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Klimt selbst übte auf die französische Malerei relativ wenig Einfluss aus. Rodin äußerte sich Berichten zufolge im Zuge seines Besuchs in Wien 1902 sehr positiv über Klimts ''Beethovenfries''. Begeistert zeigte sich auch der damals berühmteste Modeschöpfer der Welt, [[Paul Poiret]], der im November 1911 nach Wien reiste, nachdem er Klimts Gemälde bereits in der Internationalen Kunstausstellung in Rom gesehen hatte. Darüber hinaus boten insbesondere Klimts Arbeiten mit Blattmetallen Vorbilder für Künstler*innen des Art déco.  
Klimt selbst übte auf die französische Malerei relativ wenig Einfluss aus. Rodin äußerte sich Berichten zufolge im Zuge seines Besuchs in Wien 1902 sehr positiv über Klimts ''Beethovenfries''. Begeistert zeigte sich auch der damals berühmteste Modeschöpfer der Welt, [[Paul Poiret]], der im November 1911 nach Wien reiste, nachdem er Klimts Gemälde bereits in der Internationalen Kunstausstellung in Rom gesehen hatte. Darüber hinaus boten insbesondere Klimts Arbeiten mit Blattmetallen Vorbilder für Künstler*innen des Art déco.  


Die erste umfangreiche Ausstellung von Klimts Werk in Frankreich fand 1937 mit 11 Gemälden und 19 Zeichnungen Klimts im Rahmen der [[Exposition d’art Autrichien im Jeu de Paume|„Exposition d’Art Autrichien“ im Pariser Jeu de Paume]] statt. Die Großausstellungen zur Kunst Wiens um 1900, die [[Ausstellung "Vienne, 1880–1938. L’apocalypse joyeuse"|1986]] und 2005/06 in Paris gezeigt wurden, trugen mit einer beachtlichen Zahl wichtiger Werke Klimts zur heutigen Beliebtheit des Künstlers bei. Eine Einzelausstellung Klimts fand in Frankreich bisher nicht statt.  
Die erste umfangreiche Ausstellung von Klimts Werk in Frankreich fand 1937 mit 11 Gemälden und 19 Zeichnungen Klimts im Rahmen der [[Exposition d’art Autrichien im Jeu de Paume|„Exposition d’Art Autrichien“ im Pariser Jeu de Paume]] statt. Die Großausstellungen zur Kunst Wiens um 1900, die [[Ausstellung „Vienne, 1880–1938. L’apocalypse joyeuse“|1986]] und 2005/06 in Paris gezeigt wurden, trugen mit einer beachtlichen Zahl wichtiger Werke Klimts zur heutigen Beliebtheit des Künstlers bei. Eine Einzelausstellung Klimts fand in Frankreich bisher nicht statt.  


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Version vom 27. August 2026, 13:06 Uhr

Gustav Klimt im Malerkittel mit Katze, 1912

Der Maler Gustav Klimt (* 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien, † 6. Februar 1918 in Wien) ließ sich im Laufe seiner Karriere immer wieder entscheidend von französischer Kunst beeinflussen. Besonders prägende stilistische Umbrüche bedingten um 1894 die Konfrontation mit dem Impressionismus und im Jahr 1909 eine mehrwöchige Reise nach Paris.

Biografie

Gustav Klimt wurde 1862 als ältester Sohn des Graveurs Ernst Klimt sen.[1] und seiner Frau Anna (geb. Finster) geboren. Er wuchs am Wiener Stadtrand in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Pflichtschulabschluss lernte er ab 1876 an der Wiener Kunstgewerbeschule[2] Zeichnen und studierte von 1878–83 Malerei bei Ferdinand Laufberger[3] und Julius Victor Berger[4]. Noch während des Studiums gründete er mit seinem jüngeren Bruder Ernst[5] und dem Freund Franz Matsch[6] eine Arbeitsgemeinschaft, die sich erfolgreich auf Großaufträge für Wand- und Deckenbilder in historistischen Stilen spezialisierte. Nach dem Tod des Bruders Ernst Ende 1892 löste sich die Arbeitsgemeinschaft auf und Klimt wandte sich zunehmend der modernen Malerei zu. 1897 war Klimt Gründungspräsident der Wiener Secession, die unter seiner Führung Wien zum international führenden Kunstzentrum machte. Ab 1900 sorgten die Kontroversen zu Klimts „Fakultätsbildern“ für die Wiener Universität für internationale Schlagzeilen. In enger Zusammenarbeit mit Architekten und Designern entwickelte Klimt seinen Stil der „Goldenen Periode“, der sich durch die Verwendung von Blattmetallen und ornamentalen Formen im Gemälde auszeichnete und die Grenzen zwischen Malerei und angewandter Kunst in Frage stellt. 1905 trat Klimt mit seinen Anhängern aus der Secession aus. 1912 wurde er zum Präsidenten des neugegründeten Bundes Österreichischer Künstler gewählt. Komplikationen nach einem Schlaganfall am 11. Jänner 1918 führten zu seinem Tod am 6. Februar 1918.

Klimt und die Kunst Frankreichs

Nachdem sich Klimt während seiner Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule in erster Linie am Stil seiner Lehrer Ferdinand Laufberger und Julius Victor Berger sowie des prägenden Künstlers der Epoche in Wien, Hans Makart[7], orientiert hatte, waren schon die ersten großen Aufträge, die Klimt gemeinsam mit seinen Compagnons Franz Matsch und dem jüngeren Bruder Ernst Klimt selbstständig ausführte, stärker von internationalen Vorbildern beeinflusst. In den Deckenbildern, die Gustav Klimt und Franz Matsch für die neuen Theater in Liberec/Reichenberg (1883) und Rijeka/Fiume (1885) malten, sind Gemälde des damals weltberühmten französischen Malers Alexandre Cabanel[8] als prägende Vorlagen auszumachen, die den jungen Malern durch internationale Kunstausstellungen in Wien und München oder durch Reproduktionen bekannt geworden waren.

Nachdem sich Klimt in den Jahren nach dem plötzlichen Tod seines Bruders und Mitarbeiters Ernst von der historistischen Dekorationsmalerei abwandte, gelangte wiederum die französische Malerei ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit. In den internationalen Ausstellungen im Münchner Glaspalast, die Klimt offenbar jährlich besuchte, wurden ab 1891 fallweise größere Kontingente an repräsentativen Werken der französischen Impressionist*innen ausgestellt, so etwa 1891 vier Gemälde Monets, drei von Sisley[9] und sieben von Manet[10]. Die 1892 gegründete Münchner Secession zeigte ebenfalls von Beginn an Werke der Impressionisten. Manets Einfluss ist bei Klimt bereits im Porträt des Schauspielers Josef Lewinsky als Carlos in Clavigo zu vermuten, für das Manets Der tragische Schauspieler (Rouvière als Hamlet) als Vorbild maßgeblich scheint. In Wien war moderne französische Kunst nach der Weltausstellung 1873, wo Courbet eine Auswahl repräsentativer Werke und Manet ein relativ konservatives Bildnis (Le Liseur) zeigten, kaum präsent. 1894 war eine bisher unidentifizierte Landschaft von Sisley im Künstlerhaus zu sehen und im Frühling 1898 zeigte Monet dort zwei Gemälde. Schon im Jahr zuvor hatte Klimt auch in München zwei Landschaften Monets sehen können. Es scheint, dass diese Begegnungen mit Monet die Ursache dafür waren, dass sich Klimt im Sommer 1898 während seines Sommeraufenthaltes in St. Agatha am Hallstätter See erstmals seit seiner Studienzeit mit der Landschaftsmalerei beschäftigte. Er begann dabei unmittelbar in einer Technik zu arbeiten, die sich Monets Malweise zum Vorbild und ihre Schnelligkeit zur Erfassung von Lichtstimmungen ausnutzt.

Der Saal der Wiener Secession auf der Weltausstellung in Paris 1900 mit Gustav Klimts Die Philosophie und Pallas Athene (erstes und zweites Gemälde von rechts)

Eine entscheidende Wende für Wien als Kunststadt war die Gründung der Secession im Frühjahr 1897, bei der Klimt als erster Präsident federführend war. Die Ausstellungen, die ab März 1898 von der Secession ausgerichtet wurden, brachten erstmals in großer Zahl moderne Werke aus Frankreich und ganz Europa nach Wien, die für Klimt und seine Weggefährten in ihrer Vielfalt ganz neue Inspirationsquellen darstellten. In den ersten Ausstellungen waren vor allem Künstler*innen des Symbolismus und Naturalismus vertreten, wie etwa Pierre Puvis de Chavannes[11], Henri Martin[12] oder Auguste Rodin. Insbesondere Rodins Figuren erwiesen sich als wichtige Anregung für Klimts Figuren in den Fakultätsbildern. Im Jahr 1902 lernte Klimt Rodin persönlich kennen, als dieser die Beethoven-Ausstellung der Wiener Secession besuchte.

Klimt selbst stellte sich dem französischen Publikum erstmals auf der Weltausstellung 1900 vor, was zugleich seine einzige Ausstellungsteilnahme in Frankreich zu seinen Lebzeiten bleiben sollte. Er sandte die Gemälde Sonja Knips, Pallas Athene und das Fakultätsbild Die Philosophie, das von der Jury mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Eine geplante Reise zur Ausstellung sagte Klimt aus Zeitmangel ab.

Gustav Klimt: Der Kuß, 1907–1908

Im Frühjahr 1900 waren fünf neoimpressionistische Gemälde Paul Signacs[13] und sieben seiner Aquarelle in der Secession ausgestellt. Die 16. Ausstellung der Secession war Anfang des Jahres 1903 einem Überblick über die Malerei des Impressionismus gewidmet. Sie vereinigte Hauptwerke aller maßgeblichen Künstler*innen, inklusive der folgenden Entwicklungen des Neo- und Postimpressionismus. Der Einfluss Seurats[14], der mit drei wichtigen Werken vertreten war, trug zu einem Stilwandel in Klimts Landschaften bei, die in der Folge in einer deutlich neo-impressionistisch orientierten Malweise ausgeführt wurden. Große Ausstellungen von Werken Vincent van Goghs und Paul Gauguins in der Wiener Galerie Miethke machten Klimt 1906/07 mit deren Oeuvre vertraut und im Sommer 1909 brachte Klimt mit seinen Freunden für die Internationale Kunstschau neuere französische Kunst nach Wien, darunter Werke von Henri Matisse und den Fauves.

Im Herbst 1909 folgte eine längere Reise nach Paris in Begleitung von Carl Moll. Klimt besichtigte während eines etwa zehntägigen Aufenthalts vom 17. – 24. Oktober und 31. Oktober – 3. November nach eigenen Angaben eine Reihe von öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter den Louvre, das Musée du Luxembourg, das Musée Guimet, das Musée des arts décoratifs und den Salon d’Automne.[15] Nach dem Besuch einer Privatsammlung hob er in einem Brief an Emilie Flöge Werke von Manet und Cézanne als „sehr schön“[16] hervor. Es ist bisher nicht bekannt geworden, ob Klimt in Paris auch französische Künstler*innen traf, belegt sind Treffen mit dem in Paris hervorragend vernetzten Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Hugo von Tschudi und dem Maler Eugen Spiro, der an der Académie Matisse lehrte.[17]

Gustav Klimt: Allee zum Schloss Kammer, 1912

Der Aufenthalt in Paris scheint das prägende Ereignis gewesen zu sein, das Klimt um 1910 zu dem drastischen Stilwandel führte, infolgedessen er die Verwendung von Blattmetallen fast vollständig aufgab und einen offen malerischen Stil in intensiven Farben entwickelte. Seine wichtigsten Referenzen bildeten dabei Van Gogh, Gauguin, Cézanne, Matisse und weitere Maler*innen aus dem Kreis der Fauves. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte ab 1914 den direkten Austausch zwischen Frankreich und den Achsenmächten, änderte aber nichts an Klimts Orientierung an der französischen Moderne.

Klimt selbst übte auf die französische Malerei relativ wenig Einfluss aus. Rodin äußerte sich Berichten zufolge im Zuge seines Besuchs in Wien 1902 sehr positiv über Klimts Beethovenfries. Begeistert zeigte sich auch der damals berühmteste Modeschöpfer der Welt, Paul Poiret, der im November 1911 nach Wien reiste, nachdem er Klimts Gemälde bereits in der Internationalen Kunstausstellung in Rom gesehen hatte. Darüber hinaus boten insbesondere Klimts Arbeiten mit Blattmetallen Vorbilder für Künstler*innen des Art déco.

Die erste umfangreiche Ausstellung von Klimts Werk in Frankreich fand 1937 mit 11 Gemälden und 19 Zeichnungen Klimts im Rahmen der „Exposition d’Art Autrichien“ im Pariser Jeu de Paume statt. Die Großausstellungen zur Kunst Wiens um 1900, die 1986 und 2005/06 in Paris gezeigt wurden, trugen mit einer beachtlichen Zahl wichtiger Werke Klimts zur heutigen Beliebtheit des Künstlers bei. Eine Einzelausstellung Klimts fand in Frankreich bisher nicht statt.

Quellen und externe Links

Bibliografie

  • Hollein, Max und Natter, Tobias G. (Hg.): Klimt & Rodin. An Artistic Encounter (Ausst. Kat., Fine Arts Museums of San Francisco). München/London/New York: DelMonico/Prestel 2017.
  • Husslein-Arco, Agnes (Hg.): Wien – Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880–1960 (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien). Wien: Belvedere 2007.
  • Koja, Stephan und Husslein-Arco, Agnes (Hg.): Rodin und Wien (Ausst.-Kat., Belvedere, Wien), München: Hirmer 2010.
  • Koja, Stephan und Husslein-Arco, Agnes (Hg.): Im Lichte Monets. Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten (Ausst.-Kat., Belvedere, Wien). München: Hirmer 2014.
  • Rollig, Stella, Fellinger, Markus, Gordenker, Emilie S. und Becker, Edwin (Hg.): Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam; Belvedere, Wien). München: Hirmer 2022.

Autor

Markus Fellinger

Onlinestellung: 27/08/2026