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	<title>decaf-de - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Ausstellung_%E2%80%9EL%E2%80%99architecture_autrichienne_contemporaine%E2%80%9C&amp;diff=922</id>
		<title>Ausstellung „L’architecture autrichienne contemporaine“</title>
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		<updated>2026-02-10T09:19:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Ausstellung „Architektur und Städtebau“</title>
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		<updated>2026-02-10T09:19:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
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		<title>Ausstellung „Architektur und Städtebau“</title>
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		<updated>2026-02-10T09:18:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/La_réception_de_Stefan_Zweig_en_France nur im französischsprachigen Wiki].  {{otherWiki|Exposition_«_Architektur_und_Städtebau_»}}“&lt;/p&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Ausstellung „L’architecture autrichienne contemporaine“</title>
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		<updated>2026-02-10T09:18:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/La_réception_de_Stefan_Zweig_en_France nur im französischsprachigen Wiki].  {{otherWiki|Exposition_«_L’architecture_autrichienne_contemporaine_»}}“&lt;/p&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Theodor Herzl</title>
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		<updated>2025-11-18T14:00:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herzl.jpg|250px|thumb|Theodor Herzl (1860-1904)]] 1878 zieht die Familie nach Wien, wo Theodor Herzl (* 2. Mai 1860 in Pest, Königreich Ungarn; † 3. Juli 1904 in Edlach an der Rax, Niederösterreich sein Studium der Rechtswissenschaft absolviert, den Titel eines Dr. iur. erwirbt und versucht, sich als Dramaturg einen Platz zu machen. Dank seines Talents als Feuilletonist wird er bei der berühmtesten Tageszeitung, der &#039;&#039;[[Neue Freie Presse|Neuen Freien Presse]]&#039;&#039; (NFP) angestellt, zuerst als Korrespondent in Paris, wo er von Anfang Oktober 1891 bis Ende Juli 1895 lebt. In diesen Jahren informieren Theodor Herzls Chroniken die NFP-Leser über die französischen Geschehnisse, sowohl im politischen und kulturellen als auch im wirtschaftlich-sozialen Bereich. Sein erster Beitrag am 11.Oktober 1891 ist eine Darstellung des wegen eines Komplottes gegen den Staat angeklagten Général Boulanger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.larousse.fr/encyclopedie/personnage/Georges_Boulanger/109702&amp;lt;/ref&amp;gt;, der sich erst ein paar Tage zuvor, am 30. September, am Grab seiner Geliebten das Leben genommen hat. Am 5. Januar 1895 liefert er in der Abendausgabe der &#039;&#039;NFP&#039;&#039; einen Bericht über die Degradierung von Hauptmann Dreyfus&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118527460&amp;lt;/ref&amp;gt; am Morgen desselben Tages im Hof der École militaire. Herzls Reportagen und Chroniken trugen dazu bei, in Wien und in Österreich ein bestimmtes Bild des damaligen Frankreichs zu vermitteln, dem er zwar Sympathie entgegenbrachte, das er aber auch mit kritischer Distanz beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzl und Frankreich==&lt;br /&gt;
Herzl nimmt die von einigen der schwersten Krisen in der Geschichte der Dritten Republik erschütterte französische Gesellschaft unter die Lupe und behandelt dabei immer wieder die sogenannte „Judenfrage“, für ihn die Gelegenheit, seine Kenntnis der österreichischen und mitteleuropäischen Verhältnisse im Licht des vom Panamaskandal und von der Dreyfus-Affäre geschürten Aufflammens des Antisemitismus zu erweitern. „In Paris, schreibt Herzl am Anfang seines Zionistischen Tagebuchs, [kam ich] in ein freieres und höheres Verhältniss zum Antisemitismus, von dem ich wenigstens nicht unmittelbar zu leiden hatte&amp;lt;ref&amp;gt;Zionistisches Tagebuch 1983, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Nicht von ungefähr konzipiert er in Paris an Pfingsten 1895 und in den folgenden Tagen das in &#039;&#039;Der Judenstaat&#039;&#039; (1896) dargelegte zionistische Projekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinem literarischen Talent verdankt Herzl seine  Anstellung bei der &#039;&#039;NFP&#039;&#039;. Seine im September 1891 in der &#039;&#039;NFP&#039;&#039; veröffentlichten Reisebilder aus den französischen Pyrenäen (Beiträge über Luz, Lourdes und Biarritz) waren ein großer Erfolg. Vor seiner Ankunft in Paris am 6. Oktober 1891 hatte er sich noch nie wirklich für das politische, wirtschaftliche und soziale Leben interessiert. Er war vor allem bemüht gewesen, im Wiener Literaturleben Fuß zu fassen. Während er in den Pariser Jahren gewissenhaft den Pflichten eines mit allen Bereichen des französischen Geschehens beauftragten Journalisten nachging, hörte er nie auf, regelmäßig ins Theater zu gehen, und sein politisches Denken wurde ständig von der Literatur genährt. Laut Clemens Peck sollte Herzls zionistisches Projekt auf der Grundlage eines „Austauschprozesses zwischen literarischer Imagination und Politik“ Form annehmen&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2012, S. 61&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem regelmäßigen Zuschauer der parlamentarischen Debatten im Palais Bourbon kommt die Abgeordnetenkammer vor wie eine Bühne, auf der Theaterstücke – manchmal Possen – gespielt werden. Sein Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/maurice-barres/&amp;lt;/ref&amp;gt; gewidmeter Artikel über „den Feind der Gesetze“, der zuerst als Beitrag im Feuilleton der &#039;&#039;NFP&#039;&#039; vom 17.  März 1894 veröffentlicht wurde&amp;lt;ref&amp;gt;„Das Palais Bourbon. III – Der Feind der Gesetze », S. 1-4&amp;lt;/ref&amp;gt;, ist einer der brillantesten der Sammlung Der Palais Bourbon. Bilder des französischen parlamentarischen Lebens. So der Anfang: „Ein Theaterstück ist verboten worden“, und so die abschließende Feststellung: „Er sieht die hundert verschiedenen Masken der Politiker und das Geflimmer ihres Durcheinanderlaufens nicht.“ Herzl spottet nicht nur über Barrès als Boulanger-Anhänger, der zwischen 1889 und 1893 als Abgeordneter der Stadt Nancy fungierte, und nicht über das geringste Rednertalent verfügt habe, sondern auch über den Autor eines schlechten Theaterstücks, &#039;&#039;Une journée parlementaire&#039;&#039; (&#039;&#039;Ein Tag im Parlament&#039;&#039;), das Ende Januar 1894 wegen seines zügellosen Antiparlamentarismus von der Zensur verboten wurde. Diese chargierte Darstellung von Barrès bietet ein kontrastierendes Gegenstück zum begeisterten, 1891 von [[Hugo von Hofmannsthal]] der Trilogie &#039;&#039;Le Culte du moi&#039;&#039; (&#039;&#039;Kult des Ich&#039;&#039;) gewidmeten Essay.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ab 1892 pflegt Herzl regelmäßige Beziehungen mit Alphonse Daudet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/alphonse-daudet/&amp;lt;/ref&amp;gt; und macht bei ihm die Bekanntschaft von Édouard Drumont&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/edouard-drumont/&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem Autor des antisemitischen Pamphlets &#039;&#039;La France juive&#039;&#039; (&#039;&#039;Das jüdische Frankreich&#039;&#039;), der im April 1892 die ebenso stark antisemitische Tageszeitung gründet, &#039;&#039;La libre parole&#039;&#039; (&#039;&#039;Das freie Wort&#039;&#039;). Drumont bewirkt bei Herzl eine eigenartige Mischung aus Bewunderung für den Künstler und Entsetzen angesichts des antisemitischen Agitators. In seinem Bericht des von Auguste Burdeau, dem Vizepräsidenten des Parlaments, gegen Drumont eingeleiteten Verleumdungsprozesses, der  ihn der Bestechung durch die Rothschild-Bank bezichtigt hatte, zitiert und betont Herzl Drumonts Worte: „Meine Künstlerphantasie verleitet mich manchmal, ein Detail zu erfinden, das die Aufmerksamkeit erregen soll&amp;lt;ref&amp;gt;Prozeß Burdeau gegen Drumont, NFP, 16. Juni 1892, S. 8&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Am 12. Juni 1895 trägt Herzl Folgendes in sein Tagebuch ein: „Drumont verdanke ich viel von der jetzigen Freiheit meiner Auffassung, weil er ein Künstler ist&amp;lt;ref&amp;gt;Zionistisches Tagebuch, 1983, S. 127&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Drumont hat seinerseits in einer Besprechung über &#039;&#039;Der Judenstaat&#039;&#039; Herzls zionistisches Projekt begrüßt&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung &#039;&#039;L’État juif. Essai d’une solution de la question juive&#039;&#039; in der &#039;&#039;Nouvelle Revue internationale&#039;&#039;, 1896, Nr. 2, S. 842-860 ; 1897, Nr. 1, S. 19-40&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Titel seines Artikels lautet &#039;&#039;Une solution de la question juive&#039;&#039; (&#039;&#039;Eine Lösung der Judenfrage&#039;&#039;, &#039;&#039;La Libre Parole&#039;&#039;, 16. Januar 1897), etwas später begrüßt er den Kongress von Basel mit einer zynischen Formulierung : „Die Juden machen ihr Glück, indem sie unseres machen&amp;lt;ref&amp;gt;Der Baseler Kongress. Der Zionismus, &#039;&#039;Das freie Wort&#039;&#039;, 30. August 1897&amp;lt;/ref&amp;gt;“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Herzls Pariser Beiträgen für die NFP wird der französische Antisemitismus gerne als weniger aggressiv dargestellt als der weiter im östlichen Europas grassierende Judenhass. In seinem Bericht über den Tod des Hauptmanns Antoine Mayer am 23. Juni 1892 in einem Duell gegen den Édouard Drumont nahestehenden Marquis von Morès, dessen Ursprung eine Kampagne der &#039;&#039;Libre Parole&#039;&#039; gegen die Anwesenheit von Israeliten in der französischen Armee gewesen war, meint Herzl, die großen Erinnerungen an die Revolution, […] haben Frankreich nicht davor behütet, daß nach hundert Jahren die häßliche Fratze des Antisemitismus auch im Lande Voltaire’s auftauchte&amp;lt;ref&amp;gt;„Der Tod des Hauptmannes Mayer“, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 28. Juni 1892, Nr. 2&amp;lt;/ref&amp;gt;. Herzl betont jedoch die imponirende Entschiedenheit, mit welcher in Frankreich den antisemitischen Angriffen auf die Armee entgegengetreten wird, ibid. , diesem Beispiel, schreibt er, sollte man im deutschen Reich folgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Darstellung der „französischen Antisemiten“ im September 1892 behauptet Herzl zuerst, der Antisemitismus hatte in Frankreich bis in die jüngste Zeit etwas Gutartiges&amp;lt;ref&amp;gt;„Französische Antisemiten“, NFP, 3. September 1892, S. 1-2, Zitat S. 1&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auch wenn der Antisemitismus seit dem Ende des Boulangismus mutiert hat, setzt er fort, werden die Juden [hier] nicht dem Pöbel hingeworfen&amp;lt;ref&amp;gt;ibid, S. 2&amp;lt;/ref&amp;gt;. Herzl zitiert dann auf Französisch einen Satz aus dem Buch von Mermeix (dies war das Pseudonym von Gabriel Terrail, einem boulangistischen Journalisten und Abgeordneten, der im September 1891 aus der boulangistischen Bewegung ausgeschlossen worden war), &#039;&#039;Les Antisémites en France. Notice sur un fait contemporain&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Paris : E. Dentu 1892, Die Antisemiten in Frankreich. Bemerkung zu einem zeitgenössischen Tatbestand&amp;lt;/ref&amp;gt; : „Die nationale Masse ist den patriotischen Alarmrufen der Antisemiten gleichgültig geblieben“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Jahre später sollte Herzl einen ganz anderen Standpunkt vertreten: „Tod den Juden! heulte die Menge, als man dem Hauptmanne seine Tressen vom Waffenrock riß. […] Das Volk, wenigstens ein sehr großer Teil davon, will nicht mehr die Menschenrechte für die Juden. […] Zum Zionisten hat mich […] der Prozeß Dreyfus gemacht. Nicht der jetzige in Rennes, sondern der ursprüngliche in Paris, dessen Zeuge ich 1894 war&amp;lt;ref&amp;gt;Theodor Herzl, Zionismus, aus: North American Review, 1899, in: Herzl 1920, S. 255-266, Zitat S. 257 sq.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesen Zeilen gestaltet Herzl seinen autobiographischen Mythos. Vor Pfingsten 1895 ist er kein Zionist, zum Dreyfusard wird er erst später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer im Feuilleton der &#039;&#039;NFP&#039;&#039;-Ausgabe vom 17. Oktober 1894&amp;lt;ref&amp;gt;S. 1-4&amp;lt;/ref&amp;gt; erschienenen Theaterrezension mit dem Titel Pariser Theater. Ältere Stücke erwähnte er ein paar Wochen vor Anfang der Affäre eine neue Inszenierung von &#039;&#039;La femme de Claude&#039;&#039; (&#039;&#039;Claudes Frau&#039;&#039;) von Alexandre Dumas dem Jüngeren&amp;lt;ref&amp;gt;https://gallica.bnf.fr/essentiels/dumas-fils&amp;lt;/ref&amp;gt; im Théâtre du Gymnase und kommentierte die Passage, II. Akt, 1. Szene, in der Daniel, ein jüdischer Freund von Claude, Folgendes erklärt: „Wir wollen nicht mehr eine Gruppe sein, wir wollen ein Volk sein, mehr als ein Volk, eine Nation […] Eine definitive, territoriale Heimat ist für uns wieder notwendig“; so : „Daniel weiß, daß den Juden mit ihrer historischen Heimat nicht mehr gedient wäre. […] Und wenn die Juden wirklich „heimkehrten“, so würden sie am anderen Tage entdecken, daß sie längst nicht mehr zusammengehören. Sie wurzeln seit Jahrhunderten in neuen Heimaten, nationalisirt, von einander verschieden, in einer Charakter-Ähnlichkeit nur durch den sie überall umgebenden Druck erhalten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 1. November 1894 meldet unter dem Titel „Verrat“ die &#039;&#039;Libre Parole&#039;&#039; von Drumont die Festnahme eines jüdischen Offiziers, und schon am 17. November veröffentlicht Bernard Lazare in der (von Georges Clemenceau&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118676407&amp;lt;/ref&amp;gt; geleiteten) Zeitung &#039;&#039;La Justice&#039;&#039; einen &#039;&#039;Das neue Ghetto&#039;&#039; betitelten Artikel, der erst ein paar Tage erscheint, nachdem Herzl die ursprüngliche Fassung seines Theaterstücks &#039;&#039;Das neue Ghetto&#039;&#039; abgeschlossen hat (in der jegliche Spur des zionistischen Denkens fehlt). In diesem Artikel erwägt Lazare die Möglichkeit, dass die gegen Hauptmann Dreyfus erhobene Anschuldigung eine Folge der nun in Frankreich herrschenden „antisemitischen Gesinnung“ sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzl erkennt nicht sofort die entscheidende Rolle des Antisemitismus in Dreyfus‘ Verurteilung. Er wohnt am 19. Dezember 1894 der Eröffnung des Prozesses gegen Dreyfus bei, doch in seinen ersten Artikeln&amp;lt;ref&amp;gt;Process Dreyfus, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 20. Dezember 1894, S. 10; Fortsetzung mit dem gleichen Titel, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 22. Dezember 1894, S. 9&amp;lt;/ref&amp;gt; wird nicht angedeutet, dass die Spionage-Anschuldigung eine Auswirkung des Antisemitismus sein könnte. Nach dem am 22. Dezember verkündeten Urteil hängt er seinem Beitrag ein Postskriptum an: Das Extrablatt der Morès’schen “Terre de France” knüpft an die Meldung von der Verurtheilung Dreyfus’ heftige antisemitische Ausfälle&amp;lt;ref&amp;gt;„Proceß Dreyfus“, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 23. Dezember 1894, S. 8&amp;lt;/ref&amp;gt;. In seiner Bilanz des politischen Geschehens in Frankreich Ende Dezember, unterstreicht er, dass die Verurteilung von Dreyfus mehrfach von den Antisemiten vereinnahmt wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Politische Übersicht, &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 27. Dezember 1894, S. 1&amp;lt;/ref&amp;gt;, zitiert aber als einziges Beispiel die Haltung von Jean Jaurès (am 24. Dezember 1894 ist in der Abgeordnetenkammer über das System der vom Kodex der Militärjustiz vorgesehenen Strafen debattiert worden. An diesem Tag ist Jaurès der Meinung, dass Dreyfus schuldig ist und dass man über seinen Verrat die Todesstrafe hätte verhängen können. Er meint, die Tatsache, dass Dreyfus der Todesstrafe entkommen ist, lasse sich allein durch „ein fantastisches Engagement der jüdischen Macht, um einen ihrer Angehörigen zu retten“ erklären – so seine Worte in &#039;&#039;L’Ébranlement&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;La Dépêche&#039;&#039;, Toulouse, 26. Dezember 1894, S. 1&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Degradierung von Hauptmann Dreyfus am 5. Januar 1895 schickt Herzl seiner Redaktion eine erste Depesche, worin der Antisemitismus unerwähnt bleibt&amp;lt;ref&amp;gt;„Die Degradation des Capitäns Dreyfus“, NFP, 5. Januar 1895, Abendblatt, S. 1-2&amp;lt;/ref&amp;gt;, dann zur Ergänzung eine präzisere Kurznotiz: Die Menge draußen […] stieß wiederholt die Rufe aus: „Zu Tode mit dem Verräther!&amp;lt;ref&amp;gt;Die Degradation des Capitäns Dreyfus », &#039;&#039;NFP&#039;&#039;, 6. Januar 1895, Morgenblatt, S. 9&amp;lt;/ref&amp;gt;”. Axel Bein schreibt, es habe in Herzls Depesche „Zu Tode mit den Juden“, geheißen, die &#039;&#039;NFP&#039;&#039;-Redaktion habe Herzls Text korrigiert&amp;lt;ref&amp;gt;Bein, 1983, S. 91&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzl war sich nicht sofort der historischen Bedeutung der Dreyfus-Affäre bewusst. In der in Paris verfassten und auf Pfingsten 1895 (d.h. auf den 2. Juni) datierten Einleitung zu seinem Zionistischen Tagebuch wird Dreyfus nicht erwähnt. Und als er am 27. Juli 1895 Paris verlässt, hat Herzl zwar den ersten Teil der Strecke auf dem Weg zum politischen Zionismus hinter sich, aber er ahnt noch nicht das gesamte Ausmaß der Affäre. Bis zum letzten Tag seiner Tätigkeit als Pressekorrespondent hat er den NFP-Lesern ein eher beruhigendes Bild der französischen Gesellschaft vermittelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bein, Alex : Theodor Herzl. Biographie. Franfurt/Main – Berlin – Wien: Ullstein 1983 (Ullstein-Materialien, Nr. 35163), vom Autor durchgesehene Neuauflage (Erstveröffentlichung: Wien: Fiba-Verlag, 1934).&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Briefe und Tagebücher, éd. par Alex Bein, Hermann Greive, Moshe Schaerf, Julius H. Schoeps, vol. 1 : Briefe und autobiographische Notizen 1866-1895 ; vol. 2 : Zionistisches Tagebuch 1895-1899. Berlin – Frankfurt/Main - Wien : Propyläen 1983 (Journal 1895-1904. Le fondateur du sionisme parle, morceaux choisis, trad. Paul Kessler, Paris : Calmann-Lévy 1990).&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Das Palais Bourbon. Bilder aus dem französischen Parlamentsleben. Leipzig : Duncker &amp;amp; Humblot 1895 (Le Palais-Bourbon. Tableaux de la vie parlementaire française, trad. Paul Kessler. La Tour d’Aigues (Vaucluse) : éditions de l’aube 1995).&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Feuilletons. Berlin : Benjamin Harz 1903.&lt;br /&gt;
*Herzl, Theodor : Zionistische Schriften, éd. par Leon Kellner. Berlin : Jüdischer Verlag 11905, 2 vol., 1920 (en un vol.).&lt;br /&gt;
*Pawel, Ernst : Theodor Herzl ou Le Labyrinthe de l’exil, trad. Françoise Adelstain. Paris : Seuil 1992 (The Labyrinth of Exile. A Life of Theodor Herzl. New York : Farrar, Straus &amp;amp; Giroux 1989).&lt;br /&gt;
*Peck, Clemens : Im Labor der Utopie. Theodor Herzl und das „Altneuland“-Projekt. Berlin : Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 2012.&lt;br /&gt;
*Schoeps, Julius H. : Theodor Herzl und die Dreyfus-Affäre. Wien: Picus (Wiener Vorlesungen, vol. 34) 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Jacques Le Rider&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Übersetzung von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Theodor_Herzl}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Robin_Christian_Andersen&amp;diff=749</id>
		<title>Robin Christian Andersen</title>
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		<updated>2025-08-23T06:32:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Änderungen von Solene (Diskussion) wurden auf die letzte Version von Hannah zurückgesetzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:B38.JPG|thumb|Robin Christian Andersen, Aufnahme um 1930]]Das Oeuvre des Wiener Malers Robin Christian Andersen spannt einen Bogen von seiner frühen Phase vor und während des Ersten Weltkriegs zu einer intensiven Schaffensphase in den 1920er und 1930er Jahren bis zum Spätwerk des Künstlers in den 1950er Jahren. In seiner privaten Malschule, die Andersen ab 1919 unterhielt, und in der Meisterklasse für Malerei, die er von 1945 bis 1965 an der Akademie der bildenden Künste in Wien innehatte, vertrat er mit großer Konsequenz die Lehren, die er für sich aus seiner intensiven Beschäftigung mit der Kunst von [[Paul Cézanne]] gezogen hatte. Damit zählte Andersen zu den maßgeblichen, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich tätigen Künstlerpersönlichkeiten die das Erbe Cézannes auch lange nach dem Tod des französischen Meisters bewahrten und fortführten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Robin Christian Andersen wurde am 17. Juli 1890 in Wien geboren. Sein Vater Christian Georgius Andersen war aus Dänemark nach Wien gezogen, wo dieser eine Werkstätte für Dekorationsmalerei betrieb. Eine der drei Schwestern des Künstlers, Ida Wilhelmine, heiratete 1913 den Maler Anton Faistauer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118531824.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit Faistauer pflegte Andersen einen engen künstlerischen Austausch. Andersen behielt auf Wunsch seines Vaters zeit seines Lebens die dänische Staatsbürgerschaft bei. Er besuchte 1905–1907 die Malschule von Robert Scheffer in Wien, wo er unter anderem mit seinem späteren Schwager Anton Faistauer, des Weiteren mit Gustav Schütt&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=36292&amp;lt;/ref&amp;gt;, Anton Peschka&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=7141&amp;lt;/ref&amp;gt; und John Quincy Adams&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_A/Adams_John-Quincy_1873_1933.xml?frames=yes&amp;lt;/ref&amp;gt; studierte. Im Herbst 1907 trat Andersen zur Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste an, bestand sie jedoch nicht. 1907–1908 studierte er in der Malschule von Gustav Bauer in Wien. In den Sommern der Jahre 1909 und 1910 hielt er sich gemeinsam mit Faistauer und Schütt in der Gegend von Ascona am Lago Maggiore auf und unternahm gemeinsame Italienreisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1911 nahm Andersen an der legendären „Sonderausstellung Malerei und Plastik“ der von [[Egon Schiele]] gegründeten &#039;&#039;Neukunstgruppe&#039;&#039; in den Räumlichkeiten des Hagenbundes teil und wurde Mitglied dieser Künstlergruppe. Im März 1918 nahm er an der 49. Secessionsausstellung, die Schiele organisiert hatte, teil. Im Frühjahr 1918 war Andersen Mitbegründer der von Schiele initiierten, kurzlebigen Künstlergruppe &#039;&#039;Neue Secession Wien&#039;&#039;. Im September 1918 war er auch Mitbegründer des von Schiele initiierten &#039;&#039;Sonderbundes österreichischer Künstler&#039;&#039;. 1919 richtete er in seinem Wiener Atelier eine private Malschule ein, an der er in den folgenden Jahren zahlreichen Schüler*innen Malunterricht gab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1919 bis 1921 bekleidete Andersen die Funktion des Sekretärs und Geschäftsführers des &#039;&#039;Sonderbundes österreichischer Künstler&#039;&#039;. Im August 1919 nahm er an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe &#039;&#039;Der Wassermann&#039;&#039; in Salzburg teil. 1920 trat er dem Wiener &#039;&#039;[[Hagenbund]]&#039;&#039; bei und nahm an dessen 36. Ausstellung teil. Dies war allerdings die einzige Ausstellungsbeteiligung in dieser Gruppe, spätestens 1923 verließ er den &#039;&#039;Hagenbund&#039;&#039; wieder. 1920 organisierte Andersen eine umfangreiche Ausstellung des Sonderbundes im Kunstverein Winterthur in der Schweiz, die auch in Genf und Bern präsentiert wurde. Nach der 1932 erfolgten Selbstauflösung des &#039;&#039;Bundes österreichischer Künstler&#039;&#039; – Kunstschau wurde Andersen Mitglied der [[Wiener Secession]]. 1932, 1934 und 1936 wurde er zur Teilnahme an den Kunstbiennalen von Venedig eingeladen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommer 1945 wurde Andersen mit der Leitung einer Meisterschule für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien beauftragt. Von 1946–1948 bekleidete er das Amt des Rektors der Akademie, von 1948–1951 das Amt des Prorektors. 1965 emeritierte Andersen von der Wiener Akademie. Im Herbst 1967 organisierte die Wiener Secession die erste und einzige Einzelausstellung zu Lebzeiten des Künstlers. Am 23. Jänner 1969 starb Robin Christian Andersen in Wien und wurde am Evangelischen Friedhof in Wien-Simmering beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Künstlerisches Werk – das Vorbild Paul Cézannes==&lt;br /&gt;
Neben gelegentlichen Aufträgen für Tapisserien, Glasfenster und Wandbilder lag der Schwerpunkt von Andersens künstlerischer Tätigkeit in der Malerei. Dabei sticht sein besonderes Interesse für die Kunst von Paul Cézanne hervor, ein Interesse, das sich schon in den ersten Schaffensjahren des Wiener Künstlers zeigte und auch später ungebrochen anhalten sollte. Zu Cézanne dürfte Andersen über seinen um drei Jahre älteren Künstlerkollegen und Schwager Anton Faistauer gelangt sein. Faistauer setzte sich ab 1910 als einer der ersten Maler in Österreich mit der Kunst Cézannes auseinander. Nur wenige Jahre zuvor, 1907, hatte die spektakuläre Cézanne-Gedächtnisausstellung im Salon d’Automne in Paris in ganz Europa eine erste Welle der Beschäftigung mit Cézannes Kunst ausgelöst. Im selben Jahr waren sechs Gemälde von Cézanne in Wien zu sehen gewesen, und zwar in der von der Galerie Miethke veranstalteten Ausstellung &#039;&#039;Französischer Postimpressionismus&#039;&#039;. Faistauer, damals zwanzig Jahre alt und gerade als Kunststudent in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen, hatte diese Schau wohl aufmerksam verfolgt. Und ziemlich sicher hatte diese Schau auch der damals 17-jährige Andersen besucht, der kurz zuvor gemeinsam mit Faistauer an der Wiener Malschule von Robert Scheffer studiert hatte. Eine weitere Gelegenheit, Cézannes Malerei in Wien zu studieren, bot sich für die beiden jungen Wiener Künstler in der Ausstellung &#039;&#039;Die Neue Kunst&#039;&#039;, die von Jänner bis Februar 1913 in der Galerie Miethke in Wien stattfand. Die Schau zeigte einen Überblick über die französische Avantgarde mit Werken unter anderem von Cézanne, [[Vincent van Gogh|van Gogh]], Picasso&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb11919660r&amp;lt;/ref&amp;gt;, Braque&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb120557687&amp;lt;/ref&amp;gt; und Léger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fernand-leger.de/&amp;lt;/ref&amp;gt;. Faistauer war selbst in dieser Ausstellung vertreten, und zwar gemeinsam mit Oskar Kokoschka, die beiden waren die einzigen Österreicher in dieser Schau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Möglichkeit für Andersen, Cézannes Werke kennenzulernen, lieferte das Bildmaterial, das er in der von Julius Meier-Graefe&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118732641&amp;lt;/ref&amp;gt; 1910 herausgegebenen Monografie über Paul Cézanne fand. Das Erscheinen der zweiten Auflage dieser Publikation 1913 fällt mit der Entstehung von wichtigen frühen Werken Andersens zusammen, in denen sich der Einfluss des französischen Meisters klar ablesen lässt. So scheint Cézannes &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln und Flasche&#039;&#039;, das in Meier-Graefes Monografie abgebildet ist, das unmittelbare Vorbild für Andersens &#039;&#039;Früchtestillleben auf weißem Tuch von 1913&#039;&#039; gewesen zu sein.&lt;br /&gt;
Und Cézannes Gemälde &#039;&#039;Die Spieler&#039;&#039;, das in Meier-Graefes Monografie abgebildet ist, könnte ein unmittelbares Vorbild für Andersens Bild &#039;&#039;Matrosen&#039;&#039; von 1914 geliefert haben. Auch das von Andersen 1916 geschaffene Gemälde &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln&#039;&#039; erscheint wie eine Paraphrase auf ein Werk Cézannes, nämlich auf dessen berühmtes &#039;&#039;Stillleben mit Compotier&#039;&#039;, das im Übrigen auf der 1903 in der Wiener Secession stattgefundenen legendären Ausstellung &#039;&#039;Entwicklung des Impressionismus in Malerei und Plastik&#039;&#039; zu sehen gewesen war.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;150px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:V108.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln und Flasche&#039;&#039;, um 1885&lt;br /&gt;
Datei:M121 1.jpg|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Früchtestillleben auf weißem Tuch&#039;&#039;, 1913&lt;br /&gt;
Datei:V132.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Die Spieler&#039;&#039;, 1885&lt;br /&gt;
Datei:M50 1.jpg|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Matrosen&#039;&#039;, 1914&lt;br /&gt;
Datei:V131.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Stillleben mit Compotier, Glas und Messer&#039;&#039;, 1879/80&lt;br /&gt;
Datei:M124.JPG|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln&#039;&#039;, 1916&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Landschaft bei Aspang.jpeg|left|250|thumb|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Landschaft bei Aspang&#039;&#039;, 1924]][[Datei:M109.jpg|right|250|thumb|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Stillleben mit Kürbis, Obstteller und Obstschüssel&#039;&#039;, um 1934]]In den Jahren um 1920 wich Cézannes Einfluss auf Andersens Malweise zugunsten der Betonung expressiver Elemente, um ab der Mitte der 1920er Jahre zu einer sehr originellen Synthese zu finden, in der malerisch-expressive Elemente vorherrschen, zugleich aber auch eine formal strenge Komposition anzutreffen ist, die erneut dem französischen Altmeister verpflichtet erscheint. Andersens Bewunderung für Cézanne zeigt sich nicht zuletzt in seiner Bevorzugung der Bildmotive Stillleben und Landschaften, jene Motive, in denen der französische Meister sein Diktum einer „peinture pure“ wohl am deutlichsten zum Ausdruck gebracht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cézanne-Einfluss auf die Malerei in Österreich== &lt;br /&gt;
Die Dominanz dieser beiden Bildgattungen, gemeinsam mit der Bildgattung des Porträts, sollte für die Malerei in Österreich in den 1920er und 1930er Jahren insgesamt ein besonderes Merkmal darstellen. Dies kann wohl auf die Vorbildwirkung Cézannes zurückgeführt werden, und zwar auch bei Maler*innen, die stilistisch andere Wege beschritten, wie etwa Josef Dobrowsky oder die Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Aber eine Reihe von ihnen lehnte sich so wie Andersen auch stilistisch sehr nahe an Cézanne an, etwa [[Herbert Boeckl]], Gerhart Frankl, Josef Floch&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/11945890X&amp;lt;/ref&amp;gt;, Broncia Koller-Pinell&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.belvedere.at/broncia-koller-pinell&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Georg Merkel]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:M331 2.jpg|right|thumb|Einblick in die Hauptgalerie des österreichischen Pavillons der XX. Biennale von Venedig, 1936. Man erkennt Werke unter anderem von Robin Christian Andersen, Josef Dobrowsky und Franz Lerch, mehrheitlich Stillleben und Landschaften.]]Dieser Dominanz der Bildgattungen Stillleben, Porträt und Landschaften in der Malerei zwischen 1918 und 1938 in Österreich steht wiederum das Fehlen von anderen Themen gegenüber, die man in dieser Zeit in dieser Region vermisst, wie etwa Darstellungen aus dem Bereich des Surrealismus, sozialkritische und politische Themen oder narrative Szenen. Und auch das weitgehende Fehlen abstrakter Positionen in der österreichischen Malerei jener Zeit fällt auf. Für viele konservativ gesinnte Kunstkritiker*innen erschien Cézanne sogar als ein herausragender Garant dafür, nicht der von ihnen abgelehnten abstrakten Gestaltungsweise zu verfallen. Ein Beispiel dafür sind etwa die Ausführungen des Kunstkritikers [[Franz Ottmann]] im Katalog der Ausstellung &#039;&#039;Die führenden Meister der französischen Kunst im neunzehnten Jahrhundert&#039;&#039;, die 1925 in der Secession stattfand und in der unter anderem auch Werke von Cézanne und Gauguin zu sehen waren. Ottmann betrachtete Cézanne und [[Paul Gauguin|Gauguin]] als jene Pioniere der Moderne, die nicht die Auflösung der Formen in die Abstraktion anstrebten, sondern das Fortbestehen der gegenständlichen Maltradition garantierten. Fast scheint es, als habe Cézannes Vorbildwirkung hier als Rechtfertigung für jene ausgesprochen konservative Kulturpolitik gedient, die in den 1930er Jahren in Österreich vorherrschte und die in der Folge immer autoritärere Züge annehmen sollte. Tatsächlich zählten Andersen und viele der erwähnten Namen in den 1930er Jahren zu den etablierten Künstlerpersönlichkeiten des Landes, deren Werke damals häufig in Ausstellungen zu sehen waren, insbesondere im Rahmen prominenter, staatstragender Projekte, wie etwa die bereits erwähnten Teilnahmen an den Kunstbiennalen von Venedig in den Jahren 1932, 1934 und 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lehrtätigkeit==&lt;br /&gt;
Andersens Verbundenheit mit Cézanne verlagerte sich in späteren Jahren vor allem auf die Lehrtätigkeit, die er seit 1945 als Professor für Malerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste ausübte. Hier propagierte er sinngemäß Cézannes „peinture pure“, gekennzeichnet von einer nahezu ausschließlichen Konzentration auf formale Elemente, der obligatorischen Verwendung von konstruktiven geometrischen Hilfslinien oder einer selbst auferlegten Beschränkung auf wenige Bildthemen und Farben. Wenig überraschend empfanden viele seiner Student*innen diese Unterrichtsmethoden als zu rigid und didaktisch. Bezeichnenderweise flüchteten in den Jahren 1946 und 1947 einige sehr talentierte Künstler, die zu Beginn ihres Kunststudiums Andersens Malklasse besuchten, sehr rasch in die Malklasse von Albert Paris Gütersloh, wo sie sich als Gleichgesinnte zusammenfanden und in der Folge die später so berühmte Wiener Schule des Phantastischen Realismus begründen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Smola, Franz: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Mit einem Werkverzeichnis aller künstlerischen Arbeiten. 2 Bde. Unveröffentlichte Dissertation der Universität Wien 2017.&lt;br /&gt;
*Smola, Franz: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Wien, Münster: Lit-Verlag 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Franz Smola&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 28/05/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Robin_Christian_Andersen}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Robin_Christian_Andersen&amp;diff=727</id>
		<title>Robin Christian Andersen</title>
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		<updated>2025-07-15T08:03:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Künstlerisches Werk – das Vorbild Paul Cézannes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:B38.JPG|thumb|Robin Christian Andersen, Aufnahme um 1930]]Das Oeuvre des Wiener Malers Robin Christian Andersen spannt einen Bogen von seiner frühen Phase vor und während des Ersten Weltkriegs zu einer intensiven Schaffensphase in den 1920er und 1930er Jahren bis zum Spätwerk des Künstlers in den 1950er Jahren. In seiner privaten Malschule, die Andersen ab 1919 unterhielt, und in der Meisterklasse für Malerei, die er von 1945 bis 1965 an der Akademie der bildenden Künste in Wien innehatte, vertrat er mit großer Konsequenz die Lehren, die er für sich aus seiner intensiven Beschäftigung mit der Kunst von [[Paul Cézanne]] gezogen hatte. Damit zählte Andersen zu den maßgeblichen, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich tätigen Künstlerpersönlichkeiten die das Erbe Cézannes auch lange nach dem Tod des französischen Meisters bewahrten und fortführten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Robin Christian Andersen wurde am 17. Juli 1890 in Wien geboren. Sein Vater Christian Georgius Andersen war aus Dänemark nach Wien gezogen, wo dieser eine Werkstätte für Dekorationsmalerei betrieb. Eine der drei Schwestern des Künstlers, Ida Wilhelmine, heiratete 1913 den Maler Anton Faistauer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118531824.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit Faistauer pflegte Andersen einen engen künstlerischen Austausch. Andersen behielt auf Wunsch seines Vaters zeit seines Lebens die dänische Staatsbürgerschaft bei. Er besuchte 1905–1907 die Malschule von Robert Scheffer in Wien, wo er unter anderem mit seinem späteren Schwager Anton Faistauer, des Weiteren mit Gustav Schütt&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=36292&amp;lt;/ref&amp;gt;, Anton Peschka&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=7141&amp;lt;/ref&amp;gt; und John Quincy Adams&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_A/Adams_John-Quincy_1873_1933.xml?frames=yes&amp;lt;/ref&amp;gt; studierte. Im Herbst 1907 trat Andersen zur Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste an, bestand sie jedoch nicht. 1907–1908 studierte er in der Malschule von Gustav Bauer in Wien. In den Sommern der Jahre 1909 und 1910 hielt er sich gemeinsam mit Faistauer und Schütt in der Gegend von Ascona am Lago Maggiore auf und unternahm gemeinsame Italienreisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1911 nahm Andersen an der legendären „Sonderausstellung Malerei und Plastik“ der von [[Egon Schiele]] gegründeten &#039;&#039;Neukunstgruppe&#039;&#039; in den Räumlichkeiten des Hagenbundes teil und wurde Mitglied dieser Künstlergruppe. Im März 1918 nahm er an der 49. Secessionsausstellung, die Schiele organisiert hatte, teil. Im Frühjahr 1918 war Andersen Mitbegründer der von Schiele initiierten, kurzlebigen Künstlergruppe &#039;&#039;Neue Secession Wien&#039;&#039;. Im September 1918 war er auch Mitbegründer des von Schiele initiierten &#039;&#039;Sonderbundes österreichischer Künstler&#039;&#039;. 1919 richtete er in seinem Wiener Atelier eine private Malschule ein, an der er in den folgenden Jahren zahlreichen Schüler*innen Malunterricht gab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1919 bis 1921 bekleidete Andersen die Funktion des Sekretärs und Geschäftsführers des &#039;&#039;Sonderbundes österreichischer Künstler&#039;&#039;. Im August 1919 nahm er an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe &#039;&#039;Der Wassermann&#039;&#039; in Salzburg teil. 1920 trat er dem Wiener &#039;&#039;[[Hagenbund]]&#039;&#039; bei und nahm an dessen 36. Ausstellung teil. Dies war allerdings die einzige Ausstellungsbeteiligung in dieser Gruppe, spätestens 1923 verließ er den &#039;&#039;Hagenbund&#039;&#039; wieder. 1920 organisierte Andersen eine umfangreiche Ausstellung des Sonderbundes im Kunstverein Winterthur in der Schweiz, die auch in Genf und Bern präsentiert wurde. Nach der 1932 erfolgten Selbstauflösung des &#039;&#039;Bundes österreichischer Künstler&#039;&#039; – Kunstschau wurde Andersen Mitglied der [[Wiener Secession]]. 1932, 1934 und 1936 wurde er zur Teilnahme an den Kunstbiennalen von Venedig eingeladen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommer 1945 wurde Andersen mit der Leitung einer Meisterschule für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien beauftragt. Von 1946–1948 bekleidete er das Amt des Rektors der Akademie, von 1948–1951 das Amt des Prorektors. 1965 emeritierte Andersen von der Wiener Akademie. Im Herbst 1967 organisierte die Wiener Secession die erste und einzige Einzelausstellung zu Lebzeiten des Künstlers. Am 23. Jänner 1969 starb Robin Christian Andersen in Wien und wurde am Evangelischen Friedhof in Wien-Simmering beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Künstlerisches Werk – das Vorbild Paul Cézannes==&lt;br /&gt;
Neben gelegentlichen Aufträgen für Tapisserien, Glasfenster und Wandbilder lag der Schwerpunkt von Andersens künstlerischer Tätigkeit in der Malerei. Dabei sticht sein besonderes Interesse für die Kunst von Paul Cézanne hervor, ein Interesse, das sich schon in den ersten Schaffensjahren des Wiener Künstlers zeigte und auch später ungebrochen anhalten sollte. Zu Cézanne dürfte Andersen über seinen um drei Jahre älteren Künstlerkollegen und Schwager Anton Faistauer gelangt sein. Faistauer setzte sich ab 1910 als einer der ersten Maler in Österreich mit der Kunst Cézannes auseinander. Nur wenige Jahre zuvor, 1907, hatte die spektakuläre Cézanne-Gedächtnisausstellung im Salon d’Automne in Paris in ganz Europa eine erste Welle der Beschäftigung mit Cézannes Kunst ausgelöst. Im selben Jahr waren sechs Gemälde von Cézanne in Wien zu sehen gewesen, und zwar in der von der Galerie Miethke veranstalteten Ausstellung &#039;&#039;Französischer Postimpressionismus&#039;&#039;. Faistauer, damals zwanzig Jahre alt und gerade als Kunststudent in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen, hatte diese Schau wohl aufmerksam verfolgt. Und ziemlich sicher hatte diese Schau auch der damals 17-jährige Andersen besucht, der kurz zuvor gemeinsam mit Faistauer an der Wiener Malschule von Robert Scheffer studiert hatte. Eine weitere Gelegenheit, Cézannes Malerei in Wien zu studieren, bot sich für die beiden jungen Wiener Künstler in der Ausstellung &#039;&#039;Die Neue Kunst&#039;&#039;, die von Jänner bis Februar 1913 in der Galerie Miethke in Wien stattfand. Die Schau zeigte einen Überblick über die französische Avantgarde mit Werken unter anderem von Cézanne, [[Vincent van Gogh|van Gogh]], Picasso&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb11919660r&amp;lt;/ref&amp;gt;, Braque&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb120557687&amp;lt;/ref&amp;gt; und Léger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fernand-leger.de/&amp;lt;/ref&amp;gt;. Faistauer war selbst in dieser Ausstellung vertreten, und zwar gemeinsam mit Oskar Kokoschka, die beiden waren die einzigen Österreicher in dieser Schau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Möglichkeit für Andersen, Cézannes Werke kennenzulernen, lieferte das Bildmaterial, das er in der von Julius Meier-Graefe&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118732641&amp;lt;/ref&amp;gt; 1910 herausgegebenen Monografie über Paul Cézanne fand. Das Erscheinen der zweiten Auflage dieser Publikation 1913 fällt mit der Entstehung von wichtigen frühen Werken Andersens zusammen, in denen sich der Einfluss des französischen Meisters klar ablesen lässt. So scheint Cézannes &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln und Flasche&#039;&#039;, das in Meier-Graefes Monografie abgebildet ist, das unmittelbare Vorbild für Andersens &#039;&#039;Früchtestillleben auf weißem Tuch von 1913&#039;&#039; gewesen zu sein.&lt;br /&gt;
Und Cézannes Gemälde &#039;&#039;Die Spieler&#039;&#039;, das in Meier-Graefes Monografie abgebildet ist, könnte ein unmittelbares Vorbild für Andersens Bild &#039;&#039;Matrosen&#039;&#039; von 1914 geliefert haben. Auch das von Andersen 1916 geschaffene Gemälde &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln&#039;&#039; erscheint wie eine Paraphrase auf ein Werk Cézannes, nämlich auf dessen berühmtes &#039;&#039;Stillleben mit Compotier&#039;&#039;, das im Übrigen auf der 1903 in der Wiener Secession stattgefundenen legendären Ausstellung &#039;&#039;Entwicklung des Impressionismus in Malerei und Plastik&#039;&#039; zu sehen gewesen war.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:V108.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln und Flasche&#039;&#039;, um 1885&lt;br /&gt;
Datei:M121 1.jpg|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Früchtestillleben auf weißem Tuch&#039;&#039;, 1913&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:V132.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Die Spieler&#039;&#039;, 1885&lt;br /&gt;
Datei:M50 1.jpg|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Matrosen&#039;&#039;, 1914&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:V131.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Stillleben mit Compotier, Glas und Messer&#039;&#039;, 1879/80&lt;br /&gt;
Datei:M124.JPG|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln&#039;&#039;, 1916&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Landschaft bei Aspang.jpeg|left|150|thumb|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Landschaft bei Aspang&#039;&#039;, 1924]][[Datei:M109.jpg|right|150|thumb|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Stillleben mit Kürbis, Obstteller und Obstschüssel&#039;&#039;, um 1934]]In den Jahren um 1920 wich Cézannes Einfluss auf Andersens Malweise zugunsten der Betonung expressiver Elemente, um ab der Mitte der 1920er Jahre zu einer sehr originellen Synthese zu finden, in der malerisch-expressive Elemente vorherrschen, zugleich aber auch eine formal strenge Komposition anzutreffen ist, die erneut dem französischen Altmeister verpflichtet erscheint. Andersens Bewunderung für Cézanne zeigt sich nicht zuletzt in seiner Bevorzugung der Bildmotive Stillleben und Landschaften, jene Motive, in denen der französische Meister sein Diktum einer „peinture pure“ wohl am deutlichsten zum Ausdruck gebracht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cézanne-Einfluss auf die Malerei in Österreich== &lt;br /&gt;
Die Dominanz dieser beiden Bildgattungen, gemeinsam mit der Bildgattung des Porträts, sollte für die Malerei in Österreich in den 1920er und 1930er Jahren insgesamt ein besonderes Merkmal darstellen. Dies kann wohl auf die Vorbildwirkung Cézannes zurückgeführt werden, und zwar auch bei Maler*innen, die stilistisch andere Wege beschritten, wie etwa Josef Dobrowsky oder die Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Aber eine Reihe von ihnen lehnte sich so wie Andersen auch stilistisch sehr nahe an Cézanne an, etwa [[Herbert Boeckl]], Gerhart Frankl, Josef Floch&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/11945890X&amp;lt;/ref&amp;gt;, Broncia Koller-Pinell&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.belvedere.at/broncia-koller-pinell&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Georg Merkel]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:M331 2.jpg|right|thumb|Einblick in die Hauptgalerie des österreichischen Pavillons der XX. Biennale von Venedig, 1936. Man erkennt Werke unter anderem von Robin Christian Andersen, Josef Dobrowsky und Franz Lerch, mehrheitlich Stillleben und Landschaften.]]Dieser Dominanz der Bildgattungen Stillleben, Porträt und Landschaften in der Malerei zwischen 1918 und 1938 in Österreich steht wiederum das Fehlen von anderen Themen gegenüber, die man in dieser Zeit in dieser Region vermisst, wie etwa Darstellungen aus dem Bereich des Surrealismus, sozialkritische und politische Themen oder narrative Szenen. Und auch das weitgehende Fehlen abstrakter Positionen in der österreichischen Malerei jener Zeit fällt auf. Für viele konservativ gesinnte Kunstkritiker*innen erschien Cézanne sogar als ein herausragender Garant dafür, nicht der von ihnen abgelehnten abstrakten Gestaltungsweise zu verfallen. Ein Beispiel dafür sind etwa die Ausführungen des Kunstkritikers [[Franz Ottmann]] im Katalog der Ausstellung &#039;&#039;Die führenden Meister der französischen Kunst im neunzehnten Jahrhundert&#039;&#039;, die 1925 in der Secession stattfand und in der unter anderem auch Werke von Cézanne und Gauguin zu sehen waren. Ottmann betrachtete Cézanne und [[Paul Gauguin|Gauguin]] als jene Pioniere der Moderne, die nicht die Auflösung der Formen in die Abstraktion anstrebten, sondern das Fortbestehen der gegenständlichen Maltradition garantierten. Fast scheint es, als habe Cézannes Vorbildwirkung hier als Rechtfertigung für jene ausgesprochen konservative Kulturpolitik gedient, die in den 1930er Jahren in Österreich vorherrschte und die in der Folge immer autoritärere Züge annehmen sollte. Tatsächlich zählten Andersen und viele der erwähnten Namen in den 1930er Jahren zu den etablierten Künstlerpersönlichkeiten des Landes, deren Werke damals häufig in Ausstellungen zu sehen waren, insbesondere im Rahmen prominenter, staatstragender Projekte, wie etwa die bereits erwähnten Teilnahmen an den Kunstbiennalen von Venedig in den Jahren 1932, 1934 und 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lehrtätigkeit==&lt;br /&gt;
Andersens Verbundenheit mit Cézanne verlagerte sich in späteren Jahren vor allem auf die Lehrtätigkeit, die er seit 1945 als Professor für Malerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste ausübte. Hier propagierte er sinngemäß Cézannes „peinture pure“, gekennzeichnet von einer nahezu ausschließlichen Konzentration auf formale Elemente, der obligatorischen Verwendung von konstruktiven geometrischen Hilfslinien oder einer selbst auferlegten Beschränkung auf wenige Bildthemen und Farben. Wenig überraschend empfanden viele seiner Student*innen diese Unterrichtsmethoden als zu rigid und didaktisch. Bezeichnenderweise flüchteten in den Jahren 1946 und 1947 einige sehr talentierte Künstler, die zu Beginn ihres Kunststudiums Andersens Malklasse besuchten, sehr rasch in die Malklasse von Albert Paris Gütersloh, wo sie sich als Gleichgesinnte zusammenfanden und in der Folge die später so berühmte Wiener Schule des Phantastischen Realismus begründen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Smola, Franz: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Mit einem Werkverzeichnis aller künstlerischen Arbeiten. 2 Bde. Unveröffentlichte Dissertation der Universität Wien 2017.&lt;br /&gt;
*Smola, Franz: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Wien, Münster: Lit-Verlag 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Franz Smola&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 28/05/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Robin_Christian_Andersen}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Robin Christian Andersen</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Künstlerisches Werk – das Vorbild Paul Cézannes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:B38.JPG|thumb|Robin Christian Andersen, Aufnahme um 1930]]Das Oeuvre des Wiener Malers Robin Christian Andersen spannt einen Bogen von seiner frühen Phase vor und während des Ersten Weltkriegs zu einer intensiven Schaffensphase in den 1920er und 1930er Jahren bis zum Spätwerk des Künstlers in den 1950er Jahren. In seiner privaten Malschule, die Andersen ab 1919 unterhielt, und in der Meisterklasse für Malerei, die er von 1945 bis 1965 an der Akademie der bildenden Künste in Wien innehatte, vertrat er mit großer Konsequenz die Lehren, die er für sich aus seiner intensiven Beschäftigung mit der Kunst von [[Paul Cézanne]] gezogen hatte. Damit zählte Andersen zu den maßgeblichen, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich tätigen Künstlerpersönlichkeiten die das Erbe Cézannes auch lange nach dem Tod des französischen Meisters bewahrten und fortführten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Robin Christian Andersen wurde am 17. Juli 1890 in Wien geboren. Sein Vater Christian Georgius Andersen war aus Dänemark nach Wien gezogen, wo dieser eine Werkstätte für Dekorationsmalerei betrieb. Eine der drei Schwestern des Künstlers, Ida Wilhelmine, heiratete 1913 den Maler Anton Faistauer&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/gnd118531824.html#ndbcontent&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit Faistauer pflegte Andersen einen engen künstlerischen Austausch. Andersen behielt auf Wunsch seines Vaters zeit seines Lebens die dänische Staatsbürgerschaft bei. Er besuchte 1905–1907 die Malschule von Robert Scheffer in Wien, wo er unter anderem mit seinem späteren Schwager Anton Faistauer, des Weiteren mit Gustav Schütt&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=36292&amp;lt;/ref&amp;gt;, Anton Peschka&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=7141&amp;lt;/ref&amp;gt; und John Quincy Adams&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_A/Adams_John-Quincy_1873_1933.xml?frames=yes&amp;lt;/ref&amp;gt; studierte. Im Herbst 1907 trat Andersen zur Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste an, bestand sie jedoch nicht. 1907–1908 studierte er in der Malschule von Gustav Bauer in Wien. In den Sommern der Jahre 1909 und 1910 hielt er sich gemeinsam mit Faistauer und Schütt in der Gegend von Ascona am Lago Maggiore auf und unternahm gemeinsame Italienreisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1911 nahm Andersen an der legendären „Sonderausstellung Malerei und Plastik“ der von [[Egon Schiele]] gegründeten &#039;&#039;Neukunstgruppe&#039;&#039; in den Räumlichkeiten des Hagenbundes teil und wurde Mitglied dieser Künstlergruppe. Im März 1918 nahm er an der 49. Secessionsausstellung, die Schiele organisiert hatte, teil. Im Frühjahr 1918 war Andersen Mitbegründer der von Schiele initiierten, kurzlebigen Künstlergruppe &#039;&#039;Neue Secession Wien&#039;&#039;. Im September 1918 war er auch Mitbegründer des von Schiele initiierten &#039;&#039;Sonderbundes österreichischer Künstler&#039;&#039;. 1919 richtete er in seinem Wiener Atelier eine private Malschule ein, an der er in den folgenden Jahren zahlreichen Schüler*innen Malunterricht gab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1919 bis 1921 bekleidete Andersen die Funktion des Sekretärs und Geschäftsführers des &#039;&#039;Sonderbundes österreichischer Künstler&#039;&#039;. Im August 1919 nahm er an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe &#039;&#039;Der Wassermann&#039;&#039; in Salzburg teil. 1920 trat er dem Wiener &#039;&#039;[[Hagenbund]]&#039;&#039; bei und nahm an dessen 36. Ausstellung teil. Dies war allerdings die einzige Ausstellungsbeteiligung in dieser Gruppe, spätestens 1923 verließ er den &#039;&#039;Hagenbund&#039;&#039; wieder. 1920 organisierte Andersen eine umfangreiche Ausstellung des Sonderbundes im Kunstverein Winterthur in der Schweiz, die auch in Genf und Bern präsentiert wurde. Nach der 1932 erfolgten Selbstauflösung des &#039;&#039;Bundes österreichischer Künstler&#039;&#039; – Kunstschau wurde Andersen Mitglied der [[Wiener Secession]]. 1932, 1934 und 1936 wurde er zur Teilnahme an den Kunstbiennalen von Venedig eingeladen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommer 1945 wurde Andersen mit der Leitung einer Meisterschule für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien beauftragt. Von 1946–1948 bekleidete er das Amt des Rektors der Akademie, von 1948–1951 das Amt des Prorektors. 1965 emeritierte Andersen von der Wiener Akademie. Im Herbst 1967 organisierte die Wiener Secession die erste und einzige Einzelausstellung zu Lebzeiten des Künstlers. Am 23. Jänner 1969 starb Robin Christian Andersen in Wien und wurde am Evangelischen Friedhof in Wien-Simmering beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Künstlerisches Werk – das Vorbild Paul Cézannes==&lt;br /&gt;
Neben gelegentlichen Aufträgen für Tapisserien, Glasfenster und Wandbilder lag der Schwerpunkt von Andersens künstlerischer Tätigkeit in der Malerei. Dabei sticht sein besonderes Interesse für die Kunst von Paul Cézanne hervor, ein Interesse, das sich schon in den ersten Schaffensjahren des Wiener Künstlers zeigte und auch später ungebrochen anhalten sollte. Zu Cézanne dürfte Andersen über seinen um drei Jahre älteren Künstlerkollegen und Schwager Anton Faistauer gelangt sein. Faistauer setzte sich ab 1910 als einer der ersten Maler in Österreich mit der Kunst Cézannes auseinander. Nur wenige Jahre zuvor, 1907, hatte die spektakuläre Cézanne-Gedächtnisausstellung im Salon d’Automne in Paris in ganz Europa eine erste Welle der Beschäftigung mit Cézannes Kunst ausgelöst. Im selben Jahr waren sechs Gemälde von Cézanne in Wien zu sehen gewesen, und zwar in der von der Galerie Miethke veranstalteten Ausstellung &#039;&#039;Französischer Postimpressionismus&#039;&#039;. Faistauer, damals zwanzig Jahre alt und gerade als Kunststudent in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen, hatte diese Schau wohl aufmerksam verfolgt. Und ziemlich sicher hatte diese Schau auch der damals 17-jährige Andersen besucht, der kurz zuvor gemeinsam mit Faistauer an der Wiener Malschule von Robert Scheffer studiert hatte. Eine weitere Gelegenheit, Cézannes Malerei in Wien zu studieren, bot sich für die beiden jungen Wiener Künstler in der Ausstellung &#039;&#039;Die Neue Kunst&#039;&#039;, die von Jänner bis Februar 1913 in der Galerie Miethke in Wien stattfand. Die Schau zeigte einen Überblick über die französische Avantgarde mit Werken unter anderem von Cézanne, [[Vincent van Gogh|van Gogh]], Picasso&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb11919660r&amp;lt;/ref&amp;gt;, Braque&amp;lt;ref&amp;gt;https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb120557687&amp;lt;/ref&amp;gt; und Léger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fernand-leger.de/&amp;lt;/ref&amp;gt;. Faistauer war selbst in dieser Ausstellung vertreten, und zwar gemeinsam mit Oskar Kokoschka, die beiden waren die einzigen Österreicher in dieser Schau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Möglichkeit für Andersen, Cézannes Werke kennenzulernen, lieferte das Bildmaterial, das er in der von Julius Meier-Graefe&amp;lt;ref&amp;gt;https://explore.gnd.network/gnd/118732641&amp;lt;/ref&amp;gt; 1910 herausgegebenen Monografie über Paul Cézanne fand. Das Erscheinen der zweiten Auflage dieser Publikation 1913 fällt mit der Entstehung von wichtigen frühen Werken Andersens zusammen, in denen sich der Einfluss des französischen Meisters klar ablesen lässt. So scheint Cézannes &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln und Flasche&#039;&#039;, das in Meier-Graefes Monografie abgebildet ist, das unmittelbare Vorbild für Andersens &#039;&#039;Früchtestillleben auf weißem Tuch von 1913&#039;&#039; gewesen zu sein.&lt;br /&gt;
Und Cézannes Gemälde &#039;&#039;Die Spieler&#039;&#039;, das in Meier-Graefes Monografie abgebildet ist, könnte ein unmittelbares Vorbild für Andersens Bild &#039;&#039;Matrosen&#039;&#039; von 1914 geliefert haben. Auch das von Andersen 1916 geschaffene Gemälde &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln&#039;&#039; erscheint wie eine Paraphrase auf ein Werk Cézannes, nämlich auf dessen berühmtes &#039;&#039;Stillleben mit Compotier&#039;&#039;, das im Übrigen auf der 1903 in der Wiener Secession stattgefundenen legendären Ausstellung &#039;&#039;Entwicklung des Impressionismus in Malerei und Plastik&#039;&#039; zu sehen gewesen war.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:V108.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln und Flasche&#039;&#039;, um 1885&lt;br /&gt;
Datei:M121 1.jpg|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Früchtestillleben auf weißem Tuch&#039;&#039;, 1913&lt;br /&gt;
Datei:V132.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Die Spieler&#039;&#039;, 1885&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:M50 1.jpg|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Matrosen&#039;&#039;, 1914&lt;br /&gt;
Datei:V131.jpg|Paul Cézanne, &#039;&#039;Stillleben mit Compotier, Glas und Messer&#039;&#039;, 1879/80&lt;br /&gt;
Datei:M124.JPG|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Stillleben mit Äpfeln&#039;&#039;, 1916&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Landschaft bei Aspang.jpeg|left|250|thumb|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Landschaft bei Aspang&#039;&#039;, 1924]][[Datei:M109.jpg|right|250|thumb|Robin Christian Andersen, &#039;&#039;Stillleben mit Kürbis, Obstteller und Obstschüssel&#039;&#039;, um 1934]]In den Jahren um 1920 wich Cézannes Einfluss auf Andersens Malweise zugunsten der Betonung expressiver Elemente, um ab der Mitte der 1920er Jahre zu einer sehr originellen Synthese zu finden, in der malerisch-expressive Elemente vorherrschen, zugleich aber auch eine formal strenge Komposition anzutreffen ist, die erneut dem französischen Altmeister verpflichtet erscheint. Andersens Bewunderung für Cézanne zeigt sich nicht zuletzt in seiner Bevorzugung der Bildmotive Stillleben und Landschaften, jene Motive, in denen der französische Meister sein Diktum einer „peinture pure“ wohl am deutlichsten zum Ausdruck gebracht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cézanne-Einfluss auf die Malerei in Österreich== &lt;br /&gt;
Die Dominanz dieser beiden Bildgattungen, gemeinsam mit der Bildgattung des Porträts, sollte für die Malerei in Österreich in den 1920er und 1930er Jahren insgesamt ein besonderes Merkmal darstellen. Dies kann wohl auf die Vorbildwirkung Cézannes zurückgeführt werden, und zwar auch bei Maler*innen, die stilistisch andere Wege beschritten, wie etwa Josef Dobrowsky oder die Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Aber eine Reihe von ihnen lehnte sich so wie Andersen auch stilistisch sehr nahe an Cézanne an, etwa [[Herbert Boeckl]], Gerhart Frankl, Josef Floch&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/11945890X&amp;lt;/ref&amp;gt;, Broncia Koller-Pinell&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.belvedere.at/broncia-koller-pinell&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Georg Merkel]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:M331 2.jpg|right|thumb|Einblick in die Hauptgalerie des österreichischen Pavillons der XX. Biennale von Venedig, 1936. Man erkennt Werke unter anderem von Robin Christian Andersen, Josef Dobrowsky und Franz Lerch, mehrheitlich Stillleben und Landschaften.]]Dieser Dominanz der Bildgattungen Stillleben, Porträt und Landschaften in der Malerei zwischen 1918 und 1938 in Österreich steht wiederum das Fehlen von anderen Themen gegenüber, die man in dieser Zeit in dieser Region vermisst, wie etwa Darstellungen aus dem Bereich des Surrealismus, sozialkritische und politische Themen oder narrative Szenen. Und auch das weitgehende Fehlen abstrakter Positionen in der österreichischen Malerei jener Zeit fällt auf. Für viele konservativ gesinnte Kunstkritiker*innen erschien Cézanne sogar als ein herausragender Garant dafür, nicht der von ihnen abgelehnten abstrakten Gestaltungsweise zu verfallen. Ein Beispiel dafür sind etwa die Ausführungen des Kunstkritikers [[Franz Ottmann]] im Katalog der Ausstellung &#039;&#039;Die führenden Meister der französischen Kunst im neunzehnten Jahrhundert&#039;&#039;, die 1925 in der Secession stattfand und in der unter anderem auch Werke von Cézanne und Gauguin zu sehen waren. Ottmann betrachtete Cézanne und [[Paul Gauguin|Gauguin]] als jene Pioniere der Moderne, die nicht die Auflösung der Formen in die Abstraktion anstrebten, sondern das Fortbestehen der gegenständlichen Maltradition garantierten. Fast scheint es, als habe Cézannes Vorbildwirkung hier als Rechtfertigung für jene ausgesprochen konservative Kulturpolitik gedient, die in den 1930er Jahren in Österreich vorherrschte und die in der Folge immer autoritärere Züge annehmen sollte. Tatsächlich zählten Andersen und viele der erwähnten Namen in den 1930er Jahren zu den etablierten Künstlerpersönlichkeiten des Landes, deren Werke damals häufig in Ausstellungen zu sehen waren, insbesondere im Rahmen prominenter, staatstragender Projekte, wie etwa die bereits erwähnten Teilnahmen an den Kunstbiennalen von Venedig in den Jahren 1932, 1934 und 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lehrtätigkeit==&lt;br /&gt;
Andersens Verbundenheit mit Cézanne verlagerte sich in späteren Jahren vor allem auf die Lehrtätigkeit, die er seit 1945 als Professor für Malerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste ausübte. Hier propagierte er sinngemäß Cézannes „peinture pure“, gekennzeichnet von einer nahezu ausschließlichen Konzentration auf formale Elemente, der obligatorischen Verwendung von konstruktiven geometrischen Hilfslinien oder einer selbst auferlegten Beschränkung auf wenige Bildthemen und Farben. Wenig überraschend empfanden viele seiner Student*innen diese Unterrichtsmethoden als zu rigid und didaktisch. Bezeichnenderweise flüchteten in den Jahren 1946 und 1947 einige sehr talentierte Künstler, die zu Beginn ihres Kunststudiums Andersens Malklasse besuchten, sehr rasch in die Malklasse von Albert Paris Gütersloh, wo sie sich als Gleichgesinnte zusammenfanden und in der Folge die später so berühmte Wiener Schule des Phantastischen Realismus begründen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Smola, Franz: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Mit einem Werkverzeichnis aller künstlerischen Arbeiten. 2 Bde. Unveröffentlichte Dissertation der Universität Wien 2017.&lt;br /&gt;
*Smola, Franz: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Wien, Münster: Lit-Verlag 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Franz Smola&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 28/05/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Robin_Christian_Andersen}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Franz_August_von_Kurl%C3%A4nder&amp;diff=634</id>
		<title>Franz August von Kurländer</title>
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		<updated>2025-05-10T09:51:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Franz August von Kurländer (eigentl. Kurländer von Kornfeld, * 26. November 1777, † 4. September 1836) war ein österreichischer Dramatiker, der neben eigener schriftstellerischer Tätigkeit vor allem als Übersetzer und Bearbeiter französischer Theaterstücke auf den deutschsprachigen Bühnen bekannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kurländers Übersetzertätigkeit==&lt;br /&gt;
Franz August von Kurländer trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien im Jahre 1800 seinen Dienst als Beamter der Niederösterreichischen Landesregierung an, zunächst als Auskulant beim Niederösterreichischen Landrecht, ab 1805 in der Funktion eines Ratsprotokollisten, und ab 1811 war er als Ratssekretär tätig. Ähnlich wie sein Zeitgenosse [[Ignaz Franz Castelli]] begann er sehr früh, sich schriftstellerisch zu betätigen, wobei er sich rasch dem einträglichen Geschäft der Übersetzung und Bearbeitung vornehmlich französischer Bühnenwerke zuwandte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste vermeintlich eigene Theatertexte fanden nämlich bei der Kritik eher wenig Gefallen, so das Lustspiel &#039;&#039;Liebhaber und Geliebte in einer Person&#039;&#039; (Uraufführung am Wiener Burgtheater am 23. August 1813), wo „ein nicht gehaltener Styl, und hie und da Gemeinheiten oder Schwulst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt&#039;&#039;, Nr. 136 v. 26. August 1813: 544&amp;lt;/ref&amp;gt;“ bemängelt wurden. Mehr Erfolg hatte Kurländer mit seinen Bearbeitungen von über 100 Theaterstücken, die zum Teil sehr erfolgreich auf den Wiener Bühnen aufgeführt und in Folge in Graz, Brünn, Leipzig und Prag ebenfalls gespielt wurden. Die Wirksamkeit seiner Übersetzungen und Bearbeitungen unterstützte Kurländer aber auch zusätzlich durch die langjährige Herausgabe seiner Theatertexte in dem von 1811 bis 1818 publizierten &#039;&#039;Almanach dramatischer Spiele für Gesellschaftstheater&#039;&#039;, dem er von 1819 bis zu seinem Tod im Jahr 1836 das Reihenwerk &#039;&#039;Lustspiele oder dramatischer Almanach&#039;&#039; folgen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seiner Übersetzungstätigkeit fügte sich Kurländer generell in die allgemein gültige Arbeitsweise der österreichischen Übersetzer ein. Eigenmächtige Eingriffe in den Handlungsablauf finden ebenso zahlreich statt wie Veränderungen der Personencharakterisierung, zumal Kurländer auch im Vorwort zum &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1829 als Hauptkritikpunkt seiner Vorlagen „den Mangel an Motiven und die wenige Haltung der Charaktere“ nennt. Ähnlich wie sein Kollege [[Hermann Josef Herzenskron]] war er ein eifriger Bearbeiter von [[Eugène Scribe|Eugène Scribes]] Theaterstücken, wobei er Scribes eher nüchtern und zurückhaltende Dialoge in seinen rund 25 Bearbeitungen durch gefühlsmäßig stark gefärbte Äußerungen veränderte und die Figurenreden dadurch sehr pathetisch, mitunter schwülstig wirkten. Frömmigkeit bei der Personencharakterisierung wurde von Kurländer durchgängig und bewusst zur Affektsteigerung der Texte eingesetzt, da es ihm wichtig war, die Personen „als Menschen mit menschlichen Schwächen zu schildern, nicht als Geburten der Phantasie&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vorerinnerung&#039;&#039; im &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1829&amp;lt;/ref&amp;gt;.“ Gerechtfertigt wurden diese mitunter sehr eigenmächtige Eingriffe, die alle dem Prinzip der allgemein herrschenden Tendenz des einbürgernden Übersetzens folgten, durch den Unterschied zwischen französischem und deutschsprachigem Publikum, welches realitätsnähere Figuren wünschte und das Theater vornehmlich als einen „Unterhaltungsort“ erachtete. Die zahlreichen meist positiven Rezensionen zu seinen Bearbeitungen gaben Kurländer offenbar Recht, denn es wurden oft seine Dialogführung und die Personencharakterisierung lobend hervorgehoben&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rezension zu der Bearbeitung &#039;&#039;Jenny&#039;&#039; nach Pelletier-Vollméranges in der &#039;&#039;Theater-Zeitung&#039;&#039;, Nr. 15 v. 4. Februar 1813&amp;lt;/ref&amp;gt;. Von dem Vorwurf des „literarischen Freybeuters“, der sich ohne Nennung fremder Stoffe bediente, wurde er freigesprochen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Theater-Zeitung&#039;&#039;, Nr. 4 v. 13. Jänner 1816&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auch seine Schwägerin [[Caroline Pichler]] strich in ihrem Nekrolog auf Kurländer seine einbürgernde Übersetzungsweise als besonderes Qualitätsmerkmal und Grund seines langjährigen Erfolges hervor: „[...] die sinnige Weise, Erzeugnisse eines fremden Bodens auf die heimatliche Erde zu verpflanzen, daß sie weder in Farbe noch Haltung ihren ausländischen Ursprung verrathen, dürfte vielleicht in der Folge als Vorbild dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Theaterzeitung&#039;&#039;, Nr. 181 v. 9. September 1836&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Zeitgenossen aus der Theaterwelt gab es allerdings auch so manche harsche Kritik, so beispielsweise von dem Schauspieler und Regisseur Carl Ludwig Costenoble&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Carl_Ludwig_Costenoble&amp;lt;/ref&amp;gt;, wenn dieser meinte, „Kurländer gefällt sich nun einmal in langen Wasserbrühen über französische Speisen.&amp;lt;ref&amp;gt;Costenoble 1889, Bd. 2: 72&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Auch wenn sich Kurländer selbst von der Arbeitsweise seiner Kollegen wie zum Beispiel von Castelli zu distanzieren versuchte&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. &#039;&#039;Vorwort&#039;&#039; im &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1834&amp;lt;/ref&amp;gt;, stand er zweifelsohne ganz „im Dienste der kommerziellen Aufrechterhaltung des Theaterbetriebes des Biedermeier.&amp;lt;ref&amp;gt;Tumfart 2012: 162&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Costenoble, Carl Ludwig: Aus dem Burgtheater. Tagebuchblätter. 1818–1837. 2 Bände. Wien: Konegen 1889.&lt;br /&gt;
*Goedeke, Karl: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band XI/2. (2., ganz neu bearb. Aufl.). Düsseldorf: Ehlermann 1953 (unveränderter Nachdruck: Berlin: Akademie-Verlag 2011), S. 241–250.&lt;br /&gt;
*Kurländer, Franz August von: Almanach Dramatischer Spiele für Gesellschaftstheater. Jahrgang 1–8, Wien u. Triest: Geistinger 1811–1818.&lt;br /&gt;
*Kurländer, Franz August von: Lustspiele oder dramatischer Almanach. Jahrgang 9–27. Leipzig: Baumgärtner 1819–1837 (fortgesetzt nach Kurländers Tod von Karl Wilhelm Koch, Jahrgang 23–31, Leipzig: Baumgärtner 1838–1841).&lt;br /&gt;
*Pichler, Caroline: Franz August Kurländer. Nekrolog. In: Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, Musik, Mode und geselliges Leben. Nr. 181 vom 9. September 1836.&lt;br /&gt;
*Ruprecht, Hans-George: Theaterpublikum und Textauffassung. Eine textsoziologische Studie zur Aufnahme und Wirkung von Eugène Scribes Theaterstücken im deutschen Sprachraum (= Kanadische Studien zur deutschen Sprache und Literatur Nr. 14). Frankfurt/Main und München: Peter Lang 1976.&lt;br /&gt;
*Sterbebuch, 03-04, 01., Am Hof: https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-am-hof/03-04/?pg=13 (abgerufen am 5. Mai 2025).&lt;br /&gt;
*Taufbuch, 01-094, 01., Dom- und Metropolitanpfarre St. Stephan: https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/01-094/?pg=163 (abgerufen am 5. Mai 2025).&lt;br /&gt;
*Tumfart, Barbara: Eugène Scribes Theater im Taumel der Gefühle. Emotionen in deutschsprachigen Übersetzungen des 19. Jahrhunderts. In: Nestroyana 32 (2012), S. 146–162.&lt;br /&gt;
*Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Nr. 136 vom 26. August 1813, S. 544.&lt;br /&gt;
*Theater-Zeitung, Nr. 15 vom 4. Februar 1813.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Barbara Tumfart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 08/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Franz_August_von_Kurländer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Franz August von Kurländer</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Kurländers Übersetzertätigkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Franz August von Kurländer (eigentl. Kurländer von Kornfeld, * 26. November 1777, † 4. September 1836) war ein österreichischer Dramatiker, der neben eigener schriftstellerischer Tätigkeit vor allem als Übersetzer und Bearbeiter französischer Theaterstücke auf den deutschsprachigen Bühnen bekannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kurländers Übersetzertätigkeit==&lt;br /&gt;
Franz August von Kurländer trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien im Jahre 1800 seinen Dienst als Beamter der Niederösterreichischen Landesregierung an, zunächst als Auskulant beim Niederösterreichischen Landrecht, ab 1805 in der Funktion eines Ratsprotokollisten, und ab 1811 war er als Ratssekretär tätig. Ähnlich wie sein Zeitgenosse [[Ignaz Franz Castelli]] begann er sehr früh, sich schriftstellerisch zu betätigen, wobei er sich rasch dem einträglichen Geschäft der Übersetzung und Bearbeitung vornehmlich französischer Bühnenwerke zuwandte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste vermeintlich eigene Theatertexte fanden nämlich bei der Kritik eher wenig Gefallen, so das Lustspiel &#039;&#039;Liebhaber und Geliebte in einer Person&#039;&#039; (Uraufführung am Wiener Burgtheater am 23. August 1813), wo „ein nicht gehaltener Styl, und hie und da Gemeinheiten oder Schwulst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt&#039;&#039;, Nr. 136 v. 26. August 1813: 544&amp;lt;/ref&amp;gt;“ bemängelt wurden. Mehr Erfolg hatte Kurländer mit seinen Bearbeitungen von über 100 Theaterstücken, die zum Teil sehr erfolgreich auf den Wiener Bühnen aufgeführt und in Folge in Graz, Brünn, Leipzig und Prag ebenfalls gespielt wurden. Die Wirksamkeit seiner Übersetzungen und Bearbeitungen unterstützte Kurländer aber auch zusätzlich durch die langjährige Herausgabe seiner Theatertexte in dem von 1811 bis 1818 publizierten &#039;&#039;Almanach dramatischer Spiele für Gesellschaftstheater&#039;&#039;, dem er von 1819 bis zu seinem Tod im Jahr 1836 das Reihenwerk &#039;&#039;Lustspiele oder dramatischer Almanach&#039;&#039; folgen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seiner Übersetzungstätigkeit fügte sich Kurländer generell in die allgemein gültige Arbeitsweise der österreichischen Übersetzer ein. Eigenmächtige Eingriffe in den Handlungsablauf finden ebenso zahlreich statt wie Veränderungen der Personencharakterisierung, zumal Kurländer auch im Vorwort zum &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1829 als Hauptkritikpunkt seiner Vorlagen „den Mangel an Motiven und die wenige Haltung der Charaktere“ nennt. Ähnlich wie sein Kollege [[Hermann Josef Herzenskron]] war er ein eifriger Bearbeiter von [[Eugène Scribe|Eugène Scribes]] Theaterstücken, wobei er Scribes eher nüchtern und zurückhaltende Dialoge in seinen rund 25 Bearbeitungen durch gefühlsmäßig stark gefärbte Äußerungen veränderte und die Figurenreden dadurch sehr pathetisch, mitunter schwülstig wirkten. Frömmigkeit bei der Personencharakterisierung wurde von Kurländer durchgängig und bewusst zur Affektsteigerung der Texte eingesetzt, da es ihm wichtig war, die Personen „als Menschen mit menschlichen Schwächen zu schildern, nicht als Geburten der Phantasie&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vorerinnerung&#039;&#039; im &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1829&amp;lt;/ref&amp;gt;.“ Gerechtfertigt wurden diese mitunter sehr eigenmächtige Eingriffe, die alle dem Prinzip der allgemein herrschenden Tendenz des einbürgernden Übersetzens folgten, durch den Unterschied zwischen französischem und deutschsprachigem Publikum, welches realitätsnähere Figuren wünschte und das Theater vornehmlich als einen „Unterhaltungsort“ erachtete. Die zahlreichen meist positiven Rezensionen zu seinen Bearbeitungen gaben Kurländer offenbar Recht, denn es wurden oft seine Dialogführung und die Personencharakterisierung lobend hervorgehoben&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rezension zu der Bearbeitung &#039;&#039;Jenny&#039;&#039; nach Pelletier-Vollméranges in der &#039;&#039;Theater-Zeitung&#039;&#039;, Nr. 15 v. 4. Februar 1813&amp;lt;/ref&amp;gt;. Von dem Vorwurf des „literarischen Freybeuters“, der sich ohne Nennung fremder Stoffe bediente, wurde er freigesprochen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Theater-Zeitung&#039;&#039;, Nr. 4 v. 13. Jänner 1816&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auch seine Schwägerin [[Caroline Pichler]] strich in ihrem Nekrolog auf Kurländer seine einbürgernde Übersetzungsweise als besonderes Qualitätsmerkmal und Grund seines langjährigen Erfolges hervor: „[...] die sinnige Weise, Erzeugnisse eines fremden Bodens auf die heimatliche Erde zu verpflanzen, daß sie weder in Farbe noch Haltung ihren ausländischen Ursprung verrathen, dürfte vielleicht in der Folge als Vorbild dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Theaterzeitung&#039;&#039;, Nr. 181 v. 9. September 1836&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Zeitgenossen aus der Theaterwelt gab es allerdings auch so manche harsche Kritik, so beispielsweise von dem Schauspieler und Regisseur Carl Ludwig Costenoble,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Carl_Ludwig_Costenoble&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn dieser meinte, „Kurländer gefällt sich nun einmal in langen Wasserbrühen über französische Speisen.&amp;lt;ref&amp;gt;Costenoble 1889, Bd. 2: 72&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Auch wenn sich Kurländer selbst von der Arbeitsweise seiner Kollegen wie zum Beispiel von Castelli zu distanzieren versuchte&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. &#039;&#039;Vorwort&#039;&#039; im &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1834&amp;lt;/ref&amp;gt;, stand er zweifelsohne ganz „im Dienste der kommerziellen Aufrechterhaltung des Theaterbetriebes des Biedermeier.&amp;lt;ref&amp;gt;Tumfart 2012: 162&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Costenoble, Carl Ludwig: Aus dem Burgtheater. Tagebuchblätter. 1818–1837. 2 Bände. Wien: Konegen 1889.&lt;br /&gt;
*Goedeke, Karl: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band XI/2. (2., ganz neu bearb. Aufl.). Düsseldorf: Ehlermann 1953 (unveränderter Nachdruck: Berlin: Akademie-Verlag 2011), S. 241–250.&lt;br /&gt;
*Kurländer, Franz August von: Almanach Dramatischer Spiele für Gesellschaftstheater. Jahrgang 1–8, Wien u. Triest: Geistinger 1811–1818.&lt;br /&gt;
*Kurländer, Franz August von: Lustspiele oder dramatischer Almanach. Jahrgang 9–27. Leipzig: Baumgärtner 1819–1837 (fortgesetzt nach Kurländers Tod von Karl Wilhelm Koch, Jahrgang 23–31, Leipzig: Baumgärtner 1838–1841).&lt;br /&gt;
*Pichler, Caroline: Franz August Kurländer. Nekrolog. In: Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, Musik, Mode und geselliges Leben. Nr. 181 vom 9. September 1836.&lt;br /&gt;
*Ruprecht, Hans-George: Theaterpublikum und Textauffassung. Eine textsoziologische Studie zur Aufnahme und Wirkung von Eugène Scribes Theaterstücken im deutschen Sprachraum (= Kanadische Studien zur deutschen Sprache und Literatur Nr. 14). Frankfurt/Main und München: Peter Lang 1976.&lt;br /&gt;
*Sterbebuch, 03-04, 01., Am Hof: https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-am-hof/03-04/?pg=13 (abgerufen am 5. Mai 2025).&lt;br /&gt;
*Taufbuch, 01-094, 01., Dom- und Metropolitanpfarre St. Stephan: https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/01-094/?pg=163 (abgerufen am 5. Mai 2025).&lt;br /&gt;
*Tumfart, Barbara: Eugène Scribes Theater im Taumel der Gefühle. Emotionen in deutschsprachigen Übersetzungen des 19. Jahrhunderts. In: Nestroyana 32 (2012), S. 146–162.&lt;br /&gt;
*Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Nr. 136 vom 26. August 1813, S. 544.&lt;br /&gt;
*Theater-Zeitung, Nr. 15 vom 4. Februar 1813.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Barbara Tumfart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 08/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Franz_August_von_Kurländer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Franz August von Kurländer</title>
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		<updated>2025-05-10T09:50:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Franz August von Kurländer (eigentl. Kurländer von Kornfeld, * 26. November 1777, † 4. September 1836) war ein österreichischer Dramatiker, der neben eigener schriftstellerischer Tätigkeit vor allem als Übersetzer und Bearbeiter französischer Theaterstücke auf den deutschsprachigen Bühnen bekannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kurländers Übersetzertätigkeit==&lt;br /&gt;
Franz August von Kurländer trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien im Jahre 1800 seinen Dienst als Beamter der Niederösterreichischen Landesregierung an, zunächst als Auskulant beim Niederösterreichischen Landrecht, ab 1805 in der Funktion eines Ratsprotokollisten, und ab 1811 war er als Ratssekretär tätig. Ähnlich wie sein Zeitgenosse [[Ignaz Franz Castelli]] begann er sehr früh, sich schriftstellerisch zu betätigen, wobei er sich rasch dem einträglichen Geschäft der Übersetzung und Bearbeitung vornehmlich französischer Bühnenwerke zuwandte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste vermeintlich eigene Theatertexte fanden nämlich bei der Kritik eher wenig Gefallen, so das Lustspiel &#039;&#039;Liebhaber und Geliebte in einer Person&#039;&#039; (Uraufführung am Wiener Burgtheater am 23. August 1813), wo „ein nicht gehaltener Styl, und hie und da Gemeinheiten oder Schwulst&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt&#039;&#039;, Nr. 136 v. 26. August 1813: 544&amp;lt;/ref&amp;gt;“ bemängelt wurden. Mehr Erfolg hatte Kurländer mit seinen Bearbeitungen von über 100 Theaterstücken, die zum Teil sehr erfolgreich auf den Wiener Bühnen aufgeführt und in Folge in Graz, Brünn, Leipzig und Prag ebenfalls gespielt wurden. Die Wirksamkeit seiner Übersetzungen und Bearbeitungen unterstützte Kurländer aber auch zusätzlich durch die langjährige Herausgabe seiner Theatertexte in dem von 1811 bis 1818 publizierten &#039;&#039;Almanach dramatischer Spiele für Gesellschaftstheater&#039;&#039;, dem er von 1819 bis zu seinem Tod im Jahr 1836 das Reihenwerk &#039;&#039;Lustspiele oder dramatischer Almanach&#039;&#039; folgen ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seiner Übersetzungstätigkeit fügte sich Kurländer generell in die allgemein gültige Arbeitsweise der österreichischen Übersetzer ein. Eigenmächtige Eingriffe in den Handlungsablauf finden ebenso zahlreich statt wie Veränderungen der Personencharakterisierung, zumal Kurländer auch im Vorwort zum &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1829 als Hauptkritikpunkt seiner Vorlagen „den Mangel an Motiven und die wenige Haltung der Charaktere“ nennt. Ähnlich wie sein Kollege [[Hermann Josef Herzenskron]] war er ein eifriger Bearbeiter von [[Eugène Scribe|Eugène Scribes]] Theaterstücken, wobei er Scribes eher nüchtern und zurückhaltende Dialoge in seinen rund 25 Bearbeitungen durch gefühlsmäßig stark gefärbte Äußerungen veränderte und die Figurenreden dadurch sehr pathetisch, mitunter schwülstig wirkten. Frömmigkeit bei der Personencharakterisierung wurde von Kurländer durchgängig und bewusst zur Affektsteigerung der Texte eingesetzt, da es ihm wichtig war, die Personen „als Menschen mit menschlichen Schwächen zu schildern, nicht als Geburten der Phantasie.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Vorerinnerung&#039;&#039; im &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1829&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Gerechtfertigt wurden diese mitunter sehr eigenmächtige Eingriffe, die alle dem Prinzip der allgemein herrschenden Tendenz des einbürgernden Übersetzens folgten, durch den Unterschied zwischen französischem und deutschsprachigem Publikum, welches realitätsnähere Figuren wünschte und das Theater vornehmlich als einen „Unterhaltungsort“ erachtete. Die zahlreichen meist positiven Rezensionen zu seinen Bearbeitungen gaben Kurländer offenbar Recht, denn es wurden oft seine Dialogführung und die Personencharakterisierung lobend hervorgehoben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rezension zu der Bearbeitung &#039;&#039;Jenny&#039;&#039; nach Pelletier-Vollméranges in der &#039;&#039;Theater-Zeitung&#039;&#039;, Nr. 15 v. 4. Februar 1813&amp;lt;/ref&amp;gt; Von dem Vorwurf des „literarischen Freybeuters“, der sich ohne Nennung fremder Stoffe bediente, wurde er freigesprochen&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Theater-Zeitung&#039;&#039;, Nr. 4 v. 13. Jänner 1816&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auch seine Schwägerin [[Caroline Pichler]] strich in ihrem Nekrolog auf Kurländer seine einbürgernde Übersetzungsweise als besonderes Qualitätsmerkmal und Grund seines langjährigen Erfolges hervor: „[...] die sinnige Weise, Erzeugnisse eines fremden Bodens auf die heimatliche Erde zu verpflanzen, daß sie weder in Farbe noch Haltung ihren ausländischen Ursprung verrathen, dürfte vielleicht in der Folge als Vorbild dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Theaterzeitung&#039;&#039;, Nr. 181 v. 9. September 1836&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Zeitgenossen aus der Theaterwelt gab es allerdings auch so manche harsche Kritik, so beispielsweise von dem Schauspieler und Regisseur Carl Ludwig Costenoble,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Carl_Ludwig_Costenoble&amp;lt;/ref&amp;gt; wenn dieser meinte, „Kurländer gefällt sich nun einmal in langen Wasserbrühen über französische Speisen.&amp;lt;ref&amp;gt;Costenoble 1889, Bd. 2: 72&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Auch wenn sich Kurländer selbst von der Arbeitsweise seiner Kollegen wie zum Beispiel von Castelli zu distanzieren versuchte&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. &#039;&#039;Vorwort&#039;&#039; im &#039;&#039;Almanach&#039;&#039; von 1834&amp;lt;/ref&amp;gt;, stand er zweifelsohne ganz „im Dienste der kommerziellen Aufrechterhaltung des Theaterbetriebes des Biedermeier.&amp;lt;ref&amp;gt;Tumfart 2012: 162&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Costenoble, Carl Ludwig: Aus dem Burgtheater. Tagebuchblätter. 1818–1837. 2 Bände. Wien: Konegen 1889.&lt;br /&gt;
*Goedeke, Karl: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band XI/2. (2., ganz neu bearb. Aufl.). Düsseldorf: Ehlermann 1953 (unveränderter Nachdruck: Berlin: Akademie-Verlag 2011), S. 241–250.&lt;br /&gt;
*Kurländer, Franz August von: Almanach Dramatischer Spiele für Gesellschaftstheater. Jahrgang 1–8, Wien u. Triest: Geistinger 1811–1818.&lt;br /&gt;
*Kurländer, Franz August von: Lustspiele oder dramatischer Almanach. Jahrgang 9–27. Leipzig: Baumgärtner 1819–1837 (fortgesetzt nach Kurländers Tod von Karl Wilhelm Koch, Jahrgang 23–31, Leipzig: Baumgärtner 1838–1841).&lt;br /&gt;
*Pichler, Caroline: Franz August Kurländer. Nekrolog. In: Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, Musik, Mode und geselliges Leben. Nr. 181 vom 9. September 1836.&lt;br /&gt;
*Ruprecht, Hans-George: Theaterpublikum und Textauffassung. Eine textsoziologische Studie zur Aufnahme und Wirkung von Eugène Scribes Theaterstücken im deutschen Sprachraum (= Kanadische Studien zur deutschen Sprache und Literatur Nr. 14). Frankfurt/Main und München: Peter Lang 1976.&lt;br /&gt;
*Sterbebuch, 03-04, 01., Am Hof: https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-am-hof/03-04/?pg=13 (abgerufen am 5. Mai 2025).&lt;br /&gt;
*Taufbuch, 01-094, 01., Dom- und Metropolitanpfarre St. Stephan: https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/01-st-stephan/01-094/?pg=163 (abgerufen am 5. Mai 2025).&lt;br /&gt;
*Tumfart, Barbara: Eugène Scribes Theater im Taumel der Gefühle. Emotionen in deutschsprachigen Übersetzungen des 19. Jahrhunderts. In: Nestroyana 32 (2012), S. 146–162.&lt;br /&gt;
*Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, Nr. 136 vom 26. August 1813, S. 544.&lt;br /&gt;
*Theater-Zeitung, Nr. 15 vom 4. Februar 1813.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorin==&lt;br /&gt;
Barbara Tumfart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 08/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Franz_August_von_Kurländer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Friderike_Zweig&amp;diff=631</id>
		<title>Friderike Zweig</title>
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		<updated>2025-05-10T09:49:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Friderike Zweigs persönliche Kontakte mit Frankreich und Übersetzungstätigkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:FriderikeZweig.jpg||thumb|Friderike Zweig (1882–1971), etwa 1920]]&lt;br /&gt;
Friderike Zweig (* 4. Dezember 1882 in Wien ; † 18. Januar 1971 in Stamford, USA) kennt man vor allem als die erste, geschiedene Frau des berühmten Dichters [[Stefan Zweig]] (verh. 1920–1938). Ein umfangreicher Briefwechsel dokumentiert diese Liebes- und Arbeitsbeziehung vom ersten Kennenlernen 1912 bis zu Stefan Zweigs Freitod in Brasilien 1942&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig u. Zweig 1981, 2006&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Jahrelang ist Friderike Zweig involviert in den literarischen ‚Betrieb‘ ihres Mannes – als Sekretärin, Gesprächspartnerin, möglicherweise auch Mit-Autorin. Auch nach seinem Tod setzt sie sich für sein Werk ein und veröffentlicht Arbeiten, in denen Leben und Werk von Stefan Zweig bzw. ihr Leben an seiner Seite im Zentrum stehen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1947, 1961, 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger bekannt als die Schriftsteller-Gattin ist Friderike Zweig in ihrer Rolle als emanzipierte Frau, die sich – den zeitgenössisch eingeschränkten Möglichkeiten weiblicher Kunstproduktion zum Trotz – zeit ihres Lebens eigenständig intellektuell und kreativ betätigt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holmes u. Wörgötter 2023&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dabei ist schon sehr früh ein besonderes Interesse an der französischen Sprache und Kultur zu erkennen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spaziergänge mit einer französischen Bonne gehören zu den frühesten Kindheitserinnerungen der am 4. Dezember 1882 in einer Familie des gehobenen jüdischen Bürgertums geborenen Friderike Burger. Nach Abbruch des Mädchengymnasiums wendet sie sich einer Lehrerinnenausbildung für die französische Sprache zu, um alsbald mit Französischunterricht – neben literarischen Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen – Geld zu verdienen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1906 geschlossene Ehe mit dem Juristen Felix von Winternitz, aus der zwei Töchter hervorgehen (*1907 Alexia Elisabeth, *1910 Susanna Benediktine), wird 1914 geschieden. Mit Stefan Zweig, den sie 1912 kennengelernt hat, übersiedelt sie 1919 in ein Haus in Salzburg, 1920 erfolgt die Eheschließung. Die Verbundenheit mit der französischen Sprache und Kultur, die auch eine wesentliche Gemeinsamkeit mit Stefan Zweig darstellt, zeigt sich schon früh in der Pflege eines Netzwerkes persönlicher Kontakte, ab den 1920er Jahren in einer regen Übersetzungstätigkeit französischsprachiger Literatur. Später erweist sich ihre Biographie über den französischen Bakteriologen Louis Pasteur&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.pasteur.fr/fr/institut-pasteur/notre-histoire/vie-oeuvre-louis-pasteur&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Anfang 1939 erscheint, als wesentliches Dokument auf ihrem Fluchtweg ins amerikanische Exil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Friderike Zweigs persönliche Kontakte mit Frankreich und Übersetzungstätigkeit==&lt;br /&gt;
Für Friderike Zweigs persönliche Kontakte nach Frankreich ist die Beziehung zu Stefan Zweig ausschlaggebend, und dennoch ist ersichtlich, dass sie ihr Netzwerk auch eigenständig und weitgehend unabhängig von Stefan Zweig pflegt und weiter ausbaut. Ein Beispiel dafür ist die Bekanntschaft mit [[Romain Rolland|Romain]] und Madeleine Rolland: Hat Friderike Zweig es zunächst Stefan Zweig zu verdanken, dass sie bei ihrem ersten Parisaufenthalt im April 1914 sowohl Romain Rolland als auch den Übersetzern von &#039;&#039;Jean Christophe&#039;&#039;, Erna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826452.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Otto Grautoff&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/119489872.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, begegnet, so sind in späteren Jahren mehrfach Besuche Friderike Zweigs bei den Rollands verzeichnet, die sie ohne Stefan Zweig unternimmt (etwa im Oktober 1927, im Januar 1932 und im Januar 1938). Dank Rolland, dem Zweigs Roman &#039;&#039;Vögelchen&#039;&#039; (1919) gewidmet ist, kann sie Kontakte zur französischen Sektion der Frauenliga herstellen. Als 1921 in Salzburg die Sommerschule der englischen Sektion der Liga stattfindet, ist auch Madeleine Rolland unter den Rednerinnen. In den &#039;&#039;Spiegelungen&#039;&#039; bezeichnet Zweig Madeleine Rolland und Andrée Jouve als Freundinnen auf Lebenszeit&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 84&amp;lt;/ref&amp;gt;. Als nahe Freunde hervorgehoben werden in ihren Memoiren zudem Julien Cain&amp;lt;ref&amp;gt;https://histoirebnf.hypotheses.org/39618&amp;lt;/ref&amp;gt;, administrateur général der Bibliothèque nationale, sowie dessen Frau Lucienne Cain&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 132, 193&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gemeinsam mit Julien Cain und Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; gelingt es Friderike Zweig, im Frühjahr 1940 eine Einladung Stefan Zweigs nach Paris zu initiieren, die zum Vortrag „Das Wien von Gestern“ führt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 212&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die eigene literarische Tätigkeit betrifft, beschreibt Friderike Zweig in ihren Memoiren, wie ihr ab den 1920er Jahren die Unterstützung der Karriere ihres Mannes keinen Raum lässt für eigene kreative und schriftstellerische Arbeit. So findet sie, die bis 1920 mehrere Romane und zahlreiche kleinere Arbeiten in Zeitschriften veröffentlicht hat&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1912/1913, 1914, 1919&amp;lt;/ref&amp;gt;, im Übersetzen „eine Art schriftstellerische Betätigung […], die sich den Umständen besser anpassen&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 129&amp;lt;/ref&amp;gt;“ lässt. Von 1920 bis 1930 erscheinen neun Titel, die Friderike Zweig aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hat und die „als Teil ihrer Friedensarbeit verstanden werden können&amp;lt;ref&amp;gt;Gürtler 2023, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;“: René Arcos: &#039;&#039;Das Gemeinsame&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1920), Magdeleine Paz: &#039;&#039;Weib.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Rhein-Verlag 1920), [[Emile Verhaeren]]: &#039;&#039;Fünf Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1921), Emile Verhaeren: &#039;&#039;Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1923), Anatole France: &#039;&#039;Das Leben der heiligen Johanna&#039;&#039; (Berlin: Späth 1926), Théophile Gautier: &#039;&#039;Spirita&#039;&#039; (Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926), Maurice Magre: &#039;&#039;Das Laster von Granada&#039;&#039; (München: Musarion Verlag 1928), Edmond Jaloux: &#039;&#039;Dich hätte ich geliebt.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Reclam 1928), René Arcos: &#039;&#039;Medardus&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1930). In den &#039;&#039;Spiegelungen des Lebens&#039;&#039; schreibt Zweig, dass sie mehr als ein Dutzend Bücher sowie außerdem Gedichte und Essays übersetzt habe. Doch nicht alle Übersetzungsprojekte werden bis zur Publikation verfolgt: So beginnt sie beispielsweise im Sommer 1925 an der Übersetzung von Léon Bazalgettes &#039;&#039;Henry Thoreau: sauvage&#039;&#039; (Paris: F. Rieder et Cie éditeurs 1924) zu arbeiten, ohne dass daraus eine Publikation resultieren sollte. Vermittelt wird ihr diese Übersetzungsarbeit von Stefan Zweig, und auch in anderen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit ihm auszumachen. So wird etwa die Übersetzung von Paz’ &#039;&#039;Weib&#039;&#039; von Friderike und Stefan Zweig gemeinsam unternommen, und auch die Übersetzungen von Verhaeren stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Umfeld und Wirkungskreis ihres zweiten Ehemannes. Eine genaue Untersuchung der Zusammenarbeit von Friderike und Stefan Zweig im Rahmen solcher Übersetzungsprojekte und Herausgeberschaften stellt ein wichtiges Forschungsdesiderat dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des eigenen literarischen Œuvres hat in Bezug auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen die erwähnte biographische Arbeit über Louis Pasteur einen herausragenden Stellenwert. 1938 hält sich Friderike Zweig gerade für Recherchen in Paris auf, als sie von Hitlers Einmarsch in Österreich überrascht wird. Als das Buch Anfang 1939 erscheint, bereitet sie bereits ihre Emigration in die USA vor. Im Kontext der historisch-politischen Entwicklungen im Europa der 1930er Jahre zeichnet Zweig den französischen Bakteriologen als internationalen Humanisten und als „Führer aus dem unheimlichen Bereich tausendjähriger Leiden und Gefahren in eine Welt wahrhafter Genesung und Hoffnung.“ In seinem französischen Vorwort unterstreicht Louis Pasteur Vallery-Radot&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1939, S. 281&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/louis-pasteur-vallery-radot&amp;lt;/ref&amp;gt; Enkel des Bakteriologen, eine pazifistische Lesart der Biographie. Vallery-Radots Einführung sei, so Friderike Zweig, im Wesentlichen auch das Gelingen ihrer Flucht aus Frankreich in die USA zu verdanken: „Dieses Buch eines französischen Nationalhelden hat sich dann bei Behörden als eine Art von Legitimation erwiesen, daß ich mich um das Land verdient gemacht hatte, um so mehr, als es lobpreisende Einführungsworte von Professor Vallery-Radot, Pasteurs Enkel, enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 211&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Als „fortschrittsutopisches Zukunftsbuch in düsteren Zeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 161&amp;lt;/ref&amp;gt;“ wird Zweigs Biographie über den französischen Bakteriologen zum „Flucht- und Überlebensbuch.&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 155&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Zweig-Winternitz, Friderike Marie: Louis Pasteur. Bild des Lebens und des Werkes. Bern: Alfred Scherz Verlag 1939.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike M.: Stefan Zweig. Eine Bildbiographie. München: Kindler Verlag 1961. &lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Poems. Literaturarchiv Salzburg (LAS), Bestand Donald Prater, FZ-SDP/W1.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Spiegelungen des Lebens. Wien, Stuttgart, Zürich: Hans Deutsch Verlag 1964.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike: Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte. Stockholm: Neuer Verlag 1947.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Maria Zweig: „Wenn einen Augenblick die Wolken weichen“. Briefwechsel 1912–1942. Hg. v. Jeffrey B. Berlin u. Gert Kerschbaumer. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2006. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Briefwechsel 1912–1942. Bern: Scherz 1951. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Unrast der Liebe: ihr Leben und ihre Zeit im Spiegel ihres Briefwechsels. Hg. v. Petra Eisele. Bern, München: Scherz 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Arcos, René: Das Gemeinsame. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Mit 27 Holzschnitten v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1920.  &lt;br /&gt;
*Arcos, René: Medardus. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Mit 1 Aquarell u. 9 Holzschn. v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1930. &lt;br /&gt;
*Burger, Fritzi: Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten: Ein Beitrag zur Psychologie des Mädchens. Wien: L. Rosner 1904. &lt;br /&gt;
*France, Anatole: Das Leben der heiligen Johanna. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Berlin: Späth 1926. &lt;br /&gt;
*Gautier, Théophile: Spirita. Mit 52 Zeichnungen von Karl M. Schultheiss. Ins Dt. übertr. v. Friderike M. Zweig. Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926. &lt;br /&gt;
*Gürtler, Christa: Friderike Winternitz Zweig – Intellektuelle und Friedensaktivistin. Das Engagement in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 43–57.&lt;br /&gt;
*Holmes, Deborah u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023. &lt;br /&gt;
*Jaloux, Edmond: Dich hätte ich geliebt. Roman. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Reclam 1928. &lt;br /&gt;
*Magre, Maurice: Das Laster von Granada. Roman. München: Musarion Verlag 1928. &lt;br /&gt;
*Paz, Magdeleine: Weib. Roman. Mit einem Vorwort von Henri Barbusse. Ins Dt. übers. v. Stefan Zweig und Friderike Marie Winternitz-Zweig. Basel, Leipzig: Rhein-Verlag 1920. &lt;br /&gt;
*Peck, Clemens: Mikrobenführer. Humanistische Bakteriologie in Friderike Zweigs Pasteur. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 155–167. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen. Mit 26 Holzschnitten v. Frans Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1923. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Fünf Erzählungen. Mit 28 Holzschnitten von Franz Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1921.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Der Ruf der Heimat. Roman. Berlin: Schuster &amp;amp; Loeffler 1914 (Graz: Das Bergland Buch 1931. Eingeleitet von Emil Lucka). &lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Vögelchen. Roman. Berlin, Wien: S. Fischer 1919.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike von: Traummenschen. In: Pester Lloyd (7.12.1912 bis 14.1.1913; 28 Folgen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorinnen==&lt;br /&gt;
Simone Lettner und Martina Wörgötter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friderike_Zweig}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:FriderikeZweig.jpg||thumb|Friderike Zweig (1882–1971), etwa 1920]]&lt;br /&gt;
Friderike Zweig (* 4. Dezember 1882 in Wien ; † 18. Januar 1971 in Stamford, USA) kennt man vor allem als die erste, geschiedene Frau des berühmten Dichters [[Stefan Zweig]] (verh. 1920–1938). Ein umfangreicher Briefwechsel dokumentiert diese Liebes- und Arbeitsbeziehung vom ersten Kennenlernen 1912 bis zu Stefan Zweigs Freitod in Brasilien 1942&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig u. Zweig 1981, 2006&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Jahrelang ist Friderike Zweig involviert in den literarischen ‚Betrieb‘ ihres Mannes – als Sekretärin, Gesprächspartnerin, möglicherweise auch Mit-Autorin. Auch nach seinem Tod setzt sie sich für sein Werk ein und veröffentlicht Arbeiten, in denen Leben und Werk von Stefan Zweig bzw. ihr Leben an seiner Seite im Zentrum stehen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1947, 1961, 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger bekannt als die Schriftsteller-Gattin ist Friderike Zweig in ihrer Rolle als emanzipierte Frau, die sich – den zeitgenössisch eingeschränkten Möglichkeiten weiblicher Kunstproduktion zum Trotz – zeit ihres Lebens eigenständig intellektuell und kreativ betätigt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holmes u. Wörgötter 2023&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dabei ist schon sehr früh ein besonderes Interesse an der französischen Sprache und Kultur zu erkennen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spaziergänge mit einer französischen Bonne gehören zu den frühesten Kindheitserinnerungen der am 4. Dezember 1882 in einer Familie des gehobenen jüdischen Bürgertums geborenen Friderike Burger. Nach Abbruch des Mädchengymnasiums wendet sie sich einer Lehrerinnenausbildung für die französische Sprache zu, um alsbald mit Französischunterricht – neben literarischen Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen – Geld zu verdienen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1906 geschlossene Ehe mit dem Juristen Felix von Winternitz, aus der zwei Töchter hervorgehen (*1907 Alexia Elisabeth, *1910 Susanna Benediktine), wird 1914 geschieden. Mit Stefan Zweig, den sie 1912 kennengelernt hat, übersiedelt sie 1919 in ein Haus in Salzburg, 1920 erfolgt die Eheschließung. Die Verbundenheit mit der französischen Sprache und Kultur, die auch eine wesentliche Gemeinsamkeit mit Stefan Zweig darstellt, zeigt sich schon früh in der Pflege eines Netzwerkes persönlicher Kontakte, ab den 1920er Jahren in einer regen Übersetzungstätigkeit französischsprachiger Literatur. Später erweist sich ihre Biographie über den französischen Bakteriologen Louis Pasteur&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.pasteur.fr/fr/institut-pasteur/notre-histoire/vie-oeuvre-louis-pasteur&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Anfang 1939 erscheint, als wesentliches Dokument auf ihrem Fluchtweg ins amerikanische Exil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Friderike Zweigs persönliche Kontakte mit Frankreich und Übersetzungstätigkeit==&lt;br /&gt;
Für Friderike Zweigs persönliche Kontakte nach Frankreich ist die Beziehung zu Stefan Zweig ausschlaggebend, und dennoch ist ersichtlich, dass sie ihr Netzwerk auch eigenständig und weitgehend unabhängig von Stefan Zweig pflegt und weiter ausbaut. Ein Beispiel dafür ist die Bekanntschaft mit [[Romain Rolland|Romain]] und Madeleine Rolland: Hat Friderike Zweig es zunächst Stefan Zweig zu verdanken, dass sie bei ihrem ersten Parisaufenthalt im April 1914 sowohl Romain Rolland als auch den Übersetzern von &#039;&#039;Jean Christophe&#039;&#039;, Erna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826452.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Otto Grautoff&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/119489872.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, begegnet, so sind in späteren Jahren mehrfach Besuche Friderike Zweigs bei den Rollands verzeichnet, die sie ohne Stefan Zweig unternimmt (etwa im Oktober 1927, im Januar 1932 und im Januar 1938). Dank Rolland, dem Zweigs Roman &#039;&#039;Vögelchen&#039;&#039; (1919) gewidmet ist, kann sie Kontakte zur französischen Sektion der Frauenliga herstellen. Als 1921 in Salzburg die Sommerschule der englischen Sektion der Liga stattfindet, ist auch Madeleine Rolland unter den Rednerinnen. In den &#039;&#039;Spiegelungen&#039;&#039; bezeichnet Zweig Madeleine Rolland und Andrée Jouve als Freundinnen auf Lebenszeit&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 84&amp;lt;/ref&amp;gt;. Als nahe Freunde hervorgehoben werden in ihren Memoiren zudem Julien Cain&amp;lt;ref&amp;gt;https://histoirebnf.hypotheses.org/39618&amp;lt;/ref&amp;gt;, administrateur général der Bibliothèque nationale, sowie dessen Frau Lucienne Cain&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 132, 193&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gemeinsam mit Julien Cain und Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; gelingt es Friderike Zweig, im Frühjahr 1940 eine Einladung Stefan Zweigs nach Paris zu initiieren, die zum Vortrag „Das Wien von Gestern“ führt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 212&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die eigene literarische Tätigkeit betrifft, beschreibt Friderike Zweig in ihren Memoiren, wie ihr ab den 1920er Jahren die Unterstützung der Karriere ihres Mannes keinen Raum lässt für eigene kreative und schriftstellerische Arbeit. So findet sie, die bis 1920 mehrere Romane und zahlreiche kleinere Arbeiten in Zeitschriften veröffentlicht hat&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1912/1913, 1914, 1919&amp;lt;/ref&amp;gt;, im Übersetzen „eine Art schriftstellerische Betätigung […], die sich den Umständen besser anpassen&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 129&amp;lt;/ref&amp;gt;“ lässt. Von 1920 bis 1930 erscheinen neun Titel, die Friderike Zweig aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hat und die „als Teil ihrer Friedensarbeit verstanden werden können&amp;lt;ref&amp;gt;Gürtler 2023, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;“: René Arcos: &#039;&#039;Das Gemeinsame&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1920), Magdeleine Paz: &#039;&#039;Weib.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Rhein-Verlag 1920), [[Emile Verhaeren]]: &#039;&#039;Fünf Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1921), Emile Verhaeren: &#039;&#039;Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1923), Anatole France: &#039;&#039;Das Leben der heiligen Johanna&#039;&#039; (Berlin: Späth 1926), Théophile Gautier: &#039;&#039;Spirita&#039;&#039; (Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926), Maurice Magre: &#039;&#039;Das Laster von Granada&#039;&#039; (München: Musarion Verlag 1928), Edmond Jaloux: &#039;&#039;Dich hätte ich geliebt.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Reclam 1928), René Arcos: &#039;&#039;Medardus&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1930). In den &#039;&#039;Spiegelungen des Lebens&#039;&#039; schreibt Zweig, dass sie mehr als ein Dutzend Bücher sowie außerdem Gedichte und Essays übersetzt habe. Doch nicht alle Übersetzungsprojekte werden bis zur Publikation verfolgt: So beginnt sie beispielsweise im Sommer 1925 an der Übersetzung von Léon Bazalgettes &#039;&#039;Henry Thoreau: sauvage&#039;&#039; (Paris: F. Rieder et Cie éditeurs 1924) zu arbeiten, ohne dass daraus eine Publikation resultieren sollte. Vermittelt wird ihr diese Übersetzungsarbeit von Stefan Zweig, und auch in anderen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit ihm auszumachen. So wird etwa die Übersetzung von Paz’ &#039;&#039;Weib&#039;&#039; von Friderike und Stefan Zweig gemeinsam unternommen, und auch die Übersetzungen von Verhaeren stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Umfeld und Wirkungskreis ihres zweiten Ehemannes. Eine genaue Untersuchung der Zusammenarbeit von Friderike und Stefan Zweig im Rahmen solcher Übersetzungsprojekte und Herausgeberschaften stellt ein wichtiges Forschungsdesiderat dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des eigenen literarischen Œuvres hat in Bezug auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen die erwähnte biographische Arbeit über Louis Pasteur einen herausragenden Stellenwert. 1938 hält sich Friderike Zweig gerade für Recherchen in Paris auf, als sie von Hitlers Einmarsch in Österreich überrascht wird. Als das Buch Anfang 1939 erscheint, bereitet sie bereits ihre Emigration in die USA vor. Im Kontext der historisch-politischen Entwicklungen im Europa der 1930er Jahre zeichnet Zweig den französischen Bakteriologen als internationalen Humanisten und als „Führer aus dem unheimlichen Bereich tausendjähriger Leiden und Gefahren in eine Welt wahrhafter Genesung und Hoffnung.“ In seinem französischen Vorwort unterstreicht Louis Pasteur Vallery-Radot&amp;lt;ref&amp;gt;https://www&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1939, S. 281&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;academie-francaise.fr/les-immortels/louis-pasteur-vallery-radot&amp;lt;/ref&amp;gt; Enkel des Bakteriologen, eine pazifistische Lesart der Biographie. Vallery-Radots Einführung sei, so Friderike Zweig, im Wesentlichen auch das Gelingen ihrer Flucht aus Frankreich in die USA zu verdanken: „Dieses Buch eines französischen Nationalhelden hat sich dann bei Behörden als eine Art von Legitimation erwiesen, daß ich mich um das Land verdient gemacht hatte, um so mehr, als es lobpreisende Einführungsworte von Professor Vallery-Radot, Pasteurs Enkel, enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 211&amp;lt;/ref&amp;gt;“ Als „fortschrittsutopisches Zukunftsbuch in düsteren Zeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 161&amp;lt;/ref&amp;gt;“ wird Zweigs Biographie über den französischen Bakteriologen zum „Flucht- und Überlebensbuch.&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 155&amp;lt;/ref&amp;gt;“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Zweig-Winternitz, Friderike Marie: Louis Pasteur. Bild des Lebens und des Werkes. Bern: Alfred Scherz Verlag 1939.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike M.: Stefan Zweig. Eine Bildbiographie. München: Kindler Verlag 1961. &lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Poems. Literaturarchiv Salzburg (LAS), Bestand Donald Prater, FZ-SDP/W1.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Spiegelungen des Lebens. Wien, Stuttgart, Zürich: Hans Deutsch Verlag 1964.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike: Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte. Stockholm: Neuer Verlag 1947.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Maria Zweig: „Wenn einen Augenblick die Wolken weichen“. Briefwechsel 1912–1942. Hg. v. Jeffrey B. Berlin u. Gert Kerschbaumer. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2006. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Briefwechsel 1912–1942. Bern: Scherz 1951. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Unrast der Liebe: ihr Leben und ihre Zeit im Spiegel ihres Briefwechsels. Hg. v. Petra Eisele. Bern, München: Scherz 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Arcos, René: Das Gemeinsame. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Mit 27 Holzschnitten v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1920.  &lt;br /&gt;
*Arcos, René: Medardus. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Mit 1 Aquarell u. 9 Holzschn. v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1930. &lt;br /&gt;
*Burger, Fritzi: Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten: Ein Beitrag zur Psychologie des Mädchens. Wien: L. Rosner 1904. &lt;br /&gt;
*France, Anatole: Das Leben der heiligen Johanna. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Berlin: Späth 1926. &lt;br /&gt;
*Gautier, Théophile: Spirita. Mit 52 Zeichnungen von Karl M. Schultheiss. Ins Dt. übertr. v. Friderike M. Zweig. Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926. &lt;br /&gt;
*Gürtler, Christa: Friderike Winternitz Zweig – Intellektuelle und Friedensaktivistin. Das Engagement in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 43–57.&lt;br /&gt;
*Holmes, Deborah u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023. &lt;br /&gt;
*Jaloux, Edmond: Dich hätte ich geliebt. Roman. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Reclam 1928. &lt;br /&gt;
*Magre, Maurice: Das Laster von Granada. Roman. München: Musarion Verlag 1928. &lt;br /&gt;
*Paz, Magdeleine: Weib. Roman. Mit einem Vorwort von Henri Barbusse. Ins Dt. übers. v. Stefan Zweig und Friderike Marie Winternitz-Zweig. Basel, Leipzig: Rhein-Verlag 1920. &lt;br /&gt;
*Peck, Clemens: Mikrobenführer. Humanistische Bakteriologie in Friderike Zweigs Pasteur. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 155–167. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen. Mit 26 Holzschnitten v. Frans Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1923. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Fünf Erzählungen. Mit 28 Holzschnitten von Franz Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1921.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Der Ruf der Heimat. Roman. Berlin: Schuster &amp;amp; Loeffler 1914 (Graz: Das Bergland Buch 1931. Eingeleitet von Emil Lucka). &lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Vögelchen. Roman. Berlin, Wien: S. Fischer 1919.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike von: Traummenschen. In: Pester Lloyd (7.12.1912 bis 14.1.1913; 28 Folgen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorinnen==&lt;br /&gt;
Simone Lettner und Martina Wörgötter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friderike_Zweig}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Friderike Zweig</title>
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		<updated>2025-05-10T09:46:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Bibliographie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:FriderikeZweig.jpg||thumb|Friderike Zweig (1882–1971), etwa 1920]]&lt;br /&gt;
Friderike Zweig (* 4. Dezember 1882 in Wien ; † 18. Januar 1971 in Stamford, USA) kennt man vor allem als die erste, geschiedene Frau des berühmten Dichters [[Stefan Zweig]] (verh. 1920–1938). Ein umfangreicher Briefwechsel dokumentiert diese Liebes- und Arbeitsbeziehung vom ersten Kennenlernen 1912 bis zu Stefan Zweigs Freitod in Brasilien 1942.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig u. Zweig 1981, 2006&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Jahrelang ist Friderike Zweig involviert in den literarischen ‚Betrieb‘ ihres Mannes – als Sekretärin, Gesprächspartnerin, möglicherweise auch Mit-Autorin. Auch nach seinem Tod setzt sie sich für sein Werk ein und veröffentlicht Arbeiten, in denen Leben und Werk von Stefan Zweig bzw. ihr Leben an seiner Seite im Zentrum stehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1947, 1961, 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger bekannt als die Schriftsteller-Gattin ist Friderike Zweig in ihrer Rolle als emanzipierte Frau, die sich – den zeitgenössisch eingeschränkten Möglichkeiten weiblicher Kunstproduktion zum Trotz – zeit ihres Lebens eigenständig intellektuell und kreativ betätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holmes u. Wörgötter 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei ist schon sehr früh ein besonderes Interesse an der französischen Sprache und Kultur zu erkennen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spaziergänge mit einer französischen Bonne gehören zu den frühesten Kindheitserinnerungen der am 4. Dezember 1882 in einer Familie des gehobenen jüdischen Bürgertums geborenen Friderike Burger. Nach Abbruch des Mädchengymnasiums wendet sie sich einer Lehrerinnenausbildung für die französische Sprache zu, um alsbald mit Französischunterricht – neben literarischen Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen – Geld zu verdienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1906 geschlossene Ehe mit dem Juristen Felix von Winternitz, aus der zwei Töchter hervorgehen (*1907 Alexia Elisabeth, *1910 Susanna Benediktine), wird 1914 geschieden. Mit Stefan Zweig, den sie 1912 kennengelernt hat, übersiedelt sie 1919 in ein Haus in Salzburg, 1920 erfolgt die Eheschließung. Die Verbundenheit mit der französischen Sprache und Kultur, die auch eine wesentliche Gemeinsamkeit mit Stefan Zweig darstellt, zeigt sich schon früh in der Pflege eines Netzwerkes persönlicher Kontakte, ab den 1920er Jahren in einer regen Übersetzungstätigkeit französischsprachiger Literatur. Später erweist sich ihre Biographie über den französischen Bakteriologen Louis Pasteur,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.pasteur.fr/fr/institut-pasteur/notre-histoire/vie-oeuvre-louis-pasteur&amp;lt;/ref&amp;gt; die Anfang 1939 erscheint, als wesentliches Dokument auf ihrem Fluchtweg ins amerikanische Exil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Friderike Zweigs persönliche Kontakte mit Frankreich und Übersetzungstätigkeit==&lt;br /&gt;
Für Friderike Zweigs persönliche Kontakte nach Frankreich ist die Beziehung zu Stefan Zweig ausschlaggebend, und dennoch ist ersichtlich, dass sie ihr Netzwerk auch eigenständig und weitgehend unabhängig von Stefan Zweig pflegt und weiter ausbaut. Ein Beispiel dafür ist die Bekanntschaft mit [[Romain Rolland|Romain]] und Madeleine Rolland: Hat Friderike Zweig es zunächst Stefan Zweig zu verdanken, dass sie bei ihrem ersten Parisaufenthalt im April 1914 sowohl Romain Rolland als auch den Übersetzern von &#039;&#039;Jean Christophe&#039;&#039;, Erna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826452.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Otto Grautoff,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/119489872.html&amp;lt;/ref&amp;gt; begegnet, so sind in späteren Jahren mehrfach Besuche Friderike Zweigs bei den Rollands verzeichnet, die sie ohne Stefan Zweig unternimmt (etwa im Oktober 1927, im Januar 1932 und im Januar 1938). Dank Rolland, dem Zweigs Roman &#039;&#039;Vögelchen&#039;&#039; (1919) gewidmet ist, kann sie Kontakte zur französischen Sektion der Frauenliga herstellen. Als 1921 in Salzburg die Sommerschule der englischen Sektion der Liga stattfindet, ist auch Madeleine Rolland unter den Rednerinnen. In den &#039;&#039;Spiegelungen&#039;&#039; bezeichnet Zweig Madeleine Rolland und Andrée Jouve als Freundinnen auf Lebenszeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 84&amp;lt;/ref&amp;gt; Als nahe Freunde hervorgehoben werden in ihren Memoiren zudem Julien Cain,&amp;lt;ref&amp;gt;https://histoirebnf.hypotheses.org/39618&amp;lt;/ref&amp;gt; administrateur général der Bibliothèque nationale, sowie dessen Frau Lucienne Cain.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 132, 193&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemeinsam mit Julien Cain und Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; gelingt es Friderike Zweig, im Frühjahr 1940 eine Einladung Stefan Zweigs nach Paris zu initiieren, die zum Vortrag „Das Wien von Gestern“ führt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 212&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die eigene literarische Tätigkeit betrifft, beschreibt Friderike Zweig in ihren Memoiren, wie ihr ab den 1920er Jahren die Unterstützung der Karriere ihres Mannes keinen Raum lässt für eigene kreative und schriftstellerische Arbeit. So findet sie, die bis 1920 mehrere Romane und zahlreiche kleinere Arbeiten in Zeitschriften veröffentlicht hat,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1912/1913, 1914, 1919&amp;lt;/ref&amp;gt; im Übersetzen „eine Art schriftstellerische Betätigung […], die sich den Umständen besser anpassen“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 129&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt. Von 1920 bis 1930 erscheinen neun Titel, die Friderike Zweig aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hat und die „als Teil ihrer Friedensarbeit verstanden werden können“:&amp;lt;ref&amp;gt;Gürtler 2023, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; René Arcos: &#039;&#039;Das Gemeinsame&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1920), Magdeleine Paz: &#039;&#039;Weib.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Rhein-Verlag 1920), [[Emile Verhaeren]]: &#039;&#039;Fünf Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1921), Emile Verhaeren: &#039;&#039;Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1923), Anatole France: &#039;&#039;Das Leben der heiligen Johanna&#039;&#039; (Berlin: Späth 1926), Théophile Gautier: &#039;&#039;Spirita&#039;&#039; (Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926), Maurice Magre: &#039;&#039;Das Laster von Granada&#039;&#039; (München: Musarion Verlag 1928), Edmond Jaloux: &#039;&#039;Dich hätte ich geliebt.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Reclam 1928), René Arcos: &#039;&#039;Medardus&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1930). In den &#039;&#039;Spiegelungen des Lebens&#039;&#039; schreibt Zweig, dass sie mehr als ein Dutzend Bücher sowie außerdem Gedichte und Essays übersetzt habe. Doch nicht alle Übersetzungsprojekte werden bis zur Publikation verfolgt: So beginnt sie beispielsweise im Sommer 1925 an der Übersetzung von Léon Bazalgettes &#039;&#039;Henry Thoreau: sauvage&#039;&#039; (Paris: F. Rieder et Cie éditeurs 1924) zu arbeiten, ohne dass daraus eine Publikation resultieren sollte. Vermittelt wird ihr diese Übersetzungsarbeit von Stefan Zweig, und auch in anderen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit ihm auszumachen. So wird etwa die Übersetzung von Paz’ &#039;&#039;Weib&#039;&#039; von Friderike und Stefan Zweig gemeinsam unternommen, und auch die Übersetzungen von Verhaeren stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Umfeld und Wirkungskreis ihres zweiten Ehemannes. Eine genaue Untersuchung der Zusammenarbeit von Friderike und Stefan Zweig im Rahmen solcher Übersetzungsprojekte und Herausgeberschaften stellt ein wichtiges Forschungsdesiderat dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des eigenen literarischen Œuvres hat in Bezug auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen die erwähnte biographische Arbeit über Louis Pasteur einen herausragenden Stellenwert. 1938 hält sich Friderike Zweig gerade für Recherchen in Paris auf, als sie von Hitlers Einmarsch in Österreich überrascht wird. Als das Buch Anfang 1939 erscheint, bereitet sie bereits ihre Emigration in die USA vor. Im Kontext der historisch-politischen Entwicklungen im Europa der 1930er Jahre zeichnet Zweig den französischen Bakteriologen als internationalen Humanisten und als „Führer aus dem unheimlichen Bereich tausendjähriger Leiden und Gefahren in eine Welt wahrhafter Genesung und Hoffnung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1939, S. 281&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinem französischen Vorwort unterstreicht Louis Pasteur Vallery-Radot,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/louis-pasteur-vallery-radot&amp;lt;/ref&amp;gt; Enkel des Bakteriologen, eine pazifistische Lesart der Biographie. Vallery-Radots Einführung sei, so Friderike Zweig, im Wesentlichen auch das Gelingen ihrer Flucht aus Frankreich in die USA zu verdanken: „Dieses Buch eines französischen Nationalhelden hat sich dann bei Behörden als eine Art von Legitimation erwiesen, daß ich mich um das Land verdient gemacht hatte, um so mehr, als es lobpreisende Einführungsworte von Professor Vallery-Radot, Pasteurs Enkel, enthielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 211&amp;lt;/ref&amp;gt; Als „fortschrittsutopisches Zukunftsbuch in düsteren Zeiten“&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 161&amp;lt;/ref&amp;gt; wird Zweigs Biographie über den französischen Bakteriologen zum „Flucht- und Überlebensbuch.“&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 155&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
===Werke===&lt;br /&gt;
*Zweig-Winternitz, Friderike Marie: Louis Pasteur. Bild des Lebens und des Werkes. Bern: Alfred Scherz Verlag 1939.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike M.: Stefan Zweig. Eine Bildbiographie. München: Kindler Verlag 1961. &lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Poems. Literaturarchiv Salzburg (LAS), Bestand Donald Prater, FZ-SDP/W1.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Spiegelungen des Lebens. Wien, Stuttgart, Zürich: Hans Deutsch Verlag 1964.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike: Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte. Stockholm: Neuer Verlag 1947.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Maria Zweig: „Wenn einen Augenblick die Wolken weichen“. Briefwechsel 1912–1942. Hg. v. Jeffrey B. Berlin u. Gert Kerschbaumer. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2006. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Briefwechsel 1912–1942. Bern: Scherz 1951. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Unrast der Liebe: ihr Leben und ihre Zeit im Spiegel ihres Briefwechsels. Hg. v. Petra Eisele. Bern, München: Scherz 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Arcos, René: Das Gemeinsame. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Mit 27 Holzschnitten v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1920.  &lt;br /&gt;
*Arcos, René: Medardus. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Mit 1 Aquarell u. 9 Holzschn. v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1930. &lt;br /&gt;
*Burger, Fritzi: Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten: Ein Beitrag zur Psychologie des Mädchens. Wien: L. Rosner 1904. &lt;br /&gt;
*France, Anatole: Das Leben der heiligen Johanna. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Berlin: Späth 1926. &lt;br /&gt;
*Gautier, Théophile: Spirita. Mit 52 Zeichnungen von Karl M. Schultheiss. Ins Dt. übertr. v. Friderike M. Zweig. Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926. &lt;br /&gt;
*Gürtler, Christa: Friderike Winternitz Zweig – Intellektuelle und Friedensaktivistin. Das Engagement in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 43–57.&lt;br /&gt;
*Holmes, Deborah u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023. &lt;br /&gt;
*Jaloux, Edmond: Dich hätte ich geliebt. Roman. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Reclam 1928. &lt;br /&gt;
*Magre, Maurice: Das Laster von Granada. Roman. München: Musarion Verlag 1928. &lt;br /&gt;
*Paz, Magdeleine: Weib. Roman. Mit einem Vorwort von Henri Barbusse. Ins Dt. übers. v. Stefan Zweig und Friderike Marie Winternitz-Zweig. Basel, Leipzig: Rhein-Verlag 1920. &lt;br /&gt;
*Peck, Clemens: Mikrobenführer. Humanistische Bakteriologie in Friderike Zweigs Pasteur. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 155–167. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen. Mit 26 Holzschnitten v. Frans Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1923. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Fünf Erzählungen. Mit 28 Holzschnitten von Franz Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1921.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Der Ruf der Heimat. Roman. Berlin: Schuster &amp;amp; Loeffler 1914 (Graz: Das Bergland Buch 1931. Eingeleitet von Emil Lucka). &lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Vögelchen. Roman. Berlin, Wien: S. Fischer 1919.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike von: Traummenschen. In: Pester Lloyd (7.12.1912 bis 14.1.1913; 28 Folgen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorinnen==&lt;br /&gt;
Simone Lettner und Martina Wörgötter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friderike_Zweig}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:FriderikeZweig.jpg||thumb|Friderike Zweig (1882–1971), etwa 1920]]&lt;br /&gt;
Friderike Zweig (* 4. Dezember 1882 in Wien ; † 18. Januar 1971 in Stamford, USA) kennt man vor allem als die erste, geschiedene Frau des berühmten Dichters [[Stefan Zweig]] (verh. 1920–1938). Ein umfangreicher Briefwechsel dokumentiert diese Liebes- und Arbeitsbeziehung vom ersten Kennenlernen 1912 bis zu Stefan Zweigs Freitod in Brasilien 1942.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig u. Zweig 1981, 2006&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Jahrelang ist Friderike Zweig involviert in den literarischen ‚Betrieb‘ ihres Mannes – als Sekretärin, Gesprächspartnerin, möglicherweise auch Mit-Autorin. Auch nach seinem Tod setzt sie sich für sein Werk ein und veröffentlicht Arbeiten, in denen Leben und Werk von Stefan Zweig bzw. ihr Leben an seiner Seite im Zentrum stehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1947, 1961, 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger bekannt als die Schriftsteller-Gattin ist Friderike Zweig in ihrer Rolle als emanzipierte Frau, die sich – den zeitgenössisch eingeschränkten Möglichkeiten weiblicher Kunstproduktion zum Trotz – zeit ihres Lebens eigenständig intellektuell und kreativ betätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holmes u. Wörgötter 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei ist schon sehr früh ein besonderes Interesse an der französischen Sprache und Kultur zu erkennen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spaziergänge mit einer französischen Bonne gehören zu den frühesten Kindheitserinnerungen der am 4. Dezember 1882 in einer Familie des gehobenen jüdischen Bürgertums geborenen Friderike Burger. Nach Abbruch des Mädchengymnasiums wendet sie sich einer Lehrerinnenausbildung für die französische Sprache zu, um alsbald mit Französischunterricht – neben literarischen Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen – Geld zu verdienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1906 geschlossene Ehe mit dem Juristen Felix von Winternitz, aus der zwei Töchter hervorgehen (*1907 Alexia Elisabeth, *1910 Susanna Benediktine), wird 1914 geschieden. Mit Stefan Zweig, den sie 1912 kennengelernt hat, übersiedelt sie 1919 in ein Haus in Salzburg, 1920 erfolgt die Eheschließung. Die Verbundenheit mit der französischen Sprache und Kultur, die auch eine wesentliche Gemeinsamkeit mit Stefan Zweig darstellt, zeigt sich schon früh in der Pflege eines Netzwerkes persönlicher Kontakte, ab den 1920er Jahren in einer regen Übersetzungstätigkeit französischsprachiger Literatur. Später erweist sich ihre Biographie über den französischen Bakteriologen Louis Pasteur,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.pasteur.fr/fr/institut-pasteur/notre-histoire/vie-oeuvre-louis-pasteur&amp;lt;/ref&amp;gt; die Anfang 1939 erscheint, als wesentliches Dokument auf ihrem Fluchtweg ins amerikanische Exil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Friderike Zweigs persönliche Kontakte mit Frankreich und Übersetzungstätigkeit==&lt;br /&gt;
Für Friderike Zweigs persönliche Kontakte nach Frankreich ist die Beziehung zu Stefan Zweig ausschlaggebend, und dennoch ist ersichtlich, dass sie ihr Netzwerk auch eigenständig und weitgehend unabhängig von Stefan Zweig pflegt und weiter ausbaut. Ein Beispiel dafür ist die Bekanntschaft mit [[Romain Rolland|Romain]] und Madeleine Rolland: Hat Friderike Zweig es zunächst Stefan Zweig zu verdanken, dass sie bei ihrem ersten Parisaufenthalt im April 1914 sowohl Romain Rolland als auch den Übersetzern von &#039;&#039;Jean Christophe&#039;&#039;, Erna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826452.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Otto Grautoff,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/119489872.html&amp;lt;/ref&amp;gt; begegnet, so sind in späteren Jahren mehrfach Besuche Friderike Zweigs bei den Rollands verzeichnet, die sie ohne Stefan Zweig unternimmt (etwa im Oktober 1927, im Januar 1932 und im Januar 1938). Dank Rolland, dem Zweigs Roman &#039;&#039;Vögelchen&#039;&#039; (1919) gewidmet ist, kann sie Kontakte zur französischen Sektion der Frauenliga herstellen. Als 1921 in Salzburg die Sommerschule der englischen Sektion der Liga stattfindet, ist auch Madeleine Rolland unter den Rednerinnen. In den &#039;&#039;Spiegelungen&#039;&#039; bezeichnet Zweig Madeleine Rolland und Andrée Jouve als Freundinnen auf Lebenszeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 84&amp;lt;/ref&amp;gt; Als nahe Freunde hervorgehoben werden in ihren Memoiren zudem Julien Cain,&amp;lt;ref&amp;gt;https://histoirebnf.hypotheses.org/39618&amp;lt;/ref&amp;gt; administrateur général der Bibliothèque nationale, sowie dessen Frau Lucienne Cain.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 132, 193&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemeinsam mit Julien Cain und Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; gelingt es Friderike Zweig, im Frühjahr 1940 eine Einladung Stefan Zweigs nach Paris zu initiieren, die zum Vortrag „Das Wien von Gestern“ führt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 212&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die eigene literarische Tätigkeit betrifft, beschreibt Friderike Zweig in ihren Memoiren, wie ihr ab den 1920er Jahren die Unterstützung der Karriere ihres Mannes keinen Raum lässt für eigene kreative und schriftstellerische Arbeit. So findet sie, die bis 1920 mehrere Romane und zahlreiche kleinere Arbeiten in Zeitschriften veröffentlicht hat,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1912/1913, 1914, 1919&amp;lt;/ref&amp;gt; im Übersetzen „eine Art schriftstellerische Betätigung […], die sich den Umständen besser anpassen“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 129&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt. Von 1920 bis 1930 erscheinen neun Titel, die Friderike Zweig aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hat und die „als Teil ihrer Friedensarbeit verstanden werden können“:&amp;lt;ref&amp;gt;Gürtler 2023, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; René Arcos: &#039;&#039;Das Gemeinsame&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1920), Magdeleine Paz: &#039;&#039;Weib.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Rhein-Verlag 1920), [[Emile Verhaeren]]: &#039;&#039;Fünf Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1921), Emile Verhaeren: &#039;&#039;Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1923), Anatole France: &#039;&#039;Das Leben der heiligen Johanna&#039;&#039; (Berlin: Späth 1926), Théophile Gautier: &#039;&#039;Spirita&#039;&#039; (Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926), Maurice Magre: &#039;&#039;Das Laster von Granada&#039;&#039; (München: Musarion Verlag 1928), Edmond Jaloux: &#039;&#039;Dich hätte ich geliebt.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Reclam 1928), René Arcos: &#039;&#039;Medardus&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1930). In den &#039;&#039;Spiegelungen des Lebens&#039;&#039; schreibt Zweig, dass sie mehr als ein Dutzend Bücher sowie außerdem Gedichte und Essays übersetzt habe. Doch nicht alle Übersetzungsprojekte werden bis zur Publikation verfolgt: So beginnt sie beispielsweise im Sommer 1925 an der Übersetzung von Léon Bazalgettes &#039;&#039;Henry Thoreau: sauvage&#039;&#039; (Paris: F. Rieder et Cie éditeurs 1924) zu arbeiten, ohne dass daraus eine Publikation resultieren sollte. Vermittelt wird ihr diese Übersetzungsarbeit von Stefan Zweig, und auch in anderen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit ihm auszumachen. So wird etwa die Übersetzung von Paz’ &#039;&#039;Weib&#039;&#039; von Friderike und Stefan Zweig gemeinsam unternommen, und auch die Übersetzungen von Verhaeren stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Umfeld und Wirkungskreis ihres zweiten Ehemannes. Eine genaue Untersuchung der Zusammenarbeit von Friderike und Stefan Zweig im Rahmen solcher Übersetzungsprojekte und Herausgeberschaften stellt ein wichtiges Forschungsdesiderat dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des eigenen literarischen Œuvres hat in Bezug auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen die erwähnte biographische Arbeit über Louis Pasteur einen herausragenden Stellenwert. 1938 hält sich Friderike Zweig gerade für Recherchen in Paris auf, als sie von Hitlers Einmarsch in Österreich überrascht wird. Als das Buch Anfang 1939 erscheint, bereitet sie bereits ihre Emigration in die USA vor. Im Kontext der historisch-politischen Entwicklungen im Europa der 1930er Jahre zeichnet Zweig den französischen Bakteriologen als internationalen Humanisten und als „Führer aus dem unheimlichen Bereich tausendjähriger Leiden und Gefahren in eine Welt wahrhafter Genesung und Hoffnung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1939, S. 281&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinem französischen Vorwort unterstreicht Louis Pasteur Vallery-Radot,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/louis-pasteur-vallery-radot&amp;lt;/ref&amp;gt; Enkel des Bakteriologen, eine pazifistische Lesart der Biographie. Vallery-Radots Einführung sei, so Friderike Zweig, im Wesentlichen auch das Gelingen ihrer Flucht aus Frankreich in die USA zu verdanken: „Dieses Buch eines französischen Nationalhelden hat sich dann bei Behörden als eine Art von Legitimation erwiesen, daß ich mich um das Land verdient gemacht hatte, um so mehr, als es lobpreisende Einführungsworte von Professor Vallery-Radot, Pasteurs Enkel, enthielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 211&amp;lt;/ref&amp;gt; Als „fortschrittsutopisches Zukunftsbuch in düsteren Zeiten“&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 161&amp;lt;/ref&amp;gt; wird Zweigs Biographie über den französischen Bakteriologen zum „Flucht- und Überlebensbuch.“&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 155&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
*Arcos, René: Das Gemeinsame. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Mit 27 Holzschnitten v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1920.  &lt;br /&gt;
*Arcos, René: Medardus. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Mit 1 Aquarell u. 9 Holzschn. v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1930. &lt;br /&gt;
*Burger, Fritzi: Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten: Ein Beitrag zur Psychologie des Mädchens. Wien: L. Rosner 1904. &lt;br /&gt;
*France, Anatole: Das Leben der heiligen Johanna. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Berlin: Späth 1926. &lt;br /&gt;
*Gautier, Théophile: Spirita. Mit 52 Zeichnungen von Karl M. Schultheiss. Ins Dt. übertr. v. Friderike M. Zweig. Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926. &lt;br /&gt;
*Gürtler, Christa: Friderike Winternitz Zweig – Intellektuelle und Friedensaktivistin. Das Engagement in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 43–57.&lt;br /&gt;
*Holmes, Deborah u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023. &lt;br /&gt;
*Jaloux, Edmond: Dich hätte ich geliebt. Roman. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Reclam 1928. &lt;br /&gt;
*Magre, Maurice: Das Laster von Granada. Roman. München: Musarion Verlag 1928. &lt;br /&gt;
*Paz, Magdeleine: Weib. Roman. Mit einem Vorwort von Henri Barbusse. Ins Dt. übers. v. Stefan Zweig und Friderike Marie Winternitz-Zweig. Basel, Leipzig: Rhein-Verlag 1920. &lt;br /&gt;
*Peck, Clemens: Mikrobenführer. Humanistische Bakteriologie in Friderike Zweigs Pasteur. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 155–167. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen. Mit 26 Holzschnitten v. Frans Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1923. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Fünf Erzählungen. Mit 28 Holzschnitten von Franz Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1921.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Der Ruf der Heimat. Roman. Berlin: Schuster &amp;amp; Loeffler 1914 (Graz: Das Bergland Buch 1931. Eingeleitet von Emil Lucka). &lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Vögelchen. Roman. Berlin, Wien: S. Fischer 1919.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike von: Traummenschen. In: Pester Lloyd (7.12.1912 bis 14.1.1913; 28 Folgen).&lt;br /&gt;
*Zweig-Winternitz, Friderike Marie: Louis Pasteur. Bild des Lebens und des Werkes. Bern: Alfred Scherz Verlag 1939.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike M.: Stefan Zweig. Eine Bildbiographie. München: Kindler Verlag 1961. &lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Poems. Literaturarchiv Salzburg (LAS), Bestand Donald Prater, FZ-SDP/W1.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Spiegelungen des Lebens. Wien, Stuttgart, Zürich: Hans Deutsch Verlag 1964.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike: Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte. Stockholm: Neuer Verlag 1947.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Maria Zweig: „Wenn einen Augenblick die Wolken weichen“. Briefwechsel 1912–1942. Hg. v. Jeffrey B. Berlin u. Gert Kerschbaumer. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2006. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Briefwechsel 1912–1942. Bern: Scherz 1951. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Unrast der Liebe: ihr Leben und ihre Zeit im Spiegel ihres Briefwechsels. Hg. v. Petra Eisele. Bern, München: Scherz 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorinnen==&lt;br /&gt;
Simone Lettner und Martina Wörgötter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friderike_Zweig}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Friderike Zweig</title>
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		<updated>2025-05-10T09:44:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Biografie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:FriderikeZweig.jpg||thumb|Friderike Zweig (1882–1971), etwa 1920]]&lt;br /&gt;
Friderike Zweig (1882–1971) kennt man vor allem als die erste, geschiedene Frau des berühmten Dichters [[Stefan Zweig]] (verh. 1920–1938). Ein umfangreicher Briefwechsel dokumentiert diese Liebes- und Arbeitsbeziehung vom ersten Kennenlernen 1912 bis zu Stefan Zweigs Freitod in Brasilien 1942.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig u. Zweig 1981, 2006&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Jahrelang ist Friderike Zweig involviert in den literarischen ‚Betrieb‘ ihres Mannes – als Sekretärin, Gesprächspartnerin, möglicherweise auch Mit-Autorin. Auch nach seinem Tod setzt sie sich für sein Werk ein und veröffentlicht Arbeiten, in denen Leben und Werk von Stefan Zweig bzw. ihr Leben an seiner Seite im Zentrum stehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1947, 1961, 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger bekannt als die Schriftsteller-Gattin ist Friderike Zweig in ihrer Rolle als emanzipierte Frau, die sich – den zeitgenössisch eingeschränkten Möglichkeiten weiblicher Kunstproduktion zum Trotz – zeit ihres Lebens eigenständig intellektuell und kreativ betätigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holmes u. Wörgötter 2023&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei ist schon sehr früh ein besonderes Interesse an der französischen Sprache und Kultur zu erkennen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spaziergänge mit einer französischen Bonne gehören zu den frühesten Kindheitserinnerungen der am 4. Dezember 1882 in einer Familie des gehobenen jüdischen Bürgertums geborenen Friderike Burger. Nach Abbruch des Mädchengymnasiums wendet sie sich einer Lehrerinnenausbildung für die französische Sprache zu, um alsbald mit Französischunterricht – neben literarischen Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen – Geld zu verdienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 1906 geschlossene Ehe mit dem Juristen Felix von Winternitz, aus der zwei Töchter hervorgehen (*1907 Alexia Elisabeth, *1910 Susanna Benediktine), wird 1914 geschieden. Mit Stefan Zweig, den sie 1912 kennengelernt hat, übersiedelt sie 1919 in ein Haus in Salzburg, 1920 erfolgt die Eheschließung. Die Verbundenheit mit der französischen Sprache und Kultur, die auch eine wesentliche Gemeinsamkeit mit Stefan Zweig darstellt, zeigt sich schon früh in der Pflege eines Netzwerkes persönlicher Kontakte, ab den 1920er Jahren in einer regen Übersetzungstätigkeit französischsprachiger Literatur. Später erweist sich ihre Biographie über den französischen Bakteriologen Louis Pasteur,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.pasteur.fr/fr/institut-pasteur/notre-histoire/vie-oeuvre-louis-pasteur&amp;lt;/ref&amp;gt; die Anfang 1939 erscheint, als wesentliches Dokument auf ihrem Fluchtweg ins amerikanische Exil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Friderike Zweigs persönliche Kontakte mit Frankreich und Übersetzungstätigkeit==&lt;br /&gt;
Für Friderike Zweigs persönliche Kontakte nach Frankreich ist die Beziehung zu Stefan Zweig ausschlaggebend, und dennoch ist ersichtlich, dass sie ihr Netzwerk auch eigenständig und weitgehend unabhängig von Stefan Zweig pflegt und weiter ausbaut. Ein Beispiel dafür ist die Bekanntschaft mit [[Romain Rolland|Romain]] und Madeleine Rolland: Hat Friderike Zweig es zunächst Stefan Zweig zu verdanken, dass sie bei ihrem ersten Parisaufenthalt im April 1914 sowohl Romain Rolland als auch den Übersetzern von &#039;&#039;Jean Christophe&#039;&#039;, Erna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116826452.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Otto Grautoff,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/119489872.html&amp;lt;/ref&amp;gt; begegnet, so sind in späteren Jahren mehrfach Besuche Friderike Zweigs bei den Rollands verzeichnet, die sie ohne Stefan Zweig unternimmt (etwa im Oktober 1927, im Januar 1932 und im Januar 1938). Dank Rolland, dem Zweigs Roman &#039;&#039;Vögelchen&#039;&#039; (1919) gewidmet ist, kann sie Kontakte zur französischen Sektion der Frauenliga herstellen. Als 1921 in Salzburg die Sommerschule der englischen Sektion der Liga stattfindet, ist auch Madeleine Rolland unter den Rednerinnen. In den &#039;&#039;Spiegelungen&#039;&#039; bezeichnet Zweig Madeleine Rolland und Andrée Jouve als Freundinnen auf Lebenszeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 84&amp;lt;/ref&amp;gt; Als nahe Freunde hervorgehoben werden in ihren Memoiren zudem Julien Cain,&amp;lt;ref&amp;gt;https://histoirebnf.hypotheses.org/39618&amp;lt;/ref&amp;gt; administrateur général der Bibliothèque nationale, sowie dessen Frau Lucienne Cain.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 132, 193&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemeinsam mit Julien Cain und Georges Duhamel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel&amp;lt;/ref&amp;gt; gelingt es Friderike Zweig, im Frühjahr 1940 eine Einladung Stefan Zweigs nach Paris zu initiieren, die zum Vortrag „Das Wien von Gestern“ führt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1964, S. 212&amp;lt;/ref&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die eigene literarische Tätigkeit betrifft, beschreibt Friderike Zweig in ihren Memoiren, wie ihr ab den 1920er Jahren die Unterstützung der Karriere ihres Mannes keinen Raum lässt für eigene kreative und schriftstellerische Arbeit. So findet sie, die bis 1920 mehrere Romane und zahlreiche kleinere Arbeiten in Zeitschriften veröffentlicht hat,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zweig 1912/1913, 1914, 1919&amp;lt;/ref&amp;gt; im Übersetzen „eine Art schriftstellerische Betätigung […], die sich den Umständen besser anpassen“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 129&amp;lt;/ref&amp;gt; lässt. Von 1920 bis 1930 erscheinen neun Titel, die Friderike Zweig aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hat und die „als Teil ihrer Friedensarbeit verstanden werden können“:&amp;lt;ref&amp;gt;Gürtler 2023, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; René Arcos: &#039;&#039;Das Gemeinsame&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1920), Magdeleine Paz: &#039;&#039;Weib.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Rhein-Verlag 1920), [[Emile Verhaeren]]: &#039;&#039;Fünf Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1921), Emile Verhaeren: &#039;&#039;Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1923), Anatole France: &#039;&#039;Das Leben der heiligen Johanna&#039;&#039; (Berlin: Späth 1926), Théophile Gautier: &#039;&#039;Spirita&#039;&#039; (Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926), Maurice Magre: &#039;&#039;Das Laster von Granada&#039;&#039; (München: Musarion Verlag 1928), Edmond Jaloux: &#039;&#039;Dich hätte ich geliebt.&#039;&#039; Roman (Leipzig: Reclam 1928), René Arcos: &#039;&#039;Medardus&#039;&#039; (Leipzig: Insel 1930). In den &#039;&#039;Spiegelungen des Lebens&#039;&#039; schreibt Zweig, dass sie mehr als ein Dutzend Bücher sowie außerdem Gedichte und Essays übersetzt habe. Doch nicht alle Übersetzungsprojekte werden bis zur Publikation verfolgt: So beginnt sie beispielsweise im Sommer 1925 an der Übersetzung von Léon Bazalgettes &#039;&#039;Henry Thoreau: sauvage&#039;&#039; (Paris: F. Rieder et Cie éditeurs 1924) zu arbeiten, ohne dass daraus eine Publikation resultieren sollte. Vermittelt wird ihr diese Übersetzungsarbeit von Stefan Zweig, und auch in anderen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit ihm auszumachen. So wird etwa die Übersetzung von Paz’ &#039;&#039;Weib&#039;&#039; von Friderike und Stefan Zweig gemeinsam unternommen, und auch die Übersetzungen von Verhaeren stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Umfeld und Wirkungskreis ihres zweiten Ehemannes. Eine genaue Untersuchung der Zusammenarbeit von Friderike und Stefan Zweig im Rahmen solcher Übersetzungsprojekte und Herausgeberschaften stellt ein wichtiges Forschungsdesiderat dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des eigenen literarischen Œuvres hat in Bezug auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen die erwähnte biographische Arbeit über Louis Pasteur einen herausragenden Stellenwert. 1938 hält sich Friderike Zweig gerade für Recherchen in Paris auf, als sie von Hitlers Einmarsch in Österreich überrascht wird. Als das Buch Anfang 1939 erscheint, bereitet sie bereits ihre Emigration in die USA vor. Im Kontext der historisch-politischen Entwicklungen im Europa der 1930er Jahre zeichnet Zweig den französischen Bakteriologen als internationalen Humanisten und als „Führer aus dem unheimlichen Bereich tausendjähriger Leiden und Gefahren in eine Welt wahrhafter Genesung und Hoffnung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1939, S. 281&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinem französischen Vorwort unterstreicht Louis Pasteur Vallery-Radot,&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/louis-pasteur-vallery-radot&amp;lt;/ref&amp;gt; Enkel des Bakteriologen, eine pazifistische Lesart der Biographie. Vallery-Radots Einführung sei, so Friderike Zweig, im Wesentlichen auch das Gelingen ihrer Flucht aus Frankreich in die USA zu verdanken: „Dieses Buch eines französischen Nationalhelden hat sich dann bei Behörden als eine Art von Legitimation erwiesen, daß ich mich um das Land verdient gemacht hatte, um so mehr, als es lobpreisende Einführungsworte von Professor Vallery-Radot, Pasteurs Enkel, enthielt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zweig 1964, S. 211&amp;lt;/ref&amp;gt; Als „fortschrittsutopisches Zukunftsbuch in düsteren Zeiten“&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 161&amp;lt;/ref&amp;gt; wird Zweigs Biographie über den französischen Bakteriologen zum „Flucht- und Überlebensbuch.“&amp;lt;ref&amp;gt;Peck 2023, S. 155&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
*Arcos, René: Das Gemeinsame. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Mit 27 Holzschnitten v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1920.  &lt;br /&gt;
*Arcos, René: Medardus. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Mit 1 Aquarell u. 9 Holzschn. v. Frans Masereel. Leipzig: Insel 1930. &lt;br /&gt;
*Burger, Fritzi: Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten: Ein Beitrag zur Psychologie des Mädchens. Wien: L. Rosner 1904. &lt;br /&gt;
*France, Anatole: Das Leben der heiligen Johanna. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Berlin: Späth 1926. &lt;br /&gt;
*Gautier, Théophile: Spirita. Mit 52 Zeichnungen von Karl M. Schultheiss. Ins Dt. übertr. v. Friderike M. Zweig. Hellerau bei Dresden: Avalun-Verlag 1926. &lt;br /&gt;
*Gürtler, Christa: Friderike Winternitz Zweig – Intellektuelle und Friedensaktivistin. Das Engagement in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 43–57.&lt;br /&gt;
*Holmes, Deborah u. Martina Wörgötter (Hrsg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023. &lt;br /&gt;
*Jaloux, Edmond: Dich hätte ich geliebt. Roman. Übers. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Reclam 1928. &lt;br /&gt;
*Magre, Maurice: Das Laster von Granada. Roman. München: Musarion Verlag 1928. &lt;br /&gt;
*Paz, Magdeleine: Weib. Roman. Mit einem Vorwort von Henri Barbusse. Ins Dt. übers. v. Stefan Zweig und Friderike Marie Winternitz-Zweig. Basel, Leipzig: Rhein-Verlag 1920. &lt;br /&gt;
*Peck, Clemens: Mikrobenführer. Humanistische Bakteriologie in Friderike Zweigs Pasteur. In: Deborah Holmes u. Martina Wörgötter (Hg.): Friderike ‚Zweig‘. Weibliche Intellektualität im frühen 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen &amp;amp; Neumann 2023, S. 155–167. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Der seltsame Handwerker und andere Erzählungen. Mit 26 Holzschnitten v. Frans Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1923. &lt;br /&gt;
*Verhaeren, Emile: Fünf Erzählungen. Mit 28 Holzschnitten von Franz Masereel. Übertr. v. Friderike Maria Zweig. Leipzig: Insel 1921.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Der Ruf der Heimat. Roman. Berlin: Schuster &amp;amp; Loeffler 1914 (Graz: Das Bergland Buch 1931. Eingeleitet von Emil Lucka). &lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike Maria: Vögelchen. Roman. Berlin, Wien: S. Fischer 1919.&lt;br /&gt;
*Winternitz, Friderike von: Traummenschen. In: Pester Lloyd (7.12.1912 bis 14.1.1913; 28 Folgen).&lt;br /&gt;
*Zweig-Winternitz, Friderike Marie: Louis Pasteur. Bild des Lebens und des Werkes. Bern: Alfred Scherz Verlag 1939.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike M.: Stefan Zweig. Eine Bildbiographie. München: Kindler Verlag 1961. &lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Poems. Literaturarchiv Salzburg (LAS), Bestand Donald Prater, FZ-SDP/W1.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike Maria: Spiegelungen des Lebens. Wien, Stuttgart, Zürich: Hans Deutsch Verlag 1964.&lt;br /&gt;
*Zweig, Friderike: Stefan Zweig. Wie ich ihn erlebte. Stockholm: Neuer Verlag 1947.&lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Maria Zweig: „Wenn einen Augenblick die Wolken weichen“. Briefwechsel 1912–1942. Hg. v. Jeffrey B. Berlin u. Gert Kerschbaumer. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2006. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Briefwechsel 1912–1942. Bern: Scherz 1951. &lt;br /&gt;
*Zweig, Stefan u. Friderike Zweig: Unrast der Liebe: ihr Leben und ihre Zeit im Spiegel ihres Briefwechsels. Hg. v. Petra Eisele. Bern, München: Scherz 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autorinnen==&lt;br /&gt;
Simone Lettner und Martina Wörgötter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 05/05/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Friderike_Zweig}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=%C3%96sterreichische_bildende_K%C3%BCnstler:innen_in_Frankreich_(20._Jh.)&amp;diff=601</id>
		<title>Österreichische bildende Künstler:innen in Frankreich (20. Jh.)</title>
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		<updated>2025-04-22T06:28:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* Die 1980er und 1990er Jahre */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Industrialisierung sowie das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ließen Paris im 19. Jahrhundert zur globalen Metropole aufsteigen (1800: rund 500.000 Einwohner, 1900: rund 2,7 Mio.). Die Nachfrage des weltgrößten Kunstmarktes und die zahlreichen Präsentationsmöglichkeiten immer neuer Werke waren wesentliche Faktoren der Entstehung der modernen Kunst um 1900. So wirkte Paris als „Hauptstadt der Moderne“ wie ein Magnet auf zahlreiche Künstler:innen, Designer:innen und Architekt:innen aus aller Welt und aus Österreich. Sie verbrachten längere Studien- und Arbeitsaufenthalte in Paris, in der bukolischen Provence oder an den Küsten des Atlantiks und des Mittelmeers, wo die französischen Pioniere der Moderne gearbeitet hatten. Einige von ihnen konnten sich erfolgreich im Pariser Kunstbetrieb etablieren und Prominenz entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreich im 20. Jahrhundert==&lt;br /&gt;
Der Begriff des Österreichischen bezieht sich im 20. Jahrhundert auf zwei verschieden große Territorien und fünf höchst unterschiedliche Staatsformen bzw. Regierungen. Bis 1918 umfasste das Staatsgebiet Österreichs (die „cisleithanische“ Hälfte der österreichisch-ungarischen Monarchie) die Gebiete des Erzherzogtums Österreich, die böhmischen Länder mit Böhmen, Mähren und österreichisch-Schlesien, sowie Galizien, die Bukowina und das nordadriatische Küstenland. Künstler:innen aus diesen Ländern der Habsburger-Monarchie firmierten – etwa auf den Weltausstellungen in Paris – als Österreicher:innen. In Frankreich waren sie als österreichische Staatsangehörige auch den Folgen des Kriegsausbruchs am 28. Juli 1914 unterworfen (entweder Landesverweis bzw. Internierung oder Kampf für die &#039;&#039;Entente&#039;&#039;). Seit der Gründung der &#039;&#039;Republik Deutschösterreich&#039;&#039; am 12. November 1918 (später umbenannt in &#039;&#039;Republik Österreich&#039;&#039;) versteht man Staatsbürger:innen und Einwohner:innen der deutschsprachigen Gebiete der ehemaligen Monarchie als Österreicher:innen. Die Staatsform dieses Territoriums änderte sich am 4. März 1933 erneut mit der Implementierung der christlich-sozialen Kanzlerdiktatur („Austrofaschismus“, „Ständestaat“). Vom 13. März 1938 („Anschluss“ an NS-Deutschland) bis zur Gründung der Zweiten Republik am 27. April 1945 existierte kein österreichischer Staat. Die Österreicher:innen wurden zu deutschen Staatsbürgern und konnten unter bestimmten Voraussetzungen in die von Deutschland besetzten Gebiete Europas reisen, darunter auch nach Frankreich. Mit der Etablierung der Neutralität Österreichs 1955, dem EU-Beitritt 1995 und dem Beitritt zum Schengen-Abkommen 1997 entstanden weitere relevante Parameter der temporären oder dauerhaften Künstler:innen-Migration österreichischer Künstler:innen nach Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1900–1914==&lt;br /&gt;
Von den 1890er Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erblühten in Paris zahlreiche klassisch-moderne Kunstströmungen, darunter der Art Nouveau, der [[Fauvismus]] und der [[Kubismus]]. Sie wirkten als mächtige Pull-Faktoren für moderne österreichische Künstler:innen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spät- und Postimpressionismus, Art Nouveau, früher Kubismus===&lt;br /&gt;
Vier Künstler aus Böhmen und Mähren, die damals zu Österreich gehörten, bildeten die Pioniergruppe österreichischer Künstler des 20. Jahrhunderts in Paris. Als bewusste Tschechen suchten sie gezielt andere Anregungen als jene, die sie in der Hauptstadt Wien erhalten konnten. Der mährische Grafiker und Maler Alfons Mucha besuchte 1889 die Weltausstellung und blieb danach in Paris. Dort teilte er sich kurzfristig ein Wohnatelier mit [[Paul Gauguin]]. 1898 lehrte er an den privaten Pariser &#039;&#039;Académies Colarossi&#039;&#039; und &#039;&#039;Carmen&#039;&#039;. 1902 begleitete er [[Auguste Rodin]], der im Jahr zuvor eine einflussreiche Werkschau in der Secession gezeigt hatte und 1909 ein Porträt des Wiener Komponisten [[Gustav Mahler]] schuf, auf einer Reise nach Mähren. Als Grafiker errang Mucha mit seinen berühmten Art-Nouveau-Plakaten (etwa für die Schauspielerin &#039;&#039;Sarah Bernhardt&#039;&#039; oder für &#039;&#039;Österreich auf der Weltausstellung 1900&#039;&#039;) großes Renommée in Paris, bevor er 1918 nach Prag zog. Der böhmische Künstler František Kupka traf 1894 in Paris ein, etablierte sich dort ebenfalls als Illustrator und ab 1911 auch als einer der ersten abstrakten Maler. 1914 standen viele tschechische Künstler mit österreichischer Staatsangehörigkeit vor der Wahl zwischen der Heimreise und dem Eintritt in die französische Armee. Kupka wählte den Kriegsdienst und kehrte erst 1918 wie Mucha zurück nach Prag. 1906 bis 1910 studierte der böhmische Maler und Bildhauer Otto Gutfreund an der privaten &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academiegrandechaumiere.com/celebrites&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Antoine Bourdelle. In Paris lernte er den Kubismus kennen. Wie Kupka kämpfte auch Gutfreund für Frankreich in einer tschechischen Legion und ging 1920 zurück nach Prag. Der kubistische Maler Emil Filla aus Mähren schließlich hielt sich seit der Zeit um 1910 mehrmals in Paris auf, wo ihm der Prager Sammler und Kunsthistoriker Vincenc Kramář die Bekanntschaft mit Picasso und Braque vermittelte. Den Weltkrieg verbrachte Filla in Holland und kehrte wie Mucha, Kupka und Gutfreund 1918 zurück nach Prag, um dort nach Pariser Vorbild die moderne Kunst der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik (CSR) mit aufzubauen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:01 František Kupka, Die Kathedrale, 1912-13 © Museum Kampa, Prag.webp|thumb|František Kupka, Die Kathedrale, 1912-13&lt;br /&gt;
Datei:02 Otto Gutfreund, Violoncelliste, c. 1912-13.jpg|||thumb|Otto Gutfreund, Cellospieler, 1912-13&lt;br /&gt;
Datei:03 Les lingeres place du Tetre.jpg|thumb|Rudolf Quittner, Les lingères place du Tetre, Paris, vor 1910&lt;br /&gt;
Datei:04 Bondy-Pavilion.jpg|thumb|Walter Bondy, Blauer Pavillon in Saint-Cloud, 1907&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Weltausstellung, der prosperierende Kunstmarkt und die zahlreichen modernen Kunstströmungen führten ab 1900 dazu, dass sich bis 1914 immer mehr österreichische Künstler:innen in Paris ansiedelten oder längere Studien- und Arbeitsaufenthalte dort verbrachten. So bewunderte die Bildhauerin [[Elsa Kövesházi-Kalmár]] im Jahre 1900 die Kunst Auguste Rodins vor Ort und lebte 1912–14 in Paris. Ab 1901 verbrachte der Maler und Fabrikantensohn Rudolf Quittner jeden Sommer in der Hauptstadt der Moderne, wo er an der privaten &#039;&#039;[[Académie Julian]]&#039;&#039; am Montmartre studierte und spätimpressionistische Stadtbilder malte. 1910 verstarb er in Neuilly-sur-Seine. 1903–14 lebte der Wiener Maler [[Walter Bondy]], ein weiterer Erbe eines Industrievermögens, in Paris. 1918–1930 pendelte er zwischen Frankreich, Wien und Berlin. 1931 bis zu seinem Tod 1940 ließ sich Bondy im beliebten mediterranen Künstlerdorf Sanary-sur-Mer nieder. 1904–1909 lebte der Maler und Illustrator Ferdinand Michl in Paris, der dort im Stile des Art Nouveau für illustrierte Zeitschriften wie &#039;&#039;Le Rire&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Témoin&#039;&#039; arbeitete. 1909 unternahm Gustav Klimt seine erste und einzige Reise nach Paris. Dort besuchte er [[Auguste Rodin]], den er seit dessen erfolgreicher Beteiligung an der IX. Ausstellung der [[Wiener Secession|Secession]] 1901 kannte. Darüber hinaus suchte Klimt gezielt Werke von Toulouse-Lautrec, [[Vincent Van Gogh|Van Gogh]], [[Paul Gauguin|Gauguin]] und [[Henri Matisse|Matisse]] auf, was sein Spätwerk deutlich beeinflusste.[[Datei:05 Georg Merkel, Mediterrane Landschaft mit Akten, um 1912, Slg. Ernst Ploil, Wien.jpg||220px|thumb|Georg Merkel, Mediterrane Landschaft mit Akten, um 1912]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cézanne und die Folgen===&lt;br /&gt;
Seit der Jahrhundertwende begann auch die innovative Malerei von [[Paul Cézanne]] ihre große Wirkung zu entfalten – etwa durch einen eigenen Saal im Salon d’automne von 1904, an dem Cézannes Händler Ambroise Vollard mitwirkte. 1905 trafen der Maler [[Georg Merkel]] und seine Frau [[Louise Merkel-Romée]] in Paris ein und orientierten sich in ihren Bildern deutlich an der Kunst von Cézanne und Puvis de Chavannes. Sie lebten bis 1908 und erneut 1909–1914 in Paris. Ab 1922 stellten sie ihre Bilder französischer Inspiration im Wiener [[Hagenbund]] aus. 1938 flohen sie nach Frankreich. Sie überlebten nach einer vorübergehenden Internierung im Süden, gingen nach 1945 zurück nach Wien, reisten jedoch immer wieder nach Montauban rund 50 km nördlich von Toulouse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fünf fauvistische Malerinnen===&lt;br /&gt;
[[Datei:06 Helene Funke, An der südfranzösischen Küste, um 1910.jpg||left|250px|thumb|[[Helene Funke]], An der südfranzösischen Küste, um 1910]][[Datei:07 Helene von Taussig, Weiblicher Akt, um 1911-14 © Salzburg Museum.jpg|||200px|thumb|[[Helene von Taussig]], Weiblicher Akt, um 1911-14]]Vor dem Ersten Weltkrieg lernte auch eine Gruppe von fünf österreichischen Künstlerinnen in Frankreich, von denen einige um 1900 an der Wiener Kunstgewerbeschule studiert hatten. Diese Malerinnen können als bisher zu wenig gewürdigte Pionierinnen der farbintensiven expressionistischen Malerei in Österreich bezeichnet werden. Sie hatten sich lange vor [[Oskar Kokoschka]] und anderen Expressionisten, die erst in den 1920er Jahren Paris waren, vor Ort mit der Malerei der [[Nabis]] und der [[Fauvismus|Fauves]] vertraut gemacht. [[Helene Funke]] entstammte einer wohlhabenden deutschen Familie, lebte 1905–1913 in Paris und Südfrankreich und rezipierte als eine der ersten österreichischen Künstler:innen den Fauvismus von Matisse, Braque und Derain. [[Emma Schlangenhausen]] studierte 1909 bis 1914 in Paris an der &#039;&#039;Académie Ranson&#039;&#039; bei Maurice Denis und ab 1914 in der Schweiz bei Cuno Amiet, der 1892/93 in Pont-Aven gelebt und dort die Kunst von Gauguin, Sérusier, Bernard und Denis kennengelernt hatte. 1918 ließ sie sich in Salzburg nieder. Auch [[Marie Cyrenius]] und Magda Mautner-Markhof, eine Schwägerin von Kolo Moser, lernten 1909/10 an der &#039;&#039;Académie Ranson&#039;&#039; sowie 1910 bei Cuno Amiet, bevor sie nach Salzburg gingen. [[Helene von Taussig]], Tochter eines einflussreichen Wiener Bankiers, stieß 1911 in Paris zu Emma Schlangenhausen und lebte ab 1918 ebenfalls in Salzburg. 1942 wurde sie in der Shoah ermordet. [[Hilde Exner]] hatte vor 1914 bei Aristide Maillol in Paris gelernt und lebte ab 1918 wie ihre Kolleginnen in Salzburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Schule von Pont-Aven===&lt;br /&gt;
Die Nabis und die Schule von Pont-Aven übten auch auf [[Carl Moser]] und Heinrich Schröder intensive Einflüsse aus. Der Südtiroler Moser lernte 1906/07 an der [[Académie Julian]] in Paris. Anschließend hielt er sich – vielleicht auf Anregung seines Künstlerfreundes [[Max Kurzweil]] – in Concarneau und in Douarnenez in der Bretagne sowie in Deauville in der Normandie auf. Nach seiner Rückkehr bildeten typische Motive jener Küstenorte den zentralen Inhalt seiner bekannten Farbholzschnitte. Heinrich Schröder wurde von der Malerin [[Broncia Koller-Pinell]] gefördert und reiste um 1910 nach Frankreich. In der Bretagne entstanden Bilder, die evident die Schule von Pont-Aven fortsetzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;200px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:09 Carl Moser Marché aux poissons Douarnenez.jpg|[[Carl Moser]], Fischmarkt in Douarnenez, 1929&lt;br /&gt;
Datei:10 Heinrich Schröder Boote vor Étretat, 1909.jpg|Heinrich Schröder, Boote bei Étretat, 1909&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kubismus-Rezeption===&lt;br /&gt;
Der [[Kubismus]] wurde nach Aufenthalten in Frankreich vor 1914 am deutlichsten von Alfred Wickenburg, Felix Albrecht Harta, Albert Paris Gütersloh und Aloys Wach rezipiert. Wickenburg studierte 1906–09 an der &#039;&#039;[[Académie Julian]]&#039;&#039; in Paris und danach bei Adolf Hölzel in Stuttgart. Ab den 1920er Jahren malte er in Varianten des Kubismus. Harta weilte 1908 (Beteiligung am &#039;&#039;Salon d’automne&#039;&#039;) sowie 1912/13 und 1926/27 in Paris. Schon vor 1914 malte er expressiv-kubistische Straßenszenen aus der französischen Hauptstadt. Auch Gütersloh, der sich 1911/12 in Paris aufhielt und dort Maurice Denis kennenlernte, pflegte danach eine individuelle, intensivfärbige Fortentwicklung des Kubismus. Schließlich besuchte der expressionistisch-kubistische oberösterreichische Maler Aloys Wach 1913/14 die &#039;&#039;Académie Colarossi&#039;&#039; in Paris. Dort lernte er Amedeo Modigliani kennen und freundete sich mit Künstlerkollegen im &#039;&#039;Bateau-Lavoir&#039;&#039; an, bevor er wegen des Krieges nach Österreich zurückkehren musste.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:11 Alfred Wickenburg, Rinaldo und Armida, 1923 © Belvedere, Wien.jpg|Alfred Wickenburg, Rinaldo und Armida, 1923&lt;br /&gt;
Datei:12 Felix Albrecht Harta, Pariser Straßenkreuzung, 1913, Slg. Ernst Ploil.jpg|Felix Albrecht Harta, Pariser Straßenkreuzung, 1913&lt;br /&gt;
Datei:13 Albert Paris Gütersloh, Damenbildnis, 1913 © Galerie Maier, Innsbruck.jpg|Albert Paris Gütersloh, Damenbildnis, 1913&lt;br /&gt;
Datei:14 Aloys Wach - Frau vor einer Ruine,.jpg|Aloys Wach, Frau vor einer Ruine, 1917&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hagenbündler und die Neukunstgruppe===&lt;br /&gt;
[[Datei:15 Anton Kolig, Die Gattin des Künstlers, Ambleteuse 1913 © Belvedere, Wien.jpg|thumb|250px|left|[[Anton Kolig]], Die Gattin des Künstlers, Ambleteuse, Pas-de-Calais, 1913]]Die letzten Aufenthalte österreichischer Künstler in Frankreich vor 1914 standen bereits im Schatten des Weltkrieges. Kurz vor Kriegsbeginn weilten mit Leopold Gottlieb, Beni Ferenczy, Robert Kloss und Kazimierz Sichulski einige Maler des Wiener [[Hagenbund|Hagenbundes]] in Frankreich. Die beiden jungen Kärntner Maler [[Anton Kolig]] und Franz Wiegele&amp;lt;ref&amp;gt;https://sammlung.belvedere.at/people/2544/franz-wiegele&amp;lt;/ref&amp;gt;, die mit [[Egon Schiele]] und Anton Faistauer in Wien die Neukunstgruppe gegründet und [[Datei:16 Franz Wiegele, Beduine, um 1917, Privatbesitz.jpg|250px|thumb||Franz Wiegele, Beduine, um 1917]]sich in Aufsehen erregenden Ausstellungen 1909 im Kunstsalon Pisko und 1911 gemeinsam mit [[Oskar Kokoschka]] im [[Hagenbund]] präsentiert hatten, erhielten 1912 auf Vermittlung von Carl Moll Reisestipendien nach Frankreich. In Paris bildeten sie sich als freie Künstler weiter, bevor Kolig nach Südfrankreich ging und Wiegele in die französischen Kolonien Nordafrikas reiste. Überrascht vom Kriegsausbruch im August 1914, musste Kolig samt Familie unter Zurücklassung seiner Bilder überstürzt aus Cassis zurück nach Österreich flüchten. Wiegele hingegen wurde im algerischen Sebdou und auf der Insel Sainte-Marguerite vor Cannes interniert, bevor er 1916 als Austauschgefangener freikam. Auch die impressionistisch-stimmungsrealistische Malerin Marie Egner wurde auf einer Frankreichreise 1914 vom Kriegsausbruch überrascht und einige Monate interniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Kriegsbeginn war Frankreich für fast ein Jahrzehnt aufgrund zahlreicher politischer und finanzieller Reisehindernisse ein nahezu unerreichbares Ziel für österreichische Künstler:innen. Am Ende des Ersten Weltkrieges waren die austrofranzösischen Kunstbeziehungen nahezu am Nullpunkt angelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1918–1933==&lt;br /&gt;
Ab den frühen 1920er Jahren zogen erneut zahlreiche Künstler:innen aus Wien nach Paris, das nach wie vor als Zentrum der modernen Kunst galt. Hatten vor dem Krieg unter den österreichischen Künstler:innen in Frankreich noch die Maler:innen dominiert, so betraten nach 1918 immer mehr Architekten und Designerinnen die Bühne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Adolf Loos===&lt;br /&gt;
[[Datei:17 Adolf Loos, Wohnhaus Tristan Tzara, 15, Avenue Junot, Paris, 1925-26.JPG|thumb|left|250px|[[Adolf Loos]], Wohnhaus Tristan Tzara, 1925-26]]Der prominenteste österreichische Architekt, der sich in der Zwischenkriegszeit in Frankreich aufhielt, war [[Adolf Loos]]. Durch Publikationen seiner wegweisenden frühen Bauten und die erstmalige Veröffentlichung seines berühmten Essays „Ornament und Verbrechen“ im Juni 1913 in der Zeitschrift &#039;&#039;Les Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; (&#039;&#039;Ornement et Crime&#039;&#039;, übersetzt von [[Marcel Ray]]) war er in Pariser Avantgarde-Kreisen bereits hoch angesehen. Nachdem das „Rote Wien“ (sozialdemokratische Stadtregierung 1919–33) Loos’ Konzepte für den kommunalen Wohnbau nicht realisieren wollte und die private Bautätigkeit in Österreich auf ein Minimum gesunken war, reiste er ab 1920 immer öfter nach Frankreich. 1922/23 weilte Loos an der Côte d’Azur und adaptierte sein Terrassenhaus-Konzept an das mediterrane Ambiente neuer Wohnhaus- und Hotelprojekte (Grand Hotel Babylon in Nizza, Gruppe von zwanzig Villen mit Dachgärten, Villa für Paul Verdier). Seine Idee für ein Hotel in einem Pinienwald an der Côte d’Azur wurde 1931 in der Zeitschrift &#039;&#039;[[L’Architecture d’Aujourd’hui]]&#039;&#039; publiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:18 Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 146, Avenue des Champs-Élysées, Paris, 1927-28 © Wien Museum.jpg|thumb|250px|Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 1927/28]]1923 zog Loos zum österreichischen Musiker [[Jan Śliwinski|Jan Ślivińsky]] (Hans Effenberger) an den Quai d’Orléans 20 in Paris. Ślivińsky betrieb 1925–1929 in der Rue du Cherche-Midi 5 die Avantgarde-Galerie &#039;&#039;[[Au sacre du printemps]]&#039;&#039;, in der u.a. 1928 die zweite Surrealismus-Ausstellung stattfand. Dort stellten auch österreichische Künstler wie der Grafiker Heinrich Sussmann aus, der an der Académie de la Grande Chaumière gelernt hatte und mit Unterbrechungen durch Wien-Reisen und KZ-Haft bis 1945 in Frankreich lebte. Adolf Loos’ Umgang mit der Pariser Avantgarde brachte ihn auch in Kontakt mit Marcel L’Herbier, Willi Baumeister, Piet Mondrian und Enrico Prampolini. 1925 wohnte er in der Rue de Rivoli 42 bei Erwin Rosenberg, für den er ein nicht realisiertes Haus an der Avenue Junot entwarf. 1926–28 lebte Loos in der Rue de la Boétie 101 sowie im Hotel Californie in der Rue de Berri 16. An realisierten Projekten plante er mit seinen temporären Mitarbeitern Zlatko Neumann, Heinrich Kulka, [[Jean Welz]] und Walter Loos 1925/26 das Wohnhaus des dadaistischen Dichters [[Tristan Tzara]] in der Avenue Junot 15 sowie 1927/28 die Pariser Filiale des Wiener Herrenausstatters &#039;&#039;Kniže&#039;&#039; an der Avenue des Champs-Élysées 146. Für die bekannte amerikanische Tänzerin Josephine Baker entwarf Loos 1927 ein nicht realisiertes Pariser Wohnhaus mit Swimmingpool.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Art Déco und Neoplastizismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:19 Josef Hoffmann, Österreich-Pavillon, Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes, Paris 1925 © MAK, Wien.jpg|left|thumb||Josef Hoffmann, Österreich-Pavillon, 1925]][[Datei:20 Friedrich Kiesler, Raumstadt, Paris 1925 © Österreichische Lillian und Friedrich Kiesler Stiftung,.jpg|250px|thumb|[[Friedrich Kiesler]], Raumstadt, Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes, Paris 1925]][[Datei:21 Friedrich Kiesler, Exposition internationale du Surréalisme, Galerie Maeght, Paris, 1947 © Kiesler Stiftung, Wien.jpg|left|thumb|250px|[[Friedrich Kiesler]], Gestaltung der Exposition internationale du Surréalisme, 1947]]&lt;br /&gt;
1925 zog die &#039;&#039;[[Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes]]&#039;&#039; zahlreiche Architekt:innen und Designer:innen aus aller Welt nach Paris. Aufgrund der politischen Spannungen nach dem Krieg wurde Deutschland von der veranstaltenden französischen Regierung nicht zur Teilnahme eingeladen, während die USA eine Einladung ausschlugen, weil sie nach Meinung des zuständigen Handelsministers Herbert Hoover über keine moderne Designszene verfügten. Österreich präsentierte einen beachteten nationalen Pavillon sowie zahlreiche weitere Exponate in anderen Abteilungen. Der Pavillon wurde von Josef Hoffmann entworfen, in Wien vorgefertigt, per Bahn nach Paris transportiert und dort montiert (teils auf einer Terrasse über der Seine). Zusätzlich zu den Räumen für Kunst und Kunstgewerbe bot er ein Glashaus von Peter Behrens, einen Orgelturm von Oskar Strnad und ein Café von Josef Frank. Zwei weitere österreichische Beiträge waren im Grand Palais zu sehen. Dort präsentierten die Installationen von [[Oswald Haerdtl]] (&#039;&#039;Architektur aus Österreich&#039;&#039;) und [[Friedrich Kiesler]] (&#039;&#039;Theater aus Österreich&#039;&#039;) avantgardistische Ausstellungsdisplays, die deutlich vom Neoplastizismus der &#039;&#039;De-Stijl&#039;&#039;-Bewegung um Piet Mondrian und Theo van Doesburg inspiriert waren. In der Architekturausstellung waren Modelle, Schaubilder und Pläne von etablierten Architekten (etwa [[Josef Hoffmann|Josef Hoffmanns]] &#039;&#039;Palais Stoclet&#039;&#039; in Brüssel) und von Schülern der &#039;&#039;Wiener Kunstgewerbeschule&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kunstgewerbeschule&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Kieslers Theaterausstellung präsentierte in einer abgehängten Konstruktion aus Kanthölzern und Plattformen in Primärfarben avantgardistische Bühnenbildentwürfe und Modelle. Diese Installation im &#039;&#039;Grand Palais&#039;&#039; war gleichzeitig das Modell einer frei im Raum schwebenden Zukunftsstadt (&#039;&#039;Cité dans l’espace&#039;&#039;). Ein Manifest dazu veröffentlichte Kiesler in der Zeitschrift &#039;&#039;De Stijl&#039;&#039;. Nach der Art-Déco-Schau 1925 blieb er in Paris, da er dort wegen der Erfolge der internationalen Avantgarde (Pavillons von Le Corbusier und Konstantin Melnikow) bessere Karrierechancen erwartete als in Wien. Kiesler pflegte unter anderem Kontakte zu Fernand Léger und Theo van Doesburg, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. 1926 zog er mit seiner Frau Stefi auf Einladung des New Yorker Avantgarde-Magazins &#039;&#039;Little Review&#039;&#039; weiter nach New York. Von August bis Oktober 1930 hielt sich das Ehepaar Kiesler erneut in Paris auf, um seine Visa für die USA zu erneuern. 1947 reiste [[Friedrich Kiesler]] für die Gestaltung einer Ausstellung der Surrealisten abermals nach Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Kreis um Le Corbusier===&lt;br /&gt;
[[Datei:22 Villa Zilvelli.jpg|left|thumb||[[Jean Welz|Jean (Hans) Welz]], Villa Zilveli, Paris, 1933 ]][[Datei:23 Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Haus Pistor und Haus Ferner, Graz 1932-33.jpg|left|thumb|[[Herbert Eichholzer]] und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz 1932-33]]&lt;br /&gt;
1922 kam der armenisch-iranische Architekt [[Gabriel Guévrékian]], der 1915–19 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Josef Frank studiert und 1919–23 für Josef Hoffmann gearbeitet hatte, nach Paris. Hier fand der prototypische Kosmopolit sofort Anschluss an die Architektur-Avantgarde um [[Le Corbusier]], [[André Lurçat]] und Sigfried Giedion. 1922–26 arbeitete er mit Robert Mallet-Stevens an dessen Häusern in der gleichnamigen Straße im 16. Pariser Arrondissement. Mallet-Stevens war ein Neffe von Suzanne Stevens, der Ehefrau des belgischen Bankiers und Industriellen Adolphe Stoclet. Für diese Familie hatte Josef Hoffmann mit Künstlern der Wiener Werkstätte 1906–1911 in Brüssel sein berühmtes &#039;&#039;Palais Stoclet&#039;&#039; erbaut. Durch seinen starken Eindruck auf Mallet-Stevens und den Couturier Paul Poiret beeinflusste Hoffmann den Pariser Art Déco nennenswert. Für die Villa von Vicomte Charles und Marie-Laure de Noailles in Hyères, die Mallet-Stevens plante, entwarf Guévrékian einen kubistischen Garten aus orthogonalen Beeten und Farbfeldern. Ab 1928 wirkte er auf Wunsch von [[Le Corbusier]] als Generalsekretär der &#039;&#039;Congrès Internationaux d’Architecture Moderne&#039;&#039; (CIAM). 1929–32 entstand sein Modell-Doppelhaus auf Pilotis für die Wiener Werkbundsiedlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jean Welz|Jean (Hans) Welz]], der ebenfalls an der Wiener Kunstgewerbeschule studiert und bei Josef Hoffmann gearbeitet hatte, wirkte 1925 an Österreichs Beiträgen für die &#039;&#039;Art-Déco&#039;&#039;-Weltausstellung mit. [[Datei:24 Jacques Groag, Haus Dr. Stern, Perchtoldsdorf, 1934, Textilien von Hilde Blumberger, später Jacqueline Groag, in Moderne Bauformen 1934, S. 322.jpg||thumb|250px|Jacques Groag, Haus Dr. Stern, Perchtoldsdorf, 1934]]Danach arbeitete er für [[Adolf Loos]] an dessen Haus Tzara sowie für den Pariser Architekten Raymond Fischer. Er verkehrte in Avantgarde-Kreisen um Robert Mallet-Stevens und bewunderte [[Le Corbusier]]. 1933 entwarf er streng nach dessen Planungsprinzipien ein schmales Wohnhaus auf Pilotis an einem steilen Hang mit weitem Ausblick über Paris. Bauherr für das Haus in der Rue Georges Lardennois 70 im 19. Pariser Arrondissement (Buttes-Chaumont) war der griechische Ingenieur Athanase Zilveli. Trotz Petitionen von Architekturfreunden wurde es 2022 abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein direkter Kontakt zu Le Corbusier ergab sich im Herbst 1929 durch das dreimonatige Volontariat des jungen Grazer Architekten [[Herbert Eichholzer]] im berühmten Atelier in der Rue de Sèvres 35. Er setzte die corbusianische Lehre mit mehreren Einfamilienhäusern für fortschrittliche Grazer Bauherrenfamilien innerhalb Österreichs am konsequentesten fort. Als Kommunist zählte Eichholzer 1943 zu einem der prominentesten politischen Opfer des NS-Regimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1930 kam [[Jacqueline Groag]] (eig. Hilde Blumberger, geborene Pick), die an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Čižek und Josef Hoffmann studiert hatte, nach Paris und lieferte Textilmuster für die Modehäuser Chanel, Lanvin, Rodier, Elsa Schiaparelli und Paul Poiret. 1937 heiratete sie Jacques Groag, einen zeitweisen Mitarbeiter von Paul Engelmann sowie von Singer &amp;amp; Dicker, der sich bereits 1926 für die Mitarbeit bei der Planung des Hauses Tzara von [[Adolf Loos]] in Paris aufgehalten hatte. Das Ehepaar lebte in Wien, bevor es 1938 nach Prag und weiter nach London floh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der &#039;&#039;Wiener Kreis&#039;&#039; und die Architektur===&lt;br /&gt;
1933 präsentierte die Zeitschrift &#039;&#039;[[L’Architecture d’aujourd’hui]]&#039;&#039; (gegründet 1930 von André Bloc et Eugène Cahen) in der Galerie Vignon in der Pariser Rue Vignon 17 zahlreiche Werke moderner Architektur aus Österreich, Belgien, Spanien, Ungarn, Italien, Polen, Tschechoslowakei und Jugoslawien. Aus Österreich waren Werke von Otto Wagner, Josef Hoffmann, Josef Frank, Lois Welzenbacher und [[Adolf Loos]] sowie mehrere Wiener Siedlungsbauten zu sehen. An der Organisation war das Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum beteiligt, das 1924 von Otto Neurath gegründet worden war, einem einflussreichen Mitglied des &#039;&#039;Wiener Kreis des Logischen Empirismus&#039;&#039; um Moritz Schlick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Später Fauvismus, Kubismus, Neue Sachlichkeit===&lt;br /&gt;
Neben den Architekten und Designerinnen lebten und arbeiteten in der Zwischenkriegszeit auch zahlreiche österreichische Maler:innen in Frankreich. Wie schon vor dem Ersten Weltkrieg können dabei etliche „Cluster“ unterschieden werden. Einen davon bildeten die Künstler:innen in dem und um den Wiener &#039;&#039;[[Hagenbund]]&#039;&#039;. Die Maler:innen dieses Kreises teilten fauvistische, kubistische und neusachliche Kunstauffassungen. Ab 1921 lebte [[Willy Eisenschitz]], 1930 ein korrespondierendes Mitglied des Hagenbundes, jahrelang in der Provence und in Paris, wo er 1912–14 studiert hatte. Die deutsche Besatzung überlebte er in einem südfranzösischen Versteck. 1923–25 weilte Ilse Bernheimer, die an der Wiener Kunstgewerbeschule studiert und im [[Hagenbund]] ausgestellt hatte, in Saint-Tropez, wo sie die Fauvismus-Pioniere [[Henri Matisse]] und Henri Manguin kennenlernte. 1925–41 lebte der Maler [[Josef Floch]] in Paris und präsentierte sich in der renommierten &#039;&#039;Galerie Berthe Weill&#039;&#039; in der Rue Taitbout 50. Vor der deutschen Besatzung musste er 1940 nach Amerika flüchten. 1927 zog die Malerin [[Lilly Steiner]] mit ihrem Ehemann Hugo nach Paris, der dort die von [[Adolf Loos]] gestaltete Filiale des Wiener Herrenausstatters Kniže leitete. Beide lebten bis zu ihrem Tod in Frankreich. [[Viktor Tischler]] hatte schon vor 1914 Studienreisen nach Frankreich unternommen, lebte dort 1928–41 und floh dann in die USA. Georg Pevetz reiste 1929 nach Frankreich und machte sich mit [[Maurice de Vlaminck|Vlaminck]] und Matisse bekannt, bevor er 1940 als malender Besatzungsoffizier wiederkehrte. Einer der engagiertesten österreichischen Kubisten war der Grazer Maler [[Ernst Paar]], der 1930–33 in Paris lebte. Sein Freund Hans Stockbauer studierte dort 1929–30 an der Académie Julian und malte ebenfalls kubistische Bilder. Auch Albert Reuss schuf expressiv-kubistische Bilder und verbrachte 1930 ein Jahr in Cannes. Die junge Emailkünstlerin und neusachliche Malerin [[Franziska Zach]] bezog 1930 ein Atelier in Paris. Sie bereitete bereits eine Einzelausstellung vor, bevor sie im gleichen Jahr starb. 1931–33 lebte Eduard Bäumer in Paris, wo er sich vom Kubismus und der Malerei der &#039;&#039;Neuen Sachlichkeit&#039;&#039; beeinflussen ließ. Auch die teils neusachlichen, teils expressiven Hagenbund-Maler Theo Fried, Karl Josef Gunsam, Theodor Kern, Robert Kohl, Viktor Planckh, Frieda Salvendy, Otto Rudolf Schatz, Ferdinand Stransky und Fritz Schwarz-Waldegg verbrachten in der Zwischenkriegszeit jeweils einige Monate in Paris.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;200px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:25 Willy Eisenschitz, L&#039;Estaque, 1928 © Galerie Widder, Wien.jpg|[[Willy Eisenschitz]], L&#039;Estaque, 1928&lt;br /&gt;
Datei:26 Lilly Steiner, Portrait de Fernande Olivier, 1934 © Musée de Grenoble.jpg|[[Lilly Steiner]], Portrait de Fernande Olivier, 1934&lt;br /&gt;
Datei:27 Viktor Tischler, Marseille, um 1925 © Galerie Widder, Wien.jpg|[[Viktor Tischler]], Marseille, um 1925&lt;br /&gt;
Datei:28 Ernst Paar, Stillleben mit Flasche, 1934 © Joanneum, Graz.jpg|[[Ernst Paar]], Stillleben mit Flasche, 1934&lt;br /&gt;
Datei:29 Hans Stockbauer, Stillleben, um 1930 © Galerie Leonhart, Graz.jpg|Hans Stockbauer, Stillleben, um 1930&lt;br /&gt;
Datei:30 Franziska Zach, Paris-Belleville, 1930 © Belvedere, Wien, Foto NiS.jpg|Franziska Zach, Paris-Belleville, 1930&lt;br /&gt;
Datei:31 Eduard Bäumer, Melonenstillleben, 1931 © Galerie Maier, Innsbruck.jpg|Eduard Bäumer, Melonenstillleben, 1931&lt;br /&gt;
Datei:32 Fritz Schwarz-Waldegg, Straße in Paris, um 1930, Privatsammlung.jpg|Fritz Schwarz-Waldegg, Straße in Paris, um 1930&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Expressive Strömungen===&lt;br /&gt;
[[Oskar Kokoschka]] und [[Herbert Boeckl]], die beiden zentralen Figuren der expressionistischen Malerei Österreichs in der Zwischenkriegszeit, sahen kaum Karrierechancen in Frankreich und reisten nur zu relativ kurzen Aufenthalten an. Kokoschka weilte auf seinen ausgedehnten Reisen durch Europa 1924 und 1930/1931 in Paris. Beispielsweise entstand dort 1924 sein Bild der &#039;&#039;Opera Garnier&#039;&#039;. 1931 präsentierte Kokoschka eine Einzelausstellung bei Georges Petit in der Rue de Sèzes 8. Herbert Boeckl konnte mit einem Vertrag des Wiener Kunsthändlers Gustav Nebehay im Frühjahr 1923 einen Studienaufenthalt von rund vier Monaten in Paris verbringen, wo er im Louvre nach alten Meistern skizzierte und die Fortifikationen an der Porte Gentilly malte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Boeckl stammte auch [[Jean Egger]] aus Kärnten. Er lebte 1924–31 in Paris und konnte sich mithilfe seines Münchner Studienkollegen und Freundes Arne Bjørnson-Langen in Avantgarde-Kreisen um Le Corbusiers Bruder, den Tanzpädagogen Albert Jeanneret, und die Galerie &#039;&#039;Au sacre du printemps&#039;&#039; etablieren. Seine gestisch-pastosen Landschaften und seine Porträts bekannter Persönlichkeiten, die er über den Kreis um Sophie Szeps-Clemenceau kennenlernte, wurden im Salon des &#039;&#039;Artistes Indépendants&#039;&#039;, im &#039;&#039;Salon des Tuileries&#039;&#039;, im &#039;&#039;Salon du Franc&#039;&#039; und in der &#039;&#039;Galerie Louis (Lewis) Sloden&#039;&#039; in der Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré 43 ausgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grazer Maler Wilhelm Thöny reiste erstmals 1929 nach Paris und lebte 1931–38 gänzlich dort sowie an der Côte d’Azur. In Paris verkehrte er in Künstlercafés und in seinen gezeichneten Tagebüchern erscheinen unter anderem Porträts von Picasso und seinen Freunden. 1938 zog er weiter nach New York. 1929–34 lebte auch der expressionistische Wiener Maler Silvain Vigny in Paris, bevor er weiter nach Nizza zog, wo er bis zu seinem Tod 1970 vorwiegend lebte. Auch Erich Schmid aus Wien malte expressiv. Er floh 1938 nach Paris und war 1940–42 gemeinsam mit seinem Freund [[Jean Améry]] im [[Camp de Gurs]] in der Vichy-Zone Frankreichs im Département Pyrénées-Atlantiques interniert. 1945 bis zu seinem Suizid 1978 lebte er in Paris.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;170px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:33 Oskar Kokoschka, Pariser Oper, 1924, Kunsthalle Bremen, Der Kunstverein in Bremen.jpg|left|200px|thumb||[[Oskar Kokoschka]], Pariser Oper, 1924&lt;br /&gt;
Datei:34 Herbert Boeckl, Fortifikationen von Paris, 1923, Privatbesitz © Herbert Boeckl Nachlass.jpg|200px|thumb||[[Herbert Boeckl]], Fortifikationen von Paris, 1923&lt;br /&gt;
Datei:35 Jean Egger, Sophie Szeps-Clemenceau, 1925 © im Kinsky, WIen.jpeg|thumb|150px|[[Jean Egger]], Sophie Szeps-Clemenceau, 1925&lt;br /&gt;
Datei:36 Wilhelm Thöny, Paris, Île de la Cité I, 1929 © Joanneum, Graz.jpg|left|thumb|200px|Wilhelm Thöny, Paris, Île de la Cité I, 1929&lt;br /&gt;
Datei:37 Erich Schmid, Montmartre, 1972 © Galerie Widder, Wien.jpg|Erich Schmid, Montmartre, 1972&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Surrealismus und Dadaismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:38 Edgar Jené, Köpfe mit Vogel, 1929 © Galerie Widder, Wien.jpg|thumb|200px|Edgar Jené, Köpfe mit Vogel, 1929]][[Datei:39 Wolfgang Paalen, Les étrangers 1937.jpg|left|thumb|200px|[[Wolfgang Paalen]], Les étrangers, 1937]][[Datei:40 Raoul Hausmann, ABCD, 1923-24 © Paris, Musée national d’art moderne.jpg|left|thumb|170px|Raoul Hausmann, ABCD, 1923-24]]&lt;br /&gt;
Für die Surrealismus-Rezeption von Künstlern, die längere Lebensphasen in Österreich verbrachten und in der Zwischenkriegszeit des Längeren in Paris weilten, stehen Edgar Jené, [[Wolfgang Paalen]] und [[Raoul Hausmann]]. Edgar (Erhard) Jené stammte aus Saarbrücken und studierte 1924–28 in Paris an der &#039;&#039;École nationale des beaux-arts&#039;&#039;, an der &#039;&#039;Académie Julian&#039;&#039; und an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039;, bevor er 1928–35 wieder in Saarland lebte. Jené ist einer der wenigen deutschen Künstler, die vor dem NS-Regime nicht in Richtung Westen, sondern nach Österreich flohen. Vor und nach 1945 wirkte er – vorerst noch im Untergrund – als wichtiger Vermittler des Surrealismus nach Österreich. 1950 zog er wieder nach Paris, wo er enge Kontakte zum Kreis um André Breton pflegte, und 1965 weiter ins burgundische La Chapelle St. André, wo er 1984 starb. Der Wiener Maler [[Wolfgang Paalen]] lebte 1934–39 in Paris und studierte kurz bei Fernand Léger, bevor er sich 1934/35 der &#039;&#039;Gruppe Abstraction-Création&#039;&#039; und gleich darauf den [[Surrealismus|Surrealisten]] anschloss. 1936 präsentierte er sich in einer Ausstellung in der &#039;&#039;Galerie Pierre Loeb&#039;&#039; in der Rue Bonaparte 13 und gestaltete 1937/38 gemeinsam mit Marcel Duchamp, Man Ray und Salvador Dalí die &#039;&#039;Exposition Internationale du Surréalisme&#039;&#039; in der &#039;&#039;Galerie Beaux Arts&#039;&#039; in der Rue du Faubourg Saint-Honoré 140. Paalen ging 1939 nach Mexiko, lebte 1951 bis 1954 erneut in Paris und stellte in der &#039;&#039;Galerie Pierre&#039;&#039; und in der &#039;&#039;Galerie Galanis-Hentschel&#039;&#039; aus. Die letzten Lebensjahre bis zu seinem Freitod 1959 verbrachte Paalen wieder in Mexiko. Raoul Hausmann lebte bis zu seinem 15. Lebensjahr in Wien, bevor er mit seiner Familie nach Berlin ging und 1918 die Berliner Dada-Gruppe mitbegründete. 1933 flüchtete er aus Deutschland durch mehrere Länder, bevor er Paris erreichte, wo um 1938 einige seiner bekanntesten Fotoserien entstanden. Bis zu seinem Tod 1971 lebte er in Limoges.[[Datei:41 Madame d’Ora, Joséphine Baker, Nu drapé à l&#039;éléphant, 1928.jpg|thumb|180px|Madame d’Ora, Joséphine Baker, Nu drapé à l&#039;éléphant, 1928]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fotografie===&lt;br /&gt;
Auch [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (Dora Kallmus) war eine Pionierin der künstlerischen Fotografie. 1907 bis 1927 betrieb sie in Wien ein erfolgreiches Atelier für Porträt- und Modefotos, das zahlreiche renommierte Künstler, Intellektuelle und sogar die Familie des letzten Kaisers Karl I. zu seinen Kunden zählte. 1925 eröffnete sie einen zweiten Standort in Paris, wo sie unter anderen Maurice Chevalier, Josephine Baker, Tamara de Lempicka, Fritzi Massary, Marlene Dietrich und Coco Chanel porträtierte. 1940 flüchtete sie nach Südfrankreich, wo sie im Versteck überlebte. 1946 ging sie zurück nach Österreich. Zwischen 1949 und 1957 reiste sie immer wieder nach Paris, wo unter anderem Porträtfotos von Picasso und eine bekannte Fotoserie von den Schlachthöfen Ivry Les Halles und Rue Brancion entstand. 1958 hielt Jean Cocteau die Eröffnungsrede ihrer Ausstellung in der Pariser Galerie Montaigne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1933–1938==&lt;br /&gt;
[[Datei:42 Katalog der Exposition d’art Autrichien, Jeu de Paume, Paris, 1937.jpg|left|200px|thumb||Katalog der Exposition d’art Autrichien, Musée du Jeu de Paume des Tuileries, 1937]]Ein erneuter politischer Systemwechsel Österreichs begann mit der „Selbstausschaltung des Parlaments“ am 4. März 1933 und der folgenden Kanzlerdiktatur von Engelbert Dollfuß (auch „Ständestaat“ oder „Austrofaschismus“). Zudem hatte die „Machtergreifung“ der deutschen Nationalsozialisten im Jänner 1933 direkte Folgen für die austrofranzösischen Kulturbeziehungen. Denn Österreich sah sich nun vom zwangsweisen „Anschluss“ an Deutschland zunehmend bedroht und suchte die Nähe der Schutzmächte Italien und Frankreich. So wurde am 2. April 1936 ein österreichisch-französisches Kulturabkommen geschlossen. In diesem Rahmen wurden zahlreiche Ausstellungen französischer Kunst in Österreich und österreichischer Kunst in Frankreich veranstaltet. Die beiden wichtigsten Pariser Ereignisse in diesem Zusammenhang waren die &#039;&#039;[[Exposition d&#039;Art Autrichien|Exposition d’Art Autrichien]]&#039;&#039; und Österreichs Beteiligung an der Weltfachausstellung &#039;&#039;Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:43 Oswald Haerdtl, Österreich-Pavillon, Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne, Paris, 1937.JPG||thumb||Oswald Haerdtl, Österreich-Pavillon, 1937]]Die Ausstellung österreichischer Kunst wurde von einem großen offiziellen Komitee aus Fachleuten und Politikern um Alfred Stix&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Alfred_Stix&amp;lt;/ref&amp;gt; organisiert, den Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien. Sie fand parallel zur Pariser Weltausstellung von Mai bis Juni 1937 im &#039;&#039;[[Musée du Jeu de Paume des Tuileries]]&#039;&#039; statt und wurde auf zwei Ebenen präsentiert: Im Erdgeschoss war Kunst vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert zu sehen, während im Obergeschoss moderne Kunst und Kunstgewerbe gezeigt wurden. Der neuere Teil präsentierte Werke aller bekannten Größen der modernen Kunst Österreichs von [[Gustav Klimt]] bis hin zu Künstlern, die in Paris lebten oder gelebt hatten, wie etwa [[Jean Egger]]. Österreichs Botschafter in Paris zeigte sich angesichts zahlreicher Presseberichte zufrieden mit dem Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der österreichische Pavillon auf der &#039;&#039;Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne&#039;&#039; (25. Mai – 25. November 1937) wurde von [[Oswald Haerdtl]] entworfen. Haerdtl war ein Schüler Oskar Strnads an der Wiener Kunstgewerbeschule und langjähriger Mitarbeiter sowie Partner im Architekturbüro von Josef Hoffmann. Erstmals hatte er 1925 mit einer neoplastizistisch inspirierten Architekturausstellung im Pariser Grand Palais an Österreichs internationalen Kunstpräsentationen mitgewirkt. Österreichs nationaler Pavillon von 1937 war als überdimensionales Schaufenster auf schlanken Stützen konzipiert. So  konnte sowohl Le Corbusiers Idee einer „schwebenden“ Architektur als auch die großformatige Fotomontage eines Alpenpanoramas von Robert Haas im Sinne der Selbstpositionierung Österreichs als Kultur- und Tourismusland realisiert werden. Eine wichtige Rolle spielten auch die Infrastrukturprojekte der 1935 eröffneten Großglockner-Hochalpenstraße und der Wiener Höhenstraße. Erneut reisten zahlreiche österreichische Künstler:innen zum Aufbau, zur Besichtigung der Ausstellung und zu nachfolgenden Arbeitsaufenthalten nach Paris. So entstanden beispielsweise neue Stadtbilder von Herbert Boeckl von der Kathedrale Notre-Dame und der Place de la Concorde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:44 Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935 © Joanneum, Graz.jpg|thumb|left|Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935]]&lt;br /&gt;
[[Datei:45 Greta Freist, Die Taube, 1939, Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien.jpg|200px|thumb|Greta Freist, Die Taube, 1939]]Für die individuelle Künstlermigration der letzten Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg nach Frankreich steht die Ankunft des Malers [[Kurt Weber]], der Malerin Greta Freist&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Greta_Freist&amp;lt;/ref&amp;gt; und des Malers Gottfried Goebel sowie der Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] und des Architekten Wilhelm Schütte in Paris. Weber studierte 1934 an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039;, lernte Delaunay und Léger kennen und kam als kubistischer Maler zurück nach Graz. Freist und Goebel hatten an der Wiener Akademie studiert und gingen 1937 nach Paris, wo sie alsbald im &#039;&#039;Salon d’automne&#039;&#039; und im &#039;&#039;Salon des indépendants&#039;&#039; ausstellten. Freist schuf magisch-realistische Bilder, wandte sich alsbald dem Surrealismus zu und wurde nach 1945 zur abstrakten Malerin. Bis zu ihrem Tod 1993 lebte sie in Paris. Das Ehepaar Schütte(-Lihotzky) hatte 1930-37 mit der Architektengruppe um den Frankfurter Stadtbaurat Ernst May unter anderem an Schulen und Kindergärten für die sowjetische Industriestadt Magnitogorsk gearbeitet. Da ihre Pässe abgelaufen und ihre Arbeitsverträge nicht verlängert worden waren, verließen sie Russland und erreichten Anfang 1938 Paris. Dort arbeiteten sie mit Pierre Forestier und Tibor Weiner zusammen, bevor sie im Juni 1938 nach Istanbul weiterzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1938–1945==&lt;br /&gt;
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland am 13. März 1938 flohen viele Jüdinnen und Juden sowie politisch Verfolgte aus Wien nach Paris. Einige jüdische Künstler:innen gingen bald weiter ins Exil nach England oder Amerika, während andere bis zum deutschen Einmarsch im Juni 1940 in Frankreich blieben. Auch der Kunsthändler Otto Kallir (Nirenstein), der in Wien die moderne und zeitgenössische Kunst aus Österreich, Frankreich und anderen Ländern in seiner Neuen Galerie, mit einem Buchverlag und mit Ausstellungen (z.B. im [[Hagenbund]]) nach Kräften gefördert hatte, floh 1938 nach Paris. Im Frühjahr 1939 eröffnete er in der Rue du Faubourg-Saint-Honoré 40 die Galerie Saint-Étienne, die er nach dem Standort seiner Wiener Galerie nahe dem Stephansdom benannte. Ab 9. Juni 1939 zeigte Kallir in Paris die Ausstellung &#039;&#039;Jean Egger – peintre-symphoniste&#039;&#039;. Pierre Mornand, Chefredakteur der Zeitschrift &#039;&#039;Le Courrier graphique&#039;&#039;, steuerte einen kurzen Text für die Einladungskarte bei. Kallir konnte den Pariser Standort kaum ein Jahr lang halten und eröffnete 1939 die [[Galerie St. Étienne]] in New York, wo er ab 1940 lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 und der deutschen Besetzung des Nordens Frankreichs nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 waren wegen der Kriegshandlungen für Künstler:innen keine Reisen und auch kaum mehr Fluchtbewegungen dorthin möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:46 Gerhild Diesner, Coquillages, gemalt bei André Lhote, 18. 10. 1943, Privatbesitz.jpg|thumb|Gerhild Diesner, Coquillages, gemalt bei André Lhote, 18. 10. 1943]]Von 1939 bis 1942 versuchten jene jüdischen österreichischen Künstler:innen, die sich bereits früher in Paris niedergelassen hatten oder nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland 1938 dorthin geflohen waren, sich weiter in den nicht besetzten Süden Frankreichs unter dem Vichy-Regime oder nach England und in die USA zu retten. Allerdings bot auch Südfrankreich keine Sicherheit, weil das Vichy-Regime Jüdinnen und Juden an Deutschland auslieferte. Ein Beispiel ist der Grafiker Bil Spira/Willi Freier, der 1938 aus Wien nach Paris und 1939 weiter nach Marseille geflohen war, wo er als Passfälscher für Varian Fry arbeitete. Nach dem Verrat durch einen Spitzel  1941 war er bis 1945 in Le Vernet, Auschwitz und Buchenwald inhaftiert, bevor er nach Frankreich zurückkehrte, wo er 1999 verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im November 1942 wurde aber auch der Süden Frankreichs von der deutschen Armee besetzt, sodass Juden und politisch Verfolgte – meist über das neutrale Spanien unter Diktator Franco – abermals zur Flucht gezwungen waren. Hingegen konnten österreichische Künstler:innen, die dem deutschen Militär angehörten oder gute Beziehungen zu Organen der deutschen Besatzungsmacht pflegten, zwischen 1940 und der Befreiung von Paris am 25. August 1944 vereinzelt Studien- und Arbeitsaufenthalte in der Hauptstadt oder an den Atlantik- und Mittelmeerküsten verbringen. So lernte etwa [[Gerhild Diesner]] 1943/44 mithilfe eines Mitarbeiters der Organisation Todt in Paris bei [[André Lhote]] und an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039; in Paris. Zudem unternahm sie prägende Reisen auf den Spuren von [[Vincent Van Gogh|Van Gogh]] und [[Paul Gauguin|Gauguin]] nach Südfrankreich. Der Maler Georg Pevetz wiederum war Offizier der  deutschen Wehrmacht und konnte sich in dienstfreien Zeiten der Landschaftsmalerei widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1945–1995==&lt;br /&gt;
Mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 und der Wiedererrichtung der Republik Österreich änderten sich die Rahmenbedingungen der austrofranzösischen Kulturbeziehungen erneut grundlegend. Tirol und Vorarlberg blieben bis 1955 französische Besatzungszone. Die engagierte Kunstpolitik unter General [[Émile Antoine Béthouart|Marie Émile Antoine Béthouart]], der 1946 bis 1950 einer der vier alliierten Hochkommissare in Österreich war, förderte Studienreisen zahlreicher junger Künstler:innen nach Frankreich. Am 15. März 1947 wurde das österreichisch-französische Kulturabkommen von 1936 erneuert und ausgebaut. 1947 bis 1958 leitete der Kunsthistoriker [[Maurice Besset]] das neue [[Institut français in Innsbruck]], das zahlreiche junge Tiroler Künstler:innen – etwa auch Oswald Oberhuber – mit der Moderne Frankreichs bekanntmachte. Auch in Wien wurden ein französisches Kulturinstitut sowie ein &#039;&#039;Lycée français&#039;&#039; gegründet. 1952 wurden sie im Palais Clam-Gallas und einem Neubau in dessen Park angesiedelt. Die vielfältigen Aktivitäten dieser französischen Kulturinstitutionen motivierten zahlreiche junge Österreicher:innen zu einer Reise nach Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon um 1900 und in der Zwischenkriegszeit wechselten in der dynamischen Pariser Kunstszene immer neue „Ismen“ als kurzzeitig führende Kunstströmungen einander ab. Nach dem Surrealismus, dessen Wortführer André Breton von einigen angereisten jungen österreichischen Künstler:innen auf der Suche nach Anerkennung aufgesucht wurde, errang um 1950 die gestische und abstrakte Malerei unter dem Begriff des &#039;&#039;Informel&#039;&#039; die größte Aufmerksamkeit. Sie wurde ihrerseits um 1960 vom &#039;&#039;Nouveau Réalisme&#039;&#039; abgelöst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Surrealismus und Phantastischer Realismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:47 Friedensreich Hundertwasser, Die Stadt, 1953 © Belvedere, Wien, Namida AG, Glarus.jpg|thumb|Friedensreich Hundertwasser, Die Stadt, 1953]][[Datei:48 Battle of the gods that have been transformed 1952 - Ernst Fuchs - WikiArt.org.png|thumb|left||Ernst Fuchs, Kampf der verwandelten Götter, 1952]][[Datei:49 Maître Leherb (Helmut Leherbauer). Leherb sieht Paris, Verlag Kremayr &amp;amp; Scheriau, Wien, 1975.jpg|thumb||Maître Leherb (Helmut Leherbauer). Leherb sieht Paris, 1975]]&lt;br /&gt;
In Paris lebten nach dem Krieg weiterhin einige österreichische Künstler:innen, die sich schon vor dem Krieg dort niedergelassen hatten, darunter [[Lilly Steiner]], Greta Freist und Gottfried Goebel. Indirekt wurden die austrofranzösischen Kunstkontakte nun auch über die Künstlerkolonie in New York wiederbelebt: Marcel Duchamp hatte sich dort mit dem Exilösterreicher [[Friedrich Kiesler]], der bereits 1926 aus Paris nach New York gekommen war, angefreundet und vorübergehend bei ihm gewohnt. André Breton lebte 1941–46 ebenfalls im New Yorker Exil und bat den nunmehrigen Surrealisten Kiesler 1945 um die grafische Gestaltung seiner &#039;&#039;Ode à Charles Fourier&#039;&#039;. Darauf folgte der erste größere Auftritt eines österreichischen Exilkünstlers in Paris nach 1945: Kiesler gestaltete die Ausstellung &#039;&#039;Le Surréalisme&#039;&#039; en 1947 in der &#039;&#039;Galerie Maeght&#039;&#039; in der Rue de Téhéran 13 mit dynamisch-farbintensiven Displays und symbolischen skulpturalen Objekten entlang eines surrealen Initiationsweges.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bald kamen auch junge Wiener Maler:innen auf den Spuren des Surrealismus nach Paris. Von 1950 bis um 1960 lebte [[Friedensreich Hundertwasser]] (Fritz Stowasser) in Frankreich, wo er auch Umgang mit den späteren Künstlern des &#039;&#039;Nouveau Réalisme&#039;&#039; um den Kritiker Pierre Restany pflegte. 1975 erhielt er eine Personale im &#039;&#039;Musée national d’art moderne&#039;&#039;. 1950 traf auch Ernst Fuchs in Paris ein, wo er bis 1962 lebte. Wie Hundertwasser holte er in dieser Zeit jene Reisen quer durch Europa nach, die dieser Künstlergeneration während des Krieges verwehrt gewesen waren. Weitere Maler des &#039;&#039;Phantastischen Realismus&#039;&#039;, die seit den 1950er Jahren mehrere Jahre in Paris lebten, waren Arik Brauer und Maître Leherb (Helmut Leherbauer). Im Mai 1956 präsentierte sich die Wiener phantastische Realistin Reny Lohner in der Galerie Allard in Paris, das Vorwort zum Ausstellungskatalog verfasste der Komponist Henri Sauguet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fortleben der klassischen Moderne===&lt;br /&gt;
[[Datei:50 Fritz Wotruba - Frauliche Felsen-1948.jpg|thumb|left|Fritz Wotruba, Zurückgelehnte weibliche Figur (Weiblicher Felsen), 1947/48]]Neben dem Surrealismus blühten im vielfältigen Pariser Kunstleben nach 1945 auch weiterhin viele andere Strömungen und Sparten der klassischen Moderne. Dazu zählten etwa die kubistische Malerei und Plastik, die Reportagefotografie sowie verschiedene individualistische Positionen, die sich keiner dominierenden Strömung zuordnen ließen.&lt;br /&gt;
1948 fand die erste Einzelausstellung eines österreichischen Künstlers in einem der großen staatlichen Museen Frankreichs statt: Der Bildhauer [[Fritz Wotruba]], der mit seiner jüdischen Frau Marian(ne) Fleck 1938 aus Wien in die Schweiz geflüchtet und 1945 als Professor an die Wiener Akademie der bildenden Künste unter Rektor Herbert Boeckl zurückgekehrt war, konnte in dem 1937 gegründeten &#039;&#039;Musée national d’art moderne&#039;&#039; unter Jean Cassou im &#039;&#039;Palais de Tokyo&#039;&#039; seine Skulpturen präsentieren, die aus Kuben gebaut schienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1949 erreichte die deutsche Journalistin [[Inge Morath]] Paris, die seit 1945 in Salzburg und Wien gearbeitet hatte. Für die Agentur &#039;&#039;Magnum&#039;&#039; schrieb sie zunächst Texte, bevor sie zur Fotografie wechselte und ab 1953 Fotos für &#039;&#039;Paris Match&#039;&#039; und &#039;&#039;Vogue&#039;&#039; lieferte. 1962 heiratete sie den amerikanischen Schriftsteller Arthur Miller und lebte dann vor allem in den USA.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiener Malerin Trude Waehner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Trude_Waehner&amp;lt;/ref&amp;gt;, die an der Wiener Kunstgewerbeschule und am Bauhaus in Dessau studiert sowie im Vorstand des österreichischen Werkbundes gewirkt hatte, erwarb 1950 ein Haus im südfranzösischen Dorf Dieulefit, 90 km nördlich von Avignon. Hier hatten vor und während des Krieges zahlreiche weitere Künstler gelebt, darunter der österreichische Maler [[Willy Eisenschitz]]. Waehners ehemaliger Lehrer, der Architekt [[Josef Frank]], der seit 1934 in Schweden und den USA lebte, war dort oftmals ihr Gast. Hier aquarellierte er und malte vielfärbige Hausentwürfe, die sich den Dogmen des &#039;&#039;International Style&#039;&#039; programmatisch entgegenstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiener Bildhauer Josef Pillhofer studierte 1950/51 bei Ossip Zadkine an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039; in Paris. 1951/52 lernte der junge Salzburger Maler [[Rudolf Hradil]] mithilfe eines Frankreich-Stipendiums bei Fernand Léger in Paris. In seinen frühen Bildern ist Légers kubistischer Stil deutlich spürbar.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;200px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:51 Inge Morath, Miss Eveleigh Nash, London, 1953 © Inge Morath Estate.jpg|Inge Morath, Miss Eveleigh Nash, London, 1953&lt;br /&gt;
Datei:52 Trude Waehner, Josef Frank beim Aquarellieren, 1950er Jahre.JPG|Trude Waehner, Josef Frank beim Aquarellieren, 1950er Jahre &lt;br /&gt;
Datei:53 Josef Pillhofer, Radfahrerin, 1951, Belvedere, Wien, Artothek des Bundes.jpeg|Josef Pillhofer, Radfahrerin, 1951&lt;br /&gt;
Datei:54 Rudolf Hradil, Stillleben mit Maiskolben, 1951, Privatbesitz.jpg|Rudolf Hradil, Stillleben mit Maiskolben, 1951&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Informel, Tachismus, Abstrakter Expressionismus, Zero===&lt;br /&gt;
1951 reisten auch die Malerin [[Maria Lassnig]] und der Maler [[Arnulf Rainer]] aus Klagenfurt nach Paris. Im Kärntner Künstlerkreis um Max Hölzer, der mit Edgar Jené die &#039;&#039;Surrealistischen Publikationen&#039;&#039; herausgab, war der Wunsch nach Teilhabe im Zentrum jener Bewegung entstanden. Lassnig und Rainer präsentierten ihre Arbeiten André Breton, was jedoch keine Folgen zeitigte. Allerdings besuchten sie die Ausstellung &#039;&#039;Véhémences confrontées&#039;&#039;, die im März 1951 in der Galerie Nina Dausset (Galerie Dragon) in der Rue du Dragon 19 stattfand. Die abstrakten Werke von Bryen, Capogrossi, Hartung, de Kooning, Mathieu, Pollock, Riopelle, Russel und Wols hatten die Gestaltungsprinzipien des Surrealismus in eine freie gestische Malerei weiterentwickelt. Dies dominierte alsbald die westliche Malerei unter den Begriffen des Informel, des Tachismus und des &#039;&#039;Abstrakten Expressionismus&#039;&#039;. Nach ihren drei Frankreich-Reisen 1951 lebte [[Maria Lassnig]] 1961–68 gänzlich in Paris, bevor sie nach New York weiterzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1950er Jahren reisten zahlreiche weitere österreichische Künstler:innen, die sich über die neuesten Strömungen informieren wollten, nach Paris. 1952/53 studierte etwa der spätere konkrete Künstler Marc Adrian bei Ossip Zadkine an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039; in Paris. Zwischen 1954 und 1960 hielt sich auch Hans Staudacher immer wieder in Paris auf. Er war in den dortigen Kunstbetrieb so gut integriert, dass er gelegentlich als ein Vertreter Frankreichs auf internationalen Ausstellungen reüssierte. 1957 reiste Markus Prachensky anlässlich einer Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Arnaud nach Paris. In der Zeitschrift &#039;&#039;Art d’aujourd’hui&#039;&#039; stellte Pierre Guéguen seine Bilder jenen von Hans Hartung unter dem Titel &#039;&#039;Le Rouge et le Noir – ou Stendhal tachiste&#039;&#039; gegenüber. 1958 verbrachte Prachensky einen weiteren Arbeitsaufenthalt in Paris. 1958/59 lebte dort auch die Kärntner Künstlerin Kiki Kogelnik. In Paris lernte sie den amerikanischen Maler Sam Francis kennen, mit dem sie 1961 in die USA zog.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;150px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:55 Maria Lassnig, Informel, 1951 © Galerie Maier, Innsbruck.jpg|Maria Lassnig, Informel, 1951&lt;br /&gt;
Datei:56 Arnulf Rainer, Zentralisation, 1951, Albertina, Wien, Sammlung Essl.jpg|Arnulf Rainer, Zentralisation, 1951&lt;br /&gt;
Datei:57 Marc Adrian, K3, 1961, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe.jpg|Marc Adrian, K3, 1961&lt;br /&gt;
Datei:58 Hans Staudacher, Wien-Paris, 1957 © Galerie Elisabeth und Klaus Tjhoman, Innsbruck.jpg|Hans Staudacher, Wien-Paris, 1957&lt;br /&gt;
Datei:59 Markus Prachensky, Liechtenstein, 1956-57 © Brigitte Prachensky.jpg|Markus Prachensky, Liechtenstein, 1956-57&lt;br /&gt;
Datei:60 Kiki Kogelnik, Ohne Titel, 1957 © Kiki Kogelnik Foundation.jpg|Kiki Kogelnik, Ohne Titel, 1957 &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:61 Hans Bischoffshausen, Betonlandschaft und -Reliefs, Lycée Jeanne d’Arc, Rouen, 1971-74 © Nachlass Hans Bischoffshausen.jpg||thumb|300px||Hans Bischoffshausen, Betonlandschaft und -Reliefs, Lycée Jeanne d’Arc, Rouen, 1971-74]]Der Maler, Architekt, Objektkünstler und Designer Hans Bischoffshausen kam über die Kunst von Lucio Fontana mit den minimalistischen Strategien der ZERO-Gruppe in Kontakt. 1959 ging er nach Paris, wo er zunächst in einer leerstehenden ehemaligen Manufaktur in der Rue de la Glacière 93 einen Raum für sich und seine Familie zu einem Wohnatelier ausbaute. Die kleine Künstlerkolonie der &#039;&#039;Glacière&#039;&#039; musste zwar 1962 einem neuen Wohnbau weichen, die Stadtverwaltung vermietete der Familie Bischoffshausen jedoch eine andere Wohnung gleich nebenan am Boulevard Auguste Blanqui 75. Bischoffshausen etablierte sich 1963 mit einer Einzelausstellung in der Galerie Weiller in der rue Gît-le-Coeur 5, der zahlreiche weitere Personalen und Beteiligungen folgten. Seine Freiraumgestaltungen, Betonreliefs und färbigen Betonglasbilder an öffentlichen Bauten zählen zu den subtilsten ihrer Art in Frankreich. Bischoffshausen schuf zwei Betonrelief-Wände für das &#039;&#039;Konservatorium in Grenoble&#039;&#039; (1964–68), Reliefmauern mit Glas an der &#039;&#039;Groupe Scolaire in Épinay-sur-Seine&#039;&#039; (1967–68) und große Außenanlagen mit Betonreliefs beim &#039;&#039;Lycée Jeanne d’Arc in Rouen&#039;&#039; (1971–74). In der Porzellanmanufaktur zu Sèvres schuf er auf Einladung von Direktor Serge Gauthier 1965–68 zahlreiche Keramikreliefs als Prototypen für Bauplastiken, die jedoch im staatlichen Programm für Kunst an öffentlichen Bauten keine Verwendung fanden und nie in Serienproduktion gingen. In Sèvres entstanden aber auch Prototypen von Keramikschalen und Vasen, die bei der Einrichtung mehrerer Botschaftsgebäude Frankreichs im Ausland reüssierten. 1971 ging Bischoffshausen zurück in seine Heimatstadt Villach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die 1980er und 1990er Jahre===&lt;br /&gt;
[[Datei:Gunter Damisch Große Weltlochwand.jpeg|180px|thumb|left||Gunter Damisch, Große Weltlochwand, 1992, Linz Museumspark]]Die beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts brachten neue Ausrichtungen der österreichischen Künstler:innen-Migration. Sie folgte den Schwerpunkten des internationalen Kunstmarkts, der sich aus Paris zunehmend nach New York, London  und Düsseldorf verlagert hatte. Wie schon die österreichischen Expressionisten der Zwischenkriegszeit reüssierten die erfolgreichen österreichische Künstler der Neuen Wilden (Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Josef Danner, Alois Mosbacher, Thomas Reinhold, Hubert Scheibl, Hubert Schmalix) eher in Deutschland als in Frankreich. Mit der Ankunft des Kunsthistorikers, Kurators und Philosophen Robert Fleck in Paris 1981 entwickelte sich jedoch ein neues Netzwerk für konkrete, neomoderne und minimalistische Kunst. So bestritt Heimo Zobernig 1991 eine Einzelausstellung in der Villa Arson in Nizza, die 1964–72 von Kulturminister André Malraux als Kunsthochschule und Ausstellungshaus aufgebaut worden war. 1992 präsentierte sich hier auch Gerwald Rockenschaub, 1995 gefolgt von Franz West.&lt;br /&gt;
Einen wichtigen Beitrag österreichischer Provenienz zum Pariser Kunstbetrieb leistete der Kunsthändler Thaddaeus Ropac. Nach der Gründung zweier Galerien in Lienz (1981) und Salzburg (1983) eröffnete er 1990 in der Rue Debelleyme 7 in einem ehemaligen Gewerbebau im Marais als Startschuss einer internationalen Expansionsstrategie einen großen neuen Standort für internationale zeitgenössische Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Architektur===&lt;br /&gt;
[[Datei:62 Bernhard Leitner, Le Cylindre Sonore, Parc de la Villette, Paris, 1987 © Bernhard Leitner.jpg|thumb|||Bernhard Leitner, Le Cylindre Sonore, Parc de la Villette, Paris, 1987]]Die Präsenz österreichischer Architekt:innen in Paris kam nach 1945 nur langsam wieder in Schwung. Viele etablierte Baukünstler:innen waren nun mit dem Wiederaufbau in Österreich beschäftigt und einige Studierende bevorzugten Fulbright-Stipendien in den USA. So beschränkte sich die Präsenz der modernen und zeitgenössischen Architektur aus Österreich in Paris zunächst auf Ausstellungen. 1956 präsentierte das &#039;&#039;Musée pédagogique&#039;&#039; die Schau &#039;&#039;L’architecture autrichienne contemporaine&#039;&#039;, in der Wiederaufbau-Projekte zu sehen waren. 1962 gab es eine kleine Adolf Loos-Ausstellung im &#039;&#039;Maison des beaux-arts&#039;&#039;. In den 1960er Jahren nahm schließlich auch die Präsenz junger österreichischer Architekten in Frankreich zu, die dort in einem progressiven Umfeld studieren, in innovativen Ateliers arbeiten oder sich auf Ausstellungen präsentieren konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:63 Günther Domenig und Eilfried Huth, Neue Wohnformen Stadt Ragnitz, Projekt, Modell, 1969 © FRAC Centre-Val de Loire, Orléans, Philippe Magnon.jpg|200px|thumb|left||Günther Domenig und Eilfried Huth, Neue Wohnformen Stadt Ragnitz, Projekt, Modell, 1969]]Bernhard Leitner wuchs bis 1956 in Vorarlberg und Innsbruck auf, wo er das [[Institut français in Innsbruck|Institut français]] wahrnahm. Danach studierte er an der Technischen Hochschule in Wien. 1963–66 arbeitete er im interdisziplinären &#039;&#039;Atelier d’urbanisme et d’architecture&#039;&#039; (AUA) um Jacques Allégret und Jean Perrottet sowie im Büro von Paul Bossard. Später entwickelte er seine international bekannten Tonräume, darunter LE CYLINDRE SONORE im Parc de la Villette in Paris (1987).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1965 hatten die Grazer Architekten Günther Domenig und Eilfried Huth das Projekt &#039;&#039;Neue Wohnform Ragnitz&#039;&#039; entworfen. So bereicherten sie den internationalen Strukturalismus fünf Jahre nach Kenzo Tanges &#039;&#039;Tokyo Bay Plan&#039;&#039; um eines der am weitesten durchgearbeiteten Projekte flexibel ausbaubarer urbanistischer Systeme aus großen Primärkonstruktionen und eingefügten organoiden Raumzellen. Ein (verlorenes) großes Modell davon präsentierten Domenig und Huth erfolgreich 1969 in Cannes beim &#039;&#039;Grand prix d’urbanisme et d’architecture&#039;&#039; vor einer prominenten Jury, der unter anderen J.B. Bakema, Jürgen Joedicke, Louis Kahn, Jean Prouvé, Karl Schwanzer, Heikki Siren und Bruno Zevi angehörten. Ein Rekonstruktionsmodell davon wurde 2001 vom &#039;&#039;FRAC Centre&#039;&#039; in Orléans erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:64 Helmut Richter, Schule Kinkplatz, Wien, 1992-94 © Manfred Seidl.jpg|thumb||Helmut Richter, Schule Kinkplatz, Wien, 1992-94]] [[Datei:65 Dietmar Feichtinger, Passerelle Simon-de-Beauvoir, Paris-Bercy, 2004-06 © DF architectes.jpg||left|thumb||Dietmar Feichtinger, Passerelle Simon-de-Beauvoir, Paris-Bercy, 2004-06]]Ebenfalls aus Graz stammte der Architekt Helmut Richter. Er studierte Informationstheorie in Los Angeles, bevor er 1971 bis 1975 an der &#039;&#039;École nationale supérieure des beaux-arts&#039;&#039; lehrte. Von dort brachte er eine kühle und präzise Ingenieur-Ästhetik zurück, die er über seine Lehre an der Technischen Universität Wien in der zeitgenössischen Architektur Österreichs verankern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Studium an der TU Graz trat der junge Architekt Dietmar Feichtinger 1988 in das Pariser Büro von Philippe Chaix und Jean-Paul Morel ein, bevor er 1993 sein erfolgreiches eigenes Atelier gründete. Zu seinen bekanntesten Realisierungen in Frankreich zählen die Passerelle &#039;&#039;Simone de Beauvoir in Paris&#039;&#039; (2004–08), die Zugangsanlagen zum Pariser &#039;&#039;Eiffelturm&#039;&#039; (2014), ein &#039;&#039;Campus der Universität Aix-en-Provence&#039;&#039; (2015), die &#039;&#039;Brücke zum Mont Saint-Michel&#039;&#039; in der Normandie (2015) und die Veolia Headquarters in Aubervilliers (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:66 Coop Himmelb(l)au, Musée des Confluences, Lyon, 2001-14 © Coop Himmelb(l)au.jpeg|350px|thumb|Coop Himmelb(l)au, Musée des Confluences, Lyon, 2001-14]]Um 2000 wurden von österreichischen Architekten zwei große Museumsprojekte in Frankeich errichtet, die postmoderne und dekonstruktivistische Positionen exemplarisch realisierten. 1987 hatte das Pariser &#039;&#039;Centre Pompidou&#039;&#039; mit &#039;&#039;[[Hans Hollein]] – métaphores et métamorphoses&#039;&#039; eine erste große Architekturausstellung präsentiert und damit die Stellung der Postmoderne im französischen Architekturdiskurs gestärkt. 1994–97 errichtete Hollein nach einem gewonnenen internationalen Wettbewerb gemeinsam mit dem Atelier 4 aus Clermont-Ferrand das Museum &#039;&#039;Vulcania&#039;&#039; in Saint-Ours-Les-Roches in der Auvergne. 2001 fand schließlich der internationale Wettbewerb um das &#039;&#039;Musée des Confluences&#039;&#039; in Lyon statt, den Coop Himmelb(l)au mit dem Dekonstruktivismus-Pionier Wolf Prix für sich entscheiden konnte. 2014 wurde das Haus am Zusammenfluss von Rhône und Saône eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren wurde der austrofranzösischen Kulturaustausch weiter erleichtert. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 brachte die Reise- und Niederlassungsfreiheit. Die Mitgliedschaft beim Schengen-Abkommen 1997 führte zum Ende nationaler Grenzkontrollen. Diese Entwicklung förderte eine weitere starke Annäherung der Kulturräume Europas. Schließlich sorgten die Globalisierung und die Digitalisierung dafür, dass sich die Bedeutung des physischen Standorts für die Kunstproduktion deutlich relativierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur (Auswahl)==&lt;br /&gt;
*Koller, Gabriele, Withalm, Gloria: Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Zur Kulturpolitik des Nationalsozialismus, Ausstellungskatalog. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Tirol-Frankreich. Spurensicherung einer Begegnung, Ausstellungskatalog. Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1991.&lt;br /&gt;
*Stadler, Friedrich, Weibel, Peter (Hg.): Vertreibung der Vernunft. The Cultural Exodus from Austria. Wien-New York: Springer 1995.&lt;br /&gt;
*Angerer, Thomas, Porpaczy, Barbara (Hg.): „Ein Frühling, dem kein Sommer folgte“? Französisch-österreichische Kulturtransfers seit 1945. Wien: Böhlau 1999.&lt;br /&gt;
*Husslein-Arco, Agnes (Hg.): Wien-Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne, Ausstellungskatalog. Wien: Belvedere 2007.&lt;br /&gt;
*Poulot, Cécile: Adolf Loos: un architecte au carrefour de l’Europe (1870-1933). Paris : Hermann 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Matthias Boeckl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/12/2024 &lt;br /&gt;
{{otherWiki|Artistes_autrichiens_en_France_(XXe_siècle)}}&lt;/div&gt;</summary>
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&lt;div&gt;[[Datei:Wittgenstein.png||thumb|Ludwig Wittgenstein, 1930, Foto von Moriz Nähr]] Ludwig Wittgenstein (geboren am 26. April 1889 in Wien, gestorben am 29. April 1951 in Cambridge) ist in Frankreich erst spät entdeckt worden und wird erst in den sechziger-siebziger Jahren zum Gegenstand von Studien und Übersetzungen. Diese Rezeption entwickelt sich insbesondere durch die Arbeiten von [[Jacques Bouveresse]] und seinen Schülern, so dass Wittgenstein schließlich zu einer zentralen Figur der französischen Forschung im Bereich der Philosophie wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Die Rezeption von Ludwig Wittgenstein in Frankreich hat spät eingesetzt. Mit Ausnahme von Jean Cavaillès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-cavailles/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der bereits in den dreißiger Jahren den &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; liest, ein Werk, das er für eine der wesentlichen Inspirationsquellen des [[Wiener Kreis|Wiener Kreises]]&amp;lt;ref&amp;gt;Cavaillès 1936&amp;lt;/ref&amp;gt; hält, muss man bis Ende der fünfziger Jahre und auf die Veröffentlichungen von Arbeiten von Wittgenstein 1959 in den Zeitschriften &#039;&#039;Revue de métaphysique et de morale&#039;&#039; sowie &#039;&#039;Critique&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Hadot 2004&amp;lt;/ref&amp;gt; warten. Die erste Übersetzung des &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; sowie des Werks &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; (unter dem Titel &#039;&#039;Investigations philosophiques&#039;&#039;) durch Pierre Klossowski erscheint 1961 bei Gallimard. Diese Übersetzungen gelten allgemein als fehlerhaft und unvollständig, was zu späteren Neuübersetzungen führt: 1993 der &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; übersetzt von Gilles-Gaston Granger, Neuausgabe von Christiane Chauviré, Sabine Plaud und Sandra Laugier, Flammarion 2022, &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; 2004 unter dem Titel &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gilles-Gaston Granger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/granger-gilles-gaston-1920-2016/ &amp;lt;/ref&amp;gt; gehört zu den allerersten Forschern, die 1969 eine umfassende Präsentation von Wittgensteins Werk liefern, begleitet von einer Textauswahl&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im gleichen Jahr organisiert er ein Kolloquium in Aix-en-Provence: &#039;&#039;Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science&#039;&#039; (&#039;&#039;Wittgenstein und das Problem einer Philosophie der Wissenschaft&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1970&amp;lt;/ref&amp;gt;). Außer Granger sind u.a. folgende Beiträger zu nennen: Jules Vuillemin&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jules-vuillemin/ &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Remarques sur 4.442 du Tractatus », „Bemerkungen zu 4.4412 des Tractatus“), Jean-Claude Pariente&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archicubes.ens.fr/lassociation/m%C3%A9moire-normalienne/notices/pariente-jean-claude-1950-l &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Bergson et Wittgenstein », „Bergson und Wittgenstein“), sowie [[Jacques Bouveresse]] (« La notion de ‘grammaire’ chez le second Wittgenstein », „Der Begriff ‚Grammatik‘ beim zweiten Wittgenstein“, wiederaufgenommen unter dem Titel « La compétence, l’usage et l’usage de la compétence », „Die Kompetenz, der Gebrauch und der Gebrauch der Kompetenz“&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1971&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jacques Bouveresse]] (1940–2022), der den Namen Wittgenstein zum ersten Mal 1961 in einer Vorlesung von Jules Vuillemin an der École normale supérieure gehört hat&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1998, 80&amp;lt;/ref&amp;gt;, wird fortan eine bedeutende Rolle als Vermittler von Wittgensteins Werk in Frankreich spielen. Zwischen 1971 und 2022 hat Jacques Bouveresse wesentlich dazu beigetragen, Wittgenstein zu einer zentralen Referenz in der französischen Philosophie Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts zu machen. Meilensteine sind dabei folgende Publikationen: Das Erscheinen von &#039;&#039;La Parole malheureuse&#039;&#039; (1971), „Das unglückliche Wort“, dann 1975 seine Habilitationsschrift &#039;&#039;Le mythe de l’intériorité&#039;&#039; (1976), „Der Mythos der Innerlichkeit“, eine über siebenhundert Seiten lange Publikation, die in der deutschsprachigen und anglophonen Sekundärliteratur nicht ihresgleichen kennt, und schließlich das posthume Werk L&#039;&#039;es vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ?&#039;&#039;, „Sprachwellen. Wittgensteins ,Paradoxon‘ oder wie kann man eine Regel befolgen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist insbesondere Bouveresse zu verdanken, dass Wittgensteins zweite Werkphase in Frankreich bekannt wurde, d.h. Wittgensteins Arbeiten seit dem „grammatical turn“, der „grammatikalischen Wende“ der &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039; – ein Wittgenstein, dem er nähersteht als dem ersten Wittgenstein, dem des &#039;&#039;Tractatus&#039;&#039;, obgleich seine Interpretation wohl stärker als die anderer Interpreten die Kontinuität betont. Allgemein gesehen analysieren die Wittgenstein gewidmeten Arbeiten von Bouveresse alle wesentlichen Themen, sei es die Frage der Bedeutung und der Möglichkeit einer Privatsprache, sei es zu wissen, was es bedeutet, eine „Regel zu befolgen“, die Frage des Sinns und des Unsinns, des Antiplatonismus in Wittgensteins Philosophie der Mathematik oder seine Behandlung von ethischen, religiösen und ästhetischen Fragen. Weit davon entfernt nur ein Spezialist der Philosophiegeschichte oder Kommentator zu sein, entwickelt Bouveresse vielmehr, sozusagen in Wittgensteins Gesellschaft, eine eigenständige Reflexion über die Sprache, die den „Mythos der Bedeutung“ zurückweist, einen Realismus ohne Metaphysik praktiziert, und eine Kritik der Philosophie, deren „unglückliches Wort“ (&#039;&#039;La Parole malheureuse&#039;&#039;), um den Titel seiner ersten Veröffentlichung aufzugreifen, außerstande ist, etwas zu sagen und auch nicht sagen kann, was es zu sagen vermeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den siebziger Jahren stellt Bouveresse Wittgensteins Werk Pierre Bourdieu vor, der 1977 in seiner Zeitschrift &#039;&#039;Actes de la recherche en sciences sociales&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;16,‎ 1977, 35-42&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Übersetzung von &#039;&#039;Remarques sur &#039;&#039;Le Rameau d’or&#039;&#039; de Frazer&#039;&#039; / „Bemerkungen über &#039;&#039;The Golden Bough&#039;&#039; von Frazer“ veröffentlicht. Bourdieu vertritt die Meinung, dass „Wittgenstein wohl der Philosoph ist, der ihm in schwierigen Momenten am meisten nützlich war&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 1987, 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Und einer seiner letzten Beiträge ist sein Vortrag auf dem am Collège de France organisierten Kolloquium „Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale“, „Wittgenstein, Soziologismus und Sozialwissenschaft“, 14.-16. Mai 2001&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jacques Bouveresse hat zur französischen Rezeption Wittgensteins auch durch seinen Unterricht an der Sorbonne, dann am Collège de France beigetragen, wo er eine ganze Generation von Forschern ausgebildet und begleitet hat, insbesondere Christiane Chauviré und Sandra Laugier, welche bis heute die Wittgenstein-Studien fortgeführt, bereichert und erneuert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Tractatus logico-philosophicus, trad. Pierre Klossowski. Paris : Gallimard 1961 ; trad. Gilles Gaston-Granger. Paris : Gallimard 1993 ; trad. Christiane Chauviré et Sabine Plaud. Paris : Flammarion 2022.&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Recherches philosophiques, trad. Françoise Dastur, Maurice Élie, Jean-Luc Gautero, Dominique Janicaud, Elisabeth Rigal. Paris : Gallimard 2004. &lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : Choses dites. Paris : Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : « Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale ». In : Pierre Bourdieu, Jacques Bouveresse et alii : Wittgenstein : Dernières pensées. Marseille : Agone 2002.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Parole malheureuse. Paris : Minuit 1971.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Wittgenstein : la rime et la raison. Science, éthique et esthétique. Paris : Éditions de Minuit 1973. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Mythe de l’intériorité. Expérience, signification et langage privé chez Wittgenstein. Paris : Éditions de Minuit 1976. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Force de la règle. Wittgenstein et l’invention de la nécessité. Paris : Éditions de Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Philosophe et le réel. Entretiens avec Jean-Jacques Rosat. Paris : Hachette-Littératures 1998.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Les vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ? Paris : Seuil 2022.&lt;br /&gt;
*Cavaillès, Jean : « L’École de Vienne au Congrès de Prague ». In : Revue de Métaphysique et de morale vol. 42 (1) (1936), p. 137–149.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Voir le visible. La seconde philosophie de Wittgenstein. Paris : PUF 2003.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Wittgenstein en héritage. Paris : Kimé 2010.&lt;br /&gt;
*Gillot, Pascale et Marrou, Élise (dir.) : Wittgenstein en France. Paris : Kimé 2022.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston : Wittgenstein. Paris : Seghers 1969.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston (dir.) : Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science. Paris : Éditions du CNRS 1970.&lt;br /&gt;
*Hadot, Pierre : Wittgenstein et les limites du langage. Paris : Vrin 2004.&lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Du réel à l’ordinaire. Paris : Vrin 1999. &lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Wittgenstein. Les sens de l’usage. Paris : Vrin 2009. &lt;br /&gt;
*Sebestik, Jan et Soulez, Antonia : Wittgenstein et la philosophie d’aujourd’hui. Paris : L’Harmattan 2001.&lt;br /&gt;
*Soulez, Antonia : Wittgenstein et le tournant grammatical. Paris : PUF 2003. &lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Christian Bonnet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 21/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Ludwig_Wittgenstein}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Ludwig Wittgenstein</title>
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		<updated>2025-03-21T10:15:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Wittgenstein.png||thumb|Ludwig Wittgenstein, 1930, Foto von Moriz Nähr]] Ludwig Wittgenstein (geboren am 26. April 1889 in Wien, gestorben am 29. April 1951 in Cambridge) ist in Frankreich erst spät entdeckt worden und wird erst in den sechziger-siebziger Jahren zum Gegenstand von Studien und Übersetzungen. Diese Rezeption entwickelt sich insbesondere durch die Arbeiten von [[Jacques Bouveresse]] und seinen Schülern, so dass Wittgenstein schließlich zu einer zentralen Figur der französischen Forschung im Bereich der Philosophie wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Die Rezeption von Ludwig Wittgenstein in Frankreich hat spät eingesetzt. Mit Ausnahme von Jean Cavaillès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jean-cavailles/&amp;lt;/ref&amp;gt;, der bereits in den dreißiger Jahren den &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; liest, ein Werk, das er für eine der wesentlichen Inspirationsquellen des [[Wiener Kreis|Wiener Kreises]]&amp;lt;ref&amp;gt;Cavaillès 1936&amp;lt;/ref&amp;gt; hält, muss man bis Ende der fünfziger Jahre und auf die Veröffentlichungen von Arbeiten von Wittgenstein 1959 in den Zeitschriften &#039;&#039;Revue de métaphysique et de morale&#039;&#039; sowie &#039;&#039;Critique&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Hadot 2004&amp;lt;/ref&amp;gt; warten. Die erste Übersetzung des &#039;&#039;Tractatus logico-philosophicus&#039;&#039; sowie des Werks &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; (unter dem Titel &#039;&#039;Investigations philosophiques&#039;&#039;) durch Pierre Klossowski erscheint 1961 bei Gallimard. Diese Übersetzungen gelten allgemein als fehlerhaft und unvollständig, was zu späteren Neuübersetzungen führt: 1993 der Tractatus logico-philosophicus übersetzt von Gilles-Gaston Granger, Neuausgabe von Christiane Chauviré, Sabine Plaud und Sandra Laugier, Flammarion 2022, &#039;&#039;Philosophische Untersuchungen&#039;&#039; 2004 unter dem Titel Recherches philosophiques.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gilles-Gaston Granger&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/granger-gilles-gaston-1920-2016/ &amp;lt;/ref&amp;gt; gehört zu den allerersten Forschern, die 1969 eine umfassende Präsentation von Wittgensteins Werk liefern, begleitet von einer Textauswahl&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1969&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im gleichen Jahr organisiert er ein Kolloquium in Aix-en-Provence: &#039;&#039;Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science&#039;&#039; &#039;&#039;(Wittgenstein und das Problem einer Philosophie der Wissenschaft&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Granger 1970&amp;lt;/ref&amp;gt;. Außer Granger sind u.a. folgende Beiträger zu nennen: Jules Vuillemin&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/encyclopedie/jules-vuillemin/ &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Remarques sur 4.442 du Tractatus », „Bemerkungen zu 4.4412 des Tractatus“), Jean-Claude Pariente&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archicubes.ens.fr/lassociation/m%C3%A9moire-normalienne/notices/pariente-jean-claude-1950-l &amp;lt;/ref&amp;gt; (« Bergson et Wittgenstein », „Bergson und Wittgenstein“), sowie [[Jacques Bouveresse]] (« La notion de ‘grammaire’ chez le second Wittgenstein », „Der Begriff ‚Grammatik‘ beim zweiten Wittgenstein“, wiederaufgenommen unter dem Titel « La compétence, l’usage et l’usage de la compétence », „Die Kompetenz, der Gebrauch und der Gebrauch der Kompetenz“&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1971&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jacques Bouveresse]] (1940–2022), der den Namen Wittgenstein zum ersten Mal 1961 in einer Vorlesung von Jules Vuillemin an der École normale supérieure gehört hat&amp;lt;ref&amp;gt;Bouveresse 1998, 80&amp;lt;/ref&amp;gt;, wird fortan eine bedeutende Rolle als Vermittler von Wittgensteins Werk in Frankreich spielen. Zwischen 1971 und 2022 hat Jacques Bouveresse wesentlich dazu beigetragen, Wittgenstein zu einer zentralen Referenz in der französischen Philosophie Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts zu machen. Meilensteine sind dabei folgende Publikationen: Das Erscheinen von La Parole malheureuse (1971), „Das unglückliche Wort“, dann 1975 seine Habilitationsschrift Le mythe de l’intériorité (1976), „Der Mythos der Innerlichkeit“, eine über siebenhundert Seiten lange Publikation, die in der deutschsprachigen und anglophonen Sekundärliteratur nicht ihresgleichen kennt, und schließlich das posthume Werk Les vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ?, „Sprachwellen. Wittgensteins ,Paradoxon‘ oder wie kann man eine Regel befolgen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist insbesondere Bouveresse zu verdanken, dass Wittgensteins zweite Werkphase in Frankreich bekannt wurde, d.h. Wittgensteins Arbeiten seit dem „grammatical turn“, der „grammatikalischen Wende“ der &#039;&#039;Recherches philosophiques&#039;&#039; – ein Wittgenstein, dem er nähersteht als dem ersten Wittgenstein, dem des &#039;&#039;Tractatus&#039;&#039;, obgleich seine Interpretation wohl stärker als die anderer Interpreten die Kontinuität betont. Allgemein gesehen analysieren die Wittgenstein gewidmeten Arbeiten von Bouveresse alle wesentlichen Themen, sei es die Frage der Bedeutung und der Möglichkeit einer Privatsprache, sei es zu wissen, was es bedeutet, eine „Regel zu befolgen“, die Frage des Sinns und des Unsinns, des Antiplatonismus in Wittgensteins Philosophie der Mathematik oder seine Behandlung von ethischen, religiösen und ästhetischen Fragen. Weit davon entfernt nur ein Spezialist der Philosophiegeschichte oder Kommentator zu sein, entwickelt Bouveresse vielmehr, sozusagen in Wittgensteins Gesellschaft, eine eigenständige Reflexion über die Sprache, die den „Mythos der Bedeutung“ zurückweist, einen Realismus ohne Metaphysik praktiziert, und eine Kritik der Philosophie, deren „unglückliches Wort“ (la parole malheureuse), um den Titel seiner ersten Veröffentlichung aufzugreifen, außerstande ist, etwas zu sagen und auch nicht sagen kann, was es zu sagen vermeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den siebziger Jahren stellt Bouveresse Wittgensteins Werk Pierre Bourdieu vor, der 1977 in seiner Zeitschrift Actes de la recherche en sciences sociales&amp;lt;ref&amp;gt;16,‎ 1977, 35-42&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Übersetzung von &#039;&#039;Remarques sur &#039;&#039;Le Rameau d’or&#039;&#039; de Frazer&#039;&#039; / „Bemerkungen über &#039;&#039;The Golden Bough&#039;&#039; von Frazer“ veröffentlicht. Bourdieu vertritt die Meinung, dass „Wittgenstein wohl der Philosoph ist, der ihm in schwierigen Momenten am meisten nützlich war&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 1987, 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Und einer seiner letzten Beiträge ist sein Vortrag auf dem am Collège de France organisierten Kolloquium „Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale“, „Wittgenstein, Soziologismus und Sozialwissenschaft“, 14.-16. Mai 2001&amp;lt;ref&amp;gt;Bourdieu 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jacques Bouveresse hat zur französischen Rezeption Wittgensteins auch durch seinen Unterricht an der Sorbonne, dann am Collège de France beigetragen, wo er eine ganze Generation von Forschern ausgebildet und begleitet hat, insbesondere Christiane Chauviré und Sandra Laugier, welche bis heute die Wittgenstein-Studien fortgeführt, bereichert und erneuert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Tractatus logico-philosophicus, trad. Pierre Klossowski. Paris : Gallimard 1961 ; trad. Gilles Gaston-Granger. Paris : Gallimard 1993 ; trad. Christiane Chauviré et Sabine Plaud. Paris : Flammarion 2022.&lt;br /&gt;
*Wittgenstein, Ludwig : Recherches philosophiques, trad. Françoise Dastur, Maurice Élie, Jean-Luc Gautero, Dominique Janicaud, Elisabeth Rigal. Paris : Gallimard 2004. &lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : Choses dites. Paris : Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bourdieu, Pierre : « Wittgenstein, le sociologisme et la science sociale ». In : Pierre Bourdieu, Jacques Bouveresse et alii : Wittgenstein : Dernières pensées. Marseille : Agone 2002.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Parole malheureuse. Paris : Minuit 1971.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Wittgenstein : la rime et la raison. Science, éthique et esthétique. Paris : Éditions de Minuit 1973. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Mythe de l’intériorité. Expérience, signification et langage privé chez Wittgenstein. Paris : Éditions de Minuit 1976. &lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : La Force de la règle. Wittgenstein et l’invention de la nécessité. Paris : Éditions de Minuit 1987.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Le Philosophe et le réel. Entretiens avec Jean-Jacques Rosat. Paris : Hachette-Littératures 1998.&lt;br /&gt;
*Bouveresse, Jacques : Les vagues du langage. Le « paradoxe » de Wittgenstein ou comment peut-on suivre une règle ? Paris : Seuil 2022.&lt;br /&gt;
*Cavaillès, Jean : « L’École de Vienne au Congrès de Prague ». In : Revue de Métaphysique et de morale vol. 42 (1) (1936), p. 137–149.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Voir le visible. La seconde philosophie de Wittgenstein. Paris : PUF 2003.&lt;br /&gt;
*Chauviré, Christiane : Wittgenstein en héritage. Paris : Kimé 2010.&lt;br /&gt;
*Gillot, Pascale et Marrou, Élise (dir.) : Wittgenstein en France. Paris : Kimé 2022.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston : Wittgenstein. Paris : Seghers 1969.&lt;br /&gt;
*Granger, Gilles-Gaston (dir.) : Wittgenstein et le problème d’une philosophie de la science. Paris : Éditions du CNRS 1970.&lt;br /&gt;
*Hadot, Pierre : Wittgenstein et les limites du langage. Paris : Vrin 2004.&lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Du réel à l’ordinaire. Paris : Vrin 1999. &lt;br /&gt;
*Laugier, Sandra : Wittgenstein. Les sens de l’usage. Paris : Vrin 2009. &lt;br /&gt;
*Sebestik, Jan et Soulez, Antonia : Wittgenstein et la philosophie d’aujourd’hui. Paris : L’Harmattan 2001.&lt;br /&gt;
*Soulez, Antonia : Wittgenstein et le tournant grammatical. Paris : PUF 2003. &lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Christian Bonnet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 21/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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		<updated>2025-03-21T10:04:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Ludwig Wittgenstein, photographié en 1930 par Moriz Nähr (1859-1945) © ÖNB http://data.onb.ac.at/rec/baa1557521&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Ludwig Wittgenstein, photographié en 1930 par Moriz Nähr (1859-1945) © ÖNB http://data.onb.ac.at/rec/baa1557521&lt;/div&gt;</summary>
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		<updated>2025-03-21T10:03:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Bernard_Banoun im französischsprachigen Wiki.]  {{otherWiki|Bernard_Banoun}}“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Bernard_Banoun im französischsprachigen Wiki.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<updated>2025-03-21T10:02:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Adrienne_Thomas im französischsprachigen Wiki.]  {{otherWiki|Adrienne_Thomas}}“&lt;/p&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Austriaca im französischsprachigen Wiki.]  {{otherWiki|Austriaca}}“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Austriaca im französischsprachigen Wiki.]&lt;br /&gt;
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		<title>Die französiche Besetzung von Wien 1805/1806 und 1809</title>
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		<updated>2025-03-17T14:20:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* 1805/1806 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Während der Zeit der Napoleonischen Kriege besetzten französische Truppen zweimal, in den Jahren 1805 und 1809, die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt Wien. [[Napoleon]] schlug dabei sein Quartier im Schloss Schönbrunn auf, das auch Schauplatz eines misslungenen Anschlages auf sein Leben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1805/1806==&lt;br /&gt;
Der Beitritt Österreichs zum englisch-russisch-schwedischen Bündnis gegen Frankreich im Rahmen des Dritten Koalitionskrieges am 9. August 1805 veranlasste Frankreich, der Habsburgermonarchie am 23. September den Krieg zu erklären. Am 20. Oktober wurde die kaiserliche Armee unter Feldmarschallleutnant Karl Mack von Leiberich&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/mack-von-leiberich&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Ulm zur Kapitulation und zum Rückzug entlang der Donau gezwungen, dicht gefolgt von den Franzosen. Da die aus Italien und Tirol zurückbeorderten kaiserlichen Truppen zu spät kamen, um Napoleon am Vorstoß über Linz nach Wien zu hindern, begann sich die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt, auf eine Besetzung vorzubereiten. Kaiser Franz II. (I.)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_II._(I.)&amp;lt;/ref&amp;gt; (nach der Annahme des Titels eines erblichen Kaisers von Österreich 1804 und der Niederlegung der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 regierte Franz als Kaiser Franz I. von Österreich) verließ die Stadt gemeinsam mit seiner Familie und zahlreichen Adeligen in Richtung Ungarn, um sich vor den herannahenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:2 Wien Museum Online Sammlung 1428 1-2.jpg|Johann Andreas Ziegler, Einzug der Franzosen in Wien am 13. November 1805&lt;br /&gt;
Datei:3 Wien Museum Online Sammlung 32723.jpg|Unbekannt, Entrée Triomphale de la Grande Armée Française ..., 1805&lt;br /&gt;
Datei:1 François PigeotK.jpg|François Pigeot, Einzug der französischen Truppen in Wien am 14. November 1805&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Wien Museum Online Sammlung 30293 1-2.jpg|left|thumb|Unbekannt, Die Franzosen in Wien 1805: Die Besetzung der Taborbrücke, 1805]]Nach kleineren Gefechten auf dem Vormarsch erreichten die ersten französischen Truppen unter Marschall Joachim Murat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz37268.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits am 12. November die Vororte Wiens und besetzten die Stadt am folgenden Tag, ohne auf Gegenwehr zu stoßen, nachdem sie sich unter Vortäuschung eines Waffenstillstandes kampflos der Taborbrücke bemächtigt hatten. Die Feindseligkeit der Wiener Bevölkerung schlug spontan in Neugier – bisweilen sogar in Sympathie – um; tausende Wiener wohnten dem Einzug der Franzosen bei und bildeten ein dichtes Spalier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon traf am 14. November in Wien ein und begab sich nach Schloss Schönbrunn, um dort für kurze Zeit Quartier zu beziehen. Dort empfing er auch eine aus Vertretern der Stände und des Wiener Magistrats unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stephan_von_Wohlleben&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammengesetzte Delegation.&lt;br /&gt;
[[Datei:5 Wien Museum Online Sammlung 87186.jpg|thumb|Pierre Adrien Le Beau (Kupferstecher), Thomas Charles Naudet (Zeichner), Prise de Vienne par la Grande Armée Française sous le Commandement de Napoléon ... (mit Stephansdom), 1805]]General Henry Jacques Clarke&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116530278&amp;lt;/ref&amp;gt;, der spätere Kriegsminister – er residierte in der Wiener Hofburg –, wurde zum Generalgouverneur Österreichs proklamiert, General Pierre Augustin Hulin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1032277858&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Stadtkommandanten von Wien. Im Wiener Rathaus wurden das Verpflegsdepartement der französischen Armee und das Kriegsdepartement der bewaffneten Bürgermiliz untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar schlug die Stimmung innerhalb der Wiener Bevölkerung aufgrund der Belastungen durch die Einquartierungen, Requisitionen (vor allem von Lebensmitteln) und Kontributionen bald in Ablehnung um, aber im Großen und Ganzen verlief das Zusammenleben der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht weitgehend friedlich; Exzesse vonseiten der französischen Soldaten wurden hart bestraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon beließ sowohl die von Kaiser Franz eingesetzte Hofkommission unter dem Grafen Rudolf von Wrbna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolf_von_Wrbna&amp;lt;/ref&amp;gt; als auch die Wiener Bürgermiliz – ein 10.000 Mann starkes bewaffnetes Korps –, die nach dem Abmarsch der Franzosen Richtung Austerlitz den Ordnungsdienst übernahm. Die in Wien verbliebenen Gelder der Stadtkasse, der Bankozettel-Hauptkasse und der kaiserlichen Kassen sowie die Bestände des Kaiserlichen Zeughauses, vor allem die Artillerie, wurden von den Franzosen ebenso requiriert wie 150.000 Paar Schuhe, 6.000 Sättel, Verbandsmaterial sowie Pulver- und Munitionsvorräte, die Richtung Norden abtransportiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6 Empire-Dekorationsteller.jpg|left|250px|thumb|Übergabe der Schlüssel der Stadt Wien an Napoleon I. im Jahr 1805]]In der (Drei-Kaiser-)Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember feierte Napoleon einen entscheidenden Sieg über die verbündeten Russen und Österreicher und zwang die Russen zum sofortigen Abzug. Die Verletzten beider Seiten wurden nach dem Ende der Schlacht nach Wien gebracht, wo sie – egal ob Freund oder Feind – von österreichischen und französischen Ärzten behandelt und mit Verbandsmaterial, das von der Wiener Bevölkerung in großer Zahl abgegeben wurde, versorgt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon selbst bezog während der Friedensverhandlungen von 12. bis 27. Dezember erneut Quartier in Schönbrunn und schloss dort am 15. Dezember 1805 einen „Freundschaftsvertrag“ mit dem neutral gebliebenen Preußen (vertreten durch den preußischen Diplomaten Christian Haugwitz), das nun außenpolitisch isoliert war; dieser wurde mit einem Konzert im Schlosstheater gebührend gefeiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthaltes in Wien hielt er in Anwesenheit zahlreicher schaulustiger Wiener eine Musterung der Division St. Hilaire sowie diverse Paraden und Revuen in Schönbrunn ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zwischen Franz II. und Napoleon geschlossenen Frieden von Pressburg, der zu großen Gebietsverlusten Österreichs (u.a. Tirol und Vorarlberg an Bayern, italienische Gebiete an das Königreich Italien) führte, wurde der Dritte Koalitionskrieg beendet. Napoleon verabschiedete sich am 28. Dezember mit einer Proklamation an die Wiener, am 13. Jänner 1806 verließen die französischen Truppen Wien. Kaiser Franz kehrte am 16. Jänner nach Wien zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1809==&lt;br /&gt;
[[Datei:7 Wien Museum Online Sammlung 32471.jpg|thumb|Benedikt Piringer (Kupferstecher), Beschießung Wiens durch die Franzosen in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1809, 1809]]Im Jahr 1809 versuchte Österreich (gemeinsam mit Großbritannien, dessen Truppen die Franzosen auf der Iberischen Halbinsel bekämpften), in einem neuerlichen Krieg (Fünfter Koalitionskrieg) die französische Hegemonie durch Entfachung einer „nationalen Erhebung“ in den deutschsprachigen Gebieten zu beenden. Damit verbunden war auch die Aufstellung einer „Landwehr“, eine Art „Volksbewaffnung“ nach französischem Vorbild, die in die militärischen Planungen miteinbezogen werden sollte. Darunter befanden sich auch sechs Bataillone der Wiener Landwehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10 Andrieu Medaille RS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Avers)]][[Datei:11 Andrieu Medaille VS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Revers)]]Vor allem der Minister des Äußeren Johann Philipp Graf Stadion&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Philipp_Karl_Stadion_von_Warthausen&amp;lt;/ref&amp;gt; beabsichtigte, den Krieg als einen „Vergeltungskrieg“ hochzustilisieren, und setzte eine Reihe von Initiativen, die den Patriotismus der Österreicher entfachen sollte; vor allem die Bewohner Wiens wurden von einer Welle patriotischer Begeisterung erfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das am 27. März 1809 publizierte „Österreichische Kriegsmanifest“, in dem die deutschen Staaten zum Befreiungskrieg gegen Frankreich aufgerufen wurden, fand allerdings keine Resonanz; Österreich blieb nur der Alleingang. Am 9. April erklärte die Habsburgermonarchie Frankreich den Krieg und begann umgehend mit dem Vormarsch nach Bayern, der allerdings langsam und schleppend verlief. Es fiel Napoleon daher nicht schwer, die Initiative an sich zu reißen und mit lokalen Schwergewichten und raschen Vorstößen die österreichische Hauptarmee bei Regensburg zu zersprengen. Die österreichischen Truppen gerieten nach heftigen Gefechten mit hohen Verlusten in die Defensive. Auf dem Rückzug fügten die Österreicher den Franzosen zwar bei Ebelsberg am 3. Mai erhebliche Verluste zu, wobei sich Wiener Freiwilligenbataillone unter Oberstleutnant Küffel durch besondere Tapferkeit auszeichneten, doch konnten sie deren Vormarsch nach Wien nicht aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20 Wien Museum Online Sammlung 212893 1-2.jpg|thumb|Emil Hütter, Das Burgtor nach der Sprengung durch die Franzosen 1809, 1809]]Wien bereitete sich daher neuerlich auf eine Besetzung vor. Diesmal hatte allerdings der zum Stadtkommandanten ernannte Erzherzog Maximilian d’Este&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_6/168.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; im Namen des Kaisers den überraschenden Befehl ausgegeben, die Stadt Wien zu verteidigen. Aufgrund der Zeitknappheit wurde nur der Hauptwall in Verteidigungszustand versetzt, Geschütze auf den Basteien in Stellung gebracht und wichtige Donaubrücken abgerissen. Die kaiserliche Familie floh gemeinsam mit der Staatsspitze erneut aus der Stadt; große Teile der kaiserlichen Sammlungen, Archive und Staatskassen wurden wie schon 1805 mit Schiffen nach Ungarn verbracht. Während der Wiener Magistrat unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben und die niederösterreichischen Stände sich gegen eine Verteidigung der Stadt aussprachen und auf offenkundige Versäumnisse hinwiesen, etwa in Bezug auf die (mangelnde) Versorgung Wiens mit Lebensmitteln, rüsteten sich die Wiener mit Hamsterkäufen für eine potenzielle länger andauernde Belagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gefecht bei Ebelsberg näherten sich die französischen Truppen rasch der Stadt Wien und standen am 8. Mai bereits vor deren Toren. In der Stadt befanden sich 16.000 verteidigungsbereite Mann – Linientruppen, Landwehr, Bürgermiliz – sowie 1.000 Studenten, einer davon war der Schriftsteller [[Franz Grillparzer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem eine Kapitulationsaufforderung der Franzosen abgelehnt und der im Auftrag von Marschall Lannes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jean_Lannes&amp;lt;/ref&amp;gt; als Parlamentär vor das Burgtor geschickte Stabsoffizier Lagrange von ungarischen Husaren verwundet und gefangen genommen worden war, kam es in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai zur Beschießung der Stadt mit französischen Feldgeschützen von den kaiserlichen Stallungen (heute Museumsquartier, 7. Wiener Gemeindebezirk) aus. 20 Tote und 100 Verletzte waren die Folge. Einige Palais und Häuser gingen in Flammen auf, da man es verabsäumt hatte, brennbares Material von den Dachböden zu entfernen. Der Stephansdom und die Marienstatue am Platz Am Hof wurden durch Granatsplitter beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:16 Wien Museum Online Sammlung 33326.jpg|P. Gross &amp;amp; Jakob Gauermann, Les Habitans de Vienne distribuent des secours aux blessés Français qui reviennent par la Land-Strasse, 1809 – 1823&lt;br /&gt;
Datei:17_Wien_Museum_Online_Sammlung_31715_1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Billet de lit a l&#039;Hospital Militaire de Vienne&amp;quot; (für) Antonio Viela, 1809&lt;br /&gt;
Datei:18 Wien Museum Online Sammlung 45855 1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Verwundete Franzosen bei der Menage ...&amp;quot;, 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als französische Truppen die Stadt umgingen, die Praterauen besetzten und in die Leopoldstadt (heute 2. Wiener Gemeindebezirk) vordrangen, begann Erzherzog Maximilian, nachdem man seiner eindringlichen Bitte um Verstärkung nicht nachgekommen war, aus Furcht davor, abgeschnitten zu werden, am frühen Morgen des 12. mit seinen Soldaten mit dem Rückzug auf die linke Seite der Donau und brannte die Taborbrücke hinter sich ab. Das Stadtkommando übernahm nun General Andreas Graf O’Reilly&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11773&amp;amp;page=90&amp;amp;scale=3.33&amp;amp;viewmode=fullscreen&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon war in der Zwischenzeit am 10. Mai in Wien angekommen und hatte wie schon 1805 im Schloss Schönbrunn Quartier bezogen. Am 12. begab sich eine Delegation aus Wiener Honoratioren, unter ihnen Bürgermeister Stephan Edler von Wohlleben und Fürsterzbischof Sigismund Anton von Hohenwart&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/hohenwart&amp;lt;/ref&amp;gt;, und Vertretern der niederösterreichischen Stände zu Napoleon, um mit ihm die Bedingungen für die Übergabe der Stadt auszuhandeln. Noch in der folgenden Nacht wurde die Kapitulation unterzeichnet, und zum zweiten Mal nach 1805 zogen am Morgen des 13. Mai französische Truppen in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der niederösterreichischen Regierung unter ihrem Präsidenten Ferdinand Ernst Graf von Bissingen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/88.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden sofort nach dem Einmarsch sämtliche Kompetenzen entzogen. Die in Wien verbliebenen Polizeibeamten sollten weiterhin Polizeiaufgaben wahrnehmen und die Bürgermiliz den Ordnungsdienst versehen und beruhigend auf das Volk einwirken, unterstanden aber der französischen Besatzung und waren auf deren Wohlwollen und Anordnungen angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
General Antoine-François Andréossy&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116309784&amp;lt;/ref&amp;gt;, der von Napoleon zum Generalgouverneur von Wien und Niederösterreich ernannt worden war, befahl die Entwaffnung und Gefangennahme der restlichen österreichischen Besatzung – viele Soldaten waren zuvor mit Zivilkleidern versorgt worden und konnten sich so der Gefangenschaft entziehen – und die Einquartierung der französischen Truppen (Stand am 22. Juli: 42.588 Mann und 9.310 Pferde). Die französische Generalität wurde in den Wiener Adelspalais oder in der Hofburg untergebracht. Die „standesgemäße“ Einquartierung und die Versorgung der Franzosen führten wie schon 1805 angesichts des allgemeinen Mangels an Lebensmitteln und einer damit verbundenen großen Preissteigerung häufig zu Konflikten zwischen Besatzern und der Bevölkerung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:8 Wien Museum Online Sammlung 58757 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten nach Mariahilf, ausgestellt am 22. Juli 1809&lt;br /&gt;
Datei:9 Wien Museum Online Sammlung 53191 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten in die Vorstadt Wieden, ausgestellt am 1. August 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der zahlreichen Klagen über die übertriebenen Forderungen der Franzosen wurde am 19. Juni eine Kundmachung mit der Anordnung des französischen Platz- und Stadtkommandanten Auguste François Mériage (Marriage)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archives18.fr/espace-culturel-et-pedagogique/expositions-virtuelles/xixe-siecle/1814-1827--a-madame-la-baronne-de-meriage-au-chateau-de-la-maisonfort-pres-vierzon&amp;lt;/ref&amp;gt; betreffend die Verpflegung der einquartierten Truppen veröffentlicht. So erging etwa in der Folge an alle Wiener Bäcker der Befehl, täglich 200 Laib Brot für die Besatzungstruppen zu backen, was diese vor eine enorme Herausforderung stellte und zur Vernachlässigung und mangelnden Versorgung der Wiener Bevölkerung führte. Nach Gewichts- und Qualitätseinbußen kam es bald zu einem regelrechten Mehl- und Brotmangel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die durch den Mangel an Lebensmitteln hervorgerufenen Preistreibereien zu unterbinden, wurden die Preise für Grundnahrungsmittel, Bier, Kerzen und Seifen amtlich festgelegt. Dennoch blühte bald, vor allem aber im Sommer, der Schwarzhandel auf dem Stephansplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach dem Einmarsch requirierten französische Kommissäre die städtische Oberkammeramtskassa mit 500.000 Gulden Konventionsmünze und – vermutlich aufgrund einer Denunziation – vier Millionen Gulden (andere Quellen sprechen von zwei bis 14 Millionen) in Bankozetteln, die im Rathaus verwahrt worden waren, ebenso wie die Kassa des Hofkriegsrates mit fünf Millionen Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das französische Oberkommando damit beschäftigt war, sich einen Übergang über die Donau zu erkämpfen, nachdem die Österreicher bei ihrem Rückzug die Brücken über die Donau zerstört hatten, kehrte wenige Tage nach der Kapitulation bereits wieder der Alltag in Wien ein. In den Wiener Theatern wurde wieder gespielt, die Gasthäuser, Cafés und Tanzlokale waren gut besucht – die Cafébetreiber und Gastwirte hatten allerdings dafür zu sorgen, dass von den Gästen keine franzosenfeindlichen Äußerungen kamen. Im Juni wurde vom Franzosen Chretien auf der Burgbastei sogar ein französisches Restaurant eröffnet, das regen Zuspruch unter den Wienern fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 16. Mai empfing der Komponist [[Joseph Haydn]] als letzten Gast vor seinem Tod am 31. Mai in seinem Haus, das Napoleon unter Schutz gestellt hatte, den französischen Husarenhauptmann Clément Soulémy, der ihm eine Arie aus der „Schöpfung“ vorsang. Bei der Trauerfeier zu seinem Gedenken am 15. Juni fanden sich abgesehen von den tausenden Schaulustigen auch prominente französische Besucher wie der Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118727834&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/denon-dominique-vivant-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der Schottenkirche ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor Napoleon den Donauübergang mit seiner Armee abgeschlossen hatte, erlitt er am 21./22. Mai 1809 bei Aspern und Essling (heute 22. Wiener Gemeindebezirk) eine Niederlage gegen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Carl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_von_%C3%96sterreich-Teschen&amp;lt;/ref&amp;gt;. Tausende Verwundete wurden in die Stadt gebracht. Die Kasernen und Spitäler reichten allerdings nicht aus, um alle zu versorgen, obwohl die Wiener Bürger tatkräftig mithalfen. Die Franzosen erhielten in den Spitälern bevorzugte Behandlung. Als die Zahl der französischen Kranken und Blessierten auf 17 bis 18.000 stieg, was nach Aussage französischer Oberärzte auch auf die zahlreichen venerisch und an Diarrhoe erkrankten Franzosen zurückzuführen war, wurden die kranken Österreicher kurzerhand ausquartiert und in schlechter ausgestattete Gebäude verlegt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:13 Johann Peter Krafft Erzherzog Carl.jpg|Johann Peter Krafft (1780 –1856): Erzherzog Carl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern, 1809 (1819)&lt;br /&gt;
Datei:14 Wilhelm Richter Kampf um den Kirchhof.jpg|Wilhelm Richter (1824 – 1892): Kampf um den Kirchhof von Aspern 1809&lt;br /&gt;
Datei:15 O. Meixner Angriff französischer leichter Kavallerie.jpg|O. Meixner, Angriff französischer leichter Kavallerie auf österreichische Infanterie in der Schlacht bei Aspern 1809, (1813)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der taktischen Niederlage bei Aspern bereitete Napoleon seine Truppen auf der Insel Lobau östlich von Wien für einen zweiten Angriff vor. In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 besiegten die durch die Italienarmee unter Eugène de Beauharnais verstärkten Truppen Napoleons die österreichische Armee. Nach diesem Sieg ordnete Napoleon die neuerliche Befestigung Wiens an – zusätzliche Palisaden und Schutzwälle wurden errichtet, 100 Geschütze auf den Stadtmauern aufgestellt und eine Garnison von 6.000 Mann abgestellt. Die Zahl der in Wien befindlichen kranken und verwundeten Soldaten – Franzosen wie Österreicher – stieg auf 36.000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12 Wien Museum Online Sammlung 13510 1-2.jpg||thumb|Unbekannt, Plan der Lobau mit den französischen Verschanzungen, 1809]]Am 10. und 11. Juli 1809 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Znaim, die mit dem Waffenstillstand vom 22. Juli das Ende des Fünften Koalitionskrieges einleitete. Während seines erneuten Aufenthaltes in Wien hielt Napoleon vormittags des Öfteren in Schönbrunn oder auf der Schmelz (einem Parade- und Exerzierplatz, heute 15. Wiener Gemeindebezirk) Paraden seiner Truppen ab, für die Wiener Bevölkerung stets Spektakel, die zahlreiche Schaulustige anlockten. Bei einer dieser Paraden am 12. Oktober 1809 verübte der 17-jährige Lehrling Friedrich Staps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_Staps&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Pastorensohn aus Erfurt, einen Attentatsversuch auf Napoleon – er wollte ihn mit einem im Wams versteckten Küchenmesser auf der Ehrenhofstiege des Schlosses Schönbrunn ermorden. Durch die Wachsamkeit eines französischen Offiziers konnte das Attentat verhindert werden. Staps soll daraufhin von Napoleon persönlich verhört worden sein und wurde schließlich durch ein Erschießungskommando der württembergischen Infanterie standrechtlich hingerichtet.&lt;br /&gt;
Napoleon, dessen Vorliebe für italienische Opern bekannt war, besuchte mehrmals Opernaufführungen und Konzerte im Schönbrunner Schlosstheater, zu denen auch geladene Gäste Zutritt hatten, darunter die Schriftstellerin und Salonnière [[Caroline Pichler]]. Meist wurde allerdings nur ein Akt aufgeführt, gefolgt von einem Ballett. Die Akteure wurden von ihm stets reichlich beschenkt, auch wenn ihm ein Stück nicht gefiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits erwähnte Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon, war im Auftrag Napoleons nach Wien gekommen, um eine Auswahl von Gemälden aus der kaiserlichen Bildergalerie im Belvedere und aus adeligen Kollektionen sowie von Manuskripten und Büchern aus der Hofbibliothek vorzunehmen, die Napoleon dann nach Paris verbringen ließ. Das Kaiserliche Zeughaus wurde zum zweiten Mal Opfer einer organisierten Plünderung – 140, zum Teil sehr wertvolle, Harnische wurden abtransportiert –, nur ein kleiner Teil wurde nach 1815 retourniert. 1809 wurde aber auch das Bürgerliche Zeughaus geplündert und verlor fast den gesamten Artilleriebestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. August wurde der 40. Geburtstag Napoleons zu einem großen Ereignis. Um 9 Uhr fand eine große Parade in Schönbrunn statt; gleichzeitig wurden von den Stadtmauern 60 Kanonenschüsse abgegeben und alle Glocken geläutet.  Generalmajor Ferdinand Graf von Bubna und Littitz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/122.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; überbrachte als Abgesandter des Kaisers die Glückwünsche Kaiser Franzʼ I. Gegen 16 Uhr fand in dem mit historischen Gobelins geschmückten Stephansdom eine feierliche Messe statt, an der Napoleon allerdings nicht persönlich teilnahm und stattdessen seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais entsandte. Um 17 Uhr gab Gouverneur Andréossy ein Bankett für 200 Personen in der Hofburg, zu dem neben den französischen Marschällen und Generälen auch österreichische Adelige und die Honoratioren der Stadt sowie die österreichischen Friedensunterhändler eingeladen waren. Die Bürger wurden mittels öffentlichem Anschlag (Befehl des Generalgouverneurs) aufgefordert, ihre Häuser am Abend des 15. zu beleuchten. Im Augarten (historischer Garten aus dem 17. und 18. Jahrhundert im heutigen zweiten Wiener Gemeindebezirk) wurden Tische und Bänke für die Ausspeisung von rund 1.000 französischen Soldaten aufgestellt. Feuerwerke und Konzerte machten das Geburtstagsfest zu einem Spektakel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 brachte neuerlich weitreichende Gebietsverluste für Österreich. Die von Napoleon geforderte Kriegsentschädigung wurde mit 85 Millionen Francs festgesetzt, was die Habsburgermonarchie letztlich 1813 in den Staatsbankrott treiben sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am folgenden Tag reiste Napoleon von Schönbrunn ab. Seine Truppen verblieben noch bis Mitte November in Wien. Wenige Wochen vor ihrem Abzug sprengten die Franzosen noch einen Teil der Wiener Stadtbefestigungen, von denen 1816/1817 nur die Mölker-, Löwel- und Augustinerbastei wiederaufgebaut wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. November rückten die österreichischen Truppen wieder in Wien ein, einen Tag später zog Kaiser Franz, unter dem Jubel der Wiener Bevölkerung und in Begleitung der Bürgerkavallerie, feierlich in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bled, Jean-Paul: Wien. Residenz – Metropole – Hauptstadt. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2002, S. 85–91.&lt;br /&gt;
*Ma, Klaralinda: Wien 1809. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien, 2009 (Wiener Geschichtsblätter Beiheft 2).&lt;br /&gt;
*Öhlinger, Walter: Wien im Aufbruch zur Moderne. Wien: Pichler1999, S. 9–17.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: „Vive lʼempereur, weilʼs sein muß“. Geschichte in Quellen und Zeitzeugenberichten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 1999.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Napoleon vor Wien. Quellen und Augenzeugenberichte, mit Dokumenten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 2000.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Gott erhalte! Wendepunkt 1809 – Österreichs Sieg über Napoleon. Augenzeugen berichten die wahre Geschichte von 1805 bis 1815. Wien: Stöhr 2009.&lt;br /&gt;
*Sachslehner, Johannes: Napoleon in Wien. Fakten und Legenden. Wien-Graz-Klagenfurt: Pichler 2008. &lt;br /&gt;
*Schembor, Friedrich Wilhelm: Franzosen in Wien: Einwanderer und Besatzer. Französische Revolution und napoleonische Besatzung in den österreichischen Polizeiakten. Bochum: Dieter Winkler 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Claudia Reichl-Ham&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 18/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|L&#039;occupation_française_de_Vienne_1805/1806_et_1809}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Helene Funke</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Helene_Funke,_Archiv_Peter_Funke.jpg|thumb|Helene Funke]]&lt;br /&gt;
Die Malerin und Grafikerin Helene Funke (*3. September 1869 in Chemnitz (Sachsen), † 31. Juli 1957 in Wien) lebte zwischen 1905 und 1913 in Paris&amp;lt;ref&amp;gt;Funke 2007, 30&amp;lt;/ref&amp;gt;. Während ihre künstlerischen Anfänge noch stark durch die tonige Münchener Landschaftsmalerei beeinflusst sind, wendete sie sich in Paris der Malerei der [[Fauvismus|Fauve]] zu, die ihr weiteres Werk prägen sollte. Funkes Rezeption der französischen Avantgarde ist ein hervorragendes Beispiel für den Kulturtransfer zwischen Paris und Wien. Jedoch standen zeitgenössische Kunstkritiker wie Arthur Roessler&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118993070&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Adalbert Franz Seligmann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/117473995.html?&amp;lt;/ref&amp;gt; ihrer bunten, fauvistischen Malerweise skeptisch gegenüber&amp;lt;ref&amp;gt;Nowak-Thaller 2007, 14&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der mit Funke befreundete Kunsthistoriker Hans Tietze&amp;lt;ref&amp;gt;https://geschichte.univie.ac.at/en/persons/hans-tietze&amp;lt;/ref&amp;gt; wiederum erkannte das Potential der modernen Künstlerin&amp;lt;ref&amp;gt;Plakolm-Forsthuber 1994, 134&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bemerkenswert ist ihre rege Ausstellungstätigkeit bis in die 1930er Jahre. In ihren Werken beschäftigte sie sich immer wieder mit emanzipatorischen Themen. Ihre Logenbilder, in denen sie sich mit der Rolle der Frau in der Öffentlichkeit auseinandersetzte, sind möglicherweise in Reaktion auf Pierre Auguste Renoirs oder Mary Cassatts&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/mary-cassatt&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemälde entstanden&amp;lt;ref&amp;gt;Plakolm-Forsthuber 1994, 129&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ihre grafischen Arbeiten zeigen mitunter erotische Themen. Funkes Stillleben können als Experimente mit Form und Farbe verstanden werden und machen die Malerin zur wesentlichen Vorfahrin für die abstrakte Malerei&amp;lt;ref&amp;gt;Johnson 2012, 181&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
[[Datei:486-Funke.jpg|thumb|left|Helene Funke, &#039;&#039;In der Loge&#039;&#039; 1907 / Lentos Museum]] Helene Funke wurde als das zweite von fünf Kindern des Kaufmanns Hermann Funke und seiner Ehefrau Auguste Amalie Eleonore Helene Maria geb. Freiin d’Orville von Löwenclau in Chemnitz geboren. Über ihr Leben ist nur wenig bekannt, da die meisten persönlichen Dokumente während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurden oder verloren gingen. Erst mit 30 Jahren begann sie ihre künstlerische Laufbahn. Sie studierte privat bei Friedrich Fehr&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz69763.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und von 1899 bis 1901 an der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins bei Angelo Jank&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/117078778&amp;lt;/ref&amp;gt; in München&amp;lt;ref&amp;gt;Funke 2007, 25&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwischen 1905 und spätestens 1913 lebte sie in Frankreich, zeitweise zusammen mit ihrer Malerkollegin und Freundin Martha Hofrichter&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.oxfordartonline.com/benezit/display/10.1093/benz/9780199773787.001.0001/acref-9780199773787-e-00088664&amp;lt;/ref&amp;gt;. In Paris stand sie in Kontakt mit fauvistischen Künstlern, wahrscheinlich auch mit [[Henri Matisse]], obzwar Belege für eine Freundschaft zu diesem fehlen&amp;lt;ref&amp;gt;Funke 2007, 30&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1906/07 wohnte Funke in der Rue de Fleurus 27, im selben Haus wie Leo&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/119365081&amp;lt;/ref&amp;gt; und Gertrude Stein&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/gertrude-stein&amp;lt;/ref&amp;gt;, deren literarischer Salon ein wichtiger Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde war&amp;lt;ref&amp;gt;Sagner 2018, 18&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Pariser &#039;&#039;Salon des Indépendants&#039;&#039; stellte sie 1907, 1910 und 1911 aus. 1907 und 1908 zeigte sie ihre Werke im &#039;&#039;Salon d’Automne&#039;&#039; im Grand Palais des Champs-Élysées. Während ihrer Zeit in Frankreich waren Funkes Werke auch in Ausstellungen in Deutschland zu sehen&amp;lt;ref&amp;gt;Funke 2007, 57–61&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1904 nahm sie an der Großen Berliner Akademie-Ausstellung teil, 1906 und 1907 war sie drei Mal im Kunstverein Hamburg vertreten. Außerdem war sie in der Eröffnungsausstellung des König-Albert-Museums in Chemnitz im Jahr 1909 präsent. 1910 stellte die Künstlerin in der dritten Graphischen Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Hamburg aus. Im selben Jahr waren ihre Werke im Kunstverein Dresden zu sehen. 1912 beteiligte sie sich an der großen Kunstausstellung in Dresden. Im selben Jahr stellte Funke im Deutschen Künstlerbund in der Kunsthalle Bremen aus. 1913 folgte eine Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in der Kunsthalle Mannheim, an der sich die Künstlerin ebenfalls beteiligte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6221.jpg|thumb||Helene Funke, &#039;&#039;Träume&#039;&#039; 1913. Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien]]Warum Funke vom avantgardistisch geprägten Paris zwischen 1911 und 1913 ins konservativere Wien übersiedelt, ist unbekannt. Möglicherweise motivierte sie Martha Hofrichter zum Umzug, da beide Künstlerinnen zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung der Bildenden Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) zählten&amp;lt;ref&amp;gt;Nowak-Thaller 2019, 128&amp;lt;/ref&amp;gt;. Jedenfalls stellten sie schon in der ersten Ausstellung des Vereins „Die Kunst der Frau“ 1910 in der [[Wiener Secession]] aus. 1911 zeigte Funke 19 Werke in der Ausstellung der VBKÖ in der vom [[Hagenbund]] gemieteten Zedlitzhalle. 1917 beteiligte sie sich an der Ausstellung, die die Föreningen Svenska Konstnärinnor und die VBKÖ gemeinsam in der Liljevalchs Konsthall in Stockholm veranstalteten. Hier war sie mit über 30 Werken vertreten und zeigte unter anderem ihr Gemälde „Drei Frauen“ (1915). Die drei Dargestellten halten eine Schale, ein Glas, sowie Blumen, die als Symbole für das weibliche Geschlecht gedeutet werden können und hier in beinahe ironischer Weise präsentiert werden. Die Verwendung dieser Symbolik ist bereits bei Paula Modersohn-Beckers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dhm.de/lemo/biografie/paula-modersohn-becker&amp;lt;/ref&amp;gt; „Figurenkomposition (Selbstbildnis)“ (um 1907) zu sehen&amp;lt;ref&amp;gt;Plakolm-Forsthuber 1994, 131&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Identität dieser drei Dargestellten ist ungeklärt. Möglicherweise ist es ein und dieselbe Frau in den drei Lebensaltern. Elisabeth Nowak-Thaller weist auf die Ähnlichkeit der rechts dargestellten Frau mit der Konzertsängerin und Malerin Claudia Ruth Wenger&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/117285986&amp;lt;/ref&amp;gt; hin, die zwischen 1924 und 1927 mit Hermann Hesse&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.onb.ac.at/sammlungen/literaturarchiv/bestaende/personen/hesse-hermann-1877-1962/&amp;lt;/ref&amp;gt; verheiratet und gleichzeitig mit Karl Hofer&amp;lt;ref&amp;gt;https://recherche.sik-isea.ch/sik:person-4025397/in/sikart/&amp;lt;/ref&amp;gt; liiert war&amp;lt;ref&amp;gt;Nowak-Thaller 2019, 126&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bekannt war Funke nicht nur mit Hermann Hesse, sondern auch befreundet mit Ninon Dolbin&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/118550438.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, dessen späterer dritter Ehefrau&amp;lt;ref&amp;gt;Nowak-Thaller 2019, 129&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:469-Funke.jpg|thumb|left|Helene Funke, &#039;&#039;Drei Frauen&#039;&#039; 1915 / Lentos Museum]]1918 war Helene Funke eine der Mitbegründerinnen der radikal-expressionistischen Künstlergruppe Bewegung. Eines ihrer Hauptwerke, „Träume“ (1913), wurde im selben Jahr in der ersten Ausstellung der Vereinigung, die in den Räumen des Wiener Kunstauktionshauses Kende stattfand, gezeigt. 1919 nahm sie an der Ausstellung der Freien Vereinigung teil, die im Rahmen der 54. Secessionsausstellung stattfand&amp;lt;ref&amp;gt;Funke 2007, 32&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1920 kaufte das Österreichische Ministerium für Inneres und Unterricht Funkes im Vorjahr entstandenes Gemälde Musik an, welches heute als verschollen gilt. 1923 stellte sie Oskar Laske als einzige Künstlerin auf dem monumentalen Ölbild „Das Narrenschiff“ (Belvedere, Wien) dar. 1925 nahm Funke an der Kunstschau Wien teil&amp;lt;ref&amp;gt;Nowak-Thaller 2019, 128&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1927/1928 war sie an der Ausstellung der Wiener Frauenkunst im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6222.jpg|thumb||Helene Funke, &#039;&#039;Stillleben mit Fasan, Jägerkopf und Hund&#039;&#039; 1922. Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien]]Als erste Frau gewann sie 1928 den Österreichischen Staatspreis für das Gemälde Tobias und der Engel (1927; heute in den Kunstsammlungen Chemnitz). Anfang der 1930er Jahre verarmte Funke durch die Folgen der Inflation und lebte unter dem Existenzminimum in einem kleinen Wohnraum, der ihr zugleich als Atelier diente. Während der Zeit des Nationalsozialismus ging sie in die innere Emigration. Jedoch führten zuvor Funkes antisemitische Äußerungen und Sympathiebekundungen zum Nationalsozialismus im Jahr 1934 zum zeitweiligen Freundschaftsabbruch mit Elisabeth Löbl, wie diese in einem Brief an Ninon Dolbin festhielt&amp;lt;ref&amp;gt;Nowak-Thaller 2018, 34&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1946 erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft. 1955 wurde die Künstlerin zur Professorin ernannt. In ihren letzten Lebensjahren lebte sie zurückgezogen und wird durch ihre Freundin Elisabeth Kowalski unterstützt&amp;lt;ref&amp;gt;Loitfellner 2019&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1948 veranstaltete die Galerie Welz die erste Kollektiv-Ausstellung über Helene Funke. Kurz darauf folgte eine Retrospektive im Konzerthaus Wien und in einer Galerie in Zell am See&amp;lt;ref&amp;gt;Funke 2007, 33&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1998 widmete sich die Wiener Galerie Hieke dem Werk der Künstlerin. 2007 fand eine große Retrospektive im Kunstmuseum Lentos in Linz statt. Einige ihrer Werke wurden in der Ausstellung „Wien-Paris“ 2007–08 im Belvedere, Wien, gezeigt. Hier war vor allem der kulturelle Austausch zwischen Frankreich und Österreich Thema, wofür Helene Funkes Werk ein maßgebliches Beispiel ist. 2008 war sie in der Ausstellung „Störenfriede“ im Kunstmuseum Lentos in Linz vertreten. Die Personale &amp;quot;Helene Funke. Expressiv weiblich&amp;quot; fand in den Kunstsammlung Chemnitz 2018–19 statt. In der Ausstellung &amp;quot;Klimt ist nicht das Ende&amp;quot; (Belvedere, Wien /BOZAR, Brüssel) wurde auf Funkes Beitrag zum Expressionismus in der Donaumonarchie verwiesen. Mit dem inhaltlichen Fokus auf durch den Nationalsozialismus vergessene Künstlerinnen 2019 waren Funkes Werke Teil der Gruppenausstellung „Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien 1900-1938“ im Belvedere in Wien. Im selben Jahr widmete sich die Gruppenschau &amp;quot;Die schaffende Galatea&amp;quot; in der Kunsthalle Talstraße in Halle an der Saale der Künstlerin. In der Themenschau „Wilde Kindheit. Ideal und Realität von 1900 bis heute“ im Lentos in Linz wurden einige Gemälde 2021 ausgestellt. 2022 war sie in der Ausstellung &amp;quot;Hagenbund. Von der gemäßigten zur radikalen Moderne&amp;quot; im Leopold Museum in Wien vertreten .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bußmann Frédéric / Viola Weigel (Hg.): Expressiv weiblich. Helene Funke, Ausst.-Kat. Kunstsammlungen Chemnitz, 4.11. 2018–19.1.2019.&lt;br /&gt;
*Funke, Peter: Die Rätsel im Leben und Werk der Malerin Helene Funke. In: Helene Funke 1869–1957, Ausst.-Kat. Lentos Kunstmuseum Linz, 4.5.-11.9.2007, S. 23–34.&lt;br /&gt;
*Funke Peter: Die Malerin Helene Funke 1869–1957. Leben und Werk. Wien / Köln / Weimar 2011.&lt;br /&gt;
*Johnson Julie M.: Rediscovering Helene Funke: The Invisible Foremother. In: Dies.: The Memory Factory. The Forgotten Women Artists of Vienna 1900. West: Lafayette 2012, S. 177–201.&lt;br /&gt;
*Nowak-Thaller Elisabeth (Hg.): Helene Funke. 1869–1957, Ausst.-Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2007.&lt;br /&gt;
*Nowak-Thaller Elisabeth: Helene Funke – Emanzipation und Ekstase. In: Sabine Fellner / Stella Rollig (Hg.): Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien 1900-1938, Ausst.-Kat. Belvedere, Wien, 25.1.–19.5.2019, S. 125–129.&lt;br /&gt;
*Plakolm-Forsthuber Sabine: Fauvismus und Frauengruppenbild bei Helene Funke. In: Dies.: Künstlerinnen in Österreich 1897-1938. Malerei – Plastik – Architektur, Wien 1994, S. 128–135.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Katharina Lovecky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 19/01/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Helene_Funke}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Herbert_Eichholzer&amp;diff=586</id>
		<title>Herbert Eichholzer</title>
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		<updated>2025-03-15T10:47:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herbert-Eichholzer-Foto-DÖW.png||thumb|Herbert Eichholzer (Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW))]]Herbert Eichholzer (*31. Jänner 1903 in Graz, † 7. Jänner 1943 in Wien) war Architekt in Graz und während des Zweiten Weltkriegs eine der österreichischen Schlüsselfiguren des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Eine besondere Rolle für sein architektonisches Werk spielte die Auseinandersetzung mit dem schweizerisch-französischen Architekten [[Le Corbusier]]. Eichholzers intensive Rezeption dieses Architekten war innerhalb der österreichischen Architektur der Zwischenkriegszeit einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
In Graz geboren und aufgewachsen, absolvierte Herbert Eichholzer 1922–1928 das Hochbaustudium an der Technischen Hochschule Graz. Weite Reisen führten ihn schon als Student durch ganz Europa und bis nach Abessinien und Eritrea. Auch nach Studienabschluss war er höchst mobil, mehrere Arbeitsaufenthalte in Deutschland, Griechenland, der Türkei, in Paris und Moskau ermöglichten ihm wichtige berufliche Erfahrungen. Neben mehreren anderen Fremdsprachen sprach er fließend Französisch und hielt sich seit den 1920er Jahren mehrmals in Frankreich auf, zum Teil mehrere Monate lang. In Graz und der Steiermark konnte er innerhalb von nur zehn Jahren zahlreiche Bauten realisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Studentenzeit politisch links engagiert, wurde er 1934 als Mitglied des Republikanischen Schutzbunds inhaftiert. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 flüchtete er von Graz über Triest nach Paris, wo sich die Auslandsleitung der Kommunistischen Partei Österreichs befand. Nach einigen Monaten reiste er weiter nach Istanbul, wo er die Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] traf. Beide kehrten über Umwege in die damalige „Ostmark“ zurück, um im kommunistischen Widerstand tätig zu werden. Als Dolmetscher in der deutschen Wehrmacht in Verdun dienend wurde Eichholzer verraten, verhaftet und 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Tode verurteilt. Im Todesurteil&amp;lt;ref&amp;gt;Faksimile: Ecker 2004, S. 181–206&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde auf seinen Arbeitsaufenthalt im Pariser Atelier von [[Le Corbusier]] und dessen mehrheitlich zu ‚Kulturbolschewisten‘ entartet seiende Schüler verwiesen. Am 7. Jänner 1943 wurde Herbert Eichholzer in Wien hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
Herbert Eichholzer nahm als integrative Persönlichkeit in seinem Werk Anregungen unterschiedlicher Art auf. Ein besonderes Vorbild war für ihn der aus der Schweiz stammende Architekt [[Le Corbusier]] (1887–1965), der in Paris ein großes Büro führte und bereits in den 1920er Jahren international Bekanntheit erreicht hatte. Informationen über dessen Ideen, Planungen und Bauten waren auch in Graz über Bücher und Zeitschriften verfügbar, darunter etwa Le Corbusiers programmatisches Buch &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039;, das 1926 in deutscher Übersetzung als &#039;&#039;Kommende Baukunst&#039;&#039; vorlag. 1930 waren in Graz in einer Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes auch dessen Entwürfe zu sehen. Konservativ-nationalistische Grazer Vertreter des traditionellen Bauens, die das lokale Kulturleben dominierten und mit denen Eichholzer oft zu kämpfen hatte, sahen hingegen in dem gebürtigen Schweizer Le Corbusier den ‚Konstrukteur der Wohnmaschine‘, die Symbolfigur eines ‚seelenlosen‘ internationalen Technizismus und einen dem deutschen Wesen fremden, exzentrischen ‚Franzosen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eichholzer absolvierte im Winter 1929/1930 drei Monate lang ein (wohl unbezahltes) Praktikum in Le Corbusiers gemeinsam mit [[Pierre Jeanneret]] geführtem Pariser Architekturatelier, als einer von zahlreichen Mitarbeitern und Volontären aus der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben war er in dieser Volontärszeit mit Planungen für Großbauten wie das Zentrosojus-Verwaltungsgebäude in Moskau befasst. Er besuchte sicher auch Bauten Le Corbusiers in oder in der Nähe von Paris. Diese Arbeitserfahrung sollte wesentlichen Einfluss auf sein weiteres Werk haben. Seither passte er sich in seinem Zeichenstil und in der Gestaltung seiner Pläne (Typographie, Nummerierung, etc.) dem Vorbild des Pariser Ateliers an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Hagenbund_Frz_Architektur.jpg|left|thumb|&#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart im Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Lois Pregartbauer (1899-1971), 1934]]Mit etwas zeitlichem Abstand verarbeitete er auch in seinen eigenen Entwürfen in den folgenden Jahren in Bauweise und Ästhetik die bei [[Le Corbusier]] und Pierre Jeanneret gesammelten Eindrücke. Einige seiner zum Teil gemeinsam mit Grazer Kollegen gebauten Einfamilienhäuser bilden mit freiliegenden Sichtbetontreppen, Pilotis, Fensterbändern und Dachgärten einen engen Konnex zu den Häusern der damals schon weit bekannten Arbeitersiedlung in Pessac bei Bordeaux (1924–1926), zur &#039;&#039;Villa Savoye&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.villa-savoye.fr/decouvrir/histoire-de-la-villa-savoye&amp;lt;/ref&amp;gt; in Poissy (1929–1931), die bei Eichholzers Aufenthalt in Paris gerade in Bau befindlich war, zu den 1922 entstandenen Entwürfen für das &#039;&#039;Haus Citrohan&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-maison-citrohan-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie für das &#039;&#039;Immeuble-Villa&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-immeubles-villas-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1935 sprach Eichholzer einem Grazer Bauherrn gegenüber „von seiner Wertschätzung für Le Corbusier und dessen großartigen Plänen für eine bauliche Neugestaltung der Pariser Innenstadt nach völlig neuen Baumethoden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ecker 2004, S. 89&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser deutlich artikulierten Nähe zu Le Corbusier stand er damals im Gegensatz zu seinen Wiener Architektenkollegen, die kaum Affinitäten zu diesem Architekten hatten (eine Ausnahme war Ernst A. Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit dem Herbert Eichholzer Mitte der 1930er Jahre in Kontakt stand). Auch sonst stieß die französische Architektur – im Gegensatz zur bildenden Kunst – in Wien auf relativ wenig Interesse. Ausnahme war 1934 die vom Wiener [[Hagenbund]] präsentierte, von der &#039;&#039;Société des Architectes Diplomés par le Gouvernement&#039;&#039; veranstaltete Ausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;, bei der allerdings Bauten Le Corbusiers fehlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich außergewöhnlich war auch die Nähe von Möbelentwürfen aus Eichholzers Atelier zu der in Frankreich arbeitenden irischen Designerin Eileen Gray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-eileen-gray&amp;lt;/ref&amp;gt; (1878–1976). Deren Entwürfe wurden in Wien zu dieser Zeit nicht rezipiert, müssen Eichholzer jedoch bekannt gewesen sein, wie etwa die Wahl des Materials Kork oder bestimmte Form- und Materialkombinationen seiner Möbel zeigen. So erinnert die voluminös erscheinende zylindrische Polsterung in Kombination mit Stahlrohr oder Holz bei mehreren seiner Fauteuils von 1932/1933 an Grays schon damals ikonischen Armsessel &#039;&#039;Bibendum&#039;&#039; von 1929, also aus dem Jahr, wo Eichholzer gerade in Paris war und dort Grays Verkaufsgalerie &#039;&#039;Jean Désert&#039;&#039; besucht haben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 nahm Herbert Eichholzer gemeinsam mit Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, seinem ehemaligen Lehrer an der Technischen Hochschule, mit einem Projekt am Wettbewerb für den österreichischen Staatspavillon auf der Weltausstellung in Paris teil. 1937 fuhr er, wohl anlässlich dieser Schau, wieder in die französische Hauptstadt, wo er bei dieser Gelegenheit offensichtlich die &#039;&#039;Cité de la Muette&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://drancy.memorialdelashoah.org/le-memorial-de-drancy/qui-sommes-nous/histoire-de-la-cite-de-la-muette.html&amp;lt;/ref&amp;gt; der Architekten Beaudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/045557/2002-07-02/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Marcel Lods&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LODS&amp;lt;/ref&amp;gt; im Vorort Drancy besucht hat. Diese Großsiedlung war 1935 in österreichischen Fachzeitschriften wie der &#039;&#039;Allgemeinen Bau-Zeitung und der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines&#039;&#039; als Großversuch weitgehendster Normierung im Wohnungsbau publiziert worden, ohne jedoch sonst in Österreich auf wesentliche Resonanz zu stoßen. Herbert Eichholzer hingegen war sich der Notwendigkeit der Industrialisierung des Bauvorganges deutlich bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 war er, bevor er auf Einladung Clemens Holzmeisters&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; weiter ins Exil in die Türkei reiste, ein letztes Mal in Paris. Ein halbes Jahr lang arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Architekt Albert Laprade&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LAPRA&amp;lt;/ref&amp;gt; (1883–1978), damals Chefarchitekt „des bâtiments civils et palais nationaux“. Er entwarf Hotels und Siedlungsbauten in den französischen Alpen, vermutlich in Zusammenhang mit der von Laprade und anderen Architekten geplanten und gerade in Errichtung befindlichen Rhône-Talsperre von Génissiat, die touristisch genutzt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Ecker, Dietrich: Herbert Eichholzer. Architekt (1903–1943). Hg. v. Peter Schurz. Wien–Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2004.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje: Keine Würfelwelt. Architekturpositionen einer „bodenständigen“ Moderne. Graz 1918–1938. Graz: HDA-Verlag 2007.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje / Halbrainer, Heimo: Totes Leben gibt es nicht. Herbert Eichholzer 1903–1943. Architektur – Kunst – Politik. Wien–New York: Springer-Verlag 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/12/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Herbert_Eichholzer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Herbert_Eichholzer&amp;diff=585</id>
		<title>Herbert Eichholzer</title>
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		<updated>2025-03-15T10:45:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herbert-Eichholzer-Foto-DÖW.png||thumb|Herbert Eichholzer (Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW))]]Herbert Eichholzer (1903–1943) war Architekt in Graz und während des Zweiten Weltkriegs eine der österreichischen Schlüsselfiguren des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Eine besondere Rolle für sein architektonisches Werk spielte die Auseinandersetzung mit dem schweizerisch-französischen Architekten [[Le Corbusier]]. Eichholzers intensive Rezeption dieses Architekten war innerhalb der österreichischen Architektur der Zwischenkriegszeit einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
In Graz geboren und aufgewachsen, absolvierte Herbert Eichholzer 1922–1928 das Hochbaustudium an der Technischen Hochschule Graz. Weite Reisen führten ihn schon als Student durch ganz Europa und bis nach Abessinien und Eritrea. Auch nach Studienabschluss war er höchst mobil, mehrere Arbeitsaufenthalte in Deutschland, Griechenland, der Türkei, in Paris und Moskau ermöglichten ihm wichtige berufliche Erfahrungen. Neben mehreren anderen Fremdsprachen sprach er fließend Französisch und hielt sich seit den 1920er Jahren mehrmals in Frankreich auf, zum Teil mehrere Monate lang. In Graz und der Steiermark konnte er innerhalb von nur zehn Jahren zahlreiche Bauten realisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Studentenzeit politisch links engagiert, wurde er 1934 als Mitglied des Republikanischen Schutzbunds inhaftiert. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 flüchtete er von Graz über Triest nach Paris, wo sich die Auslandsleitung der Kommunistischen Partei Österreichs befand. Nach einigen Monaten reiste er weiter nach Istanbul, wo er die Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] traf. Beide kehrten über Umwege in die damalige „Ostmark“ zurück, um im kommunistischen Widerstand tätig zu werden. Als Dolmetscher in der deutschen Wehrmacht in Verdun dienend wurde Eichholzer verraten, verhaftet und 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Tode verurteilt. Im Todesurteil&amp;lt;ref&amp;gt;Faksimile: Ecker 2004, S. 181–206&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde auf seinen Arbeitsaufenthalt im Pariser Atelier von [[Le Corbusier]] und dessen mehrheitlich zu ‚Kulturbolschewisten‘ entartet seiende Schüler verwiesen. Am 7. Jänner 1943 wurde Herbert Eichholzer in Wien hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
Herbert Eichholzer nahm als integrative Persönlichkeit in seinem Werk Anregungen unterschiedlicher Art auf. Ein besonderes Vorbild war für ihn der aus der Schweiz stammende Architekt [[Le Corbusier]] (1887–1965), der in Paris ein großes Büro führte und bereits in den 1920er Jahren international Bekanntheit erreicht hatte. Informationen über dessen Ideen, Planungen und Bauten waren auch in Graz über Bücher und Zeitschriften verfügbar, darunter etwa Le Corbusiers programmatisches Buch &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039;, das 1926 in deutscher Übersetzung als &#039;&#039;Kommende Baukunst&#039;&#039; vorlag. 1930 waren in Graz in einer Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes auch dessen Entwürfe zu sehen. Konservativ-nationalistische Grazer Vertreter des traditionellen Bauens, die das lokale Kulturleben dominierten und mit denen Eichholzer oft zu kämpfen hatte, sahen hingegen in dem gebürtigen Schweizer Le Corbusier den ‚Konstrukteur der Wohnmaschine‘, die Symbolfigur eines ‚seelenlosen‘ internationalen Technizismus und einen dem deutschen Wesen fremden, exzentrischen ‚Franzosen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eichholzer absolvierte im Winter 1929/1930 drei Monate lang ein (wohl unbezahltes) Praktikum in Le Corbusiers gemeinsam mit [[Pierre Jeanneret]] geführtem Pariser Architekturatelier, als einer von zahlreichen Mitarbeitern und Volontären aus der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben war er in dieser Volontärszeit mit Planungen für Großbauten wie das Zentrosojus-Verwaltungsgebäude in Moskau befasst. Er besuchte sicher auch Bauten Le Corbusiers in oder in der Nähe von Paris. Diese Arbeitserfahrung sollte wesentlichen Einfluss auf sein weiteres Werk haben. Seither passte er sich in seinem Zeichenstil und in der Gestaltung seiner Pläne (Typographie, Nummerierung, etc.) dem Vorbild des Pariser Ateliers an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:Hagenbund_Frz_Architektur.jpg|left|thumb|&#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart im Hagenbund&#039;&#039;, Plakat von Lois Pregartbauer (1899-1971), 1934]]Mit etwas zeitlichem Abstand verarbeitete er auch in seinen eigenen Entwürfen in den folgenden Jahren in Bauweise und Ästhetik die bei [[Le Corbusier]] und Pierre Jeanneret gesammelten Eindrücke. Einige seiner zum Teil gemeinsam mit Grazer Kollegen gebauten Einfamilienhäuser bilden mit freiliegenden Sichtbetontreppen, Pilotis, Fensterbändern und Dachgärten einen engen Konnex zu den Häusern der damals schon weit bekannten Arbeitersiedlung in Pessac bei Bordeaux (1924–1926), zur &#039;&#039;Villa Savoye&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.villa-savoye.fr/decouvrir/histoire-de-la-villa-savoye&amp;lt;/ref&amp;gt; in Poissy (1929–1931), die bei Eichholzers Aufenthalt in Paris gerade in Bau befindlich war, zu den 1922 entstandenen Entwürfen für das &#039;&#039;Haus Citrohan&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-maison-citrohan-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie für das &#039;&#039;Immeuble-Villa&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-immeubles-villas-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1935 sprach Eichholzer einem Grazer Bauherrn gegenüber „von seiner Wertschätzung für Le Corbusier und dessen großartigen Plänen für eine bauliche Neugestaltung der Pariser Innenstadt nach völlig neuen Baumethoden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ecker 2004, S. 89&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser deutlich artikulierten Nähe zu Le Corbusier stand er damals im Gegensatz zu seinen Wiener Architektenkollegen, die kaum Affinitäten zu diesem Architekten hatten (eine Ausnahme war Ernst A. Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit dem Herbert Eichholzer Mitte der 1930er Jahre in Kontakt stand). Auch sonst stieß die französische Architektur – im Gegensatz zur bildenden Kunst – in Wien auf relativ wenig Interesse. Ausnahme war 1934 die vom Wiener [[Hagenbund]] präsentierte, von der &#039;&#039;Société des Architectes Diplomés par le Gouvernement&#039;&#039; veranstaltete Ausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;, bei der allerdings Bauten Le Corbusiers fehlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich außergewöhnlich war auch die Nähe von Möbelentwürfen aus Eichholzers Atelier zu der in Frankreich arbeitenden irischen Designerin Eileen Gray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-eileen-gray&amp;lt;/ref&amp;gt; (1878–1976). Deren Entwürfe wurden in Wien zu dieser Zeit nicht rezipiert, müssen Eichholzer jedoch bekannt gewesen sein, wie etwa die Wahl des Materials Kork oder bestimmte Form- und Materialkombinationen seiner Möbel zeigen. So erinnert die voluminös erscheinende zylindrische Polsterung in Kombination mit Stahlrohr oder Holz bei mehreren seiner Fauteuils von 1932/1933 an Grays schon damals ikonischen Armsessel &#039;&#039;Bibendum&#039;&#039; von 1929, also aus dem Jahr, wo Eichholzer gerade in Paris war und dort Grays Verkaufsgalerie &#039;&#039;Jean Désert&#039;&#039; besucht haben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 nahm Herbert Eichholzer gemeinsam mit Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, seinem ehemaligen Lehrer an der Technischen Hochschule, mit einem Projekt am Wettbewerb für den österreichischen Staatspavillon auf der Weltausstellung in Paris teil. 1937 fuhr er, wohl anlässlich dieser Schau, wieder in die französische Hauptstadt, wo er bei dieser Gelegenheit offensichtlich die &#039;&#039;Cité de la Muette&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://drancy.memorialdelashoah.org/le-memorial-de-drancy/qui-sommes-nous/histoire-de-la-cite-de-la-muette.html&amp;lt;/ref&amp;gt; der Architekten Beaudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/045557/2002-07-02/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Marcel Lods&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LODS&amp;lt;/ref&amp;gt; im Vorort Drancy besucht hat. Diese Großsiedlung war 1935 in österreichischen Fachzeitschriften wie der &#039;&#039;Allgemeinen Bau-Zeitung und der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines&#039;&#039; als Großversuch weitgehendster Normierung im Wohnungsbau publiziert worden, ohne jedoch sonst in Österreich auf wesentliche Resonanz zu stoßen. Herbert Eichholzer hingegen war sich der Notwendigkeit der Industrialisierung des Bauvorganges deutlich bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 war er, bevor er auf Einladung Clemens Holzmeisters&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; weiter ins Exil in die Türkei reiste, ein letztes Mal in Paris. Ein halbes Jahr lang arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Architekt Albert Laprade&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LAPRA&amp;lt;/ref&amp;gt; (1883–1978), damals Chefarchitekt „des bâtiments civils et palais nationaux“. Er entwarf Hotels und Siedlungsbauten in den französischen Alpen, vermutlich in Zusammenhang mit der von Laprade und anderen Architekten geplanten und gerade in Errichtung befindlichen Rhône-Talsperre von Génissiat, die touristisch genutzt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Ecker, Dietrich: Herbert Eichholzer. Architekt (1903–1943). Hg. v. Peter Schurz. Wien–Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2004.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje: Keine Würfelwelt. Architekturpositionen einer „bodenständigen“ Moderne. Graz 1918–1938. Graz: HDA-Verlag 2007.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje / Halbrainer, Heimo: Totes Leben gibt es nicht. Herbert Eichholzer 1903–1943. Architektur – Kunst – Politik. Wien–New York: Springer-Verlag 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/12/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Herbert_Eichholzer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Herbert Eichholzer</title>
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		<updated>2025-03-15T10:34:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Herbert-Eichholzer-Foto-DÖW.png||thumb|Herbert Eichholzer (Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW))]]Herbert Eichholzer (1903–1943) war Architekt in Graz und während des Zweiten Weltkriegs eine der österreichischen Schlüsselfiguren des kommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Eine besondere Rolle für sein architektonisches Werk spielte die Auseinandersetzung mit dem schweizerisch-französischen Architekten [[Le Corbusier]]. Eichholzers intensive Rezeption dieses Architekten war innerhalb der österreichischen Architektur der Zwischenkriegszeit einzigartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
In Graz geboren und aufgewachsen, absolvierte Herbert Eichholzer 1922–1928 das Hochbaustudium an der Technischen Hochschule Graz. Weite Reisen führten ihn schon als Student durch ganz Europa und bis nach Abessinien und Eritrea. Auch nach Studienabschluss war er höchst mobil, mehrere Arbeitsaufenthalte in Deutschland, Griechenland, der Türkei, in Paris und Moskau ermöglichten ihm wichtige berufliche Erfahrungen. Neben mehreren anderen Fremdsprachen sprach er fließend Französisch und hielt sich seit den 1920er Jahren mehrmals in Frankreich auf, zum Teil mehrere Monate lang. In Graz und der Steiermark konnte er innerhalb von nur zehn Jahren zahlreiche Bauten realisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Studentenzeit politisch links engagiert, wurde er 1934 als Mitglied des Republikanischen Schutzbunds inhaftiert. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938 flüchtete er von Graz über Triest nach Paris, wo sich die Auslandsleitung der Kommunistischen Partei Österreichs befand. Nach einigen Monaten reiste er weiter nach Istanbul, wo er die Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] traf. Beide kehrten über Umwege in die damalige „Ostmark“ zurück, um im kommunistischen Widerstand tätig zu werden. Als Dolmetscher in der deutschen Wehrmacht in Verdun dienend wurde Eichholzer verraten, verhaftet und 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu Tode verurteilt. Im Todesurteil&amp;lt;ref&amp;gt;Faksimile: Ecker 2004, S. 181–206&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde auf seinen Arbeitsaufenthalt im Pariser Atelier von [[Le Corbusier]] und dessen mehrheitlich zu ‚Kulturbolschewisten‘ entartet seiende Schüler verwiesen. Am 7. Jänner 1943 wurde Herbert Eichholzer in Wien hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
[[Datei:23 Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Haus Pistor und Haus Ferner, Graz 1932-33.jpg|left|thumb|Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz 1932-33]]Herbert Eichholzer nahm als integrative Persönlichkeit in seinem Werk Anregungen unterschiedlicher Art auf. Ein besonderes Vorbild war für ihn der aus der Schweiz stammende Architekt [[Le Corbusier]] (1887–1965), der in Paris ein großes Büro führte und bereits in den 1920er Jahren international Bekanntheit erreicht hatte. Informationen über dessen Ideen, Planungen und Bauten waren auch in Graz über Bücher und Zeitschriften verfügbar, darunter etwa Le Corbusiers programmatisches Buch &#039;&#039;Vers une architecture&#039;&#039;, das 1926 in deutscher Übersetzung als &#039;&#039;Kommende Baukunst&#039;&#039; vorlag. 1930 waren in Graz in einer Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes auch dessen Entwürfe zu sehen. Konservativ-nationalistische Grazer Vertreter des traditionellen Bauens, die das lokale Kulturleben dominierten und mit denen Eichholzer oft zu kämpfen hatte, sahen hingegen in dem gebürtigen Schweizer Le Corbusier den ‚Konstrukteur der Wohnmaschine‘, die Symbolfigur eines ‚seelenlosen‘ internationalen Technizismus und einen dem deutschen Wesen fremden, exzentrischen ‚Franzosen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eichholzer absolvierte im Winter 1929/1930 drei Monate lang ein (wohl unbezahltes) Praktikum in Le Corbusiers gemeinsam mit [[Pierre Jeanneret]] geführtem Pariser Architekturatelier, als einer von zahlreichen Mitarbeitern und Volontären aus der ganzen Welt. Nach eigenen Angaben war er in dieser Volontärszeit mit Planungen für Großbauten wie das Zentrosojus-Verwaltungsgebäude in Moskau befasst. Er besuchte sicher auch Bauten Le Corbusiers in oder in der Nähe von Paris. Diese Arbeitserfahrung sollte wesentlichen Einfluss auf sein weiteres Werk haben. Seither passte er sich in seinem Zeichenstil und in der Gestaltung seiner Pläne (Typographie, Nummerierung, etc.) dem Vorbild des Pariser Ateliers an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit etwas zeitlichem Abstand verarbeitete er auch in seinen eigenen Entwürfen in den folgenden Jahren in Bauweise und Ästhetik die bei [[Le Corbusier]] und Pierre Jeanneret gesammelten Eindrücke. Einige seiner zum Teil gemeinsam mit Grazer Kollegen gebauten Einfamilienhäuser bilden mit freiliegenden Sichtbetontreppen, Pilotis, Fensterbändern und Dachgärten einen engen Konnex zu den Häusern der damals schon weit bekannten Arbeitersiedlung in Pessac bei Bordeaux (1924–1926), zur &#039;&#039;Villa Savoye&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.villa-savoye.fr/decouvrir/histoire-de-la-villa-savoye&amp;lt;/ref&amp;gt; in Poissy (1929–1931), die bei Eichholzers Aufenthalt in Paris gerade in Bau befindlich war, zu den 1922 entstandenen Entwürfen für das &#039;&#039;Haus Citrohan&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-maison-citrohan-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie für das &#039;&#039;Immeuble-Villa&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.fondationlecorbusier.fr/oeuvre-architecture/projets-immeubles-villas-sans-lieu-1922/&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1935 sprach Eichholzer einem Grazer Bauherrn gegenüber „von seiner Wertschätzung für Le Corbusier und dessen großartigen Plänen für eine bauliche Neugestaltung der Pariser Innenstadt nach völlig neuen Baumethoden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ecker 2004, S. 89&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser deutlich artikulierten Nähe zu Le Corbusier stand er damals im Gegensatz zu seinen Wiener Architektenkollegen, die kaum Affinitäten zu diesem Architekten hatten (eine Ausnahme war Ernst A. Plischke&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/468.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit dem Herbert Eichholzer Mitte der 1930er Jahre in Kontakt stand). Auch sonst stieß die französische Architektur – im Gegensatz zur bildenden Kunst – in Wien auf relativ wenig Interesse. Ausnahme war 1934 die vom Wiener [[Hagenbund]] präsentierte, von der &#039;&#039;Société des Architectes Diplomés par le Gouvernement&#039;&#039; veranstaltete Ausstellung &#039;&#039;Französische Architektur der Gegenwart&#039;&#039;, bei der allerdings Bauten Le Corbusiers fehlten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich außergewöhnlich war auch die Nähe von Möbelentwürfen aus Eichholzers Atelier zu der in Frankreich arbeitenden irischen Designerin Eileen Gray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.dictionnaire-creatrices.com/fiche-eileen-gray&amp;lt;/ref&amp;gt; (1878–1976). Deren Entwürfe wurden in Wien zu dieser Zeit nicht rezipiert, müssen Eichholzer jedoch bekannt gewesen sein, wie etwa die Wahl des Materials Kork oder bestimmte Form- und Materialkombinationen seiner Möbel zeigen. So erinnert die voluminös erscheinende zylindrische Polsterung in Kombination mit Stahlrohr oder Holz bei mehreren seiner Fauteuils von 1932/1933 an Grays schon damals ikonischen Armsessel &#039;&#039;Bibendum&#039;&#039; von 1929, also aus dem Jahr, wo Eichholzer gerade in Paris war und dort Grays Verkaufsgalerie &#039;&#039;Jean Désert&#039;&#039; besucht haben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 nahm Herbert Eichholzer gemeinsam mit Friedrich Zotter&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/721.htm&amp;lt;/ref&amp;gt;, seinem ehemaligen Lehrer an der Technischen Hochschule, mit einem Projekt am Wettbewerb für den österreichischen Staatspavillon auf der Weltausstellung in Paris teil. 1937 fuhr er, wohl anlässlich dieser Schau, wieder in die französische Hauptstadt, wo er bei dieser Gelegenheit offensichtlich die &#039;&#039;Cité de la Muette&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://drancy.memorialdelashoah.org/le-memorial-de-drancy/qui-sommes-nous/histoire-de-la-cite-de-la-muette.html&amp;lt;/ref&amp;gt; der Architekten Beaudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/045557/2002-07-02/&amp;lt;/ref&amp;gt; und Marcel Lods&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LODS&amp;lt;/ref&amp;gt; im Vorort Drancy besucht hat. Diese Großsiedlung war 1935 in österreichischen Fachzeitschriften wie der &#039;&#039;Allgemeinen Bau-Zeitung und der Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines&#039;&#039; als Großversuch weitgehendster Normierung im Wohnungsbau publiziert worden, ohne jedoch sonst in Österreich auf wesentliche Resonanz zu stoßen. Herbert Eichholzer hingegen war sich der Notwendigkeit der Industrialisierung des Bauvorganges deutlich bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1938 war er, bevor er auf Einladung Clemens Holzmeisters&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm&amp;lt;/ref&amp;gt; weiter ins Exil in die Türkei reiste, ein letztes Mal in Paris. Ein halbes Jahr lang arbeitete er als freier Mitarbeiter bei Architekt Albert Laprade&amp;lt;ref&amp;gt;https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/archive/fonds/FRAPN02_LAPRA&amp;lt;/ref&amp;gt; (1883–1978), damals Chefarchitekt „des bâtiments civils et palais nationaux“. Er entwarf Hotels und Siedlungsbauten in den französischen Alpen, vermutlich in Zusammenhang mit der von Laprade und anderen Architekten geplanten und gerade in Errichtung befindlichen Rhône-Talsperre von Génissiat, die touristisch genutzt werden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Ecker, Dietrich: Herbert Eichholzer. Architekt (1903–1943). Hg. v. Peter Schurz. Wien–Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2004.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje: Keine Würfelwelt. Architekturpositionen einer „bodenständigen“ Moderne. Graz 1918–1938. Graz: HDA-Verlag 2007.&lt;br /&gt;
*Senarclens de Grancy, Antje / Halbrainer, Heimo: Totes Leben gibt es nicht. Herbert Eichholzer 1903–1943. Architektur – Kunst – Politik. Wien–New York: Springer-Verlag 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Antje Senarclens de Grancy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 16/12/2024&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Herbert_Eichholzer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Herbert Eichholzer
Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Herbert Eichholzer&lt;br /&gt;
Foto: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Adolf Loos</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Loos.jpg||thumb|Adolf Loos (um 1920)]] Adolf Loos (* 10. Dezember 1870 in Brünn, † 23. August 1933 in Kalksburg bei Wien, heute Teil von Wien) ist vor allem als Wiener bzw. Prager Architekt bekannt, dabei vergisst die Historiographie die mit Frankreich geknüpften Verbindungen, insbesondere mit Paris, wo er sich zwischen 1923 und 1931 aufgehalten hat. Diese Pariser Periode, die laut dem Historiker Panayotis Tournikiotis&amp;lt;ref&amp;gt;Tournikiotis 2002, 293&amp;lt;/ref&amp;gt; „den wahren Traum seines Lebens“ darstellt, hat lange seine Laufbahn geprägt, sowie die der Menschen, mit denen er dort in Kontakt stand. Sie repräsentiert die Zeit, in der seine Theorien über die Architektur im Dialog mit den damals in der französischen Hauptstadt innovativ schaffenden Künstlerkreisen internationale Bedeutung gewannen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Der 1870 in Brno (Brünn), einer tschechischen Stadt des österreich-ungarischen Reichs, geborene Adolf Loos ist als Architekt und Theoretiker berühmt: auch wenn der bedeutendste Teil seines Werks in den Wiener Jahren zwischen 1899 und 1923 entstanden ist, schreibt er bis zu seinem Lebensende zahlreiche Essays. Nach dem Zusammenbruch des österreichisch-ungarischen Reichs verlässt er Wien und hält sich in Frankreich und in Prag auf, wo er 1928 die Villa Müller erbaut, die damals in Bezug auf Raumplanung und Wohnkultur als vollendeter Ausdruck seines Denkens betrachtet wurde. &lt;br /&gt;
Seine gerne polemischen, weit verbreiteten Schriften haben das Denken in der Welt der Architektur des 20. Jahrhunderts stark geprägt: bald wird er als einer der Gründer der modernen Architektur, bald als der erste postmoderne Architekt betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:17 Adolf Loos, Wohnhaus Tristan Tzara, 15, Avenue Junot, Paris, 1925-26.JPG|thumb|left|Adolf Loos, Villa Tzara, 1925-1926]]Dass Loos sich 1923 in Paris niederlässt, entspricht einer gewissen Kontinuität im Werdegang dieses überzeugten Europäers, der Reisen als Anregung zu Neuentdeckungen und als Inspirationsquelle betrachtet – das erinnert an die im 18. Jahrhundert initiierte „Grand Tour“ der Künstlereliten. Anlässlich kurzer Reisen im ersten Jahrzehnt der 1900er Jahre hatte sich Loos schon in Südfrankreich und in den französischen Kolonien Nordafrikas aufgehalten: in seinen ersten Schriften kommt Frankreich exemplarische Bedeutung zu, ebenso wie England und den Vereinigten Staaten, im Gegensatz zu Österreich und dessen Hauptstadt, die er für altmodisch und provinziell hält. Entscheidend für den Entschluss, Wien im Alter von schon fünfzig Jahren zu verlassen, sind jedoch vielmehr seine Begegnungen mit französischen Kollegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1912 macht er die Bekanntschaft des französischen Germanisten [[Marcel Ray]], der so wie er selbst an der von Eugenie Schwarzwald&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Eugenie_Schwarzwald&amp;lt;/ref&amp;gt;, einer engen Freundin Adolf Loos‘, geleiteten Mädchenschule unterrichtet. Loos unterrichtet dort Kunstgeschichte und benutzt die Räume der Schule für seinen eigenen Architekturunterricht, während Ray seinerseits Kurse für französische Literatur erteilt. Fast unmittelbar nach ihrer ersten Begegnung beschließt Ray, Adolf Loos für &#039;&#039;Les Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; zu übersetzen, eine den zeitgenössischen Denkern gewidmete, deutlich international orientierte französische Zeitschrift: „Er ist der ‚modernste‘ Architekt in Europa. Er hat eine Menge interessante Ideen und Theorien (…)“, schreibt er seinem Freund Georges Besson&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article16607&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem Chefredakteur der Zeitschrift. Die zwei ersten von Ray übersetzten Texte sind praktisch unveröffentlicht: 1912 „Stil und moderne Architektur“, 1910 nur zum Teil in der Berliner Zeitschrift &#039;&#039;Der Sturm&#039;&#039; veröffentlicht, aber vor allem 1913 „Ornament und Verbrechen“, bislang nur in der Form von in Wien, Prag, Berlin und München gehaltenen Vorträgen vorliegend. Diese beiden Texte sind heute immer noch Loos‘ berühmteste Schriften. „Ornament und Verbrechen“ gehört zu den großen „Klassikern“ der modernen Architektur, denn die Veröffentlichung hat zahlreiche Polemiken über die Architektur ausgelöst, die weit über den französischen Rahmen hinausgingen. Die Veröffentlichungen dieses Essays von Adolf Loos in französischen Architekturzeitschriften belegen seine Bedeutung: L’Esprit nouveau, die von [[Le Corbusier]] geleitete Zeitschrift, nimmt 1920 diesen Artikel wieder auf, sowie 1926 &#039;&#039;L’Architecture vivante&#039;&#039;, dann 1930 &#039;&#039;[[L&#039;Architecture d&#039;aujourd&#039;hui]]. 1931 interessieren Loos’ Texte auch die Germanistin [[Germaine Goblot]], die sie übersetzt und ein Porträt des Architekten für die Zeitschrift &#039;&#039;Allemagne d’aujourd’hui&#039;&#039; verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Publikationen und die in Wien geknüpften Verbindungen besitzt Loos ein gutes Netzwerk in Frankreich, so dass logischerweise das Projekt in ihm heranreift, sich in Frankreich niederzulassen, umso mehr als er zutiefst unter dem Mangel an offizieller Anerkennung leidet, und dies in einer Schaffensphase, in der seine beruflichen Beziehungen sich immer mehr verschlechtern. Diese Spannungen sind nichts Neues und reichen in die Zeit seiner Heimkehr aus den Vereinigten Staaten im Jahre 1897 zurück. Obwohl Loos in der österreichischen Hauptstadt viel erbaut hat (beinahe 70 Aufträge zwischen 1897 und 1918), wurden die von ihm realisierten Werke in der Öffentlichkeit oft negativ bewertet, so etwa 1910 die Fassade des gegenüber der Hofburg gelegenen Wohnhauses mit dem Geschäft Goldmann &amp;amp; Salatsch im Erdgeschoss, oder das abgestufte Flachdach der als Terrassenhaus konzipierten Villa Scheu. Und das Wichtigste: obwohl Loos zwischen 1918 und 1922 als Chefarchitekt für die Wiener Sozialwohnungen fungiert, gelingt es ihm nicht, eine Bewilligung zu erhalten für das Modell der Gartensiedlungen, das er entwickeln möchte, denn die Behörden entscheiden sich für den Bau von Wohnensembles gemäß dem Prinzip der dichten Besiedlung: da fasst der Architekt die Entscheidung zu kündigen und das Land zu verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[File:18 Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 146, Avenue des Champs-Élysées, Paris, 1927-28 © Wien Museum.jpg|thumb||Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 1927-1928]]Sowohl die Freundschaftsbande mit Ray als auch das Interesse, das ihm die Gruppe um die &#039;&#039;Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; entgegenbringt, machen ihm den Anfang in Paris relativ leicht, und er wird sogar schon bei seiner Ankunft eingeladen, sich an der Ausstellung des „Salon d’automne“ zu beteiligen. Er wird offiziell von Francis Jourdain&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article88131&amp;lt;/ref&amp;gt; unterstützt, dem Sohn des Initiators des „Salon d’automne“, der ihn 1924 zum Sekretär ernennen lässt, und 1926 bekommt er wieder die Möglichkeit, sein Werk dort auszustellen, insbesondere das Modell eines Projekts für Josephine Baker&amp;lt;ref&amp;gt;https://maitron.fr/spip.php?article169473&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese französischen Ausstellungen, die ersten seiner Laufbahn, repräsentieren mächtige Verbreitungsmedien für das Denken von Adolf Loos. Die Rezeption ist geteilt und erinnert an die Polemiken, die schon die Veröffentlichung von Ornament und Verbrechen begleitet hatten: die einen kritisieren sein „Germanentum“ und seine internationalistische Dimension, die anderen loben seine Modernität und die Bereicherung für die junge französische Architektengeneration, z.B. Jourdain, Robert Mallet-Stevens&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.mallet-stevens.paris/bio/&amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch [[Gabriel Guévrékian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den Ausstellungen wird Loos auch aufgefordert, Vorträge zu halten, was seinen Status als Theoretiker bestätigt: so wird er 1926 von der Gesellschaft für die Fremdsprachenförderung in Frankreich (SPLEF, &#039;&#039;Société pour la propagation des langues étrangères en France&#039;&#039;) in die Sorbonne eingeladen. Dort greift er eine Konferenz wieder auf, die er schon mehrere Male im alten Kaiserreich gehalten hatte, „Der Mensch mit den modernen Nerven“: mit dieser Apologie der amerikanischen Modernität erntet er einen großen Erfolg innerhalb der Gemeinschaft der ausländischen Künstler und Intellektuellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Ausstellungen, Vorträge und Publikationen Loos‘ Aufenthalt in Frankreich wie Meilensteine markieren und eine Tribüne zur Verbreitung seiner Theorien darstellen, bleiben die Aufträge spärlich. Loos erbaut in den Jahren 1926-1927 das Haus des Dichters [[Tristan Tzara]] und der Malerin Greta Knutson, Nr. 15 der avenue Junot im 18. Pariser Arrondissement&amp;lt;ref&amp;gt;https://pop.culture.gouv.fr/notice/memoire/AP56K001720&amp;lt;/ref&amp;gt;, und 1928 gestaltet er für das Ehepaar Hugo und [[Lilly Steiner]], schon in Wien seine Auftraggeber, das Haus für Herrenmode Knize auf den Champs-Elysées. Während das Modehaus auf zahlreichen von großen Fotografen realisierten Covers abgebildet wird, etwa Man Ray&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.centrepompidou.fr/fr/ressources/archive/yTdldhc&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Thérèse Bonnet&amp;lt;ref&amp;gt;https://bibliotheques-specialisees.paris.fr/collections-numerisees/recemment-numerise/therese-bonney-photographe-de-la-modernite&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;https://pop.culture.gouv.fr/notice/memoire/APBNN001909&amp;lt;/ref&amp;gt;, scheint die Villa die öffentliche Meinung zu spalten: Greta Knutson klagt über den Mangel an Komfort in ihrem Haus, und manche Freunde des Ehepaars bedauern, dass es so streng und düster wirkt. Die anderen Projekte, die uns von Ausstellungsmodellen oder Zeichnungen bekannt sind, gehen nicht über den Rahmen der Papierarchitektur hinaus: so das Haus von Josephine Baker, wobei man nicht weiß, ob diesem ein Auftrag zugrunde gelegen hat. Die geringe Zahl an Aufträgen erlaubt es Loos nicht, dauerhaft in Paris Fuß zu fassen, sodass er weiterhin in Wien und Prag als Architekt arbeiten muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines nur von kurzen Besuchen in Österreich und der Tschechoslowakei unterbrochenen Aufenthalts in Paris verkehrt Loos mit den osteuropäischen Künstlerkolonien und knüpft an die Gewohnheiten des Wiener gesellschaftlichen Lebens wieder an, indem er viel Zeit in den Cafés verbringt, zum Beispiel in Montparnasse (Dôme, Coupole, Bal Bullier), wo er die Kontakte mit seinen früheren Freunden, Beschützern und Anhängern wiederaufnimmt. Zu ihnen zählen [[Gabriel Guévrékian]], [[Jean Welz]], Zlatko Neumann&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.voglhofer.at/_rtf-voglhofer/CMS_fg49ba0c892c97c_orig_1016.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;https://pop.culture.gouv.fr/notice/memoire/AP72L002514&amp;lt;/ref&amp;gt;, Robert Mallet-Stevens oder auch [[Otto Bauer]], fünf Architekten, von denen der eine oder der andere in Wien gelebt hat, bevor er in Paris zu schaffen begann: ihre Arbeiten zeugen von Loos‘ Einfluss, insbesondere wenn es darum geht, den sogenannten &#039;&#039;Raumplan&#039;&#039; in ihrem Werk umzusetzen. Andere Architekten wie [[Le Corbusier]] und Francis Jourdain entdecken das Werk von Adolf Loos durch seine in Frankreich übersetzten Schriften und integrieren sein Denken in ihre Werke: so zum Beispiel Jourdains Sessel in Form eines Kommas (Fauteuil „Virgule“), eine Variation des „Knieschwimmers“, eines von Loos‘ Lieblingssesseln, den man in fast allen seinen Innenräumen sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet dieser Anerkennung und der Internationalisierung seines Denkens während der Pariser Periode kann Loos in Paris, materiell gesehen, kaum überleben, obwohl er auf die Unterstützung seiner tschechoslowakischen Kontakte aus Brno und Prag zählen kann. 1924-1925 arbeitet er in Frankreich als Handelsvertreter für die in Brno ansässige Möbelfirma UP Zavody (uměleckoprůmyslové závody, kunstgewerbliche Ateliers) und als Herausgeber der zweisprachigen (tschechisch-deutsch) Zeitschrift Bytová Kultura (Wohnkultur), die Texte von – vor allem französischen – Autoren wie Le Corbusier, Marie Dormoy&amp;lt;ref&amp;gt;https://agorha.inha.fr/ark:/54721/16678264-26d1-44e8-ab66-9681ed50c97c&amp;lt;/ref&amp;gt; oder [[André Lurçat]] veröffentlicht. In diesem Sinne bedeutet Frankreich für Loos einen Einschnitt zwischen seiner ausschließlich in Wien verlaufenden Karriere vor dem Krieg und seinen letzten tschechoslowakischen Arbeiten am Anfang der 30er Jahre: er erreicht damit internationale Berühmtheit und wird für die junge Generation französischer – und tschechoslowakischer – Architekten zum unumgänglichen Theoretiker der Architektur der Moderne. So formuliert es schon 1913 Le Corbusier in einem Brief an Auguste Perret&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academiedesbeauxarts.fr/auguste-perret&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Ich werde mich von nun an oft hinter Loos verstecken, wenn ich einen Boten mit der Überbringung meines Evangeliums beauftrage.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Goblot, Germaine : « Adolf Loos ». In : Revue d’Allemagne, n° 49, 15 novembre 1931, p. 991–999.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « L’architecture et le style moderne ». In : Les Cahiers d’aujourd’hui, n° 2, décembre 1912, p. 82–92. &lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Ornement et crime ». In : Les Cahiers d’aujourd’hui, n° 5, juin 1913, p. 247–256. &lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Ornement et crime ». In : L’Esprit nouveau, n° 2, novembre 1920, p. 159–168.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Histoire d’un pauvre homme riche ». In : Les Cahiers d’aujourd’hui, n° 8, janvier 1922, p. 62–66.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « L’Inhumaine : Histoire féerique ». In : Neue Freie Presse, 29 juillet 1924, p. 9.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Ornement et crime ». In : L’Architecture vivante, printemps-été 1926.&lt;br /&gt;
*Loos, Adolf : « Règles pour celui qui construit dans la montagne » et « Céramique ». In : Revue d’Allemagne, 15 novembre 1931, p. 1000–1009.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Brunhammer, Yvonne : « Les années parisiennes d’Adolf Loos, 1922–1928 ». In : Vienne 1880–1938 : L’apocalypse joyeuse, sous la direction de Jean Clair. Paris : Centre Georges Pompidou 1986, p. 586–593.&lt;br /&gt;
*Meder, Iris : « Lilly Steiner und der Loos-Kreis in Paris ». In : Moderne auf der Flucht: Österreichische Künstler (und Künstlerinnen) in Frankreich 1938–1945, sous la direction d’Andrea Winklbauer. Vienne : Turia &amp;amp; Kant 2008, p. 113–127.&lt;br /&gt;
*Ottillinger, Eva : « Loos, Paris und die Jungen ». In : Wien-Paris: Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne, 1880–1960, sous la direction d’Agnes Husslein-Arco. Vienne : Christian Brandstätter 2007, p. 319–327.&lt;br /&gt;
*Poulot, Cécile : « La migration artistique d’Adolf Loos à Paris : la recherche d’une nouvelle reconnaissance dans un foyer artistique cosmopolite ». In : Artistic Migration and Identity in Paris, 1870-1940, sous la direction de Federico Lazzaro et Steven Huebner. New York : Peter Lang 2020, p. 61–77.&lt;br /&gt;
*Poulot, Cécile : Adolf Loos, un architecte au carrefour de l’Europe. Paris : Hermann, 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Cécile Poulot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übersetzt von Hélène Belletto-Sussel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 14/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Adolf_Loos}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Österreichische bildende Künstler:innen in Frankreich (20. Jh.)</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Industrialisierung sowie das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ließen Paris im 19. Jahrhundert zur globalen Metropole aufsteigen (1800: rund 500.000 Einwohner, 1900: rund 2,7 Mio.). Die Nachfrage des weltgrößten Kunstmarktes und die zahlreichen Präsentationsmöglichkeiten immer neuer Werke waren wesentliche Faktoren der Entstehung der modernen Kunst um 1900. So wirkte Paris als „Hauptstadt der Moderne“ wie ein Magnet auf zahlreiche Künstler:innen, Designer:innen und Architekt:innen aus aller Welt und aus Österreich. Sie verbrachten längere Studien- und Arbeitsaufenthalte in Paris, in der bukolischen Provence oder an den Küsten des Atlantiks und des Mittelmeers, wo die französischen Pioniere der Moderne gearbeitet hatten. Einige von ihnen konnten sich erfolgreich im Pariser Kunstbetrieb etablieren und Prominenz entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreich im 20. Jahrhundert==&lt;br /&gt;
Der Begriff des Österreichischen bezieht sich im 20. Jahrhundert auf zwei verschieden große Territorien und fünf höchst unterschiedliche Staatsformen bzw. Regierungen. Bis 1918 umfasste das Staatsgebiet Österreichs (die „cisleithanische“ Hälfte der österreichisch-ungarischen Monarchie) die Gebiete des Erzherzogtums Österreich, die böhmischen Länder mit Böhmen, Mähren und österreichisch-Schlesien, sowie Galizien, die Bukowina und das nordadriatische Küstenland. Künstler:innen aus diesen Ländern der Habsburger-Monarchie firmierten – etwa auf den Weltausstellungen in Paris – als Österreicher:innen. In Frankreich waren sie als österreichische Staatsangehörige auch den Folgen des Kriegsausbruchs am 28. Juli 1914 unterworfen (entweder Landesverweis bzw. Internierung oder Kampf für die &#039;&#039;Entente&#039;&#039;). Seit der Gründung der &#039;&#039;Republik Deutschösterreich&#039;&#039; am 12. November 1918 (später umbenannt in &#039;&#039;Republik Österreich&#039;&#039;) versteht man Staatsbürger:innen und Einwohner:innen der deutschsprachigen Gebiete der ehemaligen Monarchie als Österreicher:innen. Die Staatsform dieses Territoriums änderte sich am 4. März 1933 erneut mit der Implementierung der christlich-sozialen Kanzlerdiktatur („Austrofaschismus“, „Ständestaat“). Vom 13. März 1938 („Anschluss“ an NS-Deutschland) bis zur Gründung der Zweiten Republik am 27. April 1945 existierte kein österreichischer Staat. Die Österreicher:innen wurden zu deutschen Staatsbürgern und konnten unter bestimmten Voraussetzungen in die von Deutschland besetzten Gebiete Europas reisen, darunter auch nach Frankreich. Mit der Etablierung der Neutralität Österreichs 1955, dem EU-Beitritt 1995 und dem Beitritt zum Schengen-Abkommen 1997 entstanden weitere relevante Parameter der temporären oder dauerhaften Künstler:innen-Migration österreichischer Künstler:innen nach Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1900–1914==&lt;br /&gt;
Von den 1890er Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erblühten in Paris zahlreiche klassisch-moderne Kunstströmungen, darunter der Art Nouveau, der [[Fauvismus]] und der [[Kubismus]]. Sie wirkten als mächtige Pull-Faktoren für moderne österreichische Künstler:innen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spät- und Postimpressionismus, Art Nouveau, früher Kubismus===&lt;br /&gt;
Vier Künstler aus Böhmen und Mähren, die damals zu Österreich gehörten, bildeten die Pioniergruppe österreichischer Künstler des 20. Jahrhunderts in Paris. Als bewusste Tschechen suchten sie gezielt andere Anregungen als jene, die sie in der Hauptstadt Wien erhalten konnten. Der mährische Grafiker und Maler Alfons Mucha besuchte 1889 die Weltausstellung und blieb danach in Paris. Dort teilte er sich kurzfristig ein Wohnatelier mit [[Paul Gauguin]]. 1898 lehrte er an den privaten Pariser &#039;&#039;Académies Colarossi&#039;&#039; und &#039;&#039;Carmen&#039;&#039;. 1902 begleitete er [[Auguste Rodin]], der im Jahr zuvor eine einflussreiche Werkschau in der Secession gezeigt hatte und 1909 ein Porträt des Wiener Komponisten [[Gustav Mahler]] schuf, auf einer Reise nach Mähren. Als Grafiker errang Mucha mit seinen berühmten Art-Nouveau-Plakaten (etwa für die Schauspielerin &#039;&#039;Sarah Bernhardt&#039;&#039; oder für &#039;&#039;Österreich auf der Weltausstellung 1900&#039;&#039;) großes Renommée in Paris, bevor er 1918 nach Prag zog. Der böhmische Künstler František Kupka traf 1894 in Paris ein, etablierte sich dort ebenfalls als Illustrator und ab 1911 auch als einer der ersten abstrakten Maler. 1914 standen viele tschechische Künstler mit österreichischer Staatsangehörigkeit vor der Wahl zwischen der Heimreise und dem Eintritt in die französische Armee. Kupka wählte den Kriegsdienst und kehrte erst 1918 wie Mucha zurück nach Prag. 1906 bis 1910 studierte der böhmische Maler und Bildhauer Otto Gutfreund an der privaten &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.academiegrandechaumiere.com/celebrites&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Antoine Bourdelle. In Paris lernte er den Kubismus kennen. Wie Kupka kämpfte auch Gutfreund für Frankreich in einer tschechischen Legion und ging 1920 zurück nach Prag. Der kubistische Maler Emil Filla aus Mähren schließlich hielt sich seit der Zeit um 1910 mehrmals in Paris auf, wo ihm der Prager Sammler und Kunsthistoriker Vincenc Kramář die Bekanntschaft mit Picasso und Braque vermittelte. Den Weltkrieg verbrachte Filla in Holland und kehrte wie Mucha, Kupka und Gutfreund 1918 zurück nach Prag, um dort nach Pariser Vorbild die moderne Kunst der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik (CSR) mit aufzubauen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:01 František Kupka, Die Kathedrale, 1912-13 © Museum Kampa, Prag.webp|thumb|František Kupka, Die Kathedrale, 1912-13&lt;br /&gt;
Datei:02 Otto Gutfreund, Violoncelliste, c. 1912-13.jpg|||thumb|Otto Gutfreund, Cellospieler, 1912-13&lt;br /&gt;
Datei:03 Les lingeres place du Tetre.jpg|thumb|Rudolf Quittner, Les lingères place du Tetre, Paris, vor 1910&lt;br /&gt;
Datei:04 Bondy-Pavilion.jpg|thumb|Walter Bondy, Blauer Pavillon in Saint-Cloud, 1907&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Weltausstellung, der prosperierende Kunstmarkt und die zahlreichen modernen Kunstströmungen führten ab 1900 dazu, dass sich bis 1914 immer mehr österreichische Künstler:innen in Paris ansiedelten oder längere Studien- und Arbeitsaufenthalte dort verbrachten. So bewunderte die Bildhauerin [[Elsa Kövesházi-Kalmár]] im Jahre 1900 die Kunst Auguste Rodins vor Ort und lebte 1912–14 in Paris. Ab 1901 verbrachte der Maler und Fabrikantensohn Rudolf Quittner jeden Sommer in der Hauptstadt der Moderne, wo er an der privaten &#039;&#039;[[Académie Julian]]&#039;&#039; am Montmartre studierte und spätimpressionistische Stadtbilder malte. 1910 verstarb er in Neuilly-sur-Seine. 1903–14 lebte der Wiener Maler [[Walter Bondy]], ein weiterer Erbe eines Industrievermögens, in Paris. 1918–1930 pendelte er zwischen Frankreich, Wien und Berlin. 1931 bis zu seinem Tod 1940 ließ sich Bondy im beliebten mediterranen Künstlerdorf Sanary-sur-Mer nieder. 1904–1909 lebte der Maler und Illustrator Ferdinand Michl in Paris, der dort im Stile des Art Nouveau für illustrierte Zeitschriften wie &#039;&#039;Le Rire&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Témoin&#039;&#039; arbeitete. 1909 unternahm Gustav Klimt seine erste und einzige Reise nach Paris. Dort besuchte er [[Auguste Rodin]], den er seit dessen erfolgreicher Beteiligung an der IX. Ausstellung der [[Wiener Secession|Secession]] 1901 kannte. Darüber hinaus suchte Klimt gezielt Werke von Toulouse-Lautrec, [[Vincent Van Gogh|Van Gogh]], [[Paul Gauguin|Gauguin]] und [[Henri Matisse|Matisse]] auf, was sein Spätwerk deutlich beeinflusste.[[Datei:05 Georg Merkel, Mediterrane Landschaft mit Akten, um 1912, Slg. Ernst Ploil, Wien.jpg||220px|thumb|Georg Merkel, Mediterrane Landschaft mit Akten, um 1912]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cézanne und die Folgen===&lt;br /&gt;
Seit der Jahrhundertwende begann auch die innovative Malerei von [[Paul Cézanne]] ihre große Wirkung zu entfalten – etwa durch einen eigenen Saal im Salon d’automne von 1904, an dem Cézannes Händler Ambroise Vollard mitwirkte. 1905 trafen der Maler [[Georg Merkel]] und seine Frau [[Louise Merkel-Romée]] in Paris ein und orientierten sich in ihren Bildern deutlich an der Kunst von Cézanne und Puvis de Chavannes. Sie lebten bis 1908 und erneut 1909–1914 in Paris. Ab 1922 stellten sie ihre Bilder französischer Inspiration im Wiener [[Hagenbund]] aus. 1938 flohen sie nach Frankreich. Sie überlebten nach einer vorübergehenden Internierung im Süden, gingen nach 1945 zurück nach Wien, reisten jedoch immer wieder nach Montauban rund 50 km nördlich von Toulouse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fünf fauvistische Malerinnen===&lt;br /&gt;
[[Datei:06 Helene Funke, An der südfranzösischen Küste, um 1910.jpg||left|250px|thumb|[[Helene Funke]], An der südfranzösischen Küste, um 1910]][[Datei:07 Helene von Taussig, Weiblicher Akt, um 1911-14 © Salzburg Museum.jpg|||200px|thumb|[[Helene von Taussig]], Weiblicher Akt, um 1911-14]]Vor dem Ersten Weltkrieg lernte auch eine Gruppe von fünf österreichischen Künstlerinnen in Frankreich, von denen einige um 1900 an der Wiener Kunstgewerbeschule studiert hatten. Diese Malerinnen können als bisher zu wenig gewürdigte Pionierinnen der farbintensiven expressionistischen Malerei in Österreich bezeichnet werden. Sie hatten sich lange vor [[Oskar Kokoschka]] und anderen Expressionisten, die erst in den 1920er Jahren Paris waren, vor Ort mit der Malerei der [[Nabis]] und der [[Fauvismus|Fauves]] vertraut gemacht. [[Helene Funke]] entstammte einer wohlhabenden deutschen Familie, lebte 1905–1913 in Paris und Südfrankreich und rezipierte als eine der ersten österreichischen Künstler:innen den Fauvismus von Matisse, Braque und Derain. [[Emma Schlangenhausen]] studierte 1909 bis 1914 in Paris an der &#039;&#039;Académie Ranson&#039;&#039; bei Maurice Denis und ab 1914 in der Schweiz bei Cuno Amiet, der 1892/93 in Pont-Aven gelebt und dort die Kunst von Gauguin, Sérusier, Bernard und Denis kennengelernt hatte. 1918 ließ sie sich in Salzburg nieder. Auch [[Marie Cyrenius]] und Magda Mautner-Markhof, eine Schwägerin von Kolo Moser, lernten 1909/10 an der &#039;&#039;Académie Ranson&#039;&#039; sowie 1910 bei Cuno Amiet, bevor sie nach Salzburg gingen. [[Helene von Taussig]], Tochter eines einflussreichen Wiener Bankiers, stieß 1911 in Paris zu Emma Schlangenhausen und lebte ab 1918 ebenfalls in Salzburg. 1942 wurde sie in der Shoah ermordet. [[Hilde Exner]] hatte vor 1914 bei Aristide Maillol in Paris gelernt und lebte ab 1918 wie ihre Kolleginnen in Salzburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Schule von Pont-Aven===&lt;br /&gt;
Die Nabis und die Schule von Pont-Aven übten auch auf [[Carl Moser]] und Heinrich Schröder intensive Einflüsse aus. Der Südtiroler Moser lernte 1906/07 an der [[Académie Julian]] in Paris. Anschließend hielt er sich – vielleicht auf Anregung seines Künstlerfreundes [[Max Kurzweil]] – in Concarneau und in Douarnenez in der Bretagne sowie in Deauville in der Normandie auf. Nach seiner Rückkehr bildeten typische Motive jener Küstenorte den zentralen Inhalt seiner bekannten Farbholzschnitte. Heinrich Schröder wurde von der Malerin [[Broncia Koller-Pinell]] gefördert und reiste um 1910 nach Frankreich. In der Bretagne entstanden Bilder, die evident die Schule von Pont-Aven fortsetzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;200px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:09 Carl Moser Marché aux poissons Douarnenez.jpg|[[Carl Moser]], Fischmarkt in Douarnenez, 1929&lt;br /&gt;
Datei:10 Heinrich Schröder Boote vor Étretat, 1909.jpg|Heinrich Schröder, Boote bei Étretat, 1909&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kubismus-Rezeption===&lt;br /&gt;
Der [[Kubismus]] wurde nach Aufenthalten in Frankreich vor 1914 am deutlichsten von Alfred Wickenburg, Felix Albrecht Harta, Albert Paris Gütersloh und Aloys Wach rezipiert. Wickenburg studierte 1906–09 an der &#039;&#039;[[Académie Julian]]&#039;&#039; in Paris und danach bei Adolf Hölzel in Stuttgart. Ab den 1920er Jahren malte er in Varianten des Kubismus. Harta weilte 1908 (Beteiligung am &#039;&#039;Salon d’automne&#039;&#039;) sowie 1912/13 und 1926/27 in Paris. Schon vor 1914 malte er expressiv-kubistische Straßenszenen aus der französischen Hauptstadt. Auch Gütersloh, der sich 1911/12 in Paris aufhielt und dort Maurice Denis kennenlernte, pflegte danach eine individuelle, intensivfärbige Fortentwicklung des Kubismus. Schließlich besuchte der expressionistisch-kubistische oberösterreichische Maler Aloys Wach 1913/14 die &#039;&#039;Académie Colarossi&#039;&#039; in Paris. Dort lernte er Amedeo Modigliani kennen und freundete sich mit Künstlerkollegen im &#039;&#039;Bateau-Lavoir&#039;&#039; an, bevor er wegen des Krieges nach Österreich zurückkehren musste.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:11 Alfred Wickenburg, Rinaldo und Armida, 1923 © Belvedere, Wien.jpg|Alfred Wickenburg, Rinaldo und Armida, 1923&lt;br /&gt;
Datei:12 Felix Albrecht Harta, Pariser Straßenkreuzung, 1913, Slg. Ernst Ploil.jpg|Felix Albrecht Harta, Pariser Straßenkreuzung, 1913&lt;br /&gt;
Datei:13 Albert Paris Gütersloh, Damenbildnis, 1913 © Galerie Maier, Innsbruck.jpg|Albert Paris Gütersloh, Damenbildnis, 1913&lt;br /&gt;
Datei:14 Aloys Wach - Frau vor einer Ruine,.jpg|Aloys Wach, Frau vor einer Ruine, 1917&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hagenbündler und die Neukunstgruppe===&lt;br /&gt;
[[Datei:15 Anton Kolig, Die Gattin des Künstlers, Ambleteuse 1913 © Belvedere, Wien.jpg|thumb|250px|left|[[Anton Kolig]], Die Gattin des Künstlers, Ambleteuse, Pas-de-Calais, 1913]]Die letzten Aufenthalte österreichischer Künstler in Frankreich vor 1914 standen bereits im Schatten des Weltkrieges. Kurz vor Kriegsbeginn weilten mit Leopold Gottlieb, Beni Ferenczy, Robert Kloss und Kazimierz Sichulski einige Maler des Wiener [[Hagenbund|Hagenbundes]] in Frankreich. Die beiden jungen Kärntner Maler [[Anton Kolig]] und Franz Wiegele&amp;lt;ref&amp;gt;https://sammlung.belvedere.at/people/2544/franz-wiegele&amp;lt;/ref&amp;gt;, die mit [[Egon Schiele]] und Anton Faistauer in Wien die Neukunstgruppe gegründet und [[Datei:16 Franz Wiegele, Beduine, um 1917, Privatbesitz.jpg|250px|thumb||Franz Wiegele, Beduine, um 1917]]sich in Aufsehen erregenden Ausstellungen 1909 im Kunstsalon Pisko und 1911 gemeinsam mit [[Oskar Kokoschka]] im [[Hagenbund]] präsentiert hatten, erhielten 1912 auf Vermittlung von Carl Moll Reisestipendien nach Frankreich. In Paris bildeten sie sich als freie Künstler weiter, bevor Kolig nach Südfrankreich ging und Wiegele in die französischen Kolonien Nordafrikas reiste. Überrascht vom Kriegsausbruch im August 1914, musste Kolig samt Familie unter Zurücklassung seiner Bilder überstürzt aus Cassis zurück nach Österreich flüchten. Wiegele hingegen wurde im algerischen Sebdou und auf der Insel Sainte-Marguerite vor Cannes interniert, bevor er 1916 als Austauschgefangener freikam. Auch die impressionistisch-stimmungsrealistische Malerin Marie Egner wurde auf einer Frankreichreise 1914 vom Kriegsausbruch überrascht und einige Monate interniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Kriegsbeginn war Frankreich für fast ein Jahrzehnt aufgrund zahlreicher politischer und finanzieller Reisehindernisse ein nahezu unerreichbares Ziel für österreichische Künstler:innen. Am Ende des Ersten Weltkrieges waren die austrofranzösischen Kunstbeziehungen nahezu am Nullpunkt angelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1918–1933==&lt;br /&gt;
Ab den frühen 1920er Jahren zogen erneut zahlreiche Künstler:innen aus Wien nach Paris, das nach wie vor als Zentrum der modernen Kunst galt. Hatten vor dem Krieg unter den österreichischen Künstler:innen in Frankreich noch die Maler:innen dominiert, so betraten nach 1918 immer mehr Architekten und Designerinnen die Bühne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Adolf Loos===&lt;br /&gt;
[[Datei:17 Adolf Loos, Wohnhaus Tristan Tzara, 15, Avenue Junot, Paris, 1925-26.JPG|thumb|left|250px|[[Adolf Loos]], Wohnhaus Tristan Tzara, 1925-26]]Der prominenteste österreichische Architekt, der sich in der Zwischenkriegszeit in Frankreich aufhielt, war [[Adolf Loos]]. Durch Publikationen seiner wegweisenden frühen Bauten und die erstmalige Veröffentlichung seines berühmten Essays „Ornament und Verbrechen“ im Juni 1913 in der Zeitschrift &#039;&#039;Les Cahiers d’aujourd’hui&#039;&#039; (&#039;&#039;Ornement et Crime&#039;&#039;, übersetzt von [[Marcel Ray]]) war er in Pariser Avantgarde-Kreisen bereits hoch angesehen. Nachdem das „Rote Wien“ (sozialdemokratische Stadtregierung 1919–33) Loos’ Konzepte für den kommunalen Wohnbau nicht realisieren wollte und die private Bautätigkeit in Österreich auf ein Minimum gesunken war, reiste er ab 1920 immer öfter nach Frankreich. 1922/23 weilte Loos an der Côte d’Azur und adaptierte sein Terrassenhaus-Konzept an das mediterrane Ambiente neuer Wohnhaus- und Hotelprojekte (Grand Hotel Babylon in Nizza, Gruppe von zwanzig Villen mit Dachgärten, Villa für Paul Verdier). Seine Idee für ein Hotel in einem Pinienwald an der Côte d’Azur wurde 1931 in der Zeitschrift &#039;&#039;[[L’Architecture d’Aujourd’hui]]&#039;&#039; publiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:18 Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 146, Avenue des Champs-Élysées, Paris, 1927-28 © Wien Museum.jpg|thumb|250px|Adolf Loos, Herrensalon Kniže, 1927/28]]1923 zog Loos zum österreichischen Musiker [[Jan Śliwinski|Jan Ślivińsky]] (Hans Effenberger) an den Quai d’Orléans 20 in Paris. Ślivińsky betrieb 1925–1929 in der Rue du Cherche-Midi 5 die Avantgarde-Galerie &#039;&#039;[[Au sacre du printemps]]&#039;&#039;, in der u.a. 1928 die zweite Surrealismus-Ausstellung stattfand. Dort stellten auch österreichische Künstler wie der Grafiker Heinrich Sussmann aus, der an der Académie de la Grande Chaumière gelernt hatte und mit Unterbrechungen durch Wien-Reisen und KZ-Haft bis 1945 in Frankreich lebte. Adolf Loos’ Umgang mit der Pariser Avantgarde brachte ihn auch in Kontakt mit Marcel L’Herbier, Willi Baumeister, Piet Mondrian und Enrico Prampolini. 1925 wohnte er in der Rue de Rivoli 42 bei Erwin Rosenberg, für den er ein nicht realisiertes Haus an der Avenue Junot entwarf. 1926–28 lebte Loos in der Rue de la Boétie 101 sowie im Hotel Californie in der Rue de Berri 16. An realisierten Projekten plante er mit seinen temporären Mitarbeitern Zlatko Neumann, Heinrich Kulka, [[Jean Welz]] und Walter Loos 1925/26 das Wohnhaus des dadaistischen Dichters [[Tristan Tzara]] in der Avenue Junot 15 sowie 1927/28 die Pariser Filiale des Wiener Herrenausstatters &#039;&#039;Kniže&#039;&#039; an der Avenue des Champs-Élysées 146. Für die bekannte amerikanische Tänzerin Josephine Baker entwarf Loos 1927 ein nicht realisiertes Pariser Wohnhaus mit Swimmingpool.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Art Déco und Neoplastizismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:19 Josef Hoffmann, Österreich-Pavillon, Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes, Paris 1925 © MAK, Wien.jpg|left|thumb||Josef Hoffmann, Österreich-Pavillon, 1925]][[Datei:20 Friedrich Kiesler, Raumstadt, Paris 1925 © Österreichische Lillian und Friedrich Kiesler Stiftung,.jpg|250px|thumb|[[Friedrich Kiesler]], Raumstadt, Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes, Paris 1925]][[Datei:21 Friedrich Kiesler, Exposition internationale du Surréalisme, Galerie Maeght, Paris, 1947 © Kiesler Stiftung, Wien.jpg|left|thumb|250px|[[Friedrich Kiesler]], Gestaltung der Exposition internationale du Surréalisme, 1947]]&lt;br /&gt;
1925 zog die &#039;&#039;[[Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes]]&#039;&#039; zahlreiche Architekt:innen und Designer:innen aus aller Welt nach Paris. Aufgrund der politischen Spannungen nach dem Krieg wurde Deutschland von der veranstaltenden französischen Regierung nicht zur Teilnahme eingeladen, während die USA eine Einladung ausschlugen, weil sie nach Meinung des zuständigen Handelsministers Herbert Hoover über keine moderne Designszene verfügten. Österreich präsentierte einen beachteten nationalen Pavillon sowie zahlreiche weitere Exponate in anderen Abteilungen. Der Pavillon wurde von Josef Hoffmann entworfen, in Wien vorgefertigt, per Bahn nach Paris transportiert und dort montiert (teils auf einer Terrasse über der Seine). Zusätzlich zu den Räumen für Kunst und Kunstgewerbe bot er ein Glashaus von Peter Behrens, einen Orgelturm von Oskar Strnad und ein Café von Josef Frank. Zwei weitere österreichische Beiträge waren im Grand Palais zu sehen. Dort präsentierten die Installationen von [[Oswald Haerdtl]] (&#039;&#039;Architektur aus Österreich&#039;&#039;) und [[Friedrich Kiesler]] (&#039;&#039;Theater aus Österreich&#039;&#039;) avantgardistische Ausstellungsdisplays, die deutlich vom Neoplastizismus der &#039;&#039;De-Stijl&#039;&#039;-Bewegung um Piet Mondrian und Theo van Doesburg inspiriert waren. In der Architekturausstellung waren Modelle, Schaubilder und Pläne von etablierten Architekten (etwa [[Josef Hoffmann|Josef Hoffmanns]] &#039;&#039;Palais Stoclet&#039;&#039; in Brüssel) und von Schülern der &#039;&#039;Wiener Kunstgewerbeschule&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kunstgewerbeschule&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Kieslers Theaterausstellung präsentierte in einer abgehängten Konstruktion aus Kanthölzern und Plattformen in Primärfarben avantgardistische Bühnenbildentwürfe und Modelle. Diese Installation im &#039;&#039;Grand Palais&#039;&#039; war gleichzeitig das Modell einer frei im Raum schwebenden Zukunftsstadt (&#039;&#039;Cité dans l’espace&#039;&#039;). Ein Manifest dazu veröffentlichte Kiesler in der Zeitschrift &#039;&#039;De Stijl&#039;&#039;. Nach der Art-Déco-Schau 1925 blieb er in Paris, da er dort wegen der Erfolge der internationalen Avantgarde (Pavillons von Le Corbusier und Konstantin Melnikow) bessere Karrierechancen erwartete als in Wien. Kiesler pflegte unter anderem Kontakte zu Fernand Léger und Theo van Doesburg, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. 1926 zog er mit seiner Frau Stefi auf Einladung des New Yorker Avantgarde-Magazins &#039;&#039;Little Review&#039;&#039; weiter nach New York. Von August bis Oktober 1930 hielt sich das Ehepaar Kiesler erneut in Paris auf, um seine Visa für die USA zu erneuern. 1947 reiste [[Friedrich Kiesler]] für die Gestaltung einer Ausstellung der Surrealisten abermals nach Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Kreis um Le Corbusier===&lt;br /&gt;
[[Datei:22 Villa Zilvelli.jpg|left|thumb||[[Jean Welz|Jean (Hans) Welz]], Villa Zilveli, Paris, 1933 ]][[Datei:23 Herbert Eichholzer und Rudolf Nowotny, Haus Pistor und Haus Ferner, Graz 1932-33.jpg|left|thumb|[[Herbert Eichholzer]] und Rudolf Nowotny, Häuser Pistor und Ferner, Graz 1932-33]]&lt;br /&gt;
1922 kam der armenisch-iranische Architekt [[Gabriel Guévrékian]], der 1915–19 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Josef Frank studiert und 1919–23 für Josef Hoffmann gearbeitet hatte, nach Paris. Hier fand der prototypische Kosmopolit sofort Anschluss an die Architektur-Avantgarde um [[Le Corbusier]], [[André Lurçat]] und Sigfried Giedion. 1922–26 arbeitete er mit Robert Mallet-Stevens an dessen Häusern in der gleichnamigen Straße im 16. Pariser Arrondissement. Mallet-Stevens war ein Neffe von Suzanne Stevens, der Ehefrau des belgischen Bankiers und Industriellen Adolphe Stoclet. Für diese Familie hatte Josef Hoffmann mit Künstlern der Wiener Werkstätte 1906–1911 in Brüssel sein berühmtes &#039;&#039;Palais Stoclet&#039;&#039; erbaut. Durch seinen starken Eindruck auf Mallet-Stevens und den Couturier Paul Poiret beeinflusste Hoffmann den Pariser Art Déco nennenswert. Für die Villa von Vicomte Charles und Marie-Laure de Noailles in Hyères, die Mallet-Stevens plante, entwarf Guévrékian einen kubistischen Garten aus orthogonalen Beeten und Farbfeldern. Ab 1928 wirkte er auf Wunsch von [[Le Corbusier]] als Generalsekretär der &#039;&#039;Congrès Internationaux d’Architecture Moderne&#039;&#039; (CIAM). 1929–32 entstand sein Modell-Doppelhaus auf Pilotis für die Wiener Werkbundsiedlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jean Welz|Jean (Hans) Welz]], der ebenfalls an der Wiener Kunstgewerbeschule studiert und bei Josef Hoffmann gearbeitet hatte, wirkte 1925 an Österreichs Beiträgen für die &#039;&#039;Art-Déco&#039;&#039;-Weltausstellung mit. [[Datei:24 Jacques Groag, Haus Dr. Stern, Perchtoldsdorf, 1934, Textilien von Hilde Blumberger, später Jacqueline Groag, in Moderne Bauformen 1934, S. 322.jpg||thumb|250px|Jacques Groag, Haus Dr. Stern, Perchtoldsdorf, 1934]]Danach arbeitete er für [[Adolf Loos]] an dessen Haus Tzara sowie für den Pariser Architekten Raymond Fischer. Er verkehrte in Avantgarde-Kreisen um Robert Mallet-Stevens und bewunderte [[Le Corbusier]]. 1933 entwarf er streng nach dessen Planungsprinzipien ein schmales Wohnhaus auf Pilotis an einem steilen Hang mit weitem Ausblick über Paris. Bauherr für das Haus in der Rue Georges Lardennois 70 im 19. Pariser Arrondissement (Buttes-Chaumont) war der griechische Ingenieur Athanase Zilveli. Trotz Petitionen von Architekturfreunden wurde es 2022 abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein direkter Kontakt zu Le Corbusier ergab sich im Herbst 1929 durch das dreimonatige Volontariat des jungen Grazer Architekten [[Herbert Eichholzer]] im berühmten Atelier in der Rue de Sèvres 35. Er setzte die corbusianische Lehre mit mehreren Einfamilienhäusern für fortschrittliche Grazer Bauherrenfamilien innerhalb Österreichs am konsequentesten fort. Als Kommunist zählte Eichholzer 1943 zu einem der prominentesten politischen Opfer des NS-Regimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1930 kam [[Jacqueline Groag]] (eig. Hilde Blumberger, geborene Pick), die an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Čižek und Josef Hoffmann studiert hatte, nach Paris und lieferte Textilmuster für die Modehäuser Chanel, Lanvin, Rodier, Elsa Schiaparelli und Paul Poiret. 1937 heiratete sie Jacques Groag, einen zeitweisen Mitarbeiter von Paul Engelmann sowie von Singer &amp;amp; Dicker, der sich bereits 1926 für die Mitarbeit bei der Planung des Hauses Tzara von [[Adolf Loos]] in Paris aufgehalten hatte. Das Ehepaar lebte in Wien, bevor es 1938 nach Prag und weiter nach London floh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der &#039;&#039;Wiener Kreis&#039;&#039; und die Architektur===&lt;br /&gt;
1933 präsentierte die Zeitschrift &#039;&#039;[[L’Architecture d’aujourd’hui]]&#039;&#039; (gegründet 1930 von André Bloc et Eugène Cahen) in der Galerie Vignon in der Pariser Rue Vignon 17 zahlreiche Werke moderner Architektur aus Österreich, Belgien, Spanien, Ungarn, Italien, Polen, Tschechoslowakei und Jugoslawien. Aus Österreich waren Werke von Otto Wagner, Josef Hoffmann, Josef Frank, Lois Welzenbacher und [[Adolf Loos]] sowie mehrere Wiener Siedlungsbauten zu sehen. An der Organisation war das Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum beteiligt, das 1924 von Otto Neurath gegründet worden war, einem einflussreichen Mitglied des &#039;&#039;Wiener Kreis des Logischen Empirismus&#039;&#039; um Moritz Schlick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Später Fauvismus, Kubismus, Neue Sachlichkeit===&lt;br /&gt;
Neben den Architekten und Designerinnen lebten und arbeiteten in der Zwischenkriegszeit auch zahlreiche österreichische Maler:innen in Frankreich. Wie schon vor dem Ersten Weltkrieg können dabei etliche „Cluster“ unterschieden werden. Einen davon bildeten die Künstler:innen in dem und um den Wiener &#039;&#039;[[Hagenbund]]&#039;&#039;. Die Maler:innen dieses Kreises teilten fauvistische, kubistische und neusachliche Kunstauffassungen. Ab 1921 lebte [[Willy Eisenschitz]], 1930 ein korrespondierendes Mitglied des Hagenbundes, jahrelang in der Provence und in Paris, wo er 1912–14 studiert hatte. Die deutsche Besatzung überlebte er in einem südfranzösischen Versteck. 1923–25 weilte Ilse Bernheimer, die an der Wiener Kunstgewerbeschule studiert und im [[Hagenbund]] ausgestellt hatte, in Saint-Tropez, wo sie die Fauvismus-Pioniere [[Henri Matisse]] und Henri Manguin kennenlernte. 1925–41 lebte der Maler [[Josef Floch]] in Paris und präsentierte sich in der renommierten &#039;&#039;Galerie Berthe Weill&#039;&#039; in der Rue Taitbout 50. Vor der deutschen Besatzung musste er 1940 nach Amerika flüchten. 1927 zog die Malerin [[Lilly Steiner]] mit ihrem Ehemann Hugo nach Paris, der dort die von [[Adolf Loos]] gestaltete Filiale des Wiener Herrenausstatters Kniže leitete. Beide lebten bis zu ihrem Tod in Frankreich. [[Viktor Tischler]] hatte schon vor 1914 Studienreisen nach Frankreich unternommen, lebte dort 1928–41 und floh dann in die USA. Georg Pevetz reiste 1929 nach Frankreich und machte sich mit [[Maurice de Vlaminck|Vlaminck]] und Matisse bekannt, bevor er 1940 als malender Besatzungsoffizier wiederkehrte. Einer der engagiertesten österreichischen Kubisten war der Grazer Maler [[Ernst Paar]], der 1930–33 in Paris lebte. Sein Freund Hans Stockbauer studierte dort 1929–30 an der Académie Julian und malte ebenfalls kubistische Bilder. Auch Albert Reuss schuf expressiv-kubistische Bilder und verbrachte 1930 ein Jahr in Cannes. Die junge Emailkünstlerin und neusachliche Malerin [[Franziska Zach]] bezog 1930 ein Atelier in Paris. Sie bereitete bereits eine Einzelausstellung vor, bevor sie im gleichen Jahr starb. 1931–33 lebte Eduard Bäumer in Paris, wo er sich vom Kubismus und der Malerei der &#039;&#039;Neuen Sachlichkeit&#039;&#039; beeinflussen ließ. Auch die teils neusachlichen, teils expressiven Hagenbund-Maler Theo Fried, Karl Josef Gunsam, Theodor Kern, Robert Kohl, Viktor Planckh, Frieda Salvendy, Otto Rudolf Schatz, Ferdinand Stransky und Fritz Schwarz-Waldegg verbrachten in der Zwischenkriegszeit jeweils einige Monate in Paris.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;200px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:25 Willy Eisenschitz, L&#039;Estaque, 1928 © Galerie Widder, Wien.jpg|[[Willy Eisenschitz]], L&#039;Estaque, 1928&lt;br /&gt;
Datei:26 Lilly Steiner, Portrait de Fernande Olivier, 1934 © Musée de Grenoble.jpg|[[Lilly Steiner]], Portrait de Fernande Olivier, 1934&lt;br /&gt;
Datei:27 Viktor Tischler, Marseille, um 1925 © Galerie Widder, Wien.jpg|[[Viktor Tischler]], Marseille, um 1925&lt;br /&gt;
Datei:28 Ernst Paar, Stillleben mit Flasche, 1934 © Joanneum, Graz.jpg|[[Ernst Paar]], Stillleben mit Flasche, 1934&lt;br /&gt;
Datei:29 Hans Stockbauer, Stillleben, um 1930 © Galerie Leonhart, Graz.jpg|Hans Stockbauer, Stillleben, um 1930&lt;br /&gt;
Datei:30 Franziska Zach, Paris-Belleville, 1930 © Belvedere, Wien, Foto NiS.jpg|Franziska Zach, Paris-Belleville, 1930&lt;br /&gt;
Datei:31 Eduard Bäumer, Melonenstillleben, 1931 © Galerie Maier, Innsbruck.jpg|Eduard Bäumer, Melonenstillleben, 1931&lt;br /&gt;
Datei:32 Fritz Schwarz-Waldegg, Straße in Paris, um 1930, Privatsammlung.jpg|Fritz Schwarz-Waldegg, Straße in Paris, um 1930&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Expressive Strömungen===&lt;br /&gt;
[[Oskar Kokoschka]] und [[Herbert Boeckl]], die beiden zentralen Figuren der expressionistischen Malerei Österreichs in der Zwischenkriegszeit, sahen kaum Karrierechancen in Frankreich und reisten nur zu relativ kurzen Aufenthalten an. Kokoschka weilte auf seinen ausgedehnten Reisen durch Europa 1924 und 1930/1931 in Paris. Beispielsweise entstand dort 1924 sein Bild der &#039;&#039;Opera Garnier&#039;&#039;. 1931 präsentierte Kokoschka eine Einzelausstellung bei Georges Petit in der Rue de Sèzes 8. Herbert Boeckl konnte mit einem Vertrag des Wiener Kunsthändlers Gustav Nebehay im Frühjahr 1923 einen Studienaufenthalt von rund vier Monaten in Paris verbringen, wo er im Louvre nach alten Meistern skizzierte und die Fortifikationen an der Porte Gentilly malte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Boeckl stammte auch [[Jean Egger]] aus Kärnten. Er lebte 1924–31 in Paris und konnte sich mithilfe seines Münchner Studienkollegen und Freundes Arne Bjørnson-Langen in Avantgarde-Kreisen um Le Corbusiers Bruder, den Tanzpädagogen Albert Jeanneret, und die Galerie &#039;&#039;Au sacre du printemps&#039;&#039; etablieren. Seine gestisch-pastosen Landschaften und seine Porträts bekannter Persönlichkeiten, die er über den Kreis um Sophie Szeps-Clemenceau kennenlernte, wurden im Salon des &#039;&#039;Artistes Indépendants&#039;&#039;, im &#039;&#039;Salon des Tuileries&#039;&#039;, im &#039;&#039;Salon du Franc&#039;&#039; und in der &#039;&#039;Galerie Louis (Lewis) Sloden&#039;&#039; in der Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré 43 ausgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grazer Maler Wilhelm Thöny reiste erstmals 1929 nach Paris und lebte 1931–38 gänzlich dort sowie an der Côte d’Azur. In Paris verkehrte er in Künstlercafés und in seinen gezeichneten Tagebüchern erscheinen unter anderem Porträts von Picasso und seinen Freunden. 1938 zog er weiter nach New York. 1929–34 lebte auch der expressionistische Wiener Maler Silvain Vigny in Paris, bevor er weiter nach Nizza zog, wo er bis zu seinem Tod 1970 vorwiegend lebte. Auch Erich Schmid aus Wien malte expressiv. Er floh 1938 nach Paris und war 1940–42 gemeinsam mit seinem Freund [[Jean Améry]] im [[Camp de Gurs]] in der Vichy-Zone Frankreichs im Département Pyrénées-Atlantiques interniert. 1945 bis zu seinem Suizid 1978 lebte er in Paris.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;170px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:33 Oskar Kokoschka, Pariser Oper, 1924, Kunsthalle Bremen, Der Kunstverein in Bremen.jpg|left|200px|thumb||[[Oskar Kokoschka]], Pariser Oper, 1924&lt;br /&gt;
Datei:34 Herbert Boeckl, Fortifikationen von Paris, 1923, Privatbesitz © Herbert Boeckl Nachlass.jpg|200px|thumb||[[Herbert Boeckl]], Fortifikationen von Paris, 1923&lt;br /&gt;
Datei:35 Jean Egger, Sophie Szeps-Clemenceau, 1925 © im Kinsky, WIen.jpeg|thumb|150px|[[Jean Egger]], Sophie Szeps-Clemenceau, 1925&lt;br /&gt;
Datei:36 Wilhelm Thöny, Paris, Île de la Cité I, 1929 © Joanneum, Graz.jpg|left|thumb|200px|Wilhelm Thöny, Paris, Île de la Cité I, 1929&lt;br /&gt;
Datei:37 Erich Schmid, Montmartre, 1972 © Galerie Widder, Wien.jpg|Erich Schmid, Montmartre, 1972&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Surrealismus und Dadaismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:38 Edgar Jené, Köpfe mit Vogel, 1929 © Galerie Widder, Wien.jpg|thumb|200px|Edgar Jené, Köpfe mit Vogel, 1929]][[Datei:39 Wolfgang Paalen, Les étrangers 1937.jpg|left|thumb|200px|[[Wolfgang Paalen]], Les étrangers, 1937]][[Datei:40 Raoul Hausmann, ABCD, 1923-24 © Paris, Musée national d’art moderne.jpg|left|thumb|170px|Raoul Hausmann, ABCD, 1923-24]]&lt;br /&gt;
Für die Surrealismus-Rezeption von Künstlern, die längere Lebensphasen in Österreich verbrachten und in der Zwischenkriegszeit des Längeren in Paris weilten, stehen Edgar Jené, [[Wolfgang Paalen]] und [[Raoul Hausmann]]. Edgar (Erhard) Jené stammte aus Saarbrücken und studierte 1924–28 in Paris an der &#039;&#039;École nationale des beaux-arts&#039;&#039;, an der &#039;&#039;Académie Julian&#039;&#039; und an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039;, bevor er 1928–35 wieder in Saarland lebte. Jené ist einer der wenigen deutschen Künstler, die vor dem NS-Regime nicht in Richtung Westen, sondern nach Österreich flohen. Vor und nach 1945 wirkte er – vorerst noch im Untergrund – als wichtiger Vermittler des Surrealismus nach Österreich. 1950 zog er wieder nach Paris, wo er enge Kontakte zum Kreis um André Breton pflegte, und 1965 weiter ins burgundische La Chapelle St. André, wo er 1984 starb. Der Wiener Maler [[Wolfgang Paalen]] lebte 1934–39 in Paris und studierte kurz bei Fernand Léger, bevor er sich 1934/35 der &#039;&#039;Gruppe Abstraction-Création&#039;&#039; und gleich darauf den [[Surrealismus|Surrealisten]] anschloss. 1936 präsentierte er sich in einer Ausstellung in der &#039;&#039;Galerie Pierre Loeb&#039;&#039; in der Rue Bonaparte 13 und gestaltete 1937/38 gemeinsam mit Marcel Duchamp, Man Ray und Salvador Dalí die &#039;&#039;Exposition Internationale du Surréalisme&#039;&#039; in der &#039;&#039;Galerie Beaux Arts&#039;&#039; in der Rue du Faubourg Saint-Honoré 140. Paalen ging 1939 nach Mexiko, lebte 1951 bis 1954 erneut in Paris und stellte in der &#039;&#039;Galerie Pierre&#039;&#039; und in der &#039;&#039;Galerie Galanis-Hentschel&#039;&#039; aus. Die letzten Lebensjahre bis zu seinem Freitod 1959 verbrachte Paalen wieder in Mexiko. Raoul Hausmann lebte bis zu seinem 15. Lebensjahr in Wien, bevor er mit seiner Familie nach Berlin ging und 1918 die Berliner Dada-Gruppe mitbegründete. 1933 flüchtete er aus Deutschland durch mehrere Länder, bevor er Paris erreichte, wo um 1938 einige seiner bekanntesten Fotoserien entstanden. Bis zu seinem Tod 1971 lebte er in Limoges.[[Datei:41 Madame d’Ora, Joséphine Baker, Nu drapé à l&#039;éléphant, 1928.jpg|thumb|180px|Madame d’Ora, Joséphine Baker, Nu drapé à l&#039;éléphant, 1928]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fotografie===&lt;br /&gt;
Auch [[Dora Kallmus|Madame d’Ora]] (Dora Kallmus) war eine Pionierin der künstlerischen Fotografie. 1907 bis 1927 betrieb sie in Wien ein erfolgreiches Atelier für Porträt- und Modefotos, das zahlreiche renommierte Künstler, Intellektuelle und sogar die Familie des letzten Kaisers Karl I. zu seinen Kunden zählte. 1925 eröffnete sie einen zweiten Standort in Paris, wo sie unter anderen Maurice Chevalier, Josephine Baker, Tamara de Lempicka, Fritzi Massary, Marlene Dietrich und Coco Chanel porträtierte. 1940 flüchtete sie nach Südfrankreich, wo sie im Versteck überlebte. 1946 ging sie zurück nach Österreich. Zwischen 1949 und 1957 reiste sie immer wieder nach Paris, wo unter anderem Porträtfotos von Picasso und eine bekannte Fotoserie von den Schlachthöfen Ivry Les Halles und Rue Brancion entstand. 1958 hielt Jean Cocteau die Eröffnungsrede ihrer Ausstellung in der Pariser Galerie Montaigne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1933–1938==&lt;br /&gt;
[[Datei:42 Katalog der Exposition d’art Autrichien, Jeu de Paume, Paris, 1937.jpg|left|200px|thumb||Katalog der Exposition d’art Autrichien, Musée du Jeu de Paume des Tuileries, 1937]]Ein erneuter politischer Systemwechsel Österreichs begann mit der „Selbstausschaltung des Parlaments“ am 4. März 1933 und der folgenden Kanzlerdiktatur von Engelbert Dollfuß (auch „Ständestaat“ oder „Austrofaschismus“). Zudem hatte die „Machtergreifung“ der deutschen Nationalsozialisten im Jänner 1933 direkte Folgen für die austrofranzösischen Kulturbeziehungen. Denn Österreich sah sich nun vom zwangsweisen „Anschluss“ an Deutschland zunehmend bedroht und suchte die Nähe der Schutzmächte Italien und Frankreich. So wurde am 2. April 1936 ein österreichisch-französisches Kulturabkommen geschlossen. In diesem Rahmen wurden zahlreiche Ausstellungen französischer Kunst in Österreich und österreichischer Kunst in Frankreich veranstaltet. Die beiden wichtigsten Pariser Ereignisse in diesem Zusammenhang waren die &#039;&#039;[[Exposition d&#039;Art Autrichien|Exposition d’Art Autrichien]]&#039;&#039; und Österreichs Beteiligung an der Weltfachausstellung &#039;&#039;Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:43 Oswald Haerdtl, Österreich-Pavillon, Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne, Paris, 1937.JPG||thumb||Oswald Haerdtl, Österreich-Pavillon, 1937]]Die Ausstellung österreichischer Kunst wurde von einem großen offiziellen Komitee aus Fachleuten und Politikern um Alfred Stix&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Alfred_Stix&amp;lt;/ref&amp;gt; organisiert, den Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien. Sie fand parallel zur Pariser Weltausstellung von Mai bis Juni 1937 im &#039;&#039;[[Musée du Jeu de Paume des Tuileries]]&#039;&#039; statt und wurde auf zwei Ebenen präsentiert: Im Erdgeschoss war Kunst vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert zu sehen, während im Obergeschoss moderne Kunst und Kunstgewerbe gezeigt wurden. Der neuere Teil präsentierte Werke aller bekannten Größen der modernen Kunst Österreichs von [[Gustav Klimt]] bis hin zu Künstlern, die in Paris lebten oder gelebt hatten, wie etwa [[Jean Egger]]. Österreichs Botschafter in Paris zeigte sich angesichts zahlreicher Presseberichte zufrieden mit dem Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der österreichische Pavillon auf der &#039;&#039;Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne&#039;&#039; (25. Mai – 25. November 1937) wurde von [[Oswald Haerdtl]] entworfen. Haerdtl war ein Schüler Oskar Strnads an der Wiener Kunstgewerbeschule und langjähriger Mitarbeiter sowie Partner im Architekturbüro von Josef Hoffmann. Erstmals hatte er 1925 mit einer neoplastizistisch inspirierten Architekturausstellung im Pariser Grand Palais an Österreichs internationalen Kunstpräsentationen mitgewirkt. Österreichs nationaler Pavillon von 1937 war als überdimensionales Schaufenster auf schlanken Stützen konzipiert. So  konnte sowohl Le Corbusiers Idee einer „schwebenden“ Architektur als auch die großformatige Fotomontage eines Alpenpanoramas von Robert Haas im Sinne der Selbstpositionierung Österreichs als Kultur- und Tourismusland realisiert werden. Eine wichtige Rolle spielten auch die Infrastrukturprojekte der 1935 eröffneten Großglockner-Hochalpenstraße und der Wiener Höhenstraße. Erneut reisten zahlreiche österreichische Künstler:innen zum Aufbau, zur Besichtigung der Ausstellung und zu nachfolgenden Arbeitsaufenthalten nach Paris. So entstanden beispielsweise neue Stadtbilder von Herbert Boeckl von der Kathedrale Notre-Dame und der Place de la Concorde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:44 Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935 © Joanneum, Graz.jpg|thumb|left|Kurt Weber, Platz in Paris, Eiffelturm, um 1935]]&lt;br /&gt;
[[Datei:45 Greta Freist, Die Taube, 1939, Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien.jpg|200px|thumb|Greta Freist, Die Taube, 1939]]Für die individuelle Künstlermigration der letzten Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg nach Frankreich steht die Ankunft des Malers [[Kurt Weber]], der Malerin Greta Freist&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Greta_Freist&amp;lt;/ref&amp;gt; und des Malers Gottfried Goebel sowie der Architektin [[Margarete Schütte-Lihotzky]] und des Architekten Wilhelm Schütte in Paris. Weber studierte 1934 an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039;, lernte Delaunay und Léger kennen und kam als kubistischer Maler zurück nach Graz. Freist und Goebel hatten an der Wiener Akademie studiert und gingen 1937 nach Paris, wo sie alsbald im &#039;&#039;Salon d’automne&#039;&#039; und im &#039;&#039;Salon des indépendants&#039;&#039; ausstellten. Freist schuf magisch-realistische Bilder, wandte sich alsbald dem Surrealismus zu und wurde nach 1945 zur abstrakten Malerin. Bis zu ihrem Tod 1993 lebte sie in Paris. Das Ehepaar Schütte(-Lihotzky) hatte 1930-37 mit der Architektengruppe um den Frankfurter Stadtbaurat Ernst May unter anderem an Schulen und Kindergärten für die sowjetische Industriestadt Magnitogorsk gearbeitet. Da ihre Pässe abgelaufen und ihre Arbeitsverträge nicht verlängert worden waren, verließen sie Russland und erreichten Anfang 1938 Paris. Dort arbeiteten sie mit Pierre Forestier und Tibor Weiner zusammen, bevor sie im Juni 1938 nach Istanbul weiterzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1938–1945==&lt;br /&gt;
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland am 13. März 1938 flohen viele Jüdinnen und Juden sowie politisch Verfolgte aus Wien nach Paris. Einige jüdische Künstler:innen gingen bald weiter ins Exil nach England oder Amerika, während andere bis zum deutschen Einmarsch im Juni 1940 in Frankreich blieben. Auch der Kunsthändler Otto Kallir (Nirenstein), der in Wien die moderne und zeitgenössische Kunst aus Österreich, Frankreich und anderen Ländern in seiner Neuen Galerie, mit einem Buchverlag und mit Ausstellungen (z.B. im [[Hagenbund]]) nach Kräften gefördert hatte, floh 1938 nach Paris. Im Frühjahr 1939 eröffnete er in der Rue du Faubourg-Saint-Honoré 40 die Galerie Saint-Étienne, die er nach dem Standort seiner Wiener Galerie nahe dem Stephansdom benannte. Ab 9. Juni 1939 zeigte Kallir in Paris die Ausstellung &#039;&#039;Jean Egger – peintre-symphoniste&#039;&#039;. Pierre Mornand, Chefredakteur der Zeitschrift &#039;&#039;Le Courrier graphique&#039;&#039;, steuerte einen kurzen Text für die Einladungskarte bei. Kallir konnte den Pariser Standort kaum ein Jahr lang halten und eröffnete 1939 die [[Galerie St. Étienne]] in New York, wo er ab 1940 lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 und der deutschen Besetzung des Nordens Frankreichs nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 waren wegen der Kriegshandlungen für Künstler:innen keine Reisen und auch kaum mehr Fluchtbewegungen dorthin möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:46 Gerhild Diesner, Coquillages, gemalt bei André Lhote, 18. 10. 1943, Privatbesitz.jpg|thumb|Gerhild Diesner, Coquillages, gemalt bei André Lhote, 18. 10. 1943]]Von 1939 bis 1942 versuchten jene jüdischen österreichischen Künstler:innen, die sich bereits früher in Paris niedergelassen hatten oder nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland 1938 dorthin geflohen waren, sich weiter in den nicht besetzten Süden Frankreichs unter dem Vichy-Regime oder nach England und in die USA zu retten. Allerdings bot auch Südfrankreich keine Sicherheit, weil das Vichy-Regime Jüdinnen und Juden an Deutschland auslieferte. Ein Beispiel ist der Grafiker Bil Spira/Willi Freier, der 1938 aus Wien nach Paris und 1939 weiter nach Marseille geflohen war, wo er als Passfälscher für Varian Fry arbeitete. Nach dem Verrat durch einen Spitzel  1941 war er bis 1945 in Le Vernet, Auschwitz und Buchenwald inhaftiert, bevor er nach Frankreich zurückkehrte, wo er 1999 verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im November 1942 wurde aber auch der Süden Frankreichs von der deutschen Armee besetzt, sodass Juden und politisch Verfolgte – meist über das neutrale Spanien unter Diktator Franco – abermals zur Flucht gezwungen waren. Hingegen konnten österreichische Künstler:innen, die dem deutschen Militär angehörten oder gute Beziehungen zu Organen der deutschen Besatzungsmacht pflegten, zwischen 1940 und der Befreiung von Paris am 25. August 1944 vereinzelt Studien- und Arbeitsaufenthalte in der Hauptstadt oder an den Atlantik- und Mittelmeerküsten verbringen. So lernte etwa [[Gerhild Diesner]] 1943/44 mithilfe eines Mitarbeiters der Organisation Todt in Paris bei [[André Lhote]] und an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039; in Paris. Zudem unternahm sie prägende Reisen auf den Spuren von [[Vincent Van Gogh|Van Gogh]] und [[Paul Gauguin|Gauguin]] nach Südfrankreich. Der Maler Georg Pevetz wiederum war Offizier der  deutschen Wehrmacht und konnte sich in dienstfreien Zeiten der Landschaftsmalerei widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Österreichische Künstler:innen in Frankreich 1945–1995==&lt;br /&gt;
Mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 und der Wiedererrichtung der Republik Österreich änderten sich die Rahmenbedingungen der austrofranzösischen Kulturbeziehungen erneut grundlegend. Tirol und Vorarlberg blieben bis 1955 französische Besatzungszone. Die engagierte Kunstpolitik unter General [[Émile Antoine Béthouart|Marie Émile Antoine Béthouart]], der 1946 bis 1950 einer der vier alliierten Hochkommissare in Österreich war, förderte Studienreisen zahlreicher junger Künstler:innen nach Frankreich. Am 15. März 1947 wurde das österreichisch-französische Kulturabkommen von 1936 erneuert und ausgebaut. 1947 bis 1958 leitete der Kunsthistoriker [[Maurice Besset]] das neue [[Institut français in Innsbruck]], das zahlreiche junge Tiroler Künstler:innen – etwa auch Oswald Oberhuber – mit der Moderne Frankreichs bekanntmachte. Auch in Wien wurden ein französisches Kulturinstitut sowie ein &#039;&#039;Lycée français&#039;&#039; gegründet. 1952 wurden sie im Palais Clam-Gallas und einem Neubau in dessen Park angesiedelt. Die vielfältigen Aktivitäten dieser französischen Kulturinstitutionen motivierten zahlreiche junge Österreicher:innen zu einer Reise nach Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon um 1900 und in der Zwischenkriegszeit wechselten in der dynamischen Pariser Kunstszene immer neue „Ismen“ als kurzzeitig führende Kunstströmungen einander ab. Nach dem Surrealismus, dessen Wortführer André Breton von einigen angereisten jungen österreichischen Künstler:innen auf der Suche nach Anerkennung aufgesucht wurde, errang um 1950 die gestische und abstrakte Malerei unter dem Begriff des &#039;&#039;Informel&#039;&#039; die größte Aufmerksamkeit. Sie wurde ihrerseits um 1960 vom &#039;&#039;Nouveau Réalisme&#039;&#039; abgelöst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Surrealismus und Phantastischer Realismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:47 Friedensreich Hundertwasser, Die Stadt, 1953 © Belvedere, Wien, Namida AG, Glarus.jpg|thumb|Friedensreich Hundertwasser, Die Stadt, 1953]][[Datei:48 Battle of the gods that have been transformed 1952 - Ernst Fuchs - WikiArt.org.png|thumb|left||Ernst Fuchs, Kampf der verwandelten Götter, 1952]][[Datei:49 Maître Leherb (Helmut Leherbauer). Leherb sieht Paris, Verlag Kremayr &amp;amp; Scheriau, Wien, 1975.jpg|thumb||Maître Leherb (Helmut Leherbauer). Leherb sieht Paris, 1975]]&lt;br /&gt;
In Paris lebten nach dem Krieg weiterhin einige österreichische Künstler:innen, die sich schon vor dem Krieg dort niedergelassen hatten, darunter [[Lilly Steiner]], Greta Freist und Gottfried Goebel. Indirekt wurden die austrofranzösischen Kunstkontakte nun auch über die Künstlerkolonie in New York wiederbelebt: Marcel Duchamp hatte sich dort mit dem Exilösterreicher [[Friedrich Kiesler]], der bereits 1926 aus Paris nach New York gekommen war, angefreundet und vorübergehend bei ihm gewohnt. André Breton lebte 1941–46 ebenfalls im New Yorker Exil und bat den nunmehrigen Surrealisten Kiesler 1945 um die grafische Gestaltung seiner &#039;&#039;Ode à Charles Fourier&#039;&#039;. Darauf folgte der erste größere Auftritt eines österreichischen Exilkünstlers in Paris nach 1945: Kiesler gestaltete die Ausstellung &#039;&#039;Le Surréalisme&#039;&#039; en 1947 in der &#039;&#039;Galerie Maeght&#039;&#039; in der Rue de Téhéran 13 mit dynamisch-farbintensiven Displays und symbolischen skulpturalen Objekten entlang eines surrealen Initiationsweges.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bald kamen auch junge Wiener Maler:innen auf den Spuren des Surrealismus nach Paris. Von 1950 bis um 1960 lebte [[Friedensreich Hundertwasser]] (Fritz Stowasser) in Frankreich, wo er auch Umgang mit den späteren Künstlern des &#039;&#039;Nouveau Réalisme&#039;&#039; um den Kritiker Pierre Restany pflegte. 1975 erhielt er eine Personale im &#039;&#039;Musée national d’art moderne&#039;&#039;. 1950 traf auch Ernst Fuchs in Paris ein, wo er bis 1962 lebte. Wie Hundertwasser holte er in dieser Zeit jene Reisen quer durch Europa nach, die dieser Künstlergeneration während des Krieges verwehrt gewesen waren. Weitere Maler des &#039;&#039;Phantastischen Realismus&#039;&#039;, die seit den 1950er Jahren mehrere Jahre in Paris lebten, waren Arik Brauer und Maître Leherb (Helmut Leherbauer). Im Mai 1956 präsentierte sich die Wiener phantastische Realistin Reny Lohner in der Galerie Allard in Paris, das Vorwort zum Ausstellungskatalog verfasste der Komponist Henri Sauguet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fortleben der klassischen Moderne===&lt;br /&gt;
[[Datei:50 Fritz Wotruba - Frauliche Felsen-1948.jpg|thumb|left|Fritz Wotruba, Zurückgelehnte weibliche Figur (Weiblicher Felsen), 1947/48]]Neben dem Surrealismus blühten im vielfältigen Pariser Kunstleben nach 1945 auch weiterhin viele andere Strömungen und Sparten der klassischen Moderne. Dazu zählten etwa die kubistische Malerei und Plastik, die Reportagefotografie sowie verschiedene individualistische Positionen, die sich keiner dominierenden Strömung zuordnen ließen.&lt;br /&gt;
1948 fand die erste Einzelausstellung eines österreichischen Künstlers in einem der großen staatlichen Museen Frankreichs statt: Der Bildhauer [[Fritz Wotruba]], der mit seiner jüdischen Frau Marian(ne) Fleck 1938 aus Wien in die Schweiz geflüchtet und 1945 als Professor an die Wiener Akademie der bildenden Künste unter Rektor Herbert Boeckl zurückgekehrt war, konnte in dem 1937 gegründeten &#039;&#039;Musée national d’art moderne&#039;&#039; unter Jean Cassou im &#039;&#039;Palais de Tokyo&#039;&#039; seine Skulpturen präsentieren, die aus Kuben gebaut schienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1949 erreichte die deutsche Journalistin [[Inge Morath]] Paris, die seit 1945 in Salzburg und Wien gearbeitet hatte. Für die Agentur &#039;&#039;Magnum&#039;&#039; schrieb sie zunächst Texte, bevor sie zur Fotografie wechselte und ab 1953 Fotos für &#039;&#039;Paris Match&#039;&#039; und &#039;&#039;Vogue&#039;&#039; lieferte. 1962 heiratete sie den amerikanischen Schriftsteller Arthur Miller und lebte dann vor allem in den USA.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiener Malerin Trude Waehner&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Trude_Waehner&amp;lt;/ref&amp;gt;, die an der Wiener Kunstgewerbeschule und am Bauhaus in Dessau studiert sowie im Vorstand des österreichischen Werkbundes gewirkt hatte, erwarb 1950 ein Haus im südfranzösischen Dorf Dieulefit, 90 km nördlich von Avignon. Hier hatten vor und während des Krieges zahlreiche weitere Künstler gelebt, darunter der österreichische Maler [[Willy Eisenschitz]]. Waehners ehemaliger Lehrer, der Architekt [[Josef Frank]], der seit 1934 in Schweden und den USA lebte, war dort oftmals ihr Gast. Hier aquarellierte er und malte vielfärbige Hausentwürfe, die sich den Dogmen des &#039;&#039;International Style&#039;&#039; programmatisch entgegenstellten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiener Bildhauer Josef Pillhofer studierte 1950/51 bei Ossip Zadkine an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039; in Paris. 1951/52 lernte der junge Salzburger Maler [[Rudolf Hradil]] mithilfe eines Frankreich-Stipendiums bei Fernand Léger in Paris. In seinen frühen Bildern ist Légers kubistischer Stil deutlich spürbar.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;200px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:51 Inge Morath, Miss Eveleigh Nash, London, 1953 © Inge Morath Estate.jpg|Inge Morath, Miss Eveleigh Nash, London, 1953&lt;br /&gt;
Datei:52 Trude Waehner, Josef Frank beim Aquarellieren, 1950er Jahre.JPG|Trude Waehner, Josef Frank beim Aquarellieren, 1950er Jahre &lt;br /&gt;
Datei:53 Josef Pillhofer, Radfahrerin, 1951, Belvedere, Wien, Artothek des Bundes.jpeg|Josef Pillhofer, Radfahrerin, 1951&lt;br /&gt;
Datei:54 Rudolf Hradil, Stillleben mit Maiskolben, 1951, Privatbesitz.jpg|Rudolf Hradil, Stillleben mit Maiskolben, 1951&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Informel, Tachismus, Abstrakter Expressionismus, Zero===&lt;br /&gt;
1951 reisten auch die Malerin [[Maria Lassnig]] und der Maler [[Arnulf Rainer]] aus Klagenfurt nach Paris. Im Kärntner Künstlerkreis um Max Hölzer, der mit Edgar Jené die &#039;&#039;Surrealistischen Publikationen&#039;&#039; herausgab, war der Wunsch nach Teilhabe im Zentrum jener Bewegung entstanden. Lassnig und Rainer präsentierten ihre Arbeiten André Breton, was jedoch keine Folgen zeitigte. Allerdings besuchten sie die Ausstellung &#039;&#039;Véhémences confrontées&#039;&#039;, die im März 1951 in der Galerie Nina Dausset (Galerie Dragon) in der Rue du Dragon 19 stattfand. Die abstrakten Werke von Bryen, Capogrossi, Hartung, de Kooning, Mathieu, Pollock, Riopelle, Russel und Wols hatten die Gestaltungsprinzipien des Surrealismus in eine freie gestische Malerei weiterentwickelt. Dies dominierte alsbald die westliche Malerei unter den Begriffen des Informel, des Tachismus und des &#039;&#039;Abstrakten Expressionismus&#039;&#039;. Nach ihren drei Frankreich-Reisen 1951 lebte [[Maria Lassnig]] 1961–68 gänzlich in Paris, bevor sie nach New York weiterzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1950er Jahren reisten zahlreiche weitere österreichische Künstler:innen, die sich über die neuesten Strömungen informieren wollten, nach Paris. 1952/53 studierte etwa der spätere konkrete Künstler Marc Adrian bei Ossip Zadkine an der &#039;&#039;Académie de la Grande Chaumière&#039;&#039; in Paris. Zwischen 1954 und 1960 hielt sich auch Hans Staudacher immer wieder in Paris auf. Er war in den dortigen Kunstbetrieb so gut integriert, dass er gelegentlich als ein Vertreter Frankreichs auf internationalen Ausstellungen reüssierte. 1957 reiste Markus Prachensky anlässlich einer Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Arnaud nach Paris. In der Zeitschrift &#039;&#039;Art d’aujourd’hui&#039;&#039; stellte Pierre Guéguen seine Bilder jenen von Hans Hartung unter dem Titel &#039;&#039;Le Rouge et le Noir – ou Stendhal tachiste&#039;&#039; gegenüber. 1958 verbrachte Prachensky einen weiteren Arbeitsaufenthalt in Paris. 1958/59 lebte dort auch die Kärntner Künstlerin Kiki Kogelnik. In Paris lernte sie den amerikanischen Maler Sam Francis kennen, mit dem sie 1961 in die USA zog.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;150px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:55 Maria Lassnig, Informel, 1951 © Galerie Maier, Innsbruck.jpg|Maria Lassnig, Informel, 1951&lt;br /&gt;
Datei:56 Arnulf Rainer, Zentralisation, 1951, Albertina, Wien, Sammlung Essl.jpg|Arnulf Rainer, Zentralisation, 1951&lt;br /&gt;
Datei:57 Marc Adrian, K3, 1961, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe.jpg|Marc Adrian, K3, 1961&lt;br /&gt;
Datei:58 Hans Staudacher, Wien-Paris, 1957 © Galerie Elisabeth und Klaus Tjhoman, Innsbruck.jpg|Hans Staudacher, Wien-Paris, 1957&lt;br /&gt;
Datei:59 Markus Prachensky, Liechtenstein, 1956-57 © Brigitte Prachensky.jpg|Markus Prachensky, Liechtenstein, 1956-57&lt;br /&gt;
Datei:60 Kiki Kogelnik, Ohne Titel, 1957 © Kiki Kogelnik Foundation.jpg|Kiki Kogelnik, Ohne Titel, 1957 &lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:61 Hans Bischoffshausen, Betonlandschaft und -Reliefs, Lycée Jeanne d’Arc, Rouen, 1971-74 © Nachlass Hans Bischoffshausen.jpg||thumb|300px||Hans Bischoffshausen, Betonlandschaft und -Reliefs, Lycée Jeanne d’Arc, Rouen, 1971-74]]Der Maler, Architekt, Objektkünstler und Designer Hans Bischoffshausen kam über die Kunst von Lucio Fontana mit den minimalistischen Strategien der ZERO-Gruppe in Kontakt. 1959 ging er nach Paris, wo er zunächst in einer leerstehenden ehemaligen Manufaktur in der Rue de la Glacière 93 einen Raum für sich und seine Familie zu einem Wohnatelier ausbaute. Die kleine Künstlerkolonie der &#039;&#039;Glacière&#039;&#039; musste zwar 1962 einem neuen Wohnbau weichen, die Stadtverwaltung vermietete der Familie Bischoffshausen jedoch eine andere Wohnung gleich nebenan am Boulevard Auguste Blanqui 75. Bischoffshausen etablierte sich 1963 mit einer Einzelausstellung in der Galerie Weiller in der rue Gît-le-Coeur 5, der zahlreiche weitere Personalen und Beteiligungen folgten. Seine Freiraumgestaltungen, Betonreliefs und färbigen Betonglasbilder an öffentlichen Bauten zählen zu den subtilsten ihrer Art in Frankreich. Bischoffshausen schuf zwei Betonrelief-Wände für das &#039;&#039;Konservatorium in Grenoble&#039;&#039; (1964–68), Reliefmauern mit Glas an der &#039;&#039;Groupe Scolaire in Épinay-sur-Seine&#039;&#039; (1967–68) und große Außenanlagen mit Betonreliefs beim &#039;&#039;Lycée Jeanne d’Arc in Rouen&#039;&#039; (1971–74). In der Porzellanmanufaktur zu Sèvres schuf er auf Einladung von Direktor Serge Gauthier 1965–68 zahlreiche Keramikreliefs als Prototypen für Bauplastiken, die jedoch im staatlichen Programm für Kunst an öffentlichen Bauten keine Verwendung fanden und nie in Serienproduktion gingen. In Sèvres entstanden aber auch Prototypen von Keramikschalen und Vasen, die bei der Einrichtung mehrerer Botschaftsgebäude Frankreichs im Ausland reüssierten. 1971 ging Bischoffshausen zurück in seine Heimatstadt Villach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Architektur===&lt;br /&gt;
[[Datei:62 Bernhard Leitner, Le Cylindre Sonore, Parc de la Villette, Paris, 1987 © Bernhard Leitner.jpg|thumb|||Bernhard Leitner, Le Cylindre Sonore, Parc de la Villette, Paris, 1987]]Die Präsenz österreichischer Architekt:innen in Paris kam nach 1945 nur langsam wieder in Schwung. Viele etablierte Baukünstler:innen waren nun mit dem Wiederaufbau in Österreich beschäftigt und einige Studierende bevorzugten Fulbright-Stipendien in den USA. So beschränkte sich die Präsenz der modernen und zeitgenössischen Architektur aus Österreich in Paris zunächst auf Ausstellungen. 1956 präsentierte das &#039;&#039;Musée pédagogique&#039;&#039; die Schau &#039;&#039;L’architecture autrichienne contemporaine&#039;&#039;, in der Wiederaufbau-Projekte zu sehen waren. 1962 gab es eine kleine Adolf Loos-Ausstellung im &#039;&#039;Maison des beaux-arts&#039;&#039;. In den 1960er Jahren nahm schließlich auch die Präsenz junger österreichischer Architekten in Frankreich zu, die dort in einem progressiven Umfeld studieren, in innovativen Ateliers arbeiten oder sich auf Ausstellungen präsentieren konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:63 Günther Domenig und Eilfried Huth, Neue Wohnformen Stadt Ragnitz, Projekt, Modell, 1969 © FRAC Centre-Val de Loire, Orléans, Philippe Magnon.jpg|200px|thumb|left||Günther Domenig und Eilfried Huth, Neue Wohnformen Stadt Ragnitz, Projekt, Modell, 1969]]Bernhard Leitner wuchs bis 1956 in Vorarlberg und Innsbruck auf, wo er das [[Institut français in Innsbruck|Institut français]] wahrnahm. Danach studierte er an der Technischen Hochschule in Wien. 1963–66 arbeitete er im interdisziplinären &#039;&#039;Atelier d’urbanisme et d’architecture&#039;&#039; (AUA) um Jacques Allégret und Jean Perrottet sowie im Büro von Paul Bossard. Später entwickelte er seine international bekannten Tonräume, darunter LE CYLINDRE SONORE im Parc de la Villette in Paris (1987).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1965 hatten die Grazer Architekten Günther Domenig und Eilfried Huth das Projekt &#039;&#039;Neue Wohnform Ragnitz&#039;&#039; entworfen. So bereicherten sie den internationalen Strukturalismus fünf Jahre nach Kenzo Tanges &#039;&#039;Tokyo Bay Plan&#039;&#039; um eines der am weitesten durchgearbeiteten Projekte flexibel ausbaubarer urbanistischer Systeme aus großen Primärkonstruktionen und eingefügten organoiden Raumzellen. Ein (verlorenes) großes Modell davon präsentierten Domenig und Huth erfolgreich 1969 in Cannes beim &#039;&#039;Grand prix d’urbanisme et d’architecture&#039;&#039; vor einer prominenten Jury, der unter anderen J.B. Bakema, Jürgen Joedicke, Louis Kahn, Jean Prouvé, Karl Schwanzer, Heikki Siren und Bruno Zevi angehörten. Ein Rekonstruktionsmodell davon wurde 2001 vom &#039;&#039;FRAC Centre&#039;&#039; in Orléans erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:64 Helmut Richter, Schule Kinkplatz, Wien, 1992-94 © Manfred Seidl.jpg|thumb||Helmut Richter, Schule Kinkplatz, Wien, 1992-94]] [[Datei:65 Dietmar Feichtinger, Passerelle Simon-de-Beauvoir, Paris-Bercy, 2004-06 © DF architectes.jpg||left|thumb||Dietmar Feichtinger, Passerelle Simon-de-Beauvoir, Paris-Bercy, 2004-06]]Ebenfalls aus Graz stammte der Architekt Helmut Richter. Er studierte Informationstheorie in Los Angeles, bevor er 1971 bis 1975 an der &#039;&#039;École nationale supérieure des beaux-arts&#039;&#039; lehrte. Von dort brachte er eine kühle und präzise Ingenieur-Ästhetik zurück, die er über seine Lehre an der Technischen Universität Wien in der zeitgenössischen Architektur Österreichs verankern konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Studium an der TU Graz trat der junge Architekt Dietmar Feichtinger 1988 in das Pariser Büro von Philippe Chaix und Jean-Paul Morel ein, bevor er 1993 sein erfolgreiches eigenes Atelier gründete. Zu seinen bekanntesten Realisierungen in Frankreich zählen die Passerelle &#039;&#039;Simone de Beauvoir in Paris&#039;&#039; (2004–08), die Zugangsanlagen zum Pariser &#039;&#039;Eiffelturm&#039;&#039; (2014), ein &#039;&#039;Campus der Universität Aix-en-Provence&#039;&#039; (2015), die &#039;&#039;Brücke zum Mont Saint-Michel&#039;&#039; in der Normandie (2015) und die Veolia Headquarters in Aubervilliers (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:66 Coop Himmelb(l)au, Musée des Confluences, Lyon, 2001-14 © Coop Himmelb(l)au.jpeg|350px|thumb|Coop Himmelb(l)au, Musée des Confluences, Lyon, 2001-14]]Um 2000 wurden von österreichischen Architekten zwei große Museumsprojekte in Frankeich errichtet, die postmoderne und dekonstruktivistische Positionen exemplarisch realisierten. 1987 hatte das Pariser &#039;&#039;Centre Pompidou&#039;&#039; mit &#039;&#039;[[Hans Hollein]] – métaphores et métamorphoses&#039;&#039; eine erste große Architekturausstellung präsentiert und damit die Stellung der Postmoderne im französischen Architekturdiskurs gestärkt. 1994–97 errichtete Hollein nach einem gewonnenen internationalen Wettbewerb gemeinsam mit dem Atelier 4 aus Clermont-Ferrand das Museum &#039;&#039;Vulcania&#039;&#039; in Saint-Ours-Les-Roches in der Auvergne. 2001 fand schließlich der internationale Wettbewerb um das &#039;&#039;Musée des Confluences&#039;&#039; in Lyon statt, den Coop Himmelb(l)au mit dem Dekonstruktivismus-Pionier Wolf Prix für sich entscheiden konnte. 2014 wurde das Haus am Zusammenfluss von Rhône und Saône eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren wurde der austrofranzösischen Kulturaustausch weiter erleichtert. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 brachte die Reise- und Niederlassungsfreiheit. Die Mitgliedschaft beim Schengen-Abkommen 1997 führte zum Ende nationaler Grenzkontrollen. Diese Entwicklung förderte eine weitere starke Annäherung der Kulturräume Europas. Schließlich sorgten die Globalisierung und die Digitalisierung dafür, dass sich die Bedeutung des physischen Standorts für die Kunstproduktion deutlich relativierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur (Auswahl)==&lt;br /&gt;
*Koller, Gabriele, Withalm, Gloria: Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Zur Kulturpolitik des Nationalsozialismus, Ausstellungskatalog. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Tirol-Frankreich. Spurensicherung einer Begegnung, Ausstellungskatalog. Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1991.&lt;br /&gt;
*Stadler, Friedrich, Weibel, Peter (Hg.): Vertreibung der Vernunft. The Cultural Exodus from Austria. Wien-New York: Springer 1995.&lt;br /&gt;
*Angerer, Thomas, Porpaczy, Barbara (Hg.): „Ein Frühling, dem kein Sommer folgte“? Französisch-österreichische Kulturtransfers seit 1945. Wien: Böhlau 1999.&lt;br /&gt;
*Husslein-Arco, Agnes (Hg.): Wien-Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne, Ausstellungskatalog. Wien: Belvedere 2007.&lt;br /&gt;
*Poulot, Cécile: Adolf Loos: un architecte au carrefour de l’Europe (1870-1933). Paris : Hermann 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Matthias Boeckl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 13/12/2024 &lt;br /&gt;
{{otherWiki|Artistes_autrichiens_en_France_(XXe_siècle)}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
	</entry>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Heimito_von_Doderer&amp;diff=579</id>
		<title>Heimito von Doderer</title>
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		<updated>2025-03-07T08:26:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Doderer.jpg|230px|thumb|Heimito von Doderer (1966)]] Heimito von Doderer (* 5. September 1896 in Hadersdorf-Weidlingau, † 23. Dezember 1966 in Wien) galt vielleicht als „österreichischster Dichter Österreichs&amp;lt;ref&amp;gt;Torberg in Schaffgotsch 1972, S. 167&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Seine großen Romane &#039;&#039;Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre&#039;&#039; (1951) und &#039;&#039;Die Dämonen. Nach dem Sektionsrat Geyrenhoff&#039;&#039; (1956) spielen im Wien der 1920er Jahre während der 1. Republik und haben indirekt zur Stärkung einer österreichischen Identität in der 2. Republik beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Doch dieses scheinbar angeborene Österreichertum ist in Wirklichkeit erst das Ergebnis einer persönlichen Entwicklung in einem in geographischer und ideologischer Hinsicht bewegten Leben. Doderers Familie stammte aus Deutschland (Heilbronn), und Heimito wurde wie die anderen fünf Kinder evangelisch getauft. Als Kriegsgefangener blieb Doderer von 1916 bis 1920 in mehreren russischen Lagern, wo er zu schreiben begann. Die russische Gefangenschaft wirkte wie eine Befreiung von den „bürgerlichen“ Erwartungen der Familie: Doderer behielt sein Leben lang ein sehr positives Bild von Russlands Landschaften und Menschen, das sich u.a. in seinem ersten Roman &#039;&#039;Das Geheimnis des Reichs&#039;&#039; (1930) und in seinem letzten (unvollendeten) &#039;&#039;Der Grenzwald&#039;&#039; (1967, posthum) niederschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Russland wurde aber auch Deutschland in den 1930er Jahren zu einem neuen Leitbild: Der Beitritt zur österreichischen NSDAP am 1. April 1933 und die Arbeit am antisemitisch ausgerichteten Roman &#039;&#039;Die Dämonen der Ostmark&#039;&#039; bis 1936 zeigt, wie der deutschnationale familiäre Hintergrund hier nun bestimmend wurde. Der Roman sollte den vermeintlichen Einfluss „der Juden“ im privaten Leben, in Presse und Wirtschaft in Wien anprangern. Doch nachdem Doderer in Deutschland (von 1936 bis 1938 wohnte er in Dachau) keinen Verleger für seinen Roman fand, distanzierte er sich allmählich vom Nationalsozialismus und konvertierte im April 1940 zum Katholizismus. Während des 2. Weltkriegs erfolgten eine ähnliche Bekehrung zu Österreich und seiner Literatur (er entdeckte am Anfang der 1940er Jahre Hofmannsthal und Grillparzer neu) und eine Abwendung von allem „Reichsdeutschen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lehrjahre des Schriftstellers im Zeichen des französischen Realismus und Naturalismus==&lt;br /&gt;
Doch eine dritte Kultur hat Doderers literarischen Werdegang begleitet: Über die in einer großbürgerlichen Familie üblichen Französischkenntnisse hinaus haben französische Autoren und Frankreich eine dauerhafte und für seine Romanauffassung wichtige Rolle gespielt. Obwohl Doderer nach der Rückkehr aus Russland vor allem Geschichte an der Wiener Universität studierte (aber auch „Französisch um 1500“ bei Elise Richter im Sommersemester 1922), enthalten seine frühen Tagebücher ab 1920 viele Hinweise auf seine Lektüren: Eindrücke von gelesenen Büchern oder programmatische Listen. Darunter sind französische Romanschriftsteller stark vertreten, besonders Realisten und Naturalisten. So beeindruckte ihn Balzacs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz148392.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Eugénie Grandet&#039;&#039; noch mehr als Dostojewskis &#039;&#039;Schuld und Sühne&#039;&#039;: „Was mir hier zumeist auffiel, ist die edle Sachlichkeit der Darstellung (fast in der Art eines Berichtes), der große &#039;&#039;Wirklichkeitssinn&#039;&#039; des Autor’s, was beides das Fehlen jeder schlechten Sentimentalität zur Folge hat&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1996, [1921], S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Damit werden sehr früh zwei technisch-ästhetische Aspekte benannt, die Doderer immer wieder vereinigen möchte: Realismus und Ausdrucksstärke. In Balzac sieht Doderer den „&#039;&#039;eigentlichen&#039;&#039; Geschichtsschreiber seiner Zeit“, wie in Stendhal&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1925], S. 277&amp;lt;/ref&amp;gt;, wobei er letzterem seine „trockene Art“ und „unfruchtbare Härte“ vorwirft&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1934], S. 636 &amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch die „Härte“ der Schreibweise ist beim eigentlichen Vorbild [[Émile Zola]] durch und durch positiv, wie das frühe Lob auf dessen &#039;&#039;Pot-Bouille&#039;&#039; zeigt: „Dies ist großartig; die Technik eine sehr sparsame und anspruchslose&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1924], S. 256–257 &amp;lt;/ref&amp;gt;“. Für Doderer ist der Naturalismus längst nicht überwunden, indem sich „eine neue Rechtfertigung für den alten Naturalismus eröffnet: nämlich eine hervorragende Rolle bei der &#039;&#039;Wiedergewinnung der Anschaulichkeit&#039;&#039; zu spielen&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1943], S. 1256, aus einem Brief an Lu Laporte, Lektorin bei C.H. Beck.&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Noch kurz vor der Veröffentlichung der &#039;&#039;Strudlhofstiege&#039;&#039; empfindet Doderer den Naturalismus à la Zola als Gegengift gegen die verfälschende Sprache aller lebensfeindlichen Privatideologien: „Warum sollte man es nicht wagen, versuchsweise ein Zolaist zu werden?! Als Therapie!&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1964 [1950], S. 786&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Zola ist aber ein Lyriker sein noch größeres Vorbild – [[Baudelaire]], wobei es ihm weniger um Literatur als um den geistigen und „männlichen“ Charakter geht: „Er ist für mich fast wie ein Bruder geworden – ironisch, scharf, klar, durchaus gelüftet und un-verdrängt, ein Mannsbild, das sich nicht geniert&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1996 [1939], S. 1157&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Baudelaire wird meist aus dem posthum erschienenen Band &#039;&#039;Mon cœur mis à nu&#039;&#039; zitiert und verkörpert das Ideal des freien Künstlertums, weg von den Massen und den bürgerlichen Konventionen, sowie die Autonomie des Autors, dessen Biographie keine Bedeutung haben darf: „der Künstler geht nie aus sich heraus&amp;lt;ref&amp;gt;„l’artiste ne sort jamais de lui-même“ Ebd. [1939] S. 1169&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Baudelaire fungiert somit als Mentor, der ihn „durch das geschriebene Wort […] zur Ordnung&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1938], S. 1134&amp;lt;/ref&amp;gt;“ ruft. Als Doderer im Frühjahr 1958 kurz nach Paris kommt, besucht er auch das Grab Baudelaires&amp;lt;ref&amp;gt;Fleischer 1996, S. 461&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Als Offizier der Wehrmacht in Frankreich==&lt;br /&gt;
Doderer war aber schon mehr als 15 Jahre zuvor und für längere Zeit in Frankreich gewesen: Als Offizier der deutschen Luftwaffe wurde er vom 23. August 1940 bis zum 17. April 1942 stationiert – d.h. immer wieder von einem Ort zu einem anderen versetzt, zunächst vorwiegend in der Normandie, ab Anfang 1941 in Südwestfrankreich, in Bordeaux, Biarritz und besonders Mont-de-Marsan. Seine Aufgaben bestanden in Verwaltungsarbeit für das Bodenpersonal auf Fliegerhorsten&amp;lt;ref&amp;gt;Fleischer 1996, S. 301-310 ; Kleinlercher 2011, S. 99-102&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aus &#039;&#039;Tangenten&#039;&#039;, der von Doderer selbst getroffenen Auswahl aus seinen Tagebüchern von 1940 bis 1950, erfährt man sehr wenig Konkretes über diese Zeit. Doch sowohl sein Kurzaufenthalt in Paris bei seiner Ankunft (er wohnte im Hotel Saint-Malo, 2 rue d’Odessa) als auch das angenehme Leben in mehreren anderen Städten sind ihm in guter Erinnerung geblieben. Vor allem waren diese anderthalb Jahre in Frankreich eine Zeit, in der Doderer zum Schreiben zurückfand, nachdem sein großes Romanprojekt der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; gescheitert war und es ihm erst mit weniger anspruchsvollen Formen wie dem Kriminalroman (&#039;&#039;Ein Mord den jeder begeht&#039;&#039;, 1938) und dem historischen Roman (&#039;&#039;Ein Umweg&#039;&#039;, 1940) gelungen war, seine Texte bei C.H. Beck zu veröffentlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Frankreich begann Doderer den reflektierenden und abrechnenden „Epilog auf den Sektionsrat Geyrenhoff“ zu schreiben, der die Unterbrechung der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; thematisiert. In Mont-de-Marsan wurden Erinnerungen an Wien wach, die die Grundlage für die Wiederaufnahme von Kulisse und Personal der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; unter anderen, entpolitisierten Vorzeichen bildeten: Die drei „französischen“ Einträge stehen tatsächlich am Anfang vom „Weg zur Strudlhofstiege&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1964, S. 101&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Insofern spielte Frankreich für den Offizier der Besatzungsarmee von 1940 bis 1942 eine vergleichbare Rolle wie Russland für den Gefangenen von 1916 bis 1920: eine von außen auferlegte Pause in seinem Leben, die ihm einen schriftstellerischen Neuanfang ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konkurrenz mit der französischen Literatur==&lt;br /&gt;
Bei Doderers Rückkehr nach Paris 1958 war er inzwischen ein international bekannter Autor geworden, der ein Jahr zuvor den Großen Österreichischen Staatspreis erhalten hatte und sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen worden war. Als weiteres Zeichen dieser Anerkennung hielt Doderer am 22. März 1958 in der Sorbonne den Vortrag „Grundlagen und Funktion des Romans“ vor der Société des Études Germaniques, die um dieselbe Zeit Ernst Schönwiese zu einem Vortrag über „Die österreichische Lyrik der Gegenwart“ eingeladen hatte. In „Grundlagen und Funktion des Romans“ erwähnt Doderer Baudelaires Lob auf die „Mechanik des Geistes“ und unterstreicht die „Bedeutung des Gedächtnisses“ bei Proust&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz116026.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, da der an sich passive Epiker erst aus der Distanz der Erinnerung einen Stoff bearbeiten könne, seinen eigenen „Stand“ wie Jeanne d’Arc aufgeben müsse. Die Bezüge auf die französische Literatur und Kultur sind hier z.T. durch die französischen Adressaten bedingt, doch der Schlussteil des Vortrages enthält eine vernichtende Antwort auf die (für Doderer bloß intellektualistisch eingebildete) „Krise des Romans“: „der Salzburger Schnürlregen der Assoziationen bei James Joyce, die im Essayismus erstickende fadendünne Handlung bei [[Robert Musil|Musil]], und die geradezu gewaltige Dynamik der Langeweile bei Marcel Proust“ sind bloß Symptome einer persönlichen Krise der Autoren selbst. Waren in den 1920er und 1930er Jahren französische Romanciers aus dem 19. Jahrhundert für den jungen, sich literarisch vortastenden Doderer noch Vorbilder, so steht nun Proust als prominentes Beispiel für eine anachronistische Verirrung des Romans in den Augen eines selbstbewussten Autors, der sich selbst als künstlerisch avancierter wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die französische Literatur spielt ein letztes Mal in seinem letzten, unvollendeten Roman eine Rolle. Bei der Arbeit am &#039;&#039;Grenzwald&#039;&#039; verwendete Doderer für seinen aus seiner Sicht neuen Schreibstil einen französischen Ausdruck: „Der ,roman muet‘, die schweigende gestaltweise Erzählung, stellt den äußersten Gegensatz dar zum Schreiben über irgendetwas – sei’s im Essay oder im ,Sachbuch‘ – auf welch’ letztere Weise Sprache heute nicht mehr möglich ist, ohne journalistisch zu werden&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1986 [1965], S. 465&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Es ist zum einen eine Abwandlung der alten, an Balzac und Zola geübten Forderung nach Sachlichkeit und Sparsamkeit, zum anderen aber eine thematische Annäherung an den französischen Nouveau Roman seit der Mitte der 1950er Jahre: „Die Unwissenheit der Figuren wird im Roman Nouveau nicht größer sein wie in meinem Roman Muet&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1967 [1966], S. 268&amp;lt;/ref&amp;gt;“. In den Tagebüchern werden nirgends Vertreter dieser Strömung erwähnt (etwa Robbe-Grillet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz133301.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Sarraute&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz133302.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Butor&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118518135.html&amp;lt;/ref&amp;gt;), aber Doderer scheint wichtig zu sein, dass er mit der jüngeren ästhetischen Entwicklung Schritt hält, schon durch die Ähnlichkeit der französischen Selbstbezeichnung – und dass er der Konkurrenz wohl wieder überlegen ist, wie der nächste Satz aus demselben Eintrag zeigt: „Nur fehlt im ersteren [dem französischen Nouveau Roman] ihre Ortung im fatologischen Gewebe“. Trotz einer möglichen Gemeinsamkeit in Bezug auf die Beschreibung und Funktion von Gegenständen im französischen Nouveau Roman und bei Doderer fehlt es wohl in seinen Augen an einer (realistisch-naturalistischen) Verankerung einer echten Handlung in einer konkreten, historischen, datierbaren Wirklichkeit. Dafür entgeht Doderer die experimentelle und spielerische Dimension des Nouveau Roman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinen ersten literarischen Versuchen bis zu wenigen Monaten vor seinem Tod blieben so französische Autoren eine wenig sichtbare, doch unterschwellig wichtige Größe in Doderers Romanästhetik, ob man von ihnen lernte oder sie verwarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption von Doderers Texten in Frankreich==&lt;br /&gt;
Doderers Rezeption in Frankreich ist zunächst und vor allem durch Übersetzungen bestimmt: Ein Umweg wurde schon 1943 vom Schweizer Blaise Briod&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/116521473.html&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1981) als &#039;&#039;Sursis&#039;&#039; übersetzt und in Paris bei Plon veröffentlicht. Wahrscheinlich war die treibende Kraft der Lektor des Beck-Verlages, Horst Wiemer, der in der Besatzungszeit auch kommissarischer Leiter vom Verlag Hachette in Paris war&amp;lt;ref&amp;gt;Sommer 2020, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch deutschsprachige Literatur war nicht überraschend um diese Zeit und nach dem Krieg wenig gefragt, und diese frühe Berührung mit Frankreich blieb folgenlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1965 erschien ein anderer Roman Doderers in französischer Übersetzung, der aber das Zeichen seines neuen internationalen Stellenwerts war: Für Gallimard übersetzte Robert Rovini&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Robert-Rovini/190452&amp;lt;/ref&amp;gt; (1926–1968) mit &#039;&#039;Les Démons&#039;&#039; gleich das Hauptwerk (dessen englische Übersetzung 1962 erfolgt war). Rovini hatte im selben Jahr „Grundlagen und Funktion des Romans“ übersetzt (in der Zeitschrift &#039;&#039;Les Temps modernes&#039;&#039; 21/234) und 1964 in &#039;&#039;Cahiers du sud&#039;&#039; 51/380 seinen eigenen Aufsatz „Styles et Démons“ veröffentlicht. Dieses Heft enthielt außerdem die französische Fassung vom Vortrag „Von der Wiederkehr Österreichs“ („Le renouveau autrichien“), die Doderer am 8. Mai 1964 in Athen auf Französisch gehalten hatte, sowie den Aufsatz von Ernst Erich Noth&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.deutsche-biographie.de/10998689X.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Heimito von Doderer“ – es sind die ersten Ansätze einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Doderer in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte der 1980er Jahre übersetzte Pierre Deshusses mehrere Bücher bei Rivages: &#039;&#039;Un meurtre que tout le monde commet&#039;&#039; (1986), &#039;&#039;Les Chutes de Slunj&#039;&#039; (1987), &#039;&#039;Les Fenêtres éclairées&#039;&#039; (1990), &#039;&#039;Divertimenti&#039;&#039; (1996). Der Schweizer Raymond Voyat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Raymond-Voyat/189750&amp;lt;/ref&amp;gt; übersetzte Kurz- und Kürzestgeschichten, &#039;&#039;Histoires brèves et ultra-brèves&#039;&#039; (Périple, 1998). Erst 2020 wurde von Rachel Bouyssou und Herbert Bruch &#039;&#039;Die Strudlhofstiege&#039;&#039; übersetzt, die Doderers Ruhm zunächst in Österreich begründet hatte: &#039;&#039;L’Escalier du Strudlhof ou Melzer et la profondeur des ans&#039;&#039; (bei Carte Blanche, Montréal).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Tangenten. Tagebuch eines Schriftstellers. Wien: Luckmann 1964.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Der Grenzwald. München: Biederstein 1967.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Commentarii 1957–1966. Tagebücher aus dem Nachlaß, Bd. 2. München: Biederstein 1986.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Tagebücher 1920–1939 (2 Bände). Hrsg. v. Wendelin Schmidt-Dengler, Martin Loew-Cadonna und Gerald Sommer. München: Beck 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Chevrel, Éric: Les romans de Heimito von Doderer. L’ordre des choses, du temps et de la langue. Berne et al.: Peter Lang 2008. &lt;br /&gt;
*Fleischer, Wolfgang: Das verleugnete Leben. Die Biographie des Heimito von Doderer. Wien: Kremayr &amp;amp; Scheriau 1996.&lt;br /&gt;
*Kleinlercher, Alexandra: Zwischen Wahrheit und Dichtung. Antisemitismus und Nationalsozialismus bei Heimito von Doderer. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2011.&lt;br /&gt;
*Schaffgotsch, Xaver (Hrsg.): Erinnerungen an Heimito von Doderer. München: Biederstein 1972.&lt;br /&gt;
*Sommer, Gerald: Das Werk Heimito von Doderers, übersetzt in 30 Sprachen – eine Bilanz. In: Norbert Bachleitner (Hrsg.): Literary Translation, reception and Transfer. Berlin: De Gruyter 2020, S. 41–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Éric Chevrel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 04/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Heimito_von_Doderer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<title>Decaf</title>
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		<updated>2025-03-07T08:20:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Lexikon des österreichisch-französischen Kulturaustauschs – Dictionnaire des échanges culturels Autriche-France ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DECAF ist ein biographisches und prosopographisches Lexikon zu Personen, Institutionen und Ereignissen des Kulturaustausches zwischen Österreich und Frankreich von 1740 bis zur Gegenwart. Es bietet Informationen zu den Bereichen Literatur, Theater, Musik und Kunst. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Akteur:innen, die über verschiedene Formen der Vermittlung zum gegenseitigen Kulturtransfer beigetragen haben. Die Lexikoneinträge ermöglichen einen differenzierten und disziplinenübergreifenden Blick auf dynamische Prozesse der gegenseitigen Rezeption, Inspiration und Durchdringung und zeigen, dass Kulturen nicht in sich geschlossene Einheiten sind, sondern seit jeher vom grenzüberschreitenden Austausch leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DECAF wird laufend ergänzt, vervollständigt und übersetzt. Derzeit liegen viele Einträge nur für das französisch- oder deutschsprachige Lexikon vor: Die Texte sind aber verlinkt, sodass Sie die Möglichkeit haben, einen Eintrag in der jeweils anderen Sprache zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Spezial:Alle_Seiten|Übersicht über alle Seiten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Start}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Decaf}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Heimito von Doderer (1966) Heimito von Doderer (* 5. September 1896 in Hadersdorf-Weidlingau, † 23. Dezember 1966 in Wien) galt vielleicht als „österreichischster Dichter Österreichs&amp;lt;ref&amp;gt;Torberg in Schaffgotsch 1972, S. 167&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Seine großen Romane &amp;#039;&amp;#039;Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre&amp;#039;&amp;#039; (1951) und &amp;#039;&amp;#039;Die Dämonen. Nach dem Sektionsrat Geyrenhoff&amp;#039;&amp;#039; (1956) spielen im Wien der 1920er Jahre wä…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Doderer.jpg|230px|thumb|Heimito von Doderer (1966)]] Heimito von Doderer (* 5. September 1896 in Hadersdorf-Weidlingau, † 23. Dezember 1966 in Wien) galt vielleicht als „österreichischster Dichter Österreichs&amp;lt;ref&amp;gt;Torberg in Schaffgotsch 1972, S. 167&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Seine großen Romane &#039;&#039;Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre&#039;&#039; (1951) und &#039;&#039;Die Dämonen. Nach dem Sektionsrat Geyrenhoff&#039;&#039; (1956) spielen im Wien der 1920er Jahre während der 1. Republik und haben indirekt zur Stärkung einer österreichischen Identität in der 2. Republik beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Doch dieses scheinbar angeborene Österreichertum ist in Wirklichkeit erst das Ergebnis einer persönlichen Entwicklung in einem in geographischer und ideologischer Hinsicht bewegten Leben. Doderers Familie stammte aus Deutschland (Heilbronn), und Heimito wurde wie die anderen fünf Kinder evangelisch getauft. Als Kriegsgefangener blieb Doderer von 1916 bis 1920 in mehreren russischen Lagern, wo er zu schreiben begann. Die russische Gefangenschaft wirkte wie eine Befreiung von den „bürgerlichen“ Erwartungen der Familie: Doderer behielt sein Leben lang ein sehr positives Bild von Russlands Landschaften und Menschen, das sich u.a. in seinem ersten Roman &#039;&#039;Das Geheimnis des Reichs&#039;&#039; (1930) und in seinem letzten (unvollendeten) &#039;&#039;Der Grenzwald&#039;&#039; (1967, posthum) niederschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Russland wurde aber auch Deutschland in den 1930er Jahren zu einem neuen Leitbild: Der Beitritt zur österreichischen NSDAP am 1. April 1933 und die Arbeit am antisemitisch ausgerichteten Roman &#039;&#039;Die Dämonen der Ostmark&#039;&#039; bis 1936 zeigt, wie der deutschnationale familiäre Hintergrund hier nun bestimmend wurde. Der Roman sollte den vermeintlichen Einfluss „der Juden“ im privaten Leben, in Presse und Wirtschaft in Wien anprangern. Doch nachdem Doderer in Deutschland (von 1936 bis 1938 wohnte er in Dachau) keinen Verleger für seinen Roman fand, distanzierte er sich allmählich vom Nationalsozialismus und konvertierte im April 1940 zum Katholizismus. Während des 2. Weltkriegs erfolgten eine ähnliche Bekehrung zu Österreich und seiner Literatur (er entdeckte am Anfang der 1940er Jahre Hofmannsthal und Grillparzer neu) und eine Abwendung von allem „Reichsdeutschen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lehrjahre des Schriftstellers im Zeichen des französischen Realismus und Naturalismus==&lt;br /&gt;
Doch eine dritte Kultur hat Doderers literarischen Werdegang begleitet: Über die in einer großbürgerlichen Familie üblichen Französischkenntnisse hinaus haben französische Autoren und Frankreich eine dauerhafte und für seine Romanauffassung wichtige Rolle gespielt. Obwohl Doderer nach der Rückkehr aus Russland vor allem Geschichte an der Wiener Universität studierte (aber auch „Französisch um 1500“ bei Elise Richter im Sommersemester 1922), enthalten seine frühen Tagebücher ab 1920 viele Hinweise auf seine Lektüren: Eindrücke von gelesenen Büchern oder programmatische Listen. Darunter sind französische Romanschriftsteller stark vertreten, besonders Realisten und Naturalisten. So beeindruckte ihn Balzacs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz148392.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Eugénie Grandet&#039;&#039; noch mehr als Dostojewskis Schuld und Sühne: „Was mir hier zumeist auffiel, ist die edle Sachlichkeit der Darstellung (fast in der Art eines Berichtes), der große &#039;&#039;Wirklichkeitssinn&#039;&#039; des Autor’s, was beides das Fehlen jeder schlechten Sentimentalität zur Folge hat&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1996, [1921], S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Damit werden sehr früh zwei technisch-ästhetische Aspekte benannt, die Doderer immer wieder vereinigen möchte: Realismus und Ausdrucksstärke. In Balzac sieht Doderer den „&#039;&#039;eigentlichen&#039;&#039; Geschichtsschreiber seiner Zeit“, wie in Stendhal&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1925], S. 277&amp;lt;/ref&amp;gt;, wobei er letzterem seine „trockene Art“ und „unfruchtbare Härte“ vorwirft&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1934], S. 636 &amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch die „Härte“ der Schreibweise ist beim eigentlichen Vorbild [[Émile Zola]] durch und durch positiv, wie das frühe Lob auf dessen &#039;&#039;Pot-Bouille&#039;&#039; zeigt: „Dies ist großartig; die Technik eine sehr sparsame und anspruchslose&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1924], S. 256–257 &amp;lt;/ref&amp;gt;“. Für Doderer ist der Naturalismus längst nicht überwunden, indem sich „eine neue Rechtfertigung für den alten Naturalismus eröffnet: nämlich eine hervorragende Rolle bei der &#039;&#039;Wiedergewinnung der Anschaulichkeit&#039;&#039; zu spielen&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1943], S. 1256, aus einem Brief an Lu Laporte, Lektorin bei C.H. Beck.&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Noch kurz vor der Veröffentlichung der &#039;&#039;Strudlhofstiege&#039;&#039; empfindet Doderer den Naturalismus à la Zola als Gegengift gegen die verfälschende Sprache aller lebensfeindlichen Privatideologien: „Warum sollte man es nicht wagen, versuchsweise ein Zolaist zu werden?! Als Therapie!&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1964 [1950], S. 786&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Zola ist aber ein Lyriker sein noch größeres Vorbild – [[Baudelaire]], wobei es ihm weniger um Literatur als um den geistigen und „männlichen“ Charakter geht: „Er ist für mich fast wie ein Bruder geworden – ironisch, scharf, klar, durchaus gelüftet und un-verdrängt, ein Mannsbild, das sich nicht geniert&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1996 [1939], S. 1157&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Baudelaire wird meist aus dem posthum erschienenen Band &#039;&#039;Mon cœur mis à nu&#039;&#039; zitiert und verkörpert das Ideal des freien Künstlertums, weg von den Massen und den bürgerlichen Konventionen, sowie die Autonomie des Autors, dessen Biographie keine Bedeutung haben darf: „der Künstler geht nie aus sich heraus&amp;lt;ref&amp;gt;„l’artiste ne sort jamais de lui-même“ Ebd. [1939] S. 1169&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Baudelaire fungiert somit als Mentor, der ihn „durch das geschriebene Wort […] zur Ordnung&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. [1938], S. 1134&amp;lt;/ref&amp;gt;“ ruft. Als Doderer im Frühjahr 1958 kurz nach Paris kommt, besucht er auch das Grab Baudelaires&amp;lt;ref&amp;gt;Fleischer 1996, S. 461&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Als Offizier der Wehrmacht in Frankreich==&lt;br /&gt;
Doderer war aber schon mehr als 15 Jahre zuvor und für längere Zeit in Frankreich gewesen: Als Offizier der deutschen Luftwaffe wurde er vom 23. August 1940 bis zum 17. April 1942 stationiert – d.h. immer wieder von einem Ort zu einem anderen versetzt, zunächst vorwiegend in der Normandie, ab Anfang 1941 in Südwestfrankreich, in Bordeaux, Biarritz und besonders Mont-de-Marsan. Seine Aufgaben bestanden in Verwaltungsarbeit für das Bodenpersonal auf Fliegerhorsten&amp;lt;ref&amp;gt;Fleischer 1996, S. 301-310 ; Kleinlercher 2011, S. 99-102&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aus &#039;&#039;Tangenten&#039;&#039;, der von Doderer selbst getroffenen Auswahl aus seinen Tagebüchern von 1940 bis 1950, erfährt man sehr wenig Konkretes über diese Zeit. Doch sowohl sein Kurzaufenthalt in Paris bei seiner Ankunft (er wohnte im Hotel Saint-Malo, 2 rue d’Odessa) als auch das angenehme Leben in mehreren anderen Städten sind ihm in guter Erinnerung geblieben. Vor allem waren diese anderthalb Jahre in Frankreich eine Zeit, in der Doderer zum Schreiben zurückfand, nachdem sein großes Romanprojekt der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; gescheitert war und es ihm erst mit weniger anspruchsvollen Formen wie dem Kriminalroman (&#039;&#039;Ein Mord den jeder begeht&#039;&#039;, 1938) und dem historischen Roman (&#039;&#039;Ein Umweg&#039;&#039;, 1940) gelungen war, seine Texte bei C.H. Beck zu veröffentlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Frankreich begann Doderer den reflektierenden und abrechnenden „Epilog auf den Sektionsrat Geyrenhoff“ zu schreiben, der die Unterbrechung der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; thematisiert. In Mont-de-Marsan wurden Erinnerungen an Wien wach, die die Grundlage für die Wiederaufnahme von Kulisse und Personal der &#039;&#039;Dämonen&#039;&#039; unter anderen, entpolitisierten Vorzeichen bildeten: Die drei „französischen“ Einträge stehen tatsächlich am Anfang vom „Weg zur Strudlhofstiege&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1964, S. 101&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Insofern spielte Frankreich für den Offizier der Besatzungsarmee von 1940 bis 1942 eine vergleichbare Rolle wie Russland für den Gefangenen von 1916 bis 1920: eine von außen auferlegte Pause in seinem Leben, die ihm einen schriftstellerischen Neuanfang ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konkurrenz mit der französischen Literatur==&lt;br /&gt;
Bei Doderers Rückkehr nach Paris 1958 war er inzwischen ein international bekannter Autor geworden, der ein Jahr zuvor den Großen Österreichischen Staatspreis erhalten hatte und sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen worden war. Als weiteres Zeichen dieser Anerkennung hielt Doderer am 22. März 1958 in der Sorbonne den Vortrag „Grundlagen und Funktion des Romans“ vor der Société des Études Germaniques, die um dieselbe Zeit Ernst Schönwiese zu einem Vortrag über „Die österreichische Lyrik der Gegenwart“ eingeladen hatte. In „Grundlagen und Funktion des Romans“ erwähnt Doderer Baudelaires Lob auf die „Mechanik des Geistes“ und unterstreicht die „Bedeutung des Gedächtnisses“ bei Proust&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz116026.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, da der an sich passive Epiker erst aus der Distanz der Erinnerung einen Stoff bearbeiten könne, seinen eigenen „Stand“ wie Jeanne d’Arc aufgeben müsse. Die Bezüge auf die französische Literatur und Kultur sind hier z.T. durch die französischen Adressaten bedingt, doch der Schlussteil des Vortrages enthält eine vernichtende Antwort auf die (für Doderer bloß intellektualistisch eingebildete) „Krise des Romans“: „der Salzburger Schnürlregen der Assoziationen bei James Joyce, die im Essayismus erstickende fadendünne Handlung bei &amp;lt;((Robert Musil|Musil]], und die geradezu gewaltige Dynamik der Langeweile bei Marcel Proust“ sind bloß Symptome einer persönlichen Krise der Autoren selbst. Waren in den 1920er und 1930er Jahren französische Romanciers aus dem 19. Jahrhundert für den jungen, sich literarisch vortastenden Doderer noch Vorbilder, so steht nun Proust als prominentes Beispiel für eine anachronistische Verirrung des Romans in den Augen eines selbstbewussten Autors, der sich selbst als künstlerisch avancierter wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die französische Literatur spielt ein letztes Mal in seinem letzten, unvollendeten Roman eine Rolle. Bei der Arbeit am &#039;&#039;Grenzwald&#039;&#039; verwendete Doderer für seinen aus seiner Sicht neuen Schreibstil einen französischen Ausdruck: „Der ,roman muet‘, die schweigende gestaltweise Erzählung, stellt den äußersten Gegensatz dar zum Schreiben über irgendetwas – sei’s im Essay oder im ,Sachbuch‘ – auf welch’ letztere Weise Sprache heute nicht mehr möglich ist, ohne journalistisch zu werden&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1986 [1965], S. 465&amp;lt;/ref&amp;gt;“. Es ist zum einen eine Abwandlung der alten, an Balzac und Zola geübten Forderung nach Sachlichkeit und Sparsamkeit, zum anderen aber eine thematische Annäherung an den französischen Nouveau Roman seit der Mitte der 1950er Jahre: „Die Unwissenheit der Figuren wird im Roman Nouveau nicht größer sein wie in meinem Roman Muet&amp;lt;ref&amp;gt;Doderer 1967 [1966], S. 268&amp;lt;/ref&amp;gt;“. In den Tagebüchern werden nirgends Vertreter dieser Strömung erwähnt (etwa Robbe-Grillet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz133301.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Sarraute&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz133302.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Butor&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118518135.html&amp;lt;/ref&amp;gt;), aber Doderer scheint wichtig zu sein, dass er mit der jüngeren ästhetischen Entwicklung Schritt hält, schon durch die Ähnlichkeit der französischen Selbstbezeichnung – und dass er der Konkurrenz wohl wieder überlegen ist, wie der nächste Satz aus demselben Eintrag zeigt: „Nur fehlt im ersteren [dem französischen Nouveau Roman] ihre Ortung im fatologischen Gewebe“. Trotz einer möglichen Gemeinsamkeit in Bezug auf die Beschreibung und Funktion von Gegenständen im französischen Nouveau Roman und bei Doderer fehlt es wohl in seinen Augen an einer (realistisch-naturalistischen) Verankerung einer echten Handlung in einer konkreten, historischen, datierbaren Wirklichkeit. Dafür entgeht Doderer die experimentelle und spielerische Dimension des Nouveau Roman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinen ersten literarischen Versuchen bis zu wenigen Monaten vor seinem Tod blieben so französische Autoren eine wenig sichtbare, doch unterschwellig wichtige Größe in Doderers Romanästhetik, ob man von ihnen lernte oder sie verwarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rezeption von Doderers Texten in Frankreich==&lt;br /&gt;
Doderers Rezeption in Frankreich ist zunächst und vor allem durch Übersetzungen bestimmt: Ein Umweg wurde schon 1943 vom Schweizer Blaise Briod&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/116521473.html&amp;lt;/ref&amp;gt; (1896–1981) als &#039;&#039;Sursis&#039;&#039; übersetzt und in Paris bei Plon veröffentlicht. Wahrscheinlich war die treibende Kraft der Lektor des Beck-Verlages, Horst Wiemer, der in der Besatzungszeit auch kommissarischer Leiter vom Verlag Hachette in Paris war&amp;lt;ref&amp;gt;Sommer 2020, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch deutschsprachige Literatur war nicht überraschend um diese Zeit und nach dem Krieg wenig gefragt, und diese frühe Berührung mit Frankreich blieb folgenlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1965 erschien ein anderer Roman Doderers in französischer Übersetzung, der aber das Zeichen seines neuen internationalen Stellenwerts war: Für Gallimard übersetzte Robert Rovini&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Robert-Rovini/190452&amp;lt;/ref&amp;gt; (1926–1968) mit &#039;&#039;Les Démons&#039;&#039; gleich das Hauptwerk (dessen englische Übersetzung 1962 erfolgt war). Rovini hatte im selben Jahr „Grundlagen und Funktion des Romans“ übersetzt (in der Zeitschrift &#039;&#039;Les Temps modernes&#039;&#039; 21/234) und 1964 in &#039;&#039;Cahiers du sud&#039;&#039; 51/380 seinen eigenen Aufsatz „Styles et Démons“ veröffentlicht. Dieses Heft enthielt außerdem die französische Fassung vom Vortrag „Von der Wiederkehr Österreichs“ („Le renouveau autrichien“), die Doderer am 8. Mai 1964 in Athen auf Französisch gehalten hatte, sowie den Aufsatz von Ernst Erich Noth&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.deutsche-biographie.de/10998689X.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Heimito von Doderer“ – es sind die ersten Ansätze einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Doderer in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab Mitte der 1980er Jahre übersetzte Pierre Deshusses mehrere Bücher bei Rivages: &#039;&#039;Un meurtre que tout le monde commet&#039;&#039; (1986), &#039;&#039;Les Chutes de Slunj&#039;&#039; (1987), &#039;&#039;Les Fenêtres éclairées&#039;&#039; (1990), &#039;&#039;Divertimenti&#039;&#039; (1996). Der Schweizer Raymond Voyat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Raymond-Voyat/189750&amp;lt;/ref&amp;gt; übersetzte Kurz- und Kürzestgeschichten, Histoires brèves et ultra-brèves (Périple, 1998). Erst 2020 wurde von Rachel Bouyssou und Herbert Bruch &#039;&#039;Die Strudlhofstiege&#039;&#039; übersetzt, die Doderers Ruhm zunächst in Österreich begründet hatte: &#039;&#039;L’Escalier du Strudlhof ou Melzer et la profondeur des ans&#039;&#039; (bei Carte Blanche, Montréal).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Tangenten. Tagebuch eines Schriftstellers. Wien: Luckmann 1964.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Der Grenzwald. München: Biederstein 1967.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Commentarii 1957–1966. Tagebücher aus dem Nachlaß, Bd. 2. München: Biederstein 1986.&lt;br /&gt;
*Doderer, Heimito von: Tagebücher 1920–1939 (2 Bände). Hrsg. v. Wendelin Schmidt-Dengler, Martin Loew-Cadonna und Gerald Sommer. München: Beck 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Chevrel, Éric: Les romans de Heimito von Doderer. L’ordre des choses, du temps et de la langue. Berne et al.: Peter Lang 2008. &lt;br /&gt;
*Fleischer, Wolfgang: Das verleugnete Leben. Die Biographie des Heimito von Doderer. Wien: Kremayr &amp;amp; Scheriau 1996.&lt;br /&gt;
*Kleinlercher, Alexandra: Zwischen Wahrheit und Dichtung. Antisemitismus und Nationalsozialismus bei Heimito von Doderer. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2011.&lt;br /&gt;
*Schaffgotsch, Xaver (Hrsg.): Erinnerungen an Heimito von Doderer. München: Biederstein 1972.&lt;br /&gt;
*Sommer, Gerald: Das Werk Heimito von Doderers, übersetzt in 30 Sprachen – eine Bilanz. In: Norbert Bachleitner (Hrsg.): Literary Translation, reception and Transfer. Berlin: De Gruyter 2020, S. 41–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Éric Chevrel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 04/03/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Heimito_von_Doderer}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<updated>2025-03-04T15:28:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Heimito von Doderer (1896-1966), Foto von Fritz Kern (1916-2005), 1966
ÖNB
http://data.onb.ac.at/rec/baa391914&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Heimito von Doderer (1896-1966), Foto von Fritz Kern (1916-2005), 1966&lt;br /&gt;
ÖNB&lt;br /&gt;
http://data.onb.ac.at/rec/baa391914&lt;/div&gt;</summary>
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		<updated>2025-03-04T15:24:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Margret_Kreidl nur im französischsprachigen Wiki].   {{otherWiki|Margret_Kreidl}}“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite existiert derzeit [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Margret_Kreidl nur im französischsprachigen Wiki].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Perutz.png||thumb|Leo Perutz (1954)]]&lt;br /&gt;
Während in Österreich um Leo Perutz (1882–1957) fünf Jahre nach seinem Tod Stille herrscht, bekommt 1962 sein Roman &#039;&#039;Der Marques de Bolibar&#039;&#039; in Frankreich die einzige literarische Auszeichnung, die seiner Arbeit je verliehen wurde. Es handelt sich um den „Prix Nocturne“, der gerade gestiftet wurde, um ein vergessenes phantastisches Werk wieder ins Licht zu stellen. Einer dessen Hauptorganisatoren ist Roland Stragliati&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.noosfere.org/livres/Auteur.asp?numauteur=-1020672740&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Bewunderer des Schriftstellers, der zu diesem Zeitpunkt in Verbindung mit seiner Witwe, Grete, steht und versucht, die Übersetzung seiner Texte wieder in Gang zu bringen. Die Beziehungen zwischen Perutz und Frankreich gleichen diesem Preis, der von einem auf Anonymität bedachten Jury vergeben wurde: Viele der Mitwirkenden sind unentdeckt geblieben, und dennoch zeichnet sich um den Schriftsteller ein Netzwerk wechselseitiger Vermittlungen ab, das zum Teil noch zu erforschen ist. Während man die Übersetzer der jüngsten Zeit leicht ausfindig machen kann, dürften die zahlreichen Vermittler aus der Vorkriegszeit nämlich nicht alle erfasst sein. Ihre Wiederentdeckung ermöglicht es auch, den persönlichen Anteil in Perutz’ Beziehungen zu Frankreich zu beleuchten, was wiederum dazu einlädt, sein Interesse für die französische Kultur und deren Einfluss auf seine Werke neu zu bewerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Leo Perutz wurde 1882 zur Zeit der österreich-ungarischen Monarchie in Prag geboren. An der Wende zum 20. Jahrhundert lässt sich seine Familie in Wien nieder, wo der Schriftsteller dann lebt, bis er wegen seiner jüdischen Abstammung im Juli 1938 zum Exil gezwungen wird. Die sechs zwischen 1915 und 1928 in Deutschland veröffentlichten Romane (&#039;&#039;Die dritte Kugel&#039;&#039;, &#039;&#039;Zwischen neun und neun&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Marques de Bolibar&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Meister des jüngsten Tages&#039;&#039;, &#039;&#039;Turlupin&#039;&#039; und &#039;&#039;Wohin rollst du, Äpfelchen&#039;&#039;…) sowie der 1930 in Wien herausgegebene Novellenband &#039;&#039;Herr, erbarme Dich meiner!&#039;&#039; haben ihm Erfolg gebracht, aber nach der NS-Machtergreifung wird er aus dem deutschen Buchmarkt ausgeschlossen. Die beiden in den dreißiger Jahren in Wien erschienenen Romane (&#039;&#039;Sankt Petri-Schnee&#039;&#039; und &#039;&#039;Der schwedische Reiter&#039;&#039;) haben also weniger Resonanz, und für die beiden letzten (&#039;&#039;Nachts unter der steinernen Brücke&#039;&#039; und &#039;&#039;Der Judas des Leonardo&#039;&#039;) wird sich nach dem Krieg ein Verleger nur schwer finden. Erst in den 1980er Jahren wird sein Werk dank einer neuen vom Germanisten Hans-Harald Müller betreuten und kommentierten Ausgabe beim Wiener Verlag [[Zsolnay]] als Ganzes wiederentdeckt und neu bewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Perutz’ Beziehungen zu Frankreich==&lt;br /&gt;
Eine ähnliche Entwicklung zur vollen Anerkennung ist in Frankreich festzustellen, wo alle Romane und Novellen ebenfalls in den 1980er Jahren übersetzt werden. Nicht aber dem historischen Verleger Albin Michel ist dies zu verdanken. Von den beiden 1930 und 1931 durch Odon Niox-Château übersetzten Romanen wird nur &#039;&#039;Le Marquis de Bolibar&#039;&#039; 1970 neu herausgegeben, bevor der Verlag 1988 die Novellensammlung und 1994 zwei mit Paul Frank geschriebene Romane (&#039;&#039;Le Cosaque et le Rossignol&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Miracle du manguier&#039;&#039;) veröffentlicht und sich so den Bemühungen anderer spät und eher am Rande anschließt, um Perutz’ Werk in Frankreich bekannt zu machen. Der 1931 unter dem Titel &#039;&#039;À la dérive…&#039;&#039; erschienene Roman wird als &#039;&#039;Où roules-tu petite pomme?&#039;&#039; bei einem anderen Verlag, Fayard, von Jean-Claude Capèle&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.noosfere.org/livres/auteur.asp?numauteur=-43831&amp;lt;/ref&amp;gt; neu übersetzt, der dem französischsprachigen Publikum dann fünf weitere Werke (&#039;&#039;Turlupin&#039;&#039;, &#039;&#039;La Neige de saint Pierre&#039;&#039;, &#039;&#039;La Nuit sous le pont de pierre&#039;&#039;, &#039;&#039;La troisième Balle&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Maître du Jugement dernier&#039;&#039;) vorlegt – alle sind mit Unterstützung des Germanisten und freien Lektors Michel-François Demet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/auteurs/michel-francois-demet/&amp;lt;/ref&amp;gt; beim selben Verlag erschienen. Bei Phébus setzt sich der Verlagsgründer Jean-Pierre Sicre&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Jean-Pierre-Sicre/178090&amp;lt;/ref&amp;gt; selbst für den österreichischen Autor ein, der von Martine Keyser übersetzt wird (&#039;&#039;Le Judas de Léonard&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Cavalier suédois&#039;&#039;). Unter den anderen Beteiligten bei diesem Transfer muss man Jean-Jacques Pollet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Jean-Jacques-Pollet/88249&amp;lt;/ref&amp;gt; in doppelter Hinsicht einen besonderen Platz einräumen: Er übersetzt &#039;&#039;Zwischen neun und neun&#039;&#039; (&#039;&#039;Le Tour du cadran&#039;&#039;, Christian Bourgeois), die beiden „vierhändigen“ Romane sowie eine unter dem gleichen Titel wie in Österreich herausgegebene Sammlung von vereinzelten Texten (&#039;&#039;Nuit de mai à Vienne&#039;&#039;, Fayard), und als Germanist nimmt er die Werke des Schriftstellers auch in die an den französischen Universitäten erforschten Korpora auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese posthume Anerkennung darf nicht vergessen lassen, dass Perutz vor dem Zweiten Weltkrieg viele Beziehungen zu Frankreich unterhielt. Neben der Übersetzung der beiden schon zitierten Romane findet man verstreute Spuren, die vom Einsatz verschiedener Akteure zeugen, um – meistens über Zeitschriften – die Texte des österreichischen Autors, mit dem sie oft in Kontakt stehen, bekannt zu machen. Dies ist der Fall des deutsch-französischen Schriftstellers und Drehbuchautors Benno Vigny&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/117417645.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der andererseits Charles Trénets Stiefvater ist: In den 1920er Jahren arbeitet er im Wiener Filmmilieu und kennt Perutz persönlich, von dem er eine Novelle übersetzt („Conte lunaire“, &#039;&#039;Septimanie&#039;&#039;, Februar 1926), wobei er auch vorhat, andere Texte für die Bühne (auf Deutsch) zu bearbeiten. Wenn andere Übersetzer den französischen Lesern den österreichischen Autor vorstellen, weisen sie manchmal auf noch unveröffentlichte Werke hin, was wiederum von direkten Beziehungen zeugt: So Fernand Remisch in der Zeitschrift &#039;&#039;Le Rouge et le Noir&#039;&#039; („Un jour sans soir“ und „Léo Perutz, bon artisan“, Oktober–November 1927) sowie Anno Schlösser in der zweisprachigen &#039;&#039;Revue rhénane/Rheinische Blätter&#039;&#039; („La Troisième Balle – Extrait“ und „Léon Perutz“ [sic.], Juni 1929). Remisch erwähnt auch eine abgeschlossene Übersetzung von &#039;&#039;Zwischen neun und neun&#039;&#039;, die nur noch auf einen Verleger wartet. Der Roman wird nicht in dieser Form auf Französisch erscheinen, aber der Übersetzer weist auf Firmin Gémiers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.leonore.archives-nationales.culture.gouv.fr/ui/notice/360002&amp;lt;/ref&amp;gt; Projekt einer französischen Inszenierung im Pariser Odéon-Theater der von Hans Sturm für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg angefertigten Bühnenbearbeitung hin und bedauert, dass es aufgegeben wurde. Allerdings wird die Uraufführung dieses Stücks auf Französisch in Monte-Carlo für die Spielzeit 1927–1928 angekündigt, und zwar in einer Bearbeitung von Robert de Mackiels, der später einen Roman des mit Perutz befreundeten [[Alexander Lernet-Holenia]] übersetzen wird (&#039;&#039;Aventures d’un jeune homme habillé en femme&#039;&#039;, roman viennois, Flammarion, 1934), was direkte Beziehungen zwischen den drei Männern ahnen lässt. Ebenfalls hat Raymond Henry, der „Herr, erbarme Dich meiner!“ unter dem Titel „Le Télégramme chiffré“ (&#039;&#039;Gringoire&#039;&#039;, 5. November 1937) veröffentlicht, auch zwei Romane Arnold Hoellriegels&amp;lt;ref&amp;gt;https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Personen/bermann-richard-a.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines anderen Vertrauten von Perutz, für Albin Michel übersetzt (&#039;&#039;Tu feras du cinéma&#039;&#039;, 1931, und &#039;&#039;La Petite Fille de Sainte-Hélène&#039;&#039;, 1937).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erstaunlichste und auch am meisten vergessene Weg aber, auf dem gegenseitige Austausche zwischen Frankreich und Österreich stattfinden, führt über die Bretagne, wo sich Perutz regelmäßig aufhält und mit François Jaffrennou&amp;lt;ref&amp;gt;https://crbc.huma-num.fr/prelib/personne/84/&amp;lt;/ref&amp;gt; anfreundet: Dieser tritt unter dem Namen Taldir als Barde auf und ist einer der Hauptakteure des Neudruidentums, 1900 Mitbegründer der bretonischen Gorsedd und später auch deren Großdruide. Er betreut auch zum Teil bretonischsprachige Zeitschriften: So kann er Perutz’ Werke unterstützen, indem er regelmäßig Rezensionen zu seinen Romanen und sogar einige Jahre vor Albin Michel eine erste Übersetzung vom &#039;&#039;Marques de Bolibar&#039;&#039; veröffentlicht, die aus finanziellen Gründen unvollendet bleiben muss (&#039;&#039;Le Consortium Breton&#039;&#039;, Mai 1927–Juni 1928; &#039;&#039;An Oaled. Le Foyer Breton&#039;&#039;, 3. Trimester 1928). Da in diesem Regionalistenkreis niemand ausreichend Deutsch spricht, werden die Werke des österreichischen Autors, der seinerseits das Französische recht gut beherrscht, in ihrer englischen Übersetzung gelesen. Vorlage für diese erste französische Fassung des &#039;&#039;Marques de Bolibar&#039;&#039; von Guillaume Quénet ist ebenfalls der englische Text. Umgekehrt interessiert sich Perutz, der 1927 in die Gorsedd aufgenommen wird, für die keltische Kultur: Er verteidigt sie in Frankreich in einer Befragung über die Zukunft der europäischen Kulturen („Réponse à l’enquête“, &#039;&#039;Le Rouge et le Noir&#039;&#039;, Dezember 1927–Januar 1928) und er macht sie in Wien bekannt, indem er zu einer Matinee beiträgt, in der das mit Jaffrennou befreundete Bardenpaar Émile und Janedick Cueff bretonische, wallisische und schottische Lieder vortragen (Carltheater, 18. November 1928).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg schaltet sich der österreichische Autor erfolglos bei den französischen Behörden ein, die Jaffrennou im Juni 1945 wegen Kollaboration verurteilt haben, ebenso wie er einige im Nationalsozialismus kompromittierte Wiener Bekannte zu unterstützen versucht. Freundschaft über politische Entscheidungen zu stellen, bedeutet nicht, dass man deren ideologische Voraussetzungen teilt, und Perutz’ Interesse für den bretonischen Regionalismus ist bestimmt nicht im Sinne einer identitären Selbstbehauptung zu verstehen. Ganz im Gegenteil plädiert er im Namen der Achtung vor dem Schwächeren in &#039;&#039;Le Rouge et le Noir&#039;&#039; dafür, dass Frankreich der keltischen Sprache einen Platz im Unterricht und im öffentlichen Leben einräumt. In diesem Argument ist der Respekt wiederzufinden, die der Schriftsteller unterdrückten Minderheiten entgegenbringt, ob es sich nun um die brutal kolonisierten Azteken in &#039;&#039;Die dritte Kugel&#039;&#039; oder um die dem Wohlwollen des Kaiserhofs preisgegebene jüdische Gemeinschaft in &#039;&#039;Nachts unter der steinernen Brücke&#039;&#039; handelt. In „Der Nationalfeiertag im Dorfe&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arbeiter-Zeitung&#039;&#039;, Wien, 22.08.1924&amp;lt;/ref&amp;gt;“ berichtet Perutz – den Barden Taldir beiläufig erwähnend – von zahlreichen bretonischen Volksfesten sowie vom Feiern des 14. Juli in einem Dorf der Region, wahrscheinlich Loctudy&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.loctudy.fr/&amp;lt;/ref&amp;gt;, wo er regelmäßig Urlaub machte, und er schließt seinen Artikel mit einem merkwürdigen Vergleich zwischen den gutmütigen, aber etwas chaotischen Spielen dieser Volksfeier und dem ungeordneten, aber siegreichen Sturm auf die Bastille. In sozialer Hinsicht führt die Kritik von Herrschaftsverhältnissen tatsächlich zur Frage der Revolution, auf die Perutz in seinen Werken zu wiederholten Malen zurückgekommen ist, sei es im Kontext des 20. Jahrhunderts (&#039;&#039;Wohin rollst du, Äpfelchen…&#039;&#039;, &#039;&#039;Sankt Petri-Schnee&#039;&#039;) oder des französischen Ancien Régime (&#039;&#039;Turlupin&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Vogel Solitär&#039;&#039;, ein unvollendeter Roman, von dem drei Kapitel in den zwanziger Jahren erschienen sind und mit einem weiteren unveröffentlichten in &#039;&#039;Mainacht in Wien&#039;&#039; wiederaufgenommen werden). Dabei vertritt er den Standpunkt eines skeptischen Humanisten angesichts der Umkehrung von Idealen in revolutionäre Gewalt, und auch diese Perutz’sche Signatur ist mit wechselseitigem Kulturaustausch verbunden: Dabei zeigt sich, wie sich der Schriftsteller die französische Kultur aneignet und sie für das deutschsprachige Publikum umgestaltet. Man kann darin nämlich ein Vermächtnis Victor Hugos erkennen, von dem Perutz Bug-Jargal unter dem Titel &#039;&#039;Flammen auf San Domingo&#039;&#039; (übers. v. J. Kalmer, Berlin, Josef Singer, 1929) und vor allem &#039;&#039;Quatre-vingt-treize&#039;&#039; unter dem Titel &#039;&#039;Das Jahr der Guillotine&#039;&#039; (in Zusammenarbeit mit O. Levett, Berlin, Ullstein, 1925) bearbeitet hat, einen Roman, der ihn lange begleitete, wie er im Vorwort zu dieser weitgehend umgeschriebenen Fassung betont. Perutz als treuer Vermittler des französischen Schriftstellers zu betrachten, ist wohl unmöglich: Er ordnet das üppige Romanmaterial der Originaltexte neu und verkürzt sie nach eigener Darstellung im Hinblick auf erzählerische Effizienz. Aber seine Kenntnis davon ist tief genug, dass er die Überlegungen seines großen Vorgängers über den zwischen Idealismus und Schreckensherrschaft georteten revolutionären Prozess in seine eigenen Fiktionen einfließen lassen kann und somit einen Teil der französischen Kultur in die deutschsprachige Literatur unterschwellig überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Leo Perutz’ Werke (Ausgabe von Hans-Harald Müller (Wien: Zsolnay) und Übersetzungen ins Französische===&lt;br /&gt;
*Die dritte Kugel. [1915] 1994. La Troisième Balle. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1987.&lt;br /&gt;
*Zwischen neun und neun. [1918] 1993. Le Tour du cadran. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Christian Bourgois 1988.&lt;br /&gt;
*Der Marques de Bolibar. [1920] 1989. Le Marquis de Bolibar. Übers. Odon Niox Château. Paris: Albin Michel [1930] 1970/1991.&lt;br /&gt;
*Der Meister des jüngsten Tages. [1923] 1989. Le Maître du Jugement dernier. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1989.&lt;br /&gt;
*Turlupin. [1924] 1995. Turlupin. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1986.&lt;br /&gt;
*Wohin rollst du, Äpfelchen… [1928] 1987. Où roules-tu, petite pomme ? Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1989.&lt;br /&gt;
*Herr, erbarme Dich meiner! [1930] 1985. Seigneur, ayez pitié de moi ! Übers. Ghislain Riccardi. Paris: Albin Michel 1988.&lt;br /&gt;
*Sankt Petri-Schnee. [1933] 1987. La Neige de saint Pierre. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1987.&lt;br /&gt;
*Der schwedische Reiter. [1936] 1990. Le Cavalier suédois. Übers. Martine Keyser. Paris: Phébus 1987.&lt;br /&gt;
*Nachts unter der steinernen Brücke. [1953] 1988. La Nuit sous le pont de pierre. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1987.&lt;br /&gt;
*Der Judas des Leonardo. [1959] 1988. Le Judas de Léonard. Übers. Martine Keyser. Paris: Phébus 1987.&lt;br /&gt;
*Mainacht in Wien. 1996. Nuit de mai à Vienne. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Fayard 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werke von Leo Perutz und Paul Frank und Übersetzungen ins Französische===&lt;br /&gt;
*Das Mangobaumwunder. Eine unglaubwürdige Geschichte. [1916] und Der Kosak und die Nachtigall. [1928] München: Langen Müller 1991.&lt;br /&gt;
*Le Miracle du manguier. Une histoire invraisemblable. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Albin Michel 1994.&lt;br /&gt;
*Le Cosaque et le rossignol. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Albin Michel 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur im Überblick===&lt;br /&gt;
*Jacquelin, Evelyne: Leo Perutz en France : les cheminements paradoxaux de la traduction. In: Irène Cagneau, Sylvie Grimm-Hamen, Marc Lacheny (Hrsg.): Les traducteurs, passeurs culturels entre la France et l’Autriche. Berlin: Frank &amp;amp; Timme 2020 (Forum: Österreich 10), S. 159–180.&lt;br /&gt;
*Müller, Hans-Harald: Leo Perutz. Biographie. Wien: Zsolnay 2007. &lt;br /&gt;
*Müller, Hans-Harald, Eckert, Brita (Hrsg.): Leo Perutz 1882–1957. Eine Ausstellung der Deutschen Bibliothek Frankfurt a. M. Wien, Darmstadt: Zsolnay 1989. &lt;br /&gt;
*Siebauer, Ulrike: Leo Perutz. „Ich kenne alles. Alles, nur nicht mich“. Gerlingen: Bleicher 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Évelyne Jacquelin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/03/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Leo_Perutz}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
	</entry>
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		<title>Die französiche Besetzung von Wien 1805/1806 und 1809</title>
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		<updated>2025-03-01T14:00:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: /* 1805/1806 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Während der Zeit der Napoleonischen Kriege besetzten französische Truppen zweimal, in den Jahren 1805 und 1809, die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt Wien. [[Napoleon]] schlug dabei sein Quartier im Schloss Schönbrunn auf, das auch Schauplatz eines misslungenen Anschlages auf sein Leben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1805/1806==&lt;br /&gt;
Der Beitritt Österreichs zum englisch-russisch-schwedischen Bündnis gegen Frankreich im Rahmen des Dritten Koalitionskrieges am 9. August 1805 veranlasste Frankreich, der Habsburgermonarchie am 23. September den Krieg zu erklären. Am 20. Oktober wurde die kaiserliche Armee unter Feldmarschallleutnant Karl Mack von Leiberich&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/mack-von-leiberich&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Ulm zur Kapitulation und zum Rückzug entlang der Donau gezwungen, dicht gefolgt von den Franzosen. Da die aus Italien und Tirol zurückbeorderten kaiserlichen Truppen zu spät kamen, um Napoleon am Vorstoß über Linz nach Wien zu hindern, begann sich die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt, auf eine Besetzung vorzubereiten. Kaiser Franz II. (I.)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_II._(I.)&amp;lt;/ref&amp;gt; (nach der Annahme des Titels eines erblichen Kaisers von Österreich 1804 und der Niederlegung der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 regierte Franz als Kaiser Franz I. von Österreich) verließ die Stadt gemeinsam mit seiner Familie und zahlreichen Adeligen in Richtung Ungarn, um sich vor den herannahenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:2 Wien Museum Online Sammlung 1428 1-2.jpg|Johann Andreas Ziegler, Einzug der Franzosen in Wien am 13. November 1805&lt;br /&gt;
Datei:3 Wien Museum Online Sammlung 32723.jpg|Unbekannt, Entrée Triomphale de la Grande Armée Française ..., 1805&lt;br /&gt;
Datei:1 François PigeotK.jpg|François Pigeot, Einzug der französischen Truppen in Wien am 14. November 1805&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Wien Museum Online Sammlung 30293 1-2.jpg|left|thumb|Unbekannt, Die Franzosen in Wien 1805: Die Besetzung der Taborbrücke, 1805]]Nach kleineren Gefechten auf dem Vormarsch erreichten die ersten französischen Truppen unter Marschall Joachim Murat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz37268.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits am 12. November die Vororte Wiens und besetzten die Stadt am folgenden Tag, ohne auf Gegenwehr zu stoßen, nachdem sie sich unter Vortäuschung eines Waffenstillstandes kampflos der Taborbrücke bemächtigt hatten. Die Feindseligkeit der Wiener Bevölkerung schlug spontan in Neugier – bisweilen sogar in Sympathie – um; tausende Wiener wohnten dem Einzug der Franzosen bei und bildeten ein dichtes Spalier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon traf am 14. November in Wien ein und begab sich nach Schloss Schönbrunn, um dort für kurze Zeit Quartier zu beziehen. Dort empfing er auch eine aus Vertretern der Stände und des Wiener Magistrats unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stephan_von_Wohlleben&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammengesetzte Delegation.&lt;br /&gt;
[[Datei:5 Wien Museum Online Sammlung 87186.jpg|thumb|Pierre Adrien Le Beau (Kupferstecher), Thomas Charles Naudet (Zeichner), Prise de Vienne par la Grande Armée Française sous le Commandement de Napoléon ... (mit Stephansdom), 1805]]General Henry Jacques Clarke&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116530278&amp;lt;/ref&amp;gt;, der spätere Kriegsminister – er residierte in der Wiener Hofburg –, wurde zum Generalgouverneur Österreichs proklamiert, General Pierre Augustin Hulin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1032277858&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Stadtkommandanten von Wien. Im Wiener Rathaus wurden das Verpflegsdepartement der französischen Armee und das Kriegsdepartement der bewaffneten Bürgermiliz untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar schlug die Stimmung innerhalb der Wiener Bevölkerung aufgrund der Belastungen durch die Einquartierungen, Requisitionen (vor allem von Lebensmitteln) und Kontributionen bald in Ablehnung um, aber im Großen und Ganzen verlief das Zusammenleben der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht weitgehend friedlich; Exzesse vonseiten der französischen Soldaten wurden hart bestraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon beließ sowohl die von Kaiser Franz eingesetzte Hofkommission unter dem Grafen Rudolf von Wrbna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolf_von_Wrbna&amp;lt;/ref&amp;gt; als auch die Wiener Bürgermiliz – ein 10.000 Mann starkes bewaffnetes Korps –, die nach dem Abmarsch der Franzosen Richtung Austerlitz den Ordnungsdienst übernahm. Die in Wien verbliebenen Gelder der Stadtkasse, der Bankozettel-Hauptkasse und der kaiserlichen Kassen sowie die Bestände des Kaiserlichen Zeughauses, vor allem die Artillerie, wurden von den Franzosen ebenso requiriert wie 150.000 Paar Schuhe, 6.000 Sättel, Verbandsmaterial sowie Pulver- und Munitionsvorräte, die Richtung Norden abtransportiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6 Empire-Dekorationsteller.jpg|left|thumb|Übergabe der Schlüssel der Stadt Wien an Napoleon I. im Jahr 1805]]In der (Drei-Kaiser-)Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember feierte Napoleon einen entscheidenden Sieg über die verbündeten Russen und Österreicher und zwang die Russen zum sofortigen Abzug. Die Verletzten beider Seiten wurden nach dem Ende der Schlacht nach Wien gebracht, wo sie – egal ob Freund oder Feind – von österreichischen und französischen Ärzten behandelt und mit Verbandsmaterial, das von der Wiener Bevölkerung in großer Zahl abgegeben wurde, versorgt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon selbst bezog während der Friedensverhandlungen von 12. bis 27. Dezember erneut Quartier in Schönbrunn und schloss dort am 15. Dezember 1805 einen „Freundschaftsvertrag“ mit dem neutral gebliebenen Preußen (vertreten durch den preußischen Diplomaten Christian Haugwitz), das nun außenpolitisch isoliert war; dieser wurde mit einem Konzert im Schlosstheater gebührend gefeiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthaltes in Wien hielt er in Anwesenheit zahlreicher schaulustiger Wiener eine Musterung der Division St. Hilaire sowie diverse Paraden und Revuen in Schönbrunn ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zwischen Franz II. und Napoleon geschlossenen Frieden von Pressburg, der zu großen Gebietsverlusten Österreichs (u.a. Tirol und Vorarlberg an Bayern, italienische Gebiete an das Königreich Italien) führte, wurde der Dritte Koalitionskrieg beendet. Napoleon verabschiedete sich am 28. Dezember mit einer Proklamation an die Wiener, am 13. Jänner 1806 verließen die französischen Truppen Wien. Kaiser Franz kehrte am 16. Jänner nach Wien zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1809==&lt;br /&gt;
[[Datei:7 Wien Museum Online Sammlung 32471.jpg|thumb|Benedikt Piringer (Kupferstecher), Beschießung Wiens durch die Franzosen in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1809, 1809]]Im Jahr 1809 versuchte Österreich (gemeinsam mit Großbritannien, dessen Truppen die Franzosen auf der Iberischen Halbinsel bekämpften), in einem neuerlichen Krieg (Fünfter Koalitionskrieg) die französische Hegemonie durch Entfachung einer „nationalen Erhebung“ in den deutschsprachigen Gebieten zu beenden. Damit verbunden war auch die Aufstellung einer „Landwehr“, eine Art „Volksbewaffnung“ nach französischem Vorbild, die in die militärischen Planungen miteinbezogen werden sollte. Darunter befanden sich auch sechs Bataillone der Wiener Landwehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10 Andrieu Medaille RS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Avers)]][[Datei:11 Andrieu Medaille VS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Revers)]]Vor allem der Minister des Äußeren Johann Philipp Graf Stadion&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Philipp_Karl_Stadion_von_Warthausen&amp;lt;/ref&amp;gt; beabsichtigte, den Krieg als einen „Vergeltungskrieg“ hochzustilisieren, und setzte eine Reihe von Initiativen, die den Patriotismus der Österreicher entfachen sollte; vor allem die Bewohner Wiens wurden von einer Welle patriotischer Begeisterung erfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das am 27. März 1809 publizierte „Österreichische Kriegsmanifest“, in dem die deutschen Staaten zum Befreiungskrieg gegen Frankreich aufgerufen wurden, fand allerdings keine Resonanz; Österreich blieb nur der Alleingang. Am 9. April erklärte die Habsburgermonarchie Frankreich den Krieg und begann umgehend mit dem Vormarsch nach Bayern, der allerdings langsam und schleppend verlief. Es fiel Napoleon daher nicht schwer, die Initiative an sich zu reißen und mit lokalen Schwergewichten und raschen Vorstößen die österreichische Hauptarmee bei Regensburg zu zersprengen. Die österreichischen Truppen gerieten nach heftigen Gefechten mit hohen Verlusten in die Defensive. Auf dem Rückzug fügten die Österreicher den Franzosen zwar bei Ebelsberg am 3. Mai erhebliche Verluste zu, wobei sich Wiener Freiwilligenbataillone unter Oberstleutnant Küffel durch besondere Tapferkeit auszeichneten, doch konnten sie deren Vormarsch nach Wien nicht aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20 Wien Museum Online Sammlung 212893 1-2.jpg|thumb|Emil Hütter, Das Burgtor nach der Sprengung durch die Franzosen 1809, 1809]]Wien bereitete sich daher neuerlich auf eine Besetzung vor. Diesmal hatte allerdings der zum Stadtkommandanten ernannte Erzherzog Maximilian d’Este&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_6/168.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; im Namen des Kaisers den überraschenden Befehl ausgegeben, die Stadt Wien zu verteidigen. Aufgrund der Zeitknappheit wurde nur der Hauptwall in Verteidigungszustand versetzt, Geschütze auf den Basteien in Stellung gebracht und wichtige Donaubrücken abgerissen. Die kaiserliche Familie floh gemeinsam mit der Staatsspitze erneut aus der Stadt; große Teile der kaiserlichen Sammlungen, Archive und Staatskassen wurden wie schon 1805 mit Schiffen nach Ungarn verbracht. Während der Wiener Magistrat unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben und die niederösterreichischen Stände sich gegen eine Verteidigung der Stadt aussprachen und auf offenkundige Versäumnisse hinwiesen, etwa in Bezug auf die (mangelnde) Versorgung Wiens mit Lebensmitteln, rüsteten sich die Wiener mit Hamsterkäufen für eine potenzielle länger andauernde Belagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gefecht bei Ebelsberg näherten sich die französischen Truppen rasch der Stadt Wien und standen am 8. Mai bereits vor deren Toren. In der Stadt befanden sich 16.000 verteidigungsbereite Mann – Linientruppen, Landwehr, Bürgermiliz – sowie 1.000 Studenten, einer davon war der Schriftsteller [[Franz Grillparzer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem eine Kapitulationsaufforderung der Franzosen abgelehnt und der im Auftrag von Marschall Lannes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jean_Lannes&amp;lt;/ref&amp;gt; als Parlamentär vor das Burgtor geschickte Stabsoffizier Lagrange von ungarischen Husaren verwundet und gefangen genommen worden war, kam es in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai zur Beschießung der Stadt mit französischen Feldgeschützen von den kaiserlichen Stallungen (heute Museumsquartier, 7. Wiener Gemeindebezirk) aus. 20 Tote und 100 Verletzte waren die Folge. Einige Palais und Häuser gingen in Flammen auf, da man es verabsäumt hatte, brennbares Material von den Dachböden zu entfernen. Der Stephansdom und die Marienstatue am Platz Am Hof wurden durch Granatsplitter beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:16 Wien Museum Online Sammlung 33326.jpg|P. Gross &amp;amp; Jakob Gauermann, Les Habitans de Vienne distribuent des secours aux blessés Français qui reviennent par la Land-Strasse, 1809 – 1823&lt;br /&gt;
Datei:17_Wien_Museum_Online_Sammlung_31715_1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Billet de lit a l&#039;Hospital Militaire de Vienne&amp;quot; (für) Antonio Viela, 1809&lt;br /&gt;
Datei:18 Wien Museum Online Sammlung 45855 1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Verwundete Franzosen bei der Menage ...&amp;quot;, 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als französische Truppen die Stadt umgingen, die Praterauen besetzten und in die Leopoldstadt (heute 2. Wiener Gemeindebezirk) vordrangen, begann Erzherzog Maximilian, nachdem man seiner eindringlichen Bitte um Verstärkung nicht nachgekommen war, aus Furcht davor, abgeschnitten zu werden, am frühen Morgen des 12. mit seinen Soldaten mit dem Rückzug auf die linke Seite der Donau und brannte die Taborbrücke hinter sich ab. Das Stadtkommando übernahm nun General Andreas Graf O’Reilly&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11773&amp;amp;page=90&amp;amp;scale=3.33&amp;amp;viewmode=fullscreen&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon war in der Zwischenzeit am 10. Mai in Wien angekommen und hatte wie schon 1805 im Schloss Schönbrunn Quartier bezogen. Am 12. begab sich eine Delegation aus Wiener Honoratioren, unter ihnen Bürgermeister Stephan Edler von Wohlleben und Fürsterzbischof Sigismund Anton von Hohenwart&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/hohenwart&amp;lt;/ref&amp;gt;, und Vertretern der niederösterreichischen Stände zu Napoleon, um mit ihm die Bedingungen für die Übergabe der Stadt auszuhandeln. Noch in der folgenden Nacht wurde die Kapitulation unterzeichnet, und zum zweiten Mal nach 1805 zogen am Morgen des 13. Mai französische Truppen in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der niederösterreichischen Regierung unter ihrem Präsidenten Ferdinand Ernst Graf von Bissingen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/88.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden sofort nach dem Einmarsch sämtliche Kompetenzen entzogen. Die in Wien verbliebenen Polizeibeamten sollten weiterhin Polizeiaufgaben wahrnehmen und die Bürgermiliz den Ordnungsdienst versehen und beruhigend auf das Volk einwirken, unterstanden aber der französischen Besatzung und waren auf deren Wohlwollen und Anordnungen angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
General Antoine-François Andréossy&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116309784&amp;lt;/ref&amp;gt;, der von Napoleon zum Generalgouverneur von Wien und Niederösterreich ernannt worden war, befahl die Entwaffnung und Gefangennahme der restlichen österreichischen Besatzung – viele Soldaten waren zuvor mit Zivilkleidern versorgt worden und konnten sich so der Gefangenschaft entziehen – und die Einquartierung der französischen Truppen (Stand am 22. Juli: 42.588 Mann und 9.310 Pferde). Die französische Generalität wurde in den Wiener Adelspalais oder in der Hofburg untergebracht. Die „standesgemäße“ Einquartierung und die Versorgung der Franzosen führten wie schon 1805 angesichts des allgemeinen Mangels an Lebensmitteln und einer damit verbundenen großen Preissteigerung häufig zu Konflikten zwischen Besatzern und der Bevölkerung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:8 Wien Museum Online Sammlung 58757 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten nach Mariahilf, ausgestellt am 22. Juli 1809&lt;br /&gt;
Datei:9 Wien Museum Online Sammlung 53191 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten in die Vorstadt Wieden, ausgestellt am 1. August 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der zahlreichen Klagen über die übertriebenen Forderungen der Franzosen wurde am 19. Juni eine Kundmachung mit der Anordnung des französischen Platz- und Stadtkommandanten Auguste François Mériage (Marriage)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archives18.fr/espace-culturel-et-pedagogique/expositions-virtuelles/xixe-siecle/1814-1827--a-madame-la-baronne-de-meriage-au-chateau-de-la-maisonfort-pres-vierzon&amp;lt;/ref&amp;gt; betreffend die Verpflegung der einquartierten Truppen veröffentlicht. So erging etwa in der Folge an alle Wiener Bäcker der Befehl, täglich 200 Laib Brot für die Besatzungstruppen zu backen, was diese vor eine enorme Herausforderung stellte und zur Vernachlässigung und mangelnden Versorgung der Wiener Bevölkerung führte. Nach Gewichts- und Qualitätseinbußen kam es bald zu einem regelrechten Mehl- und Brotmangel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die durch den Mangel an Lebensmitteln hervorgerufenen Preistreibereien zu unterbinden, wurden die Preise für Grundnahrungsmittel, Bier, Kerzen und Seifen amtlich festgelegt. Dennoch blühte bald, vor allem aber im Sommer, der Schwarzhandel auf dem Stephansplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach dem Einmarsch requirierten französische Kommissäre die städtische Oberkammeramtskassa mit 500.000 Gulden Konventionsmünze und – vermutlich aufgrund einer Denunziation – vier Millionen Gulden (andere Quellen sprechen von zwei bis 14 Millionen) in Bankozetteln, die im Rathaus verwahrt worden waren, ebenso wie die Kassa des Hofkriegsrates mit fünf Millionen Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das französische Oberkommando damit beschäftigt war, sich einen Übergang über die Donau zu erkämpfen, nachdem die Österreicher bei ihrem Rückzug die Brücken über die Donau zerstört hatten, kehrte wenige Tage nach der Kapitulation bereits wieder der Alltag in Wien ein. In den Wiener Theatern wurde wieder gespielt, die Gasthäuser, Cafés und Tanzlokale waren gut besucht – die Cafébetreiber und Gastwirte hatten allerdings dafür zu sorgen, dass von den Gästen keine franzosenfeindlichen Äußerungen kamen. Im Juni wurde vom Franzosen Chretien auf der Burgbastei sogar ein französisches Restaurant eröffnet, das regen Zuspruch unter den Wienern fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 16. Mai empfing der Komponist [[Joseph Haydn]] als letzten Gast vor seinem Tod am 31. Mai in seinem Haus, das Napoleon unter Schutz gestellt hatte, den französischen Husarenhauptmann Clément Soulémy, der ihm eine Arie aus der „Schöpfung“ vorsang. Bei der Trauerfeier zu seinem Gedenken am 15. Juni fanden sich abgesehen von den tausenden Schaulustigen auch prominente französische Besucher wie der Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118727834&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/denon-dominique-vivant-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der Schottenkirche ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor Napoleon den Donauübergang mit seiner Armee abgeschlossen hatte, erlitt er am 21./22. Mai 1809 bei Aspern und Essling (heute 22. Wiener Gemeindebezirk) eine Niederlage gegen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Carl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_von_%C3%96sterreich-Teschen&amp;lt;/ref&amp;gt;. Tausende Verwundete wurden in die Stadt gebracht. Die Kasernen und Spitäler reichten allerdings nicht aus, um alle zu versorgen, obwohl die Wiener Bürger tatkräftig mithalfen. Die Franzosen erhielten in den Spitälern bevorzugte Behandlung. Als die Zahl der französischen Kranken und Blessierten auf 17 bis 18.000 stieg, was nach Aussage französischer Oberärzte auch auf die zahlreichen venerisch und an Diarrhoe erkrankten Franzosen zurückzuführen war, wurden die kranken Österreicher kurzerhand ausquartiert und in schlechter ausgestattete Gebäude verlegt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:13 Johann Peter Krafft Erzherzog Carl.jpg|Johann Peter Krafft (1780 –1856): Erzherzog Carl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern, 1809 (1819)&lt;br /&gt;
Datei:14 Wilhelm Richter Kampf um den Kirchhof.jpg|Wilhelm Richter (1824 – 1892): Kampf um den Kirchhof von Aspern 1809&lt;br /&gt;
Datei:15 O. Meixner Angriff französischer leichter Kavallerie.jpg|O. Meixner, Angriff französischer leichter Kavallerie auf österreichische Infanterie in der Schlacht bei Aspern 1809, (1813)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der taktischen Niederlage bei Aspern bereitete Napoleon seine Truppen auf der Insel Lobau östlich von Wien für einen zweiten Angriff vor. In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 besiegten die durch die Italienarmee unter Eugène de Beauharnais verstärkten Truppen Napoleons die österreichische Armee. Nach diesem Sieg ordnete Napoleon die neuerliche Befestigung Wiens an – zusätzliche Palisaden und Schutzwälle wurden errichtet, 100 Geschütze auf den Stadtmauern aufgestellt und eine Garnison von 6.000 Mann abgestellt. Die Zahl der in Wien befindlichen kranken und verwundeten Soldaten – Franzosen wie Österreicher – stieg auf 36.000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12 Wien Museum Online Sammlung 13510 1-2.jpg||thumb|Unbekannt, Plan der Lobau mit den französischen Verschanzungen, 1809]]Am 10. und 11. Juli 1809 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Znaim, die mit dem Waffenstillstand vom 22. Juli das Ende des Fünften Koalitionskrieges einleitete. Während seines erneuten Aufenthaltes in Wien hielt Napoleon vormittags des Öfteren in Schönbrunn oder auf der Schmelz (einem Parade- und Exerzierplatz, heute 15. Wiener Gemeindebezirk) Paraden seiner Truppen ab, für die Wiener Bevölkerung stets Spektakel, die zahlreiche Schaulustige anlockten. Bei einer dieser Paraden am 12. Oktober 1809 verübte der 17-jährige Lehrling Friedrich Staps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_Staps&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Pastorensohn aus Erfurt, einen Attentatsversuch auf Napoleon – er wollte ihn mit einem im Wams versteckten Küchenmesser auf der Ehrenhofstiege des Schlosses Schönbrunn ermorden. Durch die Wachsamkeit eines französischen Offiziers konnte das Attentat verhindert werden. Staps soll daraufhin von Napoleon persönlich verhört worden sein und wurde schließlich durch ein Erschießungskommando der württembergischen Infanterie standrechtlich hingerichtet.&lt;br /&gt;
Napoleon, dessen Vorliebe für italienische Opern bekannt war, besuchte mehrmals Opernaufführungen und Konzerte im Schönbrunner Schlosstheater, zu denen auch geladene Gäste Zutritt hatten, darunter die Schriftstellerin und Salonnière [[Caroline Pichler]]. Meist wurde allerdings nur ein Akt aufgeführt, gefolgt von einem Ballett. Die Akteure wurden von ihm stets reichlich beschenkt, auch wenn ihm ein Stück nicht gefiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits erwähnte Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon, war im Auftrag Napoleons nach Wien gekommen, um eine Auswahl von Gemälden aus der kaiserlichen Bildergalerie im Belvedere und aus adeligen Kollektionen sowie von Manuskripten und Büchern aus der Hofbibliothek vorzunehmen, die Napoleon dann nach Paris verbringen ließ. Das Kaiserliche Zeughaus wurde zum zweiten Mal Opfer einer organisierten Plünderung – 140, zum Teil sehr wertvolle, Harnische wurden abtransportiert –, nur ein kleiner Teil wurde nach 1815 retourniert. 1809 wurde aber auch das Bürgerliche Zeughaus geplündert und verlor fast den gesamten Artilleriebestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. August wurde der 40. Geburtstag Napoleons zu einem großen Ereignis. Um 9 Uhr fand eine große Parade in Schönbrunn statt; gleichzeitig wurden von den Stadtmauern 60 Kanonenschüsse abgegeben und alle Glocken geläutet.  Generalmajor Ferdinand Graf von Bubna und Littitz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/122.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; überbrachte als Abgesandter des Kaisers die Glückwünsche Kaiser Franzʼ I. Gegen 16 Uhr fand in dem mit historischen Gobelins geschmückten Stephansdom eine feierliche Messe statt, an der Napoleon allerdings nicht persönlich teilnahm und stattdessen seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais entsandte. Um 17 Uhr gab Gouverneur Andréossy ein Bankett für 200 Personen in der Hofburg, zu dem neben den französischen Marschällen und Generälen auch österreichische Adelige und die Honoratioren der Stadt sowie die österreichischen Friedensunterhändler eingeladen waren. Die Bürger wurden mittels öffentlichem Anschlag (Befehl des Generalgouverneurs) aufgefordert, ihre Häuser am Abend des 15. zu beleuchten. Im Augarten (historischer Garten aus dem 17. und 18. Jahrhundert im heutigen zweiten Wiener Gemeindebezirk) wurden Tische und Bänke für die Ausspeisung von rund 1.000 französischen Soldaten aufgestellt. Feuerwerke und Konzerte machten das Geburtstagsfest zu einem Spektakel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 brachte neuerlich weitreichende Gebietsverluste für Österreich. Die von Napoleon geforderte Kriegsentschädigung wurde mit 85 Millionen Francs festgesetzt, was die Habsburgermonarchie letztlich 1813 in den Staatsbankrott treiben sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am folgenden Tag reiste Napoleon von Schönbrunn ab. Seine Truppen verblieben noch bis Mitte November in Wien. Wenige Wochen vor ihrem Abzug sprengten die Franzosen noch einen Teil der Wiener Stadtbefestigungen, von denen 1816/1817 nur die Mölker-, Löwel- und Augustinerbastei wiederaufgebaut wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. November rückten die österreichischen Truppen wieder in Wien ein, einen Tag später zog Kaiser Franz, unter dem Jubel der Wiener Bevölkerung und in Begleitung der Bürgerkavallerie, feierlich in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bled, Jean-Paul: Wien. Residenz – Metropole – Hauptstadt. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2002, S. 85–91.&lt;br /&gt;
*Ma, Klaralinda: Wien 1809. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien, 2009 (Wiener Geschichtsblätter Beiheft 2).&lt;br /&gt;
*Öhlinger, Walter: Wien im Aufbruch zur Moderne. Wien: Pichler1999, S. 9–17.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: „Vive lʼempereur, weilʼs sein muß“. Geschichte in Quellen und Zeitzeugenberichten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 1999.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Napoleon vor Wien. Quellen und Augenzeugenberichte, mit Dokumenten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 2000.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Gott erhalte! Wendepunkt 1809 – Österreichs Sieg über Napoleon. Augenzeugen berichten die wahre Geschichte von 1805 bis 1815. Wien: Stöhr 2009.&lt;br /&gt;
*Sachslehner, Johannes: Napoleon in Wien. Fakten und Legenden. Wien-Graz-Klagenfurt: Pichler 2008. &lt;br /&gt;
*Schembor, Friedrich Wilhelm: Franzosen in Wien: Einwanderer und Besatzer. Französische Revolution und napoleonische Besatzung in den österreichischen Polizeiakten. Bochum: Dieter Winkler 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Claudia Reichl-Ham&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 18/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|L&#039;occupation_française_de_Vienne_1805/1806_et_1809}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<id>https://decaf-de.literaturtirol.at/index.php?title=Die_franz%C3%B6siche_Besetzung_von_Wien_1805/1806_und_1809&amp;diff=571</id>
		<title>Die französiche Besetzung von Wien 1805/1806 und 1809</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Während der Zeit der Napoleonischen Kriege besetzten französische Truppen zweimal, in den Jahren 1805 und 1809, die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt Wien. [[Napoleon]] schlug dabei sein Quartier im Schloss Schönbrunn auf, das auch Schauplatz eines misslungenen Anschlages auf sein Leben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1805/1806==&lt;br /&gt;
Der Beitritt Österreichs zum englisch-russisch-schwedischen Bündnis gegen Frankreich im Rahmen des Dritten Koalitionskrieges am 9. August 1805 veranlasste Frankreich, der Habsburgermonarchie am 23. September den Krieg zu erklären. Am 20. Oktober wurde die kaiserliche Armee unter Feldmarschallleutnant Karl Mack von Leiberich&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/mack-von-leiberich&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Ulm zur Kapitulation und zum Rückzug entlang der Donau gezwungen, dicht gefolgt von den Franzosen. Da die aus Italien und Tirol zurückbeorderten kaiserlichen Truppen zu spät kamen, um Napoleon am Vorstoß über Linz nach Wien zu hindern, begann sich die kaiserliche Haupt- und Residenzstadt, auf eine Besetzung vorzubereiten. Kaiser Franz II. (I.)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_II._(I.)&amp;lt;/ref&amp;gt; (nach der Annahme des Titels eines erblichen Kaisers von Österreich 1804 und der Niederlegung der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 regierte Franz als Kaiser Franz I. von Österreich) verließ die Stadt gemeinsam mit seiner Familie und zahlreichen Adeligen in Richtung Ungarn, um sich vor den herannahenden Franzosen in Sicherheit zu bringen.&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:2 Wien Museum Online Sammlung 1428 1-2.jpg|Johann Andreas Ziegler, Einzug der Franzosen in Wien am 13. November 1805&lt;br /&gt;
Datei:3 Wien Museum Online Sammlung 32723.jpg|Unbekannt, Entrée Triomphale de la Grande Armée Française ..., 1805&lt;br /&gt;
Datei:1 François PigeotK.jpg|François Pigeot, Einzug der französischen Truppen in Wien am 14. November 1805&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:4 Wien Museum Online Sammlung 30293 1-2.jpg|left|thumb|Unbekannt, Die Franzosen in Wien 1805: Die Besetzung der Taborbrücke, 1805]]Nach kleineren Gefechten auf dem Vormarsch erreichten die ersten französischen Truppen unter Marschall Joachim Murat&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz37268.html&amp;lt;/ref&amp;gt; bereits am 12. November die Vororte Wiens und besetzten die Stadt am folgenden Tag, ohne auf Gegenwehr zu stoßen, nachdem sie sich unter Vortäuschung eines Waffenstillstandes kampflos der Taborbrücke bemächtigt hatten. Die Feindseligkeit der Wiener Bevölkerung schlug spontan in Neugier – bisweilen sogar in Sympathie – um; tausende Wiener wohnten dem Einzug der Franzosen bei und bildeten ein dichtes Spalier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon traf am 14. November in Wien ein und begab sich nach Schloss Schönbrunn, um dort für kurze Zeit Quartier zu beziehen. Dort empfing er auch eine aus Vertretern der Stände und des Wiener Magistrats unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Stephan_von_Wohlleben&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammengesetzte Delegation.&lt;br /&gt;
[[Datei:5 Wien Museum Online Sammlung 87186.jpg|thumb|Pierre Adrien Le Beau (Kupferstecher), Thomas Charles Naudet (Zeichner), Prise de Vienne par le Grande Armée Francaise sous le Commandement de Napoléon ... (mit Stephansdom), 1805]]General Henry Jacques Clarke&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116530278&amp;lt;/ref&amp;gt;, der spätere Kriegsminister – er residierte in der Wiener Hofburg –, wurde zum Generalgouverneur Österreichs proklamiert, General Pierre Augustin Hulin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1032277858&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Stadtkommandanten von Wien. Im Wiener Rathaus wurden das Verpflegsdepartement der französischen Armee und das Kriegsdepartement der bewaffneten Bürgermiliz untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar schlug die Stimmung innerhalb der Wiener Bevölkerung aufgrund der Belastungen durch die Einquartierungen, Requisitionen (vor allem von Lebensmitteln) und Kontributionen bald in Ablehnung um, aber im Großen und Ganzen verlief das Zusammenleben der Bevölkerung mit der Besatzungsmacht weitgehend friedlich; Exzesse vonseiten der französischen Soldaten wurden hart bestraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon beließ sowohl die von Kaiser Franz eingesetzte Hofkommission unter dem Grafen Rudolf von Wrbna&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolf_von_Wrbna&amp;lt;/ref&amp;gt; als auch die Wiener Bürgermiliz – ein 10.000 Mann starkes bewaffnetes Korps –, die nach dem Abmarsch der Franzosen Richtung Austerlitz den Ordnungsdienst übernahm. Die in Wien verbliebenen Gelder der Stadtkasse, der Bankozettel-Hauptkasse und der kaiserlichen Kassen sowie die Bestände des Kaiserlichen Zeughauses, vor allem die Artillerie, wurden von den Franzosen ebenso requiriert wie 150.000 Paar Schuhe, 6.000 Sättel, Verbandsmaterial sowie Pulver- und Munitionsvorräte, die Richtung Norden abtransportiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6 Empire-Dekorationsteller.jpg|left|thumb|Übergabe der Schlüssel der Stadt Wien an Napoleon I. im Jahr 1805]]In der (Drei-Kaiser-)Schlacht bei Austerlitz am 2. Dezember feierte Napoleon einen entscheidenden Sieg über die verbündeten Russen und Österreicher und zwang die Russen zum sofortigen Abzug. Die Verletzten beider Seiten wurden nach dem Ende der Schlacht nach Wien gebracht, wo sie – egal ob Freund oder Feind – von österreichischen und französischen Ärzten behandelt und mit Verbandsmaterial, das von der Wiener Bevölkerung in großer Zahl abgegeben wurde, versorgt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon selbst bezog während der Friedensverhandlungen von 12. bis 27. Dezember erneut Quartier in Schönbrunn und schloss dort am 15. Dezember 1805 einen „Freundschaftsvertrag“ mit dem neutral gebliebenen Preußen (vertreten durch den preußischen Diplomaten Christian Haugwitz), das nun außenpolitisch isoliert war; dieser wurde mit einem Konzert im Schlosstheater gebührend gefeiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seines Aufenthaltes in Wien hielt er in Anwesenheit zahlreicher schaulustiger Wiener eine Musterung der Division St. Hilaire sowie diverse Paraden und Revuen in Schönbrunn ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zwischen Franz II. und Napoleon geschlossenen Frieden von Pressburg, der zu großen Gebietsverlusten Österreichs (u.a. Tirol und Vorarlberg an Bayern, italienische Gebiete an das Königreich Italien) führte, wurde der Dritte Koalitionskrieg beendet. Napoleon verabschiedete sich am 28. Dezember mit einer Proklamation an die Wiener, am 13. Jänner 1806 verließen die französischen Truppen Wien. Kaiser Franz kehrte am 16. Jänner nach Wien zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1809==&lt;br /&gt;
[[Datei:7 Wien Museum Online Sammlung 32471.jpg|thumb|Benedikt Piringer (Kupferstecher), Beschießung Wiens durch die Franzosen in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1809, 1809]]Im Jahr 1809 versuchte Österreich (gemeinsam mit Großbritannien, dessen Truppen die Franzosen auf der Iberischen Halbinsel bekämpften), in einem neuerlichen Krieg (Fünfter Koalitionskrieg) die französische Hegemonie durch Entfachung einer „nationalen Erhebung“ in den deutschsprachigen Gebieten zu beenden. Damit verbunden war auch die Aufstellung einer „Landwehr“, eine Art „Volksbewaffnung“ nach französischem Vorbild, die in die militärischen Planungen miteinbezogen werden sollte. Darunter befanden sich auch sechs Bataillone der Wiener Landwehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10 Andrieu Medaille RS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Avers)]][[Datei:11 Andrieu Medaille VS.jpg|left|170px|thumb|Bertrand Andrieu (1761 – 1822): Bronzemedaille auf die Abreise Napoleons, 1809 (Revers)]]Vor allem der Minister des Äußeren Johann Philipp Graf Stadion&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Johann_Philipp_Karl_Stadion_von_Warthausen&amp;lt;/ref&amp;gt; beabsichtigte, den Krieg als einen „Vergeltungskrieg“ hochzustilisieren, und setzte eine Reihe von Initiativen, die den Patriotismus der Österreicher entfachen sollte; vor allem die Bewohner Wiens wurden von einer Welle patriotischer Begeisterung erfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das am 27. März 1809 publizierte „Österreichische Kriegsmanifest“, in dem die deutschen Staaten zum Befreiungskrieg gegen Frankreich aufgerufen wurden, fand allerdings keine Resonanz; Österreich blieb nur der Alleingang. Am 9. April erklärte die Habsburgermonarchie Frankreich den Krieg und begann umgehend mit dem Vormarsch nach Bayern, der allerdings langsam und schleppend verlief. Es fiel Napoleon daher nicht schwer, die Initiative an sich zu reißen und mit lokalen Schwergewichten und raschen Vorstößen die österreichische Hauptarmee bei Regensburg zu zersprengen. Die österreichischen Truppen gerieten nach heftigen Gefechten mit hohen Verlusten in die Defensive. Auf dem Rückzug fügten die Österreicher den Franzosen zwar bei Ebelsberg am 3. Mai erhebliche Verluste zu, wobei sich Wiener Freiwilligenbataillone unter Oberstleutnant Küffel durch besondere Tapferkeit auszeichneten, doch konnten sie deren Vormarsch nach Wien nicht aufhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20 Wien Museum Online Sammlung 212893 1-2.jpg|thumb|Emil Hütter, Das Burgtor nach der Sprengung durch die Franzosen 1809, 1809]]Wien bereitete sich daher neuerlich auf eine Besetzung vor. Diesmal hatte allerdings der zum Stadtkommandanten ernannte Erzherzog Maximilian d’Este&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_6/168.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; im Namen des Kaisers den überraschenden Befehl ausgegeben, die Stadt Wien zu verteidigen. Aufgrund der Zeitknappheit wurde nur der Hauptwall in Verteidigungszustand versetzt, Geschütze auf den Basteien in Stellung gebracht und wichtige Donaubrücken abgerissen. Die kaiserliche Familie floh gemeinsam mit der Staatsspitze erneut aus der Stadt; große Teile der kaiserlichen Sammlungen, Archive und Staatskassen wurden wie schon 1805 mit Schiffen nach Ungarn verbracht. Während der Wiener Magistrat unter Bürgermeister Stephan Edlen von Wohlleben und die niederösterreichischen Stände sich gegen eine Verteidigung der Stadt aussprachen und auf offenkundige Versäumnisse hinwiesen, etwa in Bezug auf die (mangelnde) Versorgung Wiens mit Lebensmitteln, rüsteten sich die Wiener mit Hamsterkäufen für eine potenzielle länger andauernde Belagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gefecht bei Ebelsberg näherten sich die französischen Truppen rasch der Stadt Wien und standen am 8. Mai bereits vor deren Toren. In der Stadt befanden sich 16.000 verteidigungsbereite Mann – Linientruppen, Landwehr, Bürgermiliz – sowie 1.000 Studenten, einer davon war der Schriftsteller [[Franz Grillparzer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem eine Kapitulationsaufforderung der Franzosen abgelehnt und der im Auftrag von Marschall Lannes&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jean_Lannes&amp;lt;/ref&amp;gt; als Parlamentär vor das Burgtor geschickte Stabsoffizier Lagrange von ungarischen Husaren verwundet und gefangen genommen worden war, kam es in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai zur Beschießung der Stadt mit französischen Feldgeschützen von den kaiserlichen Stallungen (heute Museumsquartier, 7. Wiener Gemeindebezirk) aus. 20 Tote und 100 Verletzte waren die Folge. Einige Palais und Häuser gingen in Flammen auf, da man es verabsäumt hatte, brennbares Material von den Dachböden zu entfernen. Der Stephansdom und die Marienstatue am Platz Am Hof wurden durch Granatsplitter beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:16 Wien Museum Online Sammlung 33326.jpg|P. Gross &amp;amp; Jakob Gauermann, Les Habitans de Vienne distribuent des secours aux blessés Français qui reviennent par la Land-Strasse, 1809 – 1823&lt;br /&gt;
Datei:17_Wien_Museum_Online_Sammlung_31715_1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Billet de lit a l&#039;Hospital Militaire de Vienne&amp;quot; (für) Antonio Viela, 1809&lt;br /&gt;
Datei:18 Wien Museum Online Sammlung 45855 1-2.jpg|Unbekannt, &amp;quot;Verwundete Franzosen bei der Menage ...&amp;quot;, 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als französische Truppen die Stadt umgingen, die Praterauen besetzten und in die Leopoldstadt (heute 2. Wiener Gemeindebezirk) vordrangen, begann Erzherzog Maximilian, nachdem man seiner eindringlichen Bitte um Verstärkung nicht nachgekommen war, aus Furcht davor, abgeschnitten zu werden, am frühen Morgen des 12. mit seinen Soldaten mit dem Rückzug auf die linke Seite der Donau und brannte die Taborbrücke hinter sich ab. Das Stadtkommando übernahm nun General Andreas Graf O’Reilly&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11773&amp;amp;page=90&amp;amp;scale=3.33&amp;amp;viewmode=fullscreen&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Napoleon war in der Zwischenzeit am 10. Mai in Wien angekommen und hatte wie schon 1805 im Schloss Schönbrunn Quartier bezogen. Am 12. begab sich eine Delegation aus Wiener Honoratioren, unter ihnen Bürgermeister Stephan Edler von Wohlleben und Fürsterzbischof Sigismund Anton von Hohenwart&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/hohenwart&amp;lt;/ref&amp;gt;, und Vertretern der niederösterreichischen Stände zu Napoleon, um mit ihm die Bedingungen für die Übergabe der Stadt auszuhandeln. Noch in der folgenden Nacht wurde die Kapitulation unterzeichnet, und zum zweiten Mal nach 1805 zogen am Morgen des 13. Mai französische Truppen in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der niederösterreichischen Regierung unter ihrem Präsidenten Ferdinand Ernst Graf von Bissingen&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/88.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; wurden sofort nach dem Einmarsch sämtliche Kompetenzen entzogen. Die in Wien verbliebenen Polizeibeamten sollten weiterhin Polizeiaufgaben wahrnehmen und die Bürgermiliz den Ordnungsdienst versehen und beruhigend auf das Volk einwirken, unterstanden aber der französischen Besatzung und waren auf deren Wohlwollen und Anordnungen angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
General Antoine-François Andréossy&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/116309784&amp;lt;/ref&amp;gt;, der von Napoleon zum Generalgouverneur von Wien und Niederösterreich ernannt worden war, befahl die Entwaffnung und Gefangennahme der restlichen österreichischen Besatzung – viele Soldaten waren zuvor mit Zivilkleidern versorgt worden und konnten sich so der Gefangenschaft entziehen – und die Einquartierung der französischen Truppen (Stand am 22. Juli: 42.588 Mann und 9.310 Pferde). Die französische Generalität wurde in den Wiener Adelspalais oder in der Hofburg untergebracht. Die „standesgemäße“ Einquartierung und die Versorgung der Franzosen führten wie schon 1805 angesichts des allgemeinen Mangels an Lebensmitteln und einer damit verbundenen großen Preissteigerung häufig zu Konflikten zwischen Besatzern und der Bevölkerung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;300px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:8 Wien Museum Online Sammlung 58757 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten nach Mariahilf, ausgestellt am 22. Juli 1809&lt;br /&gt;
Datei:9 Wien Museum Online Sammlung 53191 1 1-2.jpg|Unbekannt, Einquartierungsschein für französische Besatzungssoldaten in die Vorstadt Wieden, ausgestellt am 1. August 1809&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der zahlreichen Klagen über die übertriebenen Forderungen der Franzosen wurde am 19. Juni eine Kundmachung mit der Anordnung des französischen Platz- und Stadtkommandanten Auguste François Mériage (Marriage)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.archives18.fr/espace-culturel-et-pedagogique/expositions-virtuelles/xixe-siecle/1814-1827--a-madame-la-baronne-de-meriage-au-chateau-de-la-maisonfort-pres-vierzon&amp;lt;/ref&amp;gt; betreffend die Verpflegung der einquartierten Truppen veröffentlicht. So erging etwa in der Folge an alle Wiener Bäcker der Befehl, täglich 200 Laib Brot für die Besatzungstruppen zu backen, was diese vor eine enorme Herausforderung stellte und zur Vernachlässigung und mangelnden Versorgung der Wiener Bevölkerung führte. Nach Gewichts- und Qualitätseinbußen kam es bald zu einem regelrechten Mehl- und Brotmangel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die durch den Mangel an Lebensmitteln hervorgerufenen Preistreibereien zu unterbinden, wurden die Preise für Grundnahrungsmittel, Bier, Kerzen und Seifen amtlich festgelegt. Dennoch blühte bald, vor allem aber im Sommer, der Schwarzhandel auf dem Stephansplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach dem Einmarsch requirierten französische Kommissäre die städtische Oberkammeramtskassa mit 500.000 Gulden Konventionsmünze und – vermutlich aufgrund einer Denunziation – vier Millionen Gulden (andere Quellen sprechen von zwei bis 14 Millionen) in Bankozetteln, die im Rathaus verwahrt worden waren, ebenso wie die Kassa des Hofkriegsrates mit fünf Millionen Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das französische Oberkommando damit beschäftigt war, sich einen Übergang über die Donau zu erkämpfen, nachdem die Österreicher bei ihrem Rückzug die Brücken über die Donau zerstört hatten, kehrte wenige Tage nach der Kapitulation bereits wieder der Alltag in Wien ein. In den Wiener Theatern wurde wieder gespielt, die Gasthäuser, Cafés und Tanzlokale waren gut besucht – die Cafébetreiber und Gastwirte hatten allerdings dafür zu sorgen, dass von den Gästen keine franzosenfeindlichen Äußerungen kamen. Im Juni wurde vom Franzosen Chretien auf der Burgbastei sogar ein französisches Restaurant eröffnet, das regen Zuspruch unter den Wienern fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 16. Mai empfing der Komponist [[Joseph Haydn]] als letzten Gast vor seinem Tod am 31. Mai in seinem Haus, das Napoleon unter Schutz gestellt hatte, den französischen Husarenhauptmann Clément Soulémy, der ihm eine Arie aus der „Schöpfung“ vorsang. Bei der Trauerfeier zu seinem Gedenken am 15. Juni fanden sich abgesehen von den tausenden Schaulustigen auch prominente französische Besucher wie der Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118727834&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/denon-dominique-vivant-inha/&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der Schottenkirche ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor Napoleon den Donauübergang mit seiner Armee abgeschlossen hatte, erlitt er am 21./22. Mai 1809 bei Aspern und Essling (heute 22. Wiener Gemeindebezirk) eine Niederlage gegen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Carl&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Karl_von_%C3%96sterreich-Teschen&amp;lt;/ref&amp;gt;. Tausende Verwundete wurden in die Stadt gebracht. Die Kasernen und Spitäler reichten allerdings nicht aus, um alle zu versorgen, obwohl die Wiener Bürger tatkräftig mithalfen. Die Franzosen erhielten in den Spitälern bevorzugte Behandlung. Als die Zahl der französischen Kranken und Blessierten auf 17 bis 18.000 stieg, was nach Aussage französischer Oberärzte auch auf die zahlreichen venerisch und an Diarrhoe erkrankten Franzosen zurückzuführen war, wurden die kranken Österreicher kurzerhand ausquartiert und in schlechter ausgestattete Gebäude verlegt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:13 Johann Peter Krafft Erzherzog Carl.jpg|Johann Peter Krafft (1780 –1856): Erzherzog Carl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern, 1809 (1819)&lt;br /&gt;
Datei:14 Wilhelm Richter Kampf um den Kirchhof.jpg|Wilhelm Richter (1824 – 1892): Kampf um den Kirchhof von Aspern 1809&lt;br /&gt;
Datei:15 O. Meixner Angriff französischer leichter Kavallerie.jpg|O. Meixner, Angriff französischer leichter Kavallerie auf österreichische Infanterie in der Schlacht bei Aspern 1809, (1813)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der taktischen Niederlage bei Aspern bereitete Napoleon seine Truppen auf der Insel Lobau östlich von Wien für einen zweiten Angriff vor. In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 besiegten die durch die Italienarmee unter Eugène de Beauharnais verstärkten Truppen Napoleons die österreichische Armee. Nach diesem Sieg ordnete Napoleon die neuerliche Befestigung Wiens an – zusätzliche Palisaden und Schutzwälle wurden errichtet, 100 Geschütze auf den Stadtmauern aufgestellt und eine Garnison von 6.000 Mann abgestellt. Die Zahl der in Wien befindlichen kranken und verwundeten Soldaten – Franzosen wie Österreicher – stieg auf 36.000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12 Wien Museum Online Sammlung 13510 1-2.jpg||thumb|Unbekannt, Plan der Lobau mit den französischen Verschanzungen, 1809]]Am 10. und 11. Juli 1809 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Znaim, die mit dem Waffenstillstand vom 22. Juli das Ende des Fünften Koalitionskrieges einleitete. Während seines erneuten Aufenthaltes in Wien hielt Napoleon vormittags des Öfteren in Schönbrunn oder auf der Schmelz (einem Parade- und Exerzierplatz, heute 15. Wiener Gemeindebezirk) Paraden seiner Truppen ab, für die Wiener Bevölkerung stets Spektakel, die zahlreiche Schaulustige anlockten. Bei einer dieser Paraden am 12. Oktober 1809 verübte der 17-jährige Lehrling Friedrich Staps&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_Staps&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Pastorensohn aus Erfurt, einen Attentatsversuch auf Napoleon – er wollte ihn mit einem im Wams versteckten Küchenmesser auf der Ehrenhofstiege des Schlosses Schönbrunn ermorden. Durch die Wachsamkeit eines französischen Offiziers konnte das Attentat verhindert werden. Staps soll daraufhin von Napoleon persönlich verhört worden sein und wurde schließlich durch ein Erschießungskommando der württembergischen Infanterie standrechtlich hingerichtet.&lt;br /&gt;
Napoleon, dessen Vorliebe für italienische Opern bekannt war, besuchte mehrmals Opernaufführungen und Konzerte im Schönbrunner Schlosstheater, zu denen auch geladene Gäste Zutritt hatten, darunter die Schriftstellerin und Salonnière [[Caroline Pichler]]. Meist wurde allerdings nur ein Akt aufgeführt, gefolgt von einem Ballett. Die Akteure wurden von ihm stets reichlich beschenkt, auch wenn ihm ein Stück nicht gefiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits erwähnte Generalinspekteur der Museen in Paris, Dominique Vivant de Denon, war im Auftrag Napoleons nach Wien gekommen, um eine Auswahl von Gemälden aus der kaiserlichen Bildergalerie im Belvedere und aus adeligen Kollektionen sowie von Manuskripten und Büchern aus der Hofbibliothek vorzunehmen, die Napoleon dann nach Paris verbringen ließ. Das Kaiserliche Zeughaus wurde zum zweiten Mal Opfer einer organisierten Plünderung – 140, zum Teil sehr wertvolle, Harnische wurden abtransportiert –, nur ein kleiner Teil wurde nach 1815 retourniert. 1809 wurde aber auch das Bürgerliche Zeughaus geplündert und verlor fast den gesamten Artilleriebestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. August wurde der 40. Geburtstag Napoleons zu einem großen Ereignis. Um 9 Uhr fand eine große Parade in Schönbrunn statt; gleichzeitig wurden von den Stadtmauern 60 Kanonenschüsse abgegeben und alle Glocken geläutet.  Generalmajor Ferdinand Graf von Bubna und Littitz&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.biographien.ac.at/oebl_1/122.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; überbrachte als Abgesandter des Kaisers die Glückwünsche Kaiser Franzʼ I. Gegen 16 Uhr fand in dem mit historischen Gobelins geschmückten Stephansdom eine feierliche Messe statt, an der Napoleon allerdings nicht persönlich teilnahm und stattdessen seinen Stiefsohn Eugène de Beauharnais entsandte. Um 17 Uhr gab Gouverneur Andréossy ein Bankett für 200 Personen in der Hofburg, zu dem neben den französischen Marschällen und Generälen auch österreichische Adelige und die Honoratioren der Stadt sowie die österreichischen Friedensunterhändler eingeladen waren. Die Bürger wurden mittels öffentlichem Anschlag (Befehl des Generalgouverneurs) aufgefordert, ihre Häuser am Abend des 15. zu beleuchten. Im Augarten (historischer Garten aus dem 17. und 18. Jahrhundert im heutigen zweiten Wiener Gemeindebezirk) wurden Tische und Bänke für die Ausspeisung von rund 1.000 französischen Soldaten aufgestellt. Feuerwerke und Konzerte machten das Geburtstagsfest zu einem Spektakel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friede von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 brachte neuerlich weitreichende Gebietsverluste für Österreich. Die von Napoleon geforderte Kriegsentschädigung wurde mit 85 Millionen Francs festgesetzt, was die Habsburgermonarchie letztlich 1813 in den Staatsbankrott treiben sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am folgenden Tag reiste Napoleon von Schönbrunn ab. Seine Truppen verblieben noch bis Mitte November in Wien. Wenige Wochen vor ihrem Abzug sprengten die Franzosen noch einen Teil der Wiener Stadtbefestigungen, von denen 1816/1817 nur die Mölker-, Löwel- und Augustinerbastei wiederaufgebaut wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. November rückten die österreichischen Truppen wieder in Wien ein, einen Tag später zog Kaiser Franz, unter dem Jubel der Wiener Bevölkerung und in Begleitung der Bürgerkavallerie, feierlich in die Stadt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Bled, Jean-Paul: Wien. Residenz – Metropole – Hauptstadt. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2002, S. 85–91.&lt;br /&gt;
*Ma, Klaralinda: Wien 1809. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien, 2009 (Wiener Geschichtsblätter Beiheft 2).&lt;br /&gt;
*Öhlinger, Walter: Wien im Aufbruch zur Moderne. Wien: Pichler1999, S. 9–17.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: „Vive lʼempereur, weilʼs sein muß“. Geschichte in Quellen und Zeitzeugenberichten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 1999.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Napoleon vor Wien. Quellen und Augenzeugenberichte, mit Dokumenten. Wien-Leipzig-Zürich: Amalthea 2000.&lt;br /&gt;
*Plischnack, Alfred: Gott erhalte! Wendepunkt 1809 – Österreichs Sieg über Napoleon. Augenzeugen berichten die wahre Geschichte von 1805 bis 1815. Wien: Stöhr 2009.&lt;br /&gt;
*Sachslehner, Johannes: Napoleon in Wien. Fakten und Legenden. Wien-Graz-Klagenfurt: Pichler 2008. &lt;br /&gt;
*Schembor, Friedrich Wilhelm: Franzosen in Wien: Einwanderer und Besatzer. Französische Revolution und napoleonische Besatzung in den österreichischen Polizeiakten. Bochum: Dieter Winkler 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Claudia Reichl-Ham&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 18/02/2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{otherWiki|L&#039;occupation_française_de_Vienne_1805/1806_et_1809}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Solene</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Diese Seite existiert derzeit nur [https://decaf-fr.literaturtirol.at/wiki/Arthur_Schnitzler im französischsprachigen Wiki.]   {{otherWiki|Arthur_Schnitzler}}“&lt;/p&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Leo Perutz (1954) Während in Österreich um Leo Perutz (1882–1957) fünf Jahre nach seinem Tod Stille herrscht, bekommt 1962 sein Roman &amp;#039;&amp;#039;Der Marques de Bolibar&amp;#039;&amp;#039; in Frankreich die einzige literarische Auszeichnung, die seiner Arbeit je verliehen wurde. Es handelt sich um den „Prix Nocturne“, der gerade gestiftet wurde, um ein vergessenes phantastisches Werk wieder ins Licht zu stellen. Einer dessen Hauptorganisatoren ist…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Perutz.png||thumb|Leo Perutz (1954)]]&lt;br /&gt;
Während in Österreich um Leo Perutz (1882–1957) fünf Jahre nach seinem Tod Stille herrscht, bekommt 1962 sein Roman &#039;&#039;Der Marques de Bolibar&#039;&#039; in Frankreich die einzige literarische Auszeichnung, die seiner Arbeit je verliehen wurde. Es handelt sich um den „Prix Nocturne“, der gerade gestiftet wurde, um ein vergessenes phantastisches Werk wieder ins Licht zu stellen. Einer dessen Hauptorganisatoren ist Roland Stragliati&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.noosfere.org/livres/Auteur.asp?numauteur=-1020672740&amp;lt;/ref&amp;gt;, ein Bewunderer des Schriftstellers, der zu diesem Zeitpunkt in Verbindung mit seiner Witwe, Grete, steht und versucht, die Übersetzung seiner Texte wieder in Gang zu bringen. Die Beziehungen zwischen Perutz und Frankreich gleichen diesem Preis, der von einem auf Anonymität bedachten Jury vergeben wurde: Viele der Mitwirkenden sind unentdeckt geblieben, und dennoch zeichnet sich um den Schriftsteller ein Netzwerk wechselseitiger Vermittlungen ab, das zum Teil noch zu erforschen ist. Während man die Übersetzer der jüngsten Zeit leicht ausfindig machen kann, dürften die zahlreichen Vermittler aus der Vorkriegszeit nämlich nicht alle erfasst sein. Ihre Wiederentdeckung ermöglicht es auch, den persönlichen Anteil in Perutz’ Beziehungen zu Frankreich zu beleuchten, was wiederum dazu einlädt, sein Interesse für die französische Kultur und deren Einfluss auf seine Werke neu zu bewerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Biografie==&lt;br /&gt;
Leo Perutz wurde 1882 zur Zeit der österreich-ungarischen Monarchie in Prag geboren. An der Wende zum 20. Jahrhundert lässt sich seine Familie in Wien nieder, wo der Schriftsteller dann lebt, bis er wegen seiner jüdischen Abstammung im Juli 1938 zum Exil gezwungen wird. Die sechs zwischen 1915 und 1928 in Deutschland veröffentlichten Romane (&#039;&#039;Die dritte Kugel&#039;&#039;, &#039;&#039;Zwischen neun und neun&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Marques de Bolibar&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Meister des jüngsten Tages&#039;&#039;, &#039;&#039;Turlupin&#039;&#039; und &#039;&#039;Wohin rollst du, Äpfelchen&#039;&#039;…) sowie der 1930 in Wien herausgegebene Novellenband &#039;&#039;Herr, erbarme Dich meiner!&#039;&#039; haben ihm Erfolg gebracht, aber nach der NS-Machtergreifung wird er aus dem deutschen Buchmarkt ausgeschlossen. Die beiden in den dreißiger Jahren in Wien erschienenen Romane (&#039;&#039;Sankt Petri-Schnee&#039;&#039; und &#039;&#039;Der schwedische Reiter&#039;&#039;) haben also weniger Resonanz, und für die beiden letzten (&#039;&#039;Nachts unter der steinernen Brücke&#039;&#039; und &#039;&#039;Der Judas des Leonardo&#039;&#039;) wird sich nach dem Krieg ein Verleger nur schwer finden. Erst in den 1980er Jahren wird sein Werk dank einer neuen vom Germanisten Hans-Harald Müller betreuten und kommentierten Ausgabe beim Wiener Verlag [[Zsolnay]] als Ganzes wiederentdeckt und neu bewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perutz’ Beziehungen zu Frankreich&lt;br /&gt;
Eine ähnliche Entwicklung zur vollen Anerkennung ist in Frankreich festzustellen, wo alle Romane und Novellen ebenfalls in den 1980er Jahren übersetzt werden. Nicht aber dem historischen Verleger Albin Michel ist dies zu verdanken. Von den beiden 1930 und 1931 durch Odon Niox-Château übersetzten Romanen wird nur &#039;&#039;Le Marquis de Bolibar&#039;&#039; 1970 neu herausgegeben, bevor der Verlag 1988 die Novellensammlung und 1994 zwei mit Paul Frank geschriebene Romane (&#039;&#039;Le Cosaque et le Rossignol&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Miracle du manguier&#039;&#039;) veröffentlicht und sich so den Bemühungen anderer spät und eher am Rande anschließt, um Perutz’ Werk in Frankreich bekannt zu machen. Der 1931 unter dem Titel &#039;&#039;À la dérive…&#039;&#039; erschienene Roman wird als &#039;&#039;Où roules-tu petite pomme?&#039;&#039; bei einem anderen Verlag, Fayard, von Jean-Claude Capèle&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.noosfere.org/livres/auteur.asp?numauteur=-43831&amp;lt;/ref&amp;gt; neu übersetzt, der dem französischsprachigen Publikum dann fünf weitere Werke (&#039;&#039;Turlupin&#039;&#039;, &#039;&#039;La Neige de saint Pierre&#039;&#039;, &#039;&#039;La Nuit sous le pont de pierre&#039;&#039;, &#039;&#039;La troisième Balle&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Maître du Jugement dernier&#039;&#039;) vorlegt – alle sind mit Unterstützung des Germanisten und freien Lektors Michel-François Demet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.universalis.fr/auteurs/michel-francois-demet/&amp;lt;/ref&amp;gt; beim selben Verlag erschienen. Bei Phébus setzt sich der Verlagsgründer Jean-Pierre Sicre&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Jean-Pierre-Sicre/178090&amp;lt;/ref&amp;gt; selbst für den österreichischen Autor ein, der von Martine Keyser übersetzt wird (&#039;&#039;Le Judas de Léonard&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Cavalier suédois&#039;&#039;). Unter den anderen Beteiligten bei diesem Transfer muss man Jean-Jacques Pollet&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.babelio.com/auteur/Jean-Jacques-Pollet/88249&amp;lt;/ref&amp;gt; in doppelter Hinsicht einen besonderen Platz einräumen: Er übersetzt Zwischen neun und neun (&#039;&#039;Le Tour du cadran&#039;&#039;, Christian Bourgeois), die beiden „vierhändigen“ Romane sowie eine unter dem gleichen Titel wie in Österreich herausgegebene Sammlung von vereinzelten Texten (&#039;&#039;Nuit de mai à Vienne&#039;&#039;, Fayard), und als Germanist nimmt er die Werke des Schriftstellers auch in die an den französischen Universitäten erforschten Korpora auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese posthume Anerkennung darf nicht vergessen lassen, dass Perutz vor dem Zweiten Weltkrieg viele Beziehungen zu Frankreich unterhielt. Neben der Übersetzung der beiden schon zitierten Romane findet man verstreute Spuren, die vom Einsatz verschiedener Akteure zeugen, um – meistens über Zeitschriften – die Texte des österreichischen Autors, mit dem sie oft in Kontakt stehen, bekannt zu machen. Dies ist der Fall des deutsch-französischen Schriftstellers und Drehbuchautors Benno Vigny&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/117417645.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der andererseits Charles Trénets Stiefvater ist: In den 1920er Jahren arbeitet er im Wiener Filmmilieu und kennt Perutz persönlich, von dem er eine Novelle übersetzt („Conte lunaire“, &#039;&#039;Septimanie&#039;&#039;, Februar 1926), wobei er auch vorhat, andere Texte für die Bühne (auf Deutsch) zu bearbeiten. Wenn andere Übersetzer den französischen Lesern den österreichischen Autor vorstellen, weisen sie manchmal auf noch unveröffentlichte Werke hin, was wiederum von direkten Beziehungen zeugt: So Fernand Remisch in der Zeitschrift &#039;&#039;Le Rouge et le Noir&#039;&#039; („Un jour sans soir“ und „Léo Perutz, bon artisan“, Oktober–November 1927) sowie Anno Schlösser in der zweisprachigen &#039;&#039;Revue rhénane/Rheinische Blätter&#039;&#039; („La Troisième Balle – Extrait“ und „Léon Perutz“ [sic.], Juni 1929). Remisch erwähnt auch eine abgeschlossene Übersetzung von &#039;&#039;Zwischen neun und neun&#039;&#039;, die nur noch auf einen Verleger wartet. Der Roman wird nicht in dieser Form auf Französisch erscheinen, aber der Übersetzer weist auf Firmin Gémiers&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.leonore.archives-nationales.culture.gouv.fr/ui/notice/360002&amp;lt;/ref&amp;gt; Projekt einer französischen Inszenierung im Pariser Odéon-Theater der von Hans Sturm für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg angefertigten Bühnenbearbeitung hin und bedauert, dass es aufgegeben wurde. Allerdings wird die Uraufführung dieses Stücks auf Französisch in Monte-Carlo für die Spielzeit 1927–1928 angekündigt, und zwar in einer Bearbeitung von Robert de Mackiels, der später einen Roman des mit Perutz befreundeten [[Alexander Lernet-Holenia]] übersetzen wird (&#039;&#039;Aventures d’un jeune homme habillé en femme&#039;&#039;, roman viennois, Flammarion, 1934), was direkte Beziehungen zwischen den drei Männern ahnen lässt. Ebenfalls hat Raymond Henry, der „Herr, erbarme Dich meiner!“ unter dem Titel „Le Télégramme chiffré“ (&#039;&#039;Gringoire&#039;&#039;, 5. November 1937) veröffentlicht, auch zwei Romane Arnold Hoellriegels&amp;lt;ref&amp;gt;https://kuenste-im-exil.de/KIE/Content/DE/Personen/bermann-richard-a.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, eines anderen Vertrauten von Perutz, für Albin Michel übersetzt (&#039;&#039;Tu feras du cinéma&#039;&#039;, 1931, und &#039;&#039;La Petite Fille de Sainte-Hélène&#039;&#039;, 1937).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erstaunlichste und auch am meisten vergessene Weg aber, auf dem gegenseitige Austausche zwischen Frankreich und Österreich stattfinden, führt über die Bretagne, wo sich Perutz regelmäßig aufhält und mit François Jaffrennou&amp;lt;ref&amp;gt;https://crbc.huma-num.fr/prelib/personne/84/&amp;lt;/ref&amp;gt; anfreundet: Dieser tritt unter dem Namen Taldir als Barde auf und ist einer der Hauptakteure des Neudruidentums, 1900 Mitbegründer der bretonischen Gorsedd und später auch deren Großdruide. Er betreut auch zum Teil bretonischsprachige Zeitschriften: So kann er Perutz’ Werke unterstützen, indem er regelmäßig Rezensionen zu seinen Romanen und sogar einige Jahre vor Albin Michel eine erste Übersetzung vom &#039;&#039;Marques de Bolibar&#039;&#039; veröffentlicht, die aus finanziellen Gründen unvollendet bleiben muss (&#039;&#039;Le Consortium Breton&#039;&#039;, Mai 1927–Juni 1928; &#039;&#039;An Oaled. Le Foyer Breton&#039;&#039;, 3. Trimester 1928). Da in diesem Regionalistenkreis niemand ausreichend Deutsch spricht, werden die Werke des österreichischen Autors, der seinerseits das Französische recht gut beherrscht, in ihrer englischen Übersetzung gelesen. Vorlage für diese erste französische Fassung des &#039;&#039;Marques de Bolibar&#039;&#039; von Guillaume Quénet ist ebenfalls der englische Text. Umgekehrt interessiert sich Perutz, der 1927 in die Gorsedd aufgenommen wird, für die keltische Kultur: Er verteidigt sie in Frankreich in einer Befragung über die Zukunft der europäischen Kulturen („Réponse à l’enquête“, &#039;&#039;Le Rouge et le Noir&#039;&#039;, Dezember 1927–Januar 1928) und er macht sie in Wien bekannt, indem er zu einer Matinee beiträgt, in der das mit Jaffrennou befreundete Bardenpaar Émile und Janedick Cueff bretonische, wallisische und schottische Lieder vortragen (Carltheater, 18. November 1928).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg schaltet sich der österreichische Autor erfolglos bei den französischen Behörden ein, die Jaffrennou im Juni 1945 wegen Kollaboration verurteilt haben, ebenso wie er einige im Nationalsozialismus kompromittierte Wiener Bekannte zu unterstützen versucht. Freundschaft über politische Entscheidungen zu stellen, bedeutet nicht, dass man deren ideologische Voraussetzungen teilt, und Perutz’ Interesse für den bretonischen Regionalismus ist bestimmt nicht im Sinne einer identitären Selbstbehauptung zu verstehen. Ganz im Gegenteil plädiert er im Namen der Achtung vor dem Schwächeren in &#039;&#039;Le Rouge et le Noir&#039;&#039; dafür, dass Frankreich der keltischen Sprache einen Platz im Unterricht und im öffentlichen Leben einräumt. In diesem Argument ist der Respekt wiederzufinden, die der Schriftsteller unterdrückten Minderheiten entgegenbringt, ob es sich nun um die brutal kolonisierten Azteken in Die dritte Kugel oder um die dem Wohlwollen des Kaiserhofs preisgegebene jüdische Gemeinschaft in Nachts unter der steinernen Brücke handelt. In „Der Nationalfeiertag im Dorfe&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Arbeiter-Zeitung&#039;&#039;, Wien, 22.08.1924&amp;lt;/ref&amp;gt;“ berichtet Perutz – den Barden Taldir beiläufig erwähnend – von zahlreichen bretonischen Volksfesten sowie vom Feiern des 14. Juli in einem Dorf der Region, wahrscheinlich Loctudy&amp;lt;ref&amp;gt;http://www.loctudy.fr/&amp;lt;/ref&amp;gt;, wo er regelmäßig Urlaub machte, und er schließt seinen Artikel mit einem merkwürdigen Vergleich zwischen den gutmütigen, aber etwas chaotischen Spielen dieser Volksfeier und dem ungeordneten, aber siegreichen Sturm auf die Bastille. In sozialer Hinsicht führt die Kritik von Herrschaftsverhältnissen tatsächlich zur Frage der Revolution, auf die Perutz in seinen Werken zu wiederholten Malen zurückgekommen ist, sei es im Kontext des 20. Jahrhunderts (&#039;&#039;Wohin rollst du, Äpfelchen…&#039;&#039;, &#039;&#039;Sankt Petri-Schnee&#039;&#039;) oder des französischen Ancien Régime (&#039;&#039;Turlupin&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Vogel Solitär&#039;&#039;, ein unvollendeter Roman, von dem drei Kapitel in den zwanziger Jahren erschienen sind und mit einem weiteren unveröffentlichten in Mainacht in Wien wiederaufgenommen werden). Dabei vertritt er den Standpunkt eines skeptischen Humanisten angesichts der Umkehrung von Idealen in revolutionäre Gewalt, und auch diese Perutz’sche Signatur ist mit wechselseitigem Kulturaustausch verbunden: Dabei zeigt sich, wie sich der Schriftsteller die französische Kultur aneignet und sie für das deutschsprachige Publikum umgestaltet. Man kann darin nämlich ein Vermächtnis Victor Hugos erkennen, von dem Perutz Bug-Jargal unter dem Titel &#039;&#039;Flammen auf San Domingo&#039;&#039; (übers. v. J. Kalmer, Berlin, Josef Singer, 1929) und vor allem &#039;&#039;Quatre-vingt-treize&#039;&#039; unter dem Titel &#039;&#039;Das Jahr der Guillotine&#039;&#039; (in Zusammenarbeit mit O. Levett, Berlin, Ullstein, 1925) bearbeitet hat, einen Roman, der ihn lange begleitete, wie er im Vorwort zu dieser weitgehend umgeschriebenen Fassung betont. Perutz als treuer Vermittler des französischen Schriftstellers zu betrachten, ist wohl unmöglich: Er ordnet das üppige Romanmaterial der Originaltexte neu und verkürzt sie nach eigener Darstellung im Hinblick auf erzählerische Effizienz. Aber seine Kenntnis davon ist tief genug, dass er die Überlegungen seines großen Vorgängers über den zwischen Idealismus und Schreckensherrschaft georteten revolutionären Prozess in seine eigenen Fiktionen einfließen lassen kann und somit einen Teil der französischen Kultur in die deutschsprachige Literatur unterschwellig überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
*Leo Perutz’ Werke: Ausgabe von Hans-Harald Müller (Wien: Zsolnay) und Übersetzungen ins Französische&lt;br /&gt;
*Die dritte Kugel. [1915] 1994. La Troisième Balle. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1987.&lt;br /&gt;
*Zwischen neun und neun. [1918] 1993. Le Tour du cadran. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Christian Bourgois 1988.&lt;br /&gt;
*Der Marques de Bolibar. [1920] 1989. Le Marquis de Bolibar. Übers. Odon Niox Château. Paris: Albin Michel [1930] 1970/1991.&lt;br /&gt;
*Der Meister des jüngsten Tages. [1923] 1989. Le Maître du Jugement dernier. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1989.&lt;br /&gt;
*Turlupin. [1924] 1995. Turlupin. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1986.&lt;br /&gt;
*Wohin rollst du, Äpfelchen… [1928] 1987. Où roules-tu, petite pomme ? Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1989.&lt;br /&gt;
*Herr, erbarme Dich meiner! [1930] 1985. Seigneur, ayez pitié de moi ! Übers. Ghislain Riccardi. Paris: Albin Michel 1988.&lt;br /&gt;
*Sankt Petri-Schnee. [1933] 1987. La Neige de saint Pierre. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1987.&lt;br /&gt;
*Der schwedische Reiter. [1936] 1990. Le Cavalier suédois. Übers. Martine Keyser. Paris: Phébus 1987.&lt;br /&gt;
*Nachts unter der steinernen Brücke. [1953] 1988. La Nuit sous le pont de pierre. Übers. Jean-Claude Capèle. Paris: Fayard 1987.&lt;br /&gt;
*Der Judas des Leonardo. [1959] 1988. Le Judas de Léonard. Übers. Martine Keyser. Paris: Phébus 1987.&lt;br /&gt;
*Mainacht in Wien. 1996. Nuit de mai à Vienne. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Fayard 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werke von Leo Perutz und Paul Frank und Übersetzungen ins Französische&lt;br /&gt;
*Das Mangobaumwunder. Eine unglaubwürdige Geschichte. [1916] und Der Kosak und die Nachtigall. [1928] München: Langen Müller 1991.&lt;br /&gt;
*Le Miracle du manguier. Une histoire invraisemblable. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Albin Michel 1994.&lt;br /&gt;
*Le Cosaque et le rossignol. Übers. Jean-Jacques Pollet. Paris: Albin Michel 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur im Überblick===&lt;br /&gt;
*Jacquelin, Evelyne: Leo Perutz en France : les cheminements paradoxaux de la traduction. In: Irène Cagneau, Sylvie Grimm-Hamen, Marc Lacheny (Hrsg.): Les traducteurs, passeurs culturels entre la France et l’Autriche. Berlin: Frank &amp;amp; Timme 2020 (Forum: Österreich 10), S. 159–180.&lt;br /&gt;
*Müller, Hans-Harald: Leo Perutz. Biographie. Wien: Zsolnay 2007. &lt;br /&gt;
*Müller, Hans-Harald, Eckert, Brita (Hrsg.): Leo Perutz 1882–1957. Eine Ausstellung der Deutschen Bibliothek Frankfurt a. M. Wien, Darmstadt: Zsolnay 1989. &lt;br /&gt;
*Siebauer, Ulrike: Leo Perutz. „Ich kenne alles. Alles, nur nicht mich“. Gerlingen: Bleicher 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Évelyne Jacquelin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 01/03/2025&lt;br /&gt;
{{otherWiki|Leo_Perutz}}&lt;/div&gt;</summary>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Perutz, Leo, 1954. ÖNB https://data.onb.ac.at/rep/BAG_8082336.&lt;/div&gt;</summary>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Hofmannsthal.jpg||thumb|Hugo von Hofmannsthal (23.1.1929)]] Hugo von Hofmannsthal (i.e. Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, * 1.2.1874 in Wien, † 15.7.1929 in Rodaun bei Wien) war Dramatiker, Lyriker, Erzähler, Librettist, Theaterkritiker, Essayist, Übersetzer und Kulturvermittler. Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Wiener Moderne. Unter den vielen Lektüren und Einflüssen fremder Sprachen und Kulturen nimmt der Bezug zu Frankreich eine Sonderstellung ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hofmannsthals Annäherung an die französische Kultur==&lt;br /&gt;
Grundsätzlich zeichnet sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich durch große Vertrautheit, durch sympathetische Anverwandlung und ein kritisches Sich-Messen aus. Hofmannsthals tiefe Verbundenheit mit Frankreich ist zum einen durch das frankophile Ambiente in Familie und in der Stadt Wien bedingt, zum andern durch den Sprachunterricht am Akademischen Gymnasium in Wien mit dem ausgezeichneten Sprachenlehrer Gabriel Dubray, mit dem Hofmannsthal 1892 seine erste Reise nach Frankreich unternimmt und dem er seinen Aufsatz über &#039;&#039;Französische Redensarten&#039;&#039; (1897) widmet. Bereits als Gymnasiast beschäftigt sich Hofmannsthal viel mit (nicht nur) französischer Literatur. In einem Brief an [[Hermann Bahr]] schreibt er 1891: „ich habe MM. de la Rochefoucauld, de la Bruyère, de St.-Simon, de Montaigne, de Montesquieu, de Buffon, sowie die Herren Chamfort, Courier, Chateaubriand, Voltaire, La Mettrie, Louvet, Jean-Jacques, Diderot, Prévost, Gresset, Mably und (hélas) Volney auch gelesen.“ Nicht alle Lektüre-Erlebnisse zeitigen langfristige Nachwirkungen, nicht immer sind es nur die ‚großen‘ Namen, deren Einfluss von Bedeutung ist (etwa die Spuren der Operette &#039;&#039;L’ingénu libertin&#039;&#039; von Louis Artus&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd1115658220.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Claude Terrasse&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd129851574.html&amp;lt;/ref&amp;gt; auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem relativ rasch abgebrochenen Jus-Studium widmet sich Hofmannsthal dem Studium der Romanistik, das er mit einer Dissertation zum &#039;&#039;Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléiade&#039;&#039; beendet. Eine fertig gestellte Habilitationsschrift mit dem Titel &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; zieht er 1901 zurück. Trotz einiger skeptischer Anmerkungen zur Dichtergruppe des 16. Jahrhunderts (Brief vom Juni 1897 an [[Leopold von Andrian]]) mag in der Beschäftigung mit vor allem Ronsards&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602519.html&amp;lt;/ref&amp;gt; Gedichten ein Anstoß zum Griff zu ‚alten‘ Gedichtformen wie dem Sonett liegen. Allgemein vollzieht sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich auf allen Ebenen von Intertextualität und Interkulturalität: Sie reicht von der Übernahme einzelner Topoi und Motive über Gattungsfragen und Szenenführung bis zur grundsätzlichen Diskussion ästhetischer Fragen sowie der Reflexion über das Verhältnis von Dichter und Gesellschaft. Noch in der späten &#039;&#039;Vorrede zu St.-J. Perse „Anabasis“&#039;&#039; (1929) zollt er den Bemühungen der Dichter der Pléiade (wie jenen Mallarmés&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118576771.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u.a.) Tribut, die versuchen, die „lyrische Inspiration aus dem Innern der Sprache selbst zu erneuern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach der ersten Reise 1892 hält sich Hofmannsthal wiederholt in Frankreich, konkret in Paris, auf, wobei der längere Aufenthalt von 1900-1901 von besonderer Nachhaltigkeit ist. Hofmannsthal nutzt seinen Verbleib in Paris zu Theaterbesuchen, Besichtigungen von Museen und Galerien („Bei den Kunsthändlern und den Privaten werden mir die noch nicht sehr bekannten Maler geläufig: Cézanne, Gauguin, Toulouse-Lautrec, van Gogh“, Brief vom 24.3.1900 an H. Bahr) und dazu, Bekanntschaften zu schließen, die manchmal Freundschaft (mit Anatole France&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692445.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Maurice Maeterlinck]] u.a.) und Briefwechsel nach sich ziehen oder auch ganz konkrete berufliche Anstöße liefern (so die Bekanntschaft mit dem Theaterdirektor Aurélien-Marie Lugné-Poe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd11734138X.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Hofmannsthal die Stücke &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; und &#039;&#039;Venise&#039;&#039; sauvée nahebringt, oder – später – die Zusammenarbeit mit Diaghilews&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119190907.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Ballets russes“, die zur &#039;&#039;Josephslegende&#039;&#039; führt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kreative Rezeption==&lt;br /&gt;
Hofmannsthals Beschäftigung mit Frankreich und der französischen Kultur ist jedoch nicht nur rezeptiv, sondern von Beginn an auch produktiv. Bereits 1891 erscheinen seine Kritiken zu Paul Bourget&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz145229.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118506684.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Henri-Frédéric Amiel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118648802.html&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie ein Nachruf auf Théodore de Banville&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119080389.html&amp;lt;/ref&amp;gt;; 1893 seine Besprechung von Marie Bashkirtseffs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653350.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Tagebuch eines jungen Mädchens&#039;&#039;. Hofmannsthals Rezensionen der französischen Neuerscheinungen der 1890er Jahre bezeugen zum einen sein Bemühen um eine Standortbestimmung zeitgenössischer ‚moderner‘ Literatur und zum andern seine eigene Form von Kritik, die eine Kritik der kritischen Anverwandlung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Analysen der Texte seiner Zeitgenossen sind Reflexionen über die Befindlichkeit junger Menschen seiner Generation mit ihrer instabilen Persönlichkeit, ihrer gesteigerten Sensibilität und allgemeinen Orientierungslosigkeit. „Je suis perdu dans le vagabondage, ne sachant où retrouver l’unité de ma vie“, zitiert er M. Barrès und scheint sich selbst mit zu meinen, wenn er von Barrès übergangslos zum „wir“ übergeht, zum „wir Menschen mit sehr entwickelten Nerven und geschwächtem Willen“, denen das Leben ein „Gewirre zusammenhangloser Erscheinungen“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirkungsmächtiger als die Lektüre der Zeitgenossen erweist sich die Vertiefung in die Literatur der Symbolisten und ihrer Vorläufer [[Charles Baudelaire]], [[Arthur Rimbaud]] und [[Paul Verlaine]], wenngleich es zu diesen Autoren keine großen, geschlossenen Arbeiten Hofmannsthals gibt. Nur indirekt – in einer Besprechung der Gedichte von Francis Vielé-Griffin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118804456&amp;lt;/ref&amp;gt; – spricht Hofmannsthal seine große Wertschätzung für die Musikalität der Verlaine’schen Verse aus, für den „Zauber“ von Verlaines „undefinierbarem Rhythmus“, dem wohl auch einige Jugendgedichte Hofmannsthals selbst (&#039;&#039;Vorfrühling&#039;&#039; z.B.) ihre Nähe zum Lied und ihre suggestive Stimmung verdanken. Ähnliches gilt für Rimbaud, mehr aber noch für Baudelaire, wo die Übereinstimmungen und Anregungen eher genereller und verstärkender Art sind. Baudelaires Auffassung von der Stellung des Dichters in der Gesellschaft entsprechen Hofmannsthals Zugang. Baudelaires Bild des Dichters als &#039;&#039;Albatros&#039;&#039;, der sich linkisch und hinkend auf den Schiffsplanken dahinschleppt, entspricht Hofmannsthals Vision des Künstlers als dem Heizer, der auf Deck „taumelnd und mit blöden Augen“ herumstolpert (&#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;). Und Baudelaires Verständnis des Dichters auch als Kritikers („il est impossible qu’un poète ne contienne pas un critique“, &#039;&#039;L’art romantique&#039;&#039;) findet seine Parallele in Hofmannsthals einfühlender Kritikertätigkeit. In den Aufzeichnungen notiert er: „Kunst und Kritik, die ergänzenden Hälften des künstlerischen Lebens“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sonderstellung nimmt das Werk von Maurice Maeterlinck ein. H. Bahr macht Hofmannsthal früh auf den belgischstämmigen Dichter aufmerksam, den Hofmannsthal 1900 persönlich kennenlernt und mit dem er später auch korrespondiert. Maeterlinck krempelt mit seiner &#039;&#039;Princesse Maleine&#039;&#039; (1890) das europäische Theater um. Kein junger, am Theater interessierter Autor konnte in den 1890er Jahren an Maeterlinck vorbei. Die Einflüsse Maeterlincks auf Hofmannsthal betreffen Stimmung, Szenerie, Figurengestaltung, Handlungsverlauf, Gesprächsführung und Todesthematik. Früh übersetzt Hofmannsthal den Maeterlinck’schen Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039;, der das Ausgeliefertsein des Menschen an das Schicksal thematisiert. Maeterlincks „tragique quotidien“ findet seinen Niederschlag in der Aussichts- und Ausweglosigkeit der Hofmannsthal’schen Protagonistinnen (&#039;&#039;Die Frau im Fenster&#039;&#039;, &#039;&#039;Idylle&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Hochzeit der Sobeide&#039;&#039;). Überhaupt sterben Frauen meist oder werden umgebracht (wie bei Maeterlinck auch). Im „Medusenhafte[n], daß man am Leben stirbt“, von dem in Hofmannsthals &#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039; die Rede ist, konzentriert sich die Essenz der Dramen Maeterlincks und ihrer Wirkung auf die Zeitgenossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder hat sich Hofmannsthal als Übersetzer oder Bearbeiter (freilich nicht nur französischer Literatur) betätigt. Von Maeterlincks Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039; über &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; von Jules Renard&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118788345.html&amp;lt;/ref&amp;gt;  bis zu den bedeutenden [[Molière]]-Neufassungen reicht die Palette seiner Übertragungen und Adaptationen. 1909 übersetzt er die Molière-Komödie &#039;&#039;Le Mariage forcé&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Heirat wider Willen&#039;&#039;), 1916 macht er aus &#039;&#039;Les Fâcheux&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Misanthrope&#039;&#039; das Fake-Stück &#039;&#039;Die Lästigen&#039;&#039;; die Beschäftigung mit &#039;&#039;Le Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; und &#039;&#039;Monsieur de Pourceaugnac&#039;&#039; wirkt weiter auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039; und auf &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039;; Spuren von &#039;&#039;Le Dépit amoureux&#039;&#039; und &#039;&#039;L’étourdi&#039;&#039; lassen sich bis zu &#039;&#039;Lucidor&#039;&#039; und &#039;&#039;Arabella&#039;&#039; nachzeichnen. Wie immer liegt die Besonderheit in der kreativen Anverwandlung der Vorlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt zum Teil auch für Hofmannsthals Beschäftigung mit französischer Malerei. Oft gehen von Bildwerken ganz konkrete, in der Umsetzung kaum mehr erkennbare Anstöße aus (so die Rolle des Gemäldes &#039;&#039;Le coucher de la mariée&#039;&#039; von Pierre-Antoine Baudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1073264335&amp;lt;/ref&amp;gt; für den Rosenkavalier) und manchmal wird die Auseinandersetzung mit Malerei zum Anlass für grundlegende ästhetische Reflexion (so die Begegnung mit den Bildern von [[Vincent van Gogh|Van Gogh]] in den Briefen des Zurückgekehrten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1900 nehmen ausführliche Aufsätze zu französischen Dichtern ab – mit Ausnahme von [[Victor Hugo]], [[Honoré de Balzac]] und [[Molière]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Gymnasium beginnt Hofmannsthals Beschäftigung mit V. Hugo, die in seiner Habilitationsschrift &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; ihren ausführlichsten Kommentar findet. Es ist eine Beschäftigung, die auf den ersten Blick überrascht, handelt es sich bei Hugo doch um keinen wesensverwandten Autor. Tatsächlich geht es in Hofmannsthals Studie um Aspekte in Hugos Leben und Werk, die auch für den jungen Hofmannsthal bei aller Verschiedenheit von Interesse sind&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ravy 1987&amp;lt;/ref&amp;gt;: So bildet das lange Leben des französischen „Olympiers“ Hugo (&#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039;) das Paradebeispiel, um über das Verhältnis des Dichters zu seiner Zeit zu reflektieren. Zudem bietet das umfangreiche Werk des französischen Nationaldichters dem Kosmopoliten Hofmannsthal eine Gelegenheit, sich dem spezifischen Charakter französischer Literatur und Kultur noch weiter anzunähern. Was aber unbestreitbar Hofmannsthal mit Hugo verbindet, ist die Wertschätzung des Worts. So bildet die Auseinandersetzung mit Hugo auch einen wichtigen Baustein in Hofmannsthals Ringen um seine eigene Ästhetik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches gilt für die jahrelange Beschäftigung mit Honoré de Balzac, die u.a. in drei gesonderten Texten ihren Niederschlag gefunden hat: in dem fiktiven &#039;&#039;Gespräch zwischen Balzac und Hammer-Purgstall in einem Döblinger Garten im Jahre 1842&#039;&#039; (mit dem Titel &#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;) aus dem Jahr 1902, in der Besprechung von &#039;&#039;Das Mädchen mit den Goldaugen&#039;&#039; (1905) und in der Einleitung Balzac zu einer deutschen Ausgabe der &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; (1908). Nicht aus einem einzelnen Band Balzacs sei die Essenz seiner vis poetica zu destillieren, sondern sie finde sich hingegossen in die Fülle seiner Romane und Novellen. Und weil sein großes Werk die Welt seiner Zeit in aller Disparatheit und Pluralität darzustellen beabsichtigt, müsse er, Balzac, Romane schreiben und nicht – wie von Hammer-Purgstall&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_von_Hammer-Purgstall&amp;lt;/ref&amp;gt; moniert – Theaterstücke. Es ist kein Zufall, dass die Auseinandersetzung mit Balzac in die Phase von Hofmannsthals Bemühen um das „Soziale“ fällt und dass er auf dem Umweg über Balzac zu seiner Form einer ‚neuen‘ Komödie als Ausdruck des „erreichten Sozialen“ findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Bestreben ist freilich auch ein anderer französischer Autor von eminenter Bedeutung: Molière. Von 1909 bis 1923&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Arlaud 2005&amp;lt;/ref&amp;gt; gilt Hofmannsthals besonderes Interesse dem französischen Dramatiker. In ihm sieht Hofmannsthal einen Höhepunkt versierter Dramentechnik einerseits und das umfassende Verständnis für das „Soziale“ andererseits verkörpert, das „Verstehen der Menschen, nicht so, wie einer bloß mit dem Kopfe versteht, sondern schon mit dem ganzen Ich und allen Eingeweiden“ (&#039;&#039;Worte zum Gedächtnis Molières&#039;&#039;). Von den konkreten Übersetzungen und Bearbeitungen Molières (siehe oben) reicht die Palette über das Bemühen um den &#039;&#039;Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; für die Oper &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039; bis zu einem kaum mehr dingfest zu machenden Weiterwirken Molière’scher Komödienkunst im &#039;&#039;Schwierigen&#039;&#039; und &#039;&#039;Unbestechlichen&#039;&#039;. Gerade das Beispiel Molières illustriert, worin die Spezifik von Hofmannsthals Begeisterung für Frankreich besteht: in der Verbundenheit der französischen Dichter mit ihrer Zeit und der Tradition, in der sie stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Hofmannsthal-Rezeption==&lt;br /&gt;
Die Rezeption Hofmannsthals in Frankreich schwankt zu seinen Lebzeiten zwischen Begeisterung (bei Charles Du Bos&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527673.html&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Henri Guilbeaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116921129.html&amp;lt;/ref&amp;gt; z.B.), freundschaftlicher Zur-Kenntnisnahme (so bei [[André Gide]] oder Paul Valéry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz129740.html&amp;lt;/ref&amp;gt;) und Unverständnis und Ablehnung bei manchen Kritikern (auch aufgrund fehlerhafter Übersetzungen). In jüngerer Zeit ist es, u.a., vor allem Pierre Deshusses&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd13252029X.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Jean-Yves Masson]] zu verdanken, dass Hofmannsthals wichtigste Werke in französischer Übersetzung zugänglich sind. Deshusses hat bei Payot &amp;amp; Rivages mehrere Texte herausgegeben, u.a. die &#039;&#039;Lettre de Lord Chandos&#039;&#039; mit einem Vorwort von Claudio Magris&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119130513.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; (2000), die Prosa unter dem Titel &#039;&#039;Chemins et rencontres&#039;&#039; (2002) und die Korrespondenz Hofmannsthals mit Rilke, &#039;&#039;Lettres à Rilke&#039;&#039; (2004); Masson ist für die Hofmannsthal-Rezeption als Übersetzer (z.B. &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039;, 1997, &#039;&#039;Le Livre des amis&#039;&#039;, 2015, Gestern / Hier, zweisprachige Ausgabe 2023) und Herausgeber (z.B. &#039;&#039;Œuvres en prose&#039;&#039; und &#039;&#039;Jedermann&#039;&#039;, beide 2010), sowie als Literaturwissenschaftler von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den französischen Bühnen ist Hofmannsthal in erster Linie als Librettist der Opern von Richard Strauss präsent. &#039;&#039;Le Chevalier à la rose&#039;&#039;, &#039;&#039;Électre&#039;&#039;, &#039;&#039;Ariane à Naxos&#039;&#039;, &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039; werden regelmäßig gespielt, die Internet-Plattform Les Archives du Spectacle&amp;lt;ref&amp;gt;https://lesarchivesduspectacle.net/&amp;lt;/ref&amp;gt; weist für den Zeitraum 1957–2024 65 verschiedene Produktionen auf. Im Sprechtheater sind in den letzten dreißig Jahren (seit 1992) mehrere Inszenierungen von Elektra / Électre zu verzeichnen, sowie die denkwürdigen Aufführungen von &#039;&#039;L’Homme difficile&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Schwierige&#039;&#039;, mis en scène de Jacques Lassalle, Théâtre de la Colline, 1996) und &#039;&#039;L’Incorruptible&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Unbestechliche&#039;&#039;, Philippe Adrien, Comédie-Française, 1999), beide in der Übersetzung von [[Jean-Yves Masson]]. Letzteres Stück stand auch im Programm der „Agrégation de Lettres modernes“, was für die Verbreitung des Werkes im schulischen Bereich von Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Bereich der literaturwissenschaftlichen Arbeiten seien neben Jean-Yves Massons &#039;&#039;Hofmannsthal, renoncement et métamorphose&#039;&#039; (Lagrasse: Verdier 2000) insbesondere [[Jacques Le Rider|Jacques Le Riders]] &#039;&#039;Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité&#039;&#039; (Paris: PUF 1995) und Pierre-Antoine Hurés &#039;&#039;Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après&#039;&#039; (Paris: Klincksieck 2004) erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Hrsg. von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt/Main: Fischer Verlag 1979–1980.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe in 40 Bänden. Hrsg. von Rudolf Hirsch [u.a.]. Frankfurt/Main: S. Fischer 1975–2022.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe I (1890–1901). Berlin: Fischer 1935.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe II (1900–1909) Wien: Bermann-Fischer 1937.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Austriaca 37 (1993) (Thema: „Modernité de Hofmannsthal“, mit Beiträgen von R. Bauer, J. Le Rider, J.-Y. Masson, G. Stieg, G. Ravy u.a.)&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (Thema: „Hofmannsthal und Frankreich“, mit Beiträgen von C. David, F. Derré, J.-M. Valentin, U. Weisstein, G. Ravy, D. Iehl, P. Por, A. Corbineau-Hoffmann, F. Claudon, J. Body, S. Bogosavljević, J. Stoupy) (1987).&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hrsg. von Mathias Mayer und Julian Werlitz. Stuttgart, Weimar: Metzler 2016.&lt;br /&gt;
*Arlaud, Sylvie: Hofmannsthal’s Return to Molière, 1909-23: The Conditions of Reception. In: Austrian Studies 13 (2005), S. 55–76.&lt;br /&gt;
*Bolterauer, Alice: Selbstvorstellung. Die literarische Selbstreflexion der Wiener Moderne. Freiburg i.Br.: Rombach 2003. &lt;br /&gt;
*Curtius, Ernst Robert: Hofmannsthal und die Romanität. In: Ders.: Kritische Essays zur europäischen Literatur. Bern, München: Francke 1963, S. 122–127.&lt;br /&gt;
*David, Claude: Hofmannsthal als Leser des französischen Schrifttums. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (1987), S. 9–18.&lt;br /&gt;
*Foldenauer, Karl: Hugo von Hofmannsthal und die französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Univ. Diss., Eberhard-Karls-Universität Tübingen 1958.&lt;br /&gt;
*Hellmann, Friedrich Wilhelm: Hofmannsthal und Frankreich: die Bedeutung Frankreichs für Hofmannsthals Wendung zum Sozialen. Univ. Diss., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. 1959.&lt;br /&gt;
*Hirsch, Rudolf: Hofmannsthal und Frankreich. Zwei Beiträge. In: Ders.: Beiträge zum Verständnis Hugo von Hofmannsthals. Frankfurt/Main: Fischer 1995, S. 304–315.&lt;br /&gt;
*Huré, Pierre-Antoine: Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après. Paris: Klincksieck 2004.&lt;br /&gt;
*Krabiel, Klaus-Dieter: „La traduction… une excellente pierre de touche“? Henri Guilbeaux und seine Übertragungen von Gedichten Hugo von Hofmannsthals. In: Marion Steinbach, Dorothee Risse (Hrsg.): „La poésie est dans la vie“. Flânerie durch die Lyrik beiderseits des Rheins. Bonn: Romanistischer Verlag 2000, S. 207–229.&lt;br /&gt;
*Le Rider, Jacques: Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité. Paris: PUF 1995.&lt;br /&gt;
*Masson, Jean-Yves: Hofmannsthal, renoncement et métamorphose. Lagrasse: Verdier 2000.&lt;br /&gt;
*Mayer, Mathias: Hugo von Hofmannsthal. Stuttgart, Weimar: Metzler 1993.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Hofmannsthal und Victor Hugo. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd 9 (1987), S. 103–116.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Regards sur la modernité de Hofmannsthal. In: Austriaca 37 (1993), S. 241–251.&lt;br /&gt;
*Rychner, Max: Hugo von Hofmannsthal. In: Der Monat, Jg. 5, H. 51 (1952), S. 322–328.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Alice Bolterauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(unter Mitwirkung von Marc Lacheny und Karl Zieger)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 24/02/2025&lt;br /&gt;
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		<author><name>Solene</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Die Seite wurde neu angelegt: „Hugo von Hofmannsthal (23.1.1929) Hugo von Hofmannsthal (i.e. Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, geb. 1874 in Wien, gest. 1929 in Rodaun bei Wien) war Dramatiker, Lyriker, Erzähler, Librettist, Theaterkritiker, Essayist, Übersetzer und Kulturvermittler. Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Wiener Moderne. Unter den vielen Lektüren und Einflüssen fremder Sprachen und Kulturen nimmt der Bezug…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[File:Hofmannsthal.jpg||thumb|Hugo von Hofmannsthal (23.1.1929)]] Hugo von Hofmannsthal (i.e. Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, geb. 1874 in Wien, gest. 1929 in Rodaun bei Wien) war Dramatiker, Lyriker, Erzähler, Librettist, Theaterkritiker, Essayist, Übersetzer und Kulturvermittler. Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Wiener Moderne. Unter den vielen Lektüren und Einflüssen fremder Sprachen und Kulturen nimmt der Bezug zu Frankreich eine Sonderstellung ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hofmannsthals Annäherung an die französische Kultur==&lt;br /&gt;
Grundsätzlich zeichnet sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich durch große Vertrautheit, durch sympathetische Anverwandlung und ein kritisches Sich-Messen aus. Hofmannsthals tiefe Verbundenheit mit Frankreich ist zum einen durch das frankophile Ambiente in Familie und in der Stadt Wien bedingt, zum andern durch den Sprachunterricht am Akademischen Gymnasium in Wien mit dem ausgezeichneten Sprachenlehrer Gabriel Dubray, mit dem Hofmannsthal 1892 seine erste Reise nach Frankreich unternimmt und dem er seinen Aufsatz über &#039;&#039;Französische Redensarten&#039;&#039; (1897) widmet. Bereits als Gymnasiast beschäftigt sich Hofmannsthal viel mit (nicht nur) französischer Literatur. In einem Brief an [[Hermann Bahr]] schreibt er 1891: „ich habe MM. de la Rochefoucauld, de la Bruyère, de St.-Simon, de Montaigne, de Montesquieu, de Buffon, sowie die Herren Chamfort, Courier, Chateaubriand, Voltaire, La Mettrie, Louvet, Jean-Jacques, Diderot, Prévost, Gresset, Mably und (hélas) Volney auch gelesen.“ Nicht alle Lektüre-Erlebnisse zeitigen langfristige Nachwirkungen, nicht immer sind es nur die ‚großen‘ Namen, deren Einfluss von Bedeutung ist (etwa die Spuren der Operette &#039;&#039;L’ingénu libertin&#039;&#039; von Louis Artus&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd1115658220.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Claude Terrasse&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd129851574.html&amp;lt;/ref&amp;gt; auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem relativ rasch abgebrochenen Jus-Studium widmet sich Hofmannsthal dem Studium der Romanistik, das er mit einer Dissertation zum &#039;&#039;Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléiade&#039;&#039; beendet. Eine fertig gestellte Habilitationsschrift mit dem Titel &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; zieht er 1901 zurück. Trotz einiger skeptischer Anmerkungen zur Dichtergruppe des 16. Jahrhunderts (Brief vom Juni 1897 an [[Leopold von Andrian]]) mag in der Beschäftigung mit vor allem Ronsards&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602519.html&amp;lt;/ref&amp;gt; Gedichten ein Anstoß zum Griff zu ‚alten‘ Gedichtformen wie dem Sonett liegen. Allgemein vollzieht sich Hofmannsthals Auseinandersetzung mit Frankreich auf allen Ebenen von Intertextualität und Interkulturalität: Sie reicht von der Übernahme einzelner Topoi und Motive über Gattungsfragen und Szenenführung bis zur grundsätzlichen Diskussion ästhetischer Fragen sowie der Reflexion über das Verhältnis von Dichter und Gesellschaft. Noch in der späten &#039;&#039;Vorrede zu St.-J. Perse „Anabasis“&#039;&#039; (1929) zollt er den Bemühungen der Dichter der Pléiade (wie jenen Mallarmés&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118576771.html&amp;lt;/ref&amp;gt; u.a.) Tribut, die versuchen, die „lyrische Inspiration aus dem Innern der Sprache selbst zu erneuern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach der ersten Reise 1892 hält sich Hofmannsthal wiederholt in Frankreich, konkret in Paris, auf, wobei der längere Aufenthalt von 1900-1901 von besonderer Nachhaltigkeit ist. Hofmannsthal nutzt seinen Verbleib in Paris zu Theaterbesuchen, Besichtigungen von Museen und Galerien („Bei den Kunsthändlern und den Privaten werden mir die noch nicht sehr bekannten Maler geläufig: Cézanne, Gauguin, Toulouse-Lautrec, van Gogh“, Brief vom 24.3.1900 an H. Bahr) und dazu, Bekanntschaften zu schließen, die manchmal Freundschaft (mit Anatole France&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692445.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Maurice Maeterlinck]] u.a.) und Briefwechsel nach sich ziehen oder auch ganz konkrete berufliche Anstöße liefern (so die Bekanntschaft mit dem Theaterdirektor Aurélien-Marie Lugné-Poe&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd11734138X.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Hofmannsthal die Stücke &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; und &#039;&#039;Venise&#039;&#039; sauvée nahebringt, oder – später – die Zusammenarbeit mit Diaghilews&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119190907.html&amp;lt;/ref&amp;gt; „Ballets russes“, die zur &#039;&#039;Josephslegende&#039;&#039; führt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kreative Rezeption==&lt;br /&gt;
Hofmannsthals Beschäftigung mit Frankreich und der französischen Kultur ist jedoch nicht nur rezeptiv, sondern von Beginn an auch produktiv. Bereits 1891 erscheinen seine Kritiken zu Paul Bourget&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz145229.html&amp;lt;/ref&amp;gt;, Maurice Barrès&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118506684.html&amp;lt;/ref&amp;gt; und Henri-Frédéric Amiel&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118648802.html&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie ein Nachruf auf Théodore de Banville&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119080389.html&amp;lt;/ref&amp;gt;; 1893 seine Besprechung von Marie Bashkirtseffs&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118653350.html&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;Tagebuch eines jungen Mädchens&#039;&#039;. Hofmannsthals Rezensionen der französischen Neuerscheinungen der 1890er Jahre bezeugen zum einen sein Bemühen um eine Standortbestimmung zeitgenössischer ‚moderner‘ Literatur und zum andern seine eigene Form von Kritik, die eine Kritik der kritischen Anverwandlung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Analysen der Texte seiner Zeitgenossen sind Reflexionen über die Befindlichkeit junger Menschen seiner Generation mit ihrer instabilen Persönlichkeit, ihrer gesteigerten Sensibilität und allgemeinen Orientierungslosigkeit. „Je suis perdu dans le vagabondage, ne sachant où retrouver l’unité de ma vie“, zitiert er M. Barrès und scheint sich selbst mit zu meinen, wenn er von Barrès übergangslos zum „wir“ übergeht, zum „wir Menschen mit sehr entwickelten Nerven und geschwächtem Willen“, denen das Leben ein „Gewirre zusammenhangloser Erscheinungen“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirkungsmächtiger als die Lektüre der Zeitgenossen erweist sich die Vertiefung in die Literatur der Symbolisten und ihrer Vorläufer [[Charles Baudelaire]], [[Arthur Rimbaud]] und [[Paul Verlaine]], wenngleich es zu diesen Autoren keine großen, geschlossenen Arbeiten Hofmannsthals gibt. Nur indirekt – in einer Besprechung der Gedichte von Francis Vielé-Griffin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/118804456&amp;lt;/ref&amp;gt; – spricht Hofmannsthal seine große Wertschätzung für die Musikalität der Verlaine’schen Verse aus, für den „Zauber“ von Verlaines „undefinierbarem Rhythmus“, dem wohl auch einige Jugendgedichte Hofmannsthals selbst (&#039;&#039;Vorfrühling&#039;&#039; z.B.) ihre Nähe zum Lied und ihre suggestive Stimmung verdanken. Ähnliches gilt für Rimbaud, mehr aber noch für Baudelaire, wo die Übereinstimmungen und Anregungen eher genereller und verstärkender Art sind. Baudelaires Auffassung von der Stellung des Dichters in der Gesellschaft entsprechen Hofmannsthals Zugang. Baudelaires Bild des Dichters als &#039;&#039;Albatros&#039;&#039;, der sich linkisch und hinkend auf den Schiffsplanken dahinschleppt, entspricht Hofmannsthals Vision des Künstlers als dem Heizer, der auf Deck „taumelnd und mit blöden Augen“ herumstolpert (&#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;). Und Baudelaires Verständnis des Dichters auch als Kritikers („il est impossible qu’un poète ne contienne pas un critique“, &#039;&#039;L’art romantique&#039;&#039;) findet seine Parallele in Hofmannsthals einfühlender Kritikertätigkeit. In den Aufzeichnungen notiert er: „Kunst und Kritik, die ergänzenden Hälften des künstlerischen Lebens“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sonderstellung nimmt das Werk von Maurice Maeterlinck ein. H. Bahr macht Hofmannsthal früh auf den belgischstämmigen Dichter aufmerksam, den Hofmannsthal 1900 persönlich kennenlernt und mit dem er später auch korrespondiert. Maeterlinck krempelt mit seiner &#039;&#039;Princesse Maleine&#039;&#039; (1890) das europäische Theater um. Kein junger, am Theater interessierter Autor konnte in den 1890er Jahren an Maeterlinck vorbei. Die Einflüsse Maeterlincks auf Hofmannsthal betreffen Stimmung, Szenerie, Figurengestaltung, Handlungsverlauf, Gesprächsführung und Todesthematik. Früh übersetzt Hofmannsthal den Maeterlinck’schen Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039;, der das Ausgeliefertsein des Menschen an das Schicksal thematisiert. Maeterlincks „tragique quotidien“ findet seinen Niederschlag in der Aussichts- und Ausweglosigkeit der Hofmannsthal’schen Protagonistinnen (&#039;&#039;Die Frau im Fenster&#039;&#039;, &#039;&#039;Idylle&#039;&#039;, &#039;&#039;Die Hochzeit der Sobeide&#039;&#039;). Überhaupt sterben Frauen meist oder werden umgebracht (wie bei Maeterlinck auch). Im „Medusenhafte[n], daß man am Leben stirbt“, von dem in Hofmannsthals &#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039; die Rede ist, konzentriert sich die Essenz der Dramen Maeterlincks und ihrer Wirkung auf die Zeitgenossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder hat sich Hofmannsthal als Übersetzer oder Bearbeiter (freilich nicht nur französischer Literatur) betätigt. Von Maeterlincks Einakter &#039;&#039;Les aveugles&#039;&#039; über &#039;&#039;Poil de carotte&#039;&#039; von Jules Renard&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118788345.html&amp;lt;/ref&amp;gt;  bis zu den bedeutenden [[Molière]]-Neufassungen reicht die Palette seiner Übertragungen und Adaptationen. 1909 übersetzt er die Molière-Komödie &#039;&#039;Le Mariage forcé&#039;&#039; (&#039;&#039;Die Heirat wider Willen&#039;&#039;), 1916 macht er aus &#039;&#039;Les Fâcheux&#039;&#039; und &#039;&#039;Le Misanthrope&#039;&#039; das Fake-Stück &#039;&#039;Die Lästigen&#039;&#039;; die Beschäftigung mit &#039;&#039;Le Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; und &#039;&#039;Monsieur de Pourceaugnac&#039;&#039; wirkt weiter auf den &#039;&#039;Rosenkavalier&#039;&#039; und auf &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039;; Spuren von &#039;&#039;Le Dépit amoureux&#039;&#039; und &#039;&#039;L’étourdi&#039;&#039; lassen sich bis zu &#039;&#039;Lucidor&#039;&#039; und &#039;&#039;Arabella&#039;&#039; nachzeichnen. Wie immer liegt die Besonderheit in der kreativen Anverwandlung der Vorlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt zum Teil auch für Hofmannsthals Beschäftigung mit französischer Malerei. Oft gehen von Bildwerken ganz konkrete, in der Umsetzung kaum mehr erkennbare Anstöße aus (so die Rolle des Gemäldes &#039;&#039;Le coucher de la mariée&#039;&#039; von Pierre-Antoine Baudouin&amp;lt;ref&amp;gt;https://d-nb.info/gnd/1073264335&amp;lt;/ref&amp;gt; für den Rosenkavalier) und manchmal wird die Auseinandersetzung mit Malerei zum Anlass für grundlegende ästhetische Reflexion (so die Begegnung mit den Bildern von [[Vincent van Gogh|Van Gogh]] in den Briefen des Zurückgekehrten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1900 nehmen ausführliche Aufsätze zu französischen Dichtern ab – mit Ausnahme von [[Victor Hugo]], [[Honoré de Balzac]] und [[Molière]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Gymnasium beginnt Hofmannsthals Beschäftigung mit V. Hugo, die in seiner Habilitationsschrift &#039;&#039;Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo&#039;&#039; ihren ausführlichsten Kommentar findet. Es ist eine Beschäftigung, die auf den ersten Blick überrascht, handelt es sich bei Hugo doch um keinen wesensverwandten Autor. Tatsächlich geht es in Hofmannsthals Studie um Aspekte in Hugos Leben und Werk, die auch für den jungen Hofmannsthal bei aller Verschiedenheit von Interesse sind&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ravy 1987&amp;lt;/ref&amp;gt;: So bildet das lange Leben des französischen „Olympiers“ Hugo (&#039;&#039;Aufzeichnungen&#039;&#039;) das Paradebeispiel, um über das Verhältnis des Dichters zu seiner Zeit zu reflektieren. Zudem bietet das umfangreiche Werk des französischen Nationaldichters dem Kosmopoliten Hofmannsthal eine Gelegenheit, sich dem spezifischen Charakter französischer Literatur und Kultur noch weiter anzunähern. Was aber unbestreitbar Hofmannsthal mit Hugo verbindet, ist die Wertschätzung des Worts. So bildet die Auseinandersetzung mit Hugo auch einen wichtigen Baustein in Hofmannsthals Ringen um seine eigene Ästhetik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches gilt für die jahrelange Beschäftigung mit Honoré de Balzac, die u.a. in drei gesonderten Texten ihren Niederschlag gefunden hat: in dem fiktiven &#039;&#039;Gespräch zwischen Balzac und Hammer-Purgstall in einem Döblinger Garten im Jahre 1842&#039;&#039; (mit dem Titel &#039;&#039;Über Charaktere im Roman und im Drama&#039;&#039;) aus dem Jahr 1902, in der Besprechung von &#039;&#039;Das Mädchen mit den Goldaugen&#039;&#039; (1905) und in der Einleitung Balzac zu einer deutschen Ausgabe der &#039;&#039;Comédie humaine&#039;&#039; (1908). Nicht aus einem einzelnen Band Balzacs sei die Essenz seiner vis poetica zu destillieren, sondern sie finde sich hingegossen in die Fülle seiner Romane und Novellen. Und weil sein großes Werk die Welt seiner Zeit in aller Disparatheit und Pluralität darzustellen beabsichtigt, müsse er, Balzac, Romane schreiben und nicht – wie von Hammer-Purgstall&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_von_Hammer-Purgstall&amp;lt;/ref&amp;gt; moniert – Theaterstücke. Es ist kein Zufall, dass die Auseinandersetzung mit Balzac in die Phase von Hofmannsthals Bemühen um das „Soziale“ fällt und dass er auf dem Umweg über Balzac zu seiner Form einer ‚neuen‘ Komödie als Ausdruck des „erreichten Sozialen“ findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Bestreben ist freilich auch ein anderer französischer Autor von eminenter Bedeutung: Molière. Von 1909 bis 1923&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Arlaud 2005&amp;lt;/ref&amp;gt; gilt Hofmannsthals besonderes Interesse dem französischen Dramatiker. In ihm sieht Hofmannsthal einen Höhepunkt versierter Dramentechnik einerseits und das umfassende Verständnis für das „Soziale“ andererseits verkörpert, das „Verstehen der Menschen, nicht so, wie einer bloß mit dem Kopfe versteht, sondern schon mit dem ganzen Ich und allen Eingeweiden“ (&#039;&#039;Worte zum Gedächtnis Molières&#039;&#039;). Von den konkreten Übersetzungen und Bearbeitungen Molières (siehe oben) reicht die Palette über das Bemühen um den &#039;&#039;Bourgeois gentilhomme&#039;&#039; für die Oper &#039;&#039;Ariadne auf Naxos&#039;&#039; bis zu einem kaum mehr dingfest zu machenden Weiterwirken Molière’scher Komödienkunst im &#039;&#039;Schwierigen&#039;&#039; und &#039;&#039;Unbestechlichen&#039;&#039;. Gerade das Beispiel Molières illustriert, worin die Spezifik von Hofmannsthals Begeisterung für Frankreich besteht: in der Verbundenheit der französischen Dichter mit ihrer Zeit und der Tradition, in der sie stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Französische Hofmannsthal-Rezeption==&lt;br /&gt;
Die Rezeption Hofmannsthals in Frankreich schwankt zu seinen Lebzeiten zwischen Begeisterung (bei Charles Du Bos&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd118527673.html&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Henri Guilbeaux&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd116921129.html&amp;lt;/ref&amp;gt; z.B.), freundschaftlicher Zur-Kenntnisnahme (so bei [[André Gide]] oder Paul Valéry&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/sfz129740.html&amp;lt;/ref&amp;gt;) und Unverständnis und Ablehnung bei manchen Kritikern (auch aufgrund fehlerhafter Übersetzungen). In jüngerer Zeit ist es, u.a., vor allem Pierre Deshusses&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd13252029X.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Jean-Yves Masson]] zu verdanken, dass Hofmannsthals wichtigste Werke in französischer Übersetzung zugänglich sind. Deshusses hat bei Payot &amp;amp; Rivages mehrere Texte herausgegeben, u.a. die &#039;&#039;Lettre de Lord Chandos&#039;&#039; mit einem Vorwort von Claudio Magris&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.deutsche-biographie.de/pnd119130513.html#index&amp;lt;/ref&amp;gt; (2000), die Prosa unter dem Titel &#039;&#039;Chemins et rencontres&#039;&#039; (2002) und die Korrespondenz Hofmannsthals mit Rilke, &#039;&#039;Lettres à Rilke&#039;&#039; (2004); Masson ist für die Hofmannsthal-Rezeption als Übersetzer (z.B. &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039;, 1997, &#039;&#039;Le Livre des amis&#039;&#039;, 2015, Gestern / Hier, zweisprachige Ausgabe 2023) und Herausgeber (z.B. &#039;&#039;Œuvres en prose&#039;&#039; und &#039;&#039;Jedermann&#039;&#039;, beide 2010), sowie als Literaturwissenschaftler von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den französischen Bühnen ist Hofmannsthal in erster Linie als Librettist der Opern von Richard Strauss präsent. &#039;&#039;Le Chevalier à la rose&#039;&#039;, &#039;&#039;Électre&#039;&#039;, &#039;&#039;Ariane à Naxos&#039;&#039;, &#039;&#039;La Femme sans ombre&#039;&#039; werden regelmäßig gespielt, die Internet-Plattform Les Archives du Spectacle&amp;lt;ref&amp;gt;https://lesarchivesduspectacle.net/&amp;lt;/ref&amp;gt; weist für den Zeitraum 1957–2024 65 verschiedene Produktionen auf. Im Sprechtheater sind in den letzten dreißig Jahren (seit 1992) mehrere Inszenierungen von Elektra / Électre zu verzeichnen, sowie die denkwürdigen Aufführungen von &#039;&#039;L’Homme difficile&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Schwierige&#039;&#039;, mis en scène de Jacques Lassalle, Théâtre de la Colline, 1996) und &#039;&#039;L’Incorruptible&#039;&#039; (&#039;&#039;Der Unbestechliche&#039;&#039;, Philippe Adrien, Comédie-Française, 1999), beide in der Übersetzung von [[Jean-Yves Masson]]. Letzteres Stück stand auch im Programm der „Agrégation de Lettres modernes“, was für die Verbreitung des Werkes im schulischen Bereich von Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Bereich der literaturwissenschaftlichen Arbeiten seien neben Jean-Yves Massons &#039;&#039;Hofmannsthal, renoncement et métamorphose&#039;&#039; (Lagrasse: Verdier 2000) insbesondere [[Jacques Le Rider|Jacques Le Riders]] &#039;&#039;Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité&#039;&#039; (Paris: PUF 1995) und Pierre-Antoine Hurés &#039;&#039;Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après&#039;&#039; (Paris: Klincksieck 2004) erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und externe Links==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliografie==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Hrsg. von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt/Main: Fischer Verlag 1979–1980.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe in 40 Bänden. Hrsg. von Rudolf Hirsch [u.a.]. Frankfurt/Main: S. Fischer 1975–2022.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe I (1890–1901). Berlin: Fischer 1935.&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal, Hugo von: Briefe II (1900–1909) Wien: Bermann-Fischer 1937.&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
*Austriaca 37 (1993) (Thema: „Modernité de Hofmannsthal“, mit Beiträgen von R. Bauer, J. Le Rider, J.-Y. Masson, G. Stieg, G. Ravy u.a.)&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (Thema: „Hofmannsthal und Frankreich“, mit Beiträgen von C. David, F. Derré, J.-M. Valentin, U. Weisstein, G. Ravy, D. Iehl, P. Por, A. Corbineau-Hoffmann, F. Claudon, J. Body, S. Bogosavljević, J. Stoupy) (1987).&lt;br /&gt;
*Hofmannsthal Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hrsg. von Mathias Mayer und Julian Werlitz. Stuttgart, Weimar: Metzler 2016.&lt;br /&gt;
*Arlaud, Sylvie: Hofmannsthal’s Return to Molière, 1909-23: The Conditions of Reception. In: Austrian Studies 13 (2005), S. 55–76.&lt;br /&gt;
*Bolterauer, Alice: Selbstvorstellung. Die literarische Selbstreflexion der Wiener Moderne. Freiburg i.Br.: Rombach 2003. &lt;br /&gt;
*Curtius, Ernst Robert: Hofmannsthal und die Romanität. In: Ders.: Kritische Essays zur europäischen Literatur. Bern, München: Francke 1963, S. 122–127.&lt;br /&gt;
*David, Claude: Hofmannsthal als Leser des französischen Schrifttums. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd. 9 (1987), S. 9–18.&lt;br /&gt;
*Foldenauer, Karl: Hugo von Hofmannsthal und die französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Univ. Diss., Eberhard-Karls-Universität Tübingen 1958.&lt;br /&gt;
*Hellmann, Friedrich Wilhelm: Hofmannsthal und Frankreich: die Bedeutung Frankreichs für Hofmannsthals Wendung zum Sozialen. Univ. Diss., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. 1959.&lt;br /&gt;
*Hirsch, Rudolf: Hofmannsthal und Frankreich. Zwei Beiträge. In: Ders.: Beiträge zum Verständnis Hugo von Hofmannsthals. Frankfurt/Main: Fischer 1995, S. 304–315.&lt;br /&gt;
*Huré, Pierre-Antoine: Savons-nous lire Hofmannsthal? La Lettre de Lord Chandos cent ans après. Paris: Klincksieck 2004.&lt;br /&gt;
*Krabiel, Klaus-Dieter: „La traduction… une excellente pierre de touche“? Henri Guilbeaux und seine Übertragungen von Gedichten Hugo von Hofmannsthals. In: Marion Steinbach, Dorothee Risse (Hrsg.): „La poésie est dans la vie“. Flânerie durch die Lyrik beiderseits des Rheins. Bonn: Romanistischer Verlag 2000, S. 207–229.&lt;br /&gt;
*Le Rider, Jacques: Hugo von Hofmannsthal. Historicisme et modernité. Paris: PUF 1995.&lt;br /&gt;
*Masson, Jean-Yves: Hofmannsthal, renoncement et métamorphose. Lagrasse: Verdier 2000.&lt;br /&gt;
*Mayer, Mathias: Hugo von Hofmannsthal. Stuttgart, Weimar: Metzler 1993.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Hofmannsthal und Victor Hugo. In: Hofmannsthal-Forschungen, Bd 9 (1987), S. 103–116.&lt;br /&gt;
*Ravy, Gilbert: Regards sur la modernité de Hofmannsthal. In: Austriaca 37 (1993), S. 241–251.&lt;br /&gt;
*Rychner, Max: Hugo von Hofmannsthal. In: Der Monat, Jg. 5, H. 51 (1952), S. 322–328.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Autor==&lt;br /&gt;
Alice Bolterauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(unter Mitwirkung von Marc Lacheny und Karl Zieger)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Onlinestellung: 24/02/2025&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Solene: Hugo von Hofmannsthal, von  D&amp;#039;Ora-Benda, Atelier [Fotoatelier] 23.1.1929

ÖNB
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Hugo von Hofmannsthal, von  D&#039;Ora-Benda, Atelier [Fotoatelier] 23.1.1929&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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