Toponymie Innsbruck
Die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck hat zu Frankreich eine besondere Beziehung : während der zehnjährigen Besatzung Österreichs durch die alliierten Truppen (1945–1955) war Insbruck der Sitz des Hochkommissariats der Französischen Republik. Diese direkte Präsenz förderte den kulturellen Austausch zwischen Franzosen und Österreichern (vor allem durch die Tätigkeit des Französischen Kulturinstituts Innsbruck / Institut français d’Innsbruck). Als Alpenstadt ist Innsbruck 1963 auch eine Partnerschaft mit Grenoble, einer anderen Alpenmetropole, eingegangen. Außer ihrer Lage im Herzen der Alpen verbindet beide Städte auch die Erfahrung der Organisation Olymischer Winterspiele (Innsbruck 1964 und 1976, Grenoble 1968). Diese gemeinsame Geschichte hat in der Stadt Spuren hinterlassen, vor allem in der Toponymie der Straßen und Brücken, die diese kulturellen und historischen Bande im öffentlichen Raum sichtbar machen.
Émile-Béthouart-Steg

Der frühere « Innsteg » wurde 2003 in « Émile-Béthouart-Steg » umbenannt. Der französische General Émile Béthouart war zwischen 1946 und 1950 Hochkommissar der französischen Besatzungszone in Österreich. Der Steg, eine Eisenfachwerkbrücke auf zwei Pfeilern, ist zwischen 1873 und 1875 errichtet worden – und zwar, Ironie der Geschichte, unter der Leitung von Baumeister Wolf aus Rattenberg von Monteuren aus Frankreich – und ist seit 1923 denkmalgeschützt (also seit dem Jahr, in dem in Österreich das Gesetz zum Denkmalschutz verabschiedet wurde). Ursprünglich (bis 1899) wurde der Steg «Kreuzersteg» genannt, 1912 offiziell « Innsteg » getauft.[1] Er verbindet die Stadtteile Saggen am rechten und Sankt-Nikolaus am linken Innufer.

Am 22. Oktober 1998[2] beschließt der Innsbrucker Gemeinderat die Brücke zu Ehren des ehemaligen französischen Hochkommissars General Marie Émile Antoine Béthouart umzubenennen. Am 10. Juni 2003 wird der Steg offiziell umgetauft, an der Feierlichkeit nehmen die Innsbrucker Bürgermeisterin Hilde Zach[3], der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa[4], Vertreter des Militärkommandos Tirol, der Generalvikar der Diözese Innsbruck, Ernst Jäger, die protestantische Superintendentin Luise Müller und der katholische Militärdekan Werner Seifert teil, sowie Abordnungen der Tiroler Schützenkompanien. Frankreich ist an der Einweihung durch Marc Plum, den diplomatischen Repräsentanten der Republik Frankreich in Innsbruck, und Nicolas Kotchine, den Leiter der Militärschule von Saint-Cyr mit zweihundert Kadetten-Schülern vertreten.[5] Die Gedenktafel am Ostufer des Stegs trägt die Inschrift : « Als Sieger gekommen / Als Beschützer geblieben / Als Freund in die Heimat zurückgekehrt ». Wie das « Befreiungsdenkmal » am Eduard-Wallnöfer-Platz (Landhausplatz) setzt der Steg im öffentlichen Raum ein sichtbares Zeichen der französischen Präsenz in der Nachkriegszeit.

Am 18. März 2024 wird an der Westseite im Rahmen einer Gedenkfeier zu Ehren von General Béthouart eine zweite Gedenktafel enthüllt, in französischer Sprache ; an der Feier nehmen Béthouarts Enkelin Valérie Béthouart-Dolique[6], der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi[7], Landtags-Vizepräisdentin Sophia Kircher, der frühere Landeshauptmann Herwig von Staa, Andrea Pegger[8], die französische Honorar-Konsulin in Innsbruck, und ihr Ehemann, Franz Pegger[9], Präsident des französisch-tirolerischen Kulturinstituts, der ehemalige Honorar-Konsul Ivo Greiter, sowie die Direktoren von zwei durch eine Partnerschaft verbundene Schulen teil[10]: Jochen Hois, Direktor der Handelsakademie Innsbruck, und sein Kollege Cyrille Courade vom Lycée Jean-Dupuy in Tarbes, und Professorinnen und Professoren des Instituts für Romanistik der Universität Innsbruck. Diese Tafel stellt das Gegenüber der 2003 an der Ostseite angebrachten Gedenktafel dar und trägt die gleiche Inschrift in französischer Sprache : « Venu en Vainqueur/ Resté en Protecteur/ Reparti en Ami dans sa Patrie ». Die Tafel mit dem französischen Text wurde von Christophe Zeni vom Lycée Jean-Dupuy (Tarbes) auf Initiative von Barbara Ditterich, Französisch-Lehrerin an der HAK Innsbruck, angefertigt.[11]
Pierre-de-Coubertin-Weg
Der Weg, der von der Brennerstraße zum Stadion und zur Sprungschanze am Bergisel führt, wurde mit Beschluss des Innsbrucker Gemeinderats vom 29. März 2011[12] nach Baron Pierre de Coubertin[13], dem Begründer der modernen Olympischen Spiele benannt, der von 1896 bis 1925 auch Präsident des Internationalen Olympischen Komitees war. Innsbruck war bekanntlich Schauplatz der Olympischen Winterspiele 1964 und 1976, die Partnerstadt Grenoble jener von 1968. Dieser Weg führt übrigens auch zum « Tirol-Panorama » mit dem « Riesenrundgemälde », das auf 1000m² die dritte Schlacht der Tiroler Schützen 1809 am Bergisel gegen napoleonische (und bajuwarische) Truppen zeigt.

Grenobler-Brücke
Die Grenobler-Brücke befindet sich im Osten der Stadt und verbindet die Stadtteile Rossau und Reichenau am rechten mit dem « Olympischen Dorf » am linken Innufer. Das ursprünglich « Reichenauer Brücke » genannte Bauwerk von 98 Metern Länge und 20,5 Metern Breite wurde in den Jahren 1973–1975 im Hinblick auf de Olymischen Winterspiele 1976 errichtet.[14] Am 29. Mai 1980 beschließt der Innsbrucker Gemeinderat, die Brücke zu Ehren der Stadt Grenoble umzubenennen, mit der seit 1963 eine Partnerschaft besteht.[15] Die Taufe der Grenobler-Brücke erfolgt im Juni 1980 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 800-Jahr-Jubiläum der Stadt Innsbruck im Beisein von Grenobles Bürgermeister Hubert Dubedout[16], der Volkstanzgruppe « La Delphinale »[17] und von Henry Cravatte[18], dem Präsidenten des « Kongresses der Gemeinden & Regionen » des Europarats, statt. Im Gegenzug tauft Grenoble einen Straßenzug « Avenue d'Innsbruck ».
Quellen und externe Links
- ↑ Eppacher 1954, S. 12
- ↑ Schreiber 2019
- ↑ https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/ibkinfo_a02_2011_gesamt
- ↑ https://www.coe.int/t/congress/Sessions/source/Elections/CV-staa_fr.pdf
- ↑ Andreaus 2003, S. 5
- ↑ Obertimpfler 2024
- ↑ https://www.parlament.gv.at/person/83104
- ↑ https://at.ambafrance.org/Agence-consulaire-de-France-a,718
- ↑ http://franco-tyrolien.at/wordpress/verein/vorstand/
- ↑ https://jean-dupuy.mon-ent-occitanie.fr/presentation-du-lycee/nos-labels/erasmus-/signature-convention-partenariat-68684.htm
- ↑ Wallinger 2024
- ↑ Reinisch 2011, 21
- ↑ https://data.bnf.fr/fr/12088638/pierre_de_coubertin/
- ↑ Fr. 1975, 1–2
- ↑ Gruber 1980, 4
- ↑ https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb12023996x
- ↑ https://www.ladelphinale.fr/
- ↑ https://pace.coe.int/fr/members/742
Bibliographie
- Andreaus, Gerd. « General-Emile-Béthouart-Steg – Eine Brücke der Verständigung », In: Innsbruck informiert, Juli 2003, S. 5. URL: https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/_innsbruck_informiert_200307_nr07_gesamt/5
- Eppacher, Wilhelm. « Die Innbrücken in Innsbruck (1. Fortsetzung) », In: Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck, Nr. 1, Januar 1954, S. 12. URL: https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/_innsbruck_197809_nr09_gesamt/11
- Fr. « Grünes Licht am Verkehrsknoten Reichenauer Brücke – Haller Straße », In: Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck, Nr. 12, Dezember 1975, S. 1–2. URL: https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/_amtsblatt_197512_nr12_gesamt
- Gruber, Paul. « Brücken in die Partnerschaft. Freiburger und Grenobler Brücke für Innsbruck », In: Innsbrucker Stadtnachrichten, Nr. 7, 23. Juli 1980, S. 4. URL : https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/_innsbrucker_stadtnachrichten_198007_nr07_gesamt
- Justic, Josefine. Innsbrucker Straßennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten. Innsbruck: Tyrolia-Verlag, 2012.
- Obertimpfler, Martina. « Wer war Marie Emile Antoine Béthouart? », In: Mein Bezirk, 21. März 2024, URL: https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-lokales/wer-war-marie-emile-antoine-bthouart_a6593481
- Reinisch, Edith. Straßenbenennungen in den Stadtteilen Saggen und Wilten, In: Innsbruck Informiert, Nr. 5, Mai 2011, S. 21. URL: https://issuu.com/innsbruckinformiert/docs/heft_mai_2011
- Schreiber, Horst. Gedächtnislandschaft Tirol. Zeichen der Erinnerung an Widerstand, Verfolgung und Befreiung, 1938–1945. Innsbruck: Studien-Verlag, 2019.
- Stadt Innsbruck. Straßennamen der Landeshauptstadt Innsbruck, Referat Statistik und Berichtswesen Innsbruck, 2013.
- Wallinger, Sabine. « Enthüllung der französischen Gedenktafel am Émile-Béthouart-Steg », OEAD Erinnern:at, 8. März 2024. URL: https://www.erinnern.at/bundeslaender/tirol/termine/enthuellung-der-franzoesischen-gedenktafel-am-emile-bethouart-steg
Autorin
Solène Scherer
Übersetzung aus dem Französischen von Karl Zieger
Onlinestellung: 06/08/2026
