Außenministeriums müssen befolgt werden, der Botschafter und der Kulturattaché in Wien sollen dafür bürgen und sind zu diesem Zweck an einem auf „Frankreichs Identität“ und auf der deutsch-französischen Versöhnung gründenden Projekt beteiligt (die österreichische Sonderstellung wird nicht berücksichtigt). Das Projekt dreht sich um vier Achsen (offiziell „Säulen“ genannt): 1. Förderung der französischen Sprache 2. Herstellung bzw. Festigung der Kooperation mit der Universität 3. Fortsetzung einer aktiven Kulturpolitik 4. Schaffung einer Bibliothek – in den 80er Jahren in „Mediathek“ umbenannt.  Die verschiedenen Außenminister – bzw. ihre Kabinette – privilegierten jeweils die eine oder die andere Säule. In den 70er und 80er Jahren wird der Akzent auf die Sprache gelegt und es werden immer mehr Französischkurse angeboten. Es gibt bald bis zu zwölf Französischlehrer, alle vor Ort rekrutiert. Ab 1981 wird auf Anregung des französischen Kulturministers Jack Lang die Kulturarbeit wieder zum Schwerpunkt des Projekts, wobei die Sprachkurse keineswegs vernachlässigt werden, denn sie sind die einzig lukrative Tätigkeit. 1982 übernimmt die Schriftstellerin Catherine Clément&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/119354411&amp;lt;/ref&amp;gt; die Leitung der AFAA (Association française d’action artistique), die 1922 zur Förderung der Austausche zwischen Frankreich und dem Ausland gegründet worden war, und setzt sich zur Aufgabe, die Kulturpolitik der Instituts français zu unterstützen. Somit bekommt das Innsbrucker Institut français eine zweifache Unterstützung: Kompetenz und finanzielle Mittel. Die französischen Institute sind bestimmten Zonen zugeordnet. Österreich gehört zur „deutschen“ Zone. Die Ausstellungen pendeln zwischen den Instituten einer selben Zone hin und her. Auf einer 1991 von Günther Dankl im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum organisierten Ausstellung werden mit großem Erfolg dieselben Werke gezeigt wie 1946 bei der Ausstellung anlässlich der Einweihung des Instituts, womit an die Tradition der Kunstpflege wieder angeknüpft wird. Parallel zu diesem künstlerischen Programm wird die Politik des Austausches und der Einladungen von französischen Persönlichkeiten weitergeführt; als Beispiele seien nur die Lesungen von Erik Orsenna&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/121899764&amp;lt;/ref&amp;gt; (1992) und Alain Finkielkraut&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/_/00/000022876&amp;lt;/ref&amp;gt; (1996) erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In all diesen Jahren bleiben die Gebäude der Institute nach wie vor sehr wichtig für die französische Politik, vor allem in Innsbruck, genauso wie in Wien. Allmählich entwickeln sich andere Arbeitsmethoden, die stärker an den Beziehungen mit den lokalen Kunst- und Kulturträgern orientiert sind (Tiroler Landestheater, Galerie Sankt Barbara [Hall in Tirol], Festwoche der Alten Musik… usw..): &#039;&#039;Le Guêpier&#039;&#039;, eine in französischer Sprache spielende Theatertruppe des Instituts für Romanistik der Universität Innsbruck arbeitet mit dem Institut français zusammen, um in den 90er Jahren, mehrere Spielzeiten in Folge, ein Theaterprogramm in französischer Sprache anzubieten. Während das Kino des Instituts geschlossen wird, bekommen die lokalen Kinos eine finanzielle Unterstützung (insbesondere das Filmkunstkino „Cinematograph“ und das 1992 gegründete „Internationale Filmfestival Innsbruck [IFFI]“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1995 tritt Österreich der Europäischen Gemeinschaft bei. Die vier Kulturinstitute (Wien, Innsbruck und die Nebenstellen in Salzburg und Graz) werden der Zone „Osteuropa“ zugeteilt. Diese Verbindung ist für Innsbruck nicht so selbstverständlich wie für Wien. Das schon durch die neuen Orientierungen des Ministeriums in Frage gestellte Institut ist keine Priorität mehr, zumal das Konsulat geschlossen wird und das Institut, nachdem Frankreich seine Räumlichkeiten verkauft hat, völlig isoliert ist. Am 5. September 1995 leitet Frankreich eine Serie von sechs Atomtests auf Mururoa ein, was eine starke Reaktion auf lokaler Ebene hervorruft, und zur Folge hat, dass sogar Freunde und Mäzene sich vom Institut abwenden. Die Sprachkurse werden nicht mehr besucht. Das Institut hat sich lange Zeit von einem gewissen Bild Frankreichs genährt, eines befreundeten, von den lokalen Institutionen unterstützten Lands. Das nahe Italien übernimmt nun bald die Rolle des bestmöglichen Partners. Umso mehr als die Studenten aus Südtirol (der zweisprachigen Region mit Deutsch und Italienisch) sich an der Universität Innsbruck immatrikulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1996 begeht das Institut sein fünfzigjähriges Jubiläum. Ein wichtiges Kolloquium zelebriert dieses Jubiläum:  Österreichische und französische Historiker analysieren diese Jahre der Kooperation; zahlreiche kulturelle Veranstaltungen begleiten diesen Anlass, ein Buch mit einem Vorwort des Tiroler Landeshauptmanns Wendelin Weingartner&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/122210743&amp;lt;/ref&amp;gt; wird veröffentlicht (&#039;&#039;das institut français ist 50 jahre alt&#039;&#039;). 2004 verkauft Frankreich nun auch die Häuser am Rennweg Nr. 17-19, und das Institut, dessen finanzielle Lage immer schwieriger wird, bezieht kleine Büroräume im Stadtzentrum. Der gesamte Bestand der Mediathek wird zerstreut, ein interdisziplinärer Pol für Frankreichkunde wird an der Universität Innsbruck eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2015 wird das Institut français von Innsbruck in ein „Institut franco-tyrolien d’Innsbruck“ mit dem Statut eines gemeinnützigen Vereins verwandelt, dem Professor Franz Pegger&amp;lt;ref&amp;gt;http://franco-tyrolien.at/wordpress/verein/vorstand/&amp;lt;/ref&amp;gt; vorsitzt, in Verbindung mit dem in Wien angesiedelten Institut français d’Autriche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Besset, Maurice: Eine Erinnerung. In: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Hrsg.): Tirol-Frankreich 1946–1960. Spurensicherung einer Begegnung. Innsbruck 1991, S. 11–16.&lt;br /&gt;
*Dankl, Günther: Tirol-Frankreich. Ein Dialog. In: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Hrsg.): Tirol-Frankreich 1946–1960. Spurensicherung einer Begegnung. Innsbruck 1991, S. 49–59.&lt;br /&gt;
*Institut français d’Innsbruck (Hrsg.): das institut français ist 50 jahre alt. Innsbruck, Institut français d’Innsbruck, September 1997, (= Actes du colloque du 25 octobre 1996). ISBN: 3-901891-00-5.&lt;br /&gt;
*Porpaczy, Barbara: Frankreich-Österreich 1945–1960. Kulturpolitik und Identität. Innsbruck: Studienverlag 2002 (= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Bd. 18), bes. S. 75–87.&lt;br /&gt;
*Porpaczy, Barbara: Von der Selbstdarstellung zum Kulturaustausch: Die französischen Kulturinstitute in Wien und Innsbruck. In: Thomas Angerer, Jacques Le Rider (Hrsg.): „Ein Frühling, dem kein Sommer folgte“? Französisch-österreichische Kulturtransfers seit 1945. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1999, S. 119–136.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jean-Marc Terrasse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 15/10/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Institut_français_d’Innsbruck}}&lt;br /&gt;
[[Category:Organisation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Ludwig Wittgenstein</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Wittgenstein.png||thumb|Ludwig Wittgenstein, 1930, Foto von Moriz Nähr]] Ludwig Wittgenstein (geboren am 26. April 1889 in Wien, gestorben am 29. April 1951 in Cambridge) ist in Frankreich erst spät entdeckt worden und wird erst in den sechziger-siebziger Jahren zum Gegenstand von Studien und Übersetzungen. Diese Rezeption entwickelt sich insbesondere durch die Arbeiten von [[Jacques Bouveresse]] und seinen Schülern, so dass Wittgenstein schließlich zu einer zentralen Figur der französischen Forschung im Bereich der Philosophie wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Die Rezeption von Ludwig Wittgenstein in Frankreich hat spät eingesetzt. Mit Ausnahme von Jean Cavaillès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-cavailles/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der bereits in den dreißiger Jahren den &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; liest, ein Werk, das er für eine der wesentlichen Inspirationsquellen des [[Wiener Kreis|Wiener Kreises]]&amp;lt;ref&amp;gt;Cavaillès 1936&amp;lt;/ref&amp;gt; hält, muss man bis Ende der fünfziger Jahre und auf die Veröffentlichungen von Arbeiten von Wittgenstein 1959 in den Zeitschriften &#039;&#039;Revue de métaphysique et de morale&#039;&#039; sowie &#039;&#039;Critique&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Hadot 2004&amp;lt;/ref&amp;gt; warten. Die erste Übersetzung des &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; sowie des Werks &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; (unter dem Titel &#039;&#039;Investigations philosophiques&#039;&#039;) durch Pierre Klossowski erscheint 1961 bei Gallimard. Diese Übersetzungen gelten allgemein als fehlerhaft und unvollständig, was zu späteren Neuübersetzungen führt: 1993 der &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; übersetzt von Gilles-Gaston Granger, Neuausgabe von Christiane Chauviré, Sabine Plaud und Sandra Laugier, Flammarion 2022, &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; 2004 unter dem Titel &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gilles-Gaston Granger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/granger-gilles-gaston-1920-2016/ &amp;lt;/ref&amp;gt; gehört zu den allerersten Forschern, die 1969 eine umfassende Präsentation von Wittgensteins Werk liefern, begleitet von einer Textauswahl&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im gleichen Jahr organisiert er ein Kolloquium in Aix-en-Provence: &#039;&#039;Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science&#039;&#039; (&#039;&#039;Wittgenstein und das Problem einer Philosophie der Wissenschaft&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1970&amp;lt;/ref&amp;gt;). Außer Granger sind u.a. folgende Beiträger zu nennen: Jules Vuillemin&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jules-vuillemin/ &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Remarques sur 4.442 du Tractatus », „Bemerkungen zu 4.4412 des Tractatus“), Jean-Claude Pariente&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archicubes.ens.fr/lassociation/m%C3%A9moire-normalienne/notices/pariente-jean-claude-1950-l &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Bergson et Wittgenstein », „Bergson und Wittgenstein“), sowie [[Jacques Bouveresse]] (« La notion de ‘grammaire’ chez le second Wittgenstein », „Der Begriff ‚Grammatik‘ beim zweiten Wittgenstein“, wiederaufgenommen unter dem Titel « La compétence, l’usage et l’usage de la compétence », „Die Kompetenz, der Gebrauch und der Gebrauch der Kompetenz“&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1971&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jacques Bouveresse]] (1940–2022), der den Namen Wittgenstein zum ersten Mal 1961 in einer Vorlesung von Jules Vuillemin an der École normale supérieure gehört hat&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1998, 80&amp;lt;/ref&amp;gt;, wird fortan eine bedeutende Rolle als Vermittler von Wittgensteins Werk in Frankreich spielen. Zwischen 1971 und 2022 hat Jacques Bouveresse wesentlich dazu beigetragen, Wittgenstein zu einer zentralen Referenz in der französischen Philosophie Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts zu machen. Meilensteine sind dabei folgende Publikationen: Das Erscheinen von &#039;&#039;La Parole malheureuse&#039;&#039; (1971), „Das unglückliche Wort“, dann 1975 seine Habilitationsschrift &#039;&#039;Le mythe de l’intériorité&#039;&#039; (1976), „Der Mythos der Innerlichkeit“, eine über siebenhundert Seiten lange Publikation, die in der deutschsprachigen und anglophonen Sekundärliteratur nicht ihresgleichen kennt, und schließlich das posthume Werk L&#039;&#039;es vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ?&#039;&#039;, „Sprachwellen. Wittgensteins ,Paradoxon‘ oder wie kann man eine Regel befolgen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist insbesondere Bouveresse zu verdanken, dass Wittgensteins zweite Werkphase in Frankreich bekannt wurde, d.h. Wittgensteins Arbeiten seit dem „grammatical turn“, der „grammatikalischen Wende“ der &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039; – ein Wittgenstein, dem er nähersteht als dem ersten Wittgenstein, dem des &#039;&#039;Tractatus&#039;&#039;, obgleich seine Interpretation wohl stärker als die anderer Interpreten die Kontinuität betont. Allgemein gesehen analysieren die Wittgenstein gewidmeten Arbeiten von Bouveresse alle wesentlichen Themen, sei es die Frage der Bedeutung und der Möglichkeit einer Privatsprache, sei es zu wissen, was es bedeutet, eine „Regel zu befolgen“, die Frage des Sinns und des Unsinns, des Antiplatonismus in Wittgensteins Philosophie der Mathematik oder seine Behandlung von ethischen, religiösen und ästhetischen Fragen. Weit davon entfernt nur ein Spezialist der Philosophiegeschichte oder Kommentator zu sein, entwickelt Bouveresse vielmehr, sozusagen in Wittgensteins Gesellschaft, eine eigenständige Reflexion über die Sprache, die den „Mythos der Bedeutung“ zurückweist, einen Realismus ohne Metaphysik praktiziert, und eine Kritik der Philosophie, deren „unglückliches Wort“ (&#039;&#039;La Parole malheureuse&#039;&#039;), um den Titel seiner ersten Veröffentlichung aufzugreifen, außerstande ist, etwas zu sagen und auch nicht sagen kann, was es zu sagen vermeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den siebziger Jahren stellt Bouveresse Wittgensteins Werk Pierre Bourdieu vor, der 1977 in seiner Zeitschrift &#039;&#039;Actes de la recherche en sciences sociales&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;16,‎ 1977, 35-42&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Übersetzung von &#039;&#039;Remarques sur &#039;&#039;Le Rameau d’or&#039;&#039; de Frazer&#039;&#039; / „Bemerkungen über &#039;&#039;The Golden Bough&#039;&#039; von Frazer“ veröffentlicht. Bourdieu vertritt die Meinung, dass „Wittgenstein wohl der Philosoph ist, der ihm in schwierigen Momenten am meisten nützlich war&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 1987, 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Und einer seiner letzten Beiträge ist sein Vortrag auf dem am Collège de France organisierten Kolloquium „Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale“, „Wittgenstein, Soziologismus und Sozialwissenschaft“, 14.-16. Mai 2001&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jacques Bouveresse hat zur französischen Rezeption Wittgensteins auch durch seinen Unterricht an der Sorbonne, dann am Collège de France beigetragen, wo er eine ganze Generation von Forschern ausgebildet und begleitet hat, insbesondere Christiane Chauviré und Sandra Laugier, welche bis heute die Wittgenstein-Studien fortgeführt, bereichert und erneuert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Tractatus logico-philosophicus, trad. Pierre Klossowski. Paris : Gallimard 1961 ; trad. Gilles Gaston-Granger. Paris : Gallimard 1993 ; trad. Christiane Chauviré et Sabine Plaud. Paris : Flammarion 2022.&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Recherches philosophiques, trad. Françoise Dastur, Maurice Élie, Jean-Luc Gautero, Dominique Janicaud, Elisabeth Rigal. Paris : Gallimard 2004. &lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : Choses dites. Paris : Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : « Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale ». In : Pierre Bourdieu, Jacques Bouveresse et alii : Wittgenstein : Dernières pensées. Marseille : Agone 2002.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Parole malheureuse. Paris : Minuit 1971.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Wittgenstein : la rime et la raison. Science, éthique et esthétique. Paris : Éditions de Minuit 1973. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Mythe de l’intériorité. Expérience, signification et langage privé chez Wittgenstein. Paris : Éditions de Minuit 1976. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Force de la règle. Wittgenstein et l’invention de la nécessité. Paris : Éditions de Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Philosophe et le réel. Entretiens avec Jean-Jacques Rosat. Paris : Hachette-Littératures 1998.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Les vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ? Paris : Seuil 2022.&lt;br /&gt;
*Cavaillès, Jean : « L’École de Vienne au Congrès de Prague ». In : Revue de Métaphysique et de morale vol. 42 (1) (1936), p. 137–149.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Voir le visible. La seconde philosophie de Wittgenstein. Paris : PUF 2003.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Wittgenstein en héritage. Paris : Kimé 2010.&lt;br /&gt;
*Gillot, Pascale et Marrou, Élise (dir.) : Wittgenstein en France. Paris : Kimé 2022.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston : Wittgenstein. Paris : Seghers 1969.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston (dir.) : Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science. Paris : Éditions du CNRS 1970.&lt;br /&gt;
*Hadot, Pierre : Wittgenstein et les limites du langage. Paris : Vrin 2004.&lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Du réel à l’ordinaire. Paris : Vrin 1999. &lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Wittgenstein. Les sens de l’usage. Paris : Vrin 2009. &lt;br /&gt;
*Sebestik, Jan et Soulez, Antonia : Wittgenstein et la philosophie d’aujourd’hui. Paris : L’Harmattan 2001.&lt;br /&gt;
*Soulez, Antonia : Wittgenstein et le tournant grammatical. Paris : PUF 2003. &lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Christian Bonnet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 21/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Ludwig_Wittgenstein}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Wittgenstein, Ludwig}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Andr%C3%A9_Gide&amp;diff=1353</id>
		<title>André Gide</title>
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		<updated>2026-06-01T12:55:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autorin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Gide1.jpg||thumb|André Gide (1869-1951)]] Der französische Schriftsteller André Gide (22. November 1869, Paris, † 19. Februar 1951, Paris), Nobelpreisträger für Literatur 1947, ist schon seit 1895 eine herausragende Persönlichkeit im Literaturleben als Romancier, Dramaturg, Essayist, Tagebuchschreiber und Journalist, aber auch als Verleger, da er 1908 persönlich zur Gründung der Nouvelle Revue Française beigetragen hat. Als großer Reisender – so begibt er sich zum Beispiel nach Afrika (Algerien, Tunesien, und Kongo) und in die UdSSR –, unternimmt er schon in jungen Jahren mehrere Reisen nach Deutschland, dessen Kultur er ehrlich schätzt, vor allem seitdem er die Werke von Goethe oder Nietzsche gelesen hat. 1949 wird ihm sogar die Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt verliehen. Gerade dieses stete Interesse für die deutschsprachige Welt führt ihn dazu, Beziehungen mit den österreichischen Schriftstellern [[Rudolf Kassner]], [[Rainer Maria Rilke]] und [[Hugo von Hofmannsthal]] zu knüpfen, dies zumeist in Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben und Werk==&lt;br /&gt;
Sowohl durch sein Leben als auch durch sein Werk situiert sich André Gide von 1895 bis zu seinem Todesjahr 1951 im Zentrum des französischen Literaturlebens. Die zahlreichen von ihm veröffentlichten Werke bieten eine breite Palette verschiedener Gattungen und Stilrichtungen: nach einigen frühen Werken, die eng mit seiner eigenen Subjektivität verbunden waren (&#039;&#039;Les Nourritures terrestres&#039;&#039;, 1897) und ein paar Misserfolgen im Bereich des Theaters, widmet er sich später vor allem dem Roman, einer Gattung, die er manchmal mit dem Begriff „sotie“ näher definiert, um die satirische Dimension stärker hervorzuheben (&#039;&#039;Les Caves du Vatican&#039;&#039;, 1914). Sein &#039;&#039;Journal&#039;&#039;, das Tagebuch der Jahre 1889-1939, bietet dem Leser wertvolle Einblicke nicht nur in den Lauf seines Lebens oder in seine Reflexionen, sondern auch in seine zahlreichen Begegnungen mit französischen und europäischen Intellektuellen. Dieser Gedankenaustausch wurde durch die damals in der französischen Hauptstadt üblichen mondänen Gepflogenheiten wie auch durch seine Tätigkeit als Herausgeber der &#039;&#039;NRF&#039;&#039; gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbindungen mit Österreich und der österreichischen Kultur==&lt;br /&gt;
Gides Verbindungen mit der österreichischen Literatur zeigen sich in den Tagebucheinträgen, in denen der Autor seine Lektüren vermerkt. So erfahren wir, dass er im September 1905 die Erzählung &#039;&#039;Der Garten der Erkenntnis&#039;&#039; (1895) von Leopold Andrian&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Leopold_Andrian-Werburg&amp;lt;/ref&amp;gt; gelesen hat. Aber auch direkte Begegnungen von Gide mit einigen österreichischen Autoren sind zu verzeichnen ; sie finden manchmal in Kurznotizen ihren Niederschlag. So ist von einem „abscheulichen“ Ball die Rede, auf den er Kassner „mitnimmt“ (17. März 1904) oder von einem „Spaziergang“ mit Hofmannsthal im Jardin du Luxembourg (April 1905).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese oft episodischen persönlichen Beziehungen finden jedoch dank zweier Formen des Kulturaustausches eine bedeutsame Verlängerung: und zwar dank des mehr oder weniger regen Briefkontakts, sowie des gemeinsamen Interesses an der Übersetzung des einen oder anderen Werks für das frankophone oder deutschsprachige Publikum. Gide, der in seiner Kindheit Deutsch gelernt hat und insbesondere Goethes Werke und etwas später gewisse Werke Nietzsches schätzt, versteht Übersetzung als eine unentbehrliche Brücke zwischen Autoren und Kulturen. Im Rahmen des Projekts einer Aufführung seines Stücks &#039;&#039;Le Roi Candaule&#039;&#039; (1899) im Februar 1906 im Deutschen Volkstheater Wien&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Volkstheater_(Institution)&amp;lt;/ref&amp;gt;, die sich letztlich nicht als großer Erfolg erweisen sollte, nimmt Gide zum Beispiel Kontakt auf mit dem Verleger und Übersetzer [[Franz Blei]] (1871-1942). Nach der Veröffentlichung mehrerer anglophoner Autoren (Shakespeare, Conrad, Blake) in französischer Übersetzung unternimmt er erfolgreich mit zwei österreichischen Autoren – Kassner und Rilke – Übersetzungen vom Deutschen ins Französische, lange bevor er sein Übersetzertalent an Goethes &#039;&#039;Prometheus&#039;&#039; (1951) beweist, wodurch er zugleich seine enge Beziehung zu literarischem Schreiben bekundet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Gide als Übersetzer wirkt, möchte er eine feinsinnige und tiefreichende Lektüre des gewählten Werks bieten, aber auch eine ehrliche Dankbarkeit, ja sogar Bewunderung gegenüber dem Autor des gewählten Werks ausdrücken. Dies gilt für den zwischen Gide und Kassner entstandenen Austausch von Übersetzungen: Gide als Übersetzer des Kapitels „&#039;&#039;John Keats&#039;&#039;“ von Kassner (1900) und letzterer als Übersetzer von &#039;&#039;Philoctète&#039;&#039; (1901)&amp;lt;ref&amp;gt;Bezüglich der Beziehungen zwischen Gide und Kassner siehe den Beitrag zu « [[Rudolf Kassner]] ».&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehungen zwischen Gide und Rilke entwickeln sich in ähnlicher Form wie die bereits erwähnten mit Kassner: es kommt sowohl zu persönlichen Kontakten, vor allem in Paris – dort hält sich Rilke längere Zeit zwischen 1902 und 1914 auf –, als auch zu einem regen Briefkontakt (zwischen 1910 und 1926), in dem von der Übersendung (manchmal mit Widmung) oder dem Lesen dieses oder jenes Werks die Rede ist, aber bisweilen auch von Übersetzungen. Die erste Begegnung zwischen Gide und Rilke hat wahrscheinlich 1910 stattgefunden, dank des kleinen Kreises von Persönlichkeiten, die regelmäßig mit dem französischen Schriftsteller in Kontakt standen – Kessler, [[Émile Verhaeren, vermittelt durch Stefan Zweig|Verhaeren]], Kassner, Hofmannsthal. Gide erhält kurz nach dem Erscheinen ein Exemplar von &#039;&#039;Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge&#039;&#039;. Er ist begeistert und beschließt, einige Auszüge zu übersetzen, die am 1. Juli 1911 in der &#039;&#039;NRF&#039;&#039; erscheinen, und Rilke zeigt sich „zutiefst berührt von dieser inspirierten Übertragung“ (Brief vom 6. Juli 1911). Angeregt von seinem Interesse für die französische Sprache und die – manchmal schwierige – Kunst der Übersetzung schlägt Rilke vor, eine deutsche Übertragung von Gides &#039;&#039;Retour de l’enfant Prodigue&#039;&#039; (1907) zu verfassen, die 1914 unter dem Titel Die Rückkehr des verlorenen Sohnes im Insel Verlag erscheint. Gide und Rilke korrespondieren darauf mehrmals in Bezug auf eine Übersetzung des Prosagedichts &#039;&#039;Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke&#039;&#039; (1899-1904), &#039;&#039;Chant de l’amour et de la mort du cornette Chrisophe Rilke&#039;&#039;, ein Projekt, das unverwirklicht bleibt, da Gide befürchtet, „den ursprünglichen Charakter des kleinen Buchs nicht originalgetreu wiederzugeben“ (Brief vom 22. Juli 1914). Die bis 1914 bestehenden Kontakte brechen gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs ab. Zu erwähnen ist aber die direkte Intervention von Gide im Januar 1916 zugunsten der Rückerstattung, der Güter und Werke Rilkes, die von den Besitzern der an Rilke vermieteten, Wohnung 17 rue Campagne-Première wegen ausstehender Mietzahlungen im April 1915 versteigert worden sind. Rilke wird letztlich diese wenigen Dokumente erst im Juni 1925 erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindungen zwischen Gide und Hofmannsthal sind ganz anderer Art, denn die Begegnungen der beiden Schriftsteller in Paris waren relativ selten (1905 und 1925). In Gides &#039;&#039;Journal&#039;&#039; finden sich nur wenige Bemerkungen zu Hofmannsthals Besuch in Paris im Mai 1905. Allerdings hatte Gide 1903 anlässlich eines Aufenthalts in Deutschland bereits indirekt Kontakt mit Hofmannsthals Werk, insbesondere mit dem Theaterstück &#039;&#039;Elektra&#039;&#039;, das er in einer Inszenierung von [[Max Reinhardt]] im &amp;quot;Kleinen Theater&amp;quot; in Berlin gesehen hat. 1904 wird Gide von Kessler dazu angeregt, eine französische Übersetzung dieses Werks zu verfassen, doch Gide gibt schließlich dieses Projekt auf, obwohl er Hofmannsthals Veröffentlichungen zutiefst schätzt, wovon das Versenden von teilweise mit Widmungen versehenen Werken zwischen Paris und Rodaun zeugt. Die Veröffentlichung einer französischen Fassung des Chandos Briefes unter dem Titel &#039;&#039;La Lettre de Lord Chandos&#039;&#039; in der &#039;&#039;NRF&#039;&#039; im März 1924 liefert dafür einen deutlichen Beweis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Werke (Auswahl)===&lt;br /&gt;
*Gide, André, Journal I (1889-1939), Paris, Gallimard-Pléiade, 1960. &lt;br /&gt;
*Rainer Maria Rilke – André Gide, Correspondance 1909-1926, Renée Lang (éd.), Paris, Corréa, 1952. &lt;br /&gt;
*Kassner, Rudolf, „André Gide“, Sämtliche Werke II, Zinn, Ernst - Bohnenkamp, Klaus E.  (Hg.), Pfullingen, Neske, 1969-1991, p. 388-393.&lt;br /&gt;
*Kassner, Rudolf, „André Gide /Anmerkungen“, Sämtliche Werke III, Zinn, Ernst - *Bohnenkamp, Klaus E. (Hg.), Pfullingen, Neske, 1969-1991 p. 810-813.&lt;br /&gt;
*Kassner, Rudolf, „Paris. 1900“, Umgang der Jahre, Sämtliche Werke IX, Zinn, Ernst - Bohnenkamp, Klaus E. (Hg.), Pfullingen, Neske, 1969-1991, p. 358-391 ; „Anmerkungen“, ibid., p. 913-934.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bohnenkamp, Klaus E. - Foucart, Claude, „Rudolf Kassners Briefe an André Gide“, in Jahrbuch der deutschen Schiller-Gesellschaft, XXX, 1986, p. 83-127.&lt;br /&gt;
*Bohnenkamp, Klaus E., „Rudolf Kassner und André Gide“, in Germanisch-romanische Monatsschrift, 29, 1979, p. 94-102.&lt;br /&gt;
*Foucart, Claude, « André Gide et Hugo von Hofmannsthal ou la rencontre d’un grand enfant », Bulletin des Amis d’André Gide, Vol. 7, n° 43, juillet 1979, p. 2-18. &lt;br /&gt;
*Guiney, Martin, « Gide, Rilke, et l’exil de l’Enfant prodigue : Gide, lecteur et critique », Bulletin des Amis d’André Gide, Vol. 20, n° 93, janvier 1992, p. 25-36.&lt;br /&gt;
*Lang, Renée, “Rilke and Gide: Their Reciprocal Translations”, Yale French studies, 1951, n° 7, p. 98-106.&lt;br /&gt;
*Méry, Marie-Claire, „Literarische Kontakte zwischen Wien und Paris um 1900: Wahl- und Geistesverwandtschaften zwischen Rudolf Kassner und André Gide“, in Aneignung und Abgrenzung. Studien zur Relativität kultureller Grenzziehungen zwischen der französischen und der deutschsprachigen Literatur im 19. und 20. Jahrhundert, Véronique Liard / Bernhard Spies (Hrsg.), Frankfurt/M., Peter Lang, 2013, p. 47-61.&lt;br /&gt;
*Méry, Marie-Claire, « Rudolf Kassner et André Gide : rencontres littéraires dans les années 1900 » ; en annexe, traduction de l’essai de Rudolf Kassner « André Gide », Bulletin des Amis d’André Gide, Vol. 61, n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;217/218, printemps 2023, p. 67-84 et p. 85-90.&lt;br /&gt;
*Paysac, Henry (de), « Rilke, Kassner et Gide », Bulletin des Amis d&#039;André Gide, Vol. 17, n&amp;lt;sup&amp;gt;o&amp;lt;/sup&amp;gt;81, janvier 1989, p. 87-90.&lt;br /&gt;
*Quéval, Marie-Hélène, « À l’ombre de Friedrich Nietzsche : André Gide, Rudolf Kassner et Rainer Maria Rilke », in Rainer Maria Rilke. Inventaire – Ouvertures, Michel Itty / *Silke Schauder (dir.), Villeneuve-d’Ascq, Presses Universitaires du Septentrion, 2013, p. 367-383.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Marie-Claire Méry&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzung aus dem Französischen von Marie-Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 10/01/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|André_Gide}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Gide, André}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Ludwig Wittgenstein</title>
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		<updated>2026-06-01T12:54:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Autor */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Wittgenstein.png||thumb|Ludwig Wittgenstein, 1930, Foto von Moriz Nähr]] Ludwig Wittgenstein (geboren am 26. April 1889 in Wien, gestorben am 29. April 1951 in Cambridge) ist in Frankreich erst spät entdeckt worden und wird erst in den sechziger-siebziger Jahren zum Gegenstand von Studien und Übersetzungen. Diese Rezeption entwickelt sich insbesondere durch die Arbeiten von [[Jacques Bouveresse]] und seinen Schülern, so dass Wittgenstein schließlich zu einer zentralen Figur der französischen Forschung im Bereich der Philosophie wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Die Rezeption von Ludwig Wittgenstein in Frankreich hat spät eingesetzt. Mit Ausnahme von Jean Cavaillès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-cavailles/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der bereits in den dreißiger Jahren den &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; liest, ein Werk, das er für eine der wesentlichen Inspirationsquellen des [[Wiener Kreis|Wiener Kreises]]&amp;lt;ref&amp;gt;Cavaillès 1936&amp;lt;/ref&amp;gt; hält, muss man bis Ende der fünfziger Jahre und auf die Veröffentlichungen von Arbeiten von Wittgenstein 1959 in den Zeitschriften &#039;&#039;Revue de métaphysique et de morale&#039;&#039; sowie &#039;&#039;Critique&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Hadot 2004&amp;lt;/ref&amp;gt; warten. Die erste Übersetzung des &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; sowie des Werks &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; (unter dem Titel &#039;&#039;Investigations philosophiques&#039;&#039;) durch Pierre Klossowski erscheint 1961 bei Gallimard. Diese Übersetzungen gelten allgemein als fehlerhaft und unvollständig, was zu späteren Neuübersetzungen führt: 1993 der &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; übersetzt von Gilles-Gaston Granger, Neuausgabe von Christiane Chauviré, Sabine Plaud und Sandra Laugier, Flammarion 2022, &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; 2004 unter dem Titel &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gilles-Gaston Granger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/granger-gilles-gaston-1920-2016/ &amp;lt;/ref&amp;gt; gehört zu den allerersten Forschern, die 1969 eine umfassende Präsentation von Wittgensteins Werk liefern, begleitet von einer Textauswahl&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im gleichen Jahr organisiert er ein Kolloquium in Aix-en-Provence: &#039;&#039;Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science&#039;&#039; (&#039;&#039;Wittgenstein und das Problem einer Philosophie der Wissenschaft&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1970&amp;lt;/ref&amp;gt;). Außer Granger sind u.a. folgende Beiträger zu nennen: Jules Vuillemin&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jules-vuillemin/ &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Remarques sur 4.442 du Tractatus », „Bemerkungen zu 4.4412 des Tractatus“), Jean-Claude Pariente&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archicubes.ens.fr/lassociation/m%C3%A9moire-normalienne/notices/pariente-jean-claude-1950-l &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Bergson et Wittgenstein », „Bergson und Wittgenstein“), sowie [[Jacques Bouveresse]] (« La notion de ‘grammaire’ chez le second Wittgenstein », „Der Begriff ‚Grammatik‘ beim zweiten Wittgenstein“, wiederaufgenommen unter dem Titel « La compétence, l’usage et l’usage de la compétence », „Die Kompetenz, der Gebrauch und der Gebrauch der Kompetenz“&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1971&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jacques Bouveresse]] (1940–2022), der den Namen Wittgenstein zum ersten Mal 1961 in einer Vorlesung von Jules Vuillemin an der École normale supérieure gehört hat&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1998, 80&amp;lt;/ref&amp;gt;, wird fortan eine bedeutende Rolle als Vermittler von Wittgensteins Werk in Frankreich spielen. Zwischen 1971 und 2022 hat Jacques Bouveresse wesentlich dazu beigetragen, Wittgenstein zu einer zentralen Referenz in der französischen Philosophie Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts zu machen. Meilensteine sind dabei folgende Publikationen: Das Erscheinen von &#039;&#039;La Parole malheureuse&#039;&#039; (1971), „Das unglückliche Wort“, dann 1975 seine Habilitationsschrift &#039;&#039;Le mythe de l’intériorité&#039;&#039; (1976), „Der Mythos der Innerlichkeit“, eine über siebenhundert Seiten lange Publikation, die in der deutschsprachigen und anglophonen Sekundärliteratur nicht ihresgleichen kennt, und schließlich das posthume Werk L&#039;&#039;es vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ?&#039;&#039;, „Sprachwellen. Wittgensteins ,Paradoxon‘ oder wie kann man eine Regel befolgen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist insbesondere Bouveresse zu verdanken, dass Wittgensteins zweite Werkphase in Frankreich bekannt wurde, d.h. Wittgensteins Arbeiten seit dem „grammatical turn“, der „grammatikalischen Wende“ der &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039; – ein Wittgenstein, dem er nähersteht als dem ersten Wittgenstein, dem des &#039;&#039;Tractatus&#039;&#039;, obgleich seine Interpretation wohl stärker als die anderer Interpreten die Kontinuität betont. Allgemein gesehen analysieren die Wittgenstein gewidmeten Arbeiten von Bouveresse alle wesentlichen Themen, sei es die Frage der Bedeutung und der Möglichkeit einer Privatsprache, sei es zu wissen, was es bedeutet, eine „Regel zu befolgen“, die Frage des Sinns und des Unsinns, des Antiplatonismus in Wittgensteins Philosophie der Mathematik oder seine Behandlung von ethischen, religiösen und ästhetischen Fragen. Weit davon entfernt nur ein Spezialist der Philosophiegeschichte oder Kommentator zu sein, entwickelt Bouveresse vielmehr, sozusagen in Wittgensteins Gesellschaft, eine eigenständige Reflexion über die Sprache, die den „Mythos der Bedeutung“ zurückweist, einen Realismus ohne Metaphysik praktiziert, und eine Kritik der Philosophie, deren „unglückliches Wort“ (&#039;&#039;La Parole malheureuse&#039;&#039;), um den Titel seiner ersten Veröffentlichung aufzugreifen, außerstande ist, etwas zu sagen und auch nicht sagen kann, was es zu sagen vermeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den siebziger Jahren stellt Bouveresse Wittgensteins Werk Pierre Bourdieu vor, der 1977 in seiner Zeitschrift &#039;&#039;Actes de la recherche en sciences sociales&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;16,‎ 1977, 35-42&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Übersetzung von &#039;&#039;Remarques sur &#039;&#039;Le Rameau d’or&#039;&#039; de Frazer&#039;&#039; / „Bemerkungen über &#039;&#039;The Golden Bough&#039;&#039; von Frazer“ veröffentlicht. Bourdieu vertritt die Meinung, dass „Wittgenstein wohl der Philosoph ist, der ihm in schwierigen Momenten am meisten nützlich war&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 1987, 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Und einer seiner letzten Beiträge ist sein Vortrag auf dem am Collège de France organisierten Kolloquium „Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale“, „Wittgenstein, Soziologismus und Sozialwissenschaft“, 14.-16. Mai 2001&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jacques Bouveresse hat zur französischen Rezeption Wittgensteins auch durch seinen Unterricht an der Sorbonne, dann am Collège de France beigetragen, wo er eine ganze Generation von Forschern ausgebildet und begleitet hat, insbesondere Christiane Chauviré und Sandra Laugier, welche bis heute die Wittgenstein-Studien fortgeführt, bereichert und erneuert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Tractatus logico-philosophicus, trad. Pierre Klossowski. Paris : Gallimard 1961 ; trad. Gilles Gaston-Granger. Paris : Gallimard 1993 ; trad. Christiane Chauviré et Sabine Plaud. Paris : Flammarion 2022.&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Recherches philosophiques, trad. Françoise Dastur, Maurice Élie, Jean-Luc Gautero, Dominique Janicaud, Elisabeth Rigal. Paris : Gallimard 2004. &lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : Choses dites. Paris : Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : « Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale ». In : Pierre Bourdieu, Jacques Bouveresse et alii : Wittgenstein : Dernières pensées. Marseille : Agone 2002.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Parole malheureuse. Paris : Minuit 1971.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Wittgenstein : la rime et la raison. Science, éthique et esthétique. Paris : Éditions de Minuit 1973. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Mythe de l’intériorité. Expérience, signification et langage privé chez Wittgenstein. Paris : Éditions de Minuit 1976. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Force de la règle. Wittgenstein et l’invention de la nécessité. Paris : Éditions de Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Philosophe et le réel. Entretiens avec Jean-Jacques Rosat. Paris : Hachette-Littératures 1998.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Les vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ? Paris : Seuil 2022.&lt;br /&gt;
*Cavaillès, Jean : « L’École de Vienne au Congrès de Prague ». In : Revue de Métaphysique et de morale vol. 42 (1) (1936), p. 137–149.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Voir le visible. La seconde philosophie de Wittgenstein. Paris : PUF 2003.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Wittgenstein en héritage. Paris : Kimé 2010.&lt;br /&gt;
*Gillot, Pascale et Marrou, Élise (dir.) : Wittgenstein en France. Paris : Kimé 2022.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston : Wittgenstein. Paris : Seghers 1969.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston (dir.) : Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science. Paris : Éditions du CNRS 1970.&lt;br /&gt;
*Hadot, Pierre : Wittgenstein et les limites du langage. Paris : Vrin 2004.&lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Du réel à l’ordinaire. Paris : Vrin 1999. &lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Wittgenstein. Les sens de l’usage. Paris : Vrin 2009. &lt;br /&gt;
*Sebestik, Jan et Soulez, Antonia : Wittgenstein et la philosophie d’aujourd’hui. Paris : L’Harmattan 2001.&lt;br /&gt;
*Soulez, Antonia : Wittgenstein et le tournant grammatical. Paris : PUF 2003. &lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Christian Bonnet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt aus dem Französischen von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 21/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Ludwig_Wittgenstein}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Wittgenstein, Ludwig}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T12:53:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Auteur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (3096 Tage).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Olivier_Mannoni&amp;diff=1350</id>
		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T12:38:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) und &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (3096 Tage).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auteur==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Olivier_Mannoni&amp;diff=1349</id>
		<title>Olivier Mannoni</title>
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		<updated>2026-06-01T12:38:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Olivier Mannoni.jpg||thumb||Olivier Mannoni (2022)]]&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni (geb. am 14.09.1960 in Tours) genießt als Übersetzer aus dem Deutschen ins Französische hohe Anerkennung. Er hat insbesondere Texte von [[Manès Sperber]], [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen, sowie Werke zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren und  zahlreiche den Nationalsozialismus betreffende Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Sein Vater war Deutschlehrer, seine Mutter (Nicole Casanova) ist als Germanistin, Übersetzerin, Literaturkritikerin und Schriftstellerin bekannt. Der Großvater väterlicherseits kam an Bord der 1940 von den Deutschen torpedierten „Meknès“ um, „mehr als einen Monat nach dem Waffenstillstand von Compiègne, als sein nach Frankreich zurückkehrendes, mit allen Lichtern seine friedlichen Absichten signalisierendes Schiff von den Deutschen torpediert und versenkt wurde“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt;. Olivier Mannoni meint, sein Vater hat sein ganzes Leben deutsch gesprochen und Deutsch unterrichtet, Nietzsches Gedichte auswendig gelernt, mit der alleinigen Absicht, das alles zu verstehen, in der Hoffnung, eine Versöhnung herbeizuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon mit sechs Jahren erlernt Olivier Mannoni mit einem österreichischen Hauslehrer die deutsche Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch J.-C. Perrier&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach zwei Jahren in den Vorbereitungsklassen des Lycée Henri IV und einem Philologie- und Philosophiestudium an der Universität wird er Journalist und Literaturkritiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Übersetzertätigkeit beginnt mit einem dem Leben und dem Werk des Malers George Grosz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeten Essay (Maspero, Paris, 1979). Ab 1987 arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer für die größten französischen Verlage (Grasset, Gallimard, Fayard, Le Seuil, Payot, Christian Bourgois, [[Robert Calmann-Lévy|Calmann-Lévy]]...). Er erklärt im Nachhinein, dass er erst dank der Anerkennung von Nicole Zand, die in der Tageszeitung &#039;&#039;Le Monde&#039;&#039; einen Artikel über seine Sperber-Übersetzungen publiziert hatte, in „einer anderen Liga“&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Doerler&amp;lt;/ref&amp;gt; spielen durfte. Er hat außerdem eine Biografie von Manès Sperber verfasst, zwei Texte über Günter Grass&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118541579.html#dbocontent&amp;lt;/ref&amp;gt; und einen [[Sigmund Freud|Sigmund Freuds]] Humor gewidmeten Sammelband herausgegeben. Im Verlag Héloïse d’Ormesson hat er &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (2022, Hitler übersetzen) et &#039;&#039;Coulée brune. Comment le fascisme a inondé notre langue&#039;&#039; (2024, Die braune Flut. Wie der Faschismus unsere Sprache überschwemmt hat) publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 2007 und 2012 ist Olivier Mannoni Präsident der &#039;&#039;Association des traducteurs littéraires de France&#039;&#039; (ATLF, Verein der literarischen Übersetzer Frankreichs), dann wird er mit dem Aufbau der École de traduction littéraire (Schule für literarische Übersetzung) beauftragt, die 2012 vom &#039;&#039;Centre national du livre&#039;&#039; (Nationaler Buchverband) gegründet wurde und seit 2015 von der &#039;&#039;Association nationale pour la formation et le perfectionnement professionnels dans les métiers de l’édition&#039;&#039;, ASFORED (Verein zur Aus- und Fortbildung in den Verlagsberufen) getragen wird, die er heute noch leitet. Er hält auch im Rahmen des Masters „Literatur übersetzen“ (I.T.I.R.I., Université de Strasbourg) Vorlesungen über den Beruf des literarischen Übersetzers sowie zahlreiche Vorträge an verschiedenen Universitäten. Erwähnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern oder die Überarbeitung von Übersetzungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorrangig hat er Texte der Philosophen Peter Sloterdijk&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118825968&amp;lt;/ref&amp;gt; und Byung-Chul Han&amp;lt;ref&amp;gt;https://dai-heidelberg.de/en/events/byung-chul-han-40961/&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines südkoreanischen in Deutschland lebenden Philosophen, übersetzt, ebenso Werke des aus Galizien stammenden Schriftstellers [[Manès Sperber]] und des zeitgenössischen Schweizer Autors Martin Suter&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/123543185&amp;lt;/ref&amp;gt;. Er übersetzt sowohl große Autoren (Max Frisch, [[Franz Kafka]], Arthur Koestler, Botho Strauß), als auch vergessene Schriftsteller (Ludwig Hohl, Walter Serner), Kriminalromane (Bernhard Schlink), ebenso wie historische Romane für das breite Publikum (Peter Berling). Weiterhin überträgt Mannoni Texte von zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern (Maxim Biller, Sherko Fatah, Maxim Leo, Uwe Tellkamp) beziehungsweise Journalisten (Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer). Er hat nicht nur kanonische Denker übersetzt oder neu übersetzt (Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Max Weber), sondern ist auch ein Vermittler im Bereich von Philosophie, von literarischen, anthropologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Studien, sowie für Werke zu Musik, Film, Malerei und Kunst und für Texte von Kirchenhistorikern. Er hat auch die Autobiografie von Natascha Kampusch übersetzt, &#039;&#039;3096 jours&#039;&#039; (3096 Tage).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;3096 Jours&#039;&#039;, J.-C. Lattès 2010&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Herausforderung besteht jedoch in seiner herausragenden Rolle als Interpret und Kritiker der Sprache des NS-Regimes für das französische Publikum, wobei er sich weigert, diese Schriften ohne textkritischen Apparat zu publizieren. Es gelang ihm, eine solide historisch-kritische Ausgabe durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, Paris: Héloïse d’Ormesson 2022, S. 11&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Viertel seines Werks ist dem Nationalsozialismus gewidmet und er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema verfasst. Er hat Werke und Zeugnisse von Opfern (Richard Galzar, Ralph Giordano, Roma Ligocka, [[Moriz Scheyer]]) , aber auch von „Henkern“ (Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg) übersetzt, sowie textanalytische Werke über das III. Reich (Joachim Fest, Guido Knopp, Peter Reichel, Harald Welzer…). Hinzu kommen seine Übersetzungen von zahlreichen historischen Texten, insbesondere für die &#039;&#039;Revue d’histoire de la Shoah&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein erster Kontakt mit der Sprache des Nationalsozialismus erfolgte mit der 1989 veröffentlichten Übersetzung von Benno Müller-Hills&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/12118286X&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufsatz &#039;&#039;„Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933–1945“&#039;&#039;, und die „Krönung“ seines Wirkens als Experte für diese Sprache, die Victor Klemperer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd11856319X.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt; (1881-1960), in dessen Fußstapfen er tritt, so präzis untersucht hat, ist seine 2021 bei Fayard erschienene Übersetzung von &#039;&#039;Mein Kampf&#039;&#039;. Nach dieser Übersetzung hat er sich in seinem Essay &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039; (Hitler übersetzen) zu dieser Erfahrung und deren Nachwirkungen geäußert und generell zu seiner eigenen Entwicklung im Laufe seiner Arbeit. Er erzählt, wie er nach zwei Jahren seine Übersetzung dem Verleger übergeben hat, einen relativ lesbaren, wortgetreuen Text, und wie der neue Publikationsleiter (der Historiker Florent Brayard) verlangte, dass er seine ganze Arbeit „völlig dekonstruiert“ und sie wieder so „rekonstruiert, dass der Text genau so aussieht, […] wie man ihn 1925 lesen konnte: eine Art Brei voller Fehler und Wiederholungen, oft unlesbar, mit abenteuerlicher Syntax und überladen mit sprachlichen Zwangsvorstellungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;, S. 34&amp;lt;/ref&amp;gt; Mannoni akzeptiert diese neue Arbeit, es wird „ein Marsch durch einen dunklen Tunnel“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt;, der schließlich vier Jahre dauert, bis zu dieser Übersetzung, die in der Einführung zur Edition von 2021 als „sourciste“&amp;lt;ref&amp;gt;S. XXIX&amp;lt;/ref&amp;gt; (quellsprachenorientiert) bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Österreich bezogen hat er nicht nur Werke von [[Manès Sperber]] übersetzt (bei Odile Jacob, Paris), dem er eine eigene Arbeit gewidmet hat, sondern auch Texte von [[Sigmund Freud]] und [[Stefan Zweig]] übertragen. Zu den zeitgenössischen literarischen Texten österreichischer Autoren, die er übersetzt hat, zählen unter anderem: von Franzobel &#039;&#039;Das Floß  der Medusa&#039;&#039; (2017)  (&#039;&#039;À ce point de folie : d’après l’histoire du naufrage du Radeau de la méduse&#039;&#039;, 2018) sowie &#039;&#039;Die Eroberung Amerikas&#039;&#039; (2021) (&#039;&#039;Toute une expédition : la vie héroïque du conquistador qui rêvait de gloire et de Californie&#039;&#039;, 2022), ausserdem &#039;&#039;Herzfleischentartung&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Dégénérescence de la chair du cœur&#039;&#039;, 2006) von Ludwig Laher, &#039;&#039;Der Kameramörder&#039;&#039; (2001) (&#039;&#039;Le Tueur à la caméra&#039;&#039;, 2007) von Thomas Glavinic, &#039;&#039;Ich nannte ihn Krawatte&#039;&#039; (2012) (&#039;&#039;La Cravate&#039;&#039;, 2013) von Milena Michiko Flašar, &#039;&#039;Die Hauptstadt&#039;&#039; (2017) (&#039;&#039;La Capitale&#039;&#039;, 2019) von Robert Menasse, &#039;&#039;Am Weltenrand sitzen die Menschen&#039;&#039; (2018) (&#039;&#039;Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde&#039;&#039;, 2021) von Philipp Weiss, &#039;&#039;Das flüssige Land&#039;&#039; (2019) (&#039;&#039;Terre liquide&#039;&#039;, 2021) von Raphaela Edelbauer, und nicht zu vergessen die Gedichte des  Pianisten Alfred Brendel (1931-2025). Er hat auch Ernst Bruckmüllers &#039;&#039;Sozialgeschichte Österreichs&#039;&#039; (1985) übersetzt (&#039;&#039;Histoire sociale de l’Autriche&#039;&#039;, 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zeitgenössischen österreichischen Texte, die er ins Französische überträgt, beschäftigen sich oft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, was den persönlichen Interessen des Übersetzers entsprechen mag (seit einigen Jahren steht Olivier Mannoni die Wahl der zu übersetzenden Texte frei), und / oder der Relevanz dieser Vergangenheit für die zeitgenössischen Schriftsteller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt, Freud zu übersetzen, ob kanonische Texte oder den Briefwechsel, zeugt von seiner Freude an der intellektuellen Herausforderung: einen solchen Autor übersetzen bedeutet nämlich die Konfrontation mit grundlegenden Auseinandersetzungen (insbesondere zwischen Freud-Spezialisten und Germanisten) bezüglich einer Terminologie, die in der therapeutischen Praxis angewendet wird und somit kaum veränderbar ist. In dieser Hinsicht besteht die Originalität seines Ansatzes darin, dass er Freud nicht als klinischen Experte übersetzt, sondern als Philosophen und Schriftsteller.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit E. Sandron 2013, S. 54&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Beispiel des Begriffs „Phantasie“ erklärt er in einem Gespräch, dass Freud ihn in dem Sinne von „phantasieren“ verwendet, aber auch mit der Bedeutung von „imaginär“, sodass „eine Reduzierung des Worts auf eine einzige Bedeutung, oder – noch schlimmer – die Übersetzung mit dem französischen Wort „fantaisie“, weil es unbedingt immer nur ein einziges Wort sein müsse –, auf eine Kastration des Textes und vor allem auf eine Verneinung der literarischen und kreativen Dimension des freudschen Stils hinausläuft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 53&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stefan Zweig hat er zahlreiche Texte übersetzt: &#039;&#039;La Fuite dans l’immortalité&#039;&#039; (&#039;&#039;Flucht in die Unsterblichkeit&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Monde sans sommeil&#039;&#039; (&#039;&#039;Die schlaflose Welt&#039;&#039;), &#039;&#039;Une histoire au crépuscule&#039;&#039; (&#039;&#039;Geschichte in der Dämmerung&#039;&#039;), &#039;&#039;Petite nouvelle d’été&#039;&#039; (&#039;&#039;Sommernovelette&#039;&#039; – mit Rose Labourie), &#039;&#039;Jeremias&#039;&#039; (&#039;&#039;Jérémie&#039;&#039;, mit unveröffentlichten Texten aus dem Jahr 1915), &#039;&#039;Adam Lux&#039;&#039;, &#039;&#039;Quatre histoires du pays des enfants&#039;&#039; (&#039;&#039;Vier Geschichten aus Kinderland&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Joueur d’échecs&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Schachnovelle&#039;&#039;), &#039;&#039;La Confusion des sentiments&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Verwirrung der Gefühle&#039;&#039;) , &#039;&#039;Amok&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Amokläufer&#039;&#039;), &#039;&#039;La Ruelle au clair de lune&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Mondscheingasse&#039;&#039;), &#039;&#039;Le Wagon plombé&#039;&#039; (Der versiegelte Zug), gefolgt von &#039;&#039;Voyage en Russie&#039;&#039; (&#039;&#039;Reise nach Russland&#039;&#039;), &#039;&#039;Sur Maxime Gorki&#039;&#039; (&#039;&#039;Maxim Gorki&#039;&#039;), nicht zu vergessen die Baudelaire, Nietzsche, Fouché, Maria Stuart und Marie-Antoinette gewidmeten Biografien. Mannoni präzisiert, dass [[Alzir Hella]], Zweigs Freund und erster Übersetzer, die Texte stark bearbeitet und (literarisch gesehen) verbessert hatte, wohingegen man seit mehreren Jahrzehnten eher dazu tendiert, Zweigs Texte möglichst wortgetreu wiederzugeben, was nicht daran hindert, alles allzu Schwerfällige zu streichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit S. Mikleusevic&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf das Klischee &#039;&#039;traduttore, tradittore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, traître&#039;&#039;) antwortet Olivier Mannoni ziemlich humorvoll mit &#039;&#039;traduttore trattore&#039;&#039; (&#039;&#039;traducteur, tracteur&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Revue de la BNF&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn er die eigentliche Arbeit des Übersetzers beschreibt, lautet sein Credo als echter Pädagoge, der er ist, so: „Es ist faszinierend zu sehen, wie der Satz, ob russisch oder englisch, chinesisch, lateinisch, was weiß ich noch, plötzlich im Französischen so klingt, als wäre es die Quellsprache, identisch und doch ganz anders“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es ist die Lust an der Interpretation und der Wille, die Polysemie und den gesamten Kontext zu berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gespräch mit C. Gepner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seiner Feder ist die Kunst des Übersetzens mehr ein Handwerk&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;En attendant Nadeau&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; als eine Kunst oder eine Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Références et liens externes==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Auszeichnungen===&lt;br /&gt;
*Eugen-Hemlé-Preis 2018 für sein Gesamtwerk&lt;br /&gt;
*Charles-Oulmont-Preis 2023 für &#039;&#039;Traduire Hitler&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Chevalier des Arts et des Lettres 2023&lt;br /&gt;
===Monografien von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*Coulée brune. Comment le fascisme a envahi notre langue. Paris: Héloïse d’Ormesson 2024.&lt;br /&gt;
*Traduire Hitler. Paris: Héloïse d’Ormesson 2022.&lt;br /&gt;
*Manès Sperber : l’espoir tragique, préface de Jean Blot. Paris: Albin Michel 2004.&lt;br /&gt;
*Günter Grass : l’honneur d’un homme. Paris: Bayard 2000.&lt;br /&gt;
*Un écrivain à abattre : l’Allemagne contre Günter Grass. Paris: Ramsay 1996.&lt;br /&gt;
===Ausgewählte Aufsätze von O. Mannoni===&lt;br /&gt;
*« Un nouveau visage de la haine », La Revue lacanienne 24/1 (2023), S. 151–155.&lt;br /&gt;
*« La langue en lambeaux : la pensée totalitaire et la fragmentation du langage », Cités 93/1 (2023), S. 35–44.&lt;br /&gt;
*« Les pièges du langage totalitaire : traduire le nazisme », Traduire 240 (2019)&amp;lt;br&amp;gt;http://journals.openedition.org/traduire/1654&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« La force de l’incohérence », Contemporary French and Francophone Studies 21/5: Translating Trump (2017), S. 548–555.&lt;br /&gt;
*« Apprendre à creuser », En attendant Nadeau, 25. Juli 2017.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.en-attendant-nadeau.fr/2017/07/25/apprendre-creuser-traductologie/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*« Traduttore, trattore », Revue de la BNF 38/2 (2011), S. 40–43.&lt;br /&gt;
===Zitierte Werke===&lt;br /&gt;
*Schneede, Uwe M., Bussmann, Georg, Schneede-Sczesny, Marina: George Grosz: vie et œuvre, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Maspero 1979. &lt;br /&gt;
*Müller-Hill, Benno: Science nazie, science de mort, übersetzt von Olivier Mannoni. Paris: Odile Jacob 1989.&lt;br /&gt;
*Bruckmüller, Ernst: Histoire sociale de l’Autriche, 1985, übersetzt von Olivier Mannoni, Vorwort von Jacques Le Rider. Paris: éditions de la Maison des sciences de l’homme 2003.&lt;br /&gt;
*Brayard, Florent, Wirsching, Andreas (Hrsg.): Historiciser le mal. Une édition critique de Mein Kampf. Paris: Fayard 2021.&lt;br /&gt;
===Zitierte Interviews===&lt;br /&gt;
*Mit Emmanuèle Sandron: « D’une plume vive et claire. Entretien avec Olivier Mannoni », Traduire Freud, Translittérature 45 (2013), S. 49–54.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.translitterature.fr/Doc/article_815.pdf&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Corinna Gepner: « Portrait du traducteur en criminologue », Ciclic 2019&amp;lt;br&amp;gt;https://livre.ciclic.fr/vie-du-livre/dossier-28-lumiere-sur-olivier-mannoni-traducteur&amp;lt;/br&amp;gt; &lt;br /&gt;
*Mit Jean-Claude Perrier: « La confusion actuelle me fait peur », Livres hebdo, 17. Oktober 2022.&lt;br /&gt;
*Mit Elsa Doerler: « Olivier Mannoni : traducteur et passeur », Storia Mundi, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.storiamundi.com/427/interview-olivier-mannoni&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Mit Sacha Mikleusevic: « Entretien avec Olivier Mannoni, traducteur à l’honneur en 2022 », Festival Traduire le monde vo-vf, kein Datum.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.festivalvo-vf.com/entretien-avec-olivier-mannoni-traducteur-a-lhonneur-2022/&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auteur==&lt;br /&gt;
Aurélie Barjonet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung: Hélène Belletto-Sussel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/06/20246&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Olivier_Mannoni}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Mannoni, Olivier}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Olivier Mannoni le 12 décembre 2022 © Librairie Mollat https://www.youtube.com/watch?v=ktDoPre-8oE&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Olivier Mannoni le 12 décembre 2022 © Librairie Mollat https://www.youtube.com/watch?v=ktDoPre-8oE&lt;/div&gt;</summary>
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		<updated>2026-05-22T09:36:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Werk */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herbert-Eichholzer-Foto-DÖW.png||thumb|Herbert Eichholzer (Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW))]]Herbert Eichholzer (*31. Jänner 1903 in Graz, † 7. Jänner 1943 in Wien) war Architekt in Graz und während des Zweiten Weltkriegs eine der österreichischen Schlüsselfiguren des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Eine besondere Rolle für sein architektonisches Werk spielte die Auseinandersetzung mit dem schweizerisch-französischen Architekten [[Le Corbusier]]. Eichholzers intensive Rezeption dieses Architekten war innerhalb der österreichischen Architektur der Zwischenkriegszeit einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
In Graz geboren und aufgewachsen, absolvierte Herbert Eichholzer 1922–1928 das Hochbaustudium an der Technischen Hochschule Graz. Weite Reisen führten ihn schon als Student durch ganz Europa und bis nach Abessinien und Eritrea. Auch nach Studienabschluss war er höchst mobil, mehrere Arbeitsaufenthalte in Deutschland, Griechenland, der Türkei, in Paris und Moskau ermöglichten ihm wichtige berufliche Erfahrungen. Neben mehreren anderen Fremdsprachen sprach er fließend Französisch und hielt sich seit den 1920er Jahren mehrmals in Frankreich auf, zum Teil mehrere Monate lang. In Graz und der Steiermark konnte er innerhalb von nur zehn Jahren zahlreiche Bauten realisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Studentenzeit politisch links engagiert, wurde er 1934 als Mitglied des Republikanischen Schutzbunds inhaftiert. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 flüchtete er von Graz über Triest nach Paris, wo sich die Auslandsleitung der Kommunistischen Partei Österreichs befand. Nach einigen Monaten reiste er weiter nach Istanbul, wo er die Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] traf. Beide kehrten über Umwege in die damalige „Ostmark“ zurück, um im kommunistischen Widerstand tätig zu werden. Als Dolmetscher in der deutschen Wehrmacht in Verdun dienend wurde Eichholzer verraten, verhaftet und 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Tode verurteilt. Im Todesurteil&amp;lt;ref&amp;gt;Faksimile: Ecker 2004, S. 181–206&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde auf seinen Arbeitsaufenthalt im Pariser Atelier von [[Le Corbusier]] und dessen mehrheitlich zu ‚Kulturbolschewisten‘ entartet seiende Schüler verwiesen. Am 7. Jänner 1943 wurde Herbert Eichholzer in Wien hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
Herbert Eichholzer nahm als integrative Persönlichkeit in seinem Werk Anregungen unterschiedlicher Art auf. Ein besonderes Vorbild war für ihn der aus der Schweiz stammende Architekt [[Le Corbusier]] (1887–1965), der in Paris ein großes Büro führte und bereits in den 1920er Jahren international Bekanntheit erreicht hatte. Informationen über dessen Ideen, Planungen und Bauten waren auch in Graz über Bücher und Zeitschriften verfügbar, darunter etwa Le Corbusiers programmatisches Buch &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039;, das 1926 in deutscher Übersetzung als &#039;&#039;Kommende Baukunst&#039;&#039; vorlag. 1930 waren in Graz in einer Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes auch dessen Entwürfe zu sehen. Konservativ-nationalistische Grazer Vertreter des traditionellen Bauens, die das lokale Kulturleben dominierten und mit denen Eichholzer oft zu kämpfen hatte, sahen hingegen in dem gebürtigen Schweizer Le Corbusier den ‚Konstrukteur der Wohnmaschine‘, die Symbolfigur eines ‚seelenlosen‘ internationalen Technizismus und einen dem deutschen Wesen fremden, exzentrischen ‚Franzosen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Eichholzer Pistor Ferner Kopie.jpg|left|500px|thumb|Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz-Andritz, 1932/33 ]]Eichholzer absolvierte im Winter 1929/1930 drei Monate lang ein (wohl unbezahltes) Praktikum in Le Corbusiers gemeinsam mit [[Pierre Jeanneret]] geführtem Pariser Architekturatelier, als einer von zahlreichen Mitarbeitern und Volontären aus der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben war er in dieser Volontärszeit mit Planungen für Großbauten wie das Zentrosojus-Verwaltungsgebäude in Moskau befasst. Er besuchte sicher auch Bauten Le Corbusiers in oder in der Nähe von Paris. Diese Arbeitserfahrung sollte wesentlichen Einfluss auf sein weiteres Werk haben. Seither passte er sich in seinem Zeichenstil und in der Gestaltung seiner Pläne (Typographie, Nummerierung, etc.) dem Vorbild des Pariser Ateliers an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit etwas zeitlichem Abstand verarbeitete er auch in seinen eigenen Entwürfen in den folgenden Jahren in Bauweise und Ästhetik die bei [[Le Corbusier]] und Pierre Jeanneret gesammelten Eindrücke. Einige seiner zum Teil gemeinsam mit Grazer Kollegen gebauten Einfamilienhäuser bilden mit freiliegenden Sichtbetontreppen, Pilotis, Fensterbändern und Dachgärten einen engen Konnex zu den Häusern der damals schon weit bekannten Arbeitersiedlung in Pessac bei Bordeaux (1924–1926), zur &#039;&#039;Villa Savoye&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.villa-savoye.fr/decouvrir/histoire-de-la-villa-savoye&amp;lt;/ref&amp;gt; in Poissy (1929–1931), die bei Eichholzers Aufenthalt in Paris gerade in Bau befindlich war, zu den 1922 entstandenen Entwürfen für das &#039;&#039;Haus Citrohan&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-maison-citrohan-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie für das &#039;&#039;Immeuble-Villa&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-immeubles-villas-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1935 sprach Eichholzer einem Grazer Bauherrn gegenüber „von seiner Wertschätzung für Le Corbusier und dessen großartigen Plänen für eine bauliche Neugestaltung der Pariser Innenstadt nach völlig neuen Baumethoden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ecker 2004, S. 89&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Hagenbund_Frz_Architektur.jpg|330px|thumb|&#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart im Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Lois Pregartbauer (1899-1971), 1934]]Mit dieser deutlich artikulierten Nähe zu Le Corbusier stand er damals im Gegensatz zu seinen Wiener Architektenkollegen, die kaum Affinitäten zu diesem Architekten hatten (eine Ausnahme war Ernst A. Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit dem Herbert Eichholzer Mitte der 1930er Jahre in Kontakt stand). Auch sonst stieß die französische Architektur – im Gegensatz zur bildenden Kunst – in Wien auf relativ wenig Interesse. Ausnahme war 1934 die vom Wiener [[Hagenbund]] präsentierte, von der &#039;&#039;Société des Architectes Diplomés par le Gouvernement&#039;&#039; veranstaltete Ausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;, bei der allerdings Bauten Le Corbusiers fehlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich außergewöhnlich war auch die Nähe von Möbelentwürfen aus Eichholzers Atelier zu der in Frankreich arbeitenden irischen Designerin Eileen Gray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-eileen-gray&amp;lt;/ref&amp;gt; (1878–1976). Deren Entwürfe wurden in Wien zu dieser Zeit nicht rezipiert, müssen Eichholzer jedoch bekannt gewesen sein, wie etwa die Wahl des Materials Kork oder bestimmte Form- und Materialkombinationen seiner Möbel zeigen. So erinnert die voluminös erscheinende zylindrische Polsterung in Kombination mit Stahlrohr oder Holz bei mehreren seiner Fauteuils von 1932/1933 an Grays schon damals ikonischen Armsessel &#039;&#039;Bibendum&#039;&#039; von 1929, also aus dem Jahr, wo Eichholzer gerade in Paris war und dort Grays Verkaufsgalerie &#039;&#039;Jean Désert&#039;&#039; besucht haben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 nahm Herbert Eichholzer gemeinsam mit Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, seinem ehemaligen Lehrer an der Technischen Hochschule, mit einem Projekt am Wettbewerb für den österreichischen Staatspavillon auf der Weltausstellung in Paris teil. 1937 fuhr er, wohl anlässlich dieser Schau, wieder in die französische Hauptstadt, wo er bei dieser Gelegenheit offensichtlich die &#039;&#039;Cité de la Muette&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://drancy.memorialdelashoah.org/le-memorial-de-drancy/qui-sommes-nous/histoire-de-la-cite-de-la-muette.html&amp;lt;/ref&amp;gt; der Architekten Beaudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/045557/2002-07-02/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Marcel Lods&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LODS&amp;lt;/ref&amp;gt; im Vorort Drancy besucht hat. Diese Großsiedlung war 1935 in österreichischen Fachzeitschriften wie der &#039;&#039;Allgemeinen Bau-Zeitung und der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines&#039;&#039; als Großversuch weitgehendster Normierung im Wohnungsbau publiziert worden, ohne jedoch sonst in Österreich auf wesentliche Resonanz zu stoßen. Herbert Eichholzer hingegen war sich der Notwendigkeit der Industrialisierung des Bauvorganges deutlich bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 war er, bevor er auf Einladung Clemens Holzmeisters&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; weiter ins Exil in die Türkei reiste, ein letztes Mal in Paris. Ein halbes Jahr lang arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Architekt Albert Laprade&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LAPRA&amp;lt;/ref&amp;gt; (1883–1978), damals Chefarchitekt „des bâtiments civils et palais nationaux“. Er entwarf Hotels und Siedlungsbauten in den französischen Alpen, vermutlich in Zusammenhang mit der von Laprade und anderen Architekten geplanten und gerade in Errichtung befindlichen Rhône-Talsperre von Génissiat, die touristisch genutzt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Ecker, Dietrich: Herbert Eichholzer. Architekt (1903–1943). Hg. v. Peter Schurz. Wien–Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2004.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje: Keine Würfelwelt. Architekturpositionen einer „bodenständigen“ Moderne. Graz 1918–1938. Graz: HDA-Verlag 2007.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje / Halbrainer, Heimo: Totes Leben gibt es nicht. Herbert Eichholzer 1903–1943. Architektur – Kunst – Politik. Wien–New York: Springer-Verlag 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/12/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Herbert_Eichholzer}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Eichholzer, Herbert}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<title>Herbert Eichholzer</title>
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		<updated>2026-05-22T09:34:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Werk */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herbert-Eichholzer-Foto-DÖW.png||thumb|Herbert Eichholzer (Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW))]]Herbert Eichholzer (*31. Jänner 1903 in Graz, † 7. Jänner 1943 in Wien) war Architekt in Graz und während des Zweiten Weltkriegs eine der österreichischen Schlüsselfiguren des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Eine besondere Rolle für sein architektonisches Werk spielte die Auseinandersetzung mit dem schweizerisch-französischen Architekten [[Le Corbusier]]. Eichholzers intensive Rezeption dieses Architekten war innerhalb der österreichischen Architektur der Zwischenkriegszeit einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
In Graz geboren und aufgewachsen, absolvierte Herbert Eichholzer 1922–1928 das Hochbaustudium an der Technischen Hochschule Graz. Weite Reisen führten ihn schon als Student durch ganz Europa und bis nach Abessinien und Eritrea. Auch nach Studienabschluss war er höchst mobil, mehrere Arbeitsaufenthalte in Deutschland, Griechenland, der Türkei, in Paris und Moskau ermöglichten ihm wichtige berufliche Erfahrungen. Neben mehreren anderen Fremdsprachen sprach er fließend Französisch und hielt sich seit den 1920er Jahren mehrmals in Frankreich auf, zum Teil mehrere Monate lang. In Graz und der Steiermark konnte er innerhalb von nur zehn Jahren zahlreiche Bauten realisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Studentenzeit politisch links engagiert, wurde er 1934 als Mitglied des Republikanischen Schutzbunds inhaftiert. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 flüchtete er von Graz über Triest nach Paris, wo sich die Auslandsleitung der Kommunistischen Partei Österreichs befand. Nach einigen Monaten reiste er weiter nach Istanbul, wo er die Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] traf. Beide kehrten über Umwege in die damalige „Ostmark“ zurück, um im kommunistischen Widerstand tätig zu werden. Als Dolmetscher in der deutschen Wehrmacht in Verdun dienend wurde Eichholzer verraten, verhaftet und 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Tode verurteilt. Im Todesurteil&amp;lt;ref&amp;gt;Faksimile: Ecker 2004, S. 181–206&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde auf seinen Arbeitsaufenthalt im Pariser Atelier von [[Le Corbusier]] und dessen mehrheitlich zu ‚Kulturbolschewisten‘ entartet seiende Schüler verwiesen. Am 7. Jänner 1943 wurde Herbert Eichholzer in Wien hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
[[File:Eichholzer Pistor Ferner Kopie.jpg|left|500px|thumb|Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz-Andritz, 1932/33 ]]Herbert Eichholzer nahm als integrative Persönlichkeit in seinem Werk Anregungen unterschiedlicher Art auf. Ein besonderes Vorbild war für ihn der aus der Schweiz stammende Architekt [[Le Corbusier]] (1887–1965), der in Paris ein großes Büro führte und bereits in den 1920er Jahren international Bekanntheit erreicht hatte. Informationen über dessen Ideen, Planungen und Bauten waren auch in Graz über Bücher und Zeitschriften verfügbar, darunter etwa Le Corbusiers programmatisches Buch &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039;, das 1926 in deutscher Übersetzung als &#039;&#039;Kommende Baukunst&#039;&#039; vorlag. 1930 waren in Graz in einer Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes auch dessen Entwürfe zu sehen. Konservativ-nationalistische Grazer Vertreter des traditionellen Bauens, die das lokale Kulturleben dominierten und mit denen Eichholzer oft zu kämpfen hatte, sahen hingegen in dem gebürtigen Schweizer Le Corbusier den ‚Konstrukteur der Wohnmaschine‘, die Symbolfigur eines ‚seelenlosen‘ internationalen Technizismus und einen dem deutschen Wesen fremden, exzentrischen ‚Franzosen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;clear: both&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;Eichholzer absolvierte im Winter 1929/1930 drei Monate lang ein (wohl unbezahltes) Praktikum in Le Corbusiers gemeinsam mit [[Pierre Jeanneret]] geführtem Pariser Architekturatelier, als einer von zahlreichen Mitarbeitern und Volontären aus der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben war er in dieser Volontärszeit mit Planungen für Großbauten wie das Zentrosojus-Verwaltungsgebäude in Moskau befasst. Er besuchte sicher auch Bauten Le Corbusiers in oder in der Nähe von Paris. Diese Arbeitserfahrung sollte wesentlichen Einfluss auf sein weiteres Werk haben. Seither passte er sich in seinem Zeichenstil und in der Gestaltung seiner Pläne (Typographie, Nummerierung, etc.) dem Vorbild des Pariser Ateliers an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit etwas zeitlichem Abstand verarbeitete er auch in seinen eigenen Entwürfen in den folgenden Jahren in Bauweise und Ästhetik die bei [[Le Corbusier]] und Pierre Jeanneret gesammelten Eindrücke. Einige seiner zum Teil gemeinsam mit Grazer Kollegen gebauten Einfamilienhäuser bilden mit freiliegenden Sichtbetontreppen, Pilotis, Fensterbändern und Dachgärten einen engen Konnex zu den Häusern der damals schon weit bekannten Arbeitersiedlung in Pessac bei Bordeaux (1924–1926), zur &#039;&#039;Villa Savoye&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.villa-savoye.fr/decouvrir/histoire-de-la-villa-savoye&amp;lt;/ref&amp;gt; in Poissy (1929–1931), die bei Eichholzers Aufenthalt in Paris gerade in Bau befindlich war, zu den 1922 entstandenen Entwürfen für das &#039;&#039;Haus Citrohan&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-maison-citrohan-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie für das &#039;&#039;Immeuble-Villa&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-immeubles-villas-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1935 sprach Eichholzer einem Grazer Bauherrn gegenüber „von seiner Wertschätzung für Le Corbusier und dessen großartigen Plänen für eine bauliche Neugestaltung der Pariser Innenstadt nach völlig neuen Baumethoden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ecker 2004, S. 89&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Hagenbund_Frz_Architektur.jpg|thumb|&#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart im Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Lois Pregartbauer (1899-1971), 1934]]Mit dieser deutlich artikulierten Nähe zu Le Corbusier stand er damals im Gegensatz zu seinen Wiener Architektenkollegen, die kaum Affinitäten zu diesem Architekten hatten (eine Ausnahme war Ernst A. Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit dem Herbert Eichholzer Mitte der 1930er Jahre in Kontakt stand). Auch sonst stieß die französische Architektur – im Gegensatz zur bildenden Kunst – in Wien auf relativ wenig Interesse. Ausnahme war 1934 die vom Wiener [[Hagenbund]] präsentierte, von der &#039;&#039;Société des Architectes Diplomés par le Gouvernement&#039;&#039; veranstaltete Ausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;, bei der allerdings Bauten Le Corbusiers fehlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich außergewöhnlich war auch die Nähe von Möbelentwürfen aus Eichholzers Atelier zu der in Frankreich arbeitenden irischen Designerin Eileen Gray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-eileen-gray&amp;lt;/ref&amp;gt; (1878–1976). Deren Entwürfe wurden in Wien zu dieser Zeit nicht rezipiert, müssen Eichholzer jedoch bekannt gewesen sein, wie etwa die Wahl des Materials Kork oder bestimmte Form- und Materialkombinationen seiner Möbel zeigen. So erinnert die voluminös erscheinende zylindrische Polsterung in Kombination mit Stahlrohr oder Holz bei mehreren seiner Fauteuils von 1932/1933 an Grays schon damals ikonischen Armsessel &#039;&#039;Bibendum&#039;&#039; von 1929, also aus dem Jahr, wo Eichholzer gerade in Paris war und dort Grays Verkaufsgalerie &#039;&#039;Jean Désert&#039;&#039; besucht haben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 nahm Herbert Eichholzer gemeinsam mit Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, seinem ehemaligen Lehrer an der Technischen Hochschule, mit einem Projekt am Wettbewerb für den österreichischen Staatspavillon auf der Weltausstellung in Paris teil. 1937 fuhr er, wohl anlässlich dieser Schau, wieder in die französische Hauptstadt, wo er bei dieser Gelegenheit offensichtlich die &#039;&#039;Cité de la Muette&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://drancy.memorialdelashoah.org/le-memorial-de-drancy/qui-sommes-nous/histoire-de-la-cite-de-la-muette.html&amp;lt;/ref&amp;gt; der Architekten Beaudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/045557/2002-07-02/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Marcel Lods&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LODS&amp;lt;/ref&amp;gt; im Vorort Drancy besucht hat. Diese Großsiedlung war 1935 in österreichischen Fachzeitschriften wie der &#039;&#039;Allgemeinen Bau-Zeitung und der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines&#039;&#039; als Großversuch weitgehendster Normierung im Wohnungsbau publiziert worden, ohne jedoch sonst in Österreich auf wesentliche Resonanz zu stoßen. Herbert Eichholzer hingegen war sich der Notwendigkeit der Industrialisierung des Bauvorganges deutlich bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 war er, bevor er auf Einladung Clemens Holzmeisters&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; weiter ins Exil in die Türkei reiste, ein letztes Mal in Paris. Ein halbes Jahr lang arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Architekt Albert Laprade&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LAPRA&amp;lt;/ref&amp;gt; (1883–1978), damals Chefarchitekt „des bâtiments civils et palais nationaux“. Er entwarf Hotels und Siedlungsbauten in den französischen Alpen, vermutlich in Zusammenhang mit der von Laprade und anderen Architekten geplanten und gerade in Errichtung befindlichen Rhône-Talsperre von Génissiat, die touristisch genutzt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Ecker, Dietrich: Herbert Eichholzer. Architekt (1903–1943). Hg. v. Peter Schurz. Wien–Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2004.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje: Keine Würfelwelt. Architekturpositionen einer „bodenständigen“ Moderne. Graz 1918–1938. Graz: HDA-Verlag 2007.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje / Halbrainer, Heimo: Totes Leben gibt es nicht. Herbert Eichholzer 1903–1943. Architektur – Kunst – Politik. Wien–New York: Springer-Verlag 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/12/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Herbert_Eichholzer}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Eichholzer, Herbert}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Herbert_Eichholzer&amp;diff=1343</id>
		<title>Herbert Eichholzer</title>
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		<updated>2026-05-22T09:27:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Werk */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herbert-Eichholzer-Foto-DÖW.png||thumb|Herbert Eichholzer (Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW))]]Herbert Eichholzer (*31. Jänner 1903 in Graz, † 7. Jänner 1943 in Wien) war Architekt in Graz und während des Zweiten Weltkriegs eine der österreichischen Schlüsselfiguren des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Eine besondere Rolle für sein architektonisches Werk spielte die Auseinandersetzung mit dem schweizerisch-französischen Architekten [[Le Corbusier]]. Eichholzers intensive Rezeption dieses Architekten war innerhalb der österreichischen Architektur der Zwischenkriegszeit einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
In Graz geboren und aufgewachsen, absolvierte Herbert Eichholzer 1922–1928 das Hochbaustudium an der Technischen Hochschule Graz. Weite Reisen führten ihn schon als Student durch ganz Europa und bis nach Abessinien und Eritrea. Auch nach Studienabschluss war er höchst mobil, mehrere Arbeitsaufenthalte in Deutschland, Griechenland, der Türkei, in Paris und Moskau ermöglichten ihm wichtige berufliche Erfahrungen. Neben mehreren anderen Fremdsprachen sprach er fließend Französisch und hielt sich seit den 1920er Jahren mehrmals in Frankreich auf, zum Teil mehrere Monate lang. In Graz und der Steiermark konnte er innerhalb von nur zehn Jahren zahlreiche Bauten realisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Studentenzeit politisch links engagiert, wurde er 1934 als Mitglied des Republikanischen Schutzbunds inhaftiert. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 flüchtete er von Graz über Triest nach Paris, wo sich die Auslandsleitung der Kommunistischen Partei Österreichs befand. Nach einigen Monaten reiste er weiter nach Istanbul, wo er die Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] traf. Beide kehrten über Umwege in die damalige „Ostmark“ zurück, um im kommunistischen Widerstand tätig zu werden. Als Dolmetscher in der deutschen Wehrmacht in Verdun dienend wurde Eichholzer verraten, verhaftet und 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Tode verurteilt. Im Todesurteil&amp;lt;ref&amp;gt;Faksimile: Ecker 2004, S. 181–206&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde auf seinen Arbeitsaufenthalt im Pariser Atelier von [[Le Corbusier]] und dessen mehrheitlich zu ‚Kulturbolschewisten‘ entartet seiende Schüler verwiesen. Am 7. Jänner 1943 wurde Herbert Eichholzer in Wien hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
[[File:Eichholzer Pistor Ferner Kopie.jpg|left|300px|thumb|Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz-Andritz, 1932/33 ]]Herbert Eichholzer nahm als integrative Persönlichkeit in seinem Werk Anregungen unterschiedlicher Art auf. Ein besonderes Vorbild war für ihn der aus der Schweiz stammende Architekt [[Le Corbusier]] (1887–1965), der in Paris ein großes Büro führte und bereits in den 1920er Jahren international Bekanntheit erreicht hatte. Informationen über dessen Ideen, Planungen und Bauten waren auch in Graz über Bücher und Zeitschriften verfügbar, darunter etwa Le Corbusiers programmatisches Buch &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039;, das 1926 in deutscher Übersetzung als &#039;&#039;Kommende Baukunst&#039;&#039; vorlag. 1930 waren in Graz in einer Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes auch dessen Entwürfe zu sehen. Konservativ-nationalistische Grazer Vertreter des traditionellen Bauens, die das lokale Kulturleben dominierten und mit denen Eichholzer oft zu kämpfen hatte, sahen hingegen in dem gebürtigen Schweizer Le Corbusier den ‚Konstrukteur der Wohnmaschine‘, die Symbolfigur eines ‚seelenlosen‘ internationalen Technizismus und einen dem deutschen Wesen fremden, exzentrischen ‚Franzosen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eichholzer absolvierte im Winter 1929/1930 drei Monate lang ein (wohl unbezahltes) Praktikum in Le Corbusiers gemeinsam mit [[Pierre Jeanneret]] geführtem Pariser Architekturatelier, als einer von zahlreichen Mitarbeitern und Volontären aus der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben war er in dieser Volontärszeit mit Planungen für Großbauten wie das Zentrosojus-Verwaltungsgebäude in Moskau befasst. Er besuchte sicher auch Bauten Le Corbusiers in oder in der Nähe von Paris. Diese Arbeitserfahrung sollte wesentlichen Einfluss auf sein weiteres Werk haben. Seither passte er sich in seinem Zeichenstil und in der Gestaltung seiner Pläne (Typographie, Nummerierung, etc.) dem Vorbild des Pariser Ateliers an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit etwas zeitlichem Abstand verarbeitete er auch in seinen eigenen Entwürfen in den folgenden Jahren in Bauweise und Ästhetik die bei [[Le Corbusier]] und Pierre Jeanneret gesammelten Eindrücke. Einige seiner zum Teil gemeinsam mit Grazer Kollegen gebauten Einfamilienhäuser bilden mit freiliegenden Sichtbetontreppen, Pilotis, Fensterbändern und Dachgärten einen engen Konnex zu den Häusern der damals schon weit bekannten Arbeitersiedlung in Pessac bei Bordeaux (1924–1926), zur &#039;&#039;Villa Savoye&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.villa-savoye.fr/decouvrir/histoire-de-la-villa-savoye&amp;lt;/ref&amp;gt; in Poissy (1929–1931), die bei Eichholzers Aufenthalt in Paris gerade in Bau befindlich war, zu den 1922 entstandenen Entwürfen für das &#039;&#039;Haus Citrohan&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-maison-citrohan-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie für das &#039;&#039;Immeuble-Villa&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-immeubles-villas-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1935 sprach Eichholzer einem Grazer Bauherrn gegenüber „von seiner Wertschätzung für Le Corbusier und dessen großartigen Plänen für eine bauliche Neugestaltung der Pariser Innenstadt nach völlig neuen Baumethoden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ecker 2004, S. 89&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Hagenbund_Frz_Architektur.jpg|thumb|&#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart im Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Lois Pregartbauer (1899-1971), 1934]]Mit dieser deutlich artikulierten Nähe zu Le Corbusier stand er damals im Gegensatz zu seinen Wiener Architektenkollegen, die kaum Affinitäten zu diesem Architekten hatten (eine Ausnahme war Ernst A. Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit dem Herbert Eichholzer Mitte der 1930er Jahre in Kontakt stand). Auch sonst stieß die französische Architektur – im Gegensatz zur bildenden Kunst – in Wien auf relativ wenig Interesse. Ausnahme war 1934 die vom Wiener [[Hagenbund]] präsentierte, von der &#039;&#039;Société des Architectes Diplomés par le Gouvernement&#039;&#039; veranstaltete Ausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;, bei der allerdings Bauten Le Corbusiers fehlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich außergewöhnlich war auch die Nähe von Möbelentwürfen aus Eichholzers Atelier zu der in Frankreich arbeitenden irischen Designerin Eileen Gray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-eileen-gray&amp;lt;/ref&amp;gt; (1878–1976). Deren Entwürfe wurden in Wien zu dieser Zeit nicht rezipiert, müssen Eichholzer jedoch bekannt gewesen sein, wie etwa die Wahl des Materials Kork oder bestimmte Form- und Materialkombinationen seiner Möbel zeigen. So erinnert die voluminös erscheinende zylindrische Polsterung in Kombination mit Stahlrohr oder Holz bei mehreren seiner Fauteuils von 1932/1933 an Grays schon damals ikonischen Armsessel &#039;&#039;Bibendum&#039;&#039; von 1929, also aus dem Jahr, wo Eichholzer gerade in Paris war und dort Grays Verkaufsgalerie &#039;&#039;Jean Désert&#039;&#039; besucht haben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 nahm Herbert Eichholzer gemeinsam mit Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, seinem ehemaligen Lehrer an der Technischen Hochschule, mit einem Projekt am Wettbewerb für den österreichischen Staatspavillon auf der Weltausstellung in Paris teil. 1937 fuhr er, wohl anlässlich dieser Schau, wieder in die französische Hauptstadt, wo er bei dieser Gelegenheit offensichtlich die &#039;&#039;Cité de la Muette&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://drancy.memorialdelashoah.org/le-memorial-de-drancy/qui-sommes-nous/histoire-de-la-cite-de-la-muette.html&amp;lt;/ref&amp;gt; der Architekten Beaudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/045557/2002-07-02/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Marcel Lods&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LODS&amp;lt;/ref&amp;gt; im Vorort Drancy besucht hat. Diese Großsiedlung war 1935 in österreichischen Fachzeitschriften wie der &#039;&#039;Allgemeinen Bau-Zeitung und der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines&#039;&#039; als Großversuch weitgehendster Normierung im Wohnungsbau publiziert worden, ohne jedoch sonst in Österreich auf wesentliche Resonanz zu stoßen. Herbert Eichholzer hingegen war sich der Notwendigkeit der Industrialisierung des Bauvorganges deutlich bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 war er, bevor er auf Einladung Clemens Holzmeisters&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; weiter ins Exil in die Türkei reiste, ein letztes Mal in Paris. Ein halbes Jahr lang arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Architekt Albert Laprade&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LAPRA&amp;lt;/ref&amp;gt; (1883–1978), damals Chefarchitekt „des bâtiments civils et palais nationaux“. Er entwarf Hotels und Siedlungsbauten in den französischen Alpen, vermutlich in Zusammenhang mit der von Laprade und anderen Architekten geplanten und gerade in Errichtung befindlichen Rhône-Talsperre von Génissiat, die touristisch genutzt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Ecker, Dietrich: Herbert Eichholzer. Architekt (1903–1943). Hg. v. Peter Schurz. Wien–Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2004.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje: Keine Würfelwelt. Architekturpositionen einer „bodenständigen“ Moderne. Graz 1918–1938. Graz: HDA-Verlag 2007.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje / Halbrainer, Heimo: Totes Leben gibt es nicht. Herbert Eichholzer 1903–1943. Architektur – Kunst – Politik. Wien–New York: Springer-Verlag 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/12/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Herbert_Eichholzer}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Eichholzer, Herbert}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Datei:Eichholzer_Pistor_Ferner_Kopie.jpg&amp;diff=1342</id>
		<title>Datei:Eichholzer Pistor Ferner Kopie.jpg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz-Andritz, 1932/33

Copyright: Archiv der TU Graz&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz-Andritz, 1932/33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Copyright: Archiv der TU Graz&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Michel_Houellebecq&amp;diff=1341</id>
		<title>Michel Houellebecq</title>
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		<updated>2026-05-21T10:22:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Zitierte Zeitungsberichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:1920px-Michel Houellebecq no Fronteiras do Pensamento Porto Alegre 2016 (30895029365) (cropped).jpg|thumb|Michel Houellebecq, 2016]]Michel Houellebecq (Saint-Pierre, Réunion, 26. Februar 1956) – Romancier, Lyriker, Essayist, Schauspieler, Chansonier, u.a. ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt 2010 und dem österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2019 – gilt vielen nicht nur als auflagenstärkster, sondern auch wichtigster französischer Gegenwartsschriftsteller. Seine österreichische Rezeptionsgeschichte, es sind über 300 mittlere bis größere Artikel sowie einige Theateradaptionen erschienen, zeigt, dass Houellebecq durch seine Literatur und Autorpoetik indirekt, aber wirkungsvoll zum Gedankenaustausch zwischen Österreich und Frankreich beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
Der französische Schriftsteller hat sich weder als Vermittler französischer Literatur in Österreich oder anderswo noch als Vermittler generell hervorgetan. Dennoch wurde ihm 2019 der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen. Dabei gingen die Begründungen der Jury und des damaligen Bundeskanzlers in Teilen auseinander. Indes die Jury um die Literaturkritikerin und -wissenschaftlerin Daniela Strigl und den Literaturwissenschaftler Norbert Christian Wolf in Houellebecq „eine der einflussreichsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur“ erkannte, deren „Texte […] ein besonderes Sensorium für Fragen von gesellschaftlicher Sprengkraft“&amp;lt;ref&amp;gt;Bundeskanzleramt 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; verrieten, hob Alexander Schallenberg in der offiziellen Verlautbarung Houellebecqs „Beitrag zur kulturellen Verständigung und zum kulturellen Austausch in Europa“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; hervor. Das Mittel der Verständigung allerdings, und hier rückte der ÖVP-Politiker in Richtung des Fachpublikums, sei Houellebecqs Beobachtungsgabe als „Forensiker der Gesellschaft“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der mit diesen Worten, dem Staatspreis und 25.000 Euro Geehrte bekundete in seiner Dankesrede jedoch sein Erstaunen darüber, dass man Schriftsteller überhaupt prämiere, „ganz so als seien sie Wohltäter der Menschheit, obwohl sie es gar nicht sind und vorgeben zu sein. Dennoch gibt man ihnen Preise, ganz so als hätten sie was Verdienstvolles geleistet. Das ist merkwürdig.“&amp;lt;ref&amp;gt;Houellebecq zit. nach &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 27. Juli 2019, S. 27&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Bewertung und der Selbstpositionierung des Autors ist groß. Dabei handelt es sich um einen von vielen Widersprüchen in der österreichischen Rezeptionsgeschichte Houellebecqs, die im Folgenden anhand der Bestände des Innsbrucker Zeitungsarchivs (IZA) in groben Zügen rekonstruiert wird. Dort finden sich für die Zeit von 2000 bis 2022 über dreihundert Artikel österreichischer Zeitungen und Zeitschriften mit einer Länge von mehr als hundert Worten. (Die letzten Jahre sind noch nicht digitalisiert bzw. verschlagwortet worden.) Die Zahl bestätigt, dass es sich um einen bedeutsamen Autor handelt, dessen Werke von nahezu allen nationalen und regionalen Blättern beachtet werden. Houellebecq findet sich zwar wesentlich weniger erwähnt als Peter Handke oder Elfriede Jelinek, jedoch mehr als Christoph Ransmayr oder der Deutsche Christian Kracht, mit dem Houellebecq Einiges teilt. Denn wie bei Kracht tut sich die Presse bei Houellebecq schwer damit, Text und Autor zu trennen; die provozierenden Gedanken von Figuren und Erzählern werden auf ihren Schöpfer bezogen. Beiden wird eine Nähe zu neurechten Positionen sowie, im Falle Houellebecqs, Rassismus und Sexismus attestiert. Beide Autoren nutzen die Öffentlichkeit gleichwohl nicht, um im Sinne engagierter Literatur politisch zu kommentieren oder sich zumindest zu erklären. Vielmehr stiften ihre Auftritte Irritationen. Dahinter vermuten nicht wenige strategische Absichten, als bestünde das „wahre Kunstwerk, darin einer Performance verwandt, […] in der öffentlichen Rezeption.“&amp;lt;ref&amp;gt;Jessen, &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039;, 7. Februar 2002, S. 7&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zentrale Rezeptionstendenzen und -strömungen==&lt;br /&gt;
Verstörende öffentliche Performances und die vermutete Nähe zwischen dem Autor und seinen moralisch diskreditierten Figuren sind einerseits Streitpunkte der Rezeption. Andererseits gelten sie auch als Belege einer (aufmerksamkeits-)ökonomisch erfolgreichen Autorpoetik, durch die sich Vieles über den Literaturbetrieb und die mediale Erregungskultur der Spätmoderne lernen lässt. Generell wird Houelllebecq als Schaffer literarischer Fiktion wahrgenommen, die über sprachliche und kulturelle Grenzen wirkt, indem sie problematische Dynamiken wiedergibt und grotesk verstärkt. Er gilt, negativ betrachtet, als „Zündler“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 14. Januar 2015, S. 31&amp;lt;/ref&amp;gt;; neutralere Stimmen sehen in ihm einen „notorische[n] Provokateur“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;profil&#039;&#039;, 26. Mai 2014, S. 87&amp;lt;/ref&amp;gt;; positiv gestimmte Beobachter würdigen ihn als „Aufrüttler“&amp;lt;ref&amp;gt;(Thuswaldner, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 11. Januar 2022, S. 9)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Häufig wird Houellebecq als internationaler Maßstab herangezogen. In einer Rezension von &#039;&#039;Unterwerfung&#039;&#039; etwa wird ihm das zugebilligt, „was der Österreicher Thomas Glavinic so gerne schaffen würde, mittels Literatur ein ganzes Land zu spalten. Houellebecq ist ihm an Strahlkraft und ästhetischer Energie heillos überlegen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thuswaldner, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 17. Januar 2009, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bezugnahme ist insofern interessant und beispielhaft, als darin anhand des – auch hier mit seiner Literatur gleichgesetzten – Autors hiesige Verhältnisse reflektiert und gradiert werden. Dies geschah hinsichtlich der vermeintlichen Islamisierung europäischer Gesellschaften im Rückgriff auf die Situation in Frankreich vor allem in der Diskussion des Romans &#039;&#039;Unterwerfung&#039;&#039; (&#039;&#039;Soumission&#039;&#039;, 2015). Vermittlung findet auch in die andere Richtung und zwar insofern statt, als das österreichische Feuilleton – in Übereinstimmung mit Houellebecq – Thomas Bernhard als dessen verwandten Geist und Vorbild erkennt.&amp;lt;ref&amp;gt;Als nur zwei von insgesamt 12 Beispielen: „Als wären Schriftsteller Wohltäter der Menschheit“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 27. Juli 2019, S. 20; „Frankreichs Thomas Bernhard“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 17. August 2010, S. 27&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der printmedialen Aufnahme Houellebecqs sind drei Lager zu unterscheiden. &lt;br /&gt;
Zunächst wäre die zahlenmäßig größte Gruppe der ihm ästhetisch wohlgesonnenen Stimmen zu erwähnen, die häufig in &#039;&#039;Falter&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;Furche&#039;&#039; und damit linksliberaleren bzw. liberal-katholischen Blättern publiziert. Man erkennt, dass der Provokateur ein „rares Talent dafür [besitze], Stoffe von gesellschaftlicher Brisanz aufzugreifen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 14. Januar 2015, S. 30f.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dass er Material liefere: „fürs Denken gegen Vereinfachungen – und für Diskussionen, die dringend geführt werden müssen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 15. Januar 2015, Feuilleton, S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu den zugewandten Kommentator:innen gehören mit Brigitte Schwends-Harrant und der zitierten Strigl renommierte Kritikerinnen. Man begreift die Romane des Franzosen als zwar zynische und düstere, gleichwohl zutreffende und durchaus witzige zivilisationskritische Satiren, die zur Schärfung der Kultur- und Gegenwartsdiagnostik und zur Infragestellung des okzidentalen Selbstbildes einladen. Houellebecq wird nicht mit seinen Figuren gleichgesetzt. Der mediale Rummel, den er auslöst, ist kein zentraler Gegenstand der Betrachtung. Houellebecq bestätigt die Annahme, Literatur dürfe sich über alle Konventionen und Tabus hinwegsetzen, sie habe die Aufgabe, Dinge zu forcieren und zu intensivieren, um sie sichtbar zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine zweite Rezeptionstendenz zieht keine konkreten oder weiten politischen Schlüsse, schreckt vor der Identifikation von Autor und Werk nicht zurück und präferiert ästhetisches Terrain, ohne darin weit vorzudringen. Sofern die Kritik negativ ausfällt, bestätigt man die thematische Spürnase des Autors, moniert aber dessen flapsigen Ton und das Thesenhafte der Romane. Man bemängelt Werke, die „kompositorisch simpel“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 24. September 2005, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; wirkten. Am anderen Ende der Skala ist man bereit, in Houellebecq einen „sonderbare[n] Menschenfreund [zu erkennen], der Nähe und Mitgefühl über alles stellt“&amp;lt;ref&amp;gt;Simon, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 5. Dezember 2020&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine düstere Prognostik habe romantische und nostalgische Beweggründe, sie weise auf reale Missstände hin.&amp;lt;ref&amp;gt;Krassnitzer, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 14. Februar 2002, S. 18&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Gleichsetzung von Werk und Autor wird poetologisch begründet. Houellebecq erscheint als Trendsetter für Autoren wie Karl Ove Knausgård. Als Beispiele für die These dienen der Roman &#039;&#039;Karte und Gebiet&#039;&#039; (&#039;&#039;La carte et le territoire&#039;&#039;), in dem ein Autor namens Michel Houellebecq auftritt und gegen Ende zerstückelt wird, oder auch der Film &#039;&#039;Die Entführung des Michel Houellebecq&#039;&#039; (&#039;&#039;L’enlèvement de Michel Houellebecq&#039;&#039;, 2014), in dem der Autor einen Autor gleichen Namens spielt, der von drei tumben Muskelpaketen entführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Last but not least gibt es eine kleinere kritische Strömung, etwa vertreten durch Sigrid Löffler, die den Autor in der von ihm gefertigten „Überbietungsspirale“ gefangen sieht: „Die Provokationsdosis seiner zivilisationskritischen Thesenromane muss also von Buch zu Buch erhöht werden. Als Popstar eines pornografischen Pessismus hat Houellebecq die Welt als globalen Supermarkt und Amüsierbetrieb beschrieben.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 5. Januar 2019, S. 7&amp;lt;/ref&amp;gt; Von dieser Gruppe werden die Houellebecqschen Romane als kalkuliert provokant, als bloße Masche verstanden: Ein Roman „löst den üblichen Skandal aus“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Standard&#039;&#039;, 29. August 2001, S. 25&amp;lt;/ref&amp;gt;, der andere sei „banal und reaktionär“ und bringe die „erwartete [...] Anstößigkeit“&amp;lt;ref&amp;gt;Gauß, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 03. September 2009, S. V&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit Gauß und Löffler handelt es sich jedenfalls um eine im Vergleich zu Strigl und Schwends-Harrant ältere Generation von Kritiker:innen, die wenig mit Houellebecq anfangen kann. Erstaunlich ist hinsichtlich der Rezeptionsströmungen jedenfalls, dass sich die Meinungen kaum ändern: Es gibt Houellebecquianer und erbitterte Feinde Houellebecqs – und allein diese Polarisierung macht die Houellebecq-Rezeption zu einem Schlüssel zum Feld der österreichischen Literaturkritik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lyrik und Essays==&lt;br /&gt;
Houellebecq ist ferner als Essayist und Lyriker hervorgetreten, seine Gedichte und Essays (etwa zu Arthur Schopenhauer) wurden in seinem deutschen Hausverlag DuMont ebenso gedruckt wie sein Schlagabtausch mit Bernard-Henry Lévy (&#039;&#039;Volksfeind. Ein Schlagabtausch&#039;&#039;, 2009). Die Texte im Gedichtband &#039;&#039;Gestalt des letzten Ufers&#039;&#039; (&#039;&#039;Configuration du dernier rivage&#039;&#039;, 2014) wurden als Ansichten des Autors gewertet und er als gewordener Adam gesehen, der mit „trauriger Lakonie seine Lebenswunden leckt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fasthuber, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 19. April 2014, S. XIV&amp;lt;/ref&amp;gt; Man erkennt in Houellebecq „ein[en] bemerkenswerte[n] Lyriker“&amp;lt;ref&amp;gt;Görner, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 10. Mai. 2014, S. V&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Rezeption des Lyrikers Houellebecq erfolgte im Anschluss an die Diskussion seiner Romane.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufnahme der Essays ist vielschichtiger: Houellebecqs Interventionen wurden einerseits als „geschickte rhetorische Manöver enttarn[t]. Er bedient den Zeitgeist unter dem Vorwand, gegen den Zeitgeist anzuschreiben.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 10. Dezember 2020, S. 14&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits sei, „was Houellebecq bei Gelegenheit hervorbringt, mehr wert als das, was so mancher Autor sich mühsam aus den Fingern saugt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Simon, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 5. Dezember 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Und dies beziehe sich auch auf seine konservativen Ansichten und sein süffisantes Erstaunen darüber, dass Feministinnen sich wundern, wenn die schöne neue Arbeitswelt den Frauen keine Befreiung, sondern ein größeres Gefängnis sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Adaptierungen==&lt;br /&gt;
Es gibt neben der printmedialen Rezeption der literarischen Werke überdies eine Verarbeitung diverser Romane Houellebecqs auf österreichischen Bühnen. Im Theater am Werk am Petersplatz (vormals u. a. Garage X Theater) inszenierte man sowohl eine Bühnenversion von &#039;&#039;Karte und Gebiet&#039;&#039; (2011) als auch von &#039;&#039;Unterwerfung&#039;&#039; (2015). Die Dramaturg:innen waren jeweils Ali M. Abdullah und Hanna Lioba Egenolf. &#039;&#039;Karte und Gebiet&#039;&#039; hatte am 21. November 2012 Premiere in Wien und Vorpremiere vom 15. bis 17. November 2012 im Rahmen des Salzburger Open Mind Festivals im Kulturzentrum ARGEKultur. Die Hauptrollen der Wiener Fassung spielten Denis Petković und Zeynep Buyraç. Indes die &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039; lobte, dass Houellebecqs Stil „nicht kopiert, sondern bühnentauglich gemacht“&amp;lt;ref&amp;gt;Krösche, &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 21. November 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; werde, urteilen &#039;&#039;Der Standard&#039;&#039; angesichts der Salzburger und &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039; nach Besuch der Wiener Inszenierung negativ: Man habe Houellebecqs Roman in eine „Boulevardkomödie“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Standard&#039;&#039;, 17. November 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; bzw. zu einem „seichten Klamauktheater“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 24. November 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; gemacht. Weit negativer fällt die Kritik von Abdullahs zweiter Houellebecq-Adaption aus: &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039; lobt einsam, dass die Inszenierung von Unterwerfung die Ambivalenz der Vorlage auf die Bühne zu bringen vermöge, dagegen urteilen &#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039; und &#039;&#039;Kurier&#039;&#039; negativ. Man moniert, dass die Inszenierung die Satire von Unterwerfung wegfallen lasse&amp;lt;ref&amp;gt;Schausberger, &#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 26. Februar 2016&amp;lt;/ref&amp;gt; und es sich um einen „[v]erzweifelte[n] Versuch einer Umsetzung“&amp;lt;ref&amp;gt;Trenkler, &#039;&#039;Kurier&#039;&#039;, 20. Februar 2016&amp;lt;/ref&amp;gt; handle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibiliografie==&lt;br /&gt;
===Literatur===&lt;br /&gt;
*Bundeskanzleramt: Kulturminister Schallenberg verleiht Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.bundeskanzleramt.gv.at/bundeskanzleramt/nachrichten-der-bundesregierung/2019/kulturminister-schallenberg-verleiht-oesterreichischen-staatspreis-fuer-europaeische-literatur.html, zuletzt abgerufen am 20. April 2026.&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Zitierte Zeitungsberichte===&lt;br /&gt;
*„Als wären Schriftsteller Wohltäter der Menschheit“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 27 Juli 2019.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 14. Januar 2015.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 15. Januar 2015.&lt;br /&gt;
*Fasthuber, Sebastian: „Das seufzte Adam…“, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 19. April 2014.&lt;br /&gt;
*„Frankreichs Thomas Bernhard“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 17. August 2010, S. 27.&lt;br /&gt;
*Gauß, Karl-Markus, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 3. September 2009.&lt;br /&gt;
*Görner, Rüdiger: „Ein halber Würfelwurf“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 10. Mai. 2014.&lt;br /&gt;
*Jessen, Jens: „Der große Jammer“, &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039;, 7. Februar 2002.&lt;br /&gt;
*Krassnitzer, Michael: „Der letzte Romantiker“, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 14. Februar 2002.&lt;br /&gt;
*Krösche, Kai: „Sterben und (sich selbst) Sterben lassen“, &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 21. November 2012.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;profil&#039;&#039;, 26. Mai 2014.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 5. Januar 2019.&lt;br /&gt;
*Schausberger, Sarah: „‚Unterwerfung‘: Wo ist die Satire geblieben?“, &#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 26. Februar 2016.&lt;br /&gt;
*Simon, Anne-Catherine: „Schatten eines Abscheus“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 5. Dezember 2020.&lt;br /&gt;
*„So lässt sich Houellebecq nicht inszenieren“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 24. November 2012.&lt;br /&gt;
*Thuswaldner, Anton: „Der ideale Schriftsteller des postideologischen Zeitalters“, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039; 3, 17. Januar 2009.&lt;br /&gt;
*Thuswaldner, Anton: „Frankreichs Aufrüttler blickt ins Jahr 2027“, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 11. Januar 2022.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 24. September 2005.&lt;br /&gt;
*Trenkler, Thomas: „Verzweifelter Versuch einer Umsetzung“, &#039;&#039;Kurier&#039;&#039;, 20. Februar 2016.&lt;br /&gt;
*„Was man nicht kann, mag man nicht“, &#039;&#039;Der Standard&#039;&#039;, 17. November 2012.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 27. Juli 2019.&lt;br /&gt;
*„Zeitgeistig gegen den Zeitgeist“, &#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 10. Dezember 2020.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Angesprochene Werke Houellebecqs===&lt;br /&gt;
====Romane====&lt;br /&gt;
*Ausweitung der Kampfzone, übersetzt von Leopold Federmair. Berlin: Wagenbach 1999 (französisch: Extension du domaine de la lutte. Paris: Flammarion 1994). &lt;br /&gt;
*Elementarteilchen, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 1999 (französisch: Les particules élémentaires. Paris: Flammarion 1998).&lt;br /&gt;
*Plattform, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 2002 (französisch: Plateforme. Paris: Flammarion 2001).&lt;br /&gt;
*Die Möglichkeit einer Insel, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 2005 (französisch: La possibilité d’une île. Paris: Fayard 2005).&lt;br /&gt;
*Karte und Gebiet, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 2011 (französisch: La carte et le territoire. Paris: Flammarion 2010).&lt;br /&gt;
*Unterwerfung, übersetzt von Norma Cassau und Bernd Wilczek. Köln: DuMont 2015 (französisch: Soumission. Paris: Flammarion 2015).&lt;br /&gt;
*Serotonin, übersetzt von Stephan Kleiner. Köln: DuMont 2019 (französisch: Sérotonine. Paris: Flammarion 2019).&lt;br /&gt;
*Vernichten, übersetzt von Stephan Kleiner und Bernd Wilczek. Köln: DuMont 2022 (französisch: Anéantir. Paris: Flammarion 2022).&lt;br /&gt;
====Gedichte====&lt;br /&gt;
*Suche nach Glück. Gedichte, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2000 (französisch: La poursuite du bonheur. Paris: Flammarion 1991).&lt;br /&gt;
*Der Sinn des Kampfes. Gedichte, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2001 (französisch: Le sens du combat. Paris: Flammarion 1996).&lt;br /&gt;
*Wiedergeburt. Gedichte, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2001 (französisch: Renaissance. Paris: Flammarion 1999).&lt;br /&gt;
*Gestalt des letzten Ufers. Gedichte, übersetzt von Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2014 (französisch: Configuration du dernier rivage. Paris: Flammarion 2013)&lt;br /&gt;
====Essays====&lt;br /&gt;
*Gegen die Welt, gegen das Leben, übersetzt von Ronald Voullié. Köln: DuMont 2002 (französisch: H. P. Lovecraft. Contre le monde, contre la vie. Monaco: Rocher 1991).&lt;br /&gt;
*Lebendig bleiben. Leitfaden, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel und Hella Faust. Köln: DuMont 2006 (französisch: Rester vivant. 1997).&lt;br /&gt;
*Die Welt als Supermarkt. Köln: DuMont 1999 (französisch: Interventions, recueil d’essais. Paris: Flammarion 1998).&lt;br /&gt;
*In Schopenhauers Gegenwart, übersetzt von Stephan Kleiner. Köln: DuMont 2017 (französisch: En présence de Schopenhauer. Paris: Éditions L’Herne 2017).&lt;br /&gt;
*Ein bisschen schlechter. Neue Interventionen, übersetzt von Stephan Kleiner. Köln: DuMont 2020 (französisch: Interventions 2020).&lt;br /&gt;
====Theater====&lt;br /&gt;
*Karte und Gebiet, für die Bühne bearbeitet von Ali M. Abdullah und Hannah Lioba Egenolf, Vorpremiere: 15.-17.11.2012 im Rahmen des Festivals ARGEkultur, Salzburg, danach Premiere am 21.11.2012 in der Garage X, Wien. Das Stück lief eine Spielzeit.&lt;br /&gt;
*Unterwerfung, für die Bühne bearbeitet von Ali M. Abdullah und Hannah Lioba Egenolf, Premiere am 18. Februar 2016. Das Stück lief zwei Spielzeiten und wurde zur Abschluss der Intendanz von Abdullah im Rahmen der Retrospektive gezeigt.&lt;br /&gt;
====Film====&lt;br /&gt;
*Die Entführung des Michel Houellebecq. Komödie, Frankreich 2013. Regie: Guillaume Nicloux.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Peter C. Pohl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 20/05/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Michel_Houellebecq}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Houellebecq, Michel}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Michel_Houellebecq&amp;diff=1340</id>
		<title>Michel Houellebecq</title>
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		<updated>2026-05-21T10:22:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Hannah: /* Bibiliografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:1920px-Michel Houellebecq no Fronteiras do Pensamento Porto Alegre 2016 (30895029365) (cropped).jpg|thumb|Michel Houellebecq, 2016]]Michel Houellebecq (Saint-Pierre, Réunion, 26. Februar 1956) – Romancier, Lyriker, Essayist, Schauspieler, Chansonier, u.a. ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt 2010 und dem österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2019 – gilt vielen nicht nur als auflagenstärkster, sondern auch wichtigster französischer Gegenwartsschriftsteller. Seine österreichische Rezeptionsgeschichte, es sind über 300 mittlere bis größere Artikel sowie einige Theateradaptionen erschienen, zeigt, dass Houellebecq durch seine Literatur und Autorpoetik indirekt, aber wirkungsvoll zum Gedankenaustausch zwischen Österreich und Frankreich beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
Der französische Schriftsteller hat sich weder als Vermittler französischer Literatur in Österreich oder anderswo noch als Vermittler generell hervorgetan. Dennoch wurde ihm 2019 der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen. Dabei gingen die Begründungen der Jury und des damaligen Bundeskanzlers in Teilen auseinander. Indes die Jury um die Literaturkritikerin und -wissenschaftlerin Daniela Strigl und den Literaturwissenschaftler Norbert Christian Wolf in Houellebecq „eine der einflussreichsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur“ erkannte, deren „Texte […] ein besonderes Sensorium für Fragen von gesellschaftlicher Sprengkraft“&amp;lt;ref&amp;gt;Bundeskanzleramt 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; verrieten, hob Alexander Schallenberg in der offiziellen Verlautbarung Houellebecqs „Beitrag zur kulturellen Verständigung und zum kulturellen Austausch in Europa“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; hervor. Das Mittel der Verständigung allerdings, und hier rückte der ÖVP-Politiker in Richtung des Fachpublikums, sei Houellebecqs Beobachtungsgabe als „Forensiker der Gesellschaft“&amp;lt;ref&amp;gt;ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der mit diesen Worten, dem Staatspreis und 25.000 Euro Geehrte bekundete in seiner Dankesrede jedoch sein Erstaunen darüber, dass man Schriftsteller überhaupt prämiere, „ganz so als seien sie Wohltäter der Menschheit, obwohl sie es gar nicht sind und vorgeben zu sein. Dennoch gibt man ihnen Preise, ganz so als hätten sie was Verdienstvolles geleistet. Das ist merkwürdig.“&amp;lt;ref&amp;gt;Houellebecq zit. nach &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 27. Juli 2019, S. 27&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Bewertung und der Selbstpositionierung des Autors ist groß. Dabei handelt es sich um einen von vielen Widersprüchen in der österreichischen Rezeptionsgeschichte Houellebecqs, die im Folgenden anhand der Bestände des Innsbrucker Zeitungsarchivs (IZA) in groben Zügen rekonstruiert wird. Dort finden sich für die Zeit von 2000 bis 2022 über dreihundert Artikel österreichischer Zeitungen und Zeitschriften mit einer Länge von mehr als hundert Worten. (Die letzten Jahre sind noch nicht digitalisiert bzw. verschlagwortet worden.) Die Zahl bestätigt, dass es sich um einen bedeutsamen Autor handelt, dessen Werke von nahezu allen nationalen und regionalen Blättern beachtet werden. Houellebecq findet sich zwar wesentlich weniger erwähnt als Peter Handke oder Elfriede Jelinek, jedoch mehr als Christoph Ransmayr oder der Deutsche Christian Kracht, mit dem Houellebecq Einiges teilt. Denn wie bei Kracht tut sich die Presse bei Houellebecq schwer damit, Text und Autor zu trennen; die provozierenden Gedanken von Figuren und Erzählern werden auf ihren Schöpfer bezogen. Beiden wird eine Nähe zu neurechten Positionen sowie, im Falle Houellebecqs, Rassismus und Sexismus attestiert. Beide Autoren nutzen die Öffentlichkeit gleichwohl nicht, um im Sinne engagierter Literatur politisch zu kommentieren oder sich zumindest zu erklären. Vielmehr stiften ihre Auftritte Irritationen. Dahinter vermuten nicht wenige strategische Absichten, als bestünde das „wahre Kunstwerk, darin einer Performance verwandt, […] in der öffentlichen Rezeption.“&amp;lt;ref&amp;gt;Jessen, &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039;, 7. Februar 2002, S. 7&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zentrale Rezeptionstendenzen und -strömungen==&lt;br /&gt;
Verstörende öffentliche Performances und die vermutete Nähe zwischen dem Autor und seinen moralisch diskreditierten Figuren sind einerseits Streitpunkte der Rezeption. Andererseits gelten sie auch als Belege einer (aufmerksamkeits-)ökonomisch erfolgreichen Autorpoetik, durch die sich Vieles über den Literaturbetrieb und die mediale Erregungskultur der Spätmoderne lernen lässt. Generell wird Houelllebecq als Schaffer literarischer Fiktion wahrgenommen, die über sprachliche und kulturelle Grenzen wirkt, indem sie problematische Dynamiken wiedergibt und grotesk verstärkt. Er gilt, negativ betrachtet, als „Zündler“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 14. Januar 2015, S. 31&amp;lt;/ref&amp;gt;; neutralere Stimmen sehen in ihm einen „notorische[n] Provokateur“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;profil&#039;&#039;, 26. Mai 2014, S. 87&amp;lt;/ref&amp;gt;; positiv gestimmte Beobachter würdigen ihn als „Aufrüttler“&amp;lt;ref&amp;gt;(Thuswaldner, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 11. Januar 2022, S. 9)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Häufig wird Houellebecq als internationaler Maßstab herangezogen. In einer Rezension von &#039;&#039;Unterwerfung&#039;&#039; etwa wird ihm das zugebilligt, „was der Österreicher Thomas Glavinic so gerne schaffen würde, mittels Literatur ein ganzes Land zu spalten. Houellebecq ist ihm an Strahlkraft und ästhetischer Energie heillos überlegen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thuswaldner, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 17. Januar 2009, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bezugnahme ist insofern interessant und beispielhaft, als darin anhand des – auch hier mit seiner Literatur gleichgesetzten – Autors hiesige Verhältnisse reflektiert und gradiert werden. Dies geschah hinsichtlich der vermeintlichen Islamisierung europäischer Gesellschaften im Rückgriff auf die Situation in Frankreich vor allem in der Diskussion des Romans &#039;&#039;Unterwerfung&#039;&#039; (&#039;&#039;Soumission&#039;&#039;, 2015). Vermittlung findet auch in die andere Richtung und zwar insofern statt, als das österreichische Feuilleton – in Übereinstimmung mit Houellebecq – Thomas Bernhard als dessen verwandten Geist und Vorbild erkennt.&amp;lt;ref&amp;gt;Als nur zwei von insgesamt 12 Beispielen: „Als wären Schriftsteller Wohltäter der Menschheit“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 27. Juli 2019, S. 20; „Frankreichs Thomas Bernhard“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 17. August 2010, S. 27&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der printmedialen Aufnahme Houellebecqs sind drei Lager zu unterscheiden. &lt;br /&gt;
Zunächst wäre die zahlenmäßig größte Gruppe der ihm ästhetisch wohlgesonnenen Stimmen zu erwähnen, die häufig in &#039;&#039;Falter&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;Furche&#039;&#039; und damit linksliberaleren bzw. liberal-katholischen Blättern publiziert. Man erkennt, dass der Provokateur ein „rares Talent dafür [besitze], Stoffe von gesellschaftlicher Brisanz aufzugreifen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 14. Januar 2015, S. 30f.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dass er Material liefere: „fürs Denken gegen Vereinfachungen – und für Diskussionen, die dringend geführt werden müssen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 15. Januar 2015, Feuilleton, S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu den zugewandten Kommentator:innen gehören mit Brigitte Schwends-Harrant und der zitierten Strigl renommierte Kritikerinnen. Man begreift die Romane des Franzosen als zwar zynische und düstere, gleichwohl zutreffende und durchaus witzige zivilisationskritische Satiren, die zur Schärfung der Kultur- und Gegenwartsdiagnostik und zur Infragestellung des okzidentalen Selbstbildes einladen. Houellebecq wird nicht mit seinen Figuren gleichgesetzt. Der mediale Rummel, den er auslöst, ist kein zentraler Gegenstand der Betrachtung. Houellebecq bestätigt die Annahme, Literatur dürfe sich über alle Konventionen und Tabus hinwegsetzen, sie habe die Aufgabe, Dinge zu forcieren und zu intensivieren, um sie sichtbar zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine zweite Rezeptionstendenz zieht keine konkreten oder weiten politischen Schlüsse, schreckt vor der Identifikation von Autor und Werk nicht zurück und präferiert ästhetisches Terrain, ohne darin weit vorzudringen. Sofern die Kritik negativ ausfällt, bestätigt man die thematische Spürnase des Autors, moniert aber dessen flapsigen Ton und das Thesenhafte der Romane. Man bemängelt Werke, die „kompositorisch simpel“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 24. September 2005, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt; wirkten. Am anderen Ende der Skala ist man bereit, in Houellebecq einen „sonderbare[n] Menschenfreund [zu erkennen], der Nähe und Mitgefühl über alles stellt“&amp;lt;ref&amp;gt;Simon, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 5. Dezember 2020&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seine düstere Prognostik habe romantische und nostalgische Beweggründe, sie weise auf reale Missstände hin.&amp;lt;ref&amp;gt;Krassnitzer, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 14. Februar 2002, S. 18&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Gleichsetzung von Werk und Autor wird poetologisch begründet. Houellebecq erscheint als Trendsetter für Autoren wie Karl Ove Knausgård. Als Beispiele für die These dienen der Roman &#039;&#039;Karte und Gebiet&#039;&#039; (&#039;&#039;La carte et le territoire&#039;&#039;), in dem ein Autor namens Michel Houellebecq auftritt und gegen Ende zerstückelt wird, oder auch der Film &#039;&#039;Die Entführung des Michel Houellebecq&#039;&#039; (&#039;&#039;L’enlèvement de Michel Houellebecq&#039;&#039;, 2014), in dem der Autor einen Autor gleichen Namens spielt, der von drei tumben Muskelpaketen entführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Last but not least gibt es eine kleinere kritische Strömung, etwa vertreten durch Sigrid Löffler, die den Autor in der von ihm gefertigten „Überbietungsspirale“ gefangen sieht: „Die Provokationsdosis seiner zivilisationskritischen Thesenromane muss also von Buch zu Buch erhöht werden. Als Popstar eines pornografischen Pessismus hat Houellebecq die Welt als globalen Supermarkt und Amüsierbetrieb beschrieben.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 5. Januar 2019, S. 7&amp;lt;/ref&amp;gt; Von dieser Gruppe werden die Houellebecqschen Romane als kalkuliert provokant, als bloße Masche verstanden: Ein Roman „löst den üblichen Skandal aus“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Standard&#039;&#039;, 29. August 2001, S. 25&amp;lt;/ref&amp;gt;, der andere sei „banal und reaktionär“ und bringe die „erwartete [...] Anstößigkeit“&amp;lt;ref&amp;gt;Gauß, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 03. September 2009, S. V&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit Gauß und Löffler handelt es sich jedenfalls um eine im Vergleich zu Strigl und Schwends-Harrant ältere Generation von Kritiker:innen, die wenig mit Houellebecq anfangen kann. Erstaunlich ist hinsichtlich der Rezeptionsströmungen jedenfalls, dass sich die Meinungen kaum ändern: Es gibt Houellebecquianer und erbitterte Feinde Houellebecqs – und allein diese Polarisierung macht die Houellebecq-Rezeption zu einem Schlüssel zum Feld der österreichischen Literaturkritik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lyrik und Essays==&lt;br /&gt;
Houellebecq ist ferner als Essayist und Lyriker hervorgetreten, seine Gedichte und Essays (etwa zu Arthur Schopenhauer) wurden in seinem deutschen Hausverlag DuMont ebenso gedruckt wie sein Schlagabtausch mit Bernard-Henry Lévy (&#039;&#039;Volksfeind. Ein Schlagabtausch&#039;&#039;, 2009). Die Texte im Gedichtband &#039;&#039;Gestalt des letzten Ufers&#039;&#039; (&#039;&#039;Configuration du dernier rivage&#039;&#039;, 2014) wurden als Ansichten des Autors gewertet und er als gewordener Adam gesehen, der mit „trauriger Lakonie seine Lebenswunden leckt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fasthuber, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 19. April 2014, S. XIV&amp;lt;/ref&amp;gt; Man erkennt in Houellebecq „ein[en] bemerkenswerte[n] Lyriker“&amp;lt;ref&amp;gt;Görner, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 10. Mai. 2014, S. V&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Rezeption des Lyrikers Houellebecq erfolgte im Anschluss an die Diskussion seiner Romane.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufnahme der Essays ist vielschichtiger: Houellebecqs Interventionen wurden einerseits als „geschickte rhetorische Manöver enttarn[t]. Er bedient den Zeitgeist unter dem Vorwand, gegen den Zeitgeist anzuschreiben.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 10. Dezember 2020, S. 14&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits sei, „was Houellebecq bei Gelegenheit hervorbringt, mehr wert als das, was so mancher Autor sich mühsam aus den Fingern saugt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Simon, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 5. Dezember 2020&amp;lt;/ref&amp;gt; Und dies beziehe sich auch auf seine konservativen Ansichten und sein süffisantes Erstaunen darüber, dass Feministinnen sich wundern, wenn die schöne neue Arbeitswelt den Frauen keine Befreiung, sondern ein größeres Gefängnis sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Adaptierungen==&lt;br /&gt;
Es gibt neben der printmedialen Rezeption der literarischen Werke überdies eine Verarbeitung diverser Romane Houellebecqs auf österreichischen Bühnen. Im Theater am Werk am Petersplatz (vormals u. a. Garage X Theater) inszenierte man sowohl eine Bühnenversion von &#039;&#039;Karte und Gebiet&#039;&#039; (2011) als auch von &#039;&#039;Unterwerfung&#039;&#039; (2015). Die Dramaturg:innen waren jeweils Ali M. Abdullah und Hanna Lioba Egenolf. &#039;&#039;Karte und Gebiet&#039;&#039; hatte am 21. November 2012 Premiere in Wien und Vorpremiere vom 15. bis 17. November 2012 im Rahmen des Salzburger Open Mind Festivals im Kulturzentrum ARGEKultur. Die Hauptrollen der Wiener Fassung spielten Denis Petković und Zeynep Buyraç. Indes die &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039; lobte, dass Houellebecqs Stil „nicht kopiert, sondern bühnentauglich gemacht“&amp;lt;ref&amp;gt;Krösche, &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 21. November 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; werde, urteilen &#039;&#039;Der Standard&#039;&#039; angesichts der Salzburger und &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039; nach Besuch der Wiener Inszenierung negativ: Man habe Houellebecqs Roman in eine „Boulevardkomödie“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Standard&#039;&#039;, 17. November 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; bzw. zu einem „seichten Klamauktheater“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 24. November 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; gemacht. Weit negativer fällt die Kritik von Abdullahs zweiter Houellebecq-Adaption aus: &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039; lobt einsam, dass die Inszenierung von Unterwerfung die Ambivalenz der Vorlage auf die Bühne zu bringen vermöge, dagegen urteilen &#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039; und &#039;&#039;Kurier&#039;&#039; negativ. Man moniert, dass die Inszenierung die Satire von Unterwerfung wegfallen lasse&amp;lt;ref&amp;gt;Schausberger, &#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 26. Februar 2016&amp;lt;/ref&amp;gt; und es sich um einen „[v]erzweifelte[n] Versuch einer Umsetzung“&amp;lt;ref&amp;gt;Trenkler, &#039;&#039;Kurier&#039;&#039;, 20. Februar 2016&amp;lt;/ref&amp;gt; handle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibiliografie==&lt;br /&gt;
===Literatur===&lt;br /&gt;
*Bundeskanzleramt: Kulturminister Schallenberg verleiht Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.&amp;lt;br&amp;gt;https://www.bundeskanzleramt.gv.at/bundeskanzleramt/nachrichten-der-bundesregierung/2019/kulturminister-schallenberg-verleiht-oesterreichischen-staatspreis-fuer-europaeische-literatur.html, zuletzt abgerufen am 20. April 2026.&amp;lt;/br&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Zitierte Zeitungsberichte===&lt;br /&gt;
*„Als wären Schriftsteller Wohltäter der Menschheit“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 27 Juli 2019.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 14. Januar 2015&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 15. Januar 2015.&lt;br /&gt;
*Fasthuber, Sebastian: „Das seufzte Adam…“, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 19. April 2014.&lt;br /&gt;
*„Frankreichs Thomas Bernhard“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 17. August 2010, S. 27.&lt;br /&gt;
*Gauß, Karl-Markus, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 3. September 2009.&lt;br /&gt;
*Görner, Rüdiger: „Ein halber Würfelwurf“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 10. Mai. 2014.&lt;br /&gt;
*Jessen, Jens: „Der große Jammer“, &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039;, 7. Februar 2002.&lt;br /&gt;
*Krassnitzer, Michael: „Der letzte Romantiker“, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039;, 14. Februar 2002.&lt;br /&gt;
*Krösche, Kai: „Sterben und (sich selbst) Sterben lassen“, &#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 21. November 2012.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;profil&#039;&#039;, 26. Mai 2014&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 5. Januar 2019.&lt;br /&gt;
*Schausberger, Sarah: „‚Unterwerfung‘: Wo ist die Satire geblieben?“, &#039;&#039;Der Falter&#039;&#039;, 26. Februar 2016&lt;br /&gt;
*Simon, Anne-Catherine: „Schatten eines Abscheus“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 5. Dezember 2020.&lt;br /&gt;
*„So lässt sich Houellebecq nicht inszenieren“, &#039;&#039;Die Presse&#039;&#039;, 24. November 2012.&lt;br /&gt;
*Thuswaldner, Anton: „Der ideale Schriftsteller des postideologischen Zeitalters“, &#039;&#039;Die Furche&#039;&#039; 3, 17. Januar 2009.&lt;br /&gt;
*Thuswaldner, Anton: „Frankreichs Aufrüttler blickt ins Jahr 2027“, &#039;&#039;Salzburger Nachrichten&#039;&#039;, 11. Januar 2022.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 24. September 2005.&lt;br /&gt;
*Trenkler, Thomas: „Verzweifelter Versuch einer Umsetzung“, &#039;&#039;Kurier&#039;&#039;, 20. Februar 2016.&lt;br /&gt;
*„Was man nicht kann, mag man nicht“, &#039;&#039;Der Standard&#039;&#039;, 17. November 2012.&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Wiener Zeitung&#039;&#039;, 27. Juli 2019.&lt;br /&gt;
*„Zeitgeistig gegen den Zeitgeist“, &#039;&#039;Tiroler Tageszeitung&#039;&#039;, 10. Dezember 2020.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Angesprochene Werke Houellebecqs===&lt;br /&gt;
====Romane====&lt;br /&gt;
*Ausweitung der Kampfzone, übersetzt von Leopold Federmair. Berlin: Wagenbach 1999 (französisch: Extension du domaine de la lutte. Paris: Flammarion 1994). &lt;br /&gt;
*Elementarteilchen, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 1999 (französisch: Les particules élémentaires. Paris: Flammarion 1998).&lt;br /&gt;
*Plattform, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 2002 (französisch: Plateforme. Paris: Flammarion 2001).&lt;br /&gt;
*Die Möglichkeit einer Insel, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 2005 (französisch: La possibilité d’une île. Paris: Fayard 2005).&lt;br /&gt;
*Karte und Gebiet, übersetzt von Uli Wittmann. Köln: DuMont 2011 (französisch: La carte et le territoire. Paris: Flammarion 2010).&lt;br /&gt;
*Unterwerfung, übersetzt von Norma Cassau und Bernd Wilczek. Köln: DuMont 2015 (französisch: Soumission. Paris: Flammarion 2015).&lt;br /&gt;
*Serotonin, übersetzt von Stephan Kleiner. Köln: DuMont 2019 (französisch: Sérotonine. Paris: Flammarion 2019).&lt;br /&gt;
*Vernichten, übersetzt von Stephan Kleiner und Bernd Wilczek. Köln: DuMont 2022 (französisch: Anéantir. Paris: Flammarion 2022).&lt;br /&gt;
====Gedichte====&lt;br /&gt;
*Suche nach Glück. Gedichte, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2000 (französisch: La poursuite du bonheur. Paris: Flammarion 1991).&lt;br /&gt;
*Der Sinn des Kampfes. Gedichte, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2001 (französisch: Le sens du combat. Paris: Flammarion 1996).&lt;br /&gt;
*Wiedergeburt. Gedichte, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2001 (französisch: Renaissance. Paris: Flammarion 1999).&lt;br /&gt;
*Gestalt des letzten Ufers. Gedichte, übersetzt von Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2014 (französisch: Configuration du dernier rivage. Paris: Flammarion 2013)&lt;br /&gt;
====Essays====&lt;br /&gt;
*Gegen die Welt, gegen das Leben, übersetzt von Ronald Voullié. Köln: DuMont 2002 (französisch: H. P. Lovecraft. Contre le monde, contre la vie. Monaco: Rocher 1991).&lt;br /&gt;
*Lebendig bleiben. Leitfaden, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel und Hella Faust. Köln: DuMont 2006 (französisch: Rester vivant. 1997).&lt;br /&gt;
*Die Welt als Supermarkt. Köln: DuMont 1999 (französisch: Interventions, recueil d’essais. Paris: Flammarion 1998).&lt;br /&gt;
*In Schopenhauers Gegenwart, übersetzt von Stephan Kleiner. Köln: DuMont 2017 (französisch: En présence de Schopenhauer. Paris: Éditions L’Herne 2017).&lt;br /&gt;
*Ein bisschen schlechter. Neue Interventionen, übersetzt von Stephan Kleiner. Köln: DuMont 2020 (französisch: Interventions 2020).&lt;br /&gt;
====Theater====&lt;br /&gt;
*Karte und Gebiet, für die Bühne bearbeitet von Ali M. Abdullah und Hannah Lioba Egenolf, Vorpremiere: 15.-17.11.2012 im Rahmen des Festivals ARGEkultur, Salzburg, danach Premiere am 21.11.2012 in der Garage X, Wien. Das Stück lief eine Spielzeit.&lt;br /&gt;
*Unterwerfung, für die Bühne bearbeitet von Ali M. Abdullah und Hannah Lioba Egenolf, Premiere am 18. Februar 2016. Das Stück lief zwei Spielzeiten und wurde zur Abschluss der Intendanz von Abdullah im Rahmen der Retrospektive gezeigt.&lt;br /&gt;
====Film====&lt;br /&gt;
*Die Entführung des Michel Houellebecq. Komödie, Frankreich 2013. Regie: Guillaume Nicloux.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Peter C. Pohl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 20/05/2026&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Michel_Houellebecq}}&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT: Houellebecq, Michel}}&lt;br /&gt;
[[Category:Mensch]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Hannah</name></author>
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