Julius Deutsch

Julius Deutsch (Lackenbach, Burgenland, 2. Februar 1884 – Wien, 17. Januar 1968) tritt schon im Alter von 15 Jahren der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) bei. Nach einem Studium der Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Wien, Zürich, Paris und Berlin, wo er August Bebel[1] und Rosa Luxemburg[2] kennenlernt, tritt er 1909 in das Zentralsekretariat der SDAP ein und wird Redakteur der offiziellen Parteizeitung, der Arbeiterzeitung[3].
Biografie
1915 tritt Julius Deutsch in die österreichisch-ungarische Armee ein und dient als Reserveoffizier der Artillerie. Im Dezember 1917 verlässt er die Front, um als Gewerkschaftsvertreter im Kriegsministerium tätig zu werden. Bereits 1918 behauptet er sich als eine der Führungspersönlichkeiten der österreichischen Sozialdemokratie: Er wird Staatssekretär der ersten republikanischen Regierung und ab 1919 dazu Abgeordneter im Parlament. 1923 übernimmt er zudem die Führung des Republikanischen Schutzbunds[4], der paramilitärischen Kräfte der Sozialdemokraten.
Als im Februar 1934 der Bürgerkrieg ausbricht, flieht Julius Deutsch aus Österreich und sucht Zuflucht in der Tschechoslowakei, wo er gemeinsam mit Otto Bauer[5] die Auslandsabteilung der SDAP ins Leben ruft[5]. Ab 1936 engagiert er sich im Spanischen Bürgerkrieg als Militärberater der republikanischen Regierung im Rang eines Generals und geht Ende 1938 ins Exil nach Paris.
Nach Francos Sieg kehrt er nach Spanien zurück und besucht mehrere Internierungslager im Südwesten Frankreichs, wo er versucht, den auf der Flucht befindlichen Zivilisten und republikanischen Kämpfern zu Hilfe zu kommen. In Paris versucht er – vergeblich – die Grundlagen für einen österreichischen Nationalrat und eine Exilregierung zu schaffen, übernimmt dann die Leitung der „Concentration“, eines Vereins, der alle nach Frankreich geflohenen deutschen und österreichischen sozialistischen Gruppen vereint, und gibt Krieg und Frieden heraus, eine militärpolitische Zeitschrift, die auf Französisch und Deutsch erscheint und u.a. darauf abzielt, deutsche, österreichische und spanische Flüchtlinge in eine autonome Einheit innerhalb der französischen Armee integrieren zu lassen.
Im Jahre 1940, als Julius Deutsch im Begriff ist, mit der „Concentration“ nach Montauban zu ziehen, um der deutschen Invasion zu entkommen, erhält er ein Visum für die Dominikanische Republik und geht an Bord der Cuba. Doch gerade als er den Hafen von Bordeaux verlassen will,[6] wird das Schiff von Soldaten umzingelt. Deutsch gelingt die Flucht, und dank eines Visums, das er kurz vor der endgültigen Schließung des britischen Konsulats in Bordeaux erhalten hat, geht er in letzter Minute an Bord der Blithworth.
Nach einem Zwischenstopp im Vereinigten Königreich kommt er in Kuba an, von wo aus er schließlich in die Vereinigten Staaten gelangt, wobei er von Roosevelts Hilfe für europäische Intellektuelle im Exil profitiert. In New York lernt er die Schriftstellerin Adrienne Thomas kennen, die seine zweite Ehefrau wird, und engagiert sich aktiv in mehreren Flüchtlingsorganisationen, darunter das Austrian Labor Committee und die Free World Association.
Nach seiner Rückkehr nach Wien 1946 leitet Julius Deutsch die publizistischen Aktivitäten der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ), bekleidet dort jedoch keine verantwortungsvollen Ämter mehr. Nach einem Konflikt mit der Parteiführung legt er 1951 all seine Ämter nieder. Er bleibt als Journalist und Autor zahlreicher politischer Werke tätig, darunter seine 1960 veröffentlichte Autobiografie, Ein weiter Weg. Lebenserinnerungen.
Quellen und externe Links
- ↑ https://www.deutsche-biographie.de/gnd118507893.html#ndbcontent
- ↑ https://www.deutsche-biographie.de/gnd118575503.html#ndbcontent
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Arbeiterzeitung
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Republikanischer_Schutzbund
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Otto_Bauer
- ↑ Ruiz 2007
Bibliografie
- Deutsch, Julius: Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung. Zürich: Rascher 1907.
- Deutsch, Julius: Geschichte der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. Wien: Anton Hueber 1908.
- Ruiz, Alain: De 1933 à la fin de la « drôle de guerre ». Souvenirs et traces d’émigrés du Troisième Reich en Aquitaine. In: Stephan Martens (Hrsg.): La France, l’Allemagne et la Seconde Guerre mondiale. Quelles mémoires ? Pessac: Presses universitaires de Bordeaux 2007, S. 237–285.
- Weinzierl, Ulrich (Hrsg.): Österreicher im Exil. Frankreich 1938–1945. Wien: ÖBV, Jugend und Volk 1984.
Autorin
Lucile Dreidemy
Übersetzung: Marc Lacheny
Onlinestellung: 07/05/2026
