Alzir Hella: Unterschied zwischen den Versionen
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==Hella, « la voix française de Stefan Zweig »== | ==Hella, « la voix française de Stefan Zweig »== | ||
Im Hinblick auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen ist Alzir Hella besonders als die französische Stimme Stefan Zweigs (« la voix française de Stefan Zweig ») von Bedeutung. Dreißig Jahre lang, von 1923 bis 1953, ist Hella (neben, u. a., Romain Rolland, Jules Romains und René Arcos) eine zentrale Figur im französischen Netzwerk von Zweig, der wichtigste Übersetzer und einer der Hauptakteure in der Verbreitung von Zweigs Werken. Von ''Amok'' (1924 im Feuilleton der Zeitschrift ''Clarté''/1927 als Buch bei Stock) bis zu ''Un Caprice de Bonaparte'' (1952), über die Mehrheit seiner Erzählungen, Novellen und Romane und seine großen Biografien und Essays, zählt Anne-Élise Delatte rund dreissig in der Übersetzung von Hella (und Bournac) veröffentlichte Bücher Zweigs, wobei die zahlreichen Vorveröffentlichungen im Feuilleton verschiedener Zeitschriften nicht eingerechnet sind. Hella macht Zweigs Bekanntschaft im März 1922 dank des Schriftstellers, Kritikers und Verlegers Léon Bazalgette und Fernand Desprès’<ref>https://maitron.fr/despres-fernand-desire-alfred/</ref>, eines Redakteurs von ''L’Humanité''.<ref>Delatte: 169</ref> Trotz der sehr unterschiedlichen sozialen Herkunft scheinen die beiden Männer schnell eine gewisse Sympathie, ja Freundschaft, füreinander entwickelt zu haben, wozu wohl besonders gemeinsame Interessen (und Befürchtungen) beigetragen haben: der Pazifismus, der Wille, die Nationalismen zu bekämpfen, die Notwendigkeit, den kulturellen Austausch innerhalb Europas (und besonders zwischen Frankreich und Deutschland) zu fördern; dazu kommt noch beider Sensibilität für die Sprachen, für « den Sinn der Worte und den Stil » (le « sens des mots et du style »<ref>Delatte: 171</ref>). | Im Hinblick auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen ist Alzir Hella besonders als die französische Stimme Stefan Zweigs (« la voix française de Stefan Zweig ») von Bedeutung. Dreißig Jahre lang, von 1923 bis 1953, ist Hella (neben, u. a., Romain Rolland, Jules Romains und René Arcos) eine zentrale Figur im französischen Netzwerk von Zweig, der wichtigste Übersetzer und einer der Hauptakteure in der Verbreitung von Zweigs Werken. Von ''Amok'' (1924 im Feuilleton der Zeitschrift ''Clarté''/1927 als Buch bei Stock) bis zu ''Un Caprice de Bonaparte'' (1952), über die Mehrheit seiner Erzählungen, Novellen und Romane und seine großen Biografien und Essays, zählt Anne-Élise Delatte rund dreissig in der Übersetzung von Hella (und Bournac) veröffentlichte Bücher Zweigs, wobei die zahlreichen Vorveröffentlichungen im Feuilleton verschiedener Zeitschriften nicht eingerechnet sind. | ||
Hella macht Zweigs Bekanntschaft im März 1922 dank des Schriftstellers, Kritikers und Verlegers Léon Bazalgette und Fernand Desprès’<ref>https://maitron.fr/despres-fernand-desire-alfred/</ref>, eines Redakteurs von ''L’Humanité''.<ref>Delatte: 169</ref> Trotz der sehr unterschiedlichen sozialen Herkunft scheinen die beiden Männer schnell eine gewisse Sympathie, ja Freundschaft, füreinander entwickelt zu haben, wozu wohl besonders gemeinsame Interessen (und Befürchtungen) beigetragen haben: der Pazifismus, der Wille, die Nationalismen zu bekämpfen, die Notwendigkeit, den kulturellen Austausch innerhalb Europas (und besonders zwischen Frankreich und Deutschland) zu fördern; dazu kommt noch beider Sensibilität für die Sprachen, für « den Sinn der Worte und den Stil » (le « sens des mots et du style »<ref>Delatte: 171</ref>). | |||
Die Übersetzungen von Hella, bzw. des Duos Hella-Bournac, haben zweifellos zum großen Erfolg beigetragen, den Zweig in Frankreich hatte – und immer noch hat.<ref>Siehe dazu auch das ausführliche Vorwort (« Préface ») von Jean-Pierre Lefebvre in dem von ihm in der « Bibliothèque de la Pléiade »herausgegebenen Band Stefan Zweig, ''Romans, nouvelle et récits'' I, Paris, Gallimard, 2013, S. XI – LXXIII, bes. XV sq.</ref> Das dürfte auch an Hellas Übersetzungsmethode liegen: Obwohl er bestrebt ist, im französischen Text die Atmosphäre des deutschen Werkes wiederherzustellen, liefert er doch im wesentlichen zielsprachenorientierte Übersetzungen, adaptiert die Werke also für den Geschmack und die Gewohnheiten der französischen Leser*innen. So nimmt er häufig Streichungen und Änderungen vor. Die zahlreichen Zitate aus der unveröffentlichten Korrespondenz zwischen Hella und Zweig im Buch von A.-É. Delatte<ref>z.B. S. 173, 205, 225, 239, 325</ref> belegen, dass Zweig mit dieser, damals übrigens sehr geläufigen, Methode einverstanden war. Es ist ihm offenbar wichtig, dass der französische Text « un ressenti le plus proche possible de celui induit par le texte original »<ref>Delatte: 225</ref> bewirkt, selbst wenn das mit unterschiedlichen sprachlichen, stilistischen Mitteln passiert, denn wesentlich sei, für Hella wie für Zweig, « que l’étrangeté ne trouble aucunement l’accès spontané au récit »<ref>Delatte: 173</ref>. | Die Übersetzungen von Hella, bzw. des Duos Hella-Bournac, haben zweifellos zum großen Erfolg beigetragen, den Zweig in Frankreich hatte – und immer noch hat.<ref>Siehe dazu auch das ausführliche Vorwort (« Préface ») von Jean-Pierre Lefebvre in dem von ihm in der « Bibliothèque de la Pléiade »herausgegebenen Band Stefan Zweig, ''Romans, nouvelle et récits'' I, Paris, Gallimard, 2013, S. XI – LXXIII, bes. XV sq.</ref> Das dürfte auch an Hellas Übersetzungsmethode liegen: Obwohl er bestrebt ist, im französischen Text die Atmosphäre des deutschen Werkes wiederherzustellen, liefert er doch im wesentlichen zielsprachenorientierte Übersetzungen, adaptiert die Werke also für den Geschmack und die Gewohnheiten der französischen Leser*innen. So nimmt er häufig Streichungen und Änderungen vor. Die zahlreichen Zitate aus der unveröffentlichten Korrespondenz zwischen Hella und Zweig im Buch von A.-É. Delatte<ref>z.B. S. 173, 205, 225, 239, 325</ref> belegen, dass Zweig mit dieser, damals übrigens sehr geläufigen, Methode einverstanden war. Es ist ihm offenbar wichtig, dass der französische Text « un ressenti le plus proche possible de celui induit par le texte original »<ref>Delatte: 225</ref> bewirkt, selbst wenn das mit unterschiedlichen sprachlichen, stilistischen Mitteln passiert, denn wesentlich sei, für Hella wie für Zweig, « que l’étrangeté ne trouble aucunement l’accès spontané au récit »<ref>Delatte: 173</ref>. | ||
Aktuelle Version vom 26. August 2026, 13:26 Uhr

Von Beruf ursprünglich Schriftsetzer, der aktiv in der Druckergewerkschaft tätig war, hat sich Alzir Hella (Alzire Léonce Guillaume Hella, Vieux-Condé [Nord], 30. Dezember 1881–Paris, 14. Juli 1953) in seinem zweiten Lebens- und Berufsabschnitt als Übersetzer zahrleicher Werke aus dem Deutschen ins Französische und besonders als « die französische Stimme Stefan Zweigs » (Anne-Élise Delatte) einen Namen gemacht.
Biografie und berufliche Laufbahn
In Vieux-Condé, einer Bergbaugemeinde in Nordfrankreich, nahe der Grenze zu Belgien (Wallonien) geboren, verbringt der aus einer Arbeiterfamilie stammende Alzir Hella einen großen Teil seiner Kindheit und seiner Schulzeit in der kleinen wallonischen Stadt Péruweltz. Schon in der Hauptschule entwickelt er eine besondere Beziehung zur deutschen Sprache; von Kindheit an begeisterter Leser, wird er Druckerlehrling in einer kleinen örtlichen Druckerei. Nach Lehr- und Wanderjahren quer durch Frankreich findet er schließlich eine Anstellung in Brüssel. Durch seine Lebensgefährtin Rosa Martherus, Tochter eines Plantagenbesitzers in Java, wird er auf die Ausbeutung der autochtonen Bevölkerung durch die Kolonisatoren aufmerksam; das bestärkt seine während seiner Wanderjahre gefasste Erkenntnis von der Notwendigkeit, gegen die Ausbeutung der Menschen durch die Menschen zu kämpfen. In Brüssel verkehrt er in libertären und anarchistischen Kreisen und engagiert sich in der Druckergewerkschaft; nach der Übersiedlung 1912 nach Paris wird er Mitglied im Pariser « Syndicat des Correcteurs ». (Ausführliche Informationen zu Hellas Ausbildung, seine berufliche Laufbahn und sein gewerkschaftliches Engagement finden sich bei A.-É. Delatte: Alzir Hella, la voix française de Stefan Zweig 2018).
Sein gewerkschaftlicher Militantismus, sein Engagement für den Pazifismus, sein Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit bringen ihm sogar kürzere Gefängnisaufenthalte ein und bestimmen klar seinen ersten Lebensabschnitt. Ohne jemals seine Wertvorstellungen und seinen Glauben an die Arbeiterbewegung zu leugnen, widmet sich Hella nach dem Ersten Weltkrieg fast ausschließlich seiner literarischen Tätigkeit, in erster Linie der des Übersetzers. Dank des belgischen Dichters Émile Verhaeren, den er 1902 kennengelernt hat, findet Hella Zugang zu literarischen Kreisen. In Paris schließt er Kontakt mit pazifistischen und internationalistischen Gruppen um Léon Bazalgette[1] (einer der ältesten französischen Freunde von Stefan Zweig), Romain Rolland sowie den Mitgliedern der « Groupe de l’Abbaye » wie René Arcos[2] und Georges Duhamel[3].
Er arbeitet zuerst als Journalist und Literaturkritiker, u.a. als Verantwortlicher der Rubrik « Lettres allemandes » der Tageszeitung L’Humanité, dann aber fast ausschließlich als Übersetzer; ein großer Teil seiner Übersetzungen erscheint vor der Veröffentlichung in Buchform im Feuilleton von L’Humanité und in meist links orientierten Zeitschriften wie der von Henri Barbusse mitbegründeten Clarté.
Im Sinne der gegenseitigen Öffnung und Verständigung zwischen den Völkern, sowie aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse privilegiert er Übersetzungen von deutschsprachigen Autoren; dabei sind ihm auch die dank seiner Bekanntschaft mit Émile Verhaeren hergestellen Beziehungen hilfreich. Alzir Hella ist ein unermüdlicher Übersetzer: Unter den von ihm ins Französische übersetzten Schriftstellern findet man Wilhelm Hauff, E.T.A. Hoffmann, Gottfried Keller, Hermann von Keyserling, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Jean Paul (Richter), Theodor Storm, Ernst Toller … und, unter dem Titel Ceux de la marine (Éditions Sociales Internationales, 1930), den autobiografischen Roman Das Opfer (1925) des Arbeiter-Schriftstellers Albert Daudistel, in dem dieser sein Vagabundendasein Anfang der 1910er Jahre erzählt.
Einen großen Teil seiner Übersetzungen macht Hella in Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter, dessen Name eng mit dem seinen verbunden ist: Olivier Bournac[4]. Bournac, eigentlich Louis, Marie, Jean-Baptiste Angé (1885–1931), ist Lehrer, Dichter und Übersetzer (aus dem Altgriechischen, Deutschen und Englischen), Journalist und Promotor neuer Methoden der Werbung, über die er unter dem Pseudonym « Comfort » schreibt. Trotz seiner großbürgerlichen Herkunft ist er, wie Hella, sozial engagiert und hat sich zum Ziel gesetzt, « den französischen Lesern, bis zu den einfachsten und ärmsten unter ihnen, die Türen zu fremdsprachigen Literaturen zu öffnen »[5]. Ihre Zusammenarbeit, geprägt von zahlreichen gemeinsam gezeichneten Übersetzungen deutschsprachiger Literatur, beginnt 1920 und endet 1931 mit dem frühen Tod von Angé-Bournac, der auf die Folgen im Ersten Weltkrieg erlittener Gasangriffe zurückzuführen ist.
Hella und die österreichische Literatur
Neben Stefan Zweig, der im Leben und in der Arbeit von Alzir Hella einen besonderen Platz einnimmt, sind noch einige andere österreichische Autoren zu nennen, die vom Duo Hella-Bournac dem französischen Publikum vermittelt werden, vor allem Andreas Latzko, Alfred Petzold[6], Arthur Schnitzler und Franz Werfel.
Vom pazifistischen Schriftsteller Andreas Latzko (1876–1943) sind bereits zwei Werke übersetzt, als sich Hella-Bournac seiner annehmen, und zwar der Novellenband Menschen im Krieg (1917, Les Hommes en guerre, übersetzt von Magdeleine Marx, Paris: Flammarion 1920) und sein Hauptwerk Der letzte Mann (1919, Le Dernier Homme, übersetzt von René Arcos und David Roget, mit einer Präsentation von Stefan Zweig und Illustrationen von Frans Masereel, Genf: Éditions du Sablier 1920) ; das Duo Hella-Bournac übersetzt La Marche royale, der Roman erscheint im Juli 1924 im Feuilleton von L’Humanité und 1926 im Pariser Verlag J. Snell (mit Holzdrucken von Louis-Robert Antral).
Der « Arbeiterdichter » Alfons Petzold (1882–1923) ist zwischen März und Mai 1925 mit mehreren Novellen und Gedichten übertragen von Hella-Bournac in L’Humanité (« La dernière ressource », « Une histoire d’Ouvriers » et « Le petit rétameur ») vertreten, der Band Histoires d’ouvriers folgt 1932 im Verlag der Librairie Valois in der Reihe « Les romans du nouvel âge », die Übersetzung zeichnet Alzir Hella alleine.
Der von Berta Zuckerkandl hergestellte Kontakt zwischen Hella und Arthur Schnitzler (1862–1931) ist durch eine seit 1923 bestehende, unveröffenlichte Korrespondenz belegt. Hella und Bournac liefern eine neue Übersetzung der schon 1895 von Gaspard Vallette übersetzten frühen Novelle Sterben (Mourir'), die 1925 von Léon Bazalgette bei F. Rieder in Paris verlegt wird. Im selben Jahr erwirbt Hella von Schnitzler die Rechte für Frau Beate und ihr Sohn (1913); die Veröffentlichung lässt allerdings auf sich warten: Die Übersetzung der (langen) Novelle erscheint erst Ende 1928 im Feuilleton von L’Humanité und 1929 in Buchform im schweizerisch-französischen Verlag Victor Attinger (Neuchâtel, Paris). Hella und Bournac zeichnen auch die Übertragung der Novelle « Der Tod des Junggesellen », die unter dem Titel « Le Célibataire » in kürzester Zeit gleich dreimal erscheint: In der März-Nummer 1929 der Revue des vivants, dann am 15. Mai 1932 in La Revue mondiale, sowie im selben Jahr in der von Félix Bertaux bei Denoël & Steele herausgegebenen Anthologie Romanciers allemands. Da Schnitzler schließlich alle seine « affaires françaises » (französischen Agenden) in die Hände von Suzanne Clauser legt, endet damit die Zusammenarbeit von Hella mit dem Wiener Schriftsteller.
Franz Werfel (1890–1945) ist in Übertragungen von Alzir Hella in Zeitschriften des « Arbeiterdichters » Henry Poulaille[7] (Nouvel âge, Prolétariat, À contre-courant) präsent, 1937 kommt bei Grasset in der Übersetzung von Hella unter dem Titel Rachel contre Dieu der zehn Jahr zuvor im Insel-Verlag erschienene Roman Rahel rechtet mit Gott heraus. Eher eine « Gelegenheitsarbeit » dürfte für das Duo Hella-Bournac die Übersetzung von drei Gedichten von Rilke in den Cahiers du Sud (Nr. 87, Februar 1927) gewesen sein, die dort zum Gedenken an den im Dezember 1926 verstorbenen Dichter stehen.
Hella, « la voix française de Stefan Zweig »
Im Hinblick auf die österreichisch-französischen Kulturbeziehungen ist Alzir Hella besonders als die französische Stimme Stefan Zweigs (« la voix française de Stefan Zweig ») von Bedeutung. Dreißig Jahre lang, von 1923 bis 1953, ist Hella (neben, u. a., Romain Rolland, Jules Romains und René Arcos) eine zentrale Figur im französischen Netzwerk von Zweig, der wichtigste Übersetzer und einer der Hauptakteure in der Verbreitung von Zweigs Werken. Von Amok (1924 im Feuilleton der Zeitschrift Clarté/1927 als Buch bei Stock) bis zu Un Caprice de Bonaparte (1952), über die Mehrheit seiner Erzählungen, Novellen und Romane und seine großen Biografien und Essays, zählt Anne-Élise Delatte rund dreissig in der Übersetzung von Hella (und Bournac) veröffentlichte Bücher Zweigs, wobei die zahlreichen Vorveröffentlichungen im Feuilleton verschiedener Zeitschriften nicht eingerechnet sind.
Hella macht Zweigs Bekanntschaft im März 1922 dank des Schriftstellers, Kritikers und Verlegers Léon Bazalgette und Fernand Desprès’[8], eines Redakteurs von L’Humanité.[9] Trotz der sehr unterschiedlichen sozialen Herkunft scheinen die beiden Männer schnell eine gewisse Sympathie, ja Freundschaft, füreinander entwickelt zu haben, wozu wohl besonders gemeinsame Interessen (und Befürchtungen) beigetragen haben: der Pazifismus, der Wille, die Nationalismen zu bekämpfen, die Notwendigkeit, den kulturellen Austausch innerhalb Europas (und besonders zwischen Frankreich und Deutschland) zu fördern; dazu kommt noch beider Sensibilität für die Sprachen, für « den Sinn der Worte und den Stil » (le « sens des mots et du style »[10]).
Die Übersetzungen von Hella, bzw. des Duos Hella-Bournac, haben zweifellos zum großen Erfolg beigetragen, den Zweig in Frankreich hatte – und immer noch hat.[11] Das dürfte auch an Hellas Übersetzungsmethode liegen: Obwohl er bestrebt ist, im französischen Text die Atmosphäre des deutschen Werkes wiederherzustellen, liefert er doch im wesentlichen zielsprachenorientierte Übersetzungen, adaptiert die Werke also für den Geschmack und die Gewohnheiten der französischen Leser*innen. So nimmt er häufig Streichungen und Änderungen vor. Die zahlreichen Zitate aus der unveröffentlichten Korrespondenz zwischen Hella und Zweig im Buch von A.-É. Delatte[12] belegen, dass Zweig mit dieser, damals übrigens sehr geläufigen, Methode einverstanden war. Es ist ihm offenbar wichtig, dass der französische Text « un ressenti le plus proche possible de celui induit par le texte original »[13] bewirkt, selbst wenn das mit unterschiedlichen sprachlichen, stilistischen Mitteln passiert, denn wesentlich sei, für Hella wie für Zweig, « que l’étrangeté ne trouble aucunement l’accès spontané au récit »[14].
Anhand von Zweigs (unveröffentlichten) Briefen, die Hella während der Besatzung vor der Konfiskation durch die Nazis retten konnte, belegt A.-É. Delatte die enge Zusammenarbeit zwischen dem Schriftsteller und seinem Übersetzer, der auch als literarischer Agent aktiv war. Auch noch nach Zweigs Tod kümmert sich Hella um die Veröffentlichung (bei Grasset) und Verbreitung von so unterschiedlichen Werken wie Brûlant secret (1945, Brennendes Geheimnis, Leipzig 1911), Castellion contre Calvin ou Conscience contre Violence (1946, Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt, Wien 1936) und Un Caprice de Bonaparte (1952).
Quellen und externe Links
- ↑ https://maitron.fr/bazalgette-leon-bazalgette-maurice-leon/
- ↑ https://maitron.fr/arcos-rene-jean-rene/
- ↑ https://www.academie-francaise.fr/les-immortels/georges-duhamel
- ↑ https://www.babelio.com/auteur/Olivier-Bournac/56132
- ↑ Delatte 2018: 129
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Alfons_Petzold
- ↑ https://maitron.fr/poulaille-henry-pseudonyme-hyp/
- ↑ https://maitron.fr/despres-fernand-desire-alfred/
- ↑ Delatte: 169
- ↑ Delatte: 171
- ↑ Siehe dazu auch das ausführliche Vorwort (« Préface ») von Jean-Pierre Lefebvre in dem von ihm in der « Bibliothèque de la Pléiade »herausgegebenen Band Stefan Zweig, Romans, nouvelle et récits I, Paris, Gallimard, 2013, S. XI – LXXIII, bes. XV sq.
- ↑ z.B. S. 173, 205, 225, 239, 325
- ↑ Delatte: 225
- ↑ Delatte: 173
Bibliografie
- Delatte, Anne-Élise: Alzir Hella, la voix française de Stefan Zweig. Étival-lès-Le Mans: Éric Jamet éditeur 2018.
- Lefebvre, Jean-Pierre : « Préface », in Stefan Zweig : Romans, nouvelles et récits I, édition publiée sous la direction de Jean-Pierre Lefebvre. Paris : Gallimard 2013 (« Bibliothèque de la Pléiade »).
- Zieger, Karl: Arthur Schnitzler et la France 1894-1938. Enquête sur une réception. Villeneuve d’Ascq: PU du Septentrion 2012.
Autor
Karl Zieger
Onlinestellung: 26/08/2026
