Kunst und Kunsthandwerk (Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1898–1921)

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Die im Jahr 1898 unter dem Impuls des damaligen Museumsdirektors Arthur von Scala[1] (1845–1909) aus den „Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie” („Monatsschrift für Kunst und Gewerbe“, 1865–1897) hervorgegangene Kunstzeitschrift dokumentiert die Wandlungen der Beziehungen des Museums für Kunst und Industrie und seiner Kunstgewerbeschule zu ausländischen, darunter auch französischen Institutionen (Musée des Arts décoratifs[2], Musée de Cluny[3], Manufacture de Sèvres[4] u. a.), Zeitschriften (Gazette des Beaux-Arts, L’Art décoratif, La Revue des Arts décoratifs u. a.), Wissenschaftlern und zeitgenössischen Künstlern (Eugène Grasset[5], Jean-Baptiste Claude Odiot[6], Auguste Rodin, René Lalique[7], Saint-André de Lignereux). Aus der kosmopolitischen Grundintention der Zeitschrift erwachsen neue Vernetzungen mit Beitragenden und Korrespondenten, die zumeist an besondere Anlässe (z. B. Weltausstellungen, Pariser Ausstellungsberichte) und Vermittlungsintentionen gebunden sind. Anhand der in der Zeitschrift vertretenen Korrespondenten (Auguste Marguillier[8], Eugène Müntz, Robert Forrer) und ihrer Beziehungen zu den am Museum angestellten Kunsthistorikern (z.B. Alois Riegl, von 1885 bis 1897 Custode der Textiliensammlung, und Hubert Janitschek, von 1876 bis 1879 Custode der Möbel-Sammlung) lässt sich die Rolle des Museums in der Entwicklung einer „deutsch-französischen“ Kunstgeschichte[9] nachzeichnen. Dies liegt nicht zuletzt am angesprochenen Publikum, das sich aus den „Gebildeten aller Klassen“[10] zusammensetzen soll.

Internationalisierung des französischen Transfers

Anders als Julius Meier-Graefes 1897 entstandene Zeitschrift Dekorative Kunst, die von 1898 bis 1903 ein Pendant in Paris unter dem Titel L’Art décoratif. Revue internationale d’art industriel et de décoration, bzw. ab 1900 Revue mensuelle d’art contemporain veröffentlicht, ist Kunst und Kunsthandwerk ursprünglich keine internationale Zeitschrift. Und doch ist der Bezug zum Ausland und zu Auslandsberichterstattern bereits in den ersten Nummern zentral. Der Hauptfokus der Zeitschrift liegt auf der Vermittlung der institutionell geförderten Kunstproduktion des Vielvölkerstaates. Artikel über ausländische Künstler und Kunsthandwerker – darunter auch viele aus Frankreich – haben einen erbauenden, die eigene Produktion dynamisierenden Charakter. Sie stehen im Rahmen der Förderung der „Heimatkünste“ und der Bildung des österreichischen Publikums (i.e. Absatzmarktes) sowie der Wirkung und Rezeption der Künstler, Kunstprodukte und Kunst-Institutionen im Ausland. Bezeichnend für die in der Zeitschrift veröffentlichten Artikel über oder aus Frankreich ist ein komplexes Transfer-Verhältnis. Französisches Kunsthandwerk wird stets über einen internationalen Kontext wahrgenommen: Vergleiche mit Österreich-Ungarn, Großbritannien, dem Deutschen Kaiserreich und später mit den Vereinigten Staaten gehören zu jedem Bericht.

Die Vorgeschichte der Zeitschrift

Die Gründe für das komplexe Transfer-Verhältnis der Zeitschrift liegen im geopolitischen Kontext sowie in der Vorgeschichte des Museums. Das Museum für Kunst und Industrie entsteht 1863 aus den Erkenntnissen des ersten Kunsthistorikers an der Universität Wien (1852), Rudolf von Eitelberger (1817–1885) während seiner Aufenthalte in London und Paris anlässlich der Weltausstellungen von 1855[11] und 1862. Eitelbergers Blick auf Frankreichs Kunstgewerbeschulen und Kunstakademien ist ein wichtiges Fundament seiner eigenen Reformbemühungen[12], die sich in der ab 1867/1868 dem Museum zugehörenden Kunstgewerbeschule verwirklichen und Theorie und Praxis zusammendenken. Seine Verbindungen zu Frankreich – besonders als Kommissionsmitglied während der Weltausstellungen – spiegeln sich in seinen Schriften, den Schenkungen und Ankäufen des Museums sowie in der weiteren Entwicklung der Institution und seiner Zeitschrift wider. Nach 1866 und 1871 verknüpft Eitelberger die Hebung des „nationalen Geschmacks“ und der nationalen Kunstqualität mit dem internationalen Weltmarkt. Die Öffnung gegenüber dem französischen und angelsächsischen Ausland versteht sich zwischen den Zeilen als Möglichkeit, Österreich-Ungarn im Verhältnis zum Deutschen Kaiserreich auf dem kunstgewerblichen Feld zu stärken[13]. Der betont kosmopolitische Ansatz, die Entwicklung der Kunstgewerbeschule als Vereinigung von Wissen (Kunstgeschichte) und Kunstfertigkeit, wobei die Aufwertung des Handwerks als Kunst als französisches Vermächtnis verstanden wird[14], und der reformpädagogische Anspruch des Museums manifestieren sich in dessen Organ und seinen französischen Vernetzungen. Durch Eitelberger wird das Museum zu einem praktischen Ausbildungs- und Ausstellungsplatz und einem wichtigen Zentrum der Wiener Schule der Kunstgeschichte, das zahlreiche Verbindungen zu französischen Institutionen (Gazette des Beaux-Arts, französisches Unterrichtsministerium[15], École des Beaux-Arts etc.) pflegt und sich ab 1898, unter der Führung Arthur von Scalas, mit der Secession (Felician von Myrbach, Koloman Moser, Alfred Roller) entwickelt.

Die Zeitschrift

Die ab 1865 herausgegebenen Mittheilungen berichten über interne Angelegenheiten des Museums: Ernennungen, Wettbewerbe, Vortragsprogramme, Veröffentlichungen, Besucherzahlen und Ausstellungen. Sie sind von Anfang an als „Correspondenzblatt zwischen dem Museum und dem Publikum“[16] angelegt und kombinieren „Forschung und Öffentlichkeitsarbeit“[17]. Mit der Gründung der „illustrierten Fachzeitschrift“ Kunst und Kunsthandwerk[18] wird der institutionelle Teil durch lange Artikel mit Bildungsanspruch und „kleine Nachrichten“ mit Berichten aus Österreich-Ungarn und dem Ausland ergänzt. Auch Umfang und Gestaltung der im Wiener Verlag Artaria & Co. erscheinenden Zeitschrift können sich nun mit anderen internationalen Kunstzeitschriften wie The Studio oder La Gazette des Beaux-Arts messen lassen, was besonders der Bildteil und die Einband-Illustration des Grafikers und Bühnenkünstlers Heinrich Lefler (1863–1919[19]) über die Symbiose von Kunst und Kunsthandwerk symbolisiert. Eitelbergers kunstgeschichtlicher Anspruch der Gründungszeit findet sich als Erbe in der Liste der Beitragenden (Müntz, Forrer, Marguillier) sowie in der bibliographischen Rubrik („Literatur des Kunstgewerbes“) wieder, die über sämtliche Werke und Artikel zum Kunstgewerbe in Europa berichtet. Die 1879 von Eitelberger betonte Vormachtstellung des französischen Kunsthandwerks zeigt sich noch zwanzig Jahre später im Anteil französischer Veröffentlichungen in der Literaturliste, der neben dem deutschsprachigen der weitverbreitetste ist: Gut ein Viertel der aufgelisteten Artikel und Publikationen stammt aus dem französischsprachigen Raum.

Frankreich-Bezüge in der Zeitschrift

Die ersten Beiträge über Frankreich aus dem Jahr 1898 können als programmatisch betrachtet werden: Sie stehen in engem Zusammenhang mit den zeitgenössischen, sozial engagierten Jugendstil-Bewegungen, ohne dabei das kunstgeschichtlich ambitionierte Programm Eitelbergers zu vernachlässigen. 1898 entsteht gleichzeitig das Organ der Secession, Ver Sacrum und viele der Beitragenden – darunter besonders Ludwig Hevesi, der regelmäßig über die Museumsausstellungen der Kunstgewerbeschule in seiner Chronik „Aus dem Wiener Kunstleben“ berichtet – veröffentlichen in beiden Zeitschriften. Die Verbindung ist zudem institutionell verankert: mehrere Secessionisten unterrichten an der Kunstgewerbeschule oder werden dort ausgebildet[20], darunter ihr neuer Direktor, der Maler und Zeichner Felician von Myrbach (1853–1940), der nach fast fünfzehn Jahren in Paris nach Wien (1881–1897) zurückgekehrt ist. So stehen beide vom Schweizer Architekten, Kunsttheoretiker und Maler Hans-Eduard Berlepsch[21] (1849–1921) im Jahr 1898 signierten Artikel im Zeichen der Secession und eines klar kosmopolitischen Standpunkts. In der ersten Nummer der Zeitschrift widmet er sich Myrbachs in Amerika veröffentlichten Buchillustrationen zu The Life of Napoleon[22].

Heft 4 bringt seine lange Studie über den Schweizer Bildhauer, Illustrator und Maler Eugène Grasset (1845–1917), der, wie Berlepsch auch, den sozialen und künstlerischen Reformbewegungen im Sinne der Arts and Crafts nahestand. Der aus Lausanne stammende Grasset gehört in Paris zu den späteren Mitbegründern der Société des artistes décorateurs (1901 mit Hector Guimard[23]), der Société de l’art décoratif français (1909 mit René Lalique) sowie der Société internationale de l’art populaire et d’hygiène (1903 mit Jean Lahor) und zählt zu den 49 nichtösterreichischen Mitgliedern der Vereinigung und Zeitschrift Ver Sacrum.

Über die beiden 1898 vertretenen französischsprachigen Beiträger wird ebenfalls die Verbindung zu den französischen Institutionen und Verlagsorganen gepflegt. Eugène Müntz[24](1845–1902) ist Kunsthistoriker und Bibliothekar an der École des Beaux-Arts in Paris. Sein Bericht über die „Corvinus-Bestände in den französischen Museen“[25] steht ganz im Zeichen einer Transferstudie. Auguste Marguillier (1862–1945), der Kunsthistoriker, Redakteur der Gazette des Beaux-Arts, der Chronique des Arts und Herausgeber der Bibliothèque d’histoire de l’art, liefert 1899 einen Artikel über „Französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert“[26] und 1900 seine umfangreiche Rodin-Studie[27]. Seine Artikel für französische Zeitschriften sowie Müntz’ kunstgeschichtliche Studien sind stets im bibliographischen Teil vertreten.

Das Jahr 1900 bildet mit der Pariser Weltausstellung einen klaren Höhepunkt. Von den 27 veröffentlichten Langartikeln widmet sich ein Drittel Frankreich-bezogenen Themen, die, ausgenommen eine Studie über den Empire-Juwelierkünstler Jean Baptiste Claude Odiot[28], direkt an die Pariser Weltausstellung und an das zeitgenössische Kunsthandwerk gebunden sind. Drei Artikel befassen sich mit französischen Künstlern (Auguste Rodin, Saint-André de Lignereux, René Lalique) und fünf mit Kunsthandwerksprodukten (Architektur, Interieur und Möbel, Metallindustrie, Glas und Keramik) sowie mit der Rezeption der Wiener Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung[29]. Zudem finden sich jeden Monat kurze Weltausstellungsberichte aus Paris in den „Kleinen Nachrichten“ wieder.

1901 sind nur noch drei Frankreich-Artikel zu finden: zwei lange Artikel über die Weltausstellung[30] und ein Artikel über die Wiener Edmond-Lachenal[31]-Ausstellung[32]. 1902 gibt es keinen einzigen auf Frankreich spezialisierten Langartikel. Hingegen behandeln neun der 21 veröffentlichten Artikel das Kunsthandwerk aus oder in England, Schottland und Amerika. Das von Scala bevorzugte angelsächsische Kunsthandwerk behauptet sich in den zahlreichen Artikeln und Ausstellungsberichten. Bis 1909 beschränken sich die Beiträge über das französische Kunsthandwerk auf die „kurzen Nachrichten“ und auf zwei längere Artikel: Marguillers 1904 veröffentlichte Studie[33] über Jean Dampt[34] (1854–1945) und Ludwig Hevesis Artikel über das Spielkartenwerk des Arsenal-Bibliothekars und Paläographen, Henry-René d’Allemagne[35] (1863–1950)[36], hinzu kommt Hevesis Berichterstattung über die Impressionisten-Ausstellung der Wiener Secession[37] und über die Daumier-Ausstellung in der Galerie Miethke[38].

Nach dem Rücktritt Scalas im Jahre 1909 und bis zum Kriegsausbruch finden sich wieder vermehrt Berichte über französische Ausstellungen und Künstler: eine Studie von Berlepsch über den „Mont Saint Michel“[39] und ein Bericht von Karl Kuzmany über die Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung in der Galerie Miethke im Jahr 1911[40]. Ein zweiter Höhepunkt der Frankreich-Berichterstattung findet sich in den Jahren 1911–1914. Den Hauptteil der Frankreich-Beiträge übernimmt zum ersten Mal eine Beiträgerin, Thilda de Kulmer. Sie veröffentlicht fast jeden Monat Pariser Ausstellungschroniken in den „Kleinen Nachrichten“, worunter sich mitunter umfangreiche und illustrierte Ausstellungsberichte finden[41]. Diese enge und direkte Anbindung an das französische Kunstleben bei gleichzeitiger Monopolstellung bleibt eine Ausnahme in der Geschichte der Zeitschrift.

Überblick der Frankreich-bezogenen Artikel in Kunst und Kunsthandwerk zwischen 1898 und 1921

Während des Ersten Weltkriegs reduziert die Zeitschrift ihren Umfang und verengt ihren Fokus auf die heimische Kriegs- und Grabkunst. Nach der Gründung der Republik und bis zur Auflösung der Zeitschrift bleibt der Frankreichanteil gering, abgesehen von zwei umfangreichen Artikeln über die Gobelin-Ausstellung im Belvedere[42], die sich aber nicht ausschließlich mit der französischen Gobelin-Manufaktur befassen.

Die Tabelle bietet einen Überblick der Entwicklung Frankreich-bezogener Artikel innerhalb der Zeitschrift zwischen 1898 und 1921, wobei zwischen den längeren Studien und den Ausstellungs- und Weltausstellungsberichten unterschieden wird. Es sind unschwer zwei Hauptphasen der Rezeption zu erkennen: das Jahr 1900–1901 mit der Pariser-Weltausstellung und die Jahre 1911 bis 1914 mit 28 Pariser Ausstellungsberichten.

Rezeption der Zeitschrift in Frankreich

Die Vernetzung des Museums mit französischen Institutionen und Beiträgern ist auch für die Verbreitung der Zeitschrift wichtig. Dabei spielt Auguste Marguillier als Redakteur der Gazette des Beaux-Arts eine bedeutende Rolle, der im Juni 1898 in der „Bibliographie des ouvrages publiés en France et à l’étranger“ neben Kunst und Kunsthandwerk auch die Gründung Ver Sacrums ankündigt[43]. Später finden sich Kommentare zu Kunst und Kunsthandwerk in La Revue des revues[44]: „Chacun des fascicules de cette intéressante revue est complété par une chronique de M. L. Hevesi sur la vie artistique à Vienne, et par des nouvelles des musées de cette ville, notamment du Musée autrichien d’art industriel.“ Rückverweise auf spezifische Studien in den Chroniken verdeutlichen die damaligen Transfermechanismen. Neben dem Interesse für innovative und exportierbare Erfolgsrezepte im Bereich des Kunsthandwerks werden vor allem Frankreich-bezogene Artikel rezipiert, wie Hevesis Artikel über Henry-René d’Allemagnes Spielkartenwerk in der Zugabe zur Gazette des Beaux-Arts, „La Chronique des arts et de la curiosité“[45].

Der französisch-österreichische Kultur-Transfer und seine Vermittler:innen

Wie kommt es, dass die in den Artikeln und in der Bibliographie der Zeitschrift dokumentierte Vorreiterrolle der französischen Kunstgeschichte, ihrer Institutionen und des französischen Kunsthandwerks sich nicht im (relativ geringen) Umfang der Frankreich-Artikel wiederfindet? Festzuhalten ist, dass die Frankreich-Artikel an besondere Anlässe gebunden sind: Eine führende Rolle spielen die Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 (fünf der elf Artikel stammen von W. Fred, d.h. Alfred Wechsler, 1879–1922), die Ausstellungen in der Galerie Miehtke und diejenigen der Société des Artistes Décorateurs (zwei Artikel) sowie die 28 Pariser Ausstellungsberichte Thilda von Kulmers (1911–1914).

Die Bindung an den zeitgenössischen Ausstellungsmarkt erklärt den überwältigenden Anteil von Artikeln, die sich reformpädagogisch engagierten Künstler und Künstlerinnen aus einer auffällig kosmopolitischen und emanzipatorischen Perspektive heraus widmen. Das soziale Engagement steht darin in direkter Verbindung zur Förderung des Kunsthandwerks als Kunst und mündet in ein komplexes Transferverhältnis in vielen Artikeln, die Scalas „Arts and Crafts“-Nähe aufnehmen. Berlepschs eigene Nähe zum Gedankengut William Morris‘ findet sich sowohl in seinem Bericht über Myrbachs Napoleon-Illustrationen für einen New Yorker Verleger als auch in der Schilderung von Grassets reformpädagogischen Bemühungen wieder. Auch Beiträger wie Marguillier stehen diesem sozialen Kunstfeld nahe oder sind, wie der Elsässer Eugène Müntz und der Schweizer Robert Forrer (1866–1947), Teil der sich entwickelnden deutsch-französischen Kunstgeschichte. Müntz steht seit 1879 in Verbindung mit Hubert Janitschek, der von Wien nach Prag und dann 1881 nach Straßburg wechselt[46].

Tabelle zu den Verfasser:innen der Frankreich-bezogenen Artikel in Kunst und Kunsthandwerk (1898–1921)

Bezeichnend ist, dass viele Autor:innen, die Artikel über französisches Kunsthandwerk in österreichischen Zeitschriften veröffentlichen, auch in Frankreich über österreichische Künstler:innen und Institutionen berichten, wie etwa Marguillier, der 1913 eine Broschur über das Wiener Kunsthistorische Museum veröffentlicht. Auch die Baronin Klothilde von Kulmer[47] (1877–1953) ist eine interessante Vertreterin des österreichisch-französischen Transfers: zwischen 1912 und 1914 ist sie Sonderberichterstatterin aus Paris für Kunst und Kunsthandwerk und aus Österreich-Ungarn für L’Art décoratif, gleichzeitig bemüht sie sich um Zugang zum New Yorker Century Illustrated Monthly Magazine. Hervorzuheben ist, dass sie in ihren Berichten die Arbeiten von Künstlerinnen hervorhebt[48], wie ihr umfangreicher Artikel über die 1913 vom „Comité des Dames“ kuratierte Ausstellung über Frauenkunst („Travaux d’art féminin“) aus Frankreich und aus Österreich-Ungarn im Musée des arts décoratifs zeigt[49], und sich für die Errungenschaften der „Union des femmes peintres et sculpteurs“[50] begeistert und gleichzeitig die noch begrenzten Ausstellungsmöglichkeiten für Künstlerinnen dokumentiert[51].

Die Tabelle der Beitragenden zu französischzentrierten Themen zeigt ein paradoxes Gender-Gefälle sowie eine Übermacht der deutschsprachigen im Vergleich zu den französischsprachigen Beiträger:innen. Die zentrale Rolle Thilda von Kulmers als Vermittlerin zwischen Frankreich und Österreich-Ungarn auf dem Gebiet des Kunsthandwerks und der Frauenkunst bleibt noch zu erforschen.

Quellen und externe Links

  1. https://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s144823.htm
  2. https://madparis.fr/Les-Arts-Decoratifs
  3. https://www.musee-moyenage.fr/lieu/la-creation-du-musee.html
  4. https://www.sevresciteceramique.fr/manufacture/une-manufacture-d-exception.html
  5. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/021884/2007-07-17/
  6. https://data.bnf.fr/ark:/12148/cb132814614
  7. https://www.laliquemuseum.nl/de/jetzt-zu-sehen/ueber-rene-lalique/
  8. https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/marguillier-auguste-inha
  9. Espagne 2011, 26–27
  10. von Scala 1898, 1
  11. Eitelberger 1855
  12. Espagne 2011, 20
  13. Eitelberger 1879, 333
  14. Eitelberger 1879, 226
  15. http://www.inrp.fr/edition-electronique/lodel/dictionnaire-ferdinand-buisson/document.php?id=3196
  16. Fabiankowitsch 2000, 176
  17. Pirsig-Marshall 2000, 39
  18. von Scala 1899, 4
  19. https://www.deutsche-biographie.de/gnd116856246.html#ndbcontent
  20. Arlaud 2002, 148-149
  21. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Eduard_von_Berlepsch-Valendas
  22. Berlepsch 1898 I/1, 20-41
  23. https://gallica.bnf.fr/accueil/fr/html/hector-guimard-architecte-de-lart-nouveau
  24. https://agorha.inha.fr/ark:/54721/5302e269-d7ad-4a3f-baa1-c0c8647ed475
  25. Müntz 1898 I/11-12, 380–384
  26. 1899, II/1, 23–30
  27. 1900, III/6, S. 237–262
  28. Modern 1900 III/4, 164–166
  29. Hevesi 1900 III/3, 112–122
  30. Pliwa 1901 IV/4, 145–174; Minkus 1901 IV/3, 109–132)
  31. https://www.persee.fr/doc/sevre_1169-2537_1995_num_4_1_1327
  32. Minkus 1901 IV/9, 390–397
  33. Marguillier 1904 VII/1, 1–17
  34. https://musees.dijon.fr/exposition/exposition-temporaire-jean-dampt/
  35. https://www.inha.fr/dictionnaire-critique-des-historiens-de-lart-actifs-en-france-de-la-revolution-a-la-premiere-guerre-mondiale/d-allemagne-henry-inha
  36. Hevesi 1906 IX/12, 718–730
  37. Hevesi 1903 VI/2–3, 101–103
  38. Hevesi 1908 XI/12, S. 662–663
  39. Berlepsch 1910, 279–319
  40. Kuzmany 1911 XIII/3
  41. Kulmer 1912 XIV/4, 234–240; 1912 XV/8–9, S. 472–480; 1913 XVI/5, S. 314–327
  42. Trenkwald 1920 XXIII/7–10, 143–162 und 1921 XXIV/1–4, 32–45
  43. 1898/06, 528
  44. 1907/1
  45. 1908, 101
  46. Passini 2012
  47. https://agorha.inha.fr/ark:/54721/f1bf20bc-ee0e-4582-a503-0010167408a5
  48. Kulmer 1912 XIV/4, 238–239
  49. Kulmer 1913 XVI/5, S. 314–327
  50. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb34428772r/date
  51. 1914 XV/3, 167

Bibliografie

Quellen

  • Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Wien: Artaria & Co, 1898–1921:
    https://hauspublikationen.mak.at/viewer/toc/1351679243468/1/- (letzter Zugriff am 8. November 2025).
  • Rudolf von Eitelberger: Briefe über die moderne Kunst Frankreichs, bei Gelegenheit der Pariser Weltausstellung 1855. Wien: k. und k. Staatsdruckerei 1858.
  • Rudolf von Eitelbeger: Der deutsch-französische Krieg und sein Einfluss auf die Kunst-Industrie Österreichs [1870]. In: Rudolf von Eitelberger: Gesammelte kunsthistorische Schriften II. Wien: Braumüller 1879, S. 316–342, hier S. 333.
  • Arthur von Scala: Einleitung. In: Kunst und Kunsthandwerk [1897]. 1898, I/1, S.1–2.
  • Arthur von Scala: Jahresbericht des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie für das Jahr 1898. Wien: Verlag des Museums 1899.

Umfangreiche Artikel zu Frankreich-zentrierten Themen in Kunst und Kunsthandwerk

(Der Titel der Zeitschrift wird in den folgenden Angaben nicht wiederholt):

1889

  • Hans-Eduard Berlepsch: Felician von Myrbach. 1898 I/1, S. 20–41.
  • Hans-Eduard Berlepsch: Eugène Grasset. 1898, I/4-5, S. 129–155.
  • Eugène Müntz: Gegenstände aus dem Besitze des Königs Matthias Corvinus in den Pariser Sammlungen. 1898, I/11–12, 380–384.

1899

  • Auguste Marguiller: Die französische Medailleurkunst im 19. Jahrhundert 1899, II/1, S. 23–30.

1900

  • Hans Macht: Saint-Andrés Lederplastik. 1900, III/2, S. 80–82.
  • Ludwig Hevesi: Die Kunstgewerbeschule auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/3, S. 112–122.
  • Heinrich Modern: Jean Baptiste Claude Odiot. 1900, III /4, S. 164–166.
  • Auguste Marguillier: Auguste Rodin. 1900, III/6, S. 237–262.
  • Fred W. [Alfred Wechsler]: Architektur und Aussendecoration auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/7, S. 290–309.
  • Fred W. [Alfred Wechsler]: Interieurs und Möbel auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/8, S. 331–352.
  • Fred W. [Alfred Wechsler]: Glas und Keramik auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/9, S. 379–400.
  • Fred W. [Alfred Wechsler]: Bemerkungen über die Metallindustrien auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/10, S. 427–434.
  • Fritz Minkus: Kleine Nachrichten: Die Weltausstellung. Ausstellung von J. Ginskey. 1900 III/10, S. 439.
  • Fritz Minkus: Die Juwelierkunst auf der Pariser Weltausstellung. 1900, III/12, S. 485–503.

1901

  • Fritz Minkus: Die Edelschmiedekunst auf der Pariser Weltausstellung. 1901 IV/3, S. 109–132.
  • Ernst Pliwa: Die österreichischen kunstgewerblichen Anstalten auf der Pariser Weltausstellung. 1901, IV/4, S. 145–174.
  • Fritz Minkus: Edmond Lachenal. 1901, IV/9, S. 390–397.

1903

  • Ludwig Hevesi: Aus dem Wiener Kunstleben. 1903 VI/2-3, S. 101–103.

1904

  • Auguste Marguiller: Jean Dampt. 1904 VII/1, S. 1–17.

1906

  • Ludwig Hevesi: Das Spielkartenwerk von H.-R. d’Allemagne. 1906 IX/12, S. 718–730.

1908

  • Ludwig Hevesi: Die Daumier-Ausstellung in der Galerie Miethke. 1908 XI/12, S. 662–663.

1910

  • Hans-Eduard von Berlepsch-Valendas: Der Mont Saint-Michel. 1910, XIII/5, S. 279–319.

1911

  • Karl. M. Kuzmany: Aus dem Wiener Kunstleben: Corot-Courbet-Delacroix-Ausstellung. 1911 XIV/3, S. 196–198.

Oktober 1911–September 1914: Thilda de Kulmers Pariser Ausstellungsberichte in Kunst und Kunsthandwerk

1911

  • Thilda de Kulmer [Klothilde von Kulmer]: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/10, S. 554–555.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1911 XIV/11, S. 606–609.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1911 XIV/12, S. 686–690.

1912

  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/1, S. 69–70.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/2, S. 131–133.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/3, S. 185–187.
  • Thilda de Kulmer: Die Ausstellung der modernen dekorativen Künste im Musée des Arts décoratifs zu Paris. 1912 XV/4, S. 234–240.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/4, S. 248–250.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/5, S. 323–325.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/6–7, S. 391–400.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/8–9, S. 472–480.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1912 XV/ S. 645–648.

1913

  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/1, S. 76–77.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/2, S. 139–142.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/3, S. 208–213.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/4, S. 274–276.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/5, S. 314–327.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/6–7, S. 415–417.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/8–9, S. 494–497.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/11, S. 604–606.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1913 XVI/12, S. 654–656.

1914

  • Thilda de Kulmer: Moderne Wohnungseinrichtungen im Pariser Herbstsalon. 1914 XVII/1, S. 24–30.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/1, S. 59–61.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/ 2, S. 104–107.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/3, S. 165–168.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/4, S. 210–212.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/5, S. 280–284.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen.1914 XVII/6–7, S. 361–364.
  • Thilda de Kulmer: Pariser Ausstellungen. 1914 XVII/8–9, S. 431–435.

1920

  • Hermann Trenkwald: Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1920 XXIII/7–10, S. 143–162.

1921

  • Hermann Trenkwald: II. Gobelins-Ausstellung im Belvedere. 1921 XXIV/1–4, S. 32–45.

Sekundärliteratur

  • Sylvie Arlaud: Kunst und Kunsthandwerk: une revue entre modernité viennoise et politique culturelle. In: Revue d'Allemagne et des pays de langue allemande 2002, 34/2, S. 139–160.
    https://www.persee.fr/doc/reval_0035-0974_2002_num_34_2_5689 (letzter Zugriff am 8. November 2025).
  • Michel Espagne: Rudolf Eitelberger von Edelberg (1817–1885) et les débuts de l’école viennoise. In: Austriaca. L’école viennoise d’histoire de l’art 2011, 72, S. 17–32.
    https://www.persee.fr/doc/austr_0396-4590_2011_num_72_1_4922 (letzter Zugriff am 8. November 2025).
  • Gabriele Fabiankowitsch: Das Vermittlungsprogramm des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 176–192.
  • Alix de La Chapelle: Un Art nouveau pour le peuple. De « l’art dans tout » à « l’art pour tous ». In: Histoire de l'art 1995/31, S. 59–68.
  • Michela Passini : Correspondance allemande d’Eugène Müntz. Aux origines de l’institutionnalisation de l’histoire de l’art. Paris: Armand Colin 2012.
  • Tanja Pirsig-Marshall: London-Wien. Einfluß und Wirkung der englischen Idee. Das Vorbild South Kensington Museum. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 30–40.
  • Mary Patricia May Sekler: Le Corbusier und das Museum als eine Stätte des Lernens. In: Peter Noever (Hg.): Kunst und Industrie. Die Anfänge des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Wien: Hatje Cantz 2000, S. 252–270.

Autorin

Sylvie Arlaud

Onlinestellung: 08/04/2026