Kurt Absolon

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Kurt Absolon, um 1950

Der jung verstorbene Wiener Maler Kurt Absolon (geb. 28. Februar 1925 in Wien, verunglückt bei Wulkaprodersdorf im Burgenland am 26. April 1958) wird von Sammlern und Kunsthandel wie von Kritik und Kunsthistorikern für seine subtile, oft literarisch inspirierte Zeichenkunst besonders geschätzt. Wie viele junge Künstlerinnen und Künstler der unmittelbaren Nachkriegszeit verarbeitete er ab 1945 zentrale Errungenschaften der westlichen Moderne und der französischen Avantgarde. Nach der weitgehenden Isolation des österreichischen Kunstbetriebs in der NS-Zeit von den internationalen Strömungen zählte dies zu den ersten Aufgaben der jungen Nachkriegskunst. So zeigt Absolons Œuvre zahlreiche direkte und indirekte Einflüsse der Pariser Moderne, aber auch viele literarische Inspirationen sowie eine aktive persönliche Beteiligung am austrofranzösischen Kunstaustausch.

Leben und Werk

Stadtlandschaft, 1949

Nach der Rückkehr vom Kriegsdienst nahm Absolon im Herbst 1945 sein Studium in der Meisterschule des soeben an die Wiener Akademie der bildenden Künste berufenen Malers Robin Christian Andersen auf. Andersens Malerei war spätfauvistisch und expressionistisch geprägt. Zudem vertrat an der Wiener Akademie schon seit 1935 Herbert Boeckl, der dort ab 1938 den verbindlichen allabendlichen Aktkurs für alle Studierenden leitete, mit seinem farbintensiven expressiven Realismus eine weitere einflussreiche Position der Moderne. Albert Paris Gütersloh[1] konnte von seiner Pariser Erfahrung um 1911 berichten. Schließlich entwickelte auch der 1945 aus dem Schweizer Exil berufene Bildhauer Fritz Wotruba mit seiner Interpretation des Kubismus und seiner prestigeträchtigen Einzelausstellung im Musée national d’art moderne im Palais de Tokyo 1948 die Wiener Akademie erstmals zu einer progressiven Ausbildungsstätte.

Stillleben mit Tierschädel und Raubtierschädeln, 1956
Zyklusbild Le Jardin du Mal nach Charles Baudelaire, 1951

Absolon empfing zudem – wie die meisten anderen Malerinnen und Maler seiner Generation – auch starke Impulse von den kulturpolitischen Aktivitäten der französischen Besatzungsmacht in Wien. Neben vielen kleineren Projekten konfrontierten insbesondere die Ausstellungen 250 Artistes du Salon d’Automne – Paris in Wien (1946) und Moderne französische Gobelins (1949), die im Kunstgewerbemuseum (heute: MAK) veranstaltet wurden, die junge Künstlerschaft eindrucksvoll mit Werken von Picasso, Matisse, Lurçat, Le Corbusier, Rouault und vielen anderen Helden der Pariser Moderne.

Während seines Akademiestudiums bis Sommer 1949 setzte sich Absolon mit der französischen und internationalen Moderne in einer individualistischen Rekombination von deren Elementen auseinander. Seine frühen Selbstporträts und Stadtlandschaften zeigen etwa Errungenschaften des Postimpressionismus wie den flächigen Auftrag von Primärfarben und kräftige Konturen der Bildelemente, aber auch die offenen Pinselstrich-Strukturen des Fauvismus sowie Überlagerungen mit zeichnerischen Elementen in der Art des Surrealismus. Im Sommer 1947 konnte er sich auch in dem von der US-Besatzung und der Harvard University veranstalteten Salzburg Seminar im Schloss Leopoldskron gemeinsam mit Kurt Moldovan, Wander Bertoni und Leopold Rosenmayr auf den aktuellen Stand der internationalen Debatte um die Moderne bringen.

Eine weitere Vertiefung seiner eigenständigen Aneignung der westlichen Moderne brachte Absolons Mitgliedschaft in der Gruppe 50 des Schriftstellers Hans Weigel im Wiener Café Raimund. Hier setzten sich die jungen Literaten und Künstler:innen besonders mit der französischen Literatur auseinander. Man las Rimbaud und Baudelaire, aber auch zeitgenössische Existentialisten wie Sartre und Camus. Weigel gab in Anthologien Texte der jungen Autorinnen und Autoren heraus und publizierte dazu einige freie Illustrationen von Absolon. Die literarische Inspiration (etwa von Lautréamonts 1868 erschienenen Gesängen des Maldoror) war seit jeher ein zentrales Element der surrealistischen Kunst gewesen. So fungierten die vielen neuen Kunst- und Literaturzeitschriften auch in Österreich als natürliches Habitat des Surrealismus. An zwei Medien wirkte der deutsche Maler Edgar Jené entscheidend mit. Jené lebte 1935–50 in Wien und veröffentlichte gemeinsam mit Otto Basil in dessen Zeitschrift PLAN (erschienen 1938 und 1945–48) und mit Max Hölzer in den Surrealistischen Publikationen (1950–54) zahlreiche Werke aus dem Künstlerkreis André Bretons sowie von jungen österreichischen Surrealisten.

Pariser Nachtcafé, 1957

Auch Absolon verfolgte eine Reihe von Illustrationsprojekten für klassische und zeitgenössische literarische Werke. Unabhängig vom tatsächlichen Erscheinen im Druck entstanden freie Serien an Tuschzeichnungen mit Gouache in einem Stil, den viele Autoren im Umfeld des französischen Surrealismus verorteten. Neben mehreren deutsch- und englischsprachigen Werken bearbeitete Absolon auch die französische Literatur, etwa in Bildfolgen zur Lyrik von Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire. Einige dieser Werke zeigte Maurice Besset 1951 in der Ausstellung Malerei, Graphik, Plastik aus Frankreich, Italien, Österreich in seinem einflussreichen Institut Français in Innsbruck. Absolon variierte in diesen Zeichnungen den originalen Titel von Baudelaires Gedichtband Les Fleurs du Mal zu Le Jardin du Mal. Erst 1957, im Jahr vor seinem vorzeitigen Tod, begab sich Absolon schließlich auf eine Studienreise nach Frankreich. Dort suchte er nicht den direkten persönlichen Kontakt zu bekannten modernen Künstlern, sondern zeichnete vorwiegend Stadtlandschaften in Paris und Arles sowie Szenen aus Cafés.

Quellen und externe Links

Bibliografie

  • Kurt Absolon Symposium. Wien: art edition, Verlag Bibliothek der Provinz 2026.
  • Hainz, Bernhard/Üner, Stefan (Hg.): Kurt Absolon. Monografie und Werkverzeichnis. Wien: art edition, Verlag Bibliothek der Provinz 2021.
  • https://www.absolon.at

Autor

Matthias Boeckl

Onlinestellung: 05/02/2026